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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Lider und Tränenwege

Trockenes Auge (Sicca-Syndrom)

Beim trockenen Auge (Sicca-Syndrom) ist der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht: Es bilden sich zu wenig Tränen, oder sie verdunsten zu schnell. Schätzungen für Deutschland gehen von etwa jedem sechsten bis siebten Menschen aus, vor allem Ältere und Frauen, und lässt sich mit Tränenersatzmitteln, Lidpflege und gezielter Behandlung meist gut in den Griff bekommen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 36 Minuten · 33 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

Das trockene Auge ist eine chronische Erkrankung der Augenoberfläche. Der Tränenfilm, der Hornhaut und Bindehaut wie eine hauchdünne Schutzschicht bedeckt, gerät aus dem Gleichgewicht. Entweder bilden die Tränendrüsen zu wenig Flüssigkeit, oder der Film verdunstet zu schnell, weil seine Fettschicht nicht stimmt. Meist kommt beides zusammen.

Die Fachbezeichnungen lauten Sicca-Syndrom oder Keratoconjunctivitis sicca (lateinisch für „trockene Entzündung von Hornhaut und Bindehaut“). Der internationale Konsensbericht TFOS DEWS II von 2017 beschreibt es als Erkrankung mit mehreren Ebenen: instabiler Tränenfilm, zu salzige Tränen (Hyperosmolarität), Entzündung, Schäden an der Augenoberfläche und gestörte Nervenempfindung.

Typisch sind Brennen, ein Sandkorn- oder Fremdkörpergefühl, gerötete Augen und schwankendes Sehen, das sich nach einem Lidschlag kurz bessert. Paradox, aber häufig: Die Augen tränen. Bildschirmarbeit, Heizungsluft, Klimaanlagen, Kontaktlinsen, Wechseljahre und manche Medikamente verstärken die Beschwerden.

Die häufigste Ursache ist nicht der Tränenmangel, sondern eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen. Das sind Talgdrüsen im Lidrand, die das Fett für den Tränenfilm liefern. Seltener steckt eine Autoimmunerkrankung wie das Sjögren-Syndrom dahinter.

Heilbar ist das trockene Auge meist nicht, aber gut behandelbar. Die Behandlung folgt einem Stufenschema: Auslöser meiden, Tränenersatzmittel, Lidhygiene mit Wärme, bei schweren Formen entzündungshemmende Tropfen, Stöpsel in den Tränenpünktchen oder Augentropfen aus dem eigenen Blut. Bleibende Sehschäden sind selten, kommen aber bei schweren, unbehandelten Verläufen vor.

2 Symptome

In diesem Kapitel (21)

Woran erkennt man ein trockenes Auge?

Ein trockenes Auge erkennt man vor allem an Brennen, Sandkorngefühl und müden, geröteten Augen, die bei Bildschirmarbeit, trockener Luft oder Wind schlimmer werden. Die Beschwerden betreffen in der Regel beide Augen. Sie beginnen oft gelegentlich und werden bei chronischem Verlauf häufiger und stärker. Viele Betroffene halten sie lange für normale Müdigkeit oder Alterserscheinungen.

Die häufigsten Beschwerden im Überblick:

  • Brennen und Stechen, manchmal wie Nadelstiche
  • Fremdkörper- oder Sandkorngefühl, „als hätte man Sand in den Augen“
  • Trockenheitsgefühl, Kratzen, Reiben
  • Rötung der Bindehaut, gereizte Augen
  • Müde, schwere Lider, Druckgefühl, Augenermüdung
  • Verschwommenes oder schwankendes Sehen, das sich durch Blinzeln kurz bessert
  • Lichtempfindlichkeit
  • Tränende Augen, besonders bei Wind, Kälte oder beim Lesen
  • Verklebte Lider und Schleimfäden am Morgen
  • Probleme mit Kontaktlinsen
  • Juckreiz, meist leichter als bei einer Allergie

Wie fühlt sich ein trockenes Auge an?

Ein trockenes Auge fühlt sich meist an, als läge Sand oder ein Wimpernhaar unter dem Lid, verbunden mit Brennen und dem Drang, die Augen zu reiben oder zu schließen. Viele beschreiben ein Kratzen bei jedem Lidschlag. Andere spüren eher ein dumpfes Druckgefühl oder schwere, „bleierne“ Lider. Auch Augen- und Kopfschmerzen kommen vor.

Die Stärke reicht von gelegentlichem Unbehagen in trockener Luft bis zu ständigen Beschwerden, die das Lesen, Arbeiten und Autofahren deutlich einschränken. Die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde (SEO) unterscheidet zwei Gruppen von Beschwerden: das Reizgefühl selbst und das schlechtere Sehen bei Tätigkeiten, bei denen man wenig blinzelt. Beide können unabhängig voneinander im Vordergrund stehen.

Warum tränen trockene Augen?

Trockene Augen tränen, weil die gereizte Augenoberfläche einen Reflex auslöst: Die Tränendrüse schüttet als Notreaktion viel wässrige Flüssigkeit aus. Diese Reflextränen haben aber nicht die richtige Zusammensetzung. Ihnen fehlt Fett und Schleim, deshalb verteilen sie sich schlecht und laufen über die Wange ab, statt das Auge zu benetzen.

Dieses „paradoxe Tränen“ tritt besonders bei Wind, Kälte, beim Lesen oder am Bildschirm auf. Für viele Betroffene ist es verwirrend, denn sie haben ja scheinbar zu viele Tränen. Tränende Augen sprechen aber nicht gegen ein trockenes Auge, sondern sind ein typisches Zeichen dafür. Bei Gefühlsregungen, etwa beim Weinen, kommen dagegen manchmal auffallend wenig Tränen.

Verschwommenes und schwankendes Sehen

Das Sehen verschwimmt beim trockenen Auge, weil der Tränenfilm die erste lichtbrechende Fläche des Auges ist und bei Trockenheit stellenweise aufreißt. Die Oberfläche wird dann uneben wie eine beschlagene Scheibe. Nach einem Lidschlag ist der Film kurz wieder glatt und das Bild klar, bis er erneut aufreißt.

Typisch ist deshalb ein Sehen, das kommt und geht: beim Lesen, am Bildschirm, beim Fernsehen oder Autofahren, also immer dann, wenn man konzentriert schaut und seltener blinzelt. Beim Sehtest in der Praxis erreichen viele trotzdem die volle Sehschärfe. Der Widerspruch zwischen gutem Testergebnis und schlechtem Sehen im Alltag ist ein wichtiger Hinweis. Mit speziellen Messungen der Abbildungsfehler lässt er sich erklären.

Lichtempfindlichkeit

Lichtempfindlichkeit entsteht, weil die gereizte, oft fein geschädigte Hornhaut Licht stärker streut und die Hornhautnerven überempfindlich reagieren. Helles Sonnenlicht, Scheinwerfer oder grelle Bildschirme werden als unangenehm oder blendend empfunden. Leichte Lichtempfindlichkeit ist beim trockenen Auge häufig. Starke Lichtscheu mit Schmerzen spricht dagegen für eine Entzündung der Hornhaut und gehört rasch in augenärztliche Hände.

Rötung, Schleim und verklebte Lider

Gerötete Augen, Schleimfäden und morgens verklebte oder verkrustete Wimpern gehören zu den sichtbaren Zeichen eines trockenen Auges. Die Rötung entsteht durch die Entzündung der Bindehaut. Sie kann aber auch fehlen: Die Entzündung ist oft so schwach, dass man sie mit bloßem Auge nicht sieht.

Schleimfäden bilden sich, weil der Schleimanteil der Tränen bei zu wenig Flüssigkeit eindickt. Verkrustete Lidränder, gerötete Lidkanten, erweiterte Äderchen am Lidrand und geschwollene Lider nach dem Aufwachen weisen auf eine Beteiligung der Lidränder hin, also auf eine Lidrandentzündung oder verstopfte Meibom-Drüsen. Wiederholte Hagelkörner (schmerzlose Knoten im Lid) können ebenfalls dazu passen.

Wann sind die Beschwerden am stärksten?

Die Beschwerden schwanken über den Tag, und zwar je nach Form zu unterschiedlichen Zeiten. Deutschsprachige Quellen nennen den Morgen als typisch, die spanische Fachgesellschaft eher den späten Nachmittag und Abend. Beides kommt vor und gibt Hinweise auf die Ursache.

ZeitpunktTypische BeschwerdenMögliche Erklärung
Beim AufwachenKratzen, verklebte Lider, Schwierigkeiten, die Augen zu öffnen, geschwollene LiderLider schließen im Schlaf nicht ganz (Lagophthalmus), Lidrandentzündung, verstopfte Meibom-Drüsen
Im Laufe des TagesZunehmendes Brennen, schwankendes Sehen bei der ArbeitSeltener Lidschlag am Bildschirm, trockene Raumluft
AbendsMüde, schwere Augen, FremdkörpergefühlDie Tränenbildung lässt im Tagesverlauf nach; die Belastung summiert sich

Wer regelmäßig mit trockenen, kratzenden Augen aufwacht, sollte das ansprechen. Ein unvollständiger Lidschluss im Schlaf lässt sich gezielt behandeln, etwa mit Salbe zur Nacht.

Was verstärkt die Beschwerden?

Die Beschwerden werden durch alles verstärkt, was den Lidschlag verringert oder die Verdunstung erhöht. Dazu gehören:

  • Bildschirmarbeit, Lesen, Fernsehen, Autofahren, Videospiele
  • Heizungsluft, Klimaanlage, Gebläse im Auto, Föhn, Ventilator
  • Wind, Kälte, Rauch, Staub, Abgase
  • Flugzeugkabinen und große Höhe mit sehr trockener Luft
  • Lange Tragezeiten von Kontaktlinsen
  • Wenig Schlaf
  • Augen-Make-up und reizende Kosmetika

Umgekehrt bessern sich die Beschwerden oft bei feuchtem, kühlem oder regnerischem Wetter und in feuchten Räumen. Diese Abhängigkeit vom Raumklima ist für das trockene Auge sehr typisch.

Frühe und späte Anzeichen

Früh treten Beschwerden meist nur in belastenden Situationen auf, später auch in Ruhe und dauerhaft. Fachleute teilen das trockene Auge in leichte, mäßige und schwere Formen ein; manche Kliniken nutzen eine Skala von 1 bis 4.

  • Leicht: gelegentliches Brennen oder Sandkorngefühl bei Bildschirmarbeit, Heizungsluft oder Wind; verschwindet nach Pausen.
  • Mäßig: Beschwerden fast täglich, auch ohne besonderen Anlass; schwankendes Sehen; Kontaktlinsen werden schlecht vertragen; feine Punktschäden der Hornhaut sind bei der Untersuchung sichtbar.
  • Schwer: ständige Beschwerden, deutliche Sehermüdung, Lichtscheu, Schleimfäden; die Hornhaut kann matt wirken, Lidränder sind verdickt; im Extremfall Geschwüre, Narben oder Verhornung der Augenoberfläche.

Gibt es Hinweise auf die Form des trockenen Auges?

Ja, manche Beschwerden deuten eher auf zu wenig Tränenflüssigkeit, andere eher auf eine zu schnelle Verdunstung. Sicher unterscheiden lässt sich das aber nur bei der Untersuchung, zumal meist Mischformen vorliegen.

Wässriger MangelVerdunstungsform (Meibom-Drüsen)
HinweiseTrockenheit auch von Mund oder Scheide, Allgemeinbeschwerden, Beginn nach den Wechseljahren oder mit neuen MedikamentenGerötete, verkrustete Lidränder, Hagelkörner, Rosazea oder Schuppen, Beschwerden morgens
Typische AuslöserSjögren-Syndrom, Medikamente, Alter, HormoneMeibom-Drüsen-Dysfunktion, Lidrandentzündung, Bildschirm, Kontaktlinsen
Häufigkeitseltener, etwa 15–20 % der Fällehäufiger, in 60–80 % ist die Fettschicht gestört

Beschwerden ohne Befund und Befund ohne Beschwerden

Beim trockenen Auge passen Beschwerden und sichtbarer Befund oft schlecht zusammen. Manche Menschen haben starke Schmerzen, obwohl die Augenoberfläche fast gesund aussieht. Andere haben deutliche Schäden der Hornhaut, spüren aber kaum etwas.

Starke Beschwerden ohne passenden Befund können auf einen neuropathischen Schmerz hinweisen: Die Hornhautnerven sind selbst überempfindlich geworden und senden Schmerzsignale, auch wenn die Oberfläche wieder heilt. Das kommt etwa nach Laseroperationen, bei Diabetes oder nach einer Herpes-Infektion vor. Solche Schmerzen können auch dann bleiben, wenn die Zeichen der Trockenheit zurückgehen.

Umgekehrt kann eine verminderte Hornhautempfindlichkeit Schäden verschleiern. Dieser Zustand heißt neurotrophe Keratopathie und tritt zum Beispiel nach Herpes zoster am Auge, bei Diabetes oder nach Nervenschäden auf. Weil Warnschmerzen fehlen, sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig.

Trockene Augen bei Bildschirmarbeit

Am Bildschirm werden die Augen trocken, weil man beim konzentrierten Schauen viel seltener blinzelt: statt etwa 15-mal nur noch 5- bis 7-mal pro Minute. Oft schließen sich die Lider dabei auch nicht ganz. Der Tränenfilm verdunstet zwischen den Lidschlägen und reißt auf.

Typisch sind Brennen, Unschärfe, Druckgefühl und tränende Augen nach längerer Arbeit, im deutschen Sprachraum auch „Office-Eye-Syndrom“ genannt. Nach Angaben der American Academy of Ophthalmology (AAO) richtet die Bildschirmarbeit selbst keinen bleibenden Schaden am Auge an. Sie kann aber ein bestehendes trockenes Auge deutlich verschlechtern und spielt bei jungen Erwachsenen eine wachsende Rolle.

Trockene Augen mit Kontaktlinsen

Kontaktlinsenträger merken ein trockenes Auge oft zuerst daran, dass sie die Linsen schlechter vertragen: Die Linsen drücken, verrutschen oder müssen früher herausgenommen werden. Kontaktlinsen teilen den Tränenfilm, verringern die Empfindlichkeit der Hornhaut und können auf Dauer die Meibom-Drüsen schädigen. Probleme mit Kontaktlinsen gelten vor allem beim Sjögren-Syndrom als Hinweis auf ein trockenes Auge. Ein rotes, schmerzendes Auge mit Kontaktlinsen ist dagegen kein typisches Trockenheitszeichen, sondern ein Warnsignal für eine Infektion.

Wenn auch der Mund trocken ist: Hinweise auf ein Sjögren-Syndrom

Sind neben den Augen auch Mund und andere Schleimhäute trocken, kann ein Sjögren-Syndrom dahinterstecken, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Tränen- und Speicheldrüsen angreift. Es betrifft mindestens 4 von 1.000 Erwachsenen, überwiegend Frauen, und wird oft zwischen 40 und 50 Jahren erkannt. Die Augentrockenheit wird dabei häufig lange mit normaler Alterung verwechselt.

Hinweise auf ein Sjögren-Syndrom:

  • trockener Mund, nächtlicher Durst, Probleme beim Kauen und Schlucken trockener Speisen
  • vermehrt Karies
  • geschwollene Speicheldrüsen vor dem Ohr oder unter dem Kiefer
  • trockene Haut, Scheidentrockenheit
  • starke Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen
  • anhaltender trockener Husten, heisere Stimme

Die Beschwerden verlaufen oft in Schüben. Trockene Augen und trockener Mund zusammen beweisen noch kein Sjögren-Syndrom, sollten aber ärztlich abgeklärt werden.

Trockene Augen nach Augenoperationen

Nach Augenoperationen, vor allem nach Laserkorrekturen der Fehlsichtigkeit, sind trockene Augen häufig. Die deutsche Leitlinie nennt nach LASIK einen Anteil von bis zu 55 % mit Sehschwankungen und Missempfindungen über mindestens sechs Monate. Ursache ist, dass beim Eingriff Hornhautnerven durchtrennt werden, die den Lidschlag und die Tränenbildung steuern. Meist bessert sich das mit der Zeit, bei einigen bleiben die Beschwerden.

Auch nach Operationen am Grauen Star, an der Hornhaut, bei Glaukom oder an der Netzhaut kann die Augenoberfläche vorübergehend trockener sein.

Trockene Augen in den Wechseljahren und bei Hormonveränderungen

In den Wechseljahren werden die Augen oft trockener, weil die Geschlechtshormone, besonders die Androgene, die Tränen- und Meibom-Drüsen beeinflussen. Frauen nach der Menopause gehören zu den am häufigsten betroffenen Gruppen. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit, unter der Antibabypille oder einer Hormonersatztherapie können sich die Beschwerden verändern. Bei Männern wird ein Rückgang der Androgene im Alter ebenfalls als Faktor genannt.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige bemerken vor allem häufiges Augenreiben, auffällig häufiges Blinzeln oder Zukneifen der Augen, gerötete oder tränende Augen und dass jemand Licht meidet. Manche Betroffene brechen das Lesen oder Fernsehen ab, wirken abends erschöpft oder fahren ungern bei Dunkelheit. Bei älteren Menschen fällt manchmal auf, dass sie häufig Tropfen nehmen oder über „Sand in den Augen“ klagen. Fachquellen beschreiben solche Beobachtungen von Angehörigen nicht systematisch; es handelt sich um die Alltagsform der beschriebenen Beschwerden.

Trockene Augen bei Kindern

Kinder haben seltener trockene Augen als Erwachsene, doch die Zahl scheint mit zunehmender Bildschirmzeit zu steigen. Ein auf dem Kongress der AAO 2025 vorgestelltes Poster fand bei 35,6 % von 1.750 Kindern zwischen 5 und 17 Jahren Zeichen eines trockenen Auges, besonders bei viel Bildschirmzeit. Diese Zahl stammt nicht aus einer begutachteten Veröffentlichung; ob die Bildschirme die Ursache sind, ist nicht gesichert.

Kinder können Beschwerden schlecht beschreiben. Hinweise sind häufiges Augenreiben, Klagen über „kratzende“ oder müde Augen, Kopfschmerzen nach dem Lesen oder Spielen am Tablet und Lichtscheu. Bei Kindern und jungen Erwachsenen spielt außerdem eine besondere Form der Lidrandentzündung mit kleinen Knötchen an Bindehaut oder Hornhaut eine Rolle. Bei trockenen Augen im Kindesalter sollte die Ursache immer augenärztlich geklärt werden.

Trockene Augen bei älteren Menschen

Ältere Menschen sind am häufigsten betroffen, weil die Tränen- und Meibom-Drüsen mit dem Alter weniger leisten und oft mehrere Medikamente zusammenkommen. Ab etwa 50 Jahren steigt das Risiko deutlich. Ein erschlafftes Unterlid oder ein nach außen gedrehter Lidrand kann die Verteilung der Tränen zusätzlich stören.

Bei Älteren überdecken sich die Beschwerden oft mit anderen Augenerkrankungen. Schwankendes Sehen kann zum Beispiel neben einem beginnenden Grauen Star bestehen. Wer vor einer Staroperation steht, sollte ein trockenes Auge ansprechen, weil es die Vermessung des Auges beeinflussen kann.

Wie stark belastet ein trockenes Auge den Alltag?

Ein ausgeprägtes trockenes Auge kann die Lebensqualität so stark einschränken wie andere chronische Erkrankungen. Die spanische und die französische Fachliteratur vergleichen die Belastung mit der bei einer Angina pectoris (anfallsartige Brustenge bei Herzerkrankung). Angststörungen und Depressionen treten bei Betroffenen häufiger auf. Hinzu kommen Arbeitsausfälle und Einschränkungen beim Lesen, Autofahren und am Bildschirm.

Sind beide Augen betroffen?

Das trockene Auge betrifft in der Regel beide Augen, oft unterschiedlich stark. Deutliche Seitenunterschiede fragt die Augenärztin oder der Augenarzt gezielt ab, weil sie auf eine örtliche Ursache hinweisen können, etwa einen gestörten Lidschluss auf einer Seite. Plötzliche Beschwerden an nur einem Auge, besonders mit Schmerzen, Rötung oder Sehverschlechterung, sprechen eher für eine andere Erkrankung und sollten rasch untersucht werden.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (12)

Wie ist der Tränenfilm aufgebaut?

Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer Schleimschicht direkt auf der Hornhaut, einer dicken wässrigen Schicht und einer dünnen Fettschicht außen. Die Schleimschicht (Muzin) stammt aus den Becherzellen der Bindehaut und lässt die Tränen an der Oberfläche haften. Die wässrige Schicht bildet die Tränendrüse. Die Fettschicht liefern die Meibom-Drüsen im Lidrand; sie bremst die Verdunstung.

Der Tränenfilm befeuchtet das Auge, versorgt die Hornhaut mit Sauerstoff, glättet ihre Oberfläche für scharfes Sehen, spült Fremdkörper weg und wehrt Keime ab. Augenoberfläche, Drüsen, Lider und die steuernden Nerven arbeiten als Einheit zusammen. Ist ein Teil gestört, wird der Tränenfilm instabil.

Wie entsteht ein trockenes Auge?

Ein trockenes Auge entsteht, wenn zu wenig Tränen gebildet werden oder die Tränen zu schnell verdunsten. In beiden Fällen werden die verbleibenden Tränen zu salzig (Hyperosmolarität). Die salzigen Tränen reizen die Zellen der Augenoberfläche und lösen eine Entzündung aus.

Die Entzündung schädigt wiederum die Becherzellen und Drüsen, sodass der Tränenfilm noch instabiler wird. Fachleute sprechen von einem Teufelskreis. Er erklärt, warum ein trockenes Auge oft chronisch wird und warum entzündungshemmende Behandlung bei schwereren Formen wichtig ist.

Welche Formen gibt es?

Man unterscheidet zwei Hauptformen, den wässrigen Mangel und die Verdunstungsform, die meist gemischt vorliegen.

FormWas ist gestört?Häufige Ursachen
Wässriger Mangel (hyposekretorisch)Die Tränendrüse bildet zu wenig Flüssigkeit.Alter, Wechseljahre, Sjögren-Syndrom, Medikamente, Bestrahlung, Graft-versus-Host-Erkrankung
Verdunstungsform (hyperevaporativ)Die Fettschicht fehlt oder ist mangelhaft, die Tränen verdunsten zu schnell.Meibom-Drüsen-Dysfunktion, Lidrandentzündung, Rosazea, seltener Lidschlag, Lidschlussstörung, Kontaktlinsen
MischformBeides zugleichDie häufigste Situation; mit der Zeit greifen die Mechanismen ineinander
Neuropathische FormDie Hornhautnerven senden fehlerhafte Signale.Laseroperationen, Diabetes, Herpes

Meibom-Drüsen-Dysfunktion: die häufigste Ursache

Die Meibom-Drüsen-Dysfunktion ist laut deutscher Leitlinie und spanischer Fachgesellschaft der wichtigste Risikofaktor für ein trockenes Auge. In jedem Ober- und Unterlid liegen zahlreiche dieser Drüsen. Verstopfen ihre Ausgänge oder wird das Sekret zäh, fehlt dem Tränenfilm das schützende Fett.

Bei 60–80 % der Betroffenen ist die Fettschicht gestört, ein reiner Tränenmangel liegt nur bei etwa 15–20 % vor. Für Deutschland gibt es keine Bevölkerungszahlen zur Meibom-Drüsen-Dysfunktion. In Asien betrifft sie 60–70 % der über 40-Jährigen; für Europa gibt es Hinweise auf ähnliche Werte. Begünstigt wird sie durch Alter, Hauterkrankungen wie Rosazea, Kontaktlinsen, seltenen Lidschlag am Bildschirm, Demodex-Milben (winzige Milben an den Wimpern) und bestimmte Medikamente.

Sjögren-Syndrom und andere Autoimmunerkrankungen

Beim Sjögren-Syndrom greift das Immunsystem die Tränen- und Speicheldrüsen an; es ist das wichtigste Beispiel für einen wässrigen Mangel. Die genaue Ursache ist unklar; Gene, Hormone und Infektionen werden als Faktoren diskutiert. Das Sjögren-Syndrom kann allein auftreten oder zusammen mit rheumatoider Arthritis, Lupus oder anderen Kollagenosen (entzündliche Bindegewebserkrankungen). Auch Sarkoidose und die Graft-versus-Host-Erkrankung nach Stammzelltransplantation können die Tränendrüse schädigen.

Welche Rolle spielen Hormone?

Hormone spielen eine große Rolle: Androgene fördern die Funktion von Tränen- und Meibom-Drüsen, und ihr Rückgang trägt zum trockenen Auge bei. Deshalb sind Frauen häufiger betroffen, besonders nach den Wechseljahren. Schwangerschaft, Stillzeit, die Antibabypille, eine Östrogentherapie nach den Wechseljahren und Antiandrogene können die Tränen ebenfalls beeinflussen. Auch Schilddrüsenerkrankungen wie Morbus Basedow oder Hashimoto zählen zu den Risikofaktoren; bei der endokrinen Orbitopathie treten die Augen zudem oft hervor und trocknen leichter aus.

Welche Medikamente können trockene Augen machen?

Zahlreiche Medikamente können die Tränenbildung verringern, die Fettschicht stören oder den Lidschluss beeinträchtigen. Setzen Sie verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob es eine verträglichere Alternative gibt.

WirkungMedikamentengruppen (Beispiele)
weniger TränenflüssigkeitAntihistaminika (Allergie- und Erkältungsmittel), Diuretika (Entwässerungsmittel), Betablocker und andere Blutdruckmittel, Antidepressiva (auch trizyklische), Benzodiazepine und Schlafmittel, Neuroleptika, Anticholinergika, abschwellende Mittel, Antibabypille
gestörte FettschichtIsotretinoin und andere Retinoide (Aknemittel), Antiandrogene
schlechterer Lidschluss oder Lidschlagmanche Antipsychotika, Botulinumtoxin
Schäden an der AugenoberflächeAugentropfen mit Konservierungsmitteln (vor allem Benzalkoniumchlorid), Glaukomtropfen, gefäßverengende „Weißmacher“-Tropfen
weitereChemotherapie, Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich, Schmerzmittel, Mittel gegen Sodbrennen, Antiarrhythmika (genannt in einzelnen Quellen)

Wer wegen eines Grünen Stars dauerhaft Tropfen nimmt, hat besonders oft eine gereizte, trockene Augenoberfläche. Konservierungsmittelfreie Glaukomtropfen können dann eine Option sein.

Bildschirm, Raumluft und Umwelt

Bildschirmarbeit, trockene Luft und Luftverschmutzung gehören zu den wichtigsten beeinflussbaren Auslösern. Am Bildschirm sinkt die Lidschlagfrequenz stark. Klimaanlagen, Heizungsluft, Wind, Rauch, Ozon, Abgase und Staub beschleunigen die Verdunstung oder reizen die Oberfläche. Rauchen (auch passiv), Cannabis und Alkohol werden ebenfalls als Risikofaktoren genannt.

Kontaktlinsen und Augenoperationen

Kontaktlinsen und Augenoperationen können ein trockenes Auge auslösen oder verstärken. Linsen verringern die Empfindlichkeit der Hornhaut und können die Meibom-Drüsen schädigen, besonders bei langer Tragezeit oder schlechtem Sitz. Laseroperationen wie LASIK oder PRK durchtrennen Hornhautnerven; die Trockenheit ist meist vorübergehend, selten dauerhaft. Auch Operationen am Grauen Star, an der Hornhaut, bei Glaukom und an der Netzhaut können die Augenoberfläche belasten.

Erkrankungen von Lid, Haut und Nerven

Alles, was den Lidschluss, den Lidschlag oder die Lidränder stört, kann ein trockenes Auge verursachen. Dazu gehören:

  • Lidränder: Lidrandentzündung, Meibom-Drüsen-Dysfunktion, Demodex-Milben, Staphylokokken
  • Lidstellung: nach innen oder außen gedrehte Lider, unvollständiger Lidschluss (Lagophthalmus), etwa nach einer Gesichtslähmung (Fazialisparese)
  • Haut: Rosazea, Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis, seborrhoisches Ekzem, Allergien
  • Nerven: Morbus Parkinson (seltener Lidschlag), Multiple Sklerose, Schlaganfall, Störungen des Gesichtsnervs (Trigeminus), Hornhautnerven-Schäden nach Herpes am Auge
  • Stoffwechsel und Allgemeinerkrankungen: Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Hepatitis C, HIV, Morbus Crohn, Übergewicht, Fibromyalgie, Angststörungen und Depressionen
  • Vernarbende Bindehauterkrankungen: Verätzungen, Schleimhautpemphigoid, Stevens-Johnson-Syndrom, Trachom

Spielt die Ernährung eine Rolle?

Die Ernährung spielt eine kleinere Rolle, ein Vitamin-A-Mangel kann aber ein schweres trockenes Auge verursachen; diese Sonderform heißt Xerophthalmie. In Europa und Nordamerika ist ein solcher Mangel selten und kommt etwa bei Darmerkrankungen vor, die die Aufnahme stören. Die spanische Fachgesellschaft nennt außerdem Vitamin-D-Mangel und eine omega-3-arme Ernährung als Risikofaktoren. Ob Omega-3-Ergänzungen das trockene Auge bessern, ist umstritten (siehe Behandlung).

Ist das trockene Auge erblich?

Das trockene Auge ist nicht im engeren Sinn erblich, eine genetische Veranlagung wird aber als Risikofaktor genannt. Die spanische Fachgesellschaft führt zudem eine asiatische Herkunft als Faktor auf. Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom treten in manchen Familien gehäuft auf.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (8)

Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt ein trockenes Auge fest?

Die Diagnose stützt sich auf die Beschwerden und auf Untersuchungen an der Spaltlampe, einem Mikroskop für das Auge. Beschwerden allein reichen nicht, weil andere Erkrankungen ähnlich wirken können. Der internationale Bericht TFOS DEWS II und die spanische Fachgesellschaft empfehlen: Beschwerden plus mindestens ein auffälliger Test (instabiler Tränenfilm, zu salzige Tränen oder Schäden an der Oberfläche) ergeben die Diagnose. Die Untersuchungen sind einfach und kaum unangenehm.

Welche Fragen werden gestellt?

Im Gespräch geht es um Dauer, Stärke und Tageszeit der Beschwerden sowie um mögliche Auslöser. Gefragt wird unter anderem nach Sehverschlechterung, Juckreiz, trockenem Mund, Seitenunterschieden, Bildschirmarbeit, Kontaktlinsen, früheren Augenoperationen, Hauterkrankungen und Allgemeinerkrankungen. Bringen Sie eine Liste aller Medikamente mit, auch rezeptfreier Mittel, Hormonpräparate und Augentropfen. Oft kommt ein standardisierter Fragebogen zum Einsatz, etwa der OSDI mit zwölf Fragen, der die Stärke der Beschwerden misst.

Untersuchung an der Spaltlampe

An der Spaltlampe beurteilt die Augenärztin oder der Augenarzt Lider, Lidränder, Wimpern, Bindehaut, Hornhaut und Tränenfilm. Wichtig sind die Lidkanten: Wie viele Meibom-Drüsen-Ausgänge sind offen, und wie sieht ihr Sekret aus, wenn man sanft auf das Lid drückt? Auch die Höhe des Tränensees am Unterlid (Tränenmeniskus) und das Blinzelverhalten werden betrachtet. Gesichtshaut und Lidstellung gehören ebenfalls zur Untersuchung.

Tränenfilm-Aufrisszeit und Anfärbung

Mit einem gelben Farbstoff (Fluoreszein) und blauem Licht misst man, wie lange der Tränenfilm nach einem Lidschlag hält. Diese Tränenfilm-Aufrisszeit (TBUT) gilt unter etwa 10 Sekunden als auffällig und spricht besonders für die Verdunstungsform.

Der Farbstoff macht außerdem feine Punktschäden der Hornhaut sichtbar (Epithelstippung). Für die Bindehaut verwendet man oft einen grünen Farbstoff (Lissamingrün); Bengalrosa ist unangenehmer und wird seltener genutzt. Das Ausmaß der Färbung wird mit Punkteskalen bewertet, etwa dem Oxford-Schema.

Schirmer-Test

Der Schirmer-Test misst die Menge der Tränenflüssigkeit mit einem schmalen Filterpapierstreifen, der für fünf Minuten in das Unterlid eingehängt wird. Mehr als 15 mm Befeuchtung gelten sicher als normal, weniger als 5 mm als deutlich vermindert; je nach Quelle gilt schon ein Wert ab 10 mm als unauffällig. Bei reiner Verdunstungsform ist der Test oft normal. Er schwankt stark und ist bei leichten Formen wenig aussagekräftig.

Weitere Untersuchungen im Einzelfall

Weitere Tests helfen, Form und Schwere genauer zu bestimmen, und werden nicht bei jedem gemacht.

  • Osmolarität der Tränen: Eine winzige Tränenprobe zeigt, ob die Tränen zu salzig sind; Werte über etwa 300–308 mOsm/l sprechen für ein trockenes Auge.
  • Entzündungsmarker MMP-9: ein Schnelltest aus der Tränenflüssigkeit; bei leichten Formen oft negativ. Französische Quellen bewerten Osmolarität und MMP-9 noch zurückhaltend.
  • Meibographie: Infrarotaufnahmen der Lider zeigen, wie viele Meibom-Drüsen noch vorhanden sind.
  • Interferometrie: misst die Dicke der Fettschicht im Tränenfilm.
  • Topografie der Augenoberfläche: Spezialgeräte vermessen den Tränenfilm an vielen tausend Punkten berührungsfrei.
  • Hornhautempfindlichkeit: Prüfung mit einem feinen Faden oder Wattestäbchen, wichtig bei Verdacht auf Nervenschäden.
  • Abstrich, Milbenzählung an den Wimpern, Tränenwegspülung: bei Verdacht auf Infektion, Demodex oder Abflussstörung.

Die Tests werden möglichst vor dem Eintropfen anderer Augentropfen gemacht. Fragen Sie bei der Terminvereinbarung, ob Sie am Untersuchungstag auf Tränenersatzmittel oder Kontaktlinsen verzichten sollen.

Wann wird nach einem Sjögren-Syndrom gesucht?

Nach einem Sjögren-Syndrom wird gesucht, wenn ein ausgeprägter Tränenmangel besteht, besonders zusammen mit trockenem Mund, Gelenkbeschwerden oder starker Müdigkeit. Dann folgen Blutuntersuchungen auf bestimmte Antikörper (etwa SS-A, SS-B, ANA, Rheumafaktor). Nur etwa 60 % der Betroffenen haben solche Antikörper, deshalb reichen Blutwerte allein nicht aus.

Hinzu kommen je nach Fall Messung der Speichelmenge, Ultraschall der Speicheldrüsen und eine kleine Gewebeprobe aus der Lippe. Die Abklärung erfolgt gemeinsam mit Rheumatologie, Hausarztpraxis und Zahnärztin oder Zahnarzt.

Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?

Mehrere Erkrankungen verursachen ähnliche Beschwerden und müssen abgegrenzt werden, zumal sie oft zusammen mit einem trockenen Auge auftreten:

  • Lidrandentzündung mit verkrusteten, geröteten Lidrändern
  • allergische Bindehautentzündung: hier steht Juckreiz im Vordergrund, beim trockenen Auge eher das Sandkorngefühl
  • infektiöse Bindehaut- oder Hornhautentzündung, oft einseitig, mit Sekret oder Schmerzen
  • Lidfehlstellungen und unvollständiger Lidschluss
  • vernarbende Bindehauterkrankungen wie Schleimhautpemphigoid oder Stevens-Johnson-Syndrom
  • unkorrigierte Fehlsichtigkeit oder Schielen: Überanstrengung der Augen kann ein trockenes Auge nachahmen
  • Störungen der Tränenwege, wenn vor allem Tränenlaufen auffällt
  • neuropathischer Hornhautschmerz bei starken Beschwerden ohne Befund

5 Behandlung

In diesem Kapitel (15)

Was ist das Ziel der Behandlung?

Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern, die Augenoberfläche gesund zu halten und Langzeitschäden zu verhindern. Eine vollständige Heilung ist meist nicht möglich. Die Behandlung richtet sich nach Form und Schwere, wird schrittweise aufgebaut und bei Bedarf angepasst. Sie erfolgt in aller Regel ambulant.

Wie sieht das Stufenschema aus?

Deutsche, britische und spanische Fachgesellschaften orientieren sich am vierstufigen Schema des internationalen TFOS-DEWS-II-Berichts. Man beginnt mit einfachen Maßnahmen und geht erst weiter, wenn diese nicht ausreichen.

StufeMaßnahmen
1Aufklärung, Raumklima und Bildschirmgewohnheiten verbessern, auslösende Medikamente prüfen, Tränenersatzmittel, Lidhygiene mit Wärme
2konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel, Salbe zur Nacht, Stöpsel in den Tränenpünktchen, Feuchtkammerbrille, Wärme- und Lichtbehandlung der Lider, kurzzeitig Kortison-Tropfen, Ciclosporin-Tropfen, Antibiotika bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion
3Augentropfen aus dem eigenen Blut (Eigenserum), Medikamente zum Einnehmen, die die Tränenbildung anregen, therapeutische Kontaktlinsen
4längere Kortison-Behandlung, Amnionmembran (Eihaut-Transplantat), dauerhafter operativer Verschluss der Tränenwege, Teilverschluss der Lidspalte

Auslöser erkennen und beseitigen

Der erste Schritt ist, beeinflussbare Auslöser zu finden und abzustellen. Dazu gehören trockene Raumluft, Zugluft, lange Bildschirmphasen ohne Pausen, Rauch und schlecht vertragene Kontaktlinsen. Medikamente, die die Augen austrocknen, werden mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt besprochen und, wenn vertretbar, durch gleichwertige ohne diese Nebenwirkung ersetzt. Eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit oder eine Lidfehlstellung wird behoben, und Grunderkrankungen wie Schilddrüsenstörungen oder Rheuma werden behandelt.

Tränenersatzmittel: die Basis der Behandlung

Tränenersatzmittel (künstliche Tränen) sind das Mittel der ersten Wahl und für leichte bis mäßige Formen oft ausreichend. Sie ergänzen oder stabilisieren den Tränenfilm, verdünnen die zu salzigen Tränen und spülen Reizstoffe weg. Es gibt keinen einzelnen „besten“ Wirkstoff; oft muss man mehrere ausprobieren.

Wirkstoffgruppen

WirkstoffgruppeBeispieleEignet sich besonders
ZellulosederivateHypromellose, Carmellose (Carboxymethylcellulose)leichte Formen; Hypromellose ist in Großbritannien traditionell die erste Wahl
Hyaluronsäureverschiedene Konzentrationenwässriger Mangel, gute Haftung auf der Oberfläche
Synthetische PolymerePolyvinylalkohol, Povidon, Polyethylenglykolleichte Formen
Carbomer-GeleCarbomerlänger anhaltende Wirkung, wässriger Mangel
Lipidhaltige MittelEmulsionen oder Liposomen mit Triglyceriden, Phospholipiden, Paraffin- oder MineralölVerdunstungsform, Meibom-Drüsen-Dysfunktion
Semifluorierte AlkanePerfluorhexyloctanVerdunstungsform; bilden einen verdunstungshemmenden Film
Osmoprotektiva und ElektrolyteTrehalose, Levocarnitin, Erythritol, Glycerinschützen Zellen vor zu salzigen Tränen; meist in Kombination
SalbenParaffin-Grundlagenzur Nacht, bei unvollständigem Lidschluss

Grundregel: Bei wässrigem Mangel eher Hyaluronsäure oder Carbomer, bei der Verdunstungsform eher lipidhaltige Mittel. Mehrere Gruppen können kombiniert werden. Einfache Kochsalzlösung spült nur kurz und befeuchtet nicht dauerhaft.

Tropfen, Gel oder Salbe?

Tropfen sind dünnflüssig, verschwimmen kaum und eignen sich für tagsüber. Gele haften länger, verschleiern das Sehen aber kurz. Salben wirken am längsten, trüben das Sehen deutlich und werden deshalb meist vor dem Schlafen angewendet. Wer morgens mit trockenen Augen aufwacht, profitiert oft von einem Gel oder einer Salbe am Abend.

Warum konservierungsmittelfrei?

Konservierungsmittelfreie Präparate sind bei häufiger und langfristiger Anwendung die bessere Wahl, weil Konservierungsstoffe die Augenoberfläche schädigen und selbst Trockenheit und Entzündung verursachen können. Besonders Benzalkoniumchlorid gilt als problematisch.

Britische Leitlinien empfehlen konservierungsmittelfreie Mittel ab etwa sechs Anwendungen täglich, bei Unverträglichkeit von Konservierungsmitteln und für Kontaktlinsenträger. Konservierungsmittelfrei sind Einzeldosen-Ampullen oder Fläschchen mit besonderem Filtersystem. Tropfen mit gefäßverengenden Wirkstoffen („gegen rote Augen“) sind für die Dauerbehandlung ungeeignet.

Wie oft darf man Tränenersatzmittel nehmen?

Konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel dürfen so oft angewendet werden, wie es die Beschwerden erfordern, üblich ist alle paar Stunden. Brauchen Sie dauerhaft sehr häufig Tropfen, ist das ein Grund, die Behandlung augenärztlich überprüfen zu lassen. In Großbritannien wird eine fachärztliche Abklärung empfohlen, wenn mehr als viermal täglich Tropfen nötig sind oder drei verschiedene Produkte nicht geholfen haben.

Lidhygiene: Wärme, Massage, Reinigung

Lidhygiene ist die Grundlage jeder Behandlung einer Meibom-Drüsen-Dysfunktion und einer Lidrandentzündung. Wärme verflüssigt das zähe Drüsenfett, Massage drückt es heraus, Reinigung entfernt Krusten und Keime. Die Wirkung tritt oft erst nach Wochen ein; der Erfolg wird nach ein bis drei Monaten beurteilt.

  1. Wärmen: Morgens und abends 5–10 Minuten eine warme, feuchte Kompresse (etwa 40 °C, angenehm warm, nicht heiß) auf die geschlossenen Lider legen. Bei Bedarf neu erwärmen. Alternativ gibt es Wärmebrillen oder wiederverwendbare Wärmemasken.
  2. Massieren: Direkt danach die Lider sanft zum Lidrand hin ausstreichen, oben von oben nach unten, unten von unten nach oben, zum Beispiel mit einem Wattestäbchen oder sauberen Finger.
  3. Reinigen: Die Lidkanten und den Wimpernansatz mit warmem Wasser, einer Lidreinigungslösung, Lidpflegetüchern oder stark verdünntem Babyshampoo vorsichtig säubern.

Lidhygiene muss meist langfristig, teils lebenslang beibehalten werden. Bei Rosazea oder fettiger Haut ist sie besonders wichtig. Augen-Make-up sollte gründlich entfernt werden.

Geräte zur Behandlung der Meibom-Drüsen

Reichen Wärme und Massage nicht aus, gibt es in Praxen und Kliniken Geräte, die die Drüsen gezielt behandeln. Dazu gehören Thermopulsationsgeräte, die die Lider von innen erwärmen und gleichzeitig massieren, sowie die Behandlung mit intensiv gepulstem Licht (IPL), die die deutsche Leitlinie besonders bei Rosazea am Auge nennt.

In Einzelfällen werden verstopfte Drüsengänge mit feinen Sonden geöffnet oder der Lidrand von Belägen befreit. Die Studien dazu sind meist klein; französische Daten berichten Besserungen über bis zu neun Monate. Diese Verfahren sind teuer und werden in vielen Ländern nicht von der Krankenkasse erstattet.

Entzündungshemmende Augentropfen

Bei mäßigen bis schweren Formen behandelt man die Entzündung gezielt, weil sie den Teufelskreis unterhält. Diese Mittel sind verschreibungspflichtig und werden augenärztlich begonnen und überwacht.

Kortison-Tropfen

Kortison-Tropfen (zum Beispiel Dexamethason oder Fluorometholon) wirken rasch, aber nicht nachhaltig. Sie werden deshalb niedrig dosiert und nur kurz eingesetzt. Bei längerer Anwendung steigt das Risiko für einen erhöhten Augeninnendruck bis zum Grünen Star und für einen Grauen Star, deshalb sind Kontrollen nötig. Die Tränenbildung verbessern sie nicht.

Ciclosporin

Ciclosporin-Augentropfen dämpfen die Entzündung, indem sie bestimmte Immunzellen (T-Zellen) hemmen, und können die Tränenbildung steigern. In der EU ist seit 2015 eine Zubereitung mit 0,1 % Ciclosporin einmal täglich zugelassen, und zwar für Erwachsene mit schwerer Hornhautentzündung bei trockenem Auge, die sich mit Tränenersatzmitteln nicht ausreichend bessert. Die Wirkung setzt verzögert ein, oft erst nach Wochen bis Monaten, hält dafür nachhaltiger an. Anfangs brennen die Tropfen häufig, und die Augen können sich röten.

Ein Schweizer Augenarzt empfiehlt, Kortison und Ciclosporin zwei bis vier Wochen zu kombinieren und Ciclosporin danach mindestens sechs Monate allein weiterzugeben. Niedrigere Konzentrationen (0,05 %) werden in manchen Ländern als Rezeptur eingesetzt, etwa bei hartnäckiger Lidrandentzündung. Wer Ciclosporin bekommt und wie es abgegeben wird, regeln die Länder unterschiedlich: In Frankreich etwa gibt es das Präparat nur über die Klinikapotheke.

Weitere Wirkstoffe

Lifitegrast, ein weiterer entzündungshemmender Wirkstoff, ist in den USA zugelassen. In den USA gibt es außerdem ein Nasenspray, das über Nerven in der Nase die Tränenbildung anregt. Schmerzstillende Augentropfen aus der Gruppe der NSAR werden beim trockenen Auge nicht empfohlen, weil sie die Hornhaut schädigen können.

Antibiotika bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion

Bestimmte Antibiotika werden bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion und Lidrandentzündung vor allem wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung eingesetzt, nicht wegen einer Infektion. Örtlich kommen Azithromycin-Augentropfen in kurzen Kuren infrage. Zum Einnehmen nennt die deutsche Leitlinie Doxycyclin in niedriger Dosis (40 mg täglich als Retardform) über mindestens drei Monate; auch andere Tetrazykline oder Makrolide sind möglich. Tetrazykline sind für Kinder unter acht Jahren, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie in Kombination mit Retinoiden ungeeignet.

Behandlung bei Demodex-Milben

Bei Verdacht auf Demodex-Milben an den Wimpern nennt die deutsche Leitlinie Teebaumöl-Präparate zur Lidreinigung und Ivermectin. Ivermectin-Augentropfen waren laut Leitlinie von 2019 in Deutschland nur über eine Auslandsapotheke erhältlich. Die Studien dazu sind klein. Teebaumöl kann die Augen reizen und sollte nur in geeigneten, verdünnten Zubereitungen verwendet werden.

Punctum-Plugs: Stöpsel in den Tränenpünktchen

Punctum-Plugs sind winzige Stöpsel aus Silikon oder sich auflösendem Material, die in die Tränenpünktchen am inneren Lidwinkel eingesetzt werden, damit die Tränen langsamer abfließen. So bleiben eigene Tränen und Tränenersatzmittel länger auf dem Auge. Das Einsetzen dauert nur wenige Minuten. Plugs lassen sich wieder entfernen; ein dauerhafter operativer Verschluss ist ebenfalls möglich.

Die Belege für ihren Nutzen sind schwach. Ein Cochrane-Review von 2017 mit 18 Studien und 711 Teilnehmenden fand keinen überzeugenden Nachweis, dass Plugs die Beschwerden deutlich bessern; kleine Vorteile zeigten sich bei Tränenfilmstabilität, Anfärbung und Tropfenverbrauch. Mögliche Nebenwirkungen sind Tränenlaufen (am häufigsten), Juckreiz, Lidreizung mit Schleim, Verrutschen und selten eine Entzündung des Tränensacks.

Plugs eignen sich vor allem für den wässrigen Mangel. Bei reiner Verdunstungsform, bei aktiver Entzündung oder bei Tränenlaufen sind sie meist nicht sinnvoll. Oft wird zuerst die Lidrandentzündung behandelt, bevor man Plugs einsetzt.

Eigenserum-Augentropfen

Eigenserum-Augentropfen werden aus dem eigenen Blut hergestellt und ähneln in ihrer Zusammensetzung natürlichen Tränen am meisten. Sie enthalten Wachstumsfaktoren und Vitamine, wirken befeuchtend und entzündungshemmend und fördern die Heilung der Oberfläche. Eingesetzt werden sie bei schweren Formen, die auf andere Mittel nicht ansprechen, etwa ab Stufe 3.

Die Herstellung ist aufwendig und erfolgt in spezialisierten Apotheken oder Kliniken. Verwandte Verfahren nutzen plättchenreiches Plasma (PRP, PRGF).

Behandlung schwerer Formen

Bei schweren Formen kommen spezielle Kontaktlinsen und Operationen infrage. Großflächige formstabile Linsen (Sklerallinsen) bilden über der Hornhaut ein Flüssigkeitsreservoir; weiche Verbandlinsen schützen die Oberfläche. Feuchtkammerbrillen mit seitlich geschlossenem Rahmen halten die Feuchtigkeit am Auge.

Bei geschädigter Hornhaut kann eine Amnionmembran (dünnes Gewebe aus der Eihaut) aufgelegt werden. Bei unvollständigem Lidschluss wird die Lidspalte teilweise vernäht (Tarsorrhaphie). Ein erschlafftes Unterlid lässt sich operativ straffen. Bei fadenförmigen Schleimauflagerungen auf der Hornhaut helfen schleimlösende Tropfen (Acetylcystein), bei Verhornung der Oberfläche in der Apotheke hergestellte Tropfen mit Vitamin-A-Säure (Tretinoin).

Behandlung beim Sjögren-Syndrom

Beim Sjögren-Syndrom wird die Trockenheit an Augen und Mund behandelt und, falls nötig, das Immunsystem gedämpft. Tagsüber helfen Tränenersatzmittel, nachts Salbe; zuckerfreie Bonbons oder Kaugummi regen den Speichel an. Pilocarpin zum Einnehmen kann Tränen und Speichel steigern, verursacht aber oft Schwitzen und andere Nebenwirkungen.

Bei Bedarf kommen Kortison oder andere Immunsuppressiva in Absprache mit der Rheumatologie hinzu. Heilbar ist das Sjögren-Syndrom nicht, die Behandlung ist Teamarbeit von Augenheilkunde, Rheumatologie und Zahnmedizin.

Helfen Omega-3-Fettsäuren?

Ob Omega-3-Fettsäuren helfen, ist ungeklärt; die Studienlage ist widersprüchlich. Die große amerikanische DREAM-Studie fand für 3.000 mg Fischöl-Omega-3 täglich über zwölf Monate keinen Vorteil gegenüber einem Placebo mit Olivenöl. Die spanische Fachgesellschaft führt Omega-3-Ergänzungen dennoch in der ersten Stufe auf, und manche Betroffene berichten von Besserung. Eine ausgewogene, mediterrane Ernährung mit Fisch, Nüssen und Pflanzenölen ist sinnvoll; teure Kapseln sollten Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.

Wer bezahlt die Behandlung?

Viele Tränenersatzmittel sind in Deutschland und Österreich rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. In Deutschland zahlen Erwachsene rezeptfreie Mittel in der Regel selbst. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Tränenersatz bei Erwachsenen nur bei bestimmten Grunderkrankungen: etwa beim Sjögren-Syndrom mit deutlichen Beschwerden, bei fehlender oder geschädigter Tränendrüse, bei einer Gesichtslähmung (Fazialisparese) oder wenn sich das Lid nicht ganz schließt (Lagophthalmus). Für Kinder unter 12 Jahren gelten bei rezeptfreien Arzneimitteln großzügigere Regeln.

In Österreich hängt die Kostenübernahme vom Präparat ab; fragen Sie in der Praxis, in der Apotheke oder bei Ihrer Krankenkasse nach. Verschreibungspflichtige Mittel wie Ciclosporin-Tropfen werden ärztlich verordnet. Geräte- und Lichtbehandlungen der Lider sind häufig Selbstzahlerleistungen; lassen Sie sich die Kosten vorher nennen.

In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung die Behandlung abzüglich Franchise und Selbstbehalt, einige Tropfen sind aber nicht gedeckt; in Frankreich werden die Gerätebehandlungen nicht erstattet.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (6)

Ist ein trockenes Auge heilbar?

Ein trockenes Auge ist meist nicht heilbar, lässt sich aber bei den meisten Betroffenen gut kontrollieren. Es ist eine chronische Erkrankung, die mit dem Alter oft zunimmt. Die Behandlung wird langfristig fortgeführt und an wechselnde Belastungen angepasst, etwa im Winter oder bei viel Bildschirmarbeit. Ausnahmen sind Formen mit klar behebbarer Ursache, etwa durch ein Medikament, das abgesetzt werden kann, oder nach einer Laseroperation, wenn sich die Nerven erholen.

Wie verläuft ein trockenes Auge?

Der Verlauf ist wechselhaft: Phasen mit wenigen Beschwerden wechseln mit Verschlechterungen, auch unter guter Behandlung. Solche Schübe können zusätzliche Arztbesuche erfordern. Ohne Behandlung verschlechtern sich die Beschwerden bei vielen Menschen mit der Zeit, weil der Teufelskreis aus Trockenheit und Entzündung fortschreitet. Manche Betroffene bleiben trotz Behandlung nicht ganz beschwerdefrei; Ziel ist dann, die Stärke der Beschwerden deutlich zu senken.

Welche Komplikationen sind möglich?

Bei schweren, unbehandelten Formen kann die Hornhaut Schaden nehmen. Mögliche Komplikationen sind:

  • wiederkehrende Bindehaut- und Hornhautentzündungen
  • mehr Augeninfektionen, weil der schützende Tränenfilm fehlt
  • Hornhautabschürfungen und Hornhautgeschwüre
  • Narben, Gefäßeinwuchs in die Hornhaut, Verhornung der Oberfläche
  • in sehr seltenen Fällen ein Durchbruch der Hornhaut (Perforation)
  • verminderte Hornhautempfindlichkeit bei langem Verlauf
  • anhaltende Nervenschmerzen, auch nach Abheilung der Oberfläche

Bleibender Sehverlust ist selten, auch bei schweren Formen. Er kommt am ehesten bei Autoimmunerkrankungen, vernarbenden Bindehauterkrankungen oder neurotropher Keratopathie vor.

Verlauf beim Sjögren-Syndrom

Beim Sjögren-Syndrom ist der Verlauf meist langwierig und betrifft neben den Augen auch Mund und Zähne; vermehrte Karies ist häufig. In manchen Fällen werden Lunge, Nieren oder Nerven beteiligt. Das Risiko für bestimmte Lymphdrüsenkrebse (Lymphome) ist erhöht, deshalb sind regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig.

Was beeinflusst die Prognose?

Die Prognose ist umso besser, je früher Form und Ursache erkannt und Auslöser beseitigt werden. Günstig sind eine konsequente Lidhygiene, passende Tränenersatzmittel und das Meiden von Rauch und trockener Luft. Ungünstig sind Autoimmunerkrankungen, ausgeprägte Nervenschäden und vernarbende Erkrankungen der Bindehaut. Genaue Erfolgsraten einzelner Behandlungen lassen sich aus der Studienlage kaum ableiten, weil viele Studien klein sind.

Wie oft sind Kontrollen nötig?

Wie oft Kontrollen nötig sind, hängt von der Schwere ab: bei leichten Formen nach Bedarf, bei Kortison- oder Ciclosporin-Behandlung und schweren Formen regelmäßig nach Absprache. Unter Kortison-Tropfen muss der Augeninnendruck kontrolliert werden. Unabhängig davon raten französische Quellen ab 65 Jahren zu einer augenärztlichen Kontrolle mindestens alle zwei Jahre.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (9)

Kann man einem trockenen Auge vorbeugen?

Ganz verhindern lässt sich ein trockenes Auge nicht, aber Sie können viele Auslöser selbst beeinflussen und die Beschwerden deutlich verringern. Die folgenden Maßnahmen empfehlen deutsche, britische, französische und spanische Fachquellen übereinstimmend. Sie sind auch Teil der ersten Behandlungsstufe.

Bildschirmarbeit augenfreundlich gestalten

Am Bildschirm hilft es vor allem, bewusst und vollständig zu blinzeln und regelmäßig Pausen einzulegen.

  • 20-20-20-Regel: alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne schauen (etwa 6 Meter).
  • Bewusst blinzeln: Ein kleiner Merkzettel am Monitor kann daran erinnern; dabei die Lider ganz schließen.
  • Bildschirm etwas unterhalb der Augenhöhe: Dann sind die Lider weiter geschlossen und die Augenoberfläche kleiner.
  • Gebläse und Lüftung nicht auf das Gesicht richten.
  • Bildschirmzeit in der Freizeit begrenzen, auch bei Kindern.

Raumklima und Umgebung

Feuchte Luft und wenig Zugluft schonen den Tränenfilm. Regelmäßig lüften, im Winter einen Luftbefeuchter nutzen, sehr warme Räume meiden und Föhn, Ventilator sowie Autogebläse nicht auf die Augen richten. Im Freien schützt eine Sonnenbrille mit Seitenschutz vor Wind und Staub. Beim Heimwerken und bei staubigen Arbeiten eine Schutzbrille tragen.

Rauchen, Alkohol und Schlaf

Verzichten Sie auf das Rauchen und meiden Sie Passivrauch, denn Rauch reizt die Augenoberfläche direkt. Alkohol in größeren Mengen wird ebenfalls als Risikofaktor genannt. Ausreichend Schlaf, etwa sieben bis acht Stunden, gibt der Augenoberfläche Zeit zur Erholung.

Kontaktlinsen richtig tragen

Kontaktlinsen sollten nicht zu lange am Stück getragen werden. Tragen Sie zwischendurch die Brille, schlafen Sie nicht mit Linsen und achten Sie auf gute Pflege. Bei zunehmender Trockenheit kann die Augenärztin oder der Augenarzt oder die Kontaktlinsenanpassung andere Linsenmaterialien oder Tragezeiten vorschlagen. Rötung mit Linsen ist ein Grund, die Linsen herauszunehmen und rasch ärztlich abklären zu lassen.

Lider pflegen

Eine tägliche Lidpflege mit Wärme und Reinigung beugt verstopften Meibom-Drüsen vor, besonders bei Neigung zu Lidrandentzündung, Hagelkörnern oder Rosazea. Augen-Make-up abends gründlich entfernen und Kosmetika ohne Reizstoffe wählen. Bei Rosazea können scharfe Gewürze, Kaffee und Alkohol Schübe auslösen.

Trinken und Ernährung

Ausreichend trinken, etwa 1,5 Liter täglich, und eine ausgewogene Ernährung mit Vitamin A und Omega-3-Fettsäuren (Fisch, Nüsse, Pflanzenöle) sind sinnvoll. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft empfiehlt eine mediterrane Ernährung für die Augengesundheit. Trinken allein behandelt ein trockenes Auge aber nicht, und der Nutzen einzelner Nahrungsergänzungen ist nicht gesichert.

Medikamente überprüfen lassen

Nennen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt alle Medikamente, auch rezeptfreie Allergie- oder Schlafmittel und Hormonpräparate. Manchmal gibt es eine Alternative, die die Augen weniger austrocknet. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab. Wer dauerhaft Augentropfen braucht, etwa gegen Glaukom, kann nach konservierungsmittelfreien Präparaten fragen.

Vor Augenoperationen

Vor einer geplanten Laserkorrektur oder Staroperation sollte ein trockenes Auge untersucht und behandelt werden. Das verbessert die Vermessung des Auges und senkt das Risiko für anhaltende Beschwerden nach dem Eingriff. Sprechen Sie bestehende Trockenheit beim Vorgespräch aktiv an.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Ein trockenes Auge ist in aller Regel kein Notfall. Bestimmte Warnzeichen deuten aber auf eine Komplikation oder eine andere Erkrankung hin, die rasch behandelt werden muss. Mehr zu Warnzeichen am Auge finden Sie unter Notfall am Auge.

Sofort in die Augenklinik oder Notaufnahme

  • plötzlicher Sehverlust oder rasch nachlassendes Sehen
  • Lichtblitze, Rußregen oder ein Schatten im Gesichtsfeld
  • starke Augenschmerzen, besonders mit starker Lichtscheu
  • rotes, hartes, schmerzendes Auge mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen; das kann ein akuter Glaukomanfall sein
  • weißlicher Fleck oder Trübung auf der Hornhaut mit Schmerzen (mögliches Hornhautgeschwür)
  • Verletzung, Verätzung oder Fremdkörper im Auge

Fahren Sie in diesen Fällen nicht selbst. Notruf in Deutschland und Österreich: 112, in Österreich auch 144 (Rettung).

Am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt

  • schmerzhaftes rotes Auge
  • rotes Auge beim Tragen von Kontaktlinsen (Linsen sofort herausnehmen; mögliche Infektion)
  • eitriges Sekret, deutlich geschwollene Lider
  • plötzliche Beschwerden an nur einem Auge mit Rötung oder Sehverschlechterung

Außerhalb der Praxiszeiten hilft in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, in Österreich die Gesundheitsberatung 1450.

In den nächsten Tagen bis Wochen

  • Beschwerden bessern sich nach ein bis zwei Wochen Selbsthilfe mit Tränenersatzmitteln nicht
  • Beschwerden nehmen trotz Behandlung zu oder stören den Alltag
  • Sie brauchen dauerhaft sehr häufig Tropfen
  • zusätzlich trockener Mund, Gelenkschmerzen, starke Müdigkeit (Verdacht auf Sjögren-Syndrom)
  • veränderte Lidstellung, unvollständiger Lidschluss
  • Kontaktlinsen werden trotz Pause und guter Pflege nicht mehr vertragen
  • Begleiterkrankungen wie Diabetes, Rheuma, Schilddrüsenerkrankung oder Rosazea

Routinemäßig

Leichte, gelegentliche Beschwerden, die sich mit Pausen, besserem Raumklima und Tränenersatzmitteln gut lindern lassen, können Sie beim nächsten regulären Termin ansprechen. Vor einer geplanten Augenoperation sollte ein trockenes Auge in jedem Fall erwähnt werden.

9 Häufige Fragen

Warum tränen meine Augen, obwohl sie trocken sind?

Die gereizte Augenoberfläche löst Reflextränen aus. Diese Tränen bestehen fast nur aus Wasser, ihnen fehlen Fett und Schleim. Deshalb verteilen sie sich schlecht, laufen ab und befeuchten das Auge nicht. Tränende Augen sind ein typisches Zeichen des trockenen Auges.

Welche Augentropfen helfen bei trockenen Augen am besten?

Es gibt keinen einzelnen besten Wirkstoff, die Wahl hängt von der Form ab. Bei Tränenmangel eignen sich eher Hyaluronsäure oder Carbomer, bei der Verdunstungsform eher lipidhaltige Tropfen. Bei häufiger Anwendung sind konservierungsmittelfreie Präparate die bessere Wahl.

Kann ich künstliche Tränen dauerhaft und mehrmals täglich nehmen?

Ja, konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel können dauerhaft und nach Bedarf angewendet werden. Bei Präparaten mit Konservierungsmitteln sollten es nicht mehr als etwa vier bis sechs Anwendungen am Tag sein. Brauchen Sie ständig sehr häufig Tropfen, lassen Sie die Ursache augenärztlich prüfen.

Ist ein trockenes Auge heilbar?

Meist nicht, aber es lässt sich bei den meisten Menschen gut kontrollieren. Ausnahmen sind Formen mit behebbarer Ursache, etwa durch ein Medikament oder nach einer Laseroperation. Die Behandlung wird langfristig fortgeführt und angepasst.

Kann man von trockenen Augen erblinden?

Das ist sehr selten. Bei schweren, unbehandelten Formen kann die Hornhaut aber Geschwüre und Narben entwickeln, die das Sehen beeinträchtigen. Starke Schmerzen, Lichtscheu oder deutlich schlechteres Sehen sollten deshalb rasch untersucht werden.

Macht der Bildschirm meine Augen trocken?

Bildschirmarbeit verstärkt trockene Augen, weil man nur noch etwa 5- bis 7-mal statt etwa 15-mal pro Minute blinzelt. Einen bleibenden Schaden richtet der Bildschirm nach Angaben der American Academy of Ophthalmology nicht an. Pausen, bewusstes Blinzeln und ein etwas tiefer stehender Monitor helfen.

Können Medikamente trockene Augen verursachen?

Ja, zum Beispiel Antihistaminika, Betablocker, Entwässerungsmittel, Antidepressiva, Schlafmittel, die Antibabypille, Isotretinoin und konservierte Augentropfen. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht selbst ab, sondern fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt nach einer Alternative.

Sind trockene Augen und trockener Mund ein Zeichen für Sjögren-Syndrom?

Das kann sein, muss aber nicht. Trockenheit von Augen und Mund hat viele Ursachen, etwa Alter und Medikamente. Kommen Gelenkschmerzen, starke Müdigkeit oder geschwollene Speicheldrüsen hinzu, sollte ein Sjögren-Syndrom mit Blutuntersuchungen und weiteren Tests abgeklärt werden.

Wie mache ich Lidhygiene bei trockenen Augen richtig?

Legen Sie morgens und abends 5–10 Minuten eine angenehm warme, feuchte Kompresse auf die geschlossenen Lider. Streichen Sie die Lider danach sanft zum Lidrand hin aus. Reinigen Sie zum Schluss die Lidkanten mit warmem Wasser oder einer Lidreinigungslösung. Die Wirkung zeigt sich oft erst nach einigen Wochen.

Was sind Punctum-Plugs und helfen sie?

Punctum-Plugs sind winzige Stöpsel für die Tränenpünktchen, damit die Tränen langsamer abfließen. Sie werden in wenigen Minuten eingesetzt und lassen sich entfernen. Laut einem Cochrane-Review ist ihr Nutzen für die Beschwerden nicht sicher belegt; manchen Menschen mit Tränenmangel helfen sie aber. Häufigste Nebenwirkung ist Tränenlaufen.

Helfen Omega-3-Kapseln gegen trockene Augen?

Das ist unsicher. Eine große Studie fand nach einem Jahr keinen Vorteil gegenüber einem Scheinpräparat, einzelne Betroffene berichten aber von Besserung. Eine ausgewogene Ernährung mit Fisch und Pflanzenölen ist sinnvoll; Kapseln besprechen Sie am besten vorher ärztlich.

Darf ich mit trockenen Augen Kontaktlinsen tragen?

Oft ja, aber mit kürzeren Tragezeiten, zwischendurch Brille und guter Pflege. Konservierungsmittelfreie Tropfen sind für Kontaktlinsenträger besonders geeignet. Bei einem roten, schmerzenden Auge mit Linsen nehmen Sie die Linsen heraus und lassen das Auge noch am selben Tag untersuchen.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 33 Quellen anzeigen
  1. Leitlinie Nr. 11: Trockenes Auge (Sicca-Syndrom) – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) (DE)
  2. Trockenes Auge – gesundheit.gv.at – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (DE)
  3. Trockene Augen: In jedem Fall benetzen und die Ursache beheben – ARS MEDICI 13/2024 (Inselspital Bern) (DE)
  4. Trockenes Auge – aponet.de – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) (DE)
  5. Trockene Augen – was ist das Sicca-Syndrom? – Techniker Krankenkasse (DE)
  6. Tränen für trockene Augen – Pharmazeutische Zeitung (DE)
  7. Das Sjögren-Syndrom erkennen und behandeln – Apotheken Umschau (DE)
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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss