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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Fehlsichtigkeit

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Kurzsichtigkeit (Myopie) ist eine Fehlsichtigkeit, bei der man in der Nähe scharf und in der Ferne unscharf sieht, meist weil der Augapfel zu lang gewachsen ist. Sie beginnt typischerweise im Schulalter, nimmt bis ins junge Erwachsenenalter zu und lässt sich mit Brille, Kontaktlinsen oder Operation ausgleichen; bei Kindern kann das Fortschreiten gebremst werden.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 44 Minuten · 34 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

Kurzsichtige Menschen sehen in der Nähe scharf und in der Ferne verschwommen. Das Licht, das ins Auge fällt, wird nicht genau auf der Netzhaut gebündelt, sondern schon ein Stück davor. Fast immer liegt das daran, dass der Augapfel von vorn nach hinten zu lang ist. Schon ein Millimeter mehr Länge macht etwa drei Dioptrien Kurzsichtigkeit aus.

Die Stärke wird in Dioptrien (dpt) mit Minuszeichen angegeben, zum Beispiel −2,0 dpt. Ab etwa −6 dpt oder einer Augenlänge von mehr als 26 Millimetern spricht man von hoher Myopie. Leichte und mittlere Kurzsichtigkeit ist vor allem eine Frage der richtigen Sehhilfe. Hohe Kurzsichtigkeit dagegen erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen der Netzhaut, des Sehnervs und der Linse.

Kurzsichtigkeit beginnt meist im Grundschulalter und nimmt bis nach der Pubertät zu. Danach ändert sie sich meist nur noch wenig. Ursache ist ein Zusammenspiel von Erbanlagen und Lebensweise: Viel Naharbeit und wenig Zeit im Tageslicht begünstigen das Längenwachstum des Auges.

Weltweit nimmt Kurzsichtigkeit stark zu. Für das Jahr 2050 wird geschätzt, dass etwa die Hälfte der Menschheit kurzsichtig sein könnte. In Deutschland liegt der Anteil bei Kindern bisher deutlich niedriger als in Ostasien, und ein sicherer Anstieg ist hierzulande für die letzten zwei Jahrzehnte nicht belegt.

Brille, Kontaktlinsen, Laser und Linsenimplantate gleichen die Unschärfe aus, verkürzen das Auge aber nicht. Bei Kindern lässt sich das Fortschreiten mit Zeit im Freien, niedrig dosierten Atropin-Augentropfen sowie speziellen Brillengläsern und Kontaktlinsen bremsen, aber nicht vollständig aufhalten. Wer stark kurzsichtig ist, sollte die Warnzeichen einer Netzhautablösung kennen und die Netzhaut regelmäßig kontrollieren lassen.

2 Symptome

In diesem Kapitel (19)

Woran erkennt man Kurzsichtigkeit?

Das Leitsymptom ist unscharfes Sehen in der Ferne bei gutem Sehen in der Nähe. Verkehrsschilder, Anzeigetafeln, die Schultafel, Gesichter auf der anderen Straßenseite oder Blätter an Bäumen wirken verschwommen. Je näher etwas rückt, desto schärfer wird es. Lesen, Handy und Handarbeit gelingen ohne Brille meist problemlos.

Wie weit man ohne Sehhilfe scharf sieht, hängt von der Stärke ab. Bei −1 dpt liegt der Fernpunkt (die größte Entfernung, in der noch scharf gesehen wird) bei etwa einem Meter, bei −2 dpt bei 50 Zentimetern, bei −4 dpt bei 25 Zentimetern. Bei hoher Myopie ist schon alles in Armlänge unscharf, und auch der mittlere Abstand, etwa zum Bildschirm, wird schwierig.

Wie fühlt sich Kurzsichtigkeit im Alltag an?

Leichte Kurzsichtigkeit fällt oft lange nicht auf, weil das Gehirn sich an die Unschärfe gewöhnt. Viele Betroffene bemerken sie erst, wenn sie zum ersten Mal mit Brille hinausgehen und plötzlich einzelne Blätter, Dachziegel oder Gesichter erkennen. Typische Alltagssituationen, in denen die Unschärfe stört:

  • Straßenschilder und Hausnummern lassen sich erst spät lesen.
  • Untertitel, Anzeigetafeln am Bahnhof oder Folien im Hörsaal sind schwer zu entziffern.
  • Bekannte werden auf Entfernung nicht erkannt; Betroffene wirken dadurch manchmal unfreundlich.
  • Ballsport ist schwierig, weil der Ball erst spät scharf wird.
  • Beim Fernsehen setzt man sich näher heran.

Warum kneifen Kurzsichtige die Augen zusammen?

Durch das Zusammenkneifen der Lider wird die Öffnung, durch die Licht ins Auge fällt, kleiner, und das Bild wird schärfer. Das funktioniert wie eine Lochblende bei der Kamera: Ein schmaleres Lichtbündel erzeugt kleinere Unschärfekreise auf der Netzhaut. Der Fachbegriff „Myopie“ geht auf dieses Blinzeln zurück; er stammt vom griechischen Wort für „die Augen schließen“. Dauerhaftes Kneifen strengt die Gesichtsmuskulatur an und kann Kopfschmerzen begünstigen.

Welche Begleitbeschwerden kommen vor?

Vor allem bei nicht oder nicht ausreichend korrigierter Kurzsichtigkeit treten neben der Unschärfe weitere Beschwerden auf. Sie entstehen meist durch die Anstrengung, trotz Unschärfe etwas erkennen zu wollen:

  • Müde, angestrengte Augen, besonders am Abend oder nach langem Autofahren
  • Kopfschmerzen, oft über den Augen oder an der Stirn; sie sind bei Kurzsichtigkeit insgesamt seltener als bei Weitsichtigkeit
  • Brennende, trockene oder tränende Augen, häufiges Blinzeln
  • Druckgefühl um die Augen, Augenreiben
  • Gelegentlich Schwindel oder ein Gefühl von Unsicherheit in fremder Umgebung

Diese Beschwerden sind unspezifisch. Sie kommen auch bei Hornhautverkrümmung, Weitsichtigkeit oder einem trockenen Auge vor. Verschwinden sie mit einer passenden Brille, war meist die Fehlsichtigkeit die Ursache.

Sehen Kurzsichtige nachts schlechter?

Ja, Kurzsichtigkeit macht sich in der Dämmerung und nachts oft stärker bemerkbar als tagsüber. Im Dunkeln wird die Pupille weit, der Lochblendeneffekt fällt weg und die Unschärfe nimmt zu. Zusätzlich verschiebt sich der Brennpunkt des Auges bei wenig Licht etwas nach vorn; man spricht von Nachtmyopie. Manche Menschen, die tagsüber ohne Brille zurechtkommen, brauchen deshalb zum Autofahren bei Nacht eine schwache Sehhilfe.

Typisch sind außerdem Lichthöfe (Halos) und Strahlen um Scheinwerfer und Straßenlaternen. Sie können auch nach Laserbehandlungen oder bei beginnendem Grauen Star auftreten und sollten deshalb bei neuem Auftreten augenärztlich eingeordnet werden.

Woran bemerken Eltern Kurzsichtigkeit bei ihrem Kind?

Viele kurzsichtige Kinder klagen selbst nicht, weil sie nicht wissen, wie scharfes Sehen aussieht. Sie halten ihr unscharfes Bild für normal. Deshalb sind Beobachtungen von Eltern, Erziehern und Lehrkräften besonders wichtig. Hinweise sind:

  • Das Kind kann die Tafel schlecht lesen, das Heft oder Buch aber gut.
  • Es schreibt von der Tafel falsch ab oder fragt oft beim Banknachbarn nach.
  • Es möchte in der Klasse weiter vorn sitzen.
  • Es sitzt sehr nah am Fernseher oder hält Tablet, Handy und Bücher sehr dicht vors Gesicht.
  • Es kneift die Augen zusammen, blinzelt viel oder zieht mit dem Finger am äußeren Lidwinkel, um schärfer zu sehen.
  • Es reibt sich häufig die Augen oder klagt über Kopfschmerzen nach der Schule.
  • Es erkennt Freunde oder Eltern auf dem Schulhof oder Spielplatz erst spät.
  • Es wirkt bei Ballspielen ungeschickt oder zieht sich von Sportarten zurück, bei denen man weit sehen muss.
  • Es interessiert sich wenig für Dinge in der Ferne, etwa Tiere auf einer Wiese oder Flugzeuge am Himmel.

Häufig ist ein nicht bestandener Sehtest beim Kinderarzt, in der Schule oder bei der Führerscheinprüfung der erste Hinweis. Ein unauffälliger Sehtest bei der Vorsorge schließt eine beginnende Kurzsichtigkeit aber nicht sicher aus, denn solche Siebtests sind vor allem auf Schwachsichtigkeit und starke Fehlsichtigkeit ausgelegt.

Kann Kurzsichtigkeit die Schulleistung beeinflussen?

Ja, schlechtes Sehen in die Ferne kann Lernen, Aufmerksamkeit und das Miteinander in der Klasse beeinträchtigen. Ein Kind, das die Tafel nicht erkennt, wirkt manchmal unkonzentriert oder unruhig, obwohl es eigentlich nur nicht sieht, was dort steht. Auch Unsicherheit beim Sport und im Straßenverkehr ist möglich. Eine passende Brille behebt diese Probleme meist sofort.

Wie zeigt sich Kurzsichtigkeit bei Kleinkindern?

Kurzsichtigkeit vor dem sechsten Lebensjahr ist selten und verdient besondere Aufmerksamkeit. Die meisten Neugeborenen sind leicht weitsichtig, und bis zum Alter von fünf bis sieben Jahren sehen die meisten Kinder normal oder sind noch leicht weitsichtig. Tritt eine deutliche Myopie sehr früh auf, steckt manchmal eine erbliche Augen- oder Bindegewebserkrankung dahinter, zum Beispiel ein Marfan-Syndrom oder eine angeborene Netzhauterkrankung.

Kleinkinder zeigen kaum typische Beschwerden. Mögliche Hinweise sind ein auffallend kurzer Abstand beim Anschauen von Bilderbüchern, wenig Interesse an entfernten Dingen, Augenzittern oder ein Auge, das zeitweise abweicht. Bei solchen Beobachtungen oder bei stark kurzsichtigen Eltern ist eine augenärztliche Untersuchung vor der Einschulung sinnvoll.

Was bedeutet es, wenn ein Auge stärker kurzsichtig ist?

Kurzsichtigkeit betrifft meist beide Augen, aber nicht immer gleich stark. Ein deutlicher Unterschied zwischen beiden Augen heißt Anisometropie. Er fällt oft nicht auf, weil das bessere Auge die Arbeit übernimmt. Gerade bei kleinen Kindern ist das wichtig: Bekommt ein Auge über Jahre ein unscharfes Bild, kann es sich nicht richtig entwickeln, und es entsteht eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie). Auch Schielen tritt bei stärkerer Kurzsichtigkeit häufiger auf.

Ein einfacher Hinweis zu Hause: Hält man dem Kind spielerisch abwechselnd ein Auge zu und es wehrt sich nur auf einer Seite, sieht das andere Auge möglicherweise schlechter. Ein sicherer Test ist das nicht, aber ein Grund für eine Untersuchung.

Wie verändern sich die Beschwerden mit der Zeit?

Bei der typischen Schulmyopie wird die Fernsicht über die Jahre schrittweise schlechter. Viele Kinder brauchen jedes Jahr oder alle zwei Jahre stärkere Gläser, oft in Phasen schnellen Körperwachstums. Im Mittel nimmt die Kurzsichtigkeit bei Schulkindern um etwa 0,5 dpt pro Jahr zu, bei Kindern ostasiatischer Herkunft oft schneller. Ab dem frühen Erwachsenenalter wird sie meist stabil.

Wer merkt, dass die Brille „nicht mehr reicht“, dass er Schilder später lesen kann oder nachts schlechter zurechtkommt, sollte die Stärke prüfen lassen. Bei Erwachsenen kann eine neu auftretende oder rasch zunehmende Kurzsichtigkeit auch ein Hinweis auf eine andere Ursache sein, etwa einen beginnenden Grauen Star.

Kurzsichtigkeit bei Erwachsenen und Älteren

Bei Erwachsenen bleibt die Kurzsichtigkeit meist über Jahrzehnte gleich; sie kann sich aber auch im Erwachsenenalter neu entwickeln oder weiter zunehmen. Ein Teil der Erwachsenen nimmt nach dem 20. Lebensjahr noch um mehr als eine Dioptrie zu, vor allem bei viel Bildschirm- und Lesearbeit. Ab etwa Mitte 40 kommt die Alterssichtigkeit hinzu. Kurzsichtige bemerken sie oft später, weil sie zum Lesen einfach die Brille abnehmen können.

Im höheren Alter kann der Graue Star eine sogenannte Brechungsmyopie auslösen: Die getrübte Linse bricht das Licht stärker, die Fernsicht wird schlechter, und manche können plötzlich wieder ohne Lesebrille lesen. Diese „zweite Lesekraft“ ist kein Zeichen besserer Augen, sondern ein Grund für eine Untersuchung.

Welche Formen der Kurzsichtigkeit gibt es?

Fachleute unterscheiden Kurzsichtigkeit nach Ursache, Stärke und Verlauf. Die Einteilung hilft, das eigene Risiko einzuschätzen:

FormWas steckt dahinter?Typische Merkmale
AchsenmyopieAugapfel zu langhäufigste Form, Beginn meist im Schulalter
BrechungsmyopieHornhaut oder Linse brechen zu starkz. B. bei Keratokonus oder Grauem Star
Einfache SchulmyopieLängenwachstum im Rahmen der Entwicklungmeist unter −6 dpt, stabil ab dem frühen Erwachsenenalter
Hohe Myopiestark verlängertes Augeab etwa −6 dpt oder über 26 mm Augenlänge
Pathologische (degenerative) MyopieDehnungsschäden an Netzhaut, Aderhaut und Lederhautkann das zentrale Sehen gefährden
PseudomyopieVerkrampfung des Fokussiermuskelsschwankende Werte, verschwindet unter pupillenerweiternden Tropfen
Induzierte MyopieMedikamente, schwankender Blutzucker, andere Erkrankungenoft vorübergehend

Nach der Stärke wird grob eingeteilt in leicht (bis etwa −3 dpt), mittel (etwa −3 bis −6 dpt) und hoch (ab etwa −6 dpt). Die Grenzen werden in Ländern und Fachgesellschaften leicht unterschiedlich gezogen.

Was ist eine Pseudomyopie?

Eine Pseudomyopie ist eine scheinbare Kurzsichtigkeit durch einen Krampf des Ziliarmuskels, der die Linse für die Nähe scharf stellt. Sie kann nach langer, intensiver Naharbeit auftreten, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Die Fernsicht ist dann vorübergehend unscharf, die Werte schwanken von Tag zu Tag. Pupillenerweiternde Augentropfen entspannen den Muskel und zeigen, ob eine echte Kurzsichtigkeit vorliegt.

Welche Beschwerden treten bei hoher Kurzsichtigkeit auf?

Hohe Kurzsichtigkeit macht im Alltag zunächst vor allem durch die starke Abhängigkeit von der Sehhilfe Probleme. Ohne Brille oder Linsen ist man kaum orientiert. Sehr starke Brillengläser verkleinern zudem das Bild, haben dicke Ränder und schränken das scharfe Blickfeld ein. Kontaktlinsen bilden in diesem Fall die Umgebung natürlicher ab.

Häufig sind bei hoher Myopie Glaskörpertrübungen, die als „fliegende Mücken“, Fäden oder Schlieren wahrgenommen werden (Mouches volantes). Sie entstehen, weil sich der gelartige Glaskörper im langen Auge früher verflüssigt und abhebt. Bestehende, gleichbleibende Trübungen sind meist harmlos. Plötzlich neue oder viel mehr Punkte sind dagegen ein Warnzeichen.

Wie kündigen sich Folgeschäden an der Netzhaut an?

Die wichtigsten Warnzeichen einer Netzhautablösung sind Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte („Rußregen“) und ein Schatten oder Vorhang, der sich von einer Seite ins Gesichtsfeld schiebt. Die Ablösung tut nicht weh. Gerade weil Schmerzen fehlen, wird sie oft unterschätzt. Die Lichtblitze fallen vor allem im Dunkeln oder bei Augenbewegungen auf.

Bei einer Netzhautablösung können weitere Zeichen hinzukommen:

  • Nebel- oder Schleiersehen auf einem Auge
  • gerade Linien erscheinen gewellt
  • ein Teil des Gesichtsfelds fehlt, etwa beim Treppensteigen oder Lesen
  • plötzliche deutliche Sehverschlechterung

Manche Netzhautrisse und beginnende Ablösungen machen anfangs gar keine Beschwerden und werden nur bei einer Untersuchung des Augenhintergrunds entdeckt. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen bei hoher Myopie wichtig.

Wie zeigt sich eine Schädigung der Makula bei hoher Myopie?

Schäden an der Stelle des schärfsten Sehens äußern sich durch verzerrtes Sehen, einen grauen oder dunklen Fleck in der Bildmitte oder ein rasch nachlassendes Lesevermögen. Gerade Linien wie Türrahmen, Fliesenfugen oder Textzeilen erscheinen gebogen (Metamorphopsie). Ursache kann eine Gefäßneubildung unter der Netzhaut sein, eine myope choroidale Neovaskularisation, ähnlich wie bei der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration. Sie tritt bei Myopie aber oft schon im mittleren Lebensalter auf.

Langsamer schleichende Veränderungen, etwa ein allmähliches Ausdünnen der Netzhaut und Aderhaut (Atrophie), machen sich oft erst spät bemerkbar. Betroffene berichten, dass sie trotz neuer Brille nicht mehr so scharf sehen wie früher, dass Kontraste nachlassen oder dass sie mehr Licht zum Lesen brauchen. Ein Selbsttest mit dem Amsler-Gitter (ein Karoraster mit Punkt in der Mitte) kann helfen, Verzerrungen früh zu bemerken; er ersetzt aber keine Untersuchung.

Kann hohe Kurzsichtigkeit unbemerkt Schaden anrichten?

Ja, einige Folgeerkrankungen verlaufen lange ohne Beschwerden. Das gilt besonders für den Grünen Star (Glaukom), der bei Kurzsichtigen häufiger vorkommt und schwerer zu erkennen ist, weil der Sehnervenkopf im langen Auge ohnehin schräg und verändert aussieht. Gesichtsfeldausfälle am Rand fallen erst spät auf. Auch Netzhautausdünnungen am Rand und kleine Löcher bleiben meist unbemerkt.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige sehen manchmal Veränderungen, bevor der Betroffene sie selbst einordnet. Dazu gehören häufiges Kneifen, Stolpern auf Treppen, Unsicherheit beim Autofahren in der Dämmerung, ein näheres Heranrücken an den Fernseher oder Unsicherheit beim Erkennen von Gesichtern. Bei älteren Menschen kann ein plötzlich nachlassendes Lesevermögen auf einem Auge auf eine Makulaerkrankung hinweisen. Wer eine solche Veränderung bemerkt, sollte zu einer Untersuchung ermutigen.

Welche Symptome sprechen gegen eine einfache Kurzsichtigkeit?

Einige Beschwerden passen nicht zur gewöhnlichen Kurzsichtigkeit und sollten rasch abgeklärt werden. Dazu gehören Augenschmerzen, ein gerötetes Auge, Doppelbilder, Sehverlust auf nur einem Auge, plötzliche Verschlechterung innerhalb von Tagen und eine Unschärfe, die sich auch mit Brille nicht bessert. Rasch schwankende Sehschärfe kann auf schwankenden Blutzucker hinweisen. Selten steckt hinter einer plötzlich auftretenden Kurzsichtigkeit mit Schmerzen und rotem Auge ein akuter Glaukomanfall, etwa als Nebenwirkung bestimmter Medikamente; das ist ein Notfall.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (9)

Warum sieht ein kurzsichtiges Auge in der Ferne unscharf?

Im kurzsichtigen Auge passen Brechkraft und Länge nicht zusammen: Das Bild entsteht vor der Netzhaut statt auf ihr. Hornhaut und Linse bündeln das Licht wie ein Objektiv. Ist das Auge zu lang, liegt der Brennpunkt zu weit vorn, und auf der Netzhaut kommt ein unscharfer Fleck an. Nahe Gegenstände werfen ihr Bild weiter nach hinten und erscheinen deshalb scharf.

In den allermeisten Fällen ist die Ursache ein zu langer Augapfel (Achsenmyopie). Seltener ist die Länge normal, aber Hornhaut oder Linse brechen das Licht zu stark (Brechungsmyopie), etwa bei Keratokonus, beim Grauen Star, bei stark schwankendem Blutzucker oder durch bestimmte Medikamente.

Wie entsteht ein zu langes Auge?

Das Auge wächst in der Kindheit und wird dabei normalerweise genau auf seine Brechkraft abgestimmt. Diese Feinsteuerung nennt man Emmetropisierung. Die Netzhaut gibt dabei Signale, ob das Bild vor oder hinter ihr liegt, und steuert so das Wachstum der Lederhaut. Bei Kurzsichtigkeit läuft dieses Wachstum zu weit.

Ein Erklärungsmodell geht davon aus, dass ein unscharfes Bild am Rand der Netzhaut, das hinter ihr liegt (periphere hyperope Defokussierung), das Auge zum weiteren Wachsen anregt. Auf dieser Idee beruhen die speziellen Brillengläser und Kontaktlinsen zur Myopiekontrolle. Die Mechanismen sind aber noch nicht vollständig geklärt. Bei hoher Myopie dehnt sich die Lederhaut und wird dünner, und mit ihr Aderhaut und Netzhaut.

Ist Kurzsichtigkeit erblich?

Ja, die Erbanlagen spielen eine Rolle, erklären aber nicht alles. Ist ein Elternteil kurzsichtig, liegt das Risiko des Kindes laut deutscher Stellungnahme bei etwa 30 %, sind es beide, bei etwa 60 %. Zwillingsstudien zeigen eine hohe Übereinstimmung bei eineiigen Zwillingen, und es sind zahlreiche Genregionen beschrieben, die jeweils nur einen kleinen Beitrag leisten.

Gegen eine rein erbliche Erklärung spricht, wie schnell die Häufigkeit in manchen Ländern gestiegen ist. In Taiwan stieg der Anteil kurzsichtiger 12-Jähriger innerhalb von etwa 40 Jahren von 31 % auf 77 %. So schnell ändern sich Gene nicht. Die deutschen Fachgesellschaften bewerten Umwelt und Verhalten deshalb als stärkeren Einfluss als die Genetik. Dazu kommt, dass Kinder kurzsichtiger Eltern oft auch ähnliche Lebensgewohnheiten haben.

Macht Naharbeit kurzsichtig?

Viel Naharbeit gilt als Risikofaktor, auch wenn nicht alle Studien das gleich deutlich zeigen. Nach der deutschen Stellungnahme erhöht jede zusätzliche Stunde Naharbeit pro Woche das Risiko um etwa 2 %. Besonders ungünstig scheinen langes Lesen ohne Pause und ein sehr kurzer Abstand von unter 30 Zentimetern zu sein. Eng mit Kurzsichtigkeit verbunden ist auch die Dauer der Schulbildung.

Bei Bildschirmen ist der Zusammenhang noch nicht abschließend belegt. Fachgesellschaften gehen aber davon aus, dass Tablets und Smartphones vor allem deshalb ungünstig sind, weil sie lange und nah genutzt werden und Zeit im Freien verdrängen. Einzelne Quellen, etwa MedlinePlus, betonen dagegen, dass Lesen oder Fernsehen Kurzsichtigkeit nicht direkt verursachen. Die vorsichtige Zusammenfassung lautet: Viel Naharbeit begünstigt bei veranlagten Kindern das Fortschreiten, ist aber nicht die alleinige Ursache.

Warum schützt Zeit im Freien?

Kinder, die viel draußen sind, werden seltener kurzsichtig. Dieser Zusammenhang ist in vielen Ländern belegt, auch wenn der genaue Grund nicht sicher bekannt ist. Vermutet wird, dass helles Tageslicht die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin in der Netzhaut fördert, der das Längenwachstum des Auges bremst. Außerdem schaut man draußen mehr in die Ferne.

Als Richtwert gelten mindestens zwei Stunden täglich im Freien. Eine Studie der Universitätsklinik Navarra mit 263 Kindern, die die Sonnenbelastung objektiv an Lichtspuren auf der Bindehaut maß, fand: Kurzsichtige Kinder waren im Mittel rund 11 Stunden pro Woche draußen, nicht kurzsichtige rund 14 Stunden, und sie hatten deutlich weniger Lichtspuren. Wie hoch der Schutz genau ist, schwankt zwischen den Studien. Wichtig ist das Tageslicht, nicht eine bestimmte Sportart; auch Spielen im Schatten zählt.

Hat die Corona-Pandemie die Kurzsichtigkeit verstärkt?

In mehreren Ländern wurde während der Pandemie eine Zunahme der Kurzsichtigkeit bei Kindern beobachtet. Als Gründe gelten Homeschooling, mehr Bildschirmzeit und weniger Zeit im Freien. In Spanien war der Anteil kurzsichtiger 5- bis 7-Jähriger nach Angaben der Spanischen Ophthalmologischen Gesellschaft schon vor der Pandemie von 16,8 % (2016) auf 20,4 % (2019) gestiegen; 2023 lag er bei etwa 20 %. Langfristige Folgen der Pandemiejahre sind noch nicht sicher abzuschätzen.

Welche weiteren Risikofaktoren gibt es?

Neben Vererbung, Naharbeit und wenig Tageslicht werden weitere Faktoren diskutiert, deren Bedeutung meist geringer oder unsicher ist:

  • Früher Beginn: Wer schon mit 8 oder 9 Jahren kurzsichtig wird, hat mehr Zeit zum Fortschreiten und erreicht häufiger hohe Werte.
  • Herkunft: Kinder ostasiatischer Herkunft werden häufiger und schneller kurzsichtig.
  • Schlafmangel und hoher Schuldruck werden in französischen Quellen genannt.
  • Geburtsmonat: In Israel und England waren im Sommer Geborene etwas häufiger kurzsichtig; der Grund ist unklar.
  • Luftverschmutzung wird in Einzelstudien mit Myopie in Verbindung gebracht; die Belege sind schwach.
  • Erkrankungen: Frühgeburt, Marfan-Syndrom, Stickler-Syndrom und andere Bindegewebserkrankungen können mit hoher Myopie einhergehen.

Für Ernährung, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine belastbaren Belege. Auch das blaue Licht von Bildschirmen gilt nicht als Ursache. Männer und Frauen sind insgesamt etwa gleich häufig betroffen.

Macht eine zu schwache oder zu starke Brille die Augen schlechter?

Eine bewusst zu schwache Brille bremst die Kurzsichtigkeit nicht und wird nicht empfohlen. Früher wurde Unterkorrektur teils empfohlen; heute raten Fachleute davon ab. Die Brille soll so stark sein, dass das Kind in der Ferne gut sieht, aber auch nicht stärker als nötig. Deshalb ist eine genaue Messung, bei Kindern mit pupillenerweiternden Tropfen, wichtig.

Auch das Nichttragen der Brille macht das Auge nach heutigem Wissen nicht strukturell kränker. Das Kind sieht dann aber schlecht, was Schule, Sport und Sicherheit beeinträchtigt. Bei kleinen Kindern mit starker oder einseitiger Kurzsichtigkeit droht ohne Brille eine Schwachsichtigkeit.

Wer ist besonders gefährdet für Folgeschäden?

Das Risiko für Folgeschäden steigt vor allem mit der Stärke der Kurzsichtigkeit und der Länge des Auges. Dazu kommen das Alter, eine bereits bestehende Netzhautausdünnung und eine Netzhautablösung am anderen Auge. Auch Menschen, die schon als Kind sehr dicke Brillengläser brauchten, und solche mit familiärer hoher Myopie sind stärker gefährdet. Deshalb zielt die Myopiekontrolle bei Kindern darauf, das Auge möglichst wenig wachsen zu lassen.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (10)

Wie wird Kurzsichtigkeit festgestellt?

Kurzsichtigkeit wird durch eine Messung der Sehschärfe und der Brechkraft (Refraktion) festgestellt. Die Untersuchung ist schmerzlos. Am Anfang steht ein Gespräch über Beschwerden, bisherige Brillen, Augenerkrankungen in der Familie und bei Kindern über Seh- und Lesegewohnheiten.

Danach liest man Buchstaben, Zahlen oder Symbole auf einer Sehtafel in etwa fünf bis sechs Metern Abstand. Kinder, die noch nicht lesen können, zeigen die Öffnung von Landolt-Ringen (Ringe mit einer Lücke), Bilder oder E-Haken an. Mit vorgehaltenen Probiergläsern oder einem Phoropter (einem Gerät mit vielen Linsen) wird ermittelt, welches Glas das schärfste Bild ergibt.

Welche Messgeräte werden eingesetzt?

Ein Autorefraktometer misst die Brechkraft des Auges objektiv, ohne dass man antworten muss. Man schaut dabei auf ein Bild im Gerät, etwa ein Haus oder einen Ballon. Bei sehr kleinen Kindern leuchtet die Augenärztin oder der Augenarzt mit einem Skiaskop (Retinoskop) ins Auge und beurteilt den Lichtreflex. Die Hornhautkrümmung wird zusätzlich gemessen, um eine Hornhautverkrümmung oder einen Keratokonus zu erkennen.

Warum bekommen Kinder Tropfen vor der Messung?

Kinder stellen ihr Auge so stark scharf, dass ohne Tropfen eine Kurzsichtigkeit vorgetäuscht oder ihre Stärke überschätzt werden kann. Tropfen, die den Fokussiermuskel vorübergehend lähmen (Zykloplegie), sorgen für ehrliche Messwerte. So lässt sich auch eine Pseudomyopie von einer echten Myopie unterscheiden. Die deutsche Stellungnahme empfiehlt diese Messung besonders bei jüngeren Kindern.

Nach den Tropfen sieht das Kind für einige Stunden, manchmal bis zum nächsten Tag, in der Nähe unscharf und ist lichtempfindlich. Eine Sonnenbrille oder Kappe hilft auf dem Heimweg. Lesen, Hausaufgaben und Autofahren für Jugendliche sind in dieser Zeit eingeschränkt.

Warum wird die Länge des Auges gemessen?

Die Augenlänge (Achslänge) zeigt am zuverlässigsten, ob eine Kurzsichtigkeit fortschreitet. Sie wird berührungsfrei mit einem optischen Biometer gemessen, in wenigen Sekunden. Bei der Myopiekontrolle ist sie der wichtigste Verlaufswert, weil sie auch Veränderungen zeigt, die sich in der Brillenstärke noch nicht abbilden. Für eine verlässliche Beurteilung des Fortschreitens braucht es meist Messungen über mindestens zwölf Monate.

Was wird am Augenhintergrund untersucht?

Bei mittlerer und hoher Kurzsichtigkeit wird die Netzhaut in erweiterter Pupille angeschaut, besonders auch am Rand. Gesucht wird nach Löchern, Rissen und Ausdünnungen, etwa der gitterförmigen Degeneration (Palisadendegeneration), die bei etwa 6 bis 8 % aller Menschen vorkommt und bei Kurzsichtigen häufiger ist. Bei Netzhautlöchern ohne Ablösung kann eine vorbeugende Laserbehandlung sinnvoll sein.

Bei hoher Myopie achtet die Augenärztin oder der Augenarzt auf typische Dehnungszeichen:

  • Tigerfundus: Die Aderhautgefäße scheinen durch die dünne Netzhaut durch.
  • Myoper Konus: ein heller Saum am Sehnervenkopf, oft mit schräg stehender Papille
  • Hinteres Staphylom: eine Ausbuchtung der Augenwand nach hinten, bei etwa einem Drittel der Augen mit hoher Myopie
  • Lacksprünge: feine Risse in der Bruch-Membran unter der Netzhaut
  • Atrophien: Areale, in denen Netzhaut und Aderhaut geschwunden sind
  • Fuchs-Fleck: eine dunkle Narbe nach einer Gefäßneubildung

Welche Bildgebung kommt bei hoher Myopie hinzu?

Die wichtigste Zusatzuntersuchung ist die optische Kohärenztomografie (OCT), eine Schichtaufnahme der Netzhaut mit Licht. Sie zeigt Spaltbildungen in der Netzhaut (Foveoschisis), Makulalöcher und Gefäßneubildungen und eignet sich gut für Verlaufskontrollen. Bei Verdacht auf eine Gefäßneubildung kann eine Gefäßdarstellung mit Farbstoff (Fluoreszein- oder ICG-Angiografie) oder ohne Farbstoff (OCT-Angiografie) folgen. Gesichtsfeldmessung und Augeninnendruck dienen der Suche nach einem Glaukom.

Wie werden Myopie-Schäden an der Makula eingeteilt?

Für die myope Makulopathie gibt es eine internationale Einteilung in fünf Stufen von 0 bis 4. Sie reicht von keinen Veränderungen über den Tigerfundus und diffuse Atrophie bis zu fleckförmiger Atrophie und Atrophie der Makula. Als pathologische Myopie gilt nach heutiger Definition eine Kurzsichtigkeit, bei der mindestens eine diffuse Atrophie vorliegt oder Zusatzzeichen wie Lacksprünge oder Gefäßneubildungen bestehen. Neuere Systeme unterscheiden zusätzlich atrophische, durch Zug bedingte und gefäßbedingte Veränderungen.

Ab wann sollten Kinder augenärztlich untersucht werden?

Ein Sehtest gehört in Deutschland zu den Kinder-Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) und in Österreich zu den Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen. Bei Verdacht auf Kurzsichtigkeit oder wenn Eltern stark kurzsichtig sind, ist eine augenärztliche Untersuchung vor der Einschulung sinnvoll. Französische Fachleute empfehlen eine Untersuchung mit Tropfen ab etwa sechs Jahren, bei Risikofaktoren schon ab vier Jahren. Schul- und Kinderarztscreenings erkennen eine leichte Myopie nicht immer.

Reicht ein Sehtest beim Optiker?

Optikerinnen und Optiker können die Brillenstärke messen, eine augenärztliche Untersuchung ersetzt das aber nicht. Nur in der Augenarztpraxis werden Netzhaut, Sehnerv und Augeninnendruck beurteilt und bei Kindern die Messung mit Tropfen gemacht. Die Spanische Ophthalmologische Gesellschaft warnt, dass der alleinige Gang zum Optiker bei Kindern die Diagnose verzögern kann. In Deutschland braucht eine Brille auf Kassenkosten bei der Erstversorgung eine augenärztliche Verordnung.

Wovon muss Kurzsichtigkeit unterschieden werden?

Nicht jede Unschärfe in der Ferne ist eine einfache Kurzsichtigkeit. Abzugrenzen sind:

  • Pseudomyopie durch Verkrampfung des Fokussiermuskels
  • Brechungsmyopie bei Grauem Star oder Keratokonus
  • vorübergehende Kurzsichtigkeit durch schwankenden Blutzucker oder Medikamente
  • Hornhautverkrümmung, die ebenfalls unscharf macht, aber in allen Entfernungen
  • Erkrankungen der Netzhaut oder des Sehnervs, bei denen auch eine Brille nicht hilft

5 Behandlung

In diesem Kapitel (16)

Kann man Kurzsichtigkeit heilen?

Nein, ein zu langes Auge lässt sich nicht wieder verkürzen. Kurzsichtigkeit kann aber zuverlässig ausgeglichen werden: mit Brille, Kontaktlinsen oder einer Operation. Bei Kindern lässt sich zusätzlich das Fortschreiten bremsen. Augentraining, Vitamine oder Tabletten heilen Kurzsichtigkeit nach heutigem Wissen nicht.

Wie korrigiert eine Brille die Kurzsichtigkeit?

Eine Brille mit Minusgläsern (Zerstreuungsgläsern) verlegt den Brennpunkt nach hinten auf die Netzhaut. Diese Gläser sind in der Mitte dünn und am Rand dick. Bei höheren Werten helfen hochbrechende, dünnere Kunststoffgläser und kleinere Fassungen, das Gewicht und die Randdicke zu verringern. Die Brille ist für Kinder und Erwachsene die einfachste und sicherste Lösung.

Ob die Brille ständig oder nur für die Ferne getragen wird, hängt von der Stärke und den Bedürfnissen ab. Wer leicht kurzsichtig ist, braucht sie oft nur beim Autofahren, im Kino oder in der Schule. Ab etwa −1 dpt wird eine Korrektur meist empfohlen. Nachteile sind Druckstellen, Beschlagen, Spiegelungen und bei hohen Werten ein verkleinertes Bild mit eingeschränktem Blickfeld.

Wann sind Kontaktlinsen sinnvoll?

Kontaktlinsen sitzen direkt auf der Hornhaut und bieten ein natürlicheres Bild und freies Blickfeld, besonders bei hoher Myopie. Es gibt weiche Linsen und formstabile (harte) Linsen. Sie eignen sich für Erwachsene und für viele Kinder. Ein festes Mindestalter gibt es nicht; das Kind muss aber mit dem Einsetzen und der Pflege zurechtkommen, und es sollte immer eine Ersatzbrille geben.

Das wichtigste Risiko ist eine Hornhautentzündung, besonders bei mangelnder Hygiene, Schlafen mit Linsen oder Kontakt mit Leitungswasser. Linsen dürfen nie mit Leitungswasser gereinigt oder aufbewahrt werden. Regelmäßige Kontrollen bei Augenärztin, Augenarzt oder Kontaktlinsenspezialist sind wichtig.

Was ist Myopiekontrolle?

Myopiekontrolle bedeutet, das Längenwachstum des Auges bei Kindern zu bremsen, damit die Kurzsichtigkeit am Ende geringer ausfällt. Jede Dioptrie weniger senkt das spätere Risiko für Netzhautablösung und myope Makulopathie. Die Maßnahmen heilen nicht und bringen das Auge nicht zurück; sie verlangsamen nur. Sie wirken nicht bei jedem Kind gleich gut.

Nach der Stellungnahme der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), des Berufsverbands der Augenärzte (BVA) und der Bielschowsky-Gesellschaft kommt eine Myopiekontrolle vor allem für Kinder zwischen etwa 6 und 14 Jahren infrage, deren Kurzsichtigkeit um mindestens 0,5 dpt pro Jahr zunimmt. Französische Fachleute nennen zusätzlich einen frühen Beginn als Grund. Welche Methode passt, entscheiden Familie und Augenarzt gemeinsam; Mitarbeit des Kindes ist entscheidend.

Welche Methoden der Myopiekontrolle gibt es?

Die wichtigsten Verfahren im Überblick, mit Wirkungsangaben aus Studien. Die Zahlen schwanken stark je nach Studie, Bevölkerung und Messgröße:

MethodeWie wird sie angewendet?Bremswirkung in StudienWichtigste Nachteile
Zeit im Freienmindestens 2 Stunden täglichvor allem vorbeugend; etwas langsameres Fortschreitenkeine
Niedrig dosiertes Atropinabends ein Tropfen je Augesehr unterschiedlich, von kaum messbar bis deutlichBlendung, Nahunschärfe, Rebound
Defokus-Brillengläserganztags tragenin Studien etwa um die HälfteUnschärfe beim Seitblick, Eingewöhnung
Weiche Myopiekontroll-Linsentagsüber, meist Tageslinsenje nach Linse etwa 15 bis 60 %Infektionsrisiko, Handhabung
Orthokeratologieharte Linsen nachtsetwa 40 %, je nach Studie etwa 30 bis 70 %Infektionsrisiko, häufige Abbrüche

Klassische Gleitsicht- oder Bifokalgläser werden wegen ihrer geringen Wirkung nicht empfohlen. Einstärkenbrillen und normale Kontaktlinsen korrigieren nur, bremsen aber nicht.

Wie wirken Atropin-Augentropfen?

Niedrig dosiertes Atropin bremst bei vielen Kindern das Längenwachstum des Auges; wie genau, ist nicht geklärt. Atropin wird in höherer Dosis seit langem zum Weitstellen der Pupille genutzt. In niedriger Dosis, meist 0,01 %, wird abends ein Tropfen in jedes Auge gegeben. In der deutschen Stellungnahme ist es für Kinder von 6 bis 14 Jahren mit fortschreitender Myopie die wichtigste medikamentöse Empfehlung.

In der großen LAMP-Studie aus Hongkong nahm die Kurzsichtigkeit nach einem Jahr unter Placebo um 0,81 dpt zu, unter 0,01 % um 0,59 dpt, unter 0,025 % um 0,46 dpt und unter 0,05 % um 0,27 dpt. Höhere Konzentrationen wirken stärker, haben aber mehr Nebenwirkungen. Die 0,5-%-Dosis wird wegen deutlicher Pupillenerweiterung und Nahunschärfe nicht empfohlen.

Wie gut wirkt Atropin bei europäischen Kindern?

Die Wirkung ist bei Kindern europäischer Herkunft wahrscheinlich kleiner als in den meist ostasiatischen Studien. Eine US-Studie mit 187 Kindern zwischen 5 und 12 Jahren fand nach zwei Jahren keinen Unterschied zwischen 0,01 % Atropin und Placebo. Eine große Cochrane-Übersicht von 2025 mit 104 Studien und rund 17.500 Kindern kam zu dem Schluss, dass höhere Dosen am stärksten bremsen, die Wirkung niedriger Dosen aber unsicher und möglicherweise gering ist. Niedrig dosiertes Atropin verringerte das Fortschreiten nach zwei Jahren im Mittel um etwa 0,36 dpt, in nicht-asiatischen Studien weniger.

In der Zulassungsstudie für ein europäisches Fertigarzneimittel mit 0,01 % und 852 Kindern betrug der Vorteil gegenüber Placebo im Mittel etwa 0,13 dpt pro Jahr über 24 Monate. In Deutschland wurde dazu eine eigene Studie (AIM) mit rund 300 Kindern begonnen. Realistisch ist also: Atropin kann helfen, ein Teil der Kinder spricht aber kaum an.

Welche Nebenwirkungen hat niedrig dosiertes Atropin?

Bei 0,01 % sind Nebenwirkungen meist mild und selten. Möglich sind eine leicht erweiterte Pupille, Blendempfindlichkeit, besonders draußen, und etwas unscharfes Sehen in der Nähe. In Studien klagten viele dieser Kinder auch unter Placebo über ähnliche Beschwerden. Selten treten Rötung, Juckreiz oder eine allergische Bindehautreaktion auf. Eine Kontrolle der Verträglichkeit wird nach zwei bis sechs Wochen empfohlen; bei störender Nahunschärfe kann vorübergehend eine Gleitsichtbrille helfen.

Wie lange wird Atropin gegeben, und was passiert nach dem Absetzen?

Atropin wird in der Regel über mehrere Jahre gegeben. Die deutsche Stellungnahme empfiehlt, die Behandlung spätestens nach zwei Jahren oder mit 15 Jahren zu überprüfen. Nach dem Absetzen kann die Kurzsichtigkeit wieder schneller zunehmen (Rebound). Bei 0,01 % war dieser Effekt in Studien gering, bei höheren Dosen stärker. Deshalb wird die Dosis oft schrittweise reduziert.

Wie bekommt man Atropin in Deutschland und Österreich?

Lange gab es niedrig dosiertes Atropin nur als Rezeptur: Die Apotheke stellt konservierungsmittelfreie Tropfen nach augenärztlichem Rezept her. Für diese Anwendung war das ein Off-Label-Gebrauch, also ohne Zulassung, und die gesetzliche Krankenkasse übernahm die Kosten nicht. Inzwischen ist in der EU ein Fertigarzneimittel mit 0,01 % zugelassen, für Kinder von 3 bis 14 Jahren mit einer Myopie zwischen −0,5 und −6 dpt und einem Fortschreiten von mindestens 0,5 dpt pro Jahr.

In Deutschland ist es seit Juli 2025 im Handel. Ob es im jeweiligen Land erhältlich ist und ob die Kasse zahlt, ist unterschiedlich und ändert sich laufend. In Frankreich war es Ende 2025 noch nicht verfügbar; in England empfiehlt die Gesundheitsbehörde NICE in einem Entwurf von 2026, es nicht auf Kosten des staatlichen Gesundheitsdienstes zu bezahlen; die endgültige Entscheidung stand im Herbst 2026 noch aus. Fragen Sie in Deutschland und Österreich in der Augenarztpraxis und bei Ihrer Krankenkasse nach dem aktuellen Stand.

Wie wirken Brillengläser zur Myopiekontrolle?

Defokus-Brillengläser haben in der Mitte die normale Korrektur und ringsum viele kleine Zonen, die das Licht am Netzhautrand vor die Netzhaut bündeln. Das soll dem Auge das Signal zum Weiterwachsen nehmen. In zwei- bis dreijährigen Studien halbierte sich das Fortschreiten ungefähr; die Nahschärfe und das räumliche Sehen blieben erhalten. Ein Nachteil ist eine leichte Unschärfe beim Blick zur Seite, an die sich die meisten Kinder in wenigen Tagen gewöhnen.

Die meisten Studien zu diesen Gläsern wurden von Herstellern unterstützt, und die deutsche Stellungnahme fordert weitere unabhängige Studien. Die Cochrane-Übersicht 2025 stuft den Nutzen ebenfalls als möglich, aber unsicher ein. Vorteil: keine Infektionsgefahr, keine Tropfen, einfache Anwendung, auch für jüngere Kinder.

Wie wirken weiche Kontaktlinsen zur Myopiekontrolle?

Spezielle weiche Linsen haben mehrere Zonen mit unterschiedlicher Brechkraft und erzeugen ähnlich wie die Gläser ein Defokus-Signal am Netzhautrand. In Studien verlangsamten sie das Fortschreiten je nach Design und Stärke der Zusatzzonen um etwa 15 bis 59 %, im Mittel oft um ein Viertel bis die Hälfte. Sie eignen sich vor allem für Kinder ab etwa 7 bis 8 Jahren, die mit Linsen umgehen können. In einer Studie hielt die Wirkung auch nach dem Ende der Behandlung an.

Was ist Orthokeratologie?

Bei der Orthokeratologie (Ortho-K) trägt das Kind nachts formstabile Linsen, die die Hornhaut vorübergehend abflachen, sodass es tagsüber ohne Brille scharf sieht. Gleichzeitig bremst die veränderte Hornhautform das Längenwachstum, laut deutscher Stellungnahme um etwa 40 %. Ortho-K eignet sich für leichte bis mittlere Kurzsichtigkeit bis etwa −5 bis −6 dpt. Die Wirkung hält nur an, solange die Linsen getragen werden; danach kehrt die Hornhaut in ihre ursprüngliche Form zurück.

Die schwerste Komplikation ist eine Hornhautentzündung, unter anderem durch Akanthamöben, die manchmal nicht folgenlos ausheilt. Sie tritt vor allem bei mangelnder Hygiene auf. Die Cochrane-Übersicht bezeichnet Ortho-K als kurzfristig wirksamste optische Methode, aber in manchen Studien brach mehr als die Hälfte der Kinder die Behandlung ab. Ortho-K erfordert eine sorgfältige Anpassung und eine zuverlässige Pflege durch Kind und Eltern.

Kann man Methoden kombinieren?

Ja, einige Methoden lassen sich kombinieren, zum Beispiel Atropin mit Orthokeratologie. Mehrere Studien und Übersichtsarbeiten fanden, dass die Kombination stärker bremst als Ortho-K allein. Für Atropin zusammen mit Defokus-Gläsern oder weichen Myopiekontroll-Linsen gab es zum Zeitpunkt der deutschen Stellungnahme noch keine Studien. Zeit im Freien ergänzt jede Behandlung.

Was ist mit Rotlichttherapie?

Die Behandlung mit niedrig dosiertem rotem Licht, bei der das Kind zweimal täglich für wenige Minuten in ein Gerät schaut, wird derzeit erforscht. Erste Studien zeigen eine Bremswirkung, aber die Langzeitsicherheit für die Netzhaut ist nicht geklärt und nach dem Absetzen ist ein Rebound beschrieben. Die Cochrane-Übersicht bewertet die Belege als sehr unsicher. Sie gehört deshalb derzeit nicht zu den empfohlenen Standardbehandlungen.

Wie läuft eine Myopiekontrolle praktisch ab?

Am Anfang stehen eine genaue Messung in Zykloplegie und eine Messung der Augenlänge. Danach wird eine Methode gewählt, die zu Alter, Kurzsichtigkeit, Alltag und Familie passt. Kontrollen erfolgen zunächst nach wenigen Wochen zur Verträglichkeit und dann etwa alle sechs Monate. Ob die Behandlung wirkt, lässt sich nach frühestens einem Jahr sicher beurteilen.

Welche Operationen gibt es für Erwachsene?

Erwachsene mit stabiler Kurzsichtigkeit können sich mit einem Laser oder einer zusätzlichen Linse von Brille und Kontaktlinsen unabhängig machen. Voraussetzung ist, dass sich die Werte über ein bis zwei Jahre nicht mehr verändert haben; meist ist das ab etwa 18 bis 25 Jahren der Fall. Bei Kindern werden solche Eingriffe nicht gemacht. Es handelt sich um planbare Eingriffe, die ein ausführliches Aufklärungsgespräch und Vorab-Untersuchungen erfordern.

VerfahrenPrinzipGeeignet für
PRK / LASEKLaser trägt Gewebe an der Hornhautoberfläche ableichte bis mittlere Myopie, dünnere Hornhaut
LASIKLaser unter einem dünnen Hornhautdeckelleichte bis mittlere, teils höhere Myopie
SMILELinsenförmiges Gewebe wird durch einen kleinen Schnitt entferntleichte bis mittlere Myopie
Phake Linse (implantierbare Linse)Zusatzlinse vor oder hinter der Iris, eigene Linse bleibthohe Myopie, dünne Hornhaut
Refraktiver LinsentauschEigene Linse wird durch Kunstlinse ersetztmeist ab mittlerem Alter, bei beginnender Alterssichtigkeit

Was kann ein Laser, und wo sind die Grenzen?

Der Laser formt die Hornhaut flacher und gleicht so die Kurzsichtigkeit aus. Je nach Hornhautdicke ist das bis etwa −8 bis −10 dpt möglich. Bei hoher Myopie wird das Ergebnis weniger genau, und eine zu dünne Resthornhaut erhöht das Risiko einer Vorwölbung (Ektasie). Mögliche Nebenwirkungen sind trockene Augen, Blendung, Lichthöfe und schlechteres Nachtsehen; selten kommt es zu schweren Komplikationen. Eine Lesebrille wird im Alter trotzdem nötig.

Nach einer systematischen Übersicht erreichten mit PRK nach einem Jahr bis zu 70 % der Augen ohne Brille volle Sehschärfe, bei hoher Myopie lagen die Ergebnisse schlechter. Ein Verlust von zwei oder mehr Sehschärfezeilen betraf bei niedriger bis mittlerer Myopie höchstens 1 %, bei hoher Myopie bis zu 6 %.

Wann kommt eine implantierbare Linse infrage?

Eine phake Linse wird vor allem bei hoher Kurzsichtigkeit eingesetzt oder wenn die Hornhaut für einen Laser zu dünn ist. Sie wird meist hinter die Iris vor die eigene Linse gesetzt und kann wieder entfernt werden. Voraussetzung sind eine seit etwa zwei Jahren stabile Brillenstärke und ein ansonsten gesundes Auge. Mögliche Spätfolgen sind ein Grauer Star, ein erhöhter Augeninnendruck und selten Entzündungen; in einer koreanischen Langzeitbeobachtung hatten nach zehn Jahren 19 % der Augen eine Linsentrübung entwickelt.

Verringert eine Operation das Risiko einer Netzhautablösung?

Nein. Laser und Linsenimplantate ändern die Augenlänge nicht; das Risiko für Netzhautablösung, myope Makulopathie und Glaukom bleibt gleich. Ein refraktiver Linsentausch erhöht das Netzhautrisiko bei stark kurzsichtigen Augen nach Einschätzung von DOG-Fachleuten wahrscheinlich sogar zusätzlich. Wer als hoch Kurzsichtiger operiert wurde, braucht deshalb weiter regelmäßige Netzhautkontrollen.

Wie werden Folgeschäden der hohen Myopie behandelt?

Für die Folgeschäden gibt es wirksame Behandlungen, die umso besser helfen, je früher sie beginnen. Kein Medikament und keine Operation kann jedoch das Längenwachstum eines erwachsenen Auges rückgängig machen; Verfahren zur Stärkung der Lederhaut sind noch in Erforschung.

  • Gefäßneubildung an der Makula: Spritzen von Hemmstoffen des Gefäßwachstumsfaktors (Anti-VEGF) ins Auge sind die Standardbehandlung. Viele Betroffene brauchen nur ein bis drei Spritzen. Sie haben die frühere photodynamische Therapie weitgehend ersetzt.
  • Netzhautloch oder -riss ohne Ablösung: Laserbehandlung oder Kältebehandlung, meist ambulant.
  • Netzhautablösung: Operation mit Plombe oder Band von außen, Gasblase oder Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie) mit Gas- oder Silikonölfüllung. Nach einer Operation liegt die Netzhaut in etwa 90 % wieder an, nach einer zweiten in rund 98 %.
  • Spaltbildung oder Loch in der Makula: Vitrektomie, gegebenenfalls mit Entfernung einer feinen Membran; ein Makulaforamen bei hoher Myopie ist schwieriger zu behandeln als sonst.
  • Grauer und Grüner Star: Behandlung wie bei Normalsichtigen, aber mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen bei der Linsenberechnung und Glaukomdiagnostik.

Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Brillengläser für Kinder und Jugendliche, die Fassung aber nicht. Für Kinder bis 14 Jahre werden auch Kunststoffgläser bezahlt. Der Anspruch auf Gläser besteht bis zum 18. Geburtstag. Ab 14 Jahren gibt es neue Gläser nur, wenn sich die Stärke um mindestens 0,5 dpt geändert hat; bei jüngeren Kindern gilt diese Grenze nicht, sie brauchen für neue Gläser aber eine augenärztliche Verordnung. Erwachsene erhalten nur bei Kurz- oder Weitsichtigkeit ab 6,25 dpt oder schwerer Sehbehinderung einen Zuschuss. Die früheren Festbeträge wurden im März 2025 aufgehoben; Details regeln die Verträge der Kassen.

Kontaktlinsen bezahlt die Kasse nur bei medizinischer Notwendigkeit, etwa ab 8 dpt oder bei einem Unterschied von mindestens 2 dpt zwischen beiden Augen. Atropin-Rezepturen, Orthokeratologie, Myopiekontroll-Linsen und Laseroperationen sind in der Regel Selbstzahlerleistungen. Erkundigen Sie sich vorab bei Ihrer Kasse.

Was gilt in Österreich, der Schweiz und Frankreich?

In Österreich hat der Oberste Gerichtshof 2013 entschieden, dass die Krankenkasse eine Laserbehandlung der Kurzsichtigkeit nicht bezahlen muss, wenn Brille oder Kontaktlinsen ausreichend helfen. Die Regeln für Brillenzuschüsse bei Kindern und Erwachsenen unterscheiden sich zwischen den Versicherungsträgern; maßgeblich sind die Angaben der ÖGK oder Ihres Versicherungsträgers. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre einen jährlichen Beitrag an Brillengläser oder Kontaktlinsen. In Frankreich werden seit 2025 bestimmte Defokus-Gläser für Kinder mit fortschreitender oder hoher Myopie teilweise erstattet.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (9)

Wie entwickelt sich Kurzsichtigkeit im Laufe des Lebens?

Kurzsichtigkeit beginnt meist im Grundschulalter, nimmt bis nach der Pubertät zu und stabilisiert sich meist zwischen etwa 20 und 25 Jahren. Am schnellsten schreitet sie in Phasen raschen Körperwachstums fort. Zwischen 20 und 40 ändert sie sich bei den meisten nur noch wenig. Ein Teil der Erwachsenen nimmt aber auch danach noch zu, besonders bei hoher Myopie.

In einer Leipziger Untersuchung waren mit 6 Jahren 3,5 % der Kinder kurzsichtig, mit 16 Jahren 27 %. Je früher die Kurzsichtigkeit beginnt, desto höher fällt sie am Ende meist aus. Ein Beginn mit acht oder neun Jahren gilt als wichtiges Warnzeichen für einen starken Verlauf.

Bleibt Kurzsichtigkeit für immer?

Ja, eine einmal entstandene Kurzsichtigkeit bildet sich von allein nicht zurück. Die Fernsicht wird ohne Korrektur im Alter nicht besser. Ab Mitte 40 kommt die Alterssichtigkeit hinzu, die Kurzsichtigkeit aber nicht ausgleicht. Leicht Kurzsichtige haben dann den Vorteil, dass sie ohne Brille lesen können.

Wie gut ist die Prognose?

Die meisten Kurzsichtigen sehen mit Brille oder Linsen ein Leben lang gut und bekommen keine Folgeerkrankungen. Leichte Kurzsichtigkeit hat in der Regel keine gesundheitlichen Folgen. Je stärker die Kurzsichtigkeit und je länger das Auge, desto höher ist aber das Risiko für Folgeschäden. Das Risiko einer myopiebedingten Sehbehinderung steigt ab etwa −6 dpt deutlich.

Wie stark steigt das Risiko für Folgeerkrankungen?

Das Risiko wächst nicht gleichmäßig, sondern mit jeder Dioptrie überproportional. Die deutsche Stellungnahme nennt für die myope Makulopathie folgende Werte im Vergleich zu Normalsichtigen (Odds Ratio, ein statistisches Maß für das relative Risiko):

Stärke der KurzsichtigkeitRelatives Risiko für myope Makulopathie
−1 bis −3 dptetwa 14-fach
−3 bis −6 dptetwa 73-fach
stärker als −6 dptetwa 845-fach

Diese Zahlen klingen dramatisch, beziehen sich aber auf eine Erkrankung, die bei Normalsichtigen extrem selten ist. Sie zeigen vor allem, warum es sich lohnt, jedes Fortschreiten bei Kindern zu bremsen.

Wie hoch ist das Risiko einer Netzhautablösung?

Kurzsichtige haben ein deutlich höheres Risiko für eine Netzhautablösung als Normalsichtige. Mehr als die Hälfte aller nicht durch Verletzungen verursachten Netzhautablösungen betrifft kurzsichtige Augen. Schon bei einer leichten Myopie von −1 bis −3 dpt ist das Risiko nach einer Studie etwa vierfach erhöht, und mit jeder weiteren Dioptrie steigt es weiter an. In Mitteleuropa erleiden jährlich 10 bis 25 von 100.000 Menschen eine Netzhautablösung.

Der Grund: Im langen Auge ist die Netzhaut gedehnt und dünner, und der Glaskörper löst sich früher ab und kann dabei an der Netzhaut reißen. Bei einer akuten Glaskörperabhebung mit Beschwerden findet sich bei 8 bis 26 % der Betroffenen schon bei der ersten Untersuchung ein Netzhautriss. Bis zu 20 von 100 Betroffenen bekommen später auch am anderen Auge eine Ablösung.

Welche weiteren Folgeerkrankungen sind möglich?

Bei stärkerer Kurzsichtigkeit treten mehrere Augenerkrankungen häufiger und oft früher auf:

  • Myope Makulopathie: Ausdünnung und Narben an der Stelle des schärfsten Sehens, oft ab dem 30. bis 40. Lebensjahr sichtbar. Gefäßneubildungen treten bei 5 bis 10 % der Menschen mit pathologischer Myopie auf und sind die häufigste Ursache für Verlust des zentralen Sehens.
  • Grüner Star (Glaukom): Das Risiko ist bei Kurzsichtigen etwa verdoppelt, die Diagnose ist schwieriger.
  • Grauer Star: Er tritt bei hoher Myopie früher und häufiger auf.
  • Makulaloch und Spaltbildung der Netzhaut (Foveoschisis) durch Zug an der gedehnten Netzhaut.
  • Schwachsichtigkeit und Schielen bei Kindern mit starker oder einseitiger, nicht korrigierter Kurzsichtigkeit.

Wie verläuft eine pathologische Myopie?

Pathologische Myopie schreitet häufig langsam fort, oft über Jahrzehnte. In einer sechsjährigen Studie entwickelten 1,2 % der Kurzsichtigen neu eine pathologische Myopie, und bei 17 % der bereits Betroffenen verschlechterte sie sich. Nach einer Gefäßneubildung bildet sich bei den meisten Betroffenen später eine Atrophie um die vernarbte Stelle. Eine größere Augenlänge und eine stärkere Kurzsichtigkeit sagen einen ungünstigeren Verlauf voraus.

Weltweit betrifft die pathologische Myopie je nach Region und Definition 0,2 bis 3,8 % der Menschen. In europäischen Studien führt sie bei 0,1 bis 0,5 % der Bevölkerung zu einer Sehbehinderung, in asiatischen Studien häufiger. Sie gehört damit zu den wichtigen Ursachen von Sehbehinderung im erwerbsfähigen Alter.

Wie verändert sich die Häufigkeit weltweit?

Kurzsichtigkeit nimmt weltweit stark zu, aber nicht überall gleich. Nach einer viel zitierten Hochrechnung waren im Jahr 2000 etwa 23 % der Weltbevölkerung kurzsichtig; für 2050 werden knapp 50 % und rund 10 % mit hoher Myopie erwartet. Diese Prognose beruht auf der Fortschreibung bisheriger Trends und ist entsprechend unsicher. In Städten Ostasiens sind schon heute 80 bis 90 % der Schulabgänger kurzsichtig.

In Europa ist die Lage weniger dramatisch. In Deutschland waren laut KiGGS-Studie 13,3 % der 3- bis 17-Jährigen kurzsichtig, ohne Unterschied zwischen den Erhebungen 2003 bis 2006 und 2014 bis 2017. In Frankreich sind etwa 40 % der Bevölkerung kurzsichtig, in Großbritannien hat sich der Anteil bei Kindern seit den 1960er-Jahren mehr als verdoppelt.

Kann man mit Kurzsichtigkeit Auto fahren?

Ja, mit passender Sehhilfe ist Autofahren problemlos möglich. Wer für den Führerschein-Sehtest eine Brille oder Kontaktlinsen braucht, bekommt in Deutschland eine Auflage im Führerschein und muss die Sehhilfe beim Fahren tragen. In Österreich ist es ähnlich: Dort steht der Code 01 im Führerschein, und eingetragen ist, ob Brille, Kontaktlinsen oder beides erlaubt sind. Verschlechtert sich die Sehschärfe später, ist eine neue, passende Brille Pflicht, nicht aber ein neuer Führerschein.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (10)

Kann man Kurzsichtigkeit vorbeugen?

Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht, aber viel Zeit im Tageslicht und Pausen bei der Naharbeit senken das Risiko und bremsen das Fortschreiten. Diese Maßnahmen sind kostenlos, ohne Nebenwirkungen und für alle Kinder sinnvoll. Am wichtigsten sind sie für Kinder kurzsichtiger Eltern und für Kinder, die schon kurzsichtig sind. Eine bestehende Kurzsichtigkeit machen sie nicht rückgängig.

Wie viel Zeit sollten Kinder draußen verbringen?

Fachgesellschaften empfehlen mindestens zwei Stunden pro Tag im Freien, am Stück oder verteilt. Das entspricht etwa 14 Stunden pro Woche. Dabei zählt das Tageslicht, nicht die Art der Beschäftigung: Spielen, Spazierengehen, Radfahren, Unterricht im Freien oder der Schulweg zu Fuß wirken alle. Auch an bewölkten Tagen ist es draußen viel heller als in Innenräumen.

Sonnenschutz mit Kappe und Sonnencreme gehört dazu. Bereits im Kindergartenalter kann es sinnvoll sein, auf viel Zeit draußen zu achten. Nachgewiesen ist der Nutzen vor allem bei Schulkindern.

Wie sollten Kinder lesen und am Bildschirm arbeiten?

Ein ausreichender Abstand und regelmäßige Pausen entlasten die Augen. Bewährte Regeln sind:

  • Abstand: Buch, Heft oder Bildschirm mindestens 30 Zentimeter, am besten 30 bis 40 Zentimeter vom Auge entfernt halten. Ein grober Anhalt ist der Abstand vom Ellenbogen zur Hand.
  • Pausen: Nach etwa 30 Minuten Naharbeit für 10 Minuten in die Ferne schauen (deutsche Empfehlung). Alternativ die 20-20-20-Regel: alle 20 Minuten 20 Sekunden lang auf etwa 6 Meter Entfernung schauen.
  • Licht: Bei gutem Licht lesen, möglichst bei Tageslicht.
  • Bildschirmgröße: Lieber ein großer Bildschirm in größerer Entfernung als ein Smartphone dicht vor dem Gesicht.

Wie viel Bildschirmzeit ist für Kinder sinnvoll?

Für die Augen ist weniger Freizeit-Bildschirmzeit besser, vor allem wenn sie Zeit im Freien verdrängt. Französische Fachleute empfehlen als Orientierung: keinen Bildschirm vor dem sechsten Lebensjahr, nach dem sechsten Lebensjahr unter einer Stunde täglich und nach dem zehnten unter zwei Stunden täglich. Kinderärztliche Fachgesellschaften raten ebenfalls dazu, Freizeitbildschirmzeit zu begrenzen. Bildschirme für die Schule sind davon getrennt zu betrachten; hier helfen Pausen und Abstand.

Welche Rolle spielt Schlaf?

Ausreichender Schlaf gehört zu den Empfehlungen französischer Myopie-Fachleute. Schlafmangel wird als möglicher Risikofaktor diskutiert, die Belege sind aber schwächer als für Tageslicht und Naharbeit. Für die allgemeine Gesundheit von Kindern ist genug Schlaf ohnehin wichtig.

Hilft Augentraining?

Nein, für Augenübungen, spezielle Trainingsprogramme, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine Belege, dass sie Kurzsichtigkeit verhindern oder heilen. Übungen können bei Augenmüdigkeit Erleichterung bringen, ändern aber die Länge des Auges nicht. Seien Sie vorsichtig bei Angeboten, die eine Heilung ohne Brille versprechen.

Wie oft sollten Kurzsichtige zur Kontrolle?

Kurzsichtige Kinder sollten mindestens einmal im Jahr untersucht werden, bei Myopiekontrolle meist alle sechs Monate. Erwachsene mit Brille oder Kontaktlinsen sollten alle ein bis zwei Jahre kontrollieren lassen, ob die Sehhilfe noch passt. Bei hoher Myopie empfiehlt sich eine vollständige Untersuchung mit Blick auf die Netzhaut alle ein bis zwei Jahre oder nach augenärztlicher Empfehlung öfter. Ab etwa 40 Jahren sollte dabei auch auf ein Glaukom geachtet werden.

Wie schützt man die Netzhaut bei hoher Myopie?

Den Verlauf der Netzhaut kann man nicht direkt beeinflussen, aber man kann Schäden früh erkennen. Wichtig sind regelmäßige Untersuchungen in erweiterter Pupille, das Kennen der Warnzeichen und schnelles Handeln bei Beschwerden. Bei Kontaktsportarten und riskanten Arbeiten schützt eine Schutzbrille vor Verletzungen, die eine Ablösung auslösen können. Einige Fachleute empfehlen einen gelegentlichen Selbsttest jedes Auges einzeln mit dem Amsler-Gitter.

Was sollten Kontaktlinsenträger beachten?

Sorgfältige Hygiene ist der beste Schutz vor einer Hornhautinfektion. Hände vor dem Einsetzen waschen und abtrocknen, Linsen nie mit Leitungswasser in Kontakt bringen, nicht damit schlafen (außer bei Ortho-K-Linsen, die dafür gemacht sind), nicht damit schwimmen oder duschen und die vorgesehene Tragedauer einhalten. Eine Ersatzbrille sollte immer verfügbar sein.

Was können Eltern konkret tun?

Eltern können viel dazu beitragen, dass Kurzsichtigkeit spät beginnt und langsam fortschreitet:

  • Draußen spielen fördern, Wege zu Fuß oder mit dem Rad machen
  • Freizeit-Bildschirmzeit begrenzen und Pausen beim Lesen einplanen
  • auf einen ausreichenden Leseabstand achten
  • bei Hinweisen auf Sehprobleme zur Augenärztin oder zum Augenarzt gehen, nicht nur zum Optiker
  • bei kurzsichtigen Eltern das Kind vor der Einschulung untersuchen lassen
  • auf eine kindgerechte Fassung, eine Sportbrille und bei kleinen Kindern ein Brillenband achten

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (3)

Kurzsichtigkeit selbst ist kein Notfall. Bei Menschen mit stärkerer Kurzsichtigkeit können aber Folgeerkrankungen auftreten, die rasch behandelt werden müssen. Hier eine Orientierung:

Sofort, am selben Tag, zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Augenklinik

  • Lichtblitze, besonders im Dunkeln oder bei Augenbewegungen
  • plötzlich viele neue schwarze Punkte, Fäden oder ein „Rußregen“
  • ein Schatten, Schleier oder Vorhang, der sich von einer Seite ins Gesichtsfeld schiebt
  • plötzliche deutliche Sehverschlechterung auf einem Auge
  • bei Kontaktlinsen oder Ortho-K: Schmerzen, Rötung, Lichtscheu und schlechteres Sehen; die Linsen sofort herausnehmen
  • Augenschmerzen mit rotem Auge, Übelkeit und Sehverschlechterung, die auf einen akuten Glaukomanfall hindeuten können

Eine Netzhautablösung tut nicht weh. Das Fehlen von Schmerzen ist deshalb kein Grund zu warten. Bei Blitzen und neuen schwarzen Punkten sollte die Untersuchung am selben Tag erfolgen, laut DOG-Fachleuten spätestens am nächsten Tag; bei einem Schatten oder Vorhang sofort. Je früher behandelt wird, solange die Makula noch anliegt, desto besser bleibt das Sehen. Weitere Warnzeichen finden Sie unter Notfall am Auge.

Innerhalb weniger Tage

  • bei hoher Myopie: neu verzerrtes Sehen, gebogene Linien oder ein Fleck in der Bildmitte; eine Gefäßneubildung sollte rasch mit Spritzen behandelt werden
  • rasch zunehmende Unschärfe innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen
  • starke Nebenwirkungen unter Atropin-Tropfen

Routinemäßig in den nächsten Wochen

  • ein Kind kann die Tafel schlecht lesen, kneift die Augen zusammen oder rückt nah an Bildschirme
  • die Brille reicht nicht mehr, Schilder werden später lesbar
  • der letzte Sehtest liegt mehr als zwei Jahre zurück
  • Wunsch nach Myopiekontrolle bei einem Kind mit zunehmender Kurzsichtigkeit
  • Beratung zu Kontaktlinsen oder einer Operation

9 Häufige Fragen

Ist Kurzsichtigkeit eine Krankheit?

Leichte und mittlere Kurzsichtigkeit gilt als Fehlsichtigkeit, nicht als Krankheit im engeren Sinn. Sie lässt sich mit Brille oder Linsen vollständig ausgleichen. Hohe Kurzsichtigkeit ab etwa −6 dpt erhöht jedoch das Risiko für Netzhautablösung, Makulaschäden und Glaukom; Fachleute sehen sie deshalb zunehmend als behandlungsbedürftige Erkrankung.

Kann man Kurzsichtigkeit wegtrainieren oder heilen?

Nein. Ein zu langes Auge wird nicht wieder kürzer, auch nicht durch Übungen, Vitamine oder Tabletten. Brille, Kontaktlinsen und Operationen gleichen die Unschärfe aus. Bei Kindern lässt sich das Fortschreiten bremsen.

Wird mein Kind kurzsichtig, wenn wir Eltern kurzsichtig sind?

Das Risiko ist erhöht, aber nicht sicher. Ist ein Elternteil kurzsichtig, liegt es bei etwa 30 %, sind es beide, bei etwa 60 %. Viel Zeit im Freien und Pausen bei der Naharbeit können das Risiko senken. Eine augenärztliche Untersuchung vor der Einschulung ist sinnvoll.

Macht das Handy mein Kind kurzsichtig?

Viel Naharbeit, auch am Handy oder Tablet, begünstigt Kurzsichtigkeit vermutlich, vor allem wenn sie Zeit im Freien verdrängt. Ein direkter Beweis für Bildschirme als alleinige Ursache fehlt. Sinnvoll sind ein Abstand von mindestens 30 Zentimetern, regelmäßige Pausen mit Blick in die Ferne und begrenzte Freizeit-Bildschirmzeit.

Helfen Atropin-Tropfen gegen Kurzsichtigkeit bei Kindern?

Niedrig dosiertes Atropin (meist 0,01 %) kann das Fortschreiten bei vielen Kindern bremsen, die Wirkung ist aber unterschiedlich und bei europäischen Kindern wahrscheinlich kleiner als in asiatischen Studien. Nebenwirkungen sind meist mild, etwa Blendempfindlichkeit. Die deutsche Stellungnahme empfiehlt es für Kinder von 6 bis 14 Jahren mit einer Zunahme von mindestens 0,5 dpt pro Jahr. Rezeptur-Tropfen aus der Apotheke zahlt die Kasse in der Regel nicht; ob sie das zugelassene Fertigarzneimittel übernimmt, klären Sie vorab mit Ihrer Kasse.

Wird Kurzsichtigkeit schlimmer, wenn man die Brille nicht trägt?

Nach heutigem Wissen wird die Kurzsichtigkeit durch das Weglassen der Brille nicht stärker, und eine bewusst zu schwache Brille bremst sie auch nicht. Ohne Brille sieht man aber schlecht, was Schule, Sport und Straßenverkehr beeinträchtigt. Kleine Kinder mit starker oder einseitiger Kurzsichtigkeit können ohne Brille schwachsichtig werden.

Wann hört Kurzsichtigkeit auf, schlechter zu werden?

Meist stabilisiert sie sich zwischen etwa 20 und 25 Jahren. Am schnellsten schreitet sie in der Schulzeit und während der Pubertät fort. Ein Teil der Erwachsenen nimmt danach noch langsam zu, besonders bei hoher Myopie oder viel Naharbeit.

Ab wie viel Dioptrien ist man stark kurzsichtig?

Ab etwa −6 dpt oder einer Augenlänge über 26 Millimetern spricht man von hoher Myopie. Leichte Kurzsichtigkeit reicht bis etwa −3 dpt, mittlere bis etwa −6 dpt. Ab der hohen Myopie steigt das Risiko für Folgeschäden deutlich.

Kann ich mir die Kurzsichtigkeit weglasern lassen?

Erwachsene mit seit ein bis zwei Jahren stabilen Werten und ausreichend dicker Hornhaut können sich lasern lassen, meist bis etwa −8 bis −10 dpt. Bei höheren Werten kommt eine implantierbare Linse infrage. Die Operation ersetzt die Brille, nicht die Netzhautkontrollen: Das Risiko einer Netzhautablösung bleibt unverändert.

Welche Warnzeichen sollten Kurzsichtige kennen?

Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte und ein Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld können auf einen Netzhautriss oder eine Netzhautablösung hinweisen. Dann sofort, am selben Tag, augenärztlich untersuchen lassen. Bei hoher Myopie ist außerdem neu verzerrtes Sehen ein Warnzeichen für eine Gefäßneubildung an der Makula.

Zahlt die Krankenkasse eine Brille für mein Kind?

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenkasse für Kinder und Jugendliche die Brillengläser bis zum 18. Geburtstag, nicht die Fassung. Ab 14 Jahren gibt es neue Gläser nur bei einer Änderung der Stärke um mindestens 0,5 dpt; bei jüngeren Kindern gilt diese Grenze nicht. Atropin-Rezepturen, Ortho-K und Myopiekontroll-Linsen sind meist Selbstzahlerleistungen. In Österreich gelten die Regeln des jeweiligen Versicherungsträgers.

Sind Nachtlinsen für Kinder sicher?

Orthokeratologie-Linsen sind wirksam, bergen aber das Risiko einer schweren Hornhautentzündung, vor allem bei mangelnder Hygiene. Viele Kinder brechen die Behandlung ab. Sie kommen nur infrage, wenn Kind und Eltern die Pflege zuverlässig übernehmen und regelmäßige Kontrollen wahrnehmen.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 34 Quellen anzeigen
  1. Empfehlungen bei progredienter Myopie im Kindes- und Jugendalter (Stellungnahme, Stand Juni 2022) – DOG, BVA und Bielschowsky-Gesellschaft (DE)
  2. Stellungnahme: Empfehlungen bei progredienter Myopie im Kindes- und Jugendalter (PDF) – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DE)
  3. Kurzsichtigkeit (Myopie) – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (DE)
  4. Netzhautablösung – IQWiG, gesundheitsinformation.de (DE)
  5. Myopie: Notfall Netzhautablösung – AMD-Netz (DE)
  6. Neue Brille? Krankenkasse zahlt nur in Ausnahmefällen – Verbraucherzentrale (DE)
  7. Keine Kostenerstattung für eine Laserbehandlung zur Korrektur der Kurzsichtigkeit (10 ObS 111/13s) – Oberster Gerichtshof Österreich (DE)
  8. Short-sightedness (myopia) – NHS (EN)
  9. Myopia (short-sightedness) – Moorfields Eye Hospital (EN)
  10. Nearsightedness (myopia) – American Academy of Ophthalmology (EN)
  11. Pathologic Myopia (Myopic Degeneration) – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  12. Nearsightedness (Myopia) – National Eye Institute (EN)
  13. The Combined Effect of Low-dose Atropine with Orthokeratology in Pediatric Myopia Control (Review) – Sánchez-González et al., Journal of Clinical Medicine 2020 (EN)
  14. Low-dose atropine eye drops for treating myopia in people 3 to 14 years [ID6517] – NICE (EN)
  15. Myopie : prévention et freination – VIDAL (FR)
  16. Interventions visant à ralentir la progression de la myopie chez les enfants – Cochrane (Lawrenson et al. 2025) (FR)
  17. Le décollement de rétine – Hôpitaux universitaires de Genève (FR)
  18. Myopie : symptômes, traitements – Elsan (FR)
  19. Miopía (visión corta) – MedlinePlus en español (NIH/NLM) (ES)
  20. Miopía – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  21. Desprendimiento de retina – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  22. Protocolo de práctica clínica preferente: Defectos refractivos y cirugía refractiva – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
  23. Desprendimiento vítreo posterior, roturas retinianas y degeneración en empalizada – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
  24. Miopía (visión de cerca) en niños y adolescentes – HealthyChildren.org, American Academy of Pediatrics (ES)
  25. Atropina en bajas dosis para frenar la progresión de la miopía en niños – Preevid, Murciasalud (ES)
  26. Miopía magna: características clínicas, diagnóstico y estrategias terapéuticas – Revista Sanitaria de Investigación 2025 (ES)
  27. Coroidosis miópica – Clínica Universidad de Navarra, Diccionario médico (ES)
  28. Hilfsmittel-Richtlinie (HilfsM-RL), Fassung in Kraft seit 16.05.2025 – Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (DE)
  29. Atropin (Ryjunea) – Markteinführung – Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) (DE)
  30. Ryjunea: EPAR – Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) (EN)
  31. Low-dose atropine eye drops for treating myopia in people 3 to 14 years [ID6517] – Projektseite – NICE (EN)
  32. Conjunctival ultraviolet autofluorescence as a biomarker of outdoor time in myopic children – de la Puente et al., Frontiers in Medicine 2024 (EN)
  33. Prevalence of refractive errors in the European adult population: the Gutenberg Health Study (GHS) – Wolfram et al., British Journal of Ophthalmology 2014 (EN)
  34. Zahlencodes im Führerschein – oesterreich.gv.at (DE)

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