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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Regenbogenhaut und Aderhaut

Endophthalmitis (Infektion im Augeninneren)

Die Endophthalmitis ist eine seltene, aber sehr ernste Infektion im Inneren des Auges, meist wenige Tage nach einer Augenoperation, einer Spritze ins Auge oder einer Verletzung. Zunehmende Schmerzen, ein rotes Auge und schlechteres Sehen sind ein Notfall: Je schneller Antibiotika ins Auge gelangen, desto besser sind die Chancen für das Sehvermögen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 47 Minuten · 24 Quellen in 4 Sprachen

Notfall: Bei zunehmenden Schmerzen, Rötung oder Sehverschlechterung nach einer Augenoperation, Spritze ins Auge oder Verletzung noch am selben Tag in die Augenklinik, auch nachts und am Wochenende. Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

Eine Endophthalmitis ist eine Infektion im Inneren des Auges. Betroffen sind das Kammerwasser vorne im Auge und der Glaskörper, die gelartige Füllung hinter der Linse. Meist sind Bakterien die Ursache, seltener Pilze. Das Kennzeichen jeder Form ist die Entzündung des Glaskörpers.

In den meisten Fällen gelangen die Keime von außen ins Auge: bei einer Operation, bei einer Spritze ins Auge (intravitreale Injektion) oder durch eine Verletzung. Fachleute nennen das exogene Endophthalmitis. Seltener streuen Keime über das Blut aus einem Infektionsherd im Körper ins Auge, zum Beispiel bei einer Blutvergiftung (Sepsis). Das ist die endogene Endophthalmitis.

Die Erkrankung ist selten. Nach einer Operation des Grauen Stars tritt sie heute bei etwa 1 von 1.000 bis 1 von 3.000 Eingriffen auf. Weil diese Operation sehr häufig ist, sind es in Deutschland und Frankreich trotzdem jedes Jahr Hunderte von Fällen, im kleineren Österreich einige Dutzend.

Typisch sind schlechteres Sehen, Schmerzen und ein rotes Auge, meist wenige Tage nach dem Eingriff. Oft ist in der vorderen Augenkammer ein weißlicher Eiterspiegel zu sehen (Hypopyon). Nicht jede Endophthalmitis tut weh: Mehr als ein Viertel der Betroffenen hat keine Schmerzen.

Die Endophthalmitis ist ein augenärztlicher Notfall. Bakterien und ihre Giftstoffe können die Netzhaut innerhalb von Stunden bleibend schädigen. Behandelt wird mit Antibiotika, die direkt in den Glaskörper gespritzt werden, oft zusammen mit einer Glaskörperoperation (Vitrektomie). Auch bei rascher Behandlung bleibt manchmal ein Sehverlust zurück.

Vorbeugen können vor allem die Operateurinnen und Operateure: mit gründlicher Desinfektion des Auges durch Povidon-Jod und, bei der Kataraktoperation, mit einem Antibiotikum in der Vorderkammer am Ende des Eingriffs. Ihr wichtigster eigener Beitrag ist, die Warnzeichen zu kennen und sofort zu handeln.

2 Symptome

In diesem Kapitel (20)

Was sind die typischen Anzeichen einer Endophthalmitis?

Die drei Leitsymptome sind schlechteres Sehen, ein rotes Auge und Schmerzen, die in den Tagen nach einem Eingriff zunehmen statt abzuklingen. Die genauesten Zahlen stammen aus der amerikanischen Endophthalmitis Vitrectomy Study (EVS) mit 420 Betroffenen nach Kataraktoperation. Deutsche Leitlinien und europäische Studien kommen auf ähnliche Werte.

AnzeichenHäufigkeit nach KataraktoperationWie es sich äußert
Schlechteres Sehenüber 90 % (EVS: 94 %)Schleier, Nebel, verschwommenes Bild, das von Tag zu Tag oder Stunde zu Stunde schlechter wird
Rotes Augeüber 80 % (EVS: 82 %)tiefe Rötung rund um die Hornhaut, oft mit geschwollener Bindehaut
Augenschmerzen74 bis 85 %dumpf, tief im Auge, kaum durch Schmerzmittel zu lindern
Eiterspiegel in der Vorderkammer (Hypopyon)75 bis 86 %weißlich-gelber Streifen unten vor der Regenbogenhaut, oft erst bei der Untersuchung sichtbar
Geschwollenes Lidetwa 35 %Oberlid dick, Auge lässt sich schwer öffnen
Lichtempfindlichkeithäufig, ohne genaue ZahlLicht schmerzt, man kneift das Auge zu

Kein einzelnes Zeichen ist immer vorhanden. Entscheidend ist der Verlauf: Nach einer normalen Operation wird das Auge Tag für Tag ruhiger und das Sehen besser. Bei einer Endophthalmitis kehrt sich dieser Verlauf um.

Wie fühlt sich die Sehverschlechterung an?

Die meisten Betroffenen beschreiben einen zunehmenden Nebel oder milchigen Schleier vor dem operierten Auge. Wer nach der Operation schon gut gesehen hat, merkt, dass das neue klare Bild wieder verschwimmt. Farben wirken blasser, Kontraste flacher.

Die Verschlechterung kann rasch gehen. Bei aggressiven Keimen sieht das Auge innerhalb von Stunden nur noch Handbewegungen oder Licht und Schatten. Laut einem englischen Patientenblatt beginnt die plötzliche Sehverschlechterung besonders häufig 24 bis 72 Stunden nach Operation oder Spritze.

Bei milderen Erregern ist das Sehen anfangs oft noch recht gut. Gerade dann wird die Veränderung leicht als normale Heilungsphase abgetan. Ein Merksatz: Wird das Sehen nach dem Eingriff schlechter statt besser, ist das ein Warnzeichen.

Welche Schmerzen sind typisch?

Typisch ist ein dumpfer, tiefer, bohrender Schmerz im Auge, der mit den Stunden zunimmt. Er spricht kaum auf übliche Schmerzmittel an. Starke Schmerzen sind ein häufiger Grund, warum Betroffene rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt kommen.

Der Schmerz kann in die Stirn, über die Augenbraue oder in die Schläfe ausstrahlen. Bewegungen des Auges und Licht verstärken ihn oft. Ein leichtes Kratzen oder Fremdkörpergefühl wie nach einer gewöhnlichen Operation ist dagegen kein typisches Zeichen.

Wichtig: Nach einer unkomplizierten Kataraktoperation sollte das Auge kaum schmerzen. Fachleute betonen deshalb: Nehmen die Schmerzen in den Tagen danach zu, muss eine Komplikation, vor allem eine Infektion, sofort augenärztlich ausgeschlossen werden.

Kann eine Endophthalmitis auch ohne Schmerzen auftreten?

Ja. In der EVS hatte mehr als ein Viertel der Betroffenen keine Schmerzen. Fehlende Schmerzen schließen die Erkrankung also nicht aus.

Besonders nach einer Spritze ins Auge und bei der späten, schleichenden Form sind die Schmerzen oft gering. Das Leitsymptom ist dann allein das schlechtere Sehen.

Wie zeigen sich Rötung und Schwellung?

Das Auge ist meist tief und gleichmäßig gerötet, besonders im Ring rund um die Hornhaut. Die Bindehaut kann glasig anschwellen (Chemosis). Das Oberlid ist bei etwa einem Drittel der Betroffenen geschwollen.

Eine leichte Rötung an der Einstichstelle nach einer Spritze ins Auge ist häufig harmlos. Ein kleiner roter Fleck auf dem Augenweiß (Bindehautblutung) ist ebenfalls meist ungefährlich. Bedenklich wird es, wenn die Rötung sich ausbreitet, zunimmt und mit Schmerzen oder schlechterem Sehen einhergeht.

Was bedeuten Lichtscheu, Tränen und Ausfluss?

Lichtempfindlichkeit, vermehrtes Tränen und ein weißlicher oder gelblicher Ausfluss können eine Endophthalmitis begleiten. Die Lichtscheu kann so stark sein, dass Betroffene das Auge zukneifen oder abdecken. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) nennt eine verstärkte Blendungsempfindlichkeit ausdrücklich als Warnzeichen nach einer Spritze ins Auge.

Allein sind diese Zeichen wenig spezifisch. Sie kommen auch bei einer harmlosen Reizung vor. Zusammen mit Schmerzen, Rötung oder Sehverschlechterung gehören sie aber zum typischen Bild.

Was ist ein Hypopyon?

Ein Hypopyon ist eine Ansammlung von Eiter in der vorderen Augenkammer, die sich unten als weißlich-gelber, waagerechter Spiegel absetzt. Es entsteht, weil sich Entzündungszellen der Schwerkraft folgend sammeln. Bei 75 bis 86 Prozent der Betroffenen nach Kataraktoperation ist es vorhanden.

Bei einem großen Hypopyon sieht man den hellen Streifen am unteren Rand der Regenbogenhaut mit bloßem Auge. Ein kleines Hypopyon erkennt nur die Augenärztin oder der Augenarzt an der Spaltlampe. Es zeigt sich oft erst im weiteren Verlauf. Bei Pilzinfektionen kann es eine unregelmäßige, pyramidenartige Form haben.

Ein weißlicher Fleck im Auge zusammen mit Schmerz oder Sehverlust ist immer ein Grund für sofortige Behandlung. Umgekehrt schließt ein fehlendes Hypopyon die Erkrankung nicht aus.

Was sieht man, wenn der Glaskörper betroffen ist?

Ist der Glaskörper entzündet, sehen Betroffene Schleier, Wolken, schwarze Punkte oder Fäden, die mit den Augenbewegungen mitschwimmen (Mouches volantes). Bei stärkerer Entzündung verschwimmt das ganze Bild. Die Augenärztin oder der Augenarzt erkennt einen getrübten Glaskörper und einen fehlenden roten Reflex aus dem Augenhintergrund.

Je dichter die Trübung, desto ernster ist die Lage. Sind bei der Augenspiegelung nicht einmal mehr die größeren Blutgefäße der Netzhaut zu erkennen, gilt das als ungünstiges Zeichen.

Wann beginnen die Beschwerden nach einer Kataraktoperation?

Die akute Form beginnt meist innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen, oft nach drei bis sieben Tagen. In zwei großen europäischen Fallserien kamen die Betroffenen im Median nach 5 beziehungsweise 13 Tagen. Als Grenze zur späten Form gelten sechs Wochen.

Die spanische Leitlinie unterscheidet innerhalb der akuten Form zwei Verläufe:

  • Schwere, rasche Form zwischen 24 Stunden und 5 Tagen nach der Operation: meist durch aggressive Keime wie Staphylococcus aureus, Streptokokken oder gramnegative Bakterien. Sehr schlechtes Sehen, starke Schmerzen, dichte Glaskörpertrübung.
  • Mildere, subakute Form zwischen Tag 3 und Tag 14: meist durch weniger aggressive Hautkeime (koagulasenegative Staphylokokken). Das Sehen ist anfangs oft noch besser, Schmerz und Rötung sind schwächer, die Aussichten günstiger.

Selten beginnt eine Infektion schon in den ersten 24 Stunden, dann meist durch sehr aggressive Keime. Beschwerden in den ersten Stunden nach der Operation haben häufiger eine andere, nicht infektiöse Ursache (siehe unten).

Was ist nach einer Augenoperation normal und was nicht?

Ein leicht gereiztes, etwas gerötetes und tränendes Auge mit leichtem Fremdkörpergefühl ist in den ersten Tagen normal. Normal ist auch, dass das Sehen am ersten Tag noch etwas verschwommen ist. Entscheidend ist, dass sich alles von Tag zu Tag bessert.

Eher normalWarnzeichen: sofort in die Augenklinik
leichtes Kratzen oder Sandkorngefühlzunehmender, tiefer, dumpfer Schmerz
leichte Rötung, die abnimmtRötung, die stärker wird und sich ausbreitet
Sehen anfangs etwas verschwommen, dann besserSehen wird nach anfänglicher Besserung wieder schlechter
etwas Blendung, die nachläsststarke Lichtscheu, das Auge muss zugekniffen werden
Tränengelblicher Ausfluss, geschwollenes Lid, weißer Fleck im Auge

Im Zweifel gilt: Lieber einmal unnötig untersuchen lassen als eine Infektion verpassen. Die deutsche Leitlinie der DGII von 2005 verlangt, dass Patientinnen und Patienten vor dem Eingriff über die Warnzeichen und über die Dringlichkeit einer sofortigen Vorstellung aufgeklärt werden, auch nachts oder am Wochenende.

Welche Beschwerden treten nach einer Spritze ins Auge auf?

Nach einer Spritze ins Auge, etwa bei der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration oder bei einem Makulaödem, zeigen sich die Beschwerden meist in den ersten Tagen, häufig um den zweiten Tag. Typisch sind schlechteres Sehen, Schmerzen, Rötung und Lichtscheu. Deshalb sind die ersten 24 bis 72 Stunden besonders wichtig.

Nach Spritzen sind die Zeichen oft schwächer als nach einer Operation: weniger Schmerz, weniger Rötung. Die Universitäts-Augenklinik Tübingen erklärt das so: Die Keime gelangen bei der Injektion direkt in den Glaskörper und liegen nahe an der Netzhaut. Die Entzündung beginnt hinten im Auge, wo sie weniger schmerzt, aber dem Sehen besonders schadet.

Für Sie heißt das: Auch ohne starke Schmerzen ist eine deutliche Sehverschlechterung nach einer Spritze ein Alarmzeichen. In einer spanischen Fallserie hatte ein Patient mit nachgewiesenen Keimen gar keine Schmerzen, und eine fehlende Rötung kam bei infektiösen wie bei nicht infektiösen Fällen vor.

Menschen, deren Immunsystem durch Medikamente gedämpft ist, bekommen die Beschwerden nach einer Spritze eher früher. Sie stellen sich deshalb oft schneller als Notfall vor.

Sind Schlieren nach einer Spritze immer gefährlich?

Nein. Unmittelbar nach der Injektion sieht man häufig kleine Luftbläschen oder Schlieren, die nach Stunden bis wenigen Tagen verschwinden. Nach Kortison-Präparaten wie Triamcinolon können Kristalle im Auge sogar einen Eiterspiegel vortäuschen. Bedenklich ist, wenn die Sicht sich in den folgenden Tagen verschlechtert statt bessert oder Schmerzen hinzukommen.

Wie zeigt sich die späte, chronische Form?

Die späte Form beginnt mehr als sechs Wochen nach der Operation, manchmal erst nach Monaten oder Jahren. In einer Auswertung lagen im Mittel 343 Tage zwischen Operation und Diagnose. Die Beschwerden entwickeln sich schleichend: das Sehen wird langsam schlechter, das Auge ist leicht gerötet, Schmerzen fehlen oft oder sind mäßig.

Ein typisches Muster ist eine Entzündung, die auf Kortison-Augentropfen anspricht und nach dem Absetzen wiederkommt. Häufigster Erreger ist ein langsam wachsender Hautkeim (Cutibacterium, früher Propionibacterium acnes), der sich im Kapselsack hinter der Kunstlinse festsetzt. Die Augenärztin oder der Augenarzt sieht dort oft eine weiße Auflagerung (Plaque).

Das Sehen bleibt bei der späten Form lange relativ gut. Etwa die Hälfte der Betroffenen sieht bei der Diagnose noch mindestens 0,5 (in der englischen Schreibweise 20/40). Deshalb wird die Erkrankung leicht mit einer gewöhnlichen Uveitis verwechselt.

Welche Beschwerden treten nach einer Glaukomoperation auf?

Nach einer Glaukomoperation mit Sickerkissen (Filterkissen) zeigt sich eine Infektion durch ein rotes, schmerzendes Auge und schlechteres Sehen, oft noch Jahre später: im Mittel 1,5 bis 7 Jahre nach dem Eingriff, in Einzelfällen nach Jahrzehnten. Das Sickerkissen ist eine dünne Blase unter dem Oberlid, über die Kammerwasser abfließt. Keime können durch die dünne Wand ins Auge gelangen.

Oft beginnt es mit einer Entzündung des Sickerkissens selbst (Blebitis): Das Kissen wird weißlich-trüb, die Umgebung rot, das Auge brennt und schmerzt. In etwa einem Drittel der Fälle gehen Kopfschmerzen, Schmerzen über der Augenbraue oder eine scheinbare Bindehautentzündung voraus. Kommen Sehverschlechterung und ein Eiterspiegel hinzu, hat die Infektion das Augeninnere erreicht.

Wer wegen eines Grünen Stars ein Sickerkissen hat, sollte bei jedem roten, schmerzenden Auge auf diesem Auge sofort augenärztlich untersuchen lassen, lebenslang.

Welche Beschwerden treten nach einer Augenverletzung auf?

Nach einer Verletzung, die die Augenwand durchbohrt, sind die ersten Zeichen meist Schmerzen, die stärker sind, als es zur Verletzung passt, dazu Entzündung im Auge, ein Eiterspiegel und Glaskörpertrübung. Lid und Hornhaut schwellen an, der rote Reflex fehlt. Die Zeichen werden oft von den Folgen der Verletzung selbst überdeckt.

Besonders gefürchtet ist eine Infektion mit dem Bodenkeim Bacillus cereus, etwa nach Verletzungen mit Erde, Holz oder in der Landwirtschaft. Er führt zu raschem Sehverlust mit heftigen Schmerzen und kann das Auge innerhalb von 12 bis 48 Stunden zerstören. Andere Infektionen nach Verletzungen beginnen dagegen erst Tage, selten Monate später.

Woran erkennt man eine Infektion, die über das Blut ins Auge gelangt?

Bei der endogenen Form stehen Augenbeschwerden und Zeichen einer Allgemeininfektion nebeneinander. Typisch sind schlechteres Sehen, Schmerzen, Rötung, Lichtscheu und neue schwimmende Punkte oder Schleier. Dazu kommen häufig Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Erbrechen.

Der Beginn ist oft schleichender als nach einer Operation, besonders bei Pilzen. Die Beschwerden reichen von leichtem Unbehagen und Verschwommensehen bis zu starkem Schmerz und Sehen nur noch von Licht. Pilzinfektionen beginnen oft mit hellen Herden an Netz- und Aderhaut und wattebauschartigen Trübungen im Glaskörper, die wie eine Perlenschnur aufgereiht sein können.

Diese Form wird häufig spät erkannt: In Auswertungen wurde die Diagnose bei 16 bis 63 Prozent zunächst verzögert oder verkannt, etwa als nicht infektiöse Uveitis oder Bindehautentzündung. Wer schwer krank ist, im Krankenhaus liegt oder einen Katheter hat, sollte neue Augenbeschwerden deshalb sofort ansprechen.

Ist nur ein Auge betroffen oder beide?

Nach Operation, Spritze oder Verletzung ist nur das behandelte Auge betroffen. Bei der endogenen Form erreichen die Keime beide Augen über das Blut. Sie ist in 18 bis 33 Prozent der Fälle beidseitig. Ist nur ein Auge betroffen, ist es häufiger das rechte.

Wurden beide Augen kurz nacheinander operiert oder gespritzt, gilt jedes Auge für sich: Warnzeichen an einem Auge erfordern sofortige Untersuchung, auch wenn das andere unauffällig ist.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige sehen vor allem ein rotes, geschwollenes Auge, vielleicht mit Ausfluss oder einer trüben Hornhaut. Oft fällt auf, dass der Betroffene das Auge zukneift, Licht meidet oder über Kopfschmerzen klagt. Manchmal ist ein weißer Streifen unten vor der Regenbogenhaut zu erkennen.

Ältere Menschen, die frisch am Auge operiert wurden, spielen Beschwerden gelegentlich herunter, um niemandem zur Last zu fallen. Fragen Sie in den ersten zwei Wochen nach einem Eingriff ruhig aktiv nach dem Sehen. Fällt Ihnen ein Warnzeichen auf, sorgen Sie dafür, dass die Untersuchung noch am selben Tag stattfindet.

Worauf ist bei älteren und pflegebedürftigen Menschen zu achten?

Bei älteren und pflegebedürftigen Menschen kommt es darauf an, auch stille Hinweise zu bemerken. Sie sind am häufigsten betroffen, weil sie am häufigsten operiert werden und Spritzen ins Auge bekommen. Menschen mit Demenz oder Sprachstörungen können Schmerzen und Sehverlust oft nicht benennen. Unruhe, Reiben am Auge, Verweigern von Augentropfen oder ein plötzlich zugekniffenes Auge können dann die einzigen Hinweise sein.

Pflegekräfte und Angehörige sollten deshalb wissen, wann ein Eingriff war, und das Auge in den ersten zwei Wochen täglich ansehen. Bei Menschen mit Diabetes oder geschwächtem Immunsystem ist besondere Aufmerksamkeit angebracht, weil die Infektion bei ihnen häufiger vorkommt.

Wie zeigt sich eine Endophthalmitis bei Kindern?

Bei Kindern zeigt sich eine Endophthalmitis vor allem an einem roten, lichtscheuen Auge, weil kleine Kinder Sehverlust kaum beschreiben können. Die Erkrankung ist bei ihnen sehr selten. Sie kommt nach einer Operation des angeborenen Grauen Stars, nach Verletzungen oder als endogene Form bei schweren Infektionen vor.

Weitere Hinweise sind Reiben, Weinen beim Blick ins Licht oder ein weißlicher Schimmer in der Pupille. Bei der endogenen Form stehen oft Fieber und die Grunderkrankung im Vordergrund. Ein Kind mit einer Augenverletzung, etwa durch einen Stock, einen Stift oder eine Schere, gehört immer sofort in eine Augenklinik.

Welche Beschwerden sprechen eher für etwas anderes?

Nicht jedes rote, schmerzende Auge nach einem Eingriff ist eine Infektion. Die Unterscheidung gehört aber immer in augenärztliche Hände, weil sich die Bilder überschneiden.

  • Toxisches Vorderabschnittssyndrom (TASS): eine sterile Reaktion auf Stoffe, die bei der Operation ins Auge gelangt sind. Es beginnt schon nach 12 bis 24 Stunden, die Hornhaut ist von Rand zu Rand trüb, der Glaskörper bleibt meist frei, Schmerzen sind gering. Es wird mit Kortison behandelt, nicht mit Antibiotika.
  • Sterile Entzündung nach einer Spritze: eine Reaktion auf das Medikament. Sie macht tendenziell weniger Schmerz und weniger Sehverlust, lässt sich aber anhand der Beschwerden nicht sicher abgrenzen.
  • Akuter Glaukomanfall: plötzliche heftige Schmerzen, steinhartes Auge, farbige Ringe um Lichter, oft Übelkeit. Auch das ist ein Notfall.
  • Netzhautablösung: Lichtblitze, ein Rußregen und ein Schatten im Gesichtsfeld, meist ohne Schmerzen und ohne Rötung. Ebenfalls dringend.
  • Bindehautentzündung: Rötung, Brennen, Ausfluss, aber das Sehen bleibt klar und es gibt keinen tiefen Schmerz.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (9)

Wie entsteht eine Endophthalmitis?

Eine Endophthalmitis entsteht, wenn Keime ins Augeninnere gelangen und sich dort vermehren, bevor die Abwehr sie beseitigen kann. Das Augeninnere ist von Schranken umgeben, die Blutgefäße und Gewebe trennen (Blut-Augen-Schranke). Sie schützen das empfindliche Sehgewebe, halten aber auch Abwehrzellen und Medikamente aus dem Blut weitgehend fern.

Bei vielen Kataraktoperationen gelangen tatsächlich Keime ins Auge: Laut der deutschen Leitlinie werden 29 bis 43 Prozent der Vorderkammern kurzzeitig besiedelt. Meist beseitigt das Auge sie ohne Folgen. Zur Infektion kommt es erst, wenn die Keime zahlreich oder aggressiv genug sind oder die Abwehr geschwächt ist.

Nach einer Inkubationszeit von mindestens 16 bis 18 Stunden bricht die Schranke zusammen. Entzündungszellen und Eiweiß strömen ins Auge, es bildet sich Fibrin und Eiter. Der Schaden an der Netzhaut entsteht doppelt: durch die Keime und ihre Giftstoffe und durch die heftige Entzündungsreaktion des Körpers selbst.

Woher stammen die Keime?

Meist stammen die Keime von der eigenen Haut, den Lidrändern und der Bindehaut der Patientin oder des Patienten. In einer Untersuchung fanden sich bei 82 Prozent der Fälle im Glaskörper genetisch dieselben Bakterien wie an Lidern, Bindehaut oder Nase. Dazu passt, dass in westlichen Ländern über 94 Prozent der Erreger grampositive Hautbakterien sind.

Seltener stammen Keime von verunreinigten Instrumenten, Spüllösungen oder Medikamenten. Solche Fehler führen manchmal zu Häufungen mehrerer Fälle in einer Klinik. Nach Spritzen ins Auge kommen auch Keime aus Mund und Rachen in Frage. Deshalb sollen Ärztinnen, Ärzte und Assistenz bei der Injektion einen Mund-Nasen-Schutz tragen und wenig sprechen.

Welche Erreger verursachen eine Endophthalmitis?

Am häufigsten sind koagulasenegative Staphylokokken, also gewöhnliche Hautbakterien wie Staphylococcus epidermidis. Sie machen nach Kataraktoperationen je nach Studie 33 bis 77 Prozent aus, in der EVS 70 Prozent. Sie verlaufen meist milder und haben die besten Aussichten.

ErregerTypische SituationBedeutung
Koagulasenegative Staphylokokkennach Kataraktoperation, häufigste Gruppemeist mildere Verläufe, gute Prognose
Staphylococcus aureusnach Operation, endogenaggressiver; zunehmend methicillinresistent (MRSA)
Streptokokkenbesonders nach Spritzen ins Auge (Mund- und Rachenflora), Sickerkissensehr aggressiv, oft schwerer Sehverlust
Gramnegative Bakterien (z. B. Pseudomonas)nach Operation, Verletzungaggressiv, schlechtere Prognose
Cutibacterium (Propionibacterium) acnesspäte Form nach Kataraktoperationlangsam, schleichend, kehrt oft wieder
Bacillus cereusVerletzung mit Erde oder Holzextrem rasch, Giftstoffe zerstören die Netzhaut in Stunden
Pilze (Candida, Aspergillus)endogen, bei Immunschwäche, selten nach Operationschleichender Beginn, lange Behandlung
Klebsiellaendogen bei Leberabszess, vor allem in Ostasienoft schwerer Verlauf

Nach Spritzen ins Auge sind Streptokokken mindestens dreimal häufiger als nach Operationen. Bei rund der Hälfte der Fälle nach Spritzen wachsen im Labor allerdings gar keine Keime.

Wie häufig ist eine Endophthalmitis nach verschiedenen Eingriffen?

Das Risiko hängt stark vom Eingriff ab. Die folgenden Zahlen stammen aus deutschen, europäischen und amerikanischen Auswertungen. Sie schwanken je nach Zeitraum und Land.

Eingriff oder EreignisRisiko pro Eingriff (ungefähr)
Kataraktoperation, heute mit Antibiotikum in der Vorderkammeretwa 0,02 bis 0,08 %
Kataraktoperation ohne dieses Antibiotikumetwa 0,1 bis 0,35 %
Spritze ins Auge (Anti-VEGF)etwa 0,02 bis 0,3 %, im Mittel etwa 0,05 % (1 von 1.800)
Glaskörperoperation (Vitrektomie)etwa 0,04 bis 0,16 %
Hornhauttransplantationetwa 0,08 bis 0,4 %
Glaukomoperation mit Sickerkissenfrüh etwa 0,1 %, über die Jahre deutlich mehr
Verletzung mit Eröffnung des Augapfelsetwa 2 bis 17 %, mit Fremdkörper im Auge bis 35 %, in der Landwirtschaft bis 30 %

Anfang des 20. Jahrhunderts erkrankten noch etwa 10 Prozent nach einer Staroperation. In Frankreich sank die Rate über alle Augenoperationen von 0,145 Prozent im Jahr 2004 auf 0,053 Prozent im Jahr 2015. Dort sind es heute rund 1.000 Fälle im Jahr. In Österreich meldeten die Augenabteilungen für 2021 in einer freiwilligen Umfrage der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft 27 Fälle bei 66.355 Kataraktoperationen, also 0,041 Prozent. Für Deutschland nannte die Leitlinie der DGII von 2005 aus älteren Daten eine Rate von 0,148 Prozent nach Kataraktoperation.

Warum ist das Risiko nach Spritzen ins Auge besonders zu beachten?

Pro einzelner Spritze ist das Risiko klein. Weil viele Menschen über Jahre alle paar Wochen gespritzt werden, summiert es sich aber pro Patientin oder Patient. Die Spritzen werden etwa bei feuchter Makuladegeneration, diabetischer Retinopathie und Makulaödem nach einem Venenverschluss der Netzhaut eingesetzt.

Kortison-Implantate, die ins Auge eingebracht werden, haben je nach Präparat ein ähnliches oder etwas höheres Risiko. Nach Triamcinolon-Spritzen wurden Raten bis 1,4 Prozent beschrieben, ein Teil davon steril.

Welche Risikofaktoren erhöhen die Gefahr bei einer Operation?

Das Risiko steigt, wenn viele Keime am Auge sitzen, die Abwehr geschwächt ist oder die Operation nicht glatt verläuft. Die Quellen nennen übereinstimmend folgende Faktoren:

Vor der Operation

  • Entzündete Lidränder (Lidrandentzündung), Bindehautentzündung, ein Gerstenkorn oder eine Entzündung der Tränenwege
  • Lidfehlstellung oder unvollständiger Lidschluss
  • Diabetes, Neurodermitis, Immunschwäche oder Medikamente, die das Immunsystem dämpfen
  • hohes Alter (in einer Metaanalyse über 85 Jahre), männliches Geschlecht
  • Kontaktlinsen, eine Augenprothese am anderen Auge, verunreinigte Augentropfen
  • Infektionen an anderer Stelle im Körper

Während der Operation

  • Riss der hinteren Linsenkapsel und Austritt von Glaskörper
  • lange Operationsdauer, Komplikationen
  • Schnitt durch die klare Hornhaut; sein Einfluss ist umstritten, in mehreren Studien war das Risiko aber höher
  • fehlendes Antibiotikum in der Vorderkammer am Ende der Operation
  • ältere Operationstechniken und Silikonlinsen

Nach der Operation

  • undichter oder schlecht verschlossener Schnitt
  • im Schnitt eingeklemmter Glaskörper

Ob die Operation ambulant oder stationär erfolgt, macht nach deutschen Daten keinen Unterschied. Auch eine Operation beider Augen am selben Tag erhöht das Risiko nicht nachweislich, wenn das zweite Auge wie ein neuer Patient mit neuen Instrumenten behandelt wird.

Welche Risikofaktoren gibt es bei Verletzungen?

Nach Verletzungen ist das Risiko am höchsten bei verschmutzten Wunden, Fremdkörpern im Auge und Verletzungen im Freien, besonders mit Erde oder Pflanzenmaterial. Weitere Faktoren sind ein Riss der Linsenkapsel, ein Alter über 50 Jahre und eine Versorgung später als 24 Stunden nach der Verletzung. Eine rasche Wundversorgung senkt das Risiko deutlich.

Wer ist für die endogene Form gefährdet?

Die endogene Form macht nur etwa 2 bis 15 Prozent aller Endophthalmitis-Fälle aus. Sie trifft fast immer Menschen mit einer schweren Grunderkrankung oder einer Eintrittspforte für Keime ins Blut:

  • Immunschwäche, Krebserkrankung, Chemotherapie, Organtransplantation
  • Diabetes, schwere Leber- oder Nierenerkrankung, Dialyse
  • Dauerkatheter in Venen oder Harnwegen, lange Klinikaufenthalte
  • Drogeninjektion
  • Herzinnenhautentzündung (Endokarditis), Leberabszess, Harnwegsinfekt, Lungenentzündung, Abszesse, Hautgeschwüre
  • Zahnbehandlungen oder Operationen an anderer Stelle des Körpers

In westlichen Ländern stehen Katheter, Immunsuppression und Drogeninjektion im Vordergrund, häufigster Erreger ist Candida. In Ostasien ist die Klebsiella-Infektion nach Leberabszess führend. Bei einem Teil der Betroffenen wird kein Herd gefunden.

Was ist eine sterile Endophthalmitis?

Eine sterile Endophthalmitis ist eine heftige Entzündung im Augeninneren ohne Keime. Auslöser können Medikamente sein, die ins Auge gespritzt wurden, etwa Triamcinolon oder Anti-VEGF-Präparate, oder Linsenreste nach einer Operation. Sie bildet sich meist von selbst oder unter Kortison zurück.

Zu den nicht infektiösen Formen zählen auch die Reaktion des Immunsystems auf freigesetztes Linseneiweiß (phakoanaphylaktische Endophthalmitis), die sympathische Ophthalmie und das Maskerade-Syndrom, bei dem ein Lymphom im Auge eine Entzündung vortäuscht. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung grundlegend unterscheidet. Weil eine Verwechslung das Auge kosten kann, wird im Zweifel wie bei einer Infektion behandelt.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (10)

Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt eine Endophthalmitis fest?

Die Diagnose ist zunächst eine Verdachtsdiagnose aus Vorgeschichte und Untersuchung, die anschließend durch eine Probe aus dem Auge bestätigt wird. Weil jede Stunde zählt, beginnt die Behandlung, bevor das Laborergebnis vorliegt. Bei einer kürzlich zurückliegenden Operation, Spritze oder Verletzung gilt ein hoher Verdachtsgrad.

Welche Fragen werden gestellt?

Zuerst wird gefragt, was am Auge in letzter Zeit gemacht wurde: Operation, Spritze, Laserbehandlung oder Verletzung, und wann genau. Wichtig ist auch, wann die Beschwerden begonnen haben und wie schnell sie zunehmen.

Weitere Fragen betreffen Fieber, Infektionen, Katheter, Krankenhausaufenthalte, Immunschwäche, Diabetes, Drogeninjektion und Allergien gegen Antibiotika oder Jod. Bringen Sie, wenn möglich, den Operations- oder Injektionsbericht und Ihre Medikamentenliste mit.

Was wird bei der Untersuchung angeschaut?

Zuerst wird die Sehschärfe bestimmt, denn sie entscheidet mit über die Behandlung. Die Abstufungen reichen von Zahlen auf der Sehtafel über Fingerzählen und Handbewegungen bis zur reinen Lichtwahrnehmung.

An der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt, sucht die Augenärztin oder der Augenarzt nach Entzündungszellen und Fibrin in der Vorderkammer, nach einem Hypopyon, nach einer Trübung der Hornhaut und nach Veränderungen an Wunde, Kunstlinse oder Sickerkissen. Mit einem Farbstofftest (Seidel-Test) lässt sich prüfen, ob die Wunde undicht ist.

Bei der Augenspiegelung nach Weitstellen der Pupille wird der Glaskörper beurteilt. Typisch sind Trübungen bis zum völlig fehlenden Einblick, dazu manchmal Blutungen oder entzündete Gefäße der Netzhaut.

Wozu dient der Ultraschall?

Ist der Einblick in das Auge durch die Entzündung verwehrt, zeigt ein Ultraschall (B-Bild) den Zustand von Glaskörper und Netzhaut. Er erfasst, wie dicht die Glaskörpertrübung ist, und ob sich Netzhaut oder Aderhaut abgelöst haben. Eine Ablösung ist ein ungünstiges Zeichen und beeinflusst die Wahl der Behandlung.

Die Untersuchung ist schmerzlos: Der Schallkopf wird mit etwas Gel auf das geschlossene Lid gesetzt.

Wann ist eine Computertomographie nötig?

Nach einer Verletzung wird nach einem Fremdkörper im Auge gesucht, am zuverlässigsten mit der Computertomographie (CT). In einer Auswertung fand die CT 95 Prozent der Fremdkörper, der Ultraschall 52 Prozent, die Untersuchung allein 46 Prozent. Eine Kernspintomographie (MRT) wird bei Verdacht auf Metallsplitter vermieden, weil der Magnet Metall im Auge bewegen kann.

Wie wird eine Probe aus dem Auge entnommen?

Für den Erregernachweis wird Flüssigkeit aus dem Auge entnommen, möglichst vor der ersten Antibiotikagabe und meist in derselben Sitzung wie die Antibiotika-Spritze. Das Auge wird vorher betäubt und mit Povidon-Jod desinfiziert.

  • Kammerwasser: Mit einer feinen Nadel am Hornhautrand werden etwa 0,05 bis 0,1 Milliliter aus der Vorderkammer gewonnen.
  • Glaskörper: Eine Nadel wird einige Millimeter hinter dem Hornhautrand durch die Augenwand (Pars plana) in den Glaskörper geführt. Bei einer Vitrektomie wird mit dem Operationsgerät mehr und unverdünntes Material gewonnen.

Die Glaskörperprobe ist deutlich aussagekräftiger. In einer spanischen Auswertung wuchsen Keime aus etwa 60 Prozent der Glaskörperproben, aber nur aus etwa 25 Prozent der Kammerwasserproben. Fachleute empfehlen trotzdem, beide zu nehmen.

Was wird im Labor untersucht?

Die Proben werden gefärbt, angezüchtet und oft mit PCR untersucht. Die Färbung (Gram-Färbung) gibt innerhalb von Stunden einen ersten Hinweis auf die Art der Bakterien. Die Kultur zeigt, welcher Keim es ist und welche Antibiotika wirken (Antibiogramm).

Die PCR weist das Erbgut der Erreger nach, auch wenn sie nicht mehr wachsen. Sie erhöht die Trefferquote deutlich, in einer Serie von 48 auf über 95 Prozent. Sie liefert aber kein Antibiogramm. Bei Verdacht auf die späte Form werden Kulturen bis zu 14 Tage bebrütet, weil die Keime langsam wachsen.

Etwa 70 Prozent der Fälle nach Operationen sind kulturpositiv, nach Spritzen ins Auge weniger als die Hälfte. Ein negativer Laborbefund schließt eine Infektion nicht aus. Entscheidend bleibt das klinische Bild.

Wartet man auf das Laborergebnis?

Nein. Die Behandlung beginnt sofort nach der Probenentnahme, ohne das Ergebnis abzuwarten. Das Laborergebnis dient dazu, die Antibiotika später gezielt anzupassen.

Welche Untersuchungen sind bei der endogenen Form nötig?

Bei Verdacht auf eine Infektion über das Blut wird nach dem Herd im Körper gesucht. Dazu gehören Blutkulturen, Urinkulturen und Blutwerte, oft eine Ultraschalluntersuchung des Herzens auf eine Herzinnenhautentzündung, Bildgebung von Lunge und Bauch und die Kontrolle von Kathetern.

Blutkulturen sind seltener positiv als Glaskörperproben, in einer Auswertung 33 gegenüber 87 Prozent. Die Untersuchung findet deshalb gemeinsam mit Fachleuten der Inneren Medizin oder Infektiologie statt. Umgekehrt untersuchen Kliniken Menschen mit einer Pilzinfektion im Blut oft gezielt die Augen.

Wie wird die Endophthalmitis von ähnlichen Erkrankungen abgegrenzt?

Die wichtigste Abgrenzung nach einer Kataraktoperation ist das toxische Vorderabschnittssyndrom (TASS), eine sterile Reaktion. Im Zweifel behandeln Fachleute wie bei einer Infektion, weil eine verzögerte Antibiotikagabe gefährlicher ist als eine unnötige.

MerkmalInfektiöse EndophthalmitisTASS (steril)
Beginnmeist nach 2 bis 7 Tagennach 12 bis 24 Stunden
Schmerzoft stark, zunehmendmeist gering
Hornhautteilweise trübtrüb von Rand zu Rand
Glaskörperentzündet, getrübtmeist frei
Augendruckunterschiedlichoft erhöht
Reaktion auf Kortisonkeine ausreichende Besserunggute Besserung

Weitere Erkrankungen, die eine Endophthalmitis vortäuschen können, sind zurückgebliebene Linsenreste, eine nicht infektiöse Uveitis, eine Glaskörperblutung und ein Lymphom im Auge. Nach Verletzungen kommen Ablagerungen von Kupfer oder Eisen aus Fremdkörpern hinzu. Bei Pilz- und endogenen Formen sind auch Virusentzündungen der Netzhaut und Toxoplasmose zu bedenken.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (17)

Wie schnell muss eine Endophthalmitis behandelt werden?

Sofort. Die Behandlung beginnt idealerweise innerhalb weniger Stunden nach Auftreten der Beschwerden. Aggressive Keime wie Staphylococcus aureus, Streptokokken, Pseudomonas oder Bacillus cereus können die Netzhaut in weniger als 24 Stunden bleibend schädigen. Ein Verzug von wenigen Stunden kann im Extremfall den völligen Sehverlust bedeuten.

Behandelt wird in einer Augenklinik oder einer Praxis mit Operationsmöglichkeit, meist mit stationärer Aufnahme. Augentropfen allein reichen nicht aus, weil sie den Glaskörper nicht in ausreichender Menge erreichen.

Welche Antibiotika werden direkt ins Auge gespritzt?

Der Pfeiler der Behandlung sind Antibiotika, die direkt in den Glaskörper gespritzt werden (intravitreale Antibiotika). Nur so entsteht am Ort der Infektion schnell eine Wirkstoffmenge weit über dem, was die Keime abtöten muss. Deutsche, französische, spanische und amerikanische Empfehlungen stimmen darin überein.

Üblich ist eine Kombination aus zwei Wirkstoffen, die zusammen fast alle Bakterien erfassen:

  • Vancomycin gegen grampositive Keime wie Staphylokokken und Streptokokken. Fast alle grampositiven Erreger sind dafür empfindlich.
  • Ceftazidim gegen gramnegative Keime. Bei einer Allergie gegen Penicilline und verwandte Wirkstoffe wird stattdessen Amikacin verwendet, das aber für die Netzhaut giftiger ist.

Die Menge ist winzig und muss sehr genau stimmen, weil zwischen wirksamer und netzhautschädigender Dosis nur ein kleiner Abstand liegt. Spanische Kliniken halten dafür fertige Notfallsets aus der Krankenhausapotheke bereit. Bei Verdacht auf Pilze kommen Amphotericin B oder Voriconazol hinzu.

Wie läuft die Spritze ins Auge ab?

Die Spritze erfolgt im Liegen, unter örtlicher Betäubung und unter sterilen Bedingungen. Das Auge wird mit Tropfen und meist einer Betäubungsspritze neben dem Auge unempfindlich gemacht. Haut und Bindehaut werden mit Jodlösung desinfiziert, ein steriles Tuch abgedeckt und ein Lidsperrer eingesetzt.

Zuerst wird die Probe entnommen, dann werden die Antibiotika nacheinander mit getrennten Spritzen in den Glaskörper gegeben. Durch die Entzündung kann es trotz Betäubung unangenehm sein. Bei sehr starken Schmerzen oder wenn jemand nicht still liegen kann, ist auch eine Vollnarkose möglich.

Reicht eine Spritze, oder ist eine Operation nötig?

Das hängt vor allem von der Sehschärfe bei Behandlungsbeginn und von der Form der Endophthalmitis ab. Zur Wahl stehen Probe plus Antibiotika-Spritze (englisch Tap and Inject) oder eine sofortige Glaskörperoperation (Vitrektomie). Die Empfehlungen haben sich seit der wichtigsten Studie weiterentwickelt.

Was hat die Endophthalmitis Vitrectomy Study gezeigt?

Die EVS untersuchte in den USA 420 Patientinnen und Patienten mit akuter Endophthalmitis nach Kataraktoperation. Wer noch Handbewegungen oder besser sah, profitierte von einer sofortigen Vitrektomie nicht mehr als von Probe plus Spritze. Wer nur noch Licht wahrnahm, sah mit Vitrektomie deutlich besser: 33 statt 11 Prozent erreichten eine Sehschärfe von 0,5, 56 statt 30 Prozent mindestens 0,2.

Gilt das heute noch?

Nur eingeschränkt. Die EVS ist über 30 Jahre alt und wurde mit groben Instrumenten gemacht. Heutige Vitrektomien mit feinen Instrumenten sind schonender. Die Studie galt außerdem nur für die akute Form nach Kataraktoperation, nicht für Fälle nach Spritzen, Verletzungen, Sickerkissen oder über das Blut.

Die Länder ziehen daraus unterschiedliche Schlüsse:

  • Die europäische Gesellschaft für Kataraktchirurgie (ESCRS) sieht die frühe Vitrektomie als Referenzverfahren, wenn eine erfahrene Netzhautchirurgin oder ein Netzhautchirurg und ein Operationssaal sofort verfügbar sind. Sonst wird zuerst gespritzt.
  • Die spanische Leitlinie setzt die Grenze zur Vitrektomie bei einer Sehschärfe unter 0,05, also großzügiger als die EVS.
  • Die Universitäts-Augenklinik Tübingen operiert insbesondere nach Spritzen ins Auge oft direkt, weil so Keime und Giftstoffe ausgespült werden, mehr Probenmaterial anfällt und sich die Medikamente besser verteilen.
  • Eine Cochrane-Übersicht von 2022 fand außer der EVS keine randomisierte Studie und bewertete die Beweislage als sehr gering. Neue Studien mit moderner Technik werden gefordert.

In der Praxis entscheidet das Team nach Befund, Erreger-Verdacht, Allgemeinzustand und Verfügbarkeit. Fragen Sie ruhig nach, warum in Ihrem Fall der eine oder der andere Weg gewählt wird.

Was passiert bei einer Vitrektomie?

Bei der Vitrektomie wird der infizierte Glaskörper mit feinen Instrumenten abgesaugt und durch eine klare Flüssigkeit ersetzt. Über drei winzige Zugänge in der Augenwand arbeitet die Chirurgin oder der Chirurg unter dem Mikroskop. Am Ende werden die Antibiotika in das gespülte Auge gegeben.

Der Eingriff entfernt einen großen Teil der Keime, Giftstoffe und Entzündungszellen auf einmal. Er liefert außerdem viel Probenmaterial. Er erfolgt in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose. Bei einer stark entzündeten Hornhaut oder einer abgelösten Netzhaut ist er technisch anspruchsvoll.

Werden zusätzlich Antibiotika als Infusion oder Tabletten gegeben?

Bei der Endophthalmitis nach Operation oder Spritze ist der Nutzen nicht belegt: In der EVS brachten Antibiotika über die Vene keinen Vorteil für das Sehen. Trotzdem geben viele Kliniken einige Tage Antibiotika als Infusion oder Tabletten dazu. Die ESCRS empfiehlt das bei schweren eitrigen Formen. Die Dauer ist nicht einheitlich, meist 5 bis 10 Tage.

Bei der endogenen Form und nach Verletzungen sind Antibiotika oder Pilzmittel über die Vene dagegen unverzichtbar. Hier muss auch die Infektion im Körper behandelt werden.

Wird auch Kortison eingesetzt?

Oft ja, aber der Nutzen ist nicht sicher belegt. Kortison soll die heftige Entzündungsreaktion dämpfen, die selbst die Netzhaut schädigt. Es wird als Tropfen, als Tablette, unter die Bindehaut oder direkt in den Glaskörper gegeben. In Frankreich ist die Gabe ins Auge verbreitet, aber umstritten.

Bei Verdacht auf eine Pilzinfektion wird Kortison vermieden, weil es die Pilze wachsen lassen kann. Ob und wie Kortison eingesetzt wird, entscheidet die behandelnde Klinik im Einzelfall.

Welche Augentropfen kommen dazu?

Ergänzend werden meist antibiotische und kortisonhaltige Augentropfen verordnet, oft viermal täglich oder häufiger. Pupillenerweiternde Tropfen wie Atropin stellen das Auge ruhig, lindern Schmerzen und verhindern, dass die Regenbogenhaut mit der Linse verklebt. Tropfen allein heilen eine Endophthalmitis aber nicht.

Wie oft muss nachbehandelt werden?

Meist reicht eine einzige Antibiotika-Spritze. Die Wirkung wird nach 24 bis 48 Stunden beurteilt, nach einer Vitrektomie schon nach 6 bis 12 Stunden. Bessert sich das Auge nach 36 bis 72 Stunden nicht, folgt eine zweite Spritze oder eine Vitrektomie.

Laut der spanischen Leitlinie brauchen etwa 7 Prozent eine zweite Spritze. Nach milderen Hautkeimen sind zusätzliche Eingriffe bei etwa 5 Prozent nötig, bei aggressiveren Keimen bei etwa 30 Prozent. Jede weitere Spritze erhöht das Risiko einer Netzhautschädigung durch die Medikamente.

Wie wird nach einer Spritze ins Auge behandelt?

Für die Endophthalmitis nach Spritzen gibt es keine eigene große Studie. Weil sich infektiöse und sterile Entzündung anhand der Beschwerden nicht sicher trennen lassen, empfehlen Fachleute, im Zweifel immer Antibiotika ins Auge zu geben. Manche Kliniken spritzen zuerst, andere operieren direkt.

In einer Übersicht erreichten nach Probe plus Spritze 90 Prozent wieder ihr Ausgangssehen, nach primärer Vitrektomie 46 Prozent. Diese Zahlen stammen aber nicht aus randomisierten Studien und sind schwer vergleichbar, weil schwerere Fälle eher operiert werden.

Wie wird die späte, chronische Form behandelt?

Bei der späten Form sitzen die Keime oft in einem Belag im Kapselsack hinter der Kunstlinse. Antibiotika ins Auge allein reichen deshalb häufig nicht. Wird die Linse nicht angegangen, kehrt die Entzündung in etwa der Hälfte der Fälle zurück.

Möglich sind eine Spülung des Kapselsacks, eine Vitrektomie mit teilweiser Entfernung der Kapsel oder die Entfernung von Kapselsack und Kunstlinse mit anschließendem Linsenersatz. Mit teilweiser Kapselentfernung heilten in einer Auswertung etwa 50 Prozent aus, mit vollständiger Entfernung samt Linsenaustausch etwa 90 Prozent. Ergänzend werden manchmal über Wochen Antibiotika als Tabletten gegeben.

Wie wird nach einer Glaukomoperation behandelt?

Ist nur das Sickerkissen entzündet, reichen oft häufige antibiotische Tropfen und engmaschige Kontrollen. Hat die Infektion das Augeninnere erreicht, wird wie bei anderen Formen mit Antibiotika ins Auge behandelt. Manche Fachleute empfehlen eine frühe Vitrektomie, die Studienlage ist aber widersprüchlich. Ein undichtes Sickerkissen wird anschließend repariert.

Wie wird nach einer Verletzung behandelt?

Nach einer Verletzung wird zuerst die Wunde des Auges verschlossen und ein Fremdkörper entfernt. Antibiotika werden ins Auge, unter die Bindehaut, als Tropfen und über die Vene gegeben, bei Verdacht auf Bacillus cereus mit zusätzlichen Wirkstoffen. Häufig wird sofort vitrektomiert.

Antibiotika ins Auge am Ende der Wundversorgung senken das Risiko einer Infektion. In einer Studie sank die Rate von 18,4 auf 6,25 Prozent.

Wie wird die endogene Form behandelt?

Die endogene Form wird gemeinsam von Augenheilkunde und Innerer Medizin behandelt. Antibiotika oder Pilzmittel werden über die Vene gegeben und je nach Befund auch ins Auge gespritzt. Eine Vitrektomie ist mit besserem Sehen und seltenerem Verlust des Auges verbunden.

Ebenso wichtig ist die Behandlung des Herdes: einer Herzinnenhautentzündung, eines Leberabszesses, einer Harnwegsinfektion oder eines infizierten Katheters. Bei Pilzen dauert die Behandlung oft viele Wochen, beim Wirkstoff Voriconazol 6 bis 12 Wochen.

Wie wird eine Pilzinfektion behandelt?

Pilzinfektionen werden mit Pilzmitteln ins Auge und über Tabletten oder Infusion behandelt, meist Amphotericin B oder Voriconazol, dazu Fluconazol. Bei starker Glaskörperbeteiligung wird vitrektomiert. Nach einer Operation mit Pilzbefall muss oft auch die Kunstlinse entfernt werden.

Welche Risiken hat die Behandlung?

Die Behandlung ist notwendig, hat aber eigene Risiken. Möglich sind:

  • Netzhautablösung, in der EVS bei 8,3 Prozent
  • Netzhautschäden durch die Medikamente selbst, besonders bei wiederholten Spritzen und bei Amikacin oder Gentamicin; Vancomycin kann sehr selten eine Gefäßentzündung der Netzhaut auslösen
  • Glaskörperblutung, Netzhautriss, Linsentrübung nach Vitrektomie bei noch eigener Linse
  • Augendruckanstieg

Diese Risiken sind kleiner als die Gefahr einer unbehandelten Infektion, die fast sicher zum Verlust des Sehens führt.

Wie geht es in den ersten Tagen nach der Behandlung weiter?

In den ersten Tagen sind sehr engmaschige Kontrollen nötig, anfangs oft täglich oder alle ein bis zwei Tage. Viele Betroffene bleiben einige Tage stationär. Nach einem englischen Leitfaden erhalten sie meist antibiotische Tropfen viermal täglich, Kortisontropfen und 7 bis 10 Tage Antibiotika als Tabletten.

Halten Sie alle Kontrolltermine ein, auch wenn es dem Auge besser geht. Nur so lässt sich rechtzeitig erkennen, ob eine weitere Spritze oder Operation nötig ist.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (11)

Wie gut kann man nach einer Endophthalmitis wieder sehen?

Das ist sehr unterschiedlich. Etwa die Hälfte der Betroffenen nach Kataraktoperation erreicht wieder eine Sehschärfe von 0,5 oder besser, was in der Regel zum Lesen ausreicht. Ein Teil behält aber einen deutlichen bleibenden Sehverlust.

In der EVS erreichten 53 Prozent mindestens 0,5 (20/40), 85 Prozent mindestens 0,05 (20/400) und 15 Prozent blieben bei 0,1 (20/200) oder schlechter. Neuere Serien zeigen ähnliche Werte. Die Cochrane-Auswertung nennt 41 Prozent mit 0,5 oder besser nach drei Monaten. Völlige Erblindung ist bei früher Behandlung selten.

Die deutschsprachige Leitlinie ist vorsichtiger: Nach ihren Daten erreichten bei bakterieller Infektion 44 bis 53 Prozent nicht einmal die Fähigkeit, Finger in einem Meter Abstand zu zählen. Diese Zahlen stammen aus älteren Serien mit vielen schweren Fällen. Auch bei rascher und richtiger Behandlung ist die Prognose oft nicht gut. Schnelle Behandlung verbessert die Chancen, garantiert aber nichts.

Wovon hängt die Prognose ab?

Die wichtigsten Einflussgrößen sind der Erreger, die Sehschärfe zu Beginn und die Zeit bis zur Behandlung. Ungünstig sind:

  • Sehen nur noch von Licht bei der Diagnose
  • aggressive Erreger wie Streptokokken, Staphylococcus aureus, Pseudomonas oder Bacillus cereus
  • höheres Alter und Diabetes
  • Trübung oder Infiltrat der Hornhaut, sehr dichte Glaskörpertrübung, fehlender roter Reflex
  • Riss der Linsenkapsel, abgelöste Netz- oder Aderhaut
  • eine gestörte Pupillenreaktion, die auf einen Schaden von Netzhaut oder Sehnerv hinweist

Welche Rolle spielt der Erreger?

Der Erreger ist einer der stärksten Faktoren. Bei koagulasenegativen Staphylokokken erreichten 84 Prozent eine Sehschärfe von 0,2 oder besser. In der europäischen ESCRS-Studie erblindete niemand mit einer Staphylokokken-Infektion.

Ganz anders bei Streptokokken: Von acht Fällen in der ESCRS-Studie erblindeten fünf. In einer spanischen Serie nach Spritzen ins Auge fiel das Sehen bei allen Streptokokken-Fällen auf 0,1 oder schlechter, obwohl die meisten vorher noch etwa 0,7 gesehen hatten.

Wie unterscheidet sich die Prognose nach Art der Endophthalmitis?

Die Aussichten hängen stark davon ab, wie die Keime ins Auge gelangt sind.

FormTypische Aussichten
Akut nach Kataraktoperationetwa die Hälfte erreicht 0,5 oder besser
Späte, chronische Formeher günstig, etwa die Hälfte besser als 0,5; Rückfälle häufig
Nach Spritze ins Auge33 bis 78 % erreichen wieder ihr Ausgangssehen; sehr schlechtes Sehen ist deutlich häufiger als nach Operation
Nach Glaukomoperation mit Sickerkissenungünstiger; 23 bis 35 % verlieren die Lichtwahrnehmung
Nach Verletzungungünstig; nur 15 bis 40 % erreichen 0,5
Endogensehr unterschiedlich; das Auge bleibt meist erhalten, das Sehen oft schlecht; Candida eher günstiger, Aspergillus und Klebsiella ungünstig

Nach einer Spritze ins Auge ist die Prognose schlechter, weil die Keime direkt neben der Netzhaut liegen. Hinzu kommt, dass diese Augen schon durch die Grunderkrankung vorgeschädigt sind.

Warum bleibt manchmal ein Sehverlust zurück?

Die häufigste Ursache für einen bleibenden Sehverlust ist ein Schaden an der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens. Dazu zählen Schwellungen (Makulaödem), Narben, Pigmentveränderungen, eine Membran auf der Netzhaut ähnlich einer epiretinalen Gliose und eine verminderte Durchblutung. Die Giftstoffe der Bakterien und die Entzündung zerstören Netzhautzellen, die sich nicht erneuern.

Welche Komplikationen sind möglich?

Mögliche Spätfolgen und Komplikationen sind:

  • Netzhautablösung, auch Wochen nach der Infektion
  • bleibende Glaskörpertrübungen oder Blutungen
  • Verklebungen der Regenbogenhaut und Linsentrübung
  • erhöhter Augendruck (sekundäres Glaukom)
  • Schrumpfung des Auges (Phthisis), wenn das Auge seine Funktion verliert
  • sehr selten Ausbreitung auf die Augenhöhle oder das Gehirn, vor allem unbehandelt

Kann man durch eine Endophthalmitis ein Auge verlieren?

Ja, in schweren Fällen. Ist die Infektion nicht zu beherrschen oder bleibt ein blindes, schmerzhaftes Auge zurück, muss es manchmal entfernt werden. Bei der endogenen Form war das in einer Auswertung bei etwa 19 Prozent nötig. Nach Bacillus-cereus-Infektionen kann das Auge innerhalb von ein bis zwei Tagen verloren sein.

Nach einer Endophthalmitis infolge einer Kataraktoperation ist der Verlust des Auges dank moderner Behandlung selten. Ein Auge, das entfernt werden muss, wird in der Regel durch eine Prothese ersetzt, die äußerlich kaum auffällt.

Wie lange dauert die Heilung?

Die akute Infektion ist meist innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen beherrscht. Die Entzündung klingt langsamer ab, oft über Wochen. Das Sehen kann sich noch über Monate bessern, wenn sich Trübungen auflösen und Schwellungen zurückgehen.

Wie lange Sie nicht arbeiten oder Auto fahren können, hängt vom Verlauf und von der Sehschärfe ab. Feste Regeln gibt es nicht. Besprechen Sie das mit der behandelnden Klinik, und fahren Sie erst wieder, wenn die Augenärztin oder der Augenarzt die Sehschärfe als ausreichend bestätigt hat.

Wie ist die Prognose bei der endogenen Form?

Bei der endogenen Form wird die Prognose oft weniger vom Auge als von der Grunderkrankung bestimmt. In mehreren Serien starben 4 bis 21 Prozent der Betroffenen an ihrer Allgemeininfektion. Das Auge blieb meist erhalten, ein brauchbares Sehen von mindestens 0,05 erreichten aber je nach Serie nur 5 bis 64 Prozent.

Kann eine Endophthalmitis wiederkommen?

Die akute Form kommt nach erfolgreicher Behandlung selten zurück. Bei der späten Form durch Cutibacterium acnes sind Rückfälle dagegen häufig, wenn Keime im Kapselsack verbleiben. Neue Beschwerden auf einem früher betroffenen Auge sollten deshalb immer rasch untersucht werden.

Was bedeutet eine Endophthalmitis für das andere Auge?

Eine exogene Endophthalmitis springt nicht auf das andere Auge über. Muss es später auch operiert werden, wird das Team besonders sorgfältig auf Vorbeugung achten und etwa entzündete Lidränder vorher behandeln. Sprechen Sie die frühere Infektion vor jedem weiteren Eingriff an.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (11)

Kann man einer Endophthalmitis vorbeugen?

Ja, das Risiko lässt sich deutlich senken, aber nie ganz ausschließen. Die wichtigsten Maßnahmen liegen beim Operationsteam: gründliche Desinfektion, steriles Arbeiten und bei der Kataraktoperation ein Antibiotikum in der Vorderkammer. Sie selbst tragen bei, indem Sie Lidrandentzündungen vorher behandeln lassen, sich an die Verhaltensregeln halten und die Warnzeichen kennen.

Warum ist die Desinfektion mit Povidon-Jod so wichtig?

Die Desinfektion der Augenoberfläche mit Povidon-Jod ist die am besten belegte Einzelmaßnahme gegen eine Endophthalmitis. Üblich sind 5-prozentige Lösung in Bindehautsack und auf der Hornhaut und 10-prozentige Lösung auf Lidern und Haut um das Auge. Weil die meisten Erreger von der eigenen Augenoberfläche stammen, setzt sie genau dort an.

Wie wirksam das ist, zeigen Daten zu Spritzen ins Auge: Ohne Desinfektion lag das Risiko in einer Auswertung bei 15 Prozent, mit Povidon-Jod bei 0,03 Prozent. Das Jod brennt kurz und kann die Augenoberfläche reizen. Wer häufig gespritzt wird, bekommt davon manchmal trockene Augen. Dann helfen Tränenersatzmittel.

Was tun, wenn ich allergisch gegen Jod bin?

Eine echte Allergie gegen Jod ist sehr selten. Meist handelt es sich um eine Unverträglichkeit von Povidon oder um eine Hautreizung. Povidon-Jod löst bei etwa 4 von 1.000 Behandelten eine allergische Reaktion aus. Eine Unverträglichkeit von Röntgenkontrastmittel ist kein Grund, auf Povidon-Jod zu verzichten.

Bei nachgewiesener Allergie stehen andere Desinfektionsmittel zur Verfügung, etwa Chlorhexidin 0,1 Prozent, Polihexanid oder Octenidin. Chlorhexidin erwies sich in Studien als ähnlich wirksam. Teilen Sie eine bekannte Allergie vor dem Eingriff unbedingt mit.

Was bringt das Antibiotikum in der Vorderkammer bei der Kataraktoperation?

Ein Antibiotikum, das am Ende der Kataraktoperation in die Vorderkammer gegeben wird (intrakameral), senkt das Infektionsrisiko etwa auf ein Fünftel. Meist ist es Cefuroxim, bei Allergie Moxifloxacin. Das zeigte die europäische ESCRS-Studie mit über 16.000 Teilnehmenden: Mit Cefuroxim erkrankten 0,074 Prozent, ohne 0,345 Prozent.

Erfahrungen aus Kliniken bestätigen das. An einer spanischen Klinik sank die Rate von 0,48 auf 0,056 Prozent. Die Universitäts-Augenklinik Tübingen schreibt, dass sich das Antibiotikum in der Vorderkammer wegen der deutlichen Risikosenkung zumindest in Europa durchgesetzt hat. In europäischen Studien insgesamt ging sie um das 7- bis 28-Fache zurück. Eine Cochrane-Übersicht schätzt die Senkung auf 80 bis 90 Prozent.

Wie handhaben die Länder das?

  • Schweden setzt intrakamerales Cefuroxim seit 1996 routinemäßig ein.
  • Europa, auch Deutschland: Das Vorgehen ist weitgehend Standard. Die Europäische Arzneimittelagentur hat ein fertiges Cefuroxim-Präparat für diese Anwendung zugelassen.
  • Österreich: In der Umfrage der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft für 2021 gaben 17 der 19 antwortenden Augenabteilungen am Ende der Kataraktoperation ein Antibiotikum in die Vorderkammer.
  • Frankreich: Die Gesundheitsbehörde HAS hat das zugelassene Präparat 2013 bewertet und seinen Nutzen als bedeutend eingestuft.
  • Spanien: Die Leitlinie der Fachgesellschaft SECOIR nennt Cefuroxim als einzige in randomisierten Studien belegte Antibiotika-Vorbeugung, Cefazolin als Alternative.
  • USA: Dort gibt es kein zugelassenes Fertigpräparat. Viele Operateure verzichten wegen Sorgen um Mischfehler und Resistenzen darauf; 2017 nutzten es nach einer Umfrage nur 41 Prozent.

Vancomycin soll nicht zur Vorbeugung verwendet werden. Es bleibt als wichtiges Reservemittel für die Behandlung vorbehalten.

Helfen Antibiotika-Augentropfen vor oder nach dem Eingriff?

Der Nutzen ist nicht sicher belegt. Bei Spritzen ins Auge brachten vorbeugende Antibiotika-Tropfen in sieben Studien mit über 72.000 Injektionen keinen Vorteil. Sie können aber die Entstehung resistenter Keime fördern. DOG, Retinologische Gesellschaft und Berufsverband der Augenärzte (BVA) halten sie deshalb bei Spritzen ins Auge nicht für nötig, lassen sie aber als Möglichkeit zu.

Nach Kataraktoperationen verordnen viele Praxen weiterhin Antibiotika-Tropfen für einige Tage. Wenden Sie verordnete Tropfen genau nach Plan an, und berühren Sie mit der Flaschenspitze weder Auge noch Wimpern.

Welche Regeln gelten bei Spritzen ins Auge?

Für Spritzen ins Auge haben DOG, Retinologische Gesellschaft und BVA in Deutschland klare Empfehlungen veröffentlicht. Die wichtigsten Punkte:

  • Spülung des Bindehautsacks mit 5-prozentigem Povidon-Jod und zweimaliges Abwischen von Lidern und Wimpern mit 10-prozentiger Lösung
  • keine Lidmassage, damit keine Keime aus den Lidranddrüsen ausgedrückt werden
  • Lidsperrer, sterile Handschuhe und Abdeckung
  • Mund-Nasen-Schutz für Ärztin oder Arzt und Assistenz, möglichst nicht sprechen
  • bei einer akuten Lid- oder Bindehautentzündung die Spritze verschieben und erst die Entzündung behandeln
  • Aufklärung über die Warnzeichen vor jeder Spritze

Auch in Frankreich verlangt die Gesundheitsbehörde strenge Asepsis und erfahrene Behandelnde. Eine französische Auswertung fand weniger Infektionen, wenn in einem eigenen Eingriffsraum gespritzt wurde. Wimpern kürzen oder Tränenwege spülen senkt das Risiko dagegen nicht.

Was kann ich vor einer Augenoperation selbst tun?

Ihr wichtigster Beitrag vor dem Eingriff ist, Entzündungen am Auge rechtzeitig behandeln zu lassen. Eine Lidrandentzündung, ein Gerstenkorn, eine Bindehautentzündung oder eine Entzündung der Tränenwege erhöhen das Risiko. Sprechen Sie verklebte, gerötete Lidränder bei der Voruntersuchung an.

  • Bei Lidrandentzündung in den Wochen vorher regelmäßige Lidrandhygiene mit warmen Kompressen und Reinigung
  • Infektionen an anderer Stelle des Körpers vorher behandeln lassen, etwa Zahnentzündungen oder Harnwegsinfekte
  • einen Diabetes möglichst gut einstellen
  • Allergien gegen Jod oder Antibiotika und Medikamente, die das Immunsystem dämpfen, angeben
  • Kontaktlinsen am zu operierenden Auge nach Anweisung rechtzeitig weglassen
  • am Operationstag kein Augen-Make-up und keine Gesichtscreme rund um das Auge

Wie verhalte ich mich nach einer Operation oder Spritze?

Nach dem Eingriff ist die Wunde einige Tage lang eine mögliche Eintrittspforte. Halten Sie sich an die Verhaltensregeln Ihrer Klinik. Üblich sind:

  • nicht am Auge reiben oder drücken; nachts nach Anweisung einen Schutzverband oder eine Schutzkappe tragen
  • vor jedem Eintropfen gründlich die Hände waschen
  • Leitungswasser, Seife und Shampoo in den ersten Tagen vom Auge fernhalten
  • Schwimmbad, Sauna, staubige Arbeiten und Gartenarbeit für die empfohlene Zeit meiden
  • kein Augen-Make-up, bis die Klinik es erlaubt
  • alle Kontrolltermine einhalten

Und vor allem: Kennen Sie die Warnzeichen, und handeln Sie sofort, wenn sie auftreten. Notieren Sie sich vor dem Eingriff, wo Sie nachts und am Wochenende anrufen oder hingehen können.

Worauf müssen Menschen mit Sickerkissen nach einer Glaukomoperation achten?

Ein Sickerkissen bleibt lebenslang eine mögliche Eintrittspforte. Lassen Sie Lidrandentzündungen und Bindehautentzündungen auf diesem Auge stets rasch behandeln. Ein undichtes Sickerkissen sollte repariert werden.

Ein rotes, schmerzendes oder schlechter sehendes Auge mit Sickerkissen gehört immer noch am selben Tag in augenärztliche Hände, auch Jahre nach der Operation. Dauerhaft angewendete Antibiotika-Tropfen erhöhen das Risiko eher, weil sie resistente Keime fördern.

Wie schützt man sich vor einer Infektion nach Verletzungen?

Der beste Schutz ist, Verletzungen zu vermeiden: Schutzbrille beim Hämmern, Schleifen, Bohren, Holzhacken, Rasenmähen, Heckenschneiden und bei riskanten Sportarten. Kommt es doch zu einer Verletzung, die das Auge durchbohrt haben könnte, zählt jede Stunde. Eine Versorgung innerhalb von 24 Stunden senkt das Infektionsrisiko deutlich.

Drücken Sie nicht auf das Auge, ziehen Sie keinen steckenden Fremdkörper heraus, und decken Sie das Auge locker ab. Fahren Sie nicht selbst, sondern lassen Sie sich direkt in eine Augenklinik bringen.

Kann man der endogenen Form vorbeugen?

Nur indirekt. Entscheidend ist die rasche Behandlung von Infektionen im Körper und die sorgfältige Pflege von Kathetern. Menschen mit Immunschwäche, Dialyse oder Katheter sollten neue Augenbeschwerden sofort mitteilen. Bei einer nachgewiesenen Pilzinfektion im Blut untersuchen viele Kliniken die Augen gezielt, auch ohne Beschwerden.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (7)

Wann muss ich sofort in die Augenklinik?

Sofort, noch am selben Tag, auch nachts und am Wochenende, wenn nach einer Augenoperation, einer Spritze ins Auge oder einer Augenverletzung eines dieser Zeichen auftritt:

  • das Sehen wird schlechter statt besser, ein Schleier oder Nebel nimmt zu
  • zunehmende, dumpfe Schmerzen im Auge
  • das Auge wird röter statt blasser
  • starke Lichtempfindlichkeit oder Blendung
  • geschwollenes Lid, gelblicher Ausfluss
  • ein weißlicher Fleck oder Streifen im Auge

Besonders wachsam sollten Sie in den ersten zwei Wochen nach einer Operation und in den ersten Tagen nach einer Spritze sein. Warten Sie nicht ab, ob es von selbst besser wird, und warten Sie nicht auf den nächsten regulären Kontrolltermin.

Wohin wende ich mich?

Rufen Sie zuerst die Klinik oder Praxis an, die den Eingriff gemacht hat. Viele geben dafür eine Notfallnummer mit. Ist dort niemand erreichbar, gehen Sie direkt in die nächste Augenklinik mit Notaufnahme. Eine Videosprechstunde reicht nicht, weil Sehschärfe und Augeninneres nur bei einer persönlichen Untersuchung beurteilt werden können.

  • Deutschland: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117, im Notfall 112
  • Österreich: Gesundheitsberatung 1450, Rettung 144, Euro-Notruf 112; nachts und am Wochenende die Augenambulanz eines Krankenhauses
  • Schweiz: 144 oder die nächste Augenklinik

Sagen Sie am Telefon gleich, wann und welcher Eingriff an welchem Auge gemacht wurde und welche Beschwerden Sie haben. Bringen Sie Entlassungsbrief, Medikamentenliste und Augentropfen mit.

Wann ist es auch später noch ein Notfall?

Auch Wochen, Monate oder Jahre nach einer Operation können neue Rötung, Schmerzen oder Sehverschlechterung auf eine späte Endophthalmitis hinweisen. Das gilt besonders für Augen mit einem Sickerkissen nach Glaukomoperation. Hier sollte die Untersuchung ebenfalls am selben Tag erfolgen.

Eine Entzündung, die auf Kortison-Tropfen besser wird und nach dem Absetzen zurückkommt, ist kein Notfall in Stunden, sollte aber innerhalb weniger Tage augenärztlich abgeklärt werden.

Wann ist eine Augenverletzung ein Notfall?

Jede Verletzung, bei der ein Gegenstand das Auge getroffen haben könnte, ist ein Notfall: Metallsplitter beim Hämmern oder Schleifen, Holz, Pflanzen, Glas, ein Stock oder Draht. Besonders gefährlich sind Verletzungen mit Erde im Freien. Fahren Sie sofort in eine Augenklinik, auch wenn das Auge zunächst kaum schmerzt.

Wann sollte man bei Fieber an das Auge denken?

Wer Fieber oder eine schwere Infektion hat, im Krankenhaus liegt, einen Katheter trägt, ein geschwächtes Immunsystem hat oder Drogen spritzt, und dann neue Augenbeschwerden bekommt, braucht rasch eine augenärztliche Untersuchung. Dazu gehören schlechteres Sehen, schwimmende Punkte, Schmerzen oder ein rotes Auge. Sprechen Sie das Personal auf der Station aktiv darauf an.

Was sollte ich bis zur Untersuchung nicht tun?

Behandeln Sie das Auge nicht selbst mit übrig gebliebenen Tropfen, insbesondere nicht mit Kortison-Tropfen auf eigene Faust. Sie können die Beschwerden verschleiern und bei Pilzen schaden. Reiben Sie nicht am Auge und fahren Sie nicht selbst Auto. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie auf unserer Seite Notfall am Auge.

Welche Beschwerden sind meist kein Notfall?

Ein leichtes Kratzen, leichte Rötung und etwas Tränen in den ersten Tagen nach einer Operation, die von Tag zu Tag besser werden, sind normal. Ebenso ein kleiner roter Fleck auf dem Augenweiß nach einer Spritze, wenn das Sehen gut bleibt. Sprechen Sie diese Beschwerden beim nächsten Kontrolltermin an. Werden sie jedoch stärker, gilt wieder: sofort untersuchen lassen.

9 Häufige Fragen

Ist ein rotes Auge nach der Grauer-Star-OP normal?

Eine leichte Rötung und ein Kratzen in den ersten Tagen sind normal, wenn sie von Tag zu Tag abnehmen. Wird das Auge röter, schmerzt es zunehmend oder sehen Sie schlechter statt besser, ist das ein Warnzeichen für eine Infektion. Dann gehen Sie noch am selben Tag in die Augenklinik, auch nachts oder am Wochenende.

Wie häufig ist eine Endophthalmitis nach einer Kataraktoperation?

Sie ist selten. Heute erkranken etwa 1 von 1.000 bis 1 von 3.000 Operierten, mit einem Antibiotikum in der Vorderkammer am Ende der Operation eher weniger. In Europa ist dieses Antibiotikum weitgehend Standard und senkt das Risiko etwa auf ein Fünftel.

Wie gefährlich ist eine Spritze ins Auge wegen Infektionen?

Pro Spritze ist das Risiko klein, im Mittel etwa 1 von 1.800 bis 1 von 2.000 Injektionen. Weil viele Menschen über Jahre regelmäßig gespritzt werden, ist es wichtig, die Warnzeichen zu kennen. Nach einer Spritze sind die Schmerzen oft geringer als nach einer Operation; schon eine deutliche Sehverschlechterung in den Tagen danach ist ein Alarmzeichen.

Wie schnell muss eine Endophthalmitis behandelt werden?

So schnell wie möglich, am selben Tag. Aggressive Bakterien können die Netzhaut innerhalb von Stunden bleibend schädigen. Die Behandlung beginnt deshalb sofort nach der Probenentnahme, ohne auf das Laborergebnis zu warten.

Kann man eine Endophthalmitis mit Augentropfen behandeln?

Nein, Tropfen allein reichen nicht. Sie erreichen den Glaskörper nicht in ausreichender Menge. Die Antibiotika müssen direkt ins Auge gespritzt werden, oft zusammen mit einer Glaskörperoperation. Tropfen werden nur ergänzend gegeben.

Tut die Behandlung weh?

Das Auge wird vorher mit Tropfen und meist einer Spritze neben dem Auge betäubt. Wegen der Entzündung kann es trotzdem unangenehm sein. Bei sehr starken Schmerzen oder bei einer Operation ist auch eine Vollnarkose möglich.

Kann ich durch eine Endophthalmitis erblinden?

Ein bleibender Sehverlust ist möglich, auch bei rascher Behandlung. Etwa die Hälfte der Betroffenen nach Kataraktoperation sieht danach wieder 0,5 oder besser. Völlige Erblindung ist bei früher Behandlung selten, aber bei aggressiven Erregern wie Streptokokken oder nach Verletzungen deutlich häufiger. In schweren Fällen kann das Auge verloren gehen.

Kann eine Endophthalmitis auch ohne Operation entstehen?

Ja. Bei der endogenen Form gelangen Keime über das Blut ins Auge, etwa bei einer Blutvergiftung, einer Herzinnenhautentzündung, einem Leberabszess, einem infizierten Katheter oder nach Drogeninjektion. Häufig sind Pilze wie Candida. Auch nach Verletzungen, die das Auge durchbohren, kann eine Endophthalmitis entstehen.

Ist eine Endophthalmitis ansteckend?

Nein. Die Infektion spielt sich im Inneren des Auges ab und wird nicht auf andere Menschen übertragen. Angehörige müssen keine besonderen Schutzmaßnahmen treffen.

Was ist der Unterschied zwischen Endophthalmitis und Bindehautentzündung?

Bei einer Bindehautentzündung ist nur die äußere Schleimhaut des Auges entzündet. Das Auge ist rot und tränt, aber das Sehen bleibt klar und es gibt keinen tiefen Schmerz. Bei der Endophthalmitis ist das Augeninnere infiziert: Das Sehen wird schlechter, die Schmerzen sitzen tief. Nach einer Augenoperation sollte ein rotes Auge immer augenärztlich beurteilt werden.

Kann eine Endophthalmitis auch Monate nach der Operation auftreten?

Ja. Die späte Form beginnt mehr als sechs Wochen nach der Operation, manchmal erst nach Monaten oder Jahren. Sie verläuft schleichend, mit langsam schlechterem Sehen und einer Entzündung, die nach Absetzen von Kortison-Tropfen wiederkommt. Nach Glaukomoperationen mit Sickerkissen kann eine Infektion noch Jahre später auftreten.

Was kann ich selbst tun, um einer Infektion nach einer Augenoperation vorzubeugen?

Lassen Sie Lidrandentzündungen und andere Entzündungen am Auge vor dem Eingriff behandeln. Danach gilt: nicht am Auge reiben, vor dem Eintropfen die Hände waschen, Wasser und Make-up vom Auge fernhalten und alle Kontrolltermine einhalten. Vor allem: die Warnzeichen kennen und bei ihrem Auftreten sofort handeln.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 24 Quellen anzeigen
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