Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine Entzündung der dünnen Schleimhaut, die das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider überzieht. Sie ist die häufigste entzündliche Augenerkrankung, betrifft Kinder wie Erwachsene, wird meist durch Viren, Bakterien oder Allergien ausgelöst und heilt in den meisten Fällen innerhalb von ein bis drei Wochen folgenlos ab.
1 Kurzübersicht
Die Bindehaut (Konjunktiva) ist eine fast durchsichtige Schleimhaut. Sie überzieht den weißen Teil des Augapfels und kleidet die Innenseite der Lider aus. Sie schützt das Auge, hält es feucht und ist Teil der Immunabwehr. Ist sie entzündet, erweitern sich ihre feinen Blutgefäße: Das Auge wird rot, schwillt an, tränt oder sondert Sekret ab.
Eine Bindehautentzündung kann viele Ursachen haben. Am häufigsten sind Viren (vor allem Adenoviren), Bakterien und Allergien, etwa gegen Pollen. Dazu kommen Reize wie Rauch, Chlor, Wind oder trockene Luft, Kontaktlinsen, ein trockenes Auge und seltene Erreger wie Chlamydien. Eine eigene Gruppe ist die Bindehautentzündung von Neugeborenen.
Die infektiösen Formen sind sehr ansteckend, vor allem über die Hände. Allergische und reizbedingte Formen sind nicht ansteckend. Die meisten Bindehautentzündungen heilen von selbst in ein bis zwei Wochen ab, Adenovirus-Infektionen dauern oft bis zu drei Wochen. Antibiotika helfen nur bei Bakterien und auch dort nur mäßig.
Wichtig ist die Abgrenzung: Nicht jedes rote Auge ist eine harmlose Bindehautentzündung. Starke Schmerzen, Lichtscheu und schlechteres Sehen passen nicht zu einer einfachen Bindehautentzündung und können auf eine Hornhautentzündung, eine Uveitis oder einen akuten Glaukomanfall hinweisen. Diese Erkrankungen gefährden das Sehen und gehören sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
2 Symptome
In diesem Kapitel (15)
- Was sind die typischen Symptome einer Bindehautentzündung?
- Wie fühlt sich eine Bindehautentzündung an?
- Ein Auge oder beide?
- Welche Rolle spielt das Sekret?
- Symptome der viralen Bindehautentzündung
- Symptome einer Herpes-Bindehautentzündung
- Symptome der bakteriellen Bindehautentzündung
- Symptome der allergischen Bindehautentzündung
- Symptome einer Chlamydien-Bindehautentzündung
- Symptome einer reizbedingten Bindehautentzündung
- Bindehautentzündung beim Neugeborenen: woran erkennt man sie?
- Besonderheiten bei Kindern
- Besonderheiten bei Erwachsenen und Älteren
- Was bemerken Angehörige?
- Welche Symptome passen nicht zu einer einfachen Bindehautentzündung?
Was sind die typischen Symptome einer Bindehautentzündung?
Typisch ist ein rotes Auge mit Tränen, Brennen oder Jucken und einem Sand- oder Fremdkörpergefühl, oft mit Sekret, das die Lider morgens verklebt. Das Sehen bleibt bei einer einfachen Bindehautentzündung normal, Schmerzen sind gering. Viele Betroffene beschreiben das erste Zeichen mit dem Satz: „Ich habe etwas im Auge.“
Welche Beschwerden im Vordergrund stehen, hängt von der Ursache ab. Ein einzelnes Zeichen beweist keine bestimmte Form, aber die Kombination gibt Hinweise. Die folgende Übersicht nennt die Symptome, die bei fast allen Formen vorkommen können.
- Rötung des Weißen im Auge, rosa bis kräftig rot, an einem oder beiden Augen
- Tränen: das Auge läuft, auch ohne dass man weint
- Brennen, Reizung, Jucken
- Fremdkörper- oder Sandkorngefühl, Drang, das Auge zu reiben
- Sekret: wässrig, schleimig oder eitrig
- Verklebte Lider und Wimpern, besonders nach dem Aufwachen
- Geschwollene Lider
- Schwellung der Bindehaut selbst (Chemosis): die Bindehaut wirkt glasig aufgequollen
- Druckgefühl im Auge
Wie fühlt sich eine Bindehautentzündung an?
Die meisten Menschen spüren ein Kratzen und Brennen wie von feinem Sand unter dem Lid. Der Lidschlag fühlt sich rau an, das Auge ist müde und empfindlich gegen Wind, Rauch oder trockene Heizungsluft. Morgens lassen sich die Lider oft nur mühsam öffnen, weil getrocknetes Sekret die Wimpern verklebt.
Die Bindehaut kann wund sein und bei Augenbewegungen leicht schmerzen, vor allem bei der bakteriellen Form. Ein echter, tiefer oder bohrender Schmerz gehört dagegen nicht zum Bild. Auch das Sehen ist höchstens kurz verschleiert, etwa wenn Sekret über die Hornhaut zieht; nach Blinzeln oder Spülen wird es wieder klar.
Ein Auge oder beide?
Infektiöse Bindehautentzündungen beginnen meist an einem Auge und gehen nach einigen Tagen auf das zweite über. Allergische Bindehautentzündungen betreffen fast immer beide Augen gleichzeitig. Ein Befall, der dauerhaft einseitig bleibt, verdient besondere Aufmerksamkeit: Er kann auf Herpesviren, einen Fremdkörper, eine Verletzung oder eine andere Augenerkrankung hindeuten.
Welche Rolle spielt das Sekret?
Das Sekret ist einer der wichtigsten Hinweise auf die Ursache, aber kein sicherer Beweis. Ärztliche Leitlinien betonen, dass sich virale und bakterielle Formen allein an den Beschwerden nicht zuverlässig unterscheiden lassen.
| Art des Sekrets | Spricht eher für |
|---|---|
| wässrig-klar, viel Tränen | Viren, Allergie, Reizung |
| schleimig, fadenziehend | Allergie, trockenes Auge, Reizung |
| gelblich-dick, eitrig, Lider morgens verklebt | Bakterien |
| sehr reichlich eitrig, schnell nachlaufend, innerhalb von Stunden | Gonokokken (hyperakute Form, Notfall) |
Symptome der viralen Bindehautentzündung
Die virale Form zeigt sich meist mit stark tränenden, geröteten Augen, wässrigem Sekret und Fremdkörpergefühl, oft zusammen mit einer Erkältung. Sie ist die häufigste Form der infektiösen Bindehautentzündung; bei Erwachsenen macht sie etwa 80 % der Fälle aus. Auslöser sind in den meisten Fällen Adenoviren.
- Beginn an einem Auge, das zweite folgt oft nach wenigen Tagen und ist meist schwächer betroffen
- starkes Tränen, Brennen, Rötung, morgens verklebte Lider
- Juckreiz ist eher gering
- häufig Schnupfen, Halsschmerzen oder Fieber
- geschwollener, druckempfindlicher Lymphknoten vor dem Ohr: ein deutlicher Hinweis auf Viren
- kleine punktförmige Einblutungen in der Bindehaut
- bei Kindern verläuft die virale Form meist milder und kürzer als bei Erwachsenen
Typisch ist der Verlauf: In den ersten drei bis fünf Tagen werden die Beschwerden stärker, danach bessern sie sich langsam über ein bis zwei Wochen.
Pharyngokonjunktivales Fieber
Bei dieser Adenovirus-Form kommen zur Bindehautentzündung Fieber und eine Rachenentzündung hinzu. Sie betrifft oft beide Augen, tritt vor allem bei Kindern auf und verbreitet sich leicht in Gruppen, zum Beispiel über Schwimmbäder.
Keratoconjunctivitis epidemica: die schwere Form
Die Keratoconjunctivitis epidemica (epidemische Keratokonjunktivitis, oft „Augengrippe“ genannt) ist die stärkste und ansteckendste Form der Adenovirus-Infektion. Sie beginnt oft plötzlich mit kräftiger Rötung, starkem Tränen, Lidschwellung und einem ausgeprägten Fremdkörpergefühl. Fieber und Halsschmerzen fehlen meist; die Erkrankung betrifft vor allem das Auge.
- Das erste Auge erkrankt zuerst, das zweite oft zwei bis sechs Tage später und meist milder.
- Innerhalb der ersten Woche greift die Entzündung häufig auf die Hornhaut über. Dann kommen Lichtscheu, Schmerzen und verschwommenes Sehen hinzu.
- Auf der Bindehaut können sich Häutchen bilden (Membranen oder Pseudomembranen). Sie verstärken das Reibegefühl.
- Ein blutig-wässriges Tränen kann auftreten.
- Nach etwa zwei bis drei Wochen bilden sich bei manchen Betroffenen kleine runde Trübungen unter der Hornhautoberfläche (Nummuli). Sie können das Sehen noch Monate lang verschleiern und blenden.
Symptome einer Herpes-Bindehautentzündung
Eine Bindehautentzündung durch Herpesviren ist meist einseitig, mit wässrigem Sekret und oft mit Bläschen an Lid oder Lidrand. Sie macht nur wenige Prozent der akuten Bindehautentzündungen aus, ist aber wichtig, weil Herpes die Hornhaut schädigen kann.
- Brennen, Schmerzen, Tränen, Lichtscheu
- geschwollene, teils gerötete Lider mit Bläschen
- bei Hornhautbeteiligung ein verzweigter (dendritischer) Defekt, den die Ärztin mit Farbstoff sieht
- bei Gürtelrose im Gesicht (Herpes zoster): Ausschlag an Stirn und Lid; Bläschen an der Nasenspitze sprechen stark für eine Mitbeteiligung des Auges
Symptome der bakteriellen Bindehautentzündung
Die bakterielle Form fällt durch gelblich-eitriges, dickes Sekret und morgens verklebte Lider und Wimpern auf. Sie beginnt oft an einem Auge und erreicht das zweite innerhalb von ein bis zwei Tagen, bei Kindern besonders schnell. Die Bindehaut ist gerötet und kann wund sein.
- eitriges oder schleimig-eitriges Sekret, das immer wieder nachläuft
- verklebte Lider beim Aufwachen
- wenig oder kein Juckreiz
- Fremdkörpergefühl und leichte Schmerzen
- bei Kindern manchmal zusammen mit einer Mittelohrentzündung
Untersuchungen zeigen: Die stärksten Hinweise auf Bakterien sind beim Aufwachen verklebte Lider, fehlender Juckreiz und keine frühere Bindehautentzündung. Sicher ist die Unterscheidung von der viralen Form trotzdem nicht.
Hyperakute Bindehautentzündung durch Gonokokken
Die seltene hyperakute Form entwickelt sich innerhalb von zwölf bis 24 Stunden. Es fließt sehr reichlich Eiter nach, Lider und Bindehaut schwellen stark an, das Auge ist druckempfindlich, der Lymphknoten vor dem Ohr schwillt. Unbehandelt kann die Hornhaut in kurzer Zeit geschwürig einschmelzen und durchbrechen. Diese Form ist ein Notfall.
Symptome der allergischen Bindehautentzündung
Leitsymptom der allergischen Form ist der Juckreiz an beiden Augen. Er ist bei anderen Formen ungewöhnlich und wird durch Reiben stärker, oft besonders im inneren Lidwinkel zur Nase hin.
- beide Augen gleichzeitig, oft plötzlicher Beginn nach Kontakt mit dem Auslöser
- wässriges Tränen, klares bis zähes Sekret
- eher zarte, rosa Rötung
- geschwollene Lider, glasig aufgequollene Bindehaut
- oft zugleich Heuschnupfen: Niesen, juckende Nase, Halskratzen, manchmal Asthma
- Häufung in der Pollensaison; bei Hausstaubmilben oder Tierhaaren ganzjährig
- dunkle Ringe unter den Augen bei Kindern mit Allergien
Das Sehen ist meist kaum beeinträchtigt. Menschen mit Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen in der Familie sind häufiger betroffen.
Frühjahrs-Keratokonjunktivitis (vernale Form)
Diese chronische Form betrifft vor allem Jungen vor der Pubertät und verschlimmert sich in Frühling und Sommer. Typisch sind starker Juckreiz, Lichtscheu, Brennen, zäher weißer Schleim und große Knötchen an der Innenseite des Oberlids (Pflastersteinbild). Am Rand der Hornhaut können sich weißliche Punkte bilden. Weil die Hornhaut Schaden nehmen kann, gehört diese Form in augenärztliche Betreuung.
Atopische Keratokonjunktivitis und Riesenpapillen-Konjunktivitis
Die atopische Form tritt bei Erwachsenen mit Neurodermitis auf. Sie geht mit Lidekzem, Juckreiz und chronischer Rötung einher und kann ohne Behandlung Narben hinterlassen. Bei Kontaktlinsenträgern entsteht manchmal eine Reaktion mit großen Knötchen unter dem Oberlid (Riesenpapillen-Konjunktivitis); Beschwerden mit Pusteln am Lid können auch auf eine Allergie gegen die Linsen oder ihre Pflegemittel hinweisen.
Symptome einer Chlamydien-Bindehautentzündung
Bei Erwachsenen verläuft eine Chlamydien-Bindehautentzündung schleichend, oft über Wochen, ein- oder beidseitig, mit schleimigem Sekret und geschwollenem Lymphknoten vor dem Ohr. Sie wird sexuell übertragen und spricht nicht auf übliche Antibiotika-Tropfen an. Typisch ist eine Bindehautentzündung, die länger als vier Wochen anhält. Die Augenärztin sieht dann oft viele kleine Knötchen (Follikel) an der Lidinnenseite.
Das Trachom ist eine chronische Chlamydien-Infektion, die in Ländern ohne sauberes Wasser vorkommt. Wiederholte Infektionen vernarben die Lider, die Wimpern drehen sich nach innen und zerkratzen die Hornhaut. Weltweit ist das Trachom eine der wichtigsten vermeidbaren Erblindungsursachen; in Mitteleuropa spielt es praktisch keine Rolle.
Symptome einer reizbedingten Bindehautentzündung
Reizbedingte Formen zeigen Rötung, Brennen, Tränen und schleimiges Sekret ohne Eiter, solange der Reiz besteht. Auslöser sind etwa Chlor im Schwimmbad, Rauch, Staub, Wind, Klimaanlagen, lange Bildschirmarbeit, Schlafmangel oder Konservierungsstoffe in Augentropfen. Die Beschwerden lassen nach, wenn der Reiz wegfällt.
Bindehautentzündung beim Neugeborenen: woran erkennt man sie?
Eine Bindehautentzündung in den ersten vier Lebenswochen zeigt sich mit geröteten Augen, geschwollenen Lidern und wässrigem oder eitrigem Sekret. Die Ursachen lassen sich am Aussehen kaum unterscheiden; der Zeitpunkt des Beginns gibt aber Hinweise.
| Ursache | Typischer Beginn nach der Geburt | Kennzeichen |
|---|---|---|
| chemisch (nach Augentropfen zur Vorbeugung) | innerhalb von Stunden | mild, klingt in zwei bis vier Tagen ab |
| Gonokokken | 2.–5. Tag | sehr viel Eiter, stark geschwollene Lider, Gefahr für die Hornhaut |
| Chlamydien | 5.–14. Tag, gelegentlich später | leichte bis starke Lidschwellung, viel Sekret, manchmal Häutchen |
| Herpes simplex | etwa 7.–15. Tag | Bläschen am Lid, kann andere Formen nachahmen |
Jedes Neugeborene mit rotem oder eitrigem Auge muss noch am selben Tag ärztlich untersucht werden. Davon zu unterscheiden ist ein verstopfter Tränennasengang: Das Auge tränt und ist leicht verklebt, aber nicht rot. Er öffnet sich häufig in den ersten Lebensmonaten von selbst.
Besonderheiten bei Kindern
Kinder erkranken besonders oft, weil sich Viren in Kita und Kindergarten über Hände und Spielzeug rasch verbreiten. Bei Kindern sind bakterielle und virale Ursachen etwa gleich häufig. Kleine Kinder können ihre Beschwerden kaum beschreiben; sie reiben sich die Augen, blinzeln viel oder sind quengelig. Kehrt eine Bindehautentzündung immer wieder, steckt oft eine Lidrandentzündung mit Krusten an den Wimpern oder eine Allergie dahinter. Bei kleinen Kindern kann ein Virus auch Knötchen am Lidrand verursachen (Dellwarzen, Molluscum contagiosum), die eine hartnäckige Bindehautentzündung unterhalten.
Besonderheiten bei Erwachsenen und Älteren
Erwachsene haben meist eine virale Form. Bei älteren Menschen ist die Bindehaut öfter durch ein trockenes Auge, Lidfehlstellungen oder Dauertropfen gereizt; eine chronische Rötung hat dann oft keine Infektion als Ursache. Ein plötzlicher, schmerzloser, flächig tiefroter Fleck im Weißen des Auges ist meist keine Entzündung, sondern eine harmlose Blutung unter der Bindehaut, häufig bei Einnahme von Blutverdünnern.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige sehen meist zuerst rote Augen, verklebte Lider am Morgen und Krusten an den Wimpern. Kinder reiben sich ständig die Augen, wischen sich übers Gesicht oder meiden helles Licht. Treten in Familie, Kita, Schule oder Betrieb mehrere Fälle kurz hintereinander auf, spricht das für eine ansteckende Virusform.
Welche Symptome passen nicht zu einer einfachen Bindehautentzündung?
Starke Schmerzen, Lichtscheu und schlechteres Sehen sind Warnzeichen. Sie bedeuten, dass die Hornhaut, das Augeninnere oder der Augeninnendruck betroffen sein könnten.
- deutlicher, tiefer oder bohrender Augenschmerz
- ausgeprägte Lichtscheu, das Auge lässt sich kaum offen halten
- Sehverschlechterung, die nach Blinzeln nicht verschwindet
- farbige Ringe um Lichtquellen, Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen
- Rötung vor allem ringförmig um die Hornhaut statt zum Rand hin, zu den Lidern
- trübe Hornhaut, verzogene oder ungleich große Pupillen
- rotes, schmerzendes Auge bei Kontaktlinsenträgern
- massiver Eiter innerhalb von Stunden
- Fieber mit geschwollenen, heißen Lidern
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (6)
Wie entsteht eine Bindehautentzündung?
Eine Bindehautentzündung entsteht, wenn Erreger, Allergene oder Reize die Bindehaut angreifen und das Immunsystem mit einer Entzündung antwortet. Die Gefäße erweitern sich, werden durchlässiger, Flüssigkeit tritt aus, Abwehrzellen wandern ein. So entstehen Rötung, Schwellung und Sekret.
| Gruppe | Wichtigste Auslöser | Ansteckend? |
|---|---|---|
| viral | Adenoviren, seltener Herpes-simplex- und Varizella-Zoster-Viren, Enteroviren | ja, sehr |
| bakteriell | Staphylokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Moraxella; selten Gonokokken, Chlamydien | ja |
| allergisch | Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Kosmetik, Konservierungsstoffe | nein |
| reizbedingt | Rauch, Staub, Chlor, Wind, UV-Licht, trockene Luft, Chemikalien | nein |
| andere | trockenes Auge, Kontaktlinsen, Lid- oder Wimpernfehlstellung, nicht korrigierte Fehlsichtigkeit, selten Pilze | nein |
Wie werden Viren übertragen?
Adenoviren werden vor allem über die Hände übertragen: Wer sich ins Auge fasst und danach Türklinken, Handtücher oder andere Menschen berührt, gibt das Virus weiter. Auch Tränen und Augensekret, Tröpfchen beim Niesen und Husten, gemeinsam genutzte Gegenstände und Schwimmbadwasser übertragen die Viren. Adenoviren halten sich lange auf Oberflächen.
- Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Beschwerden): meist 5 bis 12, manchmal bis 14 Tage
- Ansteckungsfähigkeit: am höchsten in den ersten 10 bis 14 Tagen nach Beginn der Beschwerden, solange Viren im Sekret sind
- Übertragungsrisiko im Haushalt: geschätzt 10 bis 50 %
Die Keratoconjunctivitis epidemica breitet sich auch in Arztpraxen und Kliniken aus, über Hände und Untersuchungsgeräte. In den USA wurden zwischen 2008 und 2010 sechs Ausbrüche mit über 400 Erkrankten gemeldet, die von augenärztlichen Untersuchungen ausgingen; eine Neugeborenen-Intensivstation und mehrere Praxen mussten zeitweise schließen. Für Beschäftigte in Augenabteilungen und Notaufnahmen gilt die Adenovirus-Bindehautentzündung als Berufsrisiko.
Wie stecken sich Menschen mit Bakterien an?
Bakterien gelangen über verschmutzte Finger, Gegenstände und direkten Kontakt mit Sekret ins Auge. Oft vermehren sich auch Keime, die ohnehin auf Haut, Lidrand oder in Nase und Nebenhöhlen leben. Bei Kindern geht eine bakterielle Bindehautentzündung manchmal mit einer Mittelohr- oder Rachenentzündung einher.
Gonokokken und Chlamydien werden bei Erwachsenen sexuell übertragen, etwa durch Kontakt von Genitalsekret mit dem Auge. Neugeborene stecken sich bei der Geburt im Geburtskanal an. Treten Gonokokken oder Chlamydien am Auge eines Kindes außerhalb der Neugeborenenzeit auf, muss an sexuellen Missbrauch gedacht werden.
Wie entsteht die allergische Form?
Bei der allergischen Bindehautentzündung reagiert das Immunsystem überschießend auf eigentlich harmlose Stoffe. Antikörper auf Mastzellen der Bindehaut erkennen das Allergen und setzen Histamin und andere Botenstoffe frei. Innerhalb von Minuten jucken die Augen, die Gefäße werden durchlässig, die Bindehaut schwillt an. Auslöser sind Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, aber auch Bestandteile von Make-up, Shampoo, Augentropfen oder Kontaktlinsenpflegemitteln.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Das Risiko steigt vor allem durch engen Kontakt zu Erkrankten, Kontaktlinsen und eine Neigung zu Allergien. Weitere Faktoren betreffen die Augenoberfläche, das Immunsystem oder das Sexualverhalten.
- enger Kontakt in Kita, Kindergarten, Schule, Pflegeheim oder Großraumbüro
- Kontaktlinsen, besonders wenn sie zu lange getragen, beschädigt oder unsauber gepflegt werden; auch Deko-Linsen
- Atopie: Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis in der eigenen Vorgeschichte oder Familie
- eine vorausgegangene Erkältung oder Atemwegsinfektion
- trockenes Auge, Lidrandentzündung, Fehlstellungen von Lid oder Wimpern, verstopfte Tränenwege
- geschwächtes Immunsystem, Diabetes (schwerere bakterielle Verläufe)
- Verletzungen der Hornhaut: Sie ziehen fast immer eine Reizung der Bindehaut nach sich
- bei Gonokokken und Chlamydien: ungeschützter Geschlechtsverkehr, vor allem bei jungen Erwachsenen
- Schwimmbäder (Chlor reizt, Wasser kann Viren übertragen)
Kann eine Bindehautentzündung Folge einer anderen Krankheit sein?
Ja, eine Rötung der Bindehaut kann Begleiterscheinung anderer Erkrankungen sein. Dazu gehören Entzündungen der Hornhaut, der Regenbogenhaut oder der Lederhaut, aber auch Masern, Gürtelrose oder seltene Allgemeinerkrankungen wie Sarkoidose. Manche Augentropfen, etwa gegen Grünen Star, reizen die Bindehaut bei Dauergebrauch. Hinter einer vermeintlichen Bindehautentzündung kann außerdem ein unbemerkter Fremdkörper oder eine kleine Hornhautverletzung stecken.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (7)
Wie stellt die Ärztin oder der Arzt eine Bindehautentzündung fest?
Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt meist anhand der Vorgeschichte und des Aussehens des Auges. Laboruntersuchungen sind in den meisten Fällen nicht nötig. Entscheidend ist, eine harmlose Bindehautentzündung von gefährlicheren Ursachen eines roten Auges zu trennen.
Welche Fragen werden gestellt?
Die Ärztin oder der Arzt fragt vor allem nach Beginn, Sekret, Juckreiz, Schmerzen, Sehen und Kontakten zu Erkrankten. Die Antworten zeigen, welche Form wahrscheinlich ist und ob Warnzeichen vorliegen.
- Seit wann ist das Auge rot? Ein oder beide Augen?
- Welches Sekret: wässrig, schleimig, eitrig?
- Juckt es? Gibt es Allergien, Heuschnupfen, Neurodermitis?
- Gibt es Schmerzen, Lichtscheu, verschwommenes Sehen?
- Gibt es Erkrankte in Familie, Kita, Schule oder Betrieb? Eine Erkältung?
- Werden Kontaktlinsen getragen?
- Gab es früher Herpes am Auge, eine Augenoperation oder eine Verletzung?
- Bei länger dauernden Beschwerden: Fragen zu Sexualkontakten (Chlamydien, Gonokokken)
Wer ist die richtige Anlaufstelle?
Bei einem leicht geröteten Auge ohne Warnzeichen ist die Hausarzt- oder Kinderarztpraxis oft die erste Anlaufstelle; sie überweist bei Bedarf zur Augenärztin oder zum Augenarzt. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands hält eine augenärztliche Untersuchung in jedem Fall für sinnvoll, weil sich hinter einer vermeintlichen Bindehautentzündung eine Hornhautverletzung oder ein Fremdkörper verbergen kann. Direkt zur Augenärztin gehören Kontaktlinsenträger, Menschen mit Schmerzen, Lichtscheu oder Sehverschlechterung und Fälle, die sich nach einer Woche nicht bessern.
Was passiert bei der Spaltlampenuntersuchung?
Mit der Spaltlampe, einem Mikroskop mit schmalem Lichtstreifen, betrachtet die Augenärztin Lider, Bindehaut und Hornhaut stark vergrößert. Sie sieht, ob sich Knötchen (Follikel, typisch für Viren und Chlamydien), Erhebungen (Papillen, typisch für Allergien) oder Häutchen gebildet haben. Oft wird das Oberlid umgestülpt, um einen Fremdkörper auszuschließen.
Ein gelber Farbstoff (Fluorescein) zeigt unter blauem Licht Schäden der Hornhaut. Bei einer einfachen Bindehautentzündung färbt sich die Hornhaut nicht an. Bei Schmerzen gehört auch eine Messung des Augeninnendrucks dazu. Zusätzlich tastet die Ärztin den Lymphknoten vor dem Ohr, der bei Viren oft geschwollen ist.
Wie unterscheidet man die Art der Rötung?
Die Verteilung der Rötung gibt einen wichtigen Hinweis. Bei der Bindehautentzündung ist das Auge diffus hellrot, am stärksten in den Umschlagfalten zu den Lidern hin; die Gefäße lassen sich mit der Bindehaut verschieben. Eine Rötung ringförmig um die Hornhaut (ziliare Injektion), eher violett und nicht verschieblich, spricht für eine Erkrankung von Hornhaut, Regenbogenhaut oder Ziliarkörper.
Wann ist ein Abstrich nötig?
Ein Bindehautabstrich ist nur in besonderen Situationen nötig:
- sehr starkes eitriges Sekret oder Verdacht auf Gonokokken
- Neugeborene
- schwere, wiederkehrende oder nicht abheilende Verläufe, Dauer über vier Wochen
- Verdacht auf Chlamydien oder Herpes
- geschwächtes Immunsystem, Klinikpatienten
- gehäufte Fälle, etwa in Kita oder Pflegeheim
Untersucht wird mit Kultur und Erregertest auf Antibiotika (Antibiogramm), mit Färbungen oder mit einem empfindlichen Erbgut-Nachweis (PCR), etwa für Chlamydien und Adenoviren. Adenovirus-Schnelltests gibt es, sie werden aber nicht routinemäßig eingesetzt. Bei Verdacht auf Allergie kann ein Allergietest sinnvoll sein.
Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?
Ein rotes Auge hat viele mögliche Ursachen. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.
| Erkrankung | Schmerz | Sehen | Typische Zeichen |
|---|---|---|---|
| Bindehautentzündung | kein oder leicht | normal | Sekret, diffuse Rötung, Brennen, Jucken |
| Blutung unter der Bindehaut | keiner | normal | scharf begrenzter, tiefroter Fleck, verschwindet in zwei bis drei Wochen |
| Episkleritis | leicht | normal | umschriebene, fleckige Rötung, meist einseitig |
| Hornhautentzündung (Keratitis) | mäßig bis stark | normal bis vermindert | Lichtscheu, Lidkrampf, grauer Fleck auf der Hornhaut, oft bei Kontaktlinsen |
| Uveitis anterior | ziehend, mäßig | verschwommen | Lichtscheu, Rötung um die Hornhaut, enge Pupille, kein Sekret |
| Akuter Glaukomanfall | sehr stark, auch Kopf | stark vermindert | Übelkeit, Erbrechen, Farbringe um Lichter, trübe Hornhaut, mittelweite starre Pupille, harter Augapfel |
| Skleritis | tief, bohrend, nachts | normal bis vermindert | violette Rötung, druckempfindlich, oft Rheuma |
| Endophthalmitis | stark | stark vermindert | nach Augenoperation oder Spritze ins Auge |
Auch ein trockenes Auge, eine Lidrandentzündung, ein entzündetes Flügelfell oder ein Fremdkörper können eine Bindehautentzündung vortäuschen.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (11)
- Wie wird eine Bindehautentzündung behandelt?
- Was kann ich selbst tun?
- Was sollte ich nicht tun?
- Behandlung der viralen Bindehautentzündung
- Behandlung bei Herpes
- Brauche ich bei einer bakteriellen Bindehautentzündung Antibiotika?
- Behandlung bei Gonokokken und Chlamydien
- Behandlung der Bindehautentzündung beim Neugeborenen
- Behandlung der allergischen Bindehautentzündung
- Behandlung anderer Formen
- Wer übernimmt die Kosten?
Wie wird eine Bindehautentzündung behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Viele Bindehautentzündungen heilen von selbst; dann geht es darum, Beschwerden zu lindern und andere nicht anzustecken. Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, Antiallergika nur gegen Allergien, und manche verbreiteten Mittel können bei der falschen Form schaden.
| Form | Behandlung |
|---|---|
| viral (Adenoviren) | keine ursächliche Therapie; Kühlen, Tränenersatz, Hygiene |
| Herpes | Mittel gegen Herpesviren als Tropfen, Salbe oder Tablette, früh beginnen |
| bakteriell | oft abwarten; Antibiotika-Tropfen oder -Salbe verkürzen den Verlauf etwas |
| Gonokokken, Chlamydien | Antibiotika zum Einnehmen oder als Spritze, Partner mitbehandeln |
| allergisch | Auslöser meiden, Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren als Tropfen |
| reizbedingt | Reiz meiden, Tränenersatzmittel |
Was kann ich selbst tun?
Bei jeder Form helfen Sauberkeit, Kühlung und Schonung:
- Krusten und Sekret mit einem frischen Wattepad oder einer Kompresse entfernen, getränkt in abgekochtem, abgekühltem Wasser oder Kochsalzlösung; für jedes Auge ein eigenes Pad, von außen nach innen zur Nase wischen
- Hände vorher und nachher gründlich mit Seife waschen
- kühle, feuchte Kompressen einige Minuten auflegen
- Spülungen mit steriler Kochsalzlösung mehrmals täglich
- künstliche Tränen, möglichst ohne Konservierungsstoffe
- Augen schonen, lange Bildschirmarbeit vermeiden
- nicht reiben
- keine Kontaktlinsen, bis die Entzündung abgeheilt ist
- kein Augen-Make-up während der Entzündung; angebrochenes Make-up danach ersetzen
Ob kühle Auflagen und künstliche Tränen den Verlauf beschleunigen, ist kaum untersucht; viele empfinden sie aber als angenehm.
Was sollte ich nicht tun?
Verzichten Sie auf Selbstbehandlung mit fremden oder kortisonhaltigen Tropfen und auf Hausmittel. Sie können eine Bindehautentzündung verschlimmern oder eine ernstere Erkrankung verdecken.
- Keine Tropfen von Bekannten oder aus alten Packungen verwenden. Angebrochene Fläschchen sind nur begrenzt haltbar.
- Keine kortisonhaltigen Tropfen ohne augenärztliche Untersuchung: Kortison kann Herpes-, Pilz- und bakterielle Infektionen massiv verschlimmern, bei längerer Anwendung den Augeninnendruck erhöhen und eine Linsentrübung fördern.
- Keine Kamillentee-Umschläge: Viele Menschen reagieren allergisch auf Kamille, und Teereste können zusätzlich reizen.
- Gefäßverengende „Weißmacher“-Tropfen werden nicht empfohlen: Sie überdecken die Rötung, behandeln aber nichts und reizen bei Dauergebrauch selbst.
Behandlung der viralen Bindehautentzündung
Gegen Adenoviren gibt es kein Medikament mit belegter Wirkung. Die Behandlung lindert die Beschwerden: kühle Kompressen, künstliche Tränen ohne Konservierungsstoffe, bei Bedarf Tropfen gegen Juckreiz und Reizung. Antibiotika-Tropfen helfen nicht, verhindern auch keine zusätzliche bakterielle Infektion und können das Auge weiter reizen.
Bei der Keratoconjunctivitis epidemica mit Hornhautbeteiligung, Häutchen oder starker Sehminderung behandelt die Augenärztin. Sie entfernt Pseudomembranen, damit keine Verwachsungen entstehen. Niedrig dosierte Kortison-Tropfen setzen manche Augenärzte bei schweren Verläufen und störenden Hornhauttrübungen ein; ihr Einsatz ist umstritten, weil sie die Virusausscheidung verlängern können, und gehört nur in augenärztliche Hand. Ein Wirkstoff auf Jodbasis (Povidon-Jod) hat in Studien die Virusmenge und die Krankheitsdauer verringert; zur Standardbehandlung gehört er bisher nicht.
Behandlung bei Herpes
Bei Herpes am Auge setzt die Augenärztin antivirale Mittel ein, etwa Aciclovir- oder Ganciclovir-Präparate als Augensalbe, Gel oder Tablette. Frühe Behandlung soll dauerhafte Hornhautschäden verhindern. Antibiotika helfen nicht, Kortison ohne Schutz durch ein Virusmittel kann schaden. Bei einer Gürtelrose im Gesicht werden Virusmittel zum Einnehmen gegeben; die Augen müssen dann augenärztlich kontrolliert werden.
Brauche ich bei einer bakteriellen Bindehautentzündung Antibiotika?
Nicht unbedingt: Bei mehr als der Hälfte der Erwachsenen heilt eine bakterielle Bindehautentzündung auch ohne Antibiotika innerhalb von ein bis zwei Wochen. Antibiotika-Tropfen oder -Salben verkürzen den Verlauf etwas und ermöglichen eine frühere Rückkehr in Schule oder Arbeit. Nach etwa acht Tagen ist der Unterschied zu einer Behandlung ohne Wirkstoff aber kaum noch messbar.
- Kein Antibiotikum ist für die einfache Form nachweislich überlegen; Breitband-Mittel wie Fluorchinolone gelten nicht als erste Wahl, um Resistenzen zu vermeiden.
- Üblich ist eine Anwendung über fünf bis sieben Tage. Salbe verschleiert das Sehen kurz, wird bei Kindern aber oft der Tropfenform vorgezogen.
- Für Kinder empfehlen spanische Kinderärzte, zunächst zwei bis drei Tage mit Spülungen abzuwarten und ein Antibiotikum erst zu geben, wenn keine Besserung eintritt.
- Kontaktlinsenträger werden immer antibiotisch behandelt, weil bei ihnen auch Keime wie Pseudomonas vorkommen, die die Hornhaut rasch schädigen.
- Auch bei geschwächtem Immunsystem, Diabetes, viel Eiter oder starken Beschwerden ist ein Antibiotikum sinnvoll.
- Antibiotika-Tropfen können selbst Allergien auslösen und, unnötig gegeben, eine andere Diagnose verzögern.
Behandlung bei Gonokokken und Chlamydien
Diese Formen brauchen Antibiotika, die im ganzen Körper wirken, als Tablette oder Spritze; Tropfen allein reichen nicht. Eine hyperakute Gonokokken-Bindehautentzündung wird sofort behandelt, oft im Krankenhaus, zusätzlich mit häufigen Spülungen. Bei Chlamydien wird über mehrere Tage oder einmalig behandelt. Sexualpartner müssen mituntersucht und mitbehandelt werden, und ein Test auf weitere Geschlechtskrankheiten ist sinnvoll.
Behandlung der Bindehautentzündung beim Neugeborenen
Neugeborene werden immer ärztlich und meist im Krankenhaus behandelt. Bei Gonokokken erhalten sie ein Antibiotikum als Spritze oder Infusion. Bei Chlamydien ist ein Antibiotikum zum Einnehmen nötig, weil oft auch Nase und Rachen befallen sind und eine Lungenentzündung droht; Salben allein wirken nicht. Weil ein häufig eingesetztes Mittel bei Säuglingen selten eine Verengung des Magenausgangs auslösen kann, wird das Kind dabei beobachtet. Herpes wird mit antiviralen Mitteln über die Vene und am Auge behandelt.
Behandlung der allergischen Bindehautentzündung
Die wichtigste Maßnahme ist, den Auslöser zu meiden. Dazu kommen kühle Kompressen und künstliche Tränen, die Pollen ausspülen.
- Antihistaminika-Tropfen wirken innerhalb von Minuten gegen Juckreiz.
- Mastzellstabilisatoren (zum Beispiel mit Cromoglicinsäure) verhindern die Histaminfreisetzung; sie wirken erst nach einigen Tagen und sollten daher vor der Pollensaison begonnen werden.
- Laut einer Cochrane-Übersicht lindern beide Wirkstoffgruppen Zeichen und Beschwerden zuverlässig.
- Bei Heuschnupfen helfen zusätzlich Antihistaminika als Tablette.
- Bei schweren Verläufen kann die Augenärztin kurzzeitig schwache Kortison-Tropfen oder bei chronischen Formen Ciclosporin-Tropfen verordnen.
- Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) kann die Allergie langfristig abschwächen.
Die Frühjahrs- und die atopische Keratokonjunktivitis brauchen eine regelmäßige augenärztliche Betreuung, weil die Hornhaut Schaden nehmen kann.
Behandlung anderer Formen
Bei einer reizbedingten Bindehautentzündung genügt meist, den Reiz zu meiden und mit Tränenersatzmitteln zu befeuchten. Nach Kontakt mit Chemikalien muss das Auge sofort lange mit Wasser gespült werden. Liegt ein trockenes Auge, eine Lidrandentzündung oder eine Fehlsichtigkeit zugrunde, wird diese behandelt. Pilzinfektionen sind selten und werden mit Pilzmitteln behandelt.
Wer übernimmt die Kosten?
In Österreich übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung Diagnose und Therapie bei Vorlage der e-card; für einzelne Leistungen können Selbstbehalte anfallen. In Deutschland ist die ärztliche Behandlung eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse; verschreibungspflichtige Tropfen wie Antibiotika gibt es auf Rezept, Erwachsene leisten dafür die übliche Zuzahlung. Rezeptfreie Mittel wie künstliche Tränen zahlen Erwachsene in der Regel selbst. Für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis 18 übernimmt die Kasse auch ärztlich verordnete rezeptfreie Arzneimittel.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (4)
Wie lange dauert eine Bindehautentzündung?
Die meisten Bindehautentzündungen klingen innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Die Angaben unterscheiden sich je nach Form:
| Form | Typische Dauer |
|---|---|
| bakteriell | 1–2 Wochen, mit Antibiotika etwas kürzer |
| viral, leicht | etwa 1–2 Wochen |
| Adenovirus, ausgeprägt | Verschlechterung in den ersten 3–5 Tagen, Abheilung nach etwa 3 Wochen, manchmal bis zu einem Monat |
| Keratoconjunctivitis epidemica | Entzündung 2–3 Wochen; Hornhauttrübungen oft Monate |
| allergisch, reizbedingt | solange der Auslöser einwirkt; oft wiederkehrend |
| chronisch (zum Beispiel Chlamydien) | länger als 4 Wochen |
Bleiben Schäden zurück?
Nach einer einfachen Bindehautentzündung bleiben in aller Regel keine Schäden. Das Sehen ist danach so gut wie vorher.
Nach einer Keratoconjunctivitis epidemica können kleine Hornhauttrübungen (Nummuli) das Sehen für Monate leicht verschleiern und blendempfindlich machen. Sie bilden sich meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zurück, selten bleiben sie länger. Nicht entfernte Häutchen können Verwachsungen zwischen Lid und Augapfel (Symblepharon) hinterlassen.
Welche Komplikationen sind möglich?
Komplikationen sind selten und betreffen vor allem die Hornhaut, bei bestimmten Erregern auch den ganzen Körper. Gefährdet sind besonders Kontaktlinsenträger, Neugeborene und Menschen mit Herpes- oder Gonokokken-Infektion.
- Übergreifen auf die Hornhaut (Keratitis), vor allem bei Kontaktlinsenträgern; das Risiko liegt nach Angaben des IQWiG bei etwa 3 von 10.000 Betroffenen mit Kontaktlinsen
- bei Herpes: Hornhautgeschwüre und Narben, bei Gürtelrose auch Uveitis
- bei Gonokokken: Hornhautgeschwür bis zum Durchbruch, Infektion des Augeninneren, Ausbreitung in den Körper mit Blutvergiftung, Gelenk- oder Hirnhautentzündung
- bei Neugeborenen mit Chlamydien: Lungenentzündung; mit Herpes: Ausbreitung auf das Nervensystem
- bei bakterieller Form bei Kindern selten eine Entzündung des Lidgewebes (präseptale Zellulitis)
- bei chronischer Allergie (Frühjahrs- und atopische Form): Hornhautschäden und Narben
- beim Trachom: Lidvernarbung, einwachsende Wimpern, Erblindung
Schwere Komplikationen sind selten. Im ungünstigsten Fall, etwa bei unbehandelten Gonokokken, kann das Auge erblinden.
Warum kommt die Bindehautentzündung immer wieder?
Häufig wiederkehrende Bindehautentzündungen haben meist eine zugrunde liegende Ursache. Dazu zählen Allergien, eine Lidrandentzündung, ein trockenes Auge, verstopfte Tränenwege, Kontaktlinsen oder Pflegemittel und Konservierungsstoffe in Dauertropfen. Eine Lidrandentzündung begünstigt zudem Gerstenkörner und Hagelkörner. Bei wiederkehrenden Beschwerden lohnt eine augenärztliche Suche nach dem Auslöser.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (9)
- Wie schütze ich andere vor Ansteckung?
- Wie stecke ich mein zweites Auge nicht an?
- Darf mein Kind in Kita oder Schule?
- Muss ich mit einer Bindehautentzündung zu Hause bleiben?
- Wie beuge ich der allergischen Form vor?
- Wie schütze ich meine Augen vor Reizen?
- Was müssen Kontaktlinsenträger beachten?
- Wie werden Neugeborene geschützt?
- Helfen Impfungen?
Wie schütze ich andere vor Ansteckung?
Der wichtigste Schutz ist gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife, besonders nach jedem Kontakt mit dem Auge oder Sekret. Adenoviren halten sich lange auf Oberflächen; Wasser und Seife gelten als die verlässlichste Methode für die Hände.
- nicht ins Auge fassen und nicht reiben; wenn doch, sofort Hände waschen
- zum Abtrocknen Papiertücher oder ein eigenes Handtuch verwenden, das nach einmaligem Gebrauch in die Wäsche kommt
- Handtücher, Waschlappen, Kopfkissen, Augentropfen, Kosmetik nicht teilen
- Kissenbezüge und Handtücher heiß waschen
- in ein Taschentuch niesen und es sofort entsorgen
- auf Händeschütteln verzichten, solange man ansteckend ist
- häufig berührte Flächen, Spielzeug, Tastaturen und Telefone reinigen
- engen Kontakt zu Säuglingen, älteren und abwehrgeschwächten Menschen meiden
Wie stecke ich mein zweites Auge nicht an?
Das zweite Auge wird meist über die eigenen Finger angesteckt. Berühren Sie das erkrankte Auge möglichst nicht, verwenden Sie für jedes Auge eine eigene Kompresse und waschen Sie nach jeder Behandlung die Hände. Bei Adenoviren erkrankt das zweite Auge trotzdem häufig, weil sich das Virus auch über Tränen und Atemwege ausbreitet.
Darf mein Kind in Kita oder Schule?
Dafür gibt es keine einheitliche Regel; sie unterscheidet sich zwischen Ländern, Bundesländern, Gemeinden und Einrichtungen. Fragen Sie im Zweifel bei der Einrichtung oder beim zuständigen Gesundheitsamt nach.
| Land oder Stelle | Empfehlung |
|---|---|
| Deutschland | uneinheitlich; die Bindehautentzündung gehört nicht zu den Krankheiten mit gesetzlichem Besuchsverbot nach § 34 Infektionsschutzgesetz. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit empfiehlt bei Ausbrüchen der Adenovirus-Form in Kitas, erkrankte Kinder zwei bis drei Wochen auszuschließen und die Rückkehr von einem ärztlichen Attest abhängig zu machen. Manche Gesundheitsämter verlangen bei viraler Form ein ärztliches Attest zur Wiederzulassung, andere nicht. Eine Patienteninformation in Leichter Sprache nennt bei viraler Form zwei bis drei Wochen Pause, bei bakterieller Form nach Beginn von Antibiotika-Tropfen oft den nächsten Tag. |
| Österreich (Land Tirol) | akut erkrankte Kinder sollen Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen, solange sie ansteckend sind |
| Schweiz (Kanton Aargau) | bei bestätigter Keratoconjunctivitis epidemica 14 Tage nach Beginn kein Besuch von Krippe, Kindergarten oder Schule; bei anderen Formen nach Befinden |
| Großbritannien (NHS) | kein Fernbleiben nötig, außer das Kind fühlt sich krank |
| Frankreich | staatliches Gesundheitsportal: kein Grund, ein Kind aus der Betreuung fernzuhalten |
| Spanien | Kinderärzte-Leitlinie: in der Regel kein Ausschluss nötig |
| USA (CDC) | Rückkehr, wenn keine Beschwerden und kein Fieber mehr bestehen und ärztlich freigegeben; bei Beschwerden und engem Kontakt zu anderen zu Hause bleiben |
Unabhängig von der Regel gilt: Ein Kind mit stark tränendem, eitrigem Auge, Fieber oder Krankheitsgefühl gehört nach Hause. Bei der ansteckenden Adenovirus-Form ist es vernünftig, enge Kontakte etwa 10 bis 14 Tage nach Beginn im zuletzt erkrankten Auge zu begrenzen.
Muss ich mit einer Bindehautentzündung zu Hause bleiben?
Bei einer leichten Form und ohne engen Kontakt zu anderen ist das meist nicht zwingend, sofern Sie die Hygieneregeln einhalten. Anders bei der Keratoconjunctivitis epidemica: Wegen der hohen Ansteckungsgefahr und starker Beschwerden kann eine Krankschreibung nötig sein. Für Beschäftigte im Gesundheitswesen, in der Pflege, in Kitas und Schulen gelten oft strengere Regeln, weil sie die Viren auf viele Menschen übertragen können. In Arztpraxen müssen Untersuchungsgeräte nach jedem Kontakt gründlich desinfiziert werden.
Wie beuge ich der allergischen Form vor?
Am besten beugen Sie vor, indem Sie den Kontakt mit dem Auslöser so gering wie möglich halten. Bei bekannter Pollenallergie hilft zusätzlich eine rechtzeitig begonnene Behandlung.
- Pollenflug beachten, bei hoher Belastung Fenster geschlossen halten und abends die Haare waschen
- Sonnenbrille oder Schutzbrille im Freien und bei der Gartenarbeit
- bei Hausstaubmilben milbendichte Bettbezüge, Kontakt zu Haustieren einschränken
- Mastzellstabilisatoren rechtzeitig vor der Saison beginnen
- bei schweren Verläufen über eine Hyposensibilisierung sprechen
Wie schütze ich meine Augen vor Reizen?
Eine Schwimmbrille schützt vor Chlor und Badewasser, eine Sonnenbrille vor UV-Licht, Wind und Staub. Rauch meiden hilft doppelt, denn Tabakrauch reizt die Bindehaut. Bei Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen machen und bewusst blinzeln; bei trockener Raumluft lüften.
Was müssen Kontaktlinsenträger beachten?
Kontaktlinsen sollten erst wieder getragen werden, wenn die Entzündung vollständig abgeheilt ist, bei bakterieller Form mindestens 24 Stunden nach dem Ende von Sekret und Rötung. Linsen, Behälter und Pflegemittel aus der Zeit der Infektion werden ersetzt oder nach Anweisung gereinigt. Linsen nie länger als vorgesehen tragen, nicht mit Leitungswasser in Kontakt bringen und nicht mit ins Schwimmbad nehmen.
Wie werden Neugeborene geschützt?
Die wirksamste Vorbeugung ist, Schwangere auf Chlamydien und Gonokokken zu untersuchen und zu behandeln. In manchen Ländern, etwa den USA und Spanien, erhalten Neugeborene nach der Geburt routinemäßig Augentropfen oder -salbe. Diese schützen gut vor Gonokokken, gegen Chlamydien ist die Wirkung nicht sicher belegt. Wie die Vorbeugung in der Geburtsklinik gehandhabt wird, erklärt Ihnen die Hebamme oder das Team vor Ort.
Helfen Impfungen?
Gegen Adenoviren am Auge gibt es keine Impfung für die Allgemeinbevölkerung. Impfungen können aber einige Infektionen verhindern, die mit einer Bindehautentzündung einhergehen, etwa Masern oder Windpocken.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (3)
Eine Bindehautentzündung selbst ist selten ein Notfall. Gefährlich wird es, wenn das rote Auge eine andere Ursache hat oder die Entzündung auf die Hornhaut übergreift. Als Faustregel gilt: Ein rotes Auge ohne Schmerzen und mit normalem Sehen ist meist harmlos. Rot plus Schmerz plus Sehverschlechterung verlangt eine sofortige Untersuchung. Weitere Warnzeichen finden Sie unter Notfall am Auge.
Sofort in die Augenklinik oder zum augenärztlichen Notdienst
Sofort Hilfe brauchen Sie bei einem roten Auge mit starken Schmerzen, deutlicher Lichtscheu oder schlechterem Sehen sowie in den folgenden Situationen. Warten Sie hier nicht ab, ob es von selbst besser wird.
- starke Augen- und Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen, Farbringe um Lichter, hartes Auge: Verdacht auf einen akuten Glaukomanfall, der innerhalb weniger Stunden behandelt werden muss
- plötzliche oder deutliche Sehverschlechterung
- starke Lichtscheu, Lidkrampf, ein grauer oder weißer Fleck auf der Hornhaut: Verdacht auf Hornhautentzündung oder Hornhautgeschwür
- Kontaktlinsenträger mit rotem, schmerzendem Auge: Linsen sofort herausnehmen und noch am selben Tag zur Augenärztin
- innerhalb von Stunden sehr viel Eiter mit stark geschwollenen Lidern (Verdacht auf Gonokokken)
- jedes Neugeborene in den ersten vier Lebenswochen mit rotem, verklebtem oder eitrigem Auge
- Rötung und Schmerzen nach einer Augenoperation oder einer Spritze ins Auge (Verdacht auf Endophthalmitis)
- rotes Auge nach Verletzung, Fremdkörper oder Kontakt mit Chemikalien (bei Chemikalien zuerst sofort mit viel Wasser spülen)
- Fieber mit geschwollenen, heißen, geröteten Lidern
- Gürtelrose im Gesicht mit Beteiligung von Stirn, Lid oder Nasenspitze
In Deutschland und Österreich erreichen Sie den Rettungsdienst unter 112. In Deutschland vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 auch außerhalb der Sprechzeiten einen Arzt.
Innerhalb von ein bis zwei Tagen
Innerhalb von ein bis zwei Tagen sollten Sie sich augenärztlich untersuchen lassen, wenn Hinweise auf eine Hornhautbeteiligung, Herpes oder eine erhöhte Gefährdung bestehen:
- deutliche Schmerzen oder Lichtempfindlichkeit, die nicht rasch nachlassen
- ein Auge bleibt dauerhaft allein betroffen, vor allem mit Bläschen am Lid (Verdacht auf Herpes)
- bekannte frühere Augenerkrankung oder Augenoperation
- geschwächtes Immunsystem
- bakterielle Bindehautentzündung, die sich nach zwei bis drei Tagen Behandlung nicht bessert
- Verdacht auf Keratoconjunctivitis epidemica mit Lichtscheu oder verschwommenem Sehen
In den nächsten Tagen bis Wochen
Einen regulären Termin in den nächsten Tagen bis Wochen brauchen Sie, wenn die Beschwerden nicht abklingen oder immer wiederkehren:
- keine Besserung nach etwa einer Woche
- Beschwerden länger als zwei Wochen oder chronisch über vier Wochen
- häufig wiederkehrende Bindehautentzündungen
- allergische Beschwerden, die trotz Behandlung nicht besser werden
- Säugling mit wiederholt tränendem, verklebtem Auge (Abklärung eines verschlossenen Tränenkanals)
9 Häufige Fragen
Ist eine Bindehautentzündung ansteckend?
Die virale und die bakterielle Bindehautentzündung sind sehr ansteckend, vor allem über die Hände, Handtücher und gemeinsam genutzte Gegenstände. Allergische und reizbedingte Bindehautentzündungen sind nicht ansteckend. Wer nicht sicher weiß, welche Form vorliegt, sollte sich so verhalten, als sei sie ansteckend.
Wie lange ist man mit Bindehautentzündung ansteckend?
Bei Adenoviren ist die Ansteckungsgefahr in den ersten 10 bis 14 Tagen nach Beginn am höchsten, solange Viren im Augensekret sind. Ansteckend sein kann man schon kurz vor den ersten Beschwerden. Bei einer bakteriellen Form sinkt die Ansteckungsgefahr nach Beginn einer Antibiotika-Behandlung rasch.
Woran erkenne ich, ob die Bindehautentzündung viral oder bakteriell ist?
Sicher erkennen lässt sich das an den Beschwerden nicht. Wässriges Sekret, eine gleichzeitige Erkältung und ein geschwollener Lymphknoten vor dem Ohr sprechen eher für Viren. Gelblich-dicker Eiter, morgens verklebte Lider und fehlender Juckreiz sprechen eher für Bakterien. Starker Juckreiz an beiden Augen deutet auf eine Allergie.
Wie lange dauert eine Bindehautentzündung?
Die meisten Bindehautentzündungen heilen in ein bis zwei Wochen. Eine Adenovirus-Infektion dauert oft bis zu drei Wochen, die Keratoconjunctivitis epidemica kann Hornhauttrübungen hinterlassen, die Monate brauchen, bis sie verschwinden. Allergische Formen bestehen, solange der Auslöser einwirkt.
Brauche ich Antibiotika-Augentropfen?
Meist nicht. Gegen Viren und Allergien wirken Antibiotika nicht. Eine bakterielle Bindehautentzündung heilt bei mehr als der Hälfte auch ohne Antibiotika ab; Tropfen oder Salbe verkürzen den Verlauf nur etwas. Kontaktlinsenträger, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Fälle mit viel Eiter werden dagegen in der Regel behandelt.
Darf mein Kind mit Bindehautentzündung in die Kita oder Schule?
Das ist regional unterschiedlich geregelt. In Deutschland verlangen manche Gesundheitsämter bei viraler Form ein Attest, andere nicht; in Österreich sollen Kinder Einrichtungen nicht besuchen, solange sie ansteckend sind. Fragen Sie bei der Kita oder dem Gesundheitsamt nach. Ein Kind mit Fieber, Krankheitsgefühl oder stark eitrigem Auge bleibt zu Hause.
Was hilft schnell gegen Bindehautentzündung?
Ein Mittel, das jede Bindehautentzündung schnell heilt, gibt es nicht. Linderung bringen kühle Kompressen, künstliche Tränen ohne Konservierungsstoffe und das vorsichtige Entfernen von Sekret mit abgekochtem Wasser. Bei Allergie helfen Antihistaminika-Tropfen innerhalb von Minuten. Kamillentee-Umschläge und Tropfen von Bekannten sind ungeeignet.
Darf ich bei Bindehautentzündung Kontaktlinsen tragen?
Nein. Tragen Sie bis zur vollständigen Abheilung eine Brille, bei bakterieller Form mindestens bis 24 Stunden nach dem Ende von Rötung und Sekret. Kontaktlinsenträger mit rotem, schmerzendem Auge sollten noch am selben Tag zur Augenärztin, weil eine Hornhautentzündung ausgeschlossen werden muss.
Kann eine Bindehautentzündung gefährlich werden?
Eine einfache Bindehautentzündung schadet dem Sehen in der Regel nicht. Gefährlich sind seltene Erreger wie Gonokokken oder Herpes und das Übergreifen auf die Hornhaut. Vor allem kann hinter einem roten Auge eine andere Erkrankung stecken. Starke Schmerzen, Lichtscheu und schlechteres Sehen sind deshalb immer ein Grund für eine sofortige augenärztliche Untersuchung.
Mein Baby hat ein verklebtes Auge – ist das eine Bindehautentzündung?
Oft steckt ein verstopfter Tränenkanal dahinter: Das Auge tränt und verklebt, ist aber nicht rot. Ist das Auge eines Neugeborenen in den ersten vier Lebenswochen gerötet, geschwollen oder eitrig, muss es noch am selben Tag ärztlich untersucht werden, weil Erreger wie Gonokokken oder Chlamydien die Hornhaut und die Lunge gefährden können.
Darf ich Kortison-Augentropfen bei Bindehautentzündung nehmen?
Nur nach augenärztlicher Untersuchung. Kortison kann eine Infektion mit Herpesviren, Pilzen oder Bakterien deutlich verschlimmern. Bei längerer Anwendung kann es außerdem den Augeninnendruck erhöhen und den Grauen Star fördern. Die Augenärztin setzt es gezielt und kurzzeitig ein, etwa bei schwerer Allergie.
Warum habe ich immer wieder Bindehautentzündung?
Häufige Rückfälle haben meist eine dauerhafte Ursache: eine Allergie, eine Lidrandentzündung, ein trockenes Auge, verstopfte Tränenwege, Kontaktlinsen oder Konservierungsstoffe in Tropfen. Bei einer Rötung, die länger als vier Wochen besteht, sollte die Augenärztin auch nach Chlamydien suchen.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 29 Quellen anzeigen
- Bindehautentzündung – Symptome und Behandlung – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at) (DE)
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis) – Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands (BVA) (DE)
- Was tun, wenn die Bindehaut entzündet ist? – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), Pressemitteilung 2019 (DE)
- Bindehautentzündung – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (DE)
- Konjunktivitis (Bindehautentzündung) – Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (DE)
- Bindehautentzündung – Informationsblatt für die Eltern – Amt der Tiroler Landesregierung, Öffentliche Gesundheit (DE)
- Merkblatt Ansteckende Bindehautentzündung – Kantonsärztlicher Dienst Aargau (DE)
- Neonatale Konjunktivitis – MSD Manual Profi-Ausgabe (DE)
- Adenovirus-Konjunktivitis – Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (DE)
- § 34 SGB V – Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel – Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (DE)
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- Conjonctivite (Antibio'Malin) – Santé.fr, Ministère de la Santé (FR)
- Yeux rouges (conjonctivite) – Santé.fr, Ministère de la Santé (FR)
- Kératoconjonctivite à adénovirus – La Revue du Praticien (FR)
- Infections et inflammations oculaires – La Revue du Praticien (FR)
- Conjonctivite néonatale – Manuel Merck, édition professionnelle (FR)
- Conjuntivitis infecciosas (Libro para la formación de los residentes en oftalmología) – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Diagnóstico diferencial del ojo rojo (Libro para la formación de los residentes en oftalmología) – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Conjuntivitis aguda (e infecciones del párpado) – Guía_ABE, Infecciones en Pediatría (ES)
- Enfermedades de la conjuntiva – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Conjuntivitis (ojo rosado) – MedlinePlus en español (ES)
- Conjuntivitis primaveral – MedlinePlus Enciclopedia médica (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss