Zum Inhalt springen
augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Netzhaut

Arterienverschluss der Netzhaut (Zentralarterienverschluss, Augeninfarkt)

Beim Arterienverschluss der Netzhaut, auch Augeninfarkt genannt, verstopft eine Schlagader im Auge, meist durch ein verschlepptes Gerinnsel; das Sehen auf einem Auge fällt innerhalb von Sekunden und ohne Schmerzen ganz oder teilweise aus. Er ist ein Notfall wie ein Schlaganfall: Rufen Sie sofort den Notruf (112, in Österreich 144), denn danach ist auch das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt stark erhöht.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 42 Minuten · 26 Quellen in 4 Sprachen

Notfall: Bei plötzlichem Sehverlust oder Gesichtsfeldausfall auf einem Auge, auch wenn er schmerzlos ist oder nach Minuten wieder verschwindet, sofort den Notruf wählen oder die nächste Klinik mit Stroke Unit oder Augenklinik aufsuchen. Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (7)

Was ist ein Arterienverschluss der Netzhaut?

Ein Arterienverschluss der Netzhaut ist die plötzliche Verstopfung einer Schlagader, die die Netzhaut mit Blut versorgt. Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Schicht im Augenhintergrund. Ihre inneren Schichten bekommen ihr Blut über die zentrale Netzhautarterie (Arteria centralis retinae) und deren Äste. Wird eines dieser Gefäße blockiert, sterben die Nervenzellen im unterversorgten Gebiet innerhalb weniger Stunden ab.

Die Netzhautarterien sind sogenannte Endarterien. Das heißt: Fällt eine aus, springt kein anderes Gefäß ein. Deshalb ist der Schaden so schnell so groß, und deshalb zählt bei dieser Erkrankung jede Minute.

Warum spricht man vom Augeninfarkt oder Schlaganfall im Auge?

Der Begriff Augeninfarkt beschreibt, was passiert: Wie beim Herzinfarkt oder beim Hirninfarkt stirbt Gewebe ab, weil die Blutzufuhr unterbrochen ist. Die Netzhaut ist entwicklungsgeschichtlich ein vorgeschobener Teil des Gehirns. Die Ursachen sind dieselben wie beim ischämischen Schlaganfall, also beim Schlaganfall durch Minderdurchblutung: meist ein Gerinnsel oder ein Stück Gefäßablagerung aus der Halsschlagader oder dem Herzen.

Die deutsche Leitlinie und viele internationale Fachgesellschaften behandeln den Verschluss deshalb als Notfall wie einen Schlaganfall. In Frankreich ist der Ausdruck „AVC de l’œil“ (Schlaganfall des Auges) verbreitet. Manche Neurologen halten ihn für ungenau, weil das Gehirn selbst nicht betroffen ist. Für Sie als Patientin oder Patient ist der Vergleich trotzdem hilfreich: Er sagt, wie schnell Sie handeln müssen.

Welche Formen gibt es?

Es gibt fünf Formen: den Zentralarterienverschluss, den Hemi-Zentralarterienverschluss, den Astverschluss, den Verschluss einer zilioretinalen Arterie und den Verschluss der Augenarterie. Sie unterscheiden sich danach, welches Gefäß verstopft ist und wie viel Netzhaut dadurch ausfällt.

FormWas ist betroffen?Typischer Anteil
Zentralarterienverschluss (ZAV)Hauptstamm der Netzhautarterie, fast die ganze Netzhautetwa 55 Prozent
Hemi-Zentralarterienverschlussobere oder untere Hälfte der Netzhautselten
Arterienastverschluss (AAV)ein Ast, also nur ein Teil der Netzhautetwa 40 Prozent
Verschluss einer zilioretinalen Arteriekleine Zusatzarterie, die bei manchen Menschen die Netzhautmitte versorgtetwa 5 Prozent
Verschluss der Augenarterie (Arteria ophthalmica)Netzhaut und Aderhaut zugleichsehr selten, schwerste Form

Zusätzlich teilt die Leitlinie nach der Dauer ein. Bei der Amaurosis fugax fällt das Sehen nur kurz aus und kehrt vollständig zurück. Beim transienten Verschluss öffnet sich die Arterie von selbst wieder, Spuren des Verschlusses sind aber noch sichtbar. Beim persistierenden Verschluss öffnet sie sich verzögert oder gar nicht.

Welche Ursachen werden unterschieden?

Rund 95 Prozent der Verschlüsse sind nicht-arteriitisch, also durch ein Gerinnsel oder eine Ablagerung bedingt. Etwa 5 Prozent entstehen durch eine Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis), eine Entzündung der Kopfschlagadern bei älteren Menschen. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil die entzündliche Form sofort mit Kortison behandelt werden muss, um das zweite Auge zu schützen.

Wie häufig ist ein Arterienverschluss der Netzhaut?

Er ist selten. Internationale Studien nennen etwa 1 bis 6 Neuerkrankungen pro 100.000 Menschen im Jahr, für Spanien werden 0,8 bis 2,4 angegeben, für Frankreich nannte ein Neurologe in einem Interview sogar 15.000 bis 20.000 Betroffene im Jahr. Diese Schätzung liegt deutlich über dem, was die Studienwerte für ein Land dieser Größe erwarten lassen, und ist nicht durch eine Erhebung belegt. Die Zahlen schwanken, weil Studien unterschiedlich zählen.

Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen 65 und 70 Jahren. 90 Prozent der Betroffenen sind älter als 40, Männer erkranken etwa doppelt so oft wie Frauen. Beide Augen sind nur bei 1 bis 2 Prozent betroffen. Die deutsche Leitlinie rechnet damit, dass die Zahl wegen der Altersstruktur weiter steigt.

Warum kommen viele Betroffene zu spät?

Weil kaum jemand die Erkrankung kennt und weil sie nicht wehtut. Eine US-Umfrage, die in der deutschen Leitlinie zitiert wird, ergab: Nur etwa 5 Prozent der Bevölkerung kennen das Krankheitsbild. Im Schweizer Schlaganfallregister kam nur ein Viertel der Patientinnen und Patienten innerhalb von 4 Stunden in die Klinik. Die mittlere Zeit bis zur Ankunft lag bei über 14 Stunden, beim Schlaganfall bei 5 Stunden.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Augeninfarkt ist selten, aber ein Notfall, bei dem es auf Minuten ankommt.

  • Plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge ist ein Notfall. Notruf 112, in Österreich 144.
  • Auch ein kurzer Sehausfall, der von selbst vergeht, ist ein Warnzeichen und muss am selben Tag abgeklärt werden.
  • Eine Behandlung mit sicher belegter Wirkung auf das Sehen gibt es bisher nicht. In Einzelfällen kann bis 4,5 Stunden nach Beginn eine Lyse erwogen werden.
  • Die wichtigste Aufgabe nach dem Verschluss ist der Schutz vor Schlaganfall und Herzinfarkt. Das Risiko ist in der ersten Woche am höchsten.
  • Bei Menschen über 50 muss immer eine Riesenzellarteriitis ausgeschlossen werden. Sie wird sofort mit Kortison behandelt.
  • Beim Astverschluss bleibt meist brauchbares Sehen, beim Zentralarterienverschluss meist nicht.

2 Symptome

In diesem Kapitel (15)

Was ist das typische Symptom eines Augeninfarkts?

Das Leitsymptom ist ein plötzlicher, schmerzloser Verlust des Sehens auf einem Auge, der sich innerhalb von Sekunden entwickelt. Viele beschreiben es so, als sei das Licht in diesem Auge „wie ausgeknipst“ worden. Das Auge selbst sieht von außen völlig normal aus: Es ist nicht rot, tränt nicht und schmerzt nicht.

Gerade diese Unauffälligkeit ist tückisch. Weil nichts wehtut, warten viele Menschen ab, legen sich hin oder hoffen auf Besserung am nächsten Morgen. Damit verstreicht genau die Zeit, in der vielleicht noch etwas zu retten wäre und in der die Abklärung auf einen drohenden Schlaganfall am dringendsten ist.

Wie fühlt sich ein Zentralarterienverschluss an?

Beim Zentralarterienverschluss sieht das betroffene Auge plötzlich fast nichts mehr. In den Studien erkennen etwa 90 Prozent der Betroffenen bei der ersten Untersuchung nur noch Handbewegungen vor dem Auge oder nehmen nur noch Licht wahr. Buchstaben oder Gesichter lassen sich mit diesem Auge nicht mehr erkennen.

Das ganze Gesichtsfeld des Auges fällt meist aus, also auch das seitliche Sehen. Hält man das gesunde Auge zu, ist es dunkel oder grau. Völlige Dunkelheit ohne jeden Lichtschein ist beim reinen Zentralarterienverschluss allerdings selten. Sie spricht eher für einen Verschluss der Augenarterie, bei dem auch die Aderhaut nicht mehr durchblutet wird.

Wie verläuft der Sehverlust zeitlich?

Der Ausfall ist in der Regel von Anfang an vollständig und bleibt danach etwa gleich. Er nimmt nicht über Stunden langsam zu, wie man es zum Beispiel von einer Netzhautablösung kennt. Manche Betroffene merken ihn morgens beim Aufwachen, weil der Verschluss im Schlaf eingetreten ist. Dann ist der genaue Beginn unklar, was für die Behandlung wichtig ist: Ärztinnen und Ärzte rechnen in diesem Fall ab dem Zeitpunkt, zu dem Sie zuletzt sicher normal gesehen haben.

Wie es im Alltag auffällt

  • Sie greifen beim Einschenken neben das Glas oder stoßen seitlich an Türrahmen.
  • Beim Lesen verschwindet die Zeile, sobald Sie das gesunde Auge schließen.
  • Ein Gegenstand auf der betroffenen Seite taucht erst auf, wenn Sie den Kopf drehen.
  • Das Bild wirkt insgesamt dunkler oder flacher, weil das räumliche Sehen fehlt.

Wie zeigt sich ein Arterienastverschluss?

Beim Astverschluss fällt nur ein Teil des Gesichtsfelds aus, das Sehen in der Mitte bleibt oft erhalten. Betroffene beschreiben einen schwarzen oder grauen Balken, einen Schatten oder einen scharf begrenzten Bereich, in dem nichts zu sehen ist. Häufig betrifft der Ausfall die obere oder die untere Hälfte oder einen keilförmigen Sektor.

Nach der spanischen Fachgesellschaft SEO zeigt etwa die Hälfte der Astverschlüsse einen Sektorausfall, rund ein Fünftel einen Ausfall in der Mitte des Sehens und etwa jeder Achte einen Ausfall der oberen oder unteren Hälfte. Etwa drei Viertel der Betroffenen sehen anfangs noch 50 Prozent oder mehr. Manche bemerken Verzerrungen im Randbereich des Ausfalls.

Kann ein Astverschluss unbemerkt bleiben?

Ja, kleine Astverschlüsse am Rand der Netzhaut fallen manchmal gar nicht auf. Das gilt besonders für Verschlüsse auf der nasenseitigen Netzhaut, weil das gesunde Auge den Ausfall im Alltag ausgleicht. Solche Verschlüsse werden dann zufällig bei einer augenärztlichen Untersuchung entdeckt. Sie sind trotzdem ein Hinweis auf eine Gefäßerkrankung und sollten genauso abgeklärt werden.

Warum sehen manche Menschen trotz Zentralarterienverschluss noch gut in der Mitte?

Weil bei 15 bis 30 Prozent der Menschen eine kleine Zusatzarterie, die zilioretinale Arterie, einen Teil der Netzhautmitte versorgt. Sie entspringt nicht aus der Netzhautarterie, sondern aus dem Gefäßsystem der Aderhaut. Verstopft die Zentralarterie, kann diese Zusatzarterie die Stelle des schärfsten Sehens weiter durchbluten.

Die Betroffenen erleben dann etwas Ungewöhnliches: Das Gesichtsfeld ist bis auf eine kleine Insel in der Mitte fast vollständig erloschen, in dieser Insel aber können sie noch lesen. Die Sehschärfe kann in Einzelfällen sogar normal bleiben. Weil das zentrale Sehen erhalten ist, unterschätzen manche den Ausfall und kommen später. Das ist gefährlich, denn das Schlaganfallrisiko ist genauso erhöht.

Was passiert, wenn nur die zilioretinale Arterie verschlossen ist?

Dann fällt gezielt das zentrale Sehen aus, während das Umfeld erhalten bleibt. Es entsteht ein Fleck oder Schatten genau dort, wo man hinschaut. Lesen und Gesichter erkennen werden schwierig, die Orientierung im Raum bleibt meist gut.

Ein isolierter Verschluss dieser Zusatzarterie hat oft eine gute Prognose. Er kann aber auch zusammen mit einem Venenverschluss oder einer Durchblutungsstörung des Sehnervs auftreten. Dann hängt die Prognose von der Begleiterkrankung ab, und eine Riesenzellarteriitis muss ausgeschlossen werden.

Wie fühlt sich ein Verschluss der Augenarterie an?

Beim Verschluss der Augenarterie ist das Auge meist völlig blind, oft ohne jede Lichtwahrnehmung. Weil Netzhaut und Aderhaut gleichzeitig ohne Blut sind, ist der Schaden größer als beim Zentralarterienverschluss. Diese Form ist selten. Sie kann durch große Gerinnsel, eine Verengung oder einen Riss der Halsschlagader oder in Einzelfällen durch Tumoren im Herzen entstehen.

Was ist eine Amaurosis fugax, und warum ist sie so wichtig?

Eine Amaurosis fugax ist eine vorübergehende Erblindung eines Auges, die von selbst wieder verschwindet. Der Name kommt aus dem Griechischen und Lateinischen und bedeutet etwa „flüchtige Blindheit“. Sie ist das wichtigste Warnzeichen vor einem bleibenden Verschluss und vor einem Schlaganfall.

Wie fühlt sich eine Amaurosis fugax an?

  • Plötzlich schiebt sich ein grauer oder schwarzer Vorhang von oben oder unten über das Bild eines Auges, oder das Bild wird insgesamt dunkel.
  • Manche erleben das Bild eher verschwommen, zerstückelt oder wie durch Nebel.
  • Die Episode dauert meist Sekunden bis wenige Minuten, selten länger als 30 Minuten.
  • Danach sehen Sie wieder völlig normal, und es tut nichts weh.
  • Die Episoden können sich in gleicher Form wiederholen.

Ein Ausfall von etwa 1 bis 10 Minuten passt besonders gut zu einer Verengung der Halsschlagader. Dabei löst sich ein winziges Teilchen, bleibt kurz in einem Netzhautgefäß hängen und wird dann weitergespült.

Warum ist eine Amaurosis fugax ein Notfall, obwohl sie vorbeigeht?

Weil sie als kleiner Schlaganfall der Netzhaut gilt, vergleichbar mit einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA), also einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns. In den Studien ging einem bleibenden Netzhautarterienverschluss in 10 bis 15 Prozent der Fälle eine solche Episode voraus. Wie hoch das Schlaganfallrisiko danach ist, geben die Quellen unterschiedlich an: Eine spanische Universitätsklinik nennt ohne Vorbeugung etwa jeden dritten Betroffenen in den Folgejahren, andere Auswertungen rund 2 Prozent pro Jahr.

Die deutsche Leitlinie empfiehlt bei einer Amaurosis fugax dasselbe Vorgehen wie beim Verschluss: augenärztliche Untersuchung und rasche Schlaganfall-Abklärung. Britische Leitlinien leiten Betroffene am selben Tag in eine neurovaskuläre Ambulanz, also eine Sprechstunde für Gefäßerkrankungen des Gehirns.

Warum tut ein Arterienverschluss der Netzhaut nicht weh?

Weil die Netzhaut keine Schmerzfasern hat und der Verschluss weder den Augendruck erhöht noch Gewebe entzündet. Schmerz gehört deshalb nicht zum typischen Bild. Gerade das führt dazu, dass Betroffene die Lage unterschätzen.

Treten trotzdem Schmerzen auf, ist das ein Hinweis auf etwas anderes oder etwas Zusätzliches:

  • Schläfen- oder Kopfschmerz, Kauschmerz: Verdacht auf Riesenzellarteriitis.
  • Starker Augenschmerz mit rotem, hartem Auge, Übelkeit: eher ein akuter Glaukomanfall.
  • Dumpfer Schmerz um das Auge über Wochen, mit Blutungen in der Netzhaut: möglicherweise ein okuläres Ischämiesyndrom, eine chronische Minderdurchblutung des ganzen Auges bei hochgradiger Verengung der Halsschlagader.
  • Schmerz bei Augenbewegungen: eher eine Entzündung des Sehnervs.

Welche Begleitsymptome deuten auf eine Riesenzellarteriitis hin?

Hinweise auf eine Riesenzellarteriitis sind neue Kopfschmerzen, eine druckempfindliche Schläfe und Schmerzen beim Kauen. Diese Entzündung der Kopfschlagadern betrifft fast nur Menschen über 50, meist über 70. Sie kann innerhalb von Tagen auch das zweite Auge erblinden lassen. Deshalb fragt die Augenärztin oder der Augenarzt gezielt danach.

  • neu aufgetretener Kopfschmerz, oft an den Schläfen
  • verdickte, harte oder druckempfindliche Schläfenarterie
  • Schmerzen der Kopfhaut beim Kämmen oder beim Liegen auf dem Kissen
  • Schmerz oder Ermüdung der Kaumuskeln beim Kauen (Kieferclaudicatio), seltener Zungenschmerz
  • Doppelbilder, auch nur kurz
  • Schmerzen und Steifigkeit in Schultern, Nacken und Hüften (Polymyalgia rheumatica)
  • in den letzten Wochen Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Nachtschweiß oder ungewollter Gewichtsverlust

Die deutsche Leitlinie betont: Eine Riesenzellarteriitis darf auch dann nicht übersehen werden, wenn diese Zeichen fehlen. Sie verläuft manchmal ohne Kopfschmerz. Deshalb werden bei Menschen über 50 immer Entzündungswerte im Blut bestimmt.

Welche Symptome deuten auf einen gleichzeitigen Schlaganfall hin?

Zusätzliche Ausfälle am Körper sprechen dafür, dass auch das Gehirn betroffen ist. Dann wählen Sie sofort den Notruf. Achten Sie auf:

  • hängender Mundwinkel oder schiefes Lächeln
  • Schwäche oder Taubheit in Arm oder Bein, meist auf einer Körperseite
  • verwaschene Sprache, Wortfindungsstörungen, Verständnisprobleme
  • Ausfall derselben Gesichtsfeldhälfte auf beiden Augen
  • Doppelbilder, Schwindel, Gangunsicherheit
  • plötzlich sehr starker Kopfschmerz

Das österreichische Gesundheitsportal zählt auch die vorübergehende Blindheit eines Auges zu den möglichen Schlaganfallzeichen. Wichtig zur Unterscheidung: Ein Netzhautarterienverschluss betrifft ein Auge. Fehlt beim Zuhalten jedes Auges dieselbe Hälfte des Bildes, liegt die Störung eher im Gehirn.

Was stellt die Augenärztin oder der Augenarzt fest, was Sie selbst nicht bemerken?

Die wichtigsten Befunde sind eine veränderte Pupillenreaktion und eine blasse, geschwollene Netzhaut. Sie erklären, warum die Diagnose oft schon mit einfachen Mitteln gestellt werden kann.

  • Pupille: Leuchtet man in das betroffene Auge, zieht sich die Pupille kaum zusammen. Leuchtet man in das gesunde Auge, reagiert sie normal mit. Fachleute nennen das relatives afferentes Pupillendefizit.
  • Netzhaut: Nach einigen Stunden wird sie milchig-weiß und trüb, weil die inneren Schichten anschwellen.
  • Kirschroter Fleck: In der Mitte der Makula, wo die Netzhaut sehr dünn ist, schimmert die gut durchblutete Aderhaut rot durch. Dieser Fleck erscheint erst nach Stunden. Ist er zu sehen, sind bereits bleibende Schäden zu vermuten.
  • Gefäße: Die Arterien sind fadendünn. Manchmal steht das Blut in einzelnen Abschnitten still und sieht aus wie die Waggons eines Güterzugs.
  • Embolus: Bei etwa einem Fünftel bis einem Drittel der Betroffenen ist der Pfropf selbst als glänzender oder weißlicher Punkt im Gefäß zu sehen.

In den ersten Stunden kann der Augenhintergrund noch fast normal aussehen. Ein unauffälliger erster Blick schließt den Verschluss also nicht aus.

Was können Angehörige bemerken?

Angehörige bemerken vor allem Veränderungen im Verhalten, weil der Sehverlust von außen nicht sichtbar ist. Das Auge ist nicht rot, die Pupille wirkt höchstens etwas weiter. Hinweise können sein:

  • Die Person reibt sich plötzlich das Auge, kneift es zu oder hält sich ein Auge zu, um zu prüfen, ob sie noch sieht.
  • Sie stößt auf einer Seite an, verschüttet Getränke oder übersieht Dinge auf dieser Seite.
  • Sie berichtet beiläufig, dass auf einem Auge alles grau sei, will aber erst einmal abwarten.
  • Gleichzeitig hängt ein Mundwinkel, die Sprache ist verwaschen oder ein Arm kraftlos.

Nehmen Sie solche Aussagen ernst und drängen Sie auf den Notruf. Betroffene spielen den Ausfall oft herunter, gerade weil er nicht wehtut.

Gibt es Unterschiede bei jüngeren und älteren Menschen?

Die Symptome sind in jedem Alter gleich, die Ursachen unterscheiden sich aber. Bei älteren Menschen stammt das Gerinnsel meist aus der verkalkten Halsschlagader, und ab etwa 50 Jahren kommt die Riesenzellarteriitis hinzu. Bei Menschen unter 40 ist häufiger das Herz die Quelle, zum Beispiel ein offenes Foramen ovale (ein kleines Loch in der Herzscheidewand) oder ein Klappenfehler.

Bei jungen Erwachsenen kommen Gerinnungsstörungen, Autoimmunerkrankungen, die Antibabypille, eine Schwangerschaft, Migräne oder seltene Gefäßerkrankungen in Betracht. Bei Kindern ist ein Netzhautarterienverschluss eine absolute Ausnahme, belastbare Zahlen dazu gibt es kaum. Ältere Menschen mit Sehbehinderung am anderen Auge, etwa durch Makuladegeneration, bemerken den Ausfall oft besonders deutlich, weil sie auf das betroffene Auge angewiesen waren.

Welche Beschwerden können Wochen später auftreten?

Wochen bis Monate nach dem Verschluss können neue, krankhafte Blutgefäße auf der Regenbogenhaut, im Kammerwinkel oder an der Netzhaut wachsen. Fachleute sprechen von Neovaskularisation oder Rubeosis iridis. Sie entsteht, weil die minderversorgte Netzhaut Wachstumsfaktoren ausschüttet. Im Mittel zeigt sie sich nach etwa 8 bis 9 Wochen, an der Regenbogenhaut oft schon nach 4 bis 5 Wochen.

Verstopfen diese Gefäße den Abfluss des Kammerwassers, steigt der Augendruck stark an. Es entsteht ein Neovaskularisationsglaukom, eine schwere Form des Grünen Stars. Warnzeichen dafür sind:

  • ein rotes, schmerzendes Auge, Wochen nach dem Verschluss
  • Kopfschmerz auf der Seite des betroffenen Auges
  • Lichtempfindlichkeit, Übelkeit
  • plötzlich schlechteres Restsehen oder ein Schleier durch eine Blutung im Glaskörper

Diese Beschwerden sind ein Grund, innerhalb eines Tages zur Augenärztin oder zum Augenarzt zu gehen. Deshalb sind die Kontrolltermine nach dem Verschluss so wichtig, auch wenn das Auge nicht mehr sieht.

Wie unterscheidet sich der Augeninfarkt von anderen plötzlichen Sehstörungen?

Der Augeninfarkt ist plötzlich, einseitig, schmerzlos und betrifft meist das ganze Bild oder einen scharf begrenzten Teil. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung. Sie ersetzt keine Untersuchung: Jeder plötzliche Sehverlust gehört sofort ärztlich abgeklärt.

ErkrankungTypische ZeichenSchmerz?
Arterienverschluss der NetzhautSekundenschneller Ausfall ganz oder als Balken, Auge weißnein
Venenverschluss der NetzhautVerschwommensehen über Stunden bis Tage, oft beim Aufwachen bemerkt, meist weniger starknein
NetzhautablösungVorher Lichtblitze und Rußregen, dann Schatten oder Vorhang, der sich ausbreitetnein
Akuter GlaukomanfallNebelsehen, farbige Ringe um Lichter, rotes, steinhartes Auge, Übelkeitja, stark
Durchblutungsstörung des Sehnervs (AION)Ausfall oft der oberen oder unteren Hälfte, häufig morgens bemerktnein, bei Riesenzellarteriitis Kopfschmerz
SehnerventzündungSehverschlechterung über Stunden bis Tage, Farben blass, eher jüngere Menschenja, bei Augenbewegung
GlaskörperblutungPlötzlich rote oder schwarze Schlieren und Schleier, oft bei Diabetesnein
Schlaganfall im SehzentrumDieselbe Bildhälfte fehlt auf beiden Augenmeist nein

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (10)

Was passiert im Auge beim Arterienverschluss?

Ein Pfropf blockiert die Arterie, und die inneren zwei Drittel der Netzhaut bekommen keinen Sauerstoff mehr. Dort liegen die Nervenzellen, die die Signale der Sinneszellen verarbeiten und über den Sehnerv ins Gehirn leiten. Ohne Sauerstoff schwellen sie an und sterben ab.

Je weiter vorne im Gefäßbaum der Verschluss sitzt, desto größer ist der Schaden. Ein Verschluss des Hauptstamms trifft fast die ganze Netzhaut, ein Verschluss in einem kleinen Ast nur ein kleines Feld. Oft löst sich der Pfropf nach einiger Zeit von selbst auf oder wandert weiter. Kommt die Durchblutung aber zu spät zurück, bleibt der Schaden trotzdem bestehen.

Wie viel Zeit hat die Netzhaut?

Nur wenige Stunden, wahrscheinlich eher weniger. In Versuchen an Rhesusaffen entstand nach einem Verschluss von 90 bis 105 Minuten noch kein messbarer Dauerschaden. Nach etwa 4 Stunden war die innere Netzhaut ausgedehnt und unumkehrbar geschädigt. Beim Menschen ist die genaue Grenze unbekannt und umstritten. Manche Forscher halten sie für kürzer, andere für länger, zumal viele Verschlüsse nicht vollständig sind.

Woher kommt der Pfropf am häufigsten?

Am häufigsten stammt er aus der Halsschlagader auf derselben Seite. Dort bilden sich mit dem Alter Ablagerungen aus Fett, Kalk und Bindegewebe (Plaques, Arteriosklerose). Bricht ein Stück davon ab, wird es mit dem Blutstrom in die Augenarterie gespült. Bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen findet man nach amerikanischen Übersichten eine Erkrankung der Halsschlagader. Nach der spanischen Fachgesellschaft hat etwa jeder Fünfte eine Verengung, die den Blutfluss deutlich behindert.

Welche Arten von Gefäßpfropfen gibt es?

Es gibt drei Haupttypen: Cholesterin-, Plättchen-Fibrin- und Kalkpfropfen. Die Augenärztin oder der Augenarzt kann sie manchmal direkt im Gefäß sehen.

TypAussehenHerkunftAnteil (Arruga und Sanders, 1982)
Cholesterinembolus (Hollenhorst-Plaque)klein, gelblich-orange, glänzendPlaques der Halsschlagaderetwa 74 Prozent
Plättchen-Fibrin-Embolusgrauweiß, länglichGerinnsel an Plaques oder im Herzenetwa 15 Prozent
Kalkembolushellweiß, matt, oft größerverkalkte Herzklappenetwa 10 Prozent

Die Anteile stammen aus einer älteren Untersuchung an 70 Betroffenen; andere Studien kommen auf etwas andere Werte. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen kommen mehrere Pfropfen im selben Auge vor. Ein sichtbarer Embolus ist kein Beweis für einen akuten Verschluss. Auch bei bis zu 1 Prozent der augengesunden Menschen über 40 findet man solche Teilchen. Sie sind aber immer ein Hinweis auf eine Gefäßerkrankung.

Welche Rolle spielt das Herz?

Das Herz ist die zweite wichtige Quelle, bei Menschen unter 40 sogar die häufigste. Mögliche Ursachen sind:

  • Vorhofflimmern: In den unregelmäßig schlagenden Vorhöfen bilden sich Gerinnsel.
  • Herzklappenerkrankungen: verkalkte oder geschädigte Aorten- und Mitralklappen.
  • Endokarditis: eine bakterielle Entzündung der Herzklappen, von der sich infizierte Teilchen lösen.
  • Gerinnsel nach Herzinfarkt in einer geschädigten Herzkammer.
  • Offenes Foramen ovale: Durch dieses kleine Loch können Gerinnsel aus den Beinvenen in den großen Kreislauf gelangen.
  • Vorhofmyxom: ein seltener gutartiger Herztumor, von dem sich Stücke ablösen.

Was ist die Riesenzellarteriitis, und warum ist sie so gefährlich?

Die Riesenzellarteriitis, früher Arteriitis temporalis oder Morbus Horton genannt, ist eine Entzündung mittelgroßer und großer Schlagadern, besonders am Kopf. Sie betrifft fast nur Menschen über 50, häufig in Verbindung mit einer Polymyalgia rheumatica. Frauen erkranken etwa doppelt so oft wie Männer, Männer erblinden aber häufiger daran. Nach französischen Angaben ist etwa jeder 120. Mensch über 80 betroffen.

Am Auge führt die Entzündung meist zu einer Durchblutungsstörung des Sehnervs, seltener, in etwa einem Zehntel der Fälle mit Augenbeteiligung, zu einem Zentralarterienverschluss. Unter allen Arterienverschlüssen der Netzhaut macht sie nach der deutschen Leitlinie etwa 5 Prozent aus, nach der spanischen Fachgesellschaft eher 1 bis 2 Prozent. Gefährlich ist sie, weil ohne Behandlung in etwa 60 Prozent auch das zweite Auge erblindet, oft innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Welche seltenen Ursachen gibt es?

Seltene Ursachen sind Gerinnungsstörungen, Gefäßentzündungen, ein Einriss der Halsschlagader und Blutkrankheiten. Im Einzelnen kommen in Frage:

  • Gerinnungsstörungen, zum Beispiel das Antiphospholipid-Syndrom
  • andere Gefäßentzündungen wie Lupus erythematodes, Granulomatose mit Polyangiitis oder Polyarteriitis nodosa
  • das Susac-Syndrom, eine seltene Autoimmunerkrankung kleiner Gefäße in Gehirn, Innenohr und Netzhaut
  • ein Einriss der Halsschlagaderwand (Dissektion)
  • Sichelzellkrankheit, Leukämie oder Lymphome
  • Fettembolien nach Knochenbrüchen, Talkum-Embolien bei intravenösem Drogenkonsum
  • Gefäßkrampf, etwa bei Netzhautmigräne
  • sehr selten Eingriffe am Auge oder Spritzen ins Auge

Trotz gründlicher Suche bleibt die Ursache bei einem Teil der Betroffenen unklar.

Welche Risikofaktoren erhöhen die Gefahr?

Die Risikofaktoren sind dieselben wie für Schlaganfall und Herzinfarkt. Nach der deutschen Leitlinie sind Bluthochdruck und eine Verengung der Halsschlagader am häufigsten.

  • höheres Alter und männliches Geschlecht
  • Bluthochdruck (bei mehr als der Hälfte der Betroffenen)
  • Rauchen
  • erhöhte Blutfette, vor allem Cholesterin
  • Diabetes mellitus
  • Verengung der Halsschlagader
  • Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen
  • Herzklappenfehler, früherer Herzinfarkt oder Schlaganfall
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Nierenversagen im Endstadium (etwa dreifaches Risiko)
  • Östrogenpräparate, die Antibabypille und eine Schwangerschaft, besonders bei zusätzlicher Gerinnungsneigung
  • erhöhte Homocysteinwerte im Blut

Hatten die Betroffenen vorher schon Risikofaktoren?

Meist ja, oft ohne es zu wissen. Bei einer gründlichen Abklärung findet man laut deutscher Leitlinie bei 60 bis 80 Prozent der Menschen mit Zentralarterienverschluss neue, bisher unbekannte Risikofaktoren. In einer deutschen Studie waren es 78 Prozent, am wichtigsten war eine Verengung der Halsschlagader auf derselben Seite. Gerade Menschen, die sich für gesund hielten, profitieren also von der Untersuchung.

Ist ein Arterienverschluss der Netzhaut erblich?

Nein, die Erkrankung selbst wird nicht vererbt. Vererbt werden können aber Neigungen zu hohen Blutfetten, Bluthochdruck oder Gerinnungsstörungen. Bei jungen Menschen ohne erkennbare Risikofaktoren hält die deutsche Leitlinie deshalb eine Untersuchung auf Gerinnungsstörungen (Thrombophilie) für sinnvoll.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (10)

Wie wird ein Arterienverschluss der Netzhaut festgestellt?

Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt meist schon mit Gespräch, Pupillenprüfung und Spiegelung des Augenhintergrunds. Aufwendige Geräte sind für die Diagnose selbst oft nicht nötig. Wichtig ist, dass die Untersuchung schnell geschieht und eine mögliche Behandlung nicht verzögert.

Was gehört zur Erstuntersuchung?

Zur Erstuntersuchung gehören das Gespräch, die Prüfung von Pupille und Sehschärfe, die Spaltlampe, der Blick auf den Augenhintergrund und das Abtasten der Schläfenarterien. Die deutsche Leitlinie legt im Einzelnen fest:

  1. Befragung: Wann genau begann der Ausfall? Gab es vorher kurze Sehausfälle? Bestehen Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Vorhofflimmern, ein früherer Schlaganfall, rheumatische Erkrankungen? Welche Medikamente nehmen Sie, vor allem Blutverdünner?
  2. Fragen nach Zeichen einer Riesenzellarteriitis wie Kopfschmerz, Kauschmerz, Doppelbilder, Gewichtsverlust
  3. Prüfung der Pupillenreaktion
  4. Sehschärfe, wenn nötig mit Ihrer Brille
  5. Untersuchung des vorderen Auges an der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt
  6. Untersuchung des Augenhintergrunds
  7. Ansehen und Abtasten der Schläfenarterien
  8. Besprechung des Befunds und Beratung über die nächsten Schritte

Bei einem frischen Zentralarterienverschluss ist es oft nicht nötig, die Pupille mit Tropfen zu erweitern. Bei kleinen Astverschlüssen oder schon wieder geöffneten Gefäßen wird es empfohlen, damit die ganze Netzhaut beurteilt werden kann.

Was zeigt die OCT?

Die optische Kohärenztomographie (OCT) erstellt in Sekunden ein Schnittbild der Netzhaut, ähnlich einem Ultraschall, aber mit Licht. Schon kurz nach dem Verschluss zeigt sie, dass die inneren Netzhautschichten verdickt und heller sind. Nach etwa einem Monat bildet sich die Schwellung zurück, nach drei Monaten sind die inneren Schichten deutlich ausgedünnt.

Die OCT hilft, wenn der Befund am Augenhintergrund noch nicht eindeutig ist oder wenn jemand erst spät kommt und die weiße Trübung schon verschwunden ist. Sie hilft auch, das Alter eines Verschlusses einzuschätzen und ihn von einer Durchblutungsstörung des Sehnervs zu unterscheiden. In den USA und Großbritannien wird erprobt, OCT-Bilder aus der Notaufnahme per Fernbefundung an Augenärztinnen und Augenärzte zu schicken.

Wann ist eine Angiographie nötig?

Eine Fluoreszeinangiographie ist heute nur noch in bestimmten Fällen nötig. Dabei wird ein Farbstoff in eine Armvene gespritzt und fotografiert, wie er durch die Netzhautgefäße strömt. Beim Arterienverschluss füllen sich die Arterien verzögert oder gar nicht.

Die Untersuchung ist sinnvoll, wenn zugleich eine Vene betroffen ist, wenn der Verdacht auf ein okuläres Ischämiesyndrom besteht oder wenn später nicht durchblutete Netzhautbereiche und neue Gefäße gesucht werden. Sie darf eine Notfallbehandlung nicht verzögern. Gelegentlich kommen auch eine OCT-Angiographie ohne Farbstoff, Netzhautfotos, eine Gesichtsfeldmessung, die Messung des Augendrucks oder ein Elektroretinogramm (Messung der elektrischen Netzhautantwort) hinzu.

Warum werden sofort Blutwerte bestimmt?

Um eine Riesenzellarteriitis zu erkennen oder auszuschließen. Bestimmt werden vor allem die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Protein (CRP), dazu ein Blutbild mit Blutplättchen. Bei einer Riesenzellarteriitis sind diese Werte meist deutlich erhöht.

In etwa 4 Prozent sind BSG und CRP trotz aktiver Entzündung normal. Bei typischen Beschwerden wird deshalb trotzdem weiter untersucht. Ist bei der Spiegelung eindeutig ein Cholesterinpfropf zu sehen, ist eine Riesenzellarteriitis unwahrscheinlicher. Bei Menschen über 50 bleibt die Blutuntersuchung trotzdem der Standard.

Wie wird eine Riesenzellarteriitis gesichert?

Bei Verdacht folgen ein Ultraschall der Schläfen- und Achselarterien oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) mit Kontrastmittel. Diese Bildgebung sollte rasch, innerhalb von 1 bis 3 Tagen nach Beginn der Kortisonbehandlung, erfolgen, weil sich die Entzündungszeichen unter Kortison zurückbilden. Eine Gewebeprobe aus der Schläfenarterie (Biopsie) wird nach der deutschen Leitlinie vor allem bei unklaren Befunden entnommen. Britische Quellen empfehlen sie möglichst innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der Kortisongabe.

Wichtig: Mit dem Kortison wird nicht auf die Ergebnisse gewartet. Die Behandlung beginnt schon beim begründeten Verdacht.

Welche Untersuchungen folgen außerhalb der Augenklinik?

Nach der Diagnose wird die Ursache gesucht, so gründlich und schnell wie nach einem Schlaganfall. Dafür arbeiten Augenheilkunde, Neurologie, Kardiologie und Innere Medizin zusammen. Üblich sind:

  • Ultraschall der Halsschlagadern (Duplexsonographie), bei Bedarf eine CT- oder MR-Angiographie
  • EKG und Langzeit-EKG; bei Verdacht auf unentdecktes Vorhofflimmern auch ein implantierbarer Ereignisrekorder
  • Herzultraschall, oft als Schluckecho (transösophageale Echokardiographie), um Klappenentzündungen, ein offenes Foramen ovale oder Gerinnsel im Herzen zu finden
  • 24-Stunden-Blutdruckmessung
  • Blutbild, Blutzucker, Langzeitzuckerwert und Blutfette
  • eine Bildgebung des Gehirns, weil manche Betroffene unbemerkt kleine Hirninfarkte haben

Was wird bei jüngeren Betroffenen zusätzlich untersucht?

Bei Menschen unter 50 ohne klassische Risikofaktoren wird gezielt nach seltenen Ursachen gesucht. Dazu gehören Gerinnungstests, Antikörper gegen Phospholipide, Autoimmun-Untersuchungen etwa auf Lupus und ein besonders genauer Herzultraschall. Die deutsche Leitlinie setzt die Grenze bei 50 Jahren, die spanische Fachgesellschaft bei 40 Jahren.

Werden diese Untersuchungen in der Praxis immer gemacht?

Leider nicht immer. In einer Auswertung von US-Notaufnahmen der Jahre 2006 bis 2014 erhielten nur etwa 4 Prozent der Betroffenen alle drei empfohlenen Untersuchungen, also Hirnbildgebung, Halsgefäß- und Herzdiagnostik. Die deutsche Leitlinie verpflichtet die Augenärztin oder den Augenarzt deshalb ausdrücklich, die zeitnahe internistisch-neurologische Abklärung anzustoßen. Fragen Sie nach, wenn Sie nach einem Verschluss ohne diese Termine nach Hause geschickt werden.

Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?

Abgegrenzt werden vor allem andere Ursachen eines plötzlichen Sehverlusts:

  • Durchblutungsstörung des Sehnervenkopfes (anteriore ischämische Optikusneuropathie), mit oder ohne Riesenzellarteriitis
  • Venenverschluss der Netzhaut und gemischte Verschlüsse von Arterie und Vene
  • Verschluss der Augenarterie (kein kirschroter Fleck, meist kein Lichtschein mehr)
  • okuläres Ischämiesyndrom bei hochgradiger Verengung der Halsschlagader
  • Netzhautablösung und Glaskörperblutung
  • Sehnerventzündung
  • akuter Glaukomanfall
  • Schlaganfall im Sehzentrum des Gehirns

Ein kirschroter Fleck kommt außerdem bei seltenen angeborenen Stoffwechselkrankheiten im Kindesalter und bei einer Kohlenmonoxidvergiftung vor. Diese Situationen unterscheiden sich aber durch Alter, Beidseitigkeit und Begleitsymptome deutlich.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (13)

Gibt es eine wirksame Behandlung für den Augeninfarkt?

Eine Behandlung, die das Sehen nachweislich rettet, gibt es bisher nicht. Das sagen die deutsche Leitlinie, die amerikanische Augenärztegesellschaft, eine Cochrane-Übersicht und die spanische Fachgesellschaft übereinstimmend. Die deutsche Leitlinie formuliert: Keine Behandlung der Netzhautdurchblutung ist Pflicht, man kann auch darauf verzichten.

Das klingt entmutigend, bedeutet aber nicht, dass nichts zu tun ist. Die Behandlung hat drei Ziele: in sehr frühen Fällen vielleicht doch noch Sehen zu retten, eine Riesenzellarteriitis sofort zu behandeln und vor allem einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu verhindern.

Wie wichtig ist die Zeit bis zur Behandlung?

Sehr wichtig, denn jede Maßnahme zur Wiedereröffnung des Gefäßes kann nur in den ersten Stunden etwas bewirken. Nach den Tierversuchen ist die Netzhaut nach etwa 4 bis 4,5 Stunden unumkehrbar geschädigt. Viele Kliniken orientieren sich deshalb an dem Zeitfenster von 4,5 Stunden, das auch beim Schlaganfall für die Lyse gilt.

In der Realität kommen nur 10 bis 40 Prozent der Betroffenen innerhalb von 6 Stunden. Bei vielen hat sich die Arterie bis zur Untersuchung bereits teilweise wieder geöffnet, oft mit noch vermindertem Blutfluss. Das erschwert auch die Bewertung von Studien.

Was ist eine Lyse, und hilft sie?

Bei einer Lyse wird ein Medikament in die Vene gegeben, das Blutgerinnsel auflöst, zum Beispiel Alteplase (rt-PA) oder Tenecteplase. Beim Schlaganfall ist dieses Vorgehen etabliert. Beim Augeninfarkt ist der Nutzen bisher nicht bewiesen.

Was sagt die deutsche Leitlinie?

Nach der S2e-Leitlinie von 2022 kann eine Lyse über die Vene bei einem Zentralarterienverschluss oder bei einem Astverschluss mit Beteiligung der Makula erwogen werden. Voraussetzung ist, dass das Gefäß noch nicht wieder offen ist, der Verschluss höchstens 4,5 Stunden zurückliegt und keine Gegenanzeigen bestehen. Es ist ausdrücklich eine Einzelfallentscheidung. Nach mehr als 4,5 Stunden oder bei Gegenanzeigen soll nicht lysiert werden. Lyse und eine Überwachung von mindestens 24 Stunden gehören auf eine Überwachungsstation oder eine Stroke Unit.

Was zeigen die Studien?

  • Auswertung von Beobachtungsstudien (Huang und Kollegen): Bei 316 Patienten besserte sich das Sehen mit früher Lyse bei 47 Prozent, ohne Lyse bei 12 Prozent. Hirnblutungen mit Beschwerden traten bei 1,3 Prozent auf. Ob sich die Gefäße bei manchen ohnehin von selbst geöffnet hätten, blieb offen.
  • THEIA-Studie (Frankreich, 2025): In 16 französischen Stroke Units erhielten 70 Patienten innerhalb von 4,5 Stunden Alteplase oder Aspirin. Nach einem Monat besserte sich das Sehen bei 66 gegenüber 48 Prozent. Der Unterschied war statistisch nicht gesichert, die Studie war wohl zu klein.
  • TenCRAOS-Studie (2026): Bei 78 Patienten brachte Tenecteplase gegenüber Aspirin nach 30 Tagen keinen Vorteil für die Sehschärfe. Schwere Nebenwirkungen waren unter Tenecteplase häufiger, ein Patient starb an Hirnblutungen.
  • Cochrane-Übersicht (2023): Sechs randomisierte Studien mit 223 Teilnehmenden zeigten für die meisten Vergleiche keinen Unterschied der Sehschärfe nach einem Monat, aber mehr schwere Nebenwirkungen unter Lyse. Die Datenlage ist schwach.
  • Erfahrung aus Madrid (2021 bis 2022): Ein Krankenhaus behandelte den Zentralarterienverschluss als Schlaganfall-Code. Drei Patienten erhielten eine Lyse, keiner gewann klinisch relevant Sehen zurück, Blutungen traten nicht auf. Die meisten kamen außerhalb des Zeitfensters.

Die deutsche Leitlinie stammt aus der Zeit vor THEIA und TenCRAOS. Eine größere Studie läuft noch. Nach heutigem Stand ist die Lyse also keine Standardbehandlung, sondern bleibt eine sorgfältig abzuwägende Einzelentscheidung in einer Schlaganfall-Einheit.

Warum wird von der Lyse über einen Katheter abgeraten?

Weil sie in einer randomisierten Studie keinen Nutzen, aber ernste Komplikationen zeigte. Bei dieser Methode wird ein Katheter über die Leiste bis in die Augenarterie vorgeschoben und das Medikament direkt dort abgegeben. Die europäische EAGLE-Studie mit 84 Patienten wurde abgebrochen, unter anderem wegen Hirnblutungen. Die deutsche Leitlinie rät davon ab. Französische Quellen nennen sie noch für ausgewählte junge Patienten ohne schwere Grunderkrankung innerhalb von 6 Stunden, die spanische Fachgesellschaft nur für ausgewählte Fälle.

Helfen Augenmassage, Tropfen oder eine Punktion?

Ein Nutzen dieser sogenannten konservativen Maßnahmen ist nicht belegt. Sie sollen den Augendruck senken, damit der Pfropf in einen kleineren Ast weiterrutscht und weniger Netzhaut ausfällt. Hier unterscheiden sich die Empfehlungen der Länder.

MaßnahmeDeutsche LeitlinieAndere Länder
Augenmassage durch die Liderkann versucht werden, Nutzen nicht belegtwird in den USA, Frankreich und Spanien noch angewendet
drucksenkende Tropfen oder Tabletten (z. B. Timolol, Acetazolamid)kann versucht werden; Acetazolamid kann das Blut eindickenhäufig genannt, Nutzen ebenfalls unbewiesen
Punktion der Vorderkammer (Parazentese)soll nicht erfolgen: kein Nutzen, Risiko für Infektion und Linsenverletzungin amerikanischen, französischen und spanischen Lehrtexten noch als Option
Hämodilution (Blutverdünnung durch Infusionen)spielt keine Rolle mehrin neueren Quellen kaum noch genannt
Atmen von Carbogen (Sauerstoff mit etwas Kohlendioxid)nicht als Behandlung genanntvereinzelt in den USA und Spanien

Eine Auswertung aus dem Jahr 2015 deutete sogar an, dass manche dieser Maßnahmen nicht besser oder sogar schlechter als der natürliche Verlauf sein könnten. Versuchen Sie keinesfalls selbst, das Auge kräftig zu massieren, statt den Notruf zu wählen. Jede Minute zu Hause fehlt bei der Abklärung.

Was ist mit der Druckkammer und anderen Verfahren?

Die hyperbare Sauerstofftherapie in einer Druckkammer ist nicht ausreichend untersucht, um sie zu empfehlen. Die deutsche Leitlinie hält sie nur in Einzelfällen innerhalb von 4,5 Stunden für denkbar, zumal Druckkammern so kurzfristig selten verfügbar sind. Eine Auswertung fand keinen gesicherten Vorteil.

Andere Verfahren wurden nur in kleinen oder unkontrollierten Studien erprobt: das Aufsprengen des Pfropfs mit einem Laser, die operative Entfernung des Embolus bei einer Glaskörperoperation, Prostaglandin-Infusionen, Stromreizung durch die Haut und neue Schutzmedikamente für die Nervenzellen. Keines davon ist eine Standardbehandlung. Manche, etwa die Laserbehandlung, bergen ein hohes Risiko für Blutungen.

Wie wird eine Riesenzellarteriitis behandelt?

Sofort und hochdosiert mit Kortison, schon beim begründeten Verdacht und ohne auf Biopsie oder Bildgebung zu warten. Das Ziel ist vor allem, das zweite Auge und andere Gefäße zu schützen. Manchmal kehrt auch etwas Sehen am betroffenen Auge zurück.

  • Anfangsbehandlung nach deutscher Leitlinie: 250 bis 1000 Milligramm eines Kortisonpräparats täglich als Infusion über 3 bis 5 Tage, danach 40 bis 60 Milligramm täglich als Tablette.
  • Ausschleichen: Die Dosis wird über viele Monate langsam verringert, in Frankreich werden meist 18 bis 24 Monate genannt. Das Kortison darf nie plötzlich abgesetzt werden.
  • Zusatzmedikamente: Tocilizumab oder Methotrexat können helfen, Kortison einzusparen.
  • Begleitschutz: häufig Magenschutz, Vorbeugung gegen Knochenschwund und bei Diabetes engere Blutzuckerkontrollen.

Ohne Behandlung erblindet das zweite Auge in etwa 60 Prozent, mit Behandlung in etwa 15 Prozent. Beide Augen werden in den ersten Tagen engmaschig kontrolliert.

Warum bekomme ich Aspirin oder einen anderen Blutverdünner?

Um einen neuen Verschluss im Auge, im Gehirn oder am Herzen zu verhindern. Die deutsche Leitlinie empfiehlt nach einem nicht-entzündlichen Verschluss und nach einer Amaurosis fugax einen Plättchenhemmer, zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) 100 Milligramm täglich, sofern nichts dagegen spricht. Wie nach einem Schlaganfall wird er meist lebenslang eingenommen. Die Durchblutung der Netzhaut verbessert er wahrscheinlich nicht.

Eine dänische Registerstudie mit über 6.600 Betroffenen fand keinen schützenden Effekt. Die Leitlinie hält trotzdem an der Empfehlung fest, bis randomisierte Studien vorliegen. Stärkere Gerinnungshemmer, also Vitamin-K-Antagonisten oder neue orale Antikoagulanzien, kommen nur bei nachgewiesener Quelle zum Einsatz, vor allem bei Vorhofflimmern. Darüber entscheiden Neurologie und Kardiologie.

Was passiert mit einer verengten Halsschlagader?

Eine deutlich verengte Halsschlagader wird je nach Befund operiert oder mit einem Stent erweitert. Beim Schlaganfall und der TIA senkt eine frühe Operation innerhalb von 14 Tagen das Risiko eines Folgeschlaganfalls, weil die Gefahr in der ersten Woche am größten ist. Die Entscheidung treffen Gefäßchirurgie und Neurologie gemeinsam mit Ihnen.

Muss ich ins Krankenhaus, obwohl das Auge nicht zu retten ist?

Meist ja, denn das Krankenhaus schützt in dieser Phase vor allem Ihr Gehirn und Ihr Herz. In der ersten Woche nach dem Verschluss ist das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt am höchsten. Die deutsche Leitlinie zieht keine feste Grenze zwischen ambulant und stationär. Entscheidend ist, dass die Abklärung schnell geschieht. In der Regel ist eine stationäre Aufnahme, möglichst auf einer Stroke Unit, der sicherste Weg.

In Deutschland sind Stroke Units flächendeckend rund um die Uhr erreichbar. In Österreich empfiehlt das öffentliche Gesundheitsportal bei Schlaganfallverdacht ebenfalls den Notruf und die Behandlung in einer Stroke Unit. In Frankreich gibt es in einigen Regionen eigene Behandlungspfade: Nach dem Anruf beim Rettungsdienst bestätigt eine Augenärztin oder ein Augenarzt die Diagnose, dann folgt die Aufnahme in die neurovaskuläre Einheit.

Wie oft muss ich zur augenärztlichen Kontrolle?

Die deutsche Leitlinie empfiehlt Kontrollen mindestens nach etwa einer Woche, einem Monat und drei Monaten. Dabei werden vorderes Auge, Kammerwinkel und Augenhintergrund gezielt nach neuen Gefäßen abgesucht. Bei einer Riesenzellarteriitis werden beide Augen in den ersten Tagen noch enger überwacht. Die spanische Fachgesellschaft betont besonders die ersten drei Monate.

Wie werden neue Gefäße und ein Neovaskularisationsglaukom behandelt?

Mit einem Laser, der die unterversorgte Netzhaut verödet (panretinale Laserkoagulation), oft ergänzt durch Spritzen ins Auge mit Hemmstoffen des Gefäßwachstumsfaktors VEGF. Dadurch bilden sich die krankhaften Gefäße zurück, und der Augendruck lässt sich besser kontrollieren. Ist bereits ein Glaukom entstanden, kommen drucksenkende Tropfen und manchmal Operationen hinzu. Unbehandelt kann das Auge schmerzhaft werden und schrumpfen.

Was zahlt die Krankenkasse?

Notfallbehandlung, Krankenhausaufenthalt, Ursachensuche und notwendige Kontrollen übernimmt in der Regel die Krankenkasse, in Deutschland wie in Österreich. Die deutsche Leitlinie weist allerdings darauf hin, dass sie beschreibt, was Fachleute für angemessen halten, und dass dies nicht in jedem Punkt dem Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Klären Sie Einzelfragen, etwa zu Sehhilfen oder Rehabilitation, mit Ihrer Krankenkasse.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (8)

Kommt das Sehen nach einem Zentralarterienverschluss zurück?

Meist nur wenig oder gar nicht. Weniger als 20 Prozent der Betroffenen gewinnen nennenswert Sehvermögen zurück, je nach Studie 10 bis 20 Prozent. Rund 80 Prozent bleiben dauerhaft bei Fingerzählen oder schlechter. In einer großen Beobachtungsstudie mit 441 Patienten hatten 93 Prozent am Ende eine Sehschärfe unter 20 Prozent.

Eine spontane Besserung auf mindestens 10 Prozent Sehschärfe erleben nach der deutschen Leitlinie bis zu 8 Prozent, und zwar in der ersten Woche. Nach einer Woche ist keine wesentliche Besserung mehr zu erwarten.

Welche Formen haben eine bessere Prognose?

Deutlich besser sind die Aussichten, wenn ein Teil der Netzhaut weiter durchblutet war oder sich das Gefäß rasch von selbst geöffnet hat.

FormTypischer Verlauf
Zentralarterienverschluss, nicht entzündlichmeist schwerer, bleibender Sehverlust
Zentralarterienverschluss mit erhaltener zilioretinaler Arterieüber 80 Prozent behalten 40 Prozent Sehschärfe oder mehr in einer kleinen zentralen Insel; das Gesichtsfeld bleibt stark eingeschränkt
vorübergehender (transienter) Verschlussüber 80 Prozent bessern sich in der ersten Woche
Verschluss durch Riesenzellarteriitisschlechte Erholung
Arterienastverschlussetwa 80 bis 90 Prozent erreichen 50 Prozent Sehschärfe oder mehr; der Gesichtsfeldausfall bleibt oft
isolierter Verschluss der zilioretinalen Arterie90 Prozent sehen am Ende über 50 Prozent
Verschluss der Augenarteriemeist sehr schwerer Verlust

Was verändert sich am Auge in den folgenden Wochen?

Die weiße Schwellung der Netzhaut bildet sich in 4 bis 6 Wochen zurück. Danach sieht der Augenhintergrund wieder fast normal aus. Zurück bleiben ein blasser Sehnerv, enge Arterien und eine ausgedünnte innere Netzhaut. Der Gesichtsfeldausfall bleibt bestehen, auch wenn das Bild bei der Spiegelung unauffällig wirkt.

Wie häufig sind neue Gefäße und ein Neovaskularisationsglaukom?

Die Angaben schwanken stark. Die deutsche Leitlinie spricht von seltenen Fällen, vor allem wenn sich das Gefäß nicht wieder öffnet. Spanische und internationale Lehrbücher nennen bis zu 15 bis 20 Prozent, einzelne Studien zwischen 2,5 und 18 Prozent. Besonders gefährdet sind gemischte Verschlüsse mit Venenbeteiligung und Augen mit chronischer Minderdurchblutung bei Verengung der Halsschlagader.

Die meisten dieser Gefäße entstehen in den ersten drei Monaten. Rechtzeitig erkannt, lassen sie sich mit Laser und Spritzen gut behandeln. Darum sind die Kontrollen auch bei einem blinden Auge wichtig.

Wie hoch ist das Risiko für einen Schlaganfall?

Deutlich erhöht, vor allem in den ersten Tagen. Nach der deutschen Leitlinie ist das Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt in den ersten vier Wochen 9- bis 15-fach erhöht. Am höchsten ist es in den ersten sieben Tagen. Langfristig bleibt das Schlaganfallrisiko über Jahre etwa zwei- bis vierfach erhöht.

In einer deutschen Studie hatten 13 Prozent der Betroffenen kurz vor oder im Monat nach dem Augeninfarkt einen Schlaganfall. Eine taiwanische Kohorte fand bei Menschen unter 60 sogar ein mehr als dreifaches Risiko. Auch die Sterblichkeit ist nach einem Netzhautarterienverschluss erhöht. Der Augeninfarkt ist deshalb immer auch ein Warnsignal für den ganzen Körper.

Kann das andere Auge auch betroffen werden?

Beim gewöhnlichen, durch ein Gerinnsel bedingten Verschluss ist das selten. Gleichzeitig beide Augen sind nur in 1 bis 2 Prozent betroffen. Wie hoch das Risiko für einen späteren Verschluss am zweiten Auge ist, geben die Quellen nicht genau an. Im Vordergrund steht das Schlaganfallrisiko.

Ganz anders bei der Riesenzellarteriitis: Hier erblindet das zweite Auge ohne Behandlung in etwa 60 Prozent, oft innerhalb von ein bis zwei Wochen. Mit sofortigem Kortison sinkt das Risiko auf etwa 15 Prozent.

Wie lebt es sich mit einem Auge?

Die meisten Menschen gewöhnen sich an das einäugige Sehen innerhalb von Wochen bis Monaten. Anfangs fallen Entfernungen schwer: Sie greifen daneben, verschütten beim Einschenken oder unterschätzen Stufen. Auf der betroffenen Seite übersehen Sie leichter Hindernisse, Radfahrer oder Türrahmen. Mit der Zeit lernt das Gehirn, Tiefe aus anderen Hinweisen wie Größe, Schatten und Bewegung abzuleiten.

Hilfreich ist, den Kopf bewusst mehr zu drehen und Möbel so zu stellen, dass sie nicht im blinden Bereich stehen. Das gesunde Auge verdient besondere Aufmerksamkeit: Lassen Sie es regelmäßig untersuchen, damit Erkrankungen wie Grauer Star oder Grüner Star früh erkannt werden. Bei Fragen zu Sehhilfen und zur Teilhabe hilft in Deutschland der Blinden- und Sehbehindertenverband, der an der Leitlinie mitgewirkt hat.

Darf ich nach einem Augeninfarkt Auto fahren?

Das hängt vom verbliebenen Sehen beider Augen und vom Gesichtsfeld ab und muss individuell geprüft werden. In Deutschland legt die Fahrerlaubnis-Verordnung (Anlage 6) fest: Nach dem Verlust des Sehvermögens auf einem Auge dürfen Sie mindestens drei Monate lang kein Auto fahren. Danach braucht es eine augenärztliche Untersuchung und Beratung. Für den Pkw-Führerschein muss das bessere Auge dann mindestens eine Sehschärfe von 0,5 erreichen, und das Gesichtsfeld muss ausreichen. In Österreich gelten eigene Regeln nach der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung. Besprechen Sie die Frage vor der ersten Fahrt mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt. In den ersten Wochen, solange Sie sich an das einäugige Sehen gewöhnen und Medikamente neu eingestellt werden, ist Zurückhaltung angebracht.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (7)

Kann man einem Arterienverschluss der Netzhaut vorbeugen?

Ja, zum Teil, und zwar mit denselben Maßnahmen, die vor Schlaganfall und Herzinfarkt schützen. Einen sicheren Schutz gibt es nicht. Doch die meisten Verschlüsse entstehen auf dem Boden von Gefäßverkalkung, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen, und diese lassen sich behandeln.

Welche Risikofaktoren sollte ich angehen?

Am meisten bringt es, Blutdruck, Rauchen, Blutfette, Blutzucker und Herzrhythmus anzugehen.

  • Blutdruck: regelmäßig messen und gut einstellen lassen. Bluthochdruck ist der häufigste Risikofaktor.
  • Rauchen: aufhören. Rauchen verdoppelt nach spanischen Universitätsangaben das Schlaganfallrisiko.
  • Blutfette: erhöhtes Cholesterin behandeln, mit Ernährung und wenn nötig mit Medikamenten.
  • Diabetes: Blutzucker gut einstellen. Diabetes schadet den Augen außerdem direkt, siehe diabetische Retinopathie.
  • Gewicht und Bewegung: Übergewicht abbauen, regelmäßig bewegen, wenig Alkohol.
  • Herzrhythmus: Unregelmäßigen Puls oder Herzstolpern hausärztlich abklären lassen. Unbemerktes Vorhofflimmern ist eine häufige Quelle von Gerinnseln.

Was kann ich nach einem Verschluss tun, damit es nicht wieder passiert?

Nehmen Sie die verordneten Medikamente genau und dauerhaft ein und gehen Sie zu allen Kontrollterminen. Dazu gehören meist ein Plättchenhemmer wie ASS, ein Mittel gegen hohe Blutfette und eine Blutdrucktherapie, bei Vorhofflimmern ein Gerinnungshemmer. Setzen Sie keines dieser Mittel eigenmächtig ab, auch nicht vor Zahnbehandlungen ohne Rücksprache.

Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt, sich einen festen Ansprechpartner zu suchen, der die Untersuchungen bei Augenarzt, Hausarzt, Kardiologie und Neurologie zusammenführt. In der Regel ist das die Hausärztin oder der Hausarzt. Bewahren Sie alle Befunde in einer Mappe auf.

Worauf muss ich unter einer Kortisontherapie achten?

Nehmen Sie das Kortison genau nach Plan ein und setzen Sie es nie plötzlich ab. Ein abruptes Absetzen kann die Riesenzellarteriitis wieder aufflammen lassen und den Kreislauf gefährden. Wegen möglicher Nebenwirkungen werden Blutzucker, Blutdruck, Knochen und Magen überwacht. Melden Sie neue Kopfschmerzen, Kauschmerzen oder Sehstörungen während des Ausschleichens sofort.

Warum ist es so wichtig, kurze Sehausfälle ernst zu nehmen?

Weil eine Amaurosis fugax die Chance bietet, einen Augeninfarkt oder Schlaganfall zu verhindern, bevor er eintritt. Wird nach einem kurzen Sehausfall eine verengte Halsschlagader oder ein Vorhofflimmern gefunden und behandelt, sinkt das Risiko deutlich. Rund jeder zehnte Augeninfarkt kündigte sich vorher so an. Gehen Sie deshalb noch am selben Tag in die Klinik, auch wenn Sie wieder normal sehen.

Gibt es eine Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt?

Eine gezielte Vorsorge gegen den Augeninfarkt gibt es nicht, aber die Spiegelung des Augenhintergrunds kann Warnzeichen zeigen. Manchmal sieht die Augenärztin oder der Augenarzt bei einer Routineuntersuchung einen kleinen Cholesterinpfropf in einem Netzhautgefäß oder Zeichen von Bluthochdruck. Dann ist eine Untersuchung der Halsschlagader und des Herzens sinnvoll. In Deutschland ist eine reine augenärztliche Vorsorge ohne Beschwerden keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Was können Angehörige vorbeugend tun?

Angehörige können das Wissen über diese Erkrankung weitergeben und im Ernstfall sofort handeln. Nur wenige Menschen wissen, dass ein schmerzloser Sehverlust auf einem Auge ein Notfall ist. Sprechen Sie ältere Familienmitglieder mit Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankungen darauf an. Merken Sie sich: Plötzlich auf einem Auge nichts sehen bedeutet Notruf, nicht Termin.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (6)

Wann muss ich sofort den Notruf wählen?

Sofort, wenn Sie plötzlich auf einem Auge nichts oder nur noch wenig sehen oder ein Teil des Gesichtsfelds ausfällt, auch ohne Schmerzen. Das ist ein Notfall wie ein Schlaganfall. Wählen Sie in Deutschland die 112, in Österreich die 144 (Rettung) oder europaweit die 112. Sagen Sie am Telefon: „Verdacht auf Augeninfarkt oder Schlaganfall, plötzlicher Sehverlust auf einem Auge seit …“ und nennen Sie die Uhrzeit.

Ziel ist eine Klinik mit Stroke Unit und Augenheilkunde. Warten Sie nicht auf einen Termin, rufen Sie nicht erst am nächsten Morgen in der Praxis an und legen Sie sich nicht hin, um abzuwarten. Fahren Sie nicht selbst Auto. Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Sofort Notruf auch bei diesen Zeichen

  • plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge
  • plötzlicher schwarzer Balken, Schatten oder Vorhang im Bild eines Auges
  • Sehverlust zusammen mit hängendem Mundwinkel, Arm- oder Beinschwäche, Taubheit oder Sprachstörung
  • Ausfall derselben Bildhälfte auf beiden Augen
  • plötzliche Doppelbilder mit Schwindel oder Gangunsicherheit

Was tun bei einem kurzen Sehausfall, der wieder vergangen ist?

Lassen Sie ihn sofort abklären, spätestens noch am selben Tag, am besten in einer Notaufnahme mit Stroke Unit oder einer Augenklinik. Eine Amaurosis fugax ist ein Warnzeichen für einen drohenden Augeninfarkt oder Schlaganfall. Das Risiko ist in den ersten Tagen am höchsten. Kommt der Ausfall wieder, wählen Sie den Notruf.

Was tun bei Kopfschmerz, Kauschmerz und Sehstörung ab 50?

Sofort, das heißt am selben Tag, ärztlich abklären lassen. Diese Kombination spricht für eine Riesenzellarteriitis, die innerhalb von Tagen beide Augen erblinden lassen kann. Das gilt auch für kurze Sehstörungen oder Doppelbilder zusammen mit Schläfenschmerzen, schmerzempfindlicher Kopfhaut, Muskelschmerzen oder Gewichtsverlust. Bei Verdacht beginnt die Kortisonbehandlung noch vor dem endgültigen Nachweis.

Wann muss ich innerhalb von ein bis zwei Tagen zur Augenärztin oder zum Augenarzt?

Nach einem bekannten Augeninfarkt, wenn sich das Auge verändert. Dazu gehören ein rotes oder schmerzendes Auge, neuer Kopfschmerz auf dieser Seite, Lichtempfindlichkeit oder eine weitere Verschlechterung des Restsehens. Das können Zeichen eines Neovaskularisationsglaukoms sein. Bei starken Schmerzen mit Übelkeit gehen Sie noch am selben Tag in die Augenklinik.

Welche Termine sind nach einem Augeninfarkt planbar?

Planbar sind die augenärztlichen Kontrollen nach etwa einer Woche, einem Monat und drei Monaten sowie die Nachsorge bei Hausarzt, Neurologie und Kardiologie. Danach legen Ärztinnen und Ärzte die Abstände individuell fest. Auch das gesunde Auge sollte regelmäßig untersucht werden.

Was sollte ich in die Klinik mitnehmen?

Nehmen Sie, wenn es ohne Zeitverlust möglich ist, Ihren Medikamentenplan, die Versichertenkarte und bekannte Befunde mit. Wichtig ist die Uhrzeit, zu der der Sehverlust begann oder zu der Sie zuletzt sicher normal gesehen haben. Diese Angabe entscheidet mit darüber, welche Behandlung noch möglich ist. Nehmen Sie bis zur Untersuchung keine zusätzlichen Blutverdünner auf eigene Faust ein.

9 Häufige Fragen

Ich sehe auf einem Auge plötzlich nichts mehr, aber es tut nicht weh. Kann das bis morgen warten?

Nein. Ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge kann ein Augeninfarkt sein und ist ein Notfall wie ein Schlaganfall. Die Netzhaut ist nach wenigen Stunden dauerhaft geschädigt, und das Risiko für einen Schlaganfall ist in den ersten Tagen am höchsten. Wählen Sie sofort 112, in Österreich 144.

Ist ein Augeninfarkt ein Schlaganfall?

Er ist ein Schlaganfall der Netzhaut, nicht des Gehirns. Die Ursachen sind dieselben, meist ein Gerinnsel aus der Halsschlagader oder dem Herzen. Danach ist das Risiko für einen Schlaganfall im Gehirn stark erhöht, in den ersten vier Wochen um ein Vielfaches. Deshalb wird er in einer Stroke Unit abgeklärt.

Kann man nach einem Augeninfarkt wieder sehen?

Beim Zentralarterienverschluss meist nur wenig oder gar nicht; weniger als 20 Prozent gewinnen nennenswert Sehen zurück. Besser sind die Aussichten, wenn eine zilioretinale Zusatzarterie die Netzhautmitte versorgt, wenn sich das Gefäß rasch von selbst öffnet oder wenn nur ein Ast verschlossen ist. Beim Astverschluss behalten die meisten ein gutes zentrales Sehen.

Wie schnell muss ein Augeninfarkt behandelt werden?

So schnell wie möglich, am besten innerhalb der ersten Stunde. Eine Lyse kommt nur bis 4,5 Stunden nach Beginn in Frage. Nach Tierversuchen ist die Netzhaut nach etwa 4 Stunden unumkehrbar geschädigt. Auch nach Ablauf dieser Zeit ist die rasche Abklärung wichtig, um einen Schlaganfall zu verhindern.

Hilft eine Lyse beim Zentralarterienverschluss?

Das ist nicht bewiesen. Beobachtungsstudien deuteten auf einen Nutzen hin, zwei neue randomisierte Studien von 2025 und 2026 konnten ihn nicht bestätigen. Dafür besteht ein Risiko für Hirnblutungen. Die deutsche Leitlinie erlaubt die Lyse über die Vene bis 4,5 Stunden als Einzelfallentscheidung in einer Stroke Unit.

Was ist eine Amaurosis fugax und ist sie gefährlich?

Eine Amaurosis fugax ist eine vorübergehende Erblindung eines Auges, meist für Sekunden bis Minuten, oft wie ein grauer Vorhang. Sie ist gefährlich, weil sie ein Warnzeichen für einen bleibenden Arterienverschluss oder einen Schlaganfall ist. Lassen Sie sie noch am selben Tag in einer Klinik abklären.

Warum wird nach einem Augeninfarkt Blut abgenommen und die Schläfe abgetastet?

Um eine Riesenzellarteriitis zu erkennen, eine Entzündung der Kopfschlagadern bei Menschen über 50. Sie verursacht etwa 5 Prozent der Verschlüsse und lässt ohne Behandlung in rund 60 Prozent auch das zweite Auge erblinden. Erhöhte Entzündungswerte (BSG, CRP) oder eine verdickte Schläfenarterie sind Hinweise, dann wird sofort Kortison gegeben.

Muss ich nach einem Augeninfarkt Aspirin nehmen?

In der Regel ja. Die deutsche Leitlinie empfiehlt nach einem nicht-entzündlichen Verschluss einen Plättchenhemmer, zum Beispiel ASS 100 Milligramm täglich, meist lebenslang, sofern nichts dagegen spricht. Er soll neue Verschlüsse im Auge, Gehirn und Herzen verhindern. Bei Vorhofflimmern kommt stattdessen meist ein stärkerer Gerinnungshemmer zum Einsatz.

Hilft es, das Auge zu massieren?

Ein Nutzen ist nicht belegt. Augenmassage wird in manchen Kliniken noch versucht, um den Pfropf weiterzuschieben. Sie ersetzt aber nie den Notruf, und Sie sollten keine Zeit zu Hause damit verlieren. Auch eine Punktion des Auges wird in Deutschland nicht mehr empfohlen.

Kann ein Augeninfarkt auch das andere Auge treffen?

Beim gewöhnlichen Verschluss durch ein Gerinnsel ist das selten; gleichzeitig beide Augen sind nur in 1 bis 2 Prozent betroffen. Bei einer Riesenzellarteriitis ist das zweite Auge dagegen stark gefährdet, deshalb wird sofort Kortison gegeben. Wichtiger als das zweite Auge ist beim gewöhnlichen Verschluss das erhöhte Schlaganfallrisiko.

Warum muss ich ins Krankenhaus, wenn das Auge nicht zu retten ist?

Weil in der ersten Woche das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt am höchsten ist. Im Krankenhaus wird rasch nach der Ursache gesucht, etwa nach einer verengten Halsschlagader oder Vorhofflimmern, und die Behandlung beginnt sofort. Bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen finden sich dabei bisher unbekannte Risikofaktoren.

Was ist der Unterschied zwischen Arterienverschluss und Venenverschluss am Auge?

Beim Arterienverschluss ist die Blutzufuhr blockiert, das Sehen fällt in Sekunden meist stark aus. Beim Venenverschluss staut sich das Blut, das Sehen verschlechtert sich oft über Stunden und meist weniger stark, und es gibt wirksame Behandlungen gegen die Netzhautschwellung. Beide Erkrankungen haben ähnliche Risikofaktoren und gehören rasch abgeklärt.

Das könnte Sie auch interessieren

Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 26 Quellen anzeigen
  1. S2e-Leitlinie Retinale arterielle Verschlüsse (RAV), AWMF-Register 045-013, Stand 7.10.2022 – DOG, Retinologische Gesellschaft, BVA (AWMF) (DE)
  2. Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 6: Anforderungen an das Sehvermögen – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) (DE)
  3. Ophthalmologic findings in 70 patients with evidence of retinal embolism (Arruga J, Sanders MD; Ophthalmology 1982) – PubMed (NCBI) (EN)
  4. Retinaler Arterienverschluss (Pressemitteilung 30.06.2017) – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (DE)
  5. Was tun bei retinalem Arterienverschluss? – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (DE)
  6. Verschluss der zentralen Arterien und Astarterien der Netzhaut – MSD Manual, Ausgabe für Patienten (DE)
  7. Retinaler Zentralarterienverschluss und Arterienastverschluss – MSD Manual, Ausgabe für Fachpersonal (DE)
  8. Schlaganfall: Symptome – gesundheit.gv.at, Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (DE)
  9. Central Retinal Artery Occlusion – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  10. Diagnosis and Management of CRAO – EyeNet, American Academy of Ophthalmology (EN)
  11. Retinal Artery Occlusion: A Review of Current Management Practices – PubMed Central (NCBI) (EN)
  12. Central Retinal Artery Occlusion in Acute Care: Current Practices and Emerging Therapies – PubMed Central (NCBI) (EN)
  13. Retinal Artery Occlusion – American Society of Retina Specialists (EN)
  14. Sudden Visual Loss Guidelines – NHS Highland (Right Decisions Scotland) (EN)
  15. Giant cell arteritis (temporal arteritis) – NHS (EN)
  16. Intravenous alteplase versus oral aspirin for acute central retinal artery occlusion (THEIA), The Lancet Neurology 2025 – themednet (EN)
  17. Occlusion des artères centrales de la rétine et des branches des artères rétiniennes – Manuels MSD, version grand public (FR)
  18. Traitements de l’occlusion aiguë de l’artère centrale de la rétine (Lin et al., 2023) – Cochrane (FR)
  19. Face à un AVC de l’œil, il faut agir en moins de 4 h 30 – Le Quotidien du Médecin (FR)
  20. Aspects évolutifs de la rétine en coupe OCT lors des oblitérations artérielles rétiniennes – Journal français d’ophtalmologie (EM-Consulte) (FR)
  21. Oclusiones vasculares de la retina (Libro para la formación de los residentes, cap. 2.3) – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
  22. Oclusión de la arteria retiniana – MedlinePlus en español (NIH/NLM) (ES)
  23. Obstrucción de la arteria central de la retina – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  24. Amaurosis fugaz – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  25. Oclusión de la arteria central de la retina y oclusión de una rama de la arteria retiniana – Manual MSD, versión para profesionales (ES)
  26. Código ictus en la oclusión de la arteria central de la retina: un año de experiencia en un hospital terciario – Neurology Perspectives, Sociedad Española de Neurología (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss