Hornhautentzündung (Keratitis)
Eine Hornhautentzündung (Keratitis) ist eine meist durch Bakterien, Viren, Pilze oder Akanthamöben verursachte Entzündung der Hornhaut, die Schmerzen, Lichtscheu und verschwommenes Sehen auslöst. Besonders gefährdet sind Kontaktlinsenträger; sie gehört noch am selben Tag in augenärztliche Behandlung, weil sonst Narben und bleibender Sehverlust drohen.
1 Kurzübersicht
Eine Hornhautentzündung (Fachbegriff Keratitis) ist eine Entzündung der Hornhaut, also des klaren, gewölbten „Fensters“ vorn am Auge, durch das das Licht ins Auge fällt. Die Hornhaut liefert rund drei Viertel der gesamten Brechkraft des Auges. Schon eine kleine Trübung oder Narbe an der falschen Stelle kann deshalb das Sehen deutlich verschlechtern.
Meist steckt eine Infektion dahinter: Bakterien, Viren, Pilze oder Akanthamöben (winzige Einzeller aus Wasser und Erde). Es gibt aber auch nicht infektiöse Formen, etwa durch UV-Licht beim Skifahren oder Schweißen, durch Verätzungen, starke Austrocknung oder einen unvollständigen Lidschluss. Die wichtigste Risikogruppe in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Kontaktlinsenträgerinnen und -träger, besonders wenn sie mit Linsen schlafen, duschen oder schwimmen oder die Linsen mit Leitungswasser in Berührung kommen.
Typisch sind ein rotes, schmerzendes Auge, starke Lichtempfindlichkeit, Tränen und verschwommenes Sehen. Gerade das schlechtere Sehen und die Schmerzen unterscheiden die Hornhautentzündung von einer einfachen Bindehautentzündung. Schreitet die Entzündung in die Tiefe fort, entsteht ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae). Es kann Narben hinterlassen und im schlimmsten Fall die Hornhaut durchbrechen.
Eine infektiöse Hornhautentzündung gehört noch am selben Tag in augenärztliche Hände. Kontaktlinsen werden sofort herausgenommen und nicht wieder eingesetzt. Die Behandlung richtet sich nach dem Erreger: Antibiotika-Augentropfen bei Bakterien, antiseptische Tropfen über viele Monate bei Akanthamöben, Pilzmittel bei Pilzen. Früh behandelt heilt eine Keratitis meist gut aus. Wird sie spät erkannt, können Narben bleiben, die manchmal eine Hornhauttransplantation nötig machen.
Die durch Herpesviren ausgelöste Form ist häufig und neigt zu Rückfällen. Sie hat einen eigenen Artikel: Herpes am Auge.
2 Symptome
In diesem Kapitel (16)
- Was sind die typischen Symptome einer Hornhautentzündung?
- Wie fühlt sich eine beginnende Keratitis an?
- Woran unterscheidet man eine Hornhautentzündung von einer Bindehautentzündung?
- Ist meist nur ein Auge betroffen?
- Welche Beschwerden macht ein Hornhautgeschwür?
- Wie stark wird das Sehen beeinträchtigt?
- Bakterielle Keratitis: Wie schnell entwickeln sich die Beschwerden?
- Akanthamöben-Keratitis: Welche Symptome sind typisch?
- Pilzkeratitis: Woran erkennt man sie?
- Herpes-Keratitis: Was ist anders?
- UV-Keratitis und andere nicht infektiöse Formen: Welche Beschwerden treten auf?
- Welche Befunde sieht nur die Augenärztin oder der Augenarzt?
- Was bemerken Angehörige?
- Gibt es Besonderheiten bei Kindern?
- Gibt es Besonderheiten bei älteren Menschen?
- Welche Symptome sind Warnzeichen?
Was sind die typischen Symptome einer Hornhautentzündung?
Die häufigsten Beschwerden sind Augenschmerzen, Rötung, Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss und verschwommenes Sehen, fast immer zunächst nur an einem Auge. Fachgesellschaften wie die spanische SEO nennen Schmerz, Lichtscheu, unscharfes Sehen und schleimig-eitriges Sekret als die vier Leitsymptome der bakteriellen Keratitis. Diese Beschwerden kommen in fast allen Formen vor, unterscheiden sich aber in Tempo und Stärke.
- Schmerzen: von Brennen und Kratzen bis zu starkem, bohrendem Schmerz im Auge
- Fremdkörpergefühl: als ob Sand, eine Wimper oder ein Splitter im Auge wäre
- Rötung: oft besonders kräftig als Ring rund um die Hornhaut
- Lichtempfindlichkeit (Lichtscheu, Photophobie): helles Licht tut weh
- Tränenfluss und häufiges Blinzeln
- Lidkrampf (Blepharospasmus): das Auge kneift sich fast von selbst zu
- Verschwommenes oder schlechteres Sehen
- Sekret oder Eiter, verklebte Lider am Morgen
- geschwollene Lider
- ein weißer oder grauer Fleck auf der Hornhaut, den man manchmal im Spiegel sieht
Wie fühlt sich eine beginnende Keratitis an?
Am Anfang fühlt sich eine Keratitis oft nur wie ein Fremdkörper oder eine leichte Reizung an, die man leicht unterschätzt. Viele denken an eine Wimper, an trockene Augen oder an „müde Augen“ nach einem langen Tag mit Kontaktlinsen. Das Merck-Manual und französische Fachtexte betonen, dass die Beschwerden zu Beginn gering sein können. Das ist tückisch, denn gerade bei aggressiven Bakterien zählt jede Stunde.
Typisch ist, dass das Gefühl nicht verschwindet, wenn man die Linse herausnimmt oder das Auge spült. Statt besser zu werden, nehmen Rötung und Schmerz über Stunden zu. Moorfields Eye Hospital beschreibt den Verlauf so: erst das Gefühl, „etwas im Auge“ zu haben, dann zunehmend Schmerzen, weil sich ein Geschwür bildet.
Woran unterscheidet man eine Hornhautentzündung von einer Bindehautentzündung?
Echte Schmerzen, starke Lichtscheu und schlechteres Sehen sprechen für eine Hornhautentzündung, während eine Bindehautentzündung meist eher juckt, brennt und klebt, ohne das Sehen zu trüben. Beide Krankheiten können gleichzeitig auftreten; dann spricht man von einer Keratokonjunktivitis.
| Merkmal | eher Bindehautentzündung | eher Hornhautentzündung |
|---|---|---|
| Gefühl | Jucken, Brennen, Kratzen | echter Schmerz, starkes Fremdkörpergefühl |
| Sehen | klar, allenfalls durch Schleim kurz verschwommen, wird nach Blinzeln besser | bleibend verschwommen oder schlechter |
| Licht | meist gut erträglich | deutliche Lichtscheu, Lidkrampf |
| Rötung | flächig, eher am Rand des Augapfels betont | oft als Ring rund um die Hornhaut |
| Hornhaut | klar | evtl. weißer oder grauer Fleck |
| Beide Augen? | häufig beidseitig, oft nacheinander | meist nur ein Auge |
Die Tabelle ist nur eine Orientierung. Bei Kontaktlinsenträgern gilt: Ein rotes, schmerzhaftes Auge wird so lange als mögliche Hornhautentzündung behandelt, bis eine Augenärztin oder ein Augenarzt das Gegenteil festgestellt hat.
Ist meist nur ein Auge betroffen?
Ja, eine infektiöse Hornhautentzündung betrifft in der Regel nur ein Auge. Bei der Akanthamöben-Keratitis ist ein beidseitiger Befall selten, in einer peruanischen Fallserie waren alle Fälle einseitig. Auch die Herpes-Keratitis ist in über 95 Prozent der Fälle einseitig. Sind beide Augen gleichzeitig gerötet und schmerzhaft, denkt die Ärztin oder der Arzt eher an UV-Schäden, Austrocknung, eine Allergie, eine Verätzung oder eine Virus-Bindehautentzündung, untersucht aber trotzdem immer beide Augen.
Welche Beschwerden macht ein Hornhautgeschwür?
Ein Hornhautgeschwür verursacht meist plötzlich starke Augenschmerzen, ein deutlich rotes, tränendes und lichtempfindliches Auge und spürbar schlechteres Sehen. Oft ist ein weißlicher Fleck auf der Hornhaut zu erkennen, meist vor dem farbigen Teil des Auges (der Iris). Er kann so klein sein, dass man ihn im Spiegel nicht sieht.
Bei stark entzündeten Augen sammelt sich manchmal Eiter im unteren Teil der vorderen Augenkammer. Er bildet einen weißen, waagrechten Spiegel hinter der Hornhaut, das sogenannte Hypopyon. Wer so etwas sieht, braucht sofort eine Augenklinik. Ein Geschwür, das sich vergrößert, oder ein Fleck, der wächst, ist immer ein Alarmzeichen.
Wie stark wird das Sehen beeinträchtigt?
Wie sehr das Sehen leidet, hängt vor allem davon ab, wo der Entzündungsherd liegt: Ein Herd in der Mitte der Hornhaut, direkt vor der Pupille, trübt das Sehen stark, ein Herd am Rand oft kaum. Dazu kommen Tränenfluss, Sekret und Schwellung der Hornhaut, die das Bild zusätzlich verschleiern. Die französische Fachgesellschaft SFO nennt außerdem die Entzündung im Augeninneren als Faktor.
Manche Betroffene sehen Lichthöfe (Halos) um Lampen, weil die Hornhaut Wasser einlagert. Andere beschreiben das Bild als milchig, neblig oder „wie durch eine beschlagene Scheibe“. Die spanische SEO wertet einen Verlust von mehr als zwei Zeilen auf der Sehtafel als Zeichen eines schweren Verlaufs. In schweren Fällen bleibt nur noch die Wahrnehmung von Handbewegungen.
Bakterielle Keratitis: Wie schnell entwickeln sich die Beschwerden?
Eine bakterielle Hornhautentzündung entwickelt sich meist rasch, innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen. Das Tempo spiegelt die Aggressivität des Erregers wider. Bei besonders gefährlichen Keimen kann die Hornhaut laut EyeWiki der amerikanischen Augenärztegesellschaft AAO innerhalb von 24 Stunden schwer geschädigt werden.
Pseudomonas: der gefürchtete Keim bei Kontaktlinsen
Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa ist der häufigste schwere Erreger bei Kontaktlinsenträgern. Es bildet Enzyme, die das Hornhautgewebe regelrecht auflösen. Typisch sind ein gelbgrünliches, schleimig-eitriges Sekret, ein grau-cremiger Herd in der Mitte und eine rasch zunehmende Trübung der ganzen Hornhaut.
Das Geschwür kann seine Größe innerhalb eines Tages verdoppeln. Ohne Behandlung droht ein Durchbruch der Hornhaut (Perforation) innerhalb weniger Tage, im Extremfall schon nach rund 48 Stunden. Deshalb wartet niemand bei Linsenträgern mit rotem, schmerzendem Auge „bis morgen“.
Andere Bakterien
Staphylokokken und Streptokokken, die häufigsten Erreger insgesamt, verursachen oft einen rundlichen, scharf begrenzten, weißgrauen Herd. Pneumokokken greifen besonders nach Verletzungen rasch in die Tiefe. Seltene Erreger wie atypische Mykobakterien oder Nocardien verlaufen dagegen schleichend über Tage bis Wochen und werden deshalb oft spät erkannt, etwa nach einer Verletzung oder einer Laseroperation der Hornhaut.
Akanthamöben-Keratitis: Welche Symptome sind typisch?
Kennzeichen der Akanthamöben-Keratitis sind Schmerzen, die viel stärker sind, als der Befund am Auge vermuten lässt, und ein schleichender, wechselhafter Verlauf über Wochen. Die ersten Zeichen sind unspezifisch: Rötung, Tränen, Lichtscheu, Fremdkörpergefühl und verschwommenes Sehen. Viele Betroffene und auch Ärzte denken zunächst an eine harmlose Reizung oder an Herpes.
- Schmerz „stärker als der Befund“: das Auge sieht nur mäßig entzündet aus, schmerzt aber heftig. Ursache ist, dass die Amöben entlang der Hornhautnerven wandern. Laut einer Wiedergabe der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) setzen die starken Schmerzen oft erst nach vier bis fünf Wochen ein. Die US-Gesundheitsbehörde CDC weist darauf hin, dass manche Betroffene auch kaum Schmerzen haben.
- Wechselhafte Beschwerden: mal besser, mal schlechter, was die Diagnose zusätzlich verzögert.
- Keine Besserung unter Antibiotika oder Herpesmitteln: ein wichtiger Hinweis, besonders bei Linsenträgern.
- Später ein ringförmiger Herd (Ringinfiltrat) in der Hornhaut, den die Augenärztin an der Spaltlampe sieht.
Die Erkrankung betrifft vor allem junge und mittelalte Erwachsene, die weiche Kontaktlinsen tragen. Je länger sie unerkannt bleibt, desto schlechter sind die Aussichten. Laut DOG drohen schon nach rund drei Wochen ohne passende Behandlung bleibende Sehstörungen.
Pilzkeratitis: Woran erkennt man sie?
Eine Pilzkeratitis beginnt meist schleichend und ist oft weniger schmerzhaft als eine bakterielle Entzündung, schreitet aber hartnäckig fort. Typisch ist die Vorgeschichte: eine kleine Verletzung durch einen Ast, ein Blatt, Stroh oder Gartenarbeit, eine lange Behandlung mit kortisonhaltigen Augentropfen oder eine Vorerkrankung der Augenoberfläche.
Die Beschwerden ähneln denen anderer Keratitis-Formen: Rötung, Tränen, Lichtscheu, Fremdkörpergefühl und verschwommenes Sehen. Im frühen Stadium kann der Herd aussehen wie eine Schürfwunde, die einfach nicht heilt. Die Augenärztin erkennt manchmal einen trocken wirkenden Herd mit gefiedertem Rand und kleinen Nebenherden (Satellitenherden). Ein deutliches Warnzeichen ist, wenn ein vermeintlich bakterielles Geschwür auf Antibiotika nicht anspricht.
Herpes-Keratitis: Was ist anders?
Die durch Herpes-simplex-Viren ausgelöste Keratitis zeigt typischerweise einen verästelten Defekt auf der Hornhaut, der wie ein Farnblatt oder Baum aussieht (dendritische Keratitis), und sie kehrt häufig wieder. Die Hornhaut wird im betroffenen Bereich oft unempfindlicher, sodass die Schmerzen geringer sein können als erwartet. Auch das Gürtelrose-Virus (Varizella-Zoster) kann die Hornhaut befallen. Alle Einzelheiten zu Erkennung, Behandlung und Rückfallvorbeugung stehen im Artikel Herpes am Auge.
UV-Keratitis und andere nicht infektiöse Formen: Welche Beschwerden treten auf?
Eine Hornhautentzündung durch UV-Licht, etwa als Schneeblindheit oder „Verblitzen“ beim Schweißen, macht typischerweise 6 bis 12 Stunden nach der Belastung starke Schmerzen an beiden Augen. Das Gesundheitsportal Österreich beschreibt heftiges Fremdkörpergefühl, Tränen, Lichtscheu, Lidkrämpfe und vorübergehend schlechteres Sehen. Wegen dieser Verzögerung setzen die Schmerzen oft erst am Abend oder in der Nacht ein. Sie klingen meist nach ein bis drei Tagen ab.
Bei Austrocknung oder unvollständigem Lidschluss, etwa nach einer Gesichtslähmung, sind die Beschwerden eher dauerhaft: Brennen, Sandgefühl, schwankendes Sehen, morgens oft am stärksten. Die neurotrophe Keratitis, bei der die Hornhautnerven geschädigt sind (zum Beispiel bei Diabetes oder nach Herpes), ist besonders tückisch: Die Hornhaut ist fast gefühllos, deshalb schmerzt selbst ein größerer Defekt kaum. Hier fällt oft nur ein schlechteres Sehen oder ein gerötetes Auge auf.
Verätzungen durch Säuren oder Laugen verursachen sofort heftigste Schmerzen. Sie sind ein Notfall, bei dem das Auge sofort mit viel Wasser gespült werden muss, bevor man zum Arzt fährt.
Welche Befunde sieht nur die Augenärztin oder der Augenarzt?
Mit dem Spaltlampenmikroskop erkennt die Augenärztin Veränderungen, die man selbst nicht bemerkt, und kann daraus Schwere und mögliche Ursache abschätzen. Dazu gehören:
- ein Epitheldefekt: eine Lücke in der obersten Zellschicht, die sich mit dem gelben Farbstoff Fluorescein anfärbt
- ein Infiltrat: eine weißliche, eingetrübte Stelle im Hornhautgewebe, in der sich Abwehrzellen sammeln
- eine Schwellung (Ödem) und Falten der Hornhaut
- Entzündungszellen in der vorderen Augenkammer oder ein Hypopyon
- Verdünnung oder Einschmelzung der Hornhaut, im schlimmsten Fall eine Vorwölbung der innersten Hornhautschicht (Descemetozele) kurz vor dem Durchbruch
- Gefäße, die bei länger dauernden Entzündungen in die Hornhaut einwachsen
- Mitreaktion der Regenbogenhaut (Iritis), Verklebungen der Iris oder ein erhöhter Augeninnendruck
Was bemerken Angehörige?
Angehörige fallen meist ein stark gerötetes, tränendes Auge auf, das der Betroffene zukneift oder mit der Hand abschirmt. Viele meiden plötzlich helles Licht, ziehen Vorhänge zu, setzen drinnen die Sonnenbrille auf oder wollen nicht mehr fernsehen oder lesen. Manchmal ist ein weißer Fleck auf dem Auge oder Eiter in den Lidwinkeln zu sehen.
Wichtig: Wer starke Schmerzen hat, aber „nicht zum Arzt will, weil das Auge doch nur rot ist“, braucht Unterstützung. Gerade bei Kontaktlinsenträgern sollten Angehörige auf eine Vorstellung noch am selben Tag drängen und am besten Linsen und Behälter mitnehmen.
Gibt es Besonderheiten bei Kindern?
Kinder können ihre Beschwerden oft nicht genau beschreiben; sie fallen eher durch Reiben, Zukneifen, Weinen bei Licht oder Rückzug in dunkle Räume auf. Bei Kindern kommen als Auslöser zum Beispiel Verletzungen und Fremdkörper in Frage, bei Jugendlichen auch Kontaktlinsen. In den CDC-Daten zur Akanthamöben-Keratitis waren rund 13 Prozent der Betroffenen unter 18 Jahre alt.
Die Erstinfektion mit Herpesviren findet meist in der Kindheit statt. Bei Kindern mit bestimmten bakteriellen Erregern können zusätzlich zu den Tropfen Antibiotika als Saft, Tabletten oder Infusion nötig sein. Kleine Kinder mit einem roten, lichtscheuen Auge gehören zügig zur Augenärztin oder zum Augenarzt, auch weil eine Trübung im Kindesalter eine Schwachsichtigkeit auslösen kann.
Gibt es Besonderheiten bei älteren Menschen?
Bei älteren Menschen entsteht eine Keratitis häufiger auf einer bereits geschwächten Hornhaut, etwa bei trockenem Auge, nach Operationen, bei einer geschwollenen Hornhaut oder bei Lidfehlstellungen. Fachgesellschaften beschreiben die bakterielle Keratitis als zweigipflig: Jüngere erkranken vor allem durch Kontaktlinsen und Verletzungen, Ältere durch solche Oberflächenprobleme.
Weil die Hornhaut im Alter und bei Diabetes oft weniger empfindlich ist, können die Schmerzen geringer ausfallen. Ein schleichend schlechteres Sehen wird dann leicht dem Grauen Star oder dem Alter zugeschrieben. Pseudomonas-Infektionen bei Menschen ohne Kontaktlinsen betreffen eher Ältere und haben bei ihnen oft eine ungünstigere Prognose.
Welche Symptome sind Warnzeichen?
Warnzeichen, bei denen Sie noch am selben Tag, notfalls in der Nacht, eine Augenärztin oder Augenklinik aufsuchen sollten, sind:
- starke oder zunehmende Augenschmerzen
- deutlich schlechteres oder rasch schlechter werdendes Sehen
- starke Lichtscheu, bei der man das Auge kaum öffnen kann
- ein sichtbarer weißer oder grauer Fleck auf der Hornhaut, besonders wenn er wächst
- Eiter im Auge oder ein weißer Spiegel hinter der Hornhaut
- rotes, schmerzendes Auge bei Kontaktlinsenträgern, auch wenn die Beschwerden noch mäßig sind
- Beschwerden in der ersten Woche nach Schwimmen oder Baden mit Kontaktlinsen
- Verschlechterung während einer laufenden Behandlung
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (8)
- Wie entsteht eine Hornhautentzündung?
- Welche Erreger verursachen eine Keratitis?
- Warum sind Kontaktlinsen der wichtigste Risikofaktor?
- Wie kommen Akanthamöben ins Auge?
- Wann entsteht eine Pilzkeratitis?
- Welche Rolle spielen Herpes und andere Viren?
- Welche nicht infektiösen Ursachen gibt es?
- Welche weiteren Risikofaktoren gibt es?
Wie entsteht eine Hornhautentzündung?
Eine gesunde Hornhaut ist gut geschützt; eine Infektion entsteht meist erst, wenn ihre oberste Zellschicht (das Epithel) beschädigt ist. Zum Schutz tragen die glatte Oberfläche, der Tränenfilm mit keimabtötenden Eiweißen wie Lysozym und Laktoferrin, der regelmäßige Lidschlag und die empfindlichen Hornhautnerven bei. Fällt einer dieser Schutzmechanismen aus, kann selbst ein eigentlich harmloses Bakterium zum Krankheitserreger werden.
Die Erreger haften an der verletzten Stelle, vermehren sich und dringen mit Giftstoffen und Enzymen ins tiefere Gewebe (Stroma) ein. Die stärkste Vermehrung findet in den ersten 48 Stunden statt. Ein Teil des Schadens entsteht durch die Abwehrreaktion selbst: Entzündungsbotenstoffe lassen Gewebe einschmelzen. Nur wenige Keime, etwa Gonokokken, Meningokokken, Diphtherie-Erreger und manche Haemophilus-Arten, durchdringen auch eine intakte Hornhaut.
Welche Erreger verursachen eine Keratitis?
Bakterien sind die häufigste Ursache einer infektiösen Keratitis, gefolgt von Viren (vor allem Herpes), Pilzen und Akanthamöben. Die französische SFO schätzt, dass Bakterien über 90 Prozent der nicht viralen Hornhautgeschwüre verursachen. In einer im spanischen SEO-Lehrbuch zitierten Serie von über 5.000 Augen mit Abstrich waren knapp die Hälfte der Kulturen positiv, davon über vier Fünftel mit Bakterien.
| Erregergruppe | Beispiele | typischer Zusammenhang |
|---|---|---|
| Bakterien | Staphylokokken, Streptokokken, Pseudomonas, Enterobakterien, Moraxella | Kontaktlinsen, Verletzungen, vorgeschädigte Hornhaut |
| Viren | Herpes simplex, Varizella-Zoster, Adenoviren | Rückfall nach früherer Infektion, Gürtelrose im Gesicht |
| Akanthamöben | frei lebende Einzeller (Acanthamoeba) | Kontaktlinsen und Wasser: Leitungswasser, Dusche, See, Schwimmbad |
| Pilze | Fadenpilze (Fusarium, Aspergillus), Hefen (Candida) | Verletzung mit Pflanzenmaterial, Kortisontropfen, Abwehrschwäche |
| seltene Bakterien | Nocardien, atypische Mykobakterien | Erde, Wasser, Pflanzen, Hornhaut-Laseroperation |
In Industrieländern überwiegen grampositive Bakterien wie Staphylokokken. Bei Kontaktlinsenträgern, die in Kliniken behandelt werden, spielen dagegen gramnegative Keime wie Pseudomonas eine deutlich größere Rolle. Mischinfektionen mit mehreren Keimen kommen vor; die Angaben dazu schwanken je nach Studie stark.
Warum sind Kontaktlinsen der wichtigste Risikofaktor?
Kontaktlinsen sind in Industrieländern der wichtigste Einzelrisikofaktor für eine bakterielle Keratitis und für die Akanthamöben-Keratitis. Unter der Linse werden Keime nicht durch Lidschlag und Tränen weggespült. Gleichzeitig bekommt die Hornhaut weniger Sauerstoff, und es entstehen winzige Verletzungen im Epithel, an denen Bakterien haften können. Kein Linsentyp schützt vollständig.
In Deutschland tragen rund 3,4 Millionen Menschen Kontaktlinsen. Nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte (BVA) erkranken jedes Jahr etwa 2 bis 4 von 10.000 Trägern an einer mikrobiellen Keratitis, Träger weicher Linsen häufiger als Träger formstabiler Linsen. Bei 3,4 Millionen Trägern wären das etwa 700 bis 1.400 Erkrankungen im Jahr. Eine ältere Schätzung der DOG aus dem Jahr 2013, wiedergegeben von der Ärzte Zeitung, lag mit rund 4.000 Fällen pro Jahr deutlich höher. Genaue Zahlen für Deutschland gibt es nicht; die Schätzungen gehen weit auseinander. Etwa ein Drittel aller bakteriellen Hornhautentzündungen steht mit Kontaktlinsen in Zusammenhang.
Schlafen mit Linsen
Das Tragen über Nacht ist in allen Studien der stärkste einzelne Risikofaktor. Eine große niederländische Untersuchung (Cheng und Kollegen, 1999) fand pro Jahr etwa 1 Erkrankung auf 10.000 Träger formstabiler Linsen und 3,5 auf 10.000 bei weichen Linsen, die nur tagsüber getragen wurden, aber rund 20 auf 10.000 bei weichen Linsen, die auch nachts getragen wurden. Je nach Studie liegen die Zahlen weit auseinander, die Richtung ist aber immer gleich.
Fehler bei der Pflege
- Linsen oder Behälter mit Leitungswasser spülen oder in Wasser aufbewahren
- Linsen mit Speichel befeuchten
- Pflegelösung nachfüllen statt erneuern, selbst gemischte Lösungen
- Behälter selten reinigen oder jahrelang verwenden
- Monats- oder Zweiwochenlinsen länger tragen als vorgesehen, Tageslinsen wiederverwenden
- Linsen mit ungewaschenen Händen anfassen
- farbige Kosmetiklinsen ohne augenärztliche oder optometrische Anpassung
Auch wer alles richtig macht, kann erkranken. Die Hygiene senkt das Risiko aber erheblich. Mehrfach verwendbare Linsen gelten bei Akanthamöben als etwa dreimal so riskant wie Tageslinsen.
Wie kommen Akanthamöben ins Auge?
Akanthamöben leben fast überall im Wasser und in der Erde und gelangen meist über Kontaktlinsen, die mit Leitungswasser, Dusch-, Schwimmbad- oder Seewasser in Kontakt gekommen sind, auf die Hornhaut. Sie kommen in Seen, Flüssen, im Meer, im Leitungswasser, in Duschköpfen, Whirlpools, Klimaanlagen und im Staub vor. Das Chlor im Schwimmbad tötet sie nicht ab.
Die Amöben bilden sehr widerstandsfähige, doppelwandige Zysten. Diese überleben Desinfektionsmittel, Austrocknung und viele Medikamente und können später wieder aktiv werden. Das erklärt, warum die Behandlung so lange dauert. Die Eintrittspforte sind meist winzige Verletzungen der Hornhautoberfläche.
Je nach Land und Quelle tragen rund 85 bis über 90 Prozent der Erkrankten Kontaktlinsen, ganz überwiegend weiche. Hauptursache ist laut DOG eine fehlerhafte Reinigung der Linsen. Nach derselben DOG-Schätzung von 2013 sind es in Deutschland bis zu rund 200 Akanthamöben-Keratitiden pro Jahr; seit 2011 erfasst ein Register der DOG-Sektion Kornea diese Fälle. Bei Menschen ohne Kontaktlinsen spielen Verletzungen mit Pflanzen oder verschmutztes Wasser eine Rolle. Eine Abwehrschwäche ist nicht nötig.
Wann entsteht eine Pilzkeratitis?
Eine Pilzkeratitis entsteht meist nach einer Verletzung mit pflanzlichem Material, etwa durch einen Zweig, ein Blatt oder bei der Garten- und Landarbeit. In warmen Ländern ist sie deutlich häufiger als in Mitteleuropa; in Südindien wurde etwa ein Pilzanteil an allen Hornhautgeschwüren von über 40 Prozent beschrieben. In kühleren Regionen spielten früher eher Hefepilze bei vorgeschädigtem Auge oder geschwächter Abwehr die Hauptrolle.
Weitere Risikofaktoren sind lange Behandlungen mit kortisonhaltigen Augentropfen, Erkrankungen der Augenoberfläche, Kontaktlinsen und eine Abwehrschwäche. Ein internationaler Ausbruch von Fusarium-Infektionen bei Linsenträgern wurde mit einer bestimmten Pflegelösung in Verbindung gebracht. Die Geografie allein darf deshalb heute nicht mehr bestimmen, ob man an Pilze denkt.
Welche Rolle spielen Herpes und andere Viren?
Herpes-simplex-Viren sind die häufigste Ursache einer viralen Keratitis; das Virus ruht nach der Erstinfektion in Nervenknoten und kann immer wieder aufflammen. Über 90 Prozent der Erwachsenen tragen das Virus in sich. Auslöser eines Rückfalls können Stress, Fieber, UV-Licht, Kälte, Verletzungen, Operationen, Kortison und eine geschwächte Abwehr sein. In Frankreich zählt die SFO rund 18.000 Episoden herpetischer Keratitis pro Jahr. Details finden Sie unter Herpes am Auge.
Das Gürtelrose-Virus kann bei einer Gürtelrose im Stirn- und Nasenbereich die Hornhaut befallen. Adenoviren, die eine stark ansteckende Bindehautentzündung auslösen, können kleine punktförmige Trübungen der Hornhaut hinterlassen, die das Sehen wochen- bis monatelang beeinträchtigen.
Welche nicht infektiösen Ursachen gibt es?
Eine Hornhautentzündung kann auch ohne Keime entstehen, wenn die Hornhaut durch Licht, Chemikalien, Austrocknung oder Nervenschäden angegriffen wird. Wichtige Beispiele:
- UV-Strahlung: Schneeblindheit, Gletscher, Wasser, Schweißen, Solarium
- Verätzungen und Verbrennungen durch Säuren, Laugen, Kalk oder heiße Flüssigkeiten
- Fremdkörper und Verletzungen
- schweres trockenes Auge, auch beim Sjögren-Syndrom
- unvollständiger Lidschluss, etwa nach Gesichtslähmung, bei Lidfehlstellungen oder bei hervortretenden Augen (Expositionskeratitis)
- neurotrophe Keratitis: Schäden der Hornhautnerven durch Diabetes, Herpes, Gürtelrose, Operationen oder nach Schlaganfall
- toxische Keratitis durch Augentropfen, vor allem bei häufiger oder langer Anwendung
- Vitamin-A-Mangel und schwere Mangelernährung
- Randkeratitis als Überempfindlichkeitsreaktion bei chronischer Lidrandentzündung; hier sind die Kulturen meist steril
- Entzündungen bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis
Nicht infektiöse Formen sind nicht ansteckend. Sie bereiten aber oft den Boden für eine spätere Infektion, weil die geschädigte Oberfläche Keimen das Eindringen erleichtert.
Welche weiteren Risikofaktoren gibt es?
Neben Kontaktlinsen erhöhen vor allem Verletzungen, Vorerkrankungen der Augenoberfläche, Augenoperationen und eine geschwächte Abwehr das Risiko. Fachquellen aus Deutschland, Frankreich, Spanien und den USA nennen übereinstimmend:
- Verletzungen und Fremdkörper, auch durch Werkzeug, Holz oder Pflanzen
- Operationen an Hornhaut oder Lidern, Hornhauttransplantation (lockere Fäden), refraktive Laserchirurgie
- Diabetes, Alkoholkrankheit, HIV, Mangelernährung
- Kortison oder andere abwehrschwächende Medikamente, als Tropfen oder Tabletten
- Selbstbehandlung oder Dauergebrauch von Augentropfen, verunreinigte Tropfflaschen
- trockenes Auge, Lidrandentzündung, nach innen oder außen gekippte Lider, Wimpern, die auf der Hornhaut reiben
- geschwollene Hornhaut (bullöse Keratopathie), etwa bei Fuchs-Endotheldystrophie
- lange Bildschirmarbeit mit seltenem Lidschlag, die die Augen austrocknet
4 Diagnose
In diesem Kapitel (6)
Wie stellt die Augenärztin die Diagnose?
Die Diagnose stützt sich auf das Gespräch, die Untersuchung mit dem Spaltlampenmikroskop und eine Anfärbung der Hornhaut mit dem Farbstoff Fluorescein. Mit der Spaltlampe, einem Mikroskop mit schmalem Lichtband, lassen sich Größe, Tiefe und Lage eines Herdes genau beurteilen. Fluorescein macht Defekte der Oberfläche unter blauem Licht leuchtend grün sichtbar.
Zur Untersuchung gehören außerdem die Messung der Sehschärfe, oft des Augeninnendrucks, die Prüfung der Hornhautempfindlichkeit, der Lidstellung und des Lidschlusses. Manchmal wird die Pupille erweitert, um das Augeninnere zu beurteilen. Ist es wegen einer starken Trübung nicht einsehbar, hilft ein Ultraschall. Untersucht werden immer beide Augen.
Welche Fragen werden gestellt?
Die Ärztin fragt vor allem nach Kontaktlinsen, Verletzungen, Wasserkontakt und Vorerkrankungen, weil diese Angaben oft schon auf den Erreger hinweisen. Es hilft, wenn Sie folgende Punkte parat haben:
- Seit wann bestehen die Beschwerden, wie haben sie sich entwickelt?
- Welche Kontaktlinsen tragen Sie, wie lange täglich, auch nachts?
- Wie reinigen und lagern Sie Linsen und Behälter, mit welcher Lösung?
- Haben Sie mit Linsen geduscht, gebadet oder geschwommen?
- Gab es eine Verletzung, etwa durch einen Zweig, Staub oder Werkzeug?
- Hatten Sie früher Lippenherpes, Gürtelrose oder eine Herpes-Erkrankung am Auge?
- Welche Tropfen oder Medikamente verwenden Sie, insbesondere Kortison?
- Haben Sie Diabetes, Rheuma oder eine Abwehrschwäche?
Bringen Sie, wenn möglich, Kontaktlinsen, Behälter und Pflegelösung mit. Diese können im Labor untersucht werden.
Wann ist ein Hornhautabstrich nötig?
Ein Abstrich (Hornhautabschabung) ist bei größeren, tiefen, zentralen oder ungewöhnlichen Herden nötig und bei allen, die auf die erste Behandlung nicht ansprechen. Die spanische SEO und EyeWiki nennen als Grenze etwa einen Herd von mehr als 2 Millimetern, außerdem Verdünnung, Hypopyon, chronischen Verlauf und Verdacht auf Pilze oder Akanthamöben. Kleine Herde am Rand ohne Gewebeeinschmelzung können oft ohne Abstrich behandelt werden.
Die Probe wird nach örtlicher Betäubung mit Tropfen vom Rand und Grund des Geschwürs entnommen, meist mit einem feinen Spatel oder einer Klinge. Das ist kaum schmerzhaft. Das Material wird gefärbt, unter dem Mikroskop untersucht und auf verschiedenen Nährböden angezüchtet. Ein Antibiogramm zeigt, welche Antibiotika wirken.
Wichtig zu wissen: Die Behandlung mit Antibiotika beginnt sofort nach der Probenentnahme, ohne auf das Ergebnis zu warten. Bakterienkulturen brauchen ein bis drei Tage, Pilzkulturen bis zu drei Wochen. Ein Drittel bis mehr als die Hälfte der Kulturen bleibt negativ, besonders wenn schon Tropfen gegeben wurden. Ein negativer Befund schließt eine Infektion daher nicht aus.
Warum ist die Akanthamöben-Keratitis so schwer zu erkennen?
Die Akanthamöben-Keratitis sieht anfangs einer Herpes-Keratitis oder einer bakteriellen Entzündung sehr ähnlich und wird deshalb häufig zunächst falsch eingeordnet. Laut DOG wurde bei zwei Dritteln der Betroffenen zunächst eine andere Diagnose gestellt, und bis zur richtigen Diagnose vergingen oft Wochen bis Monate. In einer peruanischen Serie wurden nur rund 14 Prozent beim ersten Kontakt richtig erkannt.
Zum Nachweis dienen spezielle Kulturen, Färbungen, die PCR (ein Erbgut-Nachweis) und die konfokale Mikroskopie. Mit diesem Spezialmikroskop lassen sich Zysten direkt in der lebenden Hornhaut erkennen, allerdings braucht es dafür Erfahrung. Bei negativem Befund und fortbestehendem Verdacht kann eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden. Die DOG empfiehlt, bei unklarer Keratitis frühzeitig eine Universitäts-Augenklinik einzubeziehen.
Welche weiteren Untersuchungen gibt es?
Je nach Verdacht ergänzen PCR, optische Kohärenztomografie, konfokale Mikroskopie, Biopsie und Tests der Tränenmenge die Diagnose. Die Vorderabschnitts-OCT, eine Art Schichtaufnahme mit Licht, misst die Tiefe eines Geschwürs und die Restdicke der Hornhaut. An der Universität Linz wird erforscht, ob die OCT auch Hinweise auf den Erreger geben kann; das ist noch kein Standard.
Bei Verdacht auf ein trockenes Auge misst der Schirmer-Test mit einem Papierstreifen die Tränenmenge. Bei Herpes-Verdacht stützt sich die Diagnose überwiegend auf das typische Bild, ergänzt durch Abstrich oder PCR. Bei einer neurotrophen Keratitis wird die Hornhautempfindlichkeit geprüft.
Welche Krankheiten müssen abgegrenzt werden?
Ähnliche Beschwerden machen vor allem Bindehautentzündung, Regenbogenhautentzündung, akuter Glaukomanfall und sterile, also keimfreie Hornhautinfiltrate. Die wichtigsten Unterscheidungen:
- Bindehautentzündung: Rötung und Sekret, aber klare Hornhaut und meist gutes Sehen
- Uveitis (Entzündung im Augeninneren): Rötung, Lichtscheu, Schmerz, aber ohne Oberflächendefekt; kann eine Keratitis begleiten
- Akuter Glaukomanfall: plötzlich sehr hoher Augendruck, steinhartes Auge, Kopfschmerz, Übelkeit, Halos
- sterile Infiltrate bei Kontaktlinsen oder Lidrandentzündung, die anders behandelt werden
- alte Narben nach Fremdkörpern, die mit frischen Herden verwechselt werden können
- Entzündungen bei Rheuma, Gefäßentzündungen oder Sarkoidose
Grundsatz der SFO: Ein Hornhautabszess oder eine nach Infektion aussehende Keratitis gilt so lange als bakteriell, bis das Gegenteil bewiesen ist. Klinisch lässt sich der Erreger allein vom Aussehen her nur unsicher vorhersagen.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (11)
- Was sollten Sie sofort selbst tun?
- Wie wird eine bakterielle Keratitis behandelt?
- Welche ergänzenden Behandlungen gibt es?
- Wann wird Kortison eingesetzt?
- Wie wird eine Akanthamöben-Keratitis behandelt?
- Wie wird eine Pilzkeratitis behandelt?
- Wie wird die Herpes-Keratitis behandelt?
- Wie werden nicht infektiöse Hornhautentzündungen behandelt?
- Wann ist eine Operation nötig?
- Wann ist ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll?
- Was ist beim Tropfen zu beachten?
Was sollten Sie sofort selbst tun?
Nehmen Sie Kontaktlinsen sofort heraus, setzen Sie sie nicht wieder ein und gehen Sie noch am selben Tag zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in eine Augenklinik. Weitere Schritte bis zur Untersuchung:
- Linsen, Behälter und Pflegelösung in einem sauberen Beutel mitnehmen
- das Auge nicht reiben und nicht abkleben oder verbinden
- keine alten oder fremden Augentropfen verwenden, vor allem keine mit Kortison
- keine Hausmittel wie Kamille oder Kräuterauflagen ins Auge geben
- eine Sonnenbrille gegen die Lichtscheu tragen, nicht selbst Auto fahren
Ein Verband ist bei infektiösen Hornhautentzündungen ungeeignet, weil die feuchte Wärme darunter das Wachstum der Keime fördert. Komplementärmedizinische Mittel werden wegen des Komplikationsrisikos nicht empfohlen.
Wie wird eine bakterielle Keratitis behandelt?
Eine bakterielle Keratitis wird sofort mit Antibiotika-Augentropfen behandelt, die anfangs sehr häufig, oft stündlich und auch nachts, gegeben werden. Bei kleinen Herden am Rand genügt oft ein einzelnes Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone. Bei großen, zentralen oder schweren Geschwüren werden meist zwei hoch konzentrierte („fortifizierte“) Antibiotika im Wechsel getropft. Diese werden in der Krankenhausapotheke eigens hergestellt, müssen gekühlt werden und sind nur kurz haltbar.
In den ersten Stunden kann ein Tropfen sogar alle paar Minuten nötig sein, um rasch einen hohen Wirkstoffspiegel aufzubauen. Wird das Geschwür kleiner, verringert die Ärztin die Häufigkeit schrittweise, auch weil die Tropfen selbst die Hornhaut reizen. Liegt das Ergebnis des Abstrichs vor oder bessert sich das Auge nicht, wird das Mittel angepasst. Die genaue Auswahl und Dosierung legt immer die Augenärztin fest.
Zwischen den Ländern gibt es Unterschiede in den bevorzugten Kombinationen: In den USA empfiehlt die AAO etwa andere Wirkstoffpaare als die in Spanien übliche Praxis. Fachgesellschaften berichten außerdem von zunehmenden Resistenzen gegen Fluorchinolone. Bei Linsenträgern wird wegen Pseudomonas besonders auf ein ausreichend wirksames Mittel geachtet.
Wie lange dauert die Behandlung?
Bei leichten Formen dauert die Behandlung laut SFO etwa zwei Wochen, bei schweren mindestens vier Wochen. Bei empfindlichen Erregern ist meist nach 24 bis 48 Stunden eine Besserung erkennbar. Bei Pseudomonas kann es am Anfang trotz richtiger Therapie sogar etwas schlechter werden, bevor es besser wird. Hören Sie nie eigenmächtig auf.
Welche ergänzenden Behandlungen gibt es?
Neben den Antibiotika lindern weitere Mittel Schmerzen, schützen das Auge und bremsen die Einschmelzung von Gewebe. Dazu gehören:
- pupillenerweiternde Tropfen (Zykloplegika): sie stellen den Ziliarmuskel ruhig, lindern den Schmerz und verhindern Verklebungen der Iris; das Sehen in der Nähe ist dann für einige Zeit unscharf
- drucksenkende Tropfen oder Tabletten, wenn der Augeninnendruck steigt
- Schmerzmittel als Tabletten
- Doxycyclin als Tablette und manchmal Vitamin C, um bei schweren Verläufen die Gewebeeinschmelzung zu hemmen
- Behandlung der Ursache, etwa einer Lidfehlstellung, reibender Wimpern oder eines trockenen Auges
Antibiotika als Tabletten oder Infusion sind nur in Sonderfällen nötig, etwa bei Ausbreitung auf die Lederhaut, bei drohendem Durchbruch, bei Gonokokken oder Meningokokken und bei manchen Infektionen im Kindesalter.
Wann wird Kortison eingesetzt?
Kortisonhaltige Tropfen werden bei bakterieller Keratitis höchstens später und nur unter enger augenärztlicher Kontrolle gegeben, nie zu Beginn und nie in Eigenregie. Kortison kann Entzündung, Schmerz und Lichtscheu lindern, schwächt aber auch die Abwehr; eine geringere Narbenbildung ist nicht belegt. Bei Pilzen, Akanthamöben, Nocardien und bei der oberflächlichen Herpes-Keratitis kann es den Verlauf drastisch verschlimmern.
Die große amerikanische SCUT-Studie mit rund 500 Patienten fand insgesamt keinen Vorteil von Kortison für die Sehschärfe nach drei Monaten, aber auch keine Sicherheitsprobleme. In Untergruppen mit sehr schlechter Ausgangssehschärfe oder ganz zentralem Geschwür schnitt Kortison etwas besser ab; das gilt als Hinweis, nicht als gesicherte Regel. Deshalb erwägen Fachleute Kortison frühestens 24 bis 48 Stunden nach Beginn der Antibiotika, wenn der Erreger bekannt ist und die Infektion anspricht.
Wie wird eine Akanthamöben-Keratitis behandelt?
Die Akanthamöben-Keratitis wird mit antiseptischen Augentropfen über viele Monate behandelt, idealerweise in einer spezialisierten Augenklinik. Eingesetzt werden Wirkstoffe aus der Gruppe der Biguanide (Polihexanid, PHMB, oder Chlorhexidin), oft kombiniert mit einem Diamidin wie Propamidin oder Hexamidin. Ein Diamidin allein reicht nicht.
In den ersten Tagen wird sehr häufig getropft, tags und nachts, oft stündlich oder noch öfter. Ein Wecker und ein schriftlicher Tropfplan helfen, manchmal ist anfangs ein Klinikaufenthalt sinnvoll. Danach wird die Häufigkeit über Wochen und Monate langsam verringert. Eine Studie zeigte, dass PHMB in höherer Konzentration allein ähnlich gut wirken kann wie eine Kombination.
Die Gesamtdauer liegt meist bei sechs bis zwölf Monaten. Bei früher Diagnose reichen nach britischen Patienteninformationen manchmal drei bis sechs Monate; laut DOG kann es aber auch dann bis zu einem Jahr dauern. Bei später Diagnose sind zwölf Monate oder mehr häufig. Wer zu früh aufhört, riskiert einen Rückfall, weil überlebende Zysten wieder aktiv werden können. Gegen die Schmerzen helfen pupillenerweiternde Tropfen und Schmerztabletten. Kortison wird meist vermieden oder erst nach mehreren Wochen Amöbentherapie bei starker Entzündung vorsichtig eingesetzt. Bei hartnäckigen Fällen kann zusätzlich das Medikament Miltefosin als Tablette gegeben werden.
Ein speziell für die Akanthamöben-Keratitis zugelassenes Medikament gab es lange in keinem Land. Seit August 2024 ist in der EU ein Polihexanid-Präparat in höherer Konzentration (0,08 Prozent) eigens dafür zugelassen, für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hält fest, dass es bis dahin kein zugelassenes Medikament gegen die Akanthamöben-Keratitis gab; viele Tropfen werden aber weiterhin als Rezeptur in Apotheken hergestellt.
Wie wird eine Pilzkeratitis behandelt?
Eine Pilzkeratitis wird mit Pilzmitteln (Antimykotika) als Augentropfen über Wochen bis Monate behandelt; bei Fadenpilzen gilt Natamycin als erste Wahl. Das ist das Ergebnis der großen MUTT-I-Studie, in der Natamycin besonders bei Fusarium besser abschnitt als Voriconazol und seltener eine Hornhauttransplantation nötig wurde. Bei Hefepilzen wird oft Amphotericin B eingesetzt, Voriconazol gilt als Alternative.
Die Studienlage ist nicht ganz einheitlich: Manche Übersichtsarbeiten bevorzugen Voriconazol, andere halten die Wirksamkeit mehrerer Mittel für nicht ausreichend belegt. Bei tiefen Infektionen kommen Azole zusätzlich als Tabletten oder als Injektion in die Hornhaut hinzu. Regelmäßig wird abgestorbenes Gewebe abgetragen, damit die Tropfen besser eindringen. Kortison ist bei Pilzen tabu.
Wichtig: Eine geschlossene Oberfläche bedeutet bei Pilzen nicht, dass die Infektion vorbei ist. Die Behandlung wird deshalb oft deutlich länger fortgeführt, als es die Beschwerden vermuten lassen.
Wie wird die Herpes-Keratitis behandelt?
Die Herpes-Keratitis wird mit Mitteln gegen Viren (Virustatika) als Salbe, Gel oder Tabletten behandelt; Kortison ist bei der oberflächlichen Form verboten. Bei tieferen Formen kann Kortison unter fachärztlicher Kontrolle zusammen mit einem Virustatikum nötig sein. Häufige Rückfälle lassen sich mit einer Dauerbehandlung in Tablettenform vermindern. Ausführlich: Herpes am Auge.
Wie werden nicht infektiöse Hornhautentzündungen behandelt?
Nicht infektiöse Formen behandelt man, indem man die Ursache beseitigt und die Hornhaut beim Heilen unterstützt. Bei UV-Schäden helfen Salbenverband, kühlende Umschläge und Schmerzmittel, in schweren Fällen eine antibiotische Salbe zum Schutz vor Infektionen. Bei trockenem Auge und unvollständigem Lidschluss stehen Tränenersatzmittel, Gele und Salben im Vordergrund, nachts manchmal ein Uhrglasverband.
Bei stärkeren Beschwerden können eine weiche Verbandslinse oder entzündungshemmende Tropfen nötig sein, bei schweren Lidschlussstörungen eine teilweise Vernähung der Lider (Tarsorrhaphie). Bei der neurotrophen Keratitis kommen neben Benetzungsmitteln Eigenserum-Augentropfen und weitere Spezialbehandlungen in Frage. Verätzungen werden sofort gespült und in der Klinik behandelt.
Wann ist eine Operation nötig?
Eine Operation ist nur nötig, wenn Medikamente nicht ausreichen, die Hornhaut durchzubrechen droht oder schon durchgebrochen ist oder später eine Narbe das Sehen stark trübt. Mögliche Eingriffe sind:
- Abtragen (Débridement) von infiziertem oder abgestorbenem Gewebe
- Gewebekleber und eine Verbandslinse bei sehr kleinen Löchern
- Amnionmembran (Gewebe aus der Eihaut der Plazenta), die die Heilung fördert
- Bindehautlappen, der die kranke Stelle abdeckt
- notfallmäßige Hornhauttransplantation (Keratoplastik à chaud) bei fortschreitender Infektion trotz maximaler Therapie oder großem Durchbruch
Die Hornhaut-Quervernetzung (Crosslinking) mit Vitamin B2 und UV-Licht wird bei hartnäckigen Infektionen erforscht. Die Ergebnisse sind noch uneinheitlich, sie ist keine Standardbehandlung.
Wann ist ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll?
Ein Klinikaufenthalt ist sinnvoll bei schweren oder zentralen Geschwüren, bei drohendem Durchbruch und wenn die stündlichen Tropfen zu Hause nicht zuverlässig gegeben werden können. In Deutschland empfiehlt die DOG bei unklarer Keratitis die frühe Einbindung einer Universitätsklinik. In Frankreich überweisen niedergelassene Augenärzte schwere Fälle nach festen Schweregradkriterien an spezialisierte Abteilungen. Kontrollen erfolgen anfangs täglich, bei schweren Verläufen auch zweimal täglich.
Was ist beim Tropfen zu beachten?
Der Erfolg hängt stark davon ab, dass die Tropfen genau nach Plan gegeben werden, auch nachts und auch am Tag der Kontrolle. Einige praktische Hinweise aus britischen Patientenmerkblättern:
- vor jedem Tropfen die Hände waschen
- die Tropfflasche nicht mit dem Auge oder den Wimpern berühren
- alle Fläschchen zum Kontrolltermin mitbringen
- nichts ohne Rücksprache absetzen oder austauschen
- Tropfen gegen eine Form der Keratitis nie für eine andere verwenden
Fragen zur Kostenübernahme, etwa für in der Apotheke hergestellte Rezepturen, klären Sie am besten direkt mit der behandelnden Klinik und Ihrer Krankenkasse.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (8)
- Heilt eine Hornhautentzündung wieder vollständig aus?
- Wie lange dauert die Heilung?
- Welche Komplikationen können auftreten?
- Wie ist die Prognose bei Akanthamöben und Pilzen?
- Was passiert mit Narben auf der Hornhaut?
- Wann ist eine Hornhauttransplantation nötig und wie gut sind die Ergebnisse?
- Kann eine Keratitis wiederkommen?
- Wann darf ich wieder Kontaktlinsen tragen?
Heilt eine Hornhautentzündung wieder vollständig aus?
Wird eine Keratitis früh erkannt und konsequent behandelt, heilt sie in den meisten Fällen gut aus, oberflächliche Formen oft ohne bleibende Folgen. Die französische SFO berichtet für Klinikpatienten mit bakterieller Keratitis eine Heilungsrate der Infektion von 92 bis 98 Prozent. Bei 60 bis 85 Prozent besserte sich das Sehen gegenüber dem Beginn der Behandlung.
Das heißt aber nicht, dass das Sehen immer wieder wie vorher wird. In denselben Daten verlor etwa ein Drittel ein bis drei Zeilen auf der Sehtafel, etwa 5 Prozent mehr als vier Zeilen. Entscheidend sind Größe, Tiefe und Lage des Geschwürs, der Erreger und vor allem, wie früh die Behandlung beginnt.
Wie lange dauert die Heilung?
Die Dauer reicht von wenigen Tagen bei UV-Schäden über Wochen bei bakterieller Keratitis bis zu einem Jahr bei Akanthamöben. Ein grober Überblick:
| Form | typische Behandlungsdauer |
|---|---|
| UV-Keratitis | 1 bis 3 Tage |
| leichte bakterielle Keratitis | etwa 1 bis 2 Wochen |
| schwere bakterielle Keratitis | mindestens 4 Wochen, Narbenumbau über Monate |
| Pilzkeratitis | Wochen bis Monate |
| Akanthamöben-Keratitis | meist 6 bis 12 Monate, manchmal länger |
Ob und wie lange Sie arbeiten können, hängt vom Beruf und von der Schwere ab. Manche arbeiten mit leichter Keratitis weiter, andere brauchen wegen Lichtscheu, häufiger Tropfen und eingeschränkten Sehens eine Krankschreibung. Bei deutlich verschlechtertem Sehen oder unter pupillenerweiternden Tropfen sollten Sie nicht Auto fahren.
Welche Komplikationen können auftreten?
Die wichtigsten Komplikationen sind Narben mit bleibender Sehverschlechterung, eine unregelmäßige Hornhautverkrümmung und im schlimmsten Fall ein Durchbruch der Hornhaut. Daneben beschreiben die Fachgesellschaften:
- Hornhautnarbe (Leukom) und Trübung
- unregelmäßige Hornhautverkrümmung, die eine Brille nicht ausgleicht
- einwachsende Blutgefäße in die Hornhaut
- Verdünnung, Einschmelzung, Descemetozele und Perforation mit Vorfall der Iris
- Ausbreitung auf die Lederhaut (Skleritis)
- Entzündung der Regenbogenhaut, Verklebungen der Iris, Sekundärglaukom (erhöhter Augendruck)
- Linsentrübung (Grauer Star), vor allem nach langen Verläufen
- Endophthalmitis: Infektion des gesamten Augeninneren, selten, aber sehr ernst
- Verlust des Auges in extremen Fällen
Wie ist die Prognose bei Akanthamöben und Pilzen?
Akanthamöben- und Pilzkeratitis haben eine deutlich ungünstigere Prognose als die meisten bakteriellen Entzündungen, vor allem wenn sie spät erkannt werden. Bei der Akanthamöben-Keratitis ist die Diagnose vor dem Eindringen ins tiefere Hornhautgewebe entscheidend: Dann sind gute Ergebnisse möglich. Britische Patientenmerkblätter nennen einen bleibenden Sehverlust bei etwa einem Viertel der Betroffenen. In einer US-Untersuchung wirkten die Medikamente bei rund einem Viertel der Erkrankten nicht ausreichend, sodass eine Hornhauttransplantation nötig oder absehbar war.
Bei Pilzkeratitis berichtet EyeWiki je nach Studie schweren Sehverlust bei einem Viertel bis fast zwei Dritteln, Hornhauttransplantationen bei rund einem Drittel. Diese Zahlen stammen überwiegend aus Ländern mit vielen schweren Fällen und lassen sich nicht direkt auf Mitteleuropa übertragen. Weltweit zählen Hornhautentzündungen zu den häufigsten Ursachen für Erblindung, vor allem in ärmeren Regionen.
Was passiert mit Narben auf der Hornhaut?
Hornhautnarben können sich noch über viele Monate nach der Heilung aufhellen, weil sich das Gewebe langsam umbaut. Deshalb empfehlen Fachleute, mit einer Hornhauttransplantation möglichst zu warten, oft 9 bis 12 Monate nach Ende der Infektion, besonders wenn das andere Auge gut sieht. In der Zwischenzeit können formstabile oder sklerale Kontaktlinsen die unregelmäßige Oberfläche ausgleichen und oft ein erstaunlich gutes Sehen ermöglichen. Sie zeigen auch, wie viel Sehvermögen hinter der Narbe noch steckt.
Zur Pflege der Oberfläche nach der Heilung werden in manchen Kliniken Eigenserum-Augentropfen oder ähnliche Präparate aus Blutbestandteilen eingesetzt.
Wann ist eine Hornhauttransplantation nötig und wie gut sind die Ergebnisse?
Eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) ist nötig, wenn eine dichte Narbe das Sehen stark einschränkt oder wenn eine Infektion trotz aller Medikamente fortschreitet oder die Hornhaut durchbricht. Wenn möglich, wird nur ein Teil der Hornhaut ersetzt (lamelläre Keratoplastik, etwa DALK), was das Abstoßungsrisiko senkt.
Ein Eingriff im entzündeten Auge hat schlechtere Aussichten als ein geplanter Eingriff im ruhigen Auge. In einer französischen Auswertung notfallmäßiger Transplantationen bei Infektion waren nach einem Jahr noch 90 Prozent der Teiltransplantate und 78 Prozent der vollständigen Transplantate klar. Nach einer Transplantation muss das Auge lebenslang auf Abstoßung und Infektionen überwacht werden; Herpes tritt danach häufiger wieder auf.
Kann eine Keratitis wiederkommen?
Ja, eine Keratitis kann erneut auftreten, besonders wenn der Risikofaktor bestehen bleibt, etwa Kontaktlinsen mit Hygienelücken, ein trockenes Auge oder Herpes. Bei Herpes liegt das Rückfallrisiko ohne vorbeugende Behandlung bei etwa 10 Prozent nach einem Jahr und rund 40 Prozent nach fünf Jahren. Auch nach einer Akanthamöben-Keratitis besteht kein sicherer Schutz vor einer erneuten Infektion.
Wann darf ich wieder Kontaktlinsen tragen?
Kontaktlinsen dürfen Sie erst wieder tragen, wenn die Entzündung vollständig abgeheilt ist und Ihre Augenärztin ausdrücklich zustimmt. Nach einer bakteriellen Keratitis sind das oft mehrere Wochen nach Ende der Behandlung, nach einer Akanthamöben-Keratitis meist Monate. Häufig wird dann zu Tageslinsen geraten. Verwenden Sie die alten Linsen, den alten Behälter und angebrochene Pflegelösung nicht weiter. Halten Sie immer eine aktuelle Brille griffbereit.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (7)
- Wie beugt man einer Hornhautentzündung durch Kontaktlinsen vor?
- Darf man mit Kontaktlinsen duschen, baden oder schwimmen?
- Welche Linsen sind am sichersten?
- Wie schützt man die Augen vor Verletzungen und UV-Licht?
- Was kann man bei trockenen Augen und anderen Vorerkrankungen tun?
- Was sollte man bei Augentropfen beachten?
- Wie kann ich mir den Alltag während der Behandlung erleichtern?
Wie beugt man einer Hornhautentzündung durch Kontaktlinsen vor?
Der wirksamste Schutz ist eine konsequente Kontaktlinsenhygiene: saubere Hände, kein Wasserkontakt, keine Linsen im Schlaf und Linsen nur so lange tragen wie vorgesehen. Die Regeln von BVA, DOG, den britischen Augenkliniken, der CDC und den französischen und spanischen Fachquellen stimmen weitgehend überein:
- Hände vor jedem Kontakt mit Linsen gründlich waschen und mit einem sauberen, fusselfreien Tuch abtrocknen
- Linsen nie mit Leitungswasser oder Speichel in Kontakt bringen, nie in Wasser aufbewahren
- nur die zum Linsentyp passende, sterile Pflegelösung verwenden, Produkte nicht mischen oder tauschen
- Lösung im Behälter jeden Tag vollständig erneuern, nie nachfüllen, keine selbst hergestellten Lösungen
- Haltbarkeit nach dem Öffnen und das Verfallsdatum beachten
- Behälter regelmäßig reinigen, an der Luft trocknen lassen und alle 3 bis 6 Monate ersetzen
- Austauschplan einhalten, Tageslinsen nie ein zweites Mal verwenden
- nicht mit Linsen schlafen, auch nicht beim Mittagsschlaf, außer bei ausdrücklich dafür verordneten Linsen mit regelmäßiger Kontrolle
- bei roten, gereizten oder schmerzenden Augen Linsen herausnehmen und eine Pause machen
- Linsen anpassen lassen und regelmäßig zur augenärztlichen Kontrolle gehen
Darf man mit Kontaktlinsen duschen, baden oder schwimmen?
Nein, Kontaktlinsen sollten beim Duschen, Baden, Schwimmen und im Whirlpool nicht getragen werden, weil so Akanthamöben und Bakterien an die Linse gelangen. Das gilt für Schwimmbad, See, Fluss und Meer. Chlor schützt nicht vor Akanthamöben. In der US-Untersuchung von 2005 bis 2007 hatten die meisten Erkrankten im Monat vor Beginn mit Linsen geduscht.
Wer ohne Sehhilfe nicht schwimmen möchte, kann eine dicht schließende Schwimmbrille, am besten mit Korrekturgläsern, verwenden. Wer doch einmal Linsen im Wasser getragen hat, sollte Tageslinsen danach wegwerfen, wiederverwendbare Linsen vor dem nächsten Tragen gründlich desinfizieren und bei Beschwerden in der ersten Woche sofort zum Augenarzt gehen.
Welche Linsen sind am sichersten?
Formstabile Linsen und weiche Tageslinsen haben in Studien ein geringeres Infektionsrisiko als wiederverwendbare weiche Linsen, das größte Risiko ist das Tragen über Nacht. Tageslinsen sind teurer, ersparen aber Pflege und Behälter, die häufigsten Fehlerquellen. Farbige Kosmetiklinsen ohne fachliche Anpassung und Kontrolle sind besonders riskant. In Frankreich dürfen Kontaktlinsen nur nach augenärztlicher Verordnung abgegeben werden; in Deutschland und Österreich übernehmen auch Augenoptiker und Optometristen die Anpassung. Die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft betont, dass schlecht sitzende Linsen die Augenoberfläche schädigen.
Wie schützt man die Augen vor Verletzungen und UV-Licht?
Eine geeignete Schutzbrille bei Arbeit, Sport und Heimwerken und eine Sonnenbrille mit vollem UV-Schutz im Schnee, im Gebirge und am Wasser verhindern viele Hornhautentzündungen. Beim Schweißen ist ein Schweißschutz Pflicht, auch für Zuschauer. Im Solarium gehört eine Schutzbrille auf die Augen. Bei Garten- und Landarbeit, beim Schneiden von Hecken oder Ästen schützt eine Brille vor Verletzungen mit Pflanzenmaterial, die Pilzinfektionen auslösen können. Nach einer solchen Verletzung sollten Sie das Auge zeitnah untersuchen lassen.
Was kann man bei trockenen Augen und anderen Vorerkrankungen tun?
Ein trockenes Auge, Lidprobleme und Herpes sollten konsequent behandelt werden, weil sie das Risiko für eine Keratitis deutlich erhöhen. Dazu gehören regelmäßiges Benetzen mit Tränenersatzmitteln, Lidrandpflege bei Lidrandentzündung, Pausen bei der Bildschirmarbeit mit bewusstem Blinzeln und ein Schutz der Augen in der Nacht, wenn sich die Lider nicht ganz schließen. Wer Diabetes hat, profitiert von einer guten Blutzuckereinstellung, auch zum Schutz der Hornhautnerven.
Was sollte man bei Augentropfen beachten?
Verwenden Sie kortisonhaltige oder antibiotische Augentropfen nie auf eigene Faust und nie länger als verordnet. Kortison kann eine Herpes-, Pilz- oder Amöbeninfektion dramatisch verschlimmern. Angebrochene Fläschchen sollten nach der angegebenen Frist entsorgt und nicht an andere weitergegeben werden. Wer Lippenherpes hat, sollte die Augen nicht berühren und sich nach Kontakt mit den Bläschen gründlich die Hände waschen.
Wie kann ich mir den Alltag während der Behandlung erleichtern?
Während der Behandlung helfen ein abgedunkelter Raum, eine Sonnenbrille, ein fester Tropfplan und Hilfe durch Angehörige. Bildschirmarbeit und Lesen sollten eingeschränkt werden, wenn sie das Auge anstrengen. Stellen Sie sich Wecker für die Tropfen, auch nachts, und notieren Sie, wann Sie getropft haben. Bitten Sie jemanden, Sie zu Kontrollterminen zu fahren, vor allem wenn pupillenerweiternde Tropfen gegeben werden.
8 Wann sofort zum Arzt?
Eine infektiöse Hornhautentzündung ist ein dringender Fall, ein Hornhautgeschwür ein Notfall. Ohne schnelle Behandlung droht dauerhafter Sehverlust. Das Bundesgesundheitsministerium stuft das Hornhautgeschwür auf gesund.bund.de ausdrücklich als Notfall ein.
Sofort, auch nachts oder am Wochenende, in eine Augenklinik oder zum augenärztlichen Notdienst:
- rotes, schmerzendes Auge bei Kontaktlinsenträgern, mit Lichtscheu oder schlechterem Sehen
- sichtbarer weißer Fleck auf der Hornhaut oder Eiter im Auge
- rasche Verschlechterung innerhalb von Stunden
- plötzliche Verschlechterung während einer laufenden Behandlung: zunehmender Schmerz, mehr Rötung, schlechteres Sehen, wachsender Fleck
- plötzlicher Flüssigkeitsaustritt aus dem Auge oder ein sehr weiches Auge nach einem Geschwür (Verdacht auf Durchbruch)
- Verätzung: zuerst sofort und ausgiebig mit viel Wasser spülen, dann in die Klinik
- plötzlich starker Augen- und Kopfschmerz mit Übelkeit und verschwommenem Sehen, was auf einen akuten Glaukomanfall hindeuten kann
Noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt:
- Augenschmerzen, Fremdkörpergefühl und Lichtscheu, die nach Herausnehmen der Linse nicht rasch nachlassen
- Beschwerden in der ersten Woche nach Schwimmen, Baden oder Duschen mit Kontaktlinsen
- gerötetes Auge nach einer Verletzung mit einem Zweig oder anderem Pflanzenmaterial
- bekannter Herpes am Auge mit neuen Beschwerden
Innerhalb weniger Tage: anhaltende, aber leichte Reizung ohne Schmerzen und ohne Sehverschlechterung, die trotz Linsenpause und Benetzung nicht besser wird.
In Deutschland erreichen Sie außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, in Notfällen den Rettungsdienst unter 112. In Österreich wenden Sie sich an die Augenambulanz eines Krankenhauses oder wählen im Notfall die Rettung unter 144 oder den Euro-Notruf 112. Bei Unsicherheit berät die Gesundheitsnummer 1450. Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
9 Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ich eine Hornhautentzündung oder nur eine Bindehautentzündung habe?
Echte Schmerzen, starke Lichtempfindlichkeit und schlechteres Sehen sprechen für eine Hornhautentzündung. Eine Bindehautentzündung juckt und brennt eher, das Sehen bleibt meist klar. Sicher unterscheiden kann nur die Augenärztin mit der Spaltlampe. Bei Kontaktlinsenträgern sollte ein rotes, schmerzendes Auge immer noch am selben Tag untersucht werden.
Ist eine Hornhautentzündung ansteckend?
Eine Keratitis wird in der Regel nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Die Erreger stammen meist aus Wasser, Erde, der Linsenpflege oder der eigenen Haut. Ansteckend sind aber Herpesviren und Adenoviren, die auch die Hornhaut befallen können. Waschen Sie sich nach dem Tropfen die Hände und teilen Sie Handtücher und Augentropfen nicht. Nicht infektiöse Formen sind nicht ansteckend.
Wie lange dauert eine Hornhautentzündung?
Eine UV-Keratitis klingt meist in ein bis drei Tagen ab. Eine leichte bakterielle Keratitis heilt in ein bis zwei Wochen, eine schwere braucht mindestens vier Wochen. Pilzinfektionen dauern Wochen bis Monate, eine Akanthamöben-Keratitis meist sechs bis zwölf Monate. Narben können sich danach noch monatelang bessern.
Kann man von einer Hornhautentzündung blind werden?
Bei früher Behandlung ist das sehr selten; die meisten bakteriellen Hornhautentzündungen heilen aus. Bei später Behandlung, aggressiven Erregern wie Pseudomonas oder bei Akanthamöben und Pilzen können aber Narben mit bleibendem Sehverlust entstehen. Im äußersten Fall kann das Auge verloren gehen. Deshalb ist die schnelle Vorstellung so wichtig.
Darf ich mit Kontaktlinsen duschen oder schwimmen gehen?
Nein. Leitungs-, Schwimmbad-, See- und Meerwasser können Akanthamöben und Bakterien enthalten, die an der Linse haften. Chlor tötet Akanthamöben nicht ab. Nehmen Sie die Linsen vorher heraus oder tragen Sie eine dichte Schwimmbrille, gegebenenfalls mit Korrekturgläsern.
Wann darf ich nach einer Keratitis wieder Kontaktlinsen tragen?
Erst wenn die Entzündung vollständig abgeheilt ist und Ihre Augenärztin zustimmt. Nach einer bakteriellen Keratitis sind das meist einige Wochen, nach einer Akanthamöben-Keratitis meist Monate. Verwenden Sie neue Linsen, einen neuen Behälter und frische Lösung; oft wird zu Tageslinsen geraten.
Warum darf ich keine Kortison-Augentropfen nehmen?
Kortison dämpft die Abwehr. Bei Pilzen, Akanthamöben und oberflächlichem Herpes kann es die Infektion stark verschlimmern. Bei der bakteriellen Keratitis setzt die Augenärztin Kortison manchmal später gezielt ein, wenn die Infektion schon auf Antibiotika anspricht. In Eigenregie sollten Sie es nie verwenden.
Kann ich Kontaktlinsen mit Leitungswasser abspülen?
Nein, nie. Leitungswasser ist nicht steril und kann Akanthamöben enthalten, die eine der gefährlichsten Hornhautentzündungen auslösen. Auch Linsenbehälter sollten nicht mit Leitungswasser gespült werden. Verwenden Sie ausschließlich die passende, frische Pflegelösung.
Warum dauert die Behandlung einer Akanthamöben-Keratitis so lange?
Akanthamöben bilden sehr widerstandsfähige Zysten, die monatelang in der Hornhaut überleben können. Werden die Tropfen zu früh abgesetzt, können sie wieder aktiv werden. Deshalb dauert die Behandlung meist sechs bis zwölf Monate, auch wenn die Beschwerden schon vorher verschwunden sind.
Brauche ich nach einem Hornhautgeschwür eine Hornhauttransplantation?
Meist nicht. Eine Transplantation ist nötig, wenn Medikamente nicht wirken, die Hornhaut durchbricht oder eine dichte Narbe das Sehen stark trübt. Oft wartet man mehrere Monate, weil sich Narben noch aufhellen können. Formstabile Kontaktlinsen können bis dahin die Sicht verbessern.
Was ist der Unterschied zwischen Keratitis und Hornhautgeschwür?
Keratitis ist der Oberbegriff für jede Entzündung der Hornhaut. Ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) ist ein Gewebedefekt, bei dem Hornhautgewebe verloren geht, meist durch eine fortgeschrittene Infektion. Nicht jede Keratitis führt zu einem Geschwür, und nicht jedes Geschwür ist infiziert.
Das könnte Sie auch interessieren
- Herpes am AugeHerpes am Auge ist eine Infektion des Auges mit dem Herpes-simplex-Virus oder, als Gürtelrose am Auge, mit dem Windpocken-Virus; typisch sind ein einseitig rotes, schmerzendes, lichtempfindliches Auge und oft Bläschen an Lid oder Stirn. Sie gehört noch am selben Tag in augenärztliche Behandlung, weil Rückfälle und falsche Tropfen die Hornhaut dauerhaft vernarben können.
- BindehautentzündungDie Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine Entzündung der dünnen Schleimhaut, die das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider überzieht. Sie ist die häufigste entzündliche Augenerkrankung, betrifft Kinder wie Erwachsene, wird meist durch Viren, Bakterien oder Allergien ausgelöst und heilt in den meisten Fällen innerhalb von ein bis drei Wochen folgenlos ab.
- Trockenes AugeBeim trockenen Auge (Sicca-Syndrom) ist der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht: Es bilden sich zu wenig Tränen, oder sie verdunsten zu schnell. Schätzungen für Deutschland gehen von etwa jedem sechsten bis siebten Menschen aus, vor allem Ältere und Frauen, und lässt sich mit Tränenersatzmitteln, Lidpflege und gezielter Behandlung meist gut in den Griff bekommen.
- KeratokonusKeratokonus ist eine nicht entzündliche Erkrankung der Hornhaut, bei der sie dünner wird und sich kegelförmig nach vorn wölbt; dadurch sieht man zunehmend verzerrt und unscharf. Er beginnt meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter, betrifft fast immer beide Augen unterschiedlich stark und lässt sich mit Speziallinsen gut ausgleichen und mit Crosslinking oft aufhalten.
- UveitisEine Uveitis ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut, zu der Regenbogenhaut, Ziliarkörper und Aderhaut gehören. Sie trifft vor allem Erwachsene zwischen 20 und 60 Jahren, aber auch Kinder mit Kinderrheuma, und kann ohne rechtzeitige Behandlung das Sehen dauerhaft schädigen.
- EndophthalmitisDie Endophthalmitis ist eine seltene, aber sehr ernste Infektion im Inneren des Auges, meist wenige Tage nach einer Augenoperation, einer Spritze ins Auge oder einer Verletzung. Zunehmende Schmerzen, ein rotes Auge und schlechteres Sehen sind ein Notfall: Je schneller Antibiotika ins Auge gelangen, desto besser sind die Chancen für das Sehvermögen.
- LidrandentzündungDie Lidrandentzündung (Blepharitis) ist eine meist chronische, nicht ansteckende Entzündung der Lidränder mit Rötung, Brennen, Krusten und verklebten Lidern am Morgen. Sie gehört zu den häufigsten Gründen für einen Besuch beim Augenarzt und lässt sich mit täglicher Lidpflege meist gut kontrollieren, aber selten ganz heilen.
- Fuchs-EndotheldystrophieDie Fuchs-Endotheldystrophie ist eine meist erbliche, langsam fortschreitende Erkrankung der innersten Zellschicht der Hornhaut: Die Zellen, die die Hornhaut entwässern, gehen nach und nach zugrunde, die Hornhaut quillt auf und man sieht vor allem morgens verschwommen. Sie betrifft meist Menschen ab 50, Frauen deutlich häufiger, und lässt sich in fortgeschrittenen Stadien mit einer Transplantation nur der kranken Innenschicht (DMEK) sehr gut behandeln.
Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 32 Quellen anzeigen
- Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (DE)
- Hornhautulkus (Profi-Ausgabe) – MSD Manual (DE)
- Infektionen mit Akanthamöben oft mit Herpes verwechselt (DOG-Angaben) – Ärzte Zeitung (DE)
- Polihexanid 0,08 % gegen Akanthamöben-Keratitis: Europäischer Beurteilungsbericht (EPAR) – Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) (EN)
- Notrufnummern – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
- Kontaktlinsen: Warum Hygiene so wichtig ist (BVA- und DOG-Angaben) – PTAheute (DE)
- UV-Schäden des Auges (Photoophthalmie, Photokeratitis) – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
- Neue Methode erkennt Ursache von Hornhautentzündungen – Johannes Kepler Universität Linz (DE)
- Kontaktlinsen (Haftschalen) – Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft (ÖOG) (DE)
- Bacterial Keratitis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Acanthamoeba Keratitis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Fungal Keratitis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Pseudomonas Keratitis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- What Is Keratitis? (Corneal Ulcer) – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Microbial keratitis (patient information) – Moorfields Eye Hospital NHS Foundation Trust (EN)
- Acanthamoeba keratitis (patient and carer information) – Harrogate and District NHS Foundation Trust (EN)
- Acanthamoeba Keratitis: Multiple States, 2005–2007 (MMWR) – Centers for Disease Control and Prevention (CDC) (EN)
- Corticosteroids for bacterial keratitis: the Steroids for Corneal Ulcers Trial (SCUT) – Archives of Ophthalmology 2012 (PubMed Central) (EN)
- Mycotic Ulcer Treatment Trial (MUTT I) – ClinicalTrials.gov, National Library of Medicine (EN)
- Infections de la cornée et kératites (Rapport SFO 2015, chapitre 6) – Société Française d'Ophtalmologie (SFO) (FR)
- Kératite amibienne – Manuel MSD (version grand public) (FR)
- Mer, piscine, eau du robinet : quels risques pour les porteurs de lentilles ? – La Revue du Praticien (FR)
- Kératites amibiennes – EMC Ophtalmologie (EM-consulte) (FR)
- Queratitis bacterianas (Libro de formación de residentes, Córnea, cap. 5) – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Queratitis por virus herpes simple (Libro de formación de residentes, Córnea, cap. 7) – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Resumen clínico de la queratitis por Acanthamoeba – Centros para el Control y la Prevención de Enfermedades (CDC) (ES)
- Úlcera de córnea (versión para profesionales) – Manual MSD (ES)
- Queratitis amebiana (versión para profesionales) – Manual MSD (ES)
- Úlceras corneales bacterianas: actualización terapéutica – Revista Cubana de Oftalmología 2016 (ES)
- Diagnóstico y tratamiento de queratitis por Acanthamoeba – Horizonte Médico 2012, Universidad de San Martín de Porres (ES)
- Queratitis fúngica: revisión actual sobre diagnóstico y tratamiento – Arquivos Brasileiros de Oftalmologia 2013, Universidad de Chile (ES)
- Úlcera corneal (información para pacientes) – Hospital Universitario Virgen Macarena, Sevilla (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss