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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Allgemeinerkrankungen und Auge

Schwangerschaft und Augen: Augenveränderungen in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft verändern Hormone und Wassereinlagerung auch die Augen: Trockene Augen, schlechter vertragene Kontaktlinsen und leicht veränderte Brillenwerte sind häufig und harmlos. Plötzliche Sehstörungen mit Kopfschmerzen können dagegen auf eine Präeklampsie hinweisen und sind ein Notfall.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 45 Minuten · 33 Quellen in 4 Sprachen

Dringend: Leichte Trockenheit oder Unschärfe kann bis zum nächsten Termin warten; plötzliche Sehstörungen mit Kopfschmerzen sind ein Notfall (Geburtsklinik oder Notruf 112, in Österreich 144). Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (4)

Was bedeutet „Schwangerschaft und Augen“?

Gemeint sind alle Veränderungen an Augen und Sehen, die während der Schwangerschaft, rund um die Geburt und in der Stillzeit auftreten können.

Es handelt sich nicht um eine einzelne Krankheit. Die Hormonumstellung, die Wassereinlagerung im Gewebe und der veränderte Kreislauf wirken auch auf das Auge. Meist bleibt es bei harmlosen, vorübergehenden Beschwerden. Einige Sehstörungen sind aber Warnzeichen einer ernsten Schwangerschaftserkrankung.

Welche Gruppen von Augenveränderungen gibt es?

Fachleute unterscheiden vier Gruppen: normale Veränderungen, Warnzeichen von Schwangerschaftserkrankungen, Verschlechterung schon bestehender Augenleiden und seltene schwangerschaftstypische Augenerkrankungen.

GruppeBeispieleBedeutung
Normale (physiologische) Veränderungentrockene Augen, Kontaktlinsen-Unverträglichkeit, leicht veränderte Brillenwerte, geschwollene Lider, Pigmentflecken, etwas niedrigerer Augeninnendruckmeist harmlos, verschwinden nach Geburt oder Stillzeit
Warnzeichen von SchwangerschaftserkrankungenFlimmern, Lichtblitze, Schatten, Doppelbilder oder plötzlich verschwommenes Sehen bei Präeklampsie; schwankende Sehschärfe bei hohem Blutzuckerdringend bis Notfall, sofort ärztlich abklären
Verschlechterung bestehender Augenleidendiabetische Retinopathie, Uveitis, Augen-Toxoplasmose, Augenbeteiligung bei Morbus Basedow, Glaukom, Keratokonusgeplante, oft engmaschige Kontrollen nötig
Schwangerschaftstypische Augenerkrankungenzentrale seröse Chorioretinopathie, seröse Netzhautablösung bei Präeklampsie, Netzhautblutungen nach starkem Pressenselten, meist gute Rückbildung nach der Geburt

Wie häufig sind Augenprobleme in der Schwangerschaft?

Nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) hat etwa jede sechste werdende Mutter Augenprobleme; die meisten sind harmlos.

  • Trockene Augen: nach Angaben der DOG und mehrerer Studien bis zu 70 von 100 Schwangeren.
  • Veränderte Brillenstärke: bei etwa 14 von 100 Schwangeren, meist eine leichte Zunahme der Kurzsichtigkeit.
  • Blutung unter der Bindehaut: bei etwa 10 von 100 Frauen während oder nach der Geburt.
  • Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck: bei etwa 5 bis 11 von 100 Schwangeren; eine Präeklampsie bei etwa 2 bis 8 von 100.
  • Zentrale seröse Chorioretinopathie: sehr selten, in einer Untersuchung bei etwa 4 von 17.000 Frauen mit sonst unauffälliger Schwangerschaft.

Das Wichtigste in Kürze

Leichte Beschwerden wie Trockenheit oder etwas unschärferes Sehen sind häufig und gehen fast immer von selbst zurück; plötzliche Sehstörungen mit Kopfschmerzen sind dagegen ein Notfall.

  • Flimmern, Lichtblitze, Schatten, Doppelbilder oder plötzlich verschwommenes Sehen, vor allem ab der 20. Schwangerschaftswoche und mit Kopfschmerzen oder Oberbauchschmerzen: sofort Frauenärztin, Geburtsklinik oder Notruf (112, in Österreich 144).
  • Eine neue Brille lohnt sich meist erst einige Wochen nach der Geburt oder nach dem Abstillen.
  • Eine Augenlaser-Operation ist in der Schwangerschaft nicht ratsam; die DOG rät, danach etwa ein Jahr zu warten.
  • Frauen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes brauchen eine Augenuntersuchung schon vor der Schwangerschaft und Kontrollen währenddessen.
  • Starke Kurzsichtigkeit, ein Grüner Star oder eine frühere Netzhautoperation sind nach Angaben der DOG in der Regel kein Grund für einen Kaiserschnitt.
  • Augentropfen gelangen in kleinen Mengen in den Kreislauf. Künstliche Tränen gelten als unbedenklich, andere Wirkstoffe nur nach Rücksprache.

2 Symptome

In diesem Kapitel (25)

Welche Augenbeschwerden sind in der Schwangerschaft normal?

Normal sind vor allem trockene, gereizte Augen, eine schlechtere Verträglichkeit von Kontaktlinsen, leicht verschwommenes Sehen in der Ferne und morgens geschwollene Lider.

Diese Beschwerden entstehen langsam, betreffen meist beide Augen gleich und schwanken nicht stark im Tagesverlauf. Sie stören, gefährden das Sehen aber nicht. Nach der Geburt oder nach dem Abstillen verschwinden sie in aller Regel.

Anders ist es, wenn eine Sehstörung plötzlich auftritt, nur ein Auge betrifft, mit Schmerzen einhergeht oder von Kopfschmerzen begleitet wird. Dann ist eine rasche Abklärung nötig.

Wie fühlen sich trockene Augen in der Schwangerschaft an?

Trockene Augen brennen, kratzen oder fühlen sich an, als sei Sand oder ein Fremdkörper im Auge.

Viele Schwangere beschreiben zusätzlich:

  • gerötete Augen, besonders am Abend
  • Jucken und ein Gefühl von Müdigkeit in den Augen
  • zeitweise verschwommenes Sehen, das sich nach kräftigem Blinzeln bessert
  • Lichtempfindlichkeit
  • Beschwerden beim Lesen oder am Bildschirm, weil man dabei seltener blinzelt
  • paradoxerweise tränende Augen

Das Tränen wirkt widersprüchlich, ist aber typisch. Die gereizte Augenoberfläche löst reflexhaft einen Schwall wässriger Tränen aus, der den Tränenfilm nicht dauerhaft stabilisiert. Mehr dazu im Beitrag zum Trockenen Auge.

Warum vertrage ich meine Kontaktlinsen plötzlich nicht mehr?

Kontaktlinsen werden in der Schwangerschaft oft schlechter vertragen, weil der Tränenfilm dünner wird und die Hornhaut ihre Form leicht verändert.

Typisch sind ein Fremdkörpergefühl, schneller trockene Linsen, mehr Ablagerungen auf der Linse und eine kürzere beschwerdefreie Tragezeit. Manche Frauen bemerken, dass gut sitzende Linsen plötzlich drücken oder verrutschen. Die Hornhaut wird im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft etwas dicker und stärker gekrümmt, außerdem nimmt ihre Empfindlichkeit ab.

Die verminderte Empfindlichkeit ist ein Grund zur Vorsicht: Eine kleine Verletzung oder Entzündung unter der Linse wird womöglich später bemerkt. Ein rotes, schmerzendes Auge unter Kontaktlinsen gehört deshalb immer zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Ist verschwommenes Sehen in der Schwangerschaft normal?

Leicht verschwommenes Sehen, das sich langsam entwickelt und beide Augen betrifft, ist meist harmlos; plötzlich auftretendes oder stark schwankendes Verschwommensehen ist es nicht.

Der häufigste harmlose Grund ist eine leichte Zunahme der Kurzsichtigkeit. Wasser lagert sich in Hornhaut und Linse ein, dadurch bricht das Auge das Licht etwas stärker. Die Ferne wirkt dann weniger scharf, etwa Verkehrsschilder oder Untertitel im Fernsehen.

Wie stark ändern sich die Brillenwerte?

Meist um 0,25 bis 0,75 Dioptrien, in Einzelfällen bis etwa 1,5 Dioptrien in Richtung Kurzsichtigkeit.

Spanische Quellen nennen 0,5 bis 1 Dioptrie, am häufigsten im letzten Schwangerschaftsdrittel. Gelegentlich ist auch eine vorübergehende Schwäche beim Nahsehen beschrieben, ähnlich einer früh einsetzenden Alterssichtigkeit. Bei den meisten Frauen kehren die Werte nach der Geburt zum Ausgangswert zurück, bei wenigen bleibt eine kleine Änderung bestehen.

Wann ist verschwommenes Sehen ein Warnzeichen?

Verschwommenes Sehen ist ein Warnzeichen, wenn es plötzlich beginnt, im Lauf des Tages mehrmals wechselt oder mit Kopfschmerzen, Flimmern oder Schwellungen einhergeht.

  • Plötzlich, mit Kopfschmerz oder Oberbauchschmerz: Verdacht auf Präeklampsie, sofort abklären.
  • Mehrmals täglich wechselnde Sehschärfe: möglicher Hinweis auf stark schwankenden Blutzucker oder einen bisher unerkannten Diabetes.
  • Nur ein Auge, mit verzerrten Linien: möglicher Hinweis auf eine Flüssigkeitsansammlung unter der Netzhautmitte.

Warum fällt mir das Lesen in der Nähe schwerer?

Die Fähigkeit des Auges, sich auf die Nähe einzustellen (Akkommodation), kann in der Schwangerschaft und in der Stillzeit vorübergehend nachlassen.

Kleine Schrift verschwimmt dann schneller, das Lesen strengt mehr an, und eine gewohnte Lesebrille wirkt plötzlich zu schwach. In der Literatur sind solche Störungen der Naheinstellung auch im Zusammenhang mit dem Stillen beschrieben. Sie bilden sich in aller Regel zurück.

Geschwollene Lider und ein hängendes Oberlid: Was steckt dahinter?

Morgens geschwollene Lider auf beiden Seiten sind in der Schwangerschaft häufig und entstehen durch Wassereinlagerung.

Die Schwellung ist meist nach dem Aufstehen am stärksten und nimmt im Lauf des Tages ab. Kühle Kompressen lindern sie. Auch ein leicht hängendes Oberlid (Ptosis) kann durch die Wassereinlagerung und hormonell gelockertes Gewebe entstehen, auch während der Geburt oder im Wochenbett. Es bildet sich meist von selbst zurück.

Ärztlich abklären lassen sollten Sie:

  • eine Lidschwellung, die nur auf einer Seite auftritt, rasch zunimmt, gerötet ist oder schmerzt
  • eine plötzliche, deutliche Schwellung von Gesicht und Händen, denn sie kann zu einer Präeklampsie gehören
  • ein hängendes Oberlid zusammen mit Doppelbildern oder einer erweiterten Pupille, denn das kann auf eine Lähmung des dritten Hirnnervs hinweisen (siehe Augenmuskellähmung)

Woher kommen die braunen Flecken um die Augen?

Bräunliche Flecken um die Augen und zur Nasenwurzel hin sind eine harmlose, hormonell bedingte Pigmentierung (Melasma oder Chloasma, „Schwangerschaftsmaske“).

Französische Fachliteratur nennt eine verstärkte Pigmentierung um die Augen bei sehr vielen Schwangeren. Die Flecken verblassen nach der Geburt meist langsam. Auch kleine Gefäßspinnen im Gesicht (Spinnennävi) kommen vor. Beides betrifft nur die Haut, nicht das Auge.

Mein Auge ist nach der Geburt blutrot: Ist das gefährlich?

Ein flächig rotes Auge nach den Presswehen ist meist eine harmlose Blutung unter der Bindehaut, die das Sehen nicht beeinträchtigt.

Beim kräftigen Pressen steigt der Druck in den Venen von Kopf und Hals, und ein kleines Äderchen in der Bindehaut kann platzen. Das sieht erschreckend aus, tut aber kaum weh und verschwindet in ein bis zwei Wochen. Etwa jede zehnte Frau hat eine solche Einblutung während oder nach der Geburt. Mehr dazu unter Blutung unter der Bindehaut.

Anders ist es, wenn nach der Geburt das Sehen selbst schlechter ist, etwa durch einen dunklen Fleck in der Bildmitte. Dann kann eine Blutung in der Netzhaut vorliegen (Valsalva-Retinopathie). Auch sie heilt meist von selbst, sollte aber augenärztlich angesehen werden.

Lichtempfindlichkeit und Migräne in der Schwangerschaft

Viele Schwangere sind lichtempfindlicher als sonst; bei Migräne kann sich das verstärken.

Migräne bessert sich bei vielen Frauen im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel und kehrt nach der Geburt oft zurück, wenn der Östrogenspiegel abfällt. Eine Migräne-Aura mit Zickzacklinien oder Flimmern, das sich über 5 bis 60 Minuten ausbreitet und wieder verschwindet, kennen Betroffene oft schon von früher (siehe Augenmigräne).

Wichtig: Tritt Flimmern in der Schwangerschaft zum ersten Mal auf, fühlt es sich anders an als gewohnt oder kommt es mit Bluthochdruck, Schwellungen oder Oberbauchschmerzen, darf es nicht vorschnell als Migräne gedeutet werden. Es kann ein Zeichen einer Präeklampsie sein.

Merke ich, wenn sich mein Augeninnendruck ändert?

Nein. Der Augeninnendruck sinkt in der Schwangerschaft bei den meisten Frauen leicht, etwa um 2 bis 3 mmHg, und das spürt man nicht.

Der Druck sinkt vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte und bleibt teils noch Monate nach der Geburt niedriger. Für Frauen mit Grünem Star ist das oft günstig. Es gibt aber Ausnahmen: In einer kleinen Studie stieg der Druck bei einigen Frauen mit Glaukom an, und bei manchen schritt der Gesichtsfeldschaden fort. Regelmäßige Kontrollen bleiben deshalb nötig.

Welche Sehstörungen deuten auf eine Präeklampsie hin?

Plötzliche Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze, Schatten, dunkle Flecken, Doppelbilder oder verschwommenes Sehen können auf eine Präeklampsie hinweisen und müssen sofort ärztlich abgeklärt werden.

Die Präeklampsie (früher „Schwangerschaftsvergiftung“ oder „Gestose“) ist ein Bluthochdruck mit Organbeteiligung, der meist nach der 20. Schwangerschaftswoche beginnt. Sie gefährdet Mutter und Kind. Die Augen sind oft beteiligt, weil sich die kleinen Netzhautgefäße und die Gefäße im Gehirn verengen.

Diese Sehstörungen sind typisch

  • Verschwommenes Sehen: das häufigste Augensymptom, oft auf beiden Augen.
  • Flimmern und Funken: Flimmerskotome, also flackernde Flecken im Gesichtsfeld.
  • Lichtblitze (Photopsien): kurze helle Blitze, auch bei geschlossenen Augen.
  • Dunkle Flecken oder Schatten: Bereiche, in denen man nichts oder nur grau sieht (Skotome).
  • Gesichtsfeldausfälle: Teile des Bildes fehlen.
  • Doppelbilder.
  • Plötzliche Probleme, scharf zu stellen.
  • Lichtempfindlichkeit.
  • Vorübergehende Erblindung: selten, auf einem oder beiden Augen, für Minuten bis Tage.

Wie häufig sind Sehstörungen bei Präeklampsie?

Die Angaben schwanken stark: Je nach Studie hat etwa jede vierte bis jede zweite Frau mit Präeklampsie Sehbeschwerden.

Veränderungen an den Netzhautgefäßen finden Augenärzte noch häufiger, je nach Untersuchung bei 30 bis fast 100 von 100 Betroffenen. Viele dieser Frauen merken davon nichts. Je höher der Blutdruck, desto stärker sind die Netzhautveränderungen. Hintergrund dazu im Beitrag zum Netzhautschaden durch Bluthochdruck.

Welche Beschwerden begleiten die Sehstörung bei Präeklampsie?

Typisch sind starke Kopfschmerzen, Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen oder im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen und plötzliche Schwellungen an Gesicht, Händen und Füßen.

  • starker Kopfschmerz, der mit üblichen Schmerzmitteln nicht besser wird
  • Schmerz im rechten Oberbauch oder unter den Rippen, manchmal gürtelförmig
  • Übelkeit und Erbrechen, besonders wenn sie in der zweiten Schwangerschaftshälfte neu auftreten
  • rasch zunehmende Schwellung (Ödeme) von Gesicht, Händen, Füßen und Knöcheln
  • plötzliche Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage
  • Schwindel, Benommenheit, Verwirrtheit
  • Atemnot
  • wenig Urin

Das HELLP-Syndrom, eine schwere Sonderform, kann sogar ohne erhöhten Blutdruck beginnen. Hinweise sind Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerz, starke Erschöpfung sowie leichte Blutungen oder blaue Flecken.

Kann eine Präeklampsie ohne Sehstörungen verlaufen?

Ja. Eine Präeklampsie verläuft häufig ganz ohne Beschwerden; deshalb werden Blutdruck und Urin bei jeder Vorsorgeuntersuchung kontrolliert.

Auch eine bereits geschädigte Netzhaut verursacht nicht immer Beschwerden: Nur etwa ein Viertel bis die Hälfte der Frauen mit Netzhautveränderungen durch Schwangerschaftshochdruck bemerkt etwas. Gutes Sehen schließt eine Präeklampsie also nicht aus. Nehmen Sie die Vorsorgetermine deshalb auch dann wahr, wenn Sie sich wohlfühlen.

Kann eine Präeklampsie auch nach der Geburt auftreten?

Ja. Eine Präeklampsie kann erstmals nach der Entbindung beginnen, meist in den ersten Tagen, nach englischen und französischen Angaben bis zu vier bis sechs Wochen danach.

Wer im Wochenbett plötzlich schlecht sieht, Flimmern bemerkt oder starke Kopfschmerzen bekommt, sollte deshalb ebenso rasch handeln wie in der Schwangerschaft. Sagen Sie dabei ausdrücklich, dass Sie vor Kurzem entbunden haben.

Was ist eine plötzliche Erblindung bei Eklampsie?

Bei schwerer Präeklampsie oder Eklampsie kann das Sehen auf beiden Augen plötzlich stark nachlassen oder ganz ausfallen, meist weil die Sehrinde im Gehirn vorübergehend anschwillt (kortikale Blindheit).

Die Augen selbst sind dabei oft unauffällig, und die Pupillen reagieren normal auf Licht. Ursache ist meist ein vorübergehendes Hirnödem, das Fachleute posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES) nennen. Das Sehen kehrt in den meisten Fällen innerhalb von Stunden bis etwa einer Woche zurück. Gesichtsfeldausfälle können länger bestehen bleiben.

Weitere schwere, aber seltene Ursachen eines Sehverlusts bei Präeklampsie sind eine seröse Netzhautablösung, eine Durchblutungsstörung des Sehnervs und Blutungen. Jeder Sehverlust bei Präeklampsie gilt als Zeichen einer drohenden Eklampsie mit Krampfanfällen und ist ein Notfall.

Auch Medikamente, die bei Präeklampsie gegeben werden, etwa Magnesiumsulfat, können vorübergehend das Sehen beeinflussen. Das gehört zur Beurteilung in der Klinik.

Welche Augensymptome gibt es bei Schwangerschaftsdiabetes?

Typisch ist eine Sehschärfe, die plötzlich oder mehrmals am Tag wechselt, weil die Augenlinse bei schwankendem Blutzucker Wasser aufnimmt und abgibt.

Morgens sieht man vielleicht gut, nach einer Mahlzeit verschwommen, abends wieder besser. Dieses Muster ist ein Hinweis, den Blutzucker prüfen zu lassen. Die Abklärung übernehmen die Frauenärztin oder der Frauenarzt beziehungsweise die Hausärztin oder der Hausarzt, nicht die Augenarztpraxis.

Ein Schwangerschaftsdiabetes, der erstmals in der Schwangerschaft auftritt, schädigt die Netzhaut nach heutigem Wissen nicht. Vorsicht ist nur geboten, wenn sich dahinter ein bisher unerkannter Typ-2-Diabetes verbirgt.

Wie macht sich eine diabetische Retinopathie in der Schwangerschaft bemerkbar?

Am Anfang meist gar nicht: Eine diabetische Netzhauterkrankung verursacht lange keine Beschwerden und wird nur bei der Untersuchung des Augenhintergrunds entdeckt.

Bei Frauen mit vorbestehendem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes kann sie in der Schwangerschaft rasch fortschreiten. Spätere Zeichen sind:

  • verschwommenes oder schwankendes Sehen
  • neue „Mücken“ oder Schlieren im Blickfeld (Glaskörpertrübungen)
  • dunkle oder leere Stellen im Gesichtsfeld
  • blassere oder veränderte Farben
  • plötzlicher Sehverlust durch eine Blutung in den Glaskörper

Wenn diese Zeichen auftreten, ist die Erkrankung oft schon fortgeschritten. Deshalb sind Kontrollen ohne Beschwerden so wichtig. Ausführlich im Beitrag zur Diabetischen Retinopathie.

Woran erkenne ich eine zentrale seröse Chorioretinopathie?

Eine zentrale seröse Chorioretinopathie (CSC) zeigt sich meist auf einem Auge durch verzerrtes Sehen, einen grauen oder dunklen Fleck in der Bildmitte und etwas schlechtere Sehschärfe.

Bei der CSC sammelt sich Flüssigkeit unter der Netzhautmitte. In der Schwangerschaft tritt sie meist im letzten Drittel auf, in Fallserien im Mittel um die 29. bis 30. Woche. Betroffene beschreiben:

  • gerade Linien, etwa Türrahmen oder Fliesenfugen, wirken gebogen oder wellig (Metamorphopsien)
  • Gegenstände erscheinen auf dem betroffenen Auge kleiner (Mikropsie)
  • ein verschwommener, grauer oder bräunlicher Fleck in der Mitte des Bildes
  • Farben wirken blasser, Kontraste schwächer
  • das Sehen ist mäßig, aber nicht stark vermindert

Die CSC tut nicht weh und ist kein Notfall wie eine Präeklampsie. Sie sollte aber zeitnah augenärztlich untersucht werden, damit andere Ursachen ausgeschlossen werden. Mehr unter Zentrale seröse Chorioretinopathie.

Welche Zeichen sprechen für eine Netzhautablösung?

Plötzliche Lichtblitze, ein Schwarm neuer dunkler Punkte („Rußregen“) und ein Schatten oder Vorhang, der sich von der Seite ins Bild schiebt, sind Warnzeichen einer Netzhautablösung.

Eine Netzhautablösung schmerzt nicht. Sie kann sich plötzlich oder schleichend entwickeln. Die Schwangerschaft selbst erhöht das Risiko für die übliche, durch einen Riss entstehende Netzhautablösung nach heutigem Wissen nicht. Starke Kurzsichtigkeit erhöht aber das Grundrisiko, unabhängig von der Schwangerschaft. Mehr dazu unter Netzhautablösung.

Bei Präeklampsie gibt es eine andere Form, die seröse Netzhautablösung. Hier hebt Flüssigkeit die Netzhaut ab, ohne dass ein Riss vorliegt. Sie betrifft oft beide Augen, wird häufig erst nach der Geburt bemerkt und heilt meist folgenlos ab.

Doppelbilder in der Schwangerschaft: Was kann dahinterstecken?

Neue Doppelbilder sind in der Schwangerschaft nie normal und sollten am selben Tag abgeklärt werden.

Mögliche Ursachen sind:

  • Präeklampsie: oft mit Kopfschmerzen und anderen Sehstörungen.
  • Erhöhter Hirndruck ohne erkennbare Ursache (idiopathische intrakranielle Hypertension): meist im ersten Schwangerschaftsdrittel, mit Kopfschmerzen, kurzen Sehverdunkelungen und manchmal einem pulsierenden Ohrgeräusch. Die Augenärztin sieht dann oft eine Stauungspapille.
  • Blutgerinnsel in einer Hirnvene (Sinusvenenthrombose): mit Kopfschmerz, Lidschwellung, Doppelbildern oder Gesichtsfeldausfall.
  • Lähmung eines Augenmuskelnervs: zum Beispiel mit hängendem Lid und weiter Pupille.
  • Morbus Basedow: Die Augenbeteiligung (Endokrine Orbitopathie) kann sich im ersten Drittel verschlechtern, im zweiten und dritten bessern und nach der Geburt wieder aufflammen.

Gesichtsfeldausfälle: Wann denkt man an die Hirnanhangdrüse?

Fehlen auf beiden Augen die äußeren Hälften des Gesichtsfelds, kann eine vergrößerte Hirnanhangdrüse (Hypophyse) auf die Sehnervenkreuzung drücken.

Die Hypophyse wächst in der Schwangerschaft natürlicherweise etwas. Bei einem bekannten Hypophysentumor, etwa einem Prolaktinom, kann sie stärker wachsen. Meist kommt zuerst Kopfschmerz, dann eine fortschreitende Einengung des Gesichtsfelds. Man stößt dann etwa seitlich häufiger an Türrahmen oder übersieht Personen, die von der Seite kommen. Frauen mit bekanntem Hypophysentumor erhalten deshalb in der Schwangerschaft regelmäßige Gesichtsfeldkontrollen.

Welche Augenprobleme können direkt nach der Geburt auftreten?

Nach der Geburt sind die harmlose Bindehautblutung und ein vorübergehend hängendes Lid am häufigsten; selten kommen ernste Netzhautschäden vor.

  • Valsalva-Retinopathie: Blutung vor oder in der Netzhautmitte nach starkem Pressen; ein dunkler Fleck in der Bildmitte; heilt meist in Wochen bis Monaten von selbst.
  • Purtscher-ähnliche Retinopathie: sehr selten, meist in den ersten 24 Stunden nach der Geburt; starker Sehverlust auf einem oder beiden Augen, verbunden mit Präeklampsie, Gerinnungsstörungen oder einer Fruchtwasserembolie.
  • Horner-Syndrom nach Periduralanästhesie: ein leicht hängendes Lid und eine kleinere Pupille auf einer Seite; nach französischen Angaben bei 0,4 bis 2,5 von 100 Frauen mit Periduralanästhesie, fast immer vorübergehend (siehe Horner-Syndrom).
  • Präeklampsie im Wochenbett: mit denselben Sehstörungen wie in der Schwangerschaft.

Wie verändern sich bestehende Augenerkrankungen in der Schwangerschaft?

Manche Augenerkrankungen bessern sich in der Schwangerschaft, andere verschlechtern sich; nach der Geburt kommt es oft zu einem Rückfall.

ErkrankungTypischer Verlauf in der Schwangerschaft
Diabetische Retinopathiekann deutlich fortschreiten, am stärksten im zweiten Drittel; Risiko bis zu ein Jahr nach der Geburt
Nicht infektiöse Uveitisbessert sich oft, Schübe eher im ersten Drittel; Rückfälle in den ersten sechs Monaten nach der Geburt
Toxoplasmose am Augealte Narben können wieder aktiv werden: weniger Sehen, neue Schlieren
Grüner StarDruck meist niedriger, bei einzelnen Frauen aber Anstieg oder Fortschreiten
KeratokonusStudien widersprüchlich; einige zeigen ein Fortschreiten, das nach der Geburt bestehen bleibt
Endokrine Orbitopathie (Morbus Basedow)oft schlechter im ersten Drittel, besser im zweiten und dritten, Rückfall nach der Geburt
Sehnerventzündung bei Multipler SkleroseSchübe in der Schwangerschaft seltener, in den ersten drei Monaten nach der Geburt häufiger
Grauer Starmehr Wasser in der Linse kann eine Linsentrübung verstärken

Was bemerken Partner und Angehörige?

Angehörige bemerken vor allem geschwollene Lider, ein gerötetes Auge, häufiges Reiben der Augen oder dass die Schwangere Schilder plötzlich schlechter liest.

Alarmzeichen, bei denen Angehörige sofort den Notruf wählen sollten, sind Verwirrtheit, ungewöhnliche Benommenheit, Sprachstörungen, starke Lichtscheu mit heftigen Kopfschmerzen oder ein Krampfanfall. Ein Krampfanfall in der Schwangerschaft oder im Wochenbett ist bis zum Beweis des Gegenteils eine Eklampsie.

Übersicht: Welches Symptom ist wie dringend?

Die folgende Tabelle ordnet die häufigsten Beschwerden ein; im Zweifel gilt immer: lieber einmal zu früh abklären.

BeschwerdeMeistWas tun?
Brennen, Sandgefühl, trockene AugenharmlosTränenersatz, bei Bedarf Routinetermin
Kontaktlinsen drückenharmlosTragezeit verkürzen, Brille
Ferne leicht unscharf, langsam entstandenharmlosabwarten, Routinekontrolle
Lider morgens beidseits geschwollenharmloskühlen; bei plötzlicher starker Schwellung Blutdruck prüfen lassen
Blutrotes Auge nach dem Pressen, Sehen normalharmlosabwarten
Sehschärfe wechselt mehrmals am TagBlutzucker?in den nächsten Tagen ärztlich abklären
Verzerrte Linien, grauer Fleck auf einem AugeCSC?innerhalb weniger Tage zur Augenärztin oder zum Augenarzt
Lichtblitze, Rußregen, SchattenNetzhautablösung?am selben Tag augenärztlich
Flimmern, Schatten, Doppelbilder, plötzlich verschwommen, mit KopfschmerzPräeklampsie?sofort Geburtsklinik oder Notruf
Plötzliche Blindheit, Krampfanfall, VerwirrtheitEklampsie?Notruf 112, in Österreich 144

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (10)

Warum verändern sich die Augen in der Schwangerschaft?

Hauptursachen sind die Schwangerschaftshormone, die Wassereinlagerung im Gewebe, ein veränderter Kreislauf und ein veränderter Stoffwechsel.

Östrogen, Progesteron, Relaxin, Prolaktin und Kortisol steigen stark an. Das Blutvolumen nimmt zu, die Gefäße reagieren anders, und das Gewebe hält mehr Wasser. Auch das Immunsystem stellt sich um. Alle diese Vorgänge betreffen das Auge mit, von der Tränendrüse bis zur Netzhaut.

Warum werden die Augen trocken?

Die Hormonumstellung verringert die Menge und verändert die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit.

Die Tränendrüse bildet weniger wässrigen Anteil. Die Talgdrüsen am Lidrand (Meibom-Drüsen) liefern weniger Öl, vermutlich weil der Spiegel männlicher Hormone (Androgene) vorübergehend sinkt. Ohne diese Ölschicht verdunstet der Tränenfilm schneller. Hinzu kommen äußere Faktoren wie trockene Heizungsluft, Klimaanlagen, lange Bildschirmarbeit und Kosmetika, auf die die Lidhaut in der Schwangerschaft empfindlicher reagieren kann.

Warum ändert sich die Brillenstärke?

Hornhaut und Linse lagern Wasser ein, werden dadurch etwas dicker und stärker gewölbt und brechen das Licht stärker.

Die Folge ist meist eine leichte Zunahme der Kurzsichtigkeit. Die Änderung ist im zweiten und dritten Drittel am deutlichsten. Bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes oder schlecht eingestelltem Diabetes kommt ein weiterer Effekt hinzu: Schwankt der Blutzucker, nimmt die Linse Wasser auf und gibt es wieder ab. Die Sehschärfe wechselt dann im Lauf eines Tages.

Warum sinkt der Augeninnendruck?

Das Kammerwasser fließt in der Schwangerschaft leichter ab, und der Druck in den abführenden Venen ist niedriger.

Vor allem Progesteron und andere Hormone verbessern den Abfluss. Außerdem wird die Lederhaut etwas nachgiebiger. Bei gesunden Augen sinkt der Druck um etwa 10 Prozent, bei vorher erhöhtem Druck oft stärker.

Wie schädigt eine Präeklampsie das Auge?

Bei einer Präeklampsie verengen sich die kleinen Arterien der Netzhaut, der Aderhaut und des Gehirns, und ihre Innenwand wird geschädigt.

Die Gefäße können ihre Durchblutung nicht mehr selbst regeln. In der Netzhaut entstehen enge Arterien, Blutungen, kleine weiße Flecken durch Minderdurchblutung (Cotton-Wool-Herde) und eine Schwellung des Sehnervenkopfs. Je höher der Blutdruck, desto stärker die Veränderungen; besonders häufig sind sie bei Werten um oder über 150 mmHg oberem und 100 mmHg unterem Wert.

Wird die Aderhaut unter der Netzhaut schlecht durchblutet, tritt Flüssigkeit unter die Netzhaut aus. So entsteht die seröse Netzhautablösung. Sie kommt bei weniger als 1 von 100 Frauen mit Präeklampsie vor, aber bei etwa 10 von 100 mit Eklampsie und ist beim HELLP-Syndrom deutlich häufiger. Im Gehirn kann eine Schwellung der Sehrinde zur vorübergehenden kortikalen Blindheit führen.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie?

Ein erhöhtes Risiko haben vor allem Frauen mit einer Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft, mit chronischem Bluthochdruck, Nierenerkrankung oder Diabetes.

  • Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft
  • chronischer Bluthochdruck schon vor der Schwangerschaft
  • Nierenerkrankung
  • Diabetes
  • deutliches Übergewicht (hoher BMI)
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Autoimmunerkrankungen wie ein Antiphospholipid-Syndrom

Die Präeklampsie betrifft je nach Land und Quelle etwa 2 bis 8 von 100 Schwangerschaften. In Österreich gilt laut dem Gesundheitsportal ein Blutdruck ab 140/90 mmHg zusammen mit Eiweiß im Urin als typisch.

Warum kann sich eine diabetische Retinopathie verschlechtern?

Die Schwangerschaft ist ein eigenständiger Risikofaktor dafür, dass eine diabetische Netzhauterkrankung neu entsteht oder fortschreitet.

Vermutet werden Veränderungen der Netzhautdurchblutung, Wachstumsfaktoren und Hormone der Schwangerschaft. Das Risiko steigt besonders, wenn mehrere der folgenden Punkte zusammenkommen:

  • eine schon bestehende, vor allem mäßige bis schwere Retinopathie zu Beginn der Schwangerschaft
  • lange Diabetesdauer
  • schlechte Blutzuckereinstellung bei der Empfängnis
  • eine zu rasche Senkung des Blutzuckers in der Frühschwangerschaft
  • chronischer Bluthochdruck oder Präeklampsie
  • Nierenerkrankung
  • Rauchen

Warum kann eine schnelle Blutzuckersenkung schaden?

Wird ein lange zu hoher Blutzucker innerhalb kurzer Zeit streng gesenkt, verschlechtert sich die Netzhaut vorübergehend häufiger.

Das klingt widersprüchlich, ist aber gut belegt. Langfristig schützt eine gute Einstellung die Netzhaut. Deshalb raten Fachleute, vor einer deutlichen Senkung des Langzeitzuckers (HbA1c) die Netzhaut zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln.

Wie groß ist das Risiko?

Das Risiko hängt stark vom Ausgangsbefund ab.

  • Ohne Retinopathie zu Beginn entwickeln etwa 10 von 100 Frauen eine leichte Form, eine schwere (proliferative) Form nur sehr selten.
  • Bei leichter Retinopathie verschlechterte sich in einer großen US-Studie (DIEP) etwa jede fünfte Frau.
  • Bei mäßiger bis schwerer Retinopathie verschlechterte sich mehr als jede zweite.
  • Von den schweren nicht proliferativen Formen gehen bis zu 45 von 100 in die proliferative Form über.

Eine Laserbehandlung vor der Schwangerschaft kann das Fortschreiten etwa halbieren. Ein Schwangerschaftsdiabetes, der erst in der Schwangerschaft auftritt, erhöht das Risiko für eine Retinopathie nach heutigem Wissen nicht.

Warum tritt eine CSC gerade in der Schwangerschaft auf?

Vermutlich sind die hohen Kortisolspiegel der Schwangerschaft der Auslöser, besonders im letzten Drittel.

Kortisol macht die Gefäße der Aderhaut und die Pigmentschicht unter der Netzhaut durchlässiger, sodass Flüssigkeit unter die Netzhautmitte gelangt. Außerhalb der Schwangerschaft betrifft die CSC vor allem Männer. In der Schwangerschaft ist das Risiko für Frauen jedoch um ein Mehrfaches erhöht; eine Auswertung von vier Studien aus dem Jahr 2026 nennt ein etwa fünf- bis sechsfach erhöhtes Risiko. Weil es nur wenige Studien gibt, ist die genaue Größe aber unsicher. Auch Kortisonpräparate können eine CSC auslösen oder verschlimmern.

Was passiert beim Pressen in der Geburt?

Beim kräftigen Pressen mit geschlossenem Kehlkopf (Valsalva-Manöver) steigt der Druck in den Venen von Kopf und Augen kurzzeitig stark an.

Dabei kann ein kleines Gefäß in der Bindehaut oder, seltener, in der Netzhaut platzen. Eine Netzhautablösung durch das Pressen ist dagegen nicht belegt. Der Anstieg des Augeninnendrucks ist kurz und löst nach heutigem Wissen keine Ablösung aus.

Erhöht hohe Kurzsichtigkeit das Risiko in der Schwangerschaft?

Hohe Kurzsichtigkeit erhöht das Grundrisiko für eine Netzhautablösung, die Schwangerschaft und die normale Geburt erhöhen es aber nach heutigem Wissen nicht zusätzlich.

Bei hoher Kurzsichtigkeit (meist mehr als 6 Dioptrien, Augapfel länger als etwa 26 Millimeter) ist die Netzhaut dünner und hat am Rand öfter Schwachstellen. Hochgradig Kurzsichtige haben ein vielfach höheres Risiko für eine Netzhautablösung als Normalsichtige. Dieses Risiko besteht aber unabhängig von Schwangerschaft und Geburt. Mehr unter Krankhafte Kurzsichtigkeit.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (7)

Brauche ich in der Schwangerschaft eine Augenuntersuchung?

Ohne Beschwerden und ohne Vorerkrankung ist eine augenärztliche Routineuntersuchung in der Schwangerschaft nicht nötig.

Wichtig ist eine Untersuchung vor allem für Frauen mit:

  • Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, möglichst schon vor der Empfängnis
  • Grünem Star oder erhöhtem Augeninnendruck
  • Uveitis, Augen-Toxoplasmose oder Morbus Basedow mit Augenbeteiligung
  • hoher Kurzsichtigkeit mit bekannten Netzhautschwachstellen oder früherer Netzhautablösung
  • einem bekannten Hypophysentumor
  • neuen Sehstörungen jeder Art

Bei Bluthochdruck vor oder in der Schwangerschaft kann ein Blick auf den Augenhintergrund sinnvoll sein, weil die Netzhaut den Schweregrad des Hochdrucks widerspiegelt.

Was untersucht die Augenärztin oder der Augenarzt?

Untersucht werden Sehschärfe, Brillenwerte, die vorderen Augenabschnitte an der Spaltlampe, der Augeninnendruck und der Augenhintergrund.

  • Sehschärfe und Brillenwerte (Refraktion): zeigen, ob die Unschärfe von einer veränderten Brechkraft kommt.
  • Spaltlampe: ein Mikroskop, mit dem Tränenfilm, Lidränder, Bindehaut und Hornhaut beurteilt werden. Mit einem gelben Farbstoff (Fluoreszein-Tropfen) werden trockene Stellen sichtbar.
  • Augeninnendruck: wird berührungslos oder mit einem kleinen Messkörperchen nach Betäubungstropfen gemessen.
  • Augenhintergrund (Funduskopie): Netzhaut, Gefäße, Sehnerv und Makula werden mit Lupe und Licht angesehen, oft nach Pupillenerweiterung.
  • Optische Kohärenztomografie (OCT): ein berührungsloser Schichtscan der Netzhaut mit Licht, wichtig bei CSC und Makulaödem.
  • Gesichtsfeld: bei Verdacht auf Sehnerv- oder Hypophysenprobleme.

Ist eine Pupillenerweiterung in der Schwangerschaft sicher?

Eine Pupillenerweiterung mit Tropfen gilt in der Schwangerschaft als übliche, wenig riskante Untersuchung, wird aber nur durchgeführt, wenn sie wirklich nötig ist.

Der häufigste Wirkstoff ist Tropicamid. In England ist er im Schwangerschaftsprogramm für Frauen mit Diabetes Standard. Die Fachinformationen raten, ihn in der Schwangerschaft nur bei klarer Notwendigkeit zu verwenden, weil Studien fehlen; Fehlbildungen wurden nicht berichtet. Das französische Arzneimittelverzeichnis Vidal führt Schwangerschaft und Stillzeit als Vorsichtshinweis, nicht als Verbot.

Nach der Erweiterung sehen Sie für etwa 2 bis 6 Stunden verschwommen und sind blendempfindlich. Fahren Sie in dieser Zeit nicht selbst Auto. Sehr selten kann die Erweiterung bei engem Kammerwinkel einen Druckanstieg auslösen: Augenschmerzen, Rötung und anhaltend verschwommenes Sehen danach sind ein Grund, sofort eine Augenklinik aufzusuchen (siehe Akuter Glaukomanfall).

Wenn sich eine Frage auch ohne Pupillenerweiterung klären lässt, ist das in der Schwangerschaft vorzuziehen. In der Stillzeit fragen Sie am besten nach, welcher Wirkstoff verwendet wird.

Darf man in der Schwangerschaft eine OCT oder Fluoreszenzangiografie machen?

Die OCT arbeitet nur mit Licht und gilt als unbedenklich; die Fluoreszenzangiografie mit Farbstoff wird in der Schwangerschaft möglichst vermieden.

Bei der Fluoreszenzangiografie wird ein Farbstoff in eine Armvene gespritzt, um die Netzhautgefäße darzustellen. Der Farbstoff erreicht das Kind. Schädliche Wirkungen sind zwar nicht dokumentiert, die Untersuchung wird aber nur bei zwingendem Grund eingesetzt. Bei der CSC reicht in der Schwangerschaft meist die OCT, die dem Kind den Farbstoff erspart.

Wie wird eine Präeklampsie festgestellt?

Eine Präeklampsie wird bei der Frauenärztin, beim Frauenarzt oder in der Geburtsklinik über Blutdruckmessungen, eine Urinprobe auf Eiweiß und Blutwerte festgestellt, nicht beim Augenarzt.

Typisch ist ein Blutdruck ab 140/90 mmHg nach der 20. Schwangerschaftswoche, gemessen mindestens zweimal im Abstand von einigen Stunden, zusammen mit Eiweiß im Urin oder Zeichen einer Organbeteiligung. Werte ab 160/110 mmHg gelten als schwerer Bluthochdruck. Beim HELLP-Syndrom zeigen Blutwerte einen Zerfall roter Blutkörperchen, erhöhte Leberwerte und zu wenige Blutplättchen.

Der Augenbefund ist dabei ein zusätzlicher Hinweis. Eine stark verengte Netzhautarterie spricht für einen schwereren Verlauf. Augenbefunde oder Sehstörungen können einem Krampfanfall vorausgehen und verlangen deshalb immer eine sofortige geburtshilfliche Abklärung. Bei plötzlicher Blindheit mit normaler Pupillenreaktion wird zusätzlich eine Bildgebung des Gehirns gemacht.

Wie oft wird bei Diabetes in der Schwangerschaft kontrolliert?

Frauen mit vorbestehendem Diabetes sollten die Netzhaut vor der Schwangerschaft, früh in der Schwangerschaft und danach nach einem festen Plan kontrollieren lassen, meist mindestens einmal pro Schwangerschaftsdrittel und nach der Geburt.

In Deutschland empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (Praxisempfehlung 2024) eine augenärztliche Untersuchung sofort, wenn die Schwangerschaft festgestellt ist, und danach alle drei Monate. Entsteht oder verschlechtert sich eine Retinopathie, legt die Augenärztin oder der Augenarzt engere Abstände fest. Eine eigene österreichische Vorgabe mit festen Abständen ließ sich nicht finden. Zum Vergleich die Empfehlungen anderer Länder:

Land / FachgesellschaftEmpfehlung
Deutschland (Deutsche Diabetes Gesellschaft, 2024)sofort bei Feststellung der Schwangerschaft, dann alle 3 Monate; bei neuer oder fortschreitender Retinopathie nach augenärztlicher Entscheidung öfter
England (NHS, NICE, Royal College of Ophthalmologists)vor der Schwangerschaft jährlich; beim ersten Vorsorgetermin; nach der 28. Woche; bei bereits vorhandener Retinopathie zusätzlich in der 16. bis 20. Woche; bei Retinopathie Nachkontrolle bis mindestens sechs Monate nach der Geburt
USA (American Academy of Ophthalmology)Untersuchung vor der Empfängnis und im ersten Drittel; danach je nach Befund alle 3 bis 12 Monate, bei schwerer Retinopathie alle 1 bis 3 Monate
Frankreich (SFD/SFO, Revue du Praticien)zu Beginn der Schwangerschaft und mindestens einmal pro Drittel, bei Risiko monatlich; etwa sechs Monate nach der Geburt

Die genauen Abstände legt Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt nach Ihrem Befund fest. Bei Schwangerschaftsdiabetes ohne vorbestehenden Diabetes ist keine Netzhautkontrolle nötig; das sehen die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie, die englischen und die US-amerikanischen Empfehlungen übereinstimmend so.

Studien zeigen, dass viele Schwangere mit Diabetes empfohlene Kontrollen nicht wahrnehmen. In einer australischen Gruppe hielten nur 15 von 136 Frauen alle Termine ein. Planen Sie die Termine deshalb gleich zu Beginn der Schwangerschaft ein.

Welche anderen Ursachen müssen ausgeschlossen werden?

Je nach Beschwerden denken Ärztinnen und Ärzte an Migräne mit Aura, Netzhautablösung, Schlaganfall, Sinusvenenthrombose, erhöhten Hirndruck, Sehnerventzündung oder eine Infektion.

  • Migräne mit Aura gegenüber Präeklampsie: Blutdruck und Urin klären das.
  • CSC gegenüber seröser Netzhautablösung bei Präeklampsie: OCT und Blutdruck.
  • Eklampsie gegenüber Sinusvenenthrombose, erhöhtem Hirndruck oder Multipler Sklerose: neurologische Untersuchung und Bildgebung.
  • Harmloses hängendes Lid gegenüber Nervenlähmung: Pupille und Augenbeweglichkeit prüfen.
  • Trockenes Auge gegenüber Bindehautentzündung oder Hornhautentzündung, besonders bei Kontaktlinsenträgerinnen.
  • Sprach- oder Lähmungserscheinungen mit Sehstörung: Verdacht auf Schlaganfall oder Eklampsie, Notruf.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (13)

Was hilft gegen trockene Augen in der Schwangerschaft?

Am besten helfen konservierungsmittelfreie künstliche Tränen, dazu feuchte Raumluft, Bildschirmpausen und bei Bedarf warme Lidkompressen.

  • Künstliche Tränen: Tropfen oder Gele ohne Konservierungsmittel, mehrmals täglich; für die Nacht ein Gel oder eine Augensalbe. Sie wirken nur an der Augenoberfläche und gelten in Schwangerschaft und Stillzeit als unbedenklich. Eine Übersicht bietet die Seite Tränenersatzmittel.
  • Warme Kompressen: lauwarm, nie heiß, für einige Minuten auf die geschlossenen Lider; danach die Lidränder sanft reinigen. Das macht das Öl der Meibom-Drüsen flüssiger.
  • Bildschirmpausen: regelmäßig wegschauen und bewusst vollständig blinzeln.
  • Kosmetika: vorübergehend weglassen, wenn die Lidhaut reagiert.

Geräte-Behandlungen der Lidranddrüsen mit Lichtimpulsen (IPL) oder Wärmepulsen werden in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Bei Entzündung, Schmerzen oder fehlender Besserung sollte die Augenärztin oder der Augenarzt nachsehen. Weitere Hinweise im Beitrag Augentropfen gegen trockene Augen.

Was tun, wenn Kontaktlinsen nicht mehr vertragen werden?

Verkürzen Sie die Tragezeit, wechseln Sie bei Bedarf auf Tageslinsen und tragen Sie öfter die Brille.

Benetzende Tropfen, die für Kontaktlinsen geeignet sind, können helfen. Eine Optikerin oder ein Optiker kann Linsen mit höherem Wassergehalt oder speziell für trockene Augen anpassen. Neue Linsen sollten Sie erst einige Wochen nach der Geburt anpassen lassen, weil sich die Hornhaut bis dahin wieder verändert. Ein rotes, schmerzendes Auge unter Kontaktlinsen bedeutet: Linse heraus und rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Brauche ich in der Schwangerschaft eine neue Brille?

Meist nicht: Kleine Änderungen der Brillenwerte gehen nach der Geburt zurück, deshalb lohnt sich eine neue Brille in der Regel erst danach.

Wer im Alltag stark eingeschränkt ist, etwa beim Autofahren, kann sich vorübergehend eine passende Korrektur verordnen lassen. Für die endgültige Brille empfehlen deutsche Quellen, bis frühestens drei Monate nach dem Abstillen zu warten. Französische Quellen raten zu einer Kontrolle etwa drei Monate nach der Geburt.

Darf ich mir in der Schwangerschaft die Augen lasern lassen?

Nein. Augenlaser-Operationen wie LASIK und andere Eingriffe zur Korrektur der Fehlsichtigkeit werden in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht gemacht.

Die Brillenwerte sind in dieser Zeit nicht stabil, das Ergebnis wäre unberechenbar, und die Heilung der Hornhaut kann anders verlaufen. Wie lange man danach warten sollte, wird unterschiedlich angegeben: Die DOG rät zu frühestens einem Jahr nach der Entbindung, englische und spanische Quellen nennen mindestens sechs Monate, eine französische Klinik sechs bis neun Monate. Im Zweifel gilt die vorsichtigere Empfehlung. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass die Stillzeit beendet ist und die Brillenwerte bei zwei Messungen gleich bleiben.

Welche Augentropfen sind in Schwangerschaft und Stillzeit erlaubt?

Künstliche Tränen ohne Konservierungsmittel gelten als unbedenklich; alle anderen Augentropfen sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder der Apotheke verwenden.

Auch Augentropfen gelangen über die Schleimhaut von Nase und Rachen in den Blutkreislauf und damit in kleinen Mengen zum Kind oder in die Muttermilch. Für die meisten Wirkstoffe fehlen gute Studien bei Schwangeren. Die Bewertung ist deshalb oft vorsichtig, nicht weil ein Schaden belegt wäre, sondern weil Daten fehlen. Die folgende Tabelle fasst die Einschätzungen aus deutschen, französischen, spanischen und englischen Fachquellen zusammen. Sie ersetzt keine persönliche Beratung.

WirkstoffgruppeSchwangerschaftStillzeit
Künstliche Tränen ohne Konservierungsmittelunbedenklichunbedenklich
Antibiotische Augentropfen (z. B. bei bakterieller Bindehautentzündung)gelten als unbedenklich, nach ärztlicher Verordnungmeist möglich, nach Rücksprache
Kortison-Augentropfenbei richtiger Anwendung geringes Risiko; in der 5. bis 12. Woche möglichst niedrig dosierennach Rücksprache
Abschwellende Tropfen gegen gerötete Augen (gefäßverengend)meiden: können in den Kreislauf gelangen und die Durchblutung des Mutterkuchens beeinflussenmeiden
Entzündungshemmende Tropfen ohne Kortison (NSAR, z. B. Diclofenac)im ersten und zweiten Drittel nur bei strenger Notwendigkeit; im letzten Drittel nicht anwenden (nach französischen Angaben schon ab dem 6. Monat)nicht empfohlen
Antiallergische Tropfen (z. B. Cromoglicinsäure)Angaben uneinheitlich, wenig Aufnahme in den Körper; nach Rücksprachemeist möglich, nach Rücksprache
Pupillenerweiternde Tropfen (Tropicamid)nur bei klarer Notwendigkeit, etwa zur NetzhautuntersuchungVorsicht, nach Rücksprache
Atropin und ähnliche Stoffemöglichst meidenmöglichst meiden
Glaukomtropfensiehe eigener Abschnitt untensiehe eigener Abschnitt unten

Für verbindliche Auskunft zu einem bestimmten Wirkstoff gibt es in Deutschland das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie (Embryotox) an der Charité Berlin (embryotox.de, kostenlose Beratung), in Frankreich das CRAT (lecrat.fr). Auch die Apotheke kann weiterhelfen. Fragen Sie auch bei rezeptfreien Tropfen nach.

Wie tropfe ich so, dass möglichst wenig ins Blut gelangt?

Drücken Sie nach dem Tropfen etwa zwei bis fünf Minuten lang sanft auf den inneren Lidwinkel oder halten Sie die Augen geschlossen.

So fließt weniger Flüssigkeit über den Tränenkanal in die Nase, wo sie über die Schleimhaut aufgenommen würde. Für den Glaukomwirkstoff Timolol wurde gezeigt, dass das die Aufnahme ins Blut um etwa zwei Drittel senkt. Halten Sie die Tropfflasche nicht direkt ans Auge, und tropfen Sie nicht mehr als einen Tropfen pro Gabe.

Wie wird ein Grüner Star in der Schwangerschaft behandelt?

Ein Glaukom wird in der Schwangerschaft weiter behandelt, aber die Medikamente werden sorgfältig ausgewählt, möglichst schon vor der Empfängnis, gemeinsam mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt.

Für kein Glaukommedikament gibt es starke Sicherheitsdaten beim Menschen. Für keinen Glaukomtropfen sind aber Fehlbildungen belegt. Setzen Sie Ihre Tropfen deshalb nie eigenmächtig ab: Ein ungebremster Druckanstieg kann den Sehnerv dauerhaft schädigen. Deutsche, englische, französische und spanische Fachquellen bewerten die Gruppen so:

  • Betablocker (z. B. Timolol): gelangen über den Mutterkuchen zum Kind und können seinen Herzschlag verlangsamen; gehen in die Muttermilch über. Das deutsche Beratungszentrum Embryotox hält Timolol-Augentropfen in der ganzen Schwangerschaft und in der Stillzeit für anwendbar, wenn sie nötig sind, und empfiehlt dabei das Zudrücken des inneren Lidwinkels. Englische Quellen halten sie in niedrigster wirksamer Dosis auch in der Stillzeit für vertretbar, französische Quellen raten in der Stillzeit ab. Nach der Geburt wird das Neugeborene beobachtet.
  • Brimonidin: im ersten und zweiten Drittel als vergleichsweise günstige Wahl genannt; vor der Geburt absetzen, in der Stillzeit nicht verwenden, weil es bei Neugeborenen Atemaussetzer verursachen kann.
  • Prostaglandin-Abkömmlinge (z. B. Latanoprost): nicht erste Wahl, im letzten Drittel meiden; in der Stillzeit nach französischen Angaben nicht verwenden.
  • Karboanhydrasehemmer als Tropfen: begrenzte Daten; französische Quellen raten in Schwangerschaft und Stillzeit ab.
  • Neuere Wirkstoffe: Sicherheit unbekannt, rund um die Geburt meiden.

Eine Lasertherapie zur Drucksenkung (zum Beispiel selektive Lasertrabekuloplastik) gilt als sicher und kann vor einer geplanten Schwangerschaft helfen, Tropfen einzusparen. Operationen werden möglichst vermieden; wenn sie nötig sind, am ehesten im zweiten Drittel und ohne die Zellwachstumshemmer Mitomycin C oder 5-Fluorouracil.

Wie wird eine Präeklampsie mit Sehstörungen behandelt?

Eine Präeklampsie mit Sehstörungen wird in der Klinik behandelt; die einzige ursächliche Therapie ist die Entbindung.

Bis dahin werden der Blutdruck mit Medikamenten gesenkt, Mutter und Kind überwacht und Krampfanfällen mit Magnesiumsulfat vorgebeugt. Ob und wann entbunden wird, hängt von Schwangerschaftswoche, Schweregrad und Zustand des Kindes ab. Bei schweren Formen, HELLP-Syndrom oder Eklampsie wird nach Stabilisierung meist rasch entbunden. Vor der 34. Woche erhält die Mutter Kortison, damit die Lunge des Kindes reift.

Die Augen selbst brauchen meist keine eigene Behandlung. Netzhautveränderungen und seröse Netzhautablösungen bilden sich zurück, wenn der Blutdruck sinkt, in der Regel innerhalb von Wochen nach der Geburt.

Wie wird eine diabetische Retinopathie in der Schwangerschaft behandelt?

Die wichtigste Behandlung ist die Laserkoagulation der Netzhaut; sie ist in der Schwangerschaft möglich und sicher für das Kind.

  • Laser bei fortschreitender Retinopathie: Bei schwerer nicht proliferativer oder proliferativer Retinopathie wird die Netzhautperipherie gelasert (panretinale Laserkoagulation). In der Schwangerschaft wartet man damit nicht, bis die proliferative Phase erreicht ist.
  • Makulaödem: Eine Schwellung der Netzhautmitte (Makulaödem) bildet sich nach der Geburt oft zurück. Häufig wird deshalb abgewartet oder gezielt gelasert.
  • Spritzen ins Auge (Anti-VEGF): Die Datenlage in der Schwangerschaft ist begrenzt; es gibt theoretische Bedenken, weil die Wirkstoffe in kleinen Mengen in den Kreislauf gelangen und Gefäßwachstum hemmen. Französische Quellen bezeichnen sie in der Schwangerschaft als nicht anzuwenden. Sie kommen allenfalls nach sorgfältiger Abwägung im Einzelfall infrage.
  • Kortison-Präparate ins Auge: ähnliche Bedenken.
  • Operation: nur bei Komplikationen wie nicht abklingender Glaskörperblutung oder Netzhautablösung durch Narbenzug.

Blutdruckmittel aus der Gruppe der ACE-Hemmer und Sartane, die außerhalb der Schwangerschaft auch die Netzhaut schützen, müssen in der Schwangerschaft abgesetzt und ersetzt werden. Augenärztin, Frauenärztin und Diabetologe arbeiten eng zusammen. Bei schwerer, unbehandelter proliferativer Retinopathie raten Fachleute, eine Schwangerschaft aufzuschieben, bis die Netzhaut behandelt und stabil ist.

Wie wird eine CSC in der Schwangerschaft behandelt?

Meist gar nicht: Die CSC in der Schwangerschaft heilt in den meisten Fällen nach der Geburt von selbst aus.

Viele übliche Behandlungen kommen in der Schwangerschaft ohnehin nicht infrage. Man kontrolliert deshalb mit der OCT und wartet ab. In Einzelfällen wurde ein schonender Mikropuls-Laser eingesetzt; dazu gibt es aber nur wenige Fallberichte. Wichtig ist, keine Kortisonpräparate einzunehmen, sofern sie nicht aus anderen Gründen nötig sind, denn Kortison kann die CSC verschlechtern.

Wie werden andere Augenerkrankungen behandelt?

Uveitis, Toxoplasmose, Morbus Basedow und Hypophysentumoren werden auch in der Schwangerschaft behandelt, mit Wirkstoffen, die für das Kind möglichst sicher sind.

  • Uveitis: vorzugsweise örtlich mit Tropfen oder Spritzen ans Auge, nur wenn nötig mit Tabletten.
  • Augen-Toxoplasmose: Spiramycin gilt als besonders sicher; andere Kombinationen nur nach Abwägung. Wichtig: Eine frische Toxoplasmose-Infektion in der Schwangerschaft kann das Kind schädigen und gehört sofort in ärztliche Hand.
  • Morbus Basedow: Schilddrüsenmittel werden auf schwangerschaftsgeeignete Wirkstoffe umgestellt.
  • Prolaktinom: Medikamente wie Bromocriptin gelten als sicher; bei fortschreitendem Gesichtsfeldverlust kann eine Operation nötig werden.
  • Erhöhter Hirndruck: keine strenge Diät; Behandlung in Abstimmung mit Neurologie und Geburtshilfe.

Brauche ich bei hoher Kurzsichtigkeit einen Kaiserschnitt?

Nein. Hohe Kurzsichtigkeit allein ist nach Angaben der DOG und internationaler Fachquellen kein Grund für einen Kaiserschnitt; eine normale Geburt ist bei nahezu allen Augenerkrankungen möglich.

Früher wurde Frauen mit hoher Kurzsichtigkeit häufig ein Kaiserschnitt empfohlen, aus Sorge, das Pressen könne eine Netzhautablösung auslösen. Diese Sorge hat sich nicht bestätigt:

  • Eine spanische Übersichtsarbeit fand keine wissenschaftlichen Belege, dass eine natürliche Geburt eine Netzhautablösung durch Riss auslöst.
  • In einer spanischen Befragung von 67 Frauen mit im Mittel minus 11,5 Dioptrien und 107 Geburten trat kein geburtsbedingtes Augenproblem auf.
  • In weiteren Untersuchungen mit 50 und 240 kurzsichtigen Frauen sowie mit Frauen nach früherer Netzhautablösung verschlechterte sich die Netzhaut durch die Geburt nicht.
  • Auch eine frühere Netzhautoperation, ein Grüner Star oder eine frühere Augenoperation sind laut DOG kein Grund für einen Kaiserschnitt.

Die Studienlage besteht allerdings aus kleineren Serien und Umfragen, nicht aus großen kontrollierten Studien. Und noch immer raten Geburtshelfer häufiger zum Kaiserschnitt als Augenärzte: In einer Umfrage hätten 36 von 100 Geburtshelfern, aber nur 4 von 100 Augenärzten bei hoher Kurzsichtigkeit dazu geraten.

Wann ist eine Netzhautkontrolle vor der Geburt sinnvoll?

Eine Kontrolle vor der Geburt ist sinnvoll bei hoher Kurzsichtigkeit mit bekannten Schwachstellen, bei Beschwerden wie Lichtblitzen oder neuen Schatten sowie nach einer kürzlichen Netzhaut- oder Glaukomoperation.

Gefährdete Stellen oder Netzhautlöcher lassen sich vorbeugend lasern, möglichst mindestens einen Monat vor dem Geburtstermin. Nur bei einer frischen oder aktiven Netzhautablösung, kurz nach einer Netzhautoperation oder kurz nach einer filtrierenden Glaukomoperation kann die Augenärztin oder der Augenarzt ausnahmsweise einen anderen Geburtsablauf empfehlen, etwa eine verkürzte Pressphase. Ob eine Routinekontrolle bei allen stark Kurzsichtigen nötig ist, beurteilen Fachleute unterschiedlich; besprechen Sie das bei Ihrem nächsten Augenarzttermin.

Sollte ich bei der Geburt Kontaktlinsen tragen?

Besser nicht: Für die Geburt wird meist die Brille empfohlen.

Bei einem ungeplanten Kaiserschnitt oder einer Narkose bleibt oft keine Zeit, die Linsen herauszunehmen. Lange Geburten trocknen die Augen zusätzlich aus. Packen Sie Brille und Etui in die Kliniktasche.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (5)

Gehen die Augenveränderungen nach der Geburt wieder weg?

Ja, in aller Regel: Trockene Augen, veränderte Brillenwerte, geschwollene Lider und ein niedrigerer Augeninnendruck bilden sich nach der Geburt oder nach dem Abstillen zurück.

VeränderungTypische Rückbildung
Veränderte Brillenwertemeist 6 bis 12 Wochen nach der Geburt, bei Stillenden teils länger; bei wenigen Frauen bleibt eine kleine Änderung
Trockene Augen, Kontaktlinsen-Unverträglichkeitnach der Geburt oder nach dem Abstillen
Hornhautempfindlichkeitetwa 8 Wochen nach der Geburt
Augeninnendrucknach etwa zwei bis einigen Monaten zurück auf den Ausgangswert
Hängendes Oberlid, LidschwellungWochen bis Monate
Pigmentflecken um die Augenlangsam über Monate
Bindehautblutung nach dem Pressenein bis zwei Wochen

Wie ist die Prognose bei Augenbeteiligung durch Präeklampsie?

Die Prognose für das Sehen ist meist gut: Netzhautveränderungen, seröse Netzhautablösungen und die kortikale Blindheit bilden sich in den meisten Fällen nach der Geburt vollständig zurück.

Die kortikale Blindheit bessert sich oft innerhalb von Stunden bis Tagen. Seröse Netzhautablösungen legen sich in der Regel innerhalb weniger Wochen nach der Geburt wieder an; manchmal bleiben feine Pigmentveränderungen zurück, die das Sehen kaum stören. Dauerhafte Schäden, etwa nach einer Durchblutungsstörung des Sehnervs oder einer Gerinnungsstörung, sind selten.

Unbehandelt ist eine Eklampsie dagegen gefährlich für Mutter und Kind und kann auch zur Erblindung führen. Neuere Übersichten weisen darauf hin, dass Frauen nach einer Präeklampsie langfristig ein etwas höheres Risiko für Gefäßerkrankungen auch der Netzhaut haben. Regelmäßige Blutdruckkontrollen sind deshalb auch Jahre später sinnvoll. In einer weiteren Schwangerschaft kann eine Präeklampsie wieder auftreten.

Wie verläuft eine diabetische Retinopathie nach der Schwangerschaft?

Eine Verschlechterung in der Schwangerschaft bildet sich nach der Geburt oft teilweise zurück; das Risiko für ein Fortschreiten besteht aber bis etwa ein Jahr nach der Entbindung.

Am stärksten ist das Risiko im zweiten Drittel der Schwangerschaft. Ein Makulaödem geht nach der Geburt häufig zurück, kann aber eine bleibende Sehminderung hinterlassen. Nach den Daten großer Studien schadet eine Schwangerschaft der Netzhaut langfristig nicht, wenn sie gut überwacht und rechtzeitig behandelt wird. Kontrollen sind deshalb bis mindestens sechs Monate, je nach Befund bis ein Jahr nach der Geburt wichtig.

Eine schwere Retinopathie geht oft mit weiteren Folgen des Diabetes einher und ist mit mehr Komplikationen in der Schwangerschaft verbunden, etwa Präeklampsie, Frühgeburt oder einem sehr großen Kind.

Wie verläuft eine CSC in der Schwangerschaft?

Die CSC heilt meist innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten nach der Geburt ab, viele Frauen sehen nach drei Monaten wieder gut.

Manchmal bleiben leichte Verzerrungen, ein kleiner Fleck oder Veränderungen der Pigmentschicht. Die CSC kann in späteren Schwangerschaften wiederkehren; unbehandelt kommt es bei bis zu der Hälfte der Betroffenen irgendwann zu einem Rückfall, bei etwa 10 von 100 zu einem länger anhaltenden Verlauf.

Was gilt für die nächste Schwangerschaft?

Wer in einer Schwangerschaft eine Präeklampsie, eine CSC oder eine Verschlechterung einer diabetischen Retinopathie hatte, sollte die nächste Schwangerschaft mit Frauenärztin und Augenärztin vorbereiten.

Bei früherer Präeklampsie kann die Frauenärztin eine vorbeugende Behandlung mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) empfehlen. Bei Diabetes sind eine gute, aber behutsam erreichte Blutzuckereinstellung und eine Netzhautuntersuchung vor der Empfängnis die wichtigsten Schritte.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (6)

Kann man Augenproblemen in der Schwangerschaft vorbeugen?

Die normalen Veränderungen lassen sich nicht verhindern, aber gut lindern; ernste Komplikationen lassen sich durch Vorsorge früh erkennen.

Die wichtigste Vorbeugung ist, alle Vorsorgetermine bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt wahrzunehmen. Dort werden Blutdruck, Urin und Blutzucker kontrolliert, also genau die Werte, die auf eine Präeklampsie oder einen Schwangerschaftsdiabetes hinweisen.

Was tun gegen trockene Augen im Alltag?

Feuchte Luft, ausreichend Trinken, bewusstes Blinzeln und konservierungsmittelfreie Tränen helfen am meisten.

  • Raumluftfeuchte um 60 Prozent; Zugluft, Klimaanlage, Gebläse im Auto und Rauch meiden
  • über den Tag verteilt ausreichend trinken
  • am Bildschirm regelmäßige Pausen, bewusst vollständig blinzeln, gutes Licht (siehe Bildschirmarbeit und Augen)
  • beim Tropfen die Flaschenspitze nicht ans Auge halten
  • Augen-Make-up weglassen, wenn die Lidhaut reagiert; gerötete Lidhaut kann eine milde Pflegesalbe beruhigen
  • Sonnenbrille mit UV-Schutz bei Lichtempfindlichkeit
  • kühle Kompressen gegen morgendlich geschwollene Lider
  • eine abwechslungsreiche Ernährung mit grünem Blattgemüse, Obst, Nüssen und fettem Seefisch

Was sollten Frauen mit Diabetes vor der Schwangerschaft tun?

Frauen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes sollten die Schwangerschaft planen und vor der Empfängnis die Netzhaut untersuchen lassen.

  • Augenuntersuchung mit erweiterter Pupille vor der Empfängnis
  • eine behandlungsbedürftige Retinopathie vorher lasern lassen
  • den Blutzucker gut, aber nicht abrupt einstellen; bei hohem HbA1c erst die Netzhaut beurteilen lassen
  • Blutdruck gut einstellen und blutdrucksenkende Mittel auf schwangerschaftsgeeignete Wirkstoffe umstellen
  • nicht rauchen
  • die Termine für Netzhautkontrollen gleich bei Feststellung der Schwangerschaft vereinbaren

Die österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) hat eigene Empfehlungen zur Verlaufskontrolle der diabetischen Augenerkrankung veröffentlicht; in Deutschland gilt die Nationale VersorgungsLeitlinie.

Kann man einer Präeklampsie vorbeugen?

Bei erhöhtem Risiko, etwa nach einer früheren Präeklampsie, kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) empfehlen.

Nach der deutschsprachigen Leitlinie (AWMF) soll diese Behandlung möglichst vor der 16. Schwangerschaftswoche beginnen, oft nach einem Risiko-Screening um die 12. Woche. In den USA gilt ein Beginn zwischen der 12. und 28. Woche als möglich, am besten ebenfalls vor der 16. Woche. Dosis und Dauer legt die Frauenärztin oder der Frauenarzt fest. Nehmen Sie ASS in der Schwangerschaft nicht ohne ärztliche Anweisung ein. Darüber hinaus helfen regelmäßige Blutdruckmessungen, auch zu Hause, wenn die Ärztin das empfiehlt.

Was sollten Frauen mit Glaukom oder anderen Augenerkrankungen beachten?

Besprechen Sie den Behandlungsplan möglichst schon vor der Schwangerschaft mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.

Bei Glaukom können die Tropfen umgestellt oder durch eine Laserbehandlung ersetzt werden. Kontrollen sind mindestens einmal pro Schwangerschaftsdrittel sinnvoll. Bei Uveitis, Toxoplasmose am Auge oder Morbus Basedow ist nach der Geburt besonders auf Rückfälle zu achten. Bei hoher Kurzsichtigkeit mit bekannten Netzhautschwachstellen kann eine Kontrolle in der Schwangerschaft sinnvoll sein.

Darf ich in der Schwangerschaft Auto fahren, wenn ich schlechter sehe?

Nur wenn Sie mit Ihrer Brille oder Ihren Kontaktlinsen sicher und scharf sehen.

Wenn Schilder spürbar unscharf werden, lassen Sie die Sehschärfe prüfen; notfalls hilft eine vorübergehende Brille. Nach einer Pupillenerweiterung und bei plötzlichen Sehstörungen dürfen Sie nicht selbst fahren.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (5)

Wann muss ich sofort den Notruf wählen?

Wählen Sie sofort den Notruf (112, in Österreich 144) bei plötzlichem Sehverlust, Krampfanfall, Verwirrtheit, Sprachstörung oder Lähmung in der Schwangerschaft oder im Wochenbett.

  • plötzliche Blindheit auf einem oder beiden Augen
  • ein Krampfanfall
  • Verwirrtheit oder starke Benommenheit
  • Sprachstörungen, Lähmungen oder ein hängender Mundwinkel
  • Atemnot
  • sehr starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen

Fahren Sie in dieser Lage nicht selbst. Nehmen Sie den Mutterpass (in Österreich den Eltern-Kind-Pass) mit, wenn möglich.

Wann sofort in die Geburtsklinik oder zur Frauenärztin?

Sofort, also noch am selben Tag ohne Abwarten, wenn neue Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze, Schatten, dunkle Flecken, Doppelbilder oder plötzlich verschwommenes Sehen auftreten.

Das gilt besonders ab der 20. Schwangerschaftswoche und bis etwa sechs Wochen nach der Geburt, und besonders, wenn eines der folgenden Zeichen dazukommt:

  • starke Kopfschmerzen, die auf übliche Schmerzmittel nicht ansprechen
  • Schmerzen im rechten Oberbauch oder unter den Rippen
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • rasch zunehmende Schwellungen von Gesicht, Händen oder Füßen
  • plötzliche Gewichtszunahme
  • ein bekannter erhöhter Blutdruck

Rufen Sie außerhalb der Sprechzeiten direkt in der Geburtsklinik an oder fahren Sie hin. Bei stärkeren Beschwerden wählen Sie den Notruf. Die DOG betont: Sehstörungen in der Schwangerschaft dürfen nicht bagatellisiert werden.

Wann am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt?

Am selben Tag in eine Augenpraxis oder Augenklinik gehören Lichtblitze mit neuem Rußregen, ein Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld, ein rotes, schmerzendes Auge und Augenschmerzen nach einer Pupillenerweiterung.

  • Lichtblitze, neue schwarze Punkte, Schatten oder Vorhang: mögliche Netzhautablösung
  • rotes, schmerzendes Auge, vor allem bei Kontaktlinsenträgerinnen: Linse herausnehmen und untersuchen lassen
  • Augenschmerz, Rötung und anhaltend verschwommenes Sehen nach erweiternden Tropfen: möglicher Druckanstieg
  • plötzliche Doppelbilder ohne Kopfschmerz
  • plötzlich deutlich schlechteres Sehen auf einem Auge ohne andere Zeichen; bei völligem Sehverlust gilt der Notruf

Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann innerhalb weniger Tage?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie abklären lassen, wenn die Sehschärfe mehrmals am Tag wechselt, gerade Linien verzerrt wirken oder sich trockene Augen trotz Tränenersatz nicht bessern.

  • stark schwankende Sehschärfe im Tagesverlauf: Blutzucker prüfen lassen
  • verzerrtes Sehen oder grauer Fleck in der Bildmitte auf einem Auge: möglicherweise CSC
  • einseitige, gerötete oder schmerzhafte Lidschwellung
  • anhaltend rotes Auge mit Absonderung
  • Kontaktlinsenbeschwerden, die nach einer Linsenpause nicht verschwinden

Wann reicht ein Routinetermin?

Ein Routinetermin reicht bei leichter, langsam entstandener Unschärfe, leichter Trockenheit und bei geplanten Kontrollen wegen Diabetes, Glaukom oder hoher Kurzsichtigkeit.

Frauen mit vorbestehendem Diabetes sollten ihre Kontrolltermine aber auch ohne Beschwerden zuverlässig wahrnehmen. Bei Unsicherheit gilt: Lieber einmal zu viel anrufen. Ihre Frauenärztin, Ihre Hebamme und Ihre Augenärztin nehmen Sehstörungen in der Schwangerschaft ernst.

9 Häufige Fragen

Ist es normal, in der Schwangerschaft schlechter zu sehen?

Ein leicht unschärferes Sehen in der Ferne ist häufig und meist harmlos. Hornhaut und Linse lagern Wasser ein, die Kurzsichtigkeit nimmt um etwa 0,25 bis 0,75 Dioptrien zu, selten bis 1,5. Trockene Augen können das Sehen zusätzlich trüben. Plötzlich verschwommenes Sehen, vor allem mit Kopfschmerzen, Flimmern oder Schwellungen, ist dagegen ein Warnzeichen für eine Präeklampsie und muss sofort abgeklärt werden.

Brauche ich in der Schwangerschaft eine neue Brille?

Meist nicht. Die Werte kehren nach der Geburt in der Regel zurück, oft innerhalb von 6 bis 12 Wochen, bei Stillenden teils später. Eine neue Brille lohnt sich erst danach; deutsche Quellen empfehlen, bis etwa drei Monate nach dem Abstillen zu warten. Wenn Sie im Alltag oder beim Autofahren deutlich eingeschränkt sind, kann vorübergehend eine angepasste Brille sinnvoll sein.

Darf ich in der Schwangerschaft Kontaktlinsen tragen?

Ja, wenn Sie sie vertragen. Viele Schwangere spüren aber Trockenheit und Fremdkörpergefühl. Dann helfen kürzere Tragezeiten, Tageslinsen, benetzende Tropfen und öfter die Brille. Ein rotes, schmerzendes Auge unter Linsen gehört rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt. Zur Geburt nehmen Sie besser die Brille mit.

Sind Sehstörungen in der Schwangerschaft gefährlich?

Neue Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze, Schatten, Doppelbilder oder plötzlich verschwommenes Sehen können auf eine Präeklampsie hinweisen. Das gilt besonders ab der 20. Woche und mit Kopfschmerzen oder Oberbauchschmerzen. Gehen Sie dann sofort in die Geburtsklinik oder wählen Sie den Notruf (112, in Österreich 144). Langsam entstehende Unschärfe und trockene Augen sind dagegen meist harmlos.

Welche Augentropfen darf ich in der Schwangerschaft nehmen?

Künstliche Tränen ohne Konservierungsmittel gelten als unbedenklich. Antibiotische Tropfen werden bei Bedarf verordnet und gelten als vertretbar. Kortison-, Glaukom-, Allergie- und pupillenerweiternde Tropfen nur nach Rücksprache. Abschwellende Tropfen gegen rote Augen sollten Sie meiden. Drücken Sie nach dem Tropfen einige Minuten auf den inneren Lidwinkel, damit weniger in den Kreislauf gelangt.

Darf ich in der Stillzeit Augentropfen verwenden?

Künstliche Tränen ja. Bei anderen Wirkstoffen kommt es auf das Mittel an: Manche Glaukomtropfen wie Brimonidin sind in der Stillzeit nicht geeignet, bei anderen gehen nur kleine Mengen in die Milch über. Fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke. In Deutschland berät auch Embryotox an der Charité Berlin zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit.

Muss ich bei starker Kurzsichtigkeit per Kaiserschnitt entbinden?

Nein, in der Regel nicht. Laut DOG sind hohe Kurzsichtigkeit, Grüner Star und eine frühere Netzhautablösung oder Augenoperation kein Grund für einen Kaiserschnitt. Studien fanden keine Belege dafür, dass eine normale Geburt eine Netzhautablösung auslöst. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei einer frischen Netzhautablösung oder kurz nach einer Netzhautoperation, kann die Augenärztin einen anderen Geburtsablauf empfehlen.

Wann darf ich mir nach der Schwangerschaft die Augen lasern lassen?

Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Die DOG rät, frühestens ein Jahr nach der Entbindung zu lasern; andere Quellen nennen mindestens sechs Monate. Wichtig ist, dass die Stillzeit beendet ist und die Brillenwerte bei wiederholten Messungen stabil bleiben.

Kann eine Schwangerschaft die diabetische Retinopathie verschlechtern?

Ja, bei Frauen mit vorbestehendem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Das Risiko ist umso höher, je ausgeprägter die Netzhauterkrankung zu Beginn ist, je schlechter der Blutzucker bei der Empfängnis eingestellt war und je schneller er danach gesenkt wird. Deshalb sind eine Untersuchung vor der Schwangerschaft, Kontrollen etwa jedes Schwangerschaftsdrittel und Kontrollen nach der Geburt wichtig. Ein Schwangerschaftsdiabetes allein schädigt die Netzhaut nicht.

Warum sind meine Augen in der Schwangerschaft so trocken?

Die Hormonumstellung verringert die Tränenmenge und das Öl aus den Lidranddrüsen, sodass der Tränenfilm schneller verdunstet. Bis zu 70 von 100 Schwangeren sind betroffen. Konservierungsmittelfreie künstliche Tränen, feuchte Luft, Bildschirmpausen und warme Lidkompressen helfen. Nach der Geburt oder dem Abstillen bessert sich die Trockenheit meist von selbst.

Ist eine Augenuntersuchung mit Pupillenerweiterung in der Schwangerschaft schädlich?

Nach heutigem Wissen ist das Risiko gering; Fehlbildungen wurden nicht berichtet. Weil Studien fehlen, wird die Pupille in der Schwangerschaft aber nur erweitert, wenn es nötig ist, etwa bei Diabetes oder Sehstörungen. Danach sehen Sie einige Stunden verschwommen und sollten nicht Auto fahren.

Was ist eine zentrale seröse Chorioretinopathie in der Schwangerschaft?

Dabei sammelt sich Flüssigkeit unter der Netzhautmitte, vermutlich wegen der hohen Kortisolspiegel. Typisch sind verzerrtes Sehen und ein grauer Fleck auf einem Auge, meist im letzten Schwangerschaftsdrittel. Die Erkrankung heilt in den meisten Fällen nach der Geburt von selbst ab, kann aber in einer späteren Schwangerschaft wiederkehren.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 33 Quellen anzeigen
  1. Augenprobleme in der Schwangerschaft nicht bagatellisieren (Bericht zur DOG) – Deutsches Ärzteblatt (DE)
  2. Bei diesen Warnzeichen sollten Schwangere zum Augenarzt (DOG) – Ärzte Zeitung (DE)
  3. Augenprobleme in der Schwangerschaft (Bericht zur DOG) – Pharmazeutische Zeitung (DE)
  4. Experten geben Entwarnung (DOG-Kongress, Augentropfen in der Schwangerschaft) – Pharmazeutische Zeitung 40/2015 (DE)
  5. Augenprobleme in der Schwangerschaft – Apotheken Umschau (DE)
  6. Schwangerschaft und visuelle Veränderungen – GPnotebook (deutsche Ausgabe) (DE)
  7. Diabetische Retinopathie in der Schwangerschaft – GPnotebook (deutsche Ausgabe) (DE)
  8. Krankheiten in der Schwangerschaft (Präeklampsie, Eklampsie, HELLP) – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
  9. Diagnose, Therapie und Verlaufskontrolle der diabetischen Augenerkrankung (ÖDG-Empfehlungen) – Wiener klinische Wochenschrift, springermedizin.at (DE)
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  25. Relación entre el parto natural y el desprendimiento de retina regmatógeno en pacientes miopes – Clínica e Investigación en Ginecología y Obstetricia (Elsevier España) (ES)
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  27. Retinopatía diabética en el embarazo – GPnotebook (edición española) (ES)
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  30. Diabetische Retinopathie und Makulopathie (DDG-Praxisempfehlung 2024) – Deutsche Diabetes Gesellschaft (DE)
  31. Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft: Diagnostik und Therapie (S2k-Leitlinie 015-018, 2024) – AWMF (DE)
  32. Timolol in Schwangerschaft und Stillzeit – Embryotox, Charité – Universitätsmedizin Berlin (DE)
  33. Le CRAT – Médicaments, grossesse et allaitement – Le CRAT (FR)

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