Allgemeinerkrankungen und Auge
Diabetes, Bluthochdruck, Rheuma, Schilddrüse und Medikamente: wie sie die Augen betreffen.
- Albinismus am AugeAlbinismus ist eine angeborene, erbliche Störung der Melaninbildung, die immer auch die Augen betrifft: Typisch sind Augenzittern, starke Blendung, eine unterentwickelte Stelle des schärfsten Sehens und eine deutlich verminderte, aber meist stabile Sehschärfe. Beim okulokutanen Albinismus sind zusätzlich Haut und Haare hell, beim okulären Albinismus fast nur die Augen betroffen.
- Netzhautschaden durch BluthochdruckDie hypertensive Retinopathie ist eine Schädigung der kleinen Netzhautgefäße durch zu hohen Blutdruck. Sie betrifft meist beide Augen, verursacht lange keine Beschwerden und wird oft zufällig bei der Augenspiegelung entdeckt; behandelt wird vor allem der Blutdruck.
- Riesenzellarteriitis am AugeDie Riesenzellarteriitis (früher Arteriitis temporalis oder Morbus Horton) ist eine Entzündung großer Schlagadern bei Menschen über 50, die über verschlossene Augenarterien innerhalb von Tagen zur Erblindung führen kann. Neue Schläfenkopfschmerzen, Kauschmerz und Sehstörungen sind ein Notfall: Kortison wird schon beim Verdacht hochdosiert gegeben, um das Sehen und vor allem das zweite Auge zu retten.
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- Akuter Glaukomanfall Beim akuten Glaukomanfall verschließt sich plötzlich der Abflussweg des Kammerwassers, und der Augeninnendruck steigt binnen Stunden stark an. Das führt zu heftigen Augen- und Kopfschmerzen, einem roten Auge, Sehverschlechterung und oft Übelkeit – ein Notfall, der sofort augenärztlich behandelt werden muss, weil sonst bleibender Sehverlust droht.
- Arterienverschluss der Netzhaut Beim Arterienverschluss der Netzhaut, auch Augeninfarkt genannt, verstopft eine Schlagader im Auge, meist durch ein verschlepptes Gerinnsel; das Sehen auf einem Auge fällt innerhalb von Sekunden und ohne Schmerzen ganz oder teilweise aus. Er ist ein Notfall wie ein Schlaganfall: Rufen Sie sofort den Notruf (112, in Österreich 144), denn danach ist auch das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt stark erhöht.
- Augenmuskellähmung Bei einer Augenmuskellähmung fällt einer der drei Hirnnerven aus, die die Augen bewegen. Die Augen stehen dann nicht mehr parallel, und es kommt meist plötzlich zu Doppelbildern. Häufigste Ursache bei Erwachsenen über 50 ist eine Durchblutungsstörung des Nervs, die sich oft in Wochen bis Monaten zurückbildet; hinter einer Lähmung mit weiter Pupille kann aber ein lebensgefährliches Aneurysma stecken.
- Augenzittern Augenzittern (Nystagmus) sind unwillkürliche, rhythmische Bewegungen der Augen, meist beider Augen. Es beginnt entweder in den ersten Lebensmonaten, oft zusammen mit Albinismus oder einer Netzhauterkrankung, oder es tritt später neu auf, dann meist durch eine Störung im Gleichgewichtsorgan oder im Gehirn; plötzliches Augenzittern mit Schwindel ist ein Notfall.
- Blutung unter der Bindehaut Eine Blutung unter der Bindehaut (Hyposphagma) ist ein scharf begrenzter, leuchtend roter Fleck auf dem Weißen des Auges, der entsteht, wenn ein feines Äderchen unter der Bindehaut reißt. Sie sieht erschreckend aus, ist aber fast immer harmlos, schmerzt nicht, stört das Sehen nicht und verschwindet meist innerhalb von ein bis drei Wochen von selbst.
- Diabetische Retinopathie Die diabetische Retinopathie ist eine Schädigung der feinen Blutgefäße der Netzhaut durch Diabetes, oft zusammen mit einer Schwellung der Stelle des schärfsten Sehens (diabetisches Makulaödem). Sie verläuft lange ohne Beschwerden, gehört zu den häufigsten Ursachen für Sehverlust im Erwerbsalter Durch regelmäßige Augenkontrollen und rechtzeitige Behandlung lässt sich ihr Fortschreiten oft bremsen und ein schwerer Sehverlust meist verhindern.
- Durchblutungsstörung des Sehnervs Bei einer Durchblutungsstörung des Sehnervs (anteriore ischämische Optikusneuropathie, AION) bekommt der Sehnervenkopf zu wenig Blut; das Sehen auf einem Auge verschlechtert sich plötzlich und meist schmerzlos, oft bemerkt beim Aufwachen. Sie betrifft vor allem Menschen ab 50 und muss sofort augenärztlich abgeklärt werden, weil hinter ihr eine Riesenzellarteriitis stecken kann, die ohne Kortison innerhalb von Tagen auch das zweite Auge bedroht.
- Endokrine Orbitopathie Die endokrine Orbitopathie ist eine Autoimmunentzündung der Augenhöhle, die meist zusammen mit einem Morbus Basedow auftritt. Sie macht hervortretende Augen, hochgezogene Lider, trockene Augen und Doppelbilder und betrifft vor allem Frauen im mittleren Alter.
- Episkleritis Die Episkleritis ist eine meist harmlose Entzündung der dünnen Gewebeschicht zwischen Bindehaut und Lederhaut. Sie macht eine umschriebene, hell- bis lachsrote Rötung mit wenig Schmerz, betrifft vor allem Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren und klingt in der Regel innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen von selbst ab.
- Grauer Star Der Graue Star (Katarakt) ist eine Eintrübung der Augenlinse, die das Sehen langsam und schmerzlos verschleiert. Er betrifft vor allem Menschen ab 60, kann aber auch angeboren sein oder durch Verletzungen, Diabetes oder Kortison entstehen – und lässt sich durch eine Operation mit Kunstlinse in den meisten Fällen sehr gut behandeln.
- Hängendes Oberlid Bei einem hängenden Oberlid (Ptosis) steht der Rand des Oberlids tiefer als normal, weil der Lidheber oder seine Sehne zu schwach ist. Meist steckt bei Erwachsenen eine altersbedingte Lockerung dahinter; bei Kindern ist die Ptosis oft angeboren und kann zu Schwachsichtigkeit führen. Tritt sie plötzlich auf, ist sie ein Notfall.
- Lebersche hereditäre Optikusneuropathie Die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie (LHON) ist eine seltene, über die Mutter vererbte Erkrankung des Sehnervs, bei der vor allem junge Männer innerhalb von Wochen schmerzlos das zentrale Sehen verlieren, erst auf einem, dann auf dem anderen Auge. Das Medikament Idebenon kann bei frühem Beginn einem Teil der Betroffenen helfen.
- Lidkrampf Der Lidkrampf (Blepharospasmus) ist eine neurologische Bewegungsstörung, bei der sich beide Augenlider unwillkürlich und krampfartig schließen. Er beginnt meist zwischen 40 und 70 Jahren, trifft Frauen häufiger als Männer und lässt sich mit Botulinumtoxin-Spritzen bei den meisten Betroffenen gut lindern.
- Sehnerventzündung Eine Sehnerventzündung (Optikusneuritis) ist eine meist einseitige Entzündung des Sehnervs, die innerhalb von Stunden bis Tagen zu verschwommenem Sehen, blassen Farben und Schmerzen bei Augenbewegungen führt. Sie trifft vor allem Frauen zwischen 20 und 45 Jahren, heilt meist gut aus und kann das erste Zeichen einer Multiplen Sklerose sein.
- Skleritis Die Skleritis ist eine seltene, aber ernste Entzündung der Lederhaut, der weißen Außenhülle des Auges. Typisch sind ein tiefer, bohrender Schmerz, der nachts aufweckt, und eine dunkelrote bis violette Rötung; bei etwa der Hälfte der Betroffenen steckt eine Allgemeinerkrankung wie rheumatoide Arthritis dahinter, deshalb gehört sie rasch in augenärztliche Hand.
- Stauungspapille Eine Stauungspapille ist eine meist beidseitige Schwellung des Sehnervenkopfes, die durch erhöhten Druck im Schädel entsteht. Sie ist kein eigenes Augenleiden, sondern ein Warnzeichen, dessen Ursache – von der idiopathischen intrakraniellen Hypertension bis zum Hirntumor – rasch geklärt werden muss.
- Uveitis Eine Uveitis ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut, zu der Regenbogenhaut, Ziliarkörper und Aderhaut gehören. Sie trifft vor allem Erwachsene zwischen 20 und 60 Jahren, aber auch Kinder mit Kinderrheuma, und kann ohne rechtzeitige Behandlung das Sehen dauerhaft schädigen.
- Venenverschluss der Netzhaut Beim Venenverschluss der Netzhaut verstopft ein Blutgerinnsel die zentrale Netzhautvene oder einen ihrer Äste, meist bei Menschen über 50 mit Bluthochdruck oder anderen Gefäßrisiken. Typisch ist eine plötzliche, schmerzlose Sehverschlechterung an einem Auge; die Folgen, vor allem die Schwellung der Makula, lassen sich heute oft gut behandeln.
- Verschobene Augenlinse Bei einer verschobenen Augenlinse (Ektopia lentis) sitzt die Linse nicht mehr in der Mitte hinter der Pupille, weil ihre feinen Haltefasern gedehnt oder gerissen sind. Ursache ist meist ein Schlag auf das Auge oder eine angeborene Bindegewebsschwäche wie das Marfan-Syndrom; typisch sind unscharfes, schwankendes Sehen und Doppelbilder auf einem Auge.