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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Allgemeinerkrankungen und Auge

Bildschirmarbeit und Augen (Digitale Augenbelastung, Computer Vision Syndrom)

Bildschirmarbeit führt bei mindestens jedem zweiten Vielnutzer zu müden, trockenen, brennenden Augen, unscharfem Sehen und Kopfschmerzen (digitale Augenbelastung oder Computer Vision Syndrom). Die Beschwerden sind vorübergehend und lassen sich mit passender Brille, Pausen, Blinzeln und gutem Arbeitsplatz meist deutlich lindern.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 39 Minuten · 31 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (3)

Bildschirmarbeit macht die Augen müde, trocken und gereizt, schädigt sie nach heutigem Wissen aber nicht dauerhaft. Fachleute nennen die typischen Beschwerden „digitale Augenbelastung“ oder „Computer Vision Syndrom“ (CVS), im deutschen Sprachraum auch „Office-Eye-Syndrom“ oder „digitaler Augenstress“. Gemeint ist keine eigene Krankheit, sondern eine Sammelbezeichnung für Augen-, Seh- und Haltungsbeschwerden, die mit längerer Arbeit an Computer, Laptop, Tablet oder Smartphone zusammenhängen.

Zwei Mechanismen stehen im Vordergrund. Erstens blinzeln Menschen am Bildschirm viel seltener, sodass der Tränenfilm aufreißt und die Augenoberfläche austrocknet. Zweitens müssen die Augen stundenlang auf eine feste, kurze Entfernung scharf stellen und sich nach innen richten. Kommen eine nicht oder falsch korrigierte Fehlsichtigkeit, beginnende Alterssichtigkeit, trockene Raumluft oder ein ungünstig eingerichteter Arbeitsplatz hinzu, verstärken sich die Beschwerden deutlich.

Was sind die wichtigsten Beschwerden?

Am häufigsten sind brennende, trockene oder gerötete Augen, verschwommenes Sehen und Kopfschmerzen gegen Ende des Arbeitstages. Dazu kommen oft Nacken- und Schulterverspannungen. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) nennt Kopfschmerz und Augenbrennen als Leitsymptome.

Wie häufig ist die digitale Augenbelastung?

Sehr häufig: Je nach Studie ist mindestens jeder zweite Mensch betroffen, der intensiv am Bildschirm arbeitet. Eine große Auswertung von 103 Studien aus den Jahren 2011 bis 2023 kam im Mittel auf rund 69 von 100 Bildschirmnutzern, bei Studierenden auf etwa 76, bei Kindern und Jugendlichen auf etwa 50 von 100. Die Zahlen schwanken stark, weil es keine einheitlichen Diagnosekriterien gibt. In einer französischen Bevölkerungsumfrage gaben 32 von 100 Erwachsenen entsprechende Beschwerden an.

Was hilft am meisten?

Nach Einschätzung der Fachleute hilft am meisten eine Kombination aus richtiger Brille, gut eingerichtetem Arbeitsplatz, regelmäßigen Pausen und bewusstem Blinzeln. Bei trockenen Augen helfen Tränenersatzmittel. Wer ab etwa 40 Jahren am Bildschirm Kopfschmerzen bekommt, sollte an eine beginnende Alterssichtigkeit denken und gegebenenfalls eine eigene Bildschirmarbeitsplatzbrille anpassen lassen.

  • Kein Grund zur Sorge: Die Beschwerden gehen in aller Regel zurück, wenn die Ursache behoben ist.
  • Blaulichtfilter-Brillen: Nach den vorliegenden Studien und der Einschätzung der Fachgesellschaften lindern sie die Augenbelastung nicht.
  • Arbeitsrecht: In Deutschland und Österreich müssen Arbeitgeber eine Augenuntersuchung anbieten und die Kosten einer nötigen Bildschirmbrille tragen (in Österreich zusammen mit der Krankenversicherung).
  • Kinder: Viel Naharbeit und wenig Tageslicht begünstigen Kurzsichtigkeit; Zeit im Freien schützt.

2 Symptome

In diesem Kapitel (17)

Typisch sind müde, trockene, brennende Augen, zeitweise unscharfes Sehen und Kopfschmerzen, die im Lauf des Bildschirmtages zunehmen und nach Pausen oder am freien Wochenende wieder abklingen. Fachleute teilen die Beschwerden in vier Gruppen ein: Beschwerden im Auge selbst, Beschwerden an der Augenoberfläche, Sehstörungen und Beschwerden von Muskeln und Gelenken. Die meisten Betroffenen haben Beschwerden aus mehreren Gruppen gleichzeitig. Kein einzelnes Symptom ist für sich allein beweisend.

Welche Symptome gehören zur digitalen Augenbelastung?

Die folgende Übersicht fasst die Beschwerden zusammen, die in deutschen, englischen, französischen und spanischen Fachquellen übereinstimmend beschrieben werden.

GruppeBeschwerdenWoher sie meist kommen
Augenoberfläche (äußere Symptome)Trockenheit, Brennen, Stechen, Jucken, Rötung, Sandkorn- oder Fremdkörpergefühl, tränende Augen, schwere LiderSeltener und unvollständiger Lidschlag, Verdunstung des Tränenfilms, trockene Raumluft
Im Auge (innere Symptome)Ermüdung, Anstrengungsgefühl, Druck oder Ziehen hinter den Augen, AugenschmerzDauerndes Scharfstellen auf kurze Entfernung (Akkommodation) und Einwärtsdrehen der Augen (Konvergenz)
SehenVerschwommenes Sehen in der Nähe oder beim Blick in die Ferne, verschwimmende Buchstaben, Doppelbilder, Blendempfindlichkeit, schlechteres KontrastsehenErschöpfte Naheinstellung, unkorrigierte Fehlsichtigkeit, gestörter Tränenfilm
KörperKopfschmerz, Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, Verspannungen, Konzentrationsschwäche, MüdigkeitFehlhaltung, ungeeignete Brille, langes Sitzen

Wie fühlen sich trockene Augen am Bildschirm an?

Trockene Augen am Bildschirm brennen, kratzen oder fühlen sich an, als sei Sand im Auge. Viele sprechen von „geräderten“ Augen, empfinden die Lider als schwer und die Lidränder als leicht geschwollen. Oft sind die Augen gerötet, besonders am Abend.

Scheinbar widersprüchlich ist, dass trockene Augen auch tränen können. Die gereizte Augenoberfläche löst dann reflektorisch einen Schwall wässriger Tränen aus, der aber den eigentlichen Mangel nicht behebt. Ausführlich beschreibt das der Artikel zum Trockenen Auge.

Warum sehe ich am Bildschirm zeitweise unscharf?

Zeitweise unscharfes Sehen entsteht meist, weil der Muskel für die Naheinstellung ermüdet oder der Tränenfilm aufreißt. Der Tränenfilm ist die erste lichtbrechende Schicht des Auges; ist er lückenhaft, wird das Bild trüb und klart nach einem kräftigen Lidschlag wieder auf. Das ist ein typisches Zeichen für eine Ursache an der Augenoberfläche.

Bei erschöpfter Naheinstellung verschwimmen dagegen die Buchstaben auf dem Bildschirm, oder der Blick in die Ferne bleibt nach langer Naharbeit für einige Sekunden bis Minuten unscharf. Manche Menschen bemerken, dass sie Texte zunehmend größer stellen oder näher an den Bildschirm rücken.

Kann Bildschirmarbeit Doppelbilder auslösen?

Ja, vorübergehende Doppelbilder kommen vor, vor allem nach langer Naharbeit und bei Menschen mit einer leichten, sonst ausgeglichenen Schielneigung. Beide Augen müssen sich beim Blick auf den Bildschirm ständig nach innen richten. Ist diese Fähigkeit schwach (Konvergenzschwäche) oder ermüdet, laufen die Bilder beider Augen kurz auseinander. In französischen Quellen wird außerdem beschrieben, dass eine Konvergenzschwäche Schwindel und Augenermüdung verbinden kann.

Wichtig: Doppelbilder, die plötzlich auftreten und auch nach Ausruhen bleiben, gehören nicht zur Bildschirmermüdung. Sie müssen rasch abgeklärt werden (siehe Abschnitt „Wann sofort zum Arzt?“).

Welche Kopfschmerzen sind typisch?

Typisch ist ein dumpfer, drückender Kopfschmerz über Stirn, Schläfen oder hinter den Augen, der sich gegen Ende des Arbeitstages aufbaut. Die DOG beschreibt, wie aus dem anfänglichen Augenbrennen mit der Zeit „ein Schmerz in Richtung Kopf“ werden kann. Abendliche Kopfschmerzen sind nach ihrer Darstellung oft die Folge einer unerkannten oder falsch korrigierten Kurz- oder Weitsichtigkeit, die die Augen den ganzen Tag überanstrengt.

Wer sich dem 50. Lebensjahr nähert und erstmals Kopfschmerzen und ein Druckgefühl vor dem Computer bemerkt, sollte zuerst an Alterssichtigkeit denken. Ein weiterer häufiger Auslöser ist die Gleitsichtbrille am Rechner: Weil der scharfe Bereich für die Bildschirmentfernung sehr schmal ist, sitzt man „wie eingefroren“ und hält Kopf und Wirbelsäule starr. Das führt zu Verspannungen und Spannungskopfschmerz. Bei starker Ermüdung berichten manche Menschen zusätzlich über leichte Übelkeit.

Warum tun Nacken und Schultern weh?

Nacken- und Schulterschmerzen entstehen durch die Haltung, die man einnimmt, um scharf zu sehen. Steht der Bildschirm zu hoch, wird mit einer Gleitsichtbrille der Kopf in den Nacken gelegt. Ist die Schrift zu klein oder die Brille zu schwach, beugt man sich nach vorn. In einer Metaanalyse von 20 Studien (2023) waren Nacken-, Rücken- oder Schulterschmerzen mit rund 46 Prozent sogar die häufigste der erfassten Einzelbeschwerden, noch vor Kopfschmerzen mit rund 43 Prozent.

Auch der gesenkte Kopf über dem Smartphone belastet die Halswirbelsäule. Langes Sitzen ohne Bewegung verstärkt die Verspannungen zusätzlich.

Lichtempfindlichkeit und Blendung

Viele Betroffene empfinden helles Licht, Spiegelungen auf dem Bildschirm oder grelle Deckenleuchten als unangenehm. Eine gereizte, trockene Augenoberfläche macht lichtempfindlicher. Ist der Bildschirm viel heller oder dunkler als die Umgebung, müssen sich die Augen zudem ständig an wechselnde Helligkeit anpassen.

Lidzucken, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit

Ein Zucken des Lides, schnelle Ermüdung und nachlassende Konzentration werden häufig als Begleitbeschwerden genannt. Lidzucken ist meist harmlos und hängt mit Müdigkeit, Stress und Schlafmangel zusammen (mehr dazu unter Lidzucken). Konzentrationsschwäche entsteht, weil das Sehen mit erschöpften Augen mehr Anstrengung kostet.

Eine Übersichtsarbeit beschreibt außerdem Zusammenhänge zwischen starker Bildschirmnutzung und Schlafstörungen sowie Stress und gedrückter Stimmung. Ob der Bildschirm hier Ursache ist oder nur Begleiter eines belastenden Arbeitsalltags, lässt sich aus den Studien nicht sicher ableiten.

Wann im Tagesverlauf treten die Beschwerden auf?

Die Beschwerden nehmen typischerweise im Lauf des Tages zu und sind abends am stärksten. Morgens und nach einem freien Tag sind die meisten Betroffenen beschwerdefrei oder deutlich besser. Das unterscheidet die Bildschirmermüdung von manchen anderen Augenkrankheiten, etwa einer Lidrandentzündung, deren Beschwerden oft morgens am stärksten sind.

Wie schnell die Beschwerden einsetzen, ist sehr unterschiedlich. Manche spüren nach etwa zwei Stunden ununterbrochener Arbeit trockene, brennende Augen. In Studien steigt das Risiko ab etwa zwei Stunden Bildschirmzeit täglich messbar an und wird ab etwa vier bis sechs Stunden täglich deutlich höher. In einer thailändischen Studie an Studierenden stieg das Risiko mit jeder zusätzlichen Stunde um etwa 12 Prozent.

Sind beide Augen betroffen?

Ja, die digitale Augenbelastung betrifft praktisch immer beide Augen. Beide Augen blinzeln gleich selten und stellen gemeinsam scharf. Sind die Beschwerden deutlich nur auf einer Seite, spricht das eher für eine andere Ursache, etwa einen Fremdkörper, eine Entzündung oder eine einseitig unkorrigierte Fehlsichtigkeit, und sollte augenärztlich angesehen werden.

Was ist bei Kontaktlinsenträgern anders?

Wer Kontaktlinsen trägt, hat am Bildschirm häufiger und stärker trockene Augen. Die Linse teilt den Tränenfilm und lässt ihn schneller verdunsten. Typisch ist, dass die Linsen gegen Abend spürbar werden, kratzen oder schlechter vertragen werden. Manche Kontaktlinsenträger haben dauerhaft trockene Augen, nicht nur am Bildschirmtag.

Wer ist besonders anfällig?

Besonders anfällig sind Frauen, Kontaktlinsenträger, Menschen ab etwa 40 Jahren und alle, die schon eine Erkrankung der Augenoberfläche haben. Zu diesen Erkrankungen gehören das Trockene Auge, die Lidrandentzündung (Blepharitis), die allergische Bindehautentzündung, der Keratokonus und der Zustand nach einer Laserbehandlung der Hornhaut. In einer großen Auswertung lag die Häufigkeit bei Frauen bei etwa 71, bei Männern bei etwa 62 von 100.

Wie zeigen sich die Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen?

Kinder klagen seltener über Augenbeschwerden, weil sie diese weniger gut benennen können und sich schneller anpassen. Nach Daten aus vielen Studien ist etwa jedes zweite Kind oder jeder zweite Jugendliche mit viel Bildschirmzeit betroffen. Eigene Symptomlisten für Kinder gibt es in der Fachliteratur kaum.

Eltern sollten auf Verhaltenszeichen achten. Die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde (SEO) nennt als Anlass für eine Untersuchung:

  • häufiges Augenreiben, Zukneifen der Augen oder auffällig häufiges Blinzeln,
  • Bücher oder Geräte sehr nahe an die Augen halten, Mühe beim Verfolgen von Zeilen,
  • häufige Kopfschmerzen, besonders nach dem Lesen oder nach Bildschirmnutzung,
  • Abneigung gegen Lesen, Zeichnen oder andere Naharbeit,
  • ein Auge, das abweicht, oder schlechtes Erkennen von Personen in der Ferne,
  • ständig tränende Augen oder Verwechseln von Farben.

Solche Zeichen können auf eine Bildschirmermüdung hinweisen, aber auch auf eine beginnende Kurzsichtigkeit, eine Weitsichtigkeit, Schielen oder eine Schwachsichtigkeit. Gerade diese Erkrankungen müssen bei Kindern früh erkannt werden.

Was ist bei älteren Menschen anders?

Ab etwa 40 bis 45 Jahren lässt die Fähigkeit der Linse nach, sich auf die Nähe einzustellen. Am Bildschirm äußert sich das durch rasche Ermüdung, unscharfe Schrift, Kopfschmerz und ein Druckgefühl im Kopf. Viele Menschen in diesem Alter tragen eine Gleitsichtbrille, die für die mittlere Entfernung des Bildschirms nur einen schmalen Sehbereich bietet und deshalb zu Zwangshaltungen führt.

Mit dem Alter nimmt außerdem die Tränenproduktion ab, vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren. Ältere Menschen spüren deshalb Trockenheit am Bildschirm oft früher. Beginnende Linsentrübungen (Grauer Star) oder Veränderungen der Makula können Blendung und Kontrastverlust zusätzlich verstärken.

Was bemerken Kolleginnen, Kollegen und Angehörige?

Andere bemerken vor allem gerötete Augen, häufiges Reiben, Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen und eine nach vorn gebeugte oder starr in den Nacken gelegte Kopfhaltung. Manchmal fällt auf, dass jemand Texte stark vergrößert, den Bildschirm sehr nahe heranzieht oder abends gereizt und erschöpft wirkt. Bei Kindern bemerken Eltern oft Kopfschmerzklagen nach Hausaufgaben oder Bildschirmspielen.

Besonderheit Virtual Reality und 3D

Bei VR-Brillen und 3D-Bildschirmen kommen Unwohlsein, Schwindel und Kopfschmerz häufiger vor als bei normalen Bildschirmen. Das Bild liegt in einer festen Entfernung, scheint sich aber zu nähern oder zu entfernen. Die Augen bekommen widersprüchliche Signale und müssen ständig neu einstellen. Die Beschwerden verschwinden nach dem Absetzen der Brille.

Welche Beschwerden gehören nicht zur Bildschirmermüdung?

Nicht zur Bildschirmermüdung gehören plötzlicher Sehverlust, starke Augenschmerzen, ein stark gerötetes Auge mit Sehverschlechterung, Lichtblitze, ein neuer „Rußregen“ oder Schatten im Gesichtsfeld und Doppelbilder, die nicht mehr verschwinden. Auch ein schwerer Kopfschmerz mit Übelkeit, verschwommenem Sehen und farbigen Ringen um Lichter ist kein Bildschirmproblem, sondern kann auf einen akuten Glaukomanfall hinweisen. Bei Menschen über 50 können neu auftretende Schläfenkopfschmerzen mit Sehstörungen Zeichen einer Riesenzellarteriitis sein.

Ein flimmerndes Zickzackmuster, das sich ausbreitet und nach einer Weile verschwindet, entspricht meist einer Migräne-Aura (siehe Augenmigräne). Bildschirmarbeit kann eine Migräne auslösen, das Flimmern selbst stammt aber aus dem Gehirn.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (11)

Die digitale Augenbelastung entsteht vor allem durch seltenes Blinzeln und durch die dauernde Naheinstellung auf eine feste Entfernung; Fehlsichtigkeit, Alter, Raumluft und Arbeitsplatz verstärken beides. Die genauen körperlichen Abläufe sind nach einer viel zitierten Übersichtsarbeit noch nicht vollständig verstanden. Fachleute unterscheiden Umgebungsfaktoren (Licht, Bildschirmposition, Abstand) und persönliche Faktoren (Fehlsichtigkeit, Zusammenspiel der Augenmuskeln, Tränenfilm). Meist kommen mehrere Ursachen zusammen.

Warum blinzeln wir am Bildschirm weniger?

Am Bildschirm sinkt die Lidschlagfrequenz, weil konzentriertes Hinsehen den Lidschlag unbewusst unterdrückt. In Ruhe blinzelt ein Mensch etwa 15- bis 18-mal pro Minute, am Bildschirm nur noch etwa 5- bis 7-mal, manchmal noch seltener. Die DOG erklärt das unter anderem mit der Mausführung: Um die Cursorbewegung genau zu steuern, wird der Lidschlag zurückgehalten.

Zusätzlich schließen sich die Lider am Bildschirm häufiger nicht vollständig. Ein unvollständiger Lidschlag verteilt den Tränenfilm schlecht, vor allem im unteren Bereich der Hornhaut.

Was passiert dabei mit dem Tränenfilm?

Ohne regelmäßigen Lidschlag verdunstet der Tränenfilm, reißt auf und die Augenoberfläche trocknet aus. Ein gesunder Tränenfilm bleibt etwa zehn Sekunden stabil; um die Oberfläche durchgehend zu schützen, müsste man also mindestens alle zehn Sekunden blinzeln. Am Bildschirm vergeht oft deutlich mehr Zeit zwischen zwei Lidschlägen.

Verdunstet Wasser, werden die verbleibenden Tränen „salziger“ (Fachbegriff: hyperosmolar). Das reizt die Zellen von Hornhaut und Bindehaut und setzt Entzündungsbotenstoffe frei. In einer kolumbianischen Studie war der Tränenfilm schon nach zwei Stunden ununterbrochener Bildschirmnutzung messbar instabiler; bei drei von 15 Teilnehmenden zeigte sich danach eine leichte Anfärbung der Hornhaut als Zeichen einer oberflächlichen Reizung.

Warum spielt die Blickrichtung eine Rolle?

Wer geradeaus oder nach oben auf einen Bildschirm schaut, öffnet die Lidspalte weiter, sodass mehr Augenoberfläche der Luft ausgesetzt ist. Beim Lesen eines Buches blickt man dagegen nach unten, die Lider bedecken mehr vom Auge. Deshalb empfehlen Fachleute, den Bildschirm etwas unterhalb der Augenhöhe aufzustellen.

Warum ermüdet die Naheinstellung?

Beim Blick auf den Bildschirm arbeiten zwei Systeme gleichzeitig und ohne Pause: die Akkommodation und die Konvergenz. Bei der Akkommodation spannt sich der Ziliarmuskel an und lässt die Linse sich stärker wölben, damit das nahe Bild scharf wird. Bei der Konvergenz drehen innere Augenmuskeln beide Augen nach innen, damit sie auf denselben Punkt gerichtet sind.

Der Bildschirm gibt fast ausschließlich eine Blickrichtung und eine Entfernung vor. Nach Angaben der österreichischen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) wechselt der Blick bei der Bildschirmarbeit bis zu 33.000-mal zwischen Bildschirm und Vorlage, in die Ferne aber fast nie. Ohne Entspannungsphasen ermüden die beteiligten Muskeln.

Ist Lesen am Bildschirm anstrengender als auf Papier?

Für viele Menschen ja, auch bei gleicher Helligkeit. Schrift auf dem Bildschirm besteht aus leuchtenden Bildpunkten mit weicheren Rändern als gedruckte Buchstaben, und das Bild wird viele Male pro Sekunde neu aufgebaut. Dazu kommen Spiegelungen und wechselnde Kontraste. Diese Erklärung stammt aus populärwissenschaftlichen Quellen und ist plausibel, gilt aber nicht als abschließend belegt.

Welche Rolle spielt eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit?

Eine große: Unkorrigierte oder falsch korrigierte Fehlsichtigkeit ist einer der wichtigsten Verstärker. Eine leichte Weitsichtigkeit oder eine Hornhautverkrümmung gleichen junge Menschen oft unbemerkt durch Mehranstrengung aus. Am Bildschirm wird diese Mehrarbeit stundenlang verlangt, und es kommt zu Kopfschmerz und Ermüdung.

Auch eine Brille mit zu starker Korrektur kann die Beschwerden verstärken. Ebenso kann eine latente Schielneigung (verstecktes Schielen), die das Gehirn sonst ausgleicht, bei langer Naharbeit Beschwerden machen. Bei ungleichen Brillenwerten beider Augen ist das Zusammenspiel zusätzlich belastet.

Warum ist die Alterssichtigkeit so bedeutsam?

Ab etwa 40 bis 45 Jahren reicht die Naheinstellung der Linse nicht mehr aus, um die kurze Bildschirmentfernung mühelos scharf zu sehen. Nach Einschätzung der DOG wird eine Nahbrille oft zu lange hinausgezögert. Gleitsichtbrillen sind zwar im Alltag praktisch, bieten aber für die typische Bildschirmentfernung nur einen kleinen Bereich im unteren Glas. Die Folge sind Kopf- und Nackenbeschwerden.

Welche Umgebungsfaktoren verstärken die Beschwerden?

Trockene Raumluft, Luftzug und ungünstiges Licht verstärken die Beschwerden deutlich. Heizungsluft im Winter, Klimaanlagen, Ventilatoren und hohe Raumtemperaturen lassen den Tränenfilm schneller verdunsten. Blendung, Spiegelungen und ein großer Helligkeitsunterschied zwischen Bildschirm und Umgebung zwingen die Augen zu ständiger Anpassung.

Eine chilenische Übersichtsarbeit hat Risikofaktoren aus mehreren Studien zusammengefasst:

RisikofaktorUngefähr erhöhtes Risiko
Bildschirmabstand unter 50 cmetwa vierfach
ungünstige Ergonomie am Arbeitsplatzknapp vierfach
keine Pausengut zweifach
feste statt verstellbarer Stuhlerhöht
Bildschirm deutlich heller oder dunkler als die Umgebungerhöht

Diese Zahlen stammen aus Beobachtungsstudien unterschiedlicher Qualität. Sie zeigen die Richtung, aber keine exakten Werte für den Einzelfall.

Welche persönlichen Faktoren erhöhen das Risiko?

Das Risiko steigt vor allem mit der täglichen Bildschirmzeit und mit einer schon gereizten Augenoberfläche.

  • Lange Bildschirmzeit: mehr als zwei Stunden täglich, beruflich und privat zusammengerechnet.
  • Kontaktlinsen: stärkere Verdunstung, schlechtere Verträglichkeit gegen Abend.
  • Erkrankungen der Augenoberfläche: Trockenes Auge, Lidrandentzündung, Allergien, Rosazea am Auge, frühere Laserbehandlung der Hornhaut.
  • Weibliches Geschlecht: Frauen sind in Studien häufiger betroffen.
  • Alter ab etwa 40 Jahren: Alterssichtigkeit, nachlassende Tränenproduktion.
  • Allgemeine Faktoren: Schlafmangel, Stress, zu wenig Flüssigkeit, Bewegungsmangel.

Spielen Smartphones eine besondere Rolle?

Ja, Smartphones stellen teils andere Anforderungen als ein Bildschirm am Schreibtisch. Sie werden meist näher gehalten, oft mit kleinerer Schrift, und der Kopf ist dabei gesenkt. Die Belastung summiert sich mit der beruflichen Bildschirmzeit, weil viele Menschen in Pausen und am Abend weiterlesen.

Ist blaues Licht die Ursache?

Nein, nach heutigem Wissen ist blaues Licht nicht die Ursache der Augenbelastung. Die American Academy of Ophthalmology (AAO) führt die Beschwerden auf die Art der Nutzung zurück, also auf seltenes Blinzeln und lange Naharbeit, nicht auf das Licht selbst. Die DOG hält das Licht von LED-Bildschirmen weder für die Augen noch für den Schlaf für gefährlich. Mehr dazu im Abschnitt Behandlung unter „Helfen Blaulichtfilter?“.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (7)

Die digitale Augenbelastung wird aus den typischen Beschwerden und einer Augenuntersuchung erkannt, bei der vor allem Fehlsichtigkeit, Zusammenspiel der Augen und Tränenfilm geprüft werden. Es gibt keinen einzelnen Test, der die Diagnose beweist. Die Untersuchung hat zwei Ziele: behebbare Ursachen finden und andere Erkrankungen ausschließen. Nach Erfahrung der DOG verschwinden die Kopfschmerzen meist, wenn die Sehhilfe richtig angepasst ist.

Wer ist die richtige Anlaufstelle?

Bei anhaltenden Beschwerden ist die Augenärztin oder der Augenarzt die richtige Anlaufstelle. Für die Untersuchung im Rahmen der Arbeit ist zunächst die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt (in Österreich: Arbeitsmedizinerin oder Arbeitsmediziner) zuständig, die bei Bedarf an die Augenheilkunde überweisen. Optikerinnen und Optiker können die Sehschärfe bestimmen und eine Brille anpassen, eine ärztliche Abklärung der Augengesundheit ersetzen sie aber nicht.

Was wird im Gespräch gefragt?

Im Gespräch geht es darum, wann, wo und wie stark die Beschwerden auftreten. Hilfreich ist, wenn Sie folgende Fragen vorher überlegen:

  • Wie viele Stunden täglich arbeiten Sie am Bildschirm, wie viele nutzen Sie privat Smartphone oder Tablet?
  • Wie weit ist der Bildschirm entfernt, welche Brille tragen Sie dabei, wie alt ist sie?
  • Tragen Sie Kontaktlinsen, wie lange am Tag?
  • Sind die Beschwerden abends schlimmer und am Wochenende besser?
  • Wie sind Raumluft, Licht und Fensterlage am Arbeitsplatz?
  • Haben Sie Allergien, Hauterkrankungen, Rheuma oder nehmen Sie Medikamente, die die Augen austrocknen können?

Welche Untersuchungen sind üblich?

Üblich sind die Bestimmung der Brillenwerte, ein Test des beidäugigen Sehens und die Untersuchung der Augenoberfläche an der Spaltlampe. Die folgende Übersicht zeigt, was dabei jeweils geprüft wird.

UntersuchungWas sie zeigt
Sehschärfe in Ferne, Nähe und mittlerer Entfernungob die Sehschärfe für die Bildschirmentfernung ausreicht
Refraktion (Bestimmung der Brillenwerte), bei jungen Menschen und Kindern teils mit pupillenerweiternden Tropfenversteckte Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung, Alterssichtigkeit, Überkorrektur
Prüfung von Akkommodation und Konvergenz, AbdecktestSchwäche der Naheinstellung, Konvergenzschwäche, verstecktes Schielen
Spaltlampe mit Farbstoff (Fluorescein)Aufreißzeit des Tränenfilms, Anfärbung von Hornhaut und Bindehaut, Zustand der Lidränder
Weitere Tests zum Trockenen Auge (zum Beispiel Tränenmenge)Ausmaß und Art der Trockenheit
Augeninnendruck und AugenhintergrundAusschluss anderer Erkrankungen, besonders bei Kopfschmerz und ab 40 Jahren

Die Aufreißzeit des Tränenfilms (Fachbegriff: Tear Break-up Time, TBUT) gibt an, wie viele Sekunden der Tränenfilm nach einem Lidschlag hält. Werte unter etwa zehn Sekunden gelten als auffällig.

Gibt es Fragebögen für die Bildschirmbelastung?

Ja, in Studien wird vor allem der in Spanien entwickelte Fragebogen CVS-Q (Computer Vision Syndrome Questionnaire) verwendet. Er erfragt Häufigkeit und Stärke typischer Beschwerden. In der Praxis werden solche Fragebögen eher selten eingesetzt; sie helfen aber, Beschwerden vor und nach einer Maßnahme zu vergleichen.

In der Forschung werden auch objektive Messungen genutzt, etwa Lidschlagrate und Vollständigkeit des Lidschlags, die Akkommodation oder die sogenannte Flimmerverschmelzungsfrequenz. Gemessene Werte und empfundene Beschwerden stimmen allerdings nicht immer überein.

Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?

Abgegrenzt werden müssen vor allem Fehlsichtigkeiten, Erkrankungen der Augenoberfläche und andere Ursachen von Kopfschmerz. Die wichtigsten sind:

  • Fehlsichtigkeiten: nicht oder falsch korrigierte Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung, Alterssichtigkeit.
  • Störungen des beidäugigen Sehens: Konvergenzschwäche, verstecktes Schielen, Schwäche der Naheinstellung.
  • Augenoberfläche: Trockenes Auge aus anderer Ursache, Lidrandentzündung, allergische Bindehautentzündung, Sjögren-Syndrom, Keratokonus.
  • Andere Augenerkrankungen: Entzündungen von Hornhaut, Bindehaut, Lederhaut oder Regenbogenhaut, beginnender Grauer Star, Glaukom.
  • Kopfschmerz anderer Ursache: Über 90 Prozent aller Kopfschmerzen sind Spannungskopfschmerz oder Migräne. Selten stecken ein akuter Glaukomanfall oder eine Riesenzellarteriitis dahinter.

Wie läuft die arbeitsmedizinische Vorsorge in Deutschland ab?

In Deutschland muss der Arbeitgeber Beschäftigten an Bildschirmgeräten eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten (Angebotsvorsorge nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, ArbMedVV). Sie umfasst ein ärztliches Gespräch zur Vorgeschichte und zu aktuellen Beschwerden, einen Sehtest, die ärztliche Beurteilung und eine persönliche Beratung mit Mitteilung des Ergebnisses. Die Teilnahme ist freiwillig.

Die Vorsorge wird vor Beginn der Tätigkeit, danach in regelmäßigen Abständen und bei Sehbeschwerden angeboten. Ergibt sich, dass eine augenärztliche Untersuchung nötig ist, muss der Arbeitgeber sie ermöglichen. Den Sehtest können auch Optiker übernehmen, die Beurteilung der Augen gehört in ärztliche Hand.

Wie läuft die Augenuntersuchung in Österreich ab?

In Österreich müssen Arbeitgeber nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) und der Bildschirmarbeitsverordnung (BS-V) eine kostenlose Untersuchung der Augen und des Sehvermögens anbieten. Das gilt vor Aufnahme der Bildschirmarbeit, danach in der Regel alle drei Jahre und jederzeit bei Sehbeschwerden, die auf die Bildschirmarbeit zurückgehen können.

Die erste Untersuchung kann eine Arbeitsmedizinerin oder ein Arbeitsmediziner durchführen. Augenoptiker mit Meisterprüfung dürfen die Sehschärfe prüfen. Die Verordnung einer Bildschirmbrille stellt die Augenfachärztin oder der Augenfacharzt aus. Als Bildschirmarbeit im Sinn der Verordnung gilt, wer durchschnittlich mehr als zwei Stunden ununterbrochen oder mehr als drei Stunden pro Arbeitstag am Bildschirm arbeitet.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (14)

Die Behandlung setzt an den Ursachen an: richtige Brille, Behandlung trockener Augen, Pausen und ein gut eingerichteter Arbeitsplatz. Eine eigene Tablette oder ein spezielles Medikament gegen die Bildschirmermüdung gibt es nicht. Eine große Auswertung von 45 kontrollierten Studien mit fast 4.500 Teilnehmenden kam 2022 zu dem Schluss, dass für keine einzelne Maßnahme hochwertige Belege vorliegen. Bewährt hat sich deshalb ein Bündel aus einfachen, risikoarmen Schritten.

Welche Brille ist am Bildschirm richtig?

Richtig ist eine Brille, die genau für die Bildschirmentfernung scharfstellt und eine aufrechte, entspannte Kopfhaltung erlaubt. Zuerst sollte jede Fehlsichtigkeit korrekt ausgeglichen sein, ohne Über- oder Unterkorrektur. Wer jünger als etwa 40 Jahre ist und gut korrigiert sieht, braucht meist keine eigene Bildschirmbrille.

Ab dem Beginn der Alterssichtigkeit reichen Alltagsbrillen häufig nicht mehr aus. Eine Lesebrille ist meist nur bis etwa 40 Zentimeter scharf, der Bildschirm steht aber weiter weg. Eine Gleitsichtbrille bietet für die Bildschirmentfernung nur einen schmalen Streifen im unteren Glasbereich.

Was ist eine Bildschirmarbeitsplatzbrille?

Eine Bildschirmarbeitsplatzbrille (kurz Bildschirmbrille) ist eine eigens für die Arbeitsentfernungen am Schreibtisch angepasste Brille. Sie stellt vor allem die mittlere Entfernung von etwa 50 bis 80 Zentimetern scharf, je nach Bauart auch Tastatur und Vorlage. Die DOG nennt als Beispiel eine Einstärkenbrille für etwa 80 Zentimeter Sehentfernung statt der Gleitsichtbrille.

BrillentypScharfer BereichEignung am Bildschirm
Lesebrilleetwa 30 bis 40 cmfür den Bildschirm meist zu kurz; Folge: Vorbeugen
Gleitsichtbrille für den AlltagFerne oben, Nähe unten, mittlere Entfernung nur schmaloft ungünstig; Kopf wird in den Nacken gelegt
Einstärken-Bildschirmbrilleeine festgelegte Arbeitsentfernung, etwa 60 bis 80 cmgut bei einem Bildschirm in fester Entfernung
Arbeitsplatz-Gleitsichtbrille (Raum- oder Nahkomfortglas)Nähe bis etwa Raumtiefe, breiter mittlerer Bereichgut bei wechselnden Entfernungen am Arbeitsplatz

Eine Bildschirmbrille ist nicht für den Straßenverkehr und nicht als Alltagsbrille gedacht. Nach den Anforderungen des Arbeitsschutzes ist sie entspiegelt und nicht getönt. Kontaktlinsen und normale Gleitsichtgläser erfüllen die Anforderungen an eine Bildschirmbrille in Deutschland nicht.

Zur Wirkung ist die Studienlage dünn: Mehrstärkengläser waren in der Auswertung von 2022 gegenüber Einstärkengläsern nicht überlegen. Im Alltag ist der Nutzen einer gut angepassten Bildschirmbrille für alterssichtige Menschen aber gut nachvollziehbar, weil sie Zwangshaltungen vermeidet.

Was sind „Digitalbrillen“ für jüngere Menschen?

Als „Digitalbrillen“ werden im Handel Gläser mit einer leichten Nahunterstützung für junge, noch nicht alterssichtige Menschen angeboten. Das ist ein Werbebegriff. Ein Nutzen ist wissenschaftlich nicht belegt. Wer jung ist und am Bildschirm Beschwerden hat, sollte zuerst die Brillenwerte und das beidäugige Sehen augenärztlich prüfen lassen.

Helfen Augentropfen gegen trockene Augen?

Ja, bei Trockenheitsbeschwerden helfen benetzende Augentropfen, sogenannte Tränenersatzmittel oder künstliche Tränen. Sie ergänzen den Tränenfilm und lindern Brennen und Fremdkörpergefühl. Für häufige Anwendung eignen sich Tropfen ohne Konservierungsmittel. Hintergrund und Unterschiede zwischen den Präparaten finden Sie unter Tränenersatzmittel und Augentropfen gegen trockene Augen.

Die Studienlage ist allerdings uneinheitlich: Die AAO empfiehlt künstliche Tränen bei Trockenheit am Bildschirm, und eine chilenische Übersicht sieht einen Nutzen für die Beschwerden als belegt an. Eine andere große Auswertung stufte die Belege speziell für die Bildschirmermüdung dagegen als sehr unsicher ein. Bei harmlosen, frei erhältlichen Tropfen spricht nichts gegen einen Versuch.

Gefäßverengende „Weißmacher-Tropfen“ gegen rote Augen sind keine Lösung. Sie verdecken die Rötung nur kurz und können bei häufiger Anwendung die Augenoberfläche zusätzlich reizen. Liegt eine Entzündung vor, verordnet die Augenärztin oder der Augenarzt gezielt andere Tropfen.

Was hilft gegen seltenes Blinzeln?

Gegen seltenes Blinzeln hilft vor allem, bewusst und vollständig zu blinzeln und die Augen zwischendurch für einige Sekunden zu schließen. Die AAO empfiehlt zum Beispiel einen Zettel am Bildschirm als Erinnerung. Es gibt auch Programme, die an den Lidschlag erinnern. Lidschlagübungen haben in einer Studie die Qualität des Tränenfilms verbessert.

Eine einfache Übung: mehrmals am Tag zehnmal hintereinander langsam und bewusst vollständig blinzeln, sodass sich Ober- und Unterlid berühren. Auch Gähnen befeuchtet die Augen.

Hilft die Behandlung einer Lidrandentzündung?

Ja, wenn die Lidränder entzündet sind, lindert ihre Behandlung oft auch die Beschwerden am Bildschirm. Die Talgdrüsen am Lidrand liefern die Fettschicht des Tränenfilms, die das Verdunsten bremst. Sind sie verstopft, verdunsten die Tränen schneller. Wärme und Lidrandpflege verbessern die Fettschicht (siehe Lidrandentzündung).

Helfen Omega-3-Fettsäuren oder Nahrungsergänzungsmittel?

Omega-3-Fettsäuren könnten Trockenheitsbeschwerden etwas lindern, die Belege sind aber schwach. In zwei Studien aus Indien besserten sich nach 45 bis 90 Tagen Einnahme Beschwerden und Tränenfilm, eine Gesamtauswertung stuft die Sicherheit dieser Aussage jedoch als gering ein. Heidelbeer- und andere Beerenextrakte, Carotinoide, grüner Tee, Taurin oder Probiotika zeigten keinen klaren Nutzen. Wer Nahrungsergänzungsmittel einnehmen möchte, sollte das vorher ärztlich besprechen, vor allem bei Einnahme blutverdünnender Medikamente.

Helfen Blaulichtfilter?

Nein, Blaulichtfilter-Brillen lindern die Augenbelastung am Bildschirm nach heutigem Wissen nicht. Ein Cochrane-Review von 2023, eine besonders sorgfältige Form der Studienauswertung, hat 17 kontrollierte Studien mit 619 Erwachsenen aus sechs Ländern ausgewertet. Er kam zu dem Schluss, dass solche Gläser die kurzfristige Augenermüdung bei Computerarbeit wahrscheinlich nicht verringern und die Sehschärfe nicht verändern.

Zum Schlaf waren die Ergebnisse widersprüchlich und sehr unsicher. Zu möglichen Langzeitwirkungen auf die Netzhaut lassen die Studien keine Aussage zu, weil sie höchstens etwa eine Woche dauerten. Auch Filterfolien auf dem Bildschirm zeigten in Studien keinen Nutzen.

Die Fachgesellschaften sehen das ebenso:

  • Die DOG stuft das Licht von LED-Bildschirmen als keine Gefahr für Augen oder Schlaf ein.
  • Die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft sieht keine wissenschaftliche Evidenz für Blaulichtfiltergläser und daher keinen Grund für eine augenärztliche Verordnung.
  • Die AAO empfiehlt Blaulicht-Brillen für die Computerarbeit nicht.
  • Die französische Gesundheitsbehörde ANSES bewertet Schutzprodukte wie behandelte Gläser oder spezielle Bildschirme als „sehr unterschiedlich wirksam“ und fordert Normen für solche Produkte.

In Österreich gehört ein Blaulichtfilter auch nicht zu den rechtlichen Anforderungen an eine Bildschirmbrille. Wer einen Filter trotzdem angenehm findet, schadet sich damit nicht; er ersetzt aber weder Pausen noch die richtige Brillenstärke.

Warum ist Blaulicht vom Bildschirm für die Netzhaut ungefährlich?

Weil die Lichtmenge von Bildschirmen viel zu gering ist, um die Netzhaut zu schädigen. Michael Bach vom Universitätsklinikum Freiburg hat das für die DOG eingeordnet: Ein bedeckter Winterhimmel liefert etwa 5.000 Lux, ein Sonnentag bis zu 100.000 Lux, ein sehr heller Monitor in 50 Zentimetern Abstand unter 500 Lux. Nach einer chilenischen Übersicht erreichen Bildschirme im Mittel nur etwa 0,014 Prozent des internationalen Grenzwerts für Blaulicht.

Laborversuche an Zellen und Tieren haben Schäden durch blaues LED-Licht gezeigt, aber bei weit höheren Dosen, als sie am Bildschirm vorkommen. Die ANSES warnt vor Schäden bei akuter, sehr intensiver Bestrahlung, etwa durch starke LED-Lampen, nicht durch normale Bildschirmnutzung. Die größte Blaulichtquelle im Alltag ist die Sonne.

Hilft eine Sehschule (Orthoptik)?

Bei einer Konvergenzschwäche oder einer Schwäche der Naheinstellung kann eine Behandlung bei einer Orthoptistin oder einem Orthoptisten helfen. Orthoptik ist die Fachrichtung, die sich mit dem Zusammenspiel beider Augen befasst. Mit gezielten Übungen lassen sich manche dieser Störungen bessern; in anderen Fällen hilft eine Brille mit Prismen. Französische Quellen nennen Orthoptik ausdrücklich als Möglichkeit bei anhaltenden Beschwerden.

Hilft Yoga oder Augengymnastik?

Entspannungsübungen sind harmlos und können angenehm sein, ihr Nutzen ist aber kaum belegt. In einer Studie an IT-Fachleuten besserte tägliches Yoga über zwei Monate das empfundene Sehunbehagen, vermutlich über häufigeres Blinzeln. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt einfache Übungen wie abwechselnd nahe und ferne Gegenstände scharf zu sehen oder die Augen mit den hohlen Handflächen abzudecken (Palmieren).

Was zahlt der Arbeitgeber in Deutschland?

In Deutschland muss der Arbeitgeber eine Bildschirmarbeitsplatzbrille bereitstellen, wenn die arbeitsmedizinische Vorsorge ergibt, dass normale Sehhilfen für die Arbeit nicht geeignet sind. Er trägt die Kosten der notwendigen Leistungen von Augenarzt und Optiker. Für eine besonders aufwendige Ausstattung, etwa eine Designerfassung, muss er nicht aufkommen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Bildschirmbrillen in der Regel nicht.

Der Europäische Gerichtshof hat im Dezember 2022 (Rechtssache C-392/21) entschieden, dass der Arbeitgeber seine Pflicht durch Bereitstellung der Brille, Erstattung der Kosten oder eine zweckgebundene Zahlung erfüllen kann. Eine allgemeine Gehaltszulage genügt nicht.

Was zahlt der Arbeitgeber in Österreich?

In Österreich gilt die Bildschirmbrille als Heilbehelf. Die Krankenversicherung zahlt im Rahmen ihrer Tarife; die restlichen notwendigen Kosten, zum Beispiel für besondere Gläser und Entspiegelung, trägt der Arbeitgeber. Voraussetzung ist, dass die Untersuchung den Bedarf ergibt und eine augenfachärztliche Verordnung vorliegt.

Nach § 12 BS-V muss die Bildschirmbrille auf die Arbeitsentfernung abgestimmt sein, die in der Regel 50 bis 75 Zentimeter beträgt. Sie ist entspiegelt und nicht getönt. Je nach Arbeitsplatz kommen Einstärken-, Zwei-, Drei- oder Mehrstärkengläser in Frage.

Gilt das auch im Homeoffice?

Grundsätzlich gelten Untersuchung und Brillenanspruch auch für Beschäftigte, die regelmäßig von zu Hause arbeiten. In Deutschland erfasst die Arbeitsstättenverordnung ausdrücklich Telearbeitsplätze, also vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze in der Wohnung mit vereinbarter Arbeitszeit (§ 1 Abs. 4 und § 2 Abs. 7 ArbStättV). Für gelegentliches mobiles Arbeiten ohne solchen Arbeitsplatz gilt die Verordnung nicht; der Arbeitgeber bleibt aber nach dem Arbeitsschutzgesetz für den Gesundheitsschutz verantwortlich. In Österreich wird der Anspruch für die Arbeit außerhalb der Betriebsstätte von Fachjuristinnen und -juristen aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers abgeleitet. Im Einzelfall helfen Betriebsrat, Personalvertretung oder Arbeiterkammer weiter.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (5)

Die digitale Augenbelastung ist vorübergehend: Die Beschwerden klingen nach Pausen, am Wochenende und im Urlaub ab und bessern sich deutlich, sobald die Ursachen behoben sind. Nach heutigem Wissen schädigen Bildschirme die Augen nicht dauerhaft. Die AAO formuliert es klar: Bildschirme „ruinieren“ die Augen nicht. Auch die französische Arbeitsschutzbehörde INRS beschreibt die Sehermüdung als umkehrbar.

Wie schnell bessern sich die Beschwerden?

Akute Beschwerden wie Brennen und unscharfes Sehen bessern sich oft schon nach einer Pause von wenigen Minuten bis Stunden. Wenn eine neue Brille die Ursache behebt, gehen Kopfschmerzen meist innerhalb weniger Tage bis Wochen zurück; die Augen brauchen eine kurze Gewöhnungszeit. Ist ein Trockenes Auge mitbeteiligt, dauert die Besserung länger und erfordert Geduld.

Kann die Bildschirmarbeit bleibende Schäden verursachen?

Nach heutigem Wissen nein: Ein dauerhafter Sehverlust durch Bildschirmarbeit ist nicht belegt. Weder das Licht noch die Naharbeit schädigen bei Erwachsenen Netzhaut oder Sehnerv. Ein Zusammenhang zwischen Bildschirm-Blaulicht und der altersabhängigen Makuladegeneration ist nicht nachgewiesen.

Einschränkend gilt: Gute Langzeitstudien über viele Jahrzehnte gibt es noch nicht, weil die intensive Bildschirmnutzung relativ neu ist. Was es gibt, sind keinerlei Hinweise auf bleibende Sehschäden bei Erwachsenen.

Welche Folgen können bleiben, wenn man nichts ändert?

Ohne Änderungen können die Beschwerden immer wiederkehren und sich verstärken. Ein bestehendes Trockenes Auge kann sich durch dauerhaft seltenes Blinzeln und trockene Luft verschlechtern und zu einer chronischen Reizung der Augenoberfläche werden. Wer über Jahre mit falscher Brille in Zwangshaltung arbeitet, riskiert anhaltende Nacken-, Schulter- und Rückenbeschwerden.

Hinzu kommen Folgen für Arbeit und Wohlbefinden: weniger Konzentration, mehr Fehler, Kopfschmerztage. Fachleute weisen auf beträchtliche wirtschaftliche Kosten durch die Beschwerden bei Berufstätigen hin.

Wie ist die Prognose bei Kindern?

Die akuten Ermüdungsbeschwerden sind bei Kindern ebenso vorübergehend wie bei Erwachsenen. Anders ist es bei der Kurzsichtigkeit: Sie entsteht während des Wachstums, wenn der Augapfel zu lang wird, und bildet sich nicht mehr zurück. Viel Naharbeit und wenig Tageslicht in der Kindheit erhöhen das Risiko. Mehr dazu im Abschnitt Vorbeugung.

Warum sollte man Kurzsichtigkeit bei Kindern ernst nehmen?

Je stärker die Kurzsichtigkeit am Ende des Wachstums ist, desto höher ist später das Risiko für ernste Augenerkrankungen. Kurzsichtige Erwachsene erkranken häufiger an Grünem Star, Netzhautablösung und an Veränderungen der Makula (siehe Krankhafte Kurzsichtigkeit). Deshalb lohnt sich Vorbeugung in der Kindheit.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (13)

Am besten beugen Sie vor mit regelmäßigen kurzen Pausen und Blicken in die Ferne, bewusstem Blinzeln, einem gut eingerichteten Arbeitsplatz, guter Raumluft und einer passenden Brille. Diese Maßnahmen sind einfach, kostenlos oder günstig und ohne Risiko. Sie wirken am besten in Kombination. Für Kinder kommt als wichtigster Punkt die Zeit im Freien hinzu.

Was ist die 20-20-20-Regel?

Die 20-20-20-Regel lautet: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas schauen, das mindestens 20 Fuß, also etwa sechs Meter, entfernt ist. Der Blick in die Ferne entspannt den Muskel der Naheinstellung und regt meist auch das Blinzeln an. Die Regel wird unter anderem von der AAO empfohlen und ist auch in österreichischen Arbeitsschutz-Ratschlägen verbreitet.

Die wissenschaftlichen Belege für genau diese Regel sind allerdings begrenzt. Sie ist eher als gut merkbare Erinnerung zu verstehen. Wichtiger als die exakten Zahlen ist, dass Sie den Blick überhaupt regelmäßig vom Bildschirm lösen. Die Universität Murcia empfiehlt ähnliche Blickpausen alle 20 bis 30 Minuten.

Wie oft sollte ich Pausen machen?

Mehrere kurze Pausen sind besser als eine lange. Bewährt haben sich neben den Blickpausen längere Unterbrechungen: Eine internationale Übersichtsarbeit nennt etwa 15 Minuten Pause nach zwei Stunden ununterbrochener Arbeit. Aufstehen, sich bewegen und aus dem Fenster schauen entlastet Augen und Rücken zugleich.

LandRegelung zu Pausen bei Bildschirmarbeit
DeutschlandBildschirmarbeit muss durch andere Tätigkeiten oder regelmäßige Erholungszeiten unterbrochen werden (Arbeitsstättenverordnung, Anhang 6). Erholungszeiten gelten als bezahlte Arbeitsunterbrechung.
ÖsterreichNach § 10 der Bildschirmarbeitsverordnung (BS-V) muss nach jeweils 50 Minuten ununterbrochener Bildschirmarbeit eine Pause oder ein Tätigkeitswechsel von mindestens zehn Minuten erfolgen. Das gilt nicht, wenn täglich nicht mehr als zwei Stunden ununterbrochen am Bildschirm gearbeitet wird. Wenn es der Arbeitsablauf erfordert, darf die Pause in die folgende Stunde verschoben werden. Die Pausen zählen zur Arbeitszeit.

Wie richte ich den Bildschirmarbeitsplatz richtig ein?

Der Bildschirm sollte etwa eine Armlänge, also rund 50 bis 70 Zentimeter, entfernt und etwas unterhalb der Augenhöhe stehen. Die folgende Checkliste fasst die Empfehlungen von AUVA, deutscher Arbeitsschutzverwaltung, AAO und spanischen Arbeitsschutzstellen zusammen:

  • Abstand: etwa 50 bis 70 Zentimeter zum Bildschirm, nicht unter 50 Zentimeter; Tastatur etwa 40 Zentimeter.
  • Höhe: Die oberste Bildschirmzeile liegt bei aufrechter Haltung nicht über Augenhöhe; die Bildschirmmitte etwa 15 bis 20 Grad unter der Blickrichtung geradeaus.
  • Neigung: Bildschirm leicht nach hinten geneigt.
  • Größe der Schrift: so groß einstellen, dass Sie bequem lesen, ohne sich vorzubeugen.
  • Helligkeit und Kontrast: an die Umgebung anpassen; der Bildschirm soll nicht wie eine Lampe im dunklen Raum leuchten.
  • Vorlagen: auf einem Halter neben dem Bildschirm, in ähnlicher Entfernung wie der Bildschirm.
  • Bildschirm sauber halten: Staub und Fingerabdrücke verschlechtern den Kontrast.
  • Mehrere Bildschirme: den hauptsächlich genutzten direkt vor sich, weitere seitlich und in gleicher Höhe.

Wie soll das Licht am Arbeitsplatz sein?

Das Licht soll hell genug, gleichmäßig und blendfrei sein, ohne Spiegelungen im Bildschirm. Die AUVA nennt eine Beleuchtungsstärke von mindestens 500 Lux am Arbeitsplatz. Der Bildschirm steht am besten seitlich zum Fenster, sodass der Blick parallel zur Fensterfläche verläuft.

  • Nicht mit dem Rücken zum Fenster sitzen (Spiegelung) und nicht direkt gegen das Fenster schauen (Blendung).
  • Jalousien oder Vorhänge gegen direkte Sonne nutzen.
  • Diffuse, blendfreie Leuchten bevorzugen; Deckenleuchten und Schreibtischlampen so stellen, dass sie sich nicht im Bildschirm spiegeln.
  • Am Abend nicht im dunklen Raum vor einem hellen Bildschirm sitzen.

Was kann ich gegen trockene Raumluft tun?

Gegen trockene Luft helfen regelmäßiges Stoßlüften, weniger stark heizen und, wo nötig, ein Luftbefeuchter. Eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 40 bis 60 Prozent gilt als angenehm. Luftzug von Klimaanlage, Ventilator oder Heizungsgebläse sollte nicht direkt ins Gesicht gehen. Ausreichend trinken unterstützt die Tränenproduktion.

Wie sitze ich richtig?

Richtig sitzen heißt aufrecht und entspannt, mit beiden Füßen am Boden und abgestütztem Rücken. Die Unterarme liegen locker, Tastatur und Maus befinden sich etwa auf Ellbogenhöhe. Ein verstellbarer Stuhl ist mit weniger Beschwerden verbunden als ein fester. Wechseln Sie die Haltung oft, am besten auch zwischen Sitzen und Stehen.

Was ist mit Kontaktlinsen?

Wer Kontaktlinsen trägt, sollte an langen Bildschirmtagen zwischendurch oder ganz auf die Brille wechseln. Die AAO rät, nie mit Kontaktlinsen zu schlafen und auf gute Linsenhygiene zu achten. Bei Trockenheitsbeschwerden können für Kontaktlinsen geeignete Benetzungstropfen helfen.

Wie oft sollte ich meine Augen kontrollieren lassen?

Wer viel am Bildschirm arbeitet, sollte die Brillenwerte regelmäßig prüfen lassen, ab 40 Jahren besonders aufmerksam. Spätestens wenn Kopfschmerzen, Ermüdung oder unscharfes Sehen trotz Pausen und guter Einrichtung anhalten, ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll. Nutzen Sie dafür auch das Angebot der arbeitsmedizinischen Vorsorge.

Was hilft am Abend für guten Schlaf?

Für guten Schlaf ist es sinnvoll, in den letzten ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen die Bildschirmzeit zu begrenzen und das Gerät nicht mit voller Helligkeit zu nutzen. Die AAO und die ANSES raten, das blaureiche Bildschirmlicht vor dem Schlafen einzuschränken, die ANSES besonders bei Kindern. Die DOG hält den Einfluss des Bildschirmlichts auf den Schlaf dagegen für gering.

In einer Studie mit 167 Teilnehmenden machte es für den Schlaf keinen Unterschied, ob der Nachtmodus des Smartphones an- oder ausgeschaltet war. Vermutlich hält eher der anregende Inhalt wach als das Licht selbst.

Wie kann ich Kinder vor Kurzsichtigkeit schützen?

Die wirksamste Vorbeugung ist viel Zeit im Freien bei Tageslicht, am besten täglich mindestens ein bis zwei Stunden. Tageslicht bremst nach heutigem Wissen das übermäßige Längenwachstum des Augapfels. Nach Angaben der Stiftung Auge senken schon 40 Minuten Spielen im Freien täglich das Risiko deutlich. In einer chinesischen Schulstudie bekamen Erstklässler an jedem Schultag eine zusätzliche Stunde von 40 Minuten im Freien; nach drei Jahren waren etwa 30 statt knapp 40 Prozent kurzsichtig geworden. Eine Metaanalyse von 2024 fand bei Kindern mit der meisten Zeit im Freien ein um knapp die Hälfte geringeres Risiko, kurzsichtig zu werden. Bei bereits kurzsichtigen Kindern bremste mehr Zeit im Freien das Fortschreiten dagegen nicht.

Mit dem Schulbeginn steigt die Naharbeit und mit ihr das Risiko. In Spanien stieg der Anteil kurzsichtiger Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren laut SEO zwischen 2016 und 2019 von knapp 17 auf gut 20 Prozent. In Frankreich sind etwa 16 Prozent der Kinder kurzsichtig.

Machen Bildschirme Kinder kurzsichtig?

Bildschirme sind ein Risikofaktor, aber vermutlich nicht der alleinige Grund. Eine französische Fachübersicht berichtet von einer Auswertung, nach der jede zusätzliche Stunde Bildschirmzeit pro Tag mit einem um etwa 21 Prozent höheren Risiko für Kurzsichtigkeit verbunden war. Andere Studien fanden für Bildschirmzeit allein keinen eindeutigen Zusammenhang.

Das Problem: Bildschirmzeit, Lesen und wenig Aufenthalt im Freien gehen meist Hand in Hand. Die kanadischen Fachgesellschaften und eine spanische Studie sehen die Bildschirme eher als indirekte Ursache, weil sie Zeit im Freien verdrängen. Die praktische Folge ist dieselbe: weniger Naharbeit, mehr Tageslicht.

Welche Regeln gelten für Kinder am Bildschirm?

Für Kinder gelten vor allem drei Regeln: viel Tageslicht, genug Abstand und begrenzte Bildschirmzeit.

  • Zeit im Freien: täglich mindestens ein bis zwei Stunden draußen, auch bei bewölktem Himmel.
  • Abstand: Smartphone und Tablet nicht näher als etwa 35 Zentimeter an die Augen halten; beim Lesen und Schreiben nie näher als 20 Zentimeter.
  • Pausen: beim Lesen und am Bildschirm regelmäßig in die Ferne schauen.
  • Licht: nicht bei schwachem Licht lesen oder spielen.
  • Bildschirmzeit begrenzen: Die amerikanische Fachgesellschaft für Kinderheilkunde rät, Kinder unter zwei Jahren von Bildschirmen fernzuhalten (Videotelefonate ausgenommen) und Kindern von zwei bis fünf Jahren höchstens etwa eine Stunde täglich zu erlauben.
  • Vorsorge: die Augenuntersuchungen im Kindesalter wahrnehmen; die SEO empfiehlt eine erste augenärztliche Untersuchung mit drei bis vier Jahren.

Eine Studie aus Sevilla zeigt, wie schwer das im Alltag ist: Von 152 Kindern verbrachte weniger als die Hälfte mehr als zwei Stunden täglich im Freien, und etwa drei Viertel überschritten die empfohlene Bildschirmzeit. Rund sieben von zehn Familien kannten die Empfehlungen gar nicht.

Was kann man tun, wenn ein Kind schon kurzsichtig ist?

Wenn ein Kind bereits kurzsichtig ist, gibt es augenärztliche Möglichkeiten, das Fortschreiten zu bremsen. Dazu gehören niedrig dosierte Atropin-Augentropfen, spezielle Brillengläser und Kontaktlinsen mit sogenannter peripherer Defokussierung sowie formstabile Nachtlinsen (Orthokeratologie). Welche Methode passt, hängt vom Alter, der Stärke und dem Fortschreiten der Kurzsichtigkeit ab. Ausführlich beschreibt das der Artikel zur Kurzsichtigkeit.

Zeit im Freien beugt der Entstehung vor; ob sie eine bereits bestehende Kurzsichtigkeit bremst, ist laut einem internationalen Konsens der Kinderaugenheilkunde von 2023 unklar. Schaden kann sie nicht.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Die digitale Augenbelastung selbst ist nie ein Notfall. Einige Beschwerden, die man zunächst auf den Bildschirm schieben könnte, haben aber andere, teils ernste Ursachen. Die folgende Einteilung hilft bei der Entscheidung. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu oft untersuchen lassen.

Wann muss ich sofort in eine Augenklinik oder den Notdienst?

Sofort, wenn eines dieser Warnzeichen auftritt. Sie gehören nicht zur Bildschirmermüdung:

  • plötzlicher Sehverlust oder plötzlich deutlich schlechteres Sehen, auch wenn es nur ein Auge betrifft,
  • starke Augenschmerzen mit gerötetem Auge, verschwommenem Sehen, Übelkeit oder farbigen Ringen um Lichter (Verdacht auf akuten Glaukomanfall),
  • neue Lichtblitze, ein plötzlicher „Rußregen“ oder ein Schatten, der sich im Gesichtsfeld ausbreitet (Verdacht auf Netzhautablösung),
  • Kontaktlinsenträger mit Schmerzen, Rötung, Lichtscheu oder schlechterem Sehen: Linsen sofort herausnehmen und noch am selben Tag untersuchen lassen (Gefahr einer Hornhautentzündung, siehe Hornhautentzündung),
  • plötzliche Doppelbilder, die nicht verschwinden, besonders zusammen mit hängendem Lid, Kopfschmerz, Sprach- oder Gefühlsstörungen,
  • bei Menschen über 50: neuer Schläfenkopfschmerz mit Schmerzen beim Kauen oder kurzem Verschwommensehen (Verdacht auf Riesenzellarteriitis).

Bei Lähmungen, Sprachstörungen oder einem herabhängenden Mundwinkel rufen Sie den Notruf 112 (in Österreich 144). Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann sollte ich innerhalb weniger Tage zum Augenarzt?

Innerhalb weniger Tage, wenn Beschwerden ungewöhnlich stark, einseitig oder anders als sonst sind. Dazu gehören:

  • ein dauerhaft gerötetes, schmerzendes oder lichtempfindliches Auge,
  • Beschwerden, die nur ein Auge betreffen,
  • eitriges Sekret oder verklebte Lider,
  • eine Schwellung am Lid, die nicht zurückgeht.

Wann reicht ein normaler Termin?

Ein regulärer Termin reicht, wenn die typischen Beschwerden trotz Pausen, gutem Arbeitsplatz und Benetzungstropfen über einige Wochen anhalten. Das gilt auch für wiederkehrende Kopfschmerzen am Bildschirm, für den Verdacht, dass die Brille nicht mehr passt, und für erste Zeichen der Alterssichtigkeit. Bei Kindern sollten die im Abschnitt Symptome genannten Verhaltenszeichen zeitnah augenärztlich abgeklärt werden.

Was kann ich tun, bis ich einen Termin habe?

Bis zum Termin helfen die Maßnahmen aus dem Abschnitt Vorbeugung: Pausen, bewusstes Blinzeln, konservierungsmittelfreie Benetzungstropfen, Kontaktlinsen weglassen und den Arbeitsplatz prüfen. Notieren Sie, wann die Beschwerden auftreten und was sie bessert; das erleichtert die Untersuchung. Nehmen Sie Ihre aktuellen Brillen zum Termin mit.

9 Häufige Fragen

Können Bildschirme die Augen dauerhaft schädigen?

Nein, nach heutigem Wissen schädigen Bildschirme die Augen nicht dauerhaft. Brennen, Trockenheit, Ermüdung und Kopfschmerz sind vorübergehend und bessern sich mit Pausen, passender Brille und gutem Arbeitsplatz. Auch das blaue Licht von Bildschirmen ist für die Netzhaut zu schwach, um sie zu schädigen. Bei Kindern erhöht viel Naharbeit mit wenig Tageslicht allerdings das Risiko für Kurzsichtigkeit.

Warum brennen meine Augen nach der Arbeit am Computer?

Weil Sie am Bildschirm viel seltener blinzeln, etwa 5- bis 7-mal statt 15- bis 18-mal pro Minute. Der Tränenfilm verdunstet, reißt auf und die Augenoberfläche trocknet aus. Trockene Heizungs- oder Klimaanlagenluft verstärkt das. Bewusstes Blinzeln, Pausen und Tränenersatzmittel helfen.

Helfen Brillen mit Blaulichtfilter gegen müde Augen?

Nein, nach den vorliegenden Studien nicht. Ein Cochrane-Review mit 17 Studien kam 2023 zu dem Schluss, dass Blaulichtfilter-Gläser die Augenermüdung bei Computerarbeit wahrscheinlich nicht verringern. DOG, Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft und AAO empfehlen sie deshalb nicht. Wichtiger sind Pausen und die richtige Brillenstärke.

Brauche ich eine Bildschirmbrille?

Eine Bildschirmbrille brauchen vor allem Menschen ab etwa 40 Jahren, deren Lese- oder Gleitsichtbrille die Bildschirmentfernung nicht bequem abdeckt. Zeichen dafür sind Kopf- und Nackenschmerzen oder das Zurücklegen des Kopfes, um scharf zu sehen. Wer gut korrigiert ist und keine Beschwerden hat, braucht keine. Ob eine nötig ist, klären Augenarzt oder Betriebsarzt.

Zahlt der Arbeitgeber die Bildschirmbrille?

Ja, wenn die Untersuchung ergibt, dass Ihre normale Brille für die Bildschirmarbeit nicht geeignet ist. In Deutschland trägt der Arbeitgeber die Kosten der notwendigen Ausstattung, nicht aber Luxusausführungen. In Österreich zahlt die Krankenversicherung ihren Tarifanteil und der Arbeitgeber den Rest der notwendigen Kosten; Voraussetzung ist eine augenfachärztliche Verordnung.

Wie weit sollte der Bildschirm von den Augen entfernt sein?

Etwa eine Armlänge, also rund 50 bis 70 Zentimeter. Abstände unter 50 Zentimetern erhöhen das Risiko für Beschwerden deutlich. Der Bildschirm sollte etwas unterhalb der Augenhöhe stehen, sodass Sie leicht nach unten blicken; das schont auch den Tränenfilm.

Was bringt die 20-20-20-Regel wirklich?

Sie ist eine gute Merkhilfe für regelmäßige Blickpausen: alle 20 Minuten 20 Sekunden lang auf etwas in etwa sechs Metern Entfernung schauen. Das entspannt die Naheinstellung und regt das Blinzeln an. Gute Studienbelege für genau diese Zahlen fehlen, aber regelmäßige kurze Pausen werden von allen Fachgesellschaften empfohlen.

Warum habe ich ab 45 Kopfschmerzen am Computer?

Häufigster Grund ist eine beginnende Alterssichtigkeit. Die Augenlinse kann sich nicht mehr mühelos auf die Nähe einstellen, die Augen strengen sich an, und es kommt zu Kopfschmerz und Druckgefühl. Auch eine Gleitsichtbrille am Bildschirm führt oft zu verspannter Kopfhaltung. Eine passend angepasste Bildschirmbrille löst das Problem meist.

Werden Kinder vom Handy kurzsichtig?

Viel Naharbeit am Handy, Tablet oder Buch und wenig Zeit im Freien erhöhen das Risiko für Kurzsichtigkeit. Ob der Bildschirm selbst oder eher die fehlende Zeit draußen entscheidend ist, ist nicht abschließend geklärt. Am besten schützt täglich ein bis zwei Stunden Tageslicht im Freien, dazu Pausen und ein Abstand von mindestens etwa 35 Zentimetern.

Welche Augentropfen helfen bei Bildschirmarbeit?

Bei trockenen, brennenden Augen helfen benetzende Augentropfen (künstliche Tränen), am besten ohne Konservierungsmittel. Gefäßverengende Tropfen gegen rote Augen sind ungeeignet. Bessern sich die Beschwerden trotz Tropfen nicht, sollte augenärztlich geklärt werden, ob ein behandlungsbedürftiges Trockenes Auge oder eine Lidrandentzündung vorliegt.

Schadet der Nachtmodus oder helles Display am Abend dem Schlaf?

Der Einfluss ist nach Studien klein. In einer Untersuchung machte der Nachtmodus für den Schlaf keinen messbaren Unterschied. Trotzdem ist es sinnvoll, in den letzten ein bis zwei Stunden vor dem Schlafen weniger am Bildschirm zu sein und die Helligkeit zu reduzieren, besonders bei Kindern. Für die Augen selbst ist das Licht ungefährlich.

Habe ich als Bildschirmarbeiter Anspruch auf eine Augenuntersuchung?

Ja. In Deutschland muss der Arbeitgeber eine arbeitsmedizinische Vorsorge nach der ArbMedVV anbieten, vor Beginn der Tätigkeit, regelmäßig und bei Sehbeschwerden. In Österreich muss er nach der Bildschirmarbeitsverordnung eine kostenlose Augenuntersuchung vor Aufnahme der Tätigkeit, danach in der Regel alle drei Jahre und bei Beschwerden anbieten. Die Teilnahme ist freiwillig.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 31 Quellen anzeigen
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  2. Entwarnung: LED-Displays sind keine Gefahr für Augen oder Schlaf (DOG-Pressemitteilung, 13.09.2021) – Informationsdienst Wissenschaft (idw) / DOG (DE)
  3. Blaues Licht von Monitoren laut Fachgesellschaft keine Gefahr für Augen oder Schlaf – Deutsches Ärzteblatt (DE)
  4. Augenärzte empfehlen Prävention von Kurzsichtigkeit bei Kindern (Stiftung Auge) – Deutsches Ärzteblatt (DE)
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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss