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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Makula

Zentrale seröse Chorioretinopathie (Retinopathia centralis serosa)

Bei der zentralen serösen Chorioretinopathie (CSC) sammelt sich Flüssigkeit unter der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens; das Bild wird verzerrt, dunkler und kleiner. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 30 und 55 Jahren, oft in Stressphasen oder unter Kortison, und meist heilt die akute Form innerhalb weniger Monate von selbst.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 38 Minuten · 24 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (5)

Was ist eine zentrale seröse Chorioretinopathie?

Die zentrale seröse Chorioretinopathie ist eine Erkrankung, bei der sich klare Flüssigkeit unter der Netzhautmitte sammelt und diese wie eine kleine Blase abhebt. Die Netzhautmitte heißt Makula oder gelber Fleck. Mit ihr lesen Sie, erkennen Gesichter und sehen Farben. Wird sie von unten angehoben, sieht das betroffene Auge in der Mitte verschwommen, verzerrt oder wie durch einen grauen Schleier.

Die Flüssigkeit stammt aus der Aderhaut (Choroidea), der gut durchbluteten Gefäßschicht unter der Netzhaut. Dazwischen liegt eine dünne Zellschicht, das retinale Pigmentepithel. Es wirkt normalerweise wie eine Barriere und Pumpe, die die Netzhaut trocken hält. Bei der CSC ist die Aderhaut verdickt und undicht, und das Pigmentepithel kommt mit dem Abpumpen nicht nach.

Die Krankheit hat viele Namen: Retinopathia centralis serosa, Chorioretinopathia centralis serosa, abgekürzt CSC, CCS, CSR oder RCS. Gemeint ist immer dasselbe. Sie ist nach der altersabhängigen Makuladegeneration, der diabetischen Netzhauterkrankung und dem Venenverschluss die vierthäufigste Erkrankung der Netzhaut, die das Sehen beeinträchtigt.

Wen betrifft die Erkrankung?

Typischerweise trifft die CSC Männer im mittleren Alter, meist zwischen 30 und 55 Jahren. Männer erkranken etwa sechsmal so häufig wie Frauen; manche Quellen nennen sogar ein Verhältnis von 8 zu 1. Frauen erkranken im Durchschnitt etwas später. Ein deutsches Register mit über 400 Patientinnen und Patienten zeigte allerdings, dass in spezialisierten Zentren auch viele Ältere und ein Viertel Frauen behandelt werden.

Wegen der Verbindung zu Stress und Leistungsdruck wird die CSC umgangssprachlich manchmal „Managerkrankheit“ genannt. Das ist eine Vereinfachung. Ein deutlich besser belegter Auslöser ist Kortison, und zwar in jeder Form, auch als Salbe, Nasenspray oder Asthmaspray.

Wie macht sich die CSC bemerkbar?

Meist bemerken Betroffene plötzlich, dass ein Auge in der Bildmitte schlechter sieht. Gerade Linien wirken wellig, in der Mitte liegt ein grauer oder dunkler Fleck, Dinge erscheinen kleiner und Farben blasser. Das Auge schmerzt nicht und ist nicht gerötet. Das seitliche Sehen bleibt erhalten.

Heilt die Erkrankung von selbst?

Ja, in den meisten Fällen bildet sich die akute Form innerhalb von drei bis vier Monaten von selbst zurück. Je nach Studie verschwindet die Flüssigkeit bei 84 bis 100 Prozent innerhalb eines halben Jahres. Deshalb wird zunächst meist abgewartet und regelmäßig kontrolliert. Allerdings kommt die Erkrankung bei etwa jedem dritten bis zweiten Betroffenen irgendwann wieder.

Akute und chronische Form

Fachleute unterscheiden eine akute und eine chronische Form; die Grenze liegt meist bei drei bis vier, je nach Autor auch bei sechs Monaten. Bei der chronischen Form bleibt die Flüssigkeit länger bestehen oder kehrt immer wieder. Dann können die Sinneszellen und das Pigmentepithel dauerhaft Schaden nehmen. Für diese Fälle gibt es Behandlungen, allen voran die photodynamische Therapie (PDT).

2 Symptome

In diesem Kapitel (20)

Welche Symptome sind typisch?

Typisch ist eine schmerzlose Veränderung des zentralen Sehens an einem Auge: verschwommen, verzerrt, dunkler und kleiner. Die Beschwerden betreffen nur die Mitte des Gesichtsfelds, also genau die Stelle, auf die Sie schauen. Das Auge selbst sieht von außen völlig normal aus. Im deutschen Retina.net-Register wurden die Beschwerden so häufig angegeben:

BeschwerdeAnteil der Betroffenen
Sehverschlechterung allgemein76 %
Verzerrtsehen (Metamorphopsie)49 %
abgeschwächter Fleck in der Mitte (relatives Skotom)47 %
verschwommenes Sehen19 %
gestörtes Farbensehen9 %

Mehrfachnennungen waren möglich. Die meisten Menschen haben also mehrere dieser Beschwerden gleichzeitig. Die einzelnen Symptome werden im Folgenden genauer beschrieben.

Wie fühlt sich das verzerrte Sehen an?

Gerade Linien wirken krumm, wellig oder geknickt, sobald Sie mit dem betroffenen Auge direkt auf sie schauen. Fachleute nennen das Metamorphopsie. Besonders auffällig ist es an Türrahmen, Fliesenfugen, Fensterkreuzen, Regalböden oder Tabellen am Bildschirm. Beim Lesen können Zeilen wie gebogen wirken, einzelne Buchstaben verschwimmen oder springen.

Die Verzerrung entsteht, weil die Sinneszellen über der Flüssigkeitsblase nicht mehr flach nebeneinanderliegen. Sie werden auseinandergeschoben oder verkippt. Das Gehirn bekommt dadurch ein verbogenes Bild geliefert. Gesichter können ungleichmäßig oder leicht verformt erscheinen.

Der graue oder dunkle Fleck in der Bildmitte

Viele Betroffene sehen in der Mitte einen grauen, bräunlichen oder dunklen Fleck, der beim Blickwechsel mitwandert. Fachleute sprechen von einem zentralen Skotom. Bei der CSC ist er fast immer „relativ“: Man sieht durch ihn hindurch, aber gedämpft und unscharf, wie durch eine getönte Scheibe. Ein völlig schwarzes Loch ist untypisch.

Manche beschreiben den Fleck als „grauen Halo“ oder als gräulich-grünlichen Schatten. Oft hat er eine runde Form, weil auch die Flüssigkeitsblase rund ist. Laut französischen Quellen ist er bei manchen Menschen morgens nach dem Aufwachen stärker ausgeprägt.

Warum wirkt alles kleiner oder weiter weg?

Gegenstände erscheinen mit dem betroffenen Auge oft kleiner als mit dem gesunden, das nennt man Mikropsie. Die Sinneszellen werden durch die Blase auseinandergedrückt, sodass ein Bild auf weniger Sinneszellen fällt. Das Gehirn deutet das als „kleiner“ oder „weiter entfernt“. Seltener erscheinen Dinge größer (Makropsie).

Auffällig wird das beim Vergleich beider Augen: Ein Buchstabe, ein Verkehrsschild oder eine Tasse wirkt mit dem einen Auge deutlich kleiner als mit dem anderen. Weil beide Augen unterschiedlich große Bilder liefern, kann auch die Tiefenwahrnehmung leiden. Das Einschenken oder Einfädeln fällt dann schwerer.

Farben und Kontraste

Farben wirken mit dem betroffenen Auge blasser, stumpfer oder leicht verfälscht, oft bräunlich oder gelblich. Weiße Flächen wie ein Blatt Papier erscheinen matt oder grau. Auch die Kontrastempfindlichkeit nimmt ab. Graue Schrift auf hellem Grund, Stufen im Halbdunkel oder Gesichter im Gegenlicht sind dann schwerer zu erkennen.

Diese Veränderungen werden oft unterschätzt, weil die Sehschärfe auf der Sehtafel noch recht gut sein kann. Gerade Farb- und Kontrastsehen bleiben aber nach der Abheilung manchmal noch Monate verändert. Bei langer Krankheitsdauer kann ein Rest dauerhaft bleiben.

Warum passt die Lesebrille plötzlich nicht mehr?

Die Flüssigkeit schiebt die Netzhaut ein Stück nach vorn, dadurch wird das Auge vorübergehend leicht weitsichtig. Fachleute nennen das Hyperopisierung. Betroffene haben vor allem in der Nähe Mühe, Kleingedrucktes zu lesen, und glauben oft, sie bräuchten eine stärkere Lesebrille. Mit einem Plusglas lässt sich die Sehschärfe in der Praxis häufig deutlich verbessern, manchmal fast auf den vollen Wert.

Eine neue Brille lohnt sich in dieser Phase trotzdem nicht. Die Werte schwanken mit der Menge der Flüssigkeit und gehen nach der Abheilung meist wieder zurück. Mehr zur Weitsichtigkeit allgemein lesen Sie unter Weitsichtigkeit.

Blendung, Dämmerung und helles Licht

Viele Betroffene sehen bei wenig Licht schlechter und reagieren empfindlicher auf Blendung. Nach einem Blick in die Sonne oder in helle Scheinwerfer braucht das betroffene Auge länger, bis es wieder normal sieht. Die Wiener Universitäts-Augenklinik beschreibt diese verzögerte Erholung nach Blendung als typisches Zeichen einer Störung der Makula. Das Bild wirkt insgesamt dunkler, als hätte man eine Sonnenbrille auf nur einem Auge.

Wie stark sinkt die Sehschärfe?

Die Sehschärfe ist meist nur mäßig herabgesetzt, häufig auf etwa 50 bis 70 Prozent. Manche Betroffene erreichen auf der Sehtafel sogar noch fast den vollen Wert und klagen trotzdem über deutliche Beschwerden. Im deutschen Register lag die mittlere Sehschärfe bei etwa 0,6. Bei chronischen Verläufen kann sie deutlich niedriger sein, in schweren Fällen bei 10 Prozent oder darunter.

Die Zahl auf der Sehtafel spiegelt die Beschwerden daher nur teilweise wider. Verzerrung, Farbverlust und Kontrastminderung werden mit der üblichen Sehprobe nicht erfasst. Deshalb sagen Ihre Schilderungen der Augenärztin oder dem Augenarzt oft mehr als der Visus allein.

Beginnen die Beschwerden plötzlich oder schleichend?

Meist beginnen die Beschwerden plötzlich, oft fallen sie an einem bestimmten Morgen auf. Manchmal entwickeln sie sich über einige Tage. Nicht selten bemerken Betroffene die Störung zufällig, etwa wenn sie das gesunde Auge reiben oder abdecken. Solange beide Augen offen sind, gleicht das gesunde Auge vieles aus.

Ist nur ein Auge betroffen oder beide?

Bei der ersten Erkrankung macht meist nur ein Auge Beschwerden, aber das zweite Auge ist häufiger mitbeteiligt, als man denkt. Bei Diagnosestellung haben nur etwa 4 Prozent sichtbare Beschwerden an beiden Augen. Im Lauf der Jahre sind es nach Studien bis zu 40 Prozent. Im deutschen Register war bei 31 Prozent der Patientinnen und Patienten auch das andere Auge betroffen.

Bei genauer Untersuchung zeigt das Partnerauge oft eine verdickte Aderhaut oder alte Spuren früherer Flüssigkeit, ohne dass es je Beschwerden gemacht hat. Wenn die Erkrankung durch Kortison ausgelöst wurde, sind häufiger beide Augen betroffen, nach belgischen Daten in 33 bis 44 Prozent der Fälle. Auch bei Menschen über 50 tritt die CSC öfter an beiden Augen auf.

Kann man eine CSC haben, ohne es zu merken?

Ja, wenn die Flüssigkeit neben und nicht direkt unter der Sehgrube (Fovea) liegt, verursacht sie oft keine Beschwerden. Solche Befunde werden dann zufällig bei einer Augenuntersuchung entdeckt. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass viele Fälle nie erkannt werden. Erst wenn sich die Blase unter die Fovea ausdehnt, merken Betroffene etwas.

Tut eine CSC weh oder rötet sich das Auge?

Nein, die CSC verursacht keine Schmerzen, keine Rötung und keinen Ausfluss. Das Auge ist äußerlich unauffällig, Fachleute sprechen vom „weißen, schmerzlosen Auge“. Kommen Schmerzen, Rötung oder starke Lichtscheu hinzu, spricht das für eine andere Ursache. Dann sollte rasch untersucht werden, ob etwa eine Entzündung wie eine Uveitis oder eine Skleritis vorliegt.

Wie verändern sich die Beschwerden im Lauf der Zeit?

Bei der akuten Form bleiben die Beschwerden meist einige Wochen bis Monate und werden dann langsam schwächer. Das Sehen kann von Tag zu Tag schwanken. Manche Betroffene berichten, dass es bei Müdigkeit, Schlafmangel oder Stress schlechter wird. Zieht sich die Flüssigkeit zurück, bessert sich zuerst meist die Sehschärfe.

Verzerrung, ein leichter Schleier, ein dunkleres Bild und veränderte Farben können danach noch Monate anhalten. Das liegt daran, dass sich die Sinneszellen nach dem Wiederanlegen erst neu ordnen müssen. Eine spanische Übersicht beschreibt, dass viele Betroffene trotz guter Sehschärfe noch längere Zeit ein weniger helles und leicht verändertes Bild haben.

Woran erkennt man einen Rückfall?

Ein Rückfall fühlt sich meist genauso an wie die erste Episode: Das Bild wird wieder verzerrt, kleiner oder bekommt einen grauen Fleck. Er kann am selben oder am anderen Auge auftreten. Wer die Erkrankung schon kennt, bemerkt ihn oft früh. Dann ist eine Kontrolle innerhalb weniger Tage sinnvoll.

Symptome bei der chronischen Form

Bei der chronischen Form verschlechtert sich das zentrale Sehen oft schleichend und nicht mehr in deutlichen Schüben. Die Flüssigkeit ist flacher, dafür ist das Pigmentepithel großflächiger geschädigt. Betroffene bemerken, dass Lesen, Gesichtererkennen und das Sehen in der Dämmerung allmählich schwieriger werden. Teils sind beide Augen betroffen, was den Alltag stärker einschränkt.

Eine Sonderform ist die diffuse retinale Epitheliopathie, die vor allem unter Kortison vorkommt und schlechtere Aussichten für das Sehen hat. Sehr selten ist die bullöse Form mit großen Flüssigkeitsblasen, die bis in die untere Netzhaut reichen. Dann kann auch ein Schatten im unteren oder seitlichen Gesichtsfeld auftreten. Sie ähnelt einer Netzhautablösung und gehört rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Was bemerken Angehörige oder Kollegen?

Von außen ist eine CSC nicht zu sehen, Angehörige bemerken eher Verhaltensänderungen. Betroffene halten Texte anders, kneifen ein Auge zu oder schauen an Gesichtern leicht vorbei. Manche lesen weniger, meiden nächtliche Autofahrten oder wirken unsicher beim Treppensteigen im Halbdunkel. Weil die Krankheit oft in belastenden Lebensphasen auftritt, fällt sie manchmal mit Erschöpfung oder Schlafmangel zusammen.

Besonderheiten bei Frauen, Schwangeren und Älteren

Frauen erkranken im Durchschnitt später als Männer, laut französischen Quellen meist zwischen 40 und 55 Jahren. In der Schwangerschaft kann eine CSC vor allem im letzten Drittel auftreten. Sie bildet sich dann meist nach der Geburt zurück. In dieser Form ist die Flüssigkeit manchmal von weißlichen Ablagerungen (Fibrin) begleitet.

Bei Menschen über 50 verläuft die Erkrankung öfter chronisch, beidseitig und mit größeren Schäden am Pigmentepithel. Hier ist auch die Abgrenzung zur altersabhängigen Makuladegeneration wichtig, deren Beschwerden ähnlich sein können. Zudem bilden sich in diesem Alter häufiger krankhafte neue Gefäße unter der Netzhaut.

Kommt die CSC bei Kindern vor?

Bei Kindern ist die CSC eine große Ausnahme, es gibt nur Einzelfallberichte. Hat ein Kind verzerrtes Sehen oder einen Fleck in der Bildmitte, denken Augenärztinnen und Augenärzte zuerst an andere Ursachen. Dazu gehören erbliche Makulaerkrankungen, Entzündungen oder angeborene Veränderungen am Sehnerv. Kinder schildern solche Beschwerden oft nicht selbst, deshalb ist eine Untersuchung bei jedem Verdacht sinnvoll.

Wie kann ich mein Sehen selbst prüfen?

Am einfachsten ist es, abwechselnd ein Auge abzudecken und auf eine gerade Linie oder ein Karomuster zu schauen. Dafür eignet sich das Amsler-Gitter, ein Kästchenraster mit einem Punkt in der Mitte. Sie halten es in Leseabstand, tragen Ihre Lesebrille und fixieren mit einem Auge den Punkt. Wellige Linien, fehlende Kästchen oder ein grauer Bereich sind Hinweise auf eine Störung der Makula.

Der Selbsttest ersetzt keine Untersuchung. Er eignet sich aber gut, um nach einer abgeheilten CSC einen Rückfall früh zu bemerken. Vergleichen Sie dabei immer beide Augen und achten Sie auf Veränderungen gegenüber dem letzten Test.

Welche Beschwerden passen nicht zur CSC?

Lichtblitze, ein Schwarm neuer schwarzer Punkte („Rußregen“), ein Schatten oder Vorhang vom Rand her, Schmerzen und ein plötzlicher, sehr starker Sehverlust passen nicht zur typischen CSC. Solche Zeichen deuten auf andere Erkrankungen hin, etwa eine Netzhautablösung oder einen Gefäßverschluss. Sie sind ein Grund, noch am selben Tag ärztliche Hilfe zu suchen. Auch eine Blutung in der Netzhautmitte spricht gegen eine CSC und eher für eine Gefäßneubildung.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (12)

Was passiert bei einer CSC im Auge?

Bei der CSC ist die Aderhaut unter der Netzhaut verdickt, gestaut und undicht, und das darüberliegende Pigmentepithel kann die austretende Flüssigkeit nicht mehr abpumpen. An einer oder mehreren Stellen gibt die Barriere des Pigmentepithels nach. Durch diese Leckstelle sickert Flüssigkeit unter die Netzhaut. Es entsteht eine flache, klare Blase unter der Makula.

Fachleute zählen die CSC heute zu den sogenannten Pachychoroid-Erkrankungen. Pachychoroid bedeutet „dicke Aderhaut“. Diese Verdickung findet sich oft an beiden Augen, auch an dem, das keine Beschwerden hat. Erstmals beschrieben wurde das Krankheitsbild 1866 von Albrecht von Graefe als „Makulaablösung“; später wies der Amerikaner Donald Gass die typische Leckstelle mit einer Farbstoffuntersuchung nach.

Ist die Ursache bekannt?

Nein, die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die meisten Fachleute gehen von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus: Veranlagung, Hormone, Gefäßregulation und äußere Auslöser. Die am besten gestützte Erklärung ist ein erhöhter Druck und eine erhöhte Durchlässigkeit in den feinen Aderhautgefäßen. Daneben wird eine eigenständige Störung der Pumpzellen des Pigmentepithels diskutiert.

Eine besondere Rolle spielen Stresshormone. Kortison und das körpereigene Cortisol wirken nicht nur über den Glukokortikoid-Rezeptor, sondern auch über den sogenannten Mineralokortikoid-Rezeptor. Wird dieser in der Aderhaut überaktiviert, weiten sich die Gefäße und werden undichter. Diese Überlegung ist der Grund, warum Medikamente wie Eplerenon und Spironolacton als Behandlung getestet wurden.

Kortison: der wichtigste bekannte Auslöser

Kortison (Glukokortikoide) ist der am besten belegte Risikofaktor für eine CSC, und zwar in jeder Darreichungsform und auch in niedriger Dosis. In einer Studie war das Risiko unter Kortison-Tabletten oder -Spritzen um ein Vielfaches erhöht. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und die britische Arzneimittelbehörde haben 2017 ausdrücklich darauf hingewiesen. Sie betonen: Die CSC kann bei innerlicher und bei äußerlicher Anwendung auftreten, wenige Tage bis mehrere Jahre nach Beginn der Behandlung.

FormBeispiele
Tabletten, InfusionenPrednisolon, Methylprednisolon, Dexamethason
InhalationAsthma- und COPD-Sprays
NaseNasensprays gegen Heuschnupfen oder Nasenpolypen
HautKortisonsalben und -cremes, auch rezeptfreie, z. B. gegen Ekzeme
Spritzenin Gelenke, an die Wirbelsäule (epidural), Depotspritzen
Am AugeSpritzen neben das Auge, kortisonhaltige Augentropfen

Ein bestimmter Wirkstoff oder eine sichere Dosis lässt sich nicht nennen. Beschrieben sind Fälle schon ab 10 bis 15 Milligramm Prednison pro Tag ebenso wie bei hochdosierten Infusionen. Höhere Dosen führen tendenziell früher zur Erkrankung. Besonders oft betroffen sind Menschen nach einer Organtransplantation, mit Asthma oder, bei Frauen, mit Lupus.

Früher wurde die CSC selbst mit Kortison behandelt. Heute weiß man, dass das die Erkrankung verschlimmert. Kortison ist bei einer CSC deshalb nicht mehr angezeigt.

Körpereigenes Cortisol: Cushing-Syndrom und Schwangerschaft

Auch ein Überschuss an körpereigenem Cortisol kann eine CSC auslösen. Das ist beim Cushing-Syndrom der Fall, etwa durch einen hormonbildenden Tumor der Nebenniere oder der Hirnanhangsdrüse. Die CSC kann sogar das erste Zeichen eines solchen Hormonüberschusses sein. In einem deutschen Fallbericht bildete sie sich nach der Entfernung eines Nebennierentumors zurück.

Die Schwangerschaft verändert den Hormonhaushalt ebenfalls und gilt als Risikofaktor, vor allem im letzten Drittel. In einer Untersuchung hatte etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit aktiver CSC erhöhte Cortisol- oder Aldosteron-Abbauprodukte im 24-Stunden-Urin.

Welche Rolle spielt Stress?

Psychischer Stress gilt als Risikofaktor, die Studienlage ist aber uneinheitlich. Im deutschen Register gaben 52 Prozent der Betroffenen Stress an. Häufig wird von einer belastenden Lebensphase berichtet, beruflich oder privat, etwa Trennung, Krankheit in der Familie oder Arbeitsplatzwechsel. Stress erhöht die Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin, was die Aderhautgefäße beeinflussen könnte.

Lange wurde eine „Typ-A-Persönlichkeit“ beschrieben: ehrgeizig, getrieben, perfektionistisch. Neuere Studien mit standardisierten Fragebögen fanden dafür aber keinen klaren Zusammenhang. Die bekannte große Fall-Kontroll-Studie von Haimovici aus dem Jahr 2004 konnte den Stress nicht ausreichend beurteilen. Stress ist also ein plausibler Auslöser, aber kein bewiesener.

Schlaf, Schlafapnoe und Schichtarbeit

Schlafmangel, gestörter Tag-Nacht-Rhythmus und Schichtarbeit werden als Risikofaktoren genannt. Besonders auffällig ist der Zusammenhang mit der obstruktiven Schlafapnoe, also nächtlichen Atemaussetzern bei Schnarchern. In einer Studie hatten 61 Prozent der CSC-Betroffenen eine Schlafapnoe; das Risiko war etwa fünffach erhöht. Ob die Behandlung der Schlafapnoe Rückfälle verhindert, ist nicht sicher belegt.

Welche Medikamente und Substanzen werden verdächtigt?

Neben Kortison werden einige weitere Medikamente mit der CSC in Verbindung gebracht, meist aufgrund von Einzelfällen oder kleineren Studien. Die Belege sind schwächer als bei Kortison. Genannt werden:

  • Abschwellende Nasensprays und Erkältungsmittel mit Sympathomimetika wie Pseudoephedrin oder Oxymetazolin
  • Potenzmittel (PDE-5-Hemmer wie Sildenafil oder Tadalafil); belgische Ärzte beschrieben Fälle, die nach dem Absetzen abheilten und bei erneuter Einnahme wiederkamen
  • Antihistaminika gegen Allergien; in der Haimovici-Studie statistisch auffällig
  • Stimulanzien, einige Krebsmedikamente, Topiramat, bestimmte Beruhigungs- und Antidepressiva
  • Koffein und Alkohol in größeren Mengen, wobei die Datenlage dünn ist

Wichtig: Setzen Sie keines dieser Medikamente auf eigene Faust ab. Besprechen Sie den Verdacht mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt.

Bluthochdruck, Rauchen und andere Erkrankungen

Unbehandelter Bluthochdruck ist ein anerkannter Risikofaktor. Im deutschen Register hatten 38 Prozent einen Bluthochdruck und 38 Prozent rauchten. Weitere genannte Zusammenhänge sind Herz- und Nierenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Allergien der Atemwege, das metabolische Syndrom und Refluxbeschwerden. Bei Autoimmunerkrankungen und nach Transplantationen spielt oft die Kortisonbehandlung die entscheidende Rolle.

Diskutiert wird auch eine Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori. Die Ergebnisse sind widersprüchlich. Ob eine Behandlung des Keims bei der CSC hilft, ist nicht geklärt.

Spielen die Gene eine Rolle?

Eine Veranlagung spielt wahrscheinlich mit, einen klaren Erbgang gibt es aber nicht. Bei beidseitiger CSC hatte in einer Untersuchung etwa die Hälfte der Familien mindestens einen weiteren Betroffenen oder Verwandte mit typischen Befunden. Forscher haben einzelne Genvarianten gefunden, etwa im Komplementfaktor-H-Gen. Ihre Bedeutung für den Einzelnen ist noch unklar.

Warum trifft es vor allem Männer?

Warum Männer deutlich häufiger erkranken, ist nicht bekannt. Vermutet werden Unterschiede im Hormonhaushalt und in der Gefäßregulation. Frauen erkranken seltener und später, bei ihnen spielen Kortison und Schwangerschaft eine größere Rolle. Bei kortisonbedingter CSC ist der Männerüberschuss weniger ausgeprägt.

Sind Weitsichtige häufiger betroffen?

Ja, nach einer Übersichtsarbeit erkranken weitsichtige Menschen häufiger, kurzsichtige seltener. Das hängt vermutlich mit der Bauweise des Auges und der Dicke der Aderhaut zusammen. Die Herkunft spielt eine kleinere Rolle: Die CSC kommt bei hellhäutigen, asiatischen und schwarzen Menschen vor. Eine Arbeit aus Costa Rica beschreibt bei afroamerikanischen Patienten einen schwereren Verlauf.

Gibt es einen Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung?

Es gibt einzelne Fallberichte, ein ursächlicher Zusammenhang ist aber nicht belegt. Die amerikanische Gesundheitsinformation MedlinePlus weist ausdrücklich darauf hin. Bei so häufigen Ereignissen wie Impfungen treten manche Erkrankungen zufällig zeitgleich auf.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (9)

Wie wird eine CSC festgestellt?

Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt mit einer Netzhautuntersuchung und vor allem mit der optischen Kohärenztomografie (OCT). Die OCT zeigt die Flüssigkeit unter der Netzhaut in wenigen Sekunden und ohne Berührung. In unklaren Fällen oder vor einer Behandlung kommen Farbstoffuntersuchungen dazu. Fachleute sprechen von multimodaler Bildgebung, wenn mehrere Verfahren kombiniert werden.

Welche Fragen stellt die Ärztin oder der Arzt?

Gefragt wird vor allem nach Medikamenten, besonders Kortison, und nach möglichen Auslösern wie Stress oder Schlafmangel, denn das Gespräch kann die Ursache aufdecken. Sie werden außerdem gefragt, seit wann die Beschwerden bestehen und wie sie sich anfühlen. Bei den Medikamenten geht es um Fragen wie diese: Nehmen Sie Kortison ein oder verwenden Sie es als Salbe, Nasenspray, Inhalator oder Spritze, auch nur gelegentlich? Weitere Fragen betreffen Stress, Schlaf, Schnarchen, Blutdruck, Potenzmittel, Schwangerschaft und frühere Episoden.

Bereiten Sie am besten eine Liste aller Medikamente vor, auch rezeptfreier. Kortisoncremes und Nasensprays werden häufig vergessen, weil sie nicht als „richtige“ Medikamente gelten.

Sehtest und Augenspiegelung

Zuerst werden Sehschärfe und häufig auch die Brillenwerte gemessen; eine neue Weitsichtigkeit ist ein Hinweis auf Flüssigkeit unter der Makula. Danach werden die Pupillen mit Tropfen erweitert. Mit der Spaltlampe und einer Lupe sieht die Ärztin oder der Arzt eine rundliche, durchsichtige Vorwölbung der Netzhautmitte. Der normale Lichtreflex der Sehgrube fehlt, manchmal sind gelbliche Pünktchen zu sehen.

Nach dem Weittropfen sind Sie einige Stunden geblendet und sehen in der Nähe unscharf. Fahren Sie daher nicht selbst mit dem Auto zum Termin. Blutungen in der Netzhaut sprechen gegen eine CSC und für eine andere Erkrankung.

Was zeigt die OCT?

Die OCT ist die wichtigste Untersuchung bei der CSC: Sie zeigt die Flüssigkeitsblase unter der Netzhaut im Querschnitt. Das Gerät arbeitet mit Licht, ähnlich einem Ultraschall, aber berührungsfrei und schmerzlos. Darauf sind auch kleine Abhebungen des Pigmentepithels, Fibrinablagerungen und Schäden an den Sinneszellen zu erkennen. Moderne Geräte messen außerdem die Dicke der Aderhaut, die bei der CSC oft deutlich erhöht ist.

Die OCT ist zugleich das wichtigste Werkzeug für die Verlaufskontrolle. Mit ihr lässt sich verfolgen, ob die Flüssigkeit zurückgeht, gleich bleibt oder zunimmt. Sie zeigt auch, ob das Partnerauge Spuren der Erkrankung hat. In Deutschland und Österreich ist die OCT nicht bei jeder Fragestellung eine Kassenleistung; fragen Sie im Zweifel vorher nach, ob Kosten auf Sie zukommen.

Wann ist eine Fluoreszeinangiografie nötig?

Eine Fluoreszeinangiografie wird vor allem gemacht, wenn die Diagnose unklar ist oder eine Laserbehandlung geplant wird. Dabei wird ein gelber Farbstoff in eine Armvene gespritzt. Eine Kamera fotografiert, wie er durch die Netzhautgefäße fließt. Bei der CSC tritt er an einer Leckstelle aus und breitet sich unter der Netzhaut aus.

In etwa 90 Prozent sieht das wie ein langsam wachsender „Tintenklecks“ aus. In etwa 10 Prozent steigt der Farbstoff wie eine „Rauchfahne“ auf und breitet sich pilzförmig aus. Nach der Untersuchung sind Haut und Urin für einige Stunden bis etwa einen Tag gelblich gefärbt. Nicht jede Patientin und jeder Patient braucht diese Untersuchung.

ICG-Angiografie, Autofluoreszenz und OCT-Angiografie

Die Indocyaningrün-Angiografie (ICG) stellt mit einem anderen Farbstoff die Gefäße der Aderhaut dar. Sie zeigt die gestauten, undichten Bereiche und ist hilfreich, um die photodynamische Therapie gezielt zu planen. Die Fundusautofluoreszenz ist eine Fotografie ohne Farbstoff, die den Zustand des Pigmentepithels sichtbar macht. Im akuten Stadium erscheinen betroffene Bereiche heller, bei chronischen Schäden dunkler.

Die OCT-Angiografie zeigt die Blutgefäße ohne Farbstoffspritze. Sie wird vor allem eingesetzt, um krankhafte neue Gefäße unter der Netzhaut (choroidale Neovaskularisation, CNV) zu suchen. Diese Komplikation muss anders behandelt werden als die CSC selbst.

Welche Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden?

Mehrere Erkrankungen können eine CSC täuschend echt nachahmen, deshalb ist die Abgrenzung wichtig. Eine deutsche Übersicht aus dem Jahr 2025 fragt bereits im Titel: „Handelt es sich wirklich um eine CSC?“ Sie ordnet die möglichen Verwechslungen in acht Gruppen, von Gefäßerkrankungen über Entzündungen bis zu Tumoren und Medikamentenschäden.

ErkrankungWas dafür spricht
Feuchte altersabhängige Makuladegenerationhöheres Alter, Drusen, Blutungen, neue Gefäße
Polypoidale choroidale Vaskulopathieknötchenförmige Gefäßaussackungen in der ICG-Angiografie
Entzündungen (Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom, hintere Skleritis)beidseitig, Schmerzen, Entzündungszellen, Allgemeinsymptome
Tumoren der Aderhaut, z. B. Hämangiom, Aderhautnävus oder selten Aderhautmelanomsichtbare Vorwölbung, Flüssigkeit über einem Herd
Grubenpapille (angeborene Veränderung am Sehnerv)Hohlräume in der Netzhaut, Verbindung zum Sehnervenkopf
Netzhautschaden durch sehr hohen BlutdruckBlutungen, Gefäßveränderungen, hohe Blutdruckwerte
Bösartige Bluterkrankungen, genetische und medikamentöse UrsachenVorgeschichte, Allgemeinbefunde, Befunde an beiden Augen

Ein marokkanischer Fallbericht beschreibt einen jungen Mann, dessen vermeintliche CSC sich als Grubenpapille herausstellte. Die Autoren betonen, dass der Augenhintergrund wiederholt und genau untersucht werden muss. Heilt eine scheinbare CSC nicht wie erwartet, wird die Diagnose deshalb erneut überprüft.

Wird auch das andere Auge untersucht?

Ja, bei der CSC werden immer beide Augen untersucht. Häufig zeigt die OCT auch am beschwerdefreien Auge eine verdickte Aderhaut oder kleine Veränderungen. Das hilft bei der Diagnose und bei der Einschätzung, wie hoch das Risiko eines späteren Befalls ist. Zudem dient der Befund des gesunden Auges als Vergleich.

Sind Untersuchungen beim Hausarzt sinnvoll?

Bei Verdacht auf einen hormonellen Auslöser oder bei wiederkehrender CSC kann eine allgemeinärztliche Abklärung sinnvoll sein. Dazu gehören die Messung des Blutdrucks, eine Prüfung auf Schlafapnoe bei lautem Schnarchen und gegebenenfalls Hormonuntersuchungen auf ein Cushing-Syndrom. Ob solche Untersuchungen nötig sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (13)

Was ist die erste Behandlung bei einer CSC?

Bei einer erstmaligen, akuten CSC ist Abwarten mit regelmäßigen Kontrollen die übliche erste Maßnahme. Die Flüssigkeit verschwindet in rund 85 bis 90 Prozent der Fälle innerhalb weniger Monate von selbst. Die gemeinsame Stellungnahme der deutschen Fachgesellschaften (Berufsverband der Augenärzte, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und Retinologische Gesellschaft) sieht deshalb in den ersten Monaten in der Regel keine aktive Behandlung vor. Ausnahme ist eine Komplikation wie eine Gefäßneubildung.

Gleichzeitig werden mögliche Auslöser gesucht und, wo möglich, abgestellt. Das ist kein Nichtstun, sondern die wichtigste Grundlage jeder Behandlung. Die Kontrollen erfolgen meist mit der OCT im Abstand von einigen Wochen.

Muss ich mein Kortison absetzen?

Kortison sollte, wenn medizinisch möglich, reduziert oder abgesetzt werden, aber nie eigenmächtig. Viele Menschen brauchen Kortison wegen einer ernsten Grunderkrankung, etwa Asthma, Rheuma oder nach einer Transplantation. Ein plötzliches Absetzen höherer Dosen kann gefährlich sein, weil der Körper dann zu wenig eigenes Cortisol bildet. Sprechen Sie deshalb immer mit der Ärztin oder dem Arzt, der das Kortison verordnet hat.

Oft lässt sich die Dosis senken, eine andere Darreichungsform wählen oder auf ein Medikament ohne Kortison wechseln. Nach dem Absetzen legte sich die Netzhaut in einer Serie bei 88 Prozent der Augen wieder an. Die AkdÄ empfiehlt, Patientinnen und Patienten unter Kortison über das Risiko aufzuklären und bei Sehstörungen zur Augenärztin oder zum Augenarzt zu überweisen.

Wann wird aktiv behandelt?

Eine aktive Behandlung wird erwogen, wenn die Flüssigkeit länger als drei bis vier Monate bleibt oder wenn besondere Gründe vorliegen. Einen festen internationalen Konsens zu Zeitpunkt und Methode gibt es nicht. Die Wiener Universitäts-Augenklinik nennt folgende Gründe:

  • Flüssigkeit unter der Netzhaut seit mindestens vier Monaten
  • wiederholte Rückfälle
  • schlechtes Ergebnis nach einer früheren Episode am anderen Auge
  • deutlich herabgesetzte Sehschärfe
  • beruflicher Bedarf an rascher Erholung, etwa bei Piloten oder Berufsfahrern
  • chronische Form mit Schäden am Pigmentepithel

Der Grund für die Frist: Bleibt die Netzhaut zu lange abgehoben, können die Sinneszellen schon nach etwa vier Monaten dauerhaft Schaden nehmen. Das kann passieren, obwohl sich die Netzhaut später wieder anlegt.

Wie funktioniert die photodynamische Therapie (PDT)?

Die photodynamische Therapie ist heute die am besten untersuchte Behandlung bei chronischer oder wiederkehrender CSC. Dabei bekommen Sie den lichtempfindlichen Wirkstoff Verteporfin als Infusion in eine Armvene. Er reichert sich in den Gefäßen der Aderhaut an. Danach wird die undichte Stelle etwa eine Minute lang mit einem „kalten“ Laserlicht bestrahlt, das die Netzhaut nicht verbrennt.

Das Licht aktiviert den Wirkstoff, die gestauten Aderhautgefäße werden umgebaut und verengt. Dadurch tritt weniger Flüssigkeit aus. Bei der CSC wird die PDT fast immer mit reduzierter Wirkstoffmenge (halbe Dosis) oder halber Lichtmenge (halbe Fluenz) durchgeführt. Das senkt das Risiko von Schäden an der Aderhaut deutlich.

Was bewirkt die PDT?

Nach Patientenblättern des Moorfields Eye Hospital in London verschwindet die Flüssigkeit bei etwa 80 Prozent der Augen nach ein bis zwei Behandlungen. In der niederländischen PLACE-Studie war die Halbdosis-PDT einem Mikropuls-Laser deutlich überlegen. In der SPECTRA-Studie war die Flüssigkeit nach PDT bei 78 Prozent der Augen vollständig verschwunden, nach Eplerenon nur bei 17 Prozent. Bei chronischer CSC traten nach Halbdosis-PDT in einer Untersuchung über mindestens drei Jahre seltener Rückfälle auf als ohne Behandlung, 20 gegenüber 54 Prozent.

Die PDT verbessert vor allem den Befund im OCT. Die Sehschärfe bessert sich nicht bei allen gleichermaßen, besonders wenn die Sinneszellen schon geschädigt sind. Bereits zerstörte Zellen kann keine Behandlung wiederherstellen.

Welche Risiken hat die PDT?

Ernste Nebenwirkungen sind bei der CSC selten, vor allem bei reduzierter Dosis. Das Moorfields-Patientenblatt nennt ein Risiko für eine Sehverschlechterung von etwa 1 Prozent. Mit voller Dosis wurden Minderdurchblutung der Aderhaut, Schwund des Pigmentepithels und Gefäßneubildungen beschrieben. Bei ausgedehntem Pigmentepithel-Schwund in der Sehgrube kann die PDT das Sehen weiter verschlechtern.

Nach der Infusion ist die Haut für etwa zwei Tage lichtempfindlich. In dieser Zeit sollten Sie direktes Sonnenlicht und sehr helles Licht meiden, lange Kleidung tragen und eine Sonnenbrille aufsetzen. Die Klinik gibt Ihnen dazu genaue Anweisungen.

Wann hilft ein klassischer Laser?

Ein klassischer (thermischer) Laser kommt nur infrage, wenn es eine einzelne, gut abgegrenzte Leckstelle in sicherem Abstand zur Sehgrube gibt. Der Laser verödet die undichte Stelle. Dadurch verschwindet die Flüssigkeit schneller, die Erkrankung verkürzt sich nach Studien um bis zu etwa zwei Monate. Die Sehschärfe am Ende ist aber meist nicht besser als ohne Laser, und Rückfälle werden nicht sicher verhindert.

Der Laser hinterlässt eine kleine Narbe. Sie kann einen bleibenden kleinen Ausfall im Gesichtsfeld verursachen. Selten entsteht an der Laserstelle eine Gefäßneubildung. Liegt die Leckstelle unter oder direkt neben der Sehgrube, ist der klassische Laser nicht geeignet.

Was ist der Mikropuls-Laser?

Der Mikropuls-Laser (unterschwelliger Laser) gibt das Licht in sehr kurzen Impulsen ab, sodass keine sichtbare Narbe entsteht. Er soll die Pumpzellen des Pigmentepithels anregen, ohne sie zu zerstören. Deshalb kann er auch nahe der Sehgrube eingesetzt werden. In Fallserien verschwand die Flüssigkeit bei 36 bis 100 Prozent der behandelten Augen, die Ergebnisse schwanken also stark.

In der PLACE-Studie war der Mikropuls-Laser der Halbdosis-PDT deutlich unterlegen. Er gilt daher nicht als erste Wahl, kann aber sinnvoll sein, wenn eine PDT nicht möglich oder nicht verfügbar ist. In Deutschland war er im Retina.net-Register trotzdem das am häufigsten eingesetzte Verfahren (28 Prozent), vor dem klassischen Laser (23 Prozent) und der PDT (14 Prozent). Das zeigt, wie unterschiedlich die Behandlung in der Praxis ist.

Helfen Eplerenon oder Spironolacton?

Die Studienlage zu diesen Tabletten ist widersprüchlich, ein sicherer Nutzen für das Sehen ist nicht belegt. Eplerenon und Spironolacton blockieren den Mineralokortikoid-Rezeptor und werden eigentlich bei Herzschwäche und Bluthochdruck eingesetzt. Kleinere Studien zeigten, dass sich die Flüssigkeit schneller zurückbildet. In einer kleinen randomisierten Studie bei akuter CSC war die Flüssigkeit nach zwei Monaten Spironolacton bei 57 Prozent verschwunden, ohne Behandlung bei 8 Prozent.

Die große britische VICI-Studie mit 114 Patienten fand bei chronischer CSC aber keinen Vorteil von Eplerenon gegenüber einem Scheinmedikament. In der SPECTRA-Studie schnitt Eplerenon deutlich schlechter ab als die PDT. Eine Cochrane-Übersicht von 2025 mit 67 Studien zählt Eplerenon zwar zu den vielversprechenderen Ansätzen, bewertet die Beweise aber als niedrig bis mäßig. Die Einschätzungen in Deutschland haben sich über die Jahre geändert; neuere Quellen sind zurückhaltender als ältere.

Wird Eplerenon oder Spironolacton dennoch eingesetzt, sind Kontrollen des Kaliums im Blut nötig. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel, Blutdruckabfall und bei Spironolacton eine Vergrößerung der Brustdrüse bei Männern. Für die CSC sind beide Mittel nicht zugelassen; der Einsatz erfolgt außerhalb der Zulassung (Off-Label).

Helfen Spritzen ins Auge?

Spritzen mit Gefäßwachstumshemmern (Anti-VEGF) helfen bei der unkomplizierten CSC nicht. Sie sind aber die richtige Behandlung, wenn sich als Komplikation krankhafte neue Gefäße unter der Netzhaut gebildet haben. Diese Gefäßneubildung kann bei chronischer CSC auftreten und zu plötzlichem Sehverlust führen. Dann wird ähnlich wie bei der feuchten Makuladegeneration in regelmäßigen Abständen in das Auge gespritzt.

Welche anderen Mittel wurden getestet?

Viele weitere Mittel wurden untersucht, keines hat sich als Standard durchgesetzt. Dazu gehören:

  • Acetazolamid (ein Entwässerungsmittel): kurzfristig schnellerer Rückgang, Langzeitnutzen unklar
  • niedrig dosiertes Aspirin: in einer Studie schnellere Erholung, nur mit historischem Vergleich
  • Behandlung von Helicobacter pylori: widersprüchliche Ergebnisse
  • Betablocker, Ketoconazol, Mifepriston, Rifampicin: nur Einzelfälle oder uneinheitliche Daten
  • entzündungshemmende Augentropfen und Nahrungsergänzungen wie Lutein oder Safran-Extrakt (Crocin): Nutzen unklar

Kortison als Behandlung der CSC gilt heute als falsch, weil es die Erkrankung verstärkt. Seien Sie bei Angeboten zurückhaltend, die schnelle Heilung versprechen.

Behandlungen im Überblick

Die Übersicht zeigt, welche Behandlung wann infrage kommt und wie gut sie belegt ist.

BehandlungWannEinschätzung
Abwarten und Kontrolleerste Episode, akute FormStandard, hohe Spontanheilung
Auslöser abstellenimmerGrundlage, besonders bei Kortison
PDT mit reduzierter Dosischronisch, wiederkehrend, über 3–4 Monatebeste Datenlage
Klassischer Lasereinzelne Leckstelle fern der Sehgrubeverkürzt die Dauer, Narbenrisiko
Mikropuls-Laserwenn PDT nicht möglichschwächer als PDT
Eplerenon, SpironolactonEinzelfallentscheidungStudien widersprüchlich
Anti-VEGF-Spritzennur bei Gefäßneubildungwirksam gegen diese Komplikation

Hilft eine neue Brille?

Nein, eine neue Brille hilft während der aktiven Erkrankung meist nicht dauerhaft. Die Werte ändern sich mit der Menge der Flüssigkeit und gehen nach der Abheilung zurück. Warten Sie mit einer neuen Brille, bis die Flüssigkeit verschwunden ist und sich das Sehen stabilisiert hat. Vorübergehend kann eine einfache Lesehilfe beim Lesen entlasten.

Was gilt in Deutschland und Österreich?

Die deutschen Fachgesellschaften BVA, DOG und Retinologische Gesellschaft haben eine gemeinsame Stellungnahme zur CSC veröffentlicht, zuletzt überarbeitet 2020 und 2022 in einer Fachzeitschrift erschienen. Sie empfiehlt in den ersten Monaten meist abzuwarten und bei längerem Verlauf vor allem die PDT mit reduzierter Dosis. Eine eigene AWMF-Leitlinie gibt es nicht. In Österreich beschreibt die Wiener Universitäts-Augenklinik ein ähnliches Vorgehen: zuerst beobachten, bei anhaltender Flüssigkeit oder besonderen Gründen behandeln.

Verteporfin ist für die CSC nicht zugelassen, auch die PDT erfolgt daher außerhalb der Zulassung. Ob die Krankenkasse die Kosten für PDT, Mikropuls-Laser oder Tabletten übernimmt, sollte vor der Behandlung geklärt werden. In Großbritannien gab es 2018 keine von der Behörde NICE empfohlene Behandlung, PDT wurde dort nur nach festen Kriterien und auf Einzelantrag bezahlt. Auch in Frankreich gibt es keine eigene Leitlinie der Gesundheitsbehörde HAS.

Hilft psychologische Unterstützung?

Psychologische Unterstützung wird von mehreren Quellen als sinnvoller Teil der Betreuung genannt, ein direkter Nutzen für die Netzhaut ist aber nicht belegt. Wer in einer stark belastenden Phase erkrankt, profitiert oft schon davon, die Belastung zu erkennen und zu verringern. Die Sorge um das Sehen kann zusätzlich belasten. Ein Gespräch mit der Hausärztin, dem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin kann helfen.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (7)

Wie lange dauert eine CSC?

Die akute Form heilt meist innerhalb von ein bis vier Monaten ab, bei einem kleineren Teil dauert es bis zu sechs Monate. Nach verschiedenen Studien verschwindet die Flüssigkeit bei 84 bis 100 Prozent innerhalb eines halben Jahres. Die Sehschärfe kehrt meist auf einen guten Wert zurück. Bis sich auch Verzerrung, Helligkeit und Farben normalisiert haben, kann es danach weitere Monate dauern.

Wie oft kommt die CSC wieder?

Rückfälle sind häufig: Je nach Studie erleben 15 bis 50 Prozent mindestens eine weitere Episode. Die meisten Quellen nennen etwa 30 bis 50 Prozent, die Hälfte davon im ersten Jahr. Der Rückfall kann am selben oder am anderen Auge auftreten. Etwa jeder fünfte Betroffene bekommt nach britischen Angaben später auch am zweiten Auge eine CSC.

Fortbestehende Auslöser wie Kortison oder Stress erhöhen das Rückfallrisiko. Auch Depressionen wurden mit häufigeren Rückfällen in Verbindung gebracht. Nach einer PDT treten Rückfälle in Studien seltener auf als ohne Behandlung.

Wie ist die Prognose bei der chronischen Form?

Bei der chronischen Form ist die Prognose vorsichtiger, weil lange bestehende Flüssigkeit die Sinneszellen und das Pigmentepithel schädigt. Nach Angaben einer spanischen Klinik verläuft etwa jede zwanzigste CSC chronisch. Die Sehschärfe kann dauerhaft sinken, das Sehen in der Mitte bleibt dann unscharf oder verzerrt. Nach der Fachenzyklopädie EyeWiki sinkt bei chronischem Verlauf nach zehn Jahren bei bis zu 13 Prozent die Sehschärfe dieses Auges auf etwa 0,1 oder weniger; in den USA gilt das als gesetzliche Blindheit, in Deutschland und Österreich liegt diese Grenze deutlich niedriger.

Diese Zahl bezieht sich auf das zentrale Sehen eines Auges. Das seitliche Sehen bleibt erhalten, sodass Betroffene sich weiter selbstständig orientieren können. Die Lebensqualität kann aber deutlich leiden, besonders wenn beide Augen betroffen sind.

Welche Komplikationen sind möglich?

Die wichtigsten Komplikationen sind ein Schwund des Pigmentepithels, Schäden an den Sinneszellen und die Bildung neuer krankhafter Gefäße. Diese Gefäßneubildung (CNV) tritt nach Literaturangaben bei etwa 2 bis 4 Prozent der chronischen Fälle auf. In spezialisierten deutschen Zentren war der Anteil höher, weil dort vor allem schwere Fälle behandelt werden. Eine CNV kann zu Blutungen und plötzlichem Sehverlust führen und wird mit Spritzen ins Auge behandelt.

  • Atrophie des Pigmentepithels: flächiger Schwund der Pumpzellen, oft mit dauerhafter Sehminderung
  • Zystische Veränderungen: Hohlräume in der Netzhaut bei sehr langem Verlauf
  • Polypoidale Vaskulopathie: eine besondere Form von Gefäßaussackungen unter der Netzhaut
  • Bullöse Form: sehr selten, große Blasen bis zur Ablösung der unteren Netzhaut, vor allem unter hochdosiertem Kortison
  • Narben nach klassischer Laserbehandlung mit kleinem Ausfall im Gesichtsfeld

Bleiben nach der Abheilung Beschwerden?

Auch nach einer gut abgeheilten CSC können leichte Restbeschwerden bleiben. Dazu gehören eine geringe Verzerrung, ein etwas dunkleres Bild, blassere Farben und eine verminderte Kontrastempfindlichkeit. Viele Betroffene bemerken das nur im direkten Vergleich mit dem anderen Auge. Im Alltag gewöhnen sich die meisten gut daran.

Was beeinflusst den Verlauf?

Ein längerer Verlauf ist wahrscheinlicher bei einer sehr dicken Aderhaut, einer höheren Abhebung des Pigmentepithels und einem Alter über 40 Jahren. Auch fortgesetzte Kortisonbehandlung, Rückfälle und eine lange Flüssigkeitsdauer über vier bis sechs Monate verschlechtern die Aussichten. Kortisonbedingte Sonderformen wie die diffuse Epitheliopathie haben eine ungünstigere Prognose. Eine erste, kurze Episode bei einem jüngeren Menschen heilt dagegen meist folgenlos ab.

Kann man durch eine CSC erblinden?

Eine vollständige Erblindung durch eine CSC ist nicht zu erwarten, weil das seitliche Sehen erhalten bleibt. Bei der typischen akuten Form kehrt das Sehen meist weitgehend zurück. Ein dauerhafter, teils deutlicher Verlust des zentralen Sehens ist vor allem bei chronischen und wiederkehrenden Verläufen möglich. Deshalb sind Kontrollen und eine rechtzeitige Behandlung so wichtig.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (8)

Kann man einer CSC vorbeugen?

Sicher vorbeugen lässt sich einer CSC nicht, aber einige Auslöser lassen sich meiden oder verringern. Das gilt vor allem für Kortison und für Risikofaktoren wie Schlafmangel und unbehandelten Bluthochdruck. Ob solche Maßnahmen Rückfälle tatsächlich verhindern, ist in Studien nicht sicher belegt. Sie sind aber auch für die allgemeine Gesundheit sinnvoll.

Wie gehe ich mit Kortison um?

Sagen Sie allen behandelnden Ärztinnen und Ärzten, dass Sie schon einmal eine CSC hatten. Kortison sollte dann nur eingesetzt werden, wenn es wirklich nötig ist, und so niedrig dosiert wie möglich. Das gilt auch für Salben, Nasensprays, Asthmasprays und Spritzen in Gelenke oder an die Wirbelsäule. Fragen Sie in der Apotheke nach, ob ein rezeptfreies Mittel Kortison enthält.

Wenn Sie Kortison wegen einer Grunderkrankung brauchen, setzen Sie es nie selbst ab. Bemerken Sie unter einer Kortisonbehandlung eine Sehstörung, lassen Sie zeitnah die Augen untersuchen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft empfiehlt genau das.

Hilft Stressabbau?

Stressabbau wird von vielen Kliniken empfohlen, ein Beweis, dass er die CSC verhindert oder heilt, fehlt jedoch. Trotzdem spricht viel dafür, belastende Phasen ernst zu nehmen. Ausreichend Schlaf, feste Ruhezeiten, Bewegung und, wenn nötig, Unterstützung durch eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten können helfen. Britische Kliniken empfehlen sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht.

Schlafapnoe, Blutdruck und Rauchen

Wer laut schnarcht oder nachts Atemaussetzer hat, sollte eine Schlafapnoe abklären lassen. Ein erhöhter Blutdruck sollte erkannt und behandelt werden. Rauchen aufzugeben, Alkohol und große Mengen Koffein zu reduzieren, wird von britischen Kliniken ebenfalls empfohlen. Die Wirkung dieser Maßnahmen auf die CSC ist nicht eigens bewiesen, sie lohnen sich aber für Herz und Gefäße.

Andere Medikamente überprüfen

Nehmen Sie regelmäßig Potenzmittel, abschwellende Nasensprays oder Aufputschmittel, sprechen Sie das bei der Augenärztin oder dem Augenarzt an. In Einzelfällen hat das Absetzen geholfen. Die Belege sind schwach, aber ein Gespräch schadet nicht. Auch hier gilt: nicht eigenmächtig absetzen, wenn das Medikament wegen einer Erkrankung verordnet wurde.

Wie oft sollte ich zur Kontrolle?

Während einer aktiven CSC sind Kontrollen mit OCT meist alle paar Wochen sinnvoll, nach der Abheilung in größeren Abständen. Den genauen Abstand legt Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt fest. Zwischen den Terminen können Sie mit dem Abdecktest oder dem Amsler-Gitter selbst prüfen, ob sich etwas verändert. Eine allgemeine Früherkennungsuntersuchung für die CSC gibt es nicht.

Lesen, Bildschirmarbeit und Beruf

Lesen und Bildschirmarbeit schaden dem Auge bei einer CSC nicht, sie sind nur anstrengender. Größere Schrift, gutes Licht und eine höhere Bildschirmvergrößerung erleichtern die Arbeit. Bei Berufen mit hohen Anforderungen an das Sehen kann ein Gespräch mit dem Arbeitgeber über vorübergehende Anpassungen sinnvoll sein. Bei chronischen Verläufen mit bleibender Sehminderung helfen vergrößernde Sehhilfen und eine Beratung durch Sehbehindertenverbände.

Darf ich Auto fahren?

Ob Sie Auto fahren dürfen, hängt von der Sehschärfe und dem Gesichtsfeld beider Augen zusammen ab und sollte mit der Augenärztin oder dem Augenarzt besprochen werden. Ist nur ein Auge betroffen und erfüllt das andere die Anforderungen, ist das Fahren oft weiter möglich. Fahren Sie nicht, solange Sie sich unsicher fühlen oder Entfernungen schlecht einschätzen können. Nach dem Weittropfen der Pupillen dürfen Sie für einige Stunden nicht selbst fahren.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (5)

Ist eine CSC ein Notfall?

Nein, eine typische CSC ist kein Notfall, sollte aber innerhalb weniger Tage augenärztlich untersucht werden. Der Grund: Ähnliche Beschwerden können auch von Erkrankungen kommen, die rasch behandelt werden müssen. Dazu gehören die feuchte Makuladegeneration, Gefäßneubildungen, Entzündungen und Tumoren. Erst die Untersuchung zeigt, ob wirklich eine CSC vorliegt.

Wann muss ich sofort zum Arzt?

Gehen Sie noch am selben Tag in eine Augenarztpraxis, eine Augenklinik oder eine Notaufnahme, wenn eines dieser Zeichen auftritt:

  • Lichtblitze oder plötzlich viele neue schwarze Punkte („Rußregen“)
  • ein Schatten, Vorhang oder eine Wand, die vom Rand her ins Gesichtsfeld wandert
  • plötzlicher, sehr starker Sehverlust an einem Auge
  • Schmerzen, Rötung oder starke Lichtscheu zusammen mit der Sehstörung
  • Sehstörung zusammen mit Kopfschmerzen, Lähmungen, Sprachstörungen oder Doppelbildern

Diese Warnzeichen passen nicht zu einer CSC und können auf eine Netzhautablösung, einen Gefäßverschluss oder eine andere ernste Erkrankung hinweisen. Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann sollte ich innerhalb weniger Tage kommen?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie untersucht werden, wenn das Sehen in der Mitte neu verzerrt, verschwommen oder dunkler wird. Das gilt auch, wenn Dinge plötzlich kleiner erscheinen oder Farben blasser. Besonders wichtig ist eine rasche Abklärung, wenn Sie Kortison in irgendeiner Form verwenden oder schwanger sind. Bei bekannter CSC gehört auch ein Rückfall nach scheinbarer Abheilung in diese Gruppe.

Wann ist eine erneute Kontrolle dringend?

Ist eine CSC bereits bekannt, sollten Sie sich vor dem nächsten geplanten Termin melden, wenn sich das Sehen deutlich verschlechtert. Ein plötzlicher Sehverlust kann auf eine Gefäßneubildung hinweisen, die rasch mit Spritzen behandelt werden sollte. Auch ein neuer dunkler Fleck oder eine stärkere Verzerrung sind Gründe für einen früheren Termin. Ebenso, wenn das zweite Auge Beschwerden bekommt.

Was kann warten?

Routinemäßige Kontrollen reichen, wenn sich die Beschwerden langsam bessern und die Abstände mit der Augenärztin oder dem Augenarzt abgesprochen sind. Das gilt auch für leichte, stabile Restbeschwerden nach einer abgeheilten CSC. Bleibt die Flüssigkeit länger als drei bis vier Monate bestehen, sollte aber gezielt über eine Behandlung gesprochen werden.

9 Häufige Fragen

Was ist eine Retinopathia centralis serosa?

Die Retinopathia centralis serosa, auch zentrale seröse Chorioretinopathie (CSC) genannt, ist eine Ansammlung von klarer Flüssigkeit unter der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens. Die Flüssigkeit tritt aus einer verdickten, undichten Aderhaut aus und hebt die Netzhautmitte wie eine kleine Blase an. Das Sehen in der Mitte wird verzerrt, dunkler und unscharf.

Geht eine CSC von alleine weg?

Meist ja. Bei der akuten Form verschwindet die Flüssigkeit in rund 85 bis 90 Prozent der Fälle innerhalb von drei bis sechs Monaten von selbst. Bleibt sie länger als drei bis vier Monate, sollte über eine Behandlung gesprochen werden, damit die Sinneszellen keinen dauerhaften Schaden nehmen.

Kann Kortison-Salbe oder Nasenspray eine CSC auslösen?

Ja, das ist möglich. Kortison kann in jeder Form eine CSC auslösen, auch als Hautsalbe, Nasenspray, Asthmaspray oder Gelenkspritze. Das Risiko ist insgesamt gering, aber gut belegt. Setzen Sie verordnetes Kortison trotzdem nie selbst ab, sondern besprechen Sie das mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt.

Ist Stress schuld an meiner CSC?

Stress gilt als möglicher Auslöser, ist aber nicht sicher bewiesen. Viele Betroffene erkranken in belastenden Lebensphasen, und Stresshormone wirken auf die Aderhautgefäße. Neuere Studien mit standardisierten Fragebögen fanden jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang mit bestimmten Persönlichkeitszügen. Stressabbau schadet nicht, ist aber keine bewiesene Behandlung.

Wie oft kommt eine CSC wieder?

Etwa 30 bis 50 Prozent der Betroffenen haben mindestens einen Rückfall, die Hälfte davon im ersten Jahr. Er kann am selben oder am anderen Auge auftreten. Wer das Abdecken eines Auges oder das Amsler-Gitter regelmäßig nutzt, bemerkt einen Rückfall früh.

Kann man durch eine CSC blind werden?

Eine vollständige Erblindung ist nicht zu erwarten, weil das seitliche Sehen erhalten bleibt. Bei der akuten Form erholt sich das Sehen meist gut. Bei chronischen und häufig wiederkehrenden Verläufen kann das zentrale Sehen aber dauerhaft und teils deutlich nachlassen.

Hilft Eplerenon bei CSC?

Ein sicherer Nutzen ist nicht belegt. Kleinere Studien zeigten einen schnelleren Rückgang der Flüssigkeit, die große VICI-Studie fand bei chronischer CSC aber keinen Vorteil für das Sehen. Im direkten Vergleich war die photodynamische Therapie deutlich wirksamer. Eplerenon ist für die CSC nicht zugelassen und erfordert Kaliumkontrollen.

Was ist eine PDT bei CSC und tut sie weh?

Bei der photodynamischen Therapie wird der Wirkstoff Verteporfin in eine Armvene gegeben und danach die undichte Stelle mit einem kalten Laserlicht bestrahlt. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft, das Auge wird vorher betäubt. Danach müssen Sie etwa zwei Tage helles Sonnenlicht meiden. Bei der CSC wird meist eine reduzierte Dosis verwendet.

Brauche ich bei CSC eine neue Brille?

Meist nicht. Die Flüssigkeit macht das Auge vorübergehend weitsichtiger, deshalb scheint die Lesebrille nicht mehr zu passen. Die Werte schwanken aber und gehen nach der Abheilung zurück. Warten Sie mit einer neuen Brille, bis sich das Sehen stabilisiert hat.

Warum bekommen vor allem Männer eine CSC?

Das ist nicht genau bekannt. Männer erkranken etwa sechs- bis achtmal häufiger als Frauen, vermutet werden Unterschiede im Hormonhaushalt und in der Gefäßregulation. Frauen erkranken seltener und später, oft im Zusammenhang mit Kortison oder einer Schwangerschaft.

Ist eine CSC ansteckend oder erblich?

Ansteckend ist eine CSC nicht. Ein klarer Erbgang ist nicht bekannt, eine familiäre Häufung kommt aber vor, besonders bei beidseitiger Erkrankung. Bestimmte Genvarianten werden erforscht, ihre Bedeutung für den Einzelnen ist noch unklar.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 24 Quellen anzeigen
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  2. Chorio-retinopathia centralis serosa – Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Augenheilkunde (DE)
  3. Chorioretinopathie (CSR/RCS) – Stadtspital Zürich, Augenmedizin (DE)
  4. Drug Safety Mail 2017-32: Kortikosteroide und zentrale seröse Chorioretinopathie – Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) (DE)
  5. Differenzialdiagnosen der Chorioretinopathia centralis serosa: Handelt es sich wirklich um eine CSC? – Die Ophthalmologie (2025) (DE)
  6. Clinical Landscape of Central Serous Chorioretinopathy in Germany: Retina.net CSC Registry Report Number 1 – Ophthalmologica (2024) (EN)
  7. Central Serous Chorioretinopathy – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
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  10. Central Serous Retinopathy (CSR) – Manchester Royal Eye Hospital, NHS (EN)
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  12. Central serous choroidopathy – MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine (EN)
  13. Treatment of central serous chorioretinopathy: new options for an old disease – PubMed Central (Übersichtsarbeit) (EN)
  14. Traitements de la choriorétinopathie séreuse centrale – Cochrane (Cochrane Database of Systematic Reviews 2025) (FR)
  15. Corticoïdes et choriorétinite séreuse centrale – Bulletin de la Société belge d'Ophtalmologie (2007) (FR)
  16. Choriorétinite séreuse centrale après prise d'inhibiteurs de la phosphodiestérase de type 5 – Revue Médicale de Liège (2017) (FR)
  17. Maladies de la rétine : des résultats prometteurs pour traiter la choriorétinite séreuse centrale – Fondation pour la Recherche Médicale (FR)
  18. Ceci n'est pas une choriorétinite séreuse centrale ! – PAMJ Clinical Medicine (2020) (FR)
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  20. Coriorretinopatía serosa central (Serie sobre la salud de la retina) – American Society of Retina Specialists (ES)
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  23. Espironolactona en la coriorretinopatía serosa central aguda – IntraMed (ES)
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