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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Lider und Tränenwege

Lidkrampf (Blepharospasmus)

Der Lidkrampf (Blepharospasmus) ist eine neurologische Bewegungsstörung, bei der sich beide Augenlider unwillkürlich und krampfartig schließen. Er beginnt meist zwischen 40 und 70 Jahren, trifft Frauen häufiger als Männer und lässt sich mit Botulinumtoxin-Spritzen bei den meisten Betroffenen gut lindern.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 33 Minuten · 16 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

Beim Lidkrampf, medizinisch Blepharospasmus, ziehen sich die Muskeln um beide Augen immer wieder gegen den eigenen Willen zusammen. Die Lider blinzeln dann häufig, kneifen sich zu oder bleiben für Sekunden bis Minuten geschlossen. Das Auge selbst ist dabei gesund. Die Störung sitzt im Gehirn, genauer in den Schaltkreisen, die Bewegungen steuern.

Die häufigste Form ist der essenzielle Blepharospasmus. „Essenziell“ heißt: Es gibt keine erkennbare andere Ursache. Fachleute ordnen ihn den Dystonien zu, also Bewegungsstörungen mit unwillkürlichen Muskelanspannungen. Unter den Dystonien im Kopfbereich ist er die häufigste. Oft wird er „benigne“ (gutartig) genannt. Das stimmt nur insofern, als er nicht lebensbedrohlich ist und das Auge nicht schädigt.

Im Alltag kann der Lidkrampf sehr belastend sein. In schweren Fällen lassen sich die Augen über längere Zeit nicht öffnen. Betroffene sind dann funktionell blind: Sie könnten sehen, aber ihre Lider lassen es nicht zu. Lesen, Autofahren, Treppensteigen und der Beruf werden schwierig.

  • Wer ist betroffen? Meist Menschen zwischen 40 und 70 Jahren, Frauen deutlich häufiger als Männer.
  • Typisch: Beide Augen gleichzeitig, verstärkt durch helles Licht, Wind, Stress und Müdigkeit, besser im Schlaf und bei Konzentration.
  • Nicht verwechseln mit dem harmlosen Lidzucken (Myokymie), das ein Lid fein zucken lässt und von selbst vergeht, und mit dem hemifazialen Spasmus, der nur eine Gesichtshälfte betrifft.
  • Behandlung: Mittel der Wahl sind Spritzen mit Botulinumtoxin in die Lidmuskeln. Etwa neun von zehn Betroffenen geht es damit deutlich besser. Die Wirkung hält rund drei Monate, dann wird wiederholt.
  • Verlauf: Chronisch. Eine Heilung gibt es bisher nicht, aber eine gute Kontrolle der Beschwerden ist meist möglich.

Wichtig zu wissen: Die Krankheit ist nicht psychisch bedingt, auch wenn Stress sie verstärkt. Und sie ist keine Einbildung, auch wenn die Augen bei der Untersuchung unauffällig aussehen.

2 Symptome

In diesem Kapitel (17)

Wie beginnt ein Lidkrampf?

Ein Lidkrampf beginnt meist unauffällig mit vermehrtem Blinzeln beider Augen. Viele Betroffene bemerken zunächst, dass sie in hellem Licht, bei Wind oder bei Müdigkeit öfter und kräftiger blinzeln als früher. Manche spüren vorher ein Reiben, Jucken oder Brennen, als wären die Augen trocken.

Aus dem häufigeren Blinzeln werden über Monate kurze, kräftige Lidschlüsse. Das Zucken wird stärker und kommt häufiger. Anfangs schwanken die Beschwerden stark: Es gibt gute und schlechte Tage, manchmal auch beschwerdearme Wochen. Viele Betroffene und Ärzte deuten die ersten Anzeichen deshalb zunächst als trockenes Auge oder Nervosität.

Frühe Anzeichen im Überblick

  • häufigeres Blinzeln als früher, oft zuerst draußen oder beim Autofahren
  • Lichtempfindlichkeit, besonders bei Sonne, Schnee, Scheinwerfern oder Bildschirmen
  • Gefühl von trockenen, brennenden oder sandigen Augen
  • kurze, unwillkürliche Lidschlüsse, die man nicht unterdrücken kann
  • Schwierigkeiten, in einer Unterhaltung Blickkontakt zu halten

Wie fühlt sich ein Lidkrampf an?

Ein Lidkrampf fühlt sich an, als würden die Augen gegen den eigenen Willen zugedrückt. Betroffene beschreiben, dass sie die Lider bewusst öffnen wollen, die Muskeln aber stärker sind. Je mehr sie dagegen ankämpfen, desto fester kneifen die Lider oft zu.

Schmerzhaft ist der Krampf selbst meist nicht. Viele empfinden aber einen Druck um die Augen, eine Anspannung der Stirn und Müdigkeit der Gesichtsmuskeln am Abend. Häufig kommt eine unangenehme Lichtempfindlichkeit dazu. Das Brennen und Fremdkörpergefühl, das viele beschreiben, hängt oft mit begleitender Augentrockenheit zusammen.

Belastend ist vor allem die Unberechenbarkeit. Man weiß nicht, wann der nächste Krampf kommt. Das gilt beim Überqueren einer Straße, an der Supermarktkasse oder im Gespräch. Viele Betroffene ziehen sich deshalb zurück.

Welche Merkmale sind typisch für den Lidkrampf?

Typisch ist, dass beide Augen gleichzeitig und im gleichen Rhythmus krampfen. Fachleute sprechen von beidseitigen, synchronen und gleichförmigen (stereotypen) Krämpfen des Augenringmuskels. Dazu kommen fast immer vermehrtes Blinzeln oder ein sogenannter sensorischer Trick, mit dem sich der Krampf kurz lösen lässt.

  • Beidseitig: Auch wenn eine Seite anfangs stärker betroffen sein kann, sind im Verlauf fast immer beide Augen beteiligt.
  • Nicht willentlich unterdrückbar: Anders als bei einem Tic lässt sich der Krampf nicht für eine Weile zurückhalten.
  • Dauer: Die einzelnen Krämpfe dauern Sekunden bis Minuten. In schweren Fällen bleiben die Augen über lange Zeit geschlossen.
  • Tageszeit: Bei vielen ist es morgens nach dem Aufwachen besser und wird im Lauf des Tages und am Abend stärker.
  • Im Schlaf: Im Schlaf hören die Krämpfe auf.

Was löst die Krämpfe aus oder verstärkt sie?

Die häufigsten Auslöser sind helles Licht, Wind und Luftzug, Müdigkeit und Stress. Auch trockene Augen, verrauchte oder verschmutzte Luft und längeres Lesen können die Krämpfe verstärken.

Verstärkt meistLindert oft
Sonne, grelles Licht, Blendung durch ScheinwerferGedämpftes Licht, getönte Brille
Wind, Zugluft, Klimaanlage, Gebläse im AutoWindgeschützte Umgebung, Brille mit Seitenschutz
Stress, Aufregung, im Mittelpunkt stehenRuhe, Entspannung in vertrauter Umgebung
Müdigkeit, schlechter Schlaf, später TagAusgeruht sein, kurze Pausen
Lesen, Fernsehen, Bildschirmarbeit, AutofahrenBlick nach unten, Konzentration auf eine Handarbeit
Trockene, gereizte AugenTränenersatzmittel, Lidpflege
Gehen in unbekannter UmgebungSprechen, Singen, Summen, Gähnen, Kauen

Bemerkenswert ist, dass Entspannung nicht immer hilft. Manche Betroffene bemerken, dass die Krämpfe gerade dann zunehmen, wenn sie zur Ruhe kommen, etwa beim Fernsehen. Konzentrierte Tätigkeiten mit Blick nach unten, zum Beispiel Handarbeiten, gehen dagegen oft erstaunlich gut.

Was sind sensorische Tricks?

Sensorische Tricks (Fachbegriff: Geste antagoniste) sind kleine Handgriffe oder Tätigkeiten, mit denen Betroffene den Krampf für kurze Zeit lösen können. Sie sind ein typisches Merkmal von Dystonien und helfen Ärztinnen und Ärzten bei der Diagnose.

Häufig genannte Tricks sind:

  • leichtes Berühren oder Reiben der Augenbrauen, der Stirn, der Schläfe oder des Lidwinkels
  • Anheben des Oberlids mit einem Finger
  • Sprechen, Singen oder Summen
  • Kauen, etwa auf einem Kaugummi, oder Gähnen
  • Kopf neigen oder nach unten schauen
  • leichtes Berühren von Kinn oder Wange

Die Tricks wirken nicht bei allen gleich gut und oft nur für Sekunden bis Minuten. Mit der Zeit können sie an Wirkung verlieren. Für Außenstehende wirken sie manchmal seltsam, etwa wenn jemand beim Gehen ständig summt oder sich an die Stirn fasst. Für die Betroffenen sind sie oft die einzige Möglichkeit, eine Situation zu bewältigen.

Was bedeutet funktionelle Blindheit?

Funktionelle Blindheit heißt: Die Augen sind gesund, aber die Lider sind so oft oder so lange geschlossen, dass man im Alltag praktisch nichts sieht. Das ist die schwerste Ausprägung des Lidkrampfs.

Betroffene stoßen dann an Hindernisse, können Treppen nicht sicher gehen und keine Straße überqueren. Lesen, Fernsehen, Arbeiten am Bildschirm und Autofahren sind nicht mehr möglich. Manche müssen die Lider mit den Fingern aufhalten, um überhaupt etwas zu sehen. Wichtig zu wissen: Das Sehvermögen selbst geht dabei nicht verloren. Sobald die Lider offen bleiben, sieht man wieder wie vorher.

Was ist eine Lidöffnungsstörung (Lidöffnungsapraxie)?

Bei der Lidöffnungsapraxie gelingt es nicht, die Augen willentlich zu öffnen, obwohl kein sichtbarer Krampf mehr besteht. Die Lider sind einfach geschlossen, der Lidheber „springt nicht an“.

Diese Störung kommt bei einem Teil der Menschen mit Lidkrampf zusätzlich vor. Typisch ist, dass Betroffene die Stirn hochziehen, um die Augen aufzubekommen. Für die Behandlung ist die Unterscheidung wichtig: Die Lidöffnungsapraxie spricht schlechter auf Botulinumtoxin an und braucht manchmal eine angepasste Spritztechnik oder eine Operation.

Welche Beschwerden treten außerhalb der Augen auf?

Bei einem Teil der Betroffenen breitet sich die Dystonie auf andere Muskeln im Gesicht oder am Hals aus. Am häufigsten sind Mund, Kiefer und Zunge betroffen.

  • Meige-Syndrom: Lidkrampf plus unwillkürliche Bewegungen von Mund, Kiefer, Zunge oder Rachen. Typisch sind Grimassieren, Mundöffnen oder Kieferpressen, Zungenbewegungen und Schwierigkeiten beim Sprechen oder Kauen. Das Meige-Syndrom wird auch kraniale Dystonie genannt.
  • Hals: Manche Betroffene entwickeln zusätzlich eine Fehlhaltung oder Drehung des Kopfes durch verkrampfte Halsmuskeln.
  • Stimme: Selten ist die Kehlkopfmuskulatur beteiligt, die Stimme klingt dann gepresst.

Das Meige-Syndrom ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen „Meige-Krankheit“, einer erblichen Schwellung der Beine. Beide tragen nur den Namen desselben französischen Arztes.

Welche Beschwerden haben Betroffene an der Augenoberfläche?

Viele Menschen mit Lidkrampf haben zusätzlich trockene, gereizte Augen. Sie spüren Brennen, Fremdkörpergefühl, Tränen bei Wind oder rote Lidränder.

Zwischen Augentrockenheit und Lidkrampf besteht eine Wechselwirkung. Trockene Augen lösen Blinzeln aus, das Blinzeln verstärkt den Krampf. Umgekehrt verteilt der gestörte Lidschlag den Tränenfilm schlechter. Deshalb gehört die Behandlung eines trockenen Auges und einer Lidrandentzündung zur Therapie dazu.

Was bemerken Angehörige und Freunde?

Angehörigen fällt oft zuerst auf, dass die betroffene Person beim Gespräch auffällig oft blinzelt, die Augen zukneift oder den Blickkontakt meidet. Manche halten das zunächst für Müdigkeit, Nervosität oder eine Angewohnheit.

  • häufiges Blinzeln oder Zukneifen beim Fernsehen, Autofahren oder in hellen Räumen
  • Tragen einer Sonnenbrille auch in Innenräumen
  • Unsicherheit beim Gehen, Stolpern, Zögern an Treppen und Bordsteinen
  • auffällige Gesten: Hand an der Stirn, Summen, Kaugummikauen
  • Vermeiden von Autofahren, Einkaufen, Treffen und Veranstaltungen
  • Grimassieren oder Mundbewegungen, wenn sich die Dystonie ausbreitet
  • Niedergeschlagenheit und sozialer Rückzug

Wichtig ist, dass Angehörige die Beschwerden ernst nehmen. Betroffene hören oft Sätze wie „Reiß dich zusammen“ oder „Das ist nur der Stress“. Das kränkt und hilft nicht, denn der Krampf lässt sich nicht mit Willenskraft beherrschen.

Welche seelischen Folgen kann ein Lidkrampf haben?

Ein Lidkrampf belastet häufig auch die Psyche. Viele Betroffene entwickeln Ängste, gedrückte Stimmung oder ziehen sich zurück, weil sie sich für die Krämpfe schämen oder sich nicht mehr sicher bewegen können.

Die seelische Belastung ist keine Ursache, sondern meist eine Folge der Erkrankung. Sie verdient trotzdem Aufmerksamkeit, denn Angst und Stress verstärken die Krämpfe. Fachleute betonen, dass Aufklärung, Beratung und Unterstützung für Betroffene genauso wichtig sind wie die medizinische Behandlung.

Wie unterscheiden sich Lidkrampf und harmloses Lidzucken?

Das harmlose Lidzucken (Lidmyokymie) ist ein feines, wellenartiges Zucken an einem Lid, das die Augen nicht schließt und nach Tagen bis wenigen Wochen von selbst vergeht. Der Lidkrampf dagegen betrifft beide Augen, schließt die Lider kräftig und bleibt bestehen.

Das Lidzucken kennt fast jeder. Es tritt meist am Unterlid eines Auges auf und fühlt sich an, als würde unter der Haut etwas flattern. Andere sehen es oft kaum. Auslöser sind Stress, Müdigkeit, Schlafmangel, viel Kaffee, Alkohol und lange Bildschirmarbeit.

MerkmalHarmloses Lidzucken (Myokymie)Lidkrampf (Blepharospasmus)Hemifazialer Spasmus
Seiteein Auge, meist ein Lidbeide Augen gleichzeitigeine Gesichtshälfte
Artfeines Flattern unter der Hautkräftiges Blinzeln und ZukneifenZucken, das vom Lid auf Wange und Mundwinkel übergreift
Lid schließt sichneinja, teils über Minutenja, auf der betroffenen Seite
Im Schlafhört aufhört aufkann weiterbestehen
DauerMinuten bis wenige Wochenchronischchronisch
Ursachemeist Stress, Müdigkeit, KoffeinFunktionsstörung im Gehirn (Dystonie)meist Druck eines Blutgefäßes auf den Gesichtsnerv
Behandlungmeist keine nötigBotulinumtoxinBotulinumtoxin, selten Operation

Woran erkennt man einen hemifazialen Spasmus?

Der hemifaziale Spasmus betrifft nur eine Gesichtshälfte. Er beginnt oft als Zucken am Unterlid und breitet sich über Monate bis Jahre auf Wange und Mundwinkel derselben Seite aus.

Der Mundwinkel kann dabei zur Seite gezogen werden, das Auge kneift sich auf dieser Seite zu. Anders als beim Lidkrampf hört das Zucken im Schlaf oft nicht auf. Manche Betroffene hören bei den Krämpfen ein Geräusch im Ohr derselben Seite. Häufigste Ursache ist ein Blutgefäß, das am Hirnstamm auf den Gesichtsnerv drückt. Deshalb wird beim hemifazialen Spasmus meist ein MRT des Kopfes gemacht.

Welche weiteren Bewegungsstörungen sehen ähnlich aus?

Einige andere Erkrankungen können einem Lidkrampf ähneln. Die Unterscheidung trifft die Augenärztin oder der Augenarzt, oft gemeinsam mit der Neurologie.

  • Tics: kurze, wiederkehrende Bewegungen wie Blinzeln oder Grimassieren. Sie lassen sich für eine Weile unterdrücken und kommen vor allem bei Kindern und Jugendlichen vor.
  • Spätdyskinesien: unwillkürliche Bewegungen von Mund und Gesicht nach längerer Einnahme bestimmter Psychopharmaka (Neuroleptika).
  • Parkinson-Krankheit und verwandte Erkrankungen: Hier kann ein Lidkrampf oder eine Lidöffnungsstörung Teil des Krankheitsbildes sein.
  • Synkinesien nach Gesichtslähmung: Nach einer abgeheilten Lähmung des Gesichtsnervs kann sich das Auge beim Sprechen oder Essen mitschließen.
  • Gesichtsmyokymie: anhaltendes Wogen der Muskulatur einer ganzen Gesichtshälfte. Sie sollte neurologisch abgeklärt werden.
  • Hängendes Oberlid: Ein hängendes Oberlid (Ptosis) schränkt das Sehen ebenfalls ein, ist aber ein dauerhaftes Herabhängen ohne Krämpfe.

Wie zeigt sich ein Lidkrampf bei älteren Menschen?

Bei älteren Menschen tritt der Lidkrampf am häufigsten auf und wird leicht übersehen. Vermehrtes Blinzeln wird oft dem Alter, trockenen Augen oder einer Linsentrübung zugeschrieben.

Bei Älteren fallen die Folgen besonders ins Gewicht. Wer die Augen nicht zuverlässig offen halten kann, stürzt leichter. Oft bestehen gleichzeitig andere Augenerkrankungen wie ein Grauer Star oder trockene Augen, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Bei älteren Menschen ist zudem ein erschlafftes oder hängendes Oberlid häufig, das die Beschwerden verstärken kann.

Gibt es einen Lidkrampf bei Kindern?

Ein echter, dystoner Lidkrampf ist bei Kindern sehr selten. Vermehrtes Blinzeln bei Kindern hat meist andere Ursachen, etwa Tics, eine Reizung der Augenoberfläche oder eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit.

Ein Warnzeichen bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Kombination aus Lidkneifen, starker Lichtscheu und Tränen. Sie kann auf einen angeborenen Grünen Star hindeuten und muss noch am selben Tag augenärztlich untersucht werden. Auch eine Hornhautentzündung oder ein Fremdkörper können bei Kindern zu krampfhaftem Lidschluss führen.

Was ist ein reflektorischer Lidkrampf?

Beim reflektorischen Lidkrampf schließt sich das Auge als Schutzreflex, weil die Augenoberfläche gereizt oder verletzt ist. Er ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom.

Typische Auslöser sind ein Fremdkörper, eine Verletzung oder Entzündung der Hornhaut, eine Verblitzung, eine Verätzung oder eine starke Augentrockenheit. Dazu gehören meist Schmerzen, Rötung, Tränen und Lichtscheu, oft nur an einem Auge. Wird die Ursache behandelt, verschwindet auch der Krampf. Ein solcher Lidkrampf mit Schmerz gehört deshalb zügig zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (9)

Was ist die Ursache des Lidkrampfs?

Die genaue Ursache des essenziellen Lidkrampfs ist nicht bekannt. Nach heutigem Wissen geht er von einer Funktionsstörung im Gehirn aus und nicht von den Augen oder den Lidmuskeln selbst.

Untersuchungen mit funktioneller Bildgebung zeigen Veränderungen in den Basalganglien. Das sind Kerngebiete tief im Gehirn, die Bewegungen fein abstimmen. Sie steuern auch den Lidschlag und den kräftigen Lidschluss. Diskutiert wird ein Ungleichgewicht von Botenstoffen wie Dopamin. In den üblichen Untersuchungen wie dem MRT finden sich beim essenziellen Lidkrampf meist keine sichtbaren Schäden.

Welche Muskeln sind beteiligt?

Hauptsächlich betroffen ist der Augenringmuskel (Musculus orbicularis oculi), der die Lider schließt. Er umgibt das Auge wie ein Ring und wird vom Gesichtsnerv (Nervus facialis) versorgt.

Der Augenringmuskel hat mehrere Anteile. Der dünne innere Teil im Lid sorgt für den sanften, unwillkürlichen Lidschlag. Der kräftige äußere Teil um die Augenhöhle schließt die Augen fest, etwa bei grellem Licht. Beim Lidkrampf verkrampfen oft beide Anteile und auch benachbarte Muskeln wie der Stirnrunzler zwischen den Brauen. Während eines Krampfes spannen sich Schließ- und Hebemuskeln teilweise gleichzeitig an und arbeiten gegeneinander.

Welche Rolle spielen Licht und Augenreizung?

Licht und Reizung der Augenoberfläche spielen als Auslöser eine wichtige Rolle. Fachleute vermuten, dass der Gefühlsnerv des Gesichts (Nervus trigeminus) bei Betroffenen überempfindlich reagiert.

Signale von trockener oder gereizter Augenoberfläche und von hellem Licht verstärken dann den Schließreflex. Viele Betroffene berichten, dass ihr Lidkrampf nach einer Phase mit trockenen oder entzündeten Augen begann. Ob die Augenreizung den Lidkrampf auslöst oder nur sichtbar macht, ist nicht abschließend geklärt.

Ist ein Lidkrampf erblich?

Meist nicht. Die meisten Fälle treten einzeln auf, ohne dass andere Familienmitglieder betroffen sind.

Familiäre Häufungen sind beschrieben. Menschen mit Dystonie oder einem Zittern (Tremor) in der Familie haben ein etwas höheres Risiko. Ein einzelnes verantwortliches Gen ist beim Lidkrampf bisher nicht bekannt. Fachleute gehen davon aus, dass eine Veranlagung und äußere Einflüsse zusammenkommen.

Welche Formen des Lidkrampfs gibt es?

Man unterscheidet den essenziellen Lidkrampf ohne erkennbare Ursache von Formen, die durch eine andere Erkrankung, Medikamente oder eine Augenreizung entstehen.

FormWas steckt dahinter?
Essenzieller (primärer) LidkrampfDystonie ohne erkennbare Ursache, meist beidseitig; die häufigste Form
Meige-SyndromLidkrampf mit Beteiligung von Mund, Kiefer, Zunge oder Rachen
Sekundärer Lidkrampfals Folge einer Erkrankung des Gehirns, etwa Parkinson-Syndrome, Schlaganfall, Hirnverletzung, selten Multiple Sklerose oder Morbus Wilson
Medikamentös ausgelöster LidkrampfNebenwirkung bestimmter Arzneimittel
Reflektorischer LidkrampfSchutzreflex bei Reizung oder Verletzung des Auges

Welche Medikamente können einen Lidkrampf auslösen?

Einige Medikamente können einen Lidkrampf auslösen oder verstärken, vor allem solche, die auf Botenstoffe im Gehirn wirken. In den Quellen genannt werden unter anderem:

  • Neuroleptika (Antipsychotika), auch als Spätfolge nach längerer Einnahme
  • Mittel gegen die Parkinson-Krankheit (Levodopa und verwandte Wirkstoffe)
  • Benzodiazepine und verwandte Beruhigungsmittel, zum Beispiel Etizolam
  • einzelne Antidepressiva, zum Beispiel Venlafaxin
  • Flunarizin (gegen Schwindel und Migräne) und Lamotrigin (gegen Epilepsie)

Setzen Sie ein Medikament nie eigenmächtig ab. Wenn Sie einen Zusammenhang vermuten, sprechen Sie mit der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt. Oft lässt sich die Dosis anpassen oder ein anderes Mittel wählen.

Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter ab etwa 40 bis 50 Jahren, dazu das weibliche Geschlecht. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.

Weitere Faktoren, die in Studien mit einem höheren Risiko verbunden waren:

  • Dystonie oder Tremor bei Blutsverwandten
  • trockenes Auge, Lidrandentzündung oder andere Erkrankungen der Augenoberfläche
  • frühere Kopf- oder Gesichtsverletzungen
  • Entzündungen im Augeninneren
  • bestimmte Medikamente (siehe oben)
  • anhaltender Stress, der die Beschwerden verstärkt

Früher galt Rauchen als schützend. Neuere Untersuchungen stützen das nicht. Ein Grund zu rauchen ist es ohnehin nicht.

Ist ein Lidkrampf psychisch bedingt?

Nein. Der Lidkrampf ist eine neurologische Bewegungsstörung und keine psychische Erkrankung.

Lange wurden Betroffene als „nervös“ oder „hysterisch“ abgestempelt. Das hat viele zusätzlich belastet und die Diagnose verzögert. Richtig ist: Stress, Angst und Anspannung verstärken die Krämpfe, so wie bei vielen Bewegungsstörungen. Sie sind aber nicht die Ursache. Sehr selten gibt es funktionelle (psychogene) Lidkrämpfe; ihre Abgrenzung gehört in fachkundige Hände.

Wie häufig ist der Lidkrampf?

Der Lidkrampf ist selten. Studien nennen je nach Land und Methode zwischen etwa 1,6 und 30 Betroffene pro 100.000 Einwohner.

Die großen Unterschiede haben mehrere Gründe. Die Erkrankung wird oft spät oder gar nicht erkannt. Studien aus Süditalien fanden deutlich mehr Fälle als Studien aus den USA. In den USA werden jedes Jahr etwa 2.000 neue Fälle diagnostiziert. Für Deutschland und Österreich gibt es keine eigenen verlässlichen Zahlen. Rechnet man die internationalen Werte grob hoch, dürften in Deutschland zwischen gut 1.000 und rund 25.000 Menschen betroffen sein.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (7)

Wie wird ein Lidkrampf festgestellt?

Der Lidkrampf wird vor allem durch Gespräch und Beobachtung erkannt. Einen Bluttest oder ein Bild, das ihn beweist, gibt es nicht.

Entscheidend ist, was die Ärztin oder der Arzt sieht und was Sie berichten: beidseitige, gleichzeitige Lidkrämpfe, vermehrtes Blinzeln und ein sensorischer Trick. Diese Kriterien wurden in Studien mit Menschen unterschiedlicher Herkunft geprüft. Gleichzeitig müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden. Fachleute sprechen deshalb von einer klinischen Diagnose und einer Ausschlussdiagnose.

Wer ist der richtige Ansprechpartner?

Erste Anlaufstelle ist meist die Augenärztin oder der Augenarzt. Oft wird zusätzlich eine Neurologin oder ein Neurologe hinzugezogen.

In Deutschland und Österreich wird die Behandlung mit Botulinumtoxin sowohl von spezialisierten Augenärzten als auch in neurologischen Ambulanzen und Botulinumtoxin-Sprechstunden angeboten. Viele Universitätskliniken haben eigene Sprechstunden für Bewegungsstörungen. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Ihnen helfen, eine passende Stelle zu finden.

Welche Fragen stellt die Ärztin oder der Arzt?

Im Gespräch geht es darum, wie die Beschwerden begonnen haben, was sie auslöst und ob es Hinweise auf eine andere Ursache gibt. Es hilft, sich vorher Notizen zu machen.

  • Seit wann bestehen die Beschwerden? Ein Auge oder beide?
  • Was verschlimmert, was bessert die Krämpfe? Gibt es Tricks, die helfen?
  • Hören die Krämpfe im Schlaf auf?
  • Sind Mund, Kiefer, Hals oder Stimme beteiligt?
  • Welche Medikamente nehmen Sie, auch frühere und rezeptfreie?
  • Gab es Kopfverletzungen, eine Gesichtslähmung oder eine Augenentzündung?
  • Gibt es Dystonie, Tremor oder Parkinson in der Familie?
  • Wie stark schränken die Krämpfe Sie im Alltag ein, etwa beim Lesen oder Autofahren?

Was wird am Auge untersucht?

An der Spaltlampe, einem Mikroskop für das Auge, prüft die Augenärztin oder der Augenarzt die Augenoberfläche, die Lider und das Augeninnere. So lassen sich Ursachen für einen reflektorischen Lidkrampf erkennen.

Gesucht wird nach einem trockenen Auge, einer Entzündung der Lidränder oder der Hornhaut, nach Wimpern, die am Auge scheuern (etwa bei einem einwärtsgedrehten Lid), und nach Hinweisen auf ein Glaukom. Oft wird die Tränenfilmstabilität gemessen. Auch die Stellung der Lider und die Kraft des Lidhebers werden beurteilt. Diese Befunde sind auch für die spätere Botulinumtoxin-Behandlung wichtig.

Worauf wird bei der neurologischen Untersuchung geachtet?

Die neurologische Untersuchung klärt, ob der Lidkrampf allein auftritt oder Teil einer anderen Erkrankung ist. Dazu werden Gesicht, Mund, Hals und Gliedmaßen auf unwillkürliche Bewegungen, Zittern und Steifigkeit geprüft.

Hinweise auf eine Parkinson-Erkrankung, eine Lähmung, Gefühlsstörungen oder Doppelbilder sprechen für eine andere Ursache und erfordern weitere Abklärung.

Wann sind MRT oder andere Untersuchungen nötig?

Beim typischen beidseitigen Lidkrampf sind Bildgebung und Laborwerte meist unauffällig und selten nötig. Sie kommen zum Einsatz, wenn etwas nicht ins Bild passt.

  • MRT des Kopfes: bei einseitigem Gesichtskrampf (Verdacht auf hemifazialen Spasmus), bei weiteren neurologischen Auffälligkeiten oder bei ungewöhnlich frühem Beginn. Beim hemifazialen Spasmus wird gezielt nach einem Blutgefäß gesucht, das auf den Gesichtsnerv drückt.
  • Elektromyografie (EMG): misst die elektrische Aktivität der Muskeln. Sie kann helfen, den Lidkrampf vom hemifazialen Spasmus oder von funktionellen Störungen abzugrenzen. Sie ist keine Routineuntersuchung.
  • Blinkreflex-Messung: eine spezielle neurophysiologische Untersuchung bei unklaren oder einseitigen Fällen.
  • Blutuntersuchungen: nur bei Verdacht auf eine bestimmte Grunderkrankung, etwa Morbus Wilson bei jüngeren Menschen.

Warum dauert die Diagnose oft so lange?

Viele Betroffene berichten, dass bis zur richtigen Diagnose Monate oder Jahre vergehen. Die ersten Anzeichen ähneln einem trockenen Auge oder einer Nervosität, und bei der Untersuchung ist das Auge selbst unauffällig.

Hinzu kommt, dass die Krämpfe in der Praxis manchmal geringer sind als zu Hause, etwa weil die Konzentration auf das Gespräch sie unterdrückt. Hilfreich ist ein kurzes Handyvideo von einer typischen Krampfphase im Alltag. Auch ein Beschwerdetagebuch mit Auslösern und Tageszeiten erleichtert die Einordnung.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (15)

Ist ein Lidkrampf heilbar?

Eine Heilung des essenziellen Lidkrampfs gibt es bisher nicht. Die Beschwerden lassen sich aber bei den meisten Betroffenen so gut lindern, dass sie wieder ein weitgehend normales Leben führen.

Die Behandlung ruht auf mehreren Säulen: Botulinumtoxin-Spritzen als Hauptbehandlung, Pflege der Augenoberfläche, Schutz vor Auslösern und, nur in Ausnahmefällen, Tabletten oder eine Operation. Beim reflektorischen oder medikamentösen Lidkrampf steht die Behandlung der Ursache im Vordergrund.

Wie wirkt Botulinumtoxin beim Lidkrampf?

Botulinumtoxin hemmt die Übertragung vom Nerv auf den Muskel. Der gespritzte Muskel entspannt sich für einige Monate, die Krämpfe werden schwächer oder bleiben aus.

Botulinumtoxin Typ A ist in Deutschland, Österreich und vielen anderen Ländern für die Behandlung des Lidkrampfs zugelassen und gilt in Leitlinien als Mittel der Wahl. Verwendet werden mehrere Präparate mit unterschiedlicher Dosierung, die nicht einfach gegeneinander ausgetauscht werden. Das Mittel wirkt nur dort, wo es gespritzt wird. Es greift nicht in die Ursache im Gehirn ein, deshalb muss die Behandlung regelmäßig wiederholt werden.

Wie läuft die Spritze ab?

Mit einer sehr feinen Nadel werden kleine Mengen an mehreren Stellen rund um beide Augen unter die Haut gespritzt. Die Behandlung dauert wenige Minuten und ist meist ohne Betäubung gut erträglich.

  • Üblich sind etwa vier bis acht Einstichstellen pro Auge, am Ober- und Unterlid sowie seitlich am Auge.
  • Die Mitte des Oberlids wird ausgespart, um ein Herabhängen des Lids zu vermeiden.
  • Je nach Beschwerden werden auch die Brauenregion oder bei einem Meige-Syndrom Muskeln im Mundbereich behandelt.
  • Die Dosis wird bei jedem Termin an die Wirkung und Nebenwirkungen des letzten Mals angepasst.

Nach der Spritze können Sie in der Regel sofort nach Hause gehen. Kühlen kann gegen kleine Blutergüsse helfen. Reiben oder massieren Sie die Einstichstellen am Behandlungstag nicht.

Wann wirkt Botulinumtoxin und wie lange hält es?

Die Wirkung setzt meist nach zwei bis sieben Tagen ein, erreicht nach ein bis zwei Wochen ihren Höhepunkt und hält im Mittel etwa drei Monate.

Die Dauer schwankt von Mensch zu Mensch zwischen etwa zwei und vier Monaten. Üblich sind deshalb drei bis vier Behandlungen im Jahr. Viele Ärztinnen und Ärzte vereinbaren nach der ersten Spritze eine Kontrolle nach einigen Wochen, um Dosis und Spritzstellen anzupassen. Die Abstände werden in der Regel nicht kürzer als etwa drei Monate gewählt, auch um das Risiko gering zu halten, dass der Körper Antikörper gegen das Mittel bildet.

Wie gut hilft Botulinumtoxin?

Etwa neun von zehn Betroffenen profitieren deutlich. Die Krämpfe werden seltener und schwächer, viele können wieder lesen, fernsehen und teilweise Auto fahren.

Die Angaben in den Studien schwanken je nach Untersuchung zwischen knapp 80 und über 90 Prozent. Eine vollständige Beschwerdefreiheit erreicht nicht jeder. Gegen Ende eines Behandlungszyklus kommen die Krämpfe allmählich zurück. Bei manchen lässt die Wirkung über die Jahre etwas nach. Dann helfen oft eine angepasste Dosis, andere Spritzstellen oder ein Wechsel des Präparats.

Welche Nebenwirkungen kann die Behandlung haben?

Nebenwirkungen entstehen meist dadurch, dass sich das Mittel in benachbarte Muskeln ausbreitet. Sie sind in der Regel leicht und vorübergehend und klingen nach Tagen bis wenigen Wochen ab.

  • Hängendes Oberlid (Ptosis): eine der häufigsten Nebenwirkungen, meist mild
  • Trockenes Auge und Reizung: weil das Lid seltener und schwächer schließt
  • Unvollständiger Lidschluss (Lagophthalmus): das Auge schließt im Schlaf nicht ganz, die Hornhaut kann austrocknen
  • Tränenträufeln oder ein leicht nach außen gekipptes Unterlid (Ektropium)
  • Doppelbilder oder verschwommenes Sehen: selten, wenn ein Augenmuskel mitbetroffen ist
  • Blutergüsse und kurzer Schmerz an den Einstichstellen
  • Bei Behandlung im Mundbereich: vorübergehend schiefer Mund oder Schluckbeschwerden

Gegen Trockenheit helfen Tränenersatzmittel und bei unvollständigem Lidschluss nachts ein Gel oder eine Salbe. Schwere, allgemeine Nebenwirkungen sind bei den geringen Mengen am Auge sehr selten. Melden Sie Atem- oder Schluckbeschwerden, starke Schwäche oder Doppelbilder sofort.

Wer sollte kein Botulinumtoxin bekommen?

Nicht behandelt werden in der Regel Menschen mit bestimmten Erkrankungen der Nerv-Muskel-Übertragung, etwa einer Myasthenia gravis, und Menschen mit einer Infektion an der Spritzstelle. In Schwangerschaft und Stillzeit wird zurückhaltend entschieden.

Auch Medikamente, die die Wirkung verstärken können, sollten Sie angeben, etwa bestimmte Antibiotika aus der Gruppe der Aminoglykoside. Wer gerinnungshemmende Mittel einnimmt, bekommt eher Blutergüsse, kann aber meist trotzdem behandelt werden.

Zahlt die Krankenkasse die Botulinumtoxin-Behandlung?

Der Lidkrampf ist eine zugelassene Anwendung von Botulinumtoxin. Die Behandlung wird in Deutschland und Österreich daher in aller Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Abzugrenzen ist die rein kosmetische Faltenbehandlung, die keine Kassenleistung ist. Die genauen Abläufe, etwa ob die Spritze in der Praxis, in einer Klinikambulanz oder mit einer Überweisung erfolgt, unterscheiden sich regional. Fragen Sie im Zweifel vorab bei Ihrer Krankenkasse oder in der behandelnden Praxis nach.

Was hilft zusätzlich zur Spritze?

Begleitende Maßnahmen verringern die Auslöser und verbessern das Ergebnis der Botulinumtoxin-Behandlung. Sie ersetzen sie aber nicht.

  • Behandlung der Augenoberfläche: Augentropfen gegen trockene Augen, Tränenersatzmittel, Lidrandpflege mit warmen Kompressen und milder Reinigung bei Lidrandentzündung.
  • Getönte Brillengläser: Sie dämpfen Blendung. Oft empfohlen werden rosa-graue Tönungen, international als FL-41 bekannt, die den blau-grünen Anteil des Lichts filtern. Auch Sonnenbrillen mit Seitenschutz gegen Wind helfen.
  • Sensorische Tricks bewusst einsetzen: den Trick finden, der am besten wirkt, und in schwierigen Situationen gezielt nutzen.
  • Stress senken: Entspannungsverfahren, ausreichend Schlaf, Pausen bei Bildschirmarbeit.

Gibt es Hilfsmittel gegen das Zufallen der Lider?

Ja, es gibt mechanische Lidstützen. Dabei wird an einer Brille ein kleiner Bügel oder eine Feder angebracht, die das Oberlid sanft anhebt oder leichten Druck auf die Braue ausübt.

Solche Lidstützen wirken bei manchen Betroffenen auch als sensorischer Trick. Sie werden von Optikern oder spezialisierten Werkstätten angepasst. Ob sie helfen, ist sehr unterschiedlich. Bei starker Augentrockenheit ist Vorsicht nötig, damit das Auge nicht zusätzlich austrocknet.

Helfen Tabletten gegen den Lidkrampf?

Tabletten helfen beim Lidkrampf meist nur wenig und sind deshalb nur zweite Wahl. Sie kommen infrage, wenn Botulinumtoxin nicht ausreicht oder nicht möglich ist.

Versucht werden unter anderem Anticholinergika (zum Beispiel Trihexyphenidyl), Benzodiazepine wie Clonazepam, Baclofen und Tetrabenazin. Der Nutzen ist durch Studien nur schwach belegt. Mit Anticholinergika bessert sich etwa jede neunte bis jede fünfte betroffene Person. Diese Mittel haben häufig Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Mundtrockenheit, Verwirrtheit oder Abhängigkeit, die gerade bei älteren Menschen ins Gewicht fallen.

Was ist mit Magnesium und pflanzlichen Mitteln?

Magnesium, Baldrian und ähnliche Mittel werden häufig gegen harmloses Lidzucken empfohlen. Für den echten Lidkrampf gibt es keinen Beleg, dass sie wirken.

Einzelne Betroffene berichten über Besserung durch Akupunktur, Entspannung oder Kräuter. Kontrollierte Studien fehlen. Solche Versuche sind vertretbar, wenn sie nicht schaden und die wirksame Behandlung nicht verzögern. Sprechen Sie Nahrungsergänzungsmittel trotzdem mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab, weil sie mit anderen Medikamenten zusammenwirken können.

Wann kommt eine Operation infrage?

Eine Operation kommt nur selten infrage: wenn Botulinumtoxin nicht oder nicht mehr ausreichend wirkt und die Beschwerden stark behindern.

  • Myektomie: Dabei werden Teile des Augenringmuskels und benachbarter Schließmuskeln am Oberlid, manchmal auch am Unterlid, entfernt. Sie gilt als wirksamstes operatives Verfahren. Danach sind oft weiterhin Spritzen nötig, aber meist in geringerer Dosis.
  • Frontalis-Suspension: Bei einer Lidöffnungsapraxie wird das Oberlid mit einem Band am Stirnmuskel aufgehängt, damit das Hochziehen der Stirn das Lid mit anhebt.
  • Lidstraffung: Erschlaffte Lidhaut oder ein hängendes Oberlid können zusätzlich korrigiert werden, wenn sie das Sehen behindern.
  • Durchtrennung von Gesichtsnervenästen: Dieses ältere Verfahren wird wegen häufiger Gesichtslähmungen und Rückfälle kaum noch eingesetzt.

Operationen am Lid gehören in die Hände erfahrener Lidchirurginnen und Lidchirurgen. Mögliche Folgen sind Schwellungen, Taubheitsgefühl, Narben und ein unvollständiger Lidschluss.

Hilft die tiefe Hirnstimulation?

Die tiefe Hirnstimulation ist eine Möglichkeit für wenige, schwer betroffene Menschen, vor allem mit Meige-Syndrom, bei denen andere Behandlungen versagen. Dabei werden Elektroden in bestimmte Kerngebiete des Gehirns eingesetzt, die über einen Schrittmacher gesteuert werden.

Für den isolierten Lidkrampf sind die Erfahrungen begrenzt. Die Entscheidung fällt in spezialisierten Zentren für Bewegungsstörungen nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken.

Wie wird ein hemifazialer Spasmus behandelt?

Auch beim hemifazialen Spasmus ist Botulinumtoxin die erste Wahl; etwa 80 bis 85 Prozent der Betroffenen bessern sich damit. Gespritzt wird nur auf der betroffenen Seite.

Bei jüngeren Menschen oder wenn die Spritzen nicht ausreichen, kann eine Operation am Hirnstamm erwogen werden, die mikrovaskuläre Dekompression. Dabei wird das drückende Blutgefäß vom Gesichtsnerv abgepolstert. Sie hilft vielen dauerhaft, hat aber Risiken wie Hörverlust, Gesichtslähmung oder Blutungen.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (7)

Wie verläuft ein Lidkrampf?

Der Lidkrampf ist eine chronische Erkrankung. Er beginnt meist schleichend, nimmt in den ersten Jahren zu und stabilisiert sich dann bei vielen auf einem gleichbleibenden Niveau.

In den ersten zwei bis drei Jahren schwanken die Beschwerden oft stark. Danach bleibt das Ausmaß bei vielen Betroffenen über Jahre ähnlich. Ohne Behandlung können die Krämpfe so stark werden, dass die Augen über längere Zeit geschlossen bleiben. Mit regelmäßiger Botulinumtoxin-Behandlung lässt sich das meist verhindern.

Kann der Lidkrampf von selbst verschwinden?

Dass ein essenzieller Lidkrampf von selbst dauerhaft verschwindet, ist selten. Vorübergehende Phasen mit deutlich weniger Beschwerden kommen vor, vor allem in den ersten Jahren.

Anders ist es beim reflektorischen und beim medikamentös ausgelösten Lidkrampf. Wird die Augenreizung behandelt oder das auslösende Medikament angepasst, bessert er sich oft deutlich. Auch das harmlose Lidzucken verschwindet fast immer von selbst.

Breitet sich die Erkrankung aus?

Bei einem Teil der Betroffenen breitet sich die Dystonie auf andere Muskeln aus, am häufigsten auf Mund, Kiefer und Zunge (Meige-Syndrom). Das geschieht meist in den ersten Jahren nach Beginn.

Seltener sind Hals oder Kehlkopf betroffen. Eine Ausbreitung auf Arme, Beine oder den ganzen Körper ist beim Lidkrampf im Erwachsenenalter ungewöhnlich. Neue Beschwerden sollten Sie trotzdem ansprechen, weil sie oft mitbehandelt werden können.

Kann man durch einen Lidkrampf erblinden?

Nein, das Auge selbst nimmt keinen Schaden. Ein schwerer Lidkrampf kann aber zu funktioneller Blindheit führen, weil die Lider das Sehen verhindern.

Mit wirksamer Behandlung ist das meist umkehrbar: Bleiben die Lider offen, ist das Sehvermögen wie vorher. Indirekte Schäden sind möglich, wenn als Nebenwirkung oder durch eine begleitende Trockenheit die Hornhaut austrocknet. Deshalb ist die Pflege der Augenoberfläche wichtig.

Wie wirkt sich der Lidkrampf auf Alltag und Beruf aus?

Unbehandelt schränkt ein ausgeprägter Lidkrampf Lesen, Bildschirmarbeit, Autofahren und das sichere Gehen deutlich ein. Viele Betroffene ziehen sich sozial zurück, manche können ihren Beruf nicht mehr ausüben.

Mit Behandlung gelingt den meisten die Rückkehr in den Alltag. Oft gibt es aber Phasen, in denen die Wirkung der Spritze nachlässt. Viele Betroffene planen wichtige Termine, Reisen oder lange Autofahrten deshalb in die Zeit der besten Wirkung. In Deutschland und Österreich kann bei starker Einschränkung ein Grad der Behinderung beantragt werden; die Einstufung hängt vom Einzelfall ab.

Darf man mit einem Lidkrampf Auto fahren?

Wer seine Augen beim Fahren nicht zuverlässig offen halten kann, darf nicht Auto fahren. Ob und wann Fahren möglich ist, hängt von der Stärke der Krämpfe und vom Erfolg der Behandlung ab.

Besprechen Sie die Fahrtauglichkeit offen mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt. Gefährlich sind vor allem Situationen mit Blendung, Gegenlicht, Tunnelausfahrten und Gebläseluft. Auch die Zeit kurz vor der nächsten Spritze und Nebenwirkungen wie Doppelbilder oder ein hängendes Lid können die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen.

Wie ist die Prognose insgesamt?

Die Prognose ist bei regelmäßiger Behandlung gut. Die meisten Betroffenen können mit Botulinumtoxin über viele Jahre ein weitgehend selbstständiges Leben führen.

Die Behandlung ist allerdings eine Dauerbehandlung. Erfahrungsgemäß wirkt Botulinumtoxin bei den meisten auch nach vielen Jahren noch zuverlässig. Eine schlechtere Prognose haben Menschen mit ausgeprägter Lidöffnungsapraxie oder mit einer zusätzlichen Erkrankung des Nervensystems. Zum Vergleich: Das harmlose Lidzucken hat eine ausgezeichnete Prognose und vergeht nach Minuten bis Wochen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (5)

Kann man einem Lidkrampf vorbeugen?

Dem essenziellen Lidkrampf kann man nach heutigem Wissen nicht vorbeugen. Man kann aber Auslöser verringern und so die Zahl und Stärke der Krämpfe senken.

Beim reflektorischen und beim medikamentös ausgelösten Lidkrampf ist Vorbeugung eher möglich: durch eine gute Behandlung von trockenen Augen und Lidrandentzündungen und durch eine sorgfältige Überprüfung der Medikamente gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.

Was kann ich im Alltag selbst tun?

Am meisten hilft es, die eigenen Auslöser zu kennen und gezielt zu meiden. Ein Beschwerdetagebuch über einige Wochen zeigt, was bei Ihnen die Krämpfe verstärkt.

  • Licht: getönte Brille, Sonnenbrille mit Seitenschutz, Hut oder Schirmmütze, gedämpfte Beleuchtung, Bildschirmhelligkeit senken.
  • Luft: Gebläse im Auto nicht aufs Gesicht richten, Zugluft und Klimaanlagen meiden, Raumluft befeuchten.
  • Augenoberfläche: regelmäßig Tränenersatzmittel, Lidpflege mit warmen Kompressen, Pausen bei Bildschirmarbeit.
  • Schlaf und Erholung: ausreichend schlafen, Termine mit hoher Anforderung eher auf den Vormittag legen.
  • Stress: Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder Yoga können helfen, gelassener mit den Krämpfen umzugehen.
  • Tricks: den persönlich wirksamsten sensorischen Trick herausfinden und üben, etwa Brauen berühren, summen oder Kaugummi kauen.

Wie bereite ich mich auf schwierige Situationen vor?

Planen hilft. Wer weiß, welche Situationen schwierig sind, kann sich darauf einstellen und Unterstützung organisieren.

  • Wege in unbekannter Umgebung möglichst in Begleitung gehen, Handlauf nutzen, langsam gehen.
  • Wichtige Termine in die Zeit legen, in der die Botulinumtoxin-Spritze am besten wirkt.
  • Am Arbeitsplatz über blendfreie Beleuchtung, Bildschirmfilter und Pausen sprechen.
  • Kolleginnen, Kollegen und Freunden kurz erklären, was ein Lidkrampf ist. Das nimmt vielen den Druck.

Wo finde ich Unterstützung?

Unterstützung bieten Selbsthilfegruppen für Menschen mit Dystonie. In Deutschland gibt es dafür die Deutsche Dystonie Gesellschaft, in Österreich und der Schweiz ebenfalls Selbsthilfeorganisationen für Dystonie-Betroffene.

Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft vielen, Tricks und Hilfsmittel kennenzulernen und sich weniger allein zu fühlen. Wenn Angst oder Niedergeschlagenheit überhandnehmen, kann eine psychotherapeutische Begleitung entlasten. Das bedeutet nicht, dass der Lidkrampf psychisch verursacht ist, sondern dass eine chronische Erkrankung Kraft kostet.

Wie beuge ich harmlosem Lidzucken vor?

Harmloses Lidzucken lässt sich oft durch ausreichend Schlaf, weniger Kaffee und Alkohol, Bildschirmpausen und weniger Stress vermeiden. Es hat nichts mit dem Lidkrampf zu tun und geht in aller Regel nicht in ihn über.

Wenn ein Lidzucken jedoch länger als einige Wochen anhält, auf andere Teile des Gesichts übergreift oder das Lid sich schließt, sollten Sie es abklären lassen.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (3)

Der essenzielle Lidkrampf ist kein Notfall. Er schädigt das Auge nicht. Einige Beschwerden, die ähnlich aussehen, können aber auf eine ernste Erkrankung hinweisen. Bei ihnen sollten Sie rasch handeln.

Sofort zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Notaufnahme

Gehen Sie sofort, wenn ein krampfhafter Lidschluss mit Schmerzen, Rötung oder Sehverschlechterung einhergeht.

  • Lidkrampf mit starken Augenschmerzen, roter Augenoberfläche und Lichtscheu, oft an einem Auge: Hinweis auf eine Verletzung, einen Fremdkörper, eine Hornhautentzündung, eine Verblitzung oder eine Verätzung
  • Kind mit Lidkneifen, starker Lichtscheu und tränenden Augen, eventuell mit vergrößerten, trüben Augen
  • Rotes, schmerzhaftes Auge mit Kopfschmerz, Übelkeit und Sehen von Farbringen um Lichter, wie beim akuten Glaukomanfall
  • Plötzlich hängendes Lid mit Doppelbildern, Kopfschmerz oder einer ungleichen Pupille
  • Gesichtslähmung, Sprachstörung, Lähmung oder Taubheit an Arm oder Bein: sofort den Notruf 112 wählen (in Österreich auch 144), Verdacht auf Schlaganfall
  • Nach einer Botulinumtoxin-Spritze: Atemnot, Schluckbeschwerden oder ausgeprägte Muskelschwäche

Weitere Warnzeichen finden Sie auf unserer Seite Notfall am Auge.

Innerhalb weniger Tage zur Ärztin oder zum Arzt

Innerhalb weniger Tage sollten Sie sich melden, wenn nach einer Spritze das Auge leidet oder neue Gesichtskrämpfe auftreten.

  • Nach einer Spritze: Auge schließt nicht mehr ganz, wird rot und schmerzt, oder das Sehen verschwimmt
  • Nach einer Spritze: anhaltende Doppelbilder oder ein Lid, das die Pupille bedeckt
  • Neu aufgetretenes, halbseitiges Gesichtszucken, besonders vor dem 40. Lebensjahr oder mit weiteren neurologischen Beschwerden
  • Lidkrampf, der kurz nach Beginn eines neuen Medikaments auftritt

In den nächsten Wochen zur Abklärung

Einen regulären Termin in den nächsten Wochen brauchen Sie bei anhaltenden, aber nicht akuten Beschwerden.

  • vermehrtes Blinzeln oder Lidkrämpfe beider Augen, die über Wochen bestehen
  • Lidzucken, das länger als einige Wochen anhält oder sich über das Lid hinaus ausbreitet
  • nachlassende Wirkung der gewohnten Botulinumtoxin-Behandlung
  • neue Mund-, Kiefer- oder Halsbewegungen bei bekanntem Lidkrampf

9 Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lidzucken und Lidkrampf?

Lidzucken (Myokymie) ist ein feines Flattern an einem Lid, meist am Unterlid, das das Auge nicht schließt und nach Tagen bis wenigen Wochen von selbst vergeht. Der Lidkrampf (Blepharospasmus) betrifft beide Augen gleichzeitig, schließt die Lider kräftig und bleibt dauerhaft bestehen.

Ist Augenzucken gefährlich?

Das gewöhnliche Augenzucken an einem Lid ist harmlos. Es kommt meist von Stress, Müdigkeit, Schlafmangel oder viel Kaffee und verschwindet von selbst. Abklären lassen sollten Sie es, wenn es länger als einige Wochen anhält, auf Wange oder Mund übergreift oder wenn sich das Lid dabei schließt.

Kann man durch einen Lidkrampf blind werden?

Nein, das Auge bleibt gesund. Bei einem schweren Lidkrampf bleiben die Lider aber so lange geschlossen, dass man praktisch nichts sieht. Man spricht von funktioneller Blindheit. Mit Behandlung lassen sich die Augen meist wieder offen halten.

Hilft Botox gegen Lidkrampf?

Ja, Botulinumtoxin ist die wirksamste Behandlung. „Botox“ ist dafür der umgangssprachliche Name; es gibt mehrere zugelassene Präparate verschiedener Hersteller. Etwa neun von zehn Betroffenen geht es damit deutlich besser. Die Wirkung beginnt nach wenigen Tagen und hält etwa drei Monate, dann wird die Spritze wiederholt.

Welche Nebenwirkungen hat die Botox-Spritze am Auge?

Am häufigsten sind ein leicht hängendes Oberlid, trockene oder tränende Augen und kleine Blutergüsse. Seltener schließt das Lid nicht ganz oder es treten Doppelbilder auf. Die Nebenwirkungen sind meist leicht und vergehen nach Tagen bis wenigen Wochen.

Ist Lidkrampf psychisch bedingt?

Nein. Der Lidkrampf ist eine neurologische Bewegungsstörung, eine sogenannte Dystonie, die von einer Funktionsstörung im Gehirn ausgeht. Stress kann die Krämpfe verstärken, ist aber nicht die Ursache.

Geht ein Lidkrampf von selbst wieder weg?

Der essenzielle Lidkrampf verschwindet nur selten von selbst. Er ist meist chronisch und braucht eine dauerhafte Behandlung. Ein Lidkrampf durch eine Augenreizung oder ein Medikament kann dagegen verschwinden, wenn die Ursache behandelt wird.

Was hilft sofort bei einem Lidkrampf?

Viele Betroffene können einen Krampf kurz lösen, indem sie Augenbrauen oder Stirn leicht berühren, summen, singen, sprechen oder Kaugummi kauen. Diese sensorischen Tricks wirken unterschiedlich gut und nur für kurze Zeit. Langfristig helfen vor allem Botulinumtoxin, getönte Brillen und die Behandlung trockener Augen.

Helfen Magnesium oder Baldrian gegen Lidkrampf?

Für den echten Lidkrampf gibt es keinen Beleg, dass Magnesium oder pflanzliche Beruhigungsmittel helfen. Sie werden eher beim harmlosen Lidzucken empfohlen. Wer sie ausprobieren möchte, sollte die wirksame Behandlung deshalb nicht aufschieben.

Welcher Arzt behandelt Lidkrampf?

Erste Anlaufstelle ist die Augenärztin oder der Augenarzt. Die Botulinumtoxin-Spritzen geben spezialisierte Augenärzte oder Neurologen, oft in Botulinumtoxin-Sprechstunden von Kliniken. Bei Beteiligung von Mund, Kiefer oder Hals ist meist die Neurologie mit im Boot.

Zahlt die Krankenkasse Botox bei Lidkrampf?

In der Regel ja. Der Lidkrampf ist eine zugelassene Anwendung von Botulinumtoxin, und die Behandlung wird in Deutschland und Österreich von den gesetzlichen Krankenkassen meist übernommen. Fragen Sie bei Unklarheiten vorab bei Ihrer Kasse oder der behandelnden Praxis nach.

Kann ein Lidkrampf von Medikamenten kommen?

Ja, das ist möglich. Bekannt ist das zum Beispiel bei Neuroleptika, Parkinson-Mitteln, Benzodiazepinen und einzelnen Antidepressiva. Setzen Sie ein Medikament aber nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 16 Quellen anzeigen
  1. Blepharospasmus – DocCheck Flexikon (DE)
  2. Blepharospasmus – Wikipedia (deutsch) (DE)
  3. Dystonie – Wikipedia (deutsch) (DE)
  4. S1-Leitlinie Dystonie (Registernummer 030-099) – Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) / AWMF (DE)
  5. Blepharospasm – EyeWiki – American Academy of Ophthalmology (EN)
  6. Eyelid Myokymia – EyeWiki – American Academy of Ophthalmology (EN)
  7. Hemifacial Spasm – EyeWiki – American Academy of Ophthalmology (EN)
  8. Blepharospasm – Wikipedia (englisch) (EN)
  9. Hemifacial spasm – Wikipedia (englisch) (EN)
  10. Blépharospasme – Wikipédia (französisch) (FR)
  11. Blefaroespasmo – Diccionario médico, Clínica Universidad de Navarra (ES)
  12. Mioquimia – Diccionario médico, Clínica Universidad de Navarra (ES)
  13. Espasmo hemifacial – Diccionario médico, Clínica Universidad de Navarra (ES)
  14. Síndrome de Meige – Diccionario médico, Clínica Universidad de Navarra (ES)
  15. Músculo orbicular – Diccionario médico, Clínica Universidad de Navarra (ES)
  16. Blefaroespasmo – Wikipedia (spanisch) (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss