Venenverschluss der Netzhaut (Retinaler Venenverschluss)
Beim Venenverschluss der Netzhaut verstopft ein Blutgerinnsel die zentrale Netzhautvene oder einen ihrer Äste, meist bei Menschen über 50 mit Bluthochdruck oder anderen Gefäßrisiken. Typisch ist eine plötzliche, schmerzlose Sehverschlechterung an einem Auge; die Folgen, vor allem die Schwellung der Makula, lassen sich heute oft gut behandeln.
1 Kurzübersicht
Ein Venenverschluss der Netzhaut ist eine Thrombose im Auge: Ein Blutgerinnsel verlegt eine Vene, die verbrauchtes Blut aus der Netzhaut abführt. Die Netzhaut (Retina) ist die lichtempfindliche Schicht an der Innenwand des Auges. Das Blut fließt über die Arterien weiter hinein, kann aber nicht mehr richtig abfließen. Es staut sich, die Gefäße werden undicht, es kommt zu Blutungen und Schwellungen in der Netzhaut.
Fachleute unterscheiden zwei Hauptformen. Beim Zentralvenenverschluss ist der Hauptstamm am Sehnerv betroffen und damit die ganze Netzhaut. Beim Venenastverschluss ist nur ein Ast verstopft, betroffen ist dann ein Sektor, oft ein Viertel der Netzhaut. Der Astverschluss ist deutlich häufiger. Dazwischen liegt der Hemi-Zentralvenenverschluss, bei dem die obere oder untere Hälfte betroffen ist.
Wie stark das Sehen leidet, hängt vor allem von zwei Dingen ab: ob die Makula (die Stelle des schärfsten Sehens) anschwillt, und wie stark die Netzhaut mit Sauerstoff unterversorgt ist (Ischämie). Das Makulaödem ist die häufigste Ursache für eine bleibende Sehminderung. Der Sauerstoffmangel kann Wochen bis Monate später krankhafte neue Gefäße auslösen, die bluten oder einen schweren Grünen Star verursachen können.
Die verstopfte Vene selbst lässt sich nicht wieder öffnen. Gut behandelbar sind aber die Folgen: Spritzen ins Auge lassen die Schwellung abklingen und bessern bei etwa der Hälfte der Behandelten das Sehen deutlich. Laser kann gefährliche Folgen von Gefäßneubildungen meist verhindern. Ebenso wichtig ist der Blick auf den ganzen Körper: Bluthochdruck, Blutfette, Zucker und Augeninnendruck gehören untersucht und behandelt, denn sie erhöhen auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
2 Symptome
In diesem Kapitel (14)
- Was ist das typische Symptom eines Venenverschlusses?
- Kommt die Sehverschlechterung immer plötzlich?
- Wie fühlt sich das Sehen mit einem Venenverschluss an?
- Warum ist das Sehen morgens oft schlechter als abends?
- Welche Teile des Gesichtsfelds fallen aus?
- Sieht man verzerrt oder dunkle Flecken?
- Wie stark kann die Sehschärfe sinken?
- Wie verändert sich das Lesen?
- Kann ein Venenverschluss ohne Beschwerden verlaufen?
- Ist meist nur ein Auge betroffen?
- Welche Beschwerden können Wochen oder Monate später auftreten?
- Woran erkennt man den Unterschied zu anderen plötzlichen Sehstörungen?
- Was bemerken Angehörige?
- Gibt es Besonderheiten bei Kindern, Jüngeren und Älteren?
Was ist das typische Symptom eines Venenverschlusses?
Das Leitsymptom ist eine schmerzlose Sehverschlechterung an einem Auge, die meist plötzlich auftritt. Das Auge sieht von außen völlig normal aus: Es ist weiß, nicht gerötet und tut nicht weh. Genau das verleitet viele dazu, abzuwarten.
Alle Quellen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, der Schweiz und Spanien beschreiben dieses Bild übereinstimmend. Schmerzen gehören nicht zum frischen Venenverschluss. Treten sie auf, spricht das für eine Komplikation, meist Wochen oder Monate später.
Kommt die Sehverschlechterung immer plötzlich?
Nein, sie kann auch schleichend über einige Tage bis Wochen zunehmen. Der Stau in der Vene baut sich manchmal über Stunden oder Tage auf, bis er sein volles Ausmaß erreicht. Manche Betroffene bemerken zunächst nur einen leichten Schleier, der dann dichter wird.
Ein Venenverschluss verläuft dadurch oft unauffälliger als ein Arterienverschluss der Netzhaut, bei dem das Sehen schlagartig innerhalb von Sekunden wegbricht. Deutlich spürbar wird der Venenverschluss meist erst, wenn die Netzhautmitte beteiligt ist.
Wie fühlt sich das Sehen mit einem Venenverschluss an?
Die meisten beschreiben es als Sehen „wie durch einen Schleier“ oder durch eine beschlagene Scheibe. Bilder wirken verschwommen und kontrastarm, als hätte man die falsche Brille auf. Das Lesen fällt schwer, weil Buchstaben unscharf werden oder verschwimmen.
Dahinter steckt meist das Makulaödem: Flüssigkeit aus den undichten Gefäßen sammelt sich in der Makula. Diese winzige Stelle ist für scharfes Sehen, Lesen, Farbwahrnehmung und das Erkennen von Gesichtern zuständig. Schwillt sie an, leidet genau das, was im Alltag am meisten zählt.
Warum ist das Sehen morgens oft schlechter als abends?
Viele Betroffene sehen morgens schlechter als am Abend, und das ist typisch für den Venenverschluss. Beim flachen Liegen in der Nacht fließt Gewebewasser aus dem Kopfbereich schlechter ab und staut sich zusätzlich in der Netzhaut. Im Lauf des Tages, in aufrechter Haltung, bessert sich die Schwellung wieder etwas.
Die deutsche Patienteninformation von BVA und DOG empfiehlt deshalb, nachts den Kopf etwas höher zu lagern, wenn dieses Muster auftritt. Oft reicht ein zusätzliches Kissen. Die Schwankung selbst ist kein Grund zur Panik, sollte aber der Augenärztin oder dem Augenarzt berichtet werden.
Welche Teile des Gesichtsfelds fallen aus?
Welcher Bereich betroffen ist, hängt davon ab, welche Vene verschlossen ist. Der Ausfall liegt im Gesichtsfeld immer gegenüber der betroffenen Netzhautstelle, weil das Auge das Bild seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend abbildet.
| Form | Betroffene Netzhaut | Was man typischerweise bemerkt |
|---|---|---|
| Zentralvenenverschluss | gesamte Netzhaut | Schleier über dem ganzen Bild, Mitte und Rand verschlechtert |
| Hemi-Zentralvenenverschluss | obere oder untere Hälfte | untere oder obere Hälfte des Bildes verschwommen oder dunkler |
| Venenastverschluss (großer Ast) | etwa ein Viertel | Ausfall eines Viertels am Rand, oft unten oder oben |
| Venenastverschluss nahe der Makula | kleiner Sektor an der Mitte | zentrale Unschärfe, Verzerrungen, Leseprobleme |
| kleiner Ast am Rand | kleiner Sektor außen | oft gar nichts |
Beim Astverschluss ist die obere äußere Netzhaut am häufigsten betroffen, weil dort die meisten Kreuzungen von Arterien und Venen liegen. Entsprechend sehen viele Betroffene die untere Hälfte des Bildes schlechter, etwa die Stufen beim Treppensteigen oder den Teller auf dem Tisch.
Sieht man verzerrt oder dunkle Flecken?
Ja, neben der Unschärfe sind Verzerrungen (Metamorphopsien) und dunkle Flecken (Skotome) häufig. Gerade Linien wie Türrahmen, Fliesenfugen oder Zeilen erscheinen gewellt oder geknickt. Das entsteht, weil die geschwollene Makula die Sinneszellen gegeneinander verschiebt.
Skotome sind Stellen im Bild, die fehlen, grau oder dunkel wirken. Sie können klein und zentral liegen, sodass beim Lesen einzelne Buchstaben verschwinden. Oder sie liegen am Rand und fallen erst auf, wenn man gegen etwas stößt. Manche Betroffene berichten außerdem, dass Farben blasser oder verändert wirken.
Wie stark kann die Sehschärfe sinken?
Die Spanne ist sehr groß: von kaum merklicher Unschärfe bis zu bloßer Lichtwahrnehmung. Wie stark das Sehen sinkt, hängt davon ab, ob die Makula schwillt und wie gut die feinsten Netzhautgefäße (Kapillaren) noch durchblutet sind.
- Nicht-ischämischer Zentralvenenverschluss (Netzhaut noch ausreichend durchblutet): meist leichte bis mittlere Unschärfe, häufig mit einer Sehschärfe von 0,1 oder besser, oft mit Schwankungen über den Tag.
- Ischämischer Zentralvenenverschluss (Netzhaut stark unterversorgt): plötzlicher, starker Sehverlust, oft unter 0,1, nicht selten unter 0,05. Die Pupille reagiert auf Licht schwächer als am gesunden Auge.
- Venenastverschluss: meist mäßige Minderung; in einer Auswertung lag die mittlere Sehschärfe um 0,3 bis 0,4. Liegt der Ast weit außen, kann die Sehschärfe normal bleiben.
Die Sehschärfe kurz nach dem Ereignis ist der beste Hinweis darauf, wie es weitergeht. Deshalb wird sie bei jedem Termin genau gemessen.
Wie verändert sich das Lesen?
Lesen ist oft das Erste, was spürbar schwerfällt, sobald die Makula anschwillt. Buchstaben wirken verwaschen, Zeilen scheinen zu wandern oder sich zu wellen, und einzelne Buchstaben oder Wortteile fehlen.
Viele brauchen mehr Licht und eine stärkere Vergrößerung als früher. Kleine Schrift auf Beipackzetteln oder Preisschildern wird zuerst unlesbar. Weil die Mitte betroffen ist, hilft eine neue Brille kaum. Auch Gesichter können verschwommen wirken, sodass man Bekannte erst aus der Nähe erkennt.
Kann ein Venenverschluss ohne Beschwerden verlaufen?
Ja, vor allem kleine Astverschlüsse am Rand der Netzhaut bleiben oft unbemerkt. Ist die Makula nicht betroffen, gleicht das Gehirn kleine Lücken im Gesichtsfeld aus, und das gesunde Auge übernimmt. Solche Verschlüsse werden häufig zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt, etwa bei einer Brillenbestimmung oder einer Glaukomkontrolle.
Manchmal fällt die Einschränkung erst auf, wenn man zufällig das gesunde Auge zuhält, zum Beispiel beim Reiben des Auges oder beim Blick durch ein Fernglas. Ein solcher Selbstvergleich kann hilfreich sein, ersetzt aber keine Untersuchung. Auch ein unbemerkter Verschluss sollte augenärztlich kontrolliert werden, weil später Komplikationen entstehen können.
Ist meist nur ein Auge betroffen?
Ja, der Venenverschluss tritt fast immer an einem Auge auf. Ein gleichzeitiger Zentralvenenverschluss an beiden Augen ist selten; er spricht für eine allgemeine Ursache wie eine Blut- oder Gerinnungserkrankung und wird dann besonders gründlich abgeklärt.
Das zweite Auge kann allerdings später erkranken. Je nach Studie trifft es innerhalb einiger Jahre etwa 5 bis 15 Prozent der Betroffenen, im Mittel nach etwa eineinhalb Jahren. Eine neue Sehverschlechterung am bisher gesunden Auge ist deshalb immer ein Grund für einen raschen Termin.
Welche Beschwerden können Wochen oder Monate später auftreten?
Spätere Beschwerden weisen meist auf eine Komplikation hin und sind ernster zu nehmen als die ersten Symptome. Wichtig sind vor allem zwei Bilder.
Rußregen und plötzliche Verschlechterung: Blutung in den Glaskörper
Bei Sauerstoffmangel bilden sich manchmal neue, brüchige Gefäße auf der Netzhaut. Reißen sie ein, blutet es in den Glaskörper, die gelartige Füllung des Auges. Betroffene sehen dann plötzlich viele schwarze Punkte, Schlieren oder einen „Rußregen“, oft gefolgt von einer deutlichen Verschlechterung bis hin zu einem dunklen Vorhang. Das kann der erste Hinweis auf einen bis dahin unbemerkten Astverschluss sein.
Rotes, schmerzendes Auge: Neovaskularisationsglaukom
Wachsen neue Gefäße auf der Regenbogenhaut und im Kammerwinkel, verlegen sie den Abfluss des Kammerwassers. Der Augeninnendruck steigt stark an. Typisch sind ein gerötetes, stark schmerzendes Auge, oft mit Kopfschmerz, eine trübe, geschwollene Hornhaut, Sehen von farbigen Ringen und weiterer Sehverlust. Diese Komplikation tritt vor allem nach einem ischämischen Zentralvenenverschluss auf, häufig zwei bis vier Monate danach, und wird deshalb auch „100-Tage-Glaukom“ genannt.
Bleibende Unschärfe in der Mitte
Hält das Makulaödem lange an, kann ein dauerhafter dunkler oder verschwommener Fleck in der Mitte bleiben. Auch eine bleibende Verzerrung ist möglich. Diese Restbeschwerden zeigen sich oft erst, wenn die frischen Blutungen abgebaut sind.
Woran erkennt man den Unterschied zu anderen plötzlichen Sehstörungen?
Sicher unterscheiden lässt sich das nur bei der Untersuchung des Augenhintergrunds; einige Merkmale geben aber Hinweise. Der Venenverschluss ist schmerzlos, betrifft meist ein Auge und zeigt oft einen Schleier, der morgens stärker ist.
- Arterienverschluss: schlagartiger, meist sehr starker Sehverlust innerhalb von Sekunden, ebenfalls schmerzlos. Er ist ein Notfall mit engem Zeitfenster und kann Vorbote eines Schlaganfalls sein.
- Netzhautablösung: Lichtblitze, viele neue Mouches volantes, dann ein Schatten oder Vorhang, der sich von außen ausbreitet (siehe Netzhautablösung).
- Akuter Glaukomanfall: plötzliche starke Augen- und Kopfschmerzen, rotes Auge, oft Übelkeit (siehe Akuter Glaukomanfall).
- Sehnerventzündung: eher jüngere Menschen, Schmerzen bei Augenbewegung, blasses Farbsehen.
Bei jeder plötzlichen Sehverschlechterung gilt deshalb: nicht selbst einordnen, sondern zeitnah untersuchen lassen.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige fallen oft Veränderungen im Alltag auf, bevor die betroffene Person selbst sie ernst nimmt. Die Fachquellen beschreiben das nicht eigens; die folgenden Beobachtungen ergeben sich aus den typischen Symptomen.
- Die Person hält Zeitungen anders, braucht mehr Licht oder liest langsamer.
- Sie stößt auf einer Seite an Türrahmen oder übersieht Gegenstände auf dem Tisch.
- Sie ist unsicher beim Treppensteigen, besonders abwärts.
- Sie erwähnt, dass morgens „alles neblig“ sei.
- Sie kneift ein Auge zu oder dreht den Kopf, um besser zu sehen.
Wer so etwas bemerkt, sollte nachfragen und einen Augenarzttermin anregen. Ältere Menschen schieben eine Sehverschlechterung häufig auf das Alter oder die Brille.
Gibt es Besonderheiten bei Kindern, Jüngeren und Älteren?
Bei Kindern kommt ein Venenverschluss praktisch nicht vor; die Fachquellen nennen dazu keine Daten. Es handelt sich um eine Erkrankung des mittleren und höheren Lebensalters, die meist nach dem 50. und in drei Viertel der Fälle nach dem 60. Lebensjahr auftritt.
Bei jüngeren Erwachsenen unter etwa 45 bis 50 Jahren ist der Venenverschluss selten. Er verläuft hier häufig milder, wird aber besonders gründlich auf Ursachen wie Gerinnungsstörungen, Entzündungen oder die Antibabypille untersucht. Bei älteren Menschen sind die Beschwerden dieselben; sie fallen aber oft später auf, weil zusätzlich ein Grauer Star oder eine Makulaerkrankung das Sehen trübt und die neue Verschlechterung überdeckt.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (9)
- Was passiert im Auge bei einem Venenverschluss?
- Warum verstopft die Vene?
- Welche Risikofaktoren sind am wichtigsten?
- Welche Rolle spielt der Augeninnendruck?
- Können Blutgerinnungsstörungen dahinterstecken?
- Welche selteneren Ursachen gibt es?
- Erhöht die Pille das Risiko?
- Ist ein Venenverschluss erblich?
- Gibt es immer eine erkennbare Ursache?
Was passiert im Auge bei einem Venenverschluss?
Ein Blutgerinnsel (Thrombus) verengt oder verschließt die Vene, und das Blut staut sich davor. Der Druck in den kleinen Gefäßen steigt, ihre Wände werden durchlässig. Blut und Blutflüssigkeit treten in die Netzhaut aus: Es entstehen Blutungen, Schwellungen und Bereiche mit Sauerstoffmangel.
Die schlecht versorgte Netzhaut schüttet den Botenstoff VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor) und Entzündungsstoffe aus. VEGF macht die Gefäße noch undichter, was das Makulaödem verstärkt, und regt das Wachstum neuer, krankhafter Gefäße an. Genau an dieser Stelle setzen die heutigen Spritzen an.
Warum verstopft die Vene?
Meist ist eine verhärtete Arterie der Auslöser, die auf die benachbarte Vene drückt. Arterie und Vene liegen an mehreren Stellen eng beieinander und teilen sich eine gemeinsame Bindegewebshülle.
- Beim Zentralvenenverschluss liegt die Engstelle im Sehnervenkopf, an der Siebplatte (Lamina cribrosa). Dort laufen Zentralarterie und Zentralvene auf engstem Raum nebeneinander. Eine durch Arteriosklerose verdickte Arterienwand kann die dünnwandige Vene einengen.
- Beim Venenastverschluss sitzt der Verschluss fast immer an einer Kreuzung, an der die steifere Arterie über die Vene läuft. Betroffen ist das dreieckige Netzhautgebiet hinter der Kreuzung; je näher sie am Sehnerv liegt, desto größer das Gebiet.
Durch die Einengung fließt das Blut langsamer und verwirbelt, was die Bildung eines Gerinnsels begünstigt. Ein zweiter Weg ist ein verändertes Blut, das dicker ist oder leichter gerinnt. Feingewebliche Untersuchungen zeigen bei Älteren an den Netzhautgefäßen ähnliche Veränderungen wie bei Herz-Kreislauf-Kranken.
Welche Risikofaktoren sind am wichtigsten?
Der wichtigste einzelne Risikofaktor ist das Alter, der wichtigste behandelbare ist der Bluthochdruck. In großen Auswertungen hat etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Betroffenen einen Bluthochdruck; das Risiko ist dadurch etwa zwei- bis viermal so hoch.
| Risikofaktor | Was bekannt ist |
|---|---|
| Alter über 50 | Häufigkeit steigt mit jedem Jahrzehnt deutlich an |
| Bluthochdruck | stärkster behandelbarer Faktor; bei Zentralvenenverschluss über 50 Jahren bis zu 73 % |
| erhöhte Blutfette | bei etwa einem Drittel der Betroffenen; bei Jüngeren besonders bedeutsam |
| Grüner Star, erhöhter Augeninnendruck | vor allem beim Zentralvenenverschluss; etwa 10 % haben ein Glaukom, etwa 20 % einen erhöhten Augendruck |
| Diabetes | in vielen Quellen genannt; Zusammenhang am deutlichsten beim Zentralvenenverschluss, verschlechtert vor allem den Verlauf |
| Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel | als allgemeine Gefäßrisiken genannt, Studienlage teils uneinheitlich |
| Arteriosklerose, frühere Gefäßereignisse | z. B. Schlaganfall in der Vorgeschichte |
Bei Diabetes sind die Quellen nicht einig: Die meisten Patientenseiten zählen ihn zu den Risikofaktoren, der französische Fachbericht der SFO und eine Metaanalyse zum Astverschluss fanden keinen klaren Zusammenhang. Sicher ist, dass Diabetes den Verlauf ungünstig beeinflusst. Er wird deshalb immer mit abgeklärt. Mit der diabetischen Retinopathie ist der Venenverschluss nicht zu verwechseln, auch wenn beide ähnliche Folgen haben können.
Welche Rolle spielt der Augeninnendruck?
Ein erhöhter Augeninnendruck oder ein schlecht eingestellter Grüner Star erhöht das Risiko vor allem für den Zentralvenenverschluss. Der Druck im Auge wirkt von außen auf die Vene im Sehnervenkopf und erschwert den Abfluss.
Deshalb gehört die Messung des Augeninnendrucks bei jedem Venenverschluss zur Grundabklärung, auch am anderen Auge. Die französische Universitätslehre empfiehlt sogar ein Tagesprofil, also mehrere Messungen über den Tag verteilt. Ein Glaukom oder ein erhöhter Augendruck muss immer ausgeschlossen werden.
Können Blutgerinnungsstörungen dahinterstecken?
Ja, aber nur selten, und vor allem bei jüngeren Menschen. Bei über 50-Jährigen mit den üblichen Gefäßrisiken spielen erbliche Gerinnungsstörungen kaum eine Rolle.
Bei Jüngeren unter etwa 45 bis 50 Jahren, bei Menschen ohne erkennbare Risikofaktoren und bei Verschlüssen an beiden Augen wird gezielt gesucht. Infrage kommen zum Beispiel erbliche Thromboseneigungen (etwa Faktor-V-Leiden), ein Antiphospholipid-Syndrom (Antikörper, die die Gerinnung fördern) oder ein erhöhter Homocysteinspiegel. Ein Routine-Gerinnungstest für alle wird dagegen nicht empfohlen, weil er bei Älteren kaum Konsequenzen hat.
Welche selteneren Ursachen gibt es?
Seltener stecken Erkrankungen dahinter, die das Blut verdicken oder die Gefäße entzünden. Sie werden vor allem gesucht, wenn das typische Risikoprofil fehlt.
- Bluterkrankungen mit dickflüssigem Blut, etwa Myelom (Knochenmarkkrebs mit Eiweißvermehrung) oder myeloproliferative Erkrankungen
- entzündliche Gefäß- und Systemerkrankungen wie Morbus Behçet, Sarkoidose, Lupus oder Vaskulitiden
- Infektionen wie Tuberkulose, Syphilis oder HIV
- chronische Nierenerkrankung
- starker Flüssigkeitsmangel
- Erkrankungen der Augenhöhle, die auf die Gefäße drücken
- einzelne Medikamente, etwa Interferon-alpha
Erhöht die Pille das Risiko?
Bei jungen Frauen ist die Einnahme der Pille (orale Verhütungsmittel) der häufigste begleitende Faktor. Als alleinige Ursache ist das nicht bewiesen, wird aber ernst genommen.
Internationale Fachquellen raten, nach einem Venenverschluss auf eine hormonelle Verhütung mit Östrogen möglichst zu verzichten und das mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt zu besprechen. Auch eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren gilt in einer Schweizer Übersicht als relativ ungünstig, während der französische Fachbericht sie eher als schützend einordnet. Hier ist eine Einzelfallentscheidung nötig.
Ist ein Venenverschluss erblich?
Im üblichen Sinn nein. In Frankreich wurden zwar Familien beschrieben, in denen mehrere Mitglieder einen Venenverschluss hatten. Solche Häufungen können aber auch durch gemeinsame Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erbliche Gerinnungsneigungen zustande kommen.
Gibt es immer eine erkennbare Ursache?
Nein, bei manchen Betroffenen findet sich keine eindeutige Ursache. Mitunter liegt eine anatomische Besonderheit gerade dieses Auges vor, etwa eine besonders enge Gefäßkreuzung. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein Grund, die allgemeinen Gefäßrisiken trotzdem regelmäßig prüfen zu lassen.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose?
- Was sieht man am Augenhintergrund?
- Wozu dient die OCT?
- Was passiert bei der Fluoreszeinangiografie?
- Woran erkennt man, ob die Netzhaut stark unterversorgt ist?
- Welche weiteren Augenuntersuchungen gehören dazu?
- Warum soll ich zur Hausärztin oder zum Internisten?
- Mit welchen Erkrankungen kann man ihn verwechseln?
Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose?
Die Diagnose wird durch den Blick auf den Augenhintergrund bei erweiterter Pupille gestellt und ist meist eindeutig. Ergänzende Geräteuntersuchungen bestimmen, wie stark die Makula geschwollen und wie gut die Netzhaut durchblutet ist.
Die gemeinsame Stellungnahme der deutschen Fachgesellschaften BVA, DOG und Retinologische Gesellschaft (2018) nennt für die Erstuntersuchung:
- Sehschärfe mit bestmöglicher Brillenkorrektur
- Untersuchung der Regenbogenhaut auf neue Gefäße (Rubeosis iridis) bei noch enger Pupille, besonders beim Zentralvenenverschluss
- Untersuchung der gesamten Netzhaut bei weitgestellter Pupille
- Optische Kohärenztomografie (OCT)
- Messung des Augeninnendrucks
- Fluoreszeinangiografie, sobald die Netzhaut ausreichend beurteilbar ist, spätestens nach vier Monaten
Was sieht man am Augenhintergrund?
Typisch sind gestaute, erweiterte und geschlängelte Venen mit zahlreichen Blutungen. Die Blutungen sind oft flammenförmig, manchmal tief und fleckig. Dazu kommen weiße, flauschige Flecken (Cotton-wool-Herde), die kleine Bereiche mit Sauerstoffmangel anzeigen, sowie Schwellungen von Netzhaut und Sehnervenkopf.
Beim Zentralvenenverschluss sind diese Zeichen über die ganze Netzhaut verteilt, in allen vier Vierteln. Beim Astverschluss beschränken sie sich auf das Gebiet hinter der verschlossenen Kreuzung. Bei älteren Verschlüssen sieht man Umgehungsgefäße (Kollateralen) und weißliche Gefäßscheiden.
Wozu dient die OCT?
Die optische Kohärenztomografie (OCT) zeigt Schnittbilder der Netzhaut und misst genau, wie dick die Makula ist. Sie arbeitet mit Licht, ist berührungsfrei und schmerzlos und dauert nur Sekunden bis wenige Minuten je Auge.
Die OCT ist die wichtigste Untersuchung für das Makulaödem. Sie zeigt Flüssigkeit oft schon, bevor sie Beschwerden macht. Bei jeder Kontrolle unter Spritzenbehandlung entscheidet die OCT mit darüber, ob erneut gespritzt wird. In manchen Kliniken steht zusätzlich die OCT-Angiografie zur Verfügung, die die Durchblutung ohne Farbstoff darstellt.
Was passiert bei der Fluoreszeinangiografie?
Bei der Fluoreszeinangiografie wird ein gelber Farbstoff in eine Armvene gespritzt und dann eine Fotoserie der Netzhaut aufgenommen. Der Farbstoff verteilt sich in Sekunden in den Augengefäßen und macht sichtbar, wo Gefäße undicht sind und wo die Durchblutung fehlt.
Diese Untersuchung ist die beste Methode, um einen ischämischen von einem nicht-ischämischen Verschluss zu unterscheiden. Als ischämisch gilt nach gängiger Definition ein Zentralvenenverschluss mit mehr als zehn Papillenflächen nicht durchbluteter Netzhaut. Frische, dichte Blutungen verdecken die Netzhaut anfangs; deshalb wird die Angiografie oft erst nach einigen Wochen gemacht. Haut und Urin können danach für einige Stunden gelblich gefärbt sein.
Woran erkennt man, ob die Netzhaut stark unterversorgt ist?
Mehrere Zeichen sprechen für einen ischämischen Verschluss mit ungünstigerer Prognose. Keines ist allein beweisend; erst zusammen ergeben sie ein klares Bild.
- Sehschärfe stark gemindert, etwa unter 0,1
- gestörte Pupillenreaktion: Die Pupille des kranken Auges verengt sich auf Licht schwächer (relativer afferenter Pupillendefekt)
- tiefe, dunkle, fleckige Blutungen
- viele Cotton-wool-Herde, etwa mehr als zehn
- große nicht durchblutete Flächen in der Angiografie
- abgeschwächte Antwort in der Elektroretinografie (Messung der elektrischen Netzhautaktivität), in spezialisierten Zentren
Wichtig: Ein anfangs nicht-ischämischer Verschluss kann im Verlauf in einen ischämischen übergehen. Das geschieht bei etwa einem Viertel bis einem Drittel innerhalb der ersten Jahre, am häufigsten in den ersten Monaten. Deshalb sind engmaschige Kontrollen nötig, auch wenn es anfangs gut aussieht.
Welche weiteren Augenuntersuchungen gehören dazu?
Ergänzend werden meist das Gesichtsfeld geprüft, Netzhautfotos zur Dokumentation angefertigt und das andere Auge vollständig untersucht. Bei Verdacht auf Gefäßneubildungen untersucht die Augenärztin oder der Augenarzt den Kammerwinkel mit einem Kontaktglas (Gonioskopie).
Nach dem Weittropfen ist das Sehen für einige Stunden verschwommen und blendempfindlich. Bis zu einem halben Tag sollten Sie kein Auto fahren; planen Sie eine Begleitung oder öffentliche Verkehrsmittel ein.
Warum soll ich zur Hausärztin oder zum Internisten?
Weil der Venenverschluss oft ein Warnsignal für die Gefäße des ganzen Körpers ist. Augenärztliche Behandlung und allgemeinmedizinische Abklärung sind gleich wichtig.
Bei über 50-Jährigen mit typischen Risikofaktoren reicht meist eine Grundabklärung:
- Blutdruck, idealerweise auch eine Langzeitmessung
- Blutzucker und HbA1c (Langzeitzuckerwert)
- Blutfette (Cholesterin, Triglyzeride)
- Blutbild, Blutsenkung oder Entzündungswert, Nieren- und Schilddrüsenwerte
- Eiweißelektrophorese (Suche nach Bluterkrankungen mit Eiweißvermehrung)
- EKG
Bei Jüngeren, bei fehlenden Risikofaktoren oder bei Befall beider Augen kommen gezielte Tests hinzu: Gerinnungsfaktoren und Thromboseneigung, Antiphospholipid-Antikörper, Homocystein, Autoantikörper, Entzündungswerte, bei Bedarf Infektionsserologie und ein Ultraschall der Halsschlagadern. Welche Tests sinnvoll sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.
Mit welchen Erkrankungen kann man ihn verwechseln?
Das Bild ist meist eindeutig, einige Erkrankungen müssen aber abgegrenzt werden. Dazu gehören der Arterienverschluss der Netzhaut, eine diabetische Retinopathie mit Blutungen, eine Durchblutungsstörung des ganzen Auges bei verengter Halsschlagader (okuläres Ischämiesyndrom), entzündliche Gefäßverschlüsse bei Uveitis sowie bei plötzlicher Sehstörung die Netzhautablösung, der Glaukomanfall und die Sehnerventzündung.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (11)
- Kann man die verstopfte Vene wieder öffnen?
- Welche Behandlung hilft gegen das Makulaödem?
- Was sind Anti-VEGF-Spritzen?
- Wann kommt ein Kortison-Implantat infrage?
- Wie läuft eine Spritze ins Auge ab?
- Wann hilft ein Laser?
- Was wird bei einem Neovaskularisationsglaukom gemacht?
- Wann ist eine Operation nötig?
- Helfen Blutverdünner, Infusionen oder ein Aderlass?
- Welche Rolle spielt die Behandlung der Risikofaktoren?
- Was zahlt die Krankenkasse?
Kann man die verstopfte Vene wieder öffnen?
Nein, eine Behandlung, die die Vene zuverlässig wieder öffnet, gibt es nicht. Behandelt werden die Folgen (Makulaödem und Gefäßneubildungen) und die Ursachen im Körper. Ziel ist, das Sehen zu erhalten oder zu verbessern und Komplikationen zu verhindern.
Bei leichten Befunden ohne Makulaödem wird oft unter Kontrollen abgewartet, weil sich manche Verschlüsse von selbst bessern. Je nach Befund werden mehrere Behandlungen kombiniert.
Welche Behandlung hilft gegen das Makulaödem?
Die wirksamste Behandlung des Makulaödems sind Medikamente, die direkt in den Glaskörper gespritzt werden. In Deutschland heißt das Verfahren IVOM (intravitreale operative Medikamenteneingabe). Laut der Stellungnahme der deutschen Fachgesellschaften ist sie, unabhängig vom Wirkstoff, die effektivste Methode zur Sehverbesserung.
Zwei Gruppen von Wirkstoffen stehen zur Verfügung: VEGF-Hemmer und Kortison. Beide bringen die Schwellung zum Abklingen, unterscheiden sich aber in Wirkdauer und Nebenwirkungen.
Was sind Anti-VEGF-Spritzen?
Anti-VEGF-Medikamente blockieren den Botenstoff VEGF, der die Gefäße undicht macht. Sie sind bei den meisten Betroffenen die erste Wahl. Eingesetzt werden die Wirkstoffe Ranibizumab, Aflibercept, Faricimab und Bevacizumab; dazu kommt eine höher dosierte Form von Aflibercept (8 mg).
In der EU sind für das Makulaödem nach Venenverschluss Ranibizumab und Aflibercept seit Langem zugelassen, Faricimab seit Juli 2024 und Aflibercept 8 mg seit Januar 2026 (Stand November 2026). Bevacizumab wird außerhalb der Zulassung (off-label) eingesetzt, mit ähnlicher Wirksamkeit. Ein Unterschied in der Wirksamkeit zwischen Ranibizumab, Aflibercept und Bevacizumab ist bisher nicht belegt. Faricimab war in Studien (COMINO, BALATON) gleich wirksam wie Aflibercept; einen Zusatznutzen gegenüber Aflibercept oder Ranibizumab sah der Gemeinsame Bundesausschuss 2025 als nicht belegt an. Aflibercept 8 mg erreichte in der QUASAR-Studie vergleichbare Ergebnisse wie die übliche Dosis, mit weniger Spritzen. Welcher Wirkstoff für Sie passt, besprechen Sie mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.
Wie gut wirken die Spritzen?
Die großen Zulassungsstudien zeigen einen deutlichen Nutzen gegenüber Scheinbehandlung. Etwa die Hälfte der Behandelten gewinnt mindestens drei Zeilen auf der Sehtafel; 20 bis 30 Prozent haben keinen spürbaren Gewinn.
- Zentralvenenverschluss: Eine Cochrane-Auswertung von sechs Studien mit 937 Teilnehmenden fand nach sechs Monaten eine 2,7-fach höhere Chance auf einen Gewinn von drei Zeilen und ein um 80 Prozent geringeres Risiko eines Verlusts von drei Zeilen.
- Venenastverschluss: In der BRAVO-Studie gewannen Behandelte im Mittel etwa 17 bis 18 Buchstaben, ohne Wirkstoff etwa 7.
Wie oft muss gespritzt werden?
Begonnen wird mit drei Spritzen im Abstand von je vier Wochen. Danach richtet sich das Vorgehen nach Sehschärfe und OCT. Die deutsche Stellungnahme 2018 empfiehlt:
- Beginn zeitnah, spätestens innerhalb von 14 Tagen nach der Diagnose.
- Kontrolle etwa drei bis vier Wochen nach der letzten Spritze einer Serie.
- Im ersten Jahr bei Bedarf weitere Dreierserien; ab dem zweiten Jahr Serien von einer bis drei Spritzen.
- Wird nach einer Kontrolle nicht erneut gespritzt, folgen sechs Monate lang monatliche Kontrollen, danach größere Abstände.
- Nach zwei Serien alternativ ein Schema, bei dem die Abstände schrittweise verlängert werden (Treat-and-Extend).
Gute Ergebnisse wurden in Studien mit durchschnittlich etwa neun Spritzen im ersten Jahr erreicht. Im Alltag sind die Ergebnisse oft schlechter, vor allem weil Termine ausfallen.
Wann wird gespritzt, wann nicht?
Gespritzt wird bei einem Makulaödem, das die Sehschärfe mindert und bei dem eine Besserung zu erwarten ist. Das gilt auch, wenn die Sehschärfe noch gut ist, etwa über 0,5. Vorbeugend, ohne Ödem, wird nicht gespritzt, weil ein Nutzen nicht belegt ist.
Ist die Sehschärfe sehr schlecht (unter 0,05) und wegen Vernarbung oder schwerer Mangeldurchblutung der Makula keine Besserung mehr möglich, wird die Behandlung beendet. Bei lange bestehenden Verschlüssen mit zentraler Narbe bringen die Spritzen nichts mehr.
Wann kommt ein Kortison-Implantat infrage?
Ein Kortison-Implantat kommt vor allem infrage, wenn Anti-VEGF nicht ausreichend wirkt, nach einer Katarakt-Operation oder wenn häufige Termine schwierig sind. Das Dexamethason-Implantat ist ein winziges, sich selbst auflösendes Stäbchen, das per Spritze in den Glaskörper eingebracht wird. Es gibt über drei bis vier Monate Kortison ab und wirkt am stärksten nach etwa zwei Monaten. Laut Zulassung beträgt der Mindestabstand zwischen zwei Implantaten sechs Monate.
Kortison wirkt ähnlich gut wie Anti-VEGF und braucht weniger Spritzen, hat aber mehr Nebenwirkungen. Die deutsche Stellungnahme empfiehlt bei Augen mit eigener Linse ohne operationsreife Trübung deshalb zuerst Anti-VEGF.
Welche Nebenwirkungen hat Kortison im Auge?
- Anstieg des Augeninnendrucks: sehr häufig, bei mehr als einem von zehn; meist mit Tropfen gut behandelbar, selten ist eine Operation nötig.
- Grauer Star: Kortison beschleunigt die Linsentrübung; viele Behandelte brauchen später eine Katarakt-Operation.
- Bindehautblutung und Glaskörpertrübungen.
Nicht eingesetzt werden Kortison-Implantate bei Glaukom, erhöhtem Augendruck oder bekannter Kortisonreaktion. Ebenso nicht bei fehlender Linse, bei bestimmten Kunstlinsen an Regenbogenhaut oder Lederhaut und bei geschädigten Linsenhaltefasern. Nach jeder Implantation wird der Augendruck nach etwa zwei, sechs und zwölf Wochen kontrolliert.
Wie läuft eine Spritze ins Auge ab?
Die Spritze erfolgt unter sterilen Bedingungen, meist in einem Eingriffsraum, und dauert nur wenige Sekunden.
- Betäubung mit Augentropfen, manchmal zusätzlich unter die Bindehaut.
- Desinfektion von Auge und Lidern mit einer jodhaltigen Lösung; eine Jodallergie vorher melden.
- Ein steriles Tuch und ein Lidsperrer halten das Auge offen.
- Mit einer sehr feinen Nadel wird das Medikament seitlich durch die Lederhaut in den Glaskörper gegeben. Man spürt meist nur einen leichten Druck.
- Nach etwa einer Stunde können Sie nach Hause, aber nicht selbst fahren.
Blutverdünnende Medikamente müssen in der Regel nicht abgesetzt werden. Am Behandlungstag sollten Sie kein Augen-Make-up tragen. Je nach Klinik bekommen Sie danach für einige Tage antibiotische Tropfen und sollen einige Tage Schwimmbad, Haarewaschen über dem Auge und heftigen Sport meiden.
Was ist nach der Spritze normal?
Normal sind ein kurz verschwommenes Sehen, kleine schwarze Punkte oder Luftbläschen im Blickfeld für wenige Tage und ein roter Fleck auf dem Augenweiß (Bindehautblutung).
Welche Risiken hat die Spritze?
Schwere Komplikationen sind selten. Die wichtigste ist eine Infektion im Augeninneren (Endophthalmitis), die bei etwa einer von 1000 bis 1500 Spritzen auftritt. Sehr selten sind ein Druckanstieg, eine Verletzung der Linse, eine Netzhautablösung oder eine Blutung. Bei Anti-VEGF wird ein möglicherweise erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko diskutiert; nach kürzlichem Herzinfarkt oder Schlaganfall und in der Schwangerschaft ist Rücksprache nötig.
Wann hilft ein Laser?
Der Laser hat zwei ganz unterschiedliche Aufgaben: das Makulaödem beim Astverschluss zu behandeln und Gefäßneubildungen zu verhindern. Er bessert das Sehen nur in der ersten Situation, und auch dann seltener als die Spritzen.
Laser an der Makula
Beim Venenastverschluss kann ein feiner Gitterlaser nahe der Makula sinnvoll sein, wenn das Ödem trotz Spritzen bestehen bleibt. Früher war er dort Standard; heute ist er durch die Spritzen weitgehend abgelöst. Beim Zentralvenenverschluss wird die Makula nicht gelasert, weil das Sehen davon nicht profitiert.
Laser der Netzhautperipherie
Bei starkem Sauerstoffmangel und beginnenden neuen Gefäßen wird die panretinale Laserkoagulation eingesetzt. Dabei werden viele kleine Herde im unterversorgten Außenbereich der Netzhaut gesetzt, die Makula bleibt ausgespart. Die Netzhaut braucht danach weniger Sauerstoff und bildet weniger VEGF, sodass neue Gefäße sich zurückbilden. Beim Astverschluss reicht oft ein Laser des betroffenen Sektors.
Dieser Laser verbessert die Sehschärfe nicht, verhindert aber schwere Folgen wie Glaskörperblutung und Neovaskularisationsglaukom. In einer Studie zum Astverschluss sank die Rate von Glaskörperblutungen durch den Laser von 61 auf 29 Prozent. Meist sind mehrere Sitzungen nötig.
Vorbeugend lasern oder abwarten?
Beim ischämischen Zentralvenenverschluss wird meist nicht vorbeugend gelasert, sondern engmaschig kontrolliert und sofort gelasert, sobald neue Gefäße auftauchen; so empfiehlt es die amerikanische CVOS-Studie. Ältere französische Lehrbücher rieten noch zum systematischen Laser ab Diagnose.
Was wird bei einem Neovaskularisationsglaukom gemacht?
Das Neovaskularisationsglaukom ist ein Notfall und wird in mehreren Schritten behandelt. Zuerst wird der Augendruck mit Tropfen und Tabletten oder Infusionen gesenkt. Eine Anti-VEGF-Spritze bringt die neuen Gefäße innerhalb von Tagen zum Rückgang, wirkt aber nur einige Wochen. Deshalb folgt so rasch wie möglich ein panretinaler Laser.
Bleibt der Druck zu hoch, ist eine Operation nötig. Ist das Auge bereits erblindet, steht die Schmerzfreiheit im Vordergrund.
Wann ist eine Operation nötig?
Eine Operation ist bei Komplikationen nötig, nicht beim Venenverschluss selbst. Löst sich eine Glaskörperblutung nicht von allein auf, wird der Glaskörper entfernt (Vitrektomie) und die Netzhaut im selben Eingriff gelasert. Operiert werden auch eine Netzhautablösung und seltene Spätfolgen wie eine Membran auf der Makula (Epiretinale Gliose) oder ein Makulaforamen. Frühere Versuche, die Vene chirurgisch zu entlasten, haben sich nicht durchgesetzt.
Helfen Blutverdünner, Infusionen oder ein Aderlass?
Für Blutverdünner wie Aspirin oder Gerinnungshemmer gibt es keinen belegten Nutzen beim Venenverschluss. Beobachtungsdaten zeigen unter diesen Mitteln sogar mehr Blutungen im Auge. Sie werden daher nicht routinemäßig verordnet, außer bei einer nachgewiesenen Gerinnungsstörung oder aus anderen Gründen, etwa nach Herzinfarkt. Bereits verordnete Blutverdünner niemals eigenmächtig absetzen.
Infusionen zur Blutverdünnung (Hämodilution), teils mit Aderlass, waren in Deutschland früher verbreitet. In der Stellungnahme 2018 spielen sie keine Rolle mehr.
Welche Rolle spielt die Behandlung der Risikofaktoren?
Sie ist ein fester Teil der Therapie und schützt beide Augen und den ganzen Körper. Britische Kliniken berichten, dass eine konsequente Behandlung das Risiko eines erneuten Verschlusses deutlich senkt und möglicherweise auch vor Schlaganfall, Herzinfarkt und Thrombosen schützt.
- Blutdruck: Zielwerte mit der Hausärztin oder dem Hausarzt festlegen; eine Schweizer Übersicht nennt unter 140/85 mmHg.
- Blutfette: bei hohem Gefäßrisiko Cholesterinsenker nach den allgemeinen Empfehlungen.
- Diabetes: gut einstellen; eine Übersicht nennt als Orientierung einen HbA1c unter 7 Prozent.
- Augeninnendruck: bei Glaukom oder erhöhtem Druck konsequent senken, auch am anderen Auge.
- Rauchen: aufhören.
Was zahlt die Krankenkasse?
In Deutschland zahlt die gesetzliche Krankenversicherung die Spritzenbehandlung des Makulaödems nach Ast- oder Zentralvenenverschluss mit den dafür zugelassenen Wirkstoffen. Die Spritze ins Auge ist für diese Erkrankung eine Kassenleistung; die Praxis braucht dafür eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Ob im Einzelfall Zuzahlungen oder Kosten für Zusatzleistungen anfallen, fragen Sie am besten vor Beginn in Ihrer Augenarztpraxis nach.
Für Österreich enthalten die ausgewerteten Fachquellen keine verlässlichen Angaben. Klären Sie die Kostenübernahme dort vor Beginn mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt bzw. der Augenambulanz und Ihrer Krankenkasse.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (8)
Wird das Sehen wieder gut?
Das lässt sich nicht sicher vorhersagen; oft bessert es sich teilweise, selten wird es wieder ganz normal. Den größten Einfluss haben die Form des Verschlusses, das Ausmaß des Sauerstoffmangels und die Sehschärfe zu Beginn.
- Wer anfangs noch eine Sehschärfe von etwa 0,5 oder besser hat, behält meist ein gutes Sehen.
- Bei einer Anfangssehschärfe unter 0,1 bleibt das Sehen bei etwa 80 Prozent schlecht oder verschlechtert sich weiter.
- Dazwischen ist der Verlauf offen und hängt stark von der Behandlung des Makulaödems ab.
Mit Spritzen gewinnt etwa die Hälfte der Behandelten deutlich an Sehkraft. Gegen die Schäden durch Sauerstoffmangel selbst gibt es keine Behandlung; sie bestimmen die Grenze dessen, was erreichbar ist.
Wie verläuft ein Venenastverschluss?
Der Venenastverschluss hat insgesamt die günstigste Prognose. Häufig öffnet sich die Vene teilweise wieder oder Umgehungsgefäße bilden sich. Selbst ohne Behandlung erreichen etwa 50 bis 60 Prozent am Ende eine Sehschärfe von etwa 0,5 oder besser.
Ein Makulaödem bildet sich beim Astverschluss öfter von selbst zurück als beim Zentralvenenverschluss: in einer Studie bei 18 Prozent nach viereinhalb und bei 41 Prozent nach siebeneinhalb Monaten. Ungünstig sind ein lang anhaltendes Ödem, eine Mangeldurchblutung der Makula und neue Gefäße mit Glaskörperblutung. Gefäßneubildungen an der Regenbogenhaut und ein Neovaskularisationsglaukom sind beim Astverschluss sehr selten, laut einer Schweizer Übersicht unter einem Prozent. Neue Gefäße an der Netzhaut selbst sind häufiger: Bei ausgedehnter Mangeldurchblutung bildeten sie sich in einer großen Studie (BVOS) ohne Laserbehandlung bei 22 Prozent.
Wie verläuft ein Zentralvenenverschluss?
Das hängt vor allem davon ab, ob er ischämisch ist. Etwa drei Viertel der Zentralvenenverschlüsse sind nicht-ischämisch und haben die bessere Prognose.
| nicht-ischämisch | ischämisch | |
|---|---|---|
| Anteil | etwa 75 % | etwa 25 % |
| typische Sehschärfe zu Beginn | 0,1 oder besser | meist unter 0,1 |
| Erholung | bei etwa der Hälfte normales oder fast normales Sehen, oft nach 3 bis 6 Monaten | kaum funktionelle Erholung |
| Neue Gefäße an der Regenbogenhaut | selten, außer bei Übergang in die ischämische Form | bei bis zur Hälfte, meist nach 2 bis 4 Monaten |
Ein nicht-ischämischer Verschluss geht bei etwa 15 Prozent innerhalb von vier Monaten und bei etwa einem Drittel innerhalb von drei Jahren in die ischämische Form über. Britische Daten zeigen außerdem, dass sich das Sehen bei einem von drei Betroffenen in den ersten drei Jahren verschlechtern kann.
Welche Komplikationen sind möglich?
Die häufigste Komplikation ist das anhaltende Makulaödem, die gefährlichste das Neovaskularisationsglaukom. Insgesamt bilden sich nach einem Zentralvenenverschluss bei etwa 16 bis 20 Prozent neue Gefäße an Netzhaut oder Regenbogenhaut, nach einem ischämischen deutlich häufiger.
- Makulaödem: häufigste Ursache bleibender Sehminderung. Wie oft es auftritt, schwankt je nach Studie stark: In einer großen Bevölkerungsstudie (Beaver Dam) hatten es 28 Prozent der Ast- und 39 Prozent der Zentralvenenverschlüsse; eine augenärztliche Fachübersicht nennt für Astverschlüsse bis zu 90 Prozent.
- Mangeldurchblutung der Makula (ischämische Makulopathie): nicht behandelbar.
- Glaskörperblutung durch neue Gefäße.
- Neovaskularisationsglaukom mit Schmerzen und drohender Erblindung.
- Seröse oder durch Zug bedingte Netzhautablösung, Netzhautrisse.
- Seltene Spätfolgen: Membran auf der Makula, Makulaloch, Gefäßaussackungen.
Wann drohen Komplikationen am ehesten?
Das Neovaskularisationsglaukom entsteht typischerweise zwei bis vier Monate nach dem Verschluss, gelegentlich schon nach Wochen. Deshalb sind die ersten sechs Monate die wichtigste Kontrollphase. Glaskörperblutungen beim Astverschluss können auch noch nach Monaten bis Jahren auftreten.
Wie oft sind Kontrollen nötig?
Die Abstände richten sich nach Form und Behandlung; in den ersten Monaten sind sie eng. Ein Beispiel aus britischen Kliniken und der deutschen Stellungnahme:
- Zentralvenenverschluss ohne Spritzen: alle vier bis acht Wochen über etwa sechs Monate, danach seltener.
- Unter Spritzenbehandlung: alle vier bis acht Wochen, je nach Schema; nach Therapiepause zunächst monatlich.
- Venenastverschluss ohne Ödem: alle vier bis sechs Monate über etwa eineinhalb Jahre.
Langfristig sind regelmäßige Kontrollen auch danach sinnvoll, schon wegen des Risikos am anderen Auge.
Kann ein Venenverschluss wiederkommen?
Ein erneuter Zentralvenenverschluss am selben Auge ist selten. Weitere Verschlüsse insgesamt, also am selben oder am anderen Auge, treten aber bei etwa 5 bis 10 Prozent auf. Das andere Auge erkrankt je nach Studie bei 5 bis 15 Prozent innerhalb einiger Jahre. Ohne Behandlung der Risikofaktoren ist ein weiterer Verschluss wahrscheinlicher.
Wie lange dauert die Erholung?
Die Erholung dauert Wochen bis Monate. Leichte Blutungen bauen sich in zwei bis drei Monaten ab; bei schweren Verschlüssen dauert es länger. Unter Spritzen bessert sich das Sehen oft schon nach den ersten Behandlungen, die volle Wirkung zeigt sich aber erst über Monate. Viele brauchen über Jahre immer wieder Spritzen, auch wenn sie sehr gut sehen.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (6)
Kann man einem Venenverschluss vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht; das Risiko lässt sich aber senken, indem man die Gefäßrisikofaktoren behandelt. Das ist zugleich der wichtigste Schutz für das andere Auge nach einem Verschluss.
- Blutdruck regelmäßig messen und gut einstellen lassen.
- Blutfette und Blutzucker kontrollieren und behandeln.
- Verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen, nicht eigenmächtig absetzen.
- Nicht rauchen; Unterstützung bieten Rauchstopp-Beratungen, etwa über die Krankenkasse oder die Hausarztpraxis.
- Bei Grünem Star oder erhöhtem Augendruck die Tropfen konsequent nehmen.
Was kann ich im Alltag selbst tun?
Die deutsche Patienteninformation von BVA und DOG gibt einige konkrete Empfehlungen, die auch der allgemeinen Herz-Kreislauf-Gesundheit dienen. Sie stammen aus einer älteren Fassung, sind aber weiterhin sinnvoll.
- Kopf hoch lagern: Wer morgens schlechter sieht, kann nachts mit einem zusätzlichen Kissen schlafen.
- Ausreichend trinken: etwa 1,5 bis 2 Liter kalorienfreie Getränke am Tag, sofern keine Herz- oder Nierenerkrankung eine Begrenzung erfordert; Flüssigkeitsmangel macht das Blut dicker.
- Ausgewogen essen: viel Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchte; Süßes, Alkohol und Softdrinks begrenzen.
- Bewegen: leichter Ausdauersport wie Gehen, Walking, Radfahren oder Schwimmen.
- Gewicht: Übergewicht schrittweise abbauen.
- Schlaf: sieben bis acht Stunden.
Ob Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer) das Risiko erhöht, ist nicht sicher geklärt. Wer stark schnarcht und tagsüber sehr müde ist, sollte das ohnehin abklären lassen.
Muss ich die Pille absetzen?
Frauen, die nach einem Venenverschluss hormonell verhüten, sollten das zeitnah mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt besprechen. Internationale Fachquellen raten nach einem Venenverschluss von östrogenhaltigen Präparaten ab. Bitte nicht ohne Ersatzverhütung absetzen.
Wie schütze ich das andere Auge?
Am besten durch regelmäßige augenärztliche Kontrollen und eine konsequente Behandlung der Risikofaktoren. Prüfen Sie außerdem gelegentlich jedes Auge einzeln: Ein Auge zuhalten und auf ein Kalenderblatt oder Fliesenfugen schauen. Wirken Linien plötzlich verbogen oder fehlen Teile des Bildes, sollten Sie zeitnah einen Termin vereinbaren.
Darf ich Auto fahren?
Das hängt von der Sehschärfe und dem Gesichtsfeld beider Augen zusammen ab und muss individuell beurteilt werden. Die ausgewerteten Fachquellen enthalten dazu keine Regeln speziell für den Venenverschluss; es gelten die allgemeinen Mindestanforderungen an das Sehen im Straßenverkehr. Fragen Sie bei Unsicherheit Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt nach einem Sehtest für die Fahreignung.
Am Tag einer Spritze oder nach dem Weittropfen dürfen Sie nicht selbst fahren, bis das Sehen wieder klar ist.
Was hilft bei bleibender Sehminderung?
Bleibt das Sehen eingeschränkt, können vergrößernde Sehhilfen, gutes Licht und kontrastreiche Gestaltung im Alltag helfen. Sehbehindertenverbände und spezialisierte Optiker beraten zu Lupen und Bildschirmlesegeräten. Da meist nur ein Auge betroffen ist, kommen viele Menschen im Alltag mit dem anderen Auge gut zurecht.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (3)
Ein frischer Venenverschluss ist kein Notfall im Minutenbereich wie der Arterienverschluss der Netzhaut, bei dem jede Stunde zählt. Er gehört aber rasch in augenärztliche Hände, weil eine frühe Behandlung des Makulaödems die besten Ergebnisse bringt. Die deutsche Stellungnahme empfiehlt den Beginn der Spritzentherapie spätestens 14 Tage nach der Diagnose.
Wann sofort in die Augenklinik?
Sofort, auch nachts und am Wochenende, bei folgenden Zeichen:
- schlagartiger, starker Sehverlust an einem Auge innerhalb von Sekunden (Verdacht auf Arterienverschluss)
- nach einem bekannten Venenverschluss: rotes, schmerzendes Auge, trübe Hornhaut, farbige Ringe um Lichter oder Kopfschmerzen (Verdacht auf Neovaskularisationsglaukom)
- plötzlich viele schwarze Punkte, Rußregen oder ein dunkler Vorhang (Verdacht auf Glaskörperblutung oder Netzhautablösung)
- in den ersten Tagen nach einer Spritze ins Auge: zunehmende Schmerzen, Rötung, Lichtempfindlichkeit oder Sehverschlechterung (Verdacht auf Infektion)
- plötzliche Sehstörung zusammen mit Lähmung, Sprachstörung oder hängendem Mundwinkel: Notruf 112 (Schlaganfall)
Wann am selben oder nächsten Tag?
Am selben oder spätestens am nächsten Tag bei einer neuen, schmerzlosen Sehverschlechterung an einem Auge, einem Schleier, neuen Verzerrungen oder einem Ausfall im Gesichtsfeld. Das gilt auch, wenn die Beschwerden mild sind oder morgens stärker als abends. Rufen Sie in der Augenarztpraxis an und schildern Sie die Beschwerden; ist sie nicht erreichbar, hilft der augenärztliche Notdienst oder die Ambulanz einer Augenklinik.
Wann routinemäßig?
Zur geplanten Kontrolle bei bekanntem Venenverschluss ohne neue Beschwerden, zur Abklärung der Risikofaktoren bei der Hausärztin oder dem Internisten und zu regelmäßigen Augenkontrollen bei Bluthochdruck, Diabetes oder Grünem Star.
In Österreich hilft bei Unsicherheit die Gesundheitsberatung unter 1450, in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Mehr Warnzeichen am Auge finden Sie unter Notfall am Auge.
9 Häufige Fragen
Ist ein Venenverschluss im Auge ein Schlaganfall im Auge?
Nicht ganz. Der Begriff „Augeninfarkt“ oder „Schlaganfall im Auge“ passt besser zum Arterienverschluss der Netzhaut, bei dem die Blutzufuhr unterbrochen ist. Beim Venenverschluss ist der Abfluss gestört. Beide Erkrankungen teilen aber dieselben Risikofaktoren wie Herzinfarkt und Schlaganfall, deshalb sollten Blutdruck, Blutfette und Zucker immer abgeklärt werden.
Wie schnell muss ich bei einem Venenverschluss zum Augenarzt?
Bei einer neuen, schmerzlosen Sehverschlechterung sollten Sie am selben oder nächsten Tag untersucht werden. Ein Venenverschluss ist kein Notfall im Minutenbereich, aber eine frühe Behandlung bringt die besten Ergebnisse. Die Spritzentherapie soll laut deutscher Stellungnahme spätestens 14 Tage nach der Diagnose beginnen. Bei schlagartigem starkem Sehverlust oder einem roten, schmerzenden Auge sofort in die Klinik.
Kann sich ein Venenverschluss im Auge von selbst zurückbilden?
Teilweise ja. Manche Verschlüsse, besonders kleine Astverschlüsse, bessern sich, weil Umgehungsgefäße entstehen oder sich das Gerinnsel teilweise löst. Ein Makulaödem kann sich bei einem Teil der Betroffenen von selbst zurückbilden. Bei vielen bleibt das Sehen ohne Behandlung aber eingeschränkt, und ein lange bestehendes Ödem kann bleibende Schäden hinterlassen. Ob abgewartet werden kann, entscheidet die Untersuchung.
Wie viele Spritzen ins Auge brauche ich bei einem Venenverschluss?
Meist beginnt die Behandlung mit drei Spritzen im Abstand von vier Wochen. Danach wird nach Befund weitergespritzt; im ersten Jahr waren es in Studien im Mittel etwa neun Spritzen. Viele brauchen über mehrere Jahre immer wieder Behandlungen, manche nur wenige. Ein Kortison-Implantat wirkt länger, meist drei bis vier Monate.
Tut die Spritze ins Auge weh?
Meist kaum. Das Auge wird vorher mit Tropfen betäubt, die Spritze selbst dauert nur Sekunden, und die meisten spüren nur einen leichten Druck. Einige Stunden danach kann das Auge kratzen oder brennen. Zunehmende Schmerzen, Rötung oder schlechteres Sehen in den Tagen danach müssen dagegen sofort untersucht werden.
Kann man nach einem Venenverschluss erblinden?
Eine vollständige Erblindung ist selten, aber bei schweren, ischämischen Zentralvenenverschlüssen möglich, vor allem durch ein unbehandeltes Neovaskularisationsglaukom. Deshalb sind die Kontrollen in den ersten Monaten so wichtig: Neue Gefäße lassen sich mit Laser und Spritzen meist rechtzeitig behandeln. Das andere Auge sieht in der Regel normal.
Kann ein Venenverschluss auch das andere Auge treffen?
Ja, das Risiko liegt je nach Studie bei etwa 5 bis 15 Prozent über einige Jahre. Am besten schützen Sie das andere Auge, indem Sie Blutdruck, Blutfette, Zucker und Augeninnendruck gut einstellen lassen und zu den Kontrollen gehen. Jede neue Sehstörung am anderen Auge sollte rasch untersucht werden.
Muss ich nach einem Venenverschluss Blutverdünner wie Aspirin nehmen?
Nein, nicht allein wegen des Venenverschlusses. Für Aspirin und andere Blutverdünner ist ein Nutzen beim Venenverschluss nicht belegt, und es wurden sogar mehr Blutungen im Auge beobachtet. Nehmen Sie Blutverdünner aus anderen Gründen, etwa nach einem Herzinfarkt, setzen Sie diese bitte nicht ab. Die Spritzen ins Auge sind auch unter Blutverdünnern möglich.
Warum sehe ich nach einem Venenverschluss morgens schlechter?
Im Liegen fließt Gewebewasser aus dem Kopf schlechter ab und sammelt sich zusätzlich in der geschwollenen Netzhaut. Tagsüber, in aufrechter Haltung, bessert sich das wieder etwas. Die deutsche Patienteninformation empfiehlt dann, den Kopf nachts mit einem zusätzlichen Kissen etwas höher zu lagern.
Welche Blutuntersuchungen sind nach einem Venenverschluss sinnvoll?
Bei über 50-Jährigen meist eine Grundabklärung: Blutdruck, Blutzucker und HbA1c, Blutfette, Blutbild, Nieren- und Entzündungswerte sowie ein EKG. Bei Jüngeren, bei fehlenden Risikofaktoren oder bei Befall beider Augen kommen gezielte Gerinnungs- und Antikörpertests hinzu. Ein Gerinnungstest für alle Betroffenen wird nicht empfohlen.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 31 Quellen anzeigen
- Intravitreale Therapie des visusmindernden Makulaödems bei retinalem Venenverschluss. Therapeutische Strategien (Stellungnahme, Stand 24.04.2018) – BVA, DOG und Retinologische Gesellschaft (DE)
- Die Behandlung des Verschlusses einer Netzhautvene (Augenvenenthrombose), Patienteninformation – BVA und DOG (über Stiftung Auge) (DE)
- Retinaler Zentralvenenverschluss und Venenastverschluss – MSD Manual Profi-Ausgabe (DE)
- Verschluss der zentralen Venen und Venenäste der Netzhaut – MSD Manual Ausgabe für Patienten (DE)
- Venenverschluss im Auge – Ars Medici (Rosenfluh Publikationen, Schweiz), 2012 (DE)
- Makulaödem (Lexikon) – gesundheit.gv.at (Österreichisches Gesundheitsportal) (DE)
- Beschluss über die Nutzenbewertung: Faricimab (neues Anwendungsgebiet: Makulaödem infolge eines retinalen Venenverschlusses), 20.02.2025 – Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (DE)
- Intravitreale Medikamenteneingabe (IVM): Genehmigung und Indikationen – Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (DE)
- Aflibercept (40 mg/ml und 114,3 mg/ml): European Public Assessment Report, Anwendungsgebiete – European Medicines Agency (EMA) (EN)
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- Retinal vein occlusion – Moorfields Eye Hospital NHS Foundation Trust (EN)
- Retinal vein occlusion – Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust (EN)
- Central Retinal Vein Occlusion – EyeWiki (American Academy of Ophthalmology) (EN)
- Branch Retinal Vein Occlusion – EyeWiki (American Academy of Ophthalmology) (EN)
- Neovascular Glaucoma – EyeWiki (American Academy of Ophthalmology) (EN)
- Retinal vein occlusion – MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine (EN)
- A guide to retinal vein occlusion (RVO) – The Dudley Group NHS Foundation Trust (EN)
- About retinal vein occlusion (RVO) – Kingston and Richmond NHS Foundation Trust (EN)
- Occlusions veineuses rétiniennes (Item 221) – Collège des Ophtalmologistes Universitaires de France (COUF), 2013 (FR)
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- OZURDEX (dexaméthasone), avis de la Commission de la transparence – Haute Autorité de santé (HAS), 2013 (FR)
- Facteur de croissance endothélial antivasculaire pour le traitement de l'œdème maculaire secondaire à l'occlusion de la veine centrale de la rétine – Cochrane (FR)
- L'occlusion veineuse rétinienne – Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) (FR)
- Occlusion veineuse rétinienne : facteurs de risque – Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) (FR)
- Le traitement par injection intra-vitréenne – Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) (FR)
- Évolution de l'occlusion veineuse rétinienne – Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) (FR)
- Formes de l'occlusion veineuse rétinienne – Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) (FR)
- Oclusiones venosas de la retina – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Trombosis de la vena central de la retina (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Oclusión de la vena central de la retina (CRVO) – National Eye Institute (NIH), versión en español (ES)
- Oclusión de la vena central de la retina y oclusión de una rama venosa retiniana – Manual MSD (versión profesional) (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss