Makulaödem (zystoides Makulaödem, Irvine-Gass-Syndrom)
Ein Makulaödem ist eine Schwellung der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens, durch Flüssigkeit, die aus undichten Netzhautgefäßen austritt. Es ist keine eigene Krankheit, sondern die Folge anderer Erkrankungen, vor allem von Diabetes, Venenverschlüssen der Netzhaut, Entzündungen im Auge und Operationen wie der Grauer-Star-OP.
1 Kurzübersicht
Ein Makulaödem ist eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Makula. Die Makula (gelber Fleck) ist die nur etwa fünf Millimeter große Mitte der Netzhaut. Mit ihr lesen Sie, erkennen Gesichter und sehen Farben und feine Einzelheiten. Schwillt sie an, wird das Sehen in der Bildmitte unscharf und oft verzerrt.
Das Makulaödem ist keine eigene Krankheit, sondern ein Zeichen, das viele Augen- und Allgemeinerkrankungen teilen. Die häufigsten Ursachen sind die diabetische Retinopathie, ein Venenverschluss der Netzhaut, eine Entzündung im Augeninneren (Uveitis) und Operationen am Auge, vor allem die Operation des Grauen Stars. Das Ödem nach einer Grauer-Star-OP heißt Irvine-Gass-Syndrom.
Bilden sich in der geschwollenen Netzhaut kleine flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, spricht man von einem zystoiden Makulaödem. Erkannt wird ein Makulaödem heute vor allem mit der optischen Kohärenztomografie (OCT), einem berührungslosen Schnittbild der Netzhaut.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Nach einer Grauer-Star-OP reichen oft entzündungshemmende Augentropfen, und das Ödem geht meist innerhalb einiger Monate zurück. Bei Diabetes und Venenverschlüssen sind Spritzen in das Auge mit Medikamenten gegen den Wachstumsfaktor VEGF oder mit Kortison die wichtigste Behandlung. Immer gehört die Behandlung der Grundkrankheit dazu. Je früher behandelt wird, desto besser sind die Aussichten, denn ein lange bestehendes Ödem kann die Sinneszellen der Netzhaut dauerhaft schädigen.
Ein Makulaödem betrifft nur das zentrale Sehen. Das seitliche Sehen bleibt erhalten. Eine vollständige Erblindung ist deshalb selten, ein bleibender Verlust der Lese- und Sehschärfe aber möglich.
2 Symptome
In diesem Kapitel (17)
- Welche Beschwerden verursacht ein Makulaödem?
- Übersicht: Symptome nach Häufigkeit
- Verschwommenes Sehen in der Bildmitte
- Verzerrtsehen: Warum wirken gerade Linien wellig?
- Dinge erscheinen kleiner
- Fleck oder Schatten in der Mitte
- Kontrast und Farben
- Lichtempfindlichkeit und Reizung
- Doppeltsehen mit einem Auge
- Symptome nach einer Grauer-Star-Operation (Irvine-Gass-Syndrom)
- Symptome bei Diabetes
- Symptome bei einem Venenverschluss
- Symptome bei Uveitis
- Frühe und späte Zeichen im Vergleich
- Was Angehörige bemerken können
- Besonderheiten bei älteren Menschen und bei Kindern
- Warum bemerkt man ein Makulaödem oft spät?
Welche Beschwerden verursacht ein Makulaödem?
Das wichtigste Symptom ist ein unscharfes, verschwommenes Sehen in der Bildmitte, oft zusammen mit verzerrt wirkenden Linien. Beides entsteht, weil die geschwollene Netzhaut die Lichtsinneszellen der Makula anhebt und auseinanderdrängt. Das seitliche Sehen bleibt dagegen meist normal. Die Beschwerden sind in der Regel schmerzlos.
Wie stark und wie schnell sich die Beschwerden bemerkbar machen, hängt von der Ursache ab und davon, ob die Fovea betroffen ist. Die Fovea (Netzhautgrube) ist der winzige Mittelpunkt der Makula. Liegt das Ödem nur am Rand der Makula, kann das Sehen lange normal bleiben.
Übersicht: Symptome nach Häufigkeit
Am häufigsten sind verschwommenes Sehen in der Bildmitte und Verzerrtsehen, seltener blassere Farben, ein grauer Fleck oder Doppeltsehen mit einem Auge. Die folgende Tabelle ordnet die Beschwerden grob danach, wie oft sie in Fachquellen beschrieben werden.
| Symptom | Wie es sich anfühlt | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Verschwommenes Zentralsehen | Bildmitte unscharf, wie durch eine beschlagene Scheibe | sehr häufig |
| Verzerrtsehen (Metamorphopsie) | gerade Linien wirken wellig oder geknickt | häufig |
| Lese- und Nahsehprobleme | Buchstaben verschwimmen, Brille hilft nicht mehr richtig | häufig |
| Weniger Kontrast | alles wirkt flau, Stufen und Gesichter schwer zu erkennen | häufig |
| Blassere oder veränderte Farben | Farben wirken ausgewaschen | gelegentlich |
| Dinge erscheinen kleiner (Mikropsie) | ein Auge sieht Gegenstände kleiner als das andere | gelegentlich |
| Grauer oder dunkler Fleck in der Mitte | ein Schatten liegt über dem Fixierpunkt | gelegentlich |
| Lichtempfindlichkeit | Blendung, vor allem bei entzündlicher Ursache | gelegentlich |
| Doppeltsehen mit einem Auge | Konturen erscheinen doppelt, auch wenn das andere Auge zu ist | selten |
Verschwommenes Sehen in der Bildmitte
Das häufigste Zeichen eines Makulaödems ist eine Unschärfe genau dort, wo Sie hinschauen. Viele Betroffene beschreiben es wie einen leichten Schleier oder eine verschmierte Brille. Putzen der Brille oder Blinzeln hilft nicht. Das Ausmaß reicht von einer kaum merklichen Unschärfe bis zu einem deutlichen Verlust der Sehschärfe.
Die Unschärfe kann sich schleichend über Wochen entwickeln oder recht plötzlich auftreten. Ein plötzlicher Beginn passt eher zu einer Durchblutungsstörung wie einem Venenverschluss. Eine Entwicklung über Tage bis Wochen spricht eher für eine Entzündung, etwa nach einer Operation oder bei Uveitis. Diese Faustregel ist aber nur eine Orientierung.
Verzerrtsehen: Warum wirken gerade Linien wellig?
Verzerrtsehen (Metamorphopsie) entsteht, weil die Flüssigkeit die Lichtsinneszellen ungleichmäßig anhebt und verschiebt. Das Bild fällt dann nicht mehr auf ein glattes, gleichmäßiges Raster. Gerade Linien wie Türrahmen, Fliesenfugen, Zeilen im Buch oder Fensterkreuze erscheinen gebogen, gewellt oder geknickt.
Verzerrungen stören besonders beim Lesen in der Nähe. Sie werden oft schon stark empfunden, wenn die Sehschärfe auf der Sehtafel noch gut ist. Mit dem Amsler-Gitter, einem Karomuster mit Mittelpunkt, lassen sie sich sichtbar machen: Beim Makulaödem wirken die Linien wellig, unterbrochen oder in der Mitte grau verschwommen.
Dinge erscheinen kleiner
Manche Menschen mit Makulaödem sehen Gegenstände mit dem betroffenen Auge kleiner als mit dem gesunden (Mikropsie). Das liegt daran, dass die Sinneszellen durch die Schwellung weiter auseinanderrücken und ein Bild auf weniger Zellen fällt. Linien können dabei nach innen gebogen wirken.
Das Gegenteil, eine Vergrößerung (Makropsie), passt eher zu einer epiretinalen Gliose, einer feinen Membran auf der Makula, die die Netzhaut zusammenzieht. Der Unterschied kann der Augenärztin oder dem Augenarzt einen ersten Hinweis geben.
Fleck oder Schatten in der Mitte
Bei einem ausgeprägten Ödem bemerken manche Menschen einen grauen, dunklen oder unscharfen Fleck im Zentrum des Gesichtsfelds (zentrales Skotom). Er ist zunächst „relativ“: Man sieht durch ihn hindurch, aber schlechter. Beim Irvine-Gass-Syndrom kann er sich innerhalb kurzer Zeit entwickeln.
Bei einem Venenastverschluss liegt der Fleck oft nicht genau in der Mitte, sondern etwas daneben (parazentral) oder es fehlt ein Teil des Gesichtsfelds, etwa die untere Hälfte. Besteht ein Ödem sehr lange, kann der Fleck durch Gewebeschwund zu einem dauerhaften Ausfall werden.
Kontrast und Farben
Das Kontrastsehen leidet beim Makulaödem oft früher und beständiger als die Sehschärfe. Betroffene sagen, alles wirke „flau“. Treppenstufen, Bordsteinkanten, graue Schrift auf grauem Papier oder Gesichter im Gegenlicht sind schwerer zu erkennen.
Auch das Farbsehen kann sich verändern. Farben wirken blasser oder ausgewaschen. Typisch ist eine leichte Blau-Gelb-Störung. Kommt eine Rot-Grün-Störung hinzu, weist das auf eine Schädigung der zentralen Zapfen hin. Bleibt die Farbstörung nach Abklingen des Ödems bestehen, spricht das eher für einen bleibenden Schaden.
Lichtempfindlichkeit und Reizung
Lichtempfindlichkeit (Photophobie) tritt vor allem auf, wenn eine Entzündung hinter dem Ödem steht. Nach einer Grauer-Star-OP oder bei Uveitis kann das Auge zusätzlich leicht gerötet und gereizt sein. Starke Schmerzen gehören nicht zum typischen Makulaödem. Sie sind ein Warnzeichen für eine andere Ursache, etwa eine Infektion.
Doppeltsehen mit einem Auge
Selten sehen Menschen mit einem zystoiden Makulaödem Konturen doppelt, obwohl nur ein Auge offen ist. Dieses einäugige Doppeltsehen unterscheidet sich vom Doppeltsehen durch Schielen oder Augenmuskellähmungen, das verschwindet, wenn man ein Auge schließt.
Symptome nach einer Grauer-Star-Operation (Irvine-Gass-Syndrom)
Typisch ist, dass das Sehen nach der Operation zunächst gut wird und sich dann nach einigen Wochen wieder verschlechtert. Am häufigsten beginnt das Ödem 4 bis 12 Wochen nach dem Eingriff, mit einem Gipfel um die sechste Woche. Selten tritt es erst Monate später auf, vereinzelt bis zu einem Jahr danach.
- Nahsehen zuerst: Häufig fällt zuerst auf, dass das Lesen schwerer wird. Die Sehschärfe in der Ferne ist oft nur mäßig gemindert.
- Verschwommen und verzerrt: Unschärfe ist das häufigste Symptom, dazu kommen Verzerrungen und weniger Kontrast.
- Leichte Reizung: Das Auge kann etwas lichtempfindlich, leicht gerötet und gereizt sein.
- Schmerzfrei: Das Ödem selbst tut nicht weh.
- Nur das operierte Auge: Betroffen ist das operierte Auge. Wurde ein Auge bereits betroffen, ist das Risiko bei der späteren Operation des zweiten Auges vermutlich erhöht.
Viele dieser Ödeme sind so gering, dass sie keine Beschwerden machen und nur im OCT sichtbar sind. Nicht jede Verschlechterung nach der Operation ist ein Makulaödem. Auch ein Nachstar, eine noch nicht angepasste Brille oder ein trockenes Auge können das Sehen trüben. Die Unterscheidung gehört in die augenärztliche Untersuchung.
Symptome bei Diabetes
Ein diabetisches Makulaödem beginnt oft völlig unbemerkt. Solange die Fovea nicht betroffen ist, kann die Sehschärfe normal bleiben. Deshalb sind regelmäßige Augenkontrollen bei Diabetes so wichtig, auch wenn man gut sieht.
Erreicht das Ödem die Mitte, lassen Scharf- und Kontrastsehen nach. Manche bemerken dunkle Punkte oder Flecken im Gesichtsfeld. Unbehandelt verschlechtert sich die Sehkraft meist fortschreitend. Das diabetische Makulaödem kann beide Augen betreffen, oft unterschiedlich stark. Dann gleicht das bessere Auge den Verlust lange aus, und die Verschlechterung fällt erst spät auf.
Eine zusätzliche Durchblutungsstörung der Makula (diabetische Makulaischämie) kann das Sehen unabhängig vom Ödem verschlechtern. Das erklärt, warum manche Menschen trotz trockener Netzhaut im OCT nicht wieder gut sehen.
Symptome bei einem Venenverschluss
Bei einem Venenverschluss der Netzhaut bemerken Betroffene meist eine plötzliche Sehverschlechterung an einem Auge, oft wie ein Schleier. Spürbar wird der Verschluss vor allem dann, wenn Wasser in die Makula eingelagert wird.
Eine Besonderheit: Das Sehen ist häufig morgens schlechter als abends. Im flachen Liegen staut sich nachts die Flüssigkeit in der Netzhaut, tagsüber im aufrechten Sitzen fließt sie teilweise ab. Bei einem Astverschluss fällt oft nur ein Teil des Gesichtsfelds aus, zum Beispiel die untere Hälfte.
Symptome bei Uveitis
Bei einer Entzündung im Augeninneren kommen zum Ödem oft Entzündungszeichen hinzu: Lichtempfindlichkeit, Schwebeteilchen (Mouches volantes), manchmal Rötung und Schmerzen. Das Ödem selbst kann anfangs ohne eigene Beschwerden bestehen. Es ist bei Uveitis für etwa 40 Prozent der Sehbeeinträchtigung verantwortlich und kann auch dann bleiben, wenn die Entzündung schon abgeklungen ist.
Frühe und späte Zeichen im Vergleich
Früh ist ein Makulaödem oft unauffällig, spät führt es zu einer deutlichen und manchmal bleibenden Sehminderung.
| Phase | Typische Zeichen |
|---|---|
| Frühes oder kleines Ödem | keine Beschwerden, nur im OCT sichtbar; manchmal leichte Unschärfe beim Lesen, flaueres Sehen |
| Ausgeprägtes Ödem | deutliches Verschwommen- und Verzerrtsehen, Lesen nur mit Mühe, grauer Fleck in der Mitte |
| Lange bestehendes Ödem | Sehschärfe bleibt trotz Behandlung niedriger, dauerhafte Flecken, Farbstörung bleibt |
Was Angehörige bemerken können
Angehörige fallen oft Veränderungen im Alltag auf, bevor Betroffene selbst von einem Sehproblem sprechen. Dazu gehören:
- Die Person liest weniger, hält Texte sehr nah oder braucht mehr Licht.
- Sie erkennt Bekannte auf der Straße erst spät oder grüßt nicht.
- Sie hat Mühe beim Einfädeln, bei Kleingedrucktem, beim Ablesen von Displays oder Preisschildern.
- Sie klagt, dass Linien „schief“ sind oder die neue Brille „nicht passt“.
- Sie fährt ungern Auto oder meidet Dämmerung.
Diese Hinweise sind nicht spezifisch für ein Makulaödem. Sie sind aber ein guter Anlass für einen Termin bei der Augenärztin oder dem Augenarzt.
Besonderheiten bei älteren Menschen und bei Kindern
Bei älteren Menschen werden die Beschwerden leicht dem Alter, einer alten Brille oder dem Grauen Star zugeschrieben. Gerade nach einer Grauer-Star-OP lohnt es sich, eine erneute Verschlechterung abklären zu lassen.
Bei Kindern ist ein Makulaödem selten. Es kommt etwa bei kindlicher Uveitis oder bei erblichen Netzhauterkrankungen vor. Kinder beschreiben Sehprobleme selten selbst. Sie fallen eher durch schlechtere Leistungen beim Lesen oder an der Tafel auf. Zu Symptomen speziell bei Kindern gibt es nur wenige Daten.
Warum bemerkt man ein Makulaödem oft spät?
Ein Makulaödem wird oft spät bemerkt, weil das andere Auge den Ausfall ausgleicht. Wer mit beiden Augen offen in die Welt schaut, sieht mit dem besseren Auge scharf. Erst beim Abdecken eines Auges, etwa beim Lesen mit einer Hand vor dem Gesicht, fällt die Unschärfe auf.
Hinzu kommt, dass das Ödem anfangs oft keine Beschwerden macht. Viele Menschen mit Diabetes suchen die Augenärztin oder den Augenarzt erst nach Jahren auf. Ein lange bestehendes Ödem spricht aber schlechter auf die Behandlung an.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (11)
- Wie entsteht ein Makulaödem?
- Warum gerade die Makula?
- Die häufigsten Ursachen im Überblick
- Diabetisches Makulaödem
- Makulaödem bei Venenverschluss
- Makulaödem bei Entzündungen im Auge
- Irvine-Gass-Syndrom: Ödem nach einer Grauer-Star-OP
- Ödem nach anderen Augenoperationen
- Zug des Glaskörpers an der Makula
- Seltenere Ursachen
- Was ist kein Makulaödem?
Wie entsteht ein Makulaödem?
Ein Makulaödem entsteht, wenn die Blut-Netzhaut-Schranke versagt und Flüssigkeit aus den feinen Gefäßen in die Netzhaut austritt. Diese Schranke besteht aus dicht verbundenen Gefäßwandzellen und dem Pigmentepithel unter der Netzhaut. Sie sorgt normalerweise dafür, dass Zufluss und Abfluss von Flüssigkeit im Gleichgewicht bleiben.
Wird die Schranke undicht, treten Wasser, Eiweiß und Fette in die Netzhautschichten aus. Auslöser sind Botenstoffe wie VEGF (ein Wachstumsfaktor für Gefäße), Prostaglandine und Interleukine (Entzündungsstoffe). Dazu können Durchblutungsmangel, Entzündung und Zug des Glaskörpers an der Netzhaut kommen.
Warum gerade die Makula?
Die Makula ist besonders anfällig, weil ihre Nervenfasern strahlenförmig verlaufen und dazwischen viel Flüssigkeit Platz findet. Die Flüssigkeit sammelt sich vor allem in einer bestimmten Schicht (äußere plexiforme Schicht, auch Henle-Faserschicht). Dort fehlen eigene Kapillaren, die sie abtransportieren könnten. Die Mitte der Makula selbst ist gefäßfrei. So bilden sich die typischen kleinen, wabenförmig angeordneten Hohlräume des zystoiden Ödems.
Die häufigsten Ursachen im Überblick
Die vier wichtigsten Ursachen sind Diabetes, Venenverschlüsse, Entzündungen im Auge und Augenoperationen.
| Ursache | Was passiert | Besonderheit |
|---|---|---|
| Diabetische Retinopathie | Hoher Blutzucker schädigt die kleinen Netzhautgefäße, sie werden undicht | häufigste Ursache; oft beidseitig, lange ohne Beschwerden |
| Venenverschluss der Netzhaut | Blut staut sich vor einem verschlossenen Gefäß, Wände werden durchlässig | meist ein Auge, oft plötzlicher Beginn |
| Uveitis | Entzündungsstoffe öffnen die Schranke | kann nach der Entzündung bestehen bleiben |
| Grauer-Star-OP und andere Eingriffe | Operationsbedingte Entzündung setzt Prostaglandine frei | Irvine-Gass-Syndrom; meist vorübergehend |
Diabetisches Makulaödem
Beim diabetischen Makulaödem schädigt ein über Jahre erhöhter Blutzucker die Wände der feinen Netzhautgefäße. Die Basalmembran der Kapillaren verdickt sich, stützende Wandzellen (Perizyten) gehen verloren. VEGF und Entzündungsstoffe machen die Gefäße zusätzlich durchlässig.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind die Höhe des Blutzuckers und die Dauer des Diabetes. Auch Blutdruck, Blutfette und Rauchen beeinflussen das Fortschreiten, ihre Bedeutung ist aber weniger klar. Der Blutzucker allein erklärt nur einen Teil des Risikos, auch Vorgänge in der Netzhaut selbst spielen eine Rolle. Das diabetische Makulaödem gilt als Hauptursache für Sehverlust bei Menschen mit Diabetes.
Makulaödem bei Venenverschluss
Bei einem Venenverschluss staut sich das Blut vor der verschlossenen Stelle, die Gefäße weiten sich und werden undicht. Zusätzlich bildet die schlecht versorgte Netzhaut viel VEGF, was die Schwellung verstärkt. Betroffen sein kann die zentrale Netzhautvene, eine Hälfte des Venensystems oder ein Venenast.
Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Im Auge erhöht ein hoher Augeninnendruck oder ein schlecht eingestellter Grüner Star das Risiko. Bei Menschen unter 45 Jahren wird nach einer Gerinnungsstörung gesucht.
Makulaödem bei Entzündungen im Auge
Bei einer Uveitis stören Entzündungsbotenstoffe die Blut-Netzhaut-Schranke. Besonders häufig ist das Ödem bei Entzündungen im mittleren und hinteren Augenabschnitt, bei beidseitiger Uveitis und wenn eine Allgemeinerkrankung wie eine Rheuma-Erkrankung dahintersteht. Auch Dauer und Aktivität der Entzündung, höheres Alter und Rauchen erhöhen das Risiko. Bei nichtinfektiöser Uveitis haben etwa 8 bis 13 Prozent ein Makulaödem.
Irvine-Gass-Syndrom: Ödem nach einer Grauer-Star-OP
Das Irvine-Gass-Syndrom ist ein zystoides Makulaödem nach einer Operation des Grauen Stars. Es wurde 1953 von Irvine beschrieben und 1966 von Gass und Norton mit der Gefäßdarstellung genauer untersucht. Die Operation löst eine Entzündungsreaktion im Auge aus. Dabei werden Prostaglandine und andere Botenstoffe frei, die die Netzhautgefäße durchlässig machen.
Mit modernen Operationstechniken ist das Ödem seltener geworden. Früher, mit älteren Verfahren, entwickelten es 6 bis 23 Prozent. Heute haben nach einer unkomplizierten Operation etwa 0,1 bis 2 Prozent ein Ödem mit spürbarer Sehminderung. Im OCT findet man kleine, meist folgenlose Schwellungen viel häufiger, je nach Studie bei bis zu 30 bis 40 Prozent.
Wer hat nach der Operation ein höheres Risiko?
- Diabetes: In Studien 3 bis 33 Prozent Ödeme gegenüber etwa 1,7 Prozent ohne Diabetes, vor allem bei bestehender diabetischer Retinopathie.
- Frühere oder bestehende Uveitis
- Komplikationen bei der Operation: Riss der hinteren Linsenkapsel, Glaskörperverlust, Verletzung der Regenbogenhaut, sehr lange Operationsdauer
- Vorbestehende Netzhautveränderungen: epiretinale Membran, früherer Venenverschluss
- Höheres Alter und männliches Geschlecht
- Ein Irvine-Gass-Syndrom am anderen Auge
Ob bestimmte Augentropfen gegen Grünen Star (Prostaglandin-Analoga) das Risiko erhöhen, ist umstritten. Setzen Sie solche Tropfen nie eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie das vor der Operation.
Ödem nach anderen Augenoperationen
Auch nach Netzhaut- und Glaskörperoperationen (Vitrektomie), Glaukomoperationen oder Laserbehandlungen kann ein Makulaödem entstehen. Nach Entfernung einer epiretinalen Membran tritt es im ersten Jahr bei etwa einem von acht Augen auf. Man spricht dann allgemein vom postoperativen Makulaödem.
Zug des Glaskörpers an der Makula
Zieht der Glaskörper an der Makula, kann er ein Ödem auslösen oder verstärken. Das geschieht bei einer vitreomakulären Traktion oder bei einer epiretinalen Membran. Der mechanische Zug und dabei freigesetzte Wachstumsstoffe machen die Netzhaut undicht. Solche Ödeme sprechen auf Tropfen oder Spritzen oft schlecht an, hier hilft eher eine Operation.
Seltenere Ursachen
Ein Makulaödem kann auch bei vielen selteneren Erkrankungen und Einflüssen auftreten:
- Feuchte altersabhängige Makuladegeneration: Flüssigkeit aus krankhaften neuen Gefäßen unter der Netzhaut
- Erbliche Netzhauterkrankungen: etwa Retinitis pigmentosa oder die juvenile Retinoschisis; hier tritt oft keine Flüssigkeit aus den Gefäßen aus
- Medikamente: etwa hochdosiertes Niacin (Vitamin B3), adrenalinhaltige Augentropfen, bestimmte Krebsmedikamente (Taxane) und Diabetesmittel aus der Gruppe der Glitazone
- Strahlenschäden nach Bestrahlung im Kopfbereich
- Augenverletzungen und Augentumoren
Mehr zu Nebenwirkungen von Arzneien finden Sie unter Augenschäden durch Medikamente. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht ohne Rücksprache ab.
Was ist kein Makulaödem?
Einige Erkrankungen klingen ähnlich, sind aber etwas anderes. Bei der zentralen serösen Chorioretinopathie sammelt sich Flüssigkeit unter der Netzhaut, nicht in ihr. Das Berlin-Ödem ist eine Trübung der Netzhaut nach einem Schlag aufs Auge, ohne ausgetretene Flüssigkeit. Ein Papillenödem oder eine Stauungspapille betrifft den Sehnerv, meist bei erhöhtem Hirndruck.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt ein Makulaödem fest?
Die wichtigste Untersuchung ist die optische Kohärenztomografie (OCT), dazu kommen Sehtest und eine Untersuchung des Augenhintergrunds bei weiter Pupille. Mit der OCT lässt sich ein Ödem sicher erkennen, messen und im Verlauf verfolgen. Daneben geht es immer darum, die Ursache zu finden, denn sie bestimmt Behandlung und Aussichten.
Gespräch und Sehtest
Am Anfang stehen Fragen nach Beginn und Art der Beschwerden. Wichtig sind Diabetes, Bluthochdruck, frühere Augenoperationen, Entzündungen im Auge und Medikamente. Danach wird die bestkorrigierte Sehschärfe gemessen, also mit der besten Brillenkorrektur. Sie dient vor allem dazu, den Verlauf und den Erfolg der Behandlung zu beurteilen.
Untersuchung des Augenhintergrunds
Mit Tropfen wird die Pupille erweitert, dann betrachtet die Ärztin oder der Arzt die Netzhaut mit dem Spaltlampenmikroskop und einer Lupe. Man sieht Verdickungen, Ablagerungen (Exsudate), Blutungen und manchmal ein wabenartiges Muster. Gleichzeitig wird der vordere Augenabschnitt untersucht, etwa auf neue Gefäße in der Regenbogenhaut, und der Augeninnendruck gemessen.
Ein kleines Ödem ist bei dieser Untersuchung leicht zu übersehen. Bei einem Teil der Augen mit Irvine-Gass-Syndrom ist der Befund an der Spaltlampe sogar unauffällig. Deshalb ergänzt man sie fast immer durch die OCT.
Die Tropfen machen einige Stunden lang blendempfindlich und unscharf. Fahren Sie nicht selbst mit dem Auto zum Termin. Planen Sie bei Kontrollen mit Bildgebung etwa zwei Stunden ein.
Optische Kohärenztomografie (OCT)
Die OCT ist ein schmerzloses, berührungsloses Schnittbildverfahren mit Licht, das die Netzhaut in ihren Schichten darstellt. Die Untersuchung dauert wenige Minuten. Sie blicken dabei auf einen Lichtpunkt, das Gerät tastet die Netzhaut ab.
Im OCT erscheinen die Flüssigkeitsräume als dunkle Hohlräume in der verdickten Netzhaut. Das Gerät misst die Dicke der Netzhaut in der Mitte. So lässt sich objektiv vergleichen, ob das Ödem wächst oder schrumpft. Die OCT zeigt außerdem, ob die Schicht der Lichtsinneszellen intakt ist, ob der Glaskörper an der Makula zieht und ob eine Membran auf der Netzhaut liegt. Bei jeder Verlaufskontrolle wird sie wiederholt.
Fluoreszenzangiografie
Bei der Fluoreszenzangiografie wird ein gelber Farbstoff in eine Armvene gespritzt und die Netzhaut in rascher Folge fotografiert. So sieht man, wo Gefäße undicht sind und wo Kapillaren verschlossen sind. Beim zystoiden Makulaödem zeigt sich oft ein blütenblattförmiges („petaloides“) Muster, beim Irvine-Gass-Syndrom häufig zusammen mit einer Anfärbung des Sehnervenkopfes.
Die Angiografie hilft vor allem, die Ursache zu klären und andere Erkrankungen auszuschließen. Vor einer Behandlung des diabetischen Makulaödems empfehlen die deutschen Fachgesellschaften sie ausdrücklich, beim Venenverschluss spätestens nach einigen Monaten. Nach der Untersuchung sind Haut und Urin für kurze Zeit gelblich verfärbt. Selten treten Übelkeit oder allergische Reaktionen auf. Wie viel Farbstoff austritt, sagt übrigens nicht genau voraus, wie schlecht man sieht.
Weitere Untersuchungen
Je nach Fragestellung kommen weitere Verfahren hinzu:
- OCT-Angiografie: stellt Gefäße ohne Farbstoff dar, etwa bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen
- Fundusfotografie und Autofluoreszenz: zur Dokumentation
- Amsler-Gitter: macht Verzerrungen sichtbar
- Mikroperimetrie, Kontrast- und Farbtests: vor allem in Spezialsprechstunden
- Indocyaningrün-Angiografie: um Gefäßneubildungen unter der Netzhaut auszuschließen
Suche nach der Grundkrankheit
Ist ein Makulaödem gefunden, wird immer nach seiner Ursache gefahndet. Je nach Befund gehören dazu Blutzucker und Langzeitzucker (HbA1c), Blutdruck, Blutfette und bei jüngeren Menschen mit Venenverschluss eine Gerinnungsuntersuchung. Bei Uveitis arbeitet die Augenärztin oder der Augenarzt mit Internisten oder Rheumatologen zusammen. Eine Beratung per Video ersetzt die Untersuchung nicht, denn ohne Blick auf den Augenhintergrund und OCT lässt sich ein Ödem nicht beurteilen.
Wovon muss ein Makulaödem abgegrenzt werden?
Ähnliche Beschwerden verursachen andere Erkrankungen der Makula. Dazu zählen die feuchte Makuladegeneration, die epiretinale Gliose, der Glaskörperzug an der Makula, ein Makulaforamen und die zentrale seröse Chorioretinopathie. Oft bestehen mehrere Veränderungen gleichzeitig. Die OCT kann sie in den meisten Fällen gut unterscheiden.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (10)
- Wie wird ein Makulaödem behandelt?
- Überblick: Welche Behandlung bei welcher Ursache?
- Grundkrankheit behandeln
- Behandlung des Irvine-Gass-Syndroms
- Behandlung des diabetischen Makulaödems
- Behandlung bei Venenverschluss
- Behandlung bei Uveitis
- Wann ist eine Operation sinnvoll?
- Wie läuft eine Spritze ins Auge ab?
- Kosten und Unterschiede zwischen den Ländern
Wie wird ein Makulaödem behandelt?
Ein Makulaödem wird zweigleisig behandelt: Die Grundkrankheit wird so gut wie möglich eingestellt, und das Ödem selbst wird mit Tropfen, Spritzen ins Auge, Laser oder selten mit einer Operation behandelt. Welche Mittel infrage kommen, hängt stark von der Ursache ab. Die Verfahren sind nicht beliebig austauschbar.
Ziel ist es, die Schwellung zu beseitigen, bevor die Sinneszellen dauerhaft Schaden nehmen. Die Behandlung kann eine Verschlechterung meist stoppen. Bereits verlorene Sehschärfe kehrt aber nicht immer vollständig zurück.
Überblick: Welche Behandlung bei welcher Ursache?
Nach einer Grauer-Star-OP stehen Tropfen an erster Stelle, bei Diabetes und Venenverschluss Spritzen ins Auge, bei Uveitis die Behandlung der Entzündung mit Kortison und bei Glaskörperzug eine Operation. Die folgende Tabelle zeigt die üblichen ersten Schritte. Im Einzelfall kann davon abgewichen werden.
| Ursache | Erste Wahl | Weitere Möglichkeiten |
|---|---|---|
| Nach Grauer-Star-OP | entzündungshemmende Tropfen (NSAR, oft mit Kortison) | Acetazolamid-Tabletten, Kortison neben das Auge, Kortison-Implantat, selten Operation |
| Diabetes mit Beteiligung der Mitte | Anti-VEGF-Spritzen | Kortison-Implantat, Laser, Operation bei Glaskörperzug |
| Diabetes ohne Beteiligung der Mitte | Kontrolle oder Laser | Spritzen nicht empfohlen |
| Venenverschluss | Anti-VEGF-Spritzen oder Kortison-Implantat | Laser nur beim Astverschluss |
| Uveitis | Entzündung behandeln, Kortison am Auge | Immunsuppressiva, Biologika, Anti-VEGF nur ergänzend |
| Glaskörperzug, Membran | Operation (Vitrektomie) | Beobachtung |
Grundkrankheit behandeln
Die Einstellung der Grundkrankheit ist bei jedem Makulaödem ein Teil der Therapie. Bei Diabetes gehören dazu ein gut eingestellter Blutzucker, ein kontrollierter Blutdruck und, wenn nötig, Blutfettsenker. Auch Rauchstopp und Gewichtsabnahme helfen. Hausärztin, Diabetologe und Augenarzt sollten eng zusammenarbeiten.
Bei Venenverschlüssen werden Herz-Kreislauf-Risikofaktoren abgeklärt und behandelt. Bei Uveitis steht die Behandlung der Entzündung an erster Stelle: gegen den Erreger bei Infektionen, sonst entzündungshemmend und, wenn nötig, mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen.
Behandlung des Irvine-Gass-Syndroms
Ein Makulaödem nach einer Grauer-Star-OP wird zuerst mit entzündungshemmenden Augentropfen behandelt, und es heilt oft auch ganz von selbst. Weil die Ursache eine vorübergehende Entzündung ist, bildet sich die große Mehrheit der Ödeme innerhalb einiger Monate zurück. Eine feste Leitlinie mit einheitlichem Schema gibt es nicht, das Vorgehen folgt einem Stufenplan.
- Tropfen: Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) wie Nepafenac, Diclofenac, Ketorolac oder Bromfenac, oft zusammen mit Kortisontropfen. In einer kleinen Studie war das Ödem nach 26 Wochen bei rund drei Vierteln der Augen verschwunden.
- Tabletten oder Spritze neben das Auge: Zusätzlich Acetazolamid-Tabletten, die Flüssigkeit aus der Netzhaut ziehen, oder Kortison, das neben den Augapfel unter die Bindehaut gespritzt wird.
- Kortison in den Glaskörper: etwa ein Dexamethason-Implantat, ein winziges Stäbchen, das den Wirkstoff über Monate abgibt. In einer Studie gewannen damit nach drei Monaten gut die Hälfte der Behandelten mindestens zwei Zeilen auf der Sehtafel, ohne Behandlung nur 7 Prozent.
- Weitere Möglichkeiten bei hartnäckigem Ödem: Vitrektomie, vor allem wenn Glaskörper an der Operationswunde eingeklemmt ist oder an der Makula zieht; in Einzelfällen Biologika oder Interferon.
Spritzen in den Glaskörper werden meist erst erwogen, wenn das Ödem nach etwa drei Monaten trotz Tropfen besteht. Einige Daten sprechen dafür, dass ein früherer Behandlungsbeginn bessere Ergebnisse bringt. Anti-VEGF-Spritzen sind beim Irvine-Gass-Syndrom kein Standard: Die Studienlage ist dünn und widersprüchlich, sie bleiben eine Reserve.
Acetazolamid: was zu beachten ist
Acetazolamid wird meist zweimal täglich als Tablette eingenommen. Mögliche Nebenwirkungen sind Kribbeln in Händen und Füßen, Übelkeit, Müdigkeit und Störungen im Salzhaushalt. Bei längerer Einnahme werden Nieren und Kalium kontrolliert. Bei schwerer Nierenschwäche und bei Allergie gegen Sulfonamide ist es nicht geeignet.
Behandlung des diabetischen Makulaödems
Ist die Mitte der Makula betroffen und das Sehen gemindert, sind Spritzen mit Anti-VEGF-Medikamenten in das Auge heute die Behandlung der ersten Wahl. Das empfehlen die deutschen Fachgesellschaften DOG, Retinologische Gesellschaft und Berufsverband der Augenärzte ebenso wie Fachgesellschaften in Großbritannien, Frankreich und Spanien. Voraussetzung ist, dass eine Besserung des Sehens zu erwarten ist.
Ist die Mitte nicht betroffen und das Sehen gut, wird meist abgewartet und kontrolliert oder ein gezielter Laser angeboten. Spritzen werden in diesem Fall nicht empfohlen.
Anti-VEGF-Spritzen
Anti-VEGF-Medikamente blockieren den Wachstumsfaktor VEGF und dichten so die Gefäße ab. Eingesetzt werden Ranibizumab, Aflibercept und Faricimab, die für diese Anwendung zugelassen sind. Bevacizumab ist für das Auge nicht zugelassen, wird aber häufig und kostengünstig im Rahmen einer Off-Label-Anwendung verwendet.
In großen Studien gewannen die Behandelten im Mittel etwa zwei bis drei Zeilen auf der Sehtafel. Laser allein brachte im Vergleich kaum Gewinn. Etwa vier von zehn Behandelten gewinnen allerdings unabhängig vom Medikament weniger als zwei Zeilen, besonders wenn das Ödem schon lange bestand.
Wie oft wird gespritzt?
Zu Beginn wird meist monatlich gespritzt, danach werden die Abstände je nach Befund verlängert. Die deutsche Stellungnahme von 2019 sieht für den Start sechs Spritzen im Monatsabstand vor, mit einer Prüfung des Ansprechens zwischen der vierten und fünften. Andere Leitlinien beginnen mit drei bis fünf Spritzen. Einen internationalen Konsens über die Zahl gibt es nicht.
Danach wird oft nach dem Prinzip „Behandeln und Verlängern“ (Treat-and-Extend) vorgegangen: Bleibt die Netzhaut trocken, wird der Abstand schrittweise verlängert, zum Beispiel auf bis zu vier Monate. Kehrt Flüssigkeit zurück, wird er wieder verkürzt. Im ersten Jahr kommen so häufig sieben bis zehn Spritzen zusammen, im zweiten Jahr deutlich weniger. Etwas Restflüssigkeit in den ersten Monaten ist kein Grund, die Behandlung abzubrechen.
Kortison-Implantate
Kortison-Implantate sind eine Alternative, wenn Anti-VEGF nicht ausreichend wirkt oder häufige Termine schwer möglich sind. Zur Verfügung stehen ein Dexamethason-Implantat mit einer Wirkung von etwa drei bis sechs Monaten und ein Fluocinolonacetonid-Implantat, das bis zu drei Jahre wirkt. Letzteres ist für ein chronisches Ödem vorgesehen, das auf andere Behandlungen nicht genug anspricht.
Kortison braucht weniger Spritzen, hat aber mehr Nebenwirkungen am Auge: Bei etwa einem von vier Behandelten steigt der Augeninnendruck, meist vorübergehend und mit Tropfen gut behandelbar. Außerdem fördert Kortison den Grauen Star. Augen mit Kunstlinse sind daher besonders geeignet. Bei fortgeschrittenem oder schlecht eingestelltem Grünem Star ist Kortison meist ungeeignet. Nach jedem Implantat wird der Augendruck nach einigen Wochen kontrolliert.
Laser
Der Laser war früher die Standardbehandlung und stabilisiert eher, als dass er das Sehen bessert. Heute wird er vor allem eingesetzt, wenn die Mitte nicht betroffen ist oder undichte Stellen gut erreichbar außerhalb der Mitte liegen. Ein schonender Laser unterhalb der Sichtbarkeitsschwelle (Mikropuls) kann mit Spritzen kombiniert werden. Zusätzliche Laserbehandlungen der Netzhautperipherie bleiben nötig, wenn die diabetische Retinopathie neue Gefäße bildet.
Wann wird die Behandlung beendet?
Die Behandlung wird beendet, wenn die Netzhaut über längere Zeit trocken bleibt oder wenn kein Nutzen mehr zu erwarten ist. Letzteres ist etwa der Fall, wenn die Sehschärfe unter 0,05 (5 Prozent) sinkt oder die Mitte durch Narben, Gewebeschwund oder eine ausgeprägte Durchblutungsstörung zerstört ist. Nach dem Absetzen bleiben regelmäßige Kontrollen nötig, denn das Ödem kann zurückkehren.
Behandlung bei Venenverschluss
Ein Makulaödem nach einem Venenverschluss wird mit Spritzen behandelt, wenn es das Sehen mindert und eine Besserung zu erwarten ist. Die Behandlung sollte zeitnah nach der Diagnose beginnen. Den Verschluss selbst kann man nicht rückgängig machen, behandelt wird die Schwellung.
- Anti-VEGF: Bei Augen mit eigener, klarer Linse meist bevorzugt. Begonnen wird in Deutschland mit drei Spritzen im Monatsabstand, danach nach Bedarf. Nach einem Jahr hat etwa die Hälfte der Behandelten eine deutliche Besserung.
- Dexamethason-Implantat: Wirkt etwa vier bis sechs Monate mit dem stärksten Effekt nach rund zwei Monaten. Nicht geeignet bei Grünem Star, erhöhtem Augeninnendruck oder bekannter Druckreaktion auf Kortison. Augendruckkontrollen nach etwa 2, 6 und 12 Wochen.
- Laser: beim Zentralvenenverschluss gegen das Ödem nicht wirksam; beim Astverschluss in ausgewählten Fällen sinnvoll, wenn Spritzen nicht genug helfen. Fehlt der Netzhaut Sauerstoff, verhindert ein Laser der Peripherie neue Gefäße und ein schweres Glaukom.
- Infusionen, die das Blut flüssiger machen (Hämodilution): werden bei frischem Verschluss manchmal zusätzlich angeboten, wirken aber schwächer als Spritzen.
Behandlung bei Uveitis
Beim Makulaödem durch Uveitis wird zuerst die Entzündung behandelt, dann gezielt das Ödem, meist mit Kortison. Kortison kann als Tropfen, als Spritze neben das Auge, als Implantat in den Glaskörper oder bei schweren und beidseitigen Fällen als Tablette gegeben werden. Ein Dexamethason-Implantat ist für nichtinfektiöse Uveitis des hinteren Augenabschnitts zugelassen.
Eine randomisierte Vergleichsstudie aus den USA mit knapp 200 Teilnehmenden (MERIT, 2023) fand, dass Kortison im Glaskörper das Ödem nach zwölf Wochen am stärksten verkleinerte: um 35 Prozent, gegenüber 22 Prozent mit Ranibizumab und 11 Prozent mit Methotrexat. Nur Kortison verbesserte auch die Sehschärfe. Bei häufig wiederkehrendem Ödem kommen Medikamente infrage, die das Immunsystem dämpfen, etwa Biologika wie Tocilizumab oder Interferon. Anti-VEGF wird nur ergänzend eingesetzt, weil es die Entzündung nicht behandelt.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Operation (Vitrektomie) kommt infrage, wenn der Glaskörper oder eine Membran an der Makula zieht oder ein Ödem trotz aller anderen Mittel bestehen bleibt. Dabei wird der Glaskörper entfernt und, wenn nötig, eine Membran von der Netzhaut abgezogen. Mögliche Risiken sind Grauer Star, Netzhautablösung, Blutungen und ein Druckanstieg.
Wie läuft eine Spritze ins Auge ab?
Die Spritze in den Glaskörper (intravitreale operative Medikamentengabe, IVOM) ist ein kurzer Eingriff unter sterilen Bedingungen, der meist nur wenige Minuten dauert. Er findet in einem Eingriffsraum statt. Sie liegen oder sitzen bequem.
- Das Auge wird mit Tropfen betäubt.
- Haut und Augenoberfläche werden mit einer jodhaltigen Lösung desinfiziert, bei Jodallergie mit einem anderen Mittel.
- Ein kleiner Sperrer hält die Lider offen.
- Mit einer sehr feinen Nadel wird das Medikament seitlich in den Glaskörper gespritzt. Das dauert Sekunden.
Die meisten spüren nur einen kurzen Druck oder ein leichtes Stechen. Danach kann das Auge einige Tage kratzen und sich fremd anfühlen. Eine Einblutung unter der Bindehaut ist harmlos und verschwindet in ein bis zwei Wochen. Schwebende Schlieren oder Bläschen im Bild sind für einige Tage normal. Gegen das Trockenheitsgefühl helfen Tränenersatzmittel.
Welche Risiken haben die Spritzen?
Ernste Komplikationen sind selten. Die gefürchtetste ist eine Infektion im Augeninneren (Endophthalmitis), die etwa bei einer von mehreren tausend Spritzen auftritt. Weitere seltene Risiken sind Netzhautablösung, Verletzung der Linse, Blutungen und ein Anstieg des Augendrucks.
Ob Anti-VEGF-Spritzen das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen, ist nicht belegt. Nach einem frischen Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten Monaten und in der Schwangerschaft wird aber besonders sorgfältig abgewogen. Teilen Sie solche Ereignisse vor jeder Spritze mit.
Kosten und Unterschiede zwischen den Ländern
Die Grundzüge der Behandlung sind in Europa ähnlich, Einzelheiten unterscheiden sich. In Deutschland orientieren sich Augenärztinnen und Augenärzte an den Stellungnahmen von DOG, Retinologischer Gesellschaft und Berufsverband (für das diabetische Ödem sechs Startspritzen, beim Venenverschluss drei, eine Sehschärfe von mindestens 0,05 als Grenze). Eine vergleichbar ausführliche österreichische Stellungnahme ließ sich bei der Recherche nicht finden; die Behandlung folgt in Österreich in der Praxis meist denselben Grundsätzen.
In Frankreich wird Aflibercept beim diabetischen Ödem nur erstattet, wenn die Sehschärfe 0,5 oder schlechter ist und der Diabetes gut eingestellt ist. Ein spanischer Expertenkonsens empfiehlt den frühen Beginn ab einer Sehschärfe unter 0,7. Ob und wie die Krankenkasse in Ihrem Fall die Kosten der Medikamente und Spritzen übernimmt, klären Sie am besten vor Behandlungsbeginn mit der Praxis und Ihrer Kasse, besonders bei Off-Label-Medikamenten.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (8)
Geht ein Makulaödem von selbst weg?
Ob ein Makulaödem von selbst verschwindet, hängt fast ganz von der Ursache ab. Nach einer Grauer-Star-OP bildet es sich meist innerhalb einiger Monate zurück. Bei Diabetes und Venenverschlüssen braucht es dagegen fast immer eine Behandlung, oft über Jahre. Bei Uveitis bestimmt die Entzündung den Verlauf.
Verlauf nach einer Grauer-Star-OP
Das Irvine-Gass-Syndrom hat die besten Aussichten. Rund 90 Prozent der Ödeme bilden sich innerhalb weniger Monate zurück, meist in drei bis sechs Monaten, manchmal erst nach einem Jahr. Die Sehschärfe erholt sich dabei in der Regel.
Man unterscheidet ein akutes von einem chronischen Ödem. Ab etwa sechs Monaten spricht man in Deutschland von einem chronischen Verlauf, in Frankreich wird zusätzlich schon nach vier Monaten ein „verzögertes“ Ödem abgegrenzt. Bei 1 bis 3 Prozent der Operierten bleibt das Ödem länger bestehen. In einer Studie erreichte etwa ein Viertel der Betroffenen nicht wieder die volle Sehschärfe. Aus den Zysten können sich selten Löcher in der Netzhautmitte entwickeln.
Verlauf beim diabetischen Makulaödem
Das diabetische Makulaödem verläuft meist chronisch mit Phasen der Besserung und Rückfällen. Rechtzeitig behandelt, kann die Sehschärfe sich deutlich bessern. Oft müssen die Spritzen aber über Jahre wiederholt werden, mit allmählich längeren Abständen.
Nicht alle sprechen gleich gut an; bei einem erheblichen Teil bleibt der Gewinn gering. Ein lange bestehendes Ödem, Narben oder eine Durchblutungsstörung der Makula verschlechtern die Aussichten. Unbehandelt kann das Ödem das zentrale Sehen eines Auges weitgehend zerstören. Unter der Spritzenbehandlung kann sich die diabetische Retinopathie dennoch weiterentwickeln. Deshalb wird bei jeder Kontrolle auch die übrige Netzhaut untersucht.
Verlauf beim Venenverschluss
Der Verlauf nach einem Venenverschluss ist schwer vorherzusagen. Bei manchen erholt sich das Sehen ohne Behandlung, bei vielen Unbehandelten bleibt es eingeschränkt. Mit Spritzen bessert sich etwa die Hälfte deutlich. Verschlüsse mit starkem Sauerstoffmangel haben schlechtere Aussichten. Mögliche Komplikationen sind neue krankhafte Gefäße, eine Glaskörperblutung und ein schweres Glaukom durch neue Gefäße in der Regenbogenhaut.
Verlauf bei Uveitis
Mit angemessener Behandlung lässt sich bei Uveitis oft ein gutes Sehen erhalten. In einer Langzeitstudie bildete sich das Ödem bei den meisten Augen irgendwann zurück. Fast die Hälfte dieser Augen bekam innerhalb von sieben Jahren aber einen Rückfall. Die Wirkung von Kortison im Auge ist zeitlich begrenzt. Bei einer Entzündung im vorderen Augenabschnitt sind die Aussichten besser als im hinteren.
Welche bleibenden Schäden kann ein Makulaödem hinterlassen?
Besteht ein Ödem über viele Monate, können die Lichtsinneszellen der Makula dauerhaft geschädigt werden. Die Netzhaut wird dünner, vernarbt oder es bilden sich kleine Löcher. Dann bleibt die Sehschärfe auch nach Rückgang der Flüssigkeit vermindert. Eine Spritze bringt bei solchen Narben keine Besserung mehr. Das ist der wichtigste Grund, ein Makulaödem früh zu behandeln.
Kann ein Makulaödem wiederkommen?
Ja, ein Makulaödem kann nach erfolgreicher Behandlung zurückkehren, besonders bei Diabetes, Venenverschluss und Uveitis. Die Wirkung der Spritzen und Implantate hält nur Wochen bis Monate an. Deshalb sind auch nach einer trockenen Netzhaut regelmäßige OCT-Kontrollen wichtig, oft lebenslang in größeren Abständen.
Leben mit einem Makulaödem
Die Behandlung bedeutet für viele Menschen häufige Termine, vor allem im ersten Jahr. Für Berufstätige und Menschen mit langen Anfahrtswegen ist das belastend. Es hilft, die Termine früh zu planen und eine Begleitperson für den Heimweg zu organisieren. Bleibt das Sehen eingeschränkt, können vergrößernde Sehhilfen, gutes Licht und kontrastreiche Gestaltung im Alltag helfen. Eine verschlechterte Sehkraft kann auch die Stimmung drücken. Sprechen Sie das offen an.
Ob Sie Auto fahren dürfen, hängt von der Sehschärfe beider Augen und vom Gesichtsfeld ab. Lassen Sie das bei Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt prüfen. Am Tag einer Spritze oder nach Pupillenerweiterung dürfen Sie nicht selbst fahren.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (6)
Kann man einem Makulaödem vorbeugen?
Einem Makulaödem lässt sich nicht sicher vorbeugen, aber das Risiko lässt sich deutlich senken, indem man die Grundkrankheiten gut einstellt und Kontrolltermine einhält. Die wirksamste Vorbeugung ist eine gute Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck. Wer schon ein Ödem hatte, kann Rückfälle durch regelmäßige Kontrollen früh erkennen lassen.
Vorbeugung bei Diabetes
Eine konsequente Einstellung von Blutzucker und Blutdruck ist der beste Schutz der Netzhaut. Legen Sie Ihren Zielwert für den Langzeitzucker (HbA1c) gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest. Auch Blutfette, Rauchstopp, gesunde Ernährung, Bewegung und ein gesundes Gewicht helfen.
Gehen Sie regelmäßig zur Augenkontrolle mit weiter Pupille, auch wenn Sie gut sehen. Je nach persönlichem Risiko empfiehlt die Augenärztin oder der Augenarzt einen Abstand von einem oder zwei Jahren, bei bestehenden Netzhautveränderungen kürzere Abstände. Frauen mit Diabetes, die schwanger werden möchten oder schwanger sind, sollten ihre Augen so früh wie möglich untersuchen lassen.
Vorbeugung vor und nach einer Grauer-Star-OP
Nach einer Grauer-Star-OP senken entzündungshemmende Augentropfen das Risiko für ein Makulaödem. Wenden Sie die verordneten Tropfen genau nach Plan an und setzen Sie sie nicht vorzeitig ab. Üblich sind NSAR-Tropfen, oft zusammen mit Kortisontropfen, über einige Wochen. Bei Diabetes und anderen Risikofaktoren werden sie häufig schon vor der Operation begonnen und länger gegeben, teils zwei bis drei Monate.
Erzählen Sie vor der Operation von Diabetes, früheren Entzündungen im Auge, einem Ödem nach der Operation des anderen Auges und Ihren Augentropfen. Dann kann das Operationsteam die Vorbeugung anpassen. Eine schonende Operationstechnik senkt das Risiko zusätzlich.
Vorbeugung bei Venenverschluss
Nach einem Venenverschluss gilt es, die Gefäße insgesamt zu schützen. Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette einstellen, hören Sie mit dem Rauchen auf, bewegen Sie sich regelmäßig und achten Sie auf Ihr Gewicht. Deutsche Patienteninformationen raten außerdem, ausreichend zu trinken, sofern keine Wassereinlagerungen dagegen sprechen, und den Kopf nachts etwas höher zu lagern. Ein gut eingestellter Augendruck schützt ebenfalls.
Selbstkontrolle mit dem Amsler-Gitter
Mit einem Amsler-Gitter können Sie zu Hause selbst prüfen, ob neue Verzerrungen auftreten. Halten Sie das Karomuster in Leseabstand, decken Sie ein Auge ab und schauen Sie auf den Mittelpunkt. Wirken Linien wellig, verschwommen oder fehlen Teile, und ist das neu, melden Sie sich in der Praxis. Das Gitter ersetzt keine Kontrolle mit OCT, denn kleine Ödeme verursachen oft noch keine Verzerrung.
Termine einhalten
Weil ein Makulaödem anfangs oft keine Beschwerden macht, sind Kontrolltermine der wichtigste Schutz vor bleibenden Schäden. Das gilt besonders während einer Spritzenbehandlung und nach deren Ende. Wer Termine verschiebt, riskiert, dass ein Rückfall zu spät erkannt wird.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (3)
Ein Makulaödem ist meist kein Notfall im engeren Sinn, sollte aber zeitnah behandelt werden, weil lange bestehende Schwellungen bleibende Schäden hinterlassen. Einige Warnzeichen erfordern dagegen sofortige Hilfe, weil sie auf eine andere, gefährlichere Ursache hinweisen.
Sofort zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Augenklinik
Sofort, auch nachts und am Wochenende, sollten Sie bei diesen Zeichen Hilfe suchen:
- Plötzlicher starker Sehverlust an einem Auge, auch ohne Schmerzen. Dahinter kann ein Gefäßverschluss stecken, etwa ein Arterienverschluss der Netzhaut.
- Nach einer Spritze ins Auge: zunehmende Schmerzen, starke Rötung, Lichtscheu oder Sehverschlechterung in den ersten Tagen, besonders innerhalb von etwa 72 Stunden. Das kann eine Infektion im Auge sein. Melden Sie sich auch nachts und am Wochenende.
- Ein schwarzer Vorhang oder Schatten, der sich von außen ins Bild schiebt, oder plötzlich viele Blitze und Rußflocken: mögliche Netzhautablösung.
- Starke Augenschmerzen mit Rötung, Übelkeit und Sehen von Farbringen um Lichter: möglicher starker Anstieg des Augendrucks, etwa durch neue Gefäße nach einem Venenverschluss.
Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
Innerhalb weniger Tage
Einen Termin innerhalb weniger Tage brauchen Sie bei diesen Beschwerden:
- Neues Verschwommen- oder Verzerrtsehen, ein grauer Fleck in der Bildmitte oder blassere Farben.
- Erneute Verschlechterung des Sehens Wochen nach einer Grauer-Star-OP, nachdem es zunächst gut war.
- Neue Veränderungen im Amsler-Gitter.
- Verschlechterung zwischen zwei Spritzenterminen.
Routinemäßig
Ohne Eile, aber verlässlich, gehören diese Termine dazu:
- Regelmäßige Augenkontrollen bei Diabetes, auch ohne Beschwerden.
- Kontrollen des Augendrucks einige Wochen nach jedem Kortison-Implantat.
- Verlaufskontrollen nach Abschluss einer Behandlung zur frühen Erkennung von Rückfällen.
9 Häufige Fragen
Was ist ein Makulaödem einfach erklärt?
Ein Makulaödem ist eine Schwellung der Netzhautmitte durch ausgetretene Flüssigkeit. Die Makula ist die Stelle, mit der Sie scharf sehen und lesen. Wird sie dicker, sieht man in der Bildmitte unscharf und oft verzerrt. Das Ödem ist keine eigene Krankheit, sondern die Folge etwa von Diabetes, Venenverschlüssen, Entzündungen oder einer Augenoperation.
Ist ein Makulaödem heilbar?
Das hängt von der Ursache ab. Nach einer Grauer-Star-OP heilt das Ödem in rund 90 Prozent der Fälle innerhalb einiger Monate aus, oft mit Tropfen. Bei Diabetes oder nach einem Venenverschluss lässt es sich meist gut zurückdrängen, kommt aber oft wieder und erfordert eine Behandlung über Jahre. Wurde die Makula durch ein lange bestehendes Ödem geschädigt, bleibt das Sehen eingeschränkt.
Kann man durch ein Makulaödem blind werden?
Eine vollständige Erblindung ist selten, weil das seitliche Sehen erhalten bleibt. Unbehandelt kann ein Makulaödem aber das zentrale Sehen eines Auges stark und dauerhaft schädigen. Dann sind Lesen, Autofahren und das Erkennen von Gesichtern kaum noch möglich. Eine frühe Behandlung senkt dieses Risiko deutlich.
Wie lange dauert ein Makulaödem nach einer Grauer-Star-OP?
Meist drei bis sechs Monate. Das Ödem beginnt typischerweise vier bis zwölf Wochen nach der Operation und bildet sich bei der großen Mehrheit innerhalb einiger Monate zurück. Hält es länger als etwa sechs Monate an, spricht man von einem chronischen Ödem, das intensiver behandelt wird.
Tut die Spritze ins Auge weh?
Die meisten Menschen spüren nur einen kurzen Druck oder ein leichtes Stechen. Das Auge wird vorher mit Tropfen betäubt, die eigentliche Injektion dauert Sekunden. Danach kann das Auge einige Tage kratzen oder eine harmlose Einblutung zeigen. Zunehmende Schmerzen nach der Spritze sind dagegen ein Warnzeichen und müssen sofort abgeklärt werden.
Wie oft muss beim Makulaödem gespritzt werden?
Zu Beginn meist einmal im Monat, bei Diabetes oft drei bis sechs Spritzen, bei Venenverschluss zunächst drei. Danach werden die Abstände je nach Befund im OCT verlängert, oft auf bis zu vier Monate. Im ersten Jahr sind bei Diabetes sieben bis zehn Spritzen üblich, später deutlich weniger. Kortison-Implantate wirken länger und müssen seltener gegeben werden.
Helfen Augentropfen gegen ein Makulaödem?
Beim Ödem nach einer Grauer-Star-OP sind entzündungshemmende Tropfen (NSAR, oft mit Kortison) die erste Behandlung und reichen häufig aus. Bei Diabetes oder Venenverschluss reichen Tropfen dagegen nicht. Dort sind Spritzen in das Auge die wirksamste Behandlung.
Warum sehe ich mit Makulaödem morgens schlechter?
Vor allem beim Venenverschluss staut sich nachts im flachen Liegen Flüssigkeit in der Netzhaut. Tagsüber im Sitzen und Stehen fließt ein Teil wieder ab, und das Sehen wird etwas besser. Manche Fachleute raten deshalb, den Kopf nachts etwas höher zu lagern.
Was kann ich selbst gegen ein Makulaödem tun?
Am wichtigsten sind eine gute Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten, Rauchstopp, Bewegung und ein gesundes Gewicht. Wenden Sie verordnete Tropfen nach einer Augenoperation genau an und halten Sie alle Kontroll- und Spritzentermine ein. Prüfen Sie Ihr Sehen zu Hause mit einem Amsler-Gitter und melden Sie neue Verzerrungen rasch.
Warum wird mein Sehen trotz Spritzen nicht wieder ganz gut?
Wenn ein Ödem lange bestanden hat, können die Lichtsinneszellen dauerhaft geschädigt sein. Auch Narben oder eine Durchblutungsstörung der Makula, etwa bei Diabetes, begrenzen den Erfolg. Die Spritzen trocknen die Netzhaut dann zwar, das Sehen bessert sich aber nur begrenzt. Häufig ist das Ziel deshalb, den Zustand zu halten und weitere Verluste zu verhindern.
Ist ein Makulaödem dasselbe wie eine Makuladegeneration?
Nein. Die altersabhängige Makuladegeneration ist eine eigene Erkrankung der Makula, bei der Zellen altern und absterben. Ein Makulaödem ist eine Schwellung durch Flüssigkeit und kann viele Ursachen haben. Bei der feuchten Makuladegeneration kann allerdings ebenfalls Flüssigkeit in und unter der Netzhaut auftreten, die ähnlich mit Spritzen behandelt wird.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 28 Quellen anzeigen
- Makulaödem – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at) (DE)
- Diabetisches Makulaödem – Eine Standortbestimmung – Deutsches Ärzteblatt (Stahl A, 2018) (DE)
- Therapie des diabetischen Makulaödems, Stellungnahme (Stand August 2019) – DOG, Retinologische Gesellschaft, BVA (DE)
- Intravitreale Therapie des visusmindernden Makulaödems bei retinalem Venenverschluss (Stand 2018) – BVA, DOG, Retinologische Gesellschaft (DE)
- Stellungnahme zur intravitrealen Therapie des Makulaödems bei Uveitis (Stand 2014) – DOG, BVA, Retinologische Gesellschaft (DE)
- Die Behandlung des Verschlusses einer Netzhautvene (Patienteninformation) – BVA und DOG / Stiftung Auge (DE)
- Pseudophakes zystoides Makulaödem – DocCheck Flexikon (DE)
- Cystoid Macular Edema – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Pseudophakic Cystoid Macular Edema (Irvine-Gass Syndrome) – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Uveitic Macular Edema – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
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- Œdème maculaire postopératoire (Rapport 2016, chapitre 11) – Société Française d'Ophtalmologie (SFO) (FR)
- Sémiologie de l'œdème maculaire (Rapport 2016, chapitre 5) – Société Française d'Ophtalmologie (SFO) (FR)
- EYLEA (aflibercept) – œdème maculaire secondaire à une occlusion veineuse rétinienne – Haute Autorité de santé (HAS) (FR)
- Avis de la Commission de la Transparence EYLEA (œdème maculaire diabétique, 2021) – Haute Autorité de santé (HAS) (FR)
- Traitement de la rétinopathie diabétique : enjeux et défis – La Revue du Praticien (2018) (FR)
- Injections intravitréennes – Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) (FR)
- Síndrome de Irvine-Gass – Clínica Universidad de Navarra, Diccionario médico (ES)
- Edema macular – Clínica Universidad de Navarra, Diccionario médico (ES)
- Consenso de expertos españoles sobre el tratamiento anti-VEGF del edema macular diabético (2022, von Bayer finanziert) – PubMed Central (ES)
- Estudio del efecto del implante intravítreo de dexametasona en edema macular pseudofáquico – Archivos de la Sociedad Española de Oftalmología (ES)
- Terapia intravítrea para el edema macular uveítico (ensayo MERIT) – Intramed (ES)
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