Durchblutungsstörung des Sehnervs (Anteriore ischämische Optikusneuropathie, AION)
Bei einer Durchblutungsstörung des Sehnervs (anteriore ischämische Optikusneuropathie, AION) bekommt der Sehnervenkopf zu wenig Blut; das Sehen auf einem Auge verschlechtert sich plötzlich und meist schmerzlos, oft bemerkt beim Aufwachen. Sie betrifft vor allem Menschen ab 50 und muss sofort augenärztlich abgeklärt werden, weil hinter ihr eine Riesenzellarteriitis stecken kann, die ohne Kortison innerhalb von Tagen auch das zweite Auge bedroht.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (3)
Was ist eine Durchblutungsstörung des Sehnervs?
Eine Durchblutungsstörung des Sehnervs ist ein Infarkt am Sehnervenkopf: Das vorderste Stück des Sehnervs, die Papille, bekommt plötzlich zu wenig Blut, und Nervenfasern sterben ab. Fachleute nennen das anteriore ischämische Optikusneuropathie, kurz AION. „Anterior“ heißt vorne, „ischämisch“ heißt minderdurchblutet, „Optikusneuropathie“ bedeutet Schädigung des Sehnervs. Im Volksmund spricht man auch vom Sehnerveninfarkt oder vom Schlaganfall des Sehnervs.
Die Papille ist nur etwa 1,5 Millimeter groß. Durch sie verlassen rund eine Million Nervenfasern das Auge und ziehen zum Gehirn. Ihr Blut bekommt sie vor allem über kleine Schlagadern, die kurzen hinteren Ziliararterien. Fällt ihre Versorgung aus, schwillt die Papille an, und auf einem Auge verschlechtert sich das Sehen, meist ohne Schmerz.
Welche zwei Formen gibt es?
Es gibt zwei Formen, die sich in Ursache und Dringlichkeit grundlegend unterscheiden.
- Nicht-arteriitische AION (NAION): rund 90 bis 95 Prozent der Fälle. Ursache ist eine Störung der kleinen Gefäße, oft zusammen mit Bluthochdruck, Diabetes, nächtlichem Blutdruckabfall oder Schlafapnoe und einer anatomisch engen Papille. Betroffen sind meist Menschen ab 50.
- Arteriitische AION (AAION): deutlich seltener, aber viel gefährlicher. Ursache ist eine Entzündung der Schlagadern, fast immer eine Riesenzellarteriitis (früher Arteriitis temporalis oder Morbus Horton). Betroffen sind meist Menschen ab 70. Ohne sofortige Kortisonbehandlung kann innerhalb von Tagen auch das zweite Auge erblinden.
Daneben gibt es eine hintere Form (posteriore ischämische Optikusneuropathie, PION). Sie betrifft den Sehnerv hinter dem Augapfel, ist selten und tritt vor allem nach großen Operationen mit Blutverlust oder bei Riesenzellarteriitis auf. Dieser Artikel behandelt die vordere Form.
Was ist das Wichtigste in Kürze?
Ein plötzlicher Sehverlust ist ein Notfall, und die gefährliche Riesenzellarteriitis muss sofort ausgeschlossen werden.
- Typisch ist ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge, oft beim Aufwachen bemerkt, häufig als Schatten in der unteren oder oberen Hälfte des Gesichtsfelds.
- Jeder plötzliche Sehverlust ist ein Notfall. Vor allem muss am selben Tag eine Riesenzellarteriitis ausgeschlossen werden: Blutsenkung, CRP und Blutbild gehören dazu.
- Bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis gibt es sofort hochdosiert Kortison, ohne auf Biopsie oder Ultraschall zu warten. Das rettet vor allem das zweite Auge.
- Für die häufigere nicht-arteriitische Form gibt es bis heute keine Behandlung, die das verlorene Sehen nachweislich zurückbringt. Etwa 40 Prozent bessern sich von selbst ein wenig.
- Das zweite Auge erkrankt bei der nicht-arteriitischen Form bei etwa 15 von 100 Betroffenen innerhalb von fünf Jahren.
- Wichtig sind die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, Blutfetten und Schlafapnoe, der Rauchstopp und ein Gespräch über bestimmte Medikamente wie Potenzmittel und Semaglutid.
2 Symptome
In diesem Kapitel (15)
- Was ist das Hauptsymptom?
- Wie fühlt sich eine Durchblutungsstörung des Sehnervs an?
- Warum bemerken viele den Sehverlust morgens beim Aufwachen?
- Welche Gesichtsfeldausfälle sind typisch?
- Wie schlecht wird die Sehschärfe?
- Verändert sich das Farbensehen?
- Tut eine Durchblutungsstörung des Sehnervs weh?
- Gibt es Vorboten?
- Wie verläuft der Sehverlust in den ersten Tagen und Wochen?
- Sind beide Augen betroffen?
- Welche Warnzeichen sprechen für eine Riesenzellarteriitis?
- Wie unterscheiden sich die beiden Formen in den Beschwerden?
- Was sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?
- Was bemerken Angehörige?
- Gibt es Besonderheiten bei Jüngeren und Älteren?
Was ist das Hauptsymptom?
Das Hauptsymptom ist ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge. Er entsteht innerhalb von Minuten, Stunden oder seltener einigen Tagen. Laut MSD Manual ist er das einzige Zeichen, das praktisch immer vorhanden ist. Wie stark das Sehen nachlässt, ist sehr unterschiedlich: von einer kaum merklichen Trübung bis zur fast vollständigen Erblindung des Auges.
Auch wenn es nicht weh tut: Ein schmerzloser Sehverlust ist kein harmloses Zeichen. Die Stiftung Auge und die Apotheken Umschau betonen, dass gerade der fehlende Schmerz Menschen dazu verleitet, abzuwarten. Genau das sollten Sie nicht tun.
Wie fühlt sich eine Durchblutungsstörung des Sehnervs an?
Die meisten Betroffenen beschreiben einen Schatten, eine Wolke oder einen Schleier, der einen Teil des Bildes verdeckt. Andere sagen, das Auge sehe „wie durch Milchglas“ oder „wie durch Nebel“. Oft fehlt nicht das ganze Bild, sondern nur ein Teil davon, häufig die untere Hälfte. Typische Schilderungen sind:
- „Unten im Bild ist alles grau, oben sehe ich normal.“
- „Beim Lesen fehlt die untere Zeile, auf der Treppe sehe ich die Stufen nicht.“
- „Das Auge sieht alles blasser und matter als das andere.“
- „Es ist, als würde ein Vorhang von unten hochgezogen, der dann stehen bleibt.“
Der Ausfall bewegt sich nicht mit dem Blick, er bleibt an derselben Stelle im Bild. Das unterscheidet ihn von Glaskörpertrübungen, die beim Umherschauen mitschwimmen.
Warum bemerken viele den Sehverlust morgens beim Aufwachen?
Viele Betroffene bemerken den Sehverlust beim Aufwachen oder kurz danach, je nach Studie 70 bis 75 Prozent. Als Erklärung gilt der natürliche Blutdruckabfall in der Nacht. Bei Menschen mit gestörter Gefäßregulation kann er die ohnehin knappe Durchblutung des Sehnervenkopfes unter eine kritische Grenze drücken. In der großen amerikanischen IONDT-Studie ließ sich der Zusammenhang mit dem Aufwachen allerdings nicht so deutlich nachweisen. Die Beobachtung bleibt trotzdem ein wichtiger Hinweis.
Manche Menschen merken den Ausfall erst später am Tag, etwa beim Lesen, Autofahren oder wenn sie zufällig ein Auge zuhalten. Ist das gesunde Auge offen, gleicht es den Ausfall oft so gut aus, dass er tagelang unbemerkt bleibt.
Welche Gesichtsfeldausfälle sind typisch?
Typisch ist ein Ausfall der unteren oder oberen Hälfte des Gesichtsfelds mit einer fast waagerechten Grenze, ein sogenannter altitudinaler Ausfall. Am häufigsten fehlt die untere Hälfte. Der Grund liegt im Bau der Papille: Ihre obere und untere Hälfte werden von getrennten Gefäßästen versorgt, und oft fällt nur eine davon aus.
Gesichtsfeldausfälle finden sich praktisch bei allen Betroffenen. In Fachübersichten werden folgende Muster genannt:
| Art des Ausfalls | Was Sie bemerken | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Halbseitig oben oder unten (altitudinal) oder bogenförmig | Ein Teil des Bildes fehlt, oft unten, mit gerader Kante | am häufigsten, etwa 55 bis 80 Prozent |
| Zentraler Ausfall (Zentralskotom) | Ein Fleck mitten im Bild, Lesen und Gesichter erkennen fällt schwer | etwa 20 bis 25 Prozent |
| Eingeengtes Gesichtsfeld oder Ausfall auf der Nasenseite | Stoßen an Gegenstände, unsicher im Gedränge | seltener |
Der Ausfall hängt meist mit dem blinden Fleck zusammen, den jeder Mensch an der Stelle der Papille hat. Das kann die Augenärztin oder der Augenarzt in der Gesichtsfeldmessung erkennen.
Wie schlecht wird die Sehschärfe?
Die Sehschärfe ist sehr unterschiedlich betroffen, und eine normale Sehschärfe schließt die Erkrankung nicht aus. Bei 20 bis 33 Prozent der Menschen mit nicht-arteriitischer Form ist die zentrale Sehschärfe zu Beginn noch voll oder fast voll erhalten. Sie haben „nur“ einen Gesichtsfeldausfall. Bei einem ähnlich großen Anteil sinkt die Sehschärfe auf 10 Prozent oder weniger. Bei der arteriitischen Form ist der Verlust meist deutlich schwerer: Mehr als ein Drittel sieht anfangs nur noch Handbewegungen oder gar kein Licht mehr.
Verändert sich das Farbensehen?
Ja, Farben wirken auf dem betroffenen Auge oft blasser, matter oder verfälscht. Besonders Rot erscheint ausgewaschen, fast wie bräunlich oder grau. Wer abwechselnd ein Auge zuhält und auf eine rote Fläche schaut, bemerkt den Unterschied oft deutlich. Die Ärztin oder der Arzt nennt das verminderte Farbsättigung. Bei einer Sehnerventzündung ist das Farbensehen meist noch stärker gestört.
Tut eine Durchblutungsstörung des Sehnervs weh?
Meist nicht. Nur etwa 8 bis 12 Prozent der Menschen mit nicht-arteriitischer Form spüren einen leichten, dumpfen Druck oder Schmerz um das Auge. Schmerz bei Augenbewegungen spricht eher für eine Sehnerventzündung. Kopfschmerzen an den Schläfen, Kauschmerzen oder eine empfindliche Kopfhaut sind dagegen Alarmzeichen für die arteriitische Form, siehe unten.
Gibt es Vorboten?
Manchmal ja. Einigen Menschen fallen vorher kurze Episoden auf, in denen das Sehen für Sekunden bis Minuten verschwimmt oder dunkel wird und dann wieder normal ist (Amaurosis fugax). Bei der Riesenzellarteriitis kommen solche flüchtigen Sehstörungen bei etwa einem Drittel vor, bevor das Sehen dauerhaft verloren geht. Sie sind ein dringendes Warnsignal: Wer über 50 ist und solche Episoden zusammen mit neuen Kopfschmerzen bemerkt, gehört noch am selben Tag in eine Augenklinik.
Fachleute kennen außerdem eine Vorstufe ohne Beschwerden: Die Papille ist bereits geschwollen, aber das Sehen ist noch normal. Sie wird meist zufällig entdeckt. Etwa 25 bis 45 Prozent dieser Augen entwickeln danach innerhalb von Wochen eine echte AION.
Wie verläuft der Sehverlust in den ersten Tagen und Wochen?
Bei etwa zwei Dritteln bleibt der Sehverlust nach dem ersten Ereignis stabil; beim übrigen Drittel verschlechtert er sich noch über Tage bis Wochen. Diese fortschreitende Form kann sich schubweise oder schleichend über bis zu sechs bis zwölf Wochen entwickeln; danach kommt die Verschlechterung in der Regel zum Stillstand. Seltener beginnt die Erkrankung von Anfang an langsam über etwa zwei Wochen.
Verschlechtert sich das Sehen nach dem ersten Termin weiter, sollten Sie das umgehend melden. Es kann ein natürlicher Verlauf sein, aber auch ein Hinweis auf eine andere Ursache oder auf eine bisher übersehene Riesenzellarteriitis.
Sind beide Augen betroffen?
Bei der nicht-arteriitischen Form erkrankt fast immer zunächst nur ein Auge. Ein gleichzeitiger Befall beider Augen ist selten. Er kommt vor allem nach starken Blutdruckabfällen vor, etwa bei großen Operationen, schwerem Blutverlust oder Dialyse. Bei der arteriitischen Form ist der Befall beider Augen dagegen deutlich häufiger, oft im Abstand von wenigen Tagen. Ein beidseitiger Beginn ist deshalb immer ein Grund, besonders an die Riesenzellarteriitis zu denken.
Welche Warnzeichen sprechen für eine Riesenzellarteriitis?
Für die arteriitische Form sprechen Beschwerden außerhalb des Auges, vor allem neue Kopfschmerzen, Kauschmerzen und eine empfindliche Kopfhaut bei Menschen ab 50. Die Riesenzellarteriitis ist eine Entzündung mittelgroßer und großer Schlagadern. Sie kann sich über Wochen mit allgemeinen Beschwerden ankündigen, bevor das Auge betroffen ist. Achten Sie auf folgende Zeichen:
- Neue Kopfschmerzen: häufigstes Zeichen, oft an Schläfen, Stirn oder Hinterkopf, pulsierend oder dumpf, über Wochen zunehmend, sprechen kaum auf Schmerzmittel an. Bei fast der Hälfte ist ein starker Kopfschmerz das erste Symptom.
- Kauschmerz (Kieferclaudicatio): Beim Kauen fester Speisen schmerzen Kiefer oder Wangen nach kurzer Zeit, beim Pausieren lässt es nach. Manchmal tun auch Zunge oder Rachen beim Schlucken weh. Dieses Zeichen gilt als besonders aussagekräftig und ist mit einem höheren Erblindungsrisiko verbunden.
- Empfindliche Kopfhaut: Kämmen, Haarebürsten, das Aufliegen auf dem Kopfkissen oder eine Brille tun weh.
- Veränderte Schläfenschlagader: verdickt, geschlängelt, druckempfindlich, manchmal ohne tastbaren Puls.
- Allgemeinsymptome: Müdigkeit, Krankheitsgefühl, leichtes Fieber, Nachtschweiß, Appetitverlust, ungewollter Gewichtsverlust.
- Muskelschmerzen und Morgensteifigkeit in Schultern, Nacken und Hüften: Das ist die Polymyalgia rheumatica, die bei etwa 40 bis 60 Prozent der Menschen mit Riesenzellarteriitis vorkommt.
- Weitere Augenzeichen: Doppelbilder, ein hängendes Oberlid, Flimmern oder kurze Sehausfälle.
Wichtig: Bis zu 20 Prozent der Betroffenen haben keine dieser Allgemeinbeschwerden. Man spricht dann von einer „okkulten“, also versteckten Riesenzellarteriitis. Fehlende Kopfschmerzen schließen die gefährliche Form deshalb nicht aus. Aus diesem Grund lassen Augenärztinnen und Augenärzte bei jedem Menschen über 50 mit AION die Entzündungswerte im Blut bestimmen.
Wie unterscheiden sich die beiden Formen in den Beschwerden?
Die arteriitische Form beginnt meist dramatischer, betrifft ältere Menschen und geht oft mit Allgemeinbeschwerden einher. Die folgende Tabelle fasst typische Unterschiede zusammen. Im Einzelfall können sich die Bilder überschneiden.
| Merkmal | Nicht-arteriitische AION | Arteriitische AION (Riesenzellarteriitis) |
|---|---|---|
| Typisches Alter | 55 bis 70 Jahre, teils jünger | meist über 70, im Mittel um 76 |
| Geschlecht | etwa gleich verteilt | Frauen etwa doppelt so oft |
| Sehverlust | leicht bis schwer, oft Teilausfall | meist schwer, oft fast blind |
| Vorboten | selten | häufig kurze Sehausfälle |
| Kopf-, Kau-, Kopfhautschmerz | nein | häufig, fehlt aber bei bis zu 20 Prozent |
| Fieber, Gewichtsverlust, Muskelschmerzen | nein | häufig |
| Zweites Auge | etwa 15 Prozent in fünf Jahren | ohne Behandlung oft innerhalb von Tagen |
| Blutsenkung und CRP | meist normal | meist deutlich erhöht |
Was sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?
Bei der Untersuchung zeigt sich eine geschwollene, unscharf begrenzte Papille. Diese Zeichen spüren Sie selbst nicht, sie sind aber für die Diagnose entscheidend:
- Relativer afferenter Pupillendefekt: Die Pupille des kranken Auges reagiert schwächer auf Licht. Er findet sich praktisch immer, wenn nur ein Auge betroffen ist.
- Papillenschwellung: Bei der nicht-arteriitischen Form ist die Papille eher gerötet, oft nur in einem Abschnitt geschwollen. Bei der arteriitischen Form wirkt sie häufig kreideweiß und blass geschwollen.
- Kleine Blutungen am Papillenrand in Flammenform, bei etwa drei Vierteln.
- Kleine, enge Papille am anderen Auge: Fachleute sprechen von einer „Papille mit Risiko“ (disc at risk). Sie ist ein wichtiger Hinweis auf die nicht-arteriitische Form.
- Weiße Flecken in der Netzhaut (Cotton-wool-Herde) oder ein zusätzlicher Verschluss einer Netzhautarterie sprechen eher für die Riesenzellarteriitis.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige bemerken oft zuerst Veränderungen im Verhalten, nicht den Sehverlust selbst. Die Fachquellen beschreiben das kaum, aus der Art der Ausfälle lässt sich aber ableiten, worauf Familie und Freunde achten können: Der Betroffene stößt auf einer Seite oder unten an Dinge, verfehlt Treppenstufen oder Bordsteine, hält beim Lesen den Kopf ungewohnt schräg oder kneift ein Auge zu. Ältere Menschen erwähnen den Sehverlust manchmal nicht, weil er nicht schmerzt oder weil sie ihn für eine Brillenfrage halten.
Bei der Riesenzellarteriitis fällt Angehörigen oft auf, dass jemand in den Wochen zuvor müde, appetitlos und kraftlos war, beim Essen das Kauen unterbricht, sich nicht mehr gern kämmt oder über ungewohnte Kopfschmerzen klagt. Wenn zu diesen Beschwerden eine Sehstörung kommt, sollten Angehörige auf eine sofortige Vorstellung in der Augenklinik drängen.
Gibt es Besonderheiten bei Jüngeren und Älteren?
Ja. Die Erkrankung betrifft vor allem Menschen ab 50, doch etwa 7 bis 25 Prozent der Betroffenen mit nicht-arteriitischer Form sind jünger. Bei ihnen suchen Ärztinnen und Ärzte gezielter nach Gerinnungsstörungen, Drusen der Papille (Kalkablagerungen im Sehnervenkopf) oder Medikamenten als Auslöser. Bei Kindern ist eine AION eine große Ausnahme; eine Papillenschwellung hat dort fast immer andere Ursachen.
Bei sehr alten Menschen steht die Riesenzellarteriitis im Vordergrund. Sie äußern Beschwerden oft weniger deutlich, und Kopfschmerz oder Gewichtsverlust werden leicht dem Alter zugeschrieben. Hier sollte die Schwelle für einen Bluttest und eine Kortisonbehandlung besonders niedrig sein.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (11)
- Was passiert im Auge bei einer AION?
- Warum spielt die Form der Papille eine so große Rolle?
- Welche Rolle spielt der nächtliche Blutdruckabfall?
- Welche Risikofaktoren gibt es für die nicht-arteriitische Form?
- Erhöht Schlafapnoe das Risiko?
- Können Potenzmittel eine AION auslösen?
- Spielen Abnehmspritzen wie Semaglutid eine Rolle?
- Welche weiteren Medikamente und Eingriffe werden genannt?
- Was verursacht die arteriitische Form?
- Hat eine AION etwas mit Halsschlagader oder Herz zu tun?
- Wer ist besonders häufig betroffen?
Was passiert im Auge bei einer AION?
Bei einer AION reicht die Blutversorgung des Sehnervenkopfes plötzlich nicht mehr aus, die Nervenfasern schwellen an und sterben teilweise ab. Die Papille wird über die kurzen hinteren Ziliararterien versorgt. Diese Gefäße stammen wie die zentrale Netzhautarterie aus der Augenarterie (Arteria ophthalmica). Bei der arteriitischen Form verschließt die Entzündung diese Gefäße. Bei der nicht-arteriitischen Form ist der genaue Mechanismus bis heute nicht abschließend geklärt.
Die gängigste Erklärung für die nicht-arteriitische Form ist eine Art Teufelskreis in einem engen Raum: Eine kurze Phase schlechter Durchblutung lässt die Nervenfasern anschwellen. In einer kleinen, engen Papille drückt die Schwellung die feinen Gefäße weiter zusammen, die Durchblutung sinkt weiter, noch mehr Fasern schwellen an. Fachleute vergleichen das mit einem Kompartmentsyndrom. Eine andere Theorie sieht eher einen gestörten Blutabfluss über die Venen als Ursache.
Warum spielt die Form der Papille eine so große Rolle?
Eine kleine, eng gebaute Papille ohne oder mit nur winziger Vertiefung in der Mitte ist der wichtigste Risikofaktor für die nicht-arteriitische Form. Normalerweise hat die Papille in der Mitte eine kleine Mulde, die Exkavation. Fehlt sie, drängen sich alle Nervenfasern durch eine enge Öffnung in der Lederhaut. Fachleute sprechen von einer „überfüllten Papille“ (crowded disc oder disc at risk). Je nach Studie haben bis zu 97 Prozent der Betroffenen eine solche Papille, am gesunden Partnerauge findet sie sich bei 80 bis 90 Prozent.
Diese Bauweise ist angeboren und harmlos, solange die Durchblutung stimmt. Sie erklärt aber, warum manche Menschen mit denselben Gefäßrisiken eine AION bekommen und andere nicht. Für die arteriitische Form spielt die Form der Papille keine Rolle.
Welche Rolle spielt der nächtliche Blutdruckabfall?
Ein starker Blutdruckabfall in der Nacht gilt als wichtiger Auslöser der nicht-arteriitischen Form. Im Schlaf sinkt der Blutdruck bei allen Menschen. Bei gesunden Gefäßen gleicht die Selbstregulation des Sehnervs das aus. Ist diese Regulation durch Bluthochdruck, Diabetes oder Arteriosklerose gestört, kann ein ausgeprägter nächtlicher Abfall die Durchblutung unter die kritische Grenze drücken. Blutdrucksenkende Mittel, die abends eingenommen werden, können diesen Abfall verstärken. Das ist ein Grund, warum Fachleute nach einer AION die Uhrzeit der Blutdrucktabletten überprüfen.
Welche Risikofaktoren gibt es für die nicht-arteriitische Form?
Die meisten Betroffenen haben mindestens einen Gefäßrisikofaktor, auch wenn sich bei vielen keine einzelne klare Ursache findet. In der großen IONDT-Studie hatten 60 Prozent mindestens einen Gefäßrisikofaktor; 47 Prozent hatten Bluthochdruck, 24 Prozent Diabetes. Folgende Faktoren werden in den Quellen genannt:
- kleine, enge Papille (siehe oben)
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- erhöhte Blutfette und Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit
- Rauchen; ob es ein eigenständiger Risikofaktor ist, ist umstritten, für die Gefäße schadet es in jedem Fall
- obstruktive Schlafapnoe (siehe unten)
- starker nächtlicher Blutdruckabfall
- metabolisches Syndrom (etwa verdoppeltes Risiko)
- Nierenversagen und Dialyse
- Blutarmut und starker Blutverlust
- Gerinnungsstörungen, vor allem bei Menschen unter 50
- Drusen der Papille
- Migräne (Zusammenhang schwach belegt)
Erhöht Schlafapnoe das Risiko?
Ja, die obstruktive Schlafapnoe gilt in vielen Studien als wichtiger Risikofaktor, auch wenn die Ergebnisse nicht ganz einheitlich sind. Bei der Schlafapnoe erschlaffen nachts die Muskeln im Rachen, die Atmung setzt immer wieder aus, und der Sauerstoffgehalt im Blut fällt ab. Das aktiviert das Stressnervensystem, verengt Gefäße und lässt den Blutdruck schwanken. Je nach Studie hatten bis zu 89 Prozent der AION-Patienten eine Schlafapnoe; das Risiko war etwa 1,7- bis 3,8-fach erhöht. In einer Fall-Kontroll-Studie lag der Anteil bei 71 Prozent gegenüber 18 Prozent bei Vergleichspersonen.
Ob eine Behandlung der Schlafapnoe mit nächtlicher Atemmaske (CPAP) das zweite Auge schützt, ist nicht bewiesen. In einer Untersuchung war die CPAP-Behandlung nicht mit weniger Erkrankungen am Partnerauge verbunden. Für Herz, Gefäße und Lebensqualität lohnt sich die Behandlung aber unabhängig davon.
Können Potenzmittel eine AION auslösen?
Ein Zusammenhang mit Potenzmitteln aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) ist möglich, aber nicht sicher bewiesen. Diese Mittel erweitern Gefäße und senken den Blutdruck leicht. Eine kanadische Auswertung von Versicherungsdaten mit über 213.000 Männern aus den Jahren 2006 bis 2020 fand bei regelmäßigen Anwendern ein etwa doppelt so hohes Risiko für eine nicht-arteriitische AION. Die absolute Häufigkeit war mit etwa 3 Fällen pro 10.000 Personenjahren aber gering. Eine Zusammenfassung von fünf Studien fand dagegen keinen eindeutigen Zusammenhang.
Die Weltgesundheitsorganisation und die US-Arzneimittelbehörde FDA stufen den Zusammenhang als „möglicherweise ursächlich“ ein; die Beipackzettel nennen die AION als gemeldete Nebenwirkung mit unbekannter Häufigkeit. Auffällig ist, dass praktisch alle berichteten Betroffenen eine enge Papille hatten. Nach einer durchgemachten AION gelten PDE-5-Hemmer in französischen Fachquellen als Gegenanzeige; amerikanische Fachleute raten, nach Rücksprache ein Absetzen zu erwägen, weil das Risiko für das zweite Auge steigen könnte.
Spielen Abnehmspritzen wie Semaglutid eine Rolle?
Für den Wirkstoff Semaglutid, der bei Diabetes und Übergewicht gespritzt wird, gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko. In einer amerikanischen Kohortenstudie aus dem Jahr 2024 traten unter Semaglutid mehr Fälle von nicht-arteriitischer AION auf. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA führt die AION inzwischen als sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid, und die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat 2026 einen Sicherheitshinweis veröffentlicht. Fachgesellschaften raten, das Mittel nicht eigenmächtig abzusetzen, sondern die Frage mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen. Andere Wirkstoffe dieser Gruppe (GLP-1-Rezeptoragonisten) werden ebenfalls diskutiert.
Welche weiteren Medikamente und Eingriffe werden genannt?
Mehrere weitere Medikamente und einige Operationen sind mit einer AION in Verbindung gebracht worden, meist ohne sicheren Beweis. Genannt werden:
- Amiodaron, ein Mittel gegen Herzrhythmusstörungen; es kann eine eigene, oft beidseitige und langsam verlaufende Sehnervenschädigung auslösen
- Interferon-alpha, Sumatriptan (Migränemittel), hormonelle Verhütungsmittel; Zusammenhang unsicher
- Operationen am Auge: Nach einer Operation des Grauen Stars ist eine AION sehr selten, weniger als ein Fall auf 1.000 bis 3.000 Eingriffe. Wer nach einer Katarakt-OP an einem Auge eine AION hatte, hat am Partnerauge nach demselben Eingriff ein etwa dreieinhalbfach höheres Risiko. Auch nach LASIK sind Einzelfälle beschrieben.
- Große Operationen wie Bypass-Operationen am Herz oder lange Wirbelsäuleneingriffe mit Blutverlust und Blutdruckabfall; hier tritt eher die hintere Form auf
- Injektionen in das Auge mit Gefäßwachstumshemmern; Einzelfälle, möglicherweise durch kurzzeitige Druckspitzen
Was verursacht die arteriitische Form?
Die arteriitische Form wird fast immer durch eine Riesenzellarteriitis verursacht, eine Entzündung der Schlagaderwände. Das Immunsystem greift die Gefäßwand an, sie verdickt sich, und die Gefäße verengen oder verschließen sich. Am Auge trifft es vor allem die hinteren Ziliararterien, manchmal zusätzlich die zentrale Netzhautarterie. Die genaue Ursache der Riesenzellarteriitis ist unbekannt, eine erbliche Neigung wird vermutet.
Die Erkrankung tritt fast nur nach dem 50. Lebensjahr auf. In Deutschland erkranken in dieser Altersgruppe jährlich etwa 44 von 100.000 Menschen, Frauen etwa doppelt so oft wie Männer. In Skandinavien ist sie rund zehnmal häufiger als in Südeuropa. Eine Augenbeteiligung tritt bei einem erheblichen Teil der Erkrankten auf; ohne Behandlung verliert nach Angaben des britischen Gesundheitsdienstes NHS etwa jeder fünfte Mensch mit Riesenzellarteriitis ganz oder teilweise das Sehen.
Hat eine AION etwas mit Halsschlagader oder Herz zu tun?
Nur selten. Anders als beim Arterienverschluss der Netzhaut entsteht die AION fast nie durch ein verschlepptes Gerinnsel aus der Halsschlagader oder dem Herzen. Französische Lehrbücher nennen einen solchen Zusammenhang „ausnahmsweise“. Die Gefäßrisikofaktoren sind aber dieselben wie beim Schlaganfall, und in einer Studie war das Schlaganfallrisiko von Menschen mit nicht-arteriitischer AION etwa dreifach erhöht. Deshalb ist eine Untersuchung beim Hausarzt oder Internisten sinnvoll.
Wer ist besonders häufig betroffen?
Am häufigsten betroffen sind Menschen zwischen 55 und 70 Jahren mit Gefäßrisiken und einer engen Papille. In den USA sind etwa 95 Prozent der Betroffenen hellhäutig; bei Menschen afrikanischer oder asiatischer Herkunft ist die Erkrankung seltener. Männer und Frauen sind bei der nicht-arteriitischen Form ungefähr gleich oft betroffen, manche Studien finden etwas mehr Männer. Bei der arteriitischen Form überwiegen Frauen deutlich: In einer Studie mit 85 Betroffenen waren 71 Prozent Frauen.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (10)
- Wie wird eine Durchblutungsstörung des Sehnervs festgestellt?
- Welche Fragen stellt die Ärztin oder der Arzt?
- Welche Untersuchungen am Auge gehören dazu?
- Warum sind Blutsenkung und CRP so wichtig?
- Wie wird eine Riesenzellarteriitis gesichert?
- Wann ist eine Fluoreszenzangiografie sinnvoll?
- Wann braucht es eine Kernspintomografie?
- Welche Untersuchungen folgen beim Hausarzt oder Internisten?
- Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?
- Was spricht gegen eine typische nicht-arteriitische AION?
Wie wird eine Durchblutungsstörung des Sehnervs festgestellt?
Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt vor allem anhand der Vorgeschichte und der Untersuchung des Auges. Ein einzelner Test, der die AION beweist, existiert nicht. Typisch ist die Kombination aus plötzlichem einseitigem Sehverlust, einem relativen afferenten Pupillendefekt und einer geschwollenen Papille. Die zweite, ebenso wichtige Aufgabe ist es, sofort eine Riesenzellarteriitis auszuschließen.
Welche Fragen stellt die Ärztin oder der Arzt?
Das Gespräch klärt, wann und wie der Sehverlust begonnen hat und ob Warnzeichen einer Riesenzellarteriitis vorliegen. Typische Fragen sind:
- Wann haben Sie den Sehverlust bemerkt? Beim Aufwachen? Ist er seitdem schlechter geworden?
- Gab es vorher kurze Sehausfälle?
- Haben Sie Schmerzen, besonders bei Augenbewegungen?
- Haben Sie neue Kopfschmerzen, Schmerzen beim Kauen, eine empfindliche Kopfhaut, Fieber, Gewichtsverlust oder Muskelschmerzen?
- Haben Sie Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette? Wann nehmen Sie Ihre Blutdrucktabletten?
- Schnarchen Sie, sind Sie tagsüber oft müde?
- Nehmen Sie Potenzmittel, Semaglutid, Amiodaron oder andere Medikamente?
- Hatten Sie kürzlich eine Operation oder einen größeren Blutverlust?
Welche Untersuchungen am Auge gehören dazu?
Zur Grunduntersuchung gehören Sehschärfe, Pupillenprüfung, Farbsehen, Augendruck, Spaltlampe, Augenhintergrund und Gesichtsfeld. Im Einzelnen:
- Sehschärfe und Farbsehen: Beide Augen werden getrennt geprüft, das Farbsehen oft mit Farbtafeln.
- Pupillenprüfung (Swinging-Flashlight-Test): Die Ärztin oder der Arzt leuchtet abwechselnd in beide Augen. Erweitert sich die Pupille des kranken Auges, wenn das Licht zu ihm wechselt, liegt ein relativer afferenter Pupillendefekt vor. Er zeigt eine Schädigung des Sehnervs an.
- Augenspiegelung bei weiter Pupille: Sie zeigt die geschwollene Papille, Randblutungen und die Form der Papille am anderen Auge.
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Sie ist die wichtigste Untersuchung für das Ausmaß des Schadens und dient später als Vergleichswert.
- Optische Kohärenztomografie (OCT): Ein schmerzloser Lichtscan misst die Dicke der Nervenfaserschicht. Akut ist sie verdickt, nach zwei bis drei Monaten wird sie dünner, nach etwa sechs Monaten ist der Endzustand erreicht.
- Blutdruckmessung, oft noch in der Praxis.
Warum sind Blutsenkung und CRP so wichtig?
Blutsenkung (BSG) und C-reaktives Protein (CRP) zeigen eine Entzündung im Körper an und sind der schnellste Weg, eine Riesenzellarteriitis zu erkennen. Sie werden bei jedem Verdacht bestimmt, viele Augenkliniken tun das bei allen Betroffenen über 50. Bei der Riesenzellarteriitis ist die Blutsenkung oft stark erhöht, häufig über 100 Millimeter in der ersten Stunde; bei der nicht-arteriitischen Form ist sie meist normal. Das CRP gilt als empfindlicher als die Blutsenkung. Eine erhöhte Zahl an Blutplättchen (über 400.000 pro Mikroliter) macht die Riesenzellarteriitis noch wahrscheinlicher.
Normale Werte schließen die Erkrankung aber nicht völlig aus: Etwa 3 Prozent der Menschen mit durch Gewebeprobe gesicherter Riesenzellarteriitis haben sowohl eine normale Blutsenkung als auch ein normales CRP. Entscheidend ist deshalb das Gesamtbild.
Wie wird eine Riesenzellarteriitis gesichert?
In Deutschland ist heute der Ultraschall der Schläfenarterien die erste Wahl; zur Sicherung kann eine Gewebeprobe der Schläfenarterie entnommen werden. Im farbkodierten Ultraschall (Duplexsonografie) zeigt sich die entzündete Gefäßwand als dunkler Saum, das sogenannte Halo-Zeichen. Der Ultraschall hängt stark von der Erfahrung der Untersuchenden ab und sollte möglichst vor oder kurz nach Beginn der Kortisontherapie erfolgen, idealerweise innerhalb von fünf Tagen. Weitere Möglichkeiten sind MRT, CT oder PET-CT, mit denen auch die Hauptschlagader und ihre Äste beurteilt werden.
Bei der Biopsie wird in örtlicher Betäubung ein ausreichend langes Stück der Schläfenarterie entnommen, weil die Entzündung nicht überall gleich ausgeprägt ist. Lange galt sie als Goldstandard. In Deutschland kann sie bei eindeutigem Ultraschall- und Laborbefund heute entfallen. In Frankreich wird sie nach dem Lehrtext der Universitäts-Augenärzte auch bei typischem Bild empfohlen, weil sie die oft jahrelange Kortisontherapie absichert. Die Biopsie sollte innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Beginn der Behandlung erfolgen, weil Kortison die Gewebeveränderungen allmählich verwischt.
Ganz wichtig: Kortison wird nie zurückgehalten, bis Ultraschall oder Biopsie gemacht sind. Mehr dazu unter Behandlung.
Wann ist eine Fluoreszenzangiografie sinnvoll?
Die Fluoreszenzangiografie kann helfen, die beiden Formen zu unterscheiden. Dabei wird ein Farbstoff in eine Armvene gespritzt, und eine Kamera filmt seinen Weg durch die Gefäße des Auges. Bei der nicht-arteriitischen Form füllt sich die Papille verzögert, die Aderhaut aber normal. Füllt sich auch die Aderhaut verzögert oder fleckig, spricht das stark für eine Riesenzellarteriitis; nach französischen Angaben ist das bei über 80 Prozent der Fall.
Wann braucht es eine Kernspintomografie?
Eine MRT von Kopf und Augenhöhlen wird gemacht, wenn das Bild nicht typisch ist. Gründe dafür sind:
- Schmerzen, besonders bei Augenbewegungen
- Sehverlust, der über Wochen weiter fortschreitet oder nach mehr als zwei Monaten wiederkehrt
- eine Papillenschwellung, die länger als etwa elf Wochen anhält
- Alter unter 50 ohne erkennbare Risikofaktoren
- fehlende Gefäßrisiken und keine enge Papille am Partnerauge
Die MRT soll vor allem einen Tumor oder eine andere Ursache ausschließen, die den Sehnerv von außen zusammendrückt.
Welche Untersuchungen folgen beim Hausarzt oder Internisten?
Nach der Diagnose sollten die Gefäßrisiken gründlich überprüft werden. Dazu gehören Blutzucker, Blutfette und eine Blutdruckmessung, im britischen NHS-Merkblatt ausdrücklich auch eine 24-Stunden-Blutdruckmessung, um nächtliche Abfälle zu erkennen. Bei Schnarchen, Tagesmüdigkeit oder Übergewicht ist eine Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnografie) sinnvoll. Bei Jüngeren oder bei früheren Thrombosen wird zusätzlich die Blutgerinnung untersucht, und mit einer speziellen OCT wird nach Drusen der Papille gesucht.
Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?
Eine geschwollene Papille hat viele mögliche Ursachen, und ein plötzlicher Sehverlust erst recht. Die wichtigsten Unterscheidungen:
| Erkrankung | Was anders ist |
|---|---|
| Sehnerventzündung (Optikusneuritis) | meist jüngere Menschen, Schmerz bei Augenbewegungen, Papille oft unauffällig, Farbsehen stark gestört, meist gute Erholung |
| Stauungspapille | erhöhter Hirndruck, beide Augen, Sehschärfe meist normal, oft Kopfschmerz und Übelkeit |
| Arterienverschluss der Netzhaut | schlagartiger Ausfall in Sekunden, Netzhaut weißlich, Papille nicht geschwollen |
| Venenverschluss der Netzhaut | viele Blutungen in der ganzen Netzhaut |
| Netzhautablösung | Blitze, Rußregen, Schatten, der sich ausbreitet |
| Lebersche hereditäre Optikusneuropathie | meist junge Männer, zentraler Ausfall, oft nach Wochen auch das zweite Auge, familiär |
| Schaden durch sehr hohen Blutdruck | beide Augen, stark erhöhter Blutdruck, Veränderungen in der ganzen Netzhaut |
| Druck auf den Sehnerv durch einen Tumor | langsam fortschreitend, in der MRT sichtbar |
| Schlaganfall oder Durchblutungsstörung im Gehirn | Ausfall betrifft oft beide Augen zur selben Seite, häufig weitere Ausfälle wie Lähmung oder Sprachstörung |
Außerdem prüfen Fachleute Entzündungen wie die Neuroretinitis und Antikörper-Erkrankungen wie MOGAD, wenn das Bild nicht passt.
Was spricht gegen eine typische nicht-arteriitische AION?
Bestimmte Merkmale passen nicht zur typischen nicht-arteriitischen Form und verlangen weitere Abklärung. Dazu gehören ein Alter unter 50, ein gleichzeitiger Befall beider Augen, Schmerzen, Allgemeinsymptome wie Fieber oder Gewichtsverlust, eine blasse statt gerötete Schwellung, eine Schwellung, die nicht abklingt, und ein erneuter Sehverlust im selben Auge nach Monaten. Dann wird gezielt nach Riesenzellarteriitis, Entzündungen oder einem Tumor gesucht.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (12)
- Wie wird die arteriitische Form behandelt?
- Wie hoch wird das Kortison dosiert?
- Wie lange dauert die Kortisonbehandlung?
- Welche Medikamente sparen Kortison ein?
- Welche Begleitmaßnahmen sind bei langer Kortisontherapie wichtig?
- Gibt es eine wirksame Behandlung der nicht-arteriitischen Form?
- Hilft Kortison bei der nicht-arteriitischen Form?
- Kann eine Operation helfen?
- Helfen Aspirin oder Blutverdünner?
- Welche anderen Ansätze werden erforscht?
- Was kann man für das zweite Auge tun?
- Welche Hilfen gibt es bei bleibendem Sehverlust?
Wie wird die arteriitische Form behandelt?
Bei Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis wird sofort hochdosiert Kortison gegeben, ohne auf Ultraschall, Biopsie oder Laborergebnis zu warten. Das ist die wichtigste Regel der ganzen Erkrankung. Das MSD Manual empfiehlt, bei Menschen ab 55 mit plötzlichem, schmerzlosem Sehverlust und möglicher Riesenzellarteriitis unverzüglich mit Kortison zu beginnen. Das Ziel ist vor allem, das zweite Auge und das restliche Sehen des betroffenen Auges zu retten.
Wie hoch wird das Kortison dosiert?
Bei Sehstörungen beginnt die Behandlung meist mit Kortison-Infusionen in hoher Dosis, danach folgen Tabletten. Die Angaben in den Quellen unterscheiden sich im Detail:
- Infusionen: Methylprednisolon 500 bis 1.000 Milligramm täglich über drei bis fünf Tage, in der Regel stationär in der Klinik.
- Danach Tabletten: Prednisolon oder Prednison, meist 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich oder 40 bis 80 Milligramm.
- Ist keine Infusion sofort möglich, wird nicht gewartet, sondern sofort mit Tabletten begonnen. Die Schnelligkeit zählt mehr als die genaue Dosis.
Die hohe Dosis bleibt meist zwei bis vier Wochen, bis Beschwerden und Entzündungswerte zur Ruhe gekommen sind. Dann wird sie langsam anhand von Befinden, Blutsenkung und CRP verringert. Die Verantwortung liegt dabei meist bei einer Rheumatologin oder einem Rheumatologen.
Wie lange dauert die Kortisonbehandlung?
Die Behandlung dauert mindestens ein Jahr, oft zwei Jahre oder länger. Ein Absetzversuch ist frühestens nach etwa zwölf Monaten ohne Krankheitszeichen möglich. Rückfälle sind häufig: Etwa jeder Zweite erlebt im ersten Jahr einen, über fünf Jahre bis zu 80 Prozent. Manche Menschen brauchen über Jahre eine niedrige Dosis.
Setzen Sie Kortison nie eigenmächtig oder plötzlich ab. Der Körper stellt bei längerer Einnahme die eigene Kortisonproduktion zurück, und die Arteriitis kann aufflammen. Beides ist gefährlich.
Welche Medikamente sparen Kortison ein?
Um Kortison einzusparen, kommen vor allem Tocilizumab, Upadacitinib und Methotrexat in Frage. Tocilizumab blockiert einen Botenstoff der Entzündung (Interleukin-6) und wird wöchentlich unter die Haut gespritzt. In einer großen Studie (Stone und Kollegen, 2017) erreichten deutlich mehr Menschen damit eine Remission, also einen Zustand ohne Krankheitszeichen, ohne Kortison. Upadacitinib, eine Tablette aus der Gruppe der JAK-Hemmer, ist seit 2025 in der EU für die Riesenzellarteriitis zugelassen. Methotrexat ist eine ältere, günstigere Alternative und wird für diese Erkrankung außerhalb der Zulassung eingesetzt.
Die deutsche S2k-Leitlinie zu Großgefäßvaskulitiden empfiehlt eine kortisonsparende Behandlung bei Rückfällen oder hohem Risiko für Kortison-Nebenwirkungen. Die Leitlinie wird derzeit überarbeitet; als aktuelle europäische Referenz gelten die Empfehlungen der europäischen Rheumafachgesellschaft EULAR von 2025. In Frankreich bewertet die Gesundheitsbehörde HAS den Nutzen von Tocilizumab vor allem dann als hoch, wenn Kortison eingespart werden muss.
Welche Begleitmaßnahmen sind bei langer Kortisontherapie wichtig?
Bei langer Kortisontherapie muss man Knochen, Magen, Blutzucker und Blutdruck schützen. Mehr als die Hälfte der Behandelten bekommt Nebenwirkungen. Üblich sind:
- Vorbeugung gegen Knochenschwund mit Kalzium und Vitamin D, oft zusätzlich Bisphosphonate
- Magenschutz, besonders bei gleichzeitiger Einnahme von Aspirin
- regelmäßige Kontrolle von Blutzucker, Blutdruck und Gewicht
- salz- und zuckerarme, eiweißreiche Ernährung
- Impfschutz überprüfen, weil Kortison die Abwehr schwächt
- Kontrollen des Augendrucks und der Linse, weil Kortison Grünen Star und Grauen Star begünstigen kann
- langfristig Kontrollen der Hauptschlagader, weil sich dort Aussackungen bilden können
Gibt es eine wirksame Behandlung der nicht-arteriitischen Form?
Nein, für die nicht-arteriitische Form gibt es bis heute keine Behandlung, die das verlorene Sehen nachweislich zurückbringt. Darin sind sich deutsche, englische, französische und spanische Quellen einig. Viele Verfahren wurden geprüft, keines hat sich in guten Studien durchgesetzt. Die Behandlung konzentriert sich deshalb auf die Risikofaktoren und auf den Schutz des zweiten Auges.
Hilft Kortison bei der nicht-arteriitischen Form?
Der Nutzen von Kortison bei der nicht-arteriitischen Form ist nicht gesichert, und die meisten Fachleute empfehlen es nicht routinemäßig. Eine große, nicht verblindete Studie des amerikanischen Augenarztes Hayreh mit über 600 Augen berichtete bei Prednison 80 Milligramm täglich in den ersten zwei Wochen häufiger eine Besserung der Sehschärfe (70 gegenüber 41 Prozent) und des Gesichtsfelds (40 gegenüber 25 Prozent). Diese Studie war aber nicht zufällig zugeteilt. Die erste doppelblinde, kontrollierte Studie (Saxena, 2018) fand zwar eine schnellere Besserung, aber nach sechs Monaten keinen Unterschied im Endergebnis.
Hinzu kommen die Nebenwirkungen, gerade bei Diabetes und Bluthochdruck, und Hinweise aus einigen Studien auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für das Partnerauge. Die Amerikanische Akademie für Augenheilkunde rät deshalb ab. Kortison-Spritzen in das Auge haben ebenfalls keinen belegten Nutzen.
Kann eine Operation helfen?
Nein. Eine Operation, bei der die Hülle des Sehnervs eingeschnitten wird, um den Druck zu senken (Optikusscheidenfensterung), wurde in der großen IONDT-Studie geprüft. Sie war nicht wirksam und möglicherweise schädlich: 24 Prozent der Operierten verschlechterten sich gegenüber 12 Prozent der Unbehandelten. Die Studie wurde deshalb vorzeitig beendet. Auch ein Cochrane-Review fand keinen Nutzen von Operationen.
Helfen Aspirin oder Blutverdünner?
Für das verlorene Sehen und für das zweite Auge ist ein Nutzen von Aspirin nicht nachgewiesen. In größeren Untersuchungen mit über 400 Patienten verbesserte Aspirin weder den Verlauf noch senkte es das Risiko für das Partnerauge innerhalb von fünf Jahren. Trotzdem verordnen viele Ärztinnen und Ärzte, besonders in Frankreich, dauerhaft niedrig dosiertes Aspirin, weil es bei Gefäßrisiken Herz und Gehirn schützen kann. Ob das für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihren übrigen Risiken und Ihrem Blutungsrisiko ab. Stärkere Blutverdünner werden nur bei nachgewiesener Gerinnungsstörung eingesetzt; für die AION selbst gibt es keine gesicherte Wirkung.
Welche anderen Ansätze werden erforscht?
Viele weitere Behandlungen wurden versucht, alle ohne überzeugenden Nachweis. Genannt werden in den Quellen:
- Spritzen in das Auge mit Gefäßwachstumshemmern (Anti-VEGF): Schwellung bildet sich schneller zurück, Sehschärfe uneinheitlich, Einzelfälle mit erneuter AION
- Erythropoetin in das Auge: in einer kleinen Studie Besserung bei einem Teil, ohne Kontrollgruppe
- Nervenschützende Mittel, etwa eine RNA gegen das Enzym Caspase 2: frühe Studien, Ergebnisse noch nicht überzeugend
- Levodopa, Pentoxifyllin, Sauerstofftherapie, Gegenpulsation: ohne belegten Nutzen
Seien Sie vorsichtig bei Angeboten, die eine Heilung versprechen. Fragen Sie im Zweifel eine Universitäts-Augenklinik mit Schwerpunkt Neuro-Ophthalmologie, ob es aktuell eine seriöse Studie gibt.
Was kann man für das zweite Auge tun?
Am wichtigsten ist eine gute, aber nicht übertriebene Einstellung der Gefäßrisiken. Dazu gehören:
- Bluthochdruck behandeln, aber starke Abfälle in der Nacht vermeiden; mit der Hausärztin oder dem Hausarzt prüfen, ob Blutdrucktabletten besser morgens genommen werden
- Diabetes und Blutfette gut einstellen
- mit dem Rauchen aufhören
- Schlafapnoe abklären und behandeln
- Potenzmittel, Semaglutid und andere verdächtige Medikamente mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen
- Bewegung und Gewichtsabnahme bei Übergewicht
Ein Schutz des Partnerauges durch diese Maßnahmen ist nicht bewiesen. Sie sind aber auch für Herz, Gehirn und Nieren sinnvoll.
Welche Hilfen gibt es bei bleibendem Sehverlust?
Bei bleibendem Sehverlust helfen vergrößernde Sehhilfen, gute Beleuchtung und eine Low-Vision-Beratung. Möglich sind Lupen, Lupenbrillen, elektronische Lesegeräte, Großdruck, sprechende Uhren und Vorlesefunktionen am Smartphone. Viele Augenkliniken und Optiker mit Spezialisierung beraten dazu. In Deutschland und Österreich übernimmt die Krankenkasse vergrößernde Sehhilfen meist nur bei ärztlicher Verordnung und ab einer bestimmten Sehbehinderung; fragen Sie vorher nach.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (10)
- Wird das Sehen wieder besser?
- Wie entwickelt sich die Papille?
- Wann ist der Endzustand erreicht?
- Wer hat eine bessere Prognose?
- Wie hoch ist das Risiko für das zweite Auge?
- Kann dasselbe Auge noch einmal betroffen sein?
- Wie leben Menschen mit einem bleibenden Ausfall?
- Darf ich nach einer AION noch Auto fahren?
- Welche Folgen kann die Riesenzellarteriitis außerhalb des Auges haben?
- Ist eine AION ein Warnzeichen für Schlaganfall?
Wird das Sehen wieder besser?
Bei der nicht-arteriitischen Form bessert sich das Sehen bei etwa 40 Prozent der Betroffenen von selbst ein wenig, eine vollständige Heilung ist aber selten. In der IONDT-Studie gewannen ohne Behandlung etwa 30 Prozent mindestens drei Zeilen auf der Sehtafel, 20 Prozent verloren drei Zeilen, rund die Hälfte blieb unverändert. Etwa die Hälfte erreicht am Ende eine Sehschärfe von etwa zwei Dritteln der normalen Sehschärfe oder besser. Bei rund einem Viertel bleibt die Sehschärfe bei 10 Prozent oder darunter. Der Gesichtsfeldausfall bleibt meist bestehen.
Bei der arteriitischen Form ist die Aussicht schlechter: Nur etwa 4 Prozent der Augen bessern sich unter Kortison. Das verlorene Sehen kommt meist nicht zurück. Die Behandlung verhindert aber weiteren Verlust.
Wie entwickelt sich die Papille?
Die Schwellung der Papille bildet sich in etwa sechs bis elf Wochen von selbst zurück. Schon ab der zweiten bis dritten Woche beginnt die Papille abzublassen, oft nur in dem Abschnitt, der betroffen war. Zurück bleibt eine Optikusatrophie, also ein Schwund der Nervenfasern. Er ist im OCT als dünnere Nervenfaserschicht sichtbar. Nach der arteriitischen Form kann die Papille eine Aushöhlung bekommen, die einem Grünen Star ähnelt. Hält die Schwellung länger als elf Wochen an, spricht das für eine andere Ursache.
Wann ist der Endzustand erreicht?
Vor allem in den ersten Wochen kann sich das Sehen noch verschlechtern, nach etwa zwei Monaten stabilisiert es sich meist, nach etwa sechs Monaten ist der Endzustand erreicht. Laut der Amerikanischen Akademie für Augenheilkunde bleiben in den ersten vier Wochen etwa 70 Prozent stabil, 20 Prozent bessern sich leicht, 10 Prozent verschlechtern sich. Eine einheitliche Regel für Kontrollen gibt es nicht; viele Kliniken messen Gesichtsfeld und OCT nach etwa drei, sechs und zwölf Monaten.
Wer hat eine bessere Prognose?
Jüngere Menschen erholen sich im Durchschnitt etwas besser. Eine schlechtere Prognose haben höheres Alter, Diabetes, Bluthochdruck, Nierenversagen und eine schwere Schlafapnoe. Wie gut das Sehen am Ende ist, hängt vor allem davon ab, welcher Teil der Papille betroffen war: Ist das zentrale Sehen ausgespart, bleiben Lesen und Gesichtererkennen oft gut möglich.
Wie hoch ist das Risiko für das zweite Auge?
Bei der nicht-arteriitischen Form erkrankt das zweite Auge bei etwa 15 von 100 Betroffenen innerhalb von fünf Jahren. Je nach Studie liegen die Zahlen zwischen 12 und 24 Prozent, einzelne Quellen nennen bis 30 Prozent. Im Mittel vergehen zwischen dem ersten und dem zweiten Auge sieben bis zwölf Monate, bei Menschen unter 50 oft weniger. Manchmal liegen aber auch Jahre dazwischen.
Bei der arteriitischen Form ist das Risiko ohne Behandlung sehr hoch: In bis zu 60 Prozent der unbehandelten Fälle erblindet nach deutschen Angaben auch das zweite Auge, oft innerhalb weniger Tage. Unter rascher Kortisontherapie ist das Partnerauge meist geschützt. In den ersten Tagen nach Beginn der Behandlung kann es trotzdem noch zu weiterem Sehverlust kommen.
Kann dasselbe Auge noch einmal betroffen sein?
Das ist selten. Ein erneuter Infarkt im selben Auge tritt bei etwa 3 bis 8 Prozent auf. Als Erklärung gilt: Nach der ersten AION sind Nervenfasern geschwunden, die Papille ist weniger eng, und der Teufelskreis aus Schwellung und Minderdurchblutung kommt seltener in Gang.
Wie leben Menschen mit einem bleibenden Ausfall?
Die meisten lernen, mit dem Ausfall gut zurechtzukommen. Das Gehirn gewöhnt sich an das Sehen mit den gesunden Bereichen, und das andere Auge gleicht vieles aus. Schwieriger wird es bei Ausfällen der unteren Gesichtsfeldhälfte, etwa auf Treppen, und wenn auch das zweite Auge betroffen ist. Eine AION ist selbst nicht lebensbedrohlich, kann aber den Alltag deutlich einschränken.
Darf ich nach einer AION noch Auto fahren?
Das hängt von der Sehschärfe und vor allem vom Gesichtsfeld beider Augen zusammen ab. In Deutschland und Österreich gelten gesetzliche Mindestanforderungen an Sehschärfe und Gesichtsfeld, die für Berufskraftfahrer strenger sind als für den Pkw-Führerschein. Ist nur ein Auge betroffen und das andere gesund, ist Autofahren oft nach einer Eingewöhnungszeit wieder möglich. Lassen Sie sich von Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt nach einer Gesichtsfeldmessung beraten, ob Sie die Anforderungen erfüllen.
Welche Folgen kann die Riesenzellarteriitis außerhalb des Auges haben?
Die Riesenzellarteriitis ist eine Erkrankung des ganzen Körpers. Unbehandelt kann sie zu Schlaganfall, Aussackungen (Aneurysmen) und Einrissen der Hauptschlagader führen. Bei sofortiger Behandlung ist die Prognose insgesamt gut. Wegen der möglichen Aortenaneurysmen empfehlen Fachleute langfristige Kontrollen, etwa mit Ultraschall oder MRT.
Ist eine AION ein Warnzeichen für Schlaganfall?
Eine AION ist kein Schlaganfall im eigentlichen Sinn, teilt aber viele Risikofaktoren mit ihm. In einer Untersuchung war das Schlaganfallrisiko bei Menschen mit nicht-arteriitischer AION etwa dreimal so hoch. Fachleute diskutieren, wie eng der Zusammenhang wirklich ist. Für Sie bedeutet das: Lassen Sie Herz und Gefäße beim Hausarzt untersuchen und die Risikofaktoren gut einstellen.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (9)
- Kann man einer Durchblutungsstörung des Sehnervs vorbeugen?
- Welche Gefäßrisiken sollte ich angehen?
- Muss ich bei Blutdrucktabletten etwas beachten?
- Sollte ich mich auf Schlafapnoe untersuchen lassen?
- Was gilt für Potenzmittel?
- Was gilt für Semaglutid und ähnliche Mittel?
- Worauf sollte ich vor einer Operation achten?
- Wie behalte ich das Partnerauge im Blick?
- Kann man der Riesenzellarteriitis vorbeugen?
Kann man einer Durchblutungsstörung des Sehnervs vorbeugen?
Einen sicheren Schutz gibt es nicht, aber Sie können die bekannten Risikofaktoren verringern. Die angeborene Form der Papille lässt sich nicht ändern. Gefäßrisiken, Schlafapnoe und manche Medikamente lassen sich dagegen beeinflussen. Besonders wichtig ist das für Menschen, die bereits an einem Auge eine AION hatten.
Welche Gefäßrisiken sollte ich angehen?
Gut eingestellter Blutdruck, Blutzucker und gute Blutfettwerte sind die Grundlage. Konkret heißt das:
- regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt oder Internisten
- Rauchen und Dampfen aufgeben
- Bewegung, möglichst an den meisten Tagen der Woche
- Übergewicht abbauen, ausgewogen essen
- Diabetes so einstellen, wie es mit Ihrem Arzt vereinbart ist
Muss ich bei Blutdrucktabletten etwas beachten?
Ja: Der Blutdruck sollte gut eingestellt sein, aber nachts nicht zu stark abfallen. Fachquellen raten zur Vorsicht bei Blutdruckmitteln, die abends eingenommen werden, und bei einer sehr scharfen Senkung. Eine 24-Stunden-Blutdruckmessung kann zeigen, ob Ihr Blutdruck nachts stark absinkt. Ändern Sie die Einnahme aber nie eigenmächtig, sondern besprechen Sie Zeitpunkt und Dosis mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Sollte ich mich auf Schlafapnoe untersuchen lassen?
Ja, wenn Sie laut schnarchen, nachts Atemaussetzer haben, tagsüber oft müde sind oder Übergewicht haben. Eine Untersuchung im Schlaflabor oder mit einem Gerät für zu Hause klärt das. Bei leichter Schlafapnoe helfen oft Gewichtsabnahme, Verzicht auf Alkohol am Abend und das Schlafen in Seitenlage. Bei mittlerer bis schwerer Ausprägung kommt eine Atemmaske (CPAP) zum Einsatz. Ob das das Auge schützt, ist nicht bewiesen, aber es nützt Herz und Kreislauf.
Was gilt für Potenzmittel?
Nach einer AION sollten Sie Potenzmittel wie Sildenafil oder Tadalafil nur nach Rücksprache mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt nehmen. Das Risiko für das Partnerauge könnte steigen. Französische Fachquellen sehen eine durchgemachte AION als Gegenanzeige. Wer ohne Vorgeschichte solche Mittel nimmt, sollte die Warnzeichen kennen und bei plötzlicher Sehverschlechterung sofort das Mittel weglassen und zur Augenärztin oder zum Augenarzt gehen.
Was gilt für Semaglutid und ähnliche Mittel?
Setzen Sie Semaglutid nicht eigenmächtig ab. Sprechen Sie mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt, wenn Sie eine AION hatten oder ein erhöhtes Risiko haben. Bei einer plötzlichen Sehverschlechterung unter einer solchen Behandlung gehen Sie sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt und erwähnen das Medikament, auch wenn Sie es privat bezogen haben.
Worauf sollte ich vor einer Operation achten?
Informieren Sie vor jeder größeren Operation die Narkoseärztin oder den Narkosearzt über Ihre AION. Dann kann darauf geachtet werden, dass der Blutdruck während der Narkose nicht zu stark absinkt. Vor einer Katarakt-Operation am Partnerauge sollten Sie das ebenfalls ansprechen, damit das Risiko besprochen wird.
Wie behalte ich das Partnerauge im Blick?
Prüfen Sie Ihr gesundes Auge gelegentlich selbst, indem Sie das andere zuhalten, und nehmen Sie die Kontrolltermine wahr. Achten Sie auf Schatten, einen fehlenden Bildteil oder blassere Farben. Jede neue Sehverschlechterung, auch eine leichte, ist ein Grund, noch am selben Tag in die Augenklinik zu gehen.
Kann man der Riesenzellarteriitis vorbeugen?
Der Riesenzellarteriitis selbst kann man nicht vorbeugen, aber man kann ihre Augenfolgen verhindern. Entscheidend ist, die Warnzeichen zu kennen: neue Schläfenkopfschmerzen, Kauschmerz, empfindliche Kopfhaut, Fieber, Gewichtsverlust und Muskelschmerzen ab 50. Wer bereits wegen einer Polymyalgia rheumatica behandelt wird, sollte bei neuen Kopfschmerzen oder Sehstörungen sofort ärztlich gesehen werden. Ist die Diagnose gestellt, schützt die konsequente Einnahme des Kortisons das Sehen.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (5)
Wann muss ich sofort in die Klinik?
Jeder plötzliche Sehverlust auf einem oder beiden Augen ist ein Notfall, auch wenn er nicht weh tut und auch wenn er sich wieder bessert. Hinter ihm kann eine AION stecken, aber auch ein Arterienverschluss der Netzhaut, eine Netzhautablösung oder ein Schlaganfall. Gehen Sie noch am selben Tag in eine Augenklinik oder Notaufnahme. Mehr zu den Warnzeichen finden Sie unter Notfall am Auge.
Sofort, auch nachts und am Wochenende, wenn Sie über 50 sind und zum Sehverlust eines dieser Zeichen kommt:
- neue Kopfschmerzen, besonders an den Schläfen
- Schmerzen beim Kauen oder Sprechen
- empfindliche Kopfhaut, etwa beim Kämmen
- Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust
- Muskelschmerzen und Steifigkeit in Schultern oder Hüften
- Doppelbilder oder ein hängendes Lid
- kurze Sehausfälle, die kommen und gehen
Das sind Zeichen einer möglichen Riesenzellarteriitis. Hier können Stunden darüber entscheiden, ob auch das zweite Auge erblindet.
Wann rufe ich den Notruf?
Rufen Sie den Notruf 112, in Österreich 144, wenn zum Sehverlust Lähmungen, Taubheitsgefühl, Sprachstörungen, ein hängender Mundwinkel, Schwindel oder ein starker plötzlicher Kopfschmerz kommen. Dann kann ein Schlaganfall vorliegen.
Was tun, wenn die Augenarztpraxis geschlossen ist?
Fahren Sie direkt in die nächste Augenklinik oder Notaufnahme. In Deutschland vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450, wenn Sie unsicher sind. Fahren Sie nicht selbst Auto. Nehmen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit.
Wann reicht ein Termin in den nächsten Tagen?
Ein Termin innerhalb von ein bis zwei Tagen reicht, wenn die AION bereits festgestellt und eine Riesenzellarteriitis ausgeschlossen ist und sich das Sehen nur langsam weiter verschlechtert. Melden Sie eine solche Verschlechterung umgehend in der Praxis oder Klinik. Neue Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Kauschmerz unter oder nach einer Kortisontherapie sollten Sie dagegen noch am selben Tag melden, weil sie auf einen Rückfall der Riesenzellarteriitis hindeuten können.
Wann sind Routinetermine sinnvoll?
Nach der akuten Phase sind Kontrollen nach etwa drei, sechs und zwölf Monaten üblich, danach regelmäßig nach Absprache. Dazu kommen Termine beim Hausarzt für die Gefäßrisiken und gegebenenfalls in der Rheumatologie. Jede neue Sehstörung am zweiten Auge ist dagegen wieder ein Notfall.
9 Häufige Fragen
Warum sehe ich morgens nach dem Aufwachen auf einem Auge plötzlich schlechter?
Ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust beim Aufwachen ist typisch für eine Durchblutungsstörung des Sehnervs. Etwa 70 bis 75 Prozent der Betroffenen bemerken ihn morgens, vermutlich wegen des Blutdruckabfalls in der Nacht. Auch andere Ursachen wie ein Gefäßverschluss in der Netzhaut sind möglich. Gehen Sie deshalb noch am selben Tag in eine Augenklinik.
Ist eine Durchblutungsstörung des Sehnervs ein Notfall?
Ja. Auch wenn sich die häufigere nicht-arteriitische Form nicht wirksam behandeln lässt, muss sofort eine Riesenzellarteriitis ausgeschlossen werden. Sie kann ohne Kortison innerhalb von Tagen auch das zweite Auge erblinden lassen. Bei Kopfschmerzen, Kauschmerz oder Fieber gehen Sie sofort, auch nachts.
Wird das Sehen nach einem Sehnerveninfarkt wieder besser?
Teilweise. Bei der nicht-arteriitischen Form bessert sich das Sehen bei etwa 40 Prozent von selbst ein wenig, meist in den ersten Wochen bis Monaten. Eine vollständige Heilung ist selten. Bei der arteriitischen Form kommt das verlorene Sehen meist nicht zurück; die Behandlung schützt aber das andere Auge.
Kann auch das andere Auge einen Sehnerveninfarkt bekommen?
Ja. Bei der nicht-arteriitischen Form trifft es das zweite Auge bei etwa 15 von 100 Betroffenen innerhalb von fünf Jahren. Bei einer unbehandelten Riesenzellarteriitis ist das Risiko viel höher und das zweite Auge kann schon nach Tagen erkranken. Jede neue Sehstörung am gesunden Auge ist ein Notfall.
Warum bekomme ich Kortison, obwohl die Diagnose noch nicht sicher ist?
Weil bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis jede Stunde zählt. Das Kortison schützt das zweite Auge und das restliche Sehen. Ultraschall oder Biopsie der Schläfenarterie bleiben auch nach Beginn der Behandlung noch einige Tage bis etwa zwei Wochen aussagekräftig. Deshalb wird nicht gewartet.
Gibt es Tabletten, Spritzen oder eine Operation gegen NAION?
Nein, bisher hat sich keine Behandlung als wirksam erwiesen. Eine Operation an der Sehnervenscheide war in einer großen Studie sogar eher schädlich. Kortison, Aspirin und Spritzen ins Auge haben keinen gesicherten Nutzen. Wichtig ist die Behandlung von Blutdruck, Diabetes, Blutfetten und Schlafapnoe.
Können Potenzmittel wie Sildenafil einen Sehnerveninfarkt auslösen?
Ein Zusammenhang ist möglich, aber nicht bewiesen. Einige Studien finden bei regelmäßigen Anwendern ein etwa doppelt so hohes Risiko, die absolute Häufigkeit ist aber gering. Nach einer AION sollten Sie solche Mittel nur nach Rücksprache mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt nehmen.
Kann die Abnehmspritze Semaglutid den Sehnerv schädigen?
Die europäische Arzneimittelbehörde führt eine Durchblutungsstörung des Sehnervs als sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid. Setzen Sie das Mittel nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt. Bei plötzlicher Sehverschlechterung sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
Hat Schnarchen oder Schlafapnoe etwas mit dem Sehnerveninfarkt zu tun?
Ja, die obstruktive Schlafapnoe gilt als wichtiger Risikofaktor und findet sich bei vielen Betroffenen. Eine Untersuchung im Schlaflabor ist sinnvoll, wenn Sie schnarchen oder tagsüber müde sind. Ob die Behandlung mit Atemmaske das zweite Auge schützt, ist nicht bewiesen, sie nützt aber Herz und Kreislauf.
Ist ein Sehnerveninfarkt dasselbe wie ein Schlaganfall?
Nicht ganz. Er wird zwar oft Schlaganfall des Sehnervs genannt, entsteht aber meist nicht durch ein Gerinnsel aus Herz oder Halsschlagader. Die Risikofaktoren sind jedoch ähnlich, und das Schlaganfallrisiko ist erhöht. Lassen Sie deshalb Herz und Gefäße beim Hausarzt überprüfen.
Soll ich meine Blutdrucktabletten nach einer AION morgens statt abends nehmen?
Das sollten Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt besprechen. Ein starker nächtlicher Blutdruckabfall gilt als möglicher Auslöser, deshalb raten Fachleute zur Vorsicht mit abendlicher Einnahme. Eine 24-Stunden-Blutdruckmessung kann klären, ob Ihr Blutdruck nachts zu tief sinkt. Ändern Sie nichts eigenmächtig.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 27 Quellen anzeigen
- Ischämische Optikusneuropathie (Ausgabe für Patienten) – MSD Manual (DE)
- Ischämische Optikusneuropathie (Profi-Ausgabe) – MSD Manual (DE)
- Anteriore ischämische Optikusneuropathie – DocCheck Flexikon (DE)
- Plötzlicher Sehverlust: Schnell medizinische Hilfe suchen – Apotheken Umschau (DE)
- Riesenzellarteriitis – apotheken.de (DE)
- PDE-5-Hemmer können zu Augenkomplikationen führen – Apotheke Adhoc (DE)
- Non-Arteritic Anterior Ischemic Optic Neuropathy (NAION) – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- NAION: Diagnosis and Management – EyeNet Magazine, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Non-Arteritic Anterior Ischemic Optic Neuropathy (NA-AION): A Comprehensive Overview – Salvetat et al., Vision 2023 (PMC) (EN)
- Ischemic optic neuropathies – Hayreh, Indian Journal of Ophthalmology 2011 (PMC) (EN)
- Anterior Ischemic Optic Neuropathy – Cleveland Clinic (EN)
- Non-Arteritic Anterior Ischemic Optic Neuropathy (NAION), Patientenmerkblatt – Hull University Teaching Hospitals NHS Trust (EN)
- Giant cell arteritis (temporal arteritis) – NHS (EN)
- Ischemic Optic Neuropathy – MSD Manual Professional (EN)
- Semaglutide and NAION, Drug Safety Update – MHRA (EN)
- Neuropathie optique ischémique antérieure (NOIA) – Collège des Ophtalmologistes Universitaires de France (FR)
- Neuropathie optique ischémique – MSD Manuels (version professionnelle) (FR)
- Artérite à cellules géantes – MSD Manuels (version professionnelle) (FR)
- Dossier progressif n°133 (NOIA) – La Revue du Praticien (FR)
- Pseudopolyarthrite rhizomélique et maladie de Horton : quoi de neuf ? – Vidal (FR)
- ROACTEMRA (tocilizumab) – Haute Autorité de Santé (HAS) (FR)
- Neuropatía óptica isquémica (versión para el público general) – MSD Manuals (ES)
- Neuropatía óptica isquémica (versión para profesionales) – MSD Manuals (ES)
- Neuropatía óptica isquémica anterior – NIH, Centro de Información sobre Enfermedades Genéticas y Raras (GARD) (ES)
- Neuropatía óptica (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- ¿Existe tratamiento para la neuropatía óptica isquémica anterior no arterítica? – IntraMed (ES)
- Neuropatía óptica isquémica anterior no arterítica y apnea del sueño – IntraMed (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss