Grauer Star (Katarakt)
Der Graue Star (Katarakt) ist eine Eintrübung der Augenlinse, die das Sehen langsam und schmerzlos verschleiert. Er betrifft vor allem Menschen ab 60, kann aber auch angeboren sein oder durch Verletzungen, Diabetes oder Kortison entstehen – und lässt sich durch eine Operation mit Kunstlinse in den meisten Fällen sehr gut behandeln.
1 Kurzübersicht
Der Graue Star ist eine Trübung der natürlichen Augenlinse. Die Linse sitzt hinter der Pupille und bündelt das einfallende Licht auf die Netzhaut, ähnlich wie das Objektiv einer Kamera. Trübt sie sich ein, wird das Licht gestreut statt gebündelt: Man sieht unscharf, kontrastarm und wie durch einen Schleier. Der Fachbegriff Katarakt stammt vom griechischen Wort für „Wasserfall“ oder „das Herabstürzende“; früher glaubte man, eine Flüssigkeit stürze vor das Auge.
Rund neun von zehn Fällen sind altersbedingt. Erste Veränderungen der Linse beginnen oft schon ab etwa 40 Jahren, Beschwerden meist erst deutlich später. Seltener ist der Graue Star angeboren oder entsteht durch eine Augenverletzung, durch Diabetes und andere Stoffwechselstörungen, durch Kortison oder Bestrahlung oder als Folge anderer Augenerkrankungen.
Die Trübung entwickelt sich meist über Jahre, ohne Schmerzen und oft auf beiden Augen, aber unterschiedlich schnell. Typisch sind verschwommenes Sehen, Blendung bei Gegenlicht und nachts, blassere Farben und eine Brille, die nicht mehr richtig hilft.
Tropfen oder Tabletten gegen den Grauen Star gibt es nicht. Im Frühstadium helfen eine angepasste Brille und gutes Licht. Stört die Trübung den Alltag, ersetzt eine kurze, ambulante Operation die getrübte Linse durch eine klare Kunstlinse.
Die Operation gehört zu den häufigsten und sichersten Eingriffen der Medizin: In Deutschland werden jedes Jahr mehrere Hunderttausend Augen operiert, in Frankreich waren es 2018 über 800.000. Etwa neun von zehn Operierten sehen danach deutlich besser.
Ein Notfall ist der Graue Star selbst fast nie. Eine Ausnahme sind Säuglinge und Kleinkinder: Eine angeborene Linsentrübung muss früh erkannt und behandelt werden, weil das Sehen sonst dauerhaft schwach bleibt.
2 Symptome
In diesem Kapitel (15)
- Wie macht sich ein Grauer Star bemerkbar?
- Welche Beschwerden sind typisch?
- Blendung bei Gegenlicht und Nachtfahrten
- Warum verblassen die Farben?
- Plötzlich wieder ohne Lesebrille lesen – ein gutes Zeichen?
- Doppelbilder auf einem Auge
- Welche Beschwerden passen zu welcher Form?
- Wie fühlt sich ein Grauer Star im Alltag an?
- Was bemerken Angehörige?
- Beginnt der Graue Star auf beiden Augen gleichzeitig?
- Was ist im Spätstadium zu erwarten?
- Sind Schmerzen ein Zeichen für Grauen Star?
- Woran erkennen Eltern einen Grauen Star beim Baby?
- Woran erkennt man einen Grauen Star bei älteren Kindern?
- Besonderheiten bei Diabetes, Kortison und nach Verletzungen
Wie macht sich ein Grauer Star bemerkbar?
Das Hauptzeichen ist ein langsam zunehmendes, schmerzloses Nachlassen der Sehkraft, als läge ein Schleier vor den Augen. Viele beschreiben es wie den Blick durch eine beschlagene Scheibe, durch Milchglas oder Nebel. Weil die Veränderung über Monate bis Jahre schleicht, gewöhnt man sich daran und bemerkt sie oft lange nicht. Häufig fällt der Graue Star zuerst bei einer Routinekontrolle beim Augenarzt oder Optiker auf.
Die Sehschärfe auf der Sehtafel ist dabei nicht das einzige Maß. Auch bei noch guter Sehschärfe können Blendung, Kontrastsehen, Farbsehen und beidäugiges Sehen schon deutlich gestört sein. Darauf weist die französische Gesundheitsbehörde HAS ausdrücklich hin.
Welche Beschwerden sind typisch?
Typisch sind verschwommenes Sehen, Blendung, schlechteres Sehen in der Dämmerung, blassere Farben und eine Brille, die nicht mehr richtig hilft. Die folgende Übersicht nennt die Beschwerden etwa nach ihrer Häufigkeit. Nicht jeder hat alle, und ihre Ausprägung hängt stark von der Form der Trübung ab.
| Beschwerde | Wie es sich anfühlt | Wann besonders |
|---|---|---|
| Verschwommenes, trübes Sehen | wie durch einen Schleier oder eine milchige Scheibe | zunehmend, in Ferne und Nähe |
| Blendempfindlichkeit | Licht „überstrahlt“, Umrisse verschwinden | Gegenlicht, tief stehende Sonne, Scheinwerfer |
| Schlechteres Sehen bei Dämmerung und Nacht | alles wirkt dunkler und unklarer | Autofahren nachts, schlecht beleuchtete Räume |
| Weniger Kontrast | Stufen, Bordsteine und Gesichter verschwimmen | trübes Wetter, graue Flächen |
| Blassere, gelbliche Farben | Farben wirken ausgewaschen, wie durch eine gelbe Folie | vor allem Blau, Violett, Dunkelblau und Schwarz |
| Lichthöfe und Strahlen | Ringe oder Sterne um Lampen | nachts, bei Straßenlaternen |
| Brille passt nicht mehr | häufig neue Gläser, ohne echte Besserung | über Monate bis Jahre |
| Doppelbilder auf einem Auge | Geisterbilder, Schatten neben Buchstaben | eher selten, vor allem beim Kernstar |
| Mehr Licht zum Lesen nötig | Schrift wird erst unter einer hellen Lampe lesbar | abends, in Innenräumen |
Blendung bei Gegenlicht und Nachtfahrten
Blendung ist für viele das früheste und lästigste Zeichen. Die Trübungen in der Linse streuen das Licht wie Schmutz auf einer Windschutzscheibe. Entgegenkommende Scheinwerfer, nasse Straßen in der Nacht oder tief stehende Sonne werden dadurch fast unerträglich.
Besonders ausgeprägt ist die Blendung beim Rindenstar und beim hinteren Kapselstar. Manche Betroffene meiden deshalb Nachtfahrten, lange bevor sie auf der Sehtafel schlechter abschneiden. Das ist ein wichtiger Hinweis für die Augenärztin oder den Augenarzt, weil die normale Sehprüfung die Blendung kaum erfasst.
Warum verblassen die Farben?
Die alternde Linse lagert gelbliche und bräunliche Farbstoffe ein und wirkt dadurch wie ein Gelbfilter. Blau, Violett und Dunkelblau lassen sich schlechter unterscheiden; Schwarz und Marineblau verwechselt man leichter. Weil die Veränderung langsam kommt, merkt man sie oft erst nach der Operation des ersten Auges. Viele sind dann überrascht, wie weiß ein Blatt Papier mit dem operierten Auge aussieht und wie gelblich mit dem anderen.
Plötzlich wieder ohne Lesebrille lesen – ein gutes Zeichen?
Nein, meist ist es ein frühes Zeichen eines Kernstars. Verdichtet sich der Linsenkern, bricht er das Licht stärker, das Auge wird kurzsichtiger (Fachbegriff: Indexmyopie). Menschen, die bisher eine Lesebrille brauchten, können dann vorübergehend wieder ohne Brille lesen. Englischsprachige Ärzte nennen das „second sight“.
Die Besserung hält nicht an. Gleichzeitig verschlechtert sich das Sehen in die Ferne, und die Brillenstärke muss in kurzen Abständen angepasst werden. Wer weitsichtig war, sieht in dieser Phase manchmal auch in die Ferne zeitweise besser.
Doppelbilder auf einem Auge
Ein Grauer Star kann Doppel- oder sogar Dreifachbilder auf einem Auge erzeugen. Man erkennt das daran, dass die Doppelbilder bleiben, wenn man das andere Auge abdeckt. Ursache sind Bereiche der Linse mit unterschiedlicher Brechkraft. Mit fortschreitender Trübung können die Doppelbilder wieder verschwinden, weil dann das Bild insgesamt unscharf wird.
Verschwinden Doppelbilder dagegen, wenn man ein Auge zuhält, liegt die Ursache meist nicht in der Linse, sondern zum Beispiel bei den Augenmuskeln oder ihren Nerven. Treten solche Doppelbilder plötzlich auf, gehören sie noch am selben Tag ärztlich abgeklärt.
Welche Beschwerden passen zu welcher Form?
Die Beschwerden hängen davon ab, wo in der Linse die Trübung sitzt. Häufig sind mehrere Formen kombiniert.
| Form | Typische Beschwerden | Tempo |
|---|---|---|
| Kernstar (Linsenmitte) | Ferne schlechter als Nähe, zunehmende Kurzsichtigkeit, Farben gelblich, Doppelbilder auf einem Auge möglich | langsam, über Jahre |
| Rindenstar (Linsenrand, speichenförmig) | Blendung, Lichthöfe, Probleme bei Nachtfahrten; Sehschärfe lange gut, solange die Trübung die Mitte nicht erreicht | Monate bis Jahre |
| Hinterer Kapselstar (Rückseite der Linse) | starke Blendung, Lesen und Nahsehen früh gestört, besonders bei hellem Licht und enger Pupille | oft rasch, innerhalb von Monaten |
Der hintere Kapselstar betrifft häufiger jüngere Menschen, etwa bei Diabetes, Kortison-Therapie, starker Kurzsichtigkeit oder Entzündungen im Auge. Obwohl er klein ist, stört er früh, weil er genau in der Sehachse liegt.
Wie fühlt sich ein Grauer Star im Alltag an?
Im Alltag macht er vor allem Autofahren, Lesen, das Erkennen von Gesichtern und das Gehen auf Treppen mühsam. Diese Folgen belasten Betroffene oft am meisten. Typische Situationen sind:
- Autofahren: Unsicherheit bei Nacht, Regen und Gegenlicht; Schilder werden später erkannt.
- Lesen: Zeitung und Beipackzettel nur noch mit viel Licht oder Lupe; Buchstaben wirken verwaschen.
- Fernsehen und Bildschirm: Untertitel und kleine Schrift sind schwer lesbar, das Bild wirkt flau.
- Gesichter: Bekannte werden auf der Straße erst spät erkannt, Mimik ist schwer zu deuten.
- Gehen und Treppen: Stufen, Bordsteinkanten und Unebenheiten sind schlechter zu sehen, das räumliche Sehen leidet; das Sturzrisiko steigt.
- Hobbys und Beruf: Handarbeit, Malen, Golf oder feine Arbeiten werden mühsam.
Was bemerken Angehörige?
Angehörigen fallen oft Veränderungen im Verhalten auf, bevor Betroffene selbst über schlechtes Sehen klagen. Mögliche Hinweise sind:
- Nachtfahrten werden vermieden, der Partner soll fahren.
- Lampen werden heller gedreht, beim Lesen wird nah ans Fenster gerückt.
- Auffallend häufige Brillenwechsel oder die Klage, „die neue Brille taugt nichts“.
- Unsicherheit auf Treppen, Stolpern, Verschütten beim Einschenken.
- Rückzug von Hobbys, Lesen oder Gesellschaft.
- Im weit fortgeschrittenen Stadium eine sichtbar graue, milchige oder weiße Pupille – daher der Name „Grauer Star“.
Bei Menschen mit Demenz äußert sich ein Grauer Star manchmal nur durch mehr Unruhe, Orientierungsprobleme oder Stürze, weil sie das schlechtere Sehen nicht beschreiben können.
Beginnt der Graue Star auf beiden Augen gleichzeitig?
Meist sind beide Augen betroffen, aber selten gleich stark. Ein Auge ist oft deutlich weiter, sodass das bessere Auge die Schwäche lange ausgleicht. Manchmal fällt die Sehminderung erst auf, wenn man zufällig das bessere Auge zuhält. Einseitig ist der Graue Star vor allem nach einer Verletzung, nach Augenoperationen oder bei bestimmten angeborenen Formen.
Was ist im Spätstadium zu erwarten?
Unbehandelt kann die Trübung so dicht werden, dass nur noch hell und dunkel unterschieden werden (reifer Star, Cataracta matura). Die Pupille sieht dann weißlich-grau aus. In Ländern mit guter Versorgung ist dieses Stadium selten geworden.
Selten quillt eine sehr reife Linse an oder gibt Eiweiß ins Auge ab. Dann können ein schmerzhaft erhöhter Augeninnendruck (eine Form des grünen Stars) und eine Entzündung im Auge entstehen. Rotes Auge, Schmerzen, Kopfschmerz oder Übelkeit sind deshalb nie typisch für einen gewöhnlichen Grauen Star und gehören sofort abgeklärt.
Sind Schmerzen ein Zeichen für Grauen Star?
Nein. Der Graue Star selbst tut nicht weh und macht auch keine Rötung, keinen Juckreiz und kein Brennen. Solche Beschwerden haben meist eine andere Ursache, zum Beispiel ein trockenes Auge oder eine Entzündung. Auch ein plötzlicher Sehverlust passt nicht zum Grauen Star, der sich langsam entwickelt.
Woran erkennen Eltern einen Grauen Star beim Baby?
Das wichtigste Warnzeichen ist eine weiße oder grau schimmernde Pupille (Leukokorie). Oft fällt sie zuerst auf Fotos mit Blitz auf: Statt des normalen roten Leuchtens („rote Augen“) leuchtet eine Pupille weiß oder anders als die andere. Weitere Hinweise beim Säugling:
- Das Baby folgt Gesichtern oder Spielzeug nicht mit den Augen und nimmt wenig Blickkontakt auf.
- Die Augen zittern oder pendeln hin und her (Nystagmus). Es entwickelt sich oft um den zweiten bis dritten Lebensmonat und ist ein ungünstiges Zeichen für die Sehentwicklung.
- Ein Auge schielt neu.
- Das Kind ist auffallend lichtscheu.
Eine weiße Pupille kann auch andere, ernste Ursachen haben, etwa einen bösartigen Netzhauttumor (Retinoblastom). Deshalb muss sie immer rasch augenärztlich untersucht werden.
Woran erkennt man einen Grauen Star bei älteren Kindern?
Ältere Kinder klagen manchmal über unscharfes, trübes oder verzerrtes Sehen. Häufiger zeigen sie es indirekt: Sie sitzen sehr nah am Fernseher, haben Probleme beim Lesen, sehen in der Dämmerung schlecht, stoßen an Gegenstände oder sehen Lichtringe um Lampen. Teilweise Trübungen können im ersten Lebensjahrzehnt entstehen und sich langsam verdichten. Schmerzen haben auch Kinder nicht.
Besonderheiten bei Diabetes, Kortison und nach Verletzungen
Bei schlecht eingestelltem Diabetes, vor allem bei jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes und sehr hohem Blutzucker, kann sich innerhalb von Wochen eine „Schneeflocken-Katarakt“ bilden. Starke Blutzuckerschwankungen verändern außerdem vorübergehend die Brechkraft, sodass die Brille mal passt und mal nicht.
Der Kortison-Star sitzt typischerweise an der Linsenrückseite und stört daher früh beim Lesen und bei Blendung. Nach einer Augenverletzung kann sich eine Trübung innerhalb von Stunden bis Tagen bilden, manchmal aber erst Jahre später.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (6)
Was passiert in der Linse?
Beim Grauen Star verlieren die Eiweiße der Linse ihre geordnete Struktur und verklumpen. Die Linse besteht zu einem großen Teil aus besonderen Eiweißen (Kristallinen), die so dicht und regelmäßig gepackt sind, dass Licht ungehindert hindurchgeht. Mit den Jahren werden diese Eiweiße durch Sauerstoffradikale (oxidativen Stress), UV-Licht und Stoffwechselprodukte geschädigt und lagern sich zusammen. Licht wird dann gestreut, statt gebündelt.
Die Linse hat keine Blutgefäße und wird vom Kammerwasser ernährt. Ihr wichtigster Schutz gegen oxidative Schäden, das Antioxidans Glutathion, nimmt mit dem Alter ab. Gleichzeitig lagern sich gelbliche und bräunliche Farbstoffe ein, und die Linse wird härter und weniger elastisch. Deshalb lässt ab etwa 45 Jahren auch das Scharfstellen in der Nähe nach; diese Alterssichtigkeit ist aber noch kein Grauer Star.
Welche Formen gibt es nach der Ursache?
Nach der Ursache unterscheidet man vor allem den altersbedingten, den angeborenen, den stoffwechselbedingten, den medikamentösen und den verletzungsbedingten Grauen Star. Die Tabelle zeigt alle wichtigen Formen.
| Form | Ursache | Besonderheit |
|---|---|---|
| Altersbedingter Star | natürliche Alterung der Linse | etwa 90 Prozent aller Fälle, meist ab 60 Jahren |
| Angeborener Star | Erbanlagen, Infektionen in der Schwangerschaft, Stoffwechselstörungen, Syndrome | bei Geburt oder in den ersten Lebensmonaten |
| Stoffwechselbedingter Star | Diabetes, Galaktosämie, Unterfunktion der Nebenschilddrüse, Morbus Wilson, myotone Dystrophie | oft jüngere Menschen, kann rasch fortschreiten |
| Medikamentöser Star | vor allem Kortison über längere Zeit | meist hinterer Kapselstar |
| Verletzungsstar (traumatisch) | Prellung, Stich, Stromunfall, Verätzung, Hitze | meist einseitig, sofort oder Jahre später |
| Strahlenstar | Röntgen- oder Strahlentherapie am Kopf, Infrarot (früher „Feuerstar“ bei Glasbläsern) | Monate bis Jahre nach der Belastung |
| Komplizierter Star | andere Augenerkrankungen wie Uveitis, Glaukom, Retinitis pigmentosa, hohe Kurzsichtigkeit | auch nach Augenoperationen |
| Hautbedingter Star | schwere Neurodermitis und andere Hauterkrankungen | Haut und Linse haben denselben embryonalen Ursprung |
Die französische Gesundheitsbehörde HAS empfiehlt, statt „senil“ oder „präsenil“ einfach von altersbedingtem Grauen Star zu sprechen. Abgesehen von der Altersform kann jede Form in jedem Lebensalter auftreten.
Welche Risikofaktoren sind belegt?
Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter; viele weitere Faktoren beschleunigen die Trübung. Gut belegt sind:
- Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2), besonders bei schlecht eingestelltem Blutzucker.
- Rauchen, das den oxidativen Stress in der Linse erhöht.
- UV-Strahlung über Jahrzehnte: Arbeit im Freien, sonnenreiche Regionen, Höhenlagen.
- Kortison als Tabletten, Spritzen, Inhalation oder Augentropfen über längere Zeit.
- Starke Kurzsichtigkeit, etwa ab minus 6 Dioptrien (siehe Kurzsichtigkeit).
- Frühere Augenverletzungen und Augenoperationen, besonders eine Glaskörperoperation (Vitrektomie) oder eine Glaukom-Operation.
- Entzündungen im Auge wie eine chronische Uveitis.
- Ionisierende Strahlung, etwa Strahlentherapie im Kopfbereich.
- Familiäre Veranlagung.
- Starker Alkoholkonsum.
Als mögliche, weniger sicher belegte Faktoren werden Übergewicht, Bluthochdruck, schwere Mangelernährung, Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder rheumatoide Arthritis und Atopie genannt. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Wie entsteht ein Grauer Star durch Kortison?
Langzeit-Kortison ist die am besten belegte medikamentöse Ursache. Das Risiko steigt mit Dosis und Dauer, vor allem bei Kortison-Tabletten über viele Monate bis Jahre. Eine sicher unbedenkliche Grenzdosis gibt es nach heutigem Wissen nicht, weil Menschen unterschiedlich empfindlich reagieren. Auch inhalatives Kortison und kortisonhaltige Augentropfen können das Risiko erhöhen. Eine Dosisreduktion kann das Fortschreiten bremsen.
Setzen Sie Kortison aber nie eigenmächtig ab. Oft ist es wegen der Grunderkrankung unverzichtbar. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob es Alternativen gibt, und lassen Sie Ihre Augen regelmäßig kontrollieren. Für andere Medikamente, etwa Amiodaron oder bestimmte Psychopharmaka, gibt es Hinweise auf Linsentrübungen, aber keine verlässlichen Zahlen.
Warum bekommen Menschen mit Diabetes häufiger Grauen Star?
Hoher Blutzucker gelangt ins Kammerwasser und in die Linse. Dort wird er zu Sorbit umgewandelt, das Wasser in die Linsenfasern zieht und sie schädigt. Ältere Menschen mit Diabetes bekommen den Grauen Star im Schnitt früher, er sieht aber ähnlich aus wie bei Menschen ohne Diabetes. Bei jungen Menschen mit sehr hohem Blutzucker kann dagegen rasch eine „Schneeflocken-Katarakt“ entstehen, die sich bei guter Einstellung teilweise wieder zurückbilden kann.
Was verursacht einen angeborenen Grauen Star?
Grob gilt die Drittel-Regel: Etwa ein Drittel ist erblich, ein Drittel hängt mit einer Allgemeinerkrankung zusammen, bei einem Drittel bleibt die Ursache unklar. Die erblichen Formen werden meist autosomal-dominant vererbt; bekannt sind Veränderungen in über 40 Genen.
- Infektionen in der Schwangerschaft: Röteln (früher die häufigste Ursache), Zytomegalie, Toxoplasmose, Herpes, Windpocken, Syphilis.
- Stoffwechselstörungen: vor allem die Galaktosämie, bei der die Trübung durch eine frühe Ernährungsumstellung zurückgehen kann.
- Syndrome: am häufigsten das Down-Syndrom (Trisomie 21), außerdem Trisomie 13 und 18, Turner-, Marfan- oder Alport-Syndrom.
- Andere Ursachen: Frühgeborenen-Netzhauterkrankung, Entzündungen im Auge, Verletzungen.
Der angeborene Graue Star betrifft je nach Quelle etwa 1 bis 6 von 10.000 Neugeborenen, andere Schätzungen liegen höher; die Zahlen schwanken je nach Region und Definition.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wie stellt der Augenarzt einen Grauen Star fest?
- Welche Untersuchungen gehören dazu?
- Was muss ich nach den erweiternden Tropfen beachten?
- Welche Fragen klärt die Untersuchung?
- Welche anderen Erkrankungen werden ausgeschlossen?
- Welche Messungen sind vor einer Operation nötig?
- Wie wird der Graue Star bei Kindern erkannt?
- Wie oft sollte ich meine Augen kontrollieren lassen?
Wie stellt der Augenarzt einen Grauen Star fest?
Die Diagnose wird mit dem Spaltlampenmikroskop gestellt, einer schmerzlosen Untersuchung von wenigen Minuten. Dabei sitzen Sie vor einem Mikroskop, das einen schmalen Lichtspalt ins Auge wirft. So werden Lage, Dichte und Art der Trübung vergrößert sichtbar, ebenso Hornhaut, Regenbogenhaut und Vorderkammer. Zusätzliche Geräte sind für die Diagnose meist nicht nötig.
Welche Untersuchungen gehören dazu?
Dazu gehören ein Gespräch, Sehtests, die Untersuchung mit der Spaltlampe bei erweiterter Pupille, ein Blick auf den Augenhintergrund und die Messung des Augeninnendrucks.
- Gespräch: Beschwerden im Alltag, Beruf, Autofahren, Vorerkrankungen wie Diabetes, Medikamente wie Kortison, frühere Verletzungen oder Augenoperationen.
- Sehschärfe: für jedes Auge einzeln und mit beiden Augen, in Ferne und Nähe, mit bestmöglicher Brillenkorrektur.
- Brillenbestimmung (Refraktion): Sie zeigt, ob eine neue Brille noch hilft oder ob die Kurzsichtigkeit durch einen Kernstar zugenommen hat.
- Spaltlampe vor und nach Pupillenerweiterung: Erst bei weiter Pupille ist die ganze Linse zu beurteilen.
- Augenhintergrund: Netzhaut, Makula und Sehnerv werden auf andere Erkrankungen untersucht.
- Augeninnendruck: zum Ausschluss eines grünen Stars.
- Blendungstest: bei Bedarf, weil die Blendung auf der normalen Sehtafel unterschätzt wird.
Was muss ich nach den erweiternden Tropfen beachten?
Nach den Pupillentropfen sehen Sie für einige Stunden unscharf und sind stark blendempfindlich. Fahren Sie in dieser Zeit nicht selbst Auto, in der Regel etwa vier bis fünf Stunden lang, bei länger wirkenden Tropfen auch länger. Planen Sie eine Begleitperson oder öffentliche Verkehrsmittel ein und nehmen Sie eine Sonnenbrille mit.
Welche Fragen klärt die Untersuchung?
Die Augenärztin oder der Augenarzt will vor allem vier Dinge wissen:
- Liegt eine Linsentrübung vor, die das Sehen stört?
- Erklärt sie die Beschwerden vollständig, oder gibt es eine zweite Ursache?
- Ist der Nutzen einer Operation größer als ihr Risiko?
- Können Sie die Operation und die Nachsorge mit Tropfen und Kontrollen bewältigen?
Welche anderen Erkrankungen werden ausgeschlossen?
Nachlassendes Sehen kann viele Ursachen haben, deshalb wird gezielt nach anderen Erkrankungen gesucht. Die wichtigsten sind die altersabhängige Makuladegeneration, der Grüne Star, die diabetische Retinopathie, Erkrankungen des Sehnervs, Hornhauttrübungen, ein trockenes Auge und eine nicht passende Brille. Oft bestehen mehrere Erkrankungen gleichzeitig. Das ist wichtig, weil eine Staroperation diese Schäden nicht behebt und das Ergebnis dann begrenzt sein kann.
Ist die Linse so dicht, dass der Augenhintergrund nicht mehr einsehbar ist, hilft ein Ultraschall des Auges. Er zeigt, ob die Netzhaut anliegt und ob ein Tumor ausgeschlossen werden kann.
Welche Messungen sind vor einer Operation nötig?
Vor der Operation wird die Stärke der Kunstlinse genau berechnet. Dazu misst ein Gerät mit Licht (optische Biometrie) oder Ultraschall die Länge des Auges, die Krümmung der Hornhaut und die Tiefe der Vorderkammer. Häufig wird mit einer optischen Kohärenztomographie (OCT) die Makula geprüft, um abzuschätzen, wie gut das Sehen nach der Operation werden kann. Je nach Befund kommen eine Vermessung der Hornhautoberfläche (Topographie) und eine Zählung der Hornhaut-Innenzellen hinzu.
In Deutschland zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nicht alle dieser Zusatzmessungen; manche werden als Selbstzahlerleistung angeboten. Fragen Sie vorher, welche Untersuchung in Ihrem Fall medizinisch nötig ist.
Wie wird der Graue Star bei Kindern erkannt?
Bei Neugeborenen und Kleinkindern wird der Rotreflex geprüft (Brückner-Test). Die Ärztin oder der Arzt leuchtet mit einem Augenspiegel aus etwa einem halben bis einem Meter Abstand gleichzeitig in beide Augen; normal leuchten beide Pupillen gleich rot. In Deutschland ist dieser Test Teil der Früherkennungsuntersuchungen (U-Untersuchungen). Ist der Reflex weißlich, fehlt er oder ist er ungleich, muss das Kind rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
Dort folgen eine Untersuchung bei erweiterter Pupille, oft ein Ultraschall und je nach Befund Blutuntersuchungen auf Infektionen und Stoffwechselstörungen sowie eine genetische Beratung.
Wie oft sollte ich meine Augen kontrollieren lassen?
Feste Vorgaben gibt es in Deutschland und Österreich nicht, die Empfehlungen anderer Länder geben aber eine Orientierung. Das US-amerikanische National Eye Institute rät ab 60 Jahren zu einer Untersuchung mit erweiterter Pupille alle ein bis zwei Jahre, die US-Fachgesellschaft AAO ab 65 jährlich. Französische Empfehlungen nennen eine erste Untersuchung ab 40 und ab 65 mindestens alle zwei Jahre. Bei Diabetes oder Kortison-Dauertherapie sind häufigere Kontrollen sinnvoll.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (15)
- Gibt es Tropfen oder Tabletten gegen Grauen Star?
- Was hilft im Frühstadium?
- Wann ist die Operation sinnvoll?
- Kann man zu lange warten?
- Wie läuft die Operation ab?
- Spüre ich etwas bei der Operation?
- Werden beide Augen gleichzeitig operiert?
- Was muss ich vor der Operation beachten?
- Welche Kunstlinse ist die richtige?
- Wer bezahlt die Operation?
- Wie erfolgreich ist die Operation?
- Welche Risiken hat die Operation?
- Was ist der Nachstar?
- Wie verläuft die Heilung nach der Operation?
- Wie wird ein angeborener Grauer Star behandelt?
Gibt es Tropfen oder Tabletten gegen Grauen Star?
Nein. Bisher gibt es kein Medikament, keine Augentropfen und kein Nahrungsergänzungsmittel, das eine Linsentrübung auflöst oder ihr Fortschreiten nachweislich bremst. Daran wird geforscht, im Alltag angekommen ist davon nichts. Angebote, die das versprechen, sollten Sie skeptisch sehen.
Was hilft im Frühstadium?
Solange die Beschwerden gering sind, reichen oft einfache Hilfen:
- eine neue, genau angepasste Brille oder Kontaktlinsen,
- helleres, blendfreies Licht beim Lesen, etwa eine gute Leselampe,
- Lupen und vergrößernde Sehhilfen für kleine Schrift,
- eine Sonnenbrille mit UV-Schutz und Blendschutz,
- größere Schrift an Handy, Computer und E-Book-Reader,
- Nachtfahrten einschränken, wenn Blendung stört.
Diese Maßnahmen beseitigen die Trübung nicht, verschaffen aber oft Monate bis Jahre ohne Operation.
Wann ist die Operation sinnvoll?
Operiert wird, wenn die Trübung Sie im Alltag einschränkt und eine Brille nicht mehr ausreicht. Einen festen Grenzwert der Sehschärfe gibt es nicht mehr; die französische Gesundheitsbehörde HAS hat dies 2019 ausdrücklich so festgelegt. Entscheidend ist, was Sie für Beruf, Autofahren, Lesen und Hobbys brauchen. Eine Pilotin braucht anderes Sehen als jemand, der kaum noch Auto fährt.
Die HAS nennt drei Gründe für eine Operation:
- Das Sehen reicht für Ihren Alltag nicht mehr aus, und die Operation lässt eine Besserung erwarten.
- Die Trübung verhindert die Untersuchung oder Behandlung der Netzhaut, etwa bei diabetischer Retinopathie.
- Die Linse droht Komplikationen auszulösen, etwa einen Augendruckanstieg oder eine Entzündung durch eine stark gequollene Linse.
Gegen eine Operation spricht, wenn Sie mit Ihrer Brille gut zurechtkommen, wenn eine andere Erkrankung das Risiko unvertretbar erhöht oder wenn die Nachsorge nicht gesichert ist.
Kann man zu lange warten?
In der Regel nicht, ein Grauer Star ist kein Eilfall. Abwarten schadet dem Auge meist nicht, solange Sie im Alltag sicher zurechtkommen. Eine sehr dichte, harte Linse macht die Operation allerdings technisch schwieriger und erhöht das Risiko für Komplikationen.
Deshalb wird heute meist nicht mehr bis zum fortgeschrittenen Stadium gewartet. Bei einem engen Kammerwinkel mit Gefahr eines Glaukomanfalls kann eine frühere Operation sinnvoll sein.
Für das Autofahren mit dem Pkw-Führerschein gilt in Deutschland nach der Fahrerlaubnis-Verordnung eine Mindestsehschärfe von 0,5 (mit Brille, auf dem besseren Auge bzw. beidäugig); beim Sehtest für den Ersterwerb des Führerscheins werden 0,7 verlangt. Wird sie nicht mehr erreicht, ist das ein klarer Grund, über die Operation zu sprechen.
Wie läuft die Operation ab?
Die Staroperation dauert meist 15 bis 30 Minuten, erfolgt ambulant und unter örtlicher Betäubung. Das Standardverfahren heißt Phakoemulsifikation:
- Die Pupille wird mit Tropfen weit gestellt, das Auge betäubt, desinfiziert und mit einem sterilen Tuch abgedeckt.
- Über einen sehr kleinen Schnitt am Rand der Hornhaut (etwa 2 bis 3 Millimeter) wird die vordere Linsenkapsel kreisrund geöffnet.
- Ultraschall zerkleinert den getrübten Linseninhalt, der dann abgesaugt wird.
- Die Kapsel bleibt als „Tasche“ im Auge. In sie wird eine gefaltete Kunstlinse (Intraokularlinse) geschoben, die sich dort entfaltet.
- Der Schnitt schließt sich meist von selbst, eine Naht ist selten nötig. Zum Schluss kommen Salbe oder Tropfen und eine Schutzkappe.
Manche Schritte kann ein Femtosekundenlaser übernehmen. Ob das für die Sicherheit oder das Ergebnis einen Vorteil bringt, ist nicht eindeutig belegt; in Deutschland ist es eine Selbstzahlerleistung. Ältere Verfahren, bei denen der Linsenkern im Ganzen entfernt wird, kommen heute nur noch in Sonderfällen zum Einsatz. Ein Cochrane-Review fand für die Phakoemulsifikation eine bessere Sehschärfe ohne Brille als für die ältere extrakapsuläre Methode.
Spüre ich etwas bei der Operation?
Schmerzen sollten Sie nicht haben. Meist genügen betäubende Tropfen oder ein Gel, manchmal ergänzt durch eine Spritze neben das Auge. Sie sind wach, sehen Licht und Bewegungen, aber keine Einzelheiten, und spüren höchstens etwas Druck. Bei Unruhe oder Angst kann ein Beruhigungsmittel über die Vene gegeben werden.
Eine Vollnarkose ist die Ausnahme, etwa bei Kindern, bei Demenz, wenn jemand nicht ruhig liegen kann, bei starker Angst oder bei einer Allergie gegen Betäubungsmittel. Die HAS empfiehlt die Tropfenbetäubung als erste Wahl und rät von der früher üblichen Spritze hinter das Auge (retrobulbär) wegen ihrer Risiken ab.
Werden beide Augen gleichzeitig operiert?
In Deutschland, Österreich und Frankreich wird in der Regel ein Auge pro Termin operiert. Das zweite Auge folgt meist nach einigen Tagen bis Wochen, wenn das erste gut verheilt ist. So lässt sich auch die Linsenstärke für das zweite Auge anhand des ersten Ergebnisses feinabstimmen. In manchen Ländern werden in ausgewählten Fällen beide Augen am selben Tag operiert; das ist eine Einzelfallentscheidung.
Was muss ich vor der Operation beachten?
Vor der Operation klären Sie Ihre Medikamente, das Essen und Trinken am OP-Tag und Ihre Begleitung für den Heimweg.
- Medikamente: Die meisten Medikamente, auch Blutverdünner, werden weiter eingenommen. Klären Sie das trotzdem vorher mit der Operateurin oder dem Operateur, besonders bei Gerinnungshemmern und Diabetes-Medikamenten.
- Essen und Trinken: Bei örtlicher Betäubung meist erlaubt; bei Beruhigungsmitteln oder Narkose gelten Nüchternregeln, die Ihnen die Klinik nennt.
- Rauchen: Ein Rauchstopp einige Wochen vor dem Eingriff senkt das Komplikationsrisiko.
- Diabetes: Der Blutzucker sollte stabil eingestellt sein.
- Begleitung: Sie dürfen nach der Operation nicht selbst fahren.
Welche Kunstlinse ist die richtige?
Welche Kunstlinse passt, hängt von Ihren Sehgewohnheiten, Ihrem Beruf und Ihren Augen ab; Standard ist die monofokale Linse. Die Kunstlinse bleibt ein Leben lang im Auge und kann zugleich eine Fehlsichtigkeit ausgleichen.
| Linsentyp | Was sie kann | Zu bedenken |
|---|---|---|
| Monofokale Linse | scharf in einer Entfernung, meist Ferne; sehr gute Abbildungsqualität und Kontrast | für Lesen meist Brille nötig; Standard der Krankenkassen |
| Asphärische Linse | wie monofokal, mit besserem Kontrastsehen, vor allem in der Dämmerung | häufig bereits Standard |
| Torische Linse | gleicht zusätzlich eine Hornhautverkrümmung aus | muss genau ausgerichtet werden; meist Aufpreis |
| Multifokale oder EDOF-Linse | scharf in mehreren Entfernungen, oft weniger Brille | möglich: weniger Kontrast, Lichthöfe nachts; nicht für jeden geeignet; Aufpreis |
Multifokale Linsen eignen sich nicht für alle. Bei Makula- oder Sehnerverkrankungen und in Berufen mit sehr hohen Anforderungen an das Nachtsehen, etwa bei Berufspiloten, wird meist davon abgeraten. Ein Ausweg kann die „Monovision“ sein: ein Auge für die Ferne, das andere leicht für die Nähe eingestellt. Lassen Sie sich die Vor- und Nachteile genau erklären und entscheiden Sie in Ruhe.
Wer bezahlt die Operation?
In Deutschland zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die medizinisch nötige Operation mit einer monofokalen Standardlinse. Torische, multifokale und andere Sonderlinsen sowie zusätzliche Messungen oder der Femtosekundenlaser werden in der Regel privat in Rechnung gestellt; die Kasse übernimmt dann nur den Anteil der Standardversorgung. Lassen Sie sich vorab einen schriftlichen Kostenvoranschlag geben.
Private Versicherungen regeln das unterschiedlich. In Österreich ist die Operation mit Standardlinse ebenfalls eine Kassenleistung; Details zu Wartezeiten und Aufzahlungen erfragen Sie bei Ihrer Krankenkasse oder der behandelnden Abteilung.
Zum Vergleich: In England ist die Operation im staatlichen Gesundheitsdienst NHS kostenlos, dafür gibt es teils Wartezeiten. In Frankreich erstattet die Sécurité sociale einen Basisbetrag, Premiumlinsen trägt man selbst oder über eine Zusatzversicherung. In Spanien deckt das öffentliche System die Standardlinse ab, private Eingriffe kosten deutlich mehr.
Wie erfolgreich ist die Operation?
Etwa neun von zehn Operierten sehen danach deutlich besser, oft schon nach wenigen Tagen. In Ländern mit guter Versorgung liegt die Erfolgsrate bei 97 Prozent oder höher. Ist das Auge zusätzlich durch Makuladegeneration, Glaukom oder diabetische Netzhautschäden vorgeschädigt, kann die Besserung geringer ausfallen. Das sollte vor der Operation offen besprochen werden; eine Garantie für ein bestimmtes Ergebnis gibt es nicht.
Welche Risiken hat die Operation?
Schwere Komplikationen sind selten. In einer großen britischen Auswertung von rund 180.000 Operationen sahen etwa 1,5 von 100 operierten Augen danach deutlich schlechter als vorher; häufiger betroffen waren Augen mit weiteren Augenerkrankungen oder mit einer Komplikation während der Operation. Leichte, vorübergehende Beschwerden sind häufiger.
| Komplikation | Häufigkeit (Größenordnung) | Was dann passiert |
|---|---|---|
| Trockenes Auge, Fremdkörpergefühl | häufig, meist vorübergehend | Tränenersatzmittel, kann Wochen bis Monate dauern |
| Vorübergehende Hornhautschwellung, Augendruckanstieg | gelegentlich | Tropfen, meist nach Tagen vorbei |
| Schwellung der Netzhautmitte (zystoides Makulaödem) | etwa 1 bis 2 von 100, häufiger bei Diabetes | meist 6 bis 10 Wochen nach der OP, Behandlung mit Tropfen |
| Riss der hinteren Kapsel während der OP | unter 5 von 100 | Linse wird anders verankert, teils kleiner Zusatzeingriff |
| Verlagerung der Kunstlinse | selten | gegebenenfalls Korrektur-Operation |
| Netzhautablösung | selten, innerhalb von 10 Jahren unter 1 von 100, höher bei starker Kurzsichtigkeit | Operation an der Netzhaut |
| Schwere Infektion im Auge (Endophthalmitis) | sehr selten, unter 1 von 1.000 | Notfall; Antibiotika ins Auge, oft Operation |
Weitere mögliche Folgen sind ein Bluterguss am Lid, ein leicht hängendes Oberlid, Lichtempfindlichkeit, eine falsch berechnete Linsenstärke (selten, eher nach Augenlaser-Operationen oder bei sehr starker Kurzsichtigkeit) und Blutungen. Die französische Gesundheitsbehörde schätzt das Gesamtrisiko für Komplikationen während und nach der Operation auf rund 2 Prozent.
Was ist der Nachstar?
Der Nachstar ist keine Rückkehr des Grauen Stars, sondern eine Eintrübung der zurückgelassenen Linsenkapsel. Er tritt Monate bis Jahre nach der Operation bei etwa 20 bis 50 von 100 Operierten auf, bei Kindern häufiger. Das Sehen wird wieder schleierig.
Ein kurzer, schmerzfreier YAG-Laser öffnet die Kapsel ohne Schnitt, und das Sehen bessert sich fast sofort. Mehr dazu im Artikel Nachstar.
Wie verläuft die Heilung nach der Operation?
Direkt nach dem Eingriff ist das Sehen durch die Pupillentropfen einige Stunden unscharf. Bei vielen ist es schon am nächsten Tag deutlich besser; bis es sich stabilisiert, vergehen einige Wochen. Ein leichtes Kratzen oder Sandkorngefühl ist normal, starke Schmerzen sind es nicht. Die vollständige Heilung dauert etwa vier bis sechs Wochen, manche Quellen nennen bis zu acht Wochen.
Wichtige Regeln für die ersten Wochen:
- Kontrolle meist am Tag nach der Operation, weitere nach etwa einer Woche und nach einem Monat.
- Entzündungshemmende, oft auch antibiotische Tropfen etwa drei bis vier Wochen genau nach Plan, auch wenn das Auge gut aussieht. Vorher Hände waschen, die Tropferspitze nicht ans Auge bringen.
- Das Auge nicht reiben oder drücken. In den ersten Nächten, oft bis zu zwei Wochen, eine Schutzkappe tragen.
- Kein Wasser, keine Seife und kein Shampoo ins Auge. Etwa zwei bis drei Wochen kein Schwimmbad, keine Sauna, kein schweres Heben, kein Kontaktsport, kein Augen-Make-up.
- Bei Helligkeit eine Sonnenbrille, bei Wind und Staub eine Schutzbrille tragen. Auf Treppen vorsichtig sein, solange das Sehen sich umstellt.
- Fernsehen ist erlaubt; leichte Tätigkeiten sind meist nach wenigen Tagen möglich.
- Auto fahren erst, wenn die Augenärztin oder der Augenarzt das Sehen dafür freigibt.
- Eine neue Brille erst nach etwa einem bis zwei Monaten anpassen, wenn sich die Brechkraft stabilisiert hat.
Wie wird ein angeborener Grauer Star behandelt?
Dichte Trübungen, die das Sehen stören, werden früh operiert, weil das Gehirn das Sehen nur in den ersten Lebensmonaten richtig lernt. Bei einseitigem angeborenem Grauen Star gilt ein Zeitraum von etwa vier bis sechs Lebenswochen als günstig, bei beidseitigem eine Operation vor etwa der achten bis zehnten Lebenswoche, mit kurzem Abstand zwischen beiden Augen. Kleine, stabile Trübungen, die das Sehen kaum stören, werden dagegen nur beobachtet.
Kinder werden in Vollnarkose operiert. Bei Säuglingen wird oft zunächst keine Kunstlinse eingesetzt, sondern das Sehen mit Kontaktlinsen oder einer Spezialbrille ausgeglichen; eine Kunstlinse folgt dann häufig nach dem sechsten Lebensmonat oder später. Mindestens so wichtig wie die Operation ist die jahrelange Nachbehandlung: Brille oder Kontaktlinse, Abkleben des besseren Auges oder Tropfen, die es vorübergehend verschwommen machen, damit das operierte Auge trainiert wird. So wird einer Schwachsichtigkeit vorgebeugt.
Eine sehr frühe Operation senkt das Risiko der Schwachsichtigkeit, erhöht aber das Risiko eines Glaukoms im späteren Leben. Diese Abwägung trifft ein auf Kinderaugen spezialisiertes Zentrum. Weitere mögliche Folgen sind Nachstar, Schielen und seltener eine Netzhautablösung, weshalb Kinder ein Leben lang regelmäßig kontrolliert werden.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (5)
Wie schnell schreitet der Graue Star fort?
Das ist sehr unterschiedlich und lässt sich im Einzelfall kaum vorhersagen. Der altersbedingte Kernstar entwickelt sich meist über viele Jahre, der Rindenstar über Monate bis Jahre. Der hintere Kapselstar, der Kortison-Star und der diabetische Star können innerhalb von Monaten, manchmal Wochen, deutlich stören.
Nach einer Verletzung kann sich eine Trübung binnen Stunden bilden. Nur regelmäßige Kontrollen zeigen, wie schnell es in Ihrem Fall geht.
Was passiert, wenn man nichts tut?
Unbehandelt nimmt das Sehen weiter ab, bis hin zur Erblindung. Weltweit ist der Graue Star deshalb die häufigste Ursache für Blindheit: Nach Daten der Global-Burden-of-Disease-Studie waren 2020 etwa 15 Millionen Menschen ab 50 Jahren durch einen Grauen Star erblindet und fast 80 Millionen mittelschwer bis schwer sehbehindert. Fast alle diese Fälle wären durch eine Operation vermeidbar. In Ländern mit guter Versorgung führt der Graue Star dagegen nur noch selten zur Erblindung; in Frankreich steht er unbehandelt an dritter Stelle nach Makuladegeneration und Glaukom.
Auch ohne Erblindung hat ein fortgeschrittener Grauer Star Folgen: Stürze und Knochenbrüche, Unfälle im Straßenverkehr, Verlust der Fahrerlaubnis, Rückzug und Abhängigkeit von anderen. Einige Studien sehen einen Zusammenhang zwischen Staroperation und einem geringeren Demenzrisiko; ob die Operation selbst die Ursache ist, ist aber nicht geklärt.
Kann ein unbehandelter Grauer Star gefährlich werden?
Selten, im sehr späten Stadium. Eine stark gequollene Linse kann den Abfluss des Kammerwassers blockieren und einen akuten Glaukomanfall auslösen (phakomorphes Glaukom). Eine überreife Linse kann Eiweiß abgeben, das den Augendruck erhöht oder eine Entzündung auslöst. Beides ist schmerzhaft und ein Grund für eine rasche Operation.
Wie gut ist die Prognose nach der Operation?
Sehr gut, wenn das Auge sonst gesund ist. Die Operation beseitigt den Grauen Star dauerhaft, denn die getrübte Linse ist entfernt und die Kunstlinse trübt in aller Regel nicht ein. Viele Menschen erleben Farben danach intensiver und Kontraste klarer als seit Jahren.
Begrenzt wird das Ergebnis durch andere Augenerkrankungen. Ein Nachstar kann sich entwickeln, lässt sich aber mit dem Laser einfach behandeln.
Auch Jahre nach der Operation ist eine Netzhautablösung möglich, vor allem bei starker Kurzsichtigkeit. Die Warnzeichen sollten Sie deshalb kennen (siehe „Wann sofort zum Arzt?“).
Wie ist die Prognose bei Kindern?
Sie hängt vor allem davon ab, wie früh die Trübung erkannt und behandelt wird. Günstig sind eine beidseitige Trübung, eine frühe Operation und eine konsequente Nachbehandlung. Ungünstiger sind eine einseitige, dichte Trübung, eine späte Operation, ein Augenzittern und Komplikationen nach der Operation.
Bei beidseitiger Operation entwickeln die meisten Kinder auf beiden Augen ein ähnliches Sehen; bei einseitiger bleibt das betroffene Auge oft schwächer. Die Behandlung kann sich über die ganze Kindheit erstrecken.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (5)
Kann man einem Grauen Star vorbeugen?
Sicher verhindern lässt sich der altersbedingte Graue Star nicht, denn die Alterung der Linse ist natürlich. Für keine Maßnahme ist wissenschaftlich belegt, dass sie das Risiko sicher senkt. Einige Gewohnheiten können ihn aber wahrscheinlich hinauszögern:
- Nicht rauchen. Rauchen ist einer der am besten belegten beeinflussbaren Risikofaktoren.
- UV-Schutz: Sonnenbrille mit vollem UV-Schutz (UV 400 bzw. mindestens 99 Prozent) und ein Hut mit Krempe, besonders im Gebirge, am Wasser und bei Arbeit im Freien.
- Diabetes gut einstellen und Blutdruck kontrollieren lassen.
- Alkohol nur in Maßen.
- Ausgewogen essen mit viel Obst, Gemüse, Blattgemüse, Nüssen und Vollkorn.
- Kortison nur so lange und so hoch dosiert wie nötig; Alternativen mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen, nie eigenmächtig absetzen.
Helfen Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel?
Nein, nach heutigem Wissen nicht. Studien zu Vitamin-, Antioxidantien- und Mineralstoffpräparaten haben keinen Schutz vor dem Grauen Star gezeigt. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist sinnvoll, teure Präparate sind es nicht.
Wie schütze ich meine Augen vor Verletzungen?
Viele Verletzungsstare wären mit einer Schutzbrille vermeidbar. Tragen Sie sie beim Heimwerken mit Elektrowerkzeugen, beim Rasenmähen und Heckenschneiden, beim Schweißen und bei Ballsportarten wie Squash. Nach jeder Augenverletzung, auch einer scheinbar harmlosen Prellung, sollten Sie die Augen untersuchen lassen, weil sich eine Trübung erst Jahre später zeigen kann.
Was ist bei Kindern und in der Schwangerschaft wichtig?
Die Rötelnimpfung vor einer Schwangerschaft schützt vor einer der früher häufigsten Ursachen des angeborenen Grauen Stars. Nehmen Sie mit Ihrem Kind alle Früherkennungsuntersuchungen wahr, bei denen der Rotreflex geprüft wird. Gibt es in der Familie einen angeborenen Grauen Star, sollte das Neugeborene früh augenärztlich untersucht werden. Achten Sie auf Fotos mit Blitz: Leuchtet eine Pupille weiß statt rot, lassen Sie das rasch abklären.
Wie komme ich mit einem Grauen Star im Alltag zurecht?
Bis zur Operation erleichtern einfache Hilfen den Alltag:
- helle, blendfreie Beleuchtung, besonders in Treppenhaus, Flur und Bad,
- Stolperfallen wie lose Teppiche und Kabel entfernen, Stufenkanten kontrastreich markieren,
- Lupe und Großdruck nutzen, Schrift am Smartphone vergrößern,
- Brillenstärke aktuell halten und Sonnenbrille mit Blendschutz tragen,
- bei Blendung und Lichthöfen auf Nachtfahrten verzichten und die Fahrtüchtigkeit ehrlich prüfen lassen.
Weil der Graue Star familiär gehäuft auftritt, kann es sinnvoll sein, dass auch Geschwister und Kinder ihre Augen kontrollieren lassen.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (3)
Der Graue Star selbst ist fast nie ein Notfall, denn er entwickelt sich langsam und schmerzlos. Wichtig ist, Beschwerden zu erkennen, die auf etwas anderes hinweisen, und die Warnzeichen nach einer Operation zu kennen.
Sofort zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Augenklinik
Sofort, also noch am selben Tag, müssen Sie bei den folgenden Warnzeichen untersucht werden.
- Nach einer Staroperation: zunehmende Schmerzen, ein zunehmend rotes Auge, Eiter, geschwollene oder verklebte Lider oder ein Sehen, das schlechter ist als am Vortag. Das kann eine Infektion im Auge sein (Endophthalmitis), die meist zwei bis sieben Tage nach dem Eingriff beginnt und jede Stunde zählt.
- Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte oder ein Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld – auch Monate oder Jahre nach einer Staroperation. Das kann eine Netzhautablösung sein.
- Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge, egal ob mit oder ohne Schmerzen. Er passt nicht zum Grauen Star und kann zum Beispiel auf einen Gefäßverschluss im Auge hinweisen.
- Ein hartes, rotes, schmerzendes Auge mit Kopfschmerz, Übelkeit und verschwommenem Sehen, eventuell mit Regenbogenringen um Lichter. Das kann ein akuter Glaukomanfall sein, selten auch durch eine stark gequollene Linse.
- Plötzlich auftretende Doppelbilder, die verschwinden, wenn man ein Auge zuhält. Sie kommen nicht von der Linse und können auf eine Störung der Augenmuskelnerven oder des Gehirns hinweisen.
- Augenverletzung durch Schlag, Stich, Fremdkörper, Chemikalien oder Strom.
Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an eine Augenklinik mit Notdienst. In Deutschland erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450; in lebensbedrohlichen Situationen gilt in beiden Ländern der Notruf 112 (in Österreich auch 144).
Innerhalb weniger Tage
Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin bekommen, wenn eines dieser Zeichen auftritt.
- Ein Baby oder Kind mit weißlicher Pupille, ungleichem oder fehlendem Rotreflex (auch auf Blitzfotos), Augenzittern oder neu aufgetretenem Schielen. Das kann ein angeborener Grauer Star sein, aber auch ein Netzhauttumor; beides muss rasch abgeklärt werden, beim Grauen Star wegen der drohenden Schwachsichtigkeit.
- Nach einer Staroperation: anhaltend unscharfes Sehen, Lichtempfindlichkeit oder Beschwerden, die nicht besser werden.
- Rasch zunehmende Sehverschlechterung über Wochen, besonders bei Diabetes oder Kortison-Therapie.
Routinemäßig in den nächsten Wochen
Ein regulärer Termin in den nächsten Wochen genügt bei den typischen, langsam zunehmenden Beschwerden.
- langsam zunehmend verschwommenes Sehen, Blendung bei Nacht oder Gegenlicht,
- blasser wirkende Farben, Lichthöfe um Lampen,
- eine Brille, die schon nach kurzer Zeit nicht mehr passt,
- Lesen plötzlich wieder ohne Lesebrille,
- Unsicherheit beim Autofahren.
Diese Beschwerden sind typisch für einen Grauen Star, können aber auch andere Ursachen haben. Eine Untersuchung klärt das zuverlässig.
9 Häufige Fragen
Kann man Grauen Star ohne Operation behandeln?
Nein. Es gibt keine Tropfen, Tabletten oder Vitamine, die eine Linsentrübung auflösen oder nachweislich bremsen. Im Frühstadium helfen eine angepasste Brille, helles Licht und Blendschutz. Die einzige Behandlung, die den Grauen Star beseitigt, ist die Operation mit Kunstlinse.
Wann sollte man den Grauen Star operieren lassen?
Wenn er Sie im Alltag stört und eine neue Brille nicht mehr ausreicht, zum Beispiel beim Autofahren, Lesen, im Beruf oder bei Hobbys. Einen festen Grenzwert der Sehschärfe gibt es nicht. Eilig ist es meist nicht; eine sehr dichte Linse macht die Operation aber schwieriger, deshalb sollte man nicht unnötig lange warten.
Tut die Grauer-Star-Operation weh?
Nein. Das Auge wird mit Tropfen oder Gel betäubt, manchmal zusätzlich mit einer Spritze. Sie sind wach, spüren höchstens etwas Druck und sehen nur Licht und Bewegung. Danach ist das Auge bei den meisten schmerzfrei; ein leichtes Kratzen für einige Tage ist normal.
Wie lange dauert die Heilung nach der Katarakt-OP?
Viele sehen schon am nächsten Tag deutlich besser. Das Auge heilt in etwa vier bis sechs Wochen vollständig aus. In dieser Zeit tropfen Sie entzündungshemmende Tropfen, schützen das Auge vor Druck, Wasser und Schmutz und verzichten auf Schwimmen, Sauna und schweres Heben. Eine neue Brille wird nach etwa ein bis zwei Monaten angepasst.
Brauche ich nach der Staroperation noch eine Brille?
Das hängt von der Kunstlinse ab. Mit der üblichen monofokalen Linse sehen Sie meist in der Ferne ohne Brille gut und brauchen eine Lesebrille. Multifokale Linsen machen oft weitgehend brillenfrei, können aber Kontrast kosten und nachts Lichthöfe verursachen. Torische Linsen gleichen zusätzlich eine Hornhautverkrümmung aus.
Zahlt die Krankenkasse die Grauer-Star-OP?
Ja, in Deutschland und Österreich übernehmen die Krankenkassen die medizinisch nötige Operation mit einer monofokalen Standardlinse. Sonderlinsen wie torische oder multifokale Linsen, manche Zusatzmessungen und der Femtosekundenlaser müssen in der Regel selbst bezahlt werden. Lassen Sie sich vorher einen Kostenvoranschlag geben.
Kann der Graue Star nach der Operation wiederkommen?
Der Graue Star selbst nicht, denn die getrübte Linse ist entfernt. Bei etwa einem Fünftel bis der Hälfte der Operierten trübt sich aber in den folgenden Jahren die zurückgelassene Linsenkapsel ein. Dieser Nachstar lässt sich mit einem kurzen, schmerzfreien Laser beheben.
Wann darf ich nach der Katarakt-OP wieder Auto fahren?
Erst, wenn die Augenärztin oder der Augenarzt Ihr Sehen dafür freigibt. Am Operationstag und meist auch in den ersten Tagen danach dürfen Sie nicht selbst fahren. In Deutschland ist für das Autofahren eine Sehschärfe von mindestens 0,5 nötig; auch das noch nicht operierte zweite Auge spielt dabei eine Rolle.
Warum kann ich plötzlich wieder ohne Lesebrille lesen?
Das ist oft ein frühes Zeichen eines Kernstars. Der verdichtete Linsenkern bricht das Licht stärker, das Auge wird kurzsichtiger, und man liest vorübergehend wieder ohne Brille. Die Besserung hält nicht an, und das Sehen in die Ferne verschlechtert sich. Lassen Sie das augenärztlich untersuchen.
Kann der Graue Star von einem Auge auf das andere übergehen?
Nein, er ist weder ansteckend noch springt er über. Häufig sind aber beide Augen betroffen, nur unterschiedlich stark. Deshalb wird oft zuerst das schlechtere Auge operiert und das zweite einige Tage bis Wochen später.
Können auch Kinder oder junge Menschen Grauen Star bekommen?
Ja. Babys können mit einem Grauen Star geboren werden, etwa durch Erbanlagen, Infektionen in der Schwangerschaft oder Stoffwechselstörungen. Bei jungen Menschen entsteht er vor allem nach Augenverletzungen, bei Diabetes, durch Kortison oder bei Entzündungen im Auge. Bei Kindern muss er früh behandelt werden, damit das Sehen sich normal entwickeln kann.
Was kann ich selbst gegen Grauen Star tun?
Ganz verhindern lässt er sich nicht. Sinnvoll sind Nichtrauchen, eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, ein gut eingestellter Diabetes, wenig Alkohol, eine Schutzbrille bei gefährlichen Arbeiten und regelmäßige Augenkontrollen. Nahrungsergänzungsmittel schützen nach heutigem Wissen nicht.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 32 Quellen anzeigen
- Grauer Star (Katarakt) – Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (DE)
- Grauer Star (Katarakt): Symptome, Behandlung & Tipps – aponet.de (ABDA) (DE)
- Operation bei Grauem Star – Apotheken Umschau (DE)
- Cataract – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Cataract Surgery Complications – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Posterior Capsule Opacification – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Cataracts in adults – NHS (EN)
- Cataract surgery – NHS (EN)
- Childhood cataracts – NHS (EN)
- Cataracts – National Eye Institute (NIH) (EN)
- What Are Cataracts? – American Academy of Ophthalmology (EN)
- What Is Cataract Surgery? – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Causes of blindness and vision impairment in 2020 and trends over 30 years (GBD 2019) – The Lancet Global Health (EN)
- Fiche pertinence des soins : indications et contre-indications de la chirurgie de la cataracte liée à l'âge – Haute Autorité de santé (HAS) (FR)
- Chirurgie de la cataracte : la qualité de vie du patient avant tout – Haute Autorité de santé (HAS) (FR)
- Chirurgie de la cataracte : l'anesthésie locale avec ou sans sédation indiquée en 1ère intention – Haute Autorité de santé (HAS) (FR)
- Cataracte – Sante.fr (Service public d'information en santé) (FR)
- Cataracte (Item 127) – Université Médicale Virtuelle Francophone (UMVF) (FR)
- Fiche d'information n° 1A : Opération de la cataracte – Société Française d'Ophtalmologie (SFO) / SNOF (FR)
- Cataracte congénitale – Manuel MSD, version grand public (FR)
- Cataratas – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Catarata congénita (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Cataratas en adultos – MedlinePlus en español (NIH) (ES)
- Las cataratas – National Eye Institute (NIH), en español (ES)
- Catarata congénita – Manual MSD, versión profesional (ES)
- El tratamiento quirúrgico para la catarata causada por los cambios de envejecimiento en el lente – Cochrane (ES)
- ¿Qué provoca las cataratas en los ojos y cómo prevenirlas? – Centro de Oftalmología Barraquer (ES)
- The Royal College of Ophthalmologists' National Ophthalmology Database study of cataract surgery: report 1, visual outcomes and complications – Eye (Lond) 2015, Day et al. (EN)
- Risk for retinal detachment after phacoemulsification: a whole-population study of cataract surgery outcomes – Archives of Ophthalmology 2012, Clark et al. (EN)
- Corticosteroid-induced posterior subcapsular cataract – Česká a slovenská oftalmologie 2018 (EN)
- Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 6: Anforderungen an das Sehvermögen – Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (DE)
- Grauer Star – Kepler Universitätsklinikum Linz, Augenheilkunde und Optometrie (DE)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss