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Makula

Epiretinale Gliose (Epiretinale Membran, Macular Pucker)

Die epiretinale Gliose ist ein dünnes, durchsichtiges Häutchen auf der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens; zieht es sich zusammen, legt es die Netzhaut in Falten, und gerade Linien wirken wellig oder Bilder unscharf. Sie ist gutartig, kommt vor allem nach dem 50. Lebensjahr vor und muss nur operiert werden, wenn sie im Alltag deutlich stört.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 38 Minuten · 28 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (6)

Was ist eine epiretinale Gliose?

Eine epiretinale Gliose ist ein dünnes, gefäßloses Häutchen aus Zellen und Bindegewebe, das auf der Oberfläche der Netzhaut wächst, meist genau in der Makula. Die Makula (gelber Fleck) ist die kleine Stelle in der Netzhautmitte, mit der Sie lesen, Gesichter erkennen und feine Einzelheiten sehen. „Epiretinal“ bedeutet „auf der Netzhaut“, „Gliose“ bezieht sich auf die Gliazellen, aus denen die Membran zu einem großen Teil besteht.

Solange das Häutchen glatt aufliegt, stört es oft nicht. Zieht es sich zusammen, legt es die darunterliegende Netzhaut in Falten. Britische Patientenmerkblätter vergleichen das mit Frischhaltefolie, die sich auf einer Fläche zusammenzieht und sie dabei runzelt.

Welche Namen gibt es für die Erkrankung?

Epiretinale Gliose und epiretinale Membran (kurz ERM) bezeichnen dasselbe. Daneben sind epimakuläre Membran, Makulapucker oder englisch Macular Pucker, präretinale Makulafibrose und Zellophanmakulopathie gebräuchlich. In Frankreich heißt die Erkrankung „membrane épirétinienne“, in Spanien „membrana epirretiniana“.

Streng genommen sind Zellophanmakulopathie und Macular Pucker keine Synonyme, sondern verschiedene Stadien. Die Zellophanmakulopathie ist die frühe, glänzende, kaum faltige Form; der Macular Pucker ist die dichte, grauweiße Membran mit deutlichen Falten. Darauf weist die gemeinsame Stellungnahme der deutschen augenärztlichen Fachgesellschaften ausdrücklich hin.

Wie häufig ist eine epiretinale Gliose?

Die epiretinale Gliose ist eine häufige Veränderung im Alter, aber nur ein Teil der Betroffenen bemerkt sie. Die Angaben in Studien reichen von etwa 2 % bis 34 %, je nach Alter, Herkunft und Untersuchungsmethode. Eine Metaanalyse von 13 Bevölkerungsstudien mit fast 50.000 Personen kam auf rund 9 %.

In der niederländischen Maastricht-Studie mit OCT-Aufnahmen hatten 0,8 % der 40- bis 49-Jährigen, aber 12,2 % der 70- bis 75-Jährigen eine Membran. Für Deutschland zeigt die Gutenberg-Gesundheitsstudie aus Mainz ähnliche Werte. Britische und amerikanische Merkblätter nennen vereinfacht etwa 2 % der über 50-Jährigen und etwa 20 % der über 75-Jährigen.

Ist eine epiretinale Gliose gefährlich?

Nein, die epiretinale Gliose ist gutartig und führt nicht zur Erblindung. Das seitliche Gesichtsfeld bleibt immer erhalten. Sie kann aber das zentrale Sehen so beeinträchtigen, dass Lesen, Arbeiten oder Autofahren schwerfallen.

Bei vielen Menschen bleibt die Membran über Jahre unverändert. Bei einem kleineren Teil nimmt sie langsam oder auch rascher zu. Deshalb sind Kontrollen sinnvoll, auch wenn zunächst nichts zu tun ist.

Wie wird eine epiretinale Gliose behandelt?

Es gibt keine Tropfen, Tabletten oder Laserbehandlung gegen die Membran; die einzige wirksame Behandlung ist eine Operation. Dabei wird der Glaskörper entfernt (Vitrektomie) und das Häutchen mit einer feinen Pinzette von der Netzhaut abgezogen (Membranpeeling). Operiert wird nur, wenn die Beschwerden im Alltag deutlich stören; sonst genügt Abwarten mit Kontrollen.

Das Wichtigste in Kürze

Die wichtigsten Punkte zur epiretinalen Gliose auf einen Blick:

  • Häutchen auf der Makula, meist altersbedingt nach einer Glaskörperabhebung.
  • Typisch sind Verzerrtsehen, unscharfes Sehen und manchmal ein kleineres oder größeres Bild auf einem Auge.
  • Viele Betroffene haben keine Beschwerden; die Gliose ist dann ein Zufallsbefund.
  • Die wichtigste Untersuchung ist die optische Kohärenztomografie (OCT), ein Schichtbild der Netzhaut.
  • Keine Medikamente; Operation nur bei deutlicher Beeinträchtigung.
  • Nach der Operation bessert sich das Sehen langsam über Monate, meist aber nicht ganz auf den früheren Stand.
  • Wer noch seine eigene Linse hat, bekommt nach der Operation sehr häufig einen Grauen Star.

2 Symptome

In diesem Kapitel (19)

Merkt man eine epiretinale Gliose überhaupt?

Oft nicht: Die meisten Menschen mit einer epiretinalen Gliose haben keine oder nur geringe Beschwerden. Die Membran fällt dann zufällig bei einer augenärztlichen Untersuchung oder auf einer OCT-Aufnahme auf. Die Sehschärfe ist in diesem Fall normal oder fast normal.

Nach Angaben des Londoner Moorfields Eye Hospital stört die Membran das Sehen meist nicht, solange sie sich noch bildet. Erst wenn sie aufhört zu wachsen und sich zusammenzieht, verzieht sie die Netzhaut und verzerrt das zentrale Sehen. Die beiden wichtigsten Beschwerden sind dann Verzerrtsehen und eine nachlassende Sehschärfe.

Warum bemerken viele die Gliose erst, wenn sie ein Auge zuhalten?

Weil das gesunde oder weniger betroffene Auge die Fehler des anderen Auges ausgleicht. Das Gehirn bevorzugt das bessere Bild, und im beidäugigen Seheindruck fällt die Störung nicht auf. Das gilt besonders, wenn das gesunde Auge das führende Auge ist.

Viele Betroffene entdecken die Veränderung deshalb zufällig: beim Reiben eines Auges, beim Sehtest beim Optiker oder bei der Führerscheinuntersuchung. Typisch ist der überraschte Satz „Mit dem rechten Auge sehe ich ja alles schief“. Die Verzerrung lässt sich am besten erkennen, wenn Sie das gesunde Auge zuhalten.

Wie fühlt sich das Verzerrtsehen an?

Gerade Linien wirken wellig, geknickt oder verbogen; Fachleute nennen das Metamorphopsie. Sie ist das Leitsymptom der epiretinalen Gliose. Die Membran zieht die Netzhaut in Falten, sodass die Sinneszellen nicht mehr gleichmäßig nebeneinanderliegen und das Bild verzogen ankommt.

Häufig beschriebene Beispiele sind:

  • Türrahmen und Fensterkanten wirken gebogen oder haben eine Delle.
  • Jalousien und Lamellen erscheinen wellig.
  • Fliesenfugen im Bad oder in der Küche verlaufen nicht mehr gerade.
  • Buchstaben wirken verkippt, gewölbt oder ungleich hoch; die Zeile scheint zu tanzen.
  • Gesichter wirken leicht verzogen, etwa ein schiefer Mund oder eine verschobene Nase.
  • Kanten von Tischen, Treppenstufen oder Bordsteinen wirken uneben.

Die Verzerrung betrifft immer den Bereich, den Sie gerade direkt anschauen. Am Rand des Gesichtsfelds sehen Sie Linien weiterhin normal. Viele Betroffene empfinden das Verzerrtsehen als störender als eine reine Unschärfe, weil das Bild „falsch“ statt nur „unscharf“ ist.

Wie zeigt sich die nachlassende Sehschärfe?

Das zentrale Sehen wird langsam unschärfer, Kleingedrucktes und feine Einzelheiten sind schwerer zu erkennen. Die Sehschärfe sinkt meist schleichend über Monate bis Jahre, entsprechend dem langsamen Wachstum der Membran. Eine neue Brille hilft dabei nicht, weil die Ursache in der Netzhaut liegt und nicht in der Brechkraft des Auges.

Im Alltag zeigt sich das zum Beispiel so:

  • Zeitung, Beipackzettel oder Preisschilder lassen sich mit dem betroffenen Auge schlechter lesen.
  • Einfädeln, Handarbeiten oder feine Reparaturen werden mühsam.
  • Untertitel, Busnummern oder Straßenschilder sind schwerer zu entziffern.
  • Man braucht mehr Licht oder hält Texte näher an die Augen.

In fortgeschrittenen Fällen kann die zentrale Sehschärfe deutlich abnehmen. Eine völlige Erblindung tritt aber nicht ein, weil das seitliche Sehen unberührt bleibt.

Was bedeutet der Blick durch Folie?

Viele Betroffene beschreiben ihr Sehen, als schauten sie durch Zellophan, Frischhaltefolie oder eine leicht verschmierte Plastikscheibe. Dieser Eindruck findet sich in deutschen, französischen und spanischen Patienteninformationen gleichermaßen. Das Bild wirkt dabei nicht nur unscharf, sondern leicht trüb und „gewellt“.

Der Name Zellophanmakulopathie stammt allerdings nicht von diesem Gefühl. Er beschreibt den glitzernden, folienartigen Reflex, den die Augenärztin oder der Augenarzt bei der Spiegelung des Augenhintergrunds sieht.

Warum erscheinen Dinge kleiner oder größer?

Die Membran kann die Sinneszellen der Makula zusammenschieben oder auseinanderziehen, sodass das Bild auf diesem Auge kleiner oder größer wirkt. Erscheint es größer, heißt das Makropsie; erscheint es kleiner, Mikropsie. Welche der beiden Formen auftritt, ist von Fall zu Fall verschieden.

Größenunterschiede zwischen beiden Augen

Ist nur ein Auge betroffen, sehen beide Augen denselben Gegenstand unterschiedlich groß. Das Gehirn kann die beiden ungleichen Bilder dann schlecht zu einem Bild verschmelzen. Die Folgen sind ein unruhiges, anstrengendes beidäugiges Sehen, Unsicherheit beim Abschätzen von Abständen und manchmal Doppelbilder.

Gerade dieser Größenunterschied kann stärker stören als die eigentliche Sehschärfe. Deshalb fragen Augenärztinnen und Augenärzte gezielt nach Problemen beim Sehen mit beiden Augen. Die deutsche Stellungnahme nennt Beschwerden beim beidäugigen Sehen ausdrücklich als einen Grund, eine Operation zu erwägen.

Kann eine epiretinale Gliose Doppelbilder machen?

Ja, Doppelbilder kommen bei einer epiretinalen Gliose vor, sind aber seltener als Verzerrung und Unschärfe. Sie entstehen auf zwei Wegen. Entweder sieht das betroffene Auge allein ein verschwommenes Doppelbild, oder die beiden Augen liefern so unterschiedliche Bilder, dass das Gehirn sie nicht mehr zusammenführt.

Die zweite Form verschwindet, wenn Sie ein Auge zuhalten. Plötzlich auftretende Doppelbilder, die beim Zuhalten eines Auges verschwinden, können aber auch andere Ursachen haben, etwa eine Lähmung von Augenmuskeln. Neue, plötzlich auftretende Doppelbilder sollten Sie deshalb noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.

Was bedeutet ein grauer Fleck in der Bildmitte?

Ein grauer, wolkiger oder leerer Fleck in der Mitte des Gesichtsfelds (zentrales Skotom) ist bei ausgedehnten Membranen möglich. Er tritt meist erst in fortgeschrittenen Stadien auf oder wenn die Membran eine Schwellung der Makula (Makulaödem) verursacht. Dann fehlen beim Lesen einzelne Buchstaben oder die Mitte eines Gesichts wirkt verwaschen.

Ein solcher Fleck ist nicht typisch für frühe Stadien. Er kann auch ein Zeichen anderer Makulaerkrankungen sein, etwa einer altersabhängigen Makuladegeneration oder eines Makulaforamens. Ein neuer Fleck sollte daher zeitnah untersucht werden.

Welche seltenen Beschwerden gibt es?

Seltener berichten Betroffene über Lichtempfindlichkeit, Blendung oder kurze Lichtblitze in der Bildmitte. Diese Beschwerden werden in englischen und spanischen Patienteninformationen der Netzhautfachgesellschaft ASRS und in Unterlagen der Medizinischen Universität Wien genannt. Andere Quellen, etwa ein Fachbeitrag im Bayerischen Ärzteblatt, betonen dagegen, dass Lichtblitze kein typisches Gliose-Symptom sind.

Diese Unterschiede haben einen Grund: Die Gliose entsteht oft nach einer Glaskörperabhebung, und die Abhebung selbst kann Lichtblitze und schwebende Punkte verursachen. Gerade deshalb gilt: Neue Lichtblitze, ein plötzlicher Rußregen oder ein Schatten im Gesichtsfeld sind kein Zeichen der Gliose, sondern ein Warnzeichen für einen Netzhautriss oder eine Netzhautablösung. Damit sollten Sie noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Welche Beschwerden gehören nicht zur epiretinalen Gliose?

Schmerzen, Rötung, Tränen und Juckreiz gehören nicht zum Krankheitsbild. Der Sehverlust bei einer epiretinalen Gliose ist schmerzlos. Das Auge sieht von außen völlig normal aus.

Ebenfalls nicht typisch sind:

  • ein Ausfall des seitlichen Gesichtsfelds,
  • ein plötzlicher, starker Sehverlust innerhalb von Stunden,
  • ein dunkler Vorhang, der von einer Seite ins Bild wandert,
  • viele neue schwarze Punkte oder Fäden auf einmal.

Treten solche Zeichen auf, steckt wahrscheinlich eine andere Erkrankung dahinter, die rasch untersucht werden muss.

Wie verändern sich die Beschwerden mit der Zeit?

Die Beschwerden hängen eng mit dem Stadium der Membran zusammen und nehmen meist langsam zu oder bleiben über Jahre gleich. Klassisch wird die epiretinale Gliose nach dem amerikanischen Augenarzt Gass in drei Stadien eingeteilt:

StadiumBefund am AugenhintergrundTypische Beschwerden
0: Zellophanmakulopathieglänzender, glitzernder Reflex, keine Faltenmeist keine; Sehschärfe normal, Amsler-Test unauffällig
1: Zellophan mit Fältelungfeine Falten der inneren Netzhautbeginnendes Verzerrtsehen und leichte Unschärfe
2: Macular Puckerdichte, grauweiße Membran, deutlich verzogene, geschlängelte Gefäße, oft Schwellungdeutliches Verzerrtsehen, verminderte Sehschärfe, teils Größenunterschiede und grauer Fleck

Die Bildung einer mehrschichtigen Membran dauert Monate bis Jahre. In seltenen Fällen lassen die Verzerrungen sogar von selbst nach, etwa wenn sich die Zugrichtung der Membran ändert oder sie sich von der Netzhaut löst.

Warum sind die Beschwerden so unterschiedlich stark?

Weil nicht allein die Membran, sondern ihre Lage, ihre Zugkraft und der Zustand des anderen Auges bestimmen, wie sehr sie stört. Die deutsche Stellungnahme beschreibt Beschwerden von „gering“ bis „massiv störend“. Befund und Leidensdruck passen dabei oft nicht zusammen: Eine im OCT deutliche Membran kann kaum stören, eine kleine Veränderung dagegen sehr.

Wichtige Einflussgrößen sind:

  • Lage: Je näher die Falten an der Netzhautmitte (Fovea) liegen, desto stärker die Beschwerden.
  • Zugkraft und Schwellung: Starker Zug und ein begleitendes Makulaödem verschlechtern das Sehen.
  • Führendes Auge: Ist das Auge betroffen, mit dem Sie bevorzugt schauen, fällt die Störung stärker auf.
  • Partnerauge: Ist das andere Auge gesund, gleicht es viel aus; ist es selbst krank, wiegt jede Einschränkung schwerer.
  • Sehgewohnheiten: Wer beruflich viel liest, am Bildschirm arbeitet oder fein arbeitet, bemerkt Verzerrungen früher.

Welche Folgen hat die Gliose im Alltag?

Am häufigsten leiden Lesen, Naharbeit und das Erkennen von Gesichtern, weil genau dafür die Makula zuständig ist. Betroffene berichten, dass sie beim Lesen die Zeile verlieren oder Buchstaben verkippt sehen. Auch Schreiben, Nähen, Handwerken oder Arbeiten am Bildschirm werden anstrengender.

Die deutsche Stellungnahme nennt Lesefähigkeit, Beruf und Fahrtauglichkeit als die Bereiche, die im Gespräch über eine Behandlung besprochen werden sollen. Beim Autofahren können verzerrte Fahrbahnmarkierungen und ein unruhiges beidäugiges Sehen das Abschätzen von Abständen erschweren. Ob die Sehschärfe für den Führerschein noch ausreicht, sollte im Zweifel augenärztlich geprüft werden.

Was können Angehörige bemerken?

Von außen ist eine epiretinale Gliose nicht zu erkennen, und Fachquellen beschreiben keine typischen Zeichen, die Angehörige sehen. Hinweise ergeben sich am ehesten aus Äußerungen der Betroffenen selbst. Dazu gehören Bemerkungen über „schiefe“ Türrahmen, die Klage, dass die Brille nicht mehr passt, oder wenn jemand ein Auge beim Lesen zukneift.

Wenn Ihnen so etwas bei einem Angehörigen auffällt, ist ein einfacher Test hilfreich: Lassen Sie ihn abwechselnd ein Auge zuhalten und auf eine gerade Kante schauen. Wirkt sie nur mit einem Auge krumm, ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll.

Gibt es eine epiretinale Gliose bei Kindern und jungen Menschen?

Ja, aber selten: Bei Kindern und jungen Erwachsenen entsteht eine Membran fast immer als Folge einer anderen Augenerkrankung. Auslöser sind dann zum Beispiel eine Verletzung, eine Entzündung im Augeninneren oder ein Netzhautloch. Solche sekundären Membranen schreiten oft schneller fort als die altersbedingte Form.

Kinder beschreiben Verzerrungen selten von sich aus. Auffällig kann sein, dass ein Kind nach einer Verletzung oder Entzündung schlechter sieht oder ein Auge beim Lesen meidet. Zu Besonderheiten der Symptome bei Kindern enthalten die ausgewerteten Fachquellen sonst keine Angaben.

Worauf sollten ältere Menschen achten?

Bei älteren Menschen treffen oft mehrere Augenerkrankungen zusammen, deren Beschwerden sich überlagern. Ein beginnender Grauer Star macht das Sehen ebenfalls unscharf und blendempfindlich. Eine Makuladegeneration kann ebenso Verzerrungen und einen Fleck in der Mitte verursachen.

Deshalb ist es wichtig, Verzerrtsehen nicht als „normale Alterserscheinung“ abzutun. Nur die Untersuchung klärt, welche Ursache die Beschwerden haben und welche zuerst behandelt werden sollte. Britische Merkblätter empfehlen ausdrücklich, andere Ursachen schlechten Sehens wie einen Grauen Star vor einer Entscheidung über die Gliose-Operation zu berücksichtigen.

Sind diese Beschwerden typisch nur für die Gliose?

Nein, Verzerrtsehen und zentrale Unschärfe kommen bei fast jeder Erkrankung der Makula vor. Darauf weist die amerikanische Fachenzyklopädie EyeWiki ausdrücklich hin. Ähnliche Beschwerden machen etwa die feuchte Makuladegeneration, ein Makulaforamen oder eine Schwellung der Makula bei diabetischer Retinopathie oder nach einem Venenverschluss.

Der Unterschied liegt vor allem im Tempo. Die Gliose entwickelt sich langsam über Monate bis Jahre. Verzerrungen, die innerhalb von Tagen neu auftreten oder rasch zunehmen, deuten eher auf eine andere Ursache hin und gehören zügig untersucht.

Welche Beschwerden sind nach einer Operation normal?

Nach der Operation ist das Sehen zunächst unscharf, und das Auge fühlt sich für ein bis zwei Wochen kratzig, gereizt oder juckend an. Das Auge kann gerötet oder blutunterlaufen aussehen. Leichte Schmerzen lassen sich meist mit einfachen Schmerzmitteln lindern; starke Schmerzen sind nicht normal.

Wurde das Auge mit Luft oder Gas gefüllt, sehen Sie die Blase als wackelnde Linie oder dunklen Bereich im Bild, der mit der Zeit kleiner wird. Selten bringt die Operation selbst neue Beschwerden mit sich, etwa Doppelbilder, Größenunterschiede oder ein neues Verzerrtsehen. Ein anhaltendes oder neues Makulaödem kann ebenfalls vorübergehend das Sehen trüben.

Übersicht: Beschwerden nach Häufigkeit

Die Beschwerden der epiretinalen Gliose lassen sich grob nach ihrer Häufigkeit ordnen:

HäufigkeitBeschwerde
sehr häufigkeine Beschwerden (Zufallsbefund)
häufigVerzerrtsehen, wellige Linien; verschwommenes zentrales Sehen; nachlassende Lesefähigkeit
gelegentlichBlick wie durch Folie; Dinge wirken größer oder kleiner; unruhiges beidäugiges Sehen
seltenDoppelbilder; grauer Fleck in der Mitte; Lichtempfindlichkeit; Lichtblitze in der Bildmitte
nicht typischSchmerzen, Rötung, Ausfall des seitlichen Sehens, plötzlicher Sehverlust

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (6)

Wie entsteht die Membran?

Die Membran entsteht, wenn Zellen an der Grenze zwischen Glaskörper und Netzhaut auf die Netzhautoberfläche wandern, sich dort vermehren und eine dünne Gewebeschicht bilden. Ein Teil dieser Zellen wandelt sich in sogenannte Myofibroblasten um. Das sind Zellen, die sich wie Muskelzellen zusammenziehen können.

Zieht sich die Membran zusammen, überträgt sie diesen Zug auf die Netzhaut darunter. Die Netzhaut wirft Falten, verdickt sich und kann anschwellen. In der Membran fanden Forschende Gliazellen, Zellen des Pigmentepithels, Fibroblasten, Abwehrzellen und Hyalozyten, also Zellen aus dem Glaskörper.

Welche Rolle spielt der Glaskörper?

Die häufigste Ursache ist die altersbedingte Ablösung des Glaskörpers von der Netzhaut (hintere Glaskörperabhebung). Der Glaskörper ist das klare Gel, das das Augeninnere ausfüllt. Mit dem Alter verflüssigt er sich, und die Haftung zur Netzhaut lässt nach, unter anderem weil das Bindeeiweiß Laminin abnimmt.

Die Glaskörperabhebung beginnt meist ab 40. Bei unter 50-Jährigen ist sie selten, bei über 70-Jährigen hat sie die Mehrheit. Löst sich der Glaskörper nicht sauber ab, bleiben Reste der Glaskörperrinde auf der Netzhaut haften oder die Rinde spaltet sich (Vitreoschisis); dann können kleine Einrisse in der innersten Netzhautschicht entstehen, durch die Gliazellen an die Oberfläche gelangen.

Die französische Fachgesellschaft SFO grenzt davon das vitreomakuläre Traktionssyndrom ab. Dabei hängt der Glaskörper noch an der Makula und zieht direkt an ihr. Bei der typischen epiretinalen Gliose ist der Glaskörper dagegen meist schon vollständig abgelöst.

Was ist eine idiopathische epiretinale Gliose?

Idiopathisch heißt, dass außer der altersbedingten Glaskörperveränderung keine andere Ursache erkennbar ist. Das ist die mit Abstand häufigste Form. Die amerikanische Fachenzyklopädie EyeWiki schätzt ihren Anteil auf etwa 95 %; andere Untersuchungen nennen niedrigere Werte.

Auf die Entstehung der idiopathischen Form haben Sie keinen Einfluss. Sie ist Teil der normalen Alterung des Auges.

Welche Erkrankungen können eine sekundäre Gliose auslösen?

Eine sekundäre Gliose entsteht als Folge einer anderen Augenerkrankung oder eines Eingriffs am Auge. Typische Auslöser sind:

  • Netzhautriss oder Netzhautablösung, auch nach deren Behandlung;
  • Laser- oder Kältebehandlung der Netzhaut und Plombenoperationen;
  • Entzündungen im Augeninneren wie eine Uveitis;
  • Gefäßerkrankungen der Netzhaut, vor allem die diabetische Retinopathie und der Venenverschluss der Netzhaut;
  • Verletzungen durch stumpfe Gewalt oder eindringende Gegenstände;
  • Augenoperationen, auch die Operation des Grauen Stars, weil sie eine Glaskörperabhebung begünstigen kann;
  • Tumoren im Auge (selten).

Sekundäre Membranen betreffen häufiger jüngere Menschen und schreiten oft schneller fort. Häufig liegt der Glaskörper dabei noch an. Nach dem auslösenden Ereignis bildet sich die Membran meist innerhalb von 6 bis 12 Wochen vollständig aus.

Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter. In einer Metaanalyse stieg das Risiko mit jedem Lebensjahr um etwa 19 %. Weitere anerkannte Risikofaktoren sind:

  • eine hintere Glaskörperabhebung,
  • eine epiretinale Membran am anderen Auge,
  • frühere Augenoperationen, darunter auch eine Kunstlinse nach Grauem Star,
  • Netzhautrisse, Netzhautablösung und deren Behandlung,
  • Diabetes mit Netzhautbeteiligung und Venenverschlüsse,
  • Entzündungen im Auge und Verletzungen.

Bei anderen Faktoren sind die Daten uneinheitlich. Die Metaanalyse fand bei Frauen ein leicht erhöhtes Risiko, während Merkblätter aus den USA und Großbritannien beide Geschlechter als gleich betroffen beschreiben. Das spanische Lehrbuch der Fachgesellschaft SEO nennt zusätzlich die Kurzsichtigkeit; in der Metaanalyse waren Kurzsichtigkeit, Bluthochdruck, Diabetes ohne Netzhautschaden, Alkohol und Körpergewicht nicht eindeutig mit der Membran verbunden.

Ist eine epiretinale Gliose ansteckend oder erblich?

Nein, die epiretinale Gliose ist weder ansteckend noch eine bekannte Erbkrankheit. Sie entsteht durch Alterungsvorgänge im Auge oder als Folge anderer Augenerkrankungen. Familienangehörige müssen deshalb nicht gesondert untersucht werden, sollten aber wie alle Menschen ab dem mittleren Alter ihre Augen regelmäßig kontrollieren lassen.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (7)

Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose?

Die Diagnose stützt sich auf vier Untersuchungen: Sehtest, Prüfung auf Verzerrungen, Spiegelung des Augenhintergrunds bei weiter Pupille und ein OCT-Schichtbild der Makula. So empfiehlt es die gemeinsame Stellungnahme von Berufsverband der Augenärzte (BVA), Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft (DOG) und Retinologischer Gesellschaft. Untersucht werden immer beide Augen, auch wenn nur eines Beschwerden macht.

Zuvor fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Beschwerden. Wichtig sind dabei Fragen wie: Seit wann sehen Sie verzerrt? Ist es schlechter geworden? Stört es beim Lesen, im Beruf oder beim Autofahren? Hatten Sie früher Augenoperationen, Verletzungen, Entzündungen oder Diabetes?

Wie werden Sehschärfe und Verzerrungen geprüft?

Die Sehschärfe wird mit der bestmöglichen Brillenkorrektur für Ferne und Nähe gemessen, jedes Auge einzeln. Für die Verzerrung wird meist das Amsler-Gitter verwendet. Das ist ein kariertes Blatt mit einem Punkt in der Mitte.

Sie halten ein Auge zu und schauen mit dem anderen auf den Mittelpunkt. Wirken Linien wellig, verbogen oder fehlen Teile, wird das markiert. Manche Praxen nutzen zusätzlich spezielle Tests, mit denen sich das Ausmaß der Verzerrung in Zahlen erfassen lässt.

Was passiert bei der Spiegelung des Augenhintergrunds?

Die Pupillen werden mit Tropfen erweitert, damit die Ärztin oder der Arzt die Netzhaut an der Spaltlampe gründlich ansehen kann. Typisch für eine Gliose sind ein glitzernder, folienartiger Reflex, eine grauweiße Membran, feine strahlenförmige Falten und verzogene, geschlängelte Gefäße. Zusätzlich wird der Rand der Netzhaut nach Rissen abgesucht.

Die Tropfen wirken mehrere Stunden; die Genfer Universitätsklinik nennt im Schnitt 4 bis 6 Stunden. In dieser Zeit sind Sie blendempfindlich und sehen in der Nähe unscharf. Sie dürfen deshalb nicht selbst Auto fahren und sollten eine Begleitperson oder öffentliche Verkehrsmittel einplanen.

Was zeigt die optische Kohärenztomografie (OCT)?

Die OCT ist die wichtigste Untersuchung: Sie zeigt die Membran als helle Linie auf der Netzhautoberfläche und macht sichtbar, wie stark sie die Netzhaut verzieht. Die Aufnahme ist berührungsfrei und schmerzlos. Sie legen Kinn und Stirn an das Gerät und schauen auf einen Lichtpunkt, während ein Infrarotlicht die Netzhaut in feinen Schichten abtastet.

Das OCT-Bild zeigt unter anderem:

  • ob die normale Grube in der Netzhautmitte (Fovea) noch erhalten oder verstrichen ist,
  • wie dick die Makula ist und ob sie Flüssigkeit enthält,
  • ob der Glaskörper noch anhaftet und zieht,
  • ob die äußeren Netzhautschichten mit den Sinneszellen intakt sind,
  • ob ein Pseudoloch, ein Schichtloch oder ein echtes Loch vorliegt.

Die OCT eignet sich auch gut für die Verlaufskontrolle, weil sich Veränderungen über die Zeit genau vergleichen lassen.

Welche Stadien zeigt die OCT?

Neben der klassischen Einteilung nach Gass gibt es eine OCT-Einteilung nach Govetto mit vier Stadien. Sie beruht darauf, ob sich die normale Grube in der Netzhautmitte noch erkennen lässt und ob sich Schichten der inneren Netzhaut über die Fovea schieben (ektope innere Foveaschichten).

OCT-StadiumBefund
1Membran vorhanden, Foveagrube noch erhalten
2Foveagrube verstrichen, Netzhautmitte verdickt
3zusätzlich durchgehende, gut abgrenzbare innere Netzhautschichten über der Fovea
4Netzhautschichten deutlich gestört und schlecht abgrenzbar

Die Stadien entwickeln sich schrittweise, und mit jedem Stadium nimmt die Sehfunktion im Durchschnitt ab. Neuere Studien zeigen, dass eine Operation in früheren OCT-Stadien bessere Ergebnisse bringt. Allerdings passen OCT-Bild und Sehvermögen nicht immer zusammen.

Welche weiteren Untersuchungen gibt es?

Weitere Untersuchungen sind nur nötig, um Ursachen oder andere Erkrankungen zu klären. Dazu gehören:

  • Fundusfoto: ein Farbfoto des Augenhintergrunds zur Dokumentation und Verlaufskontrolle.
  • Fluoreszenzangiografie: Ein Farbstoff wird in eine Armvene gespritzt, um die Netzhautgefäße darzustellen. Sie hilft bei Verdacht auf Gefäßverschlüsse, neue Gefäße oder Durchblutungsstörungen.
  • OCT-Angiografie: zeigt die Gefäße ohne Farbstoff; sie wird in der Praxis bisher seltener eingesetzt.
  • Weitwinkelaufnahmen und Autofluoreszenz: ergänzend in einzelnen Fällen.

Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?

Die wichtigste Abgrenzung ist die zum Makulaforamen, einem echten Loch in der Netzhautmitte. Eine dichte Membran kann nämlich die Mitte aussparen und so ein Loch vortäuschen; das nennt man Pseudoforamen. Mit der OCT und einem einfachen Lichtspalttest (Watzke-Allen-Test) lassen sich beide sicher unterscheiden.

Weitere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden oder Befunden sind:

  • die vitreomakuläre Traktion, bei der der Glaskörper selbst an der Makula zieht;
  • ein Makulaödem, also eine Schwellung der Makula, etwa bei Diabetes oder nach einem Venenverschluss;
  • die feuchte altersabhängige Makuladegeneration mit neuen, undichten Gefäßen;
  • ein Schichtloch der Makula mit begleitender epiretinaler Proliferation, das im OCT anders aussieht und nicht zieht;
  • selten ein gutartiger Tumor aus Netzhaut- und Pigmentgewebe (kombiniertes Hamartom), der bei jüngeren Menschen eine Membran vortäuschen kann.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (16)

Gibt es Tropfen, Tabletten oder Laser gegen die Membran?

Nein, es gibt kein Medikament, keine Augentropfen, keine Nahrungsergänzung und keinen Laser, der eine epiretinale Membran entfernt. Darin sind sich deutsche, englische, französische und spanische Quellen einig. Auch eine Spritze mit einem eiweißspaltenden Wirkstoff (Ocriplasmin), die bei bestimmten Glaskörperanhaftungen eingesetzt wurde, wird für die flächige Gliose nicht empfohlen.

In Studien löste sich die Membran damit nur bei 8,7 % gegenüber 1,5 % ohne Wirkstoff. Eine angepasste Lesebrille oder mehr Licht kann die Naharbeit erleichtern, beseitigt aber nicht die Verzerrung.

Wann reicht Abwarten?

Abwarten mit Kontrollen ist die richtige Wahl, wenn die Beschwerden gering sind und die Sehschärfe stabil bleibt. Die meisten Membranen sind nach einer anfänglichen Wachstumsphase recht stabil und werden nie operiert. Fachleute nennen dieses Vorgehen „kontrolliertes Zuwarten“.

Zum Zuwarten gehören:

  • regelmäßige augenärztliche Kontrollen mit Sehtest und OCT, deren Abstand die Ärztin oder der Arzt festlegt;
  • ein Selbsttest zu Hause, etwa mit dem Amsler-Gitter oder an geraden Kanten, jedes Auge einzeln;
  • eine rasche Rückmeldung, wenn Verzerrung oder Unschärfe zunehmen.

Britische Merkblätter betonen, dass es eine berechtigte Entscheidung ist, mit einer leichten Verzerrung zu leben, besonders wenn das andere Auge gut sieht. Eine Operation bleibt später weiterhin möglich.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Operation ist sinnvoll, wenn die Gliose Ihr Sehen im Alltag deutlich stört, etwa beim Lesen, im Beruf oder beim Autofahren. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Messwert, sondern Ihr persönlicher Leidensdruck. Die deutsche Stellungnahme nennt mehrere Gesichtspunkte, die gemeinsam abgewogen werden:

  • nachlassende Sehschärfe,
  • störendes Verzerrtsehen, besonders beim Sehen mit beiden Augen,
  • Zunahme der Veränderungen im OCT, etwa eine wachsende Schwellung,
  • Ansprüche an das Sehen bei Lesen, Beruf und Fahrtauglichkeit,
  • Zustand des anderen Auges, zum Beispiel wenn es das „letzte“ gut sehende Auge ist,
  • ob Sie noch Ihre eigene Linse haben oder schon eine Kunstlinse.

Eine ausgeprägte oder rasch zunehmende Verzerrung kann auch bei noch guter Sehschärfe für eine Operation sprechen. Denn je stärker die Verzerrung vor der Operation ist, desto eher bleibt ein Rest davon zurück.

Gibt es Richtwerte für die Sehschärfe?

Es gibt grobe Richtwerte, aber keinen festen Grenzwert, der wissenschaftlich gesichert wäre. Die Angaben aus verschiedenen Ländern ähneln sich:

QuelleRichtwert für eine Operation
Bayerisches Ärzteblatt (Deutschland)ab einem Visus von etwa 0,5 erwägen; bei besserem Visus vor allem, wenn Verzerrungen stören
SFO-Lehrbuch (Frankreich)meist bei einem Visus von etwa 3/10 bis 5/10; auch früher, wenn Verzerrungen das beidäugige Sehen stören
SEO-Lehrbuch (Spanien)bei störendem Verzerrtsehen oder Verlust von zwei oder mehr Sehzeilen
Columbia University (USA)Beobachtung bei Sehschärfe 20/50 (etwa 0,4) oder besser und stabilem Befund
NHS-Merkblätter (Großbritannien)wenn Verzerrung Arbeit, Autofahren, Lesen oder andere wichtige Tätigkeiten beeinträchtigt

Ein Visus von 1,0 entspricht voller Sehschärfe, 0,5 der Hälfte davon. In Frankreich wird dieselbe Größe in Zehnteln angegeben (5/10), in den USA als Bruch (20/40).

Sollte man früh oder lieber spät operieren?

Bei leichten Beschwerden ist ein Vorteil einer sofortigen Operation nicht belegt; bei deutlichen Beschwerden sollte man aber auch nicht zu lange warten. Ein Cochrane-Review von 2021 fand nur eine einzige randomisierte Studie aus Dänemark mit 53 Augen. Nach zwölf Monaten sahen die sofort Operierten im Mittel gut zwei Buchstaben auf der Sehtafel mehr als die zunächst Beobachteten; dieser Unterschied war statistisch nicht gesichert.

Andererseits warnt die deutsche Stellungnahme: Schreitet die Gliose weiter fort, erholt sich das Sehen nach einer späteren Operation oft schlechter. Eine britische Auswertung von 120 Augen fand die deutlichste Besserung bei Operation in einem frühen Stadium. Die Autoren empfehlen, auch Fragen zur Sehbeeinträchtigung im Alltag zu nutzen, weil der Sehtest frühe Verzerrungen und Größenunterschiede nicht erfasst.

Wie läuft die Operation ab?

Die Operation heißt Pars-plana-Vitrektomie mit Membranpeeling und dauert meist 30 bis 60 Minuten. Über drei sehr kleine Zugänge im Weiß des Auges (Lederhaut), etwa 3,5 Millimeter hinter dem Rand der Hornhaut, führt die Operateurin oder der Operateur feine Instrumente ein. Die Zugänge sind weniger als einen Millimeter groß und schließen sich meist von selbst.

Die Schritte im Überblick:

  1. Der Glaskörper wird abgesaugt und durch eine klare Salzlösung ersetzt.
  2. Reste der Glaskörperrinde werden von der Netzhaut gelöst.
  3. Die Membran wird mit einem Farbstoff angefärbt, damit sie besser sichtbar ist.
  4. Mit einer sehr feinen Pinzette wird das Häutchen von der Netzhaut abgezogen.
  5. Häufig wird zusätzlich die innerste Netzhautschicht entfernt (ILM-Peeling).
  6. Der Rand der Netzhaut wird auf Risse kontrolliert.
  7. Zum Schluss bleibt Flüssigkeit, Luft oder Gas im Auge.

Nach dem Entfernen der Membran kann sich die Makula entspannen und glätten. Die Operation wird von Fachleuten für Netzhaut- und Glaskörperchirurgie durchgeführt.

Was bringt das zusätzliche Abziehen der inneren Grenzmembran?

Das Entfernen der inneren Grenzmembran (ILM-Peeling) senkt vor allem das Risiko, dass die Membran wiederkommt. Die ILM ist die innerste, hauchdünne Schicht der Netzhaut, auf der die Membran wächst. Wird nur die Membran entfernt, bleiben nach der deutschen Stellungnahme etwa 20 % ihrer Zellen auf der ILM zurück.

Auswertungen randomisierter Studien zeigen deutlich weniger Rückfälle mit ILM-Peeling, aber keine bessere Sehschärfe. Ob die ILM mit entfernt wird, entscheidet die Operateurin oder der Operateur im Einzelfall. Französische und spanische Quellen weisen darauf hin, dass das Abziehen einzelne Netzhautzellen schädigen kann.

Welche Betäubung wird verwendet und muss man im Krankenhaus bleiben?

Das ist von Land zu Land und von Klinik zu Klinik verschieden. In Großbritannien, Spanien und häufig auch in Deutschland und Österreich wird in örtlicher Betäubung ambulant operiert; Sie sind wach, das Auge ist betäubt, und Sie gehen am selben Tag nach Hause. Manche Kliniken, etwa in Deutschland oder in der Genfer Universitätsklinik, bevorzugen eine Vollnarkose.

Einzelne deutsche Kliniken operieren stationär mit einem Aufenthalt von etwa drei Tagen. Welche Form für Sie infrage kommt, hängt von Ihrer Gesundheit, Ihren Wünschen und der Klinik ab. Fragen Sie im Vorgespräch gezielt danach.

Wozu dient eine Luft- oder Gasfüllung?

Eine Luft- oder Gasblase drückt die Netzhaut von innen an; sie wird vor allem eingesetzt, wenn während der Operation ein Netzhautriss entsteht oder droht. Bei den meisten Gliose-Operationen bleibt das Auge mit Flüssigkeit gefüllt, und eine besondere Kopfhaltung ist nicht nötig. Die Blase wird vom Körper langsam aufgenommen und durch körpereigene Flüssigkeit ersetzt.

Wie lange das dauert, hängt von der Art der Füllung ab. Luft verschwindet nach etwa ein bis zwei Wochen, die üblichen Gase (SF6, C2F6, C3F8) nach etwa zwei bis zwölf Wochen. Die Operateurin oder der Operateur sagt Ihnen, welche Füllung verwendet wurde.

Solange Gas im Auge ist, gelten strenge Regeln:

  • nicht fliegen und nicht ins Hochgebirge reisen, weil sich die Blase bei niedrigem Luftdruck ausdehnt und den Augendruck gefährlich erhöht;
  • kein Tauchen;
  • keine Narkose mit Lachgas; bei jeder anderen Narkose das Narkoseteam informieren;
  • nicht Auto fahren.

Wie gut sind die Erfolgsaussichten?

Die Erfolgsaussichten sind gut: Bei etwa zwei Dritteln bis vier Fünfteln der Operierten bessern sich Verzerrung oder Sehschärfe. Bei etwa 90 % bleibt die Sehfunktion zumindest stabil. Ein Teil der Betroffenen behält aber Beschwerden, und das Sehen wird meist nicht wieder ganz so gut wie vor der Erkrankung.

QuelleErgebnis
Deutsche Stellungnahme (BVA, DOG, Retinologische Gesellschaft)etwa 90 % stabil, etwa zwei Drittel profitieren, bei etwa einem Drittel bleiben Beschwerden
Studie aus Asturien (Spanien), 88 AugenSehschärfe in 82 % der Augen besser
NHS Lothian (Schottland)70–80 % besser, etwa 20 % unverändert, etwa 10 % schlechter
Genfer Universitätskliniketwa 80 % deutlich besser innerhalb von 3 bis 6 Monaten
SFO-Lehrbuch (Frankreich)etwa zwei Drittel gewinnen mindestens zwei Sehzeilen

Das Verzerrtsehen bessert sich meist verlässlicher als die Sehschärfe. Auch wenn die Sehschärfe nicht besser wird, verhindert die Operation in der Regel, dass die Membran das Sehen weiter verschlechtert. Im OCT sieht die Makula danach selten wieder ganz normal aus, die Funktion kann sich trotzdem gut erholen.

Welche Risiken hat die Operation?

Die häufigste Folge ist der Graue Star; ernste Komplikationen sind selten. Die Angaben schwanken zwischen den Quellen, deshalb nennen wir Spannen:

KomplikationHäufigkeit (je nach Quelle)
Grauer Star bei eigener Linsesehr häufig: über 50 % bis zu 90 %
Netzhautlöcher während der Operation1–6 %
Netzhautablösungetwa 1 %, in einzelnen Berichten bis 7 %
Wiederkehr der Membranmit ILM-Peeling sehr selten; ohne bis zu 16 %
Infektion im Auge (Endophthalmitis)selten, etwa 1 von 2.000 bis 1 von 1.000
Makulaödem nach der Operationgelegentlich, meist mit Tropfen behandelbar
Blutung, zu hoher oder zu niedriger Augendruckselten
neue Doppelbilder, Größenunterschiede, Gesichtsfeldfleckenselten

Eine Endophthalmitis ist ein Notfall und wird sofort behandelt. Nach einer Netzhautablösung bleibt nach Angaben aus Schottland ein kleines Risiko für einen bleibenden teilweisen Sehverlust. Das französische SFO-Lehrbuch nennt nach einer Vitrektomie außerdem ein möglicherweise erhöhtes Langzeitrisiko für einen Grünen Star.

Warum entsteht nach der Vitrektomie so oft ein Grauer Star?

Nach dem Entfernen des Glaskörpers trübt sich die eigene Linse deutlich schneller ein als sonst. Je älter Sie sind, desto schneller schreitet die Trübung voran; etwa ab 50 Jahren ist der Effekt besonders ausgeprägt.

Die Zahlen schwanken stark, je nach Alter und Beobachtungszeit. Die Genfer Universitätsklinik nennt über 50 %, das schottische NHS Lothian 70 % innerhalb von zwei Jahren, das französische SFO-Lehrbuch bei Menschen über 50 bis zu 90 % innerhalb von drei bis sechs Monaten. Die Augenklinik Dortmund schreibt, dass oft 6 bis 12 Monate nach der Vitrektomie eine Operation des Grauen Stars folgt.

Die Operation des Grauen Stars ist ein Routineeingriff. Danach lässt sich die Sehschärfe meist wieder verbessern. Wer bereits eine Kunstlinse hat, ist von diesem Risiko nicht betroffen.

Kann man Grauen Star und Gliose gleichzeitig operieren?

Ja, bei vielen Patientinnen und Patienten mit eigener Linse kann die Operation des Grauen Stars gleich mit der Vitrektomie verbunden werden (Phakovitrektomie). Die deutsche Stellungnahme empfiehlt, darüber vor der Operation aufzuklären. Besonders ab etwa 50 Jahren oder bei bereits beginnender Linsentrübung spricht vieles dafür.

Bei jüngeren Menschen mit klarer Linse kann es sinnvoll sein, die eigene Linse vorerst zu erhalten, weil sie noch zum Scharfsehen in der Nähe beiträgt. Wägen Sie Vor- und Nachteile im Gespräch ab.

Wie bereitet man sich auf die Operation vor?

Vor der Operation folgen ein Vorgespräch mit OCT-Kontrolle und meist ein Gespräch mit dem Narkoseteam. Teilen Sie dabei mit, welche Medikamente Sie nehmen, ob Sie Allergien oder Infektionen haben und ob Sie unter Platzangst leiden. Blutverdünnende Medikamente werden meist weitergenommen, aber nur nach Rücksprache mit der Klinik, der Hausärztin oder dem Hausarzt.

Bei Vollnarkose kommen Sie nüchtern. Nehmen Sie Ihre Medikamente mit und organisieren Sie eine Begleitperson für den Heimweg und die erste Nacht.

Was ist nach der Operation zu beachten?

In den ersten Wochen nach der Operation sollten Sie das Auge schonen und die Tropfen genau nach Plan nehmen. Die erste Kontrolle erfolgt meist am nächsten Tag. Danach folgen Kontrollen nach einigen Wochen und Monaten.

  • Entzündungshemmende und antibiotische Tropfen über mehrere Wochen anwenden.
  • Das Auge nicht reiben und nachts in den ersten Tagen eine Schutzkappe tragen.
  • Etwa zwei Wochen kein Sport, keine Sauna und kein Schwimmbad.
  • Nicht schwer heben und nicht stark pressen; bei Verstopfung die Klinik informieren.
  • Beim Duschen und Haarewaschen kein Wasser und keine Seife ins Auge bringen.
  • Kein Augen-Make-up in den ersten Wochen.
  • Lesen und Fernsehen sind in Maßen erlaubt.
  • Autofahren erst nach Freigabe durch die Augenärztin oder den Augenarzt; die Genfer Klinik nennt etwa einen Monat.

Wie lange Sie nicht arbeiten können, hängt von Beruf und Heilungsverlauf ab; schottische Merkblätter nennen etwa drei Wochen Schonung. Eine neue Brille lohnt sich erst, wenn sich das Sehen stabilisiert hat.

Wer bezahlt die Behandlung?

Wer die Operation bezahlt, hängt vom Land und von Ihrer Versicherung ab. In Großbritannien ist die Operation eine Leistung des öffentlichen Gesundheitsdienstes NHS. Für die Schweiz bestätigt die Genfer Universitätsklinik, dass die Grundversicherung die Vitrektomie abzüglich Franchise und Selbstbehalt bezahlt. In Deutschland und Österreich gehört eine medizinisch notwendige Operation in der Regel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Anders kann es bei der OCT aussehen: In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss sie nur für die feuchte altersabhängige Makuladegeneration und das Makulaödem bei diabetischer Retinopathie als Kassenleistung festgelegt. Bei einer epiretinalen Gliose kann die Praxis sie deshalb privat in Rechnung stellen. Klären Sie Fragen zur Kostenübernahme vorab mit der Praxis und Ihrer Krankenkasse.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (7)

Wie verläuft eine unbehandelte epiretinale Gliose?

Meist langsam und gutartig: Viele Membranen bleiben nach einer ersten Wachstumsphase über Jahre unverändert. Es gibt aber auch Verläufe, die rascher fortschreiten. Membranen können stabil bleiben, fortschreiten oder sich in seltenen Fällen zurückbilden; vorhersagen lässt sich das im Einzelfall nicht.

Ohne Operation kann die Sehschärfe langsam abnehmen. Im OCT lässt sich verfolgen, wie die Membran von einem Stadium ins nächste übergeht. Mit höheren Stadien sinkt im Durchschnitt auch die Sehfunktion.

Kann eine epiretinale Gliose von selbst verschwinden?

Ja, aber sehr selten: Gelegentlich löst sich die Membran von der Netzhaut, und das Sehen wird wieder klarer. Häufiger ändert sich nur die Zugrichtung, sodass die Verzerrung etwas nachlässt. Darauf verlassen sollten Sie sich nicht.

Welche Komplikationen kann die Gliose selbst verursachen?

Die Membran kann durch ihren Zug weitere Veränderungen der Makula auslösen. Dazu gehören eine Schwellung der Makula (Makulaödem), kleine Hohlräume in der Netzhaut, ein Schichtloch oder selten ein durchgehendes Makulaforamen. Sehr selten kommt es zu Blutungen oder zu neuen Gefäßen unter der Netzhaut.

Wie lange dauert die Erholung nach der Operation?

Die Erholung dauert Monate: Die meisten Augen bessern sich in den ersten drei bis sechs Monaten, das Endergebnis ist oft erst nach etwa einem Jahr erreicht. Anders als nach einer Operation des Grauen Stars sehen Sie also nicht schon nach wenigen Tagen besser. In den ersten Wochen kann das Sehen sogar unschärfer sein als vorher.

Die deutschen Klinikangaben nennen einen Endzustand nach 4 bis 9 Monaten, Fachautoren Veränderungen bis zu einem Jahr. Die Genfer Universitätsklinik und die Fachenzyklopädie EyeWiki berichten bei manchen Menschen von Besserungen bis zu zwei Jahren.

Was beeinflusst die Prognose?

Die wichtigste Vorhersage für das Ergebnis ist die Sehschärfe vor der Operation. Wer mit besserer Sehschärfe operiert wird, sieht danach im Durchschnitt auch besser. Weitere günstige oder ungünstige Faktoren sind:

  • Dauer der Beschwerden: Je kürzer die Gliose besteht, desto besser.
  • Ursache: Idiopathische Membranen haben eine bessere Prognose als Membranen nach Netzhautablösung oder bei Gefäßerkrankungen.
  • OCT-Befund: Eine geringere Dicke der Makula und intakte äußere Netzhautschichten sind günstig. Ein höheres OCT-Stadium und ein Abheben der Sinneszellen („cotton ball sign“) sind ungünstig.
  • Ausmaß der Verzerrung vor der Operation: Je stärker sie war, desto eher bleibt ein Rest.

Bei einer sekundären Gliose nach Netzhautriss oder -ablösung gewinnen laut deutscher Stellungnahme 65 bis 90 % der Operierten ein bis zwei Sehstufen.

Kann die Membran nach der Operation wiederkommen?

Ja, aber selten, besonders wenn die innere Grenzmembran mit entfernt wurde. Ohne ILM-Peeling wurde eine Wiederkehr in bis zu 16 % beschrieben. Die Angaben britischer Kliniken reichen von 1 bis 10 %, je nach Technik und Patientengruppe.

Ein Hinweis auf eine Wiederkehr ist, wenn sich die Sehschärfe nach anfänglicher Besserung wieder verschlechtert. Dann klärt ein OCT die Ursache. Eine erneute Operation ist möglich.

Wird auch das andere Auge betroffen?

Bei etwa 10 bis 20 % der Betroffenen haben beide Augen eine Membran, oft unterschiedlich stark. Am bisher gesunden Partnerauge entsteht nach EyeWiki jedes Jahr bei etwa 2,7 % eine neue Membran. Deshalb werden bei jeder Kontrolle beide Augen untersucht.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (4)

Kann man einer epiretinalen Gliose vorbeugen?

Nein, der häufigsten, altersbedingten Form kann man nicht vorbeugen. Sie entsteht durch natürliche Alterungsvorgänge im Glaskörper. Weder Ernährung noch Nahrungsergänzungsmittel noch Augentraining haben einen nachgewiesenen Einfluss.

Bei sekundären Formen lässt sich das Risiko indirekt senken, indem die auslösende Erkrankung gut behandelt wird. Dazu gehören eine gute Einstellung des Blutzuckers bei Diabetes, regelmäßige Netzhautkontrollen und die rasche Behandlung von Netzhautrissen und Entzündungen.

Wie funktioniert der Selbsttest zu Hause?

Mit einem Selbsttest können Sie Veränderungen früh bemerken, indem Sie jedes Auge einzeln auf gerade Linien prüfen. Das geht mit dem Amsler-Gitter, einem karierten Blatt mit Mittelpunkt, oder mit geraden Kanten in Ihrer Wohnung.

  1. Setzen Sie Ihre Lesebrille auf und sorgen Sie für gutes Licht.
  2. Halten Sie das Blatt in Leseabstand, etwa 30 bis 40 Zentimeter.
  3. Decken Sie ein Auge ab und schauen Sie mit dem anderen genau auf den Mittelpunkt.
  4. Achten Sie darauf, ob Linien wellig, verbogen oder lückenhaft wirken.
  5. Wiederholen Sie den Test mit dem anderen Auge.

Wenn Sie kein Gitter zur Hand haben, eignen sich Türrahmen, Fensterkreuze, Fliesenfugen oder Jalousien. Testen Sie regelmäßig und immer unter ähnlichen Bedingungen. Der Selbsttest ersetzt keine augenärztliche Untersuchung, hilft aber, Veränderungen zwischen den Kontrollen rechtzeitig zu erkennen.

Wer sollte sich regelmäßig untersuchen lassen?

Regelmäßige Kontrollen sind besonders wichtig für Menschen, die bereits eine Membran haben, und für Risikogruppen. Dazu zählen Menschen mit Diabetes, nach Netzhautablösung oder Netzhautoperationen, nach Entzündungen im Augeninneren und nach Augenverletzungen. Den Abstand der Kontrollen legt die Augenärztin oder der Augenarzt fest.

Was hilft im Alltag mit einer epiretinalen Gliose?

Gutes Licht, eine passende Lesebrille und etwas Geduld beim Lesen erleichtern den Alltag. Eine gezielte Lampe von hinten oder seitlich verbessert den Kontrast. Größere Schrift am Bildschirm oder auf dem Handy schont die Augen.

Wenn das beidäugige Sehen wegen Größenunterschieden unruhig ist, kann es helfen, bei Naharbeit kurz ein Auge zu schließen. Fragen Sie Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt, ob Sie mit Ihrer Sehschärfe weiterhin Auto fahren dürfen. Bei Verschlechterung können Sie sich jederzeit früher als geplant melden.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (5)

Ist eine epiretinale Gliose ein Notfall?

Nein, eine epiretinale Gliose ist kein Notfall, weil sie sich langsam entwickelt und das Sehen nicht akut bedroht. Sie können in Ruhe einen regulären Termin vereinbaren. Wichtig ist aber, andere Erkrankungen mit ähnlichen oder dringenderen Beschwerden nicht zu übersehen.

Wann sollten Sie sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt?

Sofort, also noch am selben Tag, gehören Sie in augenärztliche Behandlung bei diesen Warnzeichen:

  • plötzlich neue Lichtblitze, besonders am Rand des Gesichtsfelds;
  • plötzlich viele neue schwarze Punkte oder ein „Rußregen“;
  • ein Schatten oder Vorhang, der sich ins Gesichtsfeld schiebt;
  • ein plötzlicher, deutlicher Sehverlust auf einem Auge.

Diese Zeichen können auf einen Netzhautriss oder eine Netzhautablösung hinweisen und gehören nicht zur Gliose. Ist Ihre Praxis geschlossen, wenden Sie sich an eine Augenklinik oder den augenärztlichen Notdienst. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite zu Notfällen am Auge.

Ebenfalls noch am selben Tag sollten Sie plötzlich auftretende Doppelbilder ärztlich abklären lassen. Sie können zwar bei einer Gliose vorkommen, entstehen dann aber langsam; plötzlich einsetzende Doppelbilder können zum Beispiel auf eine Lähmung von Augenmuskeln hinweisen.

Welche Warnzeichen gelten nach der Operation?

Nach der Operation sollten Sie sich sofort melden, wenn Schmerzen, Rötung oder Sehverlust zunehmen statt abnehmen. Besonders wichtig sind:

  • starke Schmerzen, die auf einfache Schmerzmittel nicht ansprechen;
  • Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen, ein mögliches Zeichen für zu hohen Augendruck;
  • zunehmende Rötung, Schwellung oder gelblicher Ausfluss;
  • nachlassendes Sehen, besonders nach anfänglicher Besserung;
  • ein neuer Schatten im Gesichtsfeld.

Diese Zeichen können auf eine Infektion, einen Druckanstieg oder eine Netzhautablösung hindeuten. Sie müssen rasch behandelt werden, eine Infektion im Auge noch am selben Tag.

Wann sollten Sie innerhalb von Tagen einen Termin vereinbaren?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie untersuchen lassen, wenn Verzerrungen oder ein grauer Fleck in der Bildmitte neu auftreten oder rasch zunehmen. Hinter rasch entstehenden Verzerrungen kann auch eine feuchte Makuladegeneration stecken, bei der eine frühe Behandlung wichtig ist. Das gilt auch, wenn Sie bereits eine bekannte Gliose haben und sich die Beschwerden in kurzer Zeit verschlechtern.

Wann reicht eine Routinekontrolle?

Eine Routinekontrolle genügt, wenn Ihre Gliose bekannt ist und die Beschwerden über Wochen und Monate gleich bleiben. Halten Sie die vereinbarten Kontrolltermine ein und machen Sie zwischendurch den Selbsttest. Neu bemerkte, leichte und gleichbleibende Verzerrungen ohne Warnzeichen sollten innerhalb einiger Wochen augenärztlich abgeklärt werden.

SituationWann zum Augenarzt?
neue Lichtblitze, Rußregen, Schatten, plötzlicher Sehverlustsofort, am selben Tag
nach Operation: zunehmende Schmerzen, Rötung, Sehverlustsofort, am selben Tag
Verzerrung oder Fleck in der Mitte, neu oder rasch zunehmendinnerhalb weniger Tage
leichte, gleichbleibende Verzerrung, erstmals bemerktinnerhalb einiger Wochen
bekannte, stabile Gliosezu den vereinbarten Kontrollen

9 Häufige Fragen

Was ist eine epiretinale Gliose einfach erklärt?

Eine epiretinale Gliose ist ein dünnes Häutchen, das auf der Netzhautmitte wächst. Wenn es sich zusammenzieht, legt es die Netzhaut in Falten wie Folie, die schrumpft. Dadurch sehen Sie mit dem betroffenen Auge Linien wellig oder unscharf. Die Erkrankung ist gutartig und häufig im höheren Alter.

Kann man von einer epiretinalen Gliose blind werden?

Nein, eine Erblindung tritt nicht ein. Die Membran betrifft nur das zentrale Sehen, das seitliche Gesichtsfeld bleibt erhalten. In fortgeschrittenen Fällen kann die Sehschärfe in der Mitte aber deutlich abnehmen, sodass Lesen schwerfällt.

Muss eine epiretinale Gliose operiert werden?

Nein, die meisten Membranen werden nie operiert. Solange die Beschwerden gering sind und die Sehschärfe stabil bleibt, genügen Kontrollen und ein Selbsttest zu Hause. Eine Operation ist sinnvoll, wenn Verzerrung oder Unschärfe Sie beim Lesen, im Beruf oder beim Autofahren deutlich stören.

Gibt es Augentropfen oder Tabletten gegen eine epiretinale Gliose?

Nein. Es gibt keine Tropfen, Tabletten, Vitamine oder Laser, die die Membran beseitigen. Die einzige wirksame Behandlung ist die Operation mit Entfernung des Glaskörpers und Abziehen der Membran.

Wie lange dauert es nach der Gliose-Operation, bis man wieder gut sieht?

Das Sehen bessert sich langsam über Monate. Die meisten merken in den ersten drei bis sechs Monaten eine Besserung, das Endergebnis ist oft erst nach etwa einem Jahr erreicht. Mit einer Gasblase im Auge sehen Sie in den ersten Wochen deutlich unscharf.

Wird das Sehen nach der Operation wieder wie früher?

Meist nicht ganz. Bei etwa zwei Dritteln bis vier Fünfteln der Operierten bessern sich Verzerrung oder Sehschärfe, bei etwa 90 % bleibt das Sehen zumindest stabil. Ein Rest an Verzerrung oder Unschärfe kann bleiben, besonders wenn die Beschwerden vor der Operation schon lange bestanden.

Bekomme ich nach der Vitrektomie einen Grauen Star?

Wenn Sie noch Ihre eigene Linse haben, ist das sehr wahrscheinlich. Je nach Quelle trübt sich die Linse bei über der Hälfte bis zu 90 % der Operierten innerhalb von Monaten bis zwei Jahren ein. Die Operation des Grauen Stars ist ein Routineeingriff und kann auch gleich mit der Gliose-Operation verbunden werden.

Kann die epiretinale Membran wiederkommen?

Das ist selten. Wird bei der Operation zusätzlich die innerste Netzhautschicht (ILM) abgezogen, kommt die Membran nur sehr selten wieder. Ohne diesen Schritt wurden Rückfälle bei bis zu 16 % beschrieben. Eine erneute Operation ist möglich.

Darf ich nach der Gliose-Operation fliegen oder Auto fahren?

Solange Luft oder Gas im Auge ist, dürfen Sie weder fliegen noch Auto fahren. Je nach Gasart dauert das ein bis zwölf Wochen. Wann Sie wieder fahren dürfen, entscheidet Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt nach einer Kontrolle; die Genfer Universitätsklinik nennt ohne Gas etwa einen Monat.

Warum sehe ich nur mit einem Auge alles schief?

Meist ist nur ein Auge stärker betroffen. Das gesunde Auge gleicht die Verzerrung beim Sehen mit beiden Augen aus. Deshalb bemerken Sie das Schiefsehen erst, wenn Sie das gesunde Auge zuhalten. Bei etwa 10 bis 20 % der Betroffenen haben beide Augen eine Membran.

Ist eine epiretinale Gliose dasselbe wie eine Makuladegeneration?

Nein. Die epiretinale Gliose ist ein Häutchen auf der Netzhaut, die Makuladegeneration ein Verschleiß der Sinneszellen und ihrer Versorgungsschicht unter der Netzhaut. Beide können Verzerrtsehen verursachen, werden aber ganz verschieden behandelt. Nur die augenärztliche Untersuchung mit OCT kann sie sicher unterscheiden.

Kann ich durch zu langes Warten etwas falsch machen?

Bei leichten, stabilen Beschwerden nicht. Eine Studie zeigte bei leichten Beschwerden keinen gesicherten Vorteil einer sofortigen Operation. Nimmt die Gliose aber deutlich zu, erholt sich das Sehen nach einer späten Operation oft schlechter. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 28 Quellen anzeigen
  1. Stellungnahme zur Entwicklung, Diagnostik und Behandlung der epiretinalen Gliose (Stand Oktober 2020) – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Retinologische Gesellschaft (DE)
  2. Epiretinale Gliose – Ausgabe für Patienten – MSD Manual (DE)
  3. Haritoglou C et al.: Titelthema, Fall 1: Epiretinale Gliose. Bayerisches Ärzteblatt 4/2026, S. 120–126 – Bayerische Landesärztekammer (DE)
  4. Macular Pucker – Vienna Clinical Trial Center, Medizinische Universität Wien (DE)
  5. Patienteninformation Epiretinale Gliose (2023) – Augenklinik, Klinikum Dortmund (DE)
  6. Epiretinale Gliose/Makulapucker – Netzhautsprechstunde der Universitäts-Augenklinik (umh.de) (DE)
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  12. Epiretinal Membrane (ERM) – Sandwell and West Birmingham NHS Trust (EN)
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  18. Membrane épirétinienne : retour à la maison – Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG) (FR)
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  23. Las membranas epirretinianas (hoja informativa 12) – American Society of Retina Specialists (ES)
  24. Figueroa MS, Govetto A: Membranas epirretinianas. Libro para la formación de los residentes en oftalmología, Retina 3.9 – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
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  26. La cirugía precoz de membrana epirretiniana conserva mejor la visión de los pacientes (Rahman R, Stephenson J, Eye 2014) – IntraMed (ES)
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  28. Optische Kohärenztomografie zur Diagnostik und Therapiesteuerung bei Netzhauterkrankungen des Auges wird Kassenleistung (Pressemitteilung, 20.12.2018) – Gemeinsamer Bundesausschuss (DE)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss