Zum Inhalt springen
augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Allgemeinerkrankungen und Auge

Horner-Syndrom (okulosympathische Störung)

Beim Horner-Syndrom ist der Sympathikus-Nerv zum Auge auf einer Seite gestört: Die Pupille ist enger, das Oberlid hängt leicht, und die Gesichtshälfte schwitzt oft weniger. Das Syndrom selbst schadet dem Sehen kaum, aber es ist ein Warnzeichen: Dahinter kann ein Einriss der Halsschlagader, ein Schlaganfall oder ein Tumor stecken. Tritt es plötzlich mit Kopf- oder Halsschmerzen auf, ist es ein Notfall.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 34 Minuten · 21 Quellen in 4 Sprachen

Dringend: Ein neues Horner-Syndrom innerhalb weniger Tage abklären lassen; mit Kopf-, Hals- oder Gesichtsschmerz, Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen sofort Notruf 112 (Österreich 144). Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (6)

Was ist das Horner-Syndrom?

Das Horner-Syndrom ist keine eigene Krankheit, sondern eine Kombination von Zeichen am Auge und im Gesicht, die eine Störung des Sympathikus anzeigt. Der Sympathikus ist der Teil des unwillkürlichen (vegetativen) Nervensystems, der den Körper auf Aktivität einstellt. Am Auge erweitert er die Pupille, hält das Oberlid ein wenig offen und steuert das Schwitzen im Gesicht. Fällt diese Nervenbahn auf einer Seite aus, entstehen die typischen Zeichen auf genau dieser Seite.

Woran erkennt man ein Horner-Syndrom?

Die drei klassischen Zeichen sind eine enge Pupille, ein leicht hängendes Oberlid und weniger Schweiß auf derselben Gesichtshälfte. Fachleute sprechen von Miosis (enge Pupille), Ptosis (hängendes Lid) und Anhidrose (fehlendes Schwitzen). Das Auge wirkt dadurch oft kleiner und etwas eingesunken. Nicht alle drei Zeichen müssen vorhanden sein; welche auftreten, hängt davon ab, wo die Nervenbahn geschädigt ist.

Warum ist das Horner-Syndrom wichtig, obwohl es kaum stört?

Das Horner-Syndrom ist vor allem ein Hinweis auf eine Ursache, die gefunden werden muss. Die Nervenbahn läuft vom Gehirn durch das Rückenmark, über die Lungenspitze und entlang der Halsschlagader zurück zum Auge. Auf diesem langen Weg kann sie an vielen Stellen geschädigt werden: durch einen Einriss der Halsschlagader, einen Schlaganfall im Hirnstamm, einen Tumor an der Lungenspitze oder bei Säuglingen durch ein Neuroblastom (ein Tumor des Nervengewebes). Ein Teil der Fälle bleibt auch nach gründlicher Untersuchung ohne erkennbare Ursache.

Wann ist ein Horner-Syndrom ein Notfall?

Ein Horner-Syndrom, das plötzlich zusammen mit Kopf-, Hals- oder Gesichtsschmerzen auf derselben Seite auftritt, ist ein Notfall. Es kann ein Einriss in der Wand der inneren Halsschlagader (Karotisdissektion) dahinterstecken, der in den folgenden Tagen einen Schlaganfall auslösen kann. Rufen Sie in diesem Fall den Notruf (112, in Österreich 144). Ein schmerzloses, neues Horner-Syndrom muss nicht mitten in der Nacht, aber zügig innerhalb weniger Tage abgeklärt werden.

Wie wird das Horner-Syndrom festgestellt und behandelt?

Die Augenärztin oder der Augenarzt erkennt das Syndrom meist schon beim Anschauen und bestätigt es mit Augentropfen. Danach wird mit Bildgebung (Magnetresonanztomografie, MRT, oder Computertomografie, CT) nach der Ursache gesucht. Behandelt wird die Ursache; das hängende Lid und die enge Pupille selbst brauchen meist keine Behandlung. Ob sich die Zeichen zurückbilden, hängt davon ab, wie stark die Nervenbahn geschädigt ist.

Woher kommt der Name?

Das Syndrom ist nach dem Schweizer Augenarzt Johann Friedrich Horner benannt, der es 1869 vollständig beschrieb. Der französische Physiologe Claude Bernard hatte die Wirkung des Sympathikus auf das Auge schon 1854 im Tierversuch gezeigt. In Frankreich und Spanien heißt es deshalb meist Claude-Bernard-Horner-Syndrom. Die Diagnose wird nach der internationalen Klassifikation ICD-10 unter G90.2 verschlüsselt.

2 Symptome

In diesem Kapitel (13)

Welche Symptome hat das Horner-Syndrom?

Typisch sind eine enge Pupille, ein leicht hängendes Oberlid, ein scheinbar eingesunkenes Auge und weniger Schweiß auf einer Gesichtshälfte. Alle Zeichen treten auf derselben Seite auf, auf der die Nervenbahn geschädigt ist. Die Beschwerden sind meist gering, und viele Betroffene bemerken sie selbst gar nicht. Häufig fällt das Syndrom Angehörigen, Kolleginnen oder Ärzten bei einer Routineuntersuchung zuerst auf.

ZeichenWie es aussiehtWie häufig
Enge Pupille (Miosis)Pupille kleiner als auf der anderen Seite, Unterschied im Dunkeln deutlicherFast immer, das beständigste Zeichen
Hängendes Oberlid (Ptosis)Lid hängt etwa 1–2 mm tiefer, kann schwankenHäufig, fehlt aber bei etwa 5–15 %
Angehobenes UnterlidUnterlid steht etwas höher, Lidspalte wirkt schmalerHäufig, wird oft übersehen
Scheinbar eingesunkenes AugeAuge wirkt kleiner und tiefer liegendHäufig, ist aber eine optische Täuschung
Weniger Schwitzen (Anhidrose)Eine Gesichtshälfte bleibt trockenJe nach Ort der Schädigung; fehlt oft beim Einriss der Halsschlagader
Rötung, Wärme, verstopfte NaseGesichtshälfte oder Bindehaut gerötet, Nase einseitig zuVor allem am Anfang, eher selten
Hellere RegenbogenhautEin Auge blaugrau oder heller als das andereNur bei angeborener oder sehr früh erworbener Form

Wie zeigt sich die enge Pupille?

Die Pupille auf der betroffenen Seite ist kleiner und erweitert sich im Dunkeln langsamer und weniger als die andere. Deshalb ist der Unterschied zwischen beiden Pupillen (Anisokorie) in einem dunklen Raum am deutlichsten. Bei hellem Licht verengen sich beide Pupillen, und der Unterschied wird kleiner oder verschwindet fast. Ärzte untersuchen die Pupillen deshalb bewusst auch im Halbdunkel.

Die Lichtreaktion bleibt erhalten: Leuchtet man in das Auge, zieht sich auch die enge Pupille noch zusammen. Das unterscheidet das Horner-Syndrom von Störungen anderer Nerven, bei denen die Pupille weit und starr ist. Meist ist der Größenunterschied gering, oft nur 0,5 bis 1 Millimeter. In einem beschriebenen Fall maß die betroffene Pupille im Dunkeln 4 Millimeter, die gesunde 5 Millimeter.

Warum ist der Pupillenunterschied oft so klein?

Die Pupillenweite wird von zwei Nervensystemen gesteuert, und der verengende Anteil überwiegt deutlich. Der Parasympathikus zieht die Pupille über einen Ringmuskel zusammen, der Sympathikus erweitert sie über einen strahlenförmigen Muskel. Fällt nur der Sympathikus aus, bleibt die Pupille etwas enger, aber nicht winzig. Gerade bei mittlerer Beleuchtung ist der Unterschied deshalb leicht zu übersehen.

Die verzögerte Erweiterung im Dunkeln

Typisch ist, dass die betroffene Pupille beim Wechsel ins Dunkle hinterherhinkt. Die gesunde Pupille ist nach wenigen Sekunden weit, die Horner-Pupille braucht deutlich länger. In den ersten Sekunden nach dem Ausschalten des Lichts ist der Unterschied daher am größten. Ärzte nennen das Erweiterungsverzögerung; sie ist ein recht verlässliches Zeichen für eine Sympathikusstörung.

Wie stark hängt das Oberlid?

Das Oberlid hängt beim Horner-Syndrom meist nur leicht, etwa 1 bis 2 Millimeter. Der Grund: Der Sympathikus versorgt nur einen kleinen Hilfsmuskel im Lid, den Müller-Muskel. Der eigentliche Lidheber wird von einem anderen Nerv gesteuert und arbeitet normal weiter. Ein Lid, das fast oder ganz geschlossen ist, spricht deshalb eher gegen ein Horner-Syndrom und für eine andere Ursache.

Das Lidhängen kann im Tagesverlauf schwanken. Manche Betroffene bemerken, dass es abends oder bei Müdigkeit stärker ist. Französische Fachautoren betonen, dass auch ein flüchtiges Lidhängen ernst genommen werden soll, wenn ein Patient davon berichtet. Bei etwa 5 bis 15 von 100 Betroffenen fehlt die Ptosis ganz.

Warum wirkt das Auge eingesunken?

Das Auge wirkt kleiner und tiefer liegend, liegt aber in Wirklichkeit an der normalen Stelle. Während das Oberlid sinkt, steht das Unterlid etwas höher, weil auch dort ein sympathisch versorgter Muskel nachlässt. Fachleute sprechen von einer „umgekehrten Ptosis“ des Unterlids. Die Lidspalte wird von oben und unten schmaler, und das erzeugt den Eindruck eines eingesunkenen Auges (Pseudo-Enophthalmus). Misst man den Stand der Augäpfel, findet man keinen Unterschied.

Weniger Schwitzen auf einer Gesichtshälfte

Viele Betroffene schwitzen auf der betroffenen Gesichtsseite weniger oder gar nicht. Das fällt vor allem bei Hitze, Sport oder scharfem Essen auf: Eine Stirnhälfte bleibt trocken, während die andere feucht wird. Manche bemerken auch, dass die Haut auf einer Seite trockener ist. Ob das Schwitzen gestört ist und wie weit sich die trockene Fläche ausdehnt, hängt vom Ort der Schädigung ab.

Ort der SchädigungWo weniger geschwitzt wird
Gehirn, Hirnstamm, Halsmark (zentral)Ganze Gesichtshälfte, oft auch Hals, Arm und Rumpf derselben Seite
Lungenspitze, Halsnervengeflecht (präganglionär)Gesicht, teils auch Hals und Arm
Oberhalb des Halsganglions, entlang der Halsschlagader (postganglionär)Gar nicht oder nur ein kleiner Bereich an der Stirn

Warum schwitzt man beim Einriss der Halsschlagader oft normal?

Beim Einriss der inneren Halsschlagader bleibt das Schwitzen meist erhalten, weil die Schweißfasern für das Gesicht einen anderen Weg nehmen. Sie zweigen schon am Hals ab und laufen entlang der äußeren Halsschlagader. Ein Wandeinriss der inneren Halsschlagader trifft deshalb Pupille und Lid, aber nicht die Schweißfasern. Man spricht dann von einem unvollständigen Horner-Syndrom. Normales Schwitzen schließt einen gefährlichen Einriss also nicht aus.

Kann das Schwitzen wiederkommen?

Ja, die trockene Haut kann sich mit der Zeit bessern. Das Nervensystem gleicht den Ausfall teilweise aus, sodass die Anhidrose nach Monaten weniger auffallen kann. Ein fehlender Schweißausfall bei einem länger bestehenden Horner-Syndrom sagt daher wenig über den Ort der Schädigung aus.

Rötung, Wärme und verstopfte Nase

Besonders in den ersten Tagen kann die betroffene Gesichtshälfte gerötet und warm sein. Der Sympathikus verengt normalerweise kleine Blutgefäße in Haut und Schleimhaut. Fällt er aus, weiten sich die Gefäße. Dadurch können auch die Bindehaut des Auges leicht gerötet und die Nase auf dieser Seite verstopft sein. Diese Zeichen gehen oft nach einiger Zeit zurück.

Verändert sich das Sehen?

Die meisten Menschen mit Horner-Syndrom sehen genauso gut wie vorher. Sehschärfe und Augenhintergrund sind in aller Regel normal. Manche bemerken, dass sie im Dunkeln etwas schlechter sehen, weil die enge Pupille weniger Licht hereinlässt. Ein deutlich hängendes Lid kann das obere Gesichtsfeld leicht einschränken.

Plötzliches Verschwommensehen, Doppelbilder, ein Schatten im Gesichtsfeld oder eine kurze Erblindung auf einem Auge gehören dagegen nicht zum Horner-Syndrom. Sie können auf eine Durchblutungsstörung von Netzhaut oder Gehirn hinweisen, etwa durch einen Einriss der Halsschlagader. Solche Zeichen sind ein Notfall.

Wie fühlt sich ein Horner-Syndrom im Alltag an?

Das Horner-Syndrom selbst tut nicht weh und stört im Alltag meist wenig. Am ehesten fällt ein müder oder ungleicher Gesichtsausdruck auf, etwa auf Fotos oder im Spiegel. Manche fühlen sich durch die veränderte Mimik belastet oder werden darauf angesprochen. Bei Wärme oder Sport kann die einseitig trockene Stirn irritieren.

Schmerzen, die zusammen mit einem Horner-Syndrom auftreten, kommen fast immer von der Ursache. Bei einem Einriss der Halsschlagader sind es oft einseitige Kopf-, Hals- oder Gesichtsschmerzen. Bei einem Tumor an der Lungenspitze können Schulter- und Armschmerzen vorausgehen. Solche Schmerzen sind deshalb ein wichtiger Hinweis für die Ärztin oder den Arzt.

Was bemerken Angehörige?

Oft fallen die Zeichen zuerst Familienmitgliedern auf, nicht den Betroffenen selbst. Typisch sind Beobachtungen wie diese:

  • ein Auge wirkt kleiner, müde oder „halb geschlossen“
  • die Pupillen sind ungleich groß, vor allem bei gedämpftem Licht
  • ein Auge wirkt eingefallen
  • eine Gesichtshälfte schwitzt nicht oder ist blasser oder röter als die andere
  • auf Fotos sieht der Gesichtsausdruck schief aus
  • beim Baby ist ein Auge heller als das andere

In einem spanischen Fallbericht fiel der Pupillenunterschied eines 59-jährigen Mannes erst bei einer betriebsärztlichen Untersuchung auf. Er hatte nur seit Monaten ein schwankendes, bei Müdigkeit stärkeres Lidhängen bemerkt. Alte Fotos helfen der Ärztin oder dem Arzt oft einzuschätzen, seit wann die Zeichen bestehen.

Welche Begleitsymptome deuten auf die Ursache hin?

Begleitbeschwerden verraten oft, wo die Nervenbahn geschädigt ist. Sie sind für die Abklärung mindestens so wichtig wie die Zeichen am Auge.

BegleitzeichenMöglicher Ort oder mögliche Ursache
Einseitiger Kopf-, Hals- oder Gesichtsschmerz, oft um Auge oder SchläfeEinriss der inneren Halsschlagader (Notfall)
Pulsierendes Ohrgeräusch, Geschmacksstörung, Zungenabweichung, HeiserkeitEinriss der Halsschlagader mit Druck auf Hirnnerven
Schwindel, Gangunsicherheit, Schluckstörung, Heiserkeit, Doppelbilder, Taubheit im GesichtHirnstamm, z. B. Schlaganfall (Wallenberg-Syndrom)
Lähmung oder Taubheit einer Körperhälfte, SprachstörungSchlaganfall
Schulter- oder Armschmerzen, Kribbeln oder Schwäche der Hand, Husten, GewichtsverlustLungenspitze (Pancoast-Tumor), Armnervengeflecht
Schwellung am Hals, tastbare KnotenLymphknoten, Schilddrüse, Halstumor
Vermindertes Schmerz- oder Temperaturempfinden an Arm oder SchulterHohlraum im Halsmark (Syringomyelie)
Heftige, einseitige Schmerzattacken um das Auge mit Tränen und laufender NaseCluster-Kopfschmerz (oft vorübergehendes Horner-Syndrom)
Doppelbilder und Gefühlsstörung an der StirnSinus cavernosus (Venengeflecht neben der Hirnanhangsdrüse), Schädelbasis, Augenhöhle
Brustschmerz oder Rückenschmerz zwischen den SchulterblätternErkrankung der Hauptschlagader (Aorta)

Was ist ein schmerzhaftes Horner-Syndrom?

Ein schmerzhaftes Horner-Syndrom ist ein Horner-Syndrom, das zusammen mit Schmerzen in Kopf, Hals oder Gesicht auf derselben Seite auftritt. Es gilt als typisches Zeichen eines Einrisses der inneren Halsschlagader, bis das Gegenteil bewiesen ist. In Fallserien war die große Mehrheit der durch eine Dissektion verursachten Horner-Syndrome schmerzhaft. Der Schmerz geht dem Horner-Syndrom oft um Stunden oder Tage voraus.

Der Schmerz sitzt meist an der Halsseite, hinter dem Auge, an der Stirn oder an der Schläfe. Er kann pochend sein und vom Hals bis in den Kopf ausstrahlen. Nicht immer ist er heftig: In einem spanischen Fall bestand ein seit 20 Tagen zunehmender, einseitiger Kopfschmerz, bevor die Dissektion gefunden wurde. Auch ohne Zeichen eines Schlaganfalls sollte man deshalb nicht abwarten.

Horner-Syndrom beim Baby und bei Kindern

Bei Säuglingen und Kleinkindern zeigt sich das Horner-Syndrom oft anders als bei Erwachsenen. Eltern bemerken ein kleineres Auge, ein leicht hängendes Lid oder eine kleinere Pupille. Das Schwitzen lässt sich bei Babys schwer beurteilen. Auffälliger ist manchmal, dass beim Schreien, Trinken oder bei Wärme nur eine Gesichtshälfte rot wird, während die betroffene blass bleibt.

Warum ist ein Auge heller?

Beim angeborenen oder sehr früh erworbenen Horner-Syndrom bleibt die Regenbogenhaut (Iris) des betroffenen Auges heller. Der Sympathikus ist in den ersten Lebensmonaten nötig, damit die Iris Farbstoff bildet. Fehlt er, behält das Auge das blaugraue Aussehen des Neugeborenen, während das andere Auge nachdunkelt. Fachleute sprechen von Heterochromie (verschiedenfarbige Augen).

Dieser Farbunterschied entwickelt sich erst über mehrere Monate. Bei Neugeborenen ist er deshalb noch nicht zu sehen und hilft nicht weiter. Ein heller Farbton sagt auch nichts über die Ursache aus: Auch hinter einem Horner-Syndrom mit heller Iris kann ein Neuroblastom stecken. Bei Erwachsenen, die das Syndrom neu bekommen, ändert sich die Augenfarbe nicht.

Worauf sollten Eltern achten?

Ein Horner-Syndrom bei Säuglingen und Kleinkindern sollte immer zügig ärztlich abgeklärt werden. Häufigste Ursache der angeborenen Form ist zwar eine Nervenverletzung bei der Geburt, und die meisten Fälle sind gutartig. Ein Horner-Syndrom kann aber auch das erste Zeichen eines Neuroblastoms sein. In einer spanischen Serie mit 14 Kindern war das Horner-Syndrom bei zwei von vier Kindern mit angeborenem Neuroblastom das erste Krankheitszeichen.

Hinweise bei Kindern sind außerdem eine Schwellung am Hals, ein schlaffer oder schwächerer Arm nach der Geburt, Unruhe, Gedeihstörung oder Fieber ohne Erklärung. Teilen Sie der Kinderärztin oder dem Kinderarzt mit, ob die Geburt schwierig war, ob eine Zange oder Saugglocke eingesetzt wurde und ob das Kind am Hals oder Brustkorb operiert wurde.

Besonderheiten bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen wird ein leichtes Horner-Syndrom leicht mit einem altersbedingt hängenden Lid verwechselt. Viele ältere Menschen haben ohnehin ein schlaffes Oberlid oder enge Pupillen, etwa durch Medikamente oder nach einer Operation am grauen Star. Neu ist das Horner-Syndrom aber gerade im höheren Alter ein Grund für eine sorgfältige Suche. Tumoren an der Lungenspitze, Schlaganfälle und Erkrankungen der Hauptschlagader werden mit dem Alter häufiger. Rauchen, Husten, Gewichtsverlust oder Schulterschmerzen sind dann wichtige Zusatzinformationen.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (13)

Wie entsteht ein Horner-Syndrom?

Ein Horner-Syndrom entsteht, wenn die sympathische Nervenbahn zum Auge an irgendeiner Stelle unterbrochen wird. Diese Bahn ist ungewöhnlich lang und besteht aus drei hintereinandergeschalteten Nervenzellen (Neuronen). Sie beginnt im Zwischenhirn, läuft durch den Hirnstamm und das Halsmark nach unten bis in den oberen Brustbereich, steigt über die Lungenspitze wieder zum Hals hinauf und zieht entlang der Halsschlagader in den Schädel und zum Auge. Eine Schädigung an jeder Stelle dieses Weges führt zu den gleichen Zeichen am Auge.

Was steuert der Sympathikus am Auge?

Der Sympathikus versorgt mehrere kleine Muskeln und Drüsen in Auge und Gesicht. Fällt er aus, entstehen die typischen Zeichen:

  • Pupillenerweiterer: Die Pupille wird enger, die Lichtreaktion bleibt erhalten.
  • Müller-Muskel im Oberlid: Das Lid sinkt um 1–2 mm.
  • Glatter Muskel im Unterlid: Das Unterlid steigt leicht an.
  • Schweißdrüsen im Gesicht: Die Haut schwitzt weniger.
  • Kleine Blutgefäße der Haut: Die Gesichtshälfte kann sich röten.
  • Pigmentzellen der Iris im Säuglingsalter: Die Iris bleibt hell.

Die drei Abschnitte der Nervenbahn

Ärzte teilen das Horner-Syndrom nach dem Ort der Schädigung in drei Formen ein. Diese Einteilung bestimmt, wo mit Bildgebung gesucht wird.

AbschnittVerlaufTypische Ursachen
1. Neuron (zentral)Zwischenhirn (Hypothalamus), Hirnstamm, Halsmark bis zur Höhe C8–Th2Schlaganfall im Hirnstamm (Wallenberg-Syndrom), Syringomyelie, Multiple Sklerose, Tumoren, Verletzungen des Rückenmarks
2. Neuron (präganglionär)Vom Rückenmark über die Lungenspitze und das Armnervengeflecht zum oberen HalsganglionPancoast-Tumor der Lungenspitze, Brustkrebs, Lymphknoten, Schilddrüse, Operationen und Verletzungen an Hals und Brustkorb, Erkrankungen der Aorta, Neuroblastom
3. Neuron (postganglionär)Vom oberen Halsganglion entlang der inneren Halsschlagader durch die Schädelbasis und den Sinus cavernosus ins AugeEinriss (Dissektion) der inneren Halsschlagader, Erkrankungen der Schädelbasis und der Augenhöhle, Cluster-Kopfschmerz

Einriss der Halsschlagader (Karotisdissektion)

Die wichtigste und gefährlichste Ursache eines plötzlichen Horner-Syndroms ist ein Einriss in der Wand der inneren Halsschlagader. Dabei dringt Blut in die Gefäßwand ein und bildet dort einen Bluterguss (Wandhämatom). Dieser drückt auf die feinen Sympathikusfasern, die außen an der Arterie entlanglaufen. Gleichzeitig kann sich an der verletzten Innenwand ein Blutgerinnsel bilden, das ins Gehirn verschleppt wird und einen Schlaganfall auslöst.

Ein Horner-Syndrom tritt bei etwa 40–50 % der Einrisse der Halsschlagader auf. Solche Dissektionen sind insgesamt selten: Auf 100.000 Einwohner kommen etwa 2,6 bis 5 Fälle pro Jahr, wobei Fachleute eine Untererfassung vermuten. Bei Menschen unter 45 Jahren sind Dissektionen aber eine der häufigsten Ursachen eines Schlaganfalls; je nach Studie stehen sie hinter 10–25 % der Schlaganfälle in dieser Altersgruppe. Betroffen sind vor allem Menschen zwischen 30 und 55 Jahren, mit einem Gipfel um 40–45 Jahre.

Was kann einen Einriss der Halsschlagader auslösen?

Oft gibt es einen kleinen Auslöser, manchmal gar keinen. Genannt werden:

  • ruckartige oder wiederholte Dreh-, Beuge- und Streckbewegungen des Halses
  • Manipulationen an der Halswirbelsäule
  • starker Husten, Niesen, Erbrechen
  • Unfälle, Stürze, Schleudertrauma, Sportverletzungen (z. B. Wintersport, Bergsport, Motorsport)
  • Entbindung und Wochenbett
  • kurz vorausgegangene Atemwegsinfekte; Dissektionen häufen sich im Herbst und Winter

Etwa 40 % der Betroffenen berichten von einer meist harmlosen Verletzung in den vier Wochen vor dem Einriss. Bei einer Schweizer Auswertung von Unfallversicherten ging etwa ein Drittel der unfallbedingten Halsschlagaderverletzungen auf Verkehrs- und Freizeitunfälle zurück.

Wer hat ein höheres Risiko?

Ein höheres Risiko haben Menschen mit angeborener Schwäche des Bindegewebes oder der Gefäßwand. Dazu zählen das Ehlers-Danlos-Syndrom, das Marfan-Syndrom, die Osteogenesis imperfecta und die fibromuskuläre Dysplasie (eine Wandveränderung mittelgroßer Arterien). Diese Erkrankungen finden sich aber nur bei 1–4 % der Betroffenen. Übliche Gefäßrisiken wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes oder Übergewicht spielen nach den vorliegenden Daten für Dissektionen allenfalls eine geringe Rolle.

Schlaganfall und andere Ursachen im Gehirn

Ein Schlaganfall im unteren Hirnstamm kann ein Horner-Syndrom auslösen. Typisch ist das Wallenberg-Syndrom, ein Infarkt in einem seitlichen Teil des verlängerten Marks. Es zeigt sich neben dem Horner-Syndrom mit Schwindel, Schluck- und Sprechstörungen, Gangunsicherheit und einer Gefühlsstörung im Gesicht. Seltener sind Tumoren, entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder ein Hohlraum im Rückenmark (Syringomyelie) die Ursache.

Tumoren an Lungenspitze, Hals und Brustkorb

Ein Tumor an der Lungenspitze kann die Sympathikusbahn dort schädigen, wo sie über die Kuppe des Rippenfells an der Lungenspitze (Pleurakuppel) zieht. Bekanntestes Beispiel ist der Pancoast-Tumor, ein Lungenkrebs in der Lungenspitze. Er verursacht oft zuerst Schulter- und Armschmerzen und später das Horner-Syndrom. Auch Brustkrebs mit Absiedlungen, vergrößerte Lymphknoten am Hals (z. B. bei einem Lymphom), Schilddrüsenvergrößerungen und Schilddrüsenkrebs können auf die Bahn drücken. Ein kubanischer Fallbericht beschreibt eine junge Frau mit großem Lymphknotentumor im Brustkorb, bei der das Horner-Syndrom das erste auffällige Zeichen war.

Erkrankungen der Hauptschlagader

Seltener steckt eine Aussackung (Aneurysma) oder ein Einriss der Hauptschlagader (Aorta) im Brustkorb hinter einem Horner-Syndrom. Auch eine Thrombose oder ein Aneurysma der Halsschlagader kommen in Frage. Diese Ursachen sind selten, aber gefährlich und werden deshalb in der Bildgebung mitbedacht.

Operationen und ärztliche Eingriffe

Ein Horner-Syndrom kann als Folge einer Operation oder Betäubung am Hals oder Brustkorb entstehen. Beschrieben ist es nach Operationen an der Halsschlagader, an der Halswirbelsäule, an der Schilddrüse und am Herzen. Je nach Eingriff wurde es bei 0,3 % bis knapp 10 % der Operierten gesehen. Auch örtliche Betäubungen am Armnervengeflecht oder am Sternganglion (Ganglion stellatum) können ein vorübergehendes Horner-Syndrom auslösen, das nach Abklingen der Betäubung verschwindet. Nach einem Eingriff mit klar passendem Zeitpunkt ist die Ursache meist geklärt.

Verletzungen

Verletzungen von Hals, Brustkorb, Wirbelsäule oder Armnervengeflecht können die Bahn direkt schädigen. Ein Beispiel sind Motorradunfälle mit Abriss von Nervenwurzeln am Hals. Dann bestehen meist zusätzlich Lähmungen oder Gefühlsstörungen am Arm. Nach jeder Halsverletzung mit Horner-Syndrom muss außerdem gezielt nach einem Einriss der Halsschlagader gesucht werden.

Kopfschmerzen und Entzündungen

Ein Cluster-Kopfschmerz kann während der Attacken ein vorübergehendes Horner-Syndrom auslösen. Cluster-Kopfschmerzen sind sehr heftige, einseitige Schmerzattacken um das Auge, oft mit Tränen und laufender Nase. Bleibt das Horner-Syndrom auch zwischen den Attacken bestehen, sollte trotzdem eine Dissektion ausgeschlossen werden. Seltener sind Gürtelrose (Herpes zoster), Entzündungen der Schädelbasis oder der Augenhöhle beteiligt.

Ursachen bei Babys und Kindern

Bei Kindern unterscheiden Ärzte zwischen angeborenen und erworbenen Formen. Die häufigste angeborene Ursache ist eine Nervenverletzung bei der Geburt, besonders eine Zerrung des unteren Armnervengeflechts. Seltener sind Gefäßfehlbildungen, Fehlbildungen der Halswirbel oder des Übergangs zwischen Schädel und Wirbelsäule (Chiari-Fehlbildung), Infektionen vor der Geburt oder seltene Syndrome. Viele Fälle bleiben ohne Ursache.

Erworbene Ursachen bei Kindern sind vor allem Operationen an Hals oder Brustkorb, Verletzungen und Tumoren. Unter den Tumoren steht das Neuroblastom an erster Stelle, ein Tumor aus unreifem Nervengewebe, der bei Kindern unter einem Jahr der häufigste solide Tumor außerhalb des Gehirns ist. In der spanischen Kinderserie aus Sevilla mit 14 Kindern lag bei 6 ein Tumor vor, bei 4 davon ein Neuroblastom. Fünf der acht erworbenen Fälle waren Folge einer Operation an Hals oder Brustkorb.

Wie oft findet man keine Ursache?

Bei einem Teil der Betroffenen findet sich auch nach gründlicher Untersuchung keine Ursache. Man spricht dann von einem idiopathischen Horner-Syndrom. Wie groß dieser Anteil ist, schwankt stark zwischen den Studien, auch weil sich die Untersuchungsmöglichkeiten verbessert haben. Ein unauffälliges Ergebnis der Bildgebung ist für Betroffene beruhigend; bei neuen Beschwerden sollte aber erneut nachgesehen werden.

Ist das Horner-Syndrom erblich oder ansteckend?

Das Horner-Syndrom ist weder erblich noch ansteckend. Es ist die Folge einer Nervenschädigung, nicht einer Erbanlage. Erbliche Bindegewebserkrankungen können allerdings das Risiko für einen Einriss der Halsschlagader und damit indirekt für ein Horner-Syndrom erhöhen.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (10)

Wie stellt die Ärztin oder der Arzt ein Horner-Syndrom fest?

Ein Horner-Syndrom wird meist schon beim Anschauen vermutet und dann mit Augentropfen bestätigt. Die Augenärztin oder der Augenarzt vergleicht Pupillen und Lider beider Seiten, misst die Pupillen im Hellen und im Dunkeln und fragt nach Begleitbeschwerden. Anschließend wird mit Bildgebung nach der Ursache gesucht. Bei Verdacht auf einen Einriss der Halsschlagader geht es direkt in eine Klinik mit Neurologie und Schlaganfallstation, nicht erst in eine Praxis.

Welche Fragen werden gestellt?

Die Vorgeschichte ist bei ungleichen Pupillen besonders wichtig. Typische Fragen sind:

  • Seit wann bestehen die Zeichen? Gibt es alte Fotos zum Vergleich?
  • Gab es Kopf-, Hals-, Gesichts-, Schulter- oder Armschmerzen?
  • Gab es einen Unfall, eine ruckartige Halsbewegung, eine Behandlung an der Halswirbelsäule?
  • Wurden Sie an Hals, Schilddrüse, Herz oder Brustkorb operiert oder betäubt?
  • Haben Sie Augentropfen oder Medikamente genommen, auch versehentlich, etwa Tropfen von Angehörigen, Pflaster gegen Reiseübelkeit, Asthmasprays?
  • Rauchen Sie, husten Sie, haben Sie ungewollt abgenommen?
  • Gibt es Schwindel, Doppelbilder, Schluck- oder Sprachstörungen, Schwäche oder Taubheit?
  • Bei Kindern: Verlauf der Geburt, Armlähmung nach der Geburt, Operationen

Untersuchung beim Augenarzt

Zur Untersuchung gehören eine genaue Betrachtung der Pupillen und Lider sowie der übliche Augenbefund. Die Pupillen werden im Hellen und im Dunkeln gemessen, manchmal mit einer Infrarotkamera (Pupillometrie), die auch im Dunkeln misst. Die Augenärztin oder der Augenarzt prüft die Lichtreaktion, die Augenbeweglichkeit und die Lidstellung. Mit der Spaltlampe werden Iris und Vorderabschnitt untersucht, um Verletzungen, Entzündungen oder Verwachsungen auszuschließen. Augenhintergrund und Sehschärfe sind beim Horner-Syndrom meist normal.

Ungleich große Pupillen: Welche ist die kranke?

Bei ungleich großen Pupillen ist die erste Frage, ob die kleine oder die große Pupille die kranke ist. Dazu vergleicht man den Unterschied im Hellen und im Dunkeln:

BefundHorner-SyndromLähmung des 3. HirnnervsHarmlose (physiologische) Anisokorie
Kranke Pupilledie kleineredie größerekeine
Unterschied deutlicherim Dunkelnim Hellengleich im Hellen und Dunkeln
Lichtreaktionerhaltenschwach oder fehlendnormal
Oberlidleicht hängend (1–2 mm)oft stark hängend bis geschlossennormal
Doppelbilderneinhäufignein
Dringlichkeitmit Schmerzen Notfall, sonst dringendNotfall (Aneurysma möglich)keine Abklärung nötig

Etwa jeder fünfte Mensch hat von Natur aus leicht ungleiche Pupillen, meist mit einem Unterschied unter 1 Millimeter. Diese physiologische Anisokorie kann von Tag zu Tag wechseln, besteht im Hellen und Dunkeln gleich und geht ohne Lidhängen einher. Weitere Ursachen ungleicher Pupillen sind eine meist harmlose Pupillenstörung (Adie-Pupille, die Pupille ist weit und träge), Verletzungen der Iris, Entzündungen im Auge, ein akuter Glaukomanfall und versehentlich ins Auge gelangte Wirkstoffe. Eine Lähmung des dritten Hirnnervs wird im Artikel Augenmuskellähmung genauer beschrieben.

Wie funktionieren die Augentropfentests?

Mit speziellen Augentropfen lässt sich das Horner-Syndrom bestätigen und teilweise der Ort der Schädigung eingrenzen. Die Tropfen werden in beide Augen gegeben, damit das gesunde Auge als Vergleich dient. Nach 30 bis 60 Minuten werden die Pupillen und Lider erneut gemessen. Die Tests sind schmerzlos; die Tropfen können kurz brennen.

TropfenZweckErgebnis beim Horner-Syndrom
Apraclonidin 0,5 %Bestätigung, heute meist erste WahlDie kranke Pupille wird weiter, das Lid hebt sich; der Pupillenunterschied kehrt sich oft um
Kokain 4 % oder 10 %Bestätigung, früherer StandardDie gesunde Pupille wird weit, die kranke kaum; der Unterschied wird größer
Hydroxyamphetamin 1 %Eingrenzung des OrtesBei Schädigung vor dem Halsganglion werden beide Pupillen weit, bei Schädigung danach die kranke nicht
Phenylephrin 1 %Hinweis auf Schädigung nach dem HalsganglionDie kranke Pupille reagiert stärker als die gesunde

Apraclonidin-Test

Apraclonidin ist ein Glaukommittel, das in vielen Augenarztpraxen ohnehin vorhanden ist. Gesunde Pupillen reagieren kaum darauf. Bei einem Horner-Syndrom ist der Pupillenerweiterer durch den Nervenausfall überempfindlich geworden und reagiert stark: Die kleine Pupille wird weiter, oft weiter als die gesunde, und das Lid hebt sich. Eine Übersichtsarbeit kam zu dem Ergebnis, dass Apraclonidin ein Horner-Syndrom zuverlässiger erkennt als Kokain.

Wichtig: Die Überempfindlichkeit braucht Zeit, um sich zu entwickeln. In den ersten Tagen bis etwa zwei Wochen nach Beginn kann der Test deshalb trotz Horner-Syndrom normal ausfallen. Bei einem frischen, schmerzhaften Horner-Syndrom darf ein unauffälliger Test die Gefäßdarstellung nicht verzögern. Zur genauen Ortsbestimmung ist Apraclonidin nur eingeschränkt geeignet.

Kokain-Test

Kokain-Augentropfen waren lange der Standardtest. Kokain verhindert, dass der Botenstoff Noradrenalin an der Nervenendigung wieder aufgenommen wird. Ist die Nervenbahn intakt, weitet sich die Pupille; beim Horner-Syndrom bleibt die kranke Pupille eng, egal wo die Bahn geschädigt ist. Der Test bestätigt also das Horner-Syndrom, sagt aber nichts über den Ort. Weil Kokain unter das Betäubungsmittelrecht fällt und im Urin nachweisbar ist, wird es heute seltener eingesetzt.

Hydroxyamphetamin und Phenylephrin

Hydroxyamphetamin unterscheidet, ob die Schädigung vor oder nach dem oberen Halsganglion liegt. Es ist in Europa aber kaum erhältlich und wird nur in wenigen Zentren verwendet. Der Test darf außerdem erst zwei bis drei Tage nach einem anderen Tropfentest erfolgen. Als Ersatz dient manchmal verdünntes Phenylephrin 1 %. In der Praxis entscheiden heute meist Begleitbeschwerden und Bildgebung über den Ort.

Tropfentests bei Babys

Bei Säuglingen und Kleinkindern werden die Tropfentests vorsichtig eingesetzt. Das spanische Lehrbuch der Fachgesellschaft SEO rät, Apraclonidin unter 1 bis 2 Jahren nicht zu verwenden, weil verlangsamter Herzschlag und Schläfrigkeit berichtet wurden. Andere Fachautoren halten den Test bei Kindern unter Überwachung für sicher. Entscheidend ist bei Kindern ohnehin die Suche nach der Ursache mit Bildgebung und Urinuntersuchung.

Welche Bildgebung ist nötig?

Bei einem neuen Horner-Syndrom ohne klare Ursache wird die gesamte Nervenbahn mit Bildgebung untersucht. Je nach Verdacht sind das Gehirn, die Halsgefäße, das Halsmark, der Hals und der obere Brustkorb bis zur Lungenspitze. Meist geschieht das mit MRT, teils mit CT. Wenn der Ort der Schädigung unklar ist, wird der ganze Weg vom Zwischenhirn bis zur Lungenspitze abgebildet.

Bildgebung bei Verdacht auf Einriss der Halsschlagader

Bei einem schmerzhaften oder plötzlich aufgetretenen Horner-Syndrom werden die Halsgefäße sofort dargestellt. Zur Wahl stehen:

  • MRT des Halses mit Fettunterdrückung und MR-Angiografie: zeigt den Bluterguss in der Gefäßwand und die Engstelle am besten; gilt als Referenz.
  • CT-Angiografie: schnell verfügbar, zeigt Engstellen und Verschlüsse; in vielen Notaufnahmen erste Wahl.
  • Ultraschall (Duplexsonografie) der Halsgefäße: ohne Strahlung, ergänzend; ein unauffälliger Befund schließt eine Dissektion aber nicht aus.
  • Katheter-Angiografie (DSA): nur in Einzelfällen, etwa vor einer Behandlung im Gefäß.

Der Bluterguss in der Gefäßwand kann in der MRT erst nach zwei bis vier Tagen gut sichtbar sein. Bei starkem Verdacht und unauffälligem ersten Bild wird die Untersuchung deshalb manchmal wiederholt.

Welche weiteren Untersuchungen gibt es?

Je nach Verdacht folgen weitere Untersuchungen. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall gehören dazu eine neurologische Untersuchung, Herzultraschall und Langzeit-EKG. Bei Verdacht auf einen Lungentumor werden Röntgen oder CT des Brustkorbs gemacht. Eine Syringomyelie zeigt sich im MRT der Halswirbelsäule. Liegt eine Gefäßwandschwäche nahe, können Untersuchungen auf erbliche Bindegewebserkrankungen sinnvoll sein.

Wie wird bei Kindern untersucht?

Bei Kindern ohne klare Ursache wie Geburtsverletzung oder Operation wird gezielt nach einem Neuroblastom gesucht. Dazu gehören eine Bildgebung von Kopf, Hals und Brustkorb, meist mit MRT, und eine Urinuntersuchung auf Abbauprodukte von Stresshormonen (Katecholamine). Normale Urinwerte schließen ein Neuroblastom nicht sicher aus. Das spanische Lehrbuch der Fachgesellschaft SEO empfiehlt die Bildgebung bei jedem angeborenen oder erworbenen kindlichen Horner-Syndrom ohne klare Vorgeschichte.

Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?

Mehrere Erkrankungen können mit einem Horner-Syndrom verwechselt werden:

  • Altersbedingt hängendes Oberlid: Das Lid hängt, die Pupillen sind aber gleich groß. Mehr dazu unter Hängendes Oberlid.
  • Okuläre Myasthenie: Das Lid hängt schwankend und wird bei Ermüdung stärker, oft mit Doppelbildern; die Pupillen bleiben normal. Siehe Okuläre Myasthenie.
  • Lähmung des 3. Hirnnervs: stark hängendes Lid mit großer Pupille und Doppelbildern; Notfall.
  • Physiologische Anisokorie: leicht ungleiche Pupillen ohne Lidhängen.
  • Pupillenveränderungen durch Entzündung oder Verletzung: etwa Verwachsungen nach Uveitis oder Risse im Pupillenmuskel.
  • Medikamente: pupillenverengende Augentropfen, etwa bestimmte Glaukomtropfen, auf nur einem Auge.

Gibt es eine Leitlinie?

Eine eigene Leitlinie zum Horner-Syndrom gibt es nach unserer Recherche weder in Deutschland und Österreich noch in Frankreich oder Spanien. Das Vorgehen richtet sich nach Lehrbüchern der Neuroophthalmologie und nach den Leitlinien zu den Ursachen, etwa zum Schlaganfall und zur Halsgefäßdissektion. Die Abläufe sind in den deutschsprachigen, französischen und spanischen Quellen sehr ähnlich: Bestätigung mit Tropfen, Suche nach der Ursache mit Bildgebung, bei Schmerzen sofort Gefäßdarstellung.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (7)

Wie wird das Horner-Syndrom behandelt?

Das Horner-Syndrom selbst wird in der Regel nicht behandelt; behandelt wird die Ursache, sobald sie gefunden ist. Das leicht hängende Lid und die enge Pupille schaden dem Auge nicht. Die Behandlung richtet sich ganz nach der Grunderkrankung und wird oft von Neurologie, Gefäßmedizin, Lungen- oder Krebsmedizin übernommen. Die Augenärztin oder der Augenarzt begleitet meist die Diagnose und die Kontrollen.

Behandlung bei Einriss der Halsschlagader

Bei einem Einriss der Halsschlagader soll die Behandlung vor allem einen Schlaganfall verhindern. Liegt bereits ein frischer Schlaganfall vor, wird er wie jeder andere Schlaganfall akut behandelt, je nach Zeitfenster mit Auflösung oder Entfernung des Gerinnsels. Danach bekommen Betroffene Medikamente, die Blutgerinnsel verhindern sollen.

  • Plättchenhemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS) werden heute häufig bevorzugt.
  • Gerinnungshemmer wie Heparin und anschließend Tabletten zur Blutverdünnung werden in ausgewählten Fällen eingesetzt.
  • Welches Mittel im Einzelfall besser geeignet ist, entscheidet die Neurologie; die Angaben in den Fachquellen gehen hier auseinander.
  • Die Behandlung dauert meist drei bis sechs Monate, danach wird das Gefäß erneut mit Bildgebung kontrolliert.

Eine Operation oder ein Stent ist nur selten nötig, etwa wenn trotz Medikamenten neue Durchblutungsstörungen auftreten. In der Zeit nach dem Einriss raten Ärzte meist, ruckartige Halsbewegungen, Kontaktsport und Manipulationen an der Halswirbelsäule zu vermeiden. Wie lange, wird individuell festgelegt.

Behandlung bei Schlaganfall

Ist ein Schlaganfall im Hirnstamm die Ursache, wird er auf einer Schlaganfallstation (Stroke Unit) behandelt. Danach folgen Vorbeugung weiterer Schlaganfälle und Rehabilitation. Das Horner-Syndrom ist dabei meist das geringste Problem. Bleibt nach einem Schlaganfall ein Gesichtsfeldausfall, hilft der Artikel Gesichtsfeldausfall nach Schlaganfall weiter.

Behandlung bei Tumoren

Wird ein Tumor gefunden, richtet sich die Behandlung nach Art und Ausbreitung. Bei einem Pancoast-Tumor kommen Bestrahlung, Chemotherapie und Operation in Frage, oft kombiniert. Bei Kindern mit Neuroblastom übernimmt ein kinderonkologisches Zentrum die Behandlung. Ob sich das Horner-Syndrom nach der Tumorbehandlung bessert, hängt davon ab, wie stark der Nerv bereits geschädigt war.

Was tun bei harmloser oder unklarer Ursache?

Ist eine gefährliche Ursache ausgeschlossen, ist meist keine Behandlung nötig. Das gilt auch für viele angeborene Formen, idiopathische Fälle ohne erkennbare Ursache und ein Horner-Syndrom nach einer Operation am Hals. Wichtig sind dann vor allem Ruhe und Kontrolle: Treten neue Beschwerden auf, sollte erneut untersucht werden.

Kann man das hängende Lid korrigieren?

Ein leicht hängendes Lid braucht meist keine Behandlung. Stört es optisch oder engt es das Gesichtsfeld ein, kann es operiert werden. Bewährt hat sich eine Kürzung des Müller-Muskels über einen Schnitt auf der Innenseite des Lids, der von außen nicht sichtbar ist. Die Operation wird meist ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt. Mehr zu Ursachen und Möglichkeiten finden Sie unter Hängendes Oberlid.

In den USA sind Augentropfen mit dem Wirkstoff Oxymetazolin zugelassen, die den Müller-Muskel kurzzeitig anregen und das Lid für einige Stunden anheben. In Deutschland und Österreich ist ein solches Mittel für diesen Zweck nicht etabliert. Sprechen Sie Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt an, wenn Sie sich für eine Lidkorrektur interessieren.

Hilft etwas gegen die enge Pupille oder das fehlende Schwitzen?

Für die enge Pupille und das fehlende Schwitzen gibt es keine gezielte Behandlung. Beides stört die meisten Betroffenen kaum. Wer im Dunkeln schlechter sieht, kann Nachtfahrten auf gut beleuchtete Strecken legen. Bei einseitig trockener Haut hilft eine milde Feuchtigkeitspflege.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (6)

Geht ein Horner-Syndrom wieder weg?

Ob ein Horner-Syndrom wieder verschwindet, hängt von der Ursache und vom Ausmaß der Nervenschädigung ab. Ist die Nervenbahn nur gedrückt, etwa durch einen Bluterguss in der Halsschlagaderwand, kann sie sich erholen. Ist sie durchtrennt oder dauerhaft zerstört, bleiben die Zeichen meist bestehen. Auch ein bleibendes Horner-Syndrom schadet dem Sehen in der Regel nicht.

Verlauf beim Einriss der Halsschlagader

Beim Einriss der Halsschlagader heilt die Gefäßwand meist innerhalb einiger Monate. In einem belgischen Fallbericht hatte sich der Bluterguss in der Gefäßwand nach drei Monaten vollständig zurückgebildet. Das Horner-Syndrom bessert sich oft, kann aber teilweise bestehen bleiben. Die Gefahr liegt vor allem in den ersten Tagen und Wochen, in denen sich Blutgerinnsel lösen und einen Schlaganfall auslösen können.

Unbehandelt führt ein großer Teil der Dissektionen zu einer vorübergehenden Durchblutungsstörung oder einem Schlaganfall. Unter Behandlung ist das Risiko deutlich geringer. Ein erneuter Einriss ist insgesamt selten und kommt am ehesten im ersten Monat vor; in einer Langzeitbeobachtung mit 221 Betroffenen lag er über fünf Jahre bei etwa 8 %. In 15 bis 25 % der Fälle sind mehrere Halsgefäße gleichzeitig betroffen, weshalb immer alle Halsgefäße untersucht werden.

Verlauf bei anderen Ursachen

Bei Schlaganfall, Tumor oder Verletzung bestimmt die Grunderkrankung die Prognose. Ein Horner-Syndrom nach einer Betäubung am Hals verschwindet meist innerhalb von Stunden. Nach Operationen kann es sich in Wochen bis Monaten bessern oder bleiben. Beim Cluster-Kopfschmerz tritt es oft nur während der Attacken auf.

Wie ist die Prognose bei Kindern?

Die meisten angeborenen oder früh erworbenen Horner-Syndrome bei Säuglingen sind gutartig. Die Zeichen bleiben dann meist lebenslang, beeinträchtigen aber weder das Sehen noch die Entwicklung. Die hellere Augenfarbe bleibt bestehen. Selten steckt ein Neuroblastom dahinter; dann hängt die Prognose vom Tumorstadium ab, und eine frühe Diagnose ist wichtig.

Welche Folgen können bleiben?

Bleibende Folgen sind meist ein leicht hängendes Lid, eine etwas engere Pupille und gelegentlich ein einseitig trockenes Gesicht. Manche Betroffene sehen bei Dämmerung etwas schlechter. Eine bleibende Sehverschlechterung entsteht durch das Horner-Syndrom selbst nicht. Folgen der Grunderkrankung, etwa nach einem Schlaganfall, können dagegen deutlich schwerer wiegen.

Sind Kontrollen nötig?

Nach einem Einriss der Halsschlagader wird das Gefäß in den ersten Monaten mit Bildgebung kontrolliert. Menschen mit erblichen Bindegewebserkrankungen werden oft langfristig nachbeobachtet. Bei einem idiopathischen Horner-Syndrom genügt meist eine augenärztliche Kontrolle; neue Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen am Hals, Husten oder Gewichtsverlust sollten jedoch zu einer erneuten Abklärung führen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (4)

Kann man einem Horner-Syndrom vorbeugen?

Einem Horner-Syndrom lässt sich nicht gezielt vorbeugen, weil es die Folge ganz unterschiedlicher Erkrankungen ist. Man kann aber einzelne Ursachen beeinflussen. Nicht zu rauchen senkt das Risiko für Lungenkrebs und damit für einen Pancoast-Tumor. Ein gut eingestellter Blutdruck und die übliche Schlaganfallvorbeugung verringern das Risiko für Schlaganfälle im Hirnstamm.

Wie lässt sich ein Einriss der Halsschlagader vermeiden?

Die meisten Einrisse der Halsschlagader lassen sich nicht vorhersehen. Vorsicht ist sinnvoll bei ruckartigen Manipulationen der Halswirbelsäule und bei Sportarten mit Sturz- oder Schleudergefahr. Wer eine bekannte Bindegewebserkrankung oder bereits eine Dissektion hatte, sollte mit der behandelnden Neurologin oder dem Neurologen besprechen, welche Belastungen unbedenklich sind.

Was können Sie selbst tun?

Das Wichtigste ist, neue Zeichen nicht zu übersehen und früh abklären zu lassen. Achten Sie besonders darauf:

  • Ein neu hängendes Lid oder eine neue Pupillenungleichheit innerhalb weniger Tage ärztlich ansehen lassen.
  • Bei gleichzeitigen Kopf-, Hals- oder Gesichtsschmerzen nicht abwarten, sondern sofort den Notruf wählen.
  • Alte Fotos zur Untersuchung mitnehmen, um zu zeigen, seit wann die Zeichen bestehen.
  • Eine Liste aller Augentropfen und Medikamente mitbringen.
  • Bei Babys auf Farbunterschiede der Augen, ein kleineres Auge oder eine einseitige Gesichtsrötung beim Schreien achten.

Leben mit einem bleibenden Horner-Syndrom

Ein bleibendes Horner-Syndrom schränkt den Alltag meist kaum ein. Viele Betroffene gewöhnen sich an das leicht veränderte Aussehen. Wenn das hängende Lid stört, kann es korrigiert werden. Hilfreich ist ein kurzer Hinweis in den eigenen Unterlagen oder ein Arztbrief: Wer bei einem späteren Notfall ungleich große Pupillen sieht, weiß dann, dass dieser Befund schon länger besteht.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (5)

Wann müssen Sie sofort den Notruf wählen?

Rufen Sie sofort den Notruf 112 (in Österreich 144, 112 funktioniert auch), wenn ein hängendes Lid oder eine enge Pupille plötzlich zusammen mit einem der folgenden Zeichen auftritt. Diese Zeichen können auf einen Einriss der Halsschlagader, einen Schlaganfall oder eine Erkrankung der Hauptschlagader hinweisen.

  • Kopf-, Hals- oder Gesichtsschmerz auf derselben Seite, auch wenn er nicht sehr stark ist
  • Schwäche, Lähmung oder Taubheit von Gesicht, Arm oder Bein
  • Sprach-, Schluck- oder Gangstörungen, starker Schwindel
  • Plötzliche Sehstörung, kurze Erblindung eines Auges, Doppelbilder
  • Pulsierendes Ohrgeräusch, Geschmacksstörung, Heiserkeit oder abweichende Zunge
  • Brust- oder Rückenschmerz zwischen den Schulterblättern
  • Horner-Zeichen nach einem Unfall, Sturz oder einer Behandlung am Hals

Fahren Sie in diesen Fällen nicht zuerst in eine Augenarztpraxis. Die Abklärung gehört in eine Klinik mit Neurologie und Schlaganfallstation, wo die Halsgefäße sofort dargestellt werden können. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann sollten Sie innerhalb weniger Tage zum Arzt?

Ein neues, schmerzloses Horner-Syndrom sollte innerhalb weniger Tage abgeklärt werden. Das gilt auch, wenn die Zeichen nur flüchtig waren oder schwanken. Wenden Sie sich an Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt oder an die Hausarztpraxis und sagen Sie bei der Terminvereinbarung, dass ein Lid neu hängt und die Pupillen ungleich sind. Die Bildgebung von Kopf, Hals und Brustkorb sollte zeitnah folgen.

Wann ist es bei Kindern dringend?

Ein Horner-Syndrom bei Säuglingen und Kleinkindern sollte rasch, innerhalb von Tagen, kinderärztlich und augenärztlich untersucht werden. Das gilt besonders, wenn es keine schwierige Geburt oder Operation als Erklärung gibt. Eine Schwellung am Hals, Fieber, Unruhe, Gedeihstörung oder eine Lähmung des Arms machen die Abklärung noch dringlicher.

Wann reicht ein normaler Termin?

Ein routinemäßiger Termin genügt, wenn ein Horner-Syndrom schon bekannt und abgeklärt ist und sich nichts verändert hat. Das gilt auch für leicht ungleiche Pupillen ohne hängendes Lid, die nachweislich seit Jahren bestehen, etwa auf alten Fotos. Neue Beschwerden wie Schmerzen, Doppelbilder oder ein stärker hängendes Lid sind dagegen ein Grund, früher zu kommen.

Welche anderen Pupillenveränderungen sind ein Notfall?

Eine plötzlich weite Pupille mit stark hängendem Lid oder Doppelbildern ist ein Notfall, weil ein Aneurysma auf den dritten Hirnnerv drücken kann. Auch eine mittelweite, lichtstarre Pupille mit starken Augenschmerzen, rotem Auge, Übelkeit und Sehverschlechterung ist ein Notfall: Das kann ein akuter Glaukomanfall sein. Eine weite Pupille nach einem Kopfunfall mit Benommenheit erfordert sofort den Notruf.

9 Häufige Fragen

Was bedeutet es, wenn ein Auge hängt und die Pupille kleiner ist?

Ein leicht hängendes Oberlid zusammen mit einer kleineren Pupille auf derselben Seite ist die typische Kombination beim Horner-Syndrom. Dabei ist der Sympathikus-Nerv zum Auge irgendwo zwischen Gehirn, Brustkorb, Hals und Auge gestört. Die Ursache muss immer ärztlich abgeklärt werden, auch wenn das Sehen normal ist.

Ist das Horner-Syndrom gefährlich?

Das Horner-Syndrom selbst schadet dem Auge kaum, gefährlich kann aber die Ursache sein. Dahinter können ein Einriss der Halsschlagader, ein Schlaganfall oder ein Tumor stecken. Oft findet sich aber auch eine harmlose oder keine Ursache. Deshalb wird jedes neue Horner-Syndrom mit Bildgebung abgeklärt.

Horner-Syndrom und Kopfschmerzen – ist das ein Notfall?

Ja. Tritt ein Horner-Syndrom plötzlich mit Kopf-, Hals- oder Gesichtsschmerz auf derselben Seite auf, kann ein Einriss der inneren Halsschlagader dahinterstecken. Er kann in den folgenden Tagen einen Schlaganfall auslösen. Wählen Sie den Notruf 112 (Österreich 144) und lassen Sie sich in eine Klinik mit Schlaganfallstation bringen.

Wie wird ein Horner-Syndrom getestet?

Die Augenärztin oder der Augenarzt misst die Pupillen im Hellen und im Dunkeln und gibt dann spezielle Augentropfen in beide Augen, meist Apraclonidin. Beim Horner-Syndrom wird die kleine Pupille danach weiter, oft sogar weiter als die gesunde. Anschließend wird mit MRT oder CT nach der Ursache gesucht. In den ersten Tagen kann der Tropfentest trotz Horner-Syndrom noch normal ausfallen.

Kann man das Horner-Syndrom heilen?

Für das Horner-Syndrom selbst gibt es keine gezielte Behandlung; behandelt wird die Ursache. Ist der Nerv nur gedrückt, etwa durch einen Bluterguss in der Halsschlagaderwand, können sich die Zeichen zurückbilden. Ist er dauerhaft geschädigt, bleiben sie meist. Ein störendes hängendes Lid lässt sich mit einer kleinen Operation anheben.

Geht ein Horner-Syndrom von selbst weg?

Manchmal ja, das hängt von der Ursache ab. Nach einer Betäubung am Hals verschwindet es oft nach Stunden, nach einem Einriss der Halsschlagader bessert es sich häufig in Wochen bis Monaten. Angeborene und viele idiopathische Formen bleiben dauerhaft bestehen, ohne das Sehen zu beeinträchtigen.

Mein Baby hat ein helleres Auge und ein hängendes Lid – was bedeutet das?

Das kann ein angeborenes Horner-Syndrom sein, oft nach einer Nervenzerrung bei der Geburt. Die meisten Fälle sind gutartig. Weil selten ein Neuroblastom dahintersteckt, sollte das Kind innerhalb weniger Tage kinderärztlich und augenärztlich untersucht werden. Meist folgen eine Bildgebung und eine Urinuntersuchung.

Ist es schlimm, wenn meine Pupillen leicht unterschiedlich groß sind?

Nicht unbedingt. Etwa jeder fünfte Mensch hat von Natur aus leicht ungleiche Pupillen, meist mit weniger als 1 Millimeter Unterschied, im Hellen wie im Dunkeln gleich und ohne hängendes Lid. Neu aufgetretene Unterschiede, ein zusätzlich hängendes Lid, Schmerzen oder Doppelbilder sollten aber ärztlich angesehen werden.

Warum schwitze ich auf einer Gesichtshälfte weniger?

Der Sympathikus steuert auch die Schweißdrüsen im Gesicht. Ist er auf einer Seite gestört, bleibt diese Gesichtshälfte trockener, besonders bei Hitze oder Sport. Beim Einriss der Halsschlagader fehlt dieses Zeichen oft, weil die Schweißfasern einen anderen Weg nehmen. Normales Schwitzen schließt einen Einriss also nicht aus.

Wird mein Sehen durch das Horner-Syndrom schlechter?

Meist nicht. Sehschärfe und Netzhaut bleiben beim Horner-Syndrom in der Regel normal. Manche Betroffene sehen bei Dämmerung etwas schlechter, weil die enge Pupille weniger Licht hereinlässt. Plötzliches Verschwommensehen, Doppelbilder oder eine kurze Erblindung gehören nicht zum Horner-Syndrom und sind ein Notfall.

Das könnte Sie auch interessieren

Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 21 Quellen anzeigen
  1. Horner-Syndrom (Ausgabe für Patienten) – MSD Manual (DE)
  2. Horner-Syndrom (Ausgabe für Fachpersonal) – MSD Manual (DE)
  3. Horner-Syndrom – AMBOSS (DE)
  4. Karotis- und Vertebralisdissektion – AMBOSS (DE)
  5. Horner-Syndrom – DocCheck Flexikon (DE)
  6. Unfallbedingte zervikale Arterienverletzungen – Suva Medical (Schweiz) (FR)
  7. Apraclonidine Is Better Than Cocaine for Detection of Horner Syndrome – Frontiers in Neurology (2019) (EN)
  8. Horner Syndrome: Using Apraclonidine Drops in Children – American Academy of Ophthalmology, EyeNet (EN)
  9. Neuro-ophthalmology Question of the Week: Horner Syndrome in Children – Stanford University, Neuro-Ophthalmology (EN)
  10. Neuroblastoma in a Case with Congenital Horner's Syndrome – Turkish Journal of Ophthalmology (2014) (EN)
  11. Syndrome de Claude Bernard-Horner (version professionnelle) – Manuel MSD (FR)
  12. Syndrome de Claude Bernard-Horner révélant une dissection carotidienne spontanée – Revue Médicale de Liège 2013;68(1):11-15 (FR)
  13. Troubles ophtalmologiques : quand évoquer une urgence neurovasculaire – La Revue du Praticien (FR)
  14. Anisocorie – La Revue du Praticien (FR)
  15. Syndrome de Claude Bernard-Horner (cas clinique) – La Revue du Praticien (FR)
  16. Síndrome de Horner (versión para el público general) – Manual MSD (ES)
  17. Anomalías pupilares en la edad pediátrica (Oftalmopediatría, cap. 7) – Sociedad Española de Oftalmología (SEO), Libro para la formación de residentes (ES)
  18. Síndrome de Horner pediátrico. A propósito de una serie de 14 casos en un hospital terciario – Archivos de la Sociedad Española de Oftalmología (2020) (ES)
  19. Síndrome de Horner como manifestación de disección de la arteria carótida – Archivos de la Sociedad Española de Oftalmología 2011;86:377-9 (ES)
  20. Síndrome de Claude Bernard-Horner (presentación de caso) – Acta Médica 2025;26:e464, Hospital Hermanos Ameijeiras, La Habana (ES)
  21. Doctora, tengo una pupila más grande que la otra – SEMERGEN 2019 (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss