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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Bindehaut

Blutung unter der Bindehaut (Hyposphagma)

Eine Blutung unter der Bindehaut (Hyposphagma) ist ein scharf begrenzter, leuchtend roter Fleck auf dem Weißen des Auges, der entsteht, wenn ein feines Äderchen unter der Bindehaut reißt. Sie sieht erschreckend aus, ist aber fast immer harmlos, schmerzt nicht, stört das Sehen nicht und verschwindet meist innerhalb von ein bis drei Wochen von selbst.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 30 Minuten · 11 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

Eine Blutung unter der Bindehaut ist ein harmloser, scharf begrenzter roter Fleck auf dem Weißen des Auges. Der Fachbegriff lautet Hyposphagma (griechisch „hypo“ für „unter“) oder subkonjunktivale Blutung. Die Bindehaut (Konjunktiva) ist die dünne, durchsichtige Haut, die das Weiße des Auges (die Lederhaut oder Sklera) und die Innenseite der Lider überzieht. Reißt darin ein feines Äderchen, sammelt sich Blut zwischen Bindehaut und Lederhaut.

Das Blut liegt außerhalb des Augapfels. Es erreicht weder die Hornhaut noch das Augeninnere, deshalb bleibt das Sehen unverändert. Typisch ist, dass der Fleck nicht wehtut und oft erst zufällig im Spiegel oder von anderen Menschen bemerkt wird.

  • Aussehen: leuchtend roter, flächiger Fleck, der am Rand der Hornhaut haltmacht
  • Beschwerden: meist keine, manchmal ein leichtes Reiz- oder Fremdkörpergefühl
  • Häufige Auslöser: Husten, Niesen, Pressen, Erbrechen, schweres Heben, Augenreiben, kleine Verletzungen
  • Begünstigend: Bluthochdruck, Diabetes, Blutverdünner, höheres Alter
  • Oft: keine erkennbare Ursache
  • Dauer: meist ein bis drei Wochen, bei großen Blutungen bis etwa vier Wochen
  • Behandlung: in der Regel keine nötig; Tränenersatzmittel bei Reizgefühl

Abklären lassen sollten Sie den roten Fleck, wenn er nach einer Verletzung auftritt, wenn das Auge schmerzt oder Sie schlechter sehen, wenn die Blutungen immer wiederkehren oder wenn Sie zusätzlich ungewöhnlich leicht blaue Flecken oder Zahnfleischbluten bemerken. Bei Kindern verdient eine Blutung in beiden Augen ohne erklärbare Ursache immer eine ärztliche Untersuchung.

2 Symptome

In diesem Kapitel (21)

Woran erkennt man eine Blutung unter der Bindehaut?

Man erkennt sie an einem leuchtend roten, flächigen Fleck auf dem Weißen des Auges, der scharf begrenzt ist und keine Schmerzen macht. Das Rot wirkt wie ein Klecks Farbe unter einer Klarsichtfolie. Einzelne Äderchen sind im Fleck nicht zu unterscheiden, die Fläche ist gleichmäßig rot. Ringsum ist das Auge normal weiß.

Der Fleck kann klein wie ein Stecknadelkopf sein, einen Teil des Weißen bedecken oder das ganze sichtbare Weiß des Auges rot färben. Auch eine große Blutung bleibt in aller Regel harmlos, sofern keine Verletzung vorausging.

Warum ist der Fleck so hellrot und nicht blau wie ein Bluterguss?

Der Fleck ist hellrot, weil die Bindehaut durchsichtig ist und man das Blut direkt sieht. Bei einem Bluterguss der Haut liegt das Blut unter mehreren undurchsichtigen Hautschichten und schimmert deshalb blau bis violett durch. Unter der Bindehaut fehlt diese Deckschicht.

Tut eine Blutung unter der Bindehaut weh?

Nein, sie ist typischerweise völlig schmerzlos. Viele Betroffene merken gar nichts und sind überrascht, wenn sie den Fleck im Spiegel sehen. Schmerzen, ein tiefes Druckgefühl im Auge oder Kopfschmerzen gehören nicht zum Bild der einfachen Blutung. Treten sie auf, spricht das für eine andere oder zusätzliche Ursache, die abgeklärt werden sollte.

Welche leichten Beschwerden sind möglich?

Möglich sind ein leichtes Reiz-, Kratz- oder Fremdkörpergefühl, vor allem bei größeren Blutungen. Die Ursache ist meist mechanisch: Die angehobene Bindehaut verteilt den Tränenfilm beim Lidschlag nicht mehr ganz gleichmäßig. Dadurch kann sich das Auge stellenweise trocken anfühlen. Diese Beschwerden sind mild und lassen nach, wenn sich das Blut zurückbildet.

  • leichtes Kratzen oder Sandgefühl beim Blinzeln
  • Gefühl, „etwas im Auge zu haben“
  • Bewusstwerden des Lids, das über die Vorwölbung gleitet
  • selten leichtes Tränen

Verändert sich das Sehen?

Nein, das Sehen bleibt bei einer reinen Blutung unter der Bindehaut unverändert. Das Blut liegt auf der Außenseite des Auges und hält am Rand der Hornhaut (dem Limbus) an. Die Hornhaut, durch die das Licht ins Auge fällt, bleibt klar. Verschwommenes Sehen, Schatten, Blitze oder Rußflocken sind daher kein Zeichen eines Hyposphagmas, sondern ein Warnsignal für etwas anderes.

Wie und wann bemerken Betroffene die Blutung meist?

Meist fällt die Blutung zufällig auf, häufig morgens beim Blick in den Spiegel. Der Riss eines Äderchens wird nicht gespürt, und ohne Schmerz gibt es keinen Grund, ins Auge zu sehen. Oft weisen Familienangehörige, Kolleginnen oder Kollegen auf das „blutunterlaufene Auge“ hin, bevor man es selbst bemerkt.

Nicht selten erinnern sich Betroffene im Nachhinein an einen Auslöser vom Vortag: einen heftigen Hustenanfall, kräftiges Niesen, Erbrechen, Pressen auf der Toilette, schweres Heben oder kräftiges Augenreiben. Ebenso oft lässt sich kein Anlass finden.

Was bemerken Angehörige und andere Menschen?

Andere Menschen bemerken vor allem das auffällig rote Auge, oft bevor Betroffene selbst etwas merken. Die Reaktion des Umfelds ist häufig besorgt, da ein „blutiges Auge“ dramatisch wirkt. Gerade bei älteren Menschen, die allein leben, oder bei Kindern sind es oft Angehörige, Pflegekräfte oder Lehrkräfte, die den Fleck zuerst sehen.

Für Angehörige ist hilfreich, auf einige Fragen zu achten:

  • Hat die Person Schmerzen?
  • Sieht sie normal?
  • Gab es einen Sturz oder Schlag?
  • Wirkt sie verwirrt oder hat sie Kopfschmerzen?
  • Gibt es weitere Blutungen, etwa blaue Flecken oder Nasenbluten?

Sind alle Antworten unauffällig, ist der Fleck mit großer Wahrscheinlichkeit harmlos.

Kann sich die Blutung noch vergrößern?

Ja, in den ersten Stunden, manchmal bis zum nächsten Tag, kann sich der Fleck noch ausbreiten. Das ausgetretene Blut verteilt sich in der dünnen Schicht zwischen Bindehaut und Lederhaut und folgt dabei der Schwerkraft und dem Lidschlag. Diese anfängliche Ausbreitung ist kein Grund zur Sorge. Bedenklich wäre erst, wenn über Tage immer neue Blutungen hinzukommen.

Wie sieht eine große, vorgewölbte Blutung aus?

Bei einer starken Blutung kann die Bindehaut wie ein kleines rotes Kissen oder eine Blase angehoben sein. Fachleute sprechen dann von einer bullösen Blutung. Sie kann über den Lidrand hinausragen und beim Lidschluss stören. Auch eine solche Blutung ist in der Regel harmlos, sie dauert aber länger, und das Reizgefühl ist eher stärker.

Eine stark vorgewölbte Blutung nach einer Verletzung oder eine Blutung, die rings um die gesamte Hornhaut reicht, sollte dagegen immer sofort augenärztlich untersucht werden. Dahinter kann sich eine Verletzung der Lederhaut verbergen, die das Blut verdeckt.

Wie verändert sich die Farbe während der Heilung?

Die Farbe wechselt im Lauf der Heilung von leuchtend rot über dunkler rot und bräunlich zu orange, gelb oder grünlich. Das ist derselbe Abbauvorgang wie bei einem Bluterguss der Haut: Der rote Blutfarbstoff wird in gelbe und grüne Abbaustoffe zerlegt und abtransportiert. Der Fleck wird dabei meist vom Rand her blasser und kleiner.

Zeitraum (ungefähr)Typisches Aussehen
erste Stunden bis 1 Tagleuchtend rot, kann sich noch etwas ausbreiten
Tage 2 bis 7rot bis dunkelrot, Ränder beginnen blasser zu werden
2. Wochebräunlich, orange, gelblich oder grünlich, kleiner werdend
3. Wochegelblicher Schleier, dann wieder weiß
bis etwa 4 Wochenbei sehr großen Blutungen letzte Reste

In seltenen Fällen bleibt eine leichte, dauerhafte Verfärbung der Bindehaut zurück. Sehr selten wirkt die Blutung in der Abbauphase fast schwarz, etwa bei sehr dichten Blutungen.

Wo im Auge liegt die Blutung typischerweise?

Die Blutung kann an jeder Stelle des Weißen liegen; ihre Lage gibt der Augenärztin oder dem Augenarzt manchmal einen Hinweis auf die Ursache. Nach Verletzungen sind Blutungen eher kleiner und liegen häufiger im unteren Bereich. Bei Menschen mit Diabetes wurden Blutungen gehäuft auf der Schläfenseite des Auges beschrieben. Bei älteren Menschen breiten sich Blutungen wegen des lockereren Bindegewebes oft weiter aus.

Wichtig für das Erkennen: Die Blutung reicht meist bis an den Hornhautrand heran, überschreitet ihn aber nicht. Liegt Blut dagegen hinter der Hornhaut, unten in der vorderen Augenkammer, handelt es sich um ein Hyphäma, also Blut im Auge. Das ist etwas völlig anderes und muss augenärztlich behandelt werden.

Tritt die Blutung ein- oder beidseitig auf?

Fast immer ist nur ein Auge betroffen. Das passt zum Mechanismus: Ein einzelnes Äderchen gibt nach. Beidseitige Blutungen sind ungewöhnlich und verdienen mehr Aufmerksamkeit. Bei Erwachsenen können sie auf eine Gerinnungsstörung hindeuten, sodass eine Blutuntersuchung sinnvoll ist. Bei Säuglingen und Kindern außerhalb der Neugeborenenzeit können beidseitige Blutungen ohne erklärbaren Anlass ein Hinweis auf eine starke Druckeinwirkung auf Brustkorb oder Hals oder auf eine Misshandlung sein.

Welche Symptome sprechen gegen eine einfache Blutung?

Gegen eine einfache Blutung sprechen Schmerzen, Sehstörungen, Lichtempfindlichkeit, eitriger oder schleimiger Ausfluss und eine diffuse Rötung des ganzen Auges. Ein Hyposphagma ist ein flächiger, scharf begrenzter Fleck. Bei einer Entzündung dagegen sind viele einzelne, erweiterte Gefäße sichtbar, die Rötung ist unscharf und betrifft oft auch die Innenseite der Lider.

MerkmalBlutung unter der BindehautHinweis auf etwas anderes
Rötungflächig, gleichmäßig, scharf begrenztnetzartig, viele erweiterte Gefäße, unscharf
SchmerzkeinerSchmerz, Druckgefühl, Kopfschmerz
Sehenunverändertverschwommen, Schatten, Blitze, Ausfälle
Lichtwird normal vertragenLichtscheu, Blendung
Ausflusskeinerwässrig, schleimig, eitrig, verklebte Lider
LiderInnenseite unauffälligLidinnenseiten gerötet und geschwollen
Pupillengleich groß, rundungleich groß oder verzogen

Wie unterscheidet sich die Blutung von einer Bindehautentzündung?

Bei einer Bindehautentzündung ist das Auge diffus gerötet, brennt, juckt oder kratzt und sondert häufig Sekret ab; bei der Blutung fehlt all das. Morgens verklebte Lider, tränende Augen und eine Rötung, die bis in die Lidinnenseite reicht, passen zur Entzündung. Juckreiz und Lidschwellung im Frühjahr deuten eher auf eine allergische Bindehautentzündung.

Es gibt eine Ausnahme: Einige Virusinfektionen der Bindehaut gehen mit punktförmigen oder flächigen Blutungen einher. Dann sind aber zusätzlich die typischen Entzündungszeichen vorhanden, und die Erkrankung ist oft ansteckend.

Wie unterscheidet sich die Blutung von einem trockenen Auge?

Ein trockenes Auge macht Brennen, Sandkorngefühl und eine leichte, eher fleckige oder streifige Rötung, aber keinen scharf begrenzten Blutfleck. Die Beschwerden des trockenen Auges bestehen über Wochen und Monate und schwanken im Tagesverlauf. Eine Blutung entsteht dagegen plötzlich und bildet sich ohne Zutun zurück.

Wie unterscheidet sich die Blutung von ernsten Ursachen eines roten Auges?

Ernste Ursachen eines roten Auges gehen fast immer mit Schmerzen oder Sehstörungen einher. Bei einem akuten Glaukomanfall ist das Auge hart, schmerzt heftig, das Sehen ist verschleiert und oft kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu. Eine Uveitis (Entzündung im Augeninneren) macht eine Rötung rund um die Hornhaut, Lichtscheu und Schmerz. Eine Hornhautentzündung oder eine Verletzung der Hornhaut schmerzt ebenfalls deutlich.

Eine umschriebene, dunkler rote oder bläulich-violette Rötung, die beim Berühren durch das Lid wehtut, kann zu einer Episkleritis oder einer Skleritis passen. Hier sind wieder einzelne gestaute Gefäße sichtbar, und nicht ein gleichmäßiger Blutfleck.

Was ist bei Neugeborenen und Säuglingen anders?

Bei Neugeborenen sind Blutungen unter der Bindehaut häufig und meist harmlos. Sie entstehen durch die starken Druckveränderungen am Kopf während der Geburt, vor allem bei einer langen oder schwierigen Geburt. Die Flecken bilden sich wie beim Erwachsenen innerhalb weniger Wochen zurück und hinterlassen keine Folgen.

Bei Babys unter vier Wochen sollte ein rotes Auge trotzdem immer noch am selben Tag von einer Ärztin oder einem Arzt angesehen werden, weil in diesem Alter auch Entzündungen der Bindehaut rasch behandelt werden müssen. Tritt eine Blutung bei einem Säugling auf, der nicht gerade erst geboren wurde, ohne eindeutigen Anlass, sollte das ärztlich abgeklärt werden.

Was ist bei Kindern und Jugendlichen zu beachten?

Bei Kindern und Jugendlichen ist eine Verletzung die häufigste Ursache, etwa durch einen Ball, einen Ellbogen beim Sport oder einen Finger. Dann ist es wichtig, dass ein Augenarzt prüft, ob neben der Blutung auch tiefere Strukturen verletzt sind. Auch heftige Hustenanfälle, zum Beispiel bei Keuchhusten, können zu Blutungen führen.

Bei einem Kind mit Fieber, rotem Auge, Hautausschlag, rissigen Lippen und geschwollenen Händen sollte an eine Kawasaki-Krankheit gedacht werden, eine Gefäßentzündung, die rasch behandelt werden muss. Das Kind sollte dann noch am selben Tag ärztlich untersucht werden. Die Rötung der Augen ist hier meist eine Gefäßerweiterung ohne Sekret und keine eigentliche Blutung. Wiederkehrende Blutungen bei einem Kind, zusammen mit blauen Flecken, Nasen- oder Zahnfleischbluten, sind ein Grund für eine Blutuntersuchung.

Was ist bei älteren Menschen anders?

Ältere Menschen haben häufiger Blutungen unter der Bindehaut, und die Flecken werden oft größer. Mit dem Alter werden die Gefäßwände brüchiger, die Bindehaut wird lockerer und schlaffer, sodass sich das Blut weiter ausbreiten kann. Dazu kommen häufiger Bluthochdruck, Diabetes und die Einnahme von Blutverdünnern. Ab 65 Jahren betreffen etwa ein Zehntel aller Arztbesuche wegen eines Augenproblems eine solche Blutung.

Bei älteren Menschen nach einem Sturz ist besondere Vorsicht geboten: Hier sollte nicht nur das Auge, sondern auch eine mögliche Kopfverletzung beurteilt werden, vor allem, wenn Blutverdünner eingenommen werden.

Was bedeutet es, wenn die Blutungen immer wiederkehren?

Immer wiederkehrende Blutungen sind ein Grund für eine gründliche Abklärung. Meist steckt etwas Harmloses dahinter, etwa eine lockere, faltige Bindehaut (Konjunktivochalasis), häufiges Augenreiben oder Kontaktlinsen. Sie können aber auch auf einen schlecht eingestellten Blutdruck, eine Überdosierung von Blutverdünnern, eine Gerinnungsstörung oder sehr selten auf eine Ablagerungskrankheit (Amyloidose) oder einen Gefäßtumor der Bindehaut hinweisen.

Achten Sie in diesem Fall auf Begleitzeichen am übrigen Körper: blaue Flecken ohne Stoß, kleine punktförmige Hautblutungen, häufiges Nasenbluten, Zahnfleischbluten, verlängerte Blutungen nach kleinen Schnitten oder ungewöhnlich starke Monatsblutungen.

Welche Begleitsymptome sind Warnzeichen?

Warnzeichen sind alle Beschwerden, die über einen schmerzlosen roten Fleck hinausgehen. Dazu gehören:

  • Schmerzen im Auge oder starke Kopfschmerzen, besonders mit Übelkeit
  • Sehverschlechterung, Schatten, Lichtblitze, wellige Linien
  • Lichtscheu
  • ungleich große oder verzogene Pupillen
  • Blut hinter der Hornhaut (in der vorderen Augenkammer)
  • vorausgegangene Verletzung, Schlag, Sturz oder Fremdkörper
  • Blutung rund um die gesamte Hornhaut nach einem Unfall
  • Doppelbilder oder ein hervortretender Augapfel
  • Blutungen in beiden Augen bei Kindern
  • blaue Flecken oder Blutungen an anderen Körperstellen
  • sehr hoher gemessener Blutdruck mit Kopfschmerz, Schwindel oder Sehstörungen

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (12)

Wie entsteht eine Blutung unter der Bindehaut?

Sie entsteht, wenn ein kleines Blutgefäß in der Bindehaut reißt und Blut in den Spalt zwischen Bindehaut und Lederhaut austritt. Die Bindehaut ist von einem feinen Netz kleinster Gefäße durchzogen, die nur von lockerem Bindegewebe gestützt werden. Steigt der Druck in diesen Gefäßen plötzlich an oder wird die Gefäßwand mechanisch belastet, kann sie nachgeben. Weil das Gewebe nachgiebig ist, breitet sich das Blut flächig aus.

Wie oft wird keine Ursache gefunden?

Sehr oft: In bis zu 40 % der Fälle lässt sich keine eindeutige Ursache finden. Fachleute sprechen dann von einer idiopathischen oder spontanen Blutung. Wahrscheinlich gehen viele dieser Blutungen auf einen unbemerkten kurzen Druckanstieg zurück, etwa im Schlaf, beim Niesen oder beim Bücken. Echte Spontanblutungen ohne jeden Anlass gelten als eher selten.

Welche alltäglichen Auslöser gibt es?

Die häufigsten Auslöser sind kurze, kräftige Druckanstiege in den Venen von Kopf und Hals. Medizinisch nennt man das Pressen gegen die geschlossene Stimmritze Valsalva-Manöver. Dabei staut sich das Blut in den Venen des Kopfes, und feine Äderchen können platzen.

  • heftiges Husten, etwa bei Bronchitis, Asthma oder Keuchhusten
  • kräftiges Niesen
  • Erbrechen und Würgen
  • starkes Pressen bei Verstopfung oder bei der Geburt
  • schweres Heben oder Krafttraining mit angehaltenem Atem
  • starkes Bücken
  • kräftiges Augenreiben
  • Unterdruck in der Tauchmaske beim Tauchen

Welche Rolle spielt Bluthochdruck?

Bluthochdruck ist ab etwa 50 Jahren einer der wichtigsten Risikofaktoren. Dauerhaft erhöhter Druck schädigt die Wände der kleinen Gefäße und macht sie brüchig. Eine Blutung unter der Bindehaut kann der erste Anlass sein, bei dem ein bis dahin unbekannter Bluthochdruck entdeckt wird. Selten steckt eine akute Blutdruckkrise dahinter.

Bluthochdruck kann auch die Netzhaut schädigen. Diese Netzhautschäden durch Bluthochdruck bemerkt man selbst lange nicht. Wird ein Bluthochdruck neu entdeckt oder ist er schlecht eingestellt, kann die Augenärztin oder der Augenarzt bei Bedarf auch die Netzhaut untersuchen.

Welche Rolle spielen Blutverdünner?

Blutverdünner erhöhen die Neigung zu Blutungen unter der Bindehaut und machen sie oft größer. Gemeint sind zwei Gruppen von Medikamenten: Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel, die das Verklumpen der Blutplättchen hemmen, und Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien) wie Phenprocoumon, Warfarin, Acenocoumarol, Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban oder Dabigatran.

Eine einzelne Bindehautblutung unter Blutverdünnern ist meist kein Zeichen einer Überdosierung. Bei Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin lohnt sich aber eine Kontrolle des INR-Werts (des Gerinnungswerts). Setzen Sie Blutverdünner nie eigenmächtig ab, denn sie schützen vor Schlaganfall, Herzinfarkt oder Thrombosen. Das Risiko einer Bindehautblutung ist dagegen gering.

Welche Rolle spielt Diabetes?

Diabetes mellitus schwächt die Wände kleiner Blutgefäße im ganzen Körper, auch in der Bindehaut. Menschen mit Diabetes haben deshalb etwas häufiger Bindehautblutungen. Wichtiger ist jedoch, dass dieselbe Gefäßschwäche die Netzhaut schädigen kann, die diabetische Retinopathie. Eine Bindehautblutung selbst sagt über den Zustand der Netzhaut nichts aus.

Welche Verletzungen führen zu einer Blutung?

Verletzungen sind bei jüngeren Menschen die häufigste Ursache. Dazu zählen stumpfe Schläge auf das Auge, etwa durch einen Ball oder eine Faust, Sportunfälle, Stürze, Brüche des Mittelgesichts, Fremdkörper und Verätzungen. Auch heftiges Reiben, ein Fingernagel oder eine verrutschte Kontaktlinse können Gefäße verletzen.

Nach einer Verletzung ist die Blutung oft das sichtbare Zeichen, aber nicht unbedingt der wichtigste Schaden. Hinter ihr können eine Prellung des Auges, ein Fremdkörper im Auge oder im schlimmsten Fall ein Riss der Lederhaut verborgen sein. Bei einer Verätzung des Auges steht die sofortige Spülung im Vordergrund, nicht die Blutung.

Können Augenoperationen und Spritzen ins Auge eine Blutung auslösen?

Ja, nach vielen Augeneingriffen sind kleine Bindehautblutungen eine häufige und harmlose Begleiterscheinung. Das gilt zum Beispiel für Operationen am Grauen Star, Laserbehandlungen der Hornhaut wie LASIK (bei der ein Saugring auf das Auge gesetzt wird) und für Medikamentenspritzen ins Auge, etwa gegen eine feuchte Makuladegeneration. Bei der Einnahme von Blutverdünnern treten solche Blutungen häufiger auf. Sie verschwinden wie jede andere Bindehautblutung von selbst.

Welche Augenerkrankungen begünstigen Blutungen?

Einige Augenerkrankungen machen die Bindehaut verletzlicher. Dazu gehören:

  • Konjunktivochalasis: eine schlaffe, faltige Bindehaut, häufig im Alter; die Falten werden beim Lidschlag mechanisch belastet
  • Lidspaltenfleck (Pinguecula): eine gelbliche Verdickung der Bindehaut neben der Hornhaut
  • Kontaktlinsen: mechanische Reizung, vor allem bei schlecht sitzenden oder zu lange getragenen Linsen
  • akute Bindehautentzündungen: einige Virusformen, früher vor allem die akute hämorrhagische Konjunktivitis durch Enteroviren, verlaufen mit Blutungen
  • chronische Entzündungen und lange Kortison-Augentropfen: können die Gefäße zusätzlich schwächen

Welche Allgemeinerkrankungen können dahinterstecken?

Selten ist eine Bindehautblutung das erste Zeichen einer Erkrankung des Blutes oder der Gefäße. Dazu gehören:

  • angeborene Gerinnungsstörungen wie das Von-Willebrand-Syndrom oder die Bluterkrankheit (Hämophilie)
  • ein Mangel an Blutplättchen, zum Beispiel bei einer Immunthrombozytopenie (ITP)
  • Leukämien und andere Bluterkrankungen
  • schwere Lebererkrankungen, weil die Leber Gerinnungsfaktoren bildet
  • Sichelzellkrankheit
  • Gefäßveränderungen wie Gefäßerweiterungen (Teleangiektasien) oder Blutschwämmchen (Hämangiome)
  • Ablagerungen eines abnormen Eiweißes in der Bindehaut (okuläre Amyloidose)
  • Tumoren der Bindehaut, etwa Lymphome oder ein Kaposi-Sarkom
  • bestimmte Infektionskrankheiten mit Blutungsneigung, etwa Leptospirose

Diese Ursachen sind selten. Sie werden vor allem gesucht, wenn Blutungen wiederkehren, beide Augen betreffen oder andere Blutungszeichen bestehen.

Gibt es ungewöhnliche Ursachen?

Ja, einige sehr seltene Auslöser sind in Fallberichten beschrieben. Dazu zählen Blutungen nach starkem Druck auf Brustkorb oder Hals, etwa bei Würgen, Strangulation oder Einklemmen (traumatische Asphyxie), und Blutungen bei häufigem Erbrechen, zum Beispiel bei einer Bulimie. Sehr selten treten Bindehautblutungen monatlich zur Regelblutung auf. Einzelne Berichte gibt es auch nach Impfungen, ein Zusammenhang ist hier aber nicht gesichert.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Ein erhöhtes Risiko haben vor allem ältere Menschen und Menschen mit Gefäßrisiken. Zusammengefasst:

RisikofaktorWarum
Alter über 50 bis 60 Jahrebrüchigere Gefäße, lockerere Bindehaut
BluthochdruckGefäßwandschäden, höherer Druck in den Gefäßen
DiabetesSchwäche der kleinen Gefäße
BlutverdünnerBlutung stoppt langsamer, wird größer
chronischer Husten, Verstopfung, Erbrechenwiederholte Druckspitzen
Kontaktlinsen, Augenreibenmechanische Belastung
kürzliche Augenoperation oder Spritze ins AugeGefäßverletzung bei der Behandlung
GerinnungsstörungenBlutungsneigung

4 Diagnose

In diesem Kapitel (8)

Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose?

Die Diagnose ist meist eine Blickdiagnose, die durch die Untersuchung an der Spaltlampe bestätigt wird. Die Spaltlampe ist ein Mikroskop mit einer hellen, schmalen Lichtquelle. Mit ihr lässt sich sehen, dass das Blut unter der Bindehaut liegt, die Hornhaut ausspart und dass das Augeninnere unauffällig ist. Wichtiger als das Erkennen der Blutung ist der Ausschluss anderer Ursachen eines roten Auges.

Welche Fragen werden gestellt?

Die Fragen zielen auf Auslöser, Risikofaktoren und Warnzeichen. Wenn Sie die Antworten vorher überlegen, hilft das der Untersuchung:

  • Seit wann ist der Fleck da, wann wurde er bemerkt?
  • Gab es einen Schlag, Sturz, Fremdkörper oder eine Chemikalie im Auge?
  • Gab es Husten, Niesen, Erbrechen, Pressen oder schweres Heben?
  • Schmerzen, Sehstörungen, Lichtscheu, Ausfluss?
  • Ist das schon öfter passiert, und wenn ja, wie oft?
  • Ist ein Bluthochdruck oder Diabetes bekannt?
  • Welche Medikamente nehmen Sie, vor allem ASS, Clopidogrel oder andere Blutverdünner? Wann wurde zuletzt der INR-Wert bestimmt?
  • Haben Sie blaue Flecken, Nasen- oder Zahnfleischbluten?
  • Tragen Sie Kontaktlinsen? Gab es kürzlich eine Augenoperation oder eine Spritze ins Auge?

Was wird am Auge untersucht?

Untersucht werden in der Regel Sehschärfe, Pupillen, die vorderen Augenabschnitte an der Spaltlampe und bei Bedarf der Augeninnendruck. Die Sehschärfe ist bei einer einfachen Blutung normal. Die Bindehaut wird auf Falten, Verdickungen oder Gefäßveränderungen untersucht. Bei Unklarheiten oder nach Verletzungen wird auch der Augenhintergrund mit erweiterten Pupillen angesehen.

Warum wird der Blutdruck gemessen?

Der Blutdruck wird gemessen, weil Bluthochdruck eine häufige und gut behandelbare Ursache ist. Viele Betroffene wissen nichts von ihrem erhöhten Blutdruck. Ein einzelner hoher Wert in der Aufregung sagt allerdings wenig aus. Ist der Wert erhöht, sollte er in den folgenden Tagen in Ruhe mehrfach kontrolliert werden, zum Beispiel in der Hausarztpraxis, in der Apotheke oder mit einem eigenen Messgerät.

Wann sind Blutuntersuchungen nötig?

Blutuntersuchungen sind bei einer einzelnen Blutung ohne Begleitzeichen nicht nötig. Sinnvoll sind sie, wenn Blutungen wiederkehren, beide Augen betroffen sind, zusätzlich andere Blutungen am Körper auftreten oder Gerinnungshemmer eingenommen werden. Typische Werte sind:

  • großes Blutbild mit Zahl der Blutplättchen
  • Gerinnungswerte: Quick-Wert beziehungsweise INR, aPTT und Fibrinogen
  • bei Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin: aktueller INR-Wert
  • bei Bedarf Blutzucker und Leberwerte

Bei Hinweisen auf eine angeborene Gerinnungsstörung kann eine weiterführende Abklärung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Blutgerinnung folgen.

Was wird nach einer Verletzung zusätzlich untersucht?

Nach einer Verletzung wird gezielt nach Schäden gesucht, die die Blutung verdecken kann. Besonders wichtig ist der Ausschluss eines Risses der Lederhaut (Bulbusruptur). Hinweise darauf sind eine Blutung rund um die gesamte Hornhaut, eine stark vorgewölbte Blutung, ein sehr niedriger Augeninnendruck, eine verzogene Pupille oder eine plötzlich tiefere oder flachere vordere Augenkammer.

Bei Verdacht kann eine Computertomographie (CT) der Augenhöhle nötig sein, um Brüche, Fremdkörper oder Verletzungen des Augapfels zu erkennen. Bei eindeutigem Verdacht auf einen Riss wird das Auge operativ untersucht und versorgt.

Wovon muss die Blutung abgegrenzt werden?

Abgegrenzt werden müssen andere Ursachen eines roten Auges und andere Formen von Blut im oder am Auge. Die wichtigsten:

BefundWas es istUnterschied zum Hyposphagma
HyphämaBlut in der vorderen Augenkammer hinter der Hornhautliegt im Auge, kann das Sehen stören, oft nach Verletzung
Chemosisglasige Schwellung der Bindehaut mit Flüssigkeitkein Blut, eher durchscheinend
BindehautentzündungEntzündung der Bindehautdiffuse Rötung, Sekret, Brennen, Jucken
Episkleritis, SkleritisEntzündung der Gewebe über und in der Lederhautgestaute Gefäße, Druckschmerz, bei Skleritis starke Schmerzen
UveitisEntzündung im AugeninnerenRötung um die Hornhaut, Lichtscheu, Schmerz, Sehminderung
Akuter Glaukomanfallplötzlicher starker Anstieg des Augeninnendrucksheftiger Schmerz, Sehverschlechterung, harter Augapfel
Bluterguss am Lid (Ekchymose)Blut in der Haut des Lidesblau-violett in der Haut, nicht auf dem Weißen
Tumor oder Gefäßfehlbildung der BindehautGewebsvermehrungbleibt bestehen oder blutet wiederholt an derselben Stelle

Eine Blutung unter der Bindehaut hat nichts mit dem Augeninnendruck zu tun. Sie ist weder ein Zeichen für einen Grünen Star noch löst sie einen aus.

Wann folgt eine Kontrolle?

Bei einer typischen Blutung ohne Verletzung ist meist keine Kontrolle nötig. Eine erneute Vorstellung ist sinnvoll, wenn der Fleck nach drei bis vier Wochen nicht deutlich kleiner geworden ist, wenn immer wieder neue Blutungen auftreten oder wenn an der Stelle eine Verdickung zurückbleibt. Dann wird nach einer örtlichen Ursache wie einer Gefäßveränderung oder einem Tumor gesucht.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (10)

Muss eine Blutung unter der Bindehaut behandelt werden?

Nein, in aller Regel ist keine Behandlung nötig. Der Körper baut das Blut von selbst ab, so wie bei einem blauen Fleck auf der Haut. Das Wichtigste ist oft die Gewissheit, dass der Fleck harmlos ist. Behandelt wird nur eine mögliche Ursache, etwa ein zu hoher Blutdruck.

Gibt es Mittel, die die Heilung beschleunigen?

Nein, kein Mittel beschleunigt nachweislich das Verschwinden der Blutung. Weder Kortison- noch Antibiotika-Tropfen, gefäßverengende Augentropfen gegen Rötung oder Kompressen verkürzen die Heilung. Gefäßverengende Tropfen können bei längerer Anwendung sogar selbst Reizungen und eine verstärkte Rötung auslösen. In Tierversuchen wurde ein spezielles Heparin-Präparat getestet; für Menschen gibt es dazu keine belastbaren Ergebnisse.

Was hilft gegen das Fremdkörpergefühl?

Gegen ein Reiz- oder Fremdkörpergefühl helfen Tränenersatzmittel (künstliche Tränen). Sie glätten den Tränenfilm über der angehobenen Bindehaut und machen den Lidschlag angenehmer. Einzeldosen ohne Konservierungsmittel sind besonders gut verträglich, wenn Sie die Tropfen häufiger am Tag brauchen. Mehr zu den Unterschieden finden Sie unter Augentropfen gegen trockene Augen.

Was sollten Sie selbst tun und lassen?

Am besten lassen Sie das Auge in Ruhe. Bewährt haben sich einige einfache Regeln:

  • nicht reiben, auch wenn das Auge kratzt
  • Kontaktlinsen pausieren, bis sich das Auge wieder normal anfühlt
  • bei Bedarf Tränenersatzmittel verwenden
  • Blutdruck in den nächsten Tagen mehrmals messen lassen oder selbst messen
  • auslösende Belastungen vermeiden, solange es geht, zum Beispiel schweres Heben
  • Blutverdünner wie verordnet weiter einnehmen

Dürfen Sie Ihre Blutverdünner weiter einnehmen?

Ja, setzen Sie Blutverdünner wegen einer Bindehautblutung nicht eigenmächtig ab. Sie wurden verordnet, um gefährliche Ereignisse wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Lungenembolie oder Thrombose zu verhindern. Eine Bindehautblutung ist dagegen harmlos. Bei Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin ist es sinnvoll, den INR-Wert prüfen zu lassen; die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt entscheidet, ob die Dosis angepasst werden muss.

Wie wird ein zu hoher Blutdruck behandelt?

Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck wird in der Hausarztpraxis oder bei der Internistin oder dem Internisten abgeklärt und behandelt. Je nach Höhe stehen Lebensstiländerungen und Medikamente im Vordergrund. Die Behandlung schützt nicht nur vor neuen Bindehautblutungen, sondern vor allem Herz, Gehirn, Nieren und die Netzhaut.

Wie wird bei einer zugrunde liegenden Erkrankung behandelt?

Liegt eine Erkrankung zugrunde, wird diese behandelt und nicht die Blutung selbst. Bei einer Gerinnungsstörung oder einem Mangel an Blutplättchen geschieht das bei Fachleuten für Blutkrankheiten. Eine faltige Bindehaut, die immer wieder blutet, kann mit Tränenersatzmitteln behandelt oder bei starken Beschwerden operativ gestrafft werden. Ein Tumor oder eine Gefäßveränderung der Bindehaut wird gezielt untersucht und behandelt.

Wie wird nach einer Verletzung behandelt?

Nach einer Verletzung richtet sich die Behandlung nach dem eigentlichen Schaden, nicht nach der Blutung. Eine Prellung, ein Fremdkörper oder ein Riss der Bindehaut werden augenärztlich versorgt. Ein Riss der Lederhaut ist ein Notfall und wird operiert. Die Blutung selbst wird auch hier nicht entfernt; sie bildet sich von allein zurück.

Kann man die Blutung vor Augeneingriffen verhindern?

Ganz verhindern lässt sie sich nicht, aber ihr Risiko lässt sich bei manchen Eingriffen etwas senken. Vor Operationen oder Spritzen ins Auge werden manchmal gefäßverengende Tropfen gegeben, die Daten dazu sind aber dünn. Ob Blutverdünner vor einem Eingriff pausiert werden, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt, die sie verordnet hat. Meist werden sie weiter eingenommen, und kleine Bindehautblutungen werden in Kauf genommen.

Was kostet die Behandlung?

Da meist keine Behandlung nötig ist, entstehen in der Regel keine Behandlungskosten über die ärztliche Untersuchung hinaus. Tränenersatzmittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Ob Ihre Krankenkasse sie im Einzelfall übernimmt, erfahren Sie in der Praxis oder bei der Kasse.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (7)

Wie lange dauert eine Blutung unter der Bindehaut?

Meist dauert es ein bis drei Wochen, bis die Blutung verschwunden ist. Kleine Blutungen können schon nach wenigen Tagen bis etwa zehn Tagen kaum noch sichtbar sein. Große, flächige oder vorgewölbte Blutungen brauchen länger, manchmal bis zu vier Wochen. Bei Menschen, die Blutverdünner einnehmen, und bei älteren Menschen dauert es eher länger.

Wie läuft die Heilung ab?

Der Körper baut das Blut schrittweise ab und transportiert es über kleine Lymph- und Blutgefäße ab. Dabei verändert sich die Farbe von Rot über Braun zu Gelb oder Grün, und der Fleck wird von den Rändern her kleiner. In den ersten Stunden kann er sich noch etwas ausbreiten. Danach wird er stetig blasser.

Bleiben Folgen zurück?

Nein, in aller Regel heilt die Blutung folgenlos ab. Das Sehen wird nicht beeinträchtigt, und das Auge sieht danach wieder aus wie vorher. Sehr selten bleibt eine leichte, gelbliche oder bräunliche Verfärbung der Bindehaut zurück. Narben entstehen nicht.

Kann die Blutung wiederkommen?

Ja, Wiederholungen sind möglich, vor allem in den ersten Wochen und Monaten. Gerade wenn ein Auslöser wie ein hartnäckiger Husten, eine Verstopfung oder ein schlecht eingestellter Blutdruck weiter besteht, können neue Blutungen folgen. Wie hoch das Wiederholungsrisiko genau ist, ist in der Fachliteratur nicht gut belegt. Kommt es zu einer erneuten Blutung, sollten Sie Ihren Blutdruck prüfen lassen; bei häufigen Wiederholungen ist eine augenärztliche und gegebenenfalls internistische Abklärung sinnvoll.

Kann eine Blutung unter der Bindehaut gefährlich werden?

Die Blutung selbst wird nicht gefährlich. Sie kann aber ein Hinweis auf etwas anderes sein.

Bei älteren Menschen mit großen, wiederkehrenden Blutungen kann sie auf eine Gefäßerkrankung hinweisen. Nach einer Verletzung kann sie einen Riss der Lederhaut verdecken. Selten ist sie das erste Zeichen einer Gerinnungsstörung, einer Ablagerungskrankheit oder eines Tumors der Bindehaut.

Wann ist der Verlauf ungewöhnlich?

Ungewöhnlich ist, wenn die Blutung nach drei bis vier Wochen nicht deutlich kleiner geworden ist, wenn sie an derselben Stelle immer wieder auftritt oder wenn sie größer statt kleiner wird. Ebenso ungewöhnlich sind neu auftretende Schmerzen oder Sehstörungen. In diesen Fällen sollten Sie das Auge augenärztlich untersuchen lassen.

Wie wirkt sich die Blutung auf Alltag und Arbeit aus?

Im Alltag schränkt eine Blutung unter der Bindehaut kaum ein. Sie können lesen, am Bildschirm arbeiten, Auto fahren und Sport treiben, soweit Sie sich wohlfühlen und das Sehen normal ist. Eine Krankschreibung ist wegen der Blutung allein meist nicht nötig. Belastend ist für viele vor allem das Aussehen; eine Brille mit getönten Gläsern kann im Beruf helfen, wenn Ihnen die Blicke unangenehm sind.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (8)

Kann man einer Blutung unter der Bindehaut vorbeugen?

Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht, aber man kann das Risiko senken. Viele Blutungen entstehen ohne erkennbaren Anlass, und niemand kann Niesen oder Husten ganz vermeiden. Sinnvoll ist es, die beeinflussbaren Risikofaktoren gut im Griff zu haben. Das schützt nicht nur die Augen, sondern die Gefäße im ganzen Körper.

Welche Rolle spielt die Blutdruckkontrolle?

Die regelmäßige Blutdruckkontrolle ist die wichtigste Maßnahme, besonders ab 50 Jahren. Wer einmal eine Bindehautblutung hatte, sollte den Blutdruck messen lassen. Ist ein Bluthochdruck bekannt, hilft eine gute Einstellung, neue Blutungen zu vermeiden. Die Messung ist in der Hausarztpraxis, in vielen Apotheken oder mit einem eigenen Oberarm-Messgerät möglich.

Was können Menschen mit Diabetes tun?

Menschen mit Diabetes profitieren von einer guten Blutzuckereinstellung, weil sie die kleinen Gefäße schützt. Wichtiger als die Bindehaut ist dabei die Netzhaut. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen des Augenhintergrunds sind bei Diabetes ohnehin empfohlen, unabhängig von einer Bindehautblutung.

Worauf sollten Menschen mit Blutverdünnern achten?

Wer Blutverdünner einnimmt, sollte die verordneten Kontrollen einhalten, insbesondere die INR-Messungen bei Phenprocoumon oder Warfarin. Achten Sie außerdem auf Wechselwirkungen: Manche rezeptfreien Schmerzmittel, etwa ASS oder Ibuprofen, und einige pflanzliche Mittel können die Blutungsneigung zusätzlich verstärken. Sprechen Sie vor der Einnahme solcher Mittel mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Wie lassen sich Druckspitzen vermeiden?

Druckspitzen lassen sich verringern, indem Sie ihre Ursachen behandeln und beim Anstrengen nicht die Luft anhalten. Praktische Hinweise:

  • anhaltenden Husten ärztlich abklären und behandeln lassen
  • Verstopfung vorbeugen: ausreichend trinken, ballaststoffreich essen, bewegen
  • beim Heben und beim Krafttraining gleichmäßig weiteratmen
  • häufiges Erbrechen ärztlich abklären lassen

Was hilft gegen Augenreiben?

Gegen Augenreiben hilft vor allem, den Juckreiz oder das Trockenheitsgefühl dahinter zu behandeln. Häufige Ursachen sind trockene Augen, eine Allergie oder eine Lidrandentzündung. Tränenersatzmittel, kühle Umschläge bei Juckreiz und eine gezielte Behandlung der Ursache verringern den Drang zu reiben. Bei Kindern hilft es, die Fingernägel kurz zu halten.

Was sollten Kontaktlinsenträgerinnen und -träger beachten?

Kontaktlinsen sollten gut sitzen, sauber sein und nicht länger als empfohlen getragen werden. Lassen Sie den Sitz regelmäßig kontrollieren. Nach einer Bindehautblutung pausieren Sie die Linsen, bis sich das Auge wieder normal anfühlt. Treten Blutungen immer wieder beim Einsetzen oder Herausnehmen auf, lohnt sich eine Beratung zu Linsentyp und Handhabung.

Wie schützen Sie Ihre Augen vor Verletzungen?

Vor Verletzungen schützt eine passende Schutzbrille bei Arbeiten mit Splittergefahr, bei Ballsportarten mit kleinen, schnellen Bällen wie Squash und beim Umgang mit Chemikalien. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind Sport- und Spielunfälle die häufigste Ursache von Bindehautblutungen. Bei älteren Menschen verringert eine sichere Wohnumgebung das Sturzrisiko.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (3)

Eine Blutung unter der Bindehaut ist in den allermeisten Fällen kein Notfall. Es gibt aber Situationen, in denen der rote Fleck auf etwas Ernsteres hinweist. Allgemeine Warnzeichen am Auge finden Sie auch unter Notfall am Auge.

Wann sofort zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Notaufnahme?

Sofort sollten Sie Hilfe suchen, wenn zur Blutung eines der folgenden Zeichen hinzukommt:

  • eine Verletzung, ein Schlag, Sturz oder ein Unfall, besonders mit Blutung rund um die ganze Hornhaut oder stark vorgewölbter Bindehaut
  • Verdacht auf einen Fremdkörper, vor allem nach Hämmern, Schleifen oder Bohren
  • Chemikalien im Auge: zuerst sofort ausgiebig mit Wasser spülen, dann in die Klinik
  • Sehverschlechterung, Schatten, Lichtblitze oder Doppelbilder
  • starke Augenschmerzen, Lichtscheu, Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen
  • ungleich große Pupillen oder Blut hinter der Hornhaut
  • sehr hoher Blutdruck zusammen mit Kopfschmerzen, Schwindel, Brustschmerz oder Atemnot
  • Kopfverletzung unter Blutverdünnern, auch wenn es Ihnen zunächst gut geht
  • ein Baby unter vier Wochen mit rotem Auge: noch am selben Tag ärztlich ansehen lassen
  • ein Kind mit Blutungen in beiden Augen ohne erklärbaren Anlass: noch am selben Tag ärztlich untersuchen lassen

Drücken oder reiben Sie nach einer Verletzung nicht am Auge, denn bei einem Riss der Lederhaut kann das den Schaden vergrößern.

Wann innerhalb weniger Tage zur Ärztin oder zum Arzt?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie sich vorstellen, wenn:

  • Blutungen immer wiederkehren
  • beide Augen betroffen sind
  • Sie zusätzlich blaue Flecken, Nasen- oder Zahnfleischbluten bemerken
  • Sie Phenprocoumon oder Warfarin einnehmen und Ihr INR-Wert länger nicht kontrolliert wurde
  • das Auge zusätzlich stark gerötet ist, brennt, juckt oder Sekret absondert
  • Ihr Blutdruck bei der eigenen Messung wiederholt erhöht ist

Wann reicht ein normaler Termin oder Abwarten?

Abwarten können Sie bei einem einzelnen, schmerzlosen roten Fleck ohne Verletzung, ohne Sehstörung und ohne andere Beschwerden. Lassen Sie in diesem Fall in den nächsten Tagen Ihren Blutdruck messen. Einen regulären Termin sollten Sie vereinbaren, wenn der Fleck nach drei bis vier Wochen nicht deutlich kleiner geworden ist oder an der Stelle eine Verdickung zurückbleibt.

9 Häufige Fragen

Ist ein geplatztes Äderchen im Auge gefährlich?

Nein, meist ist es harmlos. Das Blut liegt außen auf dem Auge unter der Bindehaut, das Sehen bleibt unverändert, und der Fleck verschwindet von selbst. Abklären lassen sollten Sie ihn nach einer Verletzung, bei Schmerzen, Sehstörungen, häufigen Wiederholungen oder wenn Sie auch an anderen Stellen ungewöhnlich bluten.

Wie lange dauert es, bis ein Blutfleck im Auge weg ist?

Meist ein bis drei Wochen. Kleine Flecken verblassen oft schon nach etwa einer Woche, große Blutungen können bis zu vier Wochen brauchen. Unter Blutverdünnern und im höheren Alter dauert es eher länger.

Warum wird der rote Fleck im Auge gelb?

Der Farbwechsel zeigt, dass das Blut abgebaut wird. Wie bei einem blauen Fleck auf der Haut wird der rote Blutfarbstoff in gelbe und grüne Abbaustoffe zerlegt. Das ist ein gutes Zeichen für die Heilung.

Kommt eine Blutung im Auge vom Bluthochdruck?

Das ist möglich, vor allem ab etwa 50 Jahren. Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren. Lassen Sie Ihren Blutdruck deshalb in den Tagen nach der Blutung mehrmals in Ruhe messen. Oft findet sich aber keine bestimmte Ursache.

Muss ich wegen einer Bindehautblutung meine Blutverdünner absetzen?

Nein, setzen Sie Blutverdünner nicht eigenmächtig ab. Sie schützen vor viel gefährlicheren Ereignissen wie Schlaganfall oder Thrombose. Bei Phenprocoumon oder Warfarin ist eine Kontrolle des INR-Werts sinnvoll; über eine Dosisänderung entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Welche Augentropfen helfen bei einem geplatzten Äderchen?

Keine Augentropfen lassen die Blutung schneller verschwinden. Bei einem Kratz- oder Fremdkörpergefühl helfen Tränenersatzmittel. Gefäßverengende Tropfen gegen rote Augen, Kortison- oder Antibiotika-Tropfen sind nicht sinnvoll.

Kann ich mit einer Blutung im Auge Auto fahren, arbeiten und Sport treiben?

Ja, sofern Sie normal sehen und sich wohlfühlen. Die Blutung beeinträchtigt das Sehen nicht. Verzichten Sie in den ersten Tagen am besten auf sehr schweres Heben und pausieren Sie Kontaktlinsen, bis sich das Auge wieder normal anfühlt.

Ist eine Blutung unter der Bindehaut ansteckend?

Nein. Ansteckend kann höchstens eine Virusinfektion der Bindehaut sein, die selten mit Blutungen einhergeht. Dann sind aber zusätzlich Brennen, Tränen, Sekret und eine diffuse Rötung vorhanden.

Warum hat mein Neugeborenes rote Flecken im Auge?

Bei Neugeborenen sind Blutungen unter der Bindehaut häufig. Sie entstehen durch den Druck auf den Kopf während der Geburt und verschwinden innerhalb weniger Wochen ohne Folgen. Lassen Sie ein rotes Auge bei einem Baby unter vier Wochen trotzdem noch am selben Tag ärztlich ansehen, um eine Entzündung auszuschließen.

Was bedeutet es, wenn ich immer wieder Blutungen im Auge bekomme?

Häufige Blutungen sollten abgeklärt werden. Oft stecken eine faltige Bindehaut, Augenreiben, Kontaktlinsen oder ein schlecht eingestellter Blutdruck dahinter. Seltener sind eine Gerinnungsstörung, eine Überdosierung von Blutverdünnern oder eine Veränderung der Bindehaut die Ursache. Augenärztliche Untersuchung, Blutdruckmessung und gegebenenfalls Blutuntersuchungen schaffen Klarheit.

Ist Blut im Auge nach einem Schlag ein Notfall?

Nach einer Verletzung sollte das Auge immer rasch augenärztlich untersucht werden. Die Blutung kann eine Prellung oder sogar einen Riss der Lederhaut verdecken. Besonders dringend ist es bei Sehverschlechterung, Schmerzen, Blut hinter der Hornhaut oder einer Blutung rund um die ganze Hornhaut.

Hat eine Blutung im Auge etwas mit dem Augendruck oder Grünem Star zu tun?

Nein. Eine Blutung unter der Bindehaut hat nichts mit dem Augeninnendruck zu tun und ist kein Zeichen eines Grünen Stars. Ein akuter Glaukomanfall macht dagegen heftige Schmerzen und Sehstörungen und ist ein Notfall.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 11 Quellen anzeigen
  1. Subkonjunktivale Blutungen – MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise (DE)
  2. Hyposphagma – DocCheck Flexikon (DE)
  3. Subconjunctival Hemorrhage – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  4. What Is Subconjunctival Hemorrhage? – American Academy of Ophthalmology (EN)
  5. Red eye – NHS (EN)
  6. Hémorragie sous-conjonctivale – La Revue du Praticien (FR)
  7. Hémorragie sous-conjonctivale – Manuel MSD, version pour le grand public (FR)
  8. Hemorragia subconjuntival – MedlinePlus en español, National Library of Medicine (ES)
  9. Hiposfagma (hemorragia subconjuntival) – Clínica Universidad de Navarra, Diccionario médico (ES)
  10. Hiposfagma – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
  11. Hemorragia subconjuntival – American Academy of Ophthalmology (español) (ES)

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