Stauungspapille (Papillenödem)
Eine Stauungspapille ist eine meist beidseitige Schwellung des Sehnervenkopfes, die durch erhöhten Druck im Schädel entsteht. Sie ist kein eigenes Augenleiden, sondern ein Warnzeichen, dessen Ursache – von der idiopathischen intrakraniellen Hypertension bis zum Hirntumor – rasch geklärt werden muss.
1 Kurzübersicht
Bei einer Stauungspapille ist die Papille geschwollen. Die Papille ist die Stelle im hinteren Auge, an der der Sehnerv das Auge verlässt; die Augenärztin oder der Augenarzt sieht sie bei der Spiegelung des Augenhintergrunds als kleine, helle Scheibe. Steigt der Druck im Schädel (Hirndruck), überträgt er sich über die Hülle des Sehnervs bis zu dieser Scheibe. Sie schwillt an – fast immer an beiden Augen.
Fachlich spricht man nur dann von einer Stauungspapille, wenn tatsächlich ein erhöhter Hirndruck dahintersteckt. Schwellungen des Sehnervenkopfes aus anderen Gründen, etwa bei einer Sehnerventzündung, einer Durchblutungsstörung des Sehnervs oder einem Venenverschluss, heißen allgemeiner Papillenödem oder Papillenschwellung. Im Alltag werden beide Wörter oft gleich verwendet.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- Die Stauungspapille ist ein Warnzeichen für erhöhten Hirndruck, keine eigenständige Augenkrankheit.
- Die häufigste Ursache ist die idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH, früher „Pseudotumor cerebri“): erhöhter Hirnwasserdruck ohne Tumor, vor allem bei übergewichtigen jungen Frauen.
- Seltener, aber gefährlich sind Hirntumor, Hirnblutung, Hirnhautentzündung oder eine Thrombose der Hirnvenen.
- Typische Beschwerden sind Kopfschmerzen, sekundenlanges Schwarzwerden vor den Augen, Doppelbilder und ein pulsierendes Rauschen im Ohr. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat anfangs gar keine Beschwerden.
- Die Sehschärfe bleibt lange normal. Der Sehverlust beginnt schleichend am Rand des Gesichtsfelds und kann bleibend sein, wenn der Druck zu lange hoch bleibt.
- Abgeklärt wird mit MRT des Kopfes und danach meist einer Lumbalpunktion.
- Nicht jede „geschwollene“ Papille ist eine Stauungspapille: Drusenpapillen und andere harmlose Varianten sehen ähnlich aus (Pseudopapillenödem), besonders bei Kindern.
2 Symptome
In diesem Kapitel (15)
- Welche Symptome hat eine Stauungspapille?
- Wie häufig sind die einzelnen Beschwerden?
- Wie fühlen sich die Kopfschmerzen an?
- Was sind die kurzen Sehausfälle?
- Warum rauscht es im Ohr im Takt des Herzschlags?
- Warum sehe ich doppelt?
- Wie bemerke ich Gesichtsfeldausfälle?
- Ist die Sehschärfe bei einer Stauungspapille vermindert?
- Welche weiteren Sehveränderungen kommen vor?
- Welche Allgemeinbeschwerden können dazukommen?
- Ist immer nur ein Auge oder sind beide Augen betroffen?
- Wie verlaufen die Beschwerden über die Zeit?
- Was bemerken Angehörige?
- Welche Besonderheiten gibt es bei Kindern?
- Welche Besonderheiten gibt es bei älteren Menschen?
Welche Symptome hat eine Stauungspapille?
Die Stauungspapille selbst verursacht anfangs oft keine Beschwerden; spürbar sind vor allem die Folgen des erhöhten Hirndrucks und später Sehstörungen. Die Schwellung am Augenhintergrund geht den Sehproblemen meist voraus. Deshalb wird sie nicht selten zufällig entdeckt, etwa bei einer Brillenbestimmung oder einer Routinekontrolle.
Die Beschwerden lassen sich in drei Gruppen einteilen:
- Allgemeine Hirndruckzeichen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, pulssynchrones Ohrgeräusch, Nacken- und Rückenschmerzen.
- Kurzzeitige Sehstörungen: sekundenlanges Grau- oder Schwarzwerden, Flimmern, Verschwommensehen, Doppelbilder.
- Dauerhafte Sehstörungen: Ausfälle im Gesichtsfeld, vergrößerter blinder Fleck, später Abnahme der Sehschärfe.
Wie häufig sind die einzelnen Beschwerden?
Am häufigsten sind Kopfschmerzen, gefolgt von kurzen Sehausfällen und Ohrgeräuschen. Die folgenden Zahlen stammen aus Untersuchungen bei Menschen mit idiopathischer intrakranieller Hypertension, der häufigsten Ursache. Bei anderen Ursachen hängt das Bild stark von der Grunderkrankung ab.
| Beschwerde | Ungefährer Anteil der Betroffenen |
|---|---|
| Kopfschmerzen | 84 bis über 90 % |
| Kurze Sehausfälle (Sekunden) | etwa 68 bis 72 % |
| Pulssynchrones Ohrgeräusch | etwa 52 bis 61 % |
| Rückenschmerzen | etwa 53 % |
| Schwindel | etwa 52 % |
| Lichtempfindlichkeit | etwa 48 % |
| Nackenschmerzen | etwa 42 % |
| Bemerkte Sehverschlechterung | etwa 32 % |
| Nächtliches Wasserlassen | etwa 30 % |
| Konzentrationsstörungen | etwa 20 % |
| Doppelbilder | etwa 12 bis 18 %, in einzelnen Serien deutlich mehr |
Ungefähr ein Drittel der Menschen mit Stauungspapille hat zum Zeitpunkt der Entdeckung keinerlei Beschwerden.
Wie fühlen sich die Kopfschmerzen an?
Die Kopfschmerzen sind meist täglich oder fast täglich da, betreffen beide Kopfseiten und schwanken in ihrer Stärke. Viele Betroffene beschreiben einen Druck hinter der Stirn und den Augen. Typisch ist, dass sich der Schmerz verstärkt:
- morgens nach dem Aufwachen oder nach längerem Liegen,
- beim Pressen, Husten, Niesen oder Bücken,
- bei manchen im Laufe des Tages zunehmend.
Einzelne Betroffene haben im Liegen dagegen sogar weniger Schmerzen.
Bei etwa zwei Dritteln wirkt der Kopfschmerz migräneartig: pochend, mit Übelkeit und Lichtscheu. Menschen mit IIH haben zudem überdurchschnittlich oft auch eine echte Migräne. Das macht die Unterscheidung schwierig und verzögert manchmal die Diagnose.
Die deutsche Leitlinie zur IIH weist darauf hin, dass sich hinter schwer behandelbaren chronischen täglichen Kopfschmerzen in etwa jedem zehnten Fall eine IIH verbergen kann. Nach einer Lumbalpunktion, bei der Hirnwasser abgelassen wird, bessern sich die Kopfschmerzen oft für kurze Zeit spürbar.
Was sind die kurzen Sehausfälle?
Kurze Sehausfälle sind Momente, in denen das Bild für wenige Sekunden grau, schwarz, neblig oder verschwommen wird und dann wieder zurückkommt. Fachleute nennen sie „transiente visuelle Obskurationen“. Sie dauern meist nur Sekunden, selten bis etwa eine Minute.
Sie treten an einem oder an beiden Augen auf, oft mehrmals am Tag. Häufige Auslöser sind:
- schnelles Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen,
- Bücken oder Vorbeugen,
- Pressen, Husten, Heben schwerer Lasten,
- Wechsel der Blickrichtung.
Die Ursache ist eine kurzzeitige Minderdurchblutung des geschwollenen Sehnervenkopfes. Wie oft sie auftreten, sagt wenig über das Ausmaß der Schwellung oder den drohenden Sehverlust aus. Für sich allein sind sie kein Alarmzeichen, sie gehören aber immer abgeklärt.
Warum rauscht es im Ohr im Takt des Herzschlags?
Ein pulssynchrones Ohrgeräusch – ein Rauschen, Pochen oder „Wusch-wusch“ im Rhythmus des Pulses – ist bei erhöhtem Hirndruck typisch. Es entsteht wahrscheinlich durch verwirbelten Blutfluss in verengten Hirnvenen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen mit IIH bemerkt es, auf einer oder auf beiden Seiten.
Das Geräusch ist oft im Liegen und in der Stille, etwa nachts, am deutlichsten. Manche spüren zusätzlich einen Druck auf dem Ohr. Viele gehen deswegen zuerst zur HNO-Ärztin oder zum HNO-Arzt.
Warum sehe ich doppelt?
Doppelbilder entstehen meist, weil der erhöhte Hirndruck den sechsten Hirnnerv (Nervus abducens) beeinträchtigt. Dieser Nerv steuert den äußeren geraden Augenmuskel, der das Auge zur Schläfe hin bewegt. Fällt er teilweise aus, weicht das Auge nach innen ab.
Die Doppelbilder liegen dann nebeneinander und werden beim Blick in die Ferne und zur betroffenen Seite stärker. Sie verschwinden, wenn man ein Auge zudeckt. Diese Augenmuskellähmung ist beim Hirndruck „nicht lokalisierend“: Sie zeigt nicht an, wo im Kopf die Ursache sitzt. Sinkt der Druck, bildet sie sich meist wieder zurück.
Wie bemerke ich Gesichtsfeldausfälle?
Gesichtsfeldausfälle bemerkt man oft lange nicht, weil sie am Rand beginnen und das zentrale, scharfe Sehen zunächst unberührt bleibt. Das Gehirn ergänzt fehlende Bildteile, und das andere Auge gleicht vieles aus.
Der typische Ablauf:
- Zuerst vergrößert sich der blinde Fleck – die natürliche Lücke im Gesichtsfeld dort, wo der Sehnerv das Auge verlässt. Das fällt im Alltag kaum auf.
- Dann fallen Bereiche am Rand aus, häufig zuerst unten zur Nase hin, später bogenförmig.
- Bei lang bestehendem oder sehr hohem Druck engt sich das Gesichtsfeld immer weiter ein.
- Erst spät ist auch das zentrale Sehen betroffen, und die Sehschärfe sinkt.
Hinweise im Alltag können sein: häufiges Anstoßen an Türrahmen oder Möbel, Stolpern über Stufen, übersehene Personen oder Autos von der Seite, Unsicherheit beim Einparken. Eine grobe Prüfung beim Hausarzt erkennt solche Randausfälle nicht sicher – dafür braucht es eine apparative Gesichtsfeldmessung.
Ist die Sehschärfe bei einer Stauungspapille vermindert?
Nein, in frühen Stadien ist die Sehschärfe fast immer normal, und auch die Pupillen reagieren regelrecht. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Sehnerventzündung, bei der die Sehschärfe früh und plötzlich sinkt.
Gerade deshalb ist die Sehschärfe als Warnzeichen trügerisch. Wenn sie abnimmt, ist der Sehnerv oft schon geschädigt. Eine Ausnahme: Sinkt die zentrale Sehschärfe früh, obwohl das Gesichtsfeld am Rand noch gut ist, kann sich Flüssigkeit in der Netzhautmitte (Makula) gesammelt haben. Das klärt die Augenärztin oder der Augenarzt mit einer OCT-Untersuchung der Makula.
Welche weiteren Sehveränderungen kommen vor?
Neben den typischen Zeichen beschreiben Betroffene noch einige seltenere Veränderungen:
- Flimmern oder Lichtblitze, teils zusammen mit den kurzen Sehausfällen.
- Verschwommensehen über längere Zeit.
- Schlechteres räumliches Sehen, zum Beispiel beim Treppensteigen.
- Plötzlich schlechteres Sehen in der Nähe: Der Druck kann die Rückwand des Augapfels abflachen. Das Auge wird dadurch etwas weitsichtiger, und eine bisher passende Lesebrille reicht nicht mehr.
- Blendung und Lichtempfindlichkeit.
Schmerzen im Auge selbst gehören nicht zur Stauungspapille. Ein schmerzhaft gerötetes Auge spricht für eine andere Ursache.
Welche Allgemeinbeschwerden können dazukommen?
Erhöhter Hirndruck kann den ganzen Körper betreffen. Häufig sind:
- Übelkeit und Erbrechen, besonders morgens,
- Nacken- und Rückenschmerzen,
- Schwindel und Gangunsicherheit,
- ausstrahlende Schmerzen oder Kribbeln in Armen oder Beinen (Nervenwurzelschmerz),
- Gelenkschmerzen an Schultern, Handgelenken oder Knien,
- Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme,
- gedrückte Stimmung und Ängste.
Bei einer ernsten Ursache wie Hirntumor, Blutung oder Entzündung stehen oft andere Zeichen im Vordergrund: Lähmungen, Sprachstörungen, Krampfanfälle, Wesensänderung, Fieber mit Nackensteife oder zunehmende Schläfrigkeit. Solche Zeichen sind ein Notfall.
Ist immer nur ein Auge oder sind beide Augen betroffen?
Eine Stauungspapille tritt fast immer an beiden Augen auf, auch wenn eine Seite stärker geschwollen sein kann. Bei etwa jedem zehnten Betroffenen ist die Schwellung deutlich ungleich oder einseitig. Eine nur einseitige Schwellung lenkt den Verdacht eher auf andere Ursachen, etwa eine Durchblutungsstörung oder Entzündung des Sehnervs.
Wie verlaufen die Beschwerden über die Zeit?
Das hängt davon ab, wie schnell der Hirndruck steigt. Bei einer Blutung oder einem plötzlichen Liquorstau kann die Schwellung innerhalb von Stunden bis etwa einem Tag entstehen. Bei der IIH oder einem langsam wachsenden Tumor entwickelt sie sich über Wochen.
Eine Sonderform ist die fulminante IIH: Hier treten Schwellung und schwerer Sehverlust innerhalb weniger Wochen auf. Bleibt eine Stauungspapille über Monate bestehen (chronische Stauungspapille), gehen Nervenfasern zugrunde, die Papille wird blass, und das Gesichtsfeld schrumpft.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige fallen oft Veränderungen auf, die Betroffene selbst nicht einordnen. Dazu gehören:
- häufiges Anstoßen oder Stolpern, übersehene Gegenstände an der Seite,
- ein nach innen abweichendes Auge (neues Schielen),
- Klagen über tägliche Kopfschmerzen, die auf Schmerzmittel kaum ansprechen,
- Erbrechen ohne Magen-Darm-Infekt,
- Rückzug, Reizbarkeit, Müdigkeit, nachlassende Leistungen.
Welche Besonderheiten gibt es bei Kindern?
Kinder schildern Sehstörungen selten selbst; Hinweise sind Kopfschmerzen, Erbrechen, Reizbarkeit, Leistungsknick oder ein plötzlich auftretendes Innenschielen. In einem spanischen Fallbericht hatte ein vierjähriges Kind zehn Tage lang nächtliche Stirnkopfschmerzen ohne Sehbeschwerden; die beidseitige Stauungspapille fiel erst bei der Spiegelung des Augenhintergrunds auf. Später kam ein Innenschielen hinzu, das nach der Behandlung verschwand.
Bei Säuglingen mit noch offener Fontanelle kann der Schädel nachgeben. Die Stauungspapille bleibt dann trotz Hirndruck manchmal aus oder ist schwächer. Zeichen sind hier eher eine gespannte, vorgewölbte Fontanelle, ein schnell wachsender Kopfumfang, Trinkschwäche und Erbrechen.
Vor der Pubertät sind Jungen und Mädchen gleich häufig von IIH betroffen, danach überwiegen Mädchen deutlich. Gleichzeitig ist bei Kindern eine scheinbare Schwellung durch Drusen oder eine kleine, „volle“ Papille häufiger als eine echte Stauungspapille. Mehr dazu im Abschnitt Diagnose.
Welche Besonderheiten gibt es bei älteren Menschen?
Bei Menschen über 50 ist die IIH selten; eine Papillenschwellung hat hier häufiger andere Ursachen. Dazu zählen Durchblutungsstörungen des Sehnervs, sehr hoher Blutdruck, Tumoren und eine Thrombose der Hirnvenen. Untypische Konstellationen – Männer, ältere oder schlanke Menschen – verlangen deshalb eine besonders gründliche Ursachensuche.
Bei plötzlichem Sehverlust an einem Auge, neuen Schläfenkopfschmerzen und Kauschmerzen ab etwa 50 Jahren muss außerdem rasch an eine Riesenzellarteriitis gedacht werden.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (9)
- Wie entsteht eine Stauungspapille?
- Woher kommt der erhöhte Hirndruck?
- Was ist die häufigste Ursache?
- Warum entsteht eine idiopathische intrakranielle Hypertension?
- Wer bekommt eine idiopathische intrakranielle Hypertension?
- Welche Risikofaktoren gibt es für die IIH?
- Welche Medikamente können den Hirndruck erhöhen?
- Welche ernsten Ursachen müssen ausgeschlossen werden?
- Welche Ursachen sind bei Kindern typisch?
Wie entsteht eine Stauungspapille?
Eine Stauungspapille entsteht, weil der erhöhte Druck im Schädel über das Hirnwasser in der Sehnervenscheide bis zum Augapfel weitergeleitet wird. Der Sehnerv ist von denselben Häuten umgeben wie das Gehirn, und dazwischen fließt Hirnwasser (Liquor). Steigt der Druck, staut sich am Sehnervenkopf der Transport in den Nervenfasern.
Die Fasern schwellen an, kleine Venen werden zusammengedrückt, es kommt zu Flüssigkeitsaustritt und Blutungen. Hält der Druck lange an, gehen Nervenfasern zugrunde. Die Papille wird dann blass (Optikusatrophie), und der Sehverlust bleibt.
Woher kommt der erhöhte Hirndruck?
Der Schädel ist eine feste Kapsel; der Druck steigt, wenn ihr Inhalt zunimmt oder das Hirnwasser nicht richtig abfließt. Grundsätzlich gibt es fünf Wege:
- Zu viel Inhalt: Tumor, Blutung, Hirnschwellung, Abszess, Schädel-Hirn-Trauma.
- Gestörter Abfluss des Hirnwassers innerhalb der Hirnkammern: Verschluss-Hydrozephalus, zum Beispiel durch eine Zyste oder einen Tumor.
- Gestörte Aufnahme des Hirnwassers ins Blut: Hirnhautentzündung, Thrombose der Hirnvenen, Verwachsungen der Hirnhäute nach Entzündung oder Blutung.
- Zu viel produziertes Hirnwasser: selten, zum Beispiel bei bestimmten Tumoren der Hirnkammern.
- Zu kleiner Schädel: vorzeitig verknöcherte Schädelnähte bei Kindern (Kraniosynostose).
Zur Einordnung: Ein Mensch bildet täglich etwa 500 bis 600 Milliliter Hirnwasser, während sich nur rund 160 Milliliter gleichzeitig im System befinden. Das Hirnwasser wird also mehrmals am Tag erneuert. Schon kleine Störungen beim Abfluss können den Druck deshalb steigen lassen.
Was ist die häufigste Ursache?
Die häufigste Ursache ist die idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH). „Idiopathisch“ heißt: ohne fassbare Grunderkrankung. Der Hirnwasserdruck ist erhöht, obwohl Bildgebung und Hirnwasser sonst unauffällig sind. Der alte Name „Pseudotumor cerebri“ bedeutet „scheinbarer Hirntumor“, weil die Beschwerden einem Tumor ähneln, aber keiner vorliegt.
In einer augenärztlichen Untersuchung hatten 87 % der Patientinnen und Patienten mit Stauungspapille eine IIH, 13 % eine andere Ursache. Diese Zahl gilt für Menschen, die in einer Augenklinik gesehen werden. In Notaufnahmen und neurochirurgischen Abteilungen sind Tumoren und Blutungen deutlich häufiger.
Warum entsteht eine idiopathische intrakranielle Hypertension?
Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Die wahrscheinlichste Erklärung ist ein behinderter Abfluss des venösen Blutes aus dem Kopf. Bei sehr vielen Betroffenen sind die großen Hirnvenen (Sinus transversus) verengt.
Diese Engstelle kann einen Teufelskreis anstoßen: Der erhöhte Hirnwasserdruck drückt die dünnwandigen Venen weiter zusammen, das Blut staut sich, und das Hirnwasser fließt noch schlechter ab. Diskutiert werden außerdem hormonelle und Stoffwechselfaktoren sowie ein erhöhter Druck im Bauchraum durch Bauchfett, der den Rückfluss aus dem Kopf erschweren könnte.
Wer bekommt eine idiopathische intrakranielle Hypertension?
Typisch betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter mit Übergewicht. Rund neun von zehn Betroffenen sind Frauen, das mittlere Alter bei Diagnose liegt um 29 Jahre. Etwa neun von zehn haben einen Body-Mass-Index über 30.
Die Zahlen zur Häufigkeit schwanken je nach Land und Studie:
| Gruppe | Neuerkrankungen pro 100.000 pro Jahr |
|---|---|
| Gesamtbevölkerung (USA, Großbritannien) | etwa 0,9 bis 3 |
| Normalgewichtige Frauen | etwa 1 |
| Frauen im gebärfähigen Alter | etwa 3 bis 3,5 |
| Frauen mit deutlichem Übergewicht | etwa 12 bis 20 |
Das Universitätsklinikum Freiburg nennt für bestimmte Gruppen Werte bis 28 pro 100.000. Mit der Zunahme von Übergewicht steigen die Zahlen in vielen Ländern. Für Deutschland und Österreich gibt es keine gesicherten eigenen Zahlen.
Welche Risikofaktoren gibt es für die IIH?
Der wichtigste Risikofaktor ist Übergewicht, besonders eine Gewichtszunahme in der jüngeren Vergangenheit. Schon eine Zunahme um 5 bis 15 % erhöht das Risiko für eine Erkrankung und für einen Rückfall. Weitere Faktoren, deren Zusammenhang teils nicht sicher belegt ist:
- weibliches Geschlecht nach der Pubertät,
- polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS),
- unbehandelte Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer),
- schwere Eisenmangelanämie,
- hormonelle Störungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Morbus Addison oder Cushing-Syndrom, Unterfunktion der Nebenschilddrüsen,
- Nierenschwäche, schwere Lungen- oder Rechtsherzerkrankungen,
- hormonelle Verhütung und Schwangerschaft (Zusammenhang umstritten).
Bei etwa 5 % der Betroffenen ist ein weiteres Familienmitglied erkrankt. Eine eigentliche Erbkrankheit ist die IIH aber nicht.
Welche Medikamente können den Hirndruck erhöhen?
Einige Medikamente und Stoffe können eine intrakranielle Hypertension auslösen oder begünstigen. Genannt werden in den Quellen:
- Tetrazykline (Antibiotika, etwa gegen Akne) und verwandte Wirkstoffe wie Minocyclin,
- Vitamin A in hoher Dosis und Vitamin-A-Abkömmlinge wie Isotretinoin (Aknemittel),
- Absetzen von Kortison nach längerer Einnahme,
- Wachstumshormon, vor allem bei Kindern mit Wachstumshormonmangel,
- Anabole Steroide,
- Lithium,
- die Antibiotika Nitrofurantoin und Nalidixinsäure.
Wichtig: Diese Mittel nicht eigenmächtig absetzen. Das Risiko ist insgesamt gering, und ein Wechsel wird mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt besprochen.
Welche ernsten Ursachen müssen ausgeschlossen werden?
Bevor die Diagnose IIH gestellt werden darf, müssen gefährlichere Ursachen ausgeschlossen sein. Dazu gehören:
- Hirntumor: Je nach Studie zeigen 28 % (Notaufnahme) bis 60 bis 80 % (neurochirurgische Serien) der Hirntumorpatienten eine Stauungspapille. Ihr Ausmaß sagt nichts über die Größe des Tumors.
- Hirnblutung, etwa nach einem geplatzten Aneurysma (bei etwa 16 % mit Stauungspapille).
- Schädel-Hirn-Trauma (Stauungspapille bei etwa 3,5 %).
- Hirnhaut- oder Hirnentzündung (Meningitis, Enzephalitis), bei tuberkulöser Meningitis bis zu einem Viertel.
- Hirnabszess.
- Sinusvenenthrombose: ein Blutgerinnsel in den großen Hirnvenen. Sie kann eine IIH täuschend echt nachahmen und muss immer ausgeschlossen werden.
- Verschluss-Hydrozephalus, auch durch einen verstopften Shunt bei Menschen, die bereits einen Hirnwasserableitungsschlauch haben.
- Fehlbildungen wie die Chiari-Fehlbildung oder verknöcherte Schädelnähte.
- Sehr hoher Blutdruck (hypertensive Krise, maligne Hypertonie).
- seltener Rückenmarkstumoren oder Kohlenmonoxidvergiftung.
Welche Ursachen sind bei Kindern typisch?
Bei Kindern stehen andere Ursachen im Vordergrund als bei Erwachsenen. Dazu zählen Tumoren der hinteren Schädelgrube, ein Hydrozephalus, verknöcherte Schädelnähte und Sinusvenenthrombosen. Bei vorzeitig verknöcherten Schädelnähten entwickeln 12 bis 15 % eine Stauungspapille, bei bestimmten Syndromen (Crouzon, Apert) bis zu 40 %, meist vor dem zehnten Lebensjahr.
Auch nach dem Absetzen einer Kortisonbehandlung oder unter Wachstumshormon kann bei Kindern eine IIH auftreten. Jugendliche nach der Pubertät ähneln in den Risikofaktoren eher den Erwachsenen.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (11)
- Wie wird eine Stauungspapille festgestellt?
- Was sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?
- Wie wird der Schweregrad eingeteilt?
- Welche Untersuchungen macht die Augenärztin oder der Augenarzt zusätzlich?
- Warum ist eine MRT so dringend?
- Wozu braucht man eine Lumbalpunktion?
- Wann wird die Diagnose IIH gestellt?
- Welche weiteren Untersuchungen gehören dazu?
- Was ist ein Pseudopapillenödem?
- Wie unterscheidet man Drusen von einer echten Stauungspapille?
- Welche anderen Erkrankungen sehen ähnlich aus?
Wie wird eine Stauungspapille festgestellt?
Die Stauungspapille wird bei der Spiegelung des Augenhintergrunds entdeckt; die Ursache klären danach Bildgebung des Gehirns und meist eine Lumbalpunktion. An der Diagnostik sind oft mehrere Fachrichtungen beteiligt: Augenheilkunde, Neurologie, Radiologie und bei Bedarf Neurochirurgie.
Was sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?
Bei der Untersuchung mit erweiterten Pupillen zeigt sich eine vorgewölbte, gerötete Papille mit verwaschenen Rändern. Weitere typische Befunde:
- Die natürliche Delle in der Papillenmitte (Exkavation) ist aufgehoben.
- Kleine Gefäße am Papillenrand werden von geschwollenem Gewebe verdeckt.
- Die Netzhautvenen sind gestaut und geschlängelt.
- Um die Papille liegen streifige Blutungen, die äußere Netzhaut bleibt frei.
- Manchmal weiße Flecken (Cotton-Wool-Herde), Fettablagerungen bis zu einer Sternfigur an der Makula, Falten der Netzhaut oder Aderhaut.
- Bei lange bestehender Stauung: blasse Papille, Narbengewebe und Umgehungsgefäße.
Ein hilfreiches Zeichen ist der Venenpuls: Sieht man die Venen auf der Papille pulsieren, spricht das gegen einen aktuell hohen Hirndruck. Fehlt er, beweist das allerdings nichts, denn bei 10 bis 20 % der Gesunden ist er nicht sichtbar.
Wie wird der Schweregrad eingeteilt?
Der Schweregrad wird meist nach der Frisén-Skala von 0 (normal) bis 5 (schwer) angegeben. Sie beschreibt die Gefahr für das Sehen, nicht die Größe oder Gefährlichkeit der Ursache. Auch ein großer Tumor kann eine nur leichte Schwellung machen.
| Grad | Befund vereinfacht |
|---|---|
| 0 | normale Papille |
| 1 – sehr früh | Rand zur Nase hin unscharf, keine Vorwölbung |
| 2 – früh | alle Ränder unscharf, ringförmiger Schleier um die Papille |
| 3 – mäßig | Papille vergrößert, Gefäße am Rand teilweise verdeckt |
| 4 – deutlich | ganze Papille vorgewölbt, Gefäße auf der Papille verdeckt |
| 5 – schwer | kuppelförmige Vorwölbung, zentrale Delle verschwunden |
Welche Untersuchungen macht die Augenärztin oder der Augenarzt zusätzlich?
Neben der Spiegelung gehören mehrere Messungen dazu, die auch für die Verlaufskontrolle wichtig sind:
- Sehschärfe, Farbsehen und Pupillenreaktion.
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie) am Gerät: Sie zeigt den vergrößerten blinden Fleck und Randausfälle und ist der wichtigste Wert für die Behandlungsentscheidung. Die Sehschärfe allein reicht nicht, um drohenden Sehverlust zu erkennen.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): ein berührungsfreies Schichtbild mit Licht. Es misst die Dicke der Nervenfaserschicht und zeigt, ob die Schwellung zu- oder abnimmt. Nimmt die Dicke ab, kann das Besserung oder Faserverlust bedeuten; dann hilft die Messung der Ganglienzellschicht weiter.
- Fotos der Papille zum Vergleich bei späteren Kontrollen.
- Augenultraschall (B-Bild): zeigt verkalkte Drusen und eine verbreiterte Sehnervenscheide.
- Prüfung der Augenbewegungen, oft durch Orthoptistinnen oder Orthoptisten, bei Doppelbildern.
- Gelegentlich eine Fluoreszenzangiographie (Farbstoffdarstellung der Gefäße): Bei echter Schwellung tritt Farbstoff an der Papille aus.
Warum ist eine MRT so dringend?
Die Bildgebung des Gehirns muss rasch erfolgen, weil sie gefährliche Ursachen wie Tumor, Blutung, Hydrozephalus oder Sinusvenenthrombose nachweist oder ausschließt. Bevorzugt wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) mit Kontrastmittel und einer Darstellung der Hirnvenen (MR-Venographie). Steht sie nicht sofort zur Verfügung, ist eine Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel und CT-Venographie eine Alternative.
Bei der IIH ist die MRT bis auf indirekte Druckzeichen normal. Solche Zeichen sind:
- eine flach gedrückte Hirnanhangsdrüse in ihrer knöchernen Mulde, sodass diese „leer“ wirkt (leere Sella),
- erweiterte, mit Hirnwasser gefüllte Sehnervenscheiden,
- ein geschlängelt verlaufender Sehnerv,
- eine abgeflachte Rückwand des Augapfels,
- verengte Hirnvenen (Stenose des Sinus transversus).
Wozu braucht man eine Lumbalpunktion?
Die Lumbalpunktion ist die einzige Untersuchung, die einen erhöhten Hirnwasserdruck sicher bestätigt. Dabei wird im Liegen auf der Seite eine dünne Nadel im unteren Rücken zwischen zwei Wirbeln in den Hirnwasserraum eingeführt. Man misst den Eröffnungsdruck und untersucht das Hirnwasser auf Entzündungszellen, Eiweiß, Zucker und Erreger.
Als erhöht gilt bei Erwachsenen ein Druck ab 25 Zentimeter Wassersäule (250 mm H2O), bei Kindern ab 28 Zentimeter. Werte knapp darunter schließen eine IIH nicht sicher aus, denn der Druck schwankt.
Wichtig: Die Lumbalpunktion erfolgt erst nach der Bildgebung. Liegt ein Tumor oder eine andere Raumforderung vor, könnte die Druckentlastung von unten Hirngewebe in Richtung Wirbelkanal verschieben (Einklemmung) – das ist lebensgefährlich.
Wann wird die Diagnose IIH gestellt?
Die IIH ist eine Ausschlussdiagnose; sie wird nach den sogenannten modifizierten Dandy-Kriterien gestellt. Erfüllt sein müssen:
- Stauungspapille,
- normaler neurologischer Befund, abgesehen von Hirnnervenstörungen wie der Abduzenslähmung,
- MRT ohne Tumor, Hydrozephalus, Gefäß- oder Strukturveränderung,
- normale Zusammensetzung des Hirnwassers,
- erhöhter Eröffnungsdruck bei der Lumbalpunktion.
Eine IIH ist auch ohne Stauungspapille möglich. Dann verlangen die Kriterien zusätzlich eine Abduzenslähmung oder typische Zeichen in der MRT, und zwar mindestens drei von vier: leere Sella, abgeflachte Rückwand des Augapfels, erweiterte Sehnervenscheiden und verengte Hirnvenen.
Welche weiteren Untersuchungen gehören dazu?
Zur Ursachensuche gehören auch einfache Untersuchungen:
- Blutdruckmessung: Ein sehr hoher Blutdruck kann eine Papillenschwellung verursachen und ist ein Notfall.
- Blutuntersuchungen: Blutbild (Anämie), Entzündungswerte, Hormone, Nierenwerte, je nach Fall Erreger wie Syphilis oder Toxoplasmose.
- Medikamentenliste: alle Mittel der letzten Monate, auch Aknemittel, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel.
- Bei Verdacht Schlafapnoe-Diagnostik.
Was ist ein Pseudopapillenödem?
Ein Pseudopapillenödem ist eine Papille, die geschwollen aussieht, ohne es zu sein – und ohne erhöhten Hirndruck. Es ist harmlos, wird aber oft mit einer Stauungspapille verwechselt. Die häufigsten Ursachen:
- Drusenpapille: Ablagerungen aus Eiweiß, Kalk und anderen Stoffen im Sehnervenkopf. Sie kommen bei etwa 0,4 % der Kinder und bis zu 2 % der Bevölkerung vor, zu rund drei Vierteln an beiden Augen, und werden oft vererbt. Bei Kindern liegen sie meist tief („vergraben“) und werden erst mit dem Alter sichtbar.
- kleine, „volle“ Papille bei Weitsichtigkeit,
- schräg eintretender Sehnerv bei Kurzsichtigkeit,
- markhaltige Nervenfasern und andere angeborene Varianten.
Bei Kindern ist die Verwechslung besonders häufig: In einer Serie hatten etwa drei Viertel der Kinder, die wegen einer vermuteten Stauungspapille überwiesen wurden, tatsächlich ein Pseudopapillenödem.
Wie unterscheidet man Drusen von einer echten Stauungspapille?
Am besten gelingt die Unterscheidung mit Augenultraschall, OCT und Autofluoreszenz; die Spiegelung allein reicht oft nicht. Typische Unterschiede:
| Merkmal | Drusenpapille | Stauungspapille |
|---|---|---|
| Vorwölbung | auf die Papille begrenzt, höckeriger Rand | reicht in die umgebende Netzhaut |
| Gefäße am Rand | gut sichtbar, oft ungewöhnlich verzweigt | teilweise verdeckt |
| Farbe | eher gelblich-blass | gerötet |
| Blutungen, gestaute Venen | selten | häufig |
| Venenpuls | meist sichtbar | meist fehlend |
| Ultraschall | helle, verkalkte Herde mit Schallschatten | keine Verkalkung, verbreiterte Sehnervenscheide |
| OCT | rundliche Einschlüsse, gut sichtbar in EDI-OCT | glatte, gleichmäßige Verdickung |
| Kopfschmerz | nicht typisch | häufig |
Spanische Kinderärztinnen und -ärzte empfehlen, in nicht dringenden Fällen zuerst einen Augenultraschall zu machen. Sie berichten von einem sechsjährigen Mädchen, bei dem Drusen fälschlich als IIH behandelt wurden; erst der Ultraschall klärte den Befund. Umgekehrt gilt: Drusen schließen einen Hirndruck nicht aus. Bleibt der Befund unklar, folgen Überweisung zu einer neuroophthalmologischen Sprechstunde und gegebenenfalls MRT.
Welche anderen Erkrankungen sehen ähnlich aus?
Eine geschwollene Papille ohne Hirndruck kann viele Ursachen haben. Abgegrenzt werden müssen unter anderem:
- Sehnerventzündung (Optikusneuritis) mit Augenschmerz bei Bewegung und früher Sehminderung,
- Durchblutungsstörung des Sehnervs (ischämische Optikusneuropathie), meist einseitig und plötzlich,
- Venenverschluss der Netzhaut,
- Netzhautschaden durch Bluthochdruck bei sehr hohem Blutdruck,
- Uveitis und hintere Skleritis,
- sehr niedriger Augeninnendruck (5 mmHg oder weniger), etwa nach Operationen,
- Lebersche hereditäre Optikusneuropathie,
- Tumoren oder Infiltrationen des Sehnervs, Schilddrüsen-Augenerkrankung, Leukämie,
- Vergiftungen, etwa mit Methanol, oder Nebenwirkungen von Ethambutol.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (14)
- Wie wird eine Stauungspapille behandelt?
- Wie wird bei einer bekannten Ursache behandelt?
- Wie wird die idiopathische intrakranielle Hypertension behandelt?
- Wie viel muss ich abnehmen?
- Welche Medikamente helfen?
- Welche Nebenwirkungen hat Acetazolamid?
- Gibt es Alternativen zu Acetazolamid?
- Wie werden die Kopfschmerzen behandelt?
- Werden wiederholte Lumbalpunktionen zur Behandlung eingesetzt?
- Wann ist eine Operation nötig?
- Wie erfolgreich und riskant sind die Operationen?
- Was passiert bei einer fulminanten IIH?
- Wie wird eine Drusenpapille behandelt?
- Wie oft sind Kontrollen nötig?
Wie wird eine Stauungspapille behandelt?
Behandelt wird nicht die Papille, sondern die Ursache des erhöhten Hirndrucks – und zwar dringend. Ziel ist, das Sehen zu erhalten und die Beschwerden zu lindern. Sinkt der Druck, bildet sich die Schwellung in der Regel zurück.
Wie wird bei einer bekannten Ursache behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung:
| Ursache | Behandlung |
|---|---|
| Hirntumor | Kortison gegen die Schwellung, Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie |
| Bakterielle Hirnhautentzündung | Antibiotika, meist stationär |
| Hirnabszess | Entlastung oder Entfernung plus Antibiotika |
| Hydrozephalus | Ableitung des Hirnwassers (Shunt, endoskopische Operation) |
| Sinusvenenthrombose | Blutverdünnung; drucksenkende Medikamente erst nach deren Beginn |
| Sehr hoher Blutdruck | kontrollierte Blutdrucksenkung in der Klinik |
| Auslösende Medikamente | nach ärztlicher Rücksprache absetzen oder wechseln |
Wie wird die idiopathische intrakranielle Hypertension behandelt?
Die IIH wird stufenweise behandelt: Gewichtsabnahme ist die Grundlage, dazu kommen Medikamente und nur bei Bedarf eine Operation. Die deutsche S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie empfiehlt eine individuelle Behandlung, die sich danach richtet, wie stark Sehen und Papille betroffen sind. Die Leitlinie stammt von 2019; ob eine neuere Fassung gilt, klärt die behandelnde Neurologin oder der behandelnde Neurologe.
Wie viel muss ich abnehmen?
Bei Übergewicht ist die Gewichtsabnahme die wichtigste Einzelmaßnahme; oft genügen schon etwa 5 bis 10 % des Körpergewichts. Britische Kliniken nennen 10 bis 15 % als Ziel; Studien deuten darauf hin, dass eine Abnahme um etwa 15 % die Stauungspapille zurückbilden und das Sehen erhalten kann. Eine mexikanische Übersicht empfiehlt ein maßvolles Tempo von etwa einem halben Kilogramm pro Woche.
Die Abnahme muss dauerhaft sein. Eine erneute Gewichtszunahme ist der häufigste Grund für einen Rückfall. Hilfreich sind:
- eine strukturierte Ernährungsberatung oder ein Abnehmprogramm,
- salzarme Kost,
- Bewegung im Alltag,
- die Behandlung einer Schlafapnoe,
- Rauchstopp.
Gelingt die Abnahme anders nicht, kann bei starkem Übergewicht eine Adipositaschirurgie (Magenverkleinerung) sinnvoll sein; die deutsche Leitlinie nennt sie ausdrücklich als Möglichkeit. Im britischen Gesundheitsdienst wird sie ab einem BMI über 35 erwogen. Auch moderne Abnehmmedikamente werden in der Fachliteratur als Möglichkeit genannt.
Welche Medikamente helfen?
Das Mittel der ersten Wahl ist Acetazolamid, ein Wirkstoff, der die Bildung von Hirnwasser verringert. Die Dosis wird langsam gesteigert; sie legt allein die Ärztin oder der Arzt fest. In Studien wurden Tagesdosen bis 4 Gramm eingesetzt.
Die wichtigste Studie dazu ist der amerikanische IIH Treatment Trial mit 165 Patientinnen und Patienten mit leichtem Sehverlust. Alle erhielten eine salzarme Diät und ein Abnehmprogramm, die Hälfte zusätzlich Acetazolamid. Nach sechs Monaten zeigte die Acetazolamid-Gruppe:
- ein etwas besseres Gesichtsfeld,
- eine stärkere Rückbildung der Stauungspapille,
- eine bessere Lebensqualität,
- einen größeren Gewichtsverlust (7,5 statt 3,45 Kilogramm).
Die Kopfschmerzen besserten sich nicht stärker als ohne das Medikament. Fachleute ordnen die Effekte bei überwiegend leichten Fällen als eher gering ein; eine Cochrane-Übersicht sieht weiteren Forschungsbedarf.
Welche Nebenwirkungen hat Acetazolamid?
Die häufigste Nebenwirkung ist ein Kribbeln in Fingern, Zehen und um den Mund. Weitere mögliche Nebenwirkungen:
- veränderter Geschmack, besonders bei kohlensäurehaltigen Getränken,
- Übelkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit,
- Müdigkeit, gedrückte Stimmung,
- Ohrgeräusche,
- selten Nierensteine oder Veränderungen der Blutsalze.
In der amerikanischen Studie brach etwa jede fünfte Person die Behandlung wegen Übelkeit ab. Ein langsamer Dosisaufbau hilft vielen. Wer Nebenwirkungen bemerkt, sollte sie besprechen und das Mittel nicht einfach weglassen.
Gibt es Alternativen zu Acetazolamid?
Ja. Wird Acetazolamid nicht vertragen oder reicht es nicht, kommen weitere Mittel infrage:
- Topiramat: senkt ebenfalls den Druck, hilft gegen Kopfschmerz und unterstützt das Abnehmen. Es kann Kribbeln, Konzentrationsstörungen und Stimmungsschwankungen verursachen, die Wirkung der Pille abschwächen und darf in der Schwangerschaft nicht genommen werden. Für Frauen, die schwanger werden können, gelten deshalb strenge Auflagen.
- Furosemid oder andere entwässernde Mittel: als Ergänzung.
- Kortison: bei der IIH nicht als Dauerbehandlung, da es das Gewicht erhöht und nach dem Absetzen den Druck steigen lassen kann. Allenfalls kurz zur Überbrückung bei sehr schwerem Verlauf.
Wie werden die Kopfschmerzen behandelt?
Kopfschmerzen bei IIH werden mit üblichen Schmerzmitteln und bei Bedarf wie Migräne behandelt, aber sparsam. Schmerzmittel an zu vielen Tagen können selbst Dauerkopfschmerzen auslösen (Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch). Britische Kliniken raten, sie höchstens an etwa zehn Tagen im Monat zu nehmen und starke Opioide zu meiden.
Kopfschmerzen bleiben bei vielen auch dann, wenn der Druck wieder normal ist. Dann hilft eine vorbeugende Migränebehandlung durch die Neurologie.
Werden wiederholte Lumbalpunktionen zur Behandlung eingesetzt?
Nein, als Dauerbehandlung nicht mehr. Der Druck steigt nach Stunden wieder an, und die Punktionen belasten. Sie werden höchstens kurzfristig eingesetzt, um bei drohender Erblindung Zeit bis zu einer Operation zu gewinnen.
Wann ist eine Operation nötig?
Operiert wird, wenn das Sehen trotz Medikamenten schlechter wird oder die IIH so rasch verläuft, dass keine Zeit bleibt. Die Entscheidung trifft ein Team aus Augenheilkunde, Neurologie, Neurochirurgie und Neuroradiologie. Drei Verfahren stehen zur Wahl:
| Verfahren | Wie es wirkt | Wofür eher geeignet |
|---|---|---|
| Fensterung der Sehnervenscheide | kleiner Schnitt in die Hülle des Sehnervs hinter dem Auge, das Hirnwasser kann abfließen | vor allem Sehverlust ohne starke Kopfschmerzen |
| Shunt (ventrikulo- oder lumboperitoneal) | dünner Schlauch leitet Hirnwasser in den Bauchraum | Sehverlust mit starken Kopfschmerzen |
| Stent in der Hirnvene | Gefäßstütze weitet eine verengte Hirnvene | nachgewiesene Engstelle mit deutlichem Druckunterschied |
Wie erfolgreich und riskant sind die Operationen?
Alle drei Verfahren können das Sehen stabilisieren, haben aber eigene Risiken. Zusammengefasste Daten aus einer Übersichtsarbeit:
- Fensterung der Sehnervenscheide: Rückgang der Stauungspapille bei etwa 90 %, besseres Sehen bei etwa einem Drittel, weniger Kopfschmerz bei etwa 70 %. Komplikationen je nach Studie 5 bis 45 %, ein Sehverlust durch den Eingriff bei 1 bis 2 %. Bei schon lange bestehender Schwellung wirkt sie weniger gut.
- Shunt: Häufig sind Fehlfunktionen, Verstopfung, Abknicken, Infektionen oder zu starke Ableitung. Bei 41 bis 63 % war eine Nachoperation nötig.
- Stent in der Hirnvene: In zusammengefassten Serien Besserung von Sehen, Kopfschmerz und Stauungspapille bei 87 bis 97 %. Danach sind mindestens drei Monate lang zwei blutplättchenhemmende Medikamente nötig.
Deutsche Quellen nennen keine eigenen Erfolgszahlen. Interdisziplinäre Sprechstunden für IIH gibt es an mehreren Universitätskliniken, etwa in Freiburg und Magdeburg.
Was passiert bei einer fulminanten IIH?
Bei der fulminanten IIH droht innerhalb von Tagen bis Wochen die Erblindung; sie wird stationär und mit hoher Dringlichkeit behandelt. Dazu gehören eine rasche MRT und Lumbalpunktion, hoch dosiertes Acetazolamid, gegebenenfalls kurzzeitig Kortison in die Vene und eine Ableitung von Hirnwasser über einen Katheter im Rücken. Meist folgt zügig eine Operation.
Wie wird eine Drusenpapille behandelt?
Eine Drusenpapille braucht keine drucksenkende Behandlung. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen von Gesichtsfeld und OCT, weil Drusen über Jahre langsam Randausfälle verursachen können. Eine Behandlung dagegen gibt es bisher nicht.
Wie oft sind Kontrollen nötig?
Die Abstände richten sich nach dem Schweregrad – anfangs oft alle paar Wochen, bei Besserung seltener. Kontrolliert werden Sehschärfe, Gesichtsfeld, OCT und Papillenfotos.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (10)
- Geht eine Stauungspapille wieder weg?
- Kann ich durch eine Stauungspapille erblinden?
- Was verschlechtert die Prognose?
- Wie geht es mit den Kopfschmerzen weiter?
- Kann die IIH wiederkommen?
- Muss ich die Tabletten für immer nehmen?
- Wie verläuft eine Stauungspapille bei Tumor, Blutung oder Thrombose?
- Wie verläuft eine Drusenpapille?
- Schwangerschaft mit IIH: Was ist zu beachten?
- Darf ich mit einer Stauungspapille Auto fahren?
Geht eine Stauungspapille wieder weg?
Ja, wenn der Hirndruck dauerhaft sinkt, bildet sich die Schwellung in den meisten Fällen zurück. Das dauert allerdings: Eine voll ausgeprägte Stauungspapille braucht nach der Drucksenkung etwa anderthalb bis zweieinhalb Monate, bei der IIH oft Monate bis Jahre. Bei etwa 15 % bleibt eine gewisse Schwellung bestehen.
Kann ich durch eine Stauungspapille erblinden?
Ja, das ist die wichtigste Gefahr, doch mit rechtzeitiger Behandlung erblinden die meisten Betroffenen nicht. Bleibt der Druck zu lange erhöht, gehen Nervenfasern zugrunde. Der Sehnerv wird blass (Optikusatrophie), das Gesichtsfeld engt sich ein, und zuletzt sinkt die Sehschärfe.
Die Zahlen schwanken stark je nach Studie und Zeitpunkt:
- Ohne Behandlung kommt es bei etwa 25 bis 50 % zu einem bleibenden Sehverlust.
- Bei der IIH verlieren bis zu einem Drittel der Betroffenen an einem oder beiden Augen teilweise Sehkraft.
- Britische Daten nennen eine Erblindungsrate von 1 bis 2 % pro Jahr bei neu erkrankten IIH-Patientinnen und -Patienten.
- In einer älteren Serie erblindeten von 13 Betroffenen mit zusätzlichem Bluthochdruck acht – Bluthochdruck verschlechtert die Aussichten deutlich.
Verlorenes Sehen kommt in der Regel nicht zurück, auch wenn der Druck später sinkt. Deshalb sind frühe Erkennung und regelmäßige Kontrollen so wichtig.
Was verschlechtert die Prognose?
Ungünstig sind ein rascher Beginn, schon schlechtes Sehen bei der Diagnose und ein hoher Schweregrad der Schwellung. Weitere Faktoren:
- Bluthochdruck,
- Blutarmut (Anämie),
- unbehandelte Schlafapnoe,
- erneute Gewichtszunahme,
- fulminanter Verlauf,
- verzögerte Diagnose, etwa wenn Kopfschmerzen lange als Migräne gedeutet werden.
Wie geht es mit den Kopfschmerzen weiter?
Die Kopfschmerzen sind oft hartnäckiger als die Sehprobleme. Bei vielen bleiben sie, auch wenn der Druck wieder normal ist. In einer Arbeit hatte etwa ein Viertel der Betroffenen trotz Medikamenten weiter sehr belastende Kopfschmerzen und eine Sehverschlechterung. Solche Kopfschmerzen werden dann eigenständig, oft wie eine Migräne, behandelt.
Kann die IIH wiederkommen?
Ja, bei etwa 10 bis 20 % kehrt die IIH nach einer Besserung zurück, auch noch nach Jahren. Der häufigste Auslöser ist eine erneute Gewichtszunahme. Rückfälle zeigen sich oft zuerst durch wiederkehrende Kopfschmerzen, Ohrgeräusche oder kurze Sehausfälle.
Muss ich die Tabletten für immer nehmen?
Meist nicht. Die meisten Betroffenen können Acetazolamid nach einiger Zeit, oft nach einigen Jahren, unter ärztlicher Kontrolle ausschleichen, wenn Papille und Gesichtsfeld stabil sind. Eine IIH kann auch von selbst abklingen, und mit dauerhafter Gewichtsabnahme oder nach einer Operation heilt sie oft aus.
Wie verläuft eine Stauungspapille bei Tumor, Blutung oder Thrombose?
Bei anderen Ursachen hängt der Verlauf vor allem von der Grunderkrankung ab. Wird ein Tumor entfernt, eine Entzündung geheilt oder eine Thrombose behandelt, bildet sich die Schwellung meist zurück. Bei Sinusvenenthrombosen kann die Papillenschwellung trotz Behandlung zunächst weiter zunehmen; in einer Untersuchung war das bei gut einem Fünftel der Fall. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen gehören deshalb auch hier dazu.
Wie verläuft eine Drusenpapille?
Die Aussichten bei Drusen sind meist gut, doch langsam fortschreitende Gesichtsfeldausfälle sind häufig. Sie beginnen oft im zweiten Lebensjahrzehnt und bleiben meist lange unbemerkt. Selten kommt es zu Blutungen an der Papille, Gefäßneubildungen unter der Netzhaut, Venenverschlüssen oder einer Durchblutungsstörung des Sehnervs schon vor dem 50. Lebensjahr.
Schwangerschaft mit IIH: Was ist zu beachten?
Eine Schwangerschaft ist mit IIH möglich, sollte aber geplant werden. Der Verlauf ist unterschiedlich: Bei manchen bessern sich die Beschwerden, bei anderen verschlechtern sie sich, häufig auch nach der Geburt. Acetazolamid soll besonders in den ersten zwölf Wochen gemieden werden, Topiramat ist in der Schwangerschaft nicht erlaubt. Deshalb die Neurologin oder den Neurologen schon vor einer geplanten Schwangerschaft informieren.
Darf ich mit einer Stauungspapille Auto fahren?
Das hängt vom Gesichtsfeld und der Sehschärfe ab. Für das Autofahren gelten in Deutschland und Österreich Mindestanforderungen an beide Werte; die zuständige Augenärztin oder der zuständige Augenarzt kann anhand der Messung sagen, ob sie erfüllt sind. Nach dem Erweitern der Pupillen für die Untersuchung darf man einige Stunden nicht selbst fahren.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (6)
Kann man einer Stauungspapille vorbeugen?
Einer Stauungspapille durch Tumor, Blutung oder Entzündung lässt sich nicht gezielt vorbeugen; das Risiko für die häufigste Ursache, die IIH, lässt sich aber senken. Der wichtigste Ansatzpunkt ist ein gesundes Körpergewicht. Schon eine Gewichtszunahme um 5 bis 15 % erhöht das Risiko messbar.
Was kann ich nach einer IIH selbst tun?
Nach einer IIH entscheidet vor allem die eigene Mitarbeit darüber, ob die Erkrankung ruhig bleibt. Bewährt haben sich:
- Gewicht dauerhaft halten oder weiter senken; auch kleine Zunahmen ernst nehmen.
- Salzarm essen.
- Medikamente konsequent nehmen, Nebenwirkungen besprechen statt eigenmächtig absetzen.
- Schmerzmittel sparsam verwenden, höchstens an etwa zehn Tagen im Monat.
- Schlafapnoe abklären lassen, wenn Schnarchen, Atemaussetzer oder starke Tagesmüdigkeit auftreten.
- Nicht rauchen.
- Kontrolltermine einhalten, auch wenn es Ihnen gut geht.
Auf welche Medikamente sollte ich achten?
Wer schon einmal eine IIH hatte, sollte jede neue Verordnung auf mögliche Auslöser prüfen lassen. Dazu zählen Tetrazykline, Isotretinoin und hoch dosiertes Vitamin A, Wachstumshormon, anabole Steroide und Lithium. Auch das plötzliche Absetzen einer längeren Kortisonbehandlung kann den Druck steigen lassen. Weisen Sie Ärztinnen, Ärzte und Apotheken auf Ihre Vorgeschichte hin.
Welche Warnzeichen sollte ich selbst beobachten?
Melden Sie sich zeitnah, wenn alte Beschwerden zurückkehren oder neue auftreten. Dazu gehören:
- wieder häufiger Kopfschmerzen,
- erneutes Rauschen im Ohr im Pulstakt,
- kurze Sehausfälle,
- Doppelbilder,
- Anstoßen an Gegenstände,
- Verschwommensehen.
Ein einfacher Selbsttest: Decken Sie abwechselnd ein Auge ab und achten Sie darauf, ob Bereiche am Rand oder in der Mitte dunkler, verschwommen oder verzerrt wirken. Ein solcher Test ersetzt keine Gesichtsfeldmessung, kann aber auf Veränderungen aufmerksam machen.
Wie oft sollte man zur Kontrolle?
Die Abstände legt die behandelnde Augenärztin oder der behandelnde Augenarzt fest. Bei aktiver Erkrankung sind Kontrollen oft alle paar Wochen nötig, später mehrmals im Jahr, nach Abheilung seltener. Bei einer Drusenpapille reicht meist eine jährliche Kontrolle mit Gesichtsfeld und OCT.
Sollten Kinder untersucht werden?
Kinder mit anhaltenden, ungewöhnlichen Kopfschmerzen sollten einmal am Augenhintergrund untersucht werden. Das ist schmerzfrei und kann eine Stauungspapille früh aufdecken. Frühe Erkennung gilt bei Kindern mit IIH als wichtigster Schutz vor bleibenden Sehschäden.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (4)
Wann muss ich sofort in die Notaufnahme?
Sofort – über den Notruf 112, in Österreich auch 144 – bei einem der folgenden Zeichen, besonders zusammen mit Kopfschmerz oder einer bekannten Stauungspapille:
- plötzlicher Sehverlust oder rasch abnehmendes Sehen, auch an nur einem Auge,
- plötzlich zentral schlechtes Sehen,
- stärkster, schlagartig einsetzender Kopfschmerz,
- Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteife,
- Verwirrtheit, zunehmende Schläfrigkeit, Bewusstseinsstörung,
- Lähmungen, Sprachstörungen oder ein Krampfanfall,
- wiederholtes Erbrechen mit Kopfschmerz,
- sehr hoher Blutdruck mit Kopfschmerz oder Sehstörung,
- bei Kindern: vorgewölbte Fontanelle, Teilnahmslosigkeit, anhaltendes Erbrechen.
Mehr zu allgemeinen Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
Wann sollte ich innerhalb von ein bis zwei Tagen zum Arzt?
Eine neu entdeckte Stauungspapille gilt als möglicher Notfall, bis die Ursache geklärt ist. Wird sie bei einer Routineuntersuchung gefunden, sollte noch am selben oder nächsten Tag eine Bildgebung des Gehirns erfolgen. Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie außerdem:
- neue, fast tägliche Kopfschmerzen, vor allem morgens oder im Liegen stärker,
- wiederkehrende sekundenlange Sehausfälle,
- neu aufgetretene Doppelbilder oder neues Schielen,
- ein pulssynchrones Rauschen im Ohr,
- bemerkte Ausfälle am Rand des Gesichtsfelds.
Was ist bei bekannter IIH dringend?
Wer bereits wegen einer IIH behandelt wird, sollte sich bei jeder Verschlechterung des Sehens umgehend in der betreuenden Klinik melden, nicht erst beim nächsten Routinetermin. Eine rasche Verschlechterung unter Medikamenten kann eine Operation nötig machen.
Wann reicht ein normaler Termin?
Ist eine Drusenpapille oder ein anderes Pseudopapillenödem sicher festgestellt und bestehen keine Hirndruckzeichen, genügen geplante Kontrollen. Treten aber neue Kopfschmerzen, Sehausfälle oder Doppelbilder hinzu, gilt wieder das oben Gesagte: Drusen schließen einen Hirndruck nicht aus.
9 Häufige Fragen
Was ist eine Stauungspapille einfach erklärt?
Eine Stauungspapille ist eine Schwellung des Sehnervenkopfes im Auge, die durch erhöhten Druck im Schädel entsteht. Die Augenärztin oder der Augenarzt sieht sie bei der Spiegelung des Augenhintergrunds. Sie ist ein Warnzeichen, dessen Ursache im Kopf gesucht werden muss.
Ist eine Stauungspapille gefährlich?
Ja, sie muss ernst genommen werden. Dahinter kann eine harmlose Ursache stecken, aber auch ein Hirntumor, eine Blutung oder eine Thrombose der Hirnvenen. Zudem kann ein lange erhöhter Druck den Sehnerv bleibend schädigen. Mit rascher Abklärung und Behandlung ist die Prognose meist gut.
Habe ich einen Hirntumor, wenn ich eine Stauungspapille habe?
Nicht unbedingt. Die häufigste Ursache ist die idiopathische intrakranielle Hypertension, bei der kein Tumor vorliegt. Ein Tumor muss aber ausgeschlossen werden. Das geschieht mit einer MRT des Kopfes.
Kann man eine Stauungspapille selbst bemerken?
Oft nicht. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat anfangs keine Beschwerden, und die Sehschärfe bleibt lange normal. Hinweise sind Kopfschmerzen, sekundenlanges Schwarzwerden vor den Augen, Doppelbilder und ein Rauschen im Ohr im Takt des Herzschlags.
Warum wird mir beim Aufstehen kurz schwarz vor Augen?
Bei einer Stauungspapille sind sekundenlange Sehausfälle beim Aufstehen, Bücken oder Pressen typisch. Sie entstehen durch eine kurze Minderdurchblutung des geschwollenen Sehnervenkopfes. Kurzes Schwarzwerden beim Aufstehen kommt aber auch bei niedrigem Blutdruck vor. Treten zusätzlich Kopfschmerzen oder Ohrgeräusche auf, sollten Sie den Augenhintergrund untersuchen lassen.
Was ist der Unterschied zwischen Stauungspapille und Papillenödem?
Papillenödem ist der Oberbegriff für jede Schwellung des Sehnervenkopfes. Stauungspapille heißt sie nur, wenn ein erhöhter Hirndruck die Ursache ist. Im Alltag werden beide Begriffe oft gleich verwendet.
Ist die Lumbalpunktion schmerzhaft oder gefährlich?
Die Lumbalpunktion erfolgt meist mit örtlicher Betäubung und ist für die meisten gut auszuhalten. Danach können für einige Tage Kopfschmerzen auftreten. Gefährlich wäre sie nur bei einem Tumor oder einer anderen Raumforderung im Kopf. Deshalb wird sie immer erst nach einer Bildgebung des Gehirns gemacht.
Wie viel muss ich bei IIH abnehmen?
Bei Übergewicht genügen oft schon 5 bis 10 % des Körpergewichts, britische Fachleute nennen 10 bis 15 % als Ziel. Wichtig ist, das Gewicht danach zu halten, denn eine erneute Zunahme ist die häufigste Ursache für einen Rückfall.
Wie lange dauert es, bis eine Stauungspapille zurückgeht?
Nach einer Drucksenkung braucht eine ausgeprägte Schwellung etwa anderthalb bis zweieinhalb Monate. Bei der IIH kann es Monate bis Jahre dauern, bis die Papille wieder normal aussieht. Bei etwa 15 % bleibt eine leichte Schwellung bestehen.
Kann eine Stauungspapille harmlos sein?
Eine echte Stauungspapille ist nie harmlos, weil sie auf Hirndruck hinweist. Manchmal sieht eine Papille aber nur geschwollen aus, etwa durch Drusen oder bei Weitsichtigkeit. Dieses Pseudopapillenödem ist harmlos und besonders bei Kindern häufig. Augenultraschall und OCT helfen bei der Unterscheidung.
Kann ich mit IIH schwanger werden?
Ja. Die Schwangerschaft sollte aber mit der Neurologin oder dem Neurologen geplant werden, weil Acetazolamid besonders in den ersten zwölf Wochen gemieden und Topiramat nicht genommen werden soll. Die Beschwerden können sich in der Schwangerschaft und nach der Geburt ändern.
Kommt die IIH nach der Behandlung zurück?
Bei etwa 10 bis 20 % kehrt sie zurück, auch nach Jahren. Häufigster Auslöser ist eine erneute Gewichtszunahme. Achten Sie auf wiederkehrende Kopfschmerzen, Ohrgeräusche oder kurze Sehausfälle und halten Sie die Kontrolltermine ein.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 23 Quellen anzeigen
- Stauungspapille – MSD Manual Profi-Ausgabe – MSD Manual (DE)
- Stauungspapille – MSD Manual Ausgabe für Patienten – MSD Manual (DE)
- Neue Leitlinie zur idiopathischen intrakraniellen Hypertension (DGN-S1-Leitlinie 2019) – Deutsches Ärzteblatt (DE)
- Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH) – Universitätsklinikum Freiburg, CSF-Center (DE)
- Pseudotumor cerebri: Acetazolamid-Studie (IIHTT), Pressemitteilung der DGN – idw Informationsdienst Wissenschaft (DE)
- Pseudotumor cerebri bei Kindern und Jugendlichen am Universitätsklinikum des Saarlandes – Springer Medizin (DE)
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- Papilledema: epidemiology, etiology, and clinical management (Rigi et al., 2015) – Eye and Brain, Dove Medical Press (EN)
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- Idiopathic intracranial hypertension (IIH) – Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust (EN)
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- Œdème papillaire (version professionnelle) – Manuel MSD (FR)
- Hypertension endocrânienne idiopathique (version professionnelle) – Manuel MSD (FR)
- Hypertension intracrânienne idiopathique (version grand public) – Manuel MSD (FR)
- Œdème papillaire bilatéral secondaire à une hypertension intracrânienne chez une adolescente – Pan African Medical Journal (FR)
- Edema de papila (versión profesional) – Manual MSD (ES)
- Hipertensión intracraneal idiopática (versión para el público general) – Manual MSD (ES)
- Hipertensión intracraneal idiopática (Buelna-Cano, Moreno-Ulloa) – Medicina Interna de México 2015;31:761-767 (ES)
- Sí, la hipertensión intracraneal idiopática también existe – AEPap, caso clínico (ES)
- El papiledema infantil no siempre es hipertensión intracraneal – Revista Pediatría de Atención Primaria 2023 (ES)
- Papiledema – Diccionario médico – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Papel de la OCT en el diagnóstico diferencial entre drusas ocultas del nervio óptico y papiledema (Rebolleda, Muñoz-Negrete) – Archivos de la Sociedad Española de Oftalmología 2016 (ES)
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