Allgemeinerkrankungen und Auge
Augenmigräne (Migräne mit Aura und retinale Migräne)
Mit Augenmigräne ist meist die Sehstörung einer Migräne mit Aura gemeint: ein flimmerndes Zickzack-Muster, das sich über Minuten ausbreitet, beide Augen betrifft und nach 5 bis 60 Minuten von selbst verschwindet, mit oder ohne Kopfschmerz. Seltener ist die retinale Migräne gemeint, die nur ein Auge betrifft und sorgfältig von einem Gefäßverschluss abgegrenzt werden muss.
1 Kurzübersicht
„Augenmigräne“ ist kein offizieller medizinischer Begriff. Im Alltag meint man damit fast immer die Sehstörung einer Migräne mit Aura: ein flimmerndes, zickzackförmiges Muster, das sich langsam über das Blickfeld ausbreitet und nach 5 bis 60 Minuten von selbst verschwindet. Die Störung entsteht im Sehzentrum des Gehirns, nicht im Auge. Deshalb sehen beide Augen dasselbe, auch wenn es sich oft anfühlt, als sei nur ein Auge betroffen.
Fachleute nennen das Muster Flimmerskotom (Skotom = Ausfall im Gesichtsfeld). Danach kann ein typischer Migränekopfschmerz folgen, er muss es aber nicht. Etwa jeder dritte Mensch mit Aura erlebt zumindest gelegentlich eine Aura ganz ohne Kopfschmerz.
Davon zu trennen ist die seltene retinale Migräne (Netzhautmigräne). Hier betrifft die Sehstörung nur ein einziges Auge, meist als Verdunklung oder Ausfall. Sie darf erst angenommen werden, wenn gefährliche Ursachen wie ein Gefäßverschluss ausgeschlossen sind.
- Typisch harmlos: Flimmern oder Zickzack, das wandert, beide Augen betrifft (Test: abwechselnd ein Auge zuhalten) und nach höchstens einer Stunde vollständig verschwindet.
- Erstmals aufgetreten: innerhalb weniger Tage ärztlich abklären lassen, auch wenn alles wieder gut ist.
- Notfall: plötzlicher, einseitiger, schwarzer oder grauer Sehverlust ohne Flimmern, ein Schatten wie ein Vorhang oder eine plötzliche Lähmung, Taubheit oder Sprachstörung. Dann sofort 112 (Österreich 144) rufen.
Die Aura selbst lässt sich mit Medikamenten nicht stoppen. Sie hinterlässt in aller Regel keine Schäden. Behandelt werden der Kopfschmerz und, bei häufigen Attacken, die Migräne als Ganzes. Während einer Aura sollten Sie nicht Auto oder Fahrrad fahren.
2 Symptome
In diesem Kapitel (16)
- Wie sieht eine Augenmigräne aus?
- Welche Sehstörungen kommen bei einer Aura vor?
- Positive und negative Erscheinungen
- Wie läuft eine Aura zeitlich ab?
- Betrifft die Augenmigräne ein Auge oder beide?
- Wie fühlt sich eine Augenmigräne im Alltag an?
- Augenmigräne ohne Kopfschmerz
- Wann kommt der Kopfschmerz?
- Die Phasen einer Migräneattacke
- Welche Aura-Symptome gibt es außer Sehstörungen?
- Wie zeigt sich eine retinale Migräne?
- Retinale Migräne und Migräne mit Aura im Vergleich
- Seltene Sehphänomene bei Migräne
- Woran Angehörige eine Aura erkennen können
- Augenmigräne bei Kindern und Jugendlichen
- Augenmigräne bei älteren Menschen
Wie sieht eine Augenmigräne aus?
Typisch ist ein flimmerndes, gezacktes Muster, das an einer kleinen Stelle beginnt und sich innerhalb von Minuten bogenförmig nach außen ausbreitet. Viele beschreiben es als leuchtende Zickzacklinie, als Festungsmauer von oben gesehen oder als glitzernden Halbmond. Das Flimmern kann weiß, grau oder bunt wie in einem Kaleidoskop sein. Es bleibt auch bei geschlossenen Augen sichtbar.
Hinter dem flimmernden Rand entsteht oft ein unscharfer oder leerer Bereich, der eigentliche Ausfall. In diesem Bereich fehlen Buchstaben beim Lesen, Teile von Gesichtern oder Gegenständen. Fachleute sprechen von einem Flimmerskotom: Flimmern (Szintillation) plus Ausfall (Skotom).
Welche Sehstörungen kommen bei einer Aura vor?
Sehstörungen sind mit Abstand die häufigste Form der Aura: Sie kommen in etwa 98 von 100 Auren vor. Das Bild ist aber vielfältiger als nur Zickzacklinien. Eine systematische Auswertung mehrerer Studien (Viana und Kollegen, 2019) fand folgende Erscheinungen, jeweils als Spanne über die einzelnen Studien:
| Erscheinung | Anteil der Auren |
|---|---|
| Flackerndes oder flimmerndes Licht | 12 bis 91 % |
| Zickzacklinien, „Festungsmuster“ | 24 bis 81 % |
| Ausfall (Skotom), Loch im Bild | 23 bis 77 % |
| Kleine helle Punkte (Phosphene) | 19 bis 70 % |
| Verschwommenes, nebliges Sehen | 25 bis 54 % |
| Lichtblitze, sternförmige Figuren | 16 bis 38 % |
| Tunnelblick | 4 bis 27 % |
| Wie Hitzeflimmern oder Blick durch Wasser | 8 bis 24 % |
| Ausfall einer ganzen Gesichtsfeldhälfte | 6 bis 24 % |
| Farbige Punkte oder Lichtflecken | 3 bis 19 % |
| Mosaiksehen, verzerrte Bilder, komplexe Trugbilder | selten |
Die großen Spannen zeigen, dass die Studien sehr unterschiedlich gefragt haben. In der größten Untersuchung, in der Betroffene ihre Auren direkt beim Auftreten festhielten, waren Lichtblitze, Nebelsehen, Zickzack und Ausfall etwa gleich häufig. Viele Menschen erleben mehrere dieser Erscheinungen in einer Aura.
Positive und negative Erscheinungen
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden „positive“ Erscheinungen, bei denen etwas zusätzlich zu sehen ist, von „negativen“, bei denen etwas fehlt. Positiv sind Flimmern, Blitze, Zickzack und helle Punkte. Negativ sind Ausfälle, Verschwommensehen und Tunnelblick.
Bei der Migräneaura überwiegen die positiven Erscheinungen deutlich: In einer großen dänischen Klinikstudie (REFORM, 227 Erwachsene) war die Sehaura bei 89 von 100 Betroffenen positiv. Oft folgt auf das Flimmern ein Ausfall an derselben Stelle. Ein reiner Ausfall ohne jedes Flimmern ist für eine Migräne ungewöhnlich und gehört genauer abgeklärt.
Wie läuft eine Aura zeitlich ab?
Eine typische Aura baut sich langsam auf, wandert und verschwindet dann vollständig. Meist beginnt sie als kleiner flimmernder Fleck nahe der Stelle, auf die Sie gerade schauen. Über 5 bis 30 Minuten wird der Bogen größer und wandert zum Rand des Gesichtsfelds, bis er dort verschwindet.
- Ausbreitung: langsam, über mindestens 5 Minuten. Das entspricht einer Welle, die mit etwa 2 bis 3 Millimetern pro Minute über die Sehrinde des Gehirns läuft.
- Dauer: nach den internationalen Kriterien 5 bis 60 Minuten je Symptom. Meist sind es 20 bis 30 Minuten. In der REFORM-Studie dauerte die Sehaura im Mittel 49 Minuten; bei 86 von 100 lag sie zwischen 5 und 60 Minuten, bei etwa 10 von 100 darüber.
- Ende: Das Sehen wird wieder vollständig normal. Viele fühlen sich danach müde oder benommen.
Folgen mehrere Aura-Arten aufeinander, etwa erst Flimmern, dann Kribbeln, dann Wortfindungsstörung, kann die gesamte Aura auch länger als eine Stunde dauern. Jedes einzelne Symptom bleibt dabei aber unter einer Stunde.
Betrifft die Augenmigräne ein Auge oder beide?
Die typische Aura betrifft beide Augen, und zwar dieselbe Seite des Gesichtsfelds. Ein Flimmern rechts im Blickfeld ist also im rechten Gesichtsfeld beider Augen. Der Grund: Die Störung sitzt in der Sehrinde im Hinterkopf, wo die Bilder beider Augen bereits zusammengeführt sind.
Trotzdem sind viele Betroffene sicher, nur ein Auge sei betroffen. Das liegt am Aufbau des Gesichtsfelds: Jedes Auge sieht zur Schläfe hin bis etwa 90 Grad, zur Nase hin nur bis etwa 60 Grad. Ein Ausfall auf der rechten Seite fällt deshalb im rechten Auge viel stärker auf als im linken.
So prüfen Sie es selbst: Halten Sie während der Sehstörung abwechselnd das rechte und das linke Auge zu. Bleibt das Flimmern mit jedem Auge sichtbar, kommt es aus dem Gehirn. Verschwindet die Störung, sobald Sie ein bestimmtes Auge zudecken, liegt sie in diesem Auge. Das ist untypisch für eine gewöhnliche Aura und muss zeitnah augenärztlich abgeklärt werden.
Wie fühlt sich eine Augenmigräne im Alltag an?
Die meisten erleben die Aura als plötzliche, aber nicht schmerzhafte Störung, die konzentriertes Sehen unmöglich macht. Beim Lesen fehlen Wörter oder Zeilen, am Bildschirm springt der Text. Gesichter wirken lückenhaft oder halb verdeckt. Treppen, Bordsteine und der Verkehr sind schwer einzuschätzen.
Viele erschrecken bei der ersten Aura sehr und denken an einen Schlaganfall oder an eine Erkrankung des Auges. Diese Angst ist verständlich und ein guter Grund, die erste Aura ärztlich abklären zu lassen. Wer seine Auren kennt, erlebt sie mit der Zeit meist gelassener.
Bei rund einem Viertel der Betroffenen tritt die Sehaura immer auf derselben Seite auf. Bei den anderen wechselt die Seite. Die Seite der Aura hängt oft nicht mit der Seite eines späteren Kopfschmerzes zusammen.
Augenmigräne ohne Kopfschmerz
Eine Aura kann ganz ohne nachfolgenden Kopfschmerz auftreten. Fachleute sprechen dann von typischer Aura ohne Kopfschmerz, umgangssprachlich auch von stiller Migräne. In der REFORM-Studie hatte etwa jeder dritte Mensch mit Aura zumindest einzelne Auren ohne Kopfschmerz, etwa 3 bis 4 von 100 hatten nie Kopfschmerz dazu.
Auren ohne Kopfschmerz kommen häufiger bei älteren Menschen vor, die früher Migräne hatten. Manchmal ist der Kopfschmerz auch nur leicht. Gerade bei Auren ohne Kopfschmerz und bei erstmaligem Auftreten im höheren Alter ist die Abgrenzung zu einer Durchblutungsstörung wichtig, weil beide ähnlich aussehen können.
Wann kommt der Kopfschmerz?
Meist beginnt der Kopfschmerz nach dem Ende der Aura oder noch während sie abklingt. In der REFORM-Studie begann er bei 81 von 100 Auren danach, im Mittel etwa 40 Minuten später. Bei 12 von 100 begannen Aura und Kopfschmerz gleichzeitig, bei 5 von 100 kam die Aura erst nach dem Kopfschmerz.
Der Migränekopfschmerz ist typischerweise:
- meist einseitig, kann aber die Seite wechseln oder beidseitig sein,
- pochend oder pulsierend, mittel bis stark,
- schlimmer bei körperlicher Bewegung, etwa beim Treppensteigen,
- begleitet von Übelkeit, manchmal Erbrechen,
- verbunden mit Licht-, Lärm- und oft auch Geruchsempfindlichkeit.
Unbehandelt dauert der Kopfschmerz 4 Stunden bis 3 Tage. Der Schmerz sitzt oft an Schläfe, Stirn oder hinter dem Auge. Die Lichtempfindlichkeit betrifft fast immer beide Augen.
Die Phasen einer Migräneattacke
Eine vollständige Attacke verläuft oft in vier Phasen, die nicht alle auftreten müssen.
- Vorboten (Prodrom): Stunden bis zu zwei Tage vorher. Etwa ein Drittel bemerkt Müdigkeit, häufiges Gähnen, Heißhunger, Durst, Stimmungsschwankungen, Nackensteife oder vermehrten Harndrang.
- Aura: Sehstörungen und eventuell andere Aura-Symptome, meist 5 bis 60 Minuten.
- Kopfschmerzphase: 4 bis 72 Stunden, mit Übelkeit und Licht- und Lärmempfindlichkeit.
- Erholungsphase: ein bis zwei Tage Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Benommenheit, manchmal als „Migräne-Kater“ beschrieben.
Welche Aura-Symptome gibt es außer Sehstörungen?
Neben den Sehstörungen kann eine Aura auch Gefühl, Sprache und Gleichgewicht betreffen. Diese Symptome folgen meist nacheinander: zuerst das Sehen, dann das Kribbeln, dann die Sprache.
- Kribbeln oder Taubheit (bei etwa jedem Dritten mit Aura): Es beginnt oft in den Fingern einer Hand und wandert langsam über den Arm bis ins Gesicht, zur Zunge oder zu den Lippen.
- Sprachstörungen (bei etwa 10 bis 14 von 100): Wortfindungsstörungen, verwaschene Sprache, Schwierigkeiten, Gesagtes zu verstehen.
- Hirnstamm-Aura (selten): Drehschwindel, Gangunsicherheit, Ohrgeräusche, Hörminderung, Doppelbilder, undeutliche Sprache. Betrifft vor allem Jugendliche und junge Frauen.
- Hemiplegische Migräne (sehr selten): vorübergehende Schwäche einer Körperhälfte. Sie tritt teils familiär gehäuft auf und gehört in neurologische Betreuung.
Schwäche oder Lähmung, Sprachstörung und Gleichgewichtsverlust sehen einem Schlaganfall sehr ähnlich. Wer solche Symptome zum ersten Mal erlebt, muss sofort den Notruf wählen. Nur wenn die Diagnose sicher gestellt ist und die Attacken immer gleich ablaufen, ist ein vorher vereinbarter Plan mit der Neurologin oder dem Neurologen möglich.
Wie zeigt sich eine retinale Migräne?
Die retinale Migräne betrifft immer nur ein Auge, und zwar meist dasselbe. Statt eines wandernden Zickzackmusters steht häufig ein Ausfall im Vordergrund: Ein Teil des Bildes oder das ganze Auge wird grau, schwarz oder neblig, wie ein Schatten. Manche sehen auch funkelnde Lichter oder Flimmern in diesem einen Auge.
- Dauer: meist 5 bis 20 Minuten, selten bis zu einer Stunde.
- Kopfschmerz: häufig während der Sehstörung oder innerhalb einer Stunde danach, oft auf derselben Seite. Er kann aber auch fehlen.
- Form des Ausfalls: oft ein zentraler Fleck, eine obere oder untere Hälfte oder ein Sektor. Bei Durchblutungsstörungen der Aderhaut wird ein mosaikartiges „Puzzle“-Muster beschrieben.
- Häufigkeit: Attacken kommen oft nur alle paar Monate.
Ein einseitiger, plötzlicher Sehverlust ist zunächst immer verdächtig auf eine Durchblutungsstörung des Auges, auch bei jungen Menschen mit bekannter Migräne. Deshalb gilt: Erst nach gründlicher Untersuchung darf man von retinaler Migräne sprechen.
Retinale Migräne und Migräne mit Aura im Vergleich
Die beiden Formen unterscheiden sich vor allem darin, wie viele Augen betroffen sind und ob Flimmern oder Ausfall überwiegt. Eine systematische Übersicht (Nordin, 2025) hat die verfügbaren Fallberichte verglichen; die Daten zur retinalen Migräne stammen aus kleinen Fallserien und sind daher unsicher.
| Merkmal | Retinale Migräne | Migräne mit Aura |
|---|---|---|
| Nur ein Auge betroffen | etwa 90 % | etwa 25 % (meist beide Augen, gleiche Seite) |
| Hauptsymptom | Ausfall, Verdunklung (etwa 84 %) | Flimmern (etwa 77 %), Zickzack (etwa 53 %) |
| Beginn | eher plötzlich (etwa 80 %) | eher allmählich (etwa 79 %) |
| Dauer unter 5 Minuten | etwa 22 % | etwa 2 % |
| Dauer unter 60 Minuten | etwa 89 % | etwa 79 % |
| Begleitender Kopfschmerz | etwa 70 % | etwa 95 % |
| Lichtscheu | etwa 15 % | etwa 90 % |
Ein wichtiger Fallstrick: Manche Menschen, die einen „einäugigen“ Ausfall beschreiben, haben in Wahrheit einen Ausfall der gleichen Gesichtsfeldhälfte beider Augen (homonyme Hemianopsie). Das spricht für eine Störung im Gehirn. Deshalb ist der Abdecktest mit jedem Auge so wertvoll.
Seltene Sehphänomene bei Migräne
Neben der klassischen Aura beschreiben Fachleute einige seltene Sehphänomene, die mit Migräne zusammenhängen können.
- Kurze beidseitige Erblindung: beide Augen sehen für 1 bis 10 Minuten fast nichts, meist ohne vorherige Aura. Muss beim ersten Mal sofort abgeklärt werden.
- Alice-im-Wunderland-Syndrom: Dinge oder der eigene Körper erscheinen zu groß, zu klein oder verzerrt. Betrifft meist Kinder und Jugendliche und ist in der Regel harmlos.
- Palinopsie: Nachbilder bleiben ungewöhnlich lange stehen, manchmal auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente.
- Visual Snow: ein dauerhaftes feines Rieseln im ganzen Gesichtsfeld wie bei einem alten Fernseher. Etwa 60 von 100 Betroffenen haben zusätzlich Migräne. Mehr dazu unter Visual-Snow-Syndrom.
- Einseitig weite Pupille: selten wird während einer Attacke eine Pupille vorübergehend weiter, mit leicht verschwommenem Sehen. Eine neu weite Pupille muss aber immer ärztlich angeschaut werden.
Woran Angehörige eine Aura erkennen können
Angehörige bemerken vor allem, dass die betroffene Person plötzlich innehält, blinzelt, die Augen reibt oder unsicher nach Gegenständen greift. Manche wirken abwesend, sprechen langsamer oder suchen nach Worten, wenn eine Sprach-Aura dazukommt. Danach ziehen sich viele in einen dunklen, ruhigen Raum zurück.
Hilfreich ist, gemeinsam auf die Uhr zu schauen und Beginn und Ende zu notieren. Zeigen sich eine hängende Gesichtshälfte, eine schwache Hand oder eine Sprachstörung, die nicht wandert, sondern schlagartig da ist, sollten Angehörige ohne Zögern den Notruf wählen.
Augenmigräne bei Kindern und Jugendlichen
Kinder haben ebenfalls Auren, können sie aber oft schlechter beschreiben. Etwa 4 bis 5 von 100 Kindern haben Migräne. Bei ihnen dauern die Attacken meist kürzer, der Kopfschmerz ist häufiger beidseitig oder fehlt ganz, und Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz oder Schwindel stehen im Vordergrund.
Kinder sagen vielleicht, dass sie „Glitzer“ oder „Löcher“ sehen oder dass ihnen schwindlig ist. Bitten Sie Ihr Kind, das Gesehene nach der Attacke aufzumalen. Eine erste Aura bei Kindern gehört in kinderärztliche oder neurologische Abklärung.
Augenmigräne bei älteren Menschen
Im höheren Alter werden Migräneattacken meist seltener, nach dem 50. Lebensjahr nimmt die Migräne oft ab. Auren ohne Kopfschmerz können aber gerade bei Menschen, die früher Migräne hatten, wieder auftreten.
Eine erste Aura nach dem 40. bis 50. Lebensjahr ist nicht automatisch Migräne. In diesem Alter sind Durchblutungsstörungen von Auge und Gehirn deutlich häufiger. Kommen Kopfschmerz an der Schläfe, Kauschmerzen, Müdigkeit und Gewichtsverlust hinzu, muss an eine Riesenzellarteriitis gedacht werden, eine Gefäßentzündung, die rasch zur Erblindung führen kann.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (8)
- Was passiert bei einer Augenmigräne im Gehirn?
- Wie entsteht der Kopfschmerz danach?
- Was verursacht eine retinale Migräne?
- Ist Augenmigräne erblich?
- Wer bekommt häufiger eine Augenmigräne?
- Welche Auslöser gibt es?
- Kann Bildschirmarbeit eine Augenmigräne auslösen?
- Können Medikamente die Migräne verschlechtern?
Was passiert bei einer Augenmigräne im Gehirn?
Die Sehaura entsteht durch eine langsame Erregungswelle in der Sehrinde im Hinterkopf, die Fachleute „Cortical Spreading Depression“ nennen. Die Nervenzellen werden zuerst kurz stark erregt, danach für einige Zeit gedämpft. Die Erregung erzeugt das Flimmern, die Dämpfung den Ausfall dahinter.
Die Welle wandert mit etwa 2 bis 3 Millimetern pro Minute über die Hirnrinde. Deshalb breitet sich das Flimmern im Blickfeld langsam aus. Weil die Sehrinde das Bild beider Augen gemeinsam verarbeitet, betrifft die Aura beide Augen.
Früher erklärte man die Aura vor allem mit verengten Blutgefäßen. Heute gilt die Nervenwelle als Hauptursache; Veränderungen der Durchblutung begleiten sie. Was die Welle auslöst, ist noch nicht vollständig verstanden.
Wie entsteht der Kopfschmerz danach?
Der Kopfschmerz entsteht, wenn der Trigeminusnerv, der Gesicht und Hirnhäute versorgt, aktiviert wird und Botenstoffe freisetzt. Der wichtigste davon heißt CGRP. Diese Stoffe erweitern Blutgefäße der Hirnhäute und lösen dort eine entzündungsähnliche Reaktion aus.
Auf diesen Botenstoff zielen mehrere neuere Migränemedikamente. Beteiligt sind außerdem Zentren im Hirnstamm, die Schmerz, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit steuern.
Was verursacht eine retinale Migräne?
Die Ursache der retinalen Migräne ist unklar. Lange galt ein vorübergehender Krampf der Netzhaut- oder Aderhautgefäße als Erklärung. In Einzelfällen wurden während einer Attacke tatsächlich enge Netzhautarterien beobachtet, und neuere Bildgebung (OCT-Angiografie) zeigte eine verminderte Durchblutung der Aderhaut.
Andere Fachleute vermuten eine Erregungswelle in der Netzhaut selbst, ähnlich wie im Gehirn; das ist bisher nur im Tiermodell gezeigt. Manche halten den Begriff „retinale Migräne“ sogar für irreführend, weil viele Fälle bei genauer Prüfung doch aus dem Gehirn stammen.
Ist Augenmigräne erblich?
Migräne tritt familiär gehäuft auf, es gibt aber keinen einfachen Erbgang. Viele Gene tragen jeweils ein wenig zum Risiko bei. Eine Ausnahme ist die seltene familiäre hemiplegische Migräne, bei der einzelne Genveränderungen bekannt sind.
Bei der retinalen Migräne berichtet etwa ein Viertel bis ein Drittel der Betroffenen von Migräne in der Familie.
Wer bekommt häufiger eine Augenmigräne?
Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. In Deutschland und Österreich haben etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern wiederkehrende Migräneattacken. Wie viele davon Auren haben, schwankt je nach Studie zwischen etwa 15 und 40 von 100; meist wird ein Viertel bis ein Drittel genannt.
- Beginn meist zwischen Pubertät und etwa 45 Jahren, am häufigsten zwischen 20 und 50.
- Migräne in der Familie.
- Hormonelle Einflüsse: Attacken häufen sich bei vielen Frauen rund um die Regelblutung.
- Übergewicht, Stress und schlechter Schlaf begünstigen häufigere Attacken.
- Bei retinaler Migräne werden zusätzlich Gefäß- und Gerinnungserkrankungen genannt, etwa Arteriosklerose, Lupus oder Sichelzellanämie.
Welche Auslöser gibt es?
Auslöser (Trigger) verursachen die Migräne nicht, sie machen eine Attacke bei entsprechender Veranlagung aber wahrscheinlicher. Sie sind sehr individuell, und oft lässt sich gar kein Auslöser finden. Häufig genannt werden:
- Rhythmus: unregelmäßiger Schlaf, zu wenig oder zu viel Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten, Fasten, Unterzuckerung.
- Stress und Entspannung danach: Viele Attacken kommen am Wochenende oder zu Urlaubsbeginn.
- Licht: grelles, flackerndes oder blendendes Licht, plötzliche Helligkeitswechsel. Licht gilt als der häufigste Auslöser von Aura und Lichtscheu.
- Hormone: Regelblutung, hormonelle Verhütung, Östrogentherapie in den Wechseljahren.
- Genussmittel: Alkohol (besonders Rotwein), Rauchen, viel Koffein oder plötzlicher Koffeinentzug.
- Flüssigkeitsmangel und Hitze.
- Umwelt: Wetterwechsel, Lärm, starke Gerüche.
- Bei retinaler Migräne zusätzlich: körperliche Anstrengung, Vornüberbeugen, Hyperventilation, Lagewechsel.
Bestimmte Lebensmittel wie gereifter Käse, Schokolade oder Glutamat werden oft genannt. Allgemeine Verbote sind aber nicht sinnvoll, wenn kein klarer persönlicher Zusammenhang besteht. Heißhunger auf Schokolade ist manchmal schon ein Vorbote und nicht der Auslöser.
Kann Bildschirmarbeit eine Augenmigräne auslösen?
Lange Bildschirmarbeit, Blendung und flackerndes Licht können bei manchen Menschen Attacken begünstigen. Ursache der Migräne ist der Bildschirm nicht. Regelmäßige Pausen, gute Beleuchtung ohne Blendung und eine passende Brille helfen, Augenbelastung zu verringern. Mehr dazu unter Bildschirmarbeit und Augen.
Können Medikamente die Migräne verschlechtern?
Ja, einige Medikamente können Migräne verstärken oder häufiger machen. Dazu zählen östrogenhaltige Verhütungsmittel und Hormonersatz, abschwellende Nasensprays, Opioide und manche Antidepressiva. Die wichtigste Ursache ist aber der zu häufige Gebrauch von Schmerz- und Migränemitteln selbst: Wer sie an zu vielen Tagen nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (9)
- Wie wird eine Augenmigräne festgestellt?
- Was sollten Sie beim Arzttermin beschreiben können?
- Was untersucht die Augenärztin oder der Augenarzt?
- Was untersucht die Neurologin oder der Neurologe?
- Wie wird eine retinale Migräne diagnostiziert?
- Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?
- Migräneaura oder TIA: Was sind die Unterschiede?
- Weitere Ursachen für einseitigen vorübergehenden Sehverlust
- Flimmern, Blitze, Mouches volantes: Was ist der Unterschied?
Wie wird eine Augenmigräne festgestellt?
Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt vor allem aus Ihrer genauen Beschreibung. Es gibt keinen Bluttest und keine Aufnahme, die eine Migräne beweist. Die Untersuchungen dienen dazu, andere Ursachen auszuschließen. Zwischen den Attacken sind Augen und Nervensystem bei Migräne normal.
Grundlage sind die Kriterien der Internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3). Für eine typische Aura gilt dort unter anderem: Mindestens ein Symptom breitet sich allmählich über 5 Minuten oder länger aus, jedes Symptom dauert 5 bis 60 Minuten, und alle Symptome bilden sich vollständig zurück. Für die Diagnose Migräne mit Aura braucht es mindestens zwei solche Attacken.
Was sollten Sie beim Arzttermin beschreiben können?
Je genauer Sie die Sehstörung beschreiben, desto sicherer ist die Diagnose. Notieren Sie am besten direkt nach der Attacke:
- Wann begann sie, und wie lange dauerte sie genau?
- Wie sah sie aus: Flimmern, Zickzack, schwarzer Fleck, Schleier, Vorhang?
- Wanderte sie oder war sie schlagartig in voller Größe da?
- Blieb sie mit jedem Auge einzeln sichtbar, als Sie abwechselnd ein Auge zugehalten haben?
- Gab es Kribbeln, Taubheit, Schwäche, Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen?
- Kam danach Kopfschmerz, und wie war er?
- Was ging voraus: Schlafmangel, Stress, Alkohol, Regelblutung, Sport?
Sehr hilfreich ist eine kleine Zeichnung des Gesehenen, am besten noch während der Aura auf kariertem Papier mit einem Punkt als Blickziel. Ein Kopfschmerztagebuch über einige Wochen zeigt Häufigkeit, Muster und Medikamentengebrauch.
Was untersucht die Augenärztin oder der Augenarzt?
Die augenärztliche Untersuchung soll Erkrankungen des Auges ausschließen, die ähnliche Beschwerden machen. Sie umfasst meist:
- Sehschärfe und Pupillenreaktion,
- Augenbewegungen,
- Spaltlampenuntersuchung und Augeninnendruck,
- Untersuchung des Augenhintergrunds mit erweiterten Pupillen (Netzhaut, Sehnervenkopf, Gefäße),
- Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie),
- bei einseitigen Beschwerden zusätzlich Fotos des Augenhintergrunds und eine OCT (optische Kohärenztomografie, eine schmerzlose Schichtaufnahme der Netzhaut), eventuell eine Darstellung der Netzhautgefäße.
Bei einer typischen Migräneaura sind alle Befunde normal. Viele Menschen gehen nach der ersten Aura zuerst zum Augenarzt, weil sie die Störung „im Auge“ spüren. Das ist sinnvoll; nach unauffälligem Befund folgt bei Bedarf die neurologische Abklärung.
Was untersucht die Neurologin oder der Neurologe?
Die Neurologie prüft, ob die Beschwerden zu einer Migräne passen oder auf eine andere Erkrankung des Gehirns hinweisen. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch, eine körperliche und neurologische Untersuchung und das Blutdruckmessen. Oft werden auch die Halsgefäße abgehört und die Schläfenarterien abgetastet.
Bei einer typischen, wiederkehrenden Migräne ist keine Bildgebung nötig. Die französische Gesundheitsbehörde HAS rät bei typischer Migräne ausdrücklich von Routineuntersuchungen ab. Eine MRT des Kopfes wird erwogen, wenn die Aura erstmals auftritt, ungewöhnlich ist, sehr lange dauert, nach dem 40. Lebensjahr beginnt, neurologische Ausfälle bestehen oder sich das gewohnte Muster ändert. Bei schlagartig stärkstem Kopfschmerz wird notfallmäßig eine Blutung ausgeschlossen.
Wie wird eine retinale Migräne diagnostiziert?
Die retinale Migräne ist eine Ausschlussdiagnose: Sie wird erst gestellt, wenn alle anderen Ursachen eines einseitigen Sehverlusts sicher ausgeschlossen sind. Nach ICHD-3 müssen außerdem folgende Punkte erfüllt sein:
- mindestens zwei Attacken,
- Sehstörung nur an einem Auge, als Flimmern, Ausfall oder Erblindung, vollständig rückbildungsfähig,
- die Einäugigkeit muss während einer Attacke durch eine Gesichtsfeldprüfung oder eine Zeichnung bestätigt sein,
- mindestens zwei von drei Merkmalen: Ausbreitung über 5 Minuten oder mehr, Dauer 5 bis 60 Minuten, Kopfschmerz während der Störung oder innerhalb einer Stunde,
- keine andere Erklärung, insbesondere keine flüchtige Durchblutungsstörung des Auges.
Um diese auszuschließen, werden je nach Alter und Risiko eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern, EKG und Langzeit-EKG, Herzultraschall, Blutuntersuchungen mit Entzündungswerten und Gerinnung sowie eine Darstellung der Netzhautgefäße mit Farbstoff (Fluoreszenzangiografie) durchgeführt. Wie streng die Kriterien sind, zeigt eine Klinikserie: Von 142 Menschen mit Verdacht auf retinale Migräne erfüllten nur 5 die Kriterien vollständig.
Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?
Ähnliche Sehstörungen können auch bei Netzhautablösung, Gefäßverschlüssen, Schlaganfall oder epileptischen Anfällen auftreten. Die folgende Übersicht zeigt typische Unterschiede. Kein einzelnes Merkmal ist ein sicherer Beweis; die Abgrenzung gehört in ärztliche Hand.
| Erkrankung | Augen | Wie es aussieht | Beginn und Dauer | Was tun? |
|---|---|---|---|---|
| Migräneaura (Flimmerskotom) | beide, gleiche Gesichtsfeldseite | Flimmern, Zickzack, wandernd, danach Ausfall | langsam über Minuten, 5 bis 60 Minuten, verschwindet vollständig | beim ersten Mal binnen Tagen abklären |
| Flüchtige Durchblutungsstörung des Auges (Amaurosis fugax) | eines | grau oder schwarz, oft wie ein Vorhang von oben oder unten, kein Flimmern | schlagartig, Sekunden bis wenige Minuten | sofort Notruf, Abklärung wie beim Schlaganfall |
| Arterienverschluss der Netzhaut | eines | schmerzlos, schwarz oder stark verschwommen | schlagartig, bleibt bestehen | sofort Notruf |
| Netzhautablösung | eines | Lichtblitze, plötzlich viele schwarze Punkte („Rußregen“), Schatten oder Vorhang von der Seite | Stunden bis Tage, wird größer, geht nicht nach einer Stunde weg | noch am selben Tag zum Augenarzt |
| TIA oder Schlaganfall in der Sehrinde | beide, gleiche Gesichtsfeldseite | meist Ausfall ohne Flimmern, oft mit Schwäche, Taubheit oder Sprachstörung | schlagartig, alles gleichzeitig | sofort Notruf |
| Epileptischer Anfall im Hinterkopf | beide | eher bunte, runde Flecken statt Zickzack | meist kürzer, oft unter 2 bis 3 Minuten | neurologisch abklären |
Migräneaura oder TIA: Was sind die Unterschiede?
Eine Migräneaura entwickelt sich meist allmählich und wandert, eine TIA (transitorische ischämische Attacke, ein „Mini-Schlaganfall“) setzt meist schlagartig und mit allen Symptomen gleichzeitig ein. Bei der Migräne überwiegen positive Erscheinungen wie Flimmern und Kribbeln, bei der TIA Ausfälle wie Blindheit, Taubheit oder Lähmung.
Eine norwegische Übersichtsarbeit betont aber: Diese Regeln sind nicht absolut. Eine Aura kann auch plötzlich beginnen oder länger als eine Stunde dauern, und eine bekannte Migräne schützt nicht vor einer Durchblutungsstörung. Rasches Verschwinden der Symptome schließt eine TIA nicht aus. Im Zweifel wird wie bei einem Schlaganfall gehandelt.
Weitere Ursachen für einseitigen vorübergehenden Sehverlust
Bei einseitigen, vorübergehenden Sehstörungen kommen noch weitere Ursachen in Frage, an die bei der Abklärung gedacht wird:
- Verengung der Halsschlagader oder Blutgerinnsel aus dem Herz, etwa bei Vorhofflimmern,
- Riesenzellarteriitis bei Menschen ab etwa 50 Jahren,
- kurze Sehverdunklungen bei einer Stauungspapille durch erhöhten Hirndruck, typisch beim Bücken oder Aufstehen,
- vorübergehender Winkelblock mit Augendruckanstieg, Augenschmerz und Regenbogenringen um Lichter (siehe Akuter Glaukomanfall),
- Sehverschlechterung bei Wärme oder Anstrengung nach einer Sehnerventzündung (Uhthoff-Phänomen),
- Schleiersehen bei trockenem Auge, das nach Blinzeln besser wird.
Flimmern, Blitze, Mouches volantes: Was ist der Unterschied?
Ein Flimmerskotom ist ein wanderndes Muster über Minuten, Lichtblitze dagegen sind kurze Funken von Sekundenbruchteilen, meist am Rand des Blickfelds. Solche Blitze entstehen oft, wenn der Glaskörper an der Netzhaut zieht, etwa bei einer Glaskörperabhebung. Schwebende Fäden und Punkte, die mit der Blickbewegung mitschwimmen, sind Mouches volantes. Neu auftretende Blitze mit vielen neuen Punkten sollten noch am selben Tag augenärztlich untersucht werden.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (11)
- Was hilft sofort bei einer Augenmigräne?
- Welche Schmerzmittel helfen bei Migräne mit Aura?
- Wann nimmt man ein Triptan bei Aura?
- Gibt es neuere Mittel gegen die Attacke?
- Wie oft darf man Migränemittel nehmen?
- Wann ist eine vorbeugende Behandlung sinnvoll?
- Helfen Magnesium, Vitamine oder Hausmittel?
- Was hilft ohne Medikamente?
- Wie wird eine retinale Migräne behandelt?
- Wer behandelt eine Augenmigräne?
- Behandlung in der Schwangerschaft
Was hilft sofort bei einer Augenmigräne?
Gegen die Aura selbst gibt es kein Medikament: Das Flimmern lässt sich nicht stoppen, es vergeht von selbst. Am besten unterbrechen Sie, was Sie gerade tun, und warten in Ruhe ab. Viele empfinden einen abgedunkelten, ruhigen Raum als angenehm.
- Hinsetzen oder hinlegen, Bildschirm ausschalten, Augen schließen.
- Am Steuer: so bald wie sicher möglich anhalten und erst weiterfahren, wenn alles vorbei ist.
- Ein kühler Waschlappen oder ein Kühlpack auf der Stirn, ruhiges Atmen oder eine kurze Entspannungsübung können guttun.
- Etwas trinken, besonders wenn Sie wenig getrunken haben.
- Uhrzeit notieren und, wenn möglich, das Gesehene skizzieren.
Wenn nur selten eine Aura ohne Kopfschmerz auftritt, ist oft gar keine Behandlung nötig. Schon die gesicherte Diagnose nimmt vielen die Angst vor der nächsten Attacke.
Welche Schmerzmittel helfen bei Migräne mit Aura?
Bei leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen helfen einfache Schmerzmittel, am besten früh und ausreichend dosiert. Die deutsche Leitlinie und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) nennen vor allem:
- Acetylsalicylsäure (ASS) 1000 mg,
- Ibuprofen 400 bis 600 mg,
- Diclofenac,
- Paracetamol 1000 mg (wirkt oft etwas schwächer),
- bei Übelkeit zusätzlich ein Mittel gegen Übelkeit wie Metoclopramid oder Domperidon, das auch die Aufnahme der Schmerzmittel verbessert.
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR wie ASS oder Ibuprofen) dürfen schon während der Aura genommen werden. Bei Magenproblemen, Blutungsneigung, Nierenerkrankungen oder Blutverdünnern vorher ärztlich nachfragen. Kinder und Jugendliche sollen ASS nur nach ärztlicher Anweisung bekommen.
Wann nimmt man ein Triptan bei Aura?
Triptane sind spezielle Migränemittel für mittelschwere bis schwere Attacken. Bei Migräne mit Aura sollen sie erst genommen werden, wenn die Aura vorbei ist und der Kopfschmerz beginnt. So empfehlen es die deutsche Leitlinie und die AkdÄ aus Sicherheitsgründen; auch französische Fachinformationen raten, Triptane nicht gegen die Aura einzusetzen. Während der Aura eingenommen, verhindern sie weder Aura noch Kopfschmerz zuverlässig.
- Je früher nach Kopfschmerzbeginn, desto besser wirken sie.
- Es gibt sie als Tablette, Schmelztablette, Nasenspray, Zäpfchen und Spritze. Die Spritze unter die Haut wirkt am schnellsten (etwa nach 10 Minuten), hat aber mehr Nebenwirkungen.
- Ein Triptan zusammen mit einem NSAR wirkt besser als jedes allein.
- Triptane verengen Blutgefäße. Sie sind nicht erlaubt bei koronarer Herzkrankheit, nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei Durchblutungsstörungen der Beine und bei schlecht eingestelltem Bluthochdruck.
- Mutterkornpräparate (Ergotamine) werden heute praktisch nicht mehr eingesetzt.
Gibt es neuere Mittel gegen die Attacke?
Ja, für Menschen, denen Triptane nicht helfen oder die sie nicht nehmen dürfen, gibt es neuere Wirkstoffgruppen. Gepante blockieren die Andockstelle (Rezeptor) des Botenstoffs CGRP und verengen die Gefäße nicht. Lasmiditan wirkt an einem anderen Serotonin-Rezeptor, ebenfalls ohne Gefäßverengung; nach der Einnahme darf man mindestens 8 Stunden nicht Auto fahren. In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss einen Zusatznutzen von Lasmiditan als nicht belegt bewertet.
Verfügbarkeit und Kostenerstattung unterscheiden sich zwischen den Ländern und ändern sich laufend. In Frankreich etwa ist ein Gepant zugelassen, wird aber nicht erstattet. Fragen Sie Ihre Neurologin oder Ihren Neurologen nach dem aktuellen Stand in Deutschland oder Österreich.
Wie oft darf man Migränemittel nehmen?
Akutmittel gegen Migräne sollten an höchstens 10 Tagen im Monat genommen werden. Wer häufiger Schmerzmittel oder Triptane nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch: Die Kopfschmerzen werden dann häufiger statt seltener. Nach internationalen Angaben gilt das für einfache Schmerzmittel ab etwa 15 Tagen und für Triptane ab 10 Tagen im Monat.
Wer merkt, dass er an vielen Tagen Tabletten braucht, sollte nicht einfach die Dosis steigern, sondern ärztlich eine vorbeugende Behandlung besprechen.
Wann ist eine vorbeugende Behandlung sinnvoll?
Eine Vorbeugung (Prophylaxe) lohnt sich, wenn Attacken häufig, lang oder sehr belastend sind oder die Akutmittel nicht ausreichen. Die deutsche Leitlinie nennt als Anhaltspunkt drei oder mehr belastende Attacken im Monat; die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde vier oder mehr. Auch ausgeprägte oder ungewöhnlich lange Auren können ein Grund sein.
In Frage kommen, je nach Begleiterkrankungen, Alter und Familienplanung:
- Betablocker, etwa Propranolol (Vorsicht bei Asthma und Depression),
- Topiramat, ein Mittel gegen Krampfanfälle. Es schädigt das ungeborene Kind; Frauen im gebärfähigen Alter dürfen es nur mit sicherer Verhütung nehmen. In Frankreich gilt es für diese Gruppe nicht mehr als erste Wahl, in Großbritannien gibt es seit 2024 ein strenges Schwangerschaftsverhütungsprogramm.
- Amitriptylin, ein älteres Antidepressivum in niedriger Dosis, oft bei gleichzeitigem Spannungskopfschmerz oder Schlafstörungen,
- Kalziumkanalblocker, besonders bei retinaler Migräne genannt,
- CGRP-Antikörper, monatlich oder vierteljährlich gespritzt, meist wenn andere Mittel nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden,
- Botulinumtoxin, nur bei chronischer Migräne (Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen im Monat).
Ob eine Vorbeugung wirkt, zeigt sich erst nach einigen Wochen bis Monaten. Das Kopfschmerztagebuch hilft, den Erfolg zu beurteilen. Für die teuren CGRP-Antikörper gelten in vielen Ländern Erstattungsregeln; in Frankreich werden sie zum Beispiel erst nach mindestens zwei erfolglosen anderen Vorbeugungen bezahlt.
Helfen Magnesium, Vitamine oder Hausmittel?
Für Magnesium und Riboflavin (Vitamin B2) gibt es Hinweise auf eine Wirkung, die Studienlage ist aber gemischt. In einer Studie sank die Zahl der Attacken unter Magnesium um rund 42 % gegenüber 16 % unter Scheinmedikament. Das österreichische Gesundheitsportal weist darauf hin, dass für Nahrungsergänzungsmittel, Pflanzenmittel und CBD insgesamt keine verlässlichen Belege vorliegen.
Besprechen Sie solche Mittel vorher ärztlich, besonders bei Nierenerkrankungen oder in der Schwangerschaft. Ätherische Öle können als angenehm empfunden werden, ersetzen aber keine Behandlung.
Was hilft ohne Medikamente?
Nichtmedikamentöse Verfahren sind ein fester Teil der Migränebehandlung und für viele genauso wichtig wie Tabletten. Gut belegt sind:
- regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren,
- Entspannungsverfahren, besonders die progressive Muskelentspannung nach Jacobson,
- kognitive Verhaltenstherapie und Stressbewältigung.
Bei Akupunktur, Nervenstimulation und anderen Verfahren ist die Studienlage uneinheitlich. Operationen an sogenannten Triggerpunkten sind für die Sehsymptome der Migräne nicht angezeigt.
Wie wird eine retinale Migräne behandelt?
Für die retinale Migräne gibt es keine eigene Leitlinie; die Erfahrungen stammen aus Fallberichten. Weil die Attacken kurz sind, wird akut meist nur der Kopfschmerz mit NSAR behandelt. Triptane und Mutterkornpräparate werden von vielen Fachleuten gemieden, weil sie Gefäße verengen und bei einem Gefäßkrampf im Auge theoretisch schaden könnten.
Zur Vorbeugung werden vor allem Kalziumkanalblocker wie Verapamil eingesetzt, außerdem trizyklische Antidepressiva oder Betablocker; einige Autoren meiden Betablocker. Wichtig sind Rauchstopp und das Überdenken östrogenhaltiger Verhütung. Bei häufigen Attacken raten manche Fachleute zu einer intensiveren Vorbeugung, eventuell mit Thrombozytenhemmern (Mitteln, die das Verklumpen der Blutplättchen hemmen), und zu regelmäßigen augenärztlichen Kontrollen.
Wer behandelt eine Augenmigräne?
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt. Die Augenärztin oder der Augenarzt schließt Erkrankungen des Auges aus. Für die Behandlung der Migräne selbst ist die Neurologie zuständig, bei schweren Verläufen eine spezialisierte Kopfschmerzambulanz. Bei Kindern übernimmt das die Kinderneurologie.
Behandlung in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft ist Paracetamol das Schmerzmittel der ersten Wahl; NSAR sollen gemieden werden. Ob ein Triptan in Frage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Viele Frauen haben in der Schwangerschaft weniger Migräne, bei manchen nimmt sie aber zu. Neue oder veränderte Kopfschmerzen in Schwangerschaft und Wochenbett gehören immer ärztlich abgeklärt. Mehr unter Schwangerschaft und Augen.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (6)
Ist eine Augenmigräne gefährlich?
Eine typische Migräneaura ist harmlos und hinterlässt in aller Regel keine Schäden an Augen oder Gehirn. In einer Übersicht aller verfügbaren Berichte fand sich bei Migräne mit Aura kein bleibender Sehverlust. Gefährlich ist nicht die Aura selbst, sondern die Verwechslung mit einer anderen Erkrankung, etwa einem Gefäßverschluss oder einer Netzhautablösung.
Wie verläuft eine Migräne mit Aura über die Jahre?
Migräne ist eine wiederkehrende Erkrankung, deren Verlauf sehr unterschiedlich ist. Manche haben nur wenige Auren im Leben, andere mehrmals im Monat. Phasen mit vielen Attacken wechseln oft mit ruhigen Jahren.
- Bei vielen Frauen bessert sich die Migräne in der Schwangerschaft und nach den Wechseljahren.
- Nach dem 50. Lebensjahr nimmt die Migräne insgesamt meist ab; Auren ohne Kopfschmerz können aber bleiben oder neu auftreten.
- Weniger als 2 von 100 Betroffenen entwickeln eine chronische Migräne mit Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen im Monat.
- Ungünstig wirken Depression, Dauerstress, schlechter Schlaf, Übergewicht und häufiger Schmerzmittelgebrauch.
Kann eine retinale Migräne bleibende Schäden machen?
Bei der retinalen Migräne ist ein bleibender Sehverlust im betroffenen Auge möglich, aber selten. Berichtet wurden Ausfälle im Gesichtsfeld, Verschlüsse von Netzhautgefäßen und ein Schwund des Sehnervs. Bleibende Schäden traten vor allem bei Menschen mit häufigen Attacken auf.
Wie häufig das ist, ist umstritten. In einer älteren Fallserie hatte fast die Hälfte der Betroffenen einen bleibenden Ausfall, andere Fachleute bezweifeln aber, dass diese Schäden wirklich durch Migräne entstanden. Für Sie bedeutet das: Wer wiederholt einseitige Sehstörungen hat, gehört in regelmäßige augenärztliche und gegebenenfalls neurologische Betreuung.
Erhöht Migräne mit Aura das Schlaganfallrisiko?
Ja, Migräne mit Aura geht mit einem etwa doppelt so hohen Risiko für einen Hirninfarkt einher. Das absolute Risiko bleibt aber niedrig, vor allem bei jungen Menschen. Die Aura selbst löst normalerweise keinen Schlaganfall aus.
Das Risiko steigt deutlich, wenn weitere Faktoren hinzukommen: Rauchen, östrogenhaltige Verhütung, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und eine Neigung zu Blutgerinnseln. Vor allem Frauen unter 45 Jahren, die rauchen und eine kombinierte Pille nehmen, haben ein deutlich höheres Risiko. Rauchstopp ist deshalb die wichtigste Einzelmaßnahme.
Darf ich mit Migräne mit Aura die Pille nehmen?
Östrogenhaltige Verhütungsmittel (kombinierte Pille, Verhütungspflaster, Vaginalring) werden bei Migräne mit Aura meist nicht empfohlen. Die Weltgesundheitsorganisation, britische und französische Empfehlungen raten in jedem Alter davon ab. In Deutschland sind die Fachgesellschaften nicht ganz einig: Die Frauenheilkunde ist streng, die Kopfschmerzgesellschaft sieht es bei Nichtraucherinnen ohne weitere Risikofaktoren etwas weniger streng.
Als Alternativen kommen reine Gestagenpräparate (Minipille), das Hormonimplantat oder Spiralen in Frage. Setzen Sie die Pille aber nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie den Wechsel mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt. Auch ein Östrogen-Hormonersatz in den Wechseljahren kann eine Aura-Migräne verschlechtern.
Welche seltenen Komplikationen gibt es?
Selten kommt es zu Komplikationen, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen:
- Status migraenosus: eine Attacke, die länger als 72 Stunden dauert.
- Anhaltende Aura ohne Infarkt: Aura-Symptome, die länger als eine Woche bestehen, ohne dass in der Bildgebung ein Infarkt zu sehen ist.
- Migränöser Infarkt: ein Hirninfarkt, der während einer typischen Aura entsteht, meist im Hinterkopf und nach Auren von über einer Stunde. Er ist sehr selten und betrifft häufiger junge Frauen.
- Krampfanfall, der durch eine Aura ausgelöst wird, sehr selten.
Eine Aura, die länger als eine Stunde dauert oder sich anders anfühlt als sonst, sollte deshalb immer ärztlich angeschaut werden.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (6)
Kann man einer Augenmigräne vorbeugen?
Ganz verhindern lässt sich eine Migräne nicht, aber ein regelmäßiger Lebensrhythmus senkt bei vielen die Zahl der Attacken. Das Gehirn von Menschen mit Migräne reagiert empfindlich auf Veränderungen. Gleichmäßigkeit ist deshalb wichtiger als einzelne Verbote.
- Feste Schlafzeiten, auch am Wochenende und im Urlaub.
- Regelmäßige Mahlzeiten, keine langen Fastenphasen.
- Ausreichend trinken, besonders bei Hitze und Sport.
- Regelmäßiger Ausdauersport, zum Beispiel dreimal pro Woche 30 Minuten.
- Entspannungsverfahren regelmäßig üben, nicht erst in der Attacke.
- Alkohol in Maßen, Kaffee in gleichbleibender Menge, nicht rauchen.
- Bei Übergewicht langsam abnehmen.
Wie führe ich ein Migränetagebuch?
Ein Migränetagebuch hilft, persönliche Auslöser und Muster zu erkennen und die Behandlung zu beurteilen. Notieren Sie über mindestens zwei bis drei Monate jeden Tag mit Aura oder Kopfschmerz.
- Datum, Uhrzeit, Dauer der Aura und des Kopfschmerzes,
- Art der Aura (Zeichnung) und welche Seite,
- Schlaf, Mahlzeiten, Getränke, Stress, Regelblutung,
- eingenommene Medikamente und deren Wirkung.
Es gibt dafür Papiervorlagen und Apps. Wichtig ist nicht die Form, sondern dass Sie es regelmäßig führen. Bringen Sie das Tagebuch zu jedem Arzttermin mit.
Wie gehe ich mit Auslösern um?
Sinnvoll ist, Auslöser zu meiden, die sich im Tagebuch deutlich zeigen, ohne das Leben unnötig einzuschränken. Nicht jeder vermutete Auslöser ist wirklich einer, und nicht alle lassen sich vermeiden. Schuldgefühle nach einer Attacke sind fehl am Platz.
Gegen blendendes und flackerndes Licht helfen eine gute Sonnenbrille, entspiegelte Brillengläser und eine blendfreie Arbeitsplatzbeleuchtung. Eine nicht passende Brille kann Kopfschmerzen begünstigen; lassen Sie Ihre Sehstärke prüfen, wenn Sie lange nicht beim Augenarzt oder Optiker waren.
Darf ich mit Augenmigräne Auto fahren?
Während einer Aura dürfen Sie nicht Auto fahren, denn Flimmern und Ausfall machen das sichere Sehen unmöglich. Das gilt auch für Fahrrad, Motorrad und das Bedienen von Maschinen. Spüren Sie unterwegs den Beginn einer Aura:
- Warnblinker einschalten und so bald wie sicher möglich anhalten.
- Motor abstellen und abwarten, bis die Sehstörung vollständig vorbei ist.
- Erst weiterfahren, wenn Sie sich wieder sicher fühlen und keine Medikamente das Fahren beeinträchtigen.
Manche Migränemittel machen müde oder benommen. Nach Lasmiditan darf man mindestens 8 Stunden nicht fahren. Lesen Sie bei jedem Medikament den Beipackzettel und fragen Sie im Zweifel nach.
Eine Migräne mit gelegentlichen Auren schließt das Autofahren in der Regel nicht grundsätzlich aus. Wer aber häufige, plötzlich und ohne Vorwarnung einsetzende Attacken hat, eine retinale Migräne mit Erblindung eines Auges oder eine Aura mit Lähmung oder Bewusstseinsstörung, sollte die Fahreignung mit der Neurologin oder dem Neurologen besprechen. Die Regeln unterscheiden sich zwischen den Ländern: In Großbritannien müssen Fahrerinnen und Fahrer die Behörde informieren, wenn Attacken plötzlich und behindernd auftreten.
Was kann ich am Arbeitsplatz tun?
Am Arbeitsplatz helfen regelmäßige Bildschirmpausen, eine blendfreie Beleuchtung und ein Rückzugsort für den Fall einer Attacke. Es kann sinnvoll sein, Vorgesetzte oder Kollegen zu informieren, damit Sie während einer Aura nicht weiterarbeiten oder Maschinen bedienen müssen. Allein in Frankreich gehen durch Migräne jedes Jahr rund 20 Millionen Arbeitstage verloren; sie ist eine anerkannte neurologische Erkrankung und kein Zeichen mangelnder Belastbarkeit.
Was sollten Frauen mit Aura-Migräne beachten?
Frauen mit Migräne mit Aura sollten bei der Wahl der Verhütung und einer Hormontherapie in den Wechseljahren ärztlich beraten werden. Besonders wichtig ist der Verzicht auf das Rauchen, weil Rauchen, östrogenhaltige Pille und Aura das Schlaganfallrisiko gemeinsam deutlich erhöhen. Bei Kinderwunsch sollten vorbeugende Medikamente rechtzeitig vorher überprüft werden, da einige dem ungeborenen Kind schaden können.
8 Wann sofort zum Arzt?
Eine typische Augenmigräne ist kein Notfall. Gefährlich wird es, wenn eine andere Erkrankung dahintersteckt. Die folgenden Warnzeichen helfen bei der Einordnung. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie unter Notfall am Auge.
Sofort den Notruf wählen (Deutschland 112, Österreich 144), nicht selbst Auto fahren, wenn:
- ein Auge plötzlich und schmerzlos schwarz, grau oder stark verschwommen wird, ohne Flimmern, auch wenn es nach wenigen Minuten wieder besser ist,
- ein Schatten oder Vorhang über das Bild eines Auges zieht,
- eine Gesichtsfeldhälfte schlagartig ausfällt, ohne dass sich etwas langsam ausbreitet,
- zur Sehstörung Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperseite, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Verständnisstörungen, Schwindel mit Gangunsicherheit oder Doppelbilder kommen und Sie das nicht als Ihre bekannte, ärztlich gesicherte Aura kennen,
- der Kopfschmerz schlagartig wie ein Donnerschlag beginnt und innerhalb von Minuten am stärksten ist,
- Kopfschmerz mit Fieber, Nackensteife, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung oder einem Krampfanfall auftritt,
- Sie über 50 sind und Sehstörungen mit neuem Schläfenkopfschmerz, Kauschmerz oder Druckschmerz an der Schläfe haben.
Ein einseitiger Sehverlust kann ein Arterienverschluss oder der Vorbote eines Schlaganfalls sein. Hier zählt jede Stunde: Die Netzhaut kann schon nach etwa 90 Minuten dauerhaft geschädigt werden. Zudem ist das Schlaganfallrisiko in den ersten Tagen danach am höchsten.
Noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt (bei Nacht und Wochenende in die Augenambulanz), wenn:
- neue Lichtblitze und plötzlich viele schwarze Punkte oder Fäden auftreten,
- eine Sehstörung nach einer Stunde nicht vorbei ist oder sich nicht vollständig zurückbildet,
- das Auge zusätzlich schmerzt und rot ist, oder Sie Regenbogenringe um Lichter sehen.
Innerhalb weniger Tage ärztlich abklären lassen (Hausarzt, Augenarzt, Neurologie), wenn:
- Sie zum ersten Mal eine Aura erleben, auch wenn sie vollständig verschwunden ist,
- die Sehstörung nur ein Auge betrifft (Abdecktest),
- sich Ihre gewohnte Aura verändert, länger dauert oder deutlich häufiger wird,
- die erste Aura nach dem 40. bis 50. Lebensjahr auftritt,
- neue Kopfschmerzen in der Schwangerschaft oder im Wochenbett auftreten.
Bei der nächsten regulären Kontrolle besprechen, wenn: Sie eine bekannte, ärztlich gesicherte Migräne mit immer gleich ablaufenden Auren haben, Sie aber häufiger Medikamente brauchen, Fragen zur Verhütung haben oder eine Vorbeugung erwägen.
9 Häufige Fragen
Ist eine Augenmigräne gefährlich?
Eine typische Augenmigräne mit wanderndem Flimmern, das nach höchstens einer Stunde vollständig verschwindet, ist harmlos und hinterlässt keine Schäden. Bei der ersten Aura sollten Sie trotzdem ärztlich abklären lassen, ob wirklich eine Migräne dahintersteckt. Ein plötzlicher einseitiger, schwarzer Sehverlust ohne Flimmern ist dagegen ein Notfall.
Wie lange dauert das Flimmern bei einer Augenmigräne?
Meist 20 bis 30 Minuten, nach den internationalen Kriterien 5 bis 60 Minuten. Dauert die Sehstörung länger als eine Stunde oder bildet sie sich nicht vollständig zurück, sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Kann man eine Augenmigräne ohne Kopfschmerzen haben?
Ja. Etwa jeder dritte Mensch mit Aura hat zumindest gelegentlich eine Aura ohne Kopfschmerz, man spricht dann von Aura ohne Kopfschmerz oder stiller Migräne. Gerade bei älteren Menschen und bei erstmaligem Auftreten sollte dann eine Durchblutungsstörung ausgeschlossen werden.
Woran erkenne ich, ob es ein Auge oder beide Augen betrifft?
Halten Sie während der Sehstörung abwechselnd das rechte und das linke Auge zu. Bleibt das Flimmern mit jedem Auge sichtbar, kommt es aus dem Gehirn, typisch für eine Migräneaura. Verschwindet es, sobald Sie ein bestimmtes Auge zudecken, liegt die Störung in diesem Auge; das muss rasch augenärztlich abgeklärt werden.
Ist Augenmigräne ein Schlaganfall?
Nein, eine Migräneaura ist kein Schlaganfall. Sie kann aber ähnlich aussehen wie eine Durchblutungsstörung, und Migräne mit Aura erhöht das Schlaganfallrisiko leicht. Schlagartige Ausfälle ohne Flimmern, Lähmungen, Sprachstörungen oder ein hängender Mundwinkel sind immer ein Notfall: sofort 112, in Österreich 144.
Was hilft sofort gegen Augenmigräne?
Gegen das Flimmern selbst gibt es kein Medikament, es vergeht von selbst. Unterbrechen Sie Ihre Tätigkeit, setzen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum und trinken Sie etwas. Gegen den folgenden Kopfschmerz helfen früh genommene Schmerzmittel; ein Triptan sollte erst nach dem Ende der Aura eingenommen werden.
Muss ich nach einer Augenmigräne zum Augenarzt?
Bei der ersten Aura ja, innerhalb weniger Tage, auch wenn alles wieder gut ist. Die Augenärztin oder der Augenarzt schließt Netzhaut- und Gefäßerkrankungen aus, die Neurologie klärt die Migräne. Bei bekannten, immer gleichen Auren ist nicht jedes Mal eine Untersuchung nötig, wohl aber bei jeder Veränderung.
Darf ich bei einer Augenmigräne Auto fahren?
Während einer Aura nicht. Halten Sie so bald wie sicher möglich an und fahren Sie erst weiter, wenn die Sehstörung vollständig vorbei ist und Ihre Medikamente das Fahren nicht beeinträchtigen. Bei häufigen, plötzlichen oder ungewöhnlichen Attacken besprechen Sie die Fahreignung mit Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen.
Was löst eine Augenmigräne aus?
Häufige Auslöser sind Stress und die Entspannung danach, unregelmäßiger Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig Trinken, grelles oder flackerndes Licht, Alkohol, Hormonschwankungen und Wetterwechsel. Die Auslöser sind sehr individuell; ein Migränetagebuch hilft, Ihre eigenen zu finden.
Was ist eine retinale Migräne?
Eine seltene Migräneform, bei der die Sehstörung nur ein Auge betrifft, meist als Verdunklung oder Ausfall für 5 bis 60 Minuten. Sie wird erst diagnostiziert, wenn ein Gefäßverschluss und andere ernste Ursachen ausgeschlossen sind. Selten kann sie bleibende Sehschäden hinterlassen, deshalb gehört sie in regelmäßige ärztliche Betreuung.
Darf ich mit Augenmigräne die Pille nehmen?
Bei Migräne mit Aura werden östrogenhaltige Verhütungsmittel meist nicht empfohlen, besonders nicht bei Raucherinnen, weil sie das Schlaganfallrisiko erhöhen. Reine Gestagenpräparate, Hormonimplantat oder Spirale sind Alternativen. Besprechen Sie den Wechsel mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt und setzen Sie die Pille nicht eigenmächtig ab.
Kann Stress oder Bildschirmarbeit eine Augenmigräne auslösen?
Ja, beides kann bei entsprechender Veranlagung eine Attacke begünstigen, verursacht die Migräne aber nicht. Regelmäßige Pausen, blendfreie Beleuchtung, eine passende Brille und Stressabbau durch Sport und Entspannung senken bei vielen die Zahl der Attacken.
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- NetzhautablösungBei einer Netzhautablösung löst sich die lichtempfindliche Netzhaut von der Augenwand; das ist ein augenärztlicher Notfall, der unbehandelt zur Erblindung des Auges führt. Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte (Rußregen) oder ein Schatten im Gesichtsfeld sind die Warnzeichen, bei denen Sie noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt sollten.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 27 Quellen anzeigen
- Migräne – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (DE)
- Migräne – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
- Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie 030/057 – DGN/DMKG, AWMF (DE)
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- Ursachen und Symptome von Augenmigräne – ADAC Gesundheit (DE)
- Flimmerskotom – DocCheck Flexikon (DE)
- Retinaler Arterienverschluss – DocCheck Flexikon (DE)
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- Differentiating Visual Symptoms in Retinal Migraine and Migraine With Aura: A Systematic Review – Cureus 2025 (EN)
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- Migraine ophtalmique ou migraine avec aura visuelle – EM-consulte (Elsevier Masson) (FR)
- Occlusion de l'artère centrale de la rétine et occlusion d'une branche de l'artère rétinienne – Manuel Merck, édition professionnelle (FR)
- Migraine rétinienne (migraine oculaire) – GPnotebook (FR)
- Migraine de l'adulte : un diagnostic clarifié, des innovations encore sous verrou – Caducée.net (FR)
- Migraña y dolor en región periocular (Neuroftalmología), Libro para la formación de los residentes en Oftalmología – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Jaqueca ocular (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Migraña ocular (migraña retiniana) – GPnotebook (ES)
- Migraña (Escuela de Pacientes) – Sacyl, Junta de Castilla y León (ES)
- Migrañas – Manual MSD, versión para el público general (ES)
- Pérdida transitoria de la visión – Intramed (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss