Zum Inhalt springen
augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Lederhaut

Episkleritis (Entzündung der Episklera)

Die Episkleritis ist eine meist harmlose Entzündung der dünnen Gewebeschicht zwischen Bindehaut und Lederhaut. Sie macht eine umschriebene, hell- bis lachsrote Rötung mit wenig Schmerz, betrifft vor allem Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren und klingt in der Regel innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen von selbst ab.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 26 Minuten · 6 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

Die Episkleritis ist eine Entzündung der Episklera. Das ist eine dünne, gut durchblutete Bindegewebsschicht, die zwischen der durchsichtigen Bindehaut und der festen weißen Lederhaut (Sklera) liegt. Entzündet sie sich, färbt sich ein Teil des Augenweißes hell- bis lachsrot. Die Erkrankung gilt als gutartig und heilt fast immer ohne Folgen aus.

Fachleute unterscheiden zwei Formen. Die einfache Episkleritis ist häufiger, beginnt plötzlich und betrifft meist einen Abschnitt des Auges, seltener das ganze Augenweiß. Die knotige (noduläre) Episkleritis bildet ein kleines, erhabenes, gerötetes Knötchen, beginnt schleichender und dauert länger.

Typisch sind eine begrenzte Rötung, ein leichtes Druck-, Wund- oder Fremdkörpergefühl, manchmal Tränen und Lichtempfindlichkeit. Das Sehen bleibt normal. Starke Schmerzen gehören nicht zum Bild: Sie sprechen eher für eine Skleritis, eine tiefere und ernstere Entzündung der Lederhaut selbst.

Die meisten Fälle haben keine erkennbare Ursache. Bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Betroffenen steckt eine Allgemeinerkrankung dahinter, am häufigsten rheumatoide Arthritis oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Rückfälle sind häufig. Wer immer wieder Schübe hat, sollte gemeinsam mit der Hausärztin oder dem Hausarzt eine Abklärung auf Rheuma und andere Entzündungskrankheiten besprechen.

Die Behandlung ist meist einfach: kühlen, künstliche Tränen, bei Bedarf entzündungshemmende Tabletten und nur nach augenärztlicher Kontrolle kurzzeitig schwache Kortisontropfen. Eine Operation ist nie nötig.

2 Symptome

In diesem Kapitel (16)

Welche Beschwerden macht eine Episkleritis?

Das Leitsymptom ist eine umschriebene Rötung des Augenweißes bei gutem Sehen und meist nur leichten Beschwerden.

Die folgende Übersicht ordnet die Zeichen danach, wie oft sie vorkommen. Die Angaben beruhen auf augenärztlichen Fachübersichten und Patienteninformationen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und den USA.

BeschwerdeWie häufig?Typische Ausprägung
Rötung eines Teils des Augenweißespraktisch immerhellrot bis lachsrosa, meist in einem Abschnitt
Leichtes Wund-, Druck- oder Reizgefühlhäufigunangenehm, aber nicht bohrend
Fremdkörpergefühl („Sand im Auge“)häufigvor allem beim Blinzeln
Druckempfindlichkeit der geröteten Stellehäufig, vor allem bei der knotigen Formbeim Tasten durch das Lid spürbar
Tränengelegentlichklar, wässrig, kein eitriges Sekret
Lichtempfindlichkeitgelegentlichmeist leicht
Leichte Lidschwellung oder geschwollene Bindehautseltenvor allem bei ausgeprägter Entzündung
Sehverschlechterungnicht typischWarnzeichen, siehe unten

Wie sieht die Rötung aus?

Die Rötung ist hellrot bis lachsrosa und liegt oberflächlich, direkt unter der Bindehaut.

Bei der einfachen Form ist meist nur ein Ausschnitt des Augenweißes betroffen, häufig seitlich in der Lidspalte. In Fachübersichten ist das bei etwa zwei Dritteln der Fall. Bei etwa einem Drittel ist die Rötung flächig (diffus) über das ganze sichtbare Augenweiß verteilt.

Wer genau hinschaut, sieht gestaute, gerade Gefäße, die strahlenförmig vom Rand der Hornhaut nach außen ziehen. Der Farbton unterscheidet sich vom tiefen, violett-bläulichen Rot der Skleritis. Im Tageslicht ist dieser Unterschied besser zu erkennen als unter Kunstlicht.

Wie fühlt sich eine Episkleritis an?

Die meisten Betroffenen beschreiben ein leichtes Wund-, Druck- oder Reizgefühl, das eher stört als schmerzt.

Häufig wird ein Gefühl wie von Sand oder einem Fremdkörper im Auge genannt. Die Stelle kann empfindlich sein, wenn man von außen durch das Lid darauf drückt. Manche spüren gar nichts und bemerken die Rötung nur im Spiegel oder werden von anderen darauf angesprochen.

Fachübersichten nennen leichte Beschwerden und Druckschmerz. Der Schmerz ist bei der Episkleritis höchstens gering. Ein starker Schmerz spricht gegen die Diagnose.

Wie unterscheiden sich die einfache und die knotige Form?

Die einfache Form beginnt plötzlich und klingt rasch ab, die knotige Form entwickelt sich langsamer, bildet ein tastbares Knötchen und dauert länger.

MerkmalEinfache EpiskleritisKnotige (noduläre) Episkleritis
Anteilhäufigere Formseltenere Form
Beginnplötzlich, Höhepunkt oft nach etwa 12 Stundenschleichend, oft beim Aufwachen bemerkt
Aussehenflache Rötung in einem Abschnitt oder flächigumschriebenes, erhabenes, gerötetes Knötchen
Beschwerdenleichtes Reiz- oder WundgefühlKnötchen oft druckempfindlich
Dauer eines Schubsoft wenige Tage, selten länger als 2 bis 3 Wochenmeist länger; das Knötchen wächst über einige Tage
Rückfällehäufig, werden mit den Jahren meist seltenermöglich

Episcleritis periodica fugax

So nennen Fachleute eine Sonderform der einfachen Episkleritis mit kurzen, immer wiederkehrenden Schüben. Die Rötung kommt rasch, ist nach wenigen Tagen wieder verschwunden und kehrt in Abständen von Wochen oder Monaten zurück, manchmal am anderen Auge.

Wie fühlt sich das Knötchen an?

Das Knötchen der nodulären Form ist klein, rund bis oval, rot und lässt sich mit der Bindehaut etwas hin und her schieben.

Es sitzt auf der Lederhaut, ist aber nicht mit ihr verwachsen. Die Augenärztin oder der Augenarzt prüft das nach örtlicher Betäubung mit einem Wattestäbchen. Bei der knotigen Skleritis ist der Knoten dagegen fest mit der Lederhaut verbunden und kaum beweglich. Betroffene sollten selbst nicht am Auge drücken oder schieben.

Ist ein Auge oder sind beide Augen betroffen?

Meist ist bei einem Schub nur ein Auge betroffen.

Bei wiederkehrender Episkleritis kann beim nächsten Mal das andere Auge an der Reihe sein. Gleichzeitig beidseitige Schübe kommen vor, sind aber seltener. Sie sind ein Grund mehr, an eine zugrunde liegende Allgemeinerkrankung zu denken.

Wie schnell kommen und gehen die Beschwerden?

Die einfache Form erreicht ihren Höhepunkt meist innerhalb eines Tages und bildet sich dann innerhalb von Tagen bis etwa drei Wochen zurück.

Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume: Eine spanischsprachige Übersicht spricht von sieben bis zehn Tagen, eine US-Fachübersicht von bis zu zwei bis drei Wochen für eine Episode. Diese Spanne hängt davon ab, welche Form vorliegt und ob eine Allgemeinerkrankung mitspielt. Die knotige Form und Episkleritis bei Rheuma oder Darmerkrankung dauern oft länger.

Sieht man mit Episkleritis schlechter?

Nein, die Sehschärfe bleibt bei einer Episkleritis normal.

Leicht verschwommenes Sehen durch vermehrtes Tränen bessert sich beim Blinzeln. Wer dauerhaft schlechter sieht, Doppelbilder oder Schatten bemerkt oder eine ausgeprägte Blendung hat, hat wahrscheinlich etwas anderes oder eine zusätzliche Erkrankung. Das muss augenärztlich geklärt werden.

Gibt es Ausfluss oder verklebte Lider?

Nein, eitriges oder schleimiges Sekret und morgens verklebte Lider gehören nicht zur Episkleritis.

Das Auge kann tränen, die Flüssigkeit ist aber klar. Gelbliches oder grünliches Sekret spricht eher für eine Bindehautentzündung. Fachübersichten nennen Sekret ausdrücklich als Grund, die Diagnose Episkleritis zu überdenken.

Juckt eine Episkleritis?

Starker Juckreiz ist für eine Episkleritis untypisch.

Wer vor allem Juckreiz spürt und beide Augen gleichmäßig gerötet hat, denkt eher an eine Allergie oder ein trockenes Auge. Ein leichtes Reizgefühl kann sich allerdings ähnlich anfühlen. Ein trockenes Auge und eine Lidrandentzündung kommen zusätzlich zur Episkleritis häufig vor und können die Beschwerden verstärken.

Was bemerken Angehörige?

Angehörigen fällt meist zuerst ein „rotes Fleckchen“ im Augenweiß auf, oft bevor die betroffene Person selbst etwas merkt.

Typisch ist, dass die Person sich trotzdem wohlfühlt, normal liest und Auto fährt. Sie reibt sich vielleicht etwas häufiger das Auge oder blinzelt öfter. Wirkt die Person dagegen deutlich gequält, kann wegen Schmerzen nicht schlafen oder meidet Licht stark, ist das kein typisches Bild einer Episkleritis.

Wie unterscheidet sich die Rötung von einer Blutung unter der Bindehaut?

Eine Blutung unter der Bindehaut ist eine flächige, scharf begrenzte, kräftig rote Fläche ohne einzelne erkennbare Gefäße.

Bei der Episkleritis sieht man dagegen gestaute, einzeln erkennbare Gefäße mit rosa Untergrund. Die Blutung schmerzt nicht, tränt nicht und wechselt über Tage die Farbe ins Gelbliche wie ein blauer Fleck. Im Zweifel klärt die augenärztliche Untersuchung den Befund.

Besonderheiten bei Kindern

Bei Kindern ist eine Episkleritis selten, kommt aber vor.

In einer Studie mit Kindern waren Jungen häufiger betroffen als Mädchen, während bei Erwachsenen Frauen überwiegen. Kinder beschreiben Beschwerden oft ungenau. Eltern sollten darauf achten, ob das Kind gut sieht, ob es Schmerzen äußert und ob Sekret da ist. Ein rotes Kinderauge gehört grundsätzlich in augenärztliche oder kinderärztliche Hände, weil auch ernstere Ursachen dahinterstecken können.

Besonderheiten bei älteren Menschen

Ältere Menschen erkranken seltener neu an einer Episkleritis als jüngere Erwachsene.

Tritt im höheren Alter erstmals eine umschriebene Augenrötung auf, denken Augenärztinnen und Augenärzte gezielter an andere Ursachen. Dazu gehören ein entzündeter Lidspaltenfleck (Pingueculitis), ein trockenes Auge, selten eine Gefäßentzündung (Vaskulitis) oder ein Tumor der Bindehaut.

Episkleritis als Nebenwirkung von Krebsmedikamenten

Unter einer Krebstherapie mit Immun-Checkpoint-Hemmern kann eine Episkleritis als Nebenwirkung auftreten.

Das betrifft weniger als 1 Prozent der Behandelten und zeigt sich typischerweise um die fünfte Behandlungswoche. Die Beschwerden gleichen der gewöhnlichen Episkleritis. Wer eine solche Therapie erhält und ein rotes Auge bemerkt, sollte das behandelnde onkologische Team informieren und augenärztlich untersuchen lassen.

Welche Beschwerden passen nicht zur Episkleritis?

Starke, tiefe, bohrende Schmerzen, Sehverschlechterung und eine violette Verfärbung passen nicht zu einer Episkleritis und deuten auf eine ernstere Erkrankung hin.

  • Bohrender Schmerz, der bei Augenbewegungen zunimmt, nachts weckt oder in Stirn, Schläfe, Ohr oder Kiefer ausstrahlt: Verdacht auf Skleritis.
  • Violett-bläulicher Farbton oder eine dunkle, durchscheinende Stelle in der Lederhaut: Verdacht auf Skleritis.
  • Rötung rund um die Hornhaut, Lichtscheu, enge oder unrunde Pupille, Schleiersehen: Verdacht auf Uveitis.
  • Weiße Flecken auf der Hornhaut, starkes Fremdkörpergefühl, Sehminderung: Verdacht auf Hornhautentzündung.
  • Eitriges Sekret, verklebte Lider: eher Bindehautentzündung.
  • Sehr starker Schmerz mit Übelkeit, Regenbogenringen und hartem Auge: Verdacht auf akuten Glaukomanfall, ein Notfall.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (10)

Was passiert bei einer Episkleritis im Auge?

Bei einer Episkleritis stauen sich die Blutgefäße im oberflächlichen Gefäßgeflecht der Episklera, und Entzündungszellen wandern in das Gewebe ein.

Betroffen sind die Episklera und die angrenzende Tenon-Kapsel, eine dünne Bindegewebshülle um den Augapfel. Die eigentliche Lederhaut bleibt frei. Deshalb wird das Gewebe auch nicht zerstört, und die Erkrankung heilt ohne Narben ab. Warum die Entzündung genau entsteht, ist bis heute nicht geklärt. Fachleute gehen von einer überschießenden Abwehrreaktion des Immunsystems aus.

Hat eine Episkleritis meist eine Ursache?

Nein, die meisten Fälle sind idiopathisch, das heißt, es lässt sich keine Ursache finden.

Übersichten aus den USA und Spanien beziffern den Anteil mit einer zugehörigen Allgemeinerkrankung auf etwa 26 bis 36 Prozent, also rund ein Viertel bis ein Drittel. Bei einer einzelnen, rasch abklingenden Episode ist eine Grunderkrankung unwahrscheinlicher als bei häufigen oder langwierigen Schüben.

Welche Allgemeinerkrankungen können dahinterstecken?

Am häufigsten ist die rheumatoide Arthritis, gefolgt von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

GruppeBeispiele
Rheuma und Kollagenosenrheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, reaktive Arthritis, Morbus Bechterew, rezidivierende Polychondritis
Chronisch-entzündliche DarmerkrankungenMorbus Crohn, Colitis ulcerosa
Gefäßentzündungen (Vaskulitiden)Granulomatose mit Polyangiitis, Polyarteriitis nodosa, Riesenzellarteriitis, Morbus Behçet, Cogan-Syndrom, eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis
HauterkrankungenRosazea, Pyoderma gangraenosum, Sweet-Syndrom
Stoffwechsel und AllergieGicht, Neigung zu Allergien (Atopie)
Bluterkrankungen (sehr selten)T-Zell-Leukämie, Hodgkin-Lymphom

Warum ist die Verbindung zu Darmerkrankungen wichtig?

Die Episkleritis ist die häufigste Augenbeteiligung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa und folgt oft der Krankheitsaktivität im Darm.

Flammt die Darmerkrankung auf, rötet sich bei manchen Betroffenen auch das Auge. Umgekehrt kann eine neue Episkleritis ein Hinweis sein, dass die Darmentzündung wieder aktiver ist. Wer eine solche Erkrankung hat, sollte ein rotes Auge deshalb dem gastroenterologischen Team mitteilen.

Können Infektionen eine Episkleritis auslösen?

Ja, aber selten.

Beschrieben sind unter anderem Herpes-Viren (Herpes zoster und Herpes simplex), Mumps, Syphilis, Borreliose, Tuberkulose und andere Mykobakterien, Chlamydien, Pilze und Parasiten wie Akanthamöben oder Toxoplasmen. Diese Ursachen sind Ausnahmen. Sie werden vor allem dann gesucht, wenn die Krankengeschichte, Reisen, Hautausschläge oder andere Befunde darauf hinweisen. Auch im Zusammenhang mit COVID-19 sowie nach Infektion oder Impfung wurde über Episkleritis berichtet. Ein ursächlicher Zusammenhang ist dabei nicht belegt.

Können Medikamente eine Episkleritis auslösen?

Ja, einige wenige Medikamente sind als seltene Auslöser beschrieben.

  • Topiramat, ein Mittel gegen Epilepsie und Migräne
  • Pamidronat, ein Bisphosphonat gegen Knochenabbau
  • Immun-Checkpoint-Hemmer in der Krebstherapie

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nie eigenmächtig ab. Besprechen Sie den Verdacht mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt.

Welche äußeren Reize spielen eine Rolle?

Auch ein Fremdkörper oder eine Verätzung kann eine episklerale Entzündung hervorrufen.

Die britische Moorfields-Augenklinik nennt außerdem Alltagsfaktoren, die einen Schub begünstigen können: Übermüdung, langes Lesen oder Arbeiten am Bildschirm sowie trockene, staubige Luft. Wie stark diese Zusammenhänge belegt sind, ist unklar. Sie stammen aus Erfahrungsberichten, nicht aus Studien.

Wer ist besonders häufig betroffen?

Am häufigsten erkranken Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren, Frauen öfter als Männer.

In einer US-Bevölkerungsstudie aus Olmsted County (Minnesota, 2006 bis 2015) lag das mittlere Alter bei der Diagnose bei 40 Jahren, rund 60 Prozent waren Frauen. In einer Studie hatte gut die Hälfte der Betroffenen gleichzeitig eine andere Augenerkrankung, etwa ein trockenes Auge oder eine Lidrandentzündung.

Wie häufig ist die Episkleritis?

Die Episkleritis ist eine relativ häufige Ursache eines roten Auges, genaue Zahlen schwanken aber stark.

  • Eine Studie von 2013 schätzte 41 Neuerkrankungen pro 100.000 Menschen und Jahr.
  • In Olmsted County (USA, 2006 bis 2015) waren es rund 15 pro 100.000 und Jahr.
  • In Melbourne (Australien, 2020) waren es 4,4 pro 100.000 Personenjahre.

Die Unterschiede erklären sich durch die Bevölkerung, die Art der Erfassung und dadurch, dass viele leichte Fälle nie ärztlich gesehen werden. Für Deutschland und Österreich liegen nach unserer Recherche keine eigenen Zahlen vor.

Ist die Episkleritis ansteckend oder erblich?

Nein, die gewöhnliche Episkleritis ist weder ansteckend noch erblich.

Sie ist keine Infektion, sondern eine Entzündungsreaktion. Bei den seltenen infektiösen Ursachen gilt das, was für den jeweiligen Erreger gilt. Rheuma- und Darmerkrankungen, die mit einer Episkleritis einhergehen können, treten in manchen Familien gehäuft auf. Die Episkleritis selbst wird nicht vererbt.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (9)

Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose?

Die Episkleritis ist eine klinische Diagnose: Sie ergibt sich aus Gespräch, Blick auf das Auge und Untersuchung an der Spaltlampe.

Spezielle Geräte oder Blutuntersuchungen sind bei einer ersten, typischen Episode meist nicht nötig. Wichtig ist vor allem, ernstere Ursachen eines roten Auges sicher auszuschließen, allen voran eine Skleritis, eine Regenbogenhautentzündung und eine Hornhautentzündung.

Welche Fragen werden gestellt?

Im Gespräch geht es darum, wie die Rötung begonnen hat, wie stark sie schmerzt und ob es Hinweise auf eine Allgemeinerkrankung gibt.

  • Seit wann ist das Auge rot, kam es plötzlich oder langsam?
  • Wie stark sind die Schmerzen? Wecken sie nachts? Strahlen sie aus?
  • Sehen Sie schlechter? Gibt es Sekret?
  • Hatten Sie so etwas schon einmal, am selben oder am anderen Auge?
  • Haben Sie Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen am Morgen, Durchfälle, Hautausschläge, Mundgeschwüre oder Fieber?
  • Welche Medikamente nehmen Sie, auch Krebsmedikamente oder Mittel gegen Migräne und Osteoporose?
  • Gab es eine Verletzung, einen Fremdkörper oder Kontakt mit Chemikalien?

Was sieht man an der Spaltlampe?

An der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt, erkennt man, in welcher Schicht die gestauten Gefäße liegen und wie sie verlaufen.

Bei der Episkleritis ziehen die erweiterten Gefäße gerade und strahlenförmig über die Lederhaut. Die Lederhaut darunter ist nicht geschwollen. Bei der Skleritis liegen die gestauten Gefäße tiefer, verlaufen kreuz und quer und sind an der Lederhaut fixiert. Die Ärztin oder der Arzt schaut sich das Auge zusätzlich im Tageslicht an, weil sich der rosa Farbton der Episkleritis vom violetten Ton der Skleritis dort besser unterscheiden lässt.

Wie wird das Knötchen untersucht?

Das Knötchen der nodulären Episkleritis lässt sich nach örtlicher Betäubung mit einem Wattestäbchen auf der Lederhaut verschieben.

Dieses Zeichen ist wichtig für die Abgrenzung zur knotigen Skleritis, deren Knoten fest sitzt. Zusätzlich wird ausgeschlossen, dass ein eingewachsener Fremdkörper oder ein Granulom (ein Entzündungsknötchen anderer Ursache) das Knötchen verursacht.

Was ist der Phenylephrin-Test?

Beim Phenylephrin-Test tropft die Augenärztin oder der Augenarzt ein gefäßverengendes Mittel ins Auge und prüft nach einigen Minuten, ob die Rötung abblasst.

KonzentrationWas verengt sich?Wozu dient es?
Phenylephrin 2,5 %die Gefäße der BindehautAbgrenzung von Bindehautentzündung und Episkleritis
Phenylephrin 10 %zusätzlich das oberflächliche Gefäßnetz der Episklera, nicht aber die tiefen Gefäße und die Gefäße der LederhautAbgrenzung von Episkleritis und Skleritis

Blasst die Rötung deutlich ab, spricht das für eine Episkleritis. Bleibt eine tiefe, dunkle Rötung bestehen, ist eine Skleritis wahrscheinlicher.

Was ist bei dem Test zu beachten?

Phenylephrin erweitert die Pupille und kann für einige Stunden unscharfes Sehen und Blendung verursachen. Bis die Wirkung abgeklungen ist, sollten Sie nicht Auto fahren. Bei Menschen mit engem Kammerwinkel oder Glaukom wird der Test vorsichtig eingesetzt.

Welche Untersuchungen kommen noch dazu?

Zur vollständigen Untersuchung gehören meist Sehschärfe, Augeninnendruck und ein Blick auf Hornhaut und vordere Augenkammer.

So erkennt die Ärztin oder der Arzt eine begleitende Regenbogenhautentzündung oder Hornhautveränderungen. Auch Lidränder und Tränenfilm werden beurteilt, weil ein trockenes Auge und eine Lidrandentzündung häufig gleichzeitig bestehen. Ist der Augenhintergrund wegen anderer Beschwerden zu prüfen, wird die Pupille mit Tropfen erweitert.

Wann ist eine Abklärung auf Rheuma und andere Erkrankungen sinnvoll?

Bei einer einzelnen Episode ist meist keine Laboruntersuchung nötig, bei wiederkehrenden Schüben ohne bekannte Grunderkrankung kann sie sinnvoll sein.

Welche Untersuchungen veranlasst werden, entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall, je nach Beschwerden und Vorgeschichte. Fachübersichten nennen als mögliche Bausteine:

  • Blutbild und Entzündungswerte (zum Beispiel Blutsenkung)
  • Rheumafaktor und antinukleäre Antikörper (ANA), Hinweise auf Rheuma und Kollagenosen
  • Harnsäure, Hinweis auf Gicht
  • HLA-B27, ein Erbmerkmal, das mit Morbus Bechterew und verwandten Erkrankungen zusammenhängt
  • Suchtest auf Syphilis
  • Urinuntersuchung
  • Tuberkulose-Test und Röntgenbild der Lunge, wenn es Hinweise gibt

In Deutschland und Österreich übernimmt diese Abklärung meist die Hausärztin oder der Hausarzt, bei konkretem Verdacht eine rheumatologische, gastroenterologische oder internistische Praxis. Die Augenärztin oder der Augenarzt gibt den Anstoß und beschreibt den Augenbefund.

Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?

Die wichtigsten Verwechslungsmöglichkeiten sind Skleritis, Bindehautentzündung und ein entzündeter Lidspaltenfleck.

ErkrankungWas ist anders?
Skleritisstarker, bohrender Schmerz, violetter Farbton, tiefe, unverschiebliche Gefäße, die tiefe Rötung blasst mit Phenylephrin nicht ab, Sehen kann leiden
Bindehautentzündungmeist flächig, oft beidseitig, Sekret, auch die Innenseite der Lider gerötet
Phlyktänekleines, oft weißlich-gelbes Bläschen am Hornhautrand, häufig bei Kindern
Entzündeter Lidspaltenfleck (Pingueculitis)gelblicher, leicht erhabener Fleck in der Lidspalte, der sich rötet
Vordere UveitisRötung ringförmig um die Hornhaut, Lichtscheu, Schleiersehen, Entzündungszellen in der Vorderkammer
Episklerales Plasmozytom und andere Tumorensehr selten, wachsen weiter statt abzuklingen

Wann wird die Diagnose noch einmal überprüft?

Wenn die Rötung nach einigen Wochen nicht abklingt, die Schmerzen zunehmen oder neue Beschwerden hinzukommen, wird die Diagnose neu bewertet.

Fachübersichten nennen ausdrücklich starke Schmerzen und Sekret als Gründe, an etwas anderes zu denken. Ein Knötchen, das weiter wächst, wird genauer untersucht, unter Umständen mit Gewebeprobe. Eine Episkleritis kann außerdem selten in eine Skleritis übergehen oder ihr vorausgehen.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (11)

Muss eine Episkleritis überhaupt behandelt werden?

Nein, eine leichte Episkleritis heilt in der Regel von selbst und braucht oft keine Medikamente.

Fachübersichten stellen die Aufklärung und Beruhigung an die erste Stelle. Zu wissen, dass die Rötung harmlos ist und abklingt, ist für viele Betroffene die wichtigste Hilfe. Behandelt wird vor allem dann, wenn die Beschwerden stören, länger anhalten oder häufig wiederkommen.

Was hilft sofort gegen die Beschwerden?

Kühle Kompressen und gekühlte künstliche Tränen lindern Druckgefühl und Reizung.

  • Ein sauberes, mit kaltem Wasser angefeuchtetes Tuch für einige Minuten auf das geschlossene Lid legen. Keine Eisbeutel direkt auf die Haut.
  • Tränenersatzmittel mehrmals täglich tropfen. Im Kühlschrank aufbewahrt wirken sie zusätzlich angenehm kühlend. Für häufigen Gebrauch eignen sich Präparate ohne Konservierungsmittel.
  • Das Auge nicht reiben.
  • Bildschirmpausen einlegen und für ausreichend Schlaf sorgen.

Helfen gefäßverengende Augentropfen gegen die Rötung?

Rezeptfreie „Weißmacher“-Tropfen gegen rote Augen behandeln die Entzündung nicht und sind für die Episkleritis nicht empfohlen.

Sie verengen die Gefäße nur kurz und können bei häufiger Anwendung zu einer Gegenreaktion mit stärkerer Rötung führen. Außerdem verschleiern sie den Befund, den die Augenärztin oder der Augenarzt beurteilen muss.

Wann kommen entzündungshemmende Tabletten infrage?

Bei stärkeren oder länger anhaltenden Beschwerden sind nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) als Tabletten die wichtigste medikamentöse Behandlung.

Dazu gehören Wirkstoffe wie Ibuprofen, Indometacin oder Flurbiprofen. Die in US-amerikanischen Fachübersichten genannten Dosierungen liegen deutlich über dem, was in Deutschland und Österreich rezeptfrei erhältlich ist. Höhere Dosen nehmen Sie deshalb nur nach ärztlicher Verordnung ein. Das gilt besonders bei Magenproblemen, Nierenerkrankungen, Blutverdünnern, Asthma, Bluthochdruck, in der Schwangerschaft und im höheren Alter.

Und entzündungshemmende Augentropfen ohne Kortison?

Augentropfen mit NSAR-Wirkstoffen wie Flurbiprofen oder Ketorolac haben in den vorliegenden Studien keinen Vorteil gegenüber Placebo gezeigt. Sie gehören daher nicht zur Standardbehandlung.

Wann werden Kortisontropfen eingesetzt?

Schwache Kortisontropfen werden bei störenden Beschwerden häufig für kurze Zeit eingesetzt, ihr Einsatz ist aber umstritten.

Sie bessern Rötung und Druckgefühl rasch. Fachübersichten weisen jedoch darauf hin, dass sie Rückfälle begünstigen und nach dem Absetzen eine verstärkte Rötung auslösen können. Kortison am Auge kann außerdem den Augeninnendruck erhöhen und auf Dauer einen Grauen Star fördern.

  • Kortisontropfen sind in Deutschland und Österreich verschreibungspflichtig.
  • Sie werden nur nach augenärztlicher Untersuchung angewendet, weil sie zum Beispiel eine Herpes-Infektion der Hornhaut verschlimmern können.
  • Bei längerer Anwendung wird der Augeninnendruck kontrolliert.
  • Abgesetzt wird nach Anweisung, oft schrittweise.
  • Alte Restflaschen aus früheren Behandlungen nicht eigenmächtig verwenden.

Was gilt, wenn eine Grunderkrankung dahintersteckt?

Dann steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund, und die Episkleritis bessert sich oft mit ihr.

Bei rheumatoider Arthritis oder chronisch-entzündlicher Darmerkrankung mit hartnäckiger Episkleritis kommen krankheitsmodifizierende Rheumamittel (DMARDs) oder Biologika wie TNF-Hemmer infrage, etwa Infliximab oder Adalimumab. Diese Therapien werden von der Rheumatologie oder Gastroenterologie gesteuert, in Abstimmung mit der Augenheilkunde. Bei Gicht wird die Harnsäure gesenkt, bei einer der seltenen Infektionen gezielt gegen den Erreger behandelt.

Was gilt bei Episkleritis unter Krebstherapie?

Bei einer Episkleritis unter Immun-Checkpoint-Hemmern wird immer eine Augenärztin oder ein Augenarzt hinzugezogen, unabhängig vom Schweregrad.

Künstliche Tränen, Kortisontropfen und pupillenerweiternde Tropfen helfen meist gut. Ob die Krebstherapie pausiert oder beendet wird, entscheidet das onkologische Team je nach Schwere.

Warum werden trockenes Auge und Lidrandentzündung mitbehandelt?

Ein trockenes Auge und eine Lidrandentzündung verstärken die Reizung und kommen bei Episkleritis häufig vor.

Regelmäßige Lidrandpflege mit Wärme und sanfter Reinigung sowie Tränenersatz können die Beschwerden lindern und möglicherweise Schübe seltener machen. Mehr dazu finden Sie in den Artikeln zum trockenen Auge und zu Augentropfen gegen trockene Augen.

Ist eine Operation nötig?

Nein, die Episkleritis wird nie operiert.

Auch das Knötchen der nodulären Form bildet sich unter Behandlung oder von selbst zurück. Eine Gewebeprobe wird nur entnommen, wenn Zweifel an der Diagnose bestehen, etwa wenn ein Knoten weiter wächst.

Wie oft sind Kontrollen nötig?

Eine routinemäßige Nachkontrolle ist nur nötig, wenn die Beschwerden nicht besser werden oder Kortisontropfen verordnet wurden.

Bessert sich die Rötung wie erwartet, reicht es meist, sich bei einem neuen Schub wieder vorzustellen. Wer Kortisontropfen anwendet, braucht Kontrollen des Augeninnendrucks. Wer häufige Rückfälle hat, sollte die Abklärung einer Grunderkrankung besprechen.

Wer trägt die Kosten in Deutschland und Österreich?

Die augenärztliche Untersuchung, eine nötige Blutabklärung und verschriebene Medikamente sind in Deutschland und Österreich Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Für verschriebene Medikamente fällt die übliche Zuzahlung beziehungsweise Rezeptgebühr an.

Rezeptfreie Mittel wie künstliche Tränen und niedrig dosiertes Ibuprofen bezahlen Erwachsene in der Regel selbst. Für einzelne Präparate und Personengruppen gibt es Ausnahmen, die die Apotheke oder die Krankenkasse nennen kann.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (7)

Wie lange dauert eine Episkleritis?

Eine einzelne Episode klingt meist innerhalb von Tagen bis etwa drei Wochen vollständig ab.

Die einfache Form ist oft schon nach wenigen Tagen deutlich besser. Die knotige Form und eine Episkleritis bei Allgemeinerkrankung brauchen häufig länger. Eine Rötung, die nach drei bis vier Wochen nicht abklingt, sollte erneut augenärztlich angesehen werden.

Kommt die Episkleritis wieder?

Ja, Rückfälle sind häufig, werden aber mit den Jahren meist seltener.

Manche Menschen haben über Jahre immer wieder kurze Schübe, mal am einen, mal am anderen Auge. Andere erleben nur eine einzige Episode. Häufige oder lange Schübe sind ein Anlass, nach einer Grunderkrankung zu suchen.

Kann eine Episkleritis das Auge schädigen?

Eine einzelne Episkleritis hinterlässt praktisch nie bleibende Schäden.

Bei wiederkehrender oder langwieriger Erkrankung sind selten Komplikationen beschrieben:

  • Entzündung der Regenbogenhaut oder des Strahlenkörpers (vordere oder intermediäre Uveitis)
  • flache Dellen am Hornhautrand neben einem Knötchen, die durch einen gestörten Tränenfilm entstehen
  • Entzündliche Einlagerungen am Rand der Hornhaut
  • Grauer Star
  • selten ein erhöhter Augeninnendruck bis hin zum Grünen Star

Grauer und Grüner Star stehen dabei oft mit einer längeren Kortisonbehandlung in Zusammenhang. Das ist ein Grund, Kortisontropfen nur gezielt und unter Kontrolle einzusetzen.

Kann aus einer Episkleritis eine Skleritis werden?

Das ist selten, aber möglich, vor allem bei Menschen mit einer rheumatischen Grunderkrankung.

Deshalb lohnt es sich, auf die Warnzeichen zu achten: zunehmender, bohrender Schmerz, ein violetter Farbton, nächtliches Aufwachen wegen Augenschmerzen oder schlechteres Sehen. Die Skleritis verläuft oft über Monate, kann das Sehen bedrohen und braucht eine stärkere Behandlung. Die Episkleritis heilt meist folgenlos, die Skleritis dagegen braucht immer eine Therapie.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose ist sehr gut: Die Episkleritis ist gutartig und beeinträchtigt das Sehen nicht dauerhaft.

Das gilt auch, wenn Schübe wiederkehren. Entscheidend für den Langzeitverlauf ist vor allem, ob eine Allgemeinerkrankung dahintersteckt und wie gut diese behandelt wird.

Darf ich mit Episkleritis arbeiten und Auto fahren?

In aller Regel ja, weil das Sehen normal bleibt.

Eine Krankschreibung ist meist nicht nötig. Ausnahmen sind starke Beschwerden, Arbeiten in staubiger oder chemisch belasteter Umgebung oder Berufe, in denen das Auge besonders beansprucht wird. Nach dem Phenylephrin-Test oder nach pupillenerweiternden Tropfen dürfen Sie für einige Stunden nicht selbst fahren.

Darf ich Kontaktlinsen tragen?

Während eines Schubs ist es besser, auf Kontaktlinsen zu verzichten, bis die Rötung abgeklungen ist.

Linsen können ein ohnehin gereiztes Auge zusätzlich austrocknen. Bei verordneten Augentropfen gilt die Anweisung der Augenärztin oder des Augenarztes, ob und wann Linsen wieder eingesetzt werden dürfen. Bei Kontaktlinsenträgern muss zudem eine Hornhautentzündung als Ursache der Rötung sicher ausgeschlossen sein.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (5)

Kann man einer Episkleritis vorbeugen?

Nein, eine gezielte Vorbeugung gegen eine erste Episkleritis ist nicht bekannt.

Da die meisten Fälle ohne erkennbare Ursache auftreten, gibt es keine Impfung, kein Medikament und keine Verhaltensregel, die eine Episkleritis sicher verhindert. Sie können aber einiges tun, damit Schübe seltener und milder verlaufen.

Was kann ich bei wiederkehrenden Schüben selbst tun?

Wer zu Rückfällen neigt, profitiert von einer guten Pflege der Augenoberfläche und davon, mögliche Auslöser zu meiden.

  • Tränenfilm pflegen: Bei trockenem Auge regelmäßig konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel verwenden.
  • Lidränder pflegen: Bei Lidrandentzündung täglich warme Kompressen und sanfte Lidrandreinigung.
  • Bildschirmarbeit unterbrechen: Regelmäßig in die Ferne schauen und bewusst blinzeln.
  • Raumluft beachten: Trockene Heizungsluft, Zugluft und Staub meiden oder ausgleichen.
  • Ausreichend schlafen: Die britische Moorfields-Augenklinik nennt Übermüdung als möglichen Auslöser.

Die Bedeutung dieser Alltagsfaktoren ist wissenschaftlich nicht gut belegt. Schaden können die Maßnahmen aber nicht, und sie lindern oft auch begleitende Beschwerden.

Hilft es, die Grunderkrankung gut einzustellen?

Ja, wenn eine Allgemeinerkrankung dahintersteckt, ist ihre gute Behandlung der wirksamste Schutz vor neuen Schüben.

Das gilt besonders für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, bei denen die Episkleritis oft der Krankheitsaktivität folgt, und für rheumatoide Arthritis. Nehmen Sie verordnete Basistherapien regelmäßig ein und berichten Sie Ihrem Behandlungsteam von jedem Augenschub.

Wie erkenne ich einen neuen Schub früh?

Ein neuer Schub zeigt sich meist als bekannte, umschriebene Rötung mit leichtem Druckgefühl.

Viele Betroffene mit häufigen Rückfällen lernen das Muster kennen. Sprechen Sie mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt ab, was Sie bei einem typischen Schub selbst tun können und wann Sie sich vorstellen sollen. Fühlt sich ein Schub anders an als sonst, insbesondere stärker schmerzhaft, dunkler gefärbt oder mit Sehstörung, lassen Sie ihn immer untersuchen.

Ein Tagebuch kann helfen

Ein einfaches Augentagebuch macht Rückfallmuster und mögliche Zusammenhänge sichtbar.

Notieren Sie Datum, betroffenes Auge, Dauer, Stärke der Beschwerden, mögliche Auslöser sowie Gelenk-, Haut- oder Darmbeschwerden in derselben Zeit. Fotos der Rötung mit dem Handy, bei Tageslicht aufgenommen, helfen bei späteren Arztterminen, wenn der Schub schon abgeklungen ist.

8 Wann sofort zum Arzt?

Eine Episkleritis selbst ist kein Notfall. Ein rotes Auge kann aber auch andere, ernste Ursachen haben. Diese Warnzeichen sollten Sie kennen.

Sofort, am selben Tag, zur Augenärztin oder zum Augenarzt oder in die Augenklinik:

  • starke, tiefe oder bohrende Augenschmerzen, besonders wenn sie nachts wecken, bei Augenbewegungen zunehmen oder in Stirn, Schläfe oder Kiefer ausstrahlen (Verdacht auf Skleritis)
  • violette, bläuliche oder dunkle, dünn wirkende Stelle in der Lederhaut
  • plötzlich schlechteres Sehen, Schleier, Schatten oder Doppelbilder
  • starke Lichtscheu mit Rötung rund um die Hornhaut (Verdacht auf Uveitis)
  • sehr starke Augen- und Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen und Regenbogenringen um Lichter (Verdacht auf akuten Glaukomanfall)
  • rotes Auge nach Verletzung, Fremdkörper oder Kontakt mit Chemikalien; bei Verätzung sofort mit viel Wasser spülen
  • rotes, schmerzendes Auge bei Kontaktlinsenträgern
  • rotes Auge unter einer Krebs-Immuntherapie

Mehr zu den Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Innerhalb weniger Tage zur Augenärztin oder zum Augenarzt:

  • eine neue, umschriebene Rötung des Augenweißes, auch wenn sie kaum stört
  • ein rotes Knötchen auf dem Augenweiß
  • eitriges Sekret oder verklebte Lider
  • ein rotes Auge bei Kindern

Zeitnah einen Termin vereinbaren:

  • wenn die Rötung nach drei bis vier Wochen nicht abgeklungen ist
  • bei häufigen Rückfällen, um eine Abklärung auf Rheuma, Darmerkrankung und andere Ursachen zu besprechen
  • wenn unter Kortisontropfen Kontrollen des Augeninnendrucks anstehen

Kennen Sie Ihre Episkleritis bereits und verläuft ein Schub wie gewohnt, genügt oft die Behandlung nach dem mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt besprochenen Plan.

9 Häufige Fragen

Ist eine Episkleritis gefährlich?

Nein, in aller Regel nicht. Die Episkleritis ist gutartig, beeinträchtigt das Sehen nicht und heilt meist innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen folgenlos ab. Wichtig ist nur, dass eine Augenärztin oder ein Augenarzt ernstere Ursachen wie eine Skleritis ausgeschlossen hat.

Was ist der Unterschied zwischen Episkleritis und Skleritis?

Die Episkleritis betrifft nur die oberflächliche Schicht über der Lederhaut, die Skleritis die Lederhaut selbst. Die Episkleritis macht eine hell- bis lachsrote Rötung mit wenig Schmerz und heilt von selbst. Die Skleritis verursacht starke, bohrende, oft nächtliche Schmerzen, eine violette Rötung, kann das Sehen bedrohen und braucht immer eine Behandlung. An der Spaltlampe und mit dem Phenylephrin-Test lassen sich beide unterscheiden.

Ist Episkleritis ansteckend?

Nein. Die Episkleritis ist eine Entzündungsreaktion, keine Infektion. Sie können normal mit anderen Menschen Kontakt haben. Eine eitrige oder stark tränende Bindehautentzündung ist dagegen oft ansteckend; deshalb ist die augenärztliche Unterscheidung sinnvoll.

Wie lange dauert eine Episkleritis?

Die einfache Form klingt oft innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen ab, eine Episode dauert selten länger als drei Wochen. Die knotige Form und Episkleritis bei Rheuma oder Darmerkrankung dauern häufig länger. Ist das Auge nach drei bis vier Wochen noch rot, sollten Sie es erneut untersuchen lassen.

Woran erkenne ich, ob es eine Episkleritis oder eine Bindehautentzündung ist?

Die Episkleritis betrifft meist nur einen Abschnitt eines Auges, macht kein Sekret und lässt die Innenseite der Lider frei. Eine Bindehautentzündung ist oft flächig, häufig beidseitig, mit Sekret oder verklebten Lidern. Sicher unterscheiden kann man beides nur an der Spaltlampe, eventuell mit Phenylephrin-Tropfen.

Kommt eine Episkleritis wieder?

Häufig ja. Rückfälle sind bei der Episkleritis typisch, werden aber mit den Jahren meist seltener. Manchmal ist beim nächsten Schub das andere Auge betroffen. Sehr häufige Rückfälle sind ein Anlass, nach einer Grunderkrankung zu suchen.

Muss ich bei Episkleritis zum Rheumatologen?

Bei einer einzelnen Episode meist nicht. Bei wiederkehrenden Schüben ohne bekannte Ursache oder bei Gelenk-, Rücken-, Haut- oder Darmbeschwerden ist eine Abklärung sinnvoll, denn bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Betroffenen steckt eine Allgemeinerkrankung dahinter. Meist beginnt die Abklärung bei der Hausärztin oder dem Hausarzt mit Blutuntersuchungen.

Was hilft schnell gegen Episkleritis?

Kühle Kompressen und gekühlte künstliche Tränen lindern die Beschwerden rasch. Bei stärkeren Beschwerden helfen entzündungshemmende Tabletten wie Ibuprofen. Schwache Kortisontropfen wirken schnell, sollten aber nur nach augenärztlicher Untersuchung und für kurze Zeit verwendet werden, weil sie Rückfälle und Nebenwirkungen begünstigen können.

Hilft Kortison bei Episkleritis?

Ja, Kortisontropfen bessern Rötung und Beschwerden meist rasch. Ihr Einsatz ist bei der Episkleritis aber umstritten, weil sie Rückfälle und eine verstärkte Rötung nach dem Absetzen fördern können. Bei längerer Anwendung kann der Augeninnendruck steigen. In Deutschland und Österreich sind sie verschreibungspflichtig und gehören unter augenärztliche Kontrolle.

Kann Stress eine Episkleritis auslösen?

Das ist nicht belegt. Augenkliniken nennen Übermüdung, lange Bildschirmarbeit und trockene, staubige Luft als mögliche Auslöser von Schüben. Wissenschaftlich gesichert ist das nicht, ausreichend Schlaf und Bildschirmpausen schaden aber nicht.

Kann ich mit Episkleritis Kontaktlinsen tragen?

Während eines Schubs sollten Sie die Linsen besser weglassen, bis die Rötung abgeklungen ist. Bei Kontaktlinsenträgern muss außerdem eine Hornhautentzündung sicher ausgeschlossen werden, denn sie kann ähnlich beginnen und ist deutlich ernster.

Das könnte Sie auch interessieren

Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 6 Quellen anzeigen
  1. Episcleritis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  2. Scleritis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  3. Episcleritis – Moorfields Eye Hospital NHS Foundation Trust (EN)
  4. Skleritis – Wikipedia (de) (DE)
  5. Sclérite – Wikipédia (fr) (FR)
  6. Epiescleritis – Wikipedia (es) (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss