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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Grüner Star (Glaukom)

Grüner Star (Glaukom)

Der Grüne Star (Glaukom) ist eine Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv langsam und dauerhaft geschädigt wird – meist ohne Schmerzen und lange unbemerkt. Er betrifft vor allem Menschen ab 40 Jahren; früh erkannt, lässt sich das Fortschreiten mit Augentropfen, Laser oder Operation in den meisten Fällen bremsen oder stoppen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 36 Minuten · 30 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

Der Grüne Star, Fachbegriff Glaukom, ist keine einzelne Krankheit, sondern eine Gruppe von Augenerkrankungen mit einer Gemeinsamkeit: Die Fasern des Sehnervs gehen nach und nach zugrunde. Der Sehnerv leitet die Bilder vom Auge ins Gehirn. Fallen seine Fasern aus, entstehen blinde Stellen im Gesichtsfeld, also in dem Bereich, den man sieht, ohne die Augen zu bewegen.

Der wichtigste Risikofaktor ist ein zu hoher Augeninnendruck. Er entsteht, wenn das Kammerwasser, eine klare Flüssigkeit im vorderen Auge, nicht gut genug abfließt. Entscheidend ist aber der Schaden am Sehnerv, nicht der Druckwert: Ein Glaukom kann auch bei normalem Druck entstehen, und viele Menschen mit erhöhtem Druck erkranken nie.

Die häufigste Form ist das primäre Offenwinkelglaukom. Es macht je nach Quelle 80 bis 90 Prozent aller Glaukome aus, verläuft schleichend über Jahre und tut nicht weh. Das zentrale, scharfe Sehen bleibt lange erhalten. Deshalb bemerken die meisten Betroffenen die Erkrankung erst, wenn schon ein großer Teil des Sehnervs verloren ist. In Deutschland, Frankreich, Spanien und den USA gehen Fachleute davon aus, dass etwa die Hälfte der Erkrankten nichts von ihrem Glaukom weiß.

Verwandte Formen sind das Normaldruckglaukom (Sehnervschaden bei Druck im Normbereich) und die okuläre Hypertension (erhöhter Druck ohne bisherigen Schaden, eine Vorstufe mit erhöhtem Risiko). Seltener sind das Engwinkelglaukom, das sich als akuter Glaukomanfall mit heftigen Schmerzen äußern kann, Sekundärglaukome als Folge anderer Erkrankungen und das angeborene Glaukom bei Kindern.

Verlorene Nervenfasern wachsen nicht nach. Ein Glaukom ist daher nicht heilbar, aber gut behandelbar: Augentropfen, ein schonender Laser (selektive Lasertrabekuloplastik, SLT) oder eine Operation senken den Druck und bremsen oder stoppen das Fortschreiten. Je früher die Behandlung beginnt, desto mehr Sehvermögen bleibt. Vollständige Erblindung ist bei rechtzeitiger Behandlung selten; viele Betroffene sehen auch 20 Jahre nach der Diagnose noch gut genug für den Alltag.

Weil Beschwerden so spät kommen, ist die Früherkennung der beste Schutz. Augenärztliche Fachgesellschaften empfehlen ab 40 eine Untersuchung des Sehnervs und eine Augendruckmessung. In Deutschland ist diese Vorsorge ohne Verdacht eine Selbstzahlerleistung (IGeL); ihr Nutzen ist unter Fachleuten umstritten, weil aussagekräftige Studien fehlen.

2 Symptome

In diesem Kapitel (13)

Merkt man einen Grünen Star?

In den ersten Jahren meist nicht. Das häufige Offenwinkelglaukom verursacht anfangs weder Schmerzen noch Rötung noch eine spürbare Sehverschlechterung. Fachleute nennen das Glaukom deshalb auch den „stillen Dieb des Sehens“. Nach französischen Angaben verläuft die Erkrankung oft 10 bis 20 Jahre ohne Beschwerden.

Wichtig ist der Umkehrschluss: Beschwerdefreiheit schließt ein Glaukom nicht aus. Gute Sehschärfe beim Augenarzt oder beim Optiker bedeutet nur, dass das Zentrum des Gesichtsfelds gesund ist. Über den Sehnerv sagt sie nichts aus.

Warum bleibt der Sehverlust so lange unbemerkt?

Weil die ersten Ausfälle dort entstehen, wo man nicht hinschaut. Die frühen blinden Flecken (Skotome) liegen außerhalb des Zentrums, meist bogenförmig um die Stelle des schärfsten Sehens herum oder auf der Nasenseite des Gesichtsfelds. Mehrere Mechanismen verdecken sie:

  • Das zentrale Sehen bleibt erhalten. Lesen, Fernsehen, Gesichter erkennen klappt lange problemlos.
  • Das andere Auge gleicht aus. Die Gesichtsfelder beider Augen überlappen sich weitgehend. Fehlt einem Auge ein Stück, liefert das andere Auge das Bild dafür. Weil das Glaukom meist beide Augen unterschiedlich stark betrifft, kann ein Auge schon deutlich geschädigt sein, ohne dass es auffällt.
  • Das Gehirn füllt Lücken auf. Blinde Stellen erscheinen nicht als schwarzer Fleck, sondern werden mit der Umgebung „überstrichen“. Man sieht nicht, dass etwas fehlt.
  • Die Augen bewegen sich ständig. Durch Blickbewegungen wird ein Gegenstand, der in eine Lücke fällt, im nächsten Moment wieder gesehen.

Erst wenn große Teile des Gesichtsfelds verloren sind oder die Ausfälle beider Augen an derselben Stelle liegen, merkt man im Alltag etwas.

Wie fühlt sich ein Glaukom im Alltag an?

Typisch sind kleine Missgeschicke, die man zunächst nicht mit den Augen in Verbindung bringt. Gesundheitsportale aus Deutschland und Fachbücher aus den USA und Spanien beschreiben übereinstimmend folgende Situationen:

  • Personen oder Gegenstände, die von der Seite kommen, werden spät oder gar nicht bemerkt.
  • Man stößt sich an Türrahmen, Tischkanten oder offenen Schranktüren.
  • Treppenstufen und Bordsteinkanten sind schwerer einzuschätzen, besonders wenn der untere Teil des Gesichtsfelds betroffen ist. Das Sturzrisiko steigt.
  • Beim Lesen fehlen einzelne Buchstaben oder Wortteile, man verrutscht in der Zeile.
  • Beim Autofahren sieht man geradeaus gut, übersieht aber Radfahrer, Fußgänger oder Fahrzeuge am Rand.
  • Der Wechsel von hell nach dunkel fällt schwer, etwa vom sonnigen Gehweg in einen dunklen Hausflur. Die Augen brauchen länger, um sich anzupassen.

Welche Beschwerden treten später auf?

Im fortgeschrittenen Stadium wird das Gesichtsfeld immer enger, bis nur noch ein kleiner zentraler Bereich bleibt. Betroffene beschreiben das als Tunnelblick oder als Blick durch eine Röhre.

Erst ganz am Ende sinkt auch die zentrale Sehschärfe, oft dann recht schnell. Lesen, Gesichter erkennen und die Orientierung in fremder Umgebung werden schwierig. Unbehandelt kann das Glaukom zur Erblindung führen; nach französischen Fachangaben meist erst nach 20 bis 30 Jahren, außer bei sehr spät erkannten Fällen.

Gibt es unspezifische Begleitbeschwerden?

Ja, aber sie sind selten und nicht beweisend. Einzelne Quellen nennen beim chronischen Glaukom:

  • nachlassendes Kontrastsehen, etwa bei Nebel oder in der Dämmerung
  • Blendempfindlichkeit und schlechteres Sehen bei Nacht
  • schnellere Ermüdung der Augen
  • gelegentlich dumpfe Augen- oder Kopfschmerzen
  • zeitweise verschwommenes Sehen oder farbige Ringe (Halos) um Lichtquellen

Diese Beschwerden haben häufig andere Ursachen, zum Beispiel einen Grauen Star oder ein trockenes Auge. Farbige Ringe um Lichter zusammen mit Schmerzen und Rötung sprechen dagegen für einen Druckanstieg bei engem Kammerwinkel und gehören rasch abgeklärt.

Wie verläuft das Glaukom Stadium für Stadium?

Der Verlauf lässt sich grob in drei Phasen einteilen. Die Übergänge sind fließend, und die Geschwindigkeit ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

StadiumWas Sie selbst merkenWas die Augenärztin oder der Augenarzt findet
FrühNichtsauffälliger Sehnervenkopf, dünnere Nervenfaserschicht im OCT, evtl. erhöhter Druck, kleine Ausfälle in der Gesichtsfeldmessung
Mittelmeist noch nichts, manchmal Anstoßen, Stolpern, Unsicherheit im Dunkelnbogenförmige Ausfälle im Gesichtsfeld, deutliche Aushöhlung der Papille
SpätTunnelblick, Orientierungsprobleme, später schlechtere Sehschärfegroßflächige Gesichtsfeldausfälle, nur noch zentraler Rest

Welche Symptome hat das Normaldruckglaukom?

Am Auge die gleichen wie das Offenwinkelglaukom: lange keine. Ein Unterschied: Die frühen Ausfälle liegen beim Normaldruckglaukom häufiger näher am Zentrum des Gesichtsfelds. Manche Betroffene bemerken deshalb früher einen Fleck neben dem Punkt, den sie gerade anschauen, etwa beim Lesen.

Auffällig ist, dass viele Menschen mit Normaldruckglaukom Zeichen einer empfindlichen Durchblutung haben. Deutschsprachige Fachgesellschaften und Kliniken nennen:

  • kalte Hände und Füße, Krämpfe oder weiße Finger bei Kälte (Gefäßkrämpfe, Raynaud-Phänomen)
  • niedrigen oder stark schwankenden Blutdruck, besonders nächtliche Blutdruckabfälle
  • Migräne
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Schnarchen mit Atemaussetzern (Schlafapnoe)

Diese Beschwerden beweisen kein Glaukom. Wer sie hat und über 40 ist, sollte bei der augenärztlichen Untersuchung aber davon erzählen.

Hat eine okuläre Hypertension Symptome?

Nein. Bei der okulären Hypertension ist der Augeninnendruck erhöht, der Sehnerv aber noch gesund. Es gibt daher per Definition keine Ausfälle. Ein langsam ansteigender Druck ist nicht zu spüren, meist auch nicht bei Werten um 30 mmHg. Nur bei sehr schnellen, hohen Druckanstiegen wie beim Glaukomanfall entstehen Schmerzen.

Welche Beschwerden machen Sekundärglaukome?

Das hängt von der Ursache ab. Ein Glaukom nach einer Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis) kann mit Rötung, Lichtscheu und Schmerzen einhergehen. Ein Glaukom durch neu gebildete Blutgefäße nach einer diabetischen Netzhauterkrankung oder einem Venenverschluss der Netzhaut verursacht oft hohe Drücke mit Schmerzen. Ein durch Kortison ausgelöstes Glaukom verläuft dagegen meist ebenso still wie das Offenwinkelglaukom.

Beim Pigmentglaukom, das vor allem junge, kurzsichtige Männer betrifft, können nach Sport mit Erschütterungen, etwa Joggen oder Basketball, kurz Verschwommensehen oder Halos auftreten. Grund ist Pigment, das sich von der Regenbogenhaut löst und den Abfluss vorübergehend verstopft.

Woran erkennt man ein Glaukom bei Babys und Kleinkindern?

An einer typischen Dreiergruppe von Zeichen: Lichtscheu, Tränenfluss und Lidkrampf (häufiges Zukneifen und Blinzeln). Dazu kommen oft weitere Auffälligkeiten:

  • große Augen, manchmal nur auf einer Seite. Die Hüllen des kindlichen Auges sind noch dehnbar und geben dem Druck nach. Fachleute sprechen vom „Ochsenauge“ (Buphthalmus).
  • eine große Hornhaut, beim Säugling mehr als etwa 12 Millimeter Durchmesser
  • eine trübe, bläulich-graue oder milchige Hornhaut
  • häufiges Augenreiben, Wegdrehen des Kopfes von hellem Licht, Quengeln bei Helligkeit
  • später schlechtes Sehen, Augenzittern (Nystagmus) oder Schielen

Starke Tränen bei Babys werden leicht mit einem verstopften Tränenkanal oder einer Bindehautentzündung verwechselt. Tränen ohne Eiter und ohne Infektzeichen, dazu Lichtscheu oder große Augen: Das sollte rasch augenärztlich abgeklärt werden. Frühkindliche Glaukome schreiten oft schnell voran.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen (juveniles Glaukom) fehlen diese Zeichen oft. Die Erkrankung verläuft dann still wie bei Erwachsenen und fällt manchmal erst bei einer Schuluntersuchung auf.

Was ist bei älteren Menschen anders?

Bei älteren Menschen überlagern sich häufig mehrere Augenerkrankungen. Schlechteres Sehen wird dann leicht allein dem Grauen Star oder einer Makuladegeneration zugeschrieben. Gesichtsfeldausfälle durch ein Glaukom erhöhen besonders im Alter das Sturzrisiko, etwa auf Treppen oder bei schlechter Beleuchtung.

Wer im Alter häufiger stolpert, sich an Möbeln stößt oder unsicher im Straßenverkehr wird, sollte auch an die Augen denken und eine augenärztliche Untersuchung mit Gesichtsfeldmessung erwägen.

Was können Angehörige bemerken?

Bei Erwachsenen fallen Angehörigen Veränderungen oft früher auf als den Betroffenen selbst. Hinweise können sein:

  • häufiges Anstoßen an Gegenständen auf einer Seite
  • Stolpern über Stufen, Bordsteine oder Teppichkanten
  • Zögern beim Betreten dunkler Räume
  • Unsicherheit oder Beinahe-Unfälle beim Autofahren, Meiden von Nachtfahrten
  • Personen, die von der Seite angesprochen werden, reagieren nicht oder erschrecken

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Eltern die wichtigsten Beobachter: große, tränende, lichtscheue Augen oder eine trübe Hornhaut sind ein Grund, das Kind möglichst sofort augenärztlich ansehen zu lassen.

Wie unterscheidet sich der akute Glaukomanfall?

Grundlegend: Der Glaukomanfall kommt plötzlich und ist sehr schmerzhaft. Typisch sind heftige, bohrende Augen- und Kopfschmerzen, ein rotes, steinhartes Auge, starke Sehverschlechterung wie durch Nebel, farbige Ringe um Lichtquellen, Übelkeit und Erbrechen. Meist ist nur ein Auge betroffen.

Wegen Übelkeit und Kopfschmerz wird ein Anfall manchmal für einen Migräneanfall oder ein Magenproblem gehalten. Er ist ein Notfall, der sofort in einer Augenklinik behandelt werden muss. Einzelheiten stehen im Artikel Akuter Glaukomanfall.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (10)

Wie entsteht ein Glaukom?

Ein Glaukom entsteht, wenn die Nervenfasern des Sehnervs schneller zugrunde gehen, als es dem normalen Altern entspricht. Diese Fasern sind die Fortsätze von Nervenzellen der Netzhaut (Ganglienzellen). Sie bündeln sich im Sehnervenkopf (Papille) und verlassen dort das Auge. Gehen Fasern verloren, wird die Papille ausgehöhlt; Fachleute sprechen von einer vergrößerten Exkavation.

Warum manche Menschen erkranken und andere nicht, ist nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Wissen wirken mehrere Faktoren zusammen. Der wichtigste und der einzige gut behandelbare ist ein für den jeweiligen Sehnerv zu hoher Augeninnendruck. Daneben spielt eine unzureichende Durchblutung des Sehnervs eine Rolle.

Welche Rolle spielt das Kammerwasser?

Das Kammerwasser bestimmt den Augeninnendruck. Es wird ständig vom Ziliarkörper hinter der Regenbogenhaut gebildet, versorgt Linse und Hornhaut mit Nährstoffen und fließt durch die Pupille in die vordere Augenkammer. Dort verlässt es das Auge über ein feines Maschenwerk im Kammerwinkel (Trabekelwerk) und den sogenannten Schlemm-Kanal.

Bildung und Abfluss halten sich normalerweise die Waage. Beim Offenwinkelglaukom ist der Kammerwinkel zwar offen, das Maschenwerk aber zunehmend verstopft: Der Abflusswiderstand steigt, und damit der Druck. Beim Engwinkelglaukom verlegt dagegen die Regenbogenhaut den Zugang zum Abfluss.

Was ist ein normaler Augeninnendruck?

Als Normalbereich gelten etwa 10 bis 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule), im Mittel rund 15 mmHg. Der Druck schwankt im Tagesverlauf und ist oft nachts oder frühmorgens am höchsten.

Der Normbereich ist ein statistischer Wert, keine Grenze für Gesundheit. Manche Sehnerven halten Drücke über 25 mmHg jahrelang aus, andere werden schon bei 15 mmHg geschädigt. Auch die Dicke der Hornhaut beeinflusst die Messung: Eine dünne Hornhaut lässt den Druck niedriger erscheinen, als er ist, eine dicke höher.

Warum entsteht ein Glaukom auch bei normalem Druck?

Beim Normaldruckglaukom ist der Sehnerv vermutlich besonders empfindlich, und schon ein normaler Druck reicht für einen Schaden. Als Hauptursache gilt eine gestörte Durchblutung des Sehnervs. Dafür sprechen die häufigen Begleiterkrankungen:

  • niedriger Blutdruck oder starke nächtliche Blutdruckabfälle, auch durch zu stark eingestellte Blutdruckmedikamente
  • Gefäßkrämpfe (Raynaud-Phänomen), Migräne
  • Schlafapnoe; bei mittlerer bis schwerer Apnoe gehen Nervenfasern schneller verloren
  • Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, frühere Schlaganfälle

Wie häufig das Normaldruckglaukom ist, hängt stark von der untersuchten Bevölkerung ab. In Europa und Nordamerika hat je nach Studie ein Sechstel bis knapp die Hälfte der Menschen mit Offenwinkelglaukom keinen erhöhten Druck; oft wird etwa ein Drittel genannt. In Japan liegt dieser Anteil bei über 90 Prozent.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Die folgenden Faktoren sind in Leitlinien und Gesundheitsportalen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und Spanien weitgehend übereinstimmend genannt:

RisikofaktorWas bekannt ist
Erhöhter Augeninnendruckwichtigster und einziger direkt behandelbarer Faktor
AlterRisiko steigt ab 40 und verdoppelt sich etwa alle zehn Jahre
Glaukom in der FamilieEltern oder Geschwister mit Glaukom erhöhen das eigene Risiko deutlich
Afrikanische oder karibische Herkunfthäufiger, früherer Beginn, schwererer Verlauf; Erblindungsrisiko in den USA 6- bis 8-fach höher
Starke Kurzsichtigkeitab etwa −4 bis −5 Dioptrien
Dünne HornhautTeil der Risikoeinschätzung bei erhöhtem Druck
Kortisonvor allem als Augentropfen, aber auch als Salbe nahe dem Auge, Nasenspray, Inhalation, Spritze oder Tablette über längere Zeit
Blutungen am SehnervenrandZeichen für ein erhöhtes Risiko des Fortschreitens
Frühere Augenverletzung oder -entzündungkann den Abfluss dauerhaft schädigen

Die Kurzsichtigkeit gilt als Risikofaktor, vermutlich weil der Sehnervenkopf im länger gebauten Auge mechanisch stärker belastet ist. In Ostasien ist dagegen das Engwinkelglaukom deutlich häufiger als in Europa.

Erhöht Diabetes das Glaukomrisiko?

Das ist nicht eindeutig geklärt. Das deutsche Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit und die amerikanische Fachgesellschaft AAO nennen Diabetes als Risikofaktor. Die aktuelle Leitlinie der deutschen Fachgesellschaften DOG und BVA (2024) bewertet die Studienlage als uneinheitlich: Übersichtsarbeiten fanden ein etwa 1,4-fach erhöhtes Risiko, andere Studien keinen Zusammenhang. Ein Teil des Effekts könnte daran liegen, dass Menschen mit Diabetes häufiger untersucht werden.

Sicher ist: Eine fortgeschrittene diabetische Netzhauterkrankung kann über neu gebildete Blutgefäße ein schweres Sekundärglaukom auslösen. Menschen mit Diabetes sollten ihre Augen ohnehin regelmäßig mit erweiterter Pupille untersuchen lassen.

Spielen Lebensstil, Rauchen und Ernährung eine Rolle?

Für die Entstehung eines Glaukoms nach heutigem Wissen kaum. Die deutschen Fachgesellschaften sehen keinen belegten Einfluss von Ernährung, Beruf oder Lebensgewohnheiten. Auch die Universitätsklinik Navarra findet keinen klaren Zusammenhang mit Kaffee, Tabak oder fett-, zucker- und salzreicher Kost.

Rauchen wird in einzelnen Quellen als möglicher Risikofaktor diskutiert. Bei bestehendem Glaukom gilt Rauchen als zusätzliche Belastung für die Durchblutung des Sehnervs. Maßvoller Alkoholgenuss gilt als unbedenklich.

Ist Grüner Star erblich?

Teilweise. Ein Glaukom tritt in manchen Familien gehäuft auf. In der niederländischen Rotterdam-Studie hatten Geschwister und Kinder von Betroffenen ein etwa neunfach höheres Risiko, im Laufe des Lebens selbst zu erkranken (rund 22 Prozent gegenüber gut 2 Prozent bei Verwandten von Gesunden). Die Studie war klein, die genaue Höhe des Risikos ist daher unsicher. Es gibt aber meist keinen einfachen Erbgang. Wer ein Glaukom hat, sollte Eltern, Geschwister und erwachsene Kinder informieren, damit sie sich früher untersuchen lassen.

Was löst ein Sekundärglaukom aus?

Ein Sekundärglaukom ist die Folge einer anderen Erkrankung oder Behandlung. Häufige Ursachen sind:

  • Kortison in jeder Form, besonders als Augentropfen. Kurze Kuren von wenigen Tagen gelten als praktisch unbedenklich; längere Anwendungen gehören augenärztlich überwacht.
  • Pseudoexfoliation: flockiges, weißliches Material lagert sich im Auge ab und verstopft den Abfluss; häufiger im höheren Alter.
  • Pigmentdispersion: Pigment löst sich von der Regenbogenhaut.
  • Entzündungen im Auge (Uveitis), auch durch Herpesviren.
  • neu gebildete Blutgefäße nach diabetischer Netzhauterkrankung oder Gefäßverschluss (neovaskuläres Glaukom).
  • Verletzungen und Blutungen im Auge.
  • Operationen an der Netzhaut mit Gas- oder Silikonölfüllung, Hornhauttransplantation.
  • ein sehr fortgeschrittener Grauer Star, Tumoren, Schilddrüsen-Augenerkrankung (endokrine Orbitopathie) oder ein erhöhter Venendruck.

Warum bekommen Kinder ein Glaukom?

Beim angeborenen (kongenitalen) Glaukom hat sich der Abfluss des Kammerwassers vor der Geburt nicht richtig entwickelt. Es ist selten; Schätzungen reichen von etwa 1 auf 5.000 bis 1 auf 20.000 Kinder. Manchmal tritt es familiär gehäuft auf.

Sekundäre kindliche Glaukome entstehen bei Fehlbildungen des vorderen Auges, bei Syndromen wie dem Sturge-Weber-Syndrom, bei fehlender Regenbogenhaut (Aniridie), nach einer Operation des kindlichen Grauen Stars oder bei Augenentzündungen im Rahmen von kindlichem Rheuma.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (13)

Wie wird ein Glaukom festgestellt?

Durch eine Kombination mehrerer Untersuchungen; einen einzelnen Glaukomtest gibt es nicht. Die drei Säulen sind die Beurteilung des Sehnervs, die Messung des Augeninnendrucks und die Prüfung des Gesichtsfelds. Nach der deutschen Leitlinienlogik liegt ein primäres Offenwinkelglaukom vor, wenn bei offenem Kammerwinkel zwei von drei Kriterien zutreffen: glaukomtypischer Sehnervenschaden, glaukomtypischer Gesichtsfeldausfall und zumindest zeitweise ein Druck über 21 mmHg.

Alle üblichen Untersuchungen sind schmerzfrei und ungefährlich. Andere Ursachen für Sehnerv- und Gesichtsfeldschäden müssen ausgeschlossen werden.

Warum reicht die Druckmessung allein nicht?

Weil viele Glaukome bei normalem Druck entstehen und viele erhöhte Drücke nie zu einem Glaukom führen. Würde man nur den Druck messen, bliebe nach Angaben der deutschen Fachgesellschaften fast die Hälfte der Glaukome unentdeckt. Ein erhöhter Wert beweist kein Glaukom, ein normaler schließt es nicht aus.

Die spanischen Fachgesellschaften für Augenheilkunde und für Glaukom betonen deshalb: Druckmessungen beim Optiker oder Optometristen können ein Hinweis sein, ersetzen aber nicht die ärztliche Diagnose.

Was passiert bei der Untersuchung des Sehnervs?

Die Augenärztin oder der Augenarzt betrachtet mit einer Lupe an der Spaltlampe durch die Pupille den Sehnervenkopf (Papille). Am genauesten gelingt das mit erweiterter Pupille. Beurteilt werden:

  • die Größe der Papille und ihre Aushöhlung im Verhältnis zur Gesamtgröße (Cup-Disc-Verhältnis)
  • der Randsaum aus Nervenfasern, der beim Glaukom dünner wird oder Kerben zeigt
  • kleine, streifenförmige Blutungen am Papillenrand
  • abgeknickte Gefäße und Lücken in der Nervenfaserschicht

Eine Verdünnung des Randsaums ist bei 40 bis 60 Prozent das erste sichtbare Schadenszeichen. Fotos der Papille helfen, spätere Veränderungen zu erkennen.

Wichtig nach dem Weittropfen: Für einige Stunden sehen Sie unscharf und sind blendempfindlich. Fahren Sie in dieser Zeit nicht selbst Auto.

Wie wird der Augeninnendruck gemessen?

Der Standard ist die Applanationstonometrie nach Goldmann. Das Auge wird mit Tropfen betäubt und leicht angefärbt, dann wird ein kleiner Messkörper sanft auf die Hornhaut gesetzt. Man spürt davon nichts.

Berührungslose Geräte mit einem Luftstoß eignen sich zur Vorauswahl, sind aber weniger genau. Weil der Druck im Tagesverlauf schwankt, sind oft mehrere Messungen zu verschiedenen Tageszeiten nötig. Besonders beim Verdacht auf Normaldruckglaukom kann eine Tagesdruckkurve sinnvoll sein.

Wozu dient die Hornhautdickenmessung?

Die Pachymetrie misst die Dicke der Hornhaut mit Ultraschall oder Licht. Sie hilft, den gemessenen Druck richtig einzuordnen: Eine dünne Hornhaut lässt den Druck zu niedrig erscheinen und gilt selbst als Risikofaktor. Rechenformeln zur Korrektur des Druckwerts empfiehlt die französische Gesundheitsbehörde HAS nicht; die Hornhautdicke fließt in die Gesamteinschätzung ein.

Was zeigt die Gesichtsfeldmessung?

Die Perimetrie prüft, ob und wo im Gesichtsfeld blinde Stellen bestehen. Sie schauen mit einem Auge auf einen Punkt in einer Halbkugel, während an verschiedenen Stellen schwache Lichtpunkte aufleuchten. Jedes Mal, wenn Sie einen Punkt sehen, drücken Sie einen Knopf.

Typische Glaukomschäden sind bogenförmige Ausfälle, eine Stufe auf der Nasenseite und Ausfälle nahe dem Zentrum. Die Untersuchung ist anstrengend, aber schmerzfrei. Nach der Diagnose zeigen mehrere Messungen innerhalb weniger Jahre, ob und wie schnell das Glaukom fortschreitet.

Was bringt die OCT?

Die optische Kohärenztomographie (OCT) misst mit Licht in Sekunden die Dicke der Nervenfaserschicht um die Papille und der Ganglienzellen in der Makula. Sie erkennt Faserverluste oft, bevor sie im Gesichtsfeld sichtbar werden, und eignet sich gut für Verlaufskontrollen. OCT und Gesichtsfeld ergänzen sich; keine der beiden Untersuchungen ersetzt die andere.

Warum wird der Kammerwinkel untersucht?

Die Gonioskopie klärt, ob der Kammerwinkel offen oder eng ist. Davon hängt ab, welche Glaukomform vorliegt und welche Behandlung infrage kommt. Ein kleines Kontaktglas mit Spiegeln wird nach Betäubungstropfen auf das Auge gesetzt. Bei engem Winkel kann ein Glaukomanfall drohen; dann ist oft ein vorbeugender Laser sinnvoll.

Was gehört zur Erstuntersuchung?

Die französische Leitlinie der HAS von 2022 nennt acht Bausteine, die sich weitgehend mit deutschen, britischen und amerikanischen Empfehlungen decken:

  1. Brillenwerte und Sehschärfe
  2. Untersuchung des vorderen Auges an der Spaltlampe
  3. Augendruckmessung nach Goldmann
  4. Hornhautdickenmessung
  5. Gonioskopie des Kammerwinkels
  6. Beurteilung von Sehnerv und Nervenfaserschicht, gegebenenfalls mit Fotos
  7. automatische Gesichtsfeldmessung
  8. OCT von Papille, Nervenfaserschicht und gegebenenfalls Makula

Welche Erkrankungen werden abgegrenzt?

Sehnervschäden und Gesichtsfeldausfälle können auch andere Ursachen haben. Vor allem vor der Diagnose Normaldruckglaukom werden ausgeschlossen:

  • Durchblutungsstörungen des Sehnervs (ischämische Optikusneuropathie)
  • Druck auf die Sehbahn durch Tumoren, selten auch durch Gefäßveränderungen; bei einseitigem Befund, Alter unter 50 oder unklarem Verlauf wird deshalb eher eine Bildgebung des Kopfes veranlasst
  • Vitamin-B12-Mangel und bestimmte Infektionen
  • Messfehler, große Tagesschwankungen, frühere Druckspitzen durch Kortison oder Entzündung, ein zeitweise verschlossener Kammerwinkel
  • angeborene Besonderheiten der Papille, die einem Glaukom ähneln

Wie wird ein Glaukom bei Kindern untersucht?

Bei Säuglingen und Kleinkindern meist in einer kurzen Narkose. Gemessen werden Augendruck, Hornhautdurchmesser und -dicke, die Länge des Augapfels mit Ultraschall, der Kammerwinkel und die Brechkraft. Ist der Druck erhöht, wird oft in derselben Narkose operiert. Ab etwa fünf Jahren gelingen viele Untersuchungen ohne Narkose. In Deutschland ist das Kinder-Glaukomzentrum der Universitätsmedizin Mainz eine spezialisierte Anlaufstelle.

Ab wann und wie oft zur Glaukom-Vorsorge?

Die meisten Fachgesellschaften raten zu einer ersten Untersuchung um das 40. Lebensjahr. Die Empfehlungen zu den Abständen unterscheiden sich:

Land/QuelleEmpfehlung
Deutschland (DOG/BVA)Angebot ab 40; ohne weiteren Risikofaktor mit 40 bis 59 Jahren alle 5 Jahre, ab 60 alle 2 bis 3 Jahre; mit einem weiteren Risikofaktor alle 2 bis 3 Jahre (ab 60 jährlich), mit zwei oder mehr jährlich (Leitlinie 2024)
Österreich (Klinikum Wels-Grieskirchen)ab 40 alle 2 bis 5 Jahre
Frankreich (Vidal, HAS)ab 40 möglichst alle 2 Jahre; Verwandte von Betroffenen informieren
Großbritannien (NHS)Augenuntersuchung mindestens alle 2 Jahre
USA (AAO, NEI)umfassende Untersuchung um 40; Risikogruppen alle 1 bis 2 Jahre
Spanien (Universitätsklinik Navarra)40 bis 64 Jahre alle 1 bis 2 Jahre, ab 65 alle 6 bis 12 Monate

Früher und häufiger untersuchen lassen sollten sich Menschen mit Glaukom in der Familie, starker Kurzsichtigkeit, afrikanischer oder karibischer Herkunft, längerer Kortisonbehandlung oder Diabetes mit Netzhautveränderungen.

Wer zahlt die Glaukom-Vorsorge?

In Deutschland ist die Früherkennung ohne Verdacht keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Augenspiegelung und Druckmessung werden als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) privat abgerechnet; die Kosten richten sich nach der ärztlichen Gebührenordnung und unterscheiden sich zwischen Praxen. Lassen Sie sich die Kosten vorher nennen. Besteht ein begründeter Verdacht, ein besonderes Risiko oder ein bekanntes Glaukom, zahlt die Kasse Untersuchung und Behandlung.

Der Nutzen der Vorsorge ist umstritten. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet die Kombination aus Augenspiegelung und Druckmessung als „tendenziell negativ“, weil keine Studien Nutzen oder Schaden belegen und Fehlalarme möglich sind. Die augenärztlichen Fachgesellschaften halten die Früherkennung dagegen für sinnvoll, weil ein unentdecktes Glaukom unumkehrbare Schäden verursacht. Dass entsprechende Vergleichsstudien fehlen, räumen auch sie ein.

In Österreich übernimmt die Sozialversicherung notwendige und zweckmäßige Untersuchungen über die e-card. Ob eine reine Vorsorgemessung ohne Beschwerden oder Risiko bezahlt wird, klären Sie am besten vorab mit Ihrer Krankenkasse oder in der Ordination. In Frankreich gibt es kein organisiertes Screening; die Früherkennung läuft über die üblichen augenärztlichen Termine.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (21)

Was ist das Ziel der Glaukombehandlung?

Das Ziel ist, den Sehnerv vor weiterem Schaden zu schützen und das verbliebene Sehvermögen ein Leben lang zu erhalten. Bereits verlorene Nervenfasern und Gesichtsfeldanteile kommen nicht zurück. Alle heute verfügbaren Behandlungen wirken über eine Senkung des Augeninnendrucks; das gilt auch beim Normaldruckglaukom.

Wie intensiv behandelt wird, hängt vom Ausmaß des Schadens, von der Geschwindigkeit des Fortschreitens, vom Alter und davon ab, wie gut die Behandlung in den Alltag passt. Die Entscheidung treffen Augenärztin oder Augenarzt und Patient gemeinsam.

Was ist der Zieldruck?

Der Zieldruck ist ein individuell festgelegter Druckwert, bei dem der Sehnerv voraussichtlich keinen weiteren Schaden nimmt. Die amerikanische Leitlinie von 2025 nennt als sinnvollen Start eine Senkung um 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Ausgangswert; französische Quellen nennen 25 bis 30 Prozent. Je stärker der Sehnerv bereits geschädigt ist, desto tiefer sollte der Zieldruck liegen.

Der Zieldruck ist kein fester Wert. Schreitet das Glaukom trotz erreichtem Ziel fort, wird er weiter gesenkt.

Wie gut wirkt die Behandlung?

Studien zeigen einen klaren Nutzen. Nach Angaben des deutschen Instituts IQWiG verschlechterte sich bei erhöhtem Druck ohne Schaden das Sehen innerhalb von rund fünf Jahren bei 12 von 100 Menschen mit Tropfen und bei 17 von 100 ohne. Bei neu entdecktem Glaukom schritt die Erkrankung nach zwei Jahren bei 30 von 100 Behandelten fort, ohne Behandlung bei 49 von 100.

Beim Normaldruckglaukom zeigte eine große nordamerikanische Studie: Mit einer Drucksenkung um 30 Prozent schritt die Erkrankung nach fünf Jahren bei 12 Prozent fort, ohne Behandlung bei 35 Prozent. Zugleich blieben 65 Prozent der Unbehandelten über diesen Zeitraum stabil.

Muss jede okuläre Hypertension behandelt werden?

Nein. Ob ein erhöhter Druck ohne Schaden behandelt wird, hängt von der Höhe des Drucks und weiteren Risikofaktoren ab: Hornhautdicke, Alter, familiäre Belastung, Aussehen des Sehnervs. Sehr hohe Drücke werden meist behandelt, leicht erhöhte oft zunächst nur regelmäßig kontrolliert. Nach deutschen Angaben entwickeln etwa 10 von 100 Menschen mit erhöhtem Druck innerhalb von fünf Jahren Sehverluste.

Welche Augentropfen gibt es gegen Grünen Star?

Augentropfen sind in Deutschland und Österreich meist die erste Behandlung. Sie senken den Druck, indem sie den Abfluss verbessern oder die Bildung von Kammerwasser drosseln. Es gibt fünf große Wirkstoffgruppen:

WirkstoffgruppeWirkweiseTypische Nebenwirkungen
Prostaglandin-Analoga (z. B. Latanoprost, Travoprost, Bimatoprost, Tafluprost)mehr Abfluss; meist 1-mal täglich abends; am stärksten wirksamRötung, dunklere Regenbogenhaut, längere und dichtere Wimpern, dunklere Lidhaut, veränderte Lidpartie
Betablocker (z. B. Timolol)weniger Kammerwasser; meist 1- bis 2-mal täglichlangsamer Puls, Atemnot bei Asthma oder COPD, Müdigkeit, Stimmungstief
Carboanhydrasehemmer (z. B. Dorzolamid, Brinzolamid)weniger KammerwasserBrennen, bitterer Geschmack; als Tablette (Acetazolamid) Kribbeln, Müdigkeit, Nierensteine
Alpha-2-Agonisten (z. B. Brimonidin)weniger Bildung und mehr AbflussAllergie am Auge, Mundtrockenheit, Müdigkeit; bei Kindern unter 2 Jahren nicht erlaubt
Rho-Kinase-Hemmer (z. B. Netarsudil)mehr AbflussBindehautrötung, kleine Einblutungen, Ablagerungen auf der Hornhaut

Ältere Miotika wie Pilocarpin werden beim Offenwinkelglaukom nur noch selten eingesetzt, weil sie die Pupille verengen und das Sehen im Dunkeln stören. Reicht ein Wirkstoff nicht, werden zwei oder drei kombiniert. Fixkombinationen mit zwei Wirkstoffen in einem Fläschchen vereinfachen die Anwendung.

Welche Tropfen dürfen nicht alle nehmen?

Vor allem Betablocker-Tropfen sind nicht für alle geeignet, denn sie wirken auch im ganzen Körper. Sie sind bei Asthma und COPD ungeeignet und erfordern Vorsicht bei langsamem Puls, niedrigem Blutdruck, Herzschwäche, bestimmten Rhythmusstörungen und Raynaud-Phänomen. Beim Normaldruckglaukom achtet die Augenärztin oder der Augenarzt zusätzlich darauf, dass Tropfen den Blutdruck und die Durchblutung des Sehnervs nicht verschlechtern. Sagen Sie deshalb allen behandelnden Ärztinnen und Ärzten, welche Augentropfen Sie nehmen, und umgekehrt.

Was tun, wenn die Tropfen brennen oder die Augen trocken werden?

Viele Glaukomtropfen enthalten Konservierungsmittel, die bei jahrelanger Anwendung die Augenoberfläche reizen können. Es gibt konservierungsmittelfreie Alternativen in Einzeldosen oder speziellen Fläschchen. Bei trockenen, brennenden Augen helfen oft zusätzlich Tränenersatzmittel, die im Abstand zu den Glaukomtropfen getropft werden. Setzen Sie die Glaukomtropfen nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie über Alternativen.

Wie tropft man richtig?

Richtig getropft wirken die Tropfen besser und belasten den Körper weniger. Bewährte Tipps aus deutschen, französischen und spanischen Patienteninformationen:

  1. Hände waschen, Kopf leicht zurückneigen, das Unterlid mit einem Finger nach unten ziehen.
  2. Einen Tropfen in die entstandene Tasche geben, ohne Wimpern oder Auge mit der Spitze zu berühren.
  3. Das Auge danach ein bis zwei Minuten sanft schließen oder mit einem Finger den inneren Augenwinkel leicht zudrücken. Das verringert die Aufnahme in den Körper.
  4. Bei zwei verschiedenen Tropfen mindestens 5 Minuten, besser 10 Minuten Abstand halten.
  5. Feste Tageszeiten wählen und an eine tägliche Gewohnheit koppeln, etwa Zähneputzen.
  6. Rechtzeitig ein neues Rezept besorgen, damit keine Lücke entsteht.

Wer mit dem Tropfen Mühe hat, kann Angehörige, Tropfhilfen oder Schulungen von Selbsthilfegruppen nutzen. Unregelmäßiges Tropfen ist einer der häufigsten Gründe, warum ein Glaukom trotz Behandlung fortschreitet.

Was ist die selektive Lasertrabekuloplastik (SLT)?

Die SLT ist eine schonende Laserbehandlung, die den Abfluss des Kammerwassers im Trabekelwerk verbessert. Kurze, energiearme Laserimpulse regen die Zellen im Kammerwinkel an, ohne das Gewebe zu zerstören. Der Eingriff findet ambulant an der Spaltlampe statt, dauert je Auge etwa 5 bis 15 Minuten und wird nur mit Betäubungstropfen durchgeführt. Die meisten Menschen empfinden ihn als schmerzlos oder schmerzarm.

Die SLT eignet sich nur bei offenem Kammerwinkel. Sie kann ergänzend zu Tropfen, bei Unverträglichkeit oder als erste Behandlung eingesetzt werden.

Ist Laser besser als Tropfen?

Als Erstbehandlung ist die SLT mindestens gleichwertig. In der britischen LiGHT-Studie mit rund 700 Patientinnen und Patienten mit Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension kamen nach drei Jahren 74 Prozent der SLT-Gruppe ohne Tropfen aus. In der SLT-Gruppe war keine Glaukomoperation nötig, in der Tropfen-Gruppe bei 11 Augen. Nach sechs Jahren schritt das Glaukom unter SLT seltener fort, und es waren weniger Operationen nötig. Schwere Nebenwirkungen des Lasers traten nicht auf.

Eine Cochrane-Übersicht von 2022 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Der Laser senkt den Druck vermutlich ähnlich gut wie moderne Tropfen. Auch die französische Leitlinie lässt die SLT schon zu Beginn der Behandlung zu, etwa bei erwarteter Unverträglichkeit, Problemen mit dem Tropfen oder in der Schwangerschaft.

Wie lange hält die Wirkung des Lasers?

Nicht unbegrenzt. Die Wirkung lässt bei vielen Menschen nach einigen Jahren nach. In der LiGHT-Studie kamen nach sechs Jahren noch rund 70 Prozent der zuerst gelaserten Augen ohne Tropfen und ohne Operation aus, manche davon nach einer Wiederholung des Lasers. Die SLT kann wiederholt werden. Kontrollen bleiben auch ohne Tropfen nötig.

Nach dem Eingriff sind für kurze Zeit Rötung, leichtes Fremdkörpergefühl, unscharfes Sehen oder ein vorübergehender Druckanstieg möglich. Manchmal werden für einige Tage entzündungshemmende Tropfen verordnet.

Welche anderen Laserbehandlungen gibt es?

  • Laser-Iridotomie: ein kleines Loch in der Regenbogenhaut bei engem Kammerwinkel; beugt einem Glaukomanfall vor.
  • Argonlaser-Trabekuloplastik (ALT): der ältere Vorläufer der SLT, heute selten.
  • Zyklophotokoagulation: Ein Diodenlaser verödet einen Teil des Ziliarkörpers, der Kammerwasser bildet. Sie kommt meist bei weit fortgeschrittenen oder schwer behandelbaren Glaukomen zum Einsatz, weil der Druck dabei zu stark sinken kann.

Wann ist eine Glaukomoperation nötig?

Eine Operation kommt infrage, wenn Tropfen und Laser den Druck nicht ausreichend senken, nicht vertragen werden oder das Glaukom trotzdem fortschreitet. Bei sehr hohem Druck, großem Schaden schon bei der Diagnose oder wenn regelmäßiges Tropfen nicht möglich ist, kann auch früher operiert werden. Die Operation senkt den Druck; einen bereits geschädigten Sehnerv repariert sie nicht.

Wie funktioniert eine Trabekulektomie?

Die Trabekulektomie ist die klassische und häufigste Glaukomoperation. Die Chirurgin oder der Chirurg legt unter dem Mikroskop einen neuen, kleinen Abflussweg aus dem Augeninneren unter die Bindehaut an. Dort sammelt sich das Kammerwasser in einem flachen Polster, dem Sickerkissen, und wird vom Gewebe aufgenommen. Die Operation erfolgt in örtlicher Betäubung oder Narkose und dauert etwa eine halbe Stunde.

Hauptproblem ist die Vernarbung des neuen Abflusswegs. Deshalb werden während und nach der Operation narbenhemmende Mittel eingesetzt. Ein erneuter Eingriff nach einigen Jahren ist keine Seltenheit, und manche Betroffene brauchen weiterhin Tropfen.

Welche weiteren Operationen gibt es?

  • Nicht durchgreifende Verfahren wie die tiefe Sklerektomie, Viskokanalostomie oder Kanaloplastik: Das Auge wird nicht vollständig eröffnet. Sie gelten als schonender, senken den Druck aber meist weniger stark.
  • Drainageimplantate: ein feines Röhrchen mit Platte leitet das Kammerwasser ab, vor allem bei schwierigen oder voroperierten Augen.
  • Minimalinvasive Glaukomchirurgie (MIGS): winzige Stents oder Röhrchen im Abflusssystem. Sie senken den Druck weniger stark, sind aber schonender und werden oft mit einer Operation des Grauen Stars kombiniert. Sie eignen sich vor allem bei leichtem bis mittelschwerem Glaukom, nicht bei engem Kammerwinkel. Langzeitvergleiche fehlen noch; in Deutschland werden ambulante MIGS-Eingriffe nach Angaben der Techniker Krankenkasse von den Kassen meist nicht übernommen.
  • Operation des Grauen Stars: Bei engem Kammerwinkel kann schon der Austausch der Linse Platz schaffen und den Druck senken.

Welche Risiken hat eine Glaukomoperation?

Wie jede Operation am Auge hat auch die Glaukomoperation Risiken. Genannt werden:

  • zu niedriger Druck (Hypotonie) mit unscharfem Sehen, selten mit Abhebung der Aderhaut
  • Blutung oder Entzündung im Auge
  • Infektion des Sickerkissens, auch noch Jahre später; im schlimmsten Fall eine Endophthalmitis
  • schnelleres Entstehen eines Grauen Stars
  • Vernarbung mit erneutem Druckanstieg und Bedarf an weiteren Eingriffen
  • vorübergehende oder bleibende Sehverschlechterung, sehr selten Erblindung

Was ist nach einer Glaukomoperation wichtig?

Die Nachsorge ist intensiv. Am Tag nach der Operation und in den ersten vier bis sechs Wochen sind häufige Kontrollen nötig. Sie bekommen antibiotische und entzündungshemmende Tropfen. Nachts schützt eine Kapsel oder Schutzbrille das Auge, meist für etwa eine Woche.

In den ersten Wochen sollten Sie das Auge nicht reiben oder drücken, sich nicht stark vornüberbeugen und schwere körperliche Anstrengung meiden. Autofahren ist oft für einige Wochen nicht möglich. Ob die Operation erfolgreich war, zeigt sich manchmal erst nach Wochen.

Wie wird ein Sekundärglaukom behandelt?

Die Ursache wird mitbehandelt, und zusätzlich wird der Druck gesenkt. Bei einem Kortisonglaukom wird das Kortison nach Möglichkeit abgesetzt oder durch ein anderes Mittel ersetzt. Beim neovaskulären Glaukom werden zusätzlich die neu gebildeten Gefäße und ihre Ursache behandelt. Pigment- und Pseudoexfoliationsglaukome sprechen oft gut auf Laser an. Bei Uveitis ist die Abstimmung schwierig, weil die nötigen Kortisontropfen selbst den Druck erhöhen können.

Wie wird ein kindliches Glaukom behandelt?

Meist mit einer frühen Operation. Tropfen dienen beim angeborenen Glaukom vor allem zur Überbrückung bis zum Eingriff. Typische Verfahren sind die Goniotomie und die Trabekulotomie, bei denen der fehlgebildete Abfluss eröffnet wird. Nach erfolgreicher Drucksenkung bessern sich Tränen, Lichtscheu und Augenzittern oft rasch; eine Trübung der Hornhaut kann Monate brauchen. Viele Kinder brauchen zusätzlich eine Brille und Behandlung einer Schwachsichtigkeit.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel oder Ginkgo?

Ein Nutzen ist nicht belegt. Präparate mit Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Ginkgo oder B-Vitaminen werden als Schutz für den Sehnerv angeboten, ihre Wirksamkeit ist aber nicht bewiesen. Sie ersetzen keine Drucksenkung. Beim Normaldruckglaukom ist es dagegen sinnvoll, gemeinsam mit Hausärztin oder Internist Blutdruck, Schlafapnoe und andere Durchblutungsfaktoren zu prüfen.

Wie oft sind Kontrollen nötig?

Je nach Stadium und Stabilität meist ein- bis viermal pro Jahr, bei Fortschreiten häufiger. Kontrolliert werden Augendruck, Sehnerv, Gesichtsfeld und meist OCT. Typische Richtwerte:

  • stabiles Glaukom: Druck alle 3 bis 6 Monate, Gesichtsfeld und OCT alle 6 bis 12 Monate
  • fortschreitendes Glaukom oder neue Therapie: deutlich häufiger, teils alle 1 bis 3 Monate
  • unbehandelte okuläre Hypertension: etwa einmal pro Jahr

Auch nach einem Laser oder einer Operation bleiben Kontrollen lebenslang nötig.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (6)

Wie schnell schreitet ein Glaukom fort?

Meist langsam, über Jahre bis Jahrzehnte. Die Geschwindigkeit ist aber sehr unterschiedlich: Manche Glaukome bleiben auch ohne Behandlung lange stabil, andere schreiten rasch voran. Deshalb sind wiederholte Gesichtsfeldmessungen in den ersten Jahren nach der Diagnose so wichtig. Sie zeigen, wie schnell das Glaukom bei Ihnen fortschreitet und wie intensiv behandelt werden muss.

Werde ich durch Grünen Star blind?

Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung ist das selten. Viele Betroffene sehen auch 20 Jahre nach der Diagnose noch ausreichend für den Alltag. In Deutschland erblinden nach Schätzungen jährlich rund 1.100 Menschen vollständig durch ein Glaukom, alle Formen zusammen. Etwa jeder zehnte Mensch mit Glaukom wird im Laufe der Zeit sehbehindert oder blind. Eine Langzeitstudie aus den USA zeigt, dass sich die Aussichten verbessert haben: Von den zwischen 1981 und 2000 diagnostizierten Menschen erblindete innerhalb von 20 Jahren etwa jeder Siebte (13,5 Prozent) auf mindestens einem Auge, bei den früher Diagnostizierten noch etwa jeder Vierte.

Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben Menschen, deren Glaukom erst spät entdeckt wird, die unregelmäßig behandelt werden oder die afrikanischer Herkunft sind. Weltweit gehört das Glaukom zu den führenden Ursachen für Erblindung; in Frankreich gilt es nach der Makuladegeneration als zweithäufigste.

Lassen sich Schäden rückgängig machen?

Nein. Abgestorbene Nervenfasern wachsen nicht nach, und verlorenes Gesichtsfeld kehrt auch nach erfolgreicher Drucksenkung nicht zurück. Die Behandlung schützt nur, was zum Zeitpunkt des Behandlungsbeginns noch vorhanden ist. Bei weit fortgeschrittenem Glaukom kann der Sehnerv auch nach erfolgreicher Operation noch eine Zeit lang weiter abbauen.

Wie verläuft das Normaldruckglaukom?

Meist langsam. Viele Betroffene haben eine leichte bis mittelschwere Erkrankung, die ihre Lebensqualität kaum beeinträchtigt. Ein Teil bleibt auch ohne Behandlung stabil, besonders wenn der Schaden auf ein einmaliges Durchblutungsereignis zurückgeht. Ein höheres Risiko für das Fortschreiten haben Frauen, Menschen mit Migräne und Menschen mit Blutungen am Sehnervenrand.

Wie ist die Prognose bei Kindern?

Sie hängt stark vom Zeitpunkt der Behandlung ab. Ohne Behandlung drohen Hornhauttrübung, Sehnervschaden und Erblindung. Nach frühzeitiger Operation entwickeln viele Kinder ein brauchbares bis gutes Sehvermögen. Sie brauchen aber lebenslange Kontrollen, oft eine Brille und eine Behandlung einer Schwachsichtigkeit.

Wie belastet ein Glaukom seelisch?

Die Diagnose verunsichert viele Menschen, besonders wenn sie selbst noch keine Einschränkungen spüren. Die Angst vor Erblindung, die tägliche Tropferei und häufige Kontrolltermine können belasten. Hilfreich sind offene Gespräche mit der Augenärztin oder dem Augenarzt über das persönliche Risiko, Gespräche mit Angehörigen und der Austausch in Selbsthilfegruppen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (5)

Kann man einem Glaukom vorbeugen?

Im engeren Sinn nicht. Für die häufigsten Glaukomformen ist keine Maßnahme bekannt, die die Entstehung sicher verhindert. Deutsche, amerikanische, französische und spanische Gesundheitsbehörden und Fachgesellschaften sind sich darin einig. Der wirksamste Schutz ist die Früherkennung: Wird ein Glaukom entdeckt, bevor es Beschwerden macht, lässt sich der größte Teil des Sehvermögens erhalten.

Was kann ich selbst tun?

  • Untersuchen lassen: ab 40, bei Glaukom in der Familie, starker Kurzsichtigkeit oder afrikanischer Herkunft früher.
  • Familie informieren: Wer ein Glaukom hat, sollte Eltern, Geschwister und erwachsene Kinder zur Untersuchung ermutigen.
  • Kortison nur nach Rücksprache: Kortisonhaltige Augentropfen nie ohne ärztliche Verordnung und Kontrolle verwenden, etwa bei einer Bindehautentzündung. Bei längerer Kortisonbehandlung in anderer Form den Augendruck kontrollieren lassen.
  • Augen schützen: Bei Ballsportarten, Heimwerken oder gefährlichen Arbeiten eine Schutzbrille tragen; Augenverletzungen können ein Glaukom auslösen.
  • Herz und Gefäße pflegen: Bewegung, ausgewogene Ernährung und Nichtrauchen sind gut für die Durchblutung, auch wenn ein direkter Schutz vor dem Glaukom nicht bewiesen ist.

Was hilft bei bestehendem Glaukom im Alltag?

Am wichtigsten sind regelmäßige Tropfen und eingehaltene Kontrolltermine, auch wenn Sie nichts spüren. Dazu kommen einige praktische Punkte:

  • Rauchen aufgeben: Es belastet zusätzlich die Durchblutung des Sehnervs.
  • Alkohol in Maßen gilt als unbedenklich.
  • Neue Medikamente immer mit dem Hinweis auf das Glaukom verordnen lassen. Bei engem Kammerwinkel können manche pupillenerweiternden Mittel, etwa bestimmte Antidepressiva oder Antiallergika, einen Anfall auslösen.
  • Beim Normaldruckglaukom Blutdruckmedikamente mit der Hausärztin oder dem Internisten überprüfen; zu niedriger nächtlicher Blutdruck kann schaden. Ausreichend trinken.
  • Eine Liste mit allen Augentropfen und Dosierungen mitführen.

Wie gestalte ich die Wohnung bei Gesichtsfeldausfällen?

Gutes Licht und freie Wege senken das Sturzrisiko. Zusätzliche Lampen in Fluren und auf Treppen, kontrastreiche Markierungen an Stufenkanten, rutschfeste Teppiche oder das Entfernen von Stolperfallen helfen. Für Arbeit, Lesen und Freizeit gibt es Hilfsmittel und Beratung zur Sehrehabilitation; fragen Sie in der Praxis oder bei Ihrer Krankenkasse danach.

Darf ich mit Glaukom Auto fahren?

Das hängt vom Gesichtsfeld beider Augen ab, nicht von der Diagnose allein. Viele Menschen mit Glaukom dürfen weiter fahren. In Deutschland legt die Fahrerlaubnis-Verordnung (Anlage 6) fest, welches Gesichtsfeld für den Führerschein nötig ist. Für Auto und Motorrad (Gruppe 1) muss das Gesichtsfeld beider Augen zusammen waagerecht mindestens 120 Grad umfassen, und die inneren 20 Grad müssen normal sein; für Lkw und Bus gelten strengere Werte. Ist es zu stark eingeschränkt, ist Autofahren nicht mehr erlaubt. Nach einer Stellungnahme der DOG von 2025 lassen sich verkehrsrelevante Ausfälle auch durch Fahrassistenzsysteme nicht ausgleichen.

Lassen Sie sich von Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt beraten, ob eine Gesichtsfeldprüfung für die Fahreignung sinnvoll ist. Viele Betroffene passen ihre Fahrweise schon früh an und meiden zum Beispiel Nachtfahrten. Für Österreich und andere Länder gelten eigene Regeln; in Großbritannien etwa besteht bei Glaukom an beiden Augen eine Meldepflicht.

8 Wann sofort zum Arzt?

Das häufige Offenwinkelglaukom ist kein Notfall, aber eine Erkrankung, die nicht aufgeschoben werden sollte. Bestimmte Zeichen erfordern dagegen sofortiges Handeln.

Sofort in eine Augenklinik oder zum augenärztlichen Notdienst, wenn plötzlich auftreten:

  • heftige Augen- oder Kopfschmerzen mit rotem, hartem Auge
  • starke Sehverschlechterung wie durch Nebel, farbige Ringe um Lichter
  • Übelkeit und Erbrechen zusammen mit Augenschmerzen

Das sind Zeichen eines akuten Glaukomanfalls. Ohne Behandlung kann innerhalb weniger Stunden bleibender Schaden entstehen. Fahren Sie nicht selbst Auto. In Deutschland erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, den Notruf unter 112. In Österreich gelten die Rettung 144, der Euronotruf 112 und die Gesundheitsberatung 1450. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Ebenfalls sofort nach einer Glaukomoperation: zunehmende Schmerzen, Rötung, schlechteres Sehen, Schatten oder „Rußregen“ im Gesichtsfeld. Das kann auf eine Infektion oder eine andere Komplikation hinweisen. Melden Sie sich umgehend, spätestens innerhalb von 24 Stunden, in der operierenden Klinik.

Ebenfalls sofort bei einem plötzlichen Sehverlust oder einem plötzlich auftretenden Schatten im Gesichtsfeld, auch ohne Schmerzen. Das hat meist eine andere Ursache als ein Glaukom, etwa einen Gefäßverschluss oder eine Netzhautablösung, und muss noch am selben Tag abgeklärt werden.

Möglichst sofort, spätestens am nächsten Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt oder in eine Augenklinik:

  • bei Säuglingen und Kleinkindern mit großen, tränenden, lichtscheuen Augen oder trüber Hornhaut. Ein kindliches Glaukom kann rasch fortschreiten und braucht eine schnelle Behandlung.

Innerhalb weniger Tage zur Augenärztin oder zum Augenarzt:

  • bei schleichend bemerkten Gesichtsfeldausfällen, häufigem Anstoßen oder Problemen beim Autofahren
  • bei Nebenwirkungen der Glaukomtropfen, statt sie eigenmächtig abzusetzen

Als Routinetermin planen: die erste Glaukom-Untersuchung ab 40, früher bei Risikofaktoren, und die regelmäßigen Kontrollen bei bekanntem Glaukom.

9 Häufige Fragen

Kann man Grünen Star heilen?

Nein, aber gut behandeln. Abgestorbene Fasern des Sehnervs wachsen nicht nach, und verlorenes Gesichtsfeld kommt nicht zurück. Augentropfen, Laser oder Operation senken den Augendruck und bremsen oder stoppen das Fortschreiten. Je früher die Behandlung beginnt, desto mehr Sehvermögen bleibt erhalten.

Woran merke ich, dass ich Grünen Star habe?

Meist lange gar nicht. Das häufige Offenwinkelglaukom tut nicht weh, und das zentrale Sehen bleibt bis in späte Stadien erhalten. Erste Hinweise im Alltag sind übersehene Dinge am Rand, Anstoßen und Stolpern. Sicher erkennen lässt sich ein Glaukom nur durch eine augenärztliche Untersuchung von Sehnerv, Druck und Gesichtsfeld.

Ab welchem Augendruck hat man Grünen Star?

Es gibt keinen solchen Grenzwert. Als normal gelten etwa 10 bis 21 mmHg, doch ein Glaukom kann auch bei 15 mmHg entstehen, und viele Menschen mit 25 mmHg erkranken nie. Entscheidend ist der Zustand des Sehnervs. Deshalb reicht eine Druckmessung allein nicht aus.

Kann man Grünen Star trotz normalem Augendruck haben?

Ja. Beim Normaldruckglaukom wird der Sehnerv bei Werten im Normbereich geschädigt, vermutlich weil er schlecht durchblutet und besonders empfindlich ist. Je nach Studie hat ein Sechstel bis knapp die Hälfte der Menschen mit Offenwinkelglaukom keinen erhöhten Druck, oft wird etwa ein Drittel genannt. Behandelt wird trotzdem mit einer Drucksenkung.

Ab wann sollte man zur Glaukom-Vorsorge?

Die augenärztlichen Fachgesellschaften empfehlen eine erste Untersuchung ab 40. Bei unauffälligem Befund wird sie nach etwa zwei Jahren wiederholt, ab 60 alle ein bis zwei Jahre. Wer Glaukom in der Familie, eine starke Kurzsichtigkeit oder afrikanische Vorfahren hat, sollte früher und häufiger gehen.

Zahlt die Krankenkasse die Glaukom-Vorsorge?

In Deutschland nicht, solange kein Verdacht und kein besonderes Risiko besteht; die Vorsorge ist dann eine Selbstzahlerleistung (IGeL). Bei begründetem Verdacht oder bekanntem Glaukom zahlt die gesetzliche Kasse Untersuchung und Behandlung. In Österreich laufen notwendige Untersuchungen über die e-card; ob eine reine Vorsorgemessung übernommen wird, erfragen Sie am besten bei Ihrer Krankenkasse.

Muss ich die Glaukomtropfen ein Leben lang nehmen?

Meist ja, denn das Glaukom ist eine chronische Erkrankung und die Tropfen wirken nur, solange man sie nimmt. Setzen Sie sie nie eigenmächtig ab. Eine Alternative kann die selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) sein: In einer großen britischen Studie kamen nach drei Jahren drei von vier Behandelten ohne Tropfen aus. Kontrollen bleiben aber in jedem Fall nötig.

Tut die Laserbehandlung beim Grünen Star weh?

Kaum. Die SLT erfolgt ambulant mit Betäubungstropfen und dauert je Auge nur wenige Minuten. Studien und Kliniken beschreiben sie als schmerzfrei oder schmerzarm. Danach können für kurze Zeit Rötung, leichtes Fremdkörpergefühl oder unscharfes Sehen auftreten.

Werde ich durch Grünen Star blind?

Bei früher Erkennung und regelmäßiger Behandlung ist vollständige Erblindung selten. Viele Betroffene sehen auch nach 20 Jahren noch ausreichend für den Alltag. Das Risiko steigt, wenn ein Glaukom erst spät entdeckt oder unregelmäßig behandelt wird.

Ist Grüner Star erblich?

Teilweise. Ein Glaukom bei Eltern oder Geschwistern erhöht das eigene Risiko deutlich, auch wenn es meist keinen einfachen Erbgang gibt. Verwandte ersten Grades von Betroffenen sollten sich daher schon vor dem 40. Lebensjahr untersuchen lassen.

Was ist der Unterschied zwischen Grünem und Grauem Star?

Beim Grauen Star trübt sich die Augenlinse; das Sehen wird verschwommen und blendempfindlich, eine Operation mit Kunstlinse stellt es meist wieder her. Beim Grünen Star wird der Sehnerv geschädigt; verlorenes Sehen kommt nicht zurück, die Behandlung kann nur weiteren Verlust verhindern. Beide Erkrankungen können gleichzeitig vorkommen. Mehr dazu im Artikel Grauer Star.

Darf ich mit Grünem Star Auto fahren?

Oft ja. Entscheidend ist, wie groß das Gesichtsfeld beider Augen zusammen noch ist. In Deutschland regelt die Fahrerlaubnis-Verordnung die Mindestanforderungen. Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt kann mit einer Gesichtsfeldprüfung beurteilen, ob Sie die Anforderungen erfüllen.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 30 Quellen anzeigen
  1. Glaukom (Grüner Star) – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (DE)
  2. Grüner Star (Glaukom) – gesundheitsinformation.de (IQWiG) (DE)
  3. Glaukom (Grüner Star) – gesundheit.gv.at, Österreichisches Gesundheitsportal (DE)
  4. Bewertung von Risikofaktoren für das Auftreten des Offenwinkelglaukoms (S2e-Leitlinie 045-015, Update 2024) – DOG und BVA, AWMF-Register (DE)
  5. Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 6: Anforderungen an das Sehvermögen – Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (DE)
  6. Augenspiegelung mit Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung – IGeL-Monitor, Medizinischer Dienst (DE)
  7. Grüner Star (Glaukom) – die schleichende Gefahr – Klinikum Wels-Grieskirchen, Augenheilkunde (DE)
  8. Wie wird ein Glaukom behandelt? – Techniker Krankenkasse (Gesundheitsinformation) (DE)
  9. Assistenzsysteme und Fahreignung bei Gesichtsfeldausfällen – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (2025) (DE)
  10. Glaucoma – NHS (EN)
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  14. Primary Open-Angle Glaucoma – MSD Manual Professional Edition (EN)
  15. Primary Open-Angle Glaucoma Preferred Practice Pattern 2025 – American Academy of Ophthalmology (EN)
  16. Global prevalence of glaucoma and projections of glaucoma burden through 2040 – Tham et al., Ophthalmology 2014 (EN)
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  18. Laser in Glaucoma and Ocular Hypertension (LiGHT) Trial: Six-Year Results of Primary Selective Laser Trabeculoplasty versus Eye Drops – Gazzard et al., Ophthalmology 2023 (EN)
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  21. Childhood Glaucoma – Glaucoma New Zealand (EN)
  22. Tout savoir sur le glaucome – sante.fr (FR)
  23. Diagnostic et prise en charge de l'hypertonie oculaire et du glaucome primitif à angle ouvert – Haute Autorité de Santé (2022) (FR)
  24. Glaucome : un dépistage pour tous dès 40 ans – Vidal (FR)
  25. Glaucomes – La Revue du Praticien (FR)
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  27. Glaucoma – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  28. Glaucoma – MedlinePlus en español (NIH) (ES)
  29. Glaucoma primario de ángulo abierto – Manual MSD, versión profesional (ES)
  30. Trabeculoplastia láser para el glaucoma de ángulo abierto – Cochrane (2022) (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss