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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Makula

Krankhafte Kurzsichtigkeit (Pathologische Myopie und myope Makulopathie)

Bei der krankhaften (pathologischen) Kurzsichtigkeit ist der Augapfel so stark in die Länge gewachsen, dass Netzhaut, Aderhaut und Lederhaut gedehnt und geschädigt werden. Sie betrifft vor allem Menschen mit hoher Kurzsichtigkeit ab etwa −6 Dioptrien und kann das scharfe Sehen in der Mitte bedrohen; die wichtigste Komplikation, die myope CNV, lässt sich mit Spritzen ins Auge meist wirksam behandeln.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 41 Minuten · 23 Quellen in 4 Sprachen

Dringend: Neues Verzerrtsehen oder ein neuer Fleck in der Bildmitte innerhalb weniger Tage abklären lassen; Lichtblitze, plötzlich viele schwarze Punkte oder ein Schatten sind ein Notfall am selben Tag. Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (7)

Was ist krankhafte Kurzsichtigkeit?

Krankhafte Kurzsichtigkeit (pathologische Myopie) ist eine Kurzsichtigkeit, bei der das zu lange Auge bereits sichtbare Schäden am Augenhintergrund hat. Das International Myopia Institute (IMI), ein internationales Fachgremium, beschreibt sie als übermäßige Verlängerung des Augapfels, die zu bleibenden Veränderungen im hinteren Augenabschnitt führt. Dazu gehören eine Ausbuchtung der hinteren Augenwand (hinteres Staphylom), Schäden an der Stelle des schärfsten Sehens (myope Makulopathie) und Schäden am Sehnerv. Diese Veränderungen können das Sehen auch mit Brille oder Kontaktlinsen verschlechtern.

Die gewöhnliche Kurzsichtigkeit ist dagegen nur ein Brechungsfehler: Das Bild wird vor der Netzhaut scharf, und eine Brille gleicht das vollständig aus. Bei der krankhaften Form reicht die Brille nicht mehr, weil das Gewebe selbst gelitten hat.

Ist hohe Kurzsichtigkeit dasselbe wie krankhafte Kurzsichtigkeit?

Nein: Hohe Kurzsichtigkeit beschreibt die Stärke der Fehlsichtigkeit, krankhafte Kurzsichtigkeit die Schäden am Augenhintergrund. Als hoch gilt eine Kurzsichtigkeit ab etwa −6 Dioptrien (dpt) oder eine Augenlänge ab etwa 26 bis 26,5 Millimetern; ein normales erwachsenes Auge ist rund 23 bis 24 Millimeter lang. Die meisten Menschen mit krankhafter Kurzsichtigkeit sind hoch kurzsichtig, aber nicht alle hoch Kurzsichtigen haben Schäden.

Umgekehrt können typische Veränderungen, vor allem das Staphylom, gelegentlich auch bei Augen unter −6 dpt vorkommen. Die spanische Fachgesellschaft SEO empfiehlt, im Zweifel die gemessene Augenlänge stärker zu gewichten als die Dioptrienzahl, weil sie die Dehnung direkter abbildet.

Was passiert im Auge?

Das Auge wächst zu stark in die Länge, und seine hinteren Wandschichten werden dabei wie ein Ballon gedehnt und dünner. Betroffen sind drei Schichten: die Netzhaut mit den Sinneszellen, die darunterliegende gut durchblutete Aderhaut und die feste äußere Lederhaut. Werden diese Schichten zu dünn, entstehen Risse, Gewebeschwund und manchmal neue, krankhafte Blutgefäße.

Welche Schäden sind typisch?

Die wichtigsten Veränderungen sind Gewebeschwund an der Makula, Risse in einer feinen Trennschicht, neue Blutgefäße unter der Netzhaut und Zug an der Netzhautmitte. Fachleute fassen sie unter dem Begriff myope Makulopathie zusammen. Daneben steigt das Risiko für Netzhautablösung, Grünen Star und einen früheren Grauen Star.

  • Atrophie: Netzhaut und Aderhaut werden dünn und verschwinden stellenweise.
  • Lackrisse: feine Risse in der Bruch-Membran, einer Trennschicht zwischen Netzhaut und Aderhaut.
  • Myope CNV (choroidale Neovaskularisation): neue, undichte Gefäße wachsen aus der Aderhaut unter die Netzhaut.
  • Fuchs-Fleck: dunkle Narbe nach einer abgelaufenen CNV.
  • Traktion: Zug an der Makula, der die Netzhaut aufspalten (Foveoschisis) oder ein Loch erzeugen kann.
  • Staphylom: Ausbuchtung der hinteren Augenwand nach hinten.

Wie häufig ist krankhafte Kurzsichtigkeit?

Weltweit sind bis zu 3 % der Menschen betroffen, in Asien etwa 1 bis 3 %, bei Menschen europäischer Herkunft rund 1 %. Unter hoch Kurzsichtigen haben laut IMI 50 bis 70 % zumindest leichte Veränderungen; eine große britische Untersuchung (UK Biobank, 2025) fand bei 41,7 % der hoch Kurzsichtigen eine pathologische Myopie, fast immer in milder Form. Für Deutschland und Österreich gibt es nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) keine verlässlichen eigenen Zahlen.

In Europa ist krankhafte Kurzsichtigkeit eine wichtige Ursache für bleibende Sehbehinderung. Die SEO beziffert ihren Anteil an den Erblindungen in Europa auf 5,8 bis 7,8 %, die französische Académie nationale de médecine nannte die hohe Kurzsichtigkeit 2005 die fünfthäufigste Erblindungsursache in Frankreich. Weil Kurzsichtigkeit weltweit stark zunimmt, rechnen Fachleute künftig mit mehr Betroffenen.

Wen betrifft sie?

Betroffen sind vor allem Erwachsene mit langer, hoher Kurzsichtigkeit, die Schäden nehmen meist ab etwa 40 Jahren deutlich zu. Die Grundlage entsteht aber früh: Die meisten Betroffenen tragen schon als Kind dicke Brillengläser. Die myope CNV, die wichtigste behandelbare Komplikation, trifft oft Menschen unter 50 Jahren, die noch im Berufsleben stehen.

Kann man sie behandeln?

Die Dehnung selbst lässt sich nicht rückgängig machen, viele ihrer Komplikationen sind aber gut behandelbar. Neue Gefäße unter der Netzhaut werden mit Spritzen ins Auge gebremst, oft reichen wenige Injektionen. Zug an der Makula und Netzhautablösungen werden operiert. Entscheidend ist, Veränderungen früh zu bemerken und regelmäßig zur Kontrolle zu gehen.

2 Symptome

In diesem Kapitel (19)

Macht krankhafte Kurzsichtigkeit am Anfang Beschwerden?

Meist nicht: Die frühen Veränderungen am Augenhintergrund entwickeln sich langsam und bleiben oft jahrelang unbemerkt. Ein gemusterter, sogenannter getigerter Augenhintergrund oder eine leichte, verstreute Verdünnung der Aderhaut fallen oft nur der Augenärztin oder dem Augenarzt bei der Untersuchung auf. Auch eine Spaltung der Netzhaut im Zentrum (Foveoschisis) wird häufig erst als Zufallsbefund in einer Schichtaufnahme entdeckt. Deshalb sind Kontrollen auch ohne Beschwerden sinnvoll.

Spürbar wird die Erkrankung meist erst, wenn eine Komplikation die Makula erreicht. Die Makula ist ein nur wenige Millimeter großer Bereich in der Netzhautmitte, mit dem wir lesen, Gesichter erkennen und feine Details sehen. Ist sie gestört, leidet vor allem das zentrale Sehen, während das Sehen am Rand erhalten bleibt.

Welche Beschwerden macht die hohe Kurzsichtigkeit selbst?

Die hohe Kurzsichtigkeit selbst führt zu unscharfem Sehen in der Ferne bei meist scharfem Sehen in der Nähe. Ohne Brille müssen Betroffene Texte sehr nah vor die Augen halten. Mit passender Brille oder Kontaktlinsen sehen die meisten zunächst gut.

Häufig kommen weitere Beschwerden hinzu, die zur Kurzsichtigkeit allgemein gehören und noch nichts über Netzhautschäden aussagen:

  • Zusammenkneifen der Augen beim Blick in die Ferne
  • Kopfschmerzen und müde Augen, vor allem mit veralteter Brille
  • Lichthöfe um Lampen bei Nacht
  • früher und häufiger wahrnehmbare Glaskörpertrübungen, also kleine Schatten, Fäden oder Punkte, die mit dem Blick wandern

Die Glaskörpertrübungen haben einen Grund: Im langen Auge altert der Glaskörper, die gelartige Füllung des Auges, früher. Darum bemerken Kurzsichtige solche Mouches volantes oft schon in jungen Jahren. Bekannte, gleichbleibende Trübungen sind meist harmlos; neue oder plötzlich viele sind es nicht.

Ein frühes Zeichen: Die Brille reicht nicht mehr

Ein typisches erstes Zeichen ist, dass die Sehschärfe auch mit neuer, passender Brille nicht mehr den früheren Wert erreicht. Fachleute sprechen von nachlassender bestkorrigierter Sehschärfe. Das ist ein wichtiger Unterschied zur einfachen Kurzsichtigkeit, bei der eine neue Brille wieder volle Schärfe bringt.

Wer bemerkt, dass die Optikerin oder der Optiker die Schärfe nicht mehr wie gewohnt herstellen kann, sollte das augenärztlich abklären lassen. Hinter einer ständig steigenden Dioptrienzahl im Erwachsenenalter kann auch ein beginnender Grauer Star stecken, der bei Kurzsichtigen früher auftritt.

Verzerrtsehen: Gerade Linien wirken krumm

Das wichtigste Warnzeichen ist Verzerrtsehen, in der Fachsprache Metamorphopsie: Gerade Linien erscheinen wellig, geknickt oder verbogen. Typische Beispiele sind Fensterrahmen, Türkanten, Fliesenfugen, Tabellenlinien oder die Zeilen eines Textes. Manchmal wirken auch Gegenstände kleiner oder größer als mit dem anderen Auge.

Ursache ist meist eine Verformung der Netzhautmitte. Bei der myopen CNV heben neue Gefäße und ausgetretene Flüssigkeit die Netzhaut leicht an, sodass die Sinneszellen nicht mehr in einer Ebene liegen. Auch Zug an der Makula oder eine Spaltung der Netzhautschichten kann Verzerrungen auslösen. Neues Verzerrtsehen gehört bei hoher Kurzsichtigkeit innerhalb weniger Tage in augenärztliche Hände.

Ein grauer oder dunkler Fleck in der Mitte

Ein weiteres zentrales Warnzeichen ist ein verschwommener, grauer oder dunkler Fleck genau dort, wo man hinschaut. Fachleute nennen einen solchen Ausfall Skotom. Betroffene beschreiben ihn als Nebelfleck, als Lücke in Wörtern oder als fehlende Nase im Gesicht des Gegenübers.

Der Fleck kann bei einer frischen Einblutung plötzlich da sein oder sich über Wochen langsam entwickeln. Er wandert mit dem Blick mit, denn er sitzt auf der Netzhaut und nicht im Raum. Das Sehen am Rand bleibt meist erhalten, sodass Betroffene sich im Raum weiter gut zurechtfinden.

Wie entwickeln sich die Beschwerden bei einer myopen CNV?

Bei einer myopen CNV kommt meist zuerst das Verzerrtsehen, später ein zentraler Fleck. Die spanische Fachgesellschaft SEO beschreibt den typischen Ablauf in mehreren Schritten:

  1. Zuerst verzerren sich Linien, weil neue Gefäße und Flüssigkeit die Netzhaut verformen.
  2. Bildet sich eine Flüssigkeits- oder Blutansammlung unter der Netzhaut, entsteht ein unscharfer, später dunkler Fleck in der Mitte.
  3. Wird der Fleck größer und dichter, nimmt die Verzerrung paradoxerweise ab, weil die Sinneszellen in diesem Bereich zunehmend geschädigt sind.
  4. Ohne Behandlung vernarbt die Stelle; zurück bleibt oft ein dauerhafter Ausfall in der Bildmitte.

Wichtig ist deshalb: Ein Nachlassen der Verzerrung ist kein gutes Zeichen, wenn gleichzeitig der Fleck wächst. Der Sehverlust verläuft meist schrittweise, kann aber auch plötzlich auftreten, etwa bei einer Blutung.

Plötzlicher Sehverlust durch eine Blutung

Eine plötzliche Sehverschlechterung mit Fleck und Verzerrung kann auf eine Blutung an der Makula hinweisen. Ursache ist meist eine myope CNV, manchmal aber auch ein frischer Lackriss, also ein Einriss der Bruch-Membran. Blutungen durch einen Lackriss ohne neue Gefäße bilden sich oft von selbst zurück.

Von außen sind beide Ursachen nicht zu unterscheiden. Erst die Untersuchung mit Schichtaufnahme und gegebenenfalls Farbstoffdarstellung klärt, ob eine Behandlung nötig ist. Deshalb sollte jeder plötzliche Sehverlust bei hoher Kurzsichtigkeit rasch abgeklärt werden.

Schleichender Verlust des zentralen Sehens durch Gewebeschwund

Fortschreitender Gewebeschwund (Atrophie) an der Makula verschlechtert das zentrale Sehen meist langsam über Monate und Jahre. Betroffene merken zuerst, dass Lesen anstrengender wird, kleine Schrift schwerer zu entziffern ist und mehr Licht nötig ist. Später fallen Buchstaben oder ganze Wortteile aus.

Häufig entsteht Atrophie auch rund um eine abgeheilte CNV-Narbe. Sie ist langfristig der wichtigste Grund für bleibenden Sehverlust bei krankhafter Kurzsichtigkeit, auch wenn die CNV gut behandelt wurde. Atrophie verursacht selten Verzerrungen, eher stille, langsam größer werdende Lücken.

Beschwerden bei Zug an der Makula

Zug an der Makula (myope Traktionsmakulopathie) macht oft lange gar keine Beschwerden und verschlechtert das Sehen dann langsam. Im langen, ausgebuchteten Auge zieht die Netzhaut an ihrer Unterlage, ihre Schichten spalten sich auf (Foveoschisis). Der französische Bericht der Fachgesellschaft SFO beschreibt eine langsame Verschlechterung über Monate bis Jahre, Verzerrtsehen und rasches Ermüden beim Lesen.

Die Sehschärfe liegt bei einer isolierten Spaltung oft noch bei etwa 0,3 bis 0,6, also 30 bis 60 % des Normalwerts. Ein plötzlicher, deutlicher Abfall des zentralen Sehens spricht dagegen für eine Weiterentwicklung zu einem Makulaforamen (Loch in der Netzhautmitte) oder zu einer Ablösung der Netzhautmitte. Dann ist rasches Handeln nötig.

Beschwerden bei der kuppelförmigen Makula

Bei einer kuppelförmigen Makula (dome-shaped macula) ist das Sehen oft erstaunlich gut. Dabei wölbt sich die Netzhautmitte im Inneren des Staphyloms leicht nach vorn. Laut SFO liegt die Sehschärfe meist über 0,4; manchmal sammelt sich wechselnd etwas Flüssigkeit unter der Netzhaut, die zu leichter Unschärfe oder Verzerrung führt und sich oft von selbst zurückbildet.

Lichtblitze, Rußregen und ein Schatten: Zeichen einer Netzhautablösung

Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte und ein Schatten am Rand des Gesichtsfelds sind Warnzeichen einer Netzhautablösung und ein Notfall. Hoch kurzsichtige Augen haben ein mehrfach erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung. Die Ablösung selbst tut nicht weh, deshalb wird sie leicht unterschätzt.

  • Lichtblitze: kurze, helle Blitze oder Bögen, meist am Rand des Gesichtsfelds, auch bei geschlossenen Augen oder im Dunkeln.
  • Rußregen: plötzlich viele kleine schwarze Punkte, wie ein Schwarm; oft Zeichen einer kleinen Blutung aus einem Netzhautriss.
  • Neue Mouches volantes: ein neuer großer Ring, Faden oder Fleck, der mit dem Blick wandert.
  • Schatten oder Vorhang: ein dunkler Bereich, der sich vom Rand zur Mitte schiebt, oft beschrieben als Vorhang oder Mauer.
  • Verschwommenes Sehen: wenn die Ablösung die Makula erreicht, sinkt auch das zentrale Sehen.

Blitze zusammen mit plötzlich vielen Mouches volantes haben mehr Gewicht als jedes Zeichen allein. Oft steckt zunächst eine harmlose Glaskörperabhebung dahinter, die aber einen Riss verursachen kann. Ob das so ist, lässt sich nur bei der Untersuchung mit erweiterter Pupille klären, am besten noch am selben Tag.

Grüner Star: lange ohne Beschwerden

Ein Grüner Star (Glaukom) verursacht bei Kurzsichtigen lange keinerlei Beschwerden. Er schädigt den Sehnerv langsam und schmerzlos, die Ausfälle beginnen meist am Rand des Gesichtsfelds. Das Gehirn füllt die Lücken auf, und das andere Auge gleicht sie aus.

Erst spät, wenn auch das Zentrum betroffen ist, fällt der Sehverlust auf, und dann ist er nicht mehr rückgängig zu machen. Bei hoher Kurzsichtigkeit ist der Grüne Star zudem schwerer zu erkennen, weil der Sehnerv oft schräg ins Auge eintritt und schon von Natur aus ungewöhnlich aussieht. Deshalb gehören Sehnerv und Gesichtsfeld zu jeder Kontrolle.

Grauer Star: Blendung und steigende Minuswerte

Ein Grauer Star (Katarakt) tritt bei hoher Kurzsichtigkeit früher auf, teils schon vor dem 50. Lebensjahr. Typisch sind zunehmende Blendung, besonders bei Gegenlicht und nachts im Straßenverkehr, flauere Farben und ein Schleier vor den Augen. Eine Trübung im Linsenkern kann zudem die Kurzsichtigkeit weiter verstärken, sodass die Brille immer stärker werden muss.

Betrifft es ein Auge oder beide?

Krankhafte Kurzsichtigkeit betrifft meist beide Augen, oft aber unterschiedlich stark. Eine myope CNV tritt nach Angaben der DOG in etwa 15 % der Fälle an beiden Augen auf; häufig folgt das zweite Auge erst Jahre später. Eine Übersichtsarbeit nennt für das Partnerauge eine CNV bei rund einem Drittel innerhalb von acht Jahren.

Weil das bessere Auge die Ausfälle des schlechteren überdeckt, bleiben einseitige Veränderungen oft unbemerkt. Ein einfacher Trick hilft: Jedes Auge regelmäßig einzeln prüfen, indem man das andere mit der Hand abdeckt und auf eine gerade Linie oder einen Text schaut. Viele Betroffene entdecken die Verzerrung erst so, zum Beispiel wenn sie zufällig ein Auge zuhalten.

Wie fühlt sich krankhafte Kurzsichtigkeit im Alltag an?

Im Alltag fallen vor allem Tätigkeiten schwer, die scharfes zentrales Sehen brauchen. Dazu gehören Lesen, Arbeiten am Bildschirm, das Erkennen von Gesichtern auf der Straße, Kochen mit genauem Abmessen und Autofahren. Verzerrte Linien stören beim Ausfüllen von Formularen oder beim Lesen von Tabellen.

Viele Betroffene helfen sich unbewusst: Sie halten Texte noch näher, drehen den Kopf, um an einem Fleck vorbeizuschauen, oder brauchen mehr Licht. In der Dämmerung und bei schwachem Kontrast nehmen die Schwierigkeiten oft zu. Wer eine Verschlechterung beim Autofahren bemerkt, sollte seine Fahrtauglichkeit augenärztlich prüfen lassen.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige bemerken oft zuerst Verhaltensänderungen, bevor Betroffene selbst von Sehproblemen sprechen. Typische Beobachtungen, die sich aus den Beschwerden ableiten:

  • Die Person liest auffallend nah oder mit Lupe und braucht viel Licht.
  • Sie erkennt Bekannte auf der Straße erst spät oder grüßt nicht zurück.
  • Sie meidet Autofahren, vor allem bei Dunkelheit oder Regen.
  • Sie verschreibt sich, verrutscht beim Schreiben in der Zeile oder verwechselt Zahlen.
  • Sie beschreibt Dinge als schief oder verbogen, die gerade sind.
  • Sie hält den Kopf schräg oder schaut an Dingen vorbei.

Solche Beobachtungen sind ein guter Anlass, einen Augenarzttermin anzuregen. Das gilt besonders, wenn die Person schon lange stark kurzsichtig ist.

Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern stehen nicht Netzhautschäden, sondern die schnell zunehmende Kurzsichtigkeit im Vordergrund. Die Komplikationen der krankhaften Kurzsichtigkeit treten in aller Regel erst im Erwachsenenalter auf. Kinder mit rasch wachsenden Augen haben aber ein höheres Risiko, später eine hohe und krankhafte Kurzsichtigkeit zu entwickeln.

Eltern können auf diese Zeichen einer Kurzsichtigkeit achten:

  • Zusammenkneifen der Augen beim Blick zur Tafel oder zum Fernseher
  • sehr nahes Sitzen vor Bildschirm oder Fernseher
  • Bücher und Spielsachen werden dicht vor die Augen gehalten
  • häufiges Blinzeln oder Augenreiben, Kopfschmerzen nach der Schule
  • entfernte Dinge oder Personen werden schlecht erkannt

Schulische Sehtests und einfache Screenings erkennen eine Kurzsichtigkeit nicht immer. Bei kurzsichtigen Eltern ist eine frühe augenärztliche Untersuchung sinnvoll. Mehr dazu steht im Artikel zur Kurzsichtigkeit.

Besonderheiten bei älteren Menschen

Ab etwa 40 Jahren nehmen Häufigkeit und Schwere der Makulaschäden bei hoher Kurzsichtigkeit deutlich zu. Hinzu kommen der frühere Graue Star und ein erhöhtes Risiko für Grünen Star. Bei älteren Menschen überlagern sich deshalb oft mehrere Ursachen für schlechteres Sehen.

Ab etwa 50 bis 55 Jahren kann eine neue Gefäßbildung unter der Netzhaut auch Folge einer altersabhängigen Makuladegeneration sein. Die Unterscheidung ist wichtig, weil die feuchte AMD meist häufigere Spritzen braucht als die myope CNV. Beide zeigen sich aber mit denselben Warnzeichen: Verzerrung und Fleck in der Mitte.

Welche Beschwerden deuten auf welche Ursache hin?

Die folgende Übersicht ordnet typische Beschwerden möglichen Ursachen zu; sie ersetzt keine Untersuchung.

BeschwerdeMögliche UrsacheWie schnell zum Augenarzt?
Lichtblitze, Rußregen, Schatten oder VorhangNetzhautriss oder NetzhautablösungSofort, am selben Tag
Plötzlicher Sehverlust in der MitteBlutung durch CNV oder Lackriss, Makulaloch, Ablösung der MakulaSofort, am selben Tag
Neues Verzerrtsehen, neuer Fleck in der MitteMyope CNV, Zug an der MakulaInnerhalb weniger Tage
Langsam nachlassendes Lesen trotz BrilleAtrophie, Foveoschisis, Grauer StarIn den nächsten Wochen
Zunehmende Blendung, Brille wird immer stärkerGrauer StarRegulärer Termin
Keine BeschwerdenFrühe Veränderungen, Grüner Star möglichRegelmäßige Kontrolle

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (10)

Was ist die Ursache der krankhaften Kurzsichtigkeit?

Die Ursache ist ein übermäßiges Längenwachstum des Augapfels, das die hinteren Wandschichten dehnt und ausdünnt. Je länger das Auge, desto stärker die Dehnung. Ein Millimeter mehr Augenlänge entspricht ungefähr drei Dioptrien mehr Kurzsichtigkeit.

Das Wachstum des Auges wird in Kindheit und Jugend von der Netzhaut gesteuert. Kommt zu wenig scharfes Licht in der Ferne an, etwa bei viel Naharbeit und wenig Tageslicht, wächst das Auge stärker. Bei manchen Menschen setzt sich die Dehnung auch im Erwachsenenalter langsam fort.

Warum führt die Dehnung zu Schäden?

Die Dehnung überfordert die Gewebe, die sich nicht mitvergrößern können. Netzhaut, Aderhaut und Lederhaut werden dünner. Die Aderhaut, die die äußere Netzhaut mit Sauerstoff versorgt, verliert Blutgefäße; dadurch gehen auch Pigmentepithel und Sinneszellen zugrunde.

Die Bruch-Membran, eine feine Trennschicht zwischen Netzhaut und Aderhaut, kann reißen. Durch diese Risse können neue Gefäße aus der Aderhaut unter die Netzhaut wachsen. Unterstützt wird das durch den Wachstumsfaktor VEGF, den das schlecht versorgte Gewebe vermehrt ausschüttet.

Was ist ein hinteres Staphylom?

Ein hinteres Staphylom ist eine Ausbuchtung der hinteren Augenwand, die stärker gekrümmt ist als die Umgebung. Man kann es sich wie eine Beule in einem aufgeblasenen Ballon vorstellen, an der die Wand besonders dünn ist. Laut einer Übersicht der American Academy of Ophthalmology kommt es bei etwa einem Drittel der hoch kurzsichtigen Augen vor, bei sehr langen Augen deutlich häufiger.

Das Staphylom entsteht meist um das 40. Lebensjahr und wächst mit Alter und Augenlänge. Es gilt als Ausgangspunkt vieler Spätschäden: Atrophie, Lackrisse, Zug an der Makula und Netzhautablösungen am hinteren Pol treten vor allem in Augen mit Staphylom auf.

Wie entstehen Lackrisse und die myope CNV?

Lackrisse sind feine, gelbliche Risse in der Bruch-Membran, die durch die Dehnung entstehen. Sie finden sich bei rund 4 % der Augen mit einer Länge ab 26,5 Millimetern. Etwa 29 % der Augen mit Lackrissen entwickeln später eine myope CNV.

Bei der myopen CNV wachsen neue, undichte Gefäße durch die Risse unter die Netzhaut. Sie können Flüssigkeit austreten lassen und bluten. Die myope CNV entsteht nach Angaben der DOG bei etwa 5 bis 10 % der Menschen mit krankhafter Kurzsichtigkeit und gilt als eine der häufigsten Ursachen für Sehverlust bei Menschen unter 50 Jahren.

Was ist der Fuchs-Fleck?

Der Fuchs-Fleck ist eine dunkle, pigmentierte Narbe an der Makula, die nach einer abgelaufenen CNV zurückbleibt. Er gilt als Endstadium der myopen CNV und wird im Laufe der Jahre oft größer. Die Clínica Universidad de Navarra beschreibt ihn vor allem bei Kurzsichtigkeit ab 6 dpt, am häufigsten bei 10 bis 15 dpt.

Wie entsteht Zug an der Makula?

Zug an der Makula entsteht, weil die Netzhaut der Ausbuchtung des Staphyloms nicht vollständig folgen kann. Die festen inneren Schichten der Netzhaut und anhaftende Glaskörperreste ziehen nach innen, während die Augenwand nach außen weicht. Dadurch spalten sich die Netzhautschichten auf, es kann sich die Netzhautmitte abheben oder ein Loch entstehen. Nach dem französischen SFO-Bericht kommt diese Spaltung nur in Augen mit Staphylom vor und häufiger bei Frauen.

Ist krankhafte Kurzsichtigkeit erblich?

Krankhafte Kurzsichtigkeit hat eine erbliche Komponente, folgt aber keinem einfachen Erbgang. Viele Gene tragen jeweils ein wenig bei, und Umweltfaktoren haben großen Einfluss. Ob dieselben Gene, die eine einfache Kurzsichtigkeit begünstigen, auch für die krankhafte Form verantwortlich sind, ist nach dem IMI-Bericht nicht geklärt.

Für Kurzsichtigkeit allgemein zeigt eine US-Studie, die die Stiftung Auge der DOG zitiert: Sind beide Eltern kurzsichtig, liegt das Risiko des Kindes bei etwa 60 %, bei einem Elternteil bei etwa 30 %, bei keinem bei etwa 10 %. Eine familiäre Belastung erhöht das Risiko also deutlich, bestimmt das Schicksal aber nicht.

Selten ist eine hohe Kurzsichtigkeit Teil einer angeborenen Bindegewebs- oder Netzhauterkrankung. Fällt eine sehr hohe Kurzsichtigkeit schon im Kleinkindalter auf, wird deshalb gezielt nach solchen Ursachen gesucht.

Welche Umweltfaktoren spielen eine Rolle?

Viel Naharbeit und wenig Zeit im Tageslicht in Kindheit und Jugend fördern das Längenwachstum des Auges. Nach der Stiftung Auge erhöht jede zusätzliche Wochenstunde Naharbeit das Kurzsichtigkeitsrisiko um etwa 2 %. Zeit im Freien wirkt schützend; im Winter schreitet Kurzsichtigkeit bei Kindern meist stärker voran.

Auch lange Schul- und Ausbildungszeiten und das Leben in der Stadt gehen mit mehr hoher Kurzsichtigkeit einher. In Teilen Asiens ist der Anteil Kurzsichtiger unter jungen Menschen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts von rund 20 % auf bis zu 80 % gestiegen, was zeigt, wie stark Lebensumstände wirken.

Welche Risikofaktoren erhöhen die Gefahr von Schäden?

Die drei wichtigsten Risikofaktoren für Schäden am Augenhintergrund sind eine größere Augenlänge, eine höhere Dioptrienzahl und ein höheres Alter. Daneben werden weitere Faktoren diskutiert:

  • Augenlänge: je länger, desto höher das Risiko; ab etwa 26 Millimetern deutlich, ab 28 bis 30 Millimetern stark erhöht.
  • Dioptrien: Das Risiko für Makulaschäden steigt mit der Stärke der Kurzsichtigkeit steil an.
  • Alter: Häufigkeit und Schwere nehmen ab etwa 40 Jahren zu.
  • Staphylom und Lackrisse: gelten als Vorboten eines ungünstigeren Verlaufs.
  • Geschlecht: Frauen scheinen in einigen Studien häufiger betroffen.
  • Herkunft: In ostasiatischen Bevölkerungen ist hohe Kurzsichtigkeit häufiger.
  • Schnelles Fortschreiten in der Kindheit: Eine Zunahme um mehr als 0,5 dpt pro Jahr gilt als bedeutsam.

Wie stark steigt das Risiko für Folgeerkrankungen?

Das Risiko für Folgeerkrankungen steigt mit jeder Dioptrie, am stärksten für Makulaschäden. Eine große Auswertung vieler Studien (Haarman und Kollegen, 2020) hat die relativen Risiken im Vergleich zu nicht kurzsichtigen Augen zusammengefasst:

FolgeerkrankungGeringe MyopieMittlere MyopieHohe Myopie (ab −6 dpt)
Myope Makuladegenerationetwa 14-fachetwa 73-fachum ein Vielfaches höher (sehr unsichere Schätzung)
Netzhautablösungetwa 3-fachetwa 9-fachetwa 13-fach
Grauer Star (hintere Rinde)etwa 1,6-fachetwa 2,6-fachetwa 4,6-fach
Grauer Star (Linsenkern)etwa 1,8-fachetwa 2,4-fachetwa 2,9-fach
Offenwinkelglaukometwa 1,6-fachetwa 2,9-fachetwa 2,9-fach (mittel und hoch gemeinsam ausgewertet)

Diese Zahlen beschreiben relative Risiken, keine Wahrscheinlichkeiten für den Einzelnen. Auch ein stark erhöhtes Risiko bedeutet nicht, dass die Erkrankung sicher eintritt.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (8)

Wie wird krankhafte Kurzsichtigkeit festgestellt?

Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt durch eine Untersuchung des Augenhintergrunds bei erweiterter Pupille, meist ergänzt durch Schichtaufnahmen der Netzhaut. Grundlage ist der Nachweis typischer Veränderungen, nicht allein die Dioptrienzahl. Die Untersuchung ist schmerzfrei.

Was gehört zur Untersuchung?

Zur Untersuchung gehören die Messung der Sehschärfe mit bester Korrektur, die Augendruckmessung und die Betrachtung des Augenhintergrunds. Für die Netzhaut werden die Pupillen mit Tropfen erweitert. Danach sieht man für einige Stunden unscharf und ist blendempfindlich; in dieser Zeit dürfen Sie nicht selbst Auto fahren.

  • Sehschärfe mit bester Brille: zeigt, ob die Makula beeinträchtigt ist.
  • Spaltlampe: Mikroskop zur Untersuchung der vorderen Augenabschnitte und, mit Lupe, des Augenhintergrunds.
  • Untersuchung der Netzhautperipherie: sucht nach dünnen Stellen, Rissen und Gitterlinien-Degenerationen, die zu einer Ablösung führen können.
  • Augendruck und Sehnerv: wichtig wegen des erhöhten Glaukomrisikos.

Was zeigt die OCT?

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist das wichtigste Gerät zur Verlaufskontrolle: Sie erstellt in Sekunden berührungsfrei Schnittbilder der Netzhaut. Darin erkennt man Flüssigkeit unter oder in der Netzhaut, eine aktive CNV, eine Spaltung der Netzhaut, ein Makulaloch und die kuppelförmige Makula. Auch die Dicke der Aderhaut lässt sich messen.

Eine aktive myope CNV zeigt sich als kleine, helle Erhebung unter der Netzhaut, oft mit wenig Flüssigkeit. Im Narbenstadium wird sie flacher und pigmentiert. Weitwinkel-OCT-Geräte können auch große Staphylome vollständig darstellen. Als Vorsorgeuntersuchung ohne Befund wird die OCT in Deutschland und Österreich häufig privat abgerechnet; fragen Sie vorab nach den Kosten.

Wann ist eine Farbstoffuntersuchung nötig?

Eine Fluoreszein-Angiographie (Farbstoff wird in eine Armvene gespritzt, dann werden Fotos der Netzhautgefäße gemacht) gilt als Grundlage für den sicheren Nachweis einer CNV. Die gemeinsame Stellungnahme von DOG, Berufsverband der Augenärzte (BVA) und Retinologischer Gesellschaft empfiehlt sie vor jeder Erstbehandlung, sofern keine Allergie gegen den Farbstoff besteht. Bei Verlaufskontrollen wird sie nur bei Bedarf wiederholt.

Danach kann die Haut für einige Stunden gelblich wirken und der Urin gelb gefärbt sein; das ist harmlos. Bei dichten Blutungen wird ergänzend eine Indocyaningrün-Angiographie eingesetzt, die tiefer liegende Gefäße darstellt.

Was ist eine OCT-Angiographie?

Die OCT-Angiographie (OCTA) stellt Blutgefäße ohne Farbstoffspritze dar. Sie erkennt eine myope CNV oft zuverlässig und wird mit der normalen OCT kombiniert. In sehr langen Augen, bei großen Atrophiezonen oder unruhiger Fixation stößt sie aber an Grenzen, sodass sie die Farbstoffuntersuchung nicht immer ersetzt.

Welche weiteren Untersuchungen gibt es?

Je nach Befund kommen weitere Verfahren hinzu, die jeweils eine bestimmte Frage beantworten:

  • Fundusfotografie: dokumentiert den Befund und ermöglicht die Einteilung in Stadien.
  • Autofluoreszenz: Aufnahme mit bestimmtem Licht, die Gewebeschwund besonders gut sichtbar macht.
  • Messung der Augenlänge (Biometrie): optisch oder per Ultraschall; wichtig für die Verlaufskontrolle und vor Operationen.
  • Ultraschall (B-Bild): zeigt ein Staphylom oft besser als der Blick in das Auge.
  • Gesichtsfeldmessung: zur Erkennung eines Grünen Stars und zur Beurteilung von Ausfällen.
  • Amsler-Gitter: Gitternetz zum Selbsttest auf Verzerrungen und Flecken.

Wie wird krankhafte Kurzsichtigkeit eingeteilt?

International wird die myope Makulopathie nach der META-PM-Einteilung anhand von Fotos des Augenhintergrunds in fünf Kategorien gestuft. Ab Kategorie 2 spricht man von krankhafter Kurzsichtigkeit.

KategorieBefundBedeutung
0Keine myopen NetzhautveränderungenUnauffällig
1Getigerter Augenhintergrund (Aderhautgefäße scheinen durch)Zeichen der Dehnung, noch nicht krankhaft
2Verstreute (diffuse) AderhautatrophieKrankhafte Kurzsichtigkeit
3Fleckförmige AderhautatrophieFortgeschritten
4Atrophie der MakulaSchwer, meist mit deutlichem Sehverlust

Zusätzlich gelten Lackrisse, eine myope CNV und der Fuchs-Fleck als sogenannte Plus-Läsionen; liegen sie vor, besteht unabhängig von der Kategorie eine krankhafte Kurzsichtigkeit. Dasselbe gilt für ein hinteres Staphylom. Neuere Einteilungen wie das ATN-System erfassen zusätzlich Zug an der Makula (Traktion) und neue Gefäße (Neovaskularisation), weil die reine Fotobeurteilung diese Veränderungen nicht abbildet.

Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?

Neue Gefäße unter der Netzhaut gibt es auch bei anderen Erkrankungen, deshalb ist eine sorgfältige Abgrenzung nötig. Bei hoch Kurzsichtigen ab etwa 50 bis 55 Jahren kommt die feuchte altersabhängige Makuladegeneration in Frage. Die myope CNV ist meist kleiner, liegt in fast 90 % der Fälle direkt unter der Sehgrube und verliert weniger Flüssigkeit.

Bei jüngeren Menschen können entzündliche Erkrankungen der Aderhaut, etwa eine multifokale Choroiditis, ähnliche Bilder machen. Weitere Ursachen sind angioide Streifen, eine Chorioretinopathia centralis serosa, Verletzungen und erbliche Netzhauterkrankungen. Eine fortgeschrittene Atrophie kann der geografischen Atrophie bei AMD ähneln.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (17)

Kann man krankhafte Kurzsichtigkeit heilen?

Nein, die Dehnung des Auges lässt sich bei Erwachsenen weder stoppen noch rückgängig machen. Es gibt kein belegtes Medikament, keine Tropfen und keine Operation, die das Längenwachstum oder die Ausdünnung der Wandschichten im Erwachsenenalter aufhält. Behandelt werden die Komplikationen, und das oft mit gutem Erfolg.

Brille und Kontaktlinsen gleichen nur die Fehlsichtigkeit aus. Sie schützen nicht vor Netzhautschäden, sind aber für gutes Sehen weiter wichtig. Bei Kindern lässt sich das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bremsen, dazu mehr im Abschnitt Vorbeugung.

Wie wird die myope CNV behandelt?

Die myope CNV wird mit Spritzen ins Auge behandelt, die einen Wachstumsfaktor für Blutgefäße hemmen (Anti-VEGF-Medikamente). Diese Behandlung heißt in Deutschland und Österreich häufig IVOM (intravitreale operative Medikamenteneingabe). Sie ist nach der Stellungnahme von DOG, BVA und Retinologischer Gesellschaft sowie nach spanischen, französischen und englischen Fachquellen die Behandlung der ersten Wahl.

Das Medikament bremst das Wachstum und die Undichtigkeit der neuen Gefäße. Flüssigkeit wird aufgenommen, die Netzhaut legt sich wieder an, und das Sehen stabilisiert oder bessert sich. Die Stellungnahme empfiehlt die Behandlung, wenn die Sehschärfe mindestens 0,05 beträgt oder eine begründete Aussicht auf Besserung besteht.

Welche Medikamente werden eingesetzt?

Für die myope CNV sind in der EU und damit in Deutschland und Österreich die Wirkstoffe Ranibizumab und Aflibercept zugelassen. Bevacizumab wird ohne eigene Zulassung für diese Erkrankung (off-label) eingesetzt; eine Cochrane-Übersicht fand zwischen Ranibizumab und Bevacizumab kaum Unterschiede in der Wirkung. Für Ranibizumab gibt es inzwischen auch Biosimilars, also nachgebaute Präparate mit gleichem Wirkstoff.

Gegeben werden die üblichen Dosen wie bei der feuchten Makuladegeneration; eine eigene Dosis für Kurzsichtige gibt es nicht. Welches Präparat eingesetzt wird, entscheidet die behandelnde Praxis gemeinsam mit Ihnen, auch abhängig von Kostenregelungen der Krankenkasse.

Wie oft muss gespritzt werden?

Bei der myopen CNV reichen oft wenige Spritzen, deutlich weniger als bei der feuchten AMD. Begonnen wird mit einer einzelnen Injektion; weitere folgen nur, wenn die CNV aktiv bleibt oder wieder aktiv wird. In der Zulassungsstudie RADIANCE brauchte rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten im ersten Jahr nur ein bis zwei Spritzen, etwa ein Drittel drei bis fünf, etwa jeder Siebte sechs bis zwölf.

Die deutsche Stellungnahme empfiehlt nach der ersten Spritze monatliche Kontrollen für mindestens sechs Monate, mit Sehschärfe, Augenhintergrund und OCT. Zeichen erneuter Aktivität sind neue Blutungen, Flüssigkeit unter der Netzhaut, Verdickung, schlechteres Sehen oder neue Verzerrung. Der Abstand zwischen zwei Spritzen beträgt mindestens einen Monat, danach werden die Kontrollen bei Ruhe schrittweise verlängert.

Wie gut wirken die Spritzen?

In den großen Studien verbesserte sich das Sehen im Mittel um etwa 12 bis 14 Buchstaben auf der Sehtafel, das sind rund zweieinhalb Zeilen. In RADIANCE (Ranibizumab, 277 Teilnehmende) betrug der Gewinn nach zwölf Monaten etwa 14 Buchstaben, in MYRROR (Aflibercept, 122 Teilnehmende, überwiegend aus Asien) nach 48 Wochen etwa 13,5 Buchstaben, während das Sehen unter Scheinbehandlung in den ersten 24 Wochen leicht abnahm. Die Cochrane-Übersicht bestätigte den Vorteil gegenüber älteren Verfahren, mit mäßiger Sicherheit der Daten.

Der Sehgewinn hält nach der spanischen SEO-Übersicht etwa drei Jahre an; danach nimmt der Vorteil durch fortschreitende Atrophie oft wieder ab. Am meisten profitieren meist Augen mit kleinen Herden und noch gutem Ausgangssehen. Bei einer gleichzeitigen Spaltung der Netzhaut fiel der Gewinn in einer Auswertung geringer und verzögert aus.

Wie läuft eine Spritze ins Auge ab?

Die Injektion dauert nur wenige Minuten und erfolgt unter sterilen Bedingungen mit örtlicher Betäubung durch Tropfen. Das Auge wird desinfiziert, ein Lidsperrer hält es offen, und eine sehr feine Nadel bringt das Medikament seitlich durch die Lederhaut in den Glaskörper. Die meisten Menschen spüren nur einen kurzen Druck.

Danach können für Stunden bis Tage ein Fremdkörpergefühl, ein kleiner roter Fleck auf dem Augenweiß oder schwebende Bläschen auftreten. Diese Erscheinungen sind harmlos. In der Studie MYRROR waren Bindehautblutungen, trockene Augen und Augenschmerzen die häufigsten Nebenwirkungen.

Welche Risiken hat die Spritzenbehandlung?

Schwere Komplikationen sind selten, aber möglich: dazu zählen eine Infektion im Auge, ein Anstieg des Augendrucks, eine Blutung oder eine Netzhautablösung. In den Studien zur myopen CNV traten keine Infektionen im Augeninneren und keine Todesfälle auf; die Cochrane-Autoren weisen aber darauf hin, dass die Studien für seltene Ereignisse zu klein waren. Eine kleine spanische Auswertung deutete an, dass das Ablösungsrisiko bei hoch Kurzsichtigen mit der Zahl der Spritzen steigen könnte; das ist nicht gesichert.

Zunehmende Schmerzen, starke Rötung, ein deutlicher Sehverlust oder ein Schatten in den Tagen nach einer Spritze sind Warnzeichen. Dann sollten Sie sofort die behandelnde Praxis oder die nächste Augenklinik aufsuchen. Eine Infektion im Augeninneren, die Endophthalmitis, muss rasch behandelt werden.

Wann wird die Behandlung beendet?

Die Behandlung wird beendet, wenn die CNV dauerhaft ruhig bleibt oder wenn keine Besserung mehr zu erwarten ist. Die deutsche Stellungnahme nennt als Abbruchgründe eine Sehschärfe unter 0,05 oder eine ausgedehnte Narbe oder Atrophie, außer es besteht eindeutig die Chance auf eine Besserung. Wirkt ein Medikament nicht ausreichend, kann ein Wechsel auf einen anderen Wirkstoff erwogen werden.

Auch nach Ende der Spritzen sind Kontrollen wichtig, weil eine CNV wieder aktiv werden kann. Neues Verzerrtsehen sollte dann sofort gemeldet werden.

Werden Laser oder photodynamische Therapie noch eingesetzt?

Nur noch in Ausnahmefällen, weil die Spritzen deutlich besser wirken. Die photodynamische Therapie (PDT), bei der ein lichtempfindlicher Farbstoff mit einem schwachen Laser aktiviert wird, stabilisiert das Sehen meist nur und kann den Gewebeschwund verstärken. Die klassische Laserbehandlung der CNV hinterlässt Narben, die sich in den allermeisten Fällen über die Jahre ausdehnen und die Sehgrube erreichen können.

Frühere Verfahren wie das operative Entfernen der Gefäße oder die Verlagerung der Makula zeigten schlechte Ergebnisse und spielen heute praktisch keine Rolle mehr.

Was hilft bei Zug an der Makula?

Bei Zug an der Makula kann eine Operation des Glaskörpers (Vitrektomie) die Zugkräfte lösen. Dabei wird der Glaskörper entfernt, oft auch die innerste Grenzschicht der Netzhaut abgezogen, und das Auge mit Gas gefüllt. In manchen Kliniken wird zusätzlich die Makula von außen mit einer kleinen Plombe eingedellt.

Operiert wird meist erst, wenn das Sehen nachweislich schlechter wird, nicht vorsorglich bei jedem Befund. Nach dem französischen SFO-Bericht gewannen nach der Operation etwa 55 % mehr als zwei Zeilen, die Erholung dauert oft sechs bis zwölf Monate. Ohne Operation verschlechterte sich das Sehen in einer Serie bei rund zwei Dritteln innerhalb von zwei Jahren.

Nach einer Gasfüllung darf man nicht fliegen und nicht in große Höhen fahren, etwa über Bergpässe, bis das Gas aufgelöst ist. Die behandelnde Klinik gibt dazu genaue Anweisungen.

Wie wird ein Makulaloch behandelt?

Ein Makulaloch im hoch kurzsichtigen Auge wird ebenfalls mit einer Vitrektomie behandelt, oft mit einer speziellen Lappentechnik, die das Loch abdeckt. Der Verschluss gelingt im langen Auge schlechter als bei anderen Makulalöchern; die französischen Fachangaben nennen Verschlussraten zwischen 25 und 87 %. Ein Loch mit gleichzeitiger Ablösung ist besonders schwierig.

Wie wird eine Netzhautablösung behandelt?

Eine Netzhautablösung wird so schnell wie möglich operiert. Ein Riss ohne Ablösung kann oft mit Laser oder Kälte in der Praxis abgeriegelt werden. Bei einer Ablösung kommen eine Plombe oder ein Gürtel von außen auf die Lederhaut oder eine Vitrektomie mit Gas oder Silikonöl in Frage.

In den meisten Fällen lässt sich die Netzhaut wieder anlegen, manchmal sind mehrere Eingriffe nötig. War die Makula schon abgelöst, bleibt das Sehen oft dauerhaft eingeschränkt. Eine auf das Staphylom begrenzte flache Ablösung am hinteren Pol wird in manchen Fällen zunächst nur beobachtet.

Was gilt beim Grünen und Grauen Star?

Grüner und Grauer Star werden bei krankhafter Kurzsichtigkeit grundsätzlich wie sonst auch behandelt, mit einigen Besonderheiten. Beim Grünen Star sind Befunde von Sehnerv und Gesichtsfeld schwer zu deuten, deshalb wird bei hohem Druck und unklarer Lage eher früh drucksenkend behandelt. Bei der Operation des Grauen Stars ist die Berechnung der Kunstlinse im sehr langen Auge anspruchsvoll.

Nach einer Staroperation steigt bei hoch Kurzsichtigen das Risiko einer Netzhautablösung. Auch nach dem Eingriff sollten Sie deshalb auf Lichtblitze und Schatten achten. Französische Fachquellen weisen zudem darauf hin, dass sich die Atrophie nach einer Staroperation in manchen Fällen beschleunigen kann.

Hilft eine Laseroperation gegen die Kurzsichtigkeit?

Eine Laserkorrektur der Hornhaut oder eine eingesetzte Linse ändert nur die Brechkraft, nicht die Länge des Auges. Das Risiko für Makulaschäden, Netzhautablösung und Grünen Star bleibt deshalb unverändert, auch wenn keine Brille mehr nötig ist. Die SEO beschreibt einen Patienten, der zwölf Jahre nach einer LASIK eine myope CNV bekam.

Bei sehr hoher Kurzsichtigkeit raten Fachkliniken meist vom Hornhautlaser ab und bevorzugen, wenn überhaupt, eine zusätzliche Linse im Auge (phake Intraokularlinse). Voraussetzung ist eine stabile Kurzsichtigkeit und eine gründliche Netzhautuntersuchung. Nach jedem Eingriff bleiben die regelmäßigen Kontrollen nötig.

Welche Verfahren sind noch experimentell?

Mehrere Verfahren werden erforscht, sind aber nicht als Standard belegt. Dazu gehören die Verstärkung der hinteren Lederhaut durch ein aufgenähtes Gewebestück, die chemische Verfestigung der Lederhaut (Quervernetzung) und Stammzelltherapien. Für keines dieser Verfahren gibt es ausreichende Langzeitdaten.

Was hilft bei bleibendem Sehverlust?

Bei bleibendem Verlust des zentralen Sehens helfen vergrößernde Sehhilfen und eine Rehabilitation für Sehbehinderte. Lupen, Lupenbrillen, Bildschirmlesegeräte, Vorlesefunktionen und starke Beleuchtung erleichtern den Alltag. Man kann lernen, mit einer gesunden Netzhautstelle neben dem Fleck zu lesen.

In Deutschland verordnen Augenärztinnen und Augenärzte vergrößernde Sehhilfen über die Krankenkasse; spezialisierte Optiker passen sie an. In Österreich beraten Augenärztinnen und Augenärzte sowie Sehbehindertenverbände über Hilfsmittel und mögliche Zuschüsse. Auch Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen für Blinde und Sehbehinderte bieten Unterstützung.

Zahlt die Krankenkasse die Behandlung?

Die Spritzenbehandlung der myopen CNV mit zugelassenen Medikamenten ist in Deutschland und Österreich in der Regel eine Kassenleistung. In Frankreich wird Ranibizumab für diese Anwendung seit 2014 vollständig erstattet, in Großbritannien hat die Behörde NICE es empfohlen. Klären Sie Einzelheiten, etwa zu Kontroll-OCTs, vorab mit Ihrer Praxis und Krankenkasse.

Maßnahmen zur Myopiekontrolle bei Kindern, etwa niedrig dosiertes Atropin oder Spezialgläser, sowie Laser- und Linsenoperationen zur Brillenfreiheit werden von den gesetzlichen Kassen meist nicht übernommen.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (8)

Wie verläuft krankhafte Kurzsichtigkeit?

Krankhafte Kurzsichtigkeit schreitet meist langsam über Jahrzehnte fort, mit Schüben durch Komplikationen. Bei rund 40 % der Betroffenen nehmen Verdünnung und Atrophie über die Jahre zu, bestehende Narben dehnen sich aus. Eine stärkere Kurzsichtigkeit und eine größere Augenlänge zu Beginn sagen einen ungünstigeren Verlauf voraus.

In einer Beobachtung über sechs Jahre entwickelte sich bei 1,2 % der kurzsichtigen Augen neu eine pathologische Myopie; bei 17 % der bereits betroffenen Augen schritt sie fort. Viele Menschen, vor allem mit milden Veränderungen, behalten dabei lange ein gutes Sehen.

Kann man an krankhafter Kurzsichtigkeit erblinden?

Eine völlige Erblindung ist selten, ein schwerer Verlust des zentralen Sehens aber möglich. Weil die Erkrankung vor allem die Makula betrifft, bleibt das Sehen am Rand meist erhalten, sodass man sich im Raum orientieren kann. Lesen, Gesichter erkennen und Autofahren können aber unmöglich werden.

In Europa führt krankhafte Kurzsichtigkeit bei etwa 0,1 bis 0,5 % der Bevölkerung zu Sehbehinderung oder Blindheit im Sinne der Statistik. Sie zählt zu den wichtigsten Ursachen bleibender Sehbehinderung im erwerbsfähigen Alter. Eine Netzhautablösung oder ein fortgeschrittener Grüner Star können ohne Behandlung allerdings auch zur vollständigen Erblindung des betroffenen Auges führen.

Wie verläuft eine unbehandelte myope CNV?

Ohne Behandlung ist der Verlauf einer myopen CNV meist ungünstig. In älteren Untersuchungen hatten nach fünf bis zehn Jahren rund neun von zehn unbehandelten Augen eine Sehschärfe von 0,1 oder weniger. Fast alle unbehandelten Augen entwickelten eine Atrophie rund um die abgeheilte CNV.

Wie ist die Prognose mit Behandlung?

Mit Spritzen bleibt das Sehen bei den meisten Betroffenen erhalten oder bessert sich deutlich, im Mittel um etwa zwei bis drei Zeilen. Besonders gut sind die Aussichten, wenn früh behandelt wird, der Herd klein ist und das Sehen zu Beginn noch gut ist. Langfristig bestimmt vor allem die Atrophie das Sehen, auch nach erfolgreicher Behandlung.

Deshalb ist eine dauerhafte Nachsorge wichtig: Die CNV kann wieder aktiv werden, und das Partnerauge kann ebenfalls erkranken. Im Vergleich zur feuchten AMD ist die Prognose der myopen CNV aber meist besser, und es sind weniger Spritzen nötig.

Wie entwickelt sich Zug an der Makula?

Zug an der Makula kann über Jahre stabil bleiben oder fortschreiten. Nach französischen Daten verschlechterte sich das Sehen bei einer Spaltung der Netzhaut ohne Operation bei vielen Betroffenen innerhalb von zwei Jahren, und bei etwa der Hälfte entstand innerhalb von drei Jahren ein Loch oder eine Ablösung. Als ungünstig gelten eine sehr dicke Spaltung, eine Abhebung der Netzhautmitte und sehr lange Augen.

Welche Komplikationen können noch auftreten?

Neben den Makulaschäden können bei krankhafter Kurzsichtigkeit weitere Erkrankungen auftreten:

  • Netzhautablösung: bei hoher Kurzsichtigkeit vielfach häufiger; nach spanischen Angaben betreffen über 40 % aller Netzhautablösungen kurzsichtige Augen.
  • Grüner Star: zwei- bis dreifach häufiger; schwer zu erkennen, lange ohne Beschwerden.
  • Grauer Star: tritt früher auf, teils schon vor dem 50. Lebensjahr.
  • Makulaloch und Ablösung der Netzhautmitte bei Zug an der Makula.
  • Schäden am Sehnerv: Dehnung im Bereich des Sehnervs kann Gesichtsfeldausfälle verursachen, auch ohne erhöhten Augendruck.
  • Frühe Glaskörperabhebung mit Mouches volantes.

Eine spanische Studie aus Universitätskliniken (2025) zeigte, dass hoch Kurzsichtige mit Glaukom im Mittel längere Augen und höhere Dioptrien hatten als solche ohne Glaukom. Das unterstreicht, wie wichtig Sehnervkontrollen bei sehr langen Augen sind.

Kann die Kurzsichtigkeit im Erwachsenenalter noch zunehmen?

Ja, bei krankhafter Kurzsichtigkeit kann sich das Auge auch nach dem 25. Lebensjahr noch langsam verlängern. Die gewöhnliche Kurzsichtigkeit stabilisiert sich dagegen meist zwischen 20 und 25 Jahren. Eine Zunahme der Minuswerte im höheren Erwachsenenalter kann aber auch durch einen beginnenden Grauen Star bedingt sein.

Wie wirkt sich die Erkrankung auf das Leben aus?

Viele Betroffene leben mit milden Veränderungen ohne wesentliche Einschränkungen. Kommt es zu Makulaschäden, sind oft Menschen mitten im Berufsleben betroffen, was Arbeit, Mobilität und Lebensqualität stark berühren kann. Eine frühzeitige Beratung zu Sehhilfen, Arbeitsplatzanpassung und Fahrtauglichkeit hilft, selbstständig zu bleiben.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (8)

Kann man krankhafter Kurzsichtigkeit vorbeugen?

Der wichtigste Ansatzpunkt liegt in der Kindheit: Je weniger kurzsichtig ein Mensch am Ende wird, desto geringer ist das Risiko für spätere Schäden. Das International Myopia Institute betont, dass das Verhindern und Bremsen der Kurzsichtigkeit im Kindesalter das Risiko einer pathologischen Myopie senkt. Für Erwachsene gibt es keine gesicherte Maßnahme, die Makulaschäden verhindert.

Was können Eltern tun?

Viel Zeit im Tageslicht und Pausen bei der Naharbeit sind die wichtigsten Maßnahmen für Kinder. Die Stiftung Auge empfiehlt täglich mindestens 40 Minuten bis zwei Stunden im Freien; französische Empfehlungen nennen mindestens zwei Stunden. Auch an bewölkten Tagen ist das Licht draußen viel heller als in Innenräumen.

  • Täglich ausreichend draußen spielen oder Sport treiben, auch im Winter.
  • Beim Lesen und am Tablet einen Abstand von etwa 30 bis 40 Zentimetern halten.
  • Regelmäßig Pausen einlegen: etwa alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne schauen.
  • Bildschirmzeit altersgerecht begrenzen, bei kleinen Kindern möglichst stark.
  • Auf ausreichend Schlaf und gute Beleuchtung achten.

Wann sollten Kinder zum Augenarzt?

Kinder kurzsichtiger Eltern oder mit anderen Risikofaktoren sollten früh augenärztlich untersucht werden. Dazu zählen auch Frühgeburt, Diabetes oder Stoffwechselerkrankungen. Die genaue Brillenstärke wird bei Kindern mit Tropfen bestimmt, die die Naheinstellung des Auges vorübergehend ausschalten.

Wie lässt sich das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bei Kindern bremsen?

Bei Kindern, deren Kurzsichtigkeit rasch zunimmt, kann eine Myopiekontrolle das Fortschreiten verlangsamen. Die Stiftung Auge der DOG nennt als Anlass eine Zunahme von mindestens 0,5 dpt pro Jahr bei Kindern zwischen etwa 6 und 14 Jahren. Zur Verfügung stehen mehrere Verfahren:

  • Niedrig dosierte Atropin-Augentropfen (meist 0,01 %): einmal täglich abends; in der EU gibt es inzwischen ein zugelassenes Präparat, in einigen Ländern wird weiterhin in Apotheken angemischt.
  • Spezielle Brillengläser mit Zonen, die das Bild am Rand gezielt verändern: halbierten in Studien die Zunahme über zwei bis drei Jahre.
  • Multifokale weiche Kontaktlinsen: wirken ähnlich, erfordern sorgfältige Hygiene.
  • Orthokeratologie: formstabile Nachtlinsen, die die Hornhaut über Nacht vorübergehend abflachen.

Nach dem Absetzen kann die Kurzsichtigkeit wieder schneller zunehmen, besonders nach höher dosiertem Atropin. Eine Rotlichttherapie ist nach französischen Fachangaben in Wirksamkeit und Sicherheit nicht ausreichend belegt. In Deutschland und Österreich müssen die Kosten der Myopiekontrolle meist selbst getragen werden.

Wie oft sollten Erwachsene mit hoher Kurzsichtigkeit zur Kontrolle?

Erwachsene mit hoher Kurzsichtigkeit sollten mindestens einmal im Jahr zur augenärztlichen Kontrolle mit Untersuchung bei erweiterter Pupille. Ein in Deutschland oder Österreich verbindlich festgelegtes Intervall gibt es nicht; die Augenärztin oder der Augenarzt richtet es nach Befund, Alter und Vorgeschichte. Fachliche Übersichten nennen folgende Orientierung:

BefundÜbliches Kontrollintervall
Hohe Kurzsichtigkeit ohne SchädenEinmal jährlich
Staphylom oder LackrisseEtwa alle 6 bis 12 Monate
Zug an der Makula, Spaltung der NetzhautEtwa alle 3 bis 6 Monate
Ruhige, behandelte myope CNVEtwa alle 3 bis 6 Monate
Aktive myope CNV unter SpritzenEtwa monatlich

Bei neuen Beschwerden gilt keine Wartezeit bis zum nächsten Termin. Auch nach einer Laseroperation oder Linsenoperation bleiben die Kontrollen nötig.

Wie kann ich mich selbst kontrollieren?

Prüfen Sie Ihre Augen regelmäßig einzeln auf Verzerrungen und Flecken, zum Beispiel einmal pro Woche. Dazu eignet sich das Amsler-Gitter, ein Karopapier mit einem Punkt in der Mitte, oder eine gerade Linie wie ein Fensterrahmen. Decken Sie ein Auge ab, schauen Sie mit Lesebrille auf den Mittelpunkt und achten Sie darauf, ob Linien wellig sind oder Bereiche fehlen.

Der Selbsttest ersetzt keine Untersuchung und erkennt nicht jede Veränderung. Er hilft aber, eine neue CNV früh zu bemerken, besonders wenn das andere Auge Ausfälle überdeckt. Fällt Ihnen etwas Neues auf, vereinbaren Sie zeitnah einen Termin.

Was ist im Alltag zu beachten?

Ein paar einfache Regeln schützen das empfindliche lange Auge. Bei Sportarten mit Ball- oder Schlägerkontakt wie Squash oder Tennis und bei Arbeiten mit Säge, Bohrer oder Hammer ist eine Schutzbrille sinnvoll. Brillengläser aus bruchfestem Kunststoff bieten zusätzlichen Schutz.

  • Kontaktlinsen nur mit sorgfältiger Hygiene tragen, um Infektionen zu vermeiden.
  • Ob Kampf- oder Kontaktsportarten möglich sind, mit der Augenärztin oder dem Augenarzt besprechen, besonders nach einer Netzhautoperation.
  • Nach einer Operation mit Gasfüllung die Anweisungen zu Flugreisen und Höhe genau einhalten.

Was gilt für das Autofahren?

Für das Autofahren gelten gesetzliche Mindestanforderungen an Sehschärfe und Gesichtsfeld. Bei Makulaschäden oder Grünem Star kann die Fahrtauglichkeit eingeschränkt sein, auch wenn man sich selbst noch sicher fühlt. Lassen Sie Ihr Sehen bei Zweifeln augenärztlich prüfen; die Praxis kann klären, ob die Anforderungen erfüllt sind.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (5)

Wann muss ich sofort zum Augenarzt?

Sofort, also noch am selben Tag, sollten Sie bei Zeichen einer Netzhautablösung oder bei plötzlichem Sehverlust in eine Augenarztpraxis oder Augenklinik. Diese Warnzeichen erfordern sofortiges Handeln:

  • neue Lichtblitze, besonders am Rand des Gesichtsfelds
  • plötzlich viele schwarze Punkte (Rußregen) oder ein neuer großer Schwebefleck
  • ein Schatten, Vorhang oder eine Mauer, die sich vom Rand her ausbreitet
  • plötzlich deutlich schlechteres Sehen an einem Auge
  • plötzlicher dunkler Fleck in der Bildmitte
  • starke Schmerzen, Rötung oder Sehverlust in den Tagen nach einer Spritze oder Operation

Eine Netzhautablösung tut nicht weh, ist aber ein Notfall: Je früher operiert wird, desto besser sind die Aussichten, vor allem solange die Makula noch anliegt. Warten Sie nicht ab, ob die Beschwerden von selbst verschwinden. Mehr Informationen bietet die Seite Notfall am Auge.

Wen erreiche ich außerhalb der Sprechzeiten?

Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Augenklinik oder an den Bereitschaftsdienst. In Deutschland erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, im Notfall den Rettungsdienst unter 112. In Österreich hilft die Gesundheitsberatung unter 1450; im Notfall erreichen Sie die Rettung unter 144 oder den Euronotruf 112.

Wann sollte ich innerhalb weniger Tage gehen?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie bei neuem Verzerrtsehen oder einem neuen grauen Fleck in der Mitte untersucht werden. Diese Zeichen passen zu einer myopen CNV, die möglichst früh mit Spritzen behandelt werden sollte. Eine unbehandelte CNV kann zu erheblichem, bleibendem Sehverlust führen.

  • gerade Linien erscheinen neu wellig oder geknickt
  • ein neuer verschwommener oder grauer Fleck beim Lesen
  • Buchstaben oder Wortteile fehlen
  • nach einer ruhigen Phase kehrt bekanntes Verzerrtsehen zurück

Rufen Sie in der Praxis an und schildern Sie die Beschwerden genau, damit Sie rasch einen Termin bekommen. Sagen Sie dazu, dass Sie stark kurzsichtig sind.

Wann reicht ein regulärer Termin?

Ein regulärer Termin in den nächsten Wochen reicht bei langsam nachlassendem Sehen ohne plötzliche Veränderung. Dazu gehören zunehmende Blendung, eine Brille, die nicht mehr richtig passt, oder Lesen, das allmählich mühsamer wird. Auch die jährliche Kontrolle ohne Beschwerden gehört in diese Gruppe.

Was tun bei bekannten Mouches volantes?

Bekannte, seit Langem gleichbleibende Glaskörpertrübungen sind meist harmlos und kein Grund zur Eile. Kommen aber neue Trübungen plötzlich hinzu, besonders zusammen mit Lichtblitzen, ist eine Untersuchung am selben Tag nötig. Auch Beschwerden, die schon einmal abgeklärt wurden, sollten bei erneutem Auftreten wieder ernst genommen werden.

9 Häufige Fragen

Ab wie viel Dioptrien ist Kurzsichtigkeit gefährlich?

Ab etwa −6 Dioptrien oder einer Augenlänge ab etwa 26 Millimetern spricht man von hoher Kurzsichtigkeit, und das Risiko für Netzhautschäden steigt deutlich. Gefährlich wird es aber erst, wenn tatsächlich Veränderungen am Augenhintergrund entstehen. Diese können vereinzelt auch bei geringeren Werten auftreten, während manche Menschen mit hohen Werten lebenslang keine Schäden haben.

Was ist der Unterschied zwischen hoher und pathologischer Myopie?

Hohe Myopie beschreibt nur die Stärke der Kurzsichtigkeit oder die Länge des Auges. Pathologische Myopie bedeutet, dass zusätzlich Schäden am Augenhintergrund vorliegen, etwa Gewebeschwund, Lackrisse, neue Gefäße oder ein Staphylom. Viele hoch Kurzsichtige haben nur milde Veränderungen, die das Sehen nicht beeinträchtigen.

Kann man durch starke Kurzsichtigkeit blind werden?

Eine völlige Erblindung ist selten, ein schwerer Verlust des zentralen Sehens ist aber möglich. Krankhafte Kurzsichtigkeit gehört in Europa zu den wichtigen Ursachen bleibender Sehbehinderung. Regelmäßige Kontrollen und eine frühe Behandlung von Komplikationen verbessern die Aussichten deutlich.

Warum sehe ich gerade Linien plötzlich wellig?

Wellige Linien weisen bei hoher Kurzsichtigkeit oft auf eine Verformung der Netzhautmitte hin, meist durch neue Gefäße (myope CNV) oder Zug an der Makula. Lassen Sie das innerhalb weniger Tage augenärztlich untersuchen. Eine myope CNV lässt sich mit Spritzen gut behandeln, wenn sie früh erkannt wird.

Wie viele Spritzen braucht man bei myoper CNV?

Oft nur wenige: In den Studien brauchte etwa die Hälfte der Betroffenen im ersten Jahr nur ein bis zwei Spritzen, im Mittel waren es drei bis fünf. Nach der ersten Spritze wird monatlich kontrolliert und nur bei erneuter Aktivität nachgespritzt. Das sind meist deutlich weniger Spritzen als bei der feuchten Makuladegeneration.

Tut die Spritze ins Auge weh?

Die meisten Menschen spüren dank betäubender Tropfen nur einen kurzen Druck. Danach können für einige Stunden ein Fremdkörpergefühl oder leichtes Brennen auftreten, manchmal ein roter Fleck auf dem Augenweiß. Starke oder zunehmende Schmerzen in den Tagen danach sind dagegen ein Warnzeichen und sollten sofort abgeklärt werden.

Schützt eine Laser-OP gegen Kurzsichtigkeit vor Netzhautschäden?

Nein. Eine Laseroperation oder eine eingesetzte Linse ändert nur die Brechkraft, das Auge bleibt genauso lang und gedehnt. Das Risiko für Makulaschäden, Netzhautablösung und Grünen Star bleibt bestehen. Deshalb sind auch nach einer solchen Operation regelmäßige Netzhautkontrollen nötig.

Wie oft sollte ich bei hoher Kurzsichtigkeit zur Kontrolle?

Mindestens einmal im Jahr mit Untersuchung bei erweiterter Pupille, bei bekannten Veränderungen häufiger, etwa alle drei bis zwölf Monate. Während einer Spritzenbehandlung sind monatliche Kontrollen üblich. Bei neuen Beschwerden sollten Sie nicht bis zum nächsten Termin warten.

Kann man die Schäden durch krankhafte Kurzsichtigkeit rückgängig machen?

Gewebeschwund und Narben lassen sich nicht rückgängig machen. Behandelbar sind aber neue Gefäße, Zug an der Makula und Netzhautablösungen, und dadurch lässt sich oft Sehkraft erhalten oder zurückgewinnen. Bei bleibendem Sehverlust helfen vergrößernde Sehhilfen und Rehabilitation.

Kann ich verhindern, dass mein Kind stark kurzsichtig wird?

Ganz verhindern lässt es sich nicht, aber das Risiko lässt sich senken. Viel Zeit im Freien, Pausen bei der Naharbeit und begrenzte Bildschirmzeit helfen. Nimmt die Kurzsichtigkeit rasch zu, können niedrig dosiertes Atropin, spezielle Brillengläser oder Kontaktlinsen das Fortschreiten bremsen; das besprechen Sie am besten mit der Augenärztin oder dem Augenarzt.

Bekommen Kurzsichtige früher Grauen Star?

Ja, bei hoher Kurzsichtigkeit tritt der Graue Star häufiger und früher auf, teils schon vor dem 50. Lebensjahr. Ein Hinweis kann sein, dass die Brille ohne erkennbaren Grund immer stärker wird. Nach einer Staroperation ist bei Kurzsichtigen das Risiko einer Netzhautablösung erhöht.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 23 Quellen anzeigen
  1. Stellungnahme zur Therapie chorioidaler Neovaskularisationen bei anderen Erkrankungen als der neovaskulären AMD (Stand Oktober 2017) – BVA, DOG und Retinologische Gesellschaft (DE)
  2. Stellungnahme zur Therapie der chorioidalen Neovaskularisation bei Myopie (Stand Dezember 2013) – DOG, Retinologische Gesellschaft und BVA (DE)
  3. IMI Klinische Zusammenfassung: Pathologische Myopie – International Myopia Institute (DE)
  4. Pressemappe Online-Pressekonferenz 2024: Kurzsichtigkeit, Netzhautablösung und Glaukom – Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DE)
  5. Netzhautablösung – gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) (DE)
  6. Netzhautablösung – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
  7. Pathologic Myopia (Myopic Degeneration) – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  8. Ranibizumab for treating choroidal neovascularisation associated with pathological myopia (TA298) – NICE (EN)
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  10. Short-sightedness (myopia) – NHS (EN)
  11. Epidemiology of pathologic myopia in UK adults with high myopia (Yii et al.) – medRxiv / British Journal of Ophthalmology (EN)
  12. RADIANCE: A randomized controlled study of ranibizumab in patients with choroidal neovascularization secondary to pathologic myopia (Wolf et al., Ophthalmology 2014) – Ophthalmology (EN)
  13. Intravitreal aflibercept injection for myopic choroidal neovascularization: the MYRROR study (Ikuno et al., Ophthalmology 2015) – Ophthalmology (EN)
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  15. Fovéoschisis et macula bombée du myope fort (Rapport 2016, chapitre 15) – Société Française d'Ophtalmologie (SFO) (FR)
  16. Les mesures de prévention et de freination de la myopie – Vidal (FR)
  17. Lucentis (ranibizumab) : nouvelle indication remboursable dans le contexte d'une myopie forte – Vidal (FR)
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  19. Resumen clínico del IMI: Miopía patológica – International Myopia Institute (ES)
  20. Anti-FCEV para el tratamiento de la neovascularización coroidea miópica – Cochrane (ES)
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  22. Qué es la mancha de Fuchs – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  23. Características diferenciales en miopía alta con y sin glaucoma (Robles Amor et al., 2025) – Archivos de la Sociedad Española de Oftalmología (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss