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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Netzhaut

Netzhautablösung (Ablatio retinae)

Bei einer Netzhautablösung löst sich die lichtempfindliche Netzhaut von der Augenwand; das ist ein augenärztlicher Notfall, der unbehandelt zur Erblindung des Auges führt. Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte (Rußregen) oder ein Schatten im Gesichtsfeld sind die Warnzeichen, bei denen Sie noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt sollten.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 41 Minuten · 30 Quellen in 4 Sprachen

Notfall: Bei neuen Lichtblitzen oder neuen Mouches volantes am selben, spätestens am nächsten Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt; bei Rußregen am selben Tag; bei einem Schatten, Vorhang oder plötzlichem Sehverlust sofort. Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

Bei einer Netzhautablösung trennt sich die Netzhaut, die lichtempfindliche Schicht im Augenhintergrund, von ihrer Unterlage, dem Pigmentepithel. Von dort bekommen die Sinneszellen Nährstoffe und Sauerstoff. Liegt die Netzhaut nicht mehr an, werden die Sinneszellen schlecht versorgt und nehmen dauerhaft Schaden. Unbehandelt kann das betroffene Auge innerhalb von Tagen bis Wochen erblinden.

Die häufigste Form ist die rhegmatogene Netzhautablösung (von griechisch rhegma = Riss). Ihr geht fast immer eine altersbedingte Veränderung des Glaskörpers voraus, des klaren Gels im Augeninneren. Zieht er sich zusammen und reißt dabei die Netzhaut ein, kann Flüssigkeit durch den Riss unter die Netzhaut laufen und sie abheben. Seltener entsteht eine Ablösung durch Zug von Narbengewebe (traktive Form) oder durch Flüssigkeit ohne Riss (exsudative Form).

Die Netzhautablösung tut nicht weh. Sie kündigt sich aber in den meisten Fällen an: durch Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte (Rußregen) und später durch einen Schatten oder Vorhang, der sich vom Rand her ins Gesichtsfeld schiebt. Wer diese Zeichen kennt und rasch handelt, hat sehr gute Chancen, das Sehen zu erhalten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Betroffen sind vor allem Menschen zwischen 50 und 70 Jahren, stark Kurzsichtige und Menschen nach einer Operation des Grauen Stars.
  • Ein frischer Netzhautriss ohne Ablösung lässt sich meist ambulant mit Laser oder Kälte abriegeln.
  • Eine bestehende Ablösung muss operiert werden: mit einer Plombe von außen oder mit einer Glaskörperentfernung (Vitrektomie) und Gas- oder Silikonölfüllung.
  • In rund neun von zehn Fällen liegt die Netzhaut nach der ersten Operation wieder an; mit weiteren Eingriffen bei fast allen.
  • Wie gut man danach sieht, hängt vor allem davon ab, ob die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens, schon abgelöst war.
  • Mit Gas im Auge darf man nicht fliegen, nicht ins Gebirge fahren und nicht tauchen.

2 Symptome

In diesem Kapitel (20)

Welche Warnzeichen kündigen eine Netzhautablösung an?

Die vier typischen Warnzeichen sind Lichtblitze, plötzlich viele neue „fliegende Mücken“ oder Rußregen, ein Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld und ein plötzlicher Abfall der Sehschärfe. Die ersten beiden zeigen an, dass der Glaskörper an der Netzhaut zieht oder bereits ein Riss entstanden ist. Die letzten beiden bedeuten, dass sich die Netzhaut schon abhebt. Nach Angaben einer österreichischen Augenabteilung gehen in etwa neun von zehn Fällen Blitze oder neue bewegliche Flecken der eigentlichen Ablösung voraus.

  • Lichtblitze (Photopsien): kurze Blitze oder Funken, meist am Rand des Gesichtsfelds, im Dunkeln deutlicher.
  • Neue Mouches volantes oder Rußregen: plötzlich viele schwarze Punkte, Fäden oder Spinnweben, die mit dem Blick mitwandern.
  • Schatten, Schleier oder Vorhang: ein dunkler Bereich, der vom Rand her wächst und nicht mehr verschwindet.
  • Verschwommenes oder verzerrtes Sehen: wenn die Ablösung die Mitte erreicht.

Wie sehen die Lichtblitze aus?

Die Blitze sind kurz, meist kürzer als eine Sekunde, und erscheinen wie ein Funke, ein heller Bogen oder ein Zickzack am Rand des Gesichtsfelds. Viele bemerken sie zuerst abends oder im Dunkeln, manchmal auch bei geschlossenen Augen. Oft werden sie durch schnelle Augen- oder Kopfbewegungen ausgelöst. Sie betreffen in der Regel nur ein Auge und kommen ohne Kopfschmerzen.

Die Blitze entstehen nicht durch echtes Licht. Der Glaskörper zieht mechanisch an der Netzhaut, und die Sinneszellen melden diesen Reiz als Licht. Französische Fachautoren beschreiben die Blitze als seltener als die Mouches volantes, aber als deutlich aussagekräftiger: Sie zeigen einen aktiven Zug an der Netzhaut an. Hört der Zug auf, etwa wenn sich der Glaskörper vollständig gelöst hat, verschwinden die Blitze meist wieder.

Was sind neue Mouches volantes und Rußregen?

Mouches volantes sind Schatten von kleinen Trübungen im Glaskörper, die man als Punkte, Fäden, Ringe oder Spinnweben sieht. Sie bewegen sich mit, wenn man den Blick bewegt, und schweben leicht nach. Vor einer hellen Fläche, etwa einer weißen Wand oder dem Himmel, sind sie am besten zu sehen. Viele Menschen haben solche Trübungen seit Jahren, ohne dass sie gefährlich sind.

Als Rußregen bezeichnet man einen plötzlich auftretenden Schwarm vieler kleiner schwarzer Punkte, als würde Ruß oder Pfeffer durch das Bild rieseln. Patientinnen und Patienten beschreiben auch eine „Wolke winziger schwarzer Punkte“. Ursache sind meist kleine Bluttröpfchen: Reißt die Netzhaut ein, kann dabei ein feines Gefäß verletzt werden, und Blutzellen verteilen sich im Glaskörper. Rußregen ist deshalb ein starker Hinweis auf einen Netzhautriss.

Wie unterscheiden sich harmlose von gefährlichen Mücken?

Entscheidend ist nicht die Mücke selbst, sondern ob sie plötzlich neu auftritt oder sich deutlich vermehrt. Alte, seit Langem bekannte Trübungen, die sich nicht verändern, sind in der Regel harmlos. Neu ist neu: Eine einzelne neue größere Trübung, ein Ring oder ein Schwarm Punkte gehört untersucht. Das gilt umso mehr, wenn gleichzeitig Blitze auftreten.

Allein an den Beschwerden lässt sich nicht erkennen, ob nur eine harmlose Glaskörperabhebung oder bereits ein Riss vorliegt. Darin sind sich deutsche, französische, englische und spanische Quellen einig. Nur die Augenärztin oder der Augenarzt kann das bei weitgestellter Pupille beurteilen.

Wie oft steckt hinter Blitzen und Mücken ein Riss?

Bei etwa jeder siebten Person, die wegen plötzlicher Blitze oder Mücken untersucht wird, findet sich ein Netzhautriss. Das ergab eine große Auswertung von Studien, die im JAMA veröffentlicht wurde. Französische Quellen nennen 10 bis 15 Prozent, eine chilenische Übersicht etwa jeden Fünften mit einer Netzhautkomplikation. Das Risiko hängt stark davon ab, welche Zeichen zusammenkommen.

SituationUngefähre Häufigkeit eines Risses
plötzliche Lichtblitze und/oder neue Mouches volantes, Untersuchung beim Augenarztetwa 14 von 100 (Übersichtsarbeit in JAMA, 2009)
frische Glaskörperabhebung mit Beschwerdenetwa 8 bis 22 von 100 (Leitlinie der amerikanischen Augenärzte)
Glaskörperabhebung mit Blutung (Rußregen, Blut im Glaskörper)deutlich häufiger; laut spanischem Fachlehrbuch etwa 50 bis 70 von 100
kein Riss bei der ersten Untersuchungin den folgenden Wochen noch etwa 2 bis 5 von 100

Besonders verdächtig sind Rußregen, sehr viele neue Punkte und das Gefühl, schlechter zu sehen. Die Zahlen stammen aus verschiedenen Studien und dienen nur der groben Einordnung; sie ersetzen keine Untersuchung. Je mehr Blut im Glaskörper ist und je eher Sie das Gefühl haben, schlechter zu sehen, desto wahrscheinlicher ist ein Riss. Auch nach einer unauffälligen ersten Untersuchung entsteht bei einem kleinen Teil der Betroffenen in den folgenden Wochen noch ein Riss.

Wie fühlt sich der Schatten einer beginnenden Ablösung an?

Die beginnende Ablösung zeigt sich als dunkler Schatten, grauer Schleier, Vorhang oder „Mauer“ an einer Stelle des Gesichtsfelds, die nicht mehr verschwindet. Anders als eine Mouche volante wandert dieser Schatten nicht mit dem Blick hin und her. Er bleibt immer im gleichen Bereich und wird meist langsam größer. Manche beschreiben es so, als wäre ein Stück des Bildes abgedeckt oder als würde ein Rollo von oben oder unten ins Bild fahren.

Der Schatten beginnt fast immer am Rand und wandert zur Mitte. Am Anfang können Betroffene deshalb oft noch gut in die Ferne sehen und lesen. Gerade das verleitet dazu, abzuwarten. Ein konstanter oder wachsender Gesichtsfeldausfall gilt aber nach der Empfehlung der amerikanischen Augenärzte so lange als Netzhautablösung, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Warum sitzt der Schatten auf der anderen Seite?

Der Schatten erscheint auf der gegenüberliegenden Seite der abgelösten Netzhaut, weil die Optik des Auges das Bild umkehrt. Löst sich die Netzhaut unten, sieht man den Schatten oben; löst sie sich oben, steigt der Schatten von unten auf. Das ist für die Einschätzung wichtig, denn die Lage bestimmt, wie schnell es weitergeht.

Ablösungen in der oberen Netzhaut schreiten meist rascher fort, weil die Flüssigkeit der Schwerkraft folgend nach unten sinkt und die Netzhaut weiter abschält. Ein Vorhang, der von unten nach oben ins Bild wandert, ist deshalb besonders ernst zu nehmen. Untere Ablösungen entwickeln sich oft langsamer, manchmal über Wochen. Rund 60 Prozent der Risse liegen laut der spanischen Fachgesellschaft oben außen.

Was passiert, wenn die Makula betroffen ist?

Erreicht die Ablösung die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens, fällt die Sehschärfe plötzlich stark ab. Lesen wird schwer oder unmöglich, Gesichter sind nicht mehr zu erkennen. Gerade Linien wie Türrahmen, Fliesenfugen oder Textzeilen erscheinen wellig oder verbogen; Fachleute nennen das Metamorphopsien. Mitunter wirkt das Bild auch verkleinert oder blasser.

Ob die Makula noch anliegt, ist die wichtigste Frage für die weitere Sehkraft. Solange sie anliegt, sprechen Augenärzte von „Makula-on“, danach von „Makula-off“. Zwischen den ersten Warnzeichen und dem Ablösen der Makula vergehen oft nur Stunden bis wenige Tage, bei einem großen Riss mitunter ein bis zwei Tage. Bei kleinen Rissen oder unteren Ablösungen kann es Wochen bis Monate dauern.

Kann das Sehen auch einfach verschwommen werden?

Ja, manchmal wird das Bild insgesamt trüb oder neblig, ohne dass ein klar umrissener Schatten zu sehen ist. Das kommt vor allem vor, wenn beim Einreißen der Netzhaut ein Gefäß blutet und sich mehr Blut im Glaskörper verteilt. Eine solche Glaskörperblutung kann das Sehen von einer Minute auf die andere stark verschlechtern. Weil die Blutung den Blick auf die Netzhaut versperrt, braucht es dann oft eine Ultraschalluntersuchung.

Tut eine Netzhautablösung weh?

Nein, eine Netzhautablösung ist schmerzlos. Die Netzhaut hat keine Schmerzfasern. Das Auge ist von außen ruhig, weiß und nicht gerötet, es tränt nicht und juckt nicht. Spanische Augenärzte weisen darauf hin, dass gerade diese Stille dazu führt, dass viele zu spät kommen.

Schmerzen und ein rotes Auge sprechen eher für eine andere Erkrankung, etwa eine Entzündung oder einen akuten Glaukomanfall. Auch das ist ein Grund, sofort zum Augenarzt zu gehen. Nach einer Netzhautoperation sind Schmerzen dagegen ein Warnzeichen, das nicht abgewartet werden darf.

Kann eine Netzhautablösung ohne Beschwerden verlaufen?

Ja, kleine Ablösungen, vor allem am äußersten Rand der Netzhaut, können lange unbemerkt bleiben. Laut Stiftung Auge entstehen drei von vier Netzhautrissen in Bereichen, die vorher unauffällig waren, und viele Betroffene bemerken lange nichts. Solche Befunde werden manchmal zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Auch die Glaskörperabhebung selbst verläuft bei vielen Menschen ohne Blitze und ohne neue Mücken.

Hinzu kommt: Wer mit beiden Augen offen in die Welt schaut, bemerkt einen Ausfall am Rand eines Auges oft nicht, weil das andere Auge ihn ausgleicht. Es lohnt sich deshalb, bei Verdacht jedes Auge einzeln zu prüfen. Dazu hält man abwechselnd ein Auge zu und achtet darauf, ob ein Bereich dunkel, grau oder verschwommen ist.

Wie schnell verändern sich die Beschwerden?

Das ist sehr unterschiedlich: Von den ersten Blitzen bis zur Ablösung der Makula können Stunden, Tage oder Wochen vergehen. Die Tübinger Universitäts-Augenklinik nennt als Faktoren, die das Fortschreiten beschleunigen, einen Riss mit anhaltendem Zug, die Lage in der oberen Netzhaut und Augenbewegungen, die den flüssigen Glaskörper in Strömung versetzen. Eine Ablösung bildet sich nicht von selbst zurück. Eine Faustregel gibt es nicht, deshalb gilt: Jeder neue Schatten wird am selben Tag untersucht.

Betrifft die Netzhautablösung ein Auge oder beide?

Eine rhegmatogene Ablösung beginnt fast immer an einem Auge. Blitze und Mücken können zwar in einem oder in beiden Augen auftreten, weil sich der Glaskörper an beiden Augen mit den Jahren verändert. Etwa jede zehnte Person bekommt später auch am zweiten Auge eine Ablösung. Wer schon eine Ablösung hatte, sollte die Warnzeichen am anderen Auge deshalb besonders ernst nehmen.

Wie zeigen sich traktive und exsudative Ablösungen?

Diese selteneren Formen entwickeln sich meist langsamer und ohne Blitze oder Rußregen. Bei der traktiven Ablösung, etwa bei fortgeschrittener diabetischer Retinopathie, verschlechtert sich das Sehen oft schleichend über Wochen oder Monate. Häufig gehen Glaskörperblutungen voraus, die das Bild plötzlich eintrüben.

Bei der exsudativen Ablösung sammelt sich Flüssigkeit unter der Netzhaut, die je nach Kopfhaltung ihre Lage ändern kann. Betroffene bemerken dann manchmal, dass der Schatten im Liegen anders aussieht als im Stehen. Begleitend können Zeichen der Grunderkrankung auftreten, etwa ein rotes, schmerzendes Auge bei einer Entzündung.

Was können Angehörige bemerken?

Angehörige bemerken vor allem, dass die betroffene Person plötzlich über Blitze, Punkte oder einen „Vorhang“ klagt, ein Auge zuhält oder reibt, ohne dass das Auge rot ist. Manche stoßen auf einer Seite an Türrahmen oder Gegenstände, übersehen Stufen oder greifen daneben. Ältere Menschen spielen Beschwerden gern herunter oder warten das Wochenende ab. Nehmen Sie solche Schilderungen ernst und sorgen Sie dafür, dass noch am selben oder am nächsten Tag eine Untersuchung stattfindet.

Woran erkennt man eine Netzhautablösung bei Kindern?

Bei Kindern ist die Netzhautablösung selten, und sie können die Beschwerden oft nicht beschreiben. Kinder bemerken einen Ausfall auf einem Auge häufig gar nicht, weil das andere Auge ihn ausgleicht. Hinweise können ein neu auftretendes Schielen, ein ungewöhnlicher Pupillenreflex auf Fotos oder ein auffälliges Verhalten nach einem Schlag aufs Auge sein. Solche Zeichen gehören immer rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Ursachen bei Kindern und Jugendlichen sind vor allem Verletzungen, etwa durch Bälle oder Schläge, starke Kurzsichtigkeit und erbliche Erkrankungen wie das Stickler-Syndrom. Ehemalige Frühgeborene können durch eine Netzhauterkrankung der Frühgeborenen (Frühgeborenen-Retinopathie) eine Zugablösung entwickeln, teils auch noch Jahre später. Bei Kindern mit diesen Risiken sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.

Worauf sollten ältere Menschen und Operierte achten?

Zwischen 50 und 70 Jahren löst sich bei vielen Menschen der Glaskörper ab, deshalb treten Blitze und neue Mücken in diesem Alter besonders häufig auf. Nach einer Operation des Grauen Stars ist das Risiko für eine Ablösung mehrfach erhöht, und zwar über viele Jahre. Wer eine Kunstlinse trägt, sollte bei neuen Blitzen, Rußregen oder einem Schatten deshalb nicht an eine Spätfolge der Staroperation denken, sondern an die Netzhaut. Auch ein Nachstar, der das Sehen langsam trübt, macht keine Blitze und keinen Rußregen.

Was sieht die Augenärztin, das Sie selbst nicht spüren?

Bei der Untersuchung finden sich oft Zeichen, die Betroffene nicht bemerken. Dazu gehören feine Pigmentkörnchen im vorderen Glaskörper, die Fachleute „Tabakstaub“ oder Shafer-Zeichen nennen und die stark für einen Riss sprechen. Der Augeninnendruck ist am betroffenen Auge oft etwas niedriger als am anderen. Bei großen Ablösungen reagiert die Pupille anders auf Licht.

Womit lassen sich die Beschwerden verwechseln?

Blitze und Sehstörungen können auch andere Ursachen haben, doch das lässt sich nur durch eine Untersuchung sicher klären. Die häufigsten Verwechslungen sind:

  • Migräne mit Aura: flimmernde Zickzacklinien, die sich über 10 bis 30 Minuten ausbreiten und wieder verschwinden, meist in beiden Augen zugleich und oft gefolgt von Kopfschmerzen.
  • Harmlose Glaskörperabhebung ohne Riss: Blitze und Mücken ohne Schaden an der Netzhaut; das ist der häufigste Befund, aber nur nach Untersuchung zu sagen.
  • Gefäßverschluss: Ein Arterienverschluss der Netzhaut macht einen schlagartigen, schmerzlosen Sehverlust, meist ohne Blitze; auch das ist ein Notfall.
  • Erkrankungen der Makula: Ein Makulaforamen oder eine feuchte Makuladegeneration verzerren das Bild in der Mitte, ohne Schatten am Rand.

Welche Beschwerde bedeutet was?

Je mehr eine Beschwerde auf eine beginnende Ablösung hindeutet, desto schneller sollten Sie handeln. Die Tabelle dient der groben Orientierung und ersetzt keine Untersuchung.

BeschwerdeMögliche BedeutungWas tun?
einzelne alte Mücken, unverändertharmlose Glaskörpertrübungbei der nächsten Kontrolle ansprechen
neue LichtblitzeZug des Glaskörpers, möglicher Rissam selben, spätestens am nächsten Tag zur Untersuchung
plötzlich viele neue Punkte, RußregenRiss mit kleiner Blutung wahrscheinlicham selben Tag zur Untersuchung
Schatten, Schleier, Vorhang vom Rand herbeginnende Netzhautablösungsofort, notfalls Notdienst oder Klinik
verzerrtes Sehen, starker SehverlustMakula bedroht oder abgelöstsofort, notfalls Notdienst oder Klinik

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (12)

Wie entsteht eine Netzhautablösung?

Die häufigste, rhegmatogene Form entsteht, wenn Flüssigkeit durch einen Riss oder ein Loch unter die Netzhaut gelangt und sie von der Augenwand abhebt. Normalerweise hält das Pigmentepithel die Netzhaut aktiv fest: Es pumpt Flüssigkeit ab und ist mit den Sinneszellen verzahnt. Ist ein Riss vorhanden, strömt mehr Flüssigkeit nach, als abgepumpt werden kann. In 90 bis 95 Prozent der rhegmatogenen Ablösungen finden Augenärzte mindestens einen Riss, in etwa der Hälfte der Fälle sogar mehrere.

Welche Rolle spielt die hintere Glaskörperabhebung?

Die hintere Glaskörperabhebung ist der häufigste Auslöser eines Netzhautrisses. Der Glaskörper füllt das Auge als klares Gel aus und haftet an der Netzhaut. Mit den Jahren verflüssigt er sich teilweise, die Fasern verklumpen, und er löst sich von der Netzhaut. Das ist ein normaler Alterungsvorgang, der meist zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr stattfindet, bei Kurzsichtigen früher und vor dem 40. Lebensjahr selten.

In den meisten Fällen verläuft die Glaskörperabhebung harmlos und braucht keine Behandlung. Haftet der Glaskörper aber an einer Stelle besonders fest, kann er dort ein Stück Netzhaut mitreißen. So entsteht ein Riss, der oft wie ein Hufeisen aussieht. Warum das bei manchen Menschen passiert und bei anderen nicht, ist nicht vollständig geklärt.

Was sind Hufeisenrisse, Rundlöcher und Gitterdegeneration?

Hufeisenrisse entstehen durch Zug und sind gefährlich; Rundlöcher und Gitterdegenerationen sind verdünnte Stellen, die oft jahrzehntelang stabil bleiben.

  • Hufeisenriss: Der Glaskörper zieht an einem Lappen der Netzhaut. Ein solcher Riss mit Beschwerden sollte rasch vorbeugend behandelt werden, weil der Zug anhält.
  • Rundloch: ein kleines Loch in verdünnter Netzhaut, meist ohne Zug. Rundlöcher sind oft lange stabil und brauchen häufig keine Behandlung.
  • Gitterdegeneration (auch Palisadendegeneration): gitterartig verdünnte, teils vernarbte Bereiche am Netzhautrand. Sie findet sich bei 6 bis 8 Prozent der Bevölkerung, bei Kurzsichtigen häufiger und in der Hälfte der Fälle an beiden Augen. In Serien von Netzhautablösungen ist sie bei 64 bis 83 Prozent vorhanden.
  • Riesenriss: ein Riss über mehr als ein Viertel des Umfangs, meist bei starker Kurzsichtigkeit oder erblicher Veranlagung; er hat eine ungünstigere Prognose.
  • Abriss am Netzhautrand (Ora-Dialyse): typisch bei jungen Menschen nach einer Prellung des Auges.

Was ist eine traktive Netzhautablösung?

Bei der traktiven Ablösung ziehen Membranen aus Narbengewebe die Netzhaut von der Augenwand weg, ohne dass ein Riss am Anfang steht. Die häufigste Ursache ist die fortgeschrittene diabetische Retinopathie: Neue, krankhafte Gefäße wachsen mit Bindegewebe in den Glaskörper ein und schrumpfen später. Weitere Ursachen sind Gefäßverschlüsse, die Sichelzellkrankheit, die Frühgeborenen-Retinopathie, schwere Verletzungen und frühere Augenoperationen. Kommen Zug und Riss zusammen, sprechen Fachleute von einer kombinierten Ablösung.

Was ist eine exsudative Netzhautablösung?

Bei der exsudativen oder serösen Ablösung tritt Flüssigkeit aus Gefäßen unter die Netzhaut, ohne dass ein Riss oder Zug vorliegt. Ursachen sind Entzündungen im Auge wie eine Uveitis oder eine hintere Skleritis, Tumoren der Aderhaut wie das Aderhautmelanom oder Metastasen, starker Bluthochdruck, eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) und seltene Gefäßerkrankungen wie der Morbus Coats. Hier wird nicht die Netzhaut operiert, sondern die Grundkrankheit behandelt.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Die wichtigsten Risikofaktoren sind höheres Alter, Kurzsichtigkeit, eine frühere Staroperation, eine Ablösung am anderen Auge und Gitterdegeneration. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Die Tabelle fasst die Faktoren zusammen, die in den Leitlinien und Fachquellen übereinstimmend genannt werden.

RisikofaktorWas bekannt ist
AlterGipfel zwischen 50 und 70 Jahren, parallel zur Glaskörperabhebung
KurzsichtigkeitRisiko steigt mit der Dioptrienzahl; bei über −6 Dioptrien laut französischen Quellen etwa 4- bis 10-fach
Operation des Grauen StarsRisiko etwa vierfach erhöht, besonders bei jüngeren, kurzsichtigen Männern und nach Komplikationen
Ablösung am anderen Augeetwa jede zehnte Person erkrankt auch am zweiten Auge
Gitterdegenerationlaut EyeWiki der wichtigste anatomische Risikofaktor
VerletzungenPrellung oder Schlag aufs Auge, auch beim Sport
Familie und Erbanlagenfamiliäre Häufung; Stickler- und Marfan-Syndrom
Diabetesvor allem für die traktive Form

Warum sind Kurzsichtige besonders gefährdet?

Ein kurzsichtiges Auge ist meist zu lang gebaut, deshalb ist seine Netzhaut gedehnt und dünner. Der Glaskörper löst sich früher ab, und Zugkräfte wirken stärker. Schon eine geringe bis mittlere Kurzsichtigkeit erhöht das Risiko mehrfach, eine starke Kurzsichtigkeit noch deutlich mehr. Das erklärt den zweiten Krankheitsgipfel bei jungen, kurzsichtigen Männern zwischen 25 und 30 Jahren.

Wichtig: Augenlasern oder ein Linsentausch beseitigen nur die Brille, nicht die Ursache. Das Auge bleibt zu lang gebaut, und das Risiko besteht fort. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft weist darauf hin, dass ein Linsentausch zur Korrektur der Kurzsichtigkeit das Risiko wahrscheinlich sogar zusätzlich erhöht.

Warum erhöht die Staroperation das Risiko?

Nach der Operation des Grauen Stars verflüssigt sich der Glaskörper schneller und löst sich früher ab. In einer großen dänischen Studie mit über 200.000 Operierten war das Risiko etwa vierfach erhöht. In Frankreich kam es nach rund 2,7 Millionen Staroperationen in knapp einem Prozent der Fälle zu einer Ablösung. Besonders gefährdet sind hohe Kurzsichtigkeit, junges Alter bei der Operation, ein Einriss der Linsenkapsel während des Eingriffs und männliches Geschlecht.

Das Risiko ist kein Grund, eine notwendige Staroperation zu meiden. Es ist aber ein Grund, nach der Operation die Warnzeichen zu kennen. Auch das Lasern eines Nachstars kann das Risiko geringfügig erhöhen.

Können Verletzungen und Sport eine Netzhautablösung auslösen?

Ja, ein heftiger Schlag aufs Auge kann die Netzhaut einreißen, manchmal erst Wochen bis Monate später sichtbar. Typisch sind Bälle, Schläger, Ellenbogen oder Fäuste bei Squash, Tennis, Padel, Hockey, Boxen und Kampfsport. Auch Unfälle bei der Arbeit mit Werkzeug kommen vor. Nach jeder kräftigen Prellung des Auges ist eine Untersuchung des Augenhintergrunds sinnvoll.

Ist eine Netzhautablösung erblich?

Die gewöhnliche Netzhautablösung ist nicht erblich, kommt in manchen Familien aber gehäuft vor. Das liegt vor allem daran, dass Kurzsichtigkeit und Gitterdegeneration familiär auftreten. Einige seltene Erbkrankheiten wie das Stickler-Syndrom oder das Marfan-Syndrom erhöhen das Risiko dagegen stark, oft an beiden Augen und schon in jungen Jahren. Wer davon betroffen ist, braucht regelmäßige Kontrollen.

Was löst eine Netzhautablösung nicht aus?

Fliegen, schweres Heben und Pressen bei der Geburt sind nach französischen Fachquellen keine belegten Risikofaktoren. Auch eine hohe Kurzsichtigkeit ist kein Grund, auf eine natürliche Geburt zu verzichten; das betonen französische Fachquellen und eine spanische Universitätsklinik. Nach dem britischen Moorfields Eye Hospital wird eine Netzhautablösung nur sehr selten durch eigenes Verhalten ausgelöst. Schuldgefühle sind also fehl am Platz.

Warum nimmt die Zahl der Netzhautablösungen zu?

Die Zahl der rissbedingten Ablösungen steigt weltweit. Als Gründe gelten die alternde Bevölkerung, die Zunahme der Kurzsichtigkeit und die wachsende Zahl von Staroperationen. Die Stiftung Auge nennt für Mitteleuropa inzwischen rund 26 Fälle pro 100.000 Menschen und Jahr für die rhegmatogene Form; ältere Erhebungen kamen auf etwa 10 pro 100.000. In Frankreich werden jährlich etwa 6.700 Fälle gezählt, in Vorarlberg rund 70.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (6)

Wie stellt die Augenärztin die Diagnose?

Die Diagnose wird durch eine Untersuchung des Augenhintergrunds bei weitgestellter Pupille gestellt. Dabei sucht die Augenärztin oder der Augenarzt die gesamte Netzhaut bis an den äußersten Rand nach Rissen, Löchern und abgehobenen Bereichen ab. Vorher fragt sie nach Beginn und Art der Beschwerden, nach früheren Augenoperationen, Verletzungen, Kurzsichtigkeit und Erkrankungen in der Familie. Außerdem werden Sehschärfe und Augeninnendruck gemessen.

Wie läuft die Untersuchung mit erweiterter Pupille ab?

Zunächst werden Tropfen gegeben, die die Pupille in etwa 20 bis 30 Minuten erweitern. Dann wird die Netzhaut mit einer Speziallampe und einer Lupe oder einem Kontaktglas betrachtet; das Kontaktglas wird nach einem betäubenden Tropfen kurz auf das Auge aufgesetzt. Für den äußersten Rand drückt die Augenärztin manchmal leicht von außen über das Lid auf das Auge, was etwas unangenehm sein kann. Die Untersuchung tut nicht weh.

Danach sind Sie für einige Stunden blendempfindlich und sehen verschwommen, vor allem in der Nähe. Mit erweiterter Pupille dürfen Sie nicht Auto fahren. Planen Sie eine Begleitung oder öffentliche Verkehrsmittel ein und nehmen Sie eine Sonnenbrille mit.

Wozu dient eine Ultraschalluntersuchung?

Ultraschall zeigt die Netzhaut, wenn der direkte Blick ins Auge versperrt ist. Das ist der Fall bei einer dichten Glaskörperblutung, einem fortgeschrittenen Grauen Star oder einer Hornhauttrübung. Der Schallkopf wird dabei auf das geschlossene Lid gesetzt. So lässt sich erkennen, ob die Netzhaut anliegt oder abgehoben ist, auch wenn man sie nicht sehen kann.

Was zeigt die OCT?

Die optische Kohärenztomografie (OCT) ist eine berührungsfreie Schichtaufnahme der Netzhaut mit Licht. Sie zeigt sehr genau, ob die Makula noch anliegt, und hilft, eine Ablösung von einer Netzhautspaltung zu unterscheiden. Nach einer Operation zeigt sie Restflüssigkeit, Falten oder Membranen an der Makula. Den Rand der Netzhaut, wo die meisten Risse liegen, erfasst sie aber nicht vollständig; sie ersetzt die Untersuchung bei weiter Pupille also nicht.

Warum wird manchmal eine zweite Kontrolle vereinbart?

Ein Riss ist nicht immer schon bei der ersten Untersuchung zu sehen und kann noch in den folgenden Wochen entstehen. Bei einer unkomplizierten Glaskörperabhebung findet sich laut Studien bei etwa 3 von 100 Betroffenen innerhalb von sechs Wochen doch noch ein Riss. Viele Augenärzte bestellen deshalb nach einigen Wochen zu einer Nachkontrolle ein. Wichtiger als jeder Termin ist aber: Bei neuen oder stärkeren Beschwerden sofort wiederkommen, auch wenn die erste Untersuchung unauffällig war.

Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?

Die Augenärztin unterscheidet die Ablösung von Befunden, die ähnlich aussehen, aber anders behandelt werden.

  • Retinoschisis: eine Spaltung der Netzhaut in zwei Schichten, meist harmlos, aber selten Ausgangspunkt einer Ablösung. Sie ist die häufigste Verwechslung.
  • Aderhautabhebung: eine Abhebung der darunterliegenden Gefäßhaut, etwa nach Operationen.
  • Tumoren der Aderhaut: können eine exsudative Ablösung verursachen und brauchen eigene Untersuchungen.
  • Makulaforamen und andere Makulaerkrankungen: betreffen nur die Mitte.
  • Glaskörperblutung aus anderer Ursache, etwa bei Diabetes oder nach einem Venenverschluss.

Bei Verdacht auf eine traktive oder exsudative Form folgen weitere Untersuchungen, etwa eine Gefäßdarstellung mit Farbstoff (Fluoreszenzangiografie), Blutuntersuchungen oder eine Abklärung durch die Hausärztin oder den Internisten.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (17)

Welche Behandlung kommt in welchem Stadium infrage?

Ein Riss ohne Ablösung wird mit Laser oder Kälte abgeriegelt; eine bestehende Ablösung muss operiert werden. Welches Verfahren gewählt wird, hängt von der Lage und Zahl der Risse, vom Ausmaß der Ablösung, vom Zustand der Makula, davon, ob noch die eigene Linse im Auge ist, und von der Erfahrung des Operationsteams ab. Unter Netzhautchirurgen gibt es dazu bewusst keine starre Regel.

BefundÜbliche Behandlung
Glaskörperabhebung ohne Risskeine; Warnzeichen kennen, ggf. Kontrolle
Riss oder Loch ohne AblösungLaser oder Kälte, meist ambulant
kleine, begrenzte Ablösung oben, eigene LinsePlombe; in ausgewählten Fällen Gaseingabe
Ablösung bei Kunstlinse, hintere Risse, BlutungVitrektomie mit Gas oder Silikonöl
Narbenbildung (PVR), Riesenriss, RückfallVitrektomie, oft mit Silikonöl, evtl. mit Cerclage
traktive AblösungVitrektomie mit Entfernen der Membranen
exsudative AblösungBehandlung der Grundkrankheit

Wie wird ein Netzhautriss mit Laser behandelt?

Beim Laser werden rund um den Riss mehrere Reihen kleiner Herde gesetzt, die zu einer festen Narbe verheilen und die Netzhaut wie mit einer Schweißnaht an der Unterlage festhalten. Die Behandlung dauert einige Minuten, erfolgt ambulant mit einem betäubenden Tropfen und einem Kontaktglas. Sie ist meist wenig schmerzhaft; manche spüren ein Stechen oder sehen helle Blitze. Danach sieht man einige Stunden geblendet.

Die Narbe wird nicht sofort fest. Nach Angaben der Universitätsmedizin Hannover trägt sie erst nach etwa 7 bis 9 Tagen leicht, ganz fest wird sie danach. Ob und wie lange Sie sich in dieser Zeit schonen sollen, etwa beim Sport oder beim schweren Heben, sagt Ihnen Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt. Der Laser wirkt nicht in jedem Fall: Ist schon zu viel Flüssigkeit unter der Netzhaut, reicht er nicht mehr aus. Außerdem können später an anderer Stelle neue Risse entstehen.

Wann wird mit Kälte statt mit Laser behandelt?

Die Kältebehandlung (Kryokoagulation) wird vor allem bei sehr weit am Rand liegenden Rissen oder bei trübem Einblick eingesetzt. Dabei wird eine Kältesonde von außen auf die Augenwand gesetzt, nach örtlicher Betäubung. Die Kälte erzeugt ebenfalls eine Narbe. Der Laser gilt als präziser und verursacht weniger Entzündung, deshalb wird er bevorzugt, wenn er möglich ist.

Müssen Risse ohne Beschwerden behandelt werden?

Nicht immer: Risse und Gitterdegenerationen, die zufällig und ohne Beschwerden entdeckt werden, werden oft nur beobachtet. Ein Cochrane-Review fand keine Studie, die einen Nutzen der vorbeugenden Behandlung bei symptomlosen Befunden belegt. Die Empfehlungen beruhen auf Erfahrung und Expertenkonsens. Die Tübinger Universitäts-Augenklinik rät, Hufeisenrisse mit Beschwerden rechtzeitig zu behandeln; Rundlöcher in Gitterdegenerationen brauchen meist keine Behandlung. Bei anderen Befunden wägt die Augenärztin die Risikofaktoren ab, etwa eine Ablösung am anderen Auge oder eine anstehende Staroperation. Zu diesen Fragen gibt es die deutsche S1-Leitlinie „Risikofaktoren und Prophylaxe der rhegmatogenen Netzhautablösung bei Erwachsenen“.

Wie schnell muss eine Netzhautablösung operiert werden?

Liegt die Makula noch an, ist die Ablösung aber nah an der Mitte und hoch aufgewölbt, wird sie als Notfall möglichst innerhalb von 24 Stunden operiert. Ist die Makula schon abgelöst, soll die Operation innerhalb weniger Tage erfolgen; Daten zeigen, dass die Chance auf Lesesehen deutlich sinkt, wenn die Makula länger als drei Tage abgelöst war. Ablösungen, die die Makula nicht bedrohen, werden in Frankreich in der Regel innerhalb etwa einer Woche versorgt.

Deutsche Netzhautchirurgen haben 2020 betont, dass ein erfahrenes Operationsteam oft wichtiger ist als wenige Stunden Zeitgewinn. Eine nächtliche Notoperation ist deshalb nicht immer die beste Lösung. Entscheidend ist, dass Sie sich sofort vorstellen; den Zeitpunkt der Operation legt dann die Klinik fest.

Wie funktioniert die Plombenoperation?

Bei der eindellenden Operation wird eine kleine Silikonplombe oder ein Silikonband von außen auf die Lederhaut genäht, sodass die Augenwand an der Stelle des Risses nach innen gedrückt wird. Die Netzhaut legt sich so wieder an den Riss an, der mit Kälte oder Laser verschweißt wird. Ein Band rund um den ganzen Augapfel heißt Cerclage; es wird bei mehreren Rissen eingesetzt. Manchmal wird die Flüssigkeit unter der Netzhaut durch eine kleine Punktion abgelassen.

Der große Vorteil: Das Auge wird nicht eröffnet, und es entsteht kein Grauer Star. Die Plombe bleibt dauerhaft im Auge und ist von außen nicht zu sehen. Sie eignet sich besonders für jüngere Menschen mit eigener Linse und gut sichtbaren Rissen am Rand. Die deutsche SPR-Studie zeigte bei Patienten mit eigener Linse und mittlerer Ausgangslage bessere Sehergebnisse als mit primärer Vitrektomie.

Mögliche Folgen sind eine Zunahme der Kurzsichtigkeit, vor allem nach einer Cerclage, Schmerzen in den ersten Tagen, Doppelbilder durch Beeinträchtigung der Augenmuskeln und selten eine Infektion des Plombenmaterials.

Wie läuft eine Vitrektomie ab?

Bei der Vitrektomie wird der Glaskörper über drei winzige Zugänge von etwa einem halben bis einem Millimeter aus dem Auge entfernt. Über einen Zugang läuft Flüssigkeit ein, über den zweiten arbeitet ein feiner Glaskörperschneider, über den dritten kommt Licht ins Auge. Dann wird die Flüssigkeit unter der Netzhaut abgesaugt, die Netzhaut angelegt, die Risse werden gelasert, und am Ende wird das Auge mit Gas oder Silikonöl gefüllt.

Die Vitrektomie ist heute weltweit das häufigste Verfahren. Moderne Instrumente mit 23, 25 oder 27 Gauge machen sie schneller und schonender; die Zugänge müssen meist nicht genäht werden. Sie ist vor allem bei Augen mit Kunstlinse, bei Blutungen, hinteren Rissen, Riesenrissen und Narbenbildung die Methode der Wahl. Die deutsche VIPER-Studie zeigte, dass eine zusätzliche Cerclage bei Augen mit Kunstlinse keinen Vorteil bringt.

Die häufigste Folge ist ein Grauer Star bei Augen, die noch die eigene Linse haben: In etwa 80 Prozent ist innerhalb von zwei Jahren eine Staroperation nötig, vor allem ab 50 Jahren. Manche Kliniken kombinieren deshalb Vitrektomie und Staroperation gleich in einem Eingriff.

Was ist eine pneumatische Retinopexie?

Bei der pneumatischen Retinopexie wird ohne große Operation eine kleine Gasblase ins Auge gespritzt, die durch eine bestimmte Kopfhaltung von innen auf den Riss drückt. Der Riss wird vorher mit Kälte oder danach mit Laser verschweißt. Das Verfahren eignet sich nur für einzelne oder eng beieinanderliegende Risse in der oberen Netzhaut bei klarem Einblick und guter Mitarbeit.

In den USA und Kanada wird es häufig angewendet, in Europa, etwa in Deutschland und Spanien, nur in ausgewählten Fällen. Der Grund: Die Netzhaut liegt nach dem ersten Eingriff seltener an als bei Plombe oder Vitrektomie, in Studien bei etwa 63 bis 81 Prozent gegenüber etwa 86 bis 93 Prozent. Die Sehschärfe war am Ende in mehreren Studien aber ähnlich.

Gas oder Silikonöl: Was ist der Unterschied?

Gas verschwindet von selbst, Silikonöl muss in einer zweiten Operation entfernt werden. Beide drücken die Netzhaut von innen an, bis die Laser- oder Kältenarben fest sind. Gas wird gewählt, wenn eine kurze Stütze ausreicht. Silikonöl kommt bei schweren Ablösungen, Narbenbildung, Rückfällen oder wenn eine Kopfhaltung nicht möglich ist zum Einsatz.

FüllungVerbleib im AugeBesonderheiten
Luftetwa eine Wochekürzeste Stütze
Gas SF6etwa zwei bis drei WochenFlug- und Höhenverbot bis zur vollständigen Auflösung
Gas C3F8etwa acht bis zehn Wochen, teils längerlängste Gaswirkung, längstes Flugverbot
Silikonölbis zur Entfernung, meist nach 3 bis 6 MonatenFliegen erlaubt; Brillenwerte ändern sich stark; selten dauerhaft im Auge

Ein Cochrane-Review zu schweren Ablösungen mit Narbenbildung fand zwischen dem Gas C3F8 und Silikonöl keinen klaren Unterschied bei Sehschärfe und Anlage der Netzhaut; schweres Silikonöl brachte keinen Vorteil. Die Wahl erfolgt deshalb individuell. Das Silikonöl wird meist nach drei bis sechs Monaten entfernt, oft zusammen mit einer Staroperation.

Wie muss ich nach der Operation liegen?

Nach einer Gas- oder Ölfüllung müssen Sie eine bestimmte Kopf- oder Körperhaltung einhalten, die Ihre Operateurin oder Ihr Operateur festlegt. Gas und Öl steigen im Auge nach oben. Damit die Blase genau auf den Riss drückt, muss der Kopf so gehalten werden, dass der Riss oben liegt. Je nach Lage kann das Bauchlage, Seitenlage oder eine Kopfneigung im Sitzen bedeuten.

Die Dauer schwankt je nach Befund und Klinik: Der britische NHS nennt bis zu sieben Tage, spanische und französische Kliniken 7 bis 14 Tage, nach manchen Eingriffen auch länger. Halten Sie die Haltung konsequent ein und fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist; eine falsche Lagerung kann zu Falten in der Makula führen. Solange Gas im Auge ist, sollten Sie nicht flach auf dem Rücken liegen, weil die Blase sonst gegen die Linse drückt. Hilfreich sind Lagerungskissen, ein Hörbuch statt Lesen und Unterstützung durch Angehörige im Haushalt.

Vollnarkose oder örtliche Betäubung?

Beides ist möglich; die Entscheidung treffen Augenärztin und Anästhesist gemeinsam mit Ihnen. Eine Vollnarkose ist für viele angenehmer, weil die Operation länger als eine Stunde dauern kann. Bei kleineren Eingriffen, ruhigen Patienten und ohne blutverdünnende Medikamente ist eine örtliche Betäubung mit einer Spritze neben das Auge üblich. In Großbritannien wird meist in örtlicher Betäubung und ohne Übernachtung operiert, in Deutschland und Österreich häufig stationär mit einem bis wenigen Tagen Aufenthalt.

Sagen Sie vorab, wenn Sie Blutverdünner nehmen, sehr ängstlich sind oder nicht längere Zeit flach liegen können. Der Chirurg kann den Plan während der Operation ändern, wenn sich ein anderer Befund zeigt.

Was darf ich nach der Operation, was nicht?

In den ersten ein bis zwei Wochen gilt: schonen, das Auge nicht reiben und Tropfen genau nach Plan geben. Die Merkblätter deutscher Universitätskliniken nennen dazu:

  • In der ersten Woche wenig lesen, weil die schnellen Augenbewegungen stören können.
  • Leichte Tätigkeiten im Haushalt sind erlaubt, schweres Heben und Sport für etwa zwei Wochen meiden; manche Kliniken raten bei größerer Belastung zu sechs Wochen Pause.
  • Ein bis zwei Wochen kein Wasser und keine Seife ins Auge; beim Haarewaschen den Kopf nach hinten neigen.
  • Nicht auf das Auge drücken oder reiben, nachts eine Schutzkappe tragen, wenn sie verordnet wurde.
  • Nicht Auto fahren, bis die Augenärztin es erlaubt; mit Gas im Auge sieht man auf dem operierten Auge kaum etwas.
  • Die erste Kontrolle findet meist am ersten Werktag nach der Entlassung statt, danach nach etwa einer Woche, einem und drei Monaten.

Mit einer Gasfüllung bleiben Sie meist mehrere Wochen arbeitsunfähig, abhängig vom Beruf. Wann Sie wieder arbeiten und Sport treiben dürfen, bespricht die Augenärztin mit Ihnen.

Warum darf ich mit Gas im Auge nicht fliegen?

Gas dehnt sich aus, wenn der Luftdruck sinkt, und kann dann den Augeninnendruck so stark erhöhen, dass das Auge nicht mehr durchblutet wird und erblindet. In einer Flugzeugkabine herrscht ein Druck wie in 1.800 bis 2.400 Metern Höhe; eine Gasblase kann dort innerhalb von Minuten um 30 bis 40 Prozent wachsen. Deshalb gilt: Kein Flug, solange Gas im Auge ist.

Das Gleiche gilt für größere Höhenunterschiede an Land, etwa Passfahrten, Seilbahnen, Bergwandern oder Skifahren in den Alpen; ein Kölner Klinikmerkblatt nennt schon Höhenunterschiede ab etwa 400 Metern. Auch Tauchen ist verboten. Für Menschen in Österreich, der Schweiz und Süddeutschland ist das im Alltag besonders wichtig, weil manche Wege über Pässe führen.

Wie lange das Gas bleibt, hängt von Gasart, Menge und Auge ab. Eine Londoner Augenklinik hat nachgemessen: SF6 blieb im Mittel etwa zweieinhalb Wochen im Auge, C3F8 knapp zehn Wochen. Kürzere Faustregeln aus manchen Ratgebern reichen deshalb nicht als Freigabe. Eine spanische Universitätsklinik erlaubt Flüge, wenn weniger als 30 Prozent Gas im Auge sind; deutsche Kliniken verlangen dagegen, dass das Gas vollständig verschwunden ist. Halten Sie sich an die strengere Regel und lassen Sie sich die Freigabe von Ihrer Augenärztin geben. Mit Silikonöl im Auge ist Fliegen erlaubt.

Was muss ich bei einer Narkose mit Gas im Auge beachten?

Bei jeder Operation oder Narkose müssen Sie dem Narkosearzt sagen, dass sich Gas in Ihrem Auge befindet. Darauf weisen die Aufklärungsbögen der französischen Fachgesellschaft ausdrücklich hin. Der Grund: Manche Narkosegase, insbesondere Lachgas, können die Gasblase rasch vergrößern und den Augendruck gefährlich erhöhen.

Wie werden traktive und exsudative Ablösungen behandelt?

Traktive Ablösungen werden mit einer Vitrektomie behandelt, bei der die ziehenden Membranen vorsichtig von der Netzhaut gelöst werden. Kleine, stabile Zugablösungen außerhalb der Makula können zunächst beobachtet werden. Bei der diabetischen Retinopathie werden oft vorher Medikamente ins Auge gegeben oder gelasert, um die krankhaften Gefäße zu beruhigen.

Exsudative Ablösungen werden nicht operiert. Hier steht die Ursache im Vordergrund: Kortison oder Immunsuppressiva bei Entzündungen, eine Tumorbehandlung beim Aderhautmelanom, die Senkung des Blutdrucks bei Bluthochdruck. Mit der Grundkrankheit bildet sich die Flüssigkeit häufig zurück.

Welche Risiken hat die Operation?

Die meisten Operationen verlaufen ohne ernste Probleme, doch ein Erfolg kann nicht garantiert werden. Die Aufklärungsbögen der französischen Fachgesellschaft und des andalusischen Gesundheitsdienstes nennen:

  • Häufig: Schmerzen in den ersten Tagen, vorübergehender Druckanstieg im Auge, Grauer Star nach Vitrektomie, Zunahme der Kurzsichtigkeit nach Plombe, erneute Ablösung.
  • Gelegentlich: Narbenbildung auf der Netzhaut (PVR), Häutchen auf der Makula (epiretinale Gliose), Schwellung der Makula, Doppelbilder, verzerrtes Sehen.
  • Selten, aber schwer: Blutung im Auge, Infektion im Augeninneren (Endophthalmitis), Durchblutungsstörung des Sehnervs, dauerhafter Druckanstieg mit Sehnervschaden, im äußersten Fall Verlust des Auges.

Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und eine geschwächte Abwehr können das Risiko erhöhen. Wichtig ist, diese Risiken mit dem Risiko ohne Operation zu vergleichen: Eine unbehandelte Ablösung führt fast immer zur Erblindung des Auges.

Wer bezahlt die Behandlung?

Die Behandlung einer Netzhautablösung ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. In Österreich übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung Diagnose und Therapie; je nach Kasse und Leistung können Selbstbehalte oder Kostenbeiträge anfallen. In Deutschland werden die Untersuchung beim Augenarzt, die Laserbehandlung eines Risses und die Operation im Krankenhaus von der Krankenkasse getragen; bei einem stationären Aufenthalt fällt die übliche gesetzliche Zuzahlung pro Krankenhaustag an.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (8)

Wie gut sind die Erfolgschancen der Operation?

Nach einer Operation liegt die Netzhaut bei etwa 85 bis 95 Prozent der Betroffenen wieder an, nach weiteren Eingriffen bei 95 bis 98 Prozent. Diese Zahlen nennen übereinstimmend amerikanische, spanische und französische Quellen. Bei bereits vorhandener Narbenbildung oder nach früheren Operationen sind die Erfolgsraten niedriger, bei etwa 70 Prozent nach dem ersten Eingriff. Oft sind mehrere Operationen nötig, etwa um Silikonöl zu entfernen oder einen Rückfall zu behandeln.

Wird das Sehen wieder wie vorher?

Das hängt vor allem davon ab, ob die Makula vor der Operation noch anlag. Lag sie an, sehen die meisten nach erfolgreicher Operation wieder gut, manche so gut wie vorher; bei etwa 10 bis 15 Prozent wird die frühere Sehschärfe nicht ganz erreicht. War die Makula abgelöst, erreicht nur etwa ein Drittel bis die Hälfte eine Sehschärfe, mit der man Zeitung lesen kann. Ungünstig wirken sich auch eine lange Dauer der Ablösung, Blutungen und Narben aus.

Eine Netzhaut, die wieder anliegt, bedeutet also nicht automatisch gutes Sehen. Fachleute unterscheiden den anatomischen Erfolg (die Netzhaut liegt an) vom funktionellen Erfolg (man sieht gut). Der andalusische Gesundheitsdienst beschreibt, dass etwa 40 Prozent der erfolgreich Operierten gutes Sehen erreichen und die übrigen ein unterschiedlich gut nutzbares Sehen für Lesen oder Orientierung behalten. Genau deshalb ist Schnelligkeit so wichtig.

Wie lange dauert die Erholung?

Die meisten fühlen sich nach zwei bis sechs Wochen wieder alltagstauglich, die Sehkraft bessert sich aber über sechs bis zwölf Monate. Mit Gas im Auge ist das Sehen in den ersten Wochen sehr schlecht; man sieht meist nur hell und dunkel und dann eine Linie, die sich mit dem Kopf bewegt und nach unten wandert, während sich das Gas auflöst. Mit Silikonöl ändert sich die Brillenstärke deutlich, oft vorübergehend um 3 bis 5 Dioptrien. Ein Urteil über das endgültige Sehvermögen ist erst nach mehreren Monaten möglich.

Was ist eine proliferative Vitreoretinopathie (PVR)?

Die PVR ist eine überschießende Narbenbildung auf und unter der Netzhaut, die sie erneut abheben kann. Sie ist der häufigste Grund, warum eine Operation scheitert, und tritt nach etwa 8 bis 10 Prozent der ersten Eingriffe auf. Risiken sind höheres Alter, Riesenrisse, große Ablösungen, frühere Operationen, Glaskörperblutungen und Verletzungen. Eine PVR erfordert meist eine weitere Vitrektomie mit Entfernen der Membranen und Silikonöl; die Sehprognose ist dann schlechter.

Medikamente, die die Narbenbildung verhindern, gibt es bisher nicht. Die deutsche PRIVENT-Studie mit 5-Fluorouracil und Heparin wurde abgebrochen, weil sie keine Wirksamkeit zeigte. An weiteren Ansätzen wird geforscht.

Welche Folgen können nach einer erfolgreichen Operation bleiben?

Auch wenn die Netzhaut gut anliegt, bleiben bei manchen Menschen Einschränkungen zurück:

  • Verzerrtes Sehen: Die Netzhaut kann leicht verschoben anwachsen; Linien wirken dann wellig, Bilder unterschiedlich groß.
  • Grauer Star: nach Vitrektomie sehr häufig, gut operierbar.
  • Kurzsichtigkeit: nach Plombe oder Cerclage, ausgleichbar mit Brille oder Kontaktlinse.
  • Doppelbilder: meist vorübergehend, selten dauerhaft.
  • Gesichtsfeldausfälle: an Stellen, die lange abgelöst oder stark gelasert waren.
  • Häutchen auf der Makula: können später eine weitere Operation nötig machen.

Kann sich die Netzhaut erneut ablösen?

Ja, bei etwa jedem zehnten Auge löst sich die Netzhaut nach der ersten Operation erneut ab, meist in den ersten Wochen oder Monaten. Ursachen sind Narbenbildung, übersehene oder neue Risse und schwierige Befunde. Auch nach der Entfernung von Silikonöl kann es zu einer erneuten Ablösung kommen. Neue Blitze, neue Mücken, ein neuer Schatten oder plötzlich schlechteres Sehen nach einer Operation sind deshalb ein Grund, sofort in die Klinik zu gehen.

Wie groß ist das Risiko für das andere Auge?

Etwa jede zehnte Person erleidet später auch am zweiten Auge eine Netzhautablösung. Die Tübinger Universitäts-Augenklinik nennt ein Risiko von etwa 1,3 Prozent pro Jahr, rund hundertmal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Besonders gefährdet sind junge kurzsichtige Männer und Menschen mit Kunstlinse. Augenärzte untersuchen das Partnerauge deshalb genau und behandeln dort Risse oder verdächtige Stellen oft vorbeugend.

Was passiert ohne Behandlung?

Ohne Behandlung schreitet eine rhegmatogene Ablösung in aller Regel fort, bis die Netzhaut vollständig abgelöst und das Auge blind ist. Bei großen Rissen geht das in Tagen, bei kleinen in Wochen bis Monaten. Langfristig kann das Auge schrumpfen und schmerzen. Die Netzhautchirurgie hat das grundlegend geändert: Vor den ersten Operationen des Schweizer Augenarztes Jules Gonin in den 1920er-Jahren führte eine Ablösung fast immer zur Erblindung.

Ein Problem bleibt die Zeit. Nach Schätzungen kommt nur etwa jeder zweite Betroffene rechtzeitig zur Behandlung, weil die Warnzeichen nicht erkannt oder unterschätzt werden.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (7)

Kann man einer Netzhautablösung vorbeugen?

Die altersbedingte Netzhautablösung lässt sich nicht sicher verhindern, aber ihre schweren Folgen lassen sich meist vermeiden. Der wirksamste Schutz ist, die Warnzeichen zu kennen und bei Blitzen, Rußregen oder einem Schatten sofort zu handeln. Ein frischer Riss lässt sich mit Laser oft abriegeln, bevor überhaupt eine Ablösung entsteht. Die Glaskörperabhebung selbst ist ein natürlicher Alterungsvorgang, den man weder bremsen noch verhindern kann.

Wer sollte regelmäßig zur Kontrolle?

Regelmäßige Untersuchungen des Augenhintergrunds bei weiter Pupille sind vor allem für Menschen mit erhöhtem Risiko sinnvoll. Spanische und amerikanische Fachquellen nennen etwa einmal jährlich; den genauen Abstand legt die Augenärztin je nach Befund fest. Dazu gehören:

  • Menschen mit starker Kurzsichtigkeit, auch nach Augenlasern oder Linsentausch
  • Menschen, die schon an einem Auge eine Ablösung hatten
  • Menschen mit Netzhautablösungen in der Familie
  • Menschen nach einer Staroperation, besonders wenn sie kurzsichtig sind
  • Menschen mit bekannter Gitterdegeneration oder Retinoschisis
  • Menschen mit Diabetes
  • Menschen mit Stickler- oder Marfan-Syndrom und ehemalige Frühgeborene

In Österreich empfiehlt die Augenabteilung des LKH Feldkirch Vorsorgeuntersuchungen im zweiten Lebensjahr und mit 40 Jahren, bei Diabetes oder Augenerkrankungen in der Familie früher. In Deutschland ist eine regelmäßige Untersuchung ohne Beschwerden in der Regel eine Selbstzahlerleistung; bei Beschwerden oder einem ärztlich begründeten Anlass zahlt die Kasse.

Was sollten Kurzsichtige nach dem Augenlasern wissen?

Auch nach dem Augenlasern oder einem Linsentausch bleibt das Risiko einer Netzhautablösung bestehen. Die Eingriffe verändern nur die Brechkraft, nicht die Länge des Auges und nicht die gedehnte Netzhaut. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft rät deshalb allen Kurzsichtigen, die Warnzeichen zu kennen, gleich ob sie eine Brille tragen oder nicht.

Schützt eine Schutzbrille?

Ja, eine Schutzbrille senkt das Risiko von Verletzungen, die eine Netzhautablösung auslösen können. Sinnvoll ist sie beim Sägen, Bohren, Hämmern und Arbeiten mit Maschinen sowie bei Sportarten mit schnellem Ball oder Schläger wie Squash, Padel, Tennis und Hockey. Bei Kontaktsportarten und Kampfsport ist für stark Kurzsichtige ein Augenschutz besonders ratsam. Nach jeder heftigen Prellung des Auges sollte der Augenhintergrund untersucht werden.

Hilft eine gute Diabeteseinstellung?

Ja, bei Diabetes beugt eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck der diabetischen Retinopathie und damit der traktiven Netzhautablösung vor. Menschen mit Diabetes sollten mindestens einmal im Jahr den Augenhintergrund bei weiter Pupille untersuchen lassen. Werden krankhafte Gefäße früh erkannt, lassen sie sich behandeln, bevor sie Narben bilden.

Welche verbreiteten Annahmen stimmen nicht?

Viele gut gemeinte Ratschläge sind nicht belegt. Weder viel Trinken noch Nahrungsergänzungsmittel verhindern eine Glaskörperabhebung oder lassen Mouches volantes verschwinden. Schweres Heben, Fliegen ohne Gas im Auge und eine natürliche Geburt lösen nach französischen Fachquellen keine Netzhautablösung aus. Wer kurzsichtig ist, muss deshalb nicht auf Alltag, Sport oder Reisen verzichten, sondern nur aufmerksam bleiben.

Wie lebt man mit einem eingeschränkten Sehen danach?

Bleibt nach einer Ablösung ein Sehverlust, helfen Anpassungen im Alltag und Gespräche mit anderen Betroffenen. Vergrößernde Sehhilfen, gutes Licht und Bedienungshilfen am Smartphone erleichtern das Lesen. Mit einem gesunden zweiten Auge gewöhnen sich die meisten an einen Ausfall, brauchen aber anfangs mehr Vorsicht beim Treppensteigen und im Straßenverkehr. Ob Sie wieder Auto fahren dürfen, entscheidet die Augenärztin anhand von Sehschärfe und Gesichtsfeld.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Eine Netzhautablösung ist ein augenärztlicher Notfall. Je früher behandelt wird, desto besser sind die Aussichten, besonders solange die Makula noch anliegt. Panik ist trotzdem nicht nötig: Bei den meisten Warnzeichen reicht ein Termin am selben oder am nächsten Tag. Mehr zu anderen Notfällen am Auge finden Sie unter Notfall am Auge.

Wann muss ich sofort zum Augenarzt oder in die Klinik?

  • bei einem Schatten, Schleier, Vorhang oder einer „Mauer“, die nicht verschwindet oder größer wird
  • bei plötzlich verzerrtem Sehen oder starkem Sehverlust auf einem Auge
  • bei Rußregen, also plötzlich sehr vielen schwarzen Punkten
  • nach einer Netzhautoperation bei zunehmenden Schmerzen, Rötung, schlechterem Sehen oder einem neuen Schatten

Wann am selben oder spätestens am nächsten Tag?

  • bei neuen Lichtblitzen, auch wenn sie nur kurz waren
  • bei neuen oder deutlich mehr Mouches volantes, auch einer einzelnen neuen größeren Trübung
  • nach einem kräftigen Schlag aufs Auge, auch ohne Beschwerden

Wann reicht ein regulärer Termin?

  • bei alten, seit Langem unveränderten Mouches volantes
  • zur Kontrolle bei Risikofaktoren wie starker Kurzsichtigkeit oder einer Ablösung am anderen Auge
  • zur vereinbarten Nachkontrolle nach einer Glaskörperabhebung, solange keine neuen Beschwerden auftreten

Wen rufe ich außerhalb der Sprechzeiten an?

Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die Notaufnahme einer Augenklinik oder an den augenärztlichen Bereitschaftsdienst. In Deutschland erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, den Rettungsdienst unter 112. In Österreich hilft die Gesundheitsberatung unter 1450 weiter, in Wien der Ärztefunkdienst unter 141; die Rettung erreichen Sie unter 144 oder über den Euronotruf 112. Fahren Sie nicht selbst Auto, wenn Sie schlecht sehen oder Ihre Pupille erweitert wurde.

9 Häufige Fragen

Ich sehe Lichtblitze. Ist das schon eine Netzhautablösung?

Nicht unbedingt. Meist entstehen Blitze durch den Zug des Glaskörpers an der Netzhaut bei einer harmlosen Glaskörperabhebung. Bei etwa jedem Siebten mit plötzlichen Blitzen oder Mücken findet sich aber ein Riss. Ob das bei Ihnen so ist, lässt sich nur bei weitgestellter Pupille klären; lassen Sie sich deshalb am selben oder spätestens am nächsten Tag untersuchen.

Sind Mouches volantes gefährlich?

Alte, unveränderte Mouches volantes sind in der Regel harmlos. Gefährlich können plötzlich neue Trübungen sein, vor allem ein Schwarm schwarzer Punkte (Rußregen) oder Mücken zusammen mit Blitzen. Dann muss die Netzhaut am selben Tag untersucht werden.

Wie schnell muss ich bei Verdacht auf Netzhautablösung zum Arzt?

Bei neuen Blitzen oder neuen Mücken am selben, spätestens am nächsten Tag. Bei einem Schatten, Vorhang, verzerrtem Sehen oder Sehverlust sofort, notfalls in die Notaufnahme einer Augenklinik. Warten Sie nicht das Wochenende ab.

Tut eine Netzhautablösung weh?

Nein. Die Netzhaut hat keine Schmerzfasern, das Auge bleibt weiß und ruhig. Gerade deshalb unterschätzen viele die Beschwerden. Schmerzen und Rötung deuten eher auf eine andere Erkrankung hin, die ebenfalls rasch untersucht werden sollte.

Kann man eine Netzhautablösung lasern?

Einen Riss ohne Ablösung kann man meist lasern und so eine Ablösung verhindern. Hat sich die Netzhaut bereits abgehoben, reicht der Laser nicht mehr aus. Dann ist eine Operation mit Plombe oder Vitrektomie nötig.

Wie lange dauert die Operation bei einer Netzhautablösung?

Je nach Verfahren und Befund etwa eine halbe bis über eine Stunde. Sie erfolgt in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose, in Deutschland und Österreich oft mit einem kurzen Klinikaufenthalt. Komplizierte Befunde können länger dauern und weitere Eingriffe erfordern.

Wie lange muss ich nach der Netzhaut-OP auf dem Bauch liegen?

Das hängt von der Lage des Risses und der Füllung ab. Üblich sind einige Tage bis etwa zwei Wochen. Nicht immer ist es Bauchlage; manchmal ist eine Seitenlage oder eine Kopfneigung nötig. Halten Sie sich genau an die Vorgabe Ihrer Operateurin oder Ihres Operateurs und liegen Sie mit Gas im Auge nicht flach auf dem Rücken.

Wann darf ich nach einer Netzhautoperation mit Gas wieder fliegen?

Erst wenn das Gas vollständig verschwunden ist und Ihre Augenärztin das bestätigt hat. Je nach Gas sind das etwa zwei bis drei Wochen (SF6) bis acht bis zehn Wochen (C3F8), im Einzelfall auch länger. Das gilt auch für Bergfahrten, Seilbahnen und Tauchen. Mit Silikonöl im Auge dürfen Sie fliegen.

Muss Silikonöl wieder aus dem Auge entfernt werden?

In der Regel ja, in einer zweiten Operation meist nach drei bis sechs Monaten. Oft wird dabei gleich ein Grauer Star mitoperiert. Nur in seltenen, sehr schwierigen Fällen bleibt das Öl dauerhaft im Auge.

Sehe ich nach einer Netzhautablösung wieder normal?

Lag die Makula vor der Operation noch an, sehen die meisten wieder gut. War sie abgelöst, bleibt häufig eine Einschränkung, etwa unschärferes oder verzerrtes Sehen. Die Sehkraft kann sich über sechs bis zwölf Monate bessern; ein endgültiges Urteil ist erst dann möglich.

Kann eine Netzhautablösung wiederkommen?

Ja. Etwa jedes zehnte Auge braucht nach der ersten Operation einen weiteren Eingriff, meist wegen Narbenbildung oder neuer Risse. Auch das andere Auge kann bei etwa jeder zehnten Person später betroffen sein. Kennen Sie deshalb die Warnzeichen für beide Augen.

Schützt Augenlasern vor einer Netzhautablösung?

Nein. Augenlasern oder ein Linsentausch korrigieren nur die Brechkraft. Das kurzsichtige Auge bleibt zu lang, die Netzhaut bleibt gedehnt und das Risiko bleibt bestehen.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 30 Quellen anzeigen
  1. Netzhautablösung – Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (DE)
  2. Netzhautablösung – Österreichisches Gesundheitsportal gesundheit.gv.at (DE)
  3. Netzhautablösung (Patienteninformation) – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), augeninfo.de (DE)
  4. Notfall Netzhautablösung: Kurzsichtige bleiben auch nach Laser-Behandlung besonders gefährdet – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) (DE)
  5. Vorsicht bei Netzhautablösung (Pressemitteilung) – Stiftung Auge (DE)
  6. S1-Leitlinie Risikofaktoren und Prophylaxe der rhegmatogenen Netzhautablösung bei Erwachsenen (045-025) – AWMF, DOG, Retinologische Gesellschaft, BVA (DE)
  7. Rhegmatogene Netzhautablösung (Newsletter 03/2021) – Universitäts-Augenklinik Tübingen (DE)
  8. Netzhautablösung (Patienteninformation Netzhautsprechstunde) – Augenheilkunde, umh.de (DE)
  9. Patienteninformation Vitrektomie: Verhaltensregeln nach der Operation – Universitätsklinikum Münster, Klinik für Augenheilkunde (DE)
  10. Patienteninformation Vitrektomie: Verhalten nach der Operation – Kliniken der Stadt Köln, Augenklinik Merheim (DE)
  11. Die Sehkraft erhalten (Handout) – Augenabteilung LKH Feldkirch (DE)
  12. Netzhautablösung – MSD Manual, Ausgabe für Patienten (DE)
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  17. Retinal detachment (Lin JB et al.) – Nature Reviews Disease Primers 2024;10:18 (EN)
  18. Retinal detachment: Prognosis and frequently asked questions – Hospital Clínic Barcelona (EN)
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  21. Décollement de rétine – La Revue du Praticien (FR)
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  23. Tamponnement dans l'opération du décollement de la rétine associé à une vitréo-rétinopathie proliférante (CD006126) – Cochrane (FR)
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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss