Akuter Glaukomanfall (akutes Winkelblockglaukom)
Beim akuten Glaukomanfall verschließt sich plötzlich der Abflussweg des Kammerwassers, und der Augeninnendruck steigt binnen Stunden stark an. Das führt zu heftigen Augen- und Kopfschmerzen, einem roten Auge, Sehverschlechterung und oft Übelkeit – ein Notfall, der sofort augenärztlich behandelt werden muss, weil sonst bleibender Sehverlust droht.
1 Kurzübersicht
Beim akuten Glaukomanfall steigt der Augeninnendruck innerhalb von Stunden auf ein Vielfaches des Normalwerts. Normal sind etwa 10 bis 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule), im Anfall sind es meist 40 bis 80 mmHg. Ursache ist ein plötzlich verschlossener Kammerwinkel. Das ist die Stelle zwischen Regenbogenhaut (Iris) und Hornhaut, über die das Kammerwasser aus dem Auge abfließt.
Fachleute sprechen vom akuten Winkelblockglaukom, auch akutes Winkelverschluss- oder Engwinkelglaukom genannt. Der Anfall ist ein augenärztlicher Notfall. Der hohe Druck kann Sehnerv und Netzhaut innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen bleibend schädigen. Wer rasch behandelt wird, behält in den meisten Fällen sein Sehvermögen.
Typisch sind starke Schmerzen in einem Auge, ein rotes Auge, verschwommenes Sehen, farbige Ringe um Lichtquellen und Kopfschmerzen. Oft kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu. Gerade diese Allgemeinbeschwerden führen dazu, dass der Anfall mit Migräne, einem Magen-Darm-Infekt oder einem Herzproblem verwechselt wird.
Gefährdet sind Menschen mit einem von Natur aus engen Kammerwinkel. Das betrifft häufiger Weitsichtige, Ältere, Frauen und Menschen ostasiatischer Herkunft. Ausgelöst wird der Anfall meist durch eine weite Pupille: in der Dämmerung, im Dunkeln, bei Aufregung oder durch Medikamente und pupillenerweiternde Augentropfen.
In der Klinik wird der Druck zuerst mit Tropfen, Tabletten und Infusionen gesenkt. Danach schafft eine Laseriridotomie – ein winziges Loch am Rand der Regenbogenhaut – einen dauerhaften Umgehungsweg für das Kammerwasser. Das andere Auge wird fast immer vorbeugend mitbehandelt. In manchen Fällen ist eine Linsenoperation die bessere Dauerlösung.
Der akute Anfall ist eine Sonderform des Grünen Stars. Die häufigste Glaukomform, das Offenwinkelglaukom, verläuft dagegen schleichend und ohne Schmerzen. Winkelblockglaukome machen in Europa nur einen kleinen Teil aller Glaukome aus, in Asien dagegen die Mehrheit.
2 Symptome
In diesem Kapitel (16)
- Wie fühlt sich ein akuter Glaukomanfall an?
- Augenschmerzen und Kopfschmerzen
- Rotes Auge
- Verschwommenes Sehen und Nebel
- Farbige Ringe um Lichter (Halos)
- Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden
- Das Auge fühlt sich steinhart an
- Was können Angehörige sehen?
- Wie hängen Druckhöhe und Beschwerden zusammen?
- Warum wird der Anfall mit Migräne oder einem Magen-Darm-Infekt verwechselt?
- Wann beginnt ein Anfall typischerweise?
- Ist ein Auge betroffen oder beide?
- Gibt es Vorboten?
- Wie zeigt sich der chronische Winkelblock?
- Worauf ist bei älteren Menschen zu achten?
- Können Kinder und junge Menschen einen Glaukomanfall bekommen?
Wie fühlt sich ein akuter Glaukomanfall an?
Ein akuter Glaukomanfall beginnt meist plötzlich mit heftigen, bohrenden Schmerzen in einem Auge, das rot wird und schlechter sieht. Innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden kommen Kopfschmerzen, Nebelsehen und farbige Ringe um Lichter hinzu. Viele Betroffene fühlen sich schwer krank, ihnen ist übel, manche erbrechen. Die Beschwerden gehen in der Regel nicht von selbst weg, sondern bleiben oder nehmen zu.
Die folgende Übersicht zeigt die Beschwerden nach ihrer Häufigkeit in den Fachquellen:
| Beschwerde | Wie häufig? | Woher kommt sie? |
|---|---|---|
| Starker Augenschmerz | fast immer | Druck auf Hornhaut, Iris und Nerven des Auges |
| Rotes Auge | fast immer | Stauung der Gefäße um die Hornhaut |
| Verschwommenes Sehen, Nebel | fast immer | Wassereinlagerung in der Hornhaut (Hornhautödem) |
| Farbige Ringe um Lichter | sehr häufig | Lichtstreuung an der aufgequollenen Hornhaut |
| Kopfschmerz auf der Seite des Auges | sehr häufig | Ausstrahlung über den Gesichtsnerv (Trigeminus) |
| Übelkeit, Erbrechen | häufig | Reflex über den Vagusnerv bei sehr hohem Druck |
| Schweißausbruch, langsamer Puls | gelegentlich | ebenfalls Vagusreflex |
| Tränenfluss, zusammengekniffene Lider | gelegentlich | Reizung des Auges |
Augenschmerzen und Kopfschmerzen
Der Schmerz sitzt im Auge selbst und wird oft als bohrend, dumpf oder drückend beschrieben. Er strahlt typischerweise in Stirn, Augenbraue und Schläfe auf derselben Seite aus. Bei einem schweren Anfall kann er sich über den ganzen Kopf bis in den Nacken ausbreiten. Viele Betroffene können nicht genau sagen, ob eher das Auge oder der Kopf schmerzt.
Nach einer spanischen Fachübersicht setzen die starken Schmerzen meist ein, wenn der Druck über etwa 40 bis 50 mmHg steigt. Gewöhnliche Schmerzmittel helfen kaum.
Rotes Auge
Das betroffene Auge ist deutlich gerötet, vor allem in einem Ring rund um die Hornhaut. Ärztinnen und Ärzte nennen das ziliare Injektion. Anders als bei einer Bindehautentzündung gibt es keinen eitrigen Ausfluss und kein Jucken, dafür aber starke Schmerzen und schlechtes Sehen. Manchmal tränt das Auge, und die Lider werden reflexhaft zusammengekniffen.
Verschwommenes Sehen und Nebel
Das Sehen wird plötzlich trüb, als würde man durch Nebel, eine beschlagene Scheibe oder eine Milchglasscheibe blicken. Ursache ist ein Hornhautödem: Der hohe Druck presst Wasser in die Hornhaut, die dadurch aufquillt und ihre Klarheit verliert. Das Sehvermögen kann bis auf das Erkennen von Handbewegungen oder Hell und Dunkel absinken.
Eine Brille oder ein Blinzeln bessern dieses Verschwommensehen nicht. Ärzte prüfen das mit einer Lochblende: Beim Hornhautödem bleibt das Sehen auch durch das kleine Loch schlecht.
Farbige Ringe um Lichter (Halos)
Viele Betroffene sehen um Lampen, Kerzen oder Scheinwerfer farbige, regenbogenartige Ringe. Diese Halos entstehen, weil die aufgequollene Hornhaut das Licht wie ein Prisma zerlegt. Sie fallen besonders bei Dunkelheit auf, also genau in der Situation, in der Anfälle bevorzugt beginnen.
Halos können schon bei einem Druck um 30 mmHg auftreten, also bevor starke Schmerzen einsetzen. Wer wiederholt kurzzeitig Farbringe um Lichter sieht, vielleicht zusammen mit leichtem Augendruck oder Stirnkopfschmerz, sollte das zeitnah augenärztlich abklären lassen.
Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden
Übelkeit und Erbrechen sind beim Glaukomanfall häufig und können so stark sein, dass sie das Bild beherrschen. Sie entstehen über einen Reflex des Vagusnervs, der bei sehr hohem Augendruck ausgelöst wird. Derselbe Reflex kann einen langsamen Puls, niedrigen Blutdruck, Schweißausbrüche und ein allgemeines Krankheitsgefühl verursachen. Deutsche Fachquellen nennen auch Herzrhythmusstörungen.
Manche Betroffene fühlen sich vor allem schwach, schwindlig und elend. Das Auge tritt dann für sie selbst in den Hintergrund, obwohl es die eigentliche Ursache ist.
Das Auge fühlt sich steinhart an
Ein typisches Zeichen ist ein sehr harter Augapfel. Tastet man vorsichtig mit zwei Fingern über das geschlossene Oberlid, fühlt sich das betroffene Auge im Vergleich zum anderen deutlich fester an, manchmal „wie eine Glasmurmel“. Das Auge ist dabei oft druckempfindlich. Dieser einfache Seitenvergleich ersetzt keine Messung, kann aber Hausärzten und Notaufnahmen einen wichtigen Hinweis geben.
Was können Angehörige sehen?
Angehörige bemerken oft ein auffällig rotes Auge, dessen Pupille anders aussieht als auf der Gegenseite. Die Pupille ist mittelweit, oft leicht oval oder verzogen und verengt sich kaum oder gar nicht, wenn Licht hineinfällt. Die Hornhaut wirkt matt oder milchig, die Iris dahinter verwaschen. Manchmal erscheint die Farbe der Iris verändert.
Dazu kommt ein Mensch, der sichtlich Schmerzen hat, sich übergibt, das Auge zukneift oder sich die Stirn hält. Wenn diese Zeichen zusammentreffen, ist der Weg in eine Augenklinik richtig, auch wenn die betroffene Person selbst „nur“ über Kopfschmerzen und Übelkeit klagt.
Wie hängen Druckhöhe und Beschwerden zusammen?
Je höher der Druck, desto stärker und vielfältiger die Beschwerden. Die Grenzwerte sind Richtwerte aus Fachübersichten; im Einzelfall reagiert jedes Auge etwas anders.
| Augeninnendruck | Was typischerweise passiert |
|---|---|
| 10–21 mmHg | Normalbereich, keine Beschwerden |
| ab etwa 30 mmHg | Hornhautödem, Nebelsehen, Farbringe um Lichter |
| über 40–50 mmHg | starker Augen- und Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen; die Pupille wird starr |
| über 80–90 mmHg | Durchblutung von Netzhaut und Sehnerv bricht zusammen, rascher Sehverlust |
Warum wird der Anfall mit Migräne oder einem Magen-Darm-Infekt verwechselt?
Der Anfall wird verwechselt, weil Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen oft stärker empfunden werden als die Augenbeschwerden. Betroffene denken dann an Migräne, einen verdorbenen Magen oder einen Infekt. Auch in Arztpraxen und Notaufnahmen wird der Anfall immer wieder zunächst als neurologisches, internistisches oder sogar als Herzproblem eingeordnet.
Eine Untersuchung der Universitäts-Augenklinik Freiburg zeigt das Ausmaß. Von 91 Menschen mit akutem Winkelblock ging mehr als jeder vierte zuerst zu einem Nicht-Augenarzt, viele davon in eine Notaufnahme. Bei mehr als der Hälfte dieser Patienten wurden Untersuchungen gemacht, die nicht weiterhalfen, etwa Bildgebung des Kopfes, Lumbalpunktion, EKG oder Blutentnahmen. In einzelnen Fällen wurden antibiotische Augentropfen verordnet, und die richtige Diagnose verzögerte sich um bis zu zwei Wochen.
Einige Merkmale sprechen klar für das Auge als Ursache:
| Merkmal | Glaukomanfall | Migräne | Magen-Darm-Infekt |
|---|---|---|---|
| Rotes Auge | ja, einseitig | nein | nein |
| Sehen | neblig, Farbringe, bleibt schlecht | evtl. Flimmern oder Zacken, die nach Minuten vergehen | normal |
| Pupille | mittelweit, starr, anders als die Gegenseite | normal | normal |
| Hornhaut | trüb, matt | klar | klar |
| Augapfel beim Tasten | hart | normal | normal |
| Durchfall | nein | nein | häufig |
Wer schon lange an Migräne leidet und einen ganz anderen, einseitig auf das Auge betonten Schmerz mit rotem Auge erlebt, sollte besonders aufmerksam sein. Auch ein Herpes zoster am Auge oder eine Trigeminusneuralgie können ähnliche Schmerzen machen, zeigen aber andere Zeichen.
Wann beginnt ein Anfall typischerweise?
Ein Anfall beginnt häufig am Abend, in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. In diesen Situationen ist die Pupille mittelweit, und genau in dieser Stellung verschließt die Iris den Kammerwinkel am leichtesten. Klassische Situationen sind Fernsehen im abgedunkelten Raum, ein Kinobesuch, eine Autofahrt in der Dämmerung oder starke Aufregung.
Ein Anfall kann auch kurz nach einem Besuch beim Augenarzt beginnen, wenn dort pupillenerweiternde Tropfen gegeben wurden. Ebenso kann er in den ersten Tagen bis zwei Wochen nach Beginn oder Dosiserhöhung eines Medikaments auftreten, das die Pupille erweitert. Selten beginnt ein Anfall nach einer Vollnarkose.
Ist ein Auge betroffen oder beide?
Der akute Anfall betrifft in der Regel nur ein Auge. Das andere Auge ist meist genauso gebaut und hat ebenfalls einen engen Kammerwinkel; es ist deshalb stark gefährdet, später selbst einen Anfall zu bekommen. Ein gleichzeitiger Anfall an beiden Augen ist selten.
Er kommt vor allem durch bestimmte Medikamente vor, etwa das Migräne- und Epilepsiemittel Topiramat, das den Ziliarkörper anschwellen lässt. Dann tritt typischerweise zusätzlich eine plötzliche Kurzsichtigkeit auf.
Gibt es Vorboten?
Ja, bei vielen Betroffenen gehen dem großen Anfall kleinere Episoden voraus. Eine französische Fachquelle nennt dafür etwa die Hälfte der Patienten. Fachleute sprechen vom intermittierenden oder subakuten Winkelblock: Der Winkel verschließt sich kurz und öffnet sich wieder.
Typische Vorboten sind:
- zeitweise Nebelsehen, besonders in der Dämmerung oder bei schwachem Licht
- Farbringe um Lampen, die nach einiger Zeit wieder verschwinden
- Druckgefühl im Auge oder Stirnkopfschmerz, etwa beim Fernsehen im Dunkeln oder beim Lesen
- ein leicht gerötetes Auge, das sich bis zum nächsten Morgen wieder beruhigt
Diese Episoden dauern meist Minuten bis wenige Stunden. Sie bessern sich oft im hellen Licht oder nach dem Schlaf, weil sich die Pupille dann verengt. Gerade weil sie von selbst vergehen, werden sie oft nicht ernst genommen. Jede Episode kann aber den Sehnerv weiter schädigen und Teile des Gesichtsfelds am Rand kosten.
Wie zeigt sich der chronische Winkelblock?
Der chronische Winkelblock verursacht oft gar keine oder nur geringe Beschwerden. Dabei verklebt die Iris langsam mit dem Kammerwinkel, und der Druck steigt allmählich. Gelegentlich treten ein leichtes Unbehagen, ein rotes Auge, verschwommenes Sehen oder Kopfschmerzen auf.
Fehlende Schmerzen bedeuten daher nicht, dass der Sehnerv sicher ist. Ähnlich wie beim Offenwinkelglaukom wird diese Form oft erst bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt.
Worauf ist bei älteren Menschen zu achten?
Bei älteren Menschen werden die Beschwerden besonders leicht fehlgedeutet. Wer schlecht sieht, schwerhörig ist oder an einer Demenz leidet, kann Augenschmerzen oft nicht klar benennen. Dann zeigt sich der Anfall vielleicht nur durch Unruhe, Erbrechen, Appetitlosigkeit und ein rotes Auge. Angehörige und Pflegekräfte sollten in solchen Fällen an das Auge denken, vor allem wenn kurz zuvor ein neues Medikament begonnen wurde oder eine Operation in Narkose stattfand.
Können Kinder und junge Menschen einen Glaukomanfall bekommen?
Ein akuter Winkelblock ist vor dem 40. Lebensjahr sehr selten und bei Kindern eine große Ausnahme. Der Kammerwinkel wird erst mit den Jahren enger, weil die Augenlinse wächst. Beim Kind steht ein anderes Krankheitsbild im Vordergrund: das angeborene Glaukom. Es zeigt sich bei Säuglingen durch auffällig große Augen, Lichtscheu, Tränenfluss und Lidkrampf und gehört ebenfalls rasch in augenärztliche Hände.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (8)
Wie entsteht ein Glaukomanfall?
Ein Glaukomanfall entsteht, wenn das Kammerwasser das Auge plötzlich nicht mehr verlassen kann. Dieses klare Wasser wird ständig vom Ziliarkörper hinter der Iris gebildet. Es fließt durch die Pupille in die vordere Augenkammer und verlässt das Auge im Kammerwinkel über ein feines Siebgewebe (Trabekelwerk) und den Schlemm-Kanal. Bildung und Abfluss halten sich normalerweise die Waage, der Druck bleibt stabil.
Beim akuten Winkelblock legt sich die Iris wie ein Vorhang vor das Trabekelwerk. Die Bildung läuft weiter, der Abfluss fällt aus. Der Druck steigt deshalb innerhalb weniger Stunden auf Werte, die das Auge nicht lange verträgt.
Was ist ein Pupillarblock?
Der Pupillarblock ist mit etwa drei von vier Fällen der häufigste Mechanismus. Dabei liegt die Rückseite der Iris am Pupillenrand eng auf der Vorderfläche der Linse auf. Das Kammerwasser kommt nicht mehr durch die Pupille nach vorn und staut sich hinter der Iris. Der Druck wölbt den dünnen äußeren Teil der Iris nach vorn – Fachleute sagen Iris bombata – und dieser verschließt den ohnehin engen Winkel.
Am größten ist die Gefahr bei einer mittelweiten Pupille. Dann ist die Kontaktfläche zwischen Iris und Linse groß, und gleichzeitig ist der Irisrand locker genug, um sich nach vorn zu wölben.
Welche anderen Mechanismen gibt es?
Seltener verschließt sich der Winkel ohne Pupillarblock. Die wichtigste Form ist die Plateau-Iris: Der Ziliarkörper sitzt weiter vorn als üblich und drückt den Irisrand in den Winkel, obwohl die Vorderkammer in der Mitte normal tief ist. Weitere, seltene Ursachen sind eine sehr große oder verlagerte Linse, eine Schwellung der Aderhaut oder des Ziliarkörpers, Tumoren hinter der Iris und eine Fehlleitung des Kammerwassers nach Augenoperationen.
Davon zu unterscheiden sind sekundäre Winkelblockglaukome. Hier verschließt eine andere Erkrankung den Winkel, etwa krankhafte neue Gefäße bei fortgeschrittener diabetischer Retinopathie oder nach einem Venenverschluss der Netzhaut, Verklebungen nach einer Uveitis oder Narben. Diese Formen werden anders behandelt als der klassische Anfall.
Warum spielt die Augenlinse eine so große Rolle?
Die Augenlinse wächst ein Leben lang und wird im Alter dicker. Sie schiebt dabei die Iris nach vorn und macht die Vorderkammer flacher. Ein Kammerwinkel, der mit 40 Jahren noch knapp ausreichend weit war, kann deshalb mit 65 Jahren kritisch eng sein. Ein fortgeschrittener Grauer Star verstärkt diesen Effekt, weil die getrübte Linse oft besonders dick ist.
Das erklärt auch, warum eine Linsenoperation den Winkel dauerhaft öffnen kann: Die eingesetzte Kunstlinse ist viel dünner als die natürliche Linse.
Wer ist besonders gefährdet?
Besonders gefährdet sind Menschen, deren Auge von Natur aus kurz gebaut ist und eine flache Vorderkammer hat. Die wichtigsten Risikofaktoren sind:
- Weitsichtigkeit: Ein weitsichtiges Auge ist meist kürzer und hat weniger Platz im vorderen Augenabschnitt. Je stärker die Weitsichtigkeit, desto höher das Risiko. Kurzsichtige haben dagegen nur ein sehr geringes Risiko.
- Alter: Das Risiko steigt ab 40 Jahren deutlich. Die meisten Anfälle treten zwischen 60 und 75 Jahren auf.
- Weibliches Geschlecht: Frauen erkranken etwa zwei- bis dreimal so häufig wie Männer. In einer landesweiten Auswertung aus Korea lag der Faktor bei 2,6. Frauen haben im Durchschnitt kleinere Augen und flachere Vorderkammern.
- Herkunft: Menschen ost- und südostasiatischer Herkunft sowie Inuit haben ein deutlich höheres Risiko. Bei Menschen europäischer und afrikanischer Herkunft ist der Winkelblock seltener. In Singapur und Hongkong ist der akute Anfall drei- bis viermal so häufig wie in Europa.
- Familie: Die Augenform wird vererbt. Wer Eltern oder Geschwister mit Winkelblock hat, hat selbst ein höheres Risiko.
- Frühere Anfälle oder ein bereits festgestellter enger Kammerwinkel.
Keiner dieser Faktoren führt zwangsläufig zu einem Anfall. Die meisten Weitsichtigen und die meisten älteren Frauen bekommen nie einen. Entscheidend ist, ob der Kammerwinkel tatsächlich eng ist, und das kann nur eine augenärztliche Untersuchung zeigen.
Was löst einen Anfall aus?
Ausgelöst wird ein Anfall fast immer durch eine Erweiterung der Pupille bei einem Auge, das dafür anatomisch veranlagt ist. Bei einem normal weiten Winkel ist eine weite Pupille dagegen harmlos. Typische Auslöser sind:
- Dunkelheit und Dämmerung, zum Beispiel Fernsehen im abgedunkelten Zimmer oder Kino
- Stress, Schreck, Angst und starke Aufregung
- Kälte (in französischen Quellen genannt)
- pupillenerweiternde Augentropfen bei einer Augenuntersuchung
- eine Vollnarkose, vor allem bei älteren Menschen, und die dabei eingesetzten Medikamente
- bestimmte Medikamente, die über den Körper auf die Pupille wirken
Welche Medikamente können einen Anfall auslösen?
Medikamente können einen Anfall auslösen, wenn sie die Pupille erweitern oder den Ziliarkörper anschwellen lassen. Das Risiko ist für die allermeisten Menschen extrem klein, es betrifft nur Augen mit engem Kammerwinkel. Genannt werden in Fachquellen unter anderem:
- pupillenerweiternde Augentropfen (zum Beispiel Tropicamid, Phenylephrin, Cyclopentolat)
- Mittel mit anticholinerger Wirkung, etwa Scopolamin gegen Reisekrankheit, Mittel gegen Blasenschwäche und manche Krampflöser
- Antidepressiva, vor allem trizyklische, aber auch SSRI und SNRI
- Neuroleptika aus der Gruppe der Phenothiazine
- ältere Antihistaminika gegen Allergien, Juckreiz oder Schlafstörungen
- abschwellende Nasen- und Erkältungsmittel sowie andere Sympathomimetika
- Ipratropium zum Inhalieren bei Asthma oder COPD
- Topiramat (Migräne, Epilepsie) und manche Sulfonamide – diese wirken über eine Schwellung des Ziliarkörpers und können beide Augen betreffen
- Levodopa und Amantadin bei Parkinson
Anfälle durch Medikamente treten meist in den ersten zwei Wochen nach Beginn oder nach einer Dosiserhöhung auf. Wichtig: Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab. Wenn Sie wissen, dass Ihr Kammerwinkel eng ist, sagen Sie das Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und in der Apotheke.
Nach einer Laseriridotomie oder einer Linsenoperation gelten diese Einschränkungen in der Regel nicht mehr. Eine Ausnahme sind Topiramat und Sulfonamide: Sie verschließen den Winkel über eine Schwellung des Ziliarkörpers, davor schützt die Öffnung in der Iris nicht.
Ist Kortison ein Auslöser?
Kortison löst in der Regel keinen akuten Winkelblock aus. Eine lange Behandlung mit Kortison, besonders als Augentropfen, kann aber den Druck über Wochen bis Monate erhöhen und ein Offenwinkelglaukom verursachen. Das ist eine andere Erkrankung mit anderem Verlauf.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wie erkennt die Augenärztin oder der Augenarzt einen Glaukomanfall?
- Wie wird der Augendruck gemessen?
- Was zeigt die Untersuchung an der Spaltlampe?
- Was ist eine Gonioskopie?
- Warum wird auch das gesunde Auge untersucht?
- Welche weiteren Untersuchungen gibt es?
- Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?
- Wie wird ein enger Kammerwinkel schon vor einem Anfall erkannt?
Wie erkennt die Augenärztin oder der Augenarzt einen Glaukomanfall?
Der Anfall wird anhand der Beschwerden und des typischen Augenbefunds erkannt und durch eine Messung des Augeninnendrucks bestätigt. Oft genügt schon der Blick auf das rote Auge mit trüber Hornhaut und starrer, mittelweiter Pupille für einen dringenden Verdacht. Zuerst wird nach Beginn der Beschwerden, früheren ähnlichen Episoden, Vorerkrankungen und allen Medikamenten gefragt. Bringen Sie deshalb möglichst Ihren Medikamentenplan oder die Packungen mit.
Wie wird der Augendruck gemessen?
Der Augeninnendruck wird mit einem Tonometer gemessen, nachdem die Hornhaut mit Tropfen betäubt wurde. Üblich ist die Messung an der Spaltlampe mit einem kleinen Messkörperchen, das die Hornhaut kurz berührt. Bei einem Anfall liegt der Wert meist zwischen 40 und 80 mmHg, also beim Zwei- bis Vierfachen des Normalwerts. Steht kein Tonometer zur Verfügung, gibt das Betasten beider Augäpfel im Seitenvergleich einen ersten Hinweis.
Was zeigt die Untersuchung an der Spaltlampe?
Die Spaltlampe ist ein Mikroskop mit schmalem Lichtspalt, mit dem die vorderen Augenabschnitte vergrößert betrachtet werden. Typische Befunde beim Anfall sind:
- getrübte, aufgequollene Hornhaut
- sehr flache Vorderkammer, die Iris liegt nah an der Hornhaut
- nach vorn gewölbte Iris
- mittelweite, entrundete, lichtstarre Pupille
- Entzündungszellen im Kammerwasser
Nach früheren Anfällen finden sich manchmal Spuren: Schwund von Irisgewebe (Irisatrophie), Verklebungen zwischen Iris und Linse sowie kleine weißliche Flecken unter der Linsenkapsel, die sogenannten Glaukomflecken.
Was ist eine Gonioskopie?
Die Gonioskopie ist die Untersuchung des Kammerwinkels mit einem speziellen Kontaktglas mit Spiegeln. Das Glas wird nach Betäubungstropfen auf die Hornhaut gesetzt; die Untersuchung ist schmerzfrei. So sieht die Ärztin, ob der Winkel offen, eng oder verschlossen ist und ob er bereits verklebt ist.
Im akuten Anfall ist die Gonioskopie am betroffenen Auge wegen der trüben Hornhaut oft schwierig. Leichter Druck mit dem Glas kann den Winkel manchmal sogar mechanisch öffnen. Als Ersatz dient eine Abschätzung der Vorderkammertiefe mit schmalem Licht am Hornhautrand (Van-Herick-Test).
Warum wird auch das gesunde Auge untersucht?
Das andere Auge wird untersucht, weil es die Diagnose bestätigt und selbst gefährdet ist. Beim primären Winkelblock ist der Kammerwinkel des Partnerauges fast immer ebenfalls eng. Ist er dort dagegen weit, spricht das gegen einen klassischen Winkelblock, und die Ärzte suchen nach einer anderen Ursache, etwa einer Entzündung oder einem sekundären Glaukom.
Welche weiteren Untersuchungen gibt es?
Sehnerv und Gesichtsfeld lassen sich während des Anfalls kaum beurteilen, weil die trübe Hornhaut die Sicht versperrt. Sie werden nach der Drucksenkung untersucht. Dazu gehören die Spiegelung des Augenhintergrunds, eine Gesichtsfeldmessung (Perimetrie) und eine optische Kohärenztomografie (OCT) der Nervenfaserschicht.
Die Vorderabschnitts-OCT und die Ultraschallbiomikroskopie zeigen den Kammerwinkel im Schnittbild. Ein B-Bild-Ultraschall hilft, seltene Ursachen hinter der Linse zu finden.
Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?
Mehrere Erkrankungen verursachen ein rotes, schmerzhaftes Auge oder starke Kopfschmerzen und müssen abgegrenzt werden:
| Erkrankung | Was ist anders? |
|---|---|
| Regenbogenhautentzündung (Iritis, Uveitis) | Lichtscheu, eher kleine Pupille, Hornhaut meist klar, Druck oft normal oder nur mäßig erhöht |
| Bindehautentzündung | Juckreiz, Brennen, Ausfluss; Sehen und Druck normal |
| Hornhautentzündung, Hornhautverletzung | Fremdkörpergefühl, Lichtscheu, Befund an der Hornhautoberfläche |
| Herpes zoster am Auge | Schmerz oft einige Tage vor dem Bläschenausschlag an Stirn und Nase |
| Migräne, Clusterkopfschmerz | Auge äußerlich unauffällig oder nur kurz gerötet, Pupille und Hornhaut normal, Druck normal |
| Trigeminusneuralgie | blitzartige, elektrische Schmerzen über Sekunden |
| Magen-Darm-Erkrankung, Herzerkrankung | keine Augenzeichen |
Seltener kommen eine Endophthalmitis, eine Entzündung der Augenhöhle, eine Lederhautentzündung, eine Blutung in die Vorderkammer oder Gefäßfehlbildungen hinter dem Auge infrage.
Wie wird ein enger Kammerwinkel schon vor einem Anfall erkannt?
Ein enger Kammerwinkel lässt sich bei einer normalen augenärztlichen Untersuchung erkennen, lange bevor es zu einem Anfall kommt. Oft ist er ein Zufallsbefund, etwa bei der Brillenbestimmung oder einer Vorsorge. Schon ein von der Schläfenseite gehaltenes Licht gibt einen Hinweis: Fällt ein Schatten auf die nasale Hälfte der Iris, ist die Vorderkammer flach. Gesichert wird der Befund mit der Gonioskopie.
Fachleute teilen den Befund in Stufen ein. Beim Verdacht auf Winkelblock ist der Winkel eng, der Druck aber normal. Beim primären Winkelblock ist zusätzlich der Druck erhöht oder der Winkel teilweise verklebt. Beim primären Winkelblockglaukom ist bereits ein Sehnervschaden nachweisbar.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (12)
- Was passiert in der Klinik zuerst?
- Welche Medikamente senken den Druck?
- Warum wirken pupillenverengende Tropfen nicht sofort?
- Was sollten Sie bis zur Behandlung tun und lassen?
- Was ist eine Laseriridotomie?
- Wie läuft die Laseriridotomie ab?
- Welche Nebenwirkungen kann die Laseriridotomie haben?
- Was geschieht, wenn der Laser nicht möglich ist?
- Warum wird das andere Auge mitbehandelt?
- Wann ist eine Linsenoperation sinnvoll?
- Was passiert, wenn der Druck trotzdem hoch bleibt?
- Wer bezahlt die Behandlung in Deutschland und Österreich?
Was passiert in der Klinik zuerst?
Zuerst wird der Augeninnendruck so schnell wie möglich gesenkt. Die Behandlung beginnt sofort nach der Diagnose und kombiniert meist mehrere Medikamente gleichzeitig. Ziele sind ein niedrigerer Druck, eine wieder klare Hornhaut, weniger Schmerzen und das Ende der Übelkeit.
Erst danach wird der Block dauerhaft beseitigt. Der Druck wird dabei wiederholt gemessen, meist etwa stündlich.
Welche Medikamente senken den Druck?
Zur Drucksenkung werden Tropfen, Tabletten und Infusionen kombiniert. Welche Mittel in welcher Reihenfolge gegeben werden, entscheiden die Ärzte nach Vorerkrankungen und Klinikstandard. Üblich sind:
- Carboanhydrasehemmer wie Acetazolamid, als Tablette oder über die Vene. Bei Erbrechen wird die Vene bevorzugt. Sie drosseln die Bildung von Kammerwasser.
- Drucksenkende Augentropfen: Betablocker, Alpha-2-Agonisten und Carboanhydrasehemmer als Tropfen.
- Pilocarpin-Tropfen: Sie verengen die Pupille und ziehen die Iris aus dem Winkel.
- Osmotisch wirkende Mittel wie Mannitol als Infusion oder Glycerin zum Trinken, wenn der Druck nicht ausreichend sinkt. Sie entziehen dem Auge Flüssigkeit.
- Kortison-Tropfen gegen die Entzündung im Auge.
- Schmerzmittel und Mittel gegen Übelkeit.
Einige dieser Mittel sind für bestimmte Menschen ungeeignet, etwa Betablocker bei Asthma oder sehr langsamem Puls, Acetazolamid bei Sulfonamid-Allergie oder schwerer Nierenschwäche, Mannitol bei Herz- oder Nierenschwäche. Gerade bei älteren Menschen können die über den Körper wirkenden Mittel ernste Nebenwirkungen haben. Informieren Sie das Team deshalb über alle Erkrankungen und Medikamente.
Warum wirken pupillenverengende Tropfen nicht sofort?
Pilocarpin wirkt oft erst, wenn der Druck bereits deutlich gesunken ist. Bei Werten über etwa 40 bis 50 mmHg ist der Schließmuskel der Pupille schlecht durchblutet und vorübergehend gelähmt. Deshalb senken die Ärzte den Druck zuerst mit anderen Mitteln und setzen Pilocarpin gezielt ein. Bei einigen seltenen Formen, bei denen der Block hinter der Linse liegt, kann Pilocarpin sogar schaden und wird dann nicht gegeben.
Was sollten Sie bis zur Behandlung tun und lassen?
Bis zur Ankunft in der Klinik können Sie selbst wenig tun, aber einige Fehler vermeiden. Halten Sie sich nicht in einem abgedunkelten Raum auf, denn im Dunkeln wird die Pupille weiter. Kleben Sie das Auge nicht ab und legen Sie keinen Verband an.
Fahren Sie nicht selbst, sondern lassen Sie sich fahren oder rufen Sie den Rettungsdienst. Nehmen Sie Ihre Medikamente oder eine Medikamentenliste mit.
Es gibt keine Hausmittel und keine Selbstbehandlung für den Anfall. Tropfen aus der Hausapotheke helfen nicht und verzögern nur die richtige Behandlung.
Was ist eine Laseriridotomie?
Die Laseriridotomie ist die Standardbehandlung nach einem Anfall. Mit einem Laser wird ein winziges Loch in den äußeren Rand der Regenbogenhaut geschossen. Durch diese Öffnung kann das Kammerwasser an der Pupille vorbei direkt in die vordere Augenkammer fließen. Der Druck hinter der Iris fällt weg, die Iris sinkt zurück und gibt den Kammerwinkel frei.
Die Iridotomie wird gemacht, sobald die Hornhaut wieder klar genug und die Entzündung abgeklungen ist. Das dauert meist einige Stunden bis ein bis zwei Tage nach der Drucksenkung. Medikamente allein verhindern keinen Rückfall; erst die Öffnung in der Iris beseitigt die Ursache des Pupillarblocks.
Wie läuft die Laseriridotomie ab?
Die Behandlung ist kurz und findet in der Regel ambulant statt; mit Vorbereitung und Kontrolle sind Sie bis etwa zwei Stunden in der Klinik. Der Ablauf, wie ihn eine britische Klinik beschreibt:
- Zuerst bekommen Sie Pilocarpin-Tropfen, die die Pupille verengen und die Iris straffen. Sie können für bis zu eine Stunde Kopfschmerzen verursachen.
- Betäubungstropfen machen das Auge unempfindlich.
- Sie sitzen an einem Gerät, das einer Spaltlampe ähnelt. Ein Kontaktglas wird auf das Auge gesetzt, um es ruhig zu halten und den Laser zu bündeln.
- Der Laser wird ausgelöst. Sie sehen Lichtblitze, hören ein Klicken und spüren vielleicht ein kurzes Zwicken wie einen Nadelstich. Die eigentliche Behandlung dauert etwa zehn Minuten.
- Etwa eine Stunde danach wird der Druck kontrolliert.
Meist entstehen ein bis zwei kleine Öffnungen, die von außen kaum zu sehen sind. Nach der Behandlung bekommen Sie entzündungshemmende Tropfen. Fahren Sie mindestens sechs Stunden nicht selbst Auto. Eine erste Nachkontrolle erfolgt nach einigen Wochen.
Welche Nebenwirkungen kann die Laseriridotomie haben?
Ernste Komplikationen sind selten; der Nutzen überwiegt die Risiken deutlich. Möglich sind:
- kurzzeitig verschwommenes Sehen, oft durch eine kleine Blutung aus der Iris, die meist innerhalb von 48 Stunden vergeht
- ein vorübergehender Druckanstieg, der mit Tropfen behandelt wird
- eine leichte Entzündung im Auge
- Blendung, Lichtstreifen, Schleier oder Doppelbilder, wenn Licht durch die neue Öffnung fällt; meist bessert sich das innerhalb von Wochen bis Monaten
- eine Öffnung, die zu klein ist oder sich wieder verschließt; dann wird nachgelasert
- auf längere Sicht eine schnellere Trübung der Linse
Die Iridotomie öffnet nicht jeden Winkel vollständig. Nach Angaben einer britischen Klinik bleibt der Winkel bei etwa einem von vier Menschen teilweise eng, etwa wegen einer Plateau-Iris oder einer dicken Linse. Dann sind weitere Behandlungen nötig.
Was geschieht, wenn der Laser nicht möglich ist?
Ist die Hornhaut zu trüb oder die Vorderkammer zu flach für eine Iridotomie, gibt es Alternativen. Bei der Laser-Iridoplastik strafft ein anderer Laser den äußeren Irisrand und zieht ihn so aus dem Winkel. Eine Übersichtsarbeit zeigt, dass sie den Druck in den ersten Stunden schneller senkt als Medikamente allein; nach etwa zwei Stunden war der Unterschied verschwunden. Bei der chirurgischen Iridektomie wird im Operationssaal ein kleines Stück der Iris entfernt; die Öffnung ist danach manchmal als kleines dunkles Dreieck sichtbar.
Warum wird das andere Auge mitbehandelt?
Das andere Auge wird mitbehandelt, weil es fast immer ebenfalls einen engen Winkel hat und ohne Behandlung ein hohes Risiko für einen eigenen Anfall trägt. Nach der Leitlinie der US-amerikanischen Augenärztegesellschaft (AAO) kann ohne Vorbeugung etwa die Hälfte dieser Partneraugen innerhalb weniger Jahre selbst einen Anfall bekommen, manchmal schon wenige Tage nach dem ersten; das MSD-Manual nennt sogar etwa 80 Prozent, belastbare Langzeitzahlen aus Europa fehlen. Unstrittig ist die Empfehlung: Deutsch-, englisch-, französisch- und spanischsprachige Fachquellen und Kliniken raten übereinstimmend zur vorbeugenden Laseriridotomie am Partnerauge.
Sie wird oft noch während des Klinikaufenthalts oder kurz danach ambulant gemacht. Bis dahin bekommt das Partnerauge manchmal Pilocarpin-Tropfen zum Schutz.
Wann ist eine Linsenoperation sinnvoll?
Eine Linsenoperation ist sinnvoll, wenn die dicke natürliche Linse wesentlich zur Enge beiträgt, vor allem bei älteren Menschen und bei zusätzlichem Grauem Star. Dabei wird die Linse wie bei der Operation des Grauen Stars entfernt und durch eine viel dünnere Kunstlinse ersetzt. Die Vorderkammer wird dadurch tiefer, und der Winkel öffnet sich dauerhaft.
Studien sprechen für diesen Weg. In der europäischen EAGLE-Studie wurden 419 Menschen ab 50 Jahren mit Winkelblock oder Winkelblockglaukom, aber ohne Grauen Star, entweder an der Linse operiert oder mit Laseriridotomie behandelt. Nach drei Jahren hatte die Linsengruppe eine bessere Lebensqualität, einen etwas niedrigeren Druck und brauchte weniger weitere Eingriffe und Tropfen. Die Studie untersuchte allerdings nicht den akuten Anfall selbst.
Auch nach einem akuten Anfall zeigen kleinere Studien Vorteile. In einer Untersuchung aus Asien mussten nach zwei Jahren etwa 11 Prozent der früh an der Linse Operierten weiterbehandelt werden, aber knapp 39 Prozent nach alleiniger Iridotomie. Im frisch entzündeten Auge ist die Operation jedoch technisch anspruchsvoll und riskanter.
Deshalb wird meist zuerst gelasert und die Linsenoperation später geplant, wenn das Auge sich beruhigt hat. Bei jüngeren Menschen mit klarer Linse bleibt die Iridotomie die erste Wahl.
Was passiert, wenn der Druck trotzdem hoch bleibt?
Bleibt der Druck nach Laser und Medikamenten erhöht, wird er wie beim Offenwinkelglaukom behandelt. Viele Betroffene brauchen dann dauerhaft drucksenkende Tropfen. Reicht das nicht, kommen Operationen infrage: eine filtrierende Operation (Trabekulektomie), das Lösen von Verklebungen im Winkel (Goniosynechiolyse), meist zusammen mit einer Linsenoperation, oder eine Laserbehandlung des Ziliarkörpers, die die Bildung von Kammerwasser verringert. Eine alleinige Trabekulektomie ohne Linsenoperation wird beim Winkelblock zurückhaltend eingesetzt, weil die dicke eigene Linse als Hauptursache der Enge bestehen bleibt und eine Linsenoperation in Studien mit weniger Komplikationen verbunden war.
Wer bezahlt die Behandlung in Deutschland und Österreich?
Die Notfallbehandlung des Glaukomanfalls und die nötigen Folgeeingriffe werden in Deutschland von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. In Österreich übernimmt der Sozialversicherungsträger über die e-card die notwendige Diagnostik und Therapie; je nach Versicherung können Selbstbehalte anfallen. Anders ist es bei der Glaukom-Früherkennung ohne Beschwerden: In Deutschland zahlen die Kassen sie nur bei Verdacht oder erhöhtem Risiko, sonst ist sie eine Selbstzahlerleistung. Ob eine vorbeugende Iridotomie bei engem Winkel ohne Anfall übernommen wird, sollten Sie vorab mit Ihrer Augenärztin oder Ihrer Krankenkasse klären.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (6)
Wie schnell entstehen bleibende Schäden?
Bleibende Schäden können schon nach wenigen Stunden entstehen. Der hohe Druck drückt auf die Fasern des Sehnervs und drosselt die Durchblutung von Sehnerv und Netzhaut. Je höher der Druck und je länger er anhält, desto größer der Schaden.
Ohne Behandlung kann das Auge innerhalb von ein bis zwei Tagen erblinden. Bereits verlorene Sehnervenfasern wachsen nicht nach.
Wie gut ist die Prognose?
Bei rascher Behandlung ist die Prognose gut, und die meisten Betroffenen behalten ein gutes Sehvermögen. Laseriridotomie oder Linsenoperation verhindern in aller Regel weitere Anfälle. Entscheidend ist, wie lange der Druck erhöht war.
In einer Verlaufsstudie an europäischen Patienten hatten nach gut zwei Jahren etwa 15 Prozent ein dauerhaftes Winkelblockglaukom entwickelt, rund 10 Prozent eine bleibende Sehminderung und etwa 6 Prozent waren auf dem betroffenen Auge erblindet. Am schlechtesten schnitten Menschen ab, deren Beschwerden lange anhielten, bevor der Anfall gelöst wurde.
Die Lebenserwartung wird durch einen Glaukomanfall nicht verkürzt.
Welche Folgen kann ein Anfall haben?
Auch nach erfolgreicher Behandlung können Spuren zurückbleiben:
- Sehnervschaden mit Ausfällen im Gesichtsfeld, oft zuerst am Rand
- Verklebungen zwischen Iris und Kammerwinkel, die den Abfluss dauerhaft behindern und zu einem chronischen Winkelblockglaukom führen
- Irisschwund und eine dauerhaft entrundete oder weite Pupille, die blendempfindlich macht
- Linsentrübungen (Glaukomflecken) und ein früherer Grauer Star
- Schäden an der Hornhaut, vor allem an ihrer inneren Zellschicht
- bei extrem hohem Druck Durchblutungsschäden der Netzhaut, die nicht umkehrbar sind
Kann ein Anfall wiederkommen?
Nach einer funktionierenden Iridotomie oder Linsenoperation ist ein erneuter akuter Anfall selten. Ohne diese Eingriffe kehren Anfälle dagegen häufig wieder. Die Öffnung in der Iris kann sich jedoch verkleinern oder verschließen, und bei einer Plateau-Iris kann der Winkel trotz offener Iridotomie eng bleiben.
Bei stark pigmentierter Iris steigt der Druck auf Dauer häufiger wieder an. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Wie sieht die Nachsorge aus?
Nach dem Anfall folgen regelmäßige Kontrollen bei der Augenärztin oder dem Augenarzt. Geprüft werden Augendruck, Kammerwinkel, Durchgängigkeit der Iridotomie, Sehnerv, Gesichtsfeld und die Nervenfaserschicht mit OCT. Hat sich ein Winkelblockglaukom entwickelt, empfehlen französische Fachquellen zwei bis drei Kontrollen pro Jahr. Bei guter Betreuung ist das Risiko, durch die chronische Form zu erblinden, sehr gering.
Nach der Entlassung bekommen viele Betroffene für einige Tage bis Wochen Kortison- und eventuell Pilocarpin-Tropfen, manche dauerhaft drucksenkende Tropfen. Melden Sie sich sofort, wenn Schmerzen, Rötung oder Nebelsehen zurückkehren.
Darf ich nach einem Glaukomanfall Auto fahren?
Das hängt vom verbliebenen Sehvermögen und Gesichtsfeld beider Augen ab. Sieht das andere Auge gut, ist Autofahren meist wieder möglich, sobald die Augenärztin zustimmt. Direkt nach dem Laser sollten Sie mindestens sechs Stunden nicht fahren. Sind Sehschärfe oder Gesichtsfeld dauerhaft eingeschränkt, lassen Sie die Fahrtauglichkeit augenärztlich prüfen; in Deutschland und Österreich gelten dafür gesetzliche Mindestanforderungen an das Sehen.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (7)
Kann man einen Glaukomanfall verhindern?
Ja, in vielen Fällen. Wer weiß, dass sein Kammerwinkel eng ist, kann mit einer vorbeugenden Laseriridotomie oder einer Linsenoperation einen Anfall sehr wahrscheinlich verhindern. Ganz ausschließen lässt sich ein Anfall nicht, aber das Risiko sinkt erheblich. Voraussetzung ist, dass der enge Winkel überhaupt entdeckt wird.
Wer sollte den Kammerwinkel untersuchen lassen?
Eine Untersuchung des Kammerwinkels lohnt sich besonders für Menschen mit erhöhtem Risiko:
- Weitsichtige, besonders bei stärkerer Weitsichtigkeit
- Menschen ab 40, vor allem Frauen
- Menschen ost- oder südostasiatischer Herkunft
- Eltern, Geschwister und Kinder von Menschen mit Winkelblock
- Menschen, die schon Vorboten wie abendliche Farbringe oder Nebelsehen bemerkt haben
- Menschen, die Antidepressiva, Antihistaminika oder andere pupillenerweiternde Medikamente dauerhaft einnehmen
Fragen Sie bei Ihrer nächsten augenärztlichen Kontrolle gezielt, ob Ihr Kammerwinkel eng ist. Viele Patienten wissen nicht, ob bei ihnen schon einmal ein Laser gemacht wurde; auch das können Sie erfragen.
Wer braucht eine vorbeugende Laseriridotomie?
Nicht jeder enge Winkel muss vorbeugend gelasert werden. Bei den meisten Menschen mit engem Winkel, aber normalem Druck und ohne Beschwerden ist das Anfallsrisiko gering, und Beobachten ist eine vertretbare Möglichkeit. Ein vorbeugender Laser wird empfohlen, wenn zusätzliche Risiken bestehen. Britische Kliniken nennen dafür zum Beispiel:
- einen Anfall am anderen Auge
- bereits erhöhten Druck oder Verklebungen im Winkel
- starke Weitsichtigkeit
- Winkelblock in der Familie
- nur ein gut sehendes Auge
- regelmäßig nötige Pupillenerweiterung, etwa bei Diabetes-Kontrollen
- dauerhafte Einnahme von Antidepressiva oder Antihistaminika
- Wohnort oder Arbeitsplatz weit entfernt von augenärztlicher Versorgung
- Menschen, die Beschwerden nicht mitteilen können
Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt. Bei älteren Menschen mit beginnendem Grauen Star kann statt des Lasers die Linsenoperation die bessere Wahl sein.
Was ist bei Medikamenten zu beachten?
Lesen Sie bei neuen Medikamenten den Beipackzettel. Steht dort „Vorsicht bei Glaukom“ oder „nicht bei Engwinkelglaukom“, betrifft das vor allem Menschen mit engem Kammerwinkel, nicht das häufige Offenwinkelglaukom. Fragen Sie dann Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke.
Setzen Sie verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab. Treten nach Beginn eines neuen Medikaments Augenschmerzen oder Sehstörungen auf, suchen Sie sofort ärztliche Hilfe und nennen Sie das Medikament.
Was gilt bei pupillenerweiternden Augentropfen?
Vor einer Pupillenerweiterung prüft die Augenärztin die Tiefe der Vorderkammer. Sagen Sie immer, wenn bei Ihnen ein enger Winkel oder ein früherer Anfall bekannt ist. Die französische Arzneimittelbehörde führt einen engen Kammerwinkel als Gegenanzeige für pupillenerweiternde Tropfen.
Wenn Sie nach einer Untersuchung mit erweiterten Pupillen Augenschmerzen, Nebelsehen oder Farbringe bekommen, melden Sie sich sofort, auch abends. Nach einer Iridotomie oder Linsenoperation ist eine Pupillenerweiterung in der Regel unbedenklich.
Sollte die Familie untersucht werden?
Ja. Weil die Augenform vererbt wird, sollten sich Eltern, Geschwister und erwachsene Kinder von Betroffenen augenärztlich untersuchen lassen. Bei ihnen wird gezielt der Kammerwinkel beurteilt.
Wie oft sollte man zur Glaukom-Vorsorge?
Der deutsche Berufsverband der Augenärzte empfiehlt eine Glaukom-Kontrolle ab etwa 40 Jahren, je nach Befund alle ein bis fünf Jahre, bei Risikofaktoren früher und häufiger. Diese Empfehlungen zielen vor allem auf das Offenwinkelglaukom. In Deutschland ist die Früherkennung ohne Verdacht eine Selbstzahlerleistung; das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen sieht ihren allgemeinen Nutzen als nicht ausreichend belegt.
Für den engen Kammerwinkel ist vor allem wichtig, dass er bei einer Untersuchung einmal gezielt beurteilt wird. Das österreichische Gesundheitsportal rät außerdem, Hausärztin oder Hausarzt und andere behandelnde Ärzte über ein bekanntes Glaukom oder einen engen Winkel zu informieren.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (4)
Wann sofort in die Augenklinik oder Notaufnahme?
Sofort, wenn plötzlich starke Augenschmerzen oder eine plötzliche Sehverschlechterung auftreten, besonders wenn weitere dieser Zeichen dazukommen:
- plötzliche, starke Schmerzen in einem Auge oder um das Auge
- rotes Auge
- plötzlich verschwommenes oder nebliges Sehen
- farbige Ringe um Lichtquellen
- Kopfschmerzen, besonders auf der Seite des schmerzenden Auges
- Übelkeit oder Erbrechen zusammen mit Augenbeschwerden
- ein Auge, das sich hart anfühlt, oder eine Pupille, die anders aussieht als auf der Gegenseite
Warten Sie nicht ab, ob es von selbst besser wird, und denken Sie bei Kopfschmerz mit Übelkeit nicht nur an Migräne oder den Magen. Am besten ist eine Augenklinik mit Notdienst. Ist keine erreichbar, gehen Sie in die nächste Notaufnahme und sagen Sie ausdrücklich, dass Sie einen Glaukomanfall befürchten. Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
Welche Nummern helfen?
In Deutschland hilft der Notruf 112, in Österreich und der Schweiz die Rettung unter 144.
- Deutschland: Notruf 112 bei starken Beschwerden; ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117, der auch augenärztliche Notdienste nennt
- Österreich: Rettung 144; Gesundheitsberatung 1450
- Schweiz: Sanitätsnotruf 144
Fahren Sie nicht selbst. Nehmen Sie Ihre Medikamente oder eine Liste mit. Bleiben Sie bis zur Behandlung in einem hellen Raum und verbinden Sie das Auge nicht.
Wann innerhalb weniger Tage?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie zur Augenärztin oder zum Augenarzt, wenn Sie wiederholt kurze Episoden bemerken, die von selbst vergehen: Nebelsehen oder Farbringe in der Dämmerung, ein Druckgefühl im Auge oder Stirnkopfschmerz beim Fernsehen im Dunkeln. Das können Vorboten eines Anfalls sein. Kehren die Beschwerden zurück und bleiben, gilt wieder: sofort.
Wann zur Routinekontrolle?
Zur geplanten Kontrolle sollten Sie, wenn bei Ihnen ein enger Kammerwinkel festgestellt wurde, wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören oder wenn ein Familienmitglied einen Anfall hatte. Nach einer Laseriridotomie gehören die vereinbarten Nachkontrollen dazu. Bei starken Schmerzen oder plötzlichem Sehverlust nach dem Laser melden Sie sich sofort.
9 Häufige Fragen
Ist ein Glaukomanfall ein Notfall?
Ja. Beim akuten Glaukomanfall kann der hohe Augendruck den Sehnerv innerhalb von Stunden bleibend schädigen. Gehen Sie sofort in eine Augenklinik oder Notaufnahme, in Deutschland notfalls über den Notruf 112, in Österreich über die Rettung 144. Je früher der Druck gesenkt wird, desto besser bleibt das Sehen erhalten.
Kann ein Glaukomanfall mit Migräne verwechselt werden?
Ja, das passiert häufig. Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen stehen oft so im Vordergrund, dass an Migräne oder einen Magen-Darm-Infekt gedacht wird. Für einen Glaukomanfall sprechen ein einseitig rotes, schmerzendes Auge, Nebelsehen, Farbringe um Lichter, eine starre mittelweite Pupille und ein harter Augapfel. Bei Migräne ist das Auge äußerlich unauffällig, und Sehstörungen vergehen nach kurzer Zeit.
Warum bekommt man einen Glaukomanfall abends oder im Dunkeln?
Im Dunkeln wird die Pupille weit. Bei einem engen Kammerwinkel schiebt sich die erweiterte Iris dann in den Abflussweg des Kammerwassers und verschließt ihn. Deshalb beginnen viele Anfälle beim Fernsehen im abgedunkelten Raum, im Kino oder nachts. Auch Aufregung und Schreck erweitern die Pupille.
Welche Medikamente können einen Glaukomanfall auslösen?
Vor allem Mittel, die die Pupille erweitern: pupillenerweiternde Augentropfen, Mittel mit anticholinerger Wirkung wie Scopolamin, manche Antidepressiva, ältere Antihistaminika, abschwellende Erkältungsmittel, Ipratropium und Topiramat. Das Risiko besteht nur bei einem engen Kammerwinkel und ist insgesamt sehr klein. Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wer ist besonders gefährdet für einen Glaukomanfall?
Gefährdet sind Menschen mit engem Kammerwinkel. Das betrifft häufiger Weitsichtige, Menschen ab 50 bis 60 Jahren, Frauen, Menschen ostasiatischer Herkunft und Inuit sowie Menschen mit Winkelblock in der Familie. Kurzsichtige haben ein sehr geringes Risiko. Ob Ihr Winkel eng ist, kann eine augenärztliche Untersuchung zeigen.
Was passiert im Krankenhaus bei einem Glaukomanfall?
Zuerst wird der Augendruck mit mehreren Medikamenten gleichzeitig gesenkt: Tropfen, Tabletten und oft Infusionen, dazu Mittel gegen Schmerzen und Übelkeit. Sobald die Hornhaut wieder klar ist, meist nach Stunden bis ein bis zwei Tagen, wird mit einem Laser ein kleines Loch in die Regenbogenhaut gemacht. Diese Laseriridotomie verhindert weitere Anfälle.
Tut die Laseriridotomie weh?
Kaum. Das Auge wird mit Tropfen betäubt. Während der etwa zehnminütigen Behandlung spüren manche Menschen ein kurzes Zwicken wie einen Nadelstich, dazu sieht man Lichtblitze.
Die vorher gegebenen Pilocarpin-Tropfen können für bis zu eine Stunde Kopfschmerzen machen. Danach ist das Sehen oft für kurze Zeit etwas verschwommen.
Muss das andere Auge auch gelasert werden?
In aller Regel ja. Das andere Auge ist meist genauso gebaut und hat ebenfalls einen engen Kammerwinkel. Ohne Behandlung ist sein Risiko für einen eigenen Anfall hoch. Deshalb wird es fast immer vorbeugend mit einer Laseriridotomie behandelt, oft noch während des Klinikaufenthalts oder kurz danach.
Werde ich nach einem Glaukomanfall wieder normal sehen?
Bei rascher Behandlung behalten die meisten Menschen ein gutes Sehvermögen. Das Nebelsehen durch die geschwollene Hornhaut bildet sich zurück, sobald der Druck sinkt. Hat der Druck den Sehnerv aber schon geschädigt, bleiben Ausfälle im Gesichtsfeld oder eine Sehminderung bestehen, denn verlorene Nervenfasern wachsen nicht nach. Entscheidend ist, wie lange der Druck erhöht war.
Hilft eine Operation des Grauen Stars gegen einen Glaukomanfall?
Ja, oft. Bei der Operation wird die dicke natürliche Linse durch eine viel dünnere Kunstlinse ersetzt. Dadurch wird die Vorderkammer tiefer und der Kammerwinkel öffnet sich dauerhaft.
Studien zeigen, dass eine frühe Linsenoperation bei älteren Menschen mit Winkelblock langfristig mindestens so gut wirkt wie der Laser. Ob sie für Sie infrage kommt, klären Sie mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.
Kann ein Glaukomanfall von allein wieder weggehen?
Leichte Episoden können sich im hellen Licht oder nach dem Schlaf von selbst lösen. Der Winkel bleibt aber eng, und die Anfälle kehren zurück; jeder kann den Sehnerv schädigen. Ein voll ausgeprägter Anfall mit starken Schmerzen löst sich meist nicht von selbst. Warten Sie deshalb nie ab, sondern lassen Sie jede solche Episode augenärztlich abklären.
Ist ein Glaukomanfall erblich?
Nicht der Anfall selbst, aber die Augenform mit engem Kammerwinkel wird vererbt. Wer Eltern oder Geschwister mit Winkelblock hat, hat ein höheres Risiko. Deshalb sollten sich Verwandte ersten Grades von Betroffenen augenärztlich untersuchen lassen.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 28 Quellen anzeigen
- Glaukom (Grüner Star) – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs, gesundheit.gv.at (DE)
- Grüner Star (Glaukom) – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (DE)
- Sozialgesetzbuch V, § 27 Krankenbehandlung – Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (DE)
- Ihre Augenärzte informieren: Glaukom (Grüner Star) – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und DOG (DE)
- Winkelblockglaukom – MSD Manual Profi-Ausgabe (DE)
- Engwinkelglaukom – augenklinik.de (DE)
- Akutes Winkelblockglaukom – DocCheck Flexikon (DE)
- Sehnervenschäden aufhalten – Pharmazeutische Zeitung (DE)
- Acute angle closure: An ophthalmological emergency in the emergency room – Universitäts-Augenklinik Freiburg, veröffentlicht in PubMed Central (EN)
- Management of acute angle closure (Chan, Pang, Tham, Eye 2019) – Eye / PubMed Central (EN)
- Clinical Guideline for the treatment of Acute Angle-Closure Glaucoma – Royal Victoria Eye and Ear Hospital, Dublin (2022) (EN)
- Angle closure disease and laser treatment (Patienteninformation) – York and Scarborough Teaching Hospitals NHS Foundation Trust (EN)
- Glaucoma – NHS (EN)
- Acute angle-closure glaucoma – Patient (patient.info) (EN)
- Primary Angle-Closure Disease Preferred Practice Pattern – American Academy of Ophthalmology (AAO) (EN)
- Notfallnummern – Kanton Graubünden, Kantonspolizei – Notrufzentrale (DE)
- Clear lens extraction for PACG (EAGLE-Studie) – EyeNet Magazine, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Incidence of acute angle closure in Korea (Park et al., J Korean Med Sci 2019) – Journal of Korean Medical Science / PubMed Central (EN)
- Glaucome par fermeture de l'angle – La Revue du Praticien (FR)
- Glaucome par fermeture de l'angle – Manuel MSD, version pour professionnels (FR)
- Glaucome primitif à angle fermé : caractéristiques cliniques – GPnotebook (FR)
- Traitement du glaucome primaire à angle fermé et du glaucome aigu à angle fermé – GPnotebook (FR)
- Mydriaticum 0,5 % – Résumé des caractéristiques du produit – ANSM, Base de données publique des médicaments (FR)
- Glaucoma por cierre angular – Manual MSD, versión para profesionales (ES)
- Dolor ocular por glaucoma agudo – IntraMed (ES)
- Glaucoma primario de ángulo cerrado: lo que debe saber – BrightFocus Foundation (ES)
- Causas del glaucoma de ángulo cerrado – BrightFocus Foundation (ES)
- Glaucoma de ángulo cerrado – BrightFocus Foundation (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss