Erhöhter Augeninnendruck (Okuläre Hypertension)
Bei einer okulären Hypertension ist der Augeninnendruck dauerhaft höher als üblich, meist über 21 mmHg, ohne dass der Sehnerv oder das Gesichtsfeld geschädigt sind. Sie macht keine Beschwerden, ist kein Grüner Star, erhöht aber das Risiko dafür; viele Betroffene bekommen nie ein Glaukom.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (5)
Was ist eine okuläre Hypertension?
Eine okuläre Hypertension ist ein dauerhaft erhöhter Augeninnendruck ohne Schaden am Sehnerv und ohne Ausfälle im Gesichtsfeld. Der Druck liegt dabei meist über 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule), bei mehreren Messungen und ohne Behandlung. Der Kammerwinkel, also der Abflussbereich des Auges, ist offen, und es gibt keine andere Augenerkrankung, die den Druck erklärt.
Fachleute sprechen auch von „OHT“ oder von einem „Glaukomverdacht“. Der Name klingt nach Bluthochdruck, hat damit aber nichts zu tun. Gemeint ist allein der Druck der Flüssigkeit im Augapfel.
Ist erhöhter Augendruck dasselbe wie Grüner Star?
Nein, ein erhöhter Augendruck allein ist kein Grüner Star. Beim Grünen Star (Glaukom) ist der Sehnerv bereits geschädigt: Nervenfasern gehen verloren, und im Gesichtsfeld entstehen Lücken. Bei der okulären Hypertension fehlt genau dieser Schaden.
Früher wurden Glaukom und hoher Augendruck gleichgesetzt. Diese Sicht gilt heute als überholt. Es gibt Menschen mit hohem Druck, die nie ein Glaukom bekommen, und Menschen mit Glaukom, deren Druck immer im Normalbereich liegt (Normaldruckglaukom).
Welcher Augendruck ist normal?
Normal ist ein Augeninnendruck von etwa 10 bis 21 mmHg; der Durchschnitt liegt bei 15 bis 16 mmHg. Die Grenze von 21 mmHg ist statistisch festgelegt: Sie liegt zwei Standardabweichungen über dem Mittelwert der Bevölkerung. Sie ist keine scharfe Linie zwischen gesund und krank.
Wie viel Druck ein Sehnerv verträgt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Darum beurteilen Augenärztinnen und Augenärzte nie nur die Zahl, sondern immer auch den Sehnerv, das Gesichtsfeld und die Hornhautdicke.
Wie häufig ist ein erhöhter Augendruck?
Eine okuläre Hypertension ist deutlich häufiger als der Grüne Star selbst. Für Menschen ab 40 Jahren nennen Studien je nach Land und Methode etwa 2 bis 10 von 100 Betroffenen; für Frankreich werden 3 bis 8 Prozent der über 40-Jährigen geschätzt, für die USA 4 bis 10 Prozent. Für Deutschland und Österreich gibt es keine verlässliche eigene Zahl.
Die meisten Betroffenen haben Werte zwischen 21 und 25 mmHg. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter, oft fällt der Befund bei der ersten Brillenanpassung für die Nähe um das 40. bis 45. Lebensjahr auf.
Das Wichtigste in Kürze
Erhöhter Augendruck ist ein Risiko, das man kontrollieren muss, aber keine Krankheit des Sehens.
- Keine Beschwerden: Erhöhter Augendruck ist weder spürbar noch sichtbar. Nur eine Messung deckt ihn auf.
- Kein Glaukom, aber ein Risiko: In der großen amerikanischen OHTS-Studie bekamen ohne Behandlung etwa 9,5 von 100 Betroffenen innerhalb von 5 Jahren ein Glaukom, mit Behandlung 4,4 von 100.
- Eine Messung reicht nicht: Der Druck schwankt im Tagesverlauf und von Tag zu Tag. Die Diagnose braucht wiederholte Messungen und eine vollständige Untersuchung.
- Hornhautdicke zählt: Sie verändert den Messwert, und eine dünne Hornhaut ist ein eigener Risikofaktor.
- Nicht jeder braucht Tropfen: Behandelt wird nach dem persönlichen Gesamtrisiko, sonst genügen regelmäßige Kontrollen.
- Kontrollen sind das Wichtigste: Sie stellen sicher, dass ein beginnendes Glaukom früh erkannt wird, bevor das Sehen leidet.
2 Symptome
In diesem Kapitel (12)
- Welche Beschwerden macht ein erhöhter Augeninnendruck?
- Kann man hohen Augendruck spüren?
- Druckgefühl, Kopfschmerzen, müde Augen: kommen die vom Augendruck?
- Warum macht erhöhter Druck keine Beschwerden?
- Welche Anzeichen hat ein beginnendes Glaukom?
- Welche Beschwerden hat ein fortgeschrittenes Glaukom?
- Was bemerken Angehörige?
- Wann gehen Beschwerden auf etwas anderes zurück?
- Was passiert bei sehr hohem Druck?
- Beschwerden durch drucksenkende Augentropfen
- Besonderheiten bei Kindern und jungen Menschen
- Besonderheiten bei älteren Menschen
Welche Beschwerden macht ein erhöhter Augeninnendruck?
Eine okuläre Hypertension macht keine Beschwerden. Es gibt keinen Schmerz, keine Rötung, keine Sehverschlechterung und kein Symptom, an dem man den erhöhten Druck selbst erkennen könnte. Sehschärfe, Gesichtsfeld und das Aussehen des Auges sind unverändert.
Darum wird der Befund fast immer zufällig entdeckt: bei einer Vorsorgeuntersuchung, bei der Anpassung einer Lesebrille, vor einer Augenoperation oder bei Kontrollen wegen einer anderen Erkrankung. Die einzige Möglichkeit, ihn festzustellen, ist die Messung in der augenärztlichen Praxis.
Kann man hohen Augendruck spüren?
Nein, ein Druck von zum Beispiel 24 oder 28 mmHg ist nicht spürbar. Das Gefühl im Auge und der gemessene Wert hängen nicht zusammen. Ein Auge, das sich „gespannt“ oder „voll“ anfühlt, hat nicht unbedingt einen erhöhten Druck, und ein Auge mit hohem Druck fühlt sich meist völlig normal an.
Das ist ein häufiges Missverständnis. Wer auf ein Druckgefühl wartet, um zur Kontrolle zu gehen, wartet bei der okulären Hypertension vergeblich. Verlässlich sind nur die vereinbarten Kontrolltermine.
Druckgefühl, Kopfschmerzen, müde Augen: kommen die vom Augendruck?
In aller Regel nicht. Einzelne Ratgeberseiten nennen ein Druck- oder Schweregefühl im Auge als mögliche Folge eines erhöhten Augendrucks; gesichert ist das für die okuläre Hypertension nicht. Häufiger stecken andere Ursachen dahinter.
- Brennen, Fremdkörpergefühl, müde Augen am Bildschirm: oft ein trockenes Auge oder eine nicht passende Brille.
- Kopfschmerzen hinter den Augen: meist Spannungskopfschmerz, Migräne, Nebenhöhlen oder eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit.
- Gerötete Augen: eher eine Reizung, Allergie oder Entzündung der Bindehaut.
Solche Beschwerden sollten trotzdem untersucht werden, wenn sie anhalten. Dabei misst die Augenärztin oder der Augenarzt in der Regel auch den Druck. Wichtig ist nur: Ein normales Augengefühl schließt einen hohen Druck nicht aus, und Beschwerden beweisen ihn nicht.
Warum macht erhöhter Druck keine Beschwerden?
Der Druck steigt bei der okulären Hypertension langsam über Monate und Jahre und bleibt meist in einem mäßigen Bereich. Ein so langsamer, mäßiger Anstieg reizt die Schmerzfasern des Auges nicht. Erst ein plötzlicher, sehr starker Anstieg wie beim akuten Glaukomanfall verursacht heftige Schmerzen.
Auch das Sehen bleibt unbeeinträchtigt, weil der Sehnerv bei der okulären Hypertension definitionsgemäß gesund ist. Entsteht später ein Glaukom, beginnt der Schaden am Rand des Gesichtsfeldes. Das Gehirn gleicht kleine Lücken aus, und das zweite Auge überdeckt sie. Deshalb bleibt auch ein beginnendes Glaukom lange unbemerkt.
Welche Anzeichen hat ein beginnendes Glaukom?
Ein beginnendes Offenwinkelglaukom macht ebenfalls fast nie Beschwerden. Es zeigt sich zuerst an Untersuchungsbefunden: an einer zunehmenden Aushöhlung des Sehnervenkopfes, am Verlust von Nervenfasern in der OCT (optische Kohärenztomografie, eine Schichtaufnahme) oder an kleinen Ausfällen in der Gesichtsfeldmessung. In der OHTS-Studie zeigte sich etwa ein Drittel der ersten Glaukomzeichen zuerst im Gesichtsfeld.
Genau deshalb sind die Kontrollen bei okulärer Hypertension so wichtig. Sie sollen ein Glaukom finden, wenn es nur auf den Untersuchungsbildern sichtbar ist und das Sehen im Alltag noch nicht leidet.
Welche Beschwerden hat ein fortgeschrittenes Glaukom?
Ein fortgeschrittenes Glaukom zeigt sich durch Lücken im seitlichen Sehen, die man erst spät bemerkt. Die Sehschärfe in der Mitte bleibt oft bis in späte Stadien erhalten. Typische Hinweise im Alltag sind:
- Anstoßen an Türrahmen oder Möbel, Stolpern über Stufen und Bordsteine
- übersehene Gegenstände oder Personen, die von der Seite kommen
- Unsicherheit beim Autofahren, vor allem beim Spurwechsel und in der Dämmerung
- zeitweise verschwommenes oder kontrastarmes Sehen
- Lesen wird mühsam, weil Wortteile fehlen
- erst sehr spät: Abnahme der Sehschärfe, im Endstadium ein „Tunnelblick“
Diese Beschwerden gehören nicht zur okulären Hypertension. Wer sie bemerkt, sollte zeitnah einen Termin vereinbaren, auch wenn die letzte Kontrolle unauffällig war.
Was bemerken Angehörige?
Bei einer okulären Hypertension bemerken Angehörige nichts, weil es nichts zu bemerken gibt. Erst bei einem fortgeschrittenen Glaukom fallen ihnen manchmal Veränderungen auf, bevor die Betroffenen selbst sie benennen.
- Rückzug aus Hobbys, Sport oder Gesellschaft
- Gegenstände werden sehr nah vor das Gesicht gehalten
- Nachtfahrten oder fremde Umgebungen werden gemieden
- häufigeres Anstoßen, Verschütten, Stolpern
Die französische Krankenversicherung weist darauf hin, dass solche Veränderungen bei Älteren manchmal fälschlich für eine Depression oder eine beginnende Demenz gehalten werden. Eine augenärztliche Untersuchung kann das klären.
Wann gehen Beschwerden auf etwas anderes zurück?
Plötzliche oder deutliche Beschwerden sprechen fast immer für eine andere Erkrankung, nicht für eine okuläre Hypertension. Die wichtigsten Beispiele:
| Beschwerde | Mögliche Ursache | Wie dringend? |
|---|---|---|
| Starke Augen- und Kopfschmerzen, rotes Auge, Nebelsehen, farbige Ringe um Lichter, Übelkeit | Akuter Glaukomanfall (Winkelblock) | Notfall, sofort |
| Plötzlicher schmerzloser Sehverlust auf einem Auge | zum Beispiel Gefäßverschluss in der Netzhaut | Notfall, sofort |
| Lichtringe oder Schleiersehen nach Sport bei jungen Kurzsichtigen | Pigmentdispersionssyndrom | innerhalb weniger Tage |
| Lichtscheu, Schmerzen, rotes Auge, Schleiersehen | Entzündung im Auge (Uveitis), die den Druck anheben kann | am selben oder nächsten Tag |
| Brennen, Kratzen, Rötung nach Beginn von Augentropfen | Nebenwirkung oder Unverträglichkeit der Tropfen | zeitnah besprechen, Tropfen nicht eigenmächtig absetzen |
Der akute Glaukomanfall ist eine eigene Erkrankung mit engem Kammerwinkel. Er entsteht nicht aus einer okulären Hypertension, bei der der Kammerwinkel offen ist. Mit dem Alter kann sich der Kammerwinkel aber verengen, darum prüfen Augenärzte ihn bei den Kontrollen immer wieder.
Was passiert bei sehr hohem Druck?
Sehr hohe Werte, etwa über 30 oder gar 40 mmHg, sind bei der einfachen okulären Hypertension selten. Bei Werten über 40 mmHg kann der Sehnerv innerhalb kurzer Zeit Schaden nehmen; bei Werten unter 30 mmHg dauert ein Fortschreiten eher Jahre. Ein sehr hoher Druck kann auch mit einem Verschluss von Netzhautgefäßen und plötzlichem Sehverlust einhergehen.
Auch hohe Werte können ohne jede Beschwerde bestehen. Ob und wie schnell behandelt wird, entscheidet die Augenärztin oder der Augenarzt nach dem Befund. Sehr hohe Werte werden in der Regel ohne langes Abwarten behandelt.
Beschwerden durch drucksenkende Augentropfen
Wer Tropfen gegen den erhöhten Augendruck nimmt, bemerkt eher deren Nebenwirkungen als die Erkrankung selbst. Diese sind gut bekannt und meist harmlos, sollten aber besprochen werden, weil es fast immer Alternativen gibt.
- Prostaglandin-Tropfen: gerötete Bindehaut, längere und dunklere Wimpern, Dunkelfärbung der Lidhaut, bei manchen Menschen eine bleibend dunklere Regenbogenhaut, vor allem bei gemischtfarbigen Augen
- Betablocker-Tropfen: langsamer Puls, Müdigkeit, Atemnot bei Asthma, Schwindel, vor allem bei Älteren
- Alpha-Agonisten (zum Beispiel Brimonidin): Müdigkeit, trockener Mund, allergische Reizung am Auge
- Tropfen mit Konservierungsmitteln: Brennen, Trockenheitsgefühl, Rötung bei langer Anwendung
Besonderheiten bei Kindern und jungen Menschen
Die okuläre Hypertension ist eine Diagnose des Erwachsenenalters, vor allem ab 40 Jahren. Bei Kindern hat ein erhöhter Augendruck fast immer eine erkennbare Ursache, etwa eine Kortisonbehandlung, eine Entzündung, eine Verletzung oder einen angeborenen Grünen Star.
Beim angeborenen Grünen Star fallen anders als bei der okulären Hypertension deutliche Zeichen auf: auffallend große Augen, oft einseitig, Lichtscheu, Tränen und zusammengekniffene Lider. Das muss rasch abgeklärt werden. Bei jungen kurzsichtigen Erwachsenen mit erhöhtem Druck denken Augenärzte zudem an ein Pigmentdispersionssyndrom.
Besonderheiten bei älteren Menschen
Bei älteren Menschen ist ein erhöhter Augendruck häufiger, und das Glaukomrisiko steigt mit jedem Lebensjahrzehnt. Gleichzeitig verdecken andere Augenleiden wie ein Grauer Star oder eine Makulaerkrankung oft schleichende Gesichtsfeldverluste, weil alles „irgendwie schlechter“ wird.
Wer mehrere Augentropfen nimmt, sollte auf Wechselwirkungen achten. Betablocker-Tropfen gelangen über die Nasenschleimhaut ins Blut und können Puls und Blutdruck senken. Die Hausärztin oder der Hausarzt sollte von allen Augentropfen wissen.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (7)
- Wie entsteht der Druck im Auge?
- Warum steigt der Druck bei einer okulären Hypertension?
- Welche Erkrankungen und Medikamente können den Druck erhöhen?
- Wer hat ein höheres Risiko für erhöhten Augendruck?
- Welche Faktoren entscheiden, ob aus dem erhöhten Druck ein Glaukom wird?
- Warum ist die Hornhautdicke so wichtig?
- Spielen Lebensstil, Kaffee oder Ernährung eine Rolle?
Wie entsteht der Druck im Auge?
Der Augeninnendruck entsteht aus dem Gleichgewicht zwischen Bildung und Abfluss des Kammerwassers. Das Kammerwasser ist eine klare Flüssigkeit, die der Ziliarkörper hinter der Regenbogenhaut ständig bildet. Sie versorgt Linse und Hornhaut und hält den Augapfel in Form.
Abfließen kann das Kammerwasser auf zwei Wegen. Der Hauptweg führt durch das Trabekelwerk, ein feines, schwammartiges Gewebe im Kammerwinkel, in den Schlemm-Kanal und von dort in die Venen. Ein kleinerer Teil fließt über den uveoskleralen Weg durch den Ziliarmuskel ab.
Warum steigt der Druck bei einer okulären Hypertension?
Bei einer okulären Hypertension fließt das Kammerwasser langsamer ab, als es gebildet wird. Die Bildung ist meist normal, und der Kammerwinkel sieht offen und unauffällig aus. Der Widerstand liegt in den feinsten Abflusswegen.
Im Gewebe vor dem Schlemm-Kanal lagern sich mit den Jahren mehr Kollagen, Fibronektin und andere Stoffe ab. Die Zellen des Trabekelwerks werden steifer und verengen die Kanäle. Das Alter fördert diesen Vorgang, und die Veranlagung spielt eine Rolle. Eine einzelne, äußere Ursache lässt sich bei der einfachen okulären Hypertension meist nicht finden.
Welche Erkrankungen und Medikamente können den Druck erhöhen?
Hat ein erhöhter Druck eine erkennbare Ursache, sprechen Fachleute von einer sekundären Drucksteigerung, nicht von einer einfachen okulären Hypertension. Mögliche Auslöser sind:
- Kortison: als Augentropfen, Salbe, Spritze ins Auge oder über längere Zeit als Tablette. Ein Teil der Menschen reagiert darauf mit einem Druckanstieg. Kortison-Nasensprays beeinflussen den Augendruck laut deutscher Leitlinie nicht.
- Entzündungen im Auge wie eine Uveitis
- Ablagerungen im Abflusssystem: beim Pseudoexfoliationssyndrom (feine Eiweißflocken) oder beim Pigmentdispersionssyndrom (Farbstoffkörnchen)
- Verletzungen oder Operationen am Auge, auch noch Monate bis Jahre später
- andere Medikamente, zum Beispiel Topiramat
- seltener: eine sehr dicke Linse bei fortgeschrittenem Grauen Star, Tumoren im Auge, ein chronisch enger Kammerwinkel
Diese Ursachen zu finden ist wichtig, weil sie oft eigens behandelt werden können. Teilen Sie der Praxis deshalb alle Medikamente mit, auch Sprays, Salben und Spritzen.
Wer hat ein höheres Risiko für erhöhten Augendruck?
Ein erhöhter Augendruck tritt häufiger bei Menschen ab 40 Jahren und bei Glaukom in der Familie auf. Weitere Risikofaktoren aus den Quellen sind:
- höheres Lebensalter
- Glaukom oder hoher Augendruck bei Eltern oder Geschwistern
- starke Kurzsichtigkeit, seltener auch starke Weitsichtigkeit
- längere Kortisonbehandlung
- frühere Verletzungen, Operationen, Spritzen ins Auge oder Entzündungen im Auge
- afrikanische oder lateinamerikanische Herkunft
- Diabetes und Bluthochdruck (Zusammenhang je nach Studie unterschiedlich stark)
Welche Faktoren entscheiden, ob aus dem erhöhten Druck ein Glaukom wird?
Das Risiko, dass aus einer okulären Hypertension ein Glaukom wird, hängt vor allem von fünf Faktoren ab: Alter, Höhe des Drucks, Hornhautdicke, Form des Sehnervenkopfes und einem Kennwert der Gesichtsfeldmessung. Diese Faktoren stammen aus der OHTS-Studie und wurden in der europäischen EGPS-Studie im Wesentlichen bestätigt.
| Faktor | Was er bedeutet |
|---|---|
| Höheres Alter | Das Risiko steigt mit jedem Lebensjahrzehnt. |
| Höherer Augendruck | Jedes zusätzliche mmHg erhöht das Glaukomrisiko um etwa 10 bis 17 Prozent. |
| Dünne Hornhaut | Hornhäute unter etwa 555 Mikrometer gehen mit einem deutlich höheren Risiko einher. |
| Große Aushöhlung des Sehnervenkopfes | Ein großes Verhältnis von Aushöhlung zu Papille (Cup/Disc-Ratio) gilt als Warnzeichen. |
| Auffälliger Gesichtsfeld-Kennwert (PSD) | Kleine Unregelmäßigkeiten im Gesichtsfeld, die noch nicht als Schaden gelten. |
Weitere Faktoren, die Leitlinien nennen: Glaukom in der Familie (etwa doppeltes Risiko), Kurzsichtigkeit ab etwa minus 4 Dioptrien, kleine Blutungen am Sehnervenrand, ein Pseudoexfoliationssyndrom, afrikanische Herkunft und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Die europäische Fachgesellschaft EGS nennt zusätzlich einen niedrigen unteren Blutdruckwert.
Warum ist die Hornhautdicke so wichtig?
Die Hornhautdicke spielt eine doppelte Rolle: Sie verfälscht den Messwert, und sie ist selbst ein Risikofaktor. Die übliche Messung drückt die Hornhaut flach. Eine dicke Hornhaut setzt dem mehr Widerstand entgegen und lässt den Druck höher erscheinen, eine dünne lässt ihn niedriger erscheinen.
Viele Menschen mit okulärer Hypertension haben eine eher dicke Hornhaut. In einer deutschen Untersuchung lag sie bei ihnen im Mittel bei 586 Mikrometer, bei Gesunden bei 566 und beim Normaldruckglaukom bei 555 Mikrometer. Ein Teil der „hohen“ Werte geht also auf die Messung zurück.
Umgekehrt ist eine dünne Hornhaut ein eigener Warnhinweis. In der OHTS-Studie war das Glaukomrisiko bei einer Hornhaut bis 555 Mikrometer etwa dreimal so hoch wie bei einer Hornhaut über 588 Mikrometer. Ob das nur am Messfehler liegt oder an der Biomechanik des ganzen Auges, ist nicht abschließend geklärt. Fachleute untersuchen dazu auch die Elastizität der Hornhaut (Hornhauthysterese).
Spielen Lebensstil, Kaffee oder Ernährung eine Rolle?
Für Kaffee, Ernährung, Rauchen oder Sport ist kein klarer Einfluss auf die Entstehung einer okulären Hypertension belegt. Kurzfristig können Koffein, das Trinken großer Wassermengen, eine enge Krawatte, Luftanhalten, Pressen oder Kopftieflage den gemessenen Druck etwas verändern. Das erklärt Schwankungen, aber keine dauerhafte Erhöhung.
Rauchen gilt bei bestehendem Glaukom als schädlich, mäßiger Alkoholkonsum nach Angaben des deutschen Berufsverbandes nicht. Eine Diät, die den Augendruck verlässlich senkt, gibt es nicht.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wie wird ein erhöhter Augeninnendruck festgestellt?
- Welche Messverfahren gibt es?
- Warum reicht eine einzige Messung nicht?
- Wie wird die Hornhautdicke gemessen?
- Welche Untersuchungen gehören zur Erstabklärung?
- Was bedeutet ein „Glaukomverdacht“?
- Was ist ein Risikorechner?
- Welche Erkrankungen werden abgegrenzt?
Wie wird ein erhöhter Augeninnendruck festgestellt?
Ein erhöhter Augeninnendruck wird mit einer Druckmessung (Tonometrie) festgestellt und muss durch wiederholte Messungen bestätigt werden. Erst eine vollständige Untersuchung von Sehnerv, Gesichtsfeld, Kammerwinkel und Hornhautdicke zeigt, ob es sich um eine okuläre Hypertension oder schon um ein Glaukom handelt.
Welche Messverfahren gibt es?
Das Referenzverfahren ist die Applanationstonometrie nach Goldmann. Nach betäubenden Tropfen mit einem gelben Farbstoff setzt die Ärztin oder der Arzt an der Spaltlampe einen kleinen Messkörper sanft auf die Hornhaut. Das tut nicht weh und dauert wenige Sekunden.
| Verfahren | Wie es funktioniert | Einordnung |
|---|---|---|
| Goldmann-Applanation | Messkörper drückt die Hornhaut leicht flach, mit Betäubungstropfen | Referenz, am genauesten |
| Luftstoß (Non-Contact) | Ein kurzer Luftstoß verformt die Hornhaut, ohne Berührung | gut zur Suche, auffällige Werte mit Goldmann nachmessen |
| Rebound-Tonometrie | Eine winzige Sonde tippt kurz an die Hornhaut | auch für Kinder und zur Selbstmessung zu Hause |
| Dynamische Konturtonometrie | Messkopf passt sich der Hornhautwölbung an | weniger abhängig von der Hornhautdicke, Spezialverfahren |
Die deutsche Leitlinie empfiehlt: Liegt ein Wert aus einem anderen Gerät, etwa dem Luftstoß-Tonometer, bei 22 mmHg oder höher, soll mit Goldmann nachgemessen werden. Die französische Gesundheitsbehörde HAS empfiehlt dasselbe.
Warum reicht eine einzige Messung nicht?
Eine einzige Messung reicht nicht, weil der Augendruck stark schwankt. Selbst bei Messungen zur gleichen Uhrzeit an verschiedenen Tagen weichen die Werte um bis zu 5 bis 7 mmHg voneinander ab. Der Druck ist bei vielen Menschen morgens am höchsten.
Auch Blinzeln, Lidkneifen, Augenbewegungen, die Körperlage, Koffein, viel Flüssigkeit oder der Blutdruck beeinflussen den Wert. Bei trockenen Augen oder Hornhautschwellung kann er zu niedrig, bei zusammengekniffenen Lidern oder dicker Hornhaut zu hoch ausfallen. Darum wird jede Messung mit Uhrzeit notiert und möglichst mit demselben Gerät wiederholt. Manchmal ist ein Tagesprofil mit Messungen zu verschiedenen Tageszeiten sinnvoll.
Wie wird die Hornhautdicke gemessen?
Die Hornhautdicke wird mit einer Pachymetrie gemessen, meist per Ultraschall oder mit einem optischen Gerät. Die Messung ist schmerzfrei und dauert Sekunden. In der Regel genügt es, sie einmal zu bestimmen.
Früher wurde versucht, den Druckwert mit Formeln nach der Hornhautdicke zu „korrigieren“. Das gilt heute als unzuverlässig: Die französische HAS rät ausdrücklich davon ab, weil die Formeln nicht geprüft sind, und Studien fanden korrigierte Werte teils ungenauer als unkorrigierte. Die Hornhautdicke wird deshalb als eigener Risikofaktor gewertet, nicht als Rechenhilfe.
Welche Untersuchungen gehören zur Erstabklärung?
Zur Erstabklärung gehört eine vollständige Untersuchung, die ein Glaukom ausschließt und das persönliche Risiko bestimmt. Die französische Leitlinie zählt mindestens acht Bausteine auf, die deutsche und die amerikanische nennen dieselben Kernpunkte:
- Gespräch: Glaukom in der Familie, frühere Messwerte, Kortison und andere Medikamente, Verletzungen, Operationen, Diabetes, Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Sehschärfe und Brillenwerte, auch um eine Kurzsichtigkeit zu erfassen
- Spaltlampe: Hornhaut, Vorderkammer, Linse; Suche nach Pigment- oder Pseudoexfoliationsablagerungen
- Druckmessung nach Goldmann, wiederholt und mit Uhrzeit
- Pachymetrie (Hornhautdicke)
- Gonioskopie: Mit einem Kontaktglas mit Spiegel wird der Kammerwinkel betrachtet. Er muss offen sein; sonst liegt keine okuläre Hypertension vor.
- Sehnerv und Nervenfaserschicht: Untersuchung des Augenhintergrunds, oft mit erweiterter Pupille, dazu Fotos als Ausgangsbefund
- OCT von Sehnerv, Nervenfaserschicht und gegebenenfalls Netzhautmitte (Ganglienzellen)
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): am besten zwei verlässliche Untersuchungen, weil die erste oft durch Lerneffekte ungenau ist
Die Diagnose okuläre Hypertension steht, wenn der Druck wiederholt erhöht ist, der Kammerwinkel offen ist, der Sehnerv keine Einkerbung, keine Blutung und keinen Nervenfaserverlust zeigt und das Gesichtsfeld normal ist.
Was bedeutet ein „Glaukomverdacht“?
Ein Glaukomverdacht bedeutet, dass einzelne Befunde an ein Glaukom denken lassen, ein Schaden aber nicht sicher nachgewiesen ist. Dazu zählen ein erhöhter Druck, ein grenzwertig ausgehöhlter Sehnerv oder ein deutlicher Seitenunterschied zwischen beiden Sehnerven. Die okuläre Hypertension ist eine Form davon.
Ein auffälliger Befund bei der Vorsorge bedeutet nicht automatisch ein Glaukom. Viele Menschen mit auffälligem Ergebnis erweisen sich bei genauer Untersuchung als gesund. Umgekehrt beruhigt ein einzelner normaler Druckwert nicht vollständig, weil ein Teil der Glaukome bei normalem Druck auftritt.
Was ist ein Risikorechner?
Ein Risikorechner schätzt aus Alter, Druck, Hornhautdicke, Sehnervbefund und Gesichtsfeld-Kennwert das Glaukomrisiko für die nächsten fünf Jahre. Er beruht auf den Daten der Studien OHTS und EGPS. Er hilft beim Gespräch über eine Behandlung, ersetzt aber nicht das ärztliche Urteil.
Der Rechner gilt nur für Menschen mit offenem Kammerwinkel und ohne Zeichen einer anderen Augenerkrankung. In einer großen englischen Auswertung traf er im Alltag nur mäßig genau. Er ist ein Hilfsmittel, keine Vorhersage im Einzelfall.
Welche Erkrankungen werden abgegrenzt?
Vor der Diagnose okuläre Hypertension müssen andere Ursachen für einen hohen Messwert ausgeschlossen werden:
- Messfehler: falsch eingestelltes Gerät, zusammengekniffene Lider, Luftanhalten, sehr dicke Hornhaut
- beginnendes Offenwinkelglaukom: wenn Sehnerv oder Gesichtsfeld bereits Schäden zeigen
- Normaldruckglaukom: Glaukomschaden trotz normalem Druck
- Kortison-Reaktion auf Tropfen, Spritzen oder Tabletten
- Pseudoexfoliations- oder Pigmentdispersionssyndrom
- Entzündung (Uveitis) oder Folgen einer Prellung des Auges
- enger oder verschlossener Kammerwinkel (Winkelblock)
5 Behandlung
In diesem Kapitel (13)
- Muss ein erhöhter Augendruck immer behandelt werden?
- Wann wird behandelt und wann nur beobachtet?
- Was bringt die Behandlung?
- Was passiert, wenn man zunächst abwartet?
- Welcher Zieldruck wird angestrebt?
- Welche Augentropfen gibt es?
- Wie tropft man richtig?
- Welche Rolle spielt die Laserbehandlung (SLT)?
- Wird eine okuläre Hypertension operiert?
- Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland?
- Was sagt der IGeL-Monitor zur Augendruckmessung?
- Wie ist es in Österreich?
- Wie gehen andere Länder vor?
Muss ein erhöhter Augendruck immer behandelt werden?
Nein, eine okuläre Hypertension muss nicht immer behandelt werden. Die französische Gesundheitsbehörde HAS rät ausdrücklich davon ab, jeden erhöhten Druck systematisch zu behandeln, und die deutsche Referenzempfehlung sieht bei fehlenden Risikofaktoren nur Kontrollen vor. Entscheidend ist das persönliche Gesamtrisiko.
Es gibt keinen einheitlichen Druckwert, ab dem behandelt werden muss. Die Ärztin oder der Arzt wägt das Glaukomrisiko gegen die Belastung einer möglicherweise lebenslangen Therapie ab. Dazu gehören Kosten, Nebenwirkungen, tägliche Disziplin und Arzttermine.
Wann wird behandelt und wann nur beobachtet?
Behandelt wird meist bei mittlerem bis hohem Risiko, beobachtet bei niedrigem Risiko. Die deutsche Referenzempfehlung von DOG und BVA fasst es so zusammen:
| Befund | Behandlung | Kontrolle |
|---|---|---|
| Okuläre Hypertension ohne zusätzliche Risikofaktoren | nein | ja |
| Okuläre Hypertension mit erhöhtem persönlichem Risiko (Alter, Druckhöhe, Sehnervbefund, dünne Hornhaut) | ja | ja |
| geringer Glaukomverdacht | nein | ja |
| deutlicher Glaukomverdacht | ja | ja |
Als besonders ungünstig gilt nach der deutschen Empfehlung eine eher dünne bis durchschnittliche Hornhaut von höchstens etwa 565 Mikrometer zusammen mit einem Druck ab etwa 25 mmHg oder einer bereits erkennbaren Aushöhlung des Sehnervenkopfes. Die französische Leitlinie empfiehlt eine Behandlung bei hohem Risiko, etwa bei hohem Druck, dünner Hornhaut, Glaukom in der Familie, stärkerer Kurzsichtigkeit, Blutungen am Sehnerv oder Pseudoexfoliation. Bei sehr hohen, mehrfach bestätigten Werten kann auch ohne weitere Risikofaktoren eine Behandlung sinnvoll sein.
In die Entscheidung gehen auch Alter, allgemeine Gesundheit, Lebenserwartung und Ihr eigener Wunsch ein. Ein 45-Jähriger mit hohem Druck hat viele Jahre vor sich, in denen ein Glaukom entstehen könnte; bei einem 85-Jährigen mit leicht erhöhtem Wert ist der Nutzen viel kleiner.
Was bringt die Behandlung?
Eine Drucksenkung halbiert das Glaukomrisiko ungefähr. In der OHTS-Studie bekamen nach 5 Jahren 4,4 Prozent der behandelten und 9,5 Prozent der unbehandelten Teilnehmenden ein Glaukom. Eine Cochrane-Übersicht über 26 Studien bestätigt, dass Drucksenkung bei okulärer Hypertension Gesichtsfeldausfälle seltener macht.
Der Nutzen hängt stark vom Ausgangsrisiko ab. Je nach Rechnung müssen etwa 15 bis 20 Menschen fünf Jahre lang behandelt werden, damit einer kein Glaukom bekommt. Bei hohem Risiko ist der Nutzen groß, bei niedrigem Risiko, das die Mehrheit betrifft, klein. Die Behandlung verschiebt den Zeitpunkt eines Glaukoms, sie beseitigt die Anfälligkeit nicht.
Was passiert, wenn man zunächst abwartet?
Ein späterer Behandlungsbeginn kostet etwas, aber meist nicht viel. In der OHTS-Studie bekam die zunächst unbehandelte Gruppe nach rund 7 Jahren ebenfalls Tropfen. Nach etwa 13 Jahren hatten 22 Prozent von ihnen ein Glaukom, in der früh behandelten Gruppe 16 Prozent.
Bei niedrigem Risiko ist dieser Preis klein, bei hohem Risiko größer. Abwarten ist deshalb nur mit regelmäßigen Kontrollen vertretbar. Wer abwartet, muss die Termine einhalten.
Welcher Zieldruck wird angestrebt?
Angestrebt wird meist eine Senkung um mindestens 20 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. In der OHTS-Studie lag das Ziel bei mindestens 20 Prozent Senkung und höchstens 24 mmHg; erreicht wurden im Mittel rund 22 Prozent. Die europäische Orientierung nennt mindestens 20 Prozent Senkung, möglichst mit einem einzigen Wirkstoff.
Der Zieldruck wird individuell festgelegt und bei jeder Kontrolle neu bewertet. Er ist kein fester Wert für alle, sondern hängt vom Ausgangsdruck und vom Risiko ab.
Welche Augentropfen gibt es?
Erste Wahl sind meist Prostaglandin-Tropfen, die einmal täglich am Abend getropft werden. Sie senken den Druck um etwa 25 bis 30 Prozent, indem sie den Abfluss verbessern. Daneben gibt es weitere Wirkstoffgruppen:
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wirkung | Typische Nebenwirkungen und Einschränkungen |
|---|---|---|---|
| Prostaglandin-Analoga | Latanoprost, Bimatoprost, Travoprost, Tafluprost | etwa 25 bis 30 Prozent Senkung, 1-mal täglich | Rötung, Wimpernwachstum, Dunkelfärbung der Lidhaut und Iris; Vorsicht nach Herpes am Auge und in der Schwangerschaft |
| Betablocker | Timolol, Betaxolol, Carteolol | etwa 20 bis 25 Prozent | langsamer Puls, niedriger Blutdruck, Atemnot; nicht bei Asthma, schwerer Herzschwäche oder bestimmten Herzrhythmusstörungen |
| Alpha-2-Agonisten | Brimonidin | etwa 20 bis 25 Prozent | allergische Reizung, Müdigkeit, Mundtrockenheit |
| Carboanhydrasehemmer | Dorzolamid, Brinzolamid | etwa 15 bis 20 Prozent | Brennen, bitterer Geschmack |
| Rho-Kinase-Hemmer | Netarsudil | verbessert den Abfluss | Rötung; nicht in allen Ländern gleich verfügbar |
Reicht ein Wirkstoff nicht, kommen Kombinationen infrage, oft als Fixkombination in einer Flasche. Tropfen ohne Konservierungsmittel schonen die Augenoberfläche und sind bei trockenen Augen oder Unverträglichkeit sinnvoll. Die erste Kontrolle nach Therapiebeginn erfolgt meist nach 4 bis 6 Wochen.
Wie tropft man richtig?
Richtig tropfen heißt: einen Tropfen in den Bindehautsack, danach Augen schließen und den inneren Lidwinkel kurz drücken. Das hält den Wirkstoff im Auge und verringert, dass er über die Tränenwege ins Blut gelangt. Leitlinien aus Deutschland, Frankreich und England fordern, die Tropftechnik zu Beginn zu zeigen und zu prüfen.
- Hände waschen, Kopf nach hinten neigen, Unterlid leicht herunterziehen
- ein Tropfen genügt; mehr läuft nur über
- Fläschchenspitze nicht mit Auge oder Wimpern berühren
- zwischen zwei verschiedenen Tropfen etwa 5 Minuten warten
- feste Uhrzeit wählen, zum Beispiel beim Zähneputzen am Abend
Tropfen wirken nur, wenn sie regelmäßig genommen werden. Setzen Sie sie nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie Probleme in der Praxis an.
Welche Rolle spielt die Laserbehandlung (SLT)?
Die selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) ist eine gleichwertige Alternative zu Tropfen. Dabei wird das Trabekelwerk mit kurzen, schonenden Laserimpulsen behandelt, damit das Kammerwasser besser abfließt. Der Eingriff erfolgt ambulant an der Spaltlampe mit Betäubungstropfen und dauert wenige Minuten.
In der britischen LiGHT-Studie mit 718 Menschen mit okulärer Hypertension oder frühem Glaukom kamen nach 6 Jahren knapp 70 Prozent der gelaserten Augen ohne weitere Behandlung aus. Ein Fortschreiten trat seltener auf als unter Tropfen, und Operationen waren seltener nötig. Die Lebensqualität unterschied sich kaum.
Die Wirkung kann mit den Jahren nachlassen; eine zweite Behandlung ist möglich. Seit 2022 empfiehlt die englische Leitlinie NICE die SLT als erste Behandlung bei okulärer Hypertension ab 24 mmHg, außer beim Pigmentdispersionssyndrom. Die französische HAS stellt sie den Tropfen gleich. In Deutschland und Österreich wird sie zunehmend früh angeboten; ob die Krankenkasse sie bei okulärer Hypertension übernimmt, sollte vorab geklärt werden.
Wird eine okuläre Hypertension operiert?
Nein, eine Operation wie die Trabekulektomie ist bei reiner okulärer Hypertension nicht üblich. Sie bleibt dem fortschreitenden Glaukom vorbehalten, wenn Tropfen und Laser nicht reichen.
Eine Ausnahme ist die Operation des Grauen Stars: Ist die Linse ohnehin getrübt und behindert sie das Sehen, kann die Kataraktoperation den Augendruck oft dauerhaft etwas senken. Allein wegen des Drucks wird sie nicht durchgeführt.
Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland?
In Deutschland zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Glaukom-Vorsorge bei Gesunden ohne Beschwerden nicht; sie ist eine Selbstzahlerleistung (IGeL). Üblich sind etwa 20 bis 40 Euro für Augendruckmessung und Untersuchung des Sehnervs, mit Beratung etwa 30 bis 50 Euro. Eine OCT als IGeL kostet etwa 90 bis 140 Euro.
Besteht dagegen ein konkreter Anlass, ist die Untersuchung Kassenleistung. Dazu gehören ein bereits bekannter erhöhter Augeninnendruck, ein auffälliger Augenhintergrund, Beschwerden, eine Dauerbehandlung mit Kortison, diabetische Augenschäden, eine Verletzung oder eine geplante Augenoperation. Wer also bereits mit okulärer Hypertension in Kontrolle ist, bekommt die Kontrollen und eine nötige Behandlung von der Kasse bezahlt.
Was sagt der IGeL-Monitor zur Augendruckmessung?
Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet die Glaukom-Früherkennung durch Augendruckmessung, auch zusammen mit der Augenspiegelung, als „tendenziell negativ“. Er sieht keinen ausreichenden Nutzennachweis und weist auf falsch-positive Befunde hin, die zu unnötiger Beunruhigung und Behandlung führen können. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Aufnahme als Kassenleistung abgelehnt.
Die augenärztlichen Fachgesellschaften DOG und BVA empfehlen dagegen ab 40 Jahren eine Vorsorge aus Druckmessung und Untersuchung des Sehnervs. Einig sind sich beide Seiten in einem Punkt: Eine Druckmessung allein ist zu wenig. Wer eine Vorsorge macht, sollte immer auch den Sehnerv beurteilen lassen.
Wie ist es in Österreich?
In Österreich übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung notwendige und zweckmäßige Untersuchungen und Behandlungen über die e-card, teils mit Selbstbehalt. Eine Augendruckmessung im Rahmen einer augenärztlichen Untersuchung ist dort üblich. Ob eine reine Vorsorgemessung ohne Anlass bezahlt wird, hängt vom Einzelfall und vom Versicherungsträger ab; fragen Sie im Zweifel vorher nach.
Das Gesundheitsportal des Bundes empfiehlt Untersuchungen etwa ab 40 Jahren. Die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft fordert in ihrem Weißbuch 2026 einen Ausbau der Vorsorge, weil schätzungsweise die Hälfte der rund 90.000 Glaukombetroffenen nichts von ihrer Erkrankung weiß.
Wie gehen andere Länder vor?
Die Länder setzen die Grenzen unterschiedlich. Ein Vergleich hilft, Aussagen aus dem Internet einzuordnen:
- England (NICE): Überweisung und Behandlung erst ab 24 mmHg und nur, wenn im Leben ein Risiko für eine Sehbehinderung besteht; erste Wahl ist die SLT. Die Hornhautdicke wird dort für die Behandlungsentscheidung nicht mehr zwingend verlangt, fließt aber weiter in die Risikoabschätzung ein.
- Frankreich (HAS): keine systematische Behandlung, Entscheidung nach Risiko; Kontrollen können bei stabilem Befund abwechselnd durch Orthoptisten und Augenarzt erfolgen.
- USA: Grundlage ist die OHTS-Studie mit dem dazugehörigen Risikorechner.
- Deutschland und Österreich: Entscheidung nach individuellem Risiko; die aktuelle deutsche Leitlinie von 2024 regelt vor allem Risikofaktoren und Abstände der Früherkennung.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (7)
Wie oft wird aus erhöhtem Augendruck ein Grüner Star?
Die meisten Menschen mit okulärer Hypertension bekommen kein Glaukom, zumindest nicht in den ersten Jahren. In der OHTS-Studie entwickelten ohne Behandlung 9,5 von 100 Teilnehmenden innerhalb von 5 Jahren ein Glaukom, also etwa 2 von 100 pro Jahr. Eine französische Übersicht nennt 8 bis 20 Prozent innerhalb von 10 Jahren, und nur wenige davon mit spürbarem Sehverlust.
Wichtig für das Verständnis: In die OHTS-Studie wurden nur Menschen mit Werten von 24 bis 32 mmHg aufgenommen. Wer nur leicht erhöhte Werte um 22 mmHg hat, hat in der Regel ein niedrigeres Risiko als die Teilnehmenden der Studie.
Wie entwickelt sich das Risiko über viele Jahre?
Das Risiko steigt über die Jahre langsam und stetig weiter. In der OHTS-Studie nahm die Zahl der Glaukomfälle über mindestens 15 Jahre gleichmäßig zu, ohne abzuflachen.
Nach rund 20 Jahren Beobachtung hatte knapp die Hälfte der Teilnehmenden ein Glaukom entwickelt, zumeist in milder Form und oft spät. Wie hoch der Anteil war, hing stark vom Ausgangsrisiko ab:
| Ausgangsrisiko zu Beginn | Glaukom nach etwa 20 Jahren |
|---|---|
| niedrig | etwa 32 von 100 |
| mittel | etwa 48 von 100 |
| hoch | etwa 60 von 100 |
Diese Zahlen stammen aus einer Studie, die vor Einführung der OCT begann, und sind nicht ohne Weiteres auf jeden Einzelnen übertragbar. Sie zeigen aber, warum Kontrollen lebenslang wichtig bleiben. In einer großen englischen Auswertung von über 9.000 Menschen mit okulärer Hypertension wurde bei rund 17 Prozent im Verlauf ein Glaukom festgestellt.
Was bedeutet das für mein Sehen?
Solange keine Schäden am Sehnerv entstehen, ist das Sehen nicht beeinträchtigt. Wird ein Glaukom früh erkannt und behandelt, bleibt das Sehen bei den meisten Menschen lebenslang alltagstauglich. Vollständige Erblindung durch ein Glaukom ist selten, vor allem bei regelmäßiger Behandlung.
Einmal entstandene Glaukomschäden lassen sich aber nicht rückgängig machen. Die Behandlung kann das Fortschreiten nur bremsen. Darin liegt der Sinn der Kontrollen bei okulärer Hypertension: einen Schaden zu erkennen, solange er klein ist.
Kann der Augendruck auch wieder normal werden?
Ja, das ist möglich. Werte schwanken, und bei Kontrollen liegen manche Menschen später wieder im Normalbereich. Auch in der Placebogruppe der europäischen EGPS-Studie sank der Druck im Verlauf deutlich.
Hatte der hohe Druck eine Ursache wie Kortison, normalisiert er sich nach dem Absetzen oft. Bei der einfachen okulären Hypertension bleibt er dagegen meist auf ähnlichem Niveau. Eine „Heilung“ im eigentlichen Sinn gibt es nicht, wohl aber eine gute Kontrolle.
Wie oft muss ich zur Kontrolle?
Bei okulärer Hypertension ohne Behandlung ist mindestens eine Kontrolle pro Jahr üblich, mit Behandlung häufiger. Die Abstände richten sich nach dem Risiko und werden individuell festgelegt.
| Situation | Übliche Abstände |
|---|---|
| Neu festgestellt | Bestätigung mit wiederholten Messungen; Ausgangsbefund mit Gesichtsfeld, OCT und Fotos |
| Unbehandelt, niedriges Risiko | Druck etwa alle 6 bis 12 Monate; Sehnerv jährlich; Gesichtsfeld und OCT alle 1 bis 2 Jahre |
| Unbehandelt, Druck über 25 mmHg oder Pseudoexfoliation | nach deutscher Leitlinie mindestens jährlich die vollständige Untersuchung, oft häufiger |
| Neu mit Tropfen behandelt | erste Kontrolle nach etwa 4 bis 6 Wochen |
| Behandelt, stabil | Druck etwa alle 3 bis 6 Monate; Sehnerv und Gesichtsfeld mindestens jährlich |
Die französische Leitlinie sieht bei niedrigem Risiko nach dem ersten Jahr Kontrollen alle 12 bis 24 Monate vor. Die deutsche Referenzempfehlung nennt für Behandelte eine Druckmessung etwa alle 3 Monate. Bei jeder Kontrolle wird auch der Kammerwinkel im Blick behalten, weil er sich mit dem Alter verengen kann.
Ist die Behandlung lebenslang?
Meist ja, wenn einmal mit einer Behandlung begonnen wurde. Die französische HAS spricht ausdrücklich von einer Behandlung „ein Leben lang“, die aber regelmäßig neu bewertet wird. Bei einer SLT können über Jahre Tropfen entbehrlich sein.
In Einzelfällen kann bei niedrigem Risiko und langem stabilem Verlauf ein Absetzversuch unter Kontrolle besprochen werden. Das entscheidet ausschließlich die Augenärztin oder der Augenarzt.
Darf ich mit erhöhtem Augendruck Auto fahren?
Ja, eine okuläre Hypertension allein schränkt die Fahrtauglichkeit nicht ein, weil Sehschärfe und Gesichtsfeld normal sind. Erst wenn ein Glaukom das Gesichtsfeld deutlich einengt, kann die Fahreignung betroffen sein. Das prüft die Augenärztin oder der Augenarzt mit einer Gesichtsfeldmessung.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (5)
Kann man einer okulären Hypertension vorbeugen?
Nein, für die okuläre Hypertension selbst gibt es keine belegte Vorbeugung. Der Druck hängt vor allem von Alter und Veranlagung ab. Vermeidbar ist nur ein Teil der Ursachen, vor allem eine unkontrollierte Kortisonanwendung.
Vorbeugen lässt sich aber dem Sehverlust durch ein unentdecktes Glaukom. Das gelingt durch Früherkennung, regelmäßige Kontrollen und eine konsequente Behandlung, wenn sie nötig ist.
Ab wann ist eine Augendruckmessung sinnvoll?
Die deutschen und österreichischen Fachgesellschaften empfehlen ab etwa 40 Jahren eine Untersuchung von Augendruck und Sehnerv. Die deutsche Leitlinie von 2024 empfiehlt, allen Menschen ab 40 eine solche Glaukom-Früherkennung anzubieten. Bei dunkler Hautfarbe kann sie schon ab 30 Jahren sinnvoll sein.
Die Abstände richten sich nach den Risikofaktoren. Ohne Auffälligkeiten nennt der Berufsverband der Augenärzte Abstände von 1 bis 5 Jahren. Mit einem zusätzlichen Risikofaktor empfiehlt die Leitlinie zwischen 40 und 59 Jahren alle 2 bis 3 Jahre und ab 60 jährlich eine Untersuchung; mit zwei oder mehr Risikofaktoren jährlich.
Was kann ich selbst tun?
Das Wichtigste, was Sie selbst tun können, ist, Kontrolltermine einzuhalten und verordnete Tropfen regelmäßig zu nehmen. Weitere praktische Punkte:
- Messwerte notieren: Druck, Datum und Uhrzeit in einem Augenpass oder einer Notiz festhalten. Das hilft bei einem Praxiswechsel.
- Kortison immer erwähnen: Bei jeder Verordnung von Kortison-Tropfen, -Salben, -Spritzen oder -Tabletten die behandelnde Ärztin oder den Arzt auf den erhöhten Augendruck hinweisen. Bei längerer Kortisonbehandlung den Druck kontrollieren lassen.
- Familie informieren: Eltern, Geschwister und erwachsene Kinder sollten sich untersuchen lassen, vor allem wenn in der Familie ein Glaukom bekannt ist.
- Hausarzt einbeziehen: Blutdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gut einstellen lassen und alle Augentropfen in den Medikamentenplan aufnehmen.
- Nicht rauchen: Rauchen gilt bei Glaukom als schädlich und schadet den Gefäßen insgesamt.
- Nachfragen: Lassen Sie sich Ihr persönliches Risiko erklären und fragen Sie, warum behandelt oder nicht behandelt wird.
Hilft eine Selbstmessung zu Hause?
Eine Selbstmessung mit einem Rebound-Tonometer kann nach Schulung Druckschwankungen im Tagesverlauf sichtbar machen. Sie ersetzt aber nie die Untersuchung in der Praxis, weil dort auch Sehnerv und Gesichtsfeld beurteilt werden. Ob sie im Einzelfall sinnvoll ist, sollte mit der Augenärztin oder dem Augenarzt besprochen werden.
Sport, Ernährung und Alltag
Normale Alltagsaktivitäten, Sport, Bildschirmarbeit und Lesen schaden bei okulärer Hypertension nicht. Ausgewogene Ernährung und Bewegung sind für die allgemeine Gesundheit gut; dass sie den Augendruck dauerhaft senken oder ein Glaukom verhindern, ist nicht belegt.
Kaffee in üblichen Mengen und mäßiger Alkohol gelten nicht als schädlich. Nahrungsergänzungsmittel gegen Augendruck haben keinen nachgewiesenen Nutzen. Wer Tropfen nimmt, sollte bei trockenen Augen mit der Praxis über konservierungsmittelfreie Präparate oder ergänzende Tränenersatzmittel sprechen.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (4)
Ist erhöhter Augendruck ein Notfall?
Nein, eine okuläre Hypertension ist kein Notfall. Ein bei der Vorsorge gemessener erhöhter Wert ohne Beschwerden sollte innerhalb von einigen Wochen augenärztlich abgeklärt werden. Bei sehr hohen Werten, etwa über 30 mmHg, legt die Praxis meist einen früheren Termin fest.
Wann sofort in die Augenklinik?
Sofort in eine Augenklinik oder augenärztliche Notaufnahme gehören Beschwerden, die auf einen akuten Glaukomanfall oder eine andere schwere Erkrankung hinweisen:
- plötzliche, starke Augenschmerzen, oft mit Kopf- oder Stirnschmerz
- rotes, hartes Auge mit plötzlich verschwommenem oder nebligem Sehen
- farbige Ringe um Lichtquellen
- Übelkeit oder Erbrechen zusammen mit Augenschmerzen
- plötzlicher Sehverlust auf einem Auge, auch ohne Schmerzen
- plötzlich ein Schatten oder Vorhang vor dem Auge, Lichtblitze oder viele neue dunkle Punkte
- nach dem Tropfen: Atemnot, sehr langsamer Puls mit Schwindel oder Ohnmacht, Schwellung von Gesicht oder Hals
Fahren Sie in diesem Fall nicht selbst und nehmen Sie Ihre Augentropfen mit. Bei Atemnot, Ohnmacht oder wenn Sie keine Augenklinik erreichen, wählen Sie den Notruf 112 (in Österreich auch 144). Außerhalb der Sprechzeiten hilft in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, in Österreich die Gesundheitsnummer 1450 bei der Suche nach der richtigen Stelle. Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
Wann innerhalb weniger Tage zum Augenarzt?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie sich melden, wenn neue Sehstörungen oder deutliche Nebenwirkungen auftreten:
- neu bemerkte Lücken im Gesichtsfeld, die sich schleichend entwickelt haben
- zunehmendes Anstoßen oder Übersehen von Dingen an der Seite
- Lichtringe oder Schleiersehen nach Sport oder Anstrengung
- gerötetes, lichtscheues Auge mit Schmerzen (mögliche Entzündung): möglichst noch am selben oder am nächsten Tag
- deutliche Nebenwirkungen der Tropfen, zum Beispiel anhaltende Rötung und Reizung, juckende geschwollene Lider, auffällige Müdigkeit oder Schwindel
- Beginn einer längeren Kortisonbehandlung, wenn ein erhöhter Augendruck bekannt ist
Was ist routinemäßig zu erledigen?
Routinemäßig, also nach Plan, gehören dazu: die vereinbarten Kontrollen, ein Rezept vor dem Ende der Tropfenflasche und eine Rückfrage, wenn ein Kontrolltermin ausgefallen ist. Wer seine Tropfen nicht verträgt oder vergisst, sollte das beim nächsten Termin offen ansprechen und nicht still absetzen.
9 Häufige Fragen
Ab welchem Wert ist der Augendruck zu hoch?
Als erhöht gilt meist ein Augeninnendruck über 21 mmHg, gemessen mehrfach und ohne Behandlung. Der Durchschnitt liegt bei 15 bis 16 mmHg. Die Grenze ist statistisch festgelegt und keine scharfe Linie: Manche Menschen haben bei 24 mmHg nie Probleme, andere bekommen bei 16 mmHg ein Glaukom. In England wird erst ab 24 mmHg überwiesen und behandelt.
Habe ich jetzt Grünen Star, wenn mein Augendruck erhöht ist?
Nein, nicht automatisch. Bei einer okulären Hypertension sind Sehnerv und Gesichtsfeld gesund. Das Risiko für einen Grünen Star ist aber erhöht, deshalb sind regelmäßige Kontrollen nötig.
Wird aus erhöhtem Augendruck sicher ein Glaukom?
Nein. In der großen OHTS-Studie bekamen ohne Behandlung etwa 9,5 von 100 Betroffenen in 5 Jahren ein Glaukom, mit Behandlung 4,4 von 100. Über 20 Jahre steigt der Anteil, je nach Ausgangsrisiko auf etwa ein Drittel bis sechs von zehn. Werden Kontrollen eingehalten, wird ein Glaukom meist früh erkannt.
Muss ich bei erhöhtem Augendruck Tropfen nehmen?
Nicht unbedingt. Ohne zusätzliche Risikofaktoren genügen oft regelmäßige Kontrollen. Behandelt wird, wenn das Gesamtrisiko erhöht ist, etwa bei hohem Druck, dünner Hornhaut, auffälligem Sehnerv, Glaukom in der Familie oder stärkerer Kurzsichtigkeit. Statt Tropfen kommt auch eine Laserbehandlung (SLT) infrage.
Kann man hohen Augendruck spüren?
Nein. Eine okuläre Hypertension macht keine Schmerzen, keine Rötung und keine Sehstörung. Druckgefühl oder Kopfschmerzen haben fast immer andere Ursachen. Nur eine Messung in der augenärztlichen Praxis zeigt den Druck.
Warum wird die Hornhautdicke gemessen?
Weil sie den Messwert beeinflusst und selbst ein Risikofaktor ist. Eine dicke Hornhaut lässt den Druck höher erscheinen, eine dünne niedriger. Unabhängig davon haben Menschen mit dünner Hornhaut ein höheres Glaukomrisiko. Umrechnungsformeln gelten als unzuverlässig, deshalb wird die Dicke als eigener Risikofaktor bewertet.
Ist die Augendruckmessung mit dem Luftstoß genau?
Sie eignet sich gut zur Suche, ist aber weniger genau als die Messung nach Goldmann. Bei Werten ab 22 mmHg soll laut deutscher Leitlinie mit dem Goldmann-Verfahren nachgemessen werden. Ein einzelner Wert reicht ohnehin nicht, weil der Druck schwankt.
Zahlt die Krankenkasse die Augendruckmessung?
In Deutschland ist die Vorsorge bei Gesunden ohne Anlass eine Selbstzahlerleistung (IGeL), meist 20 bis 40 Euro. Ist ein erhöhter Augendruck bereits bekannt oder gibt es einen anderen Anlass, zahlt die Kasse Kontrollen und Behandlung. In Österreich werden notwendige Untersuchungen über die e-card abgerechnet.
Wie oft muss ich mit erhöhtem Augendruck zur Kontrolle?
Ohne Behandlung meist mindestens einmal im Jahr, bei niedrigem Risiko und stabilem Verlauf manchmal seltener. Mit Tropfen wird der Druck anfangs nach 4 bis 6 Wochen und danach etwa alle 3 bis 6 Monate kontrolliert; Sehnerv und Gesichtsfeld mindestens jährlich.
Hat erhöhter Augendruck etwas mit Bluthochdruck zu tun?
Nein, trotz des ähnlichen Namens nicht. Gemeint ist der Druck der Flüssigkeit im Auge, nicht der Blutdruck. Ein gut eingestellter Blutdruck ist trotzdem sinnvoll, weil Herz-Kreislauf-Faktoren das Glaukomrisiko mit beeinflussen; ein zu niedriger Blutdruck kann ebenfalls ungünstig sein.
Kann Kortison den Augendruck erhöhen?
Ja. Kortison als Augentropfen, Salbe, Spritze ins Auge oder als längere Tablettenbehandlung kann bei einem Teil der Menschen den Augendruck deutlich erhöhen. Kortison-Nasensprays haben laut deutscher Leitlinie keinen Einfluss. Wer einen erhöhten Augendruck hat, sollte bei jeder Kortisonverordnung darauf hinweisen.
Kann ich mit erhöhtem Augendruck blind werden?
Durch den erhöhten Druck allein nicht. Die Gefahr ist, dass sich ein Glaukom entwickelt und unbemerkt bleibt. Wer seine Kontrollen wahrnimmt und eine nötige Behandlung konsequent durchführt, hat ein sehr geringes Risiko, durch ein Glaukom schwer sehbehindert zu werden.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 25 Quellen anzeigen
- Leitlinie: Bewertung von Risikofaktoren für das Auftreten des Offenwinkelglaukoms (AWMF 045-015l, S2e, 2024) – DOG, BVA, AWMF (DE)
- Leitlinie Nr. 15a: Primäres chronisches Offenwinkelglaukom, Normaldruckglaukom und okuläre Hypertension (2006) – BVA und DOG (DE)
- Glaukom (Grüner Star) – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
- Grüner Star (Glaukom) – IQWiG, gesundheitsinformation.de (DE)
- Glaukom (Grüner Star), Patienteninformation – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (augeninfo.de) (DE)
- Glaukom: Was kann eine Früherkennung leisten? – Techniker Krankenkasse (DE)
- Merkblatt Glaukom-Früherkennung – IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst) (DE)
- Weißbuch Augenheilkunde (Presseaussendung 2026) – Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft (DE)
- Zentrale Hornhautdicke bei okulärer Hypertension (Klin Monbl Augenheilkd 2000) – Thieme (DE)
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- Diagnostic et prise en charge de l'hypertonie oculaire et du glaucome primitif à angle ouvert (2022, mise à jour 2025) – Haute Autorité de santé (HAS) (FR)
- Glaucome : symptômes et diagnostic – Assurance Maladie (ameli.fr) (FR)
- Hypertonie oculaire simple – EMC, Elsevier Masson (FR)
- Glaucoma – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Tonometría – Clínica Universidad de Navarra, Diccionario médico (ES)
- Glaucoma y presión ocular – National Eye Institute (NIH) (ES)
- Intervenciones médicas para el glaucoma de ángulo abierto primario y la hipertensión ocular – Cochrane (ES)
- Aumento de la presión intraocular (PIO) sin glaucoma – GPnotebook (ES)
- Tratamiento para personas con hipertensión ocular (HTO) o sospecha de glaucoma – GPnotebook (nach NICE) (ES)
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