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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Makula

Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine Erkrankung der Netzhautmitte, die das scharfe zentrale Sehen beim Lesen und beim Erkennen von Gesichtern beeinträchtigt, das seitliche Sehen aber verschont. Sie betrifft vor allem Menschen ab 60 und ist in Deutschland die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderung im Alter; die feuchte Form lässt sich mit Spritzen ins Auge oft aufhalten, wenn sie früh behandelt wird.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 39 Minuten · 30 Quellen in 4 Sprachen

Dringend: Neu verzerrte Linien, ein neuer Fleck in der Bildmitte oder ein rascher Sehverlust auf einem Auge gehören innerhalb weniger Tage zur Augenärztin oder zum Augenarzt; Schmerzen, Rötung und Sehverschlechterung nach einer Spritze ins Auge noch am selben Tag. Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (5)

Was ist eine altersabhängige Makuladegeneration?

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist ein langsamer, altersbedingter Verschleiß der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens in der Mitte der Netzhaut. Die Makula ist nur wenige Millimeter groß, liefert aber das Bild für alles, was Sie direkt anschauen: Buchstaben, Gesichter, das Zifferblatt der Uhr. Wird sie geschädigt, entsteht in der Mitte des Bildes ein unscharfer, verzerrter oder grauer Bereich. Das seitliche Sehen bleibt erhalten.

Betroffen sind vor allem das retinale Pigmentepithel (eine Zellschicht, die die Sinneszellen versorgt und „aufräumt“), die darunterliegende Bruch-Membran und die Aderhaut, die die Netzhaut mit Blut versorgt. Mit den Jahren lagern sich dort Abbauprodukte ab, die sogenannten Drusen. Sie sind das typische Frühzeichen der Erkrankung.

Welche Formen der AMD gibt es?

Man unterscheidet eine frühe und eine intermediäre (mittlere) AMD sowie zwei Spätformen: die trockene und die feuchte Form. Die Frühstadien bereiten meist keine Beschwerden. Erst die Spätformen kosten nennenswert Sehkraft.

StadiumWas die Augenärztin siehtTypische Beschwerden
Normale Alterungnur sehr kleine Drusen (unter 63 Mikrometer)keine
Frühe AMDmittelgroße Drusen (63–125 Mikrometer), keine Pigmentveränderungenmeist keine
Intermediäre AMDgroße Drusen (über 125 Mikrometer) und/oder Pigmentveränderungenkeine oder leichte Unschärfe, Probleme bei schwachem Licht
Späte trockene AMD (geographische Atrophie)scharf begrenzte Bereiche, in denen Netzhautgewebe abgestorben istlangsam wachsende blinde Flecken nahe der Bildmitte
Späte feuchte AMD (neovaskuläre AMD)krankhafte neue Blutgefäße unter der Netzhaut, Flüssigkeit, Blutungenrasch auftretende Verzerrungen und ein Fleck in der Mitte

Diese Einteilung beruht auf einer internationalen Klassifikation von 2013, die auch die deutschen Fachgesellschaften verwenden. Der Begriff „trockene AMD“ meint dort streng genommen nur die geographische Atrophie, im Alltag wird er aber oft für alle nicht-feuchten Stadien benutzt. Mischformen kommen vor.

Wie häufig ist die AMD?

Die AMD ist in den westlichen Industrieländern die häufigste Ursache für eine schwere Minderung des zentralen Sehens im Alter. In Deutschland ist sie laut Leitlinie der häufigste Grund für den Bezug von Blindengeld. Weltweit rechnet man mit rund 200 Millionen Betroffenen, bis 2040 mit etwa 300 Millionen.

Das Risiko steigt steil mit dem Alter. Spätformen haben nach der deutschen Leitlinie etwa 1 % der 65- bis 74-Jährigen und rund 5 % der 75- bis 84-Jährigen. Für die über 85-Jährigen nennt das Gesundheitsportal des Bundes 10–20 %, ohne nach Stadien zu trennen. Französische Angaben, die auch Frühformen mitzählen, kommen auf rund 10 % der 65- bis 75-Jährigen und 25–30 % der über 75-Jährigen. Die Zahlen unterscheiden sich, weil unterschiedlich gezählt wird.

Trocken oder feucht: was ist häufiger?

Die trockene Form ist mit etwa 80–90 % aller Fälle deutlich häufiger. Die feuchte Form macht nur 10–20 % aus, verursacht aber den größten Teil der schweren Sehverluste. Fast jede AMD beginnt trocken; die feuchte Form kann sich aus jedem Stadium heraus entwickeln.

Was bedeutet die Diagnose für Sie?

Eine AMD führt in aller Regel nicht zur völligen Erblindung. Das Lesesehen kann aber stark verloren gehen, sodass manche Betroffene im sozialrechtlichen Sinn als blind gelten. Die feuchte Form ist heute gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird; gegen die späte trockene Form gibt es in der EU derzeit kein zugelassenes Medikament. Umso wichtiger sind Selbstkontrolle, regelmäßige Kontrollen und gute Sehhilfen.

2 Symptome

In diesem Kapitel (14)

Woran merkt man eine Makuladegeneration zuerst?

In den Frühstadien merken die meisten Menschen gar nichts. Die zentrale Sehschärfe ist dann meist noch gut, die Diagnose ist oft ein Zufallsbefund bei einer Routineuntersuchung. Wer genau hinschaut, bemerkt manchmal feine Veränderungen der Sehqualität, bevor die Sehschärfe nachlässt.

Solche frühen Hinweise sind:

  • Langsame Anpassung an Dunkelheit: Beim Betreten eines dunklen Raums dauert es auffallend lange, bis man wieder etwas erkennt.
  • Mehr Licht zum Lesen: Die Leselampe muss heller sein als früher, gedämpftes Licht reicht nicht mehr.
  • Schwächeres Kontrastsehen: Graue Schrift auf grauem Papier, Stufen ohne Markierung oder Gesichter im Gegenlicht sind schwerer zu erkennen.
  • Leichte Unschärfe in der Mitte: vor allem bei schwachem Licht.

Diese Zeichen werden oft als normale Alterserscheinung oder als „die Brille passt nicht mehr“ abgetan. Eine neue Brille hilft dabei aber nicht oder nur kurz. Genau das ist ein Grund, die Augen untersuchen zu lassen.

Welche Beschwerden sind typisch für eine fortgeschrittene AMD?

Typisch ist, dass genau das unscharf, verzerrt oder grau wird, was Sie direkt anschauen. Am Rand sehen Sie weiterhin, aber dort ist das Auge von Natur aus unscharf. Die wichtigsten Beschwerden sind:

  • Verschwommenes Zentrum: ein unscharfer Bereich in der Bildmitte, oft das erste deutliche Zeichen.
  • Verzerrtsehen (Metamorphopsie): Gerade Linien wie Türrahmen, Fliesenfugen oder Tabellenlinien wirken wellig, geknickt oder verbogen.
  • Zentraler Fleck (Skotom): ein grauer, dunkler oder einfach „leerer“ Fleck nahe der Mitte, der mit der Zeit wachsen kann. Er wandert mit dem Blick mit.
  • Lücken beim Lesen: Buchstaben oder ganze Silben fehlen, Wörter „springen“, der Zeilenanfang geht verloren.
  • Probleme mit Gesichtern: Bekannte werden auf der Straße erst spät oder gar nicht erkannt, obwohl man ihre Umrisse sieht.
  • Blassere Farben: Farben wirken matter, ähnliche Farbtöne sind schwer zu unterscheiden.
  • Blendung und Lichtempfindlichkeit: helles Licht stört mehr, danach braucht das Auge länger, um sich zu erholen.
  • Schlechtes Sehen in der Dämmerung: bei wenig Licht wird alles deutlich schlechter.

Wie fühlt sich eine trockene AMD im Alltag an?

Die trockene Form schreitet meist über Jahre langsam und schmerzlos voran und bleibt deshalb lange unbemerkt. Details werden allmählich schlechter erkannt, der Lichtbedarf steigt. Die meisten Betroffenen können lange noch lesen und Auto fahren.

Bei der geographischen Atrophie, der Spätform der trockenen AMD, entstehen kleine Ausfallflecken rund um die Netzhautmitte. Sie wachsen langsam und fließen zusammen. Typisch ist, dass beim Lesen einzelne Buchstaben oder Wortteile „verschluckt“ werden, obwohl die gemessene Sehschärfe noch erstaunlich gut sein kann.

Der Grund: Die Fovea, der allerkleinste Punkt in der Mitte, bleibt bei der geographischen Atrophie oft bis spät verschont. Die Sehschärfe auf der Sehtafel ist deshalb kein verlässlicher Maßstab dafür, wie stark der Alltag schon eingeschränkt ist. Zwischen dem Beginn der Atrophie und dem Verlust des zentralen Sehens vergehen nach französischen Angaben meist fünf bis zehn Jahre.

Wie zeigt sich eine feuchte AMD?

Die feuchte AMD zeigt sich meist durch eine rasche Verschlechterung auf einem Auge innerhalb von Tagen bis Wochen. Das häufigste erste Zeichen ist, dass gerade Linien plötzlich krumm oder wellig wirken. Ursache ist Flüssigkeit, die aus krankhaften Gefäßen austritt und die Netzhaut anhebt, ähnlich wie Wasser unter einer Tapete.

Dazu kommen oft:

  • ein grauer oder dunkler Fleck oder Schatten in der Bildmitte, der seine Lage nicht verändert;
  • verschobene oder verzogene Gegenstände, zum Beispiel ein schiefer Türrahmen;
  • Dinge wirken kleiner (Mikropsie) oder seltener größer (Makropsie) als mit dem anderen Auge;
  • Schwierigkeiten beim Lesen trotz passender Brille.

Das seitliche Sehen und das Farbsehen bleiben anfangs meist erhalten, Umrisse sind oft noch erkennbar. Unbehandelt kann das betroffene Auge innerhalb von Monaten seine Lesefähigkeit verlieren. Deshalb ist die feuchte AMD ein Grund, rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt zu gehen.

Trockene und feuchte AMD im Vergleich

Die trockene Form schreitet langsam über Jahre fort, die feuchte rasch über Tage bis Wochen. Die Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.

MerkmalTrockene AMDFeuchte AMD
Tempolangsam, über Jahrerasch, über Tage bis Wochen
Erstes Zeichenmehr Licht nötig, Lesen mühsamer, Lücken im Textgewellte Linien, Fleck in der Mitte
Augenmeist beide, oft unterschiedlich starkmeist zuerst ein Auge
Schmerzenkeinekeine
Behandlungkein zugelassenes Medikament in der EU für die SpätformSpritzen ins Auge

Ist immer nur ein Auge betroffen?

Meist erkranken mit der Zeit beide Augen, aber selten gleichzeitig und selten gleich stark. Die trockene Form betrifft häufig beide Augen, die feuchte beginnt meist an einem. Hat ein Auge eine Spätform, liegt das Risiko für das andere Auge nach französischen Daten bei etwa 10 % innerhalb eines Jahres und 42 % innerhalb von fünf Jahren.

Das gesunde Auge gleicht Ausfälle des kranken oft so gut aus, dass man sie im Alltag nicht bemerkt. Manche Menschen entdecken die Erkrankung erst zufällig, wenn sie ein Auge zuhalten, etwa beim Reiben oder beim Amsler-Test. Deshalb ist es so wichtig, jedes Auge einzeln zu prüfen.

Schmerzt eine Makuladegeneration?

Nein, die AMD tut nicht weh und das Auge sieht von außen normal aus. Es ist weder gerötet noch geschwollen. Rötung und Schmerzen sprechen für eine andere Ursache oder, nach einer Spritze, für eine Entzündung, die sofort abgeklärt werden muss.

Warum sehe ich Dinge, die nicht da sind?

Trugbilder bei AMD sind meist ein Charles-Bonnet-Syndrom: Das Gehirn füllt fehlende Bildinformation mit selbst erzeugten Bildern auf. Typisch sind Muster, Gitter, Blumen, Gesichter, Tiere oder ganze Szenen, die sehr deutlich wirken. Die Betroffenen wissen in der Regel, dass die Bilder nicht echt sind.

Das ist häufiger, als viele denken. Eine Auswertung von 18 Studien mit über 4.300 Patienten fand es bei rund 16 % der AMD-Betroffenen; in dänischen Untersuchungen lag der Anteil bei feuchter AMD bei etwa 8 %, bei geographischer Atrophie bei rund 21 %. Es ist keine psychische Erkrankung und kein Zeichen von Demenz. Viele sprechen aus Scham nicht darüber; erzählen Sie Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt davon, schon die Erklärung entlastet.

Flimmern und Lichtblitze: gehört das zur AMD?

Flimmern oder kurze Lichterscheinungen werden von manchen AMD-Betroffenen beschrieben, sind aber kein typisches Leitsymptom. Neue Lichtblitze, besonders zusammen mit vielen neuen „Rußflocken“ oder einem Schatten, der von außen ins Bild wandert, können auf eine Netzhautablösung hinweisen. Das ist ein Notfall und hat mit der AMD nichts zu tun.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige bemerken oft zuerst Veränderungen im Verhalten, nicht das Sehproblem selbst. Typische Beobachtungen sind:

  • Bekannte werden auf der Straße nicht gegrüßt, weil Gesichter nicht erkannt werden.
  • Zeitung, Post und Bücher bleiben liegen; Lesen wird gemieden oder dauert sehr lange.
  • Überall brennt mehr Licht, die Leselampe wird ganz nah ans Buch gezogen.
  • Beim Einschenken geht etwas daneben, Stufen und Bordsteinkanten werden unsicher genommen.
  • Telefonnummern, Preisschilder oder Fahrpläne werden falsch gelesen.
  • Fernsehen wird aus sehr kurzem Abstand verfolgt oder seitlich „vorbeigeschaut“.
  • Rückzug, Unsicherheit beim Einkaufen, Verzicht auf Autofahren oder Hobbys wie Handarbeiten.

Wer solche Veränderungen bemerkt, sollte sie behutsam ansprechen. Viele ältere Menschen spielen ihre Sehprobleme herunter oder schämen sich dafür.

Welche seelischen Folgen kann die AMD haben?

Der Verlust des Lesens und des Gesichtererkennens belastet viele Betroffene stark. Ängste, Unsicherheit, Rückzug und depressive Verstimmungen sind häufig und gut belegt. Bei geographischer Atrophie sind zudem das Sturzrisiko und das Risiko für Depressionen erhöht.

Diese Folgen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern verständlich. Sie lassen sich behandeln: durch Sehhilfen, Reha-Angebote, Selbsthilfegruppen und, wenn nötig, psychologische Unterstützung.

Bekommen auch Kinder oder junge Menschen eine AMD?

Nein, die AMD ist eine Erkrankung des höheren Alters und kommt vor 55 Jahren nur selten vor. Ähnliche Beschwerden bei Kindern und jüngeren Erwachsenen haben andere Ursachen, etwa erbliche Netzhautdystrophien, eine starke Kurzsichtigkeit, Entzündungen oder eine Retinopathia centralis serosa (Flüssigkeitsansammlung unter der Netzhaut bei jüngeren Menschen). Sie müssen augenärztlich abgeklärt werden.

Besonderheiten bei sehr alten Menschen

Bei hochbetagten Menschen treffen oft mehrere Augenleiden zusammen, zum Beispiel AMD und Grauer Star. Dann ist nicht immer klar, welche Erkrankung wie viel Sehkraft kostet. Hinzu kommt, dass Menschen mit Demenz oder Hörproblemen Sehveränderungen selten selbst melden. Hier sind Angehörige und Pflegekräfte als Beobachter besonders wichtig.

Welche Warnzeichen sollten Sie kennen?

Jede neue Verzerrung, jeder neue Fleck in der Bildmitte und jede rasche Verschlechterung eines Auges ist ein Warnzeichen. Die spanische Fachgesellschaft nennt fünf Signale, die eine Kontrolle nötig machen:

  1. Sehverschlechterung, die sich mit Brille nicht bessert;
  2. neue Ausfälle im zentralen Gesichtsfeld;
  3. neues oder stärkeres Verzerrtsehen;
  4. Dinge erscheinen kleiner oder größer als mit dem anderen Auge;
  5. wachsende Schwierigkeiten beim Lesen, Autofahren oder im Umgang mit anderen Menschen.

Ein ganz plötzlicher Sehverlust innerhalb von Sekunden oder Minuten passt dagegen eher zu einem Gefäßverschluss der Netzhaut oder einer Sehnervschädigung. Auch das ist ein Notfall.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (9)

Was passiert bei einer AMD im Auge?

Bei der AMD lässt die Entsorgungsarbeit des retinalen Pigmentepithels mit dem Alter nach, sodass sich Abfallstoffe unter der Netzhaut ansammeln. Das Pigmentepithel baut jeden Tag verbrauchte Teile der Sinneszellen ab. Weil es dabei viel Sauerstoff und Licht abbekommt, ist es empfindlich für oxidativen Stress, eine Art Zellverschleiß durch aggressive Sauerstoffverbindungen.

Mit den Jahren sammelt sich in den Zellen Lipofuszin an, ein Alterspigment. Unter dem Pigmentepithel, in der Bruch-Membran, lagern sich Fett- und Eiweißreste ab: die Drusen. Sie behindern den Austausch von Nährstoffen zwischen Aderhaut und Netzhaut.

Welche Rolle spielt das Immunsystem?

Drusen wirken wie kleine Entzündungsherde, an denen das Komplementsystem beteiligt ist, ein Teil der angeborenen Immunabwehr. In Drusen finden sich Komplementfaktoren wie C3 und C5. Die dauerhafte, leise Entzündung schädigt auf Dauer Pigmentepithel, Sinneszellen und die feinen Gefäße der Aderhaut. Auf diesem Mechanismus beruhen die neuen Medikamente gegen die geographische Atrophie.

Wie entsteht die trockene Spätform?

Bei der geographischen Atrophie sterben Pigmentepithel, Sinneszellen und die darunterliegende Gefäßschicht (Choriokapillaris) in umschriebenen Bereichen ab. Auf der Netzhaut entstehen scharf begrenzte Flächen, die wie Länder auf einer Landkarte aussehen – daher der Name. Die Flächen wachsen im Mittel um knapp 1,8 Quadratmillimeter pro Jahr.

Wie entsteht die feuchte Form?

Bei der feuchten AMD wachsen krankhafte neue Blutgefäße aus der Aderhaut unter oder in die Netzhaut. Auslöser ist ein Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen im geschädigten Gewebe. Das Pigmentepithel bildet dann vermehrt VEGF, einen Botenstoff, der Gefäßwachstum anregt (vascular endothelial growth factor).

Die neuen Gefäße sind brüchig und undicht. Flüssigkeit und Blut treten aus, die Netzhaut schwillt an und wird angehoben. Unbehandelt bildet sich am Ende eine bindegewebige Narbe unter der Makula (disziforme Narbe), die das zentrale Sehen dauerhaft zerstört.

Fachleute unterscheiden je nach Lage der Gefäße Typ 1 (unter dem Pigmentepithel), Typ 2 (zwischen Pigmentepithel und Netzhaut) und Typ 3 (retinale angiomatöse Proliferation, Gefäße aus der Netzhaut selbst). Eine Sonderform ist die polypoidale choroidale Vaskulopathie. Für Sie ist das vor allem wichtig, weil die Form die Behandlung beeinflussen kann.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter, der wichtigste beeinflussbare ist das Rauchen. Alle Quellen sind sich in diesen beiden Punkten einig. Die übrigen Faktoren sind unterschiedlich gut belegt.

RisikofaktorWie gut belegt?Was bekannt ist
Höheres AltersicherAb 75 Jahren mehr als dreimal so hohes Risiko wie mit 65–74
RauchensicherRisiko je nach Studie 2- bis 6-fach erhöht; Raucher erkranken früher
Familie und GenesicherVerwandte ersten Grades haben ein etwa vierfaches Risiko; bekannte Risikogene sind CFH und ARMS2/HTRA1
Helle Hautfarbe, europäische Herkunftgut belegtbei weißen Menschen häufiger
Übergewichtwahrscheinlichetwa doppeltes Risiko
Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arteriosklerose, hohe BlutfettewahrscheinlichZusammenhang in mehreren Studien
Ernährung arm an Gemüse, Fisch und Antioxidantien, reich an gesättigten FettenwahrscheinlichBeobachtungsstudien weisen in diese Richtung
Weibliches Geschlecht, Weitsichtigkeit, helle Irisunsicherin einzelnen Studien
Starke Sonnen- und Lichtbelastungunsicherdiskutiert, ein Schutz durch Filterbrillen ist nicht belegt
Frühere Operation am Grauen Star, Blaulicht von Bildschirmenunsicherdiskutiert, nicht bewiesen

Wie stark erhöht Rauchen das Risiko?

Rauchen erhöht das Risiko für eine AMD je nach Studie um das Zwei- bis Sechsfache und ist der stärkste beeinflussbare Faktor. Aktive Raucher haben etwa doppelt so häufig einen AMD-bedingten Sehverlust und erkranken früher. Die gute Nachricht: Wer vor mehr als 20 Jahren aufgehört hat, hat nach Daten der amerikanischen Augenärzte kein erhöhtes Risiko mehr. Aufhören lohnt sich also in jedem Alter.

Ist die AMD erblich?

Die AMD ist keine klassische Erbkrankheit, aber sie tritt in Familien gehäuft auf. Bestimmte Varianten im Gen für den Komplementfaktor H (CFH) und im Bereich ARMS2/HTRA1 erhöhen das Risiko deutlich. Ein Gentest ist für die Behandlung derzeit ohne Folgen. Die deutsche Leitlinie von 2026 rät ausdrücklich davon ab, das Erkrankungsrisiko außerhalb von Studien mit einem Gentest vorherzusagen; auch die amerikanische Fachgesellschaft AAO empfiehlt solche Tests nicht routinemäßig. Wer betroffene Eltern oder Geschwister hat, sollte aber früher und regelmäßiger zur Kontrolle gehen.

Kann die AMD ansteckend sein oder von einem Auge aufs andere übergehen?

Nein. Die AMD ist nicht ansteckend. Dass oft beide Augen erkranken, liegt daran, dass beide Augen dieselben Anlagen und Risikofaktoren haben, nicht an einer Übertragung.

Verursacht Licht oder Bildschirmarbeit eine AMD?

Das ist nicht belegt. Lange Sonneneinstrahlung und blaues Licht werden als Faktoren diskutiert, die Studienlage ist aber uneinheitlich. Eine gute Sonnenbrille im Hochgebirge, am Wasser und im Schnee ist trotzdem sinnvoll, weil sie auch andere Augenschäden verhindert.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (7)

Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt eine AMD fest?

Die AMD wird durch eine Untersuchung des Augenhintergrunds bei erweiterter Pupille festgestellt, meist ergänzt durch eine OCT-Aufnahme. Die Untersuchung ist schmerzlos. Weil die Tropfen erst wirken müssen, sollten Sie etwas mehr Zeit für den Praxisbesuch einplanen.

Ablauf einer Untersuchung

  1. Gespräch: Seit wann sehen Sie schlechter? Sind Linien verzerrt? Gibt es AMD in der Familie? Rauchen Sie?
  2. Sehschärfe: mit Ihrer Brille und gegebenenfalls mit neu bestimmten Gläsern.
  3. Spaltlampe: Untersuchung der vorderen Augenabschnitte mit einem Mikroskop.
  4. Pupillenerweiterung: Augentropfen machen die Pupille weit, damit die Makula gut zu sehen ist.
  5. Untersuchung der Makula: mit einer Lupe oder einem Kontaktglas.
  6. Bildgebung: je nach Befund OCT, Fotos oder eine Angiografie.
  7. Besprechung: Befund, Stadium, nächste Kontrolle, Selbsttest und mögliche Behandlung.

Nach der Pupillenerweiterung sind Sie für einige Stunden blendempfindlich und sehen in der Nähe unscharf. Fahren Sie in dieser Zeit nicht selbst Auto. Nehmen Sie eine Sonnenbrille mit.

Was ist eine OCT?

Die optische Kohärenztomografie (OCT) erstellt mit Licht hochauflösende Schnittbilder der Netzhaut, ähnlich wie ein Ultraschall, nur ohne Berührung. Sie zeigt kleinste Flüssigkeitsmengen in und unter der Netzhaut, Drusen und abgestorbene Bereiche. Die OCT gilt heute als wichtigstes Verfahren, um eine feuchte AMD nachzuweisen und um zu entscheiden, wann wieder gespritzt werden muss.

Die Messung dauert wenige Minuten. Sie schauen dabei auf einen Lichtpunkt, das Gerät berührt das Auge nicht.

Wann ist eine Angiografie nötig?

Eine Fluoreszein-Angiografie wird vor allem vor der ersten Behandlung einer feuchten AMD gemacht. Dabei wird ein gelber Farbstoff in eine Armvene gespritzt, eine Kamera fotografiert dann seinen Weg durch die Netzhautgefäße. Undichte neue Gefäße werden so sichtbar.

Die deutschen Fachgesellschaften verlangen mindestens bei der Erstindikation einer Spritzentherapie eine Fluoreszein-Angiografie. Danach ist die Haut für einige Stunden gelblich gefärbt, der Urin bis zu einem Tag kräftig gelb bis orange; das ist harmlos. Manchmal tritt kurz Übelkeit auf. Allergische Reaktionen sind selten, schwere allergische Reaktionen sehr selten.

Bei Verdacht auf besondere Gefäßformen kommt eine Indocyaningrün-Angiografie hinzu. Die OCT-Angiografie stellt Gefäße ganz ohne Farbstoff dar und ersetzt die klassische Angiografie in manchen Fällen.

Welche weiteren Untersuchungen gibt es?

Je nach Befund kommen Fotos, Autofluoreszenz-Aufnahmen und Funktionstests hinzu; die meisten Patienten brauchen nicht alle davon.

  • Fundusfotografie: Farbfotos der Netzhaut für den Verlauf.
  • Fundusautofluoreszenz: zeigt, wo Pigmentepithel abgestorben ist; besonders wichtig bei geographischer Atrophie.
  • Funktionstests: Mikroperimetrie (genaue Messung der Ausfälle in der Mitte), Kontrastsehen, Dunkelanpassung, Lesegeschwindigkeit; vor allem in Studien und Spezialsprechstunden.
  • Elektrophysiologie (ERG, EOG): nur bei Verdacht auf erbliche Netzhauterkrankungen.
  • Ultraschall: nur wenn der Einblick getrübt ist oder ein Tumor ausgeschlossen werden muss.

Bluttests sind für die Diagnose nicht nötig. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt sollte aber Blutdruck, Blutfette und Herz-Kreislauf-Risiken im Blick behalten.

Wie funktioniert der Amsler-Gitter-Selbsttest?

Das Amsler-Gitter ist ein kariertes Quadrat mit einem Punkt in der Mitte, mit dem Sie neue Verzerrungen oder Flecken früh selbst erkennen können. Es ersetzt keine Untersuchung, ist aber das einfachste Frühwarnsystem für eine feuchte AMD. Ihre Augenarztpraxis gibt Ihnen meist ein Gitter mit.

So testen Sie richtig

  1. Hängen Sie das Gitter dort auf, wo Sie es täglich sehen, zum Beispiel am Kühlschrank oder am Badspiegel.
  2. Sorgen Sie für gutes, gleichmäßiges Licht.
  3. Tragen Sie Ihre gewohnte Lesebrille oder Kontaktlinsen.
  4. Halten Sie etwa 30–40 cm Abstand, also Leseabstand.
  5. Decken Sie ein Auge mit der Hand ab, ohne darauf zu drücken.
  6. Schauen Sie mit dem offenen Auge auf den Punkt in der Mitte und lassen Sie den Blick dort.
  7. Prüfen Sie: Sind alle Linien gerade? Sind alle Kästchen gleich groß? Fehlen Teile, sind sie verschwommen, grau oder dunkel?
  8. Wiederholen Sie den Test mit dem anderen Auge.

Wie oft und was tun bei Auffälligkeiten?

Bei bekannter AMD empfehlen viele Augenärztinnen und Augenärzte einen täglichen Test, mindestens aber einen wöchentlichen. Merken Sie sich, wie Ihr Gitter normalerweise aussieht, oder markieren Sie bekannte Veränderungen mit einem Stift. Tritt etwas Neues auf, warten Sie nicht auf den nächsten Kontrolltermin, sondern rufen Sie umgehend in der Praxis an; die Untersuchung sollte innerhalb weniger Tage stattfinden.

Grenzen des Tests

Der Amsler-Test erkennt nicht jede Veränderung, seine Treffsicherheit ist begrenzt. Ein unauffälliger Test bedeutet nicht, dass alles in Ordnung ist. Die regelmäßige Kontrolle mit OCT bleibt deshalb wichtig. In manchen Ländern gibt es zusätzlich elektronische Heimtests; sie sind in Deutschland und Österreich keine Standardversorgung.

Ab wann sollte man die Makula untersuchen lassen?

Die deutsche Leitlinie nennt als Ziel eine vorsorgliche Untersuchung der Makula ab dem 55. Lebensjahr. Die französische Gesundheitsbehörde HAS empfiehlt Menschen über 50 mit mindestens einem Risikofaktor eine augenärztliche Kontrolle alle ein bis zwei Jahre und regelmäßige Selbstkontrolle. Für Raucher, Menschen mit betroffenen Eltern oder Geschwistern und alle mit Sehveränderungen ist eine Untersuchung besonders sinnvoll.

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenkasse eine Untersuchung in der Regel, wenn Beschwerden oder ein konkreter Verdacht bestehen. Eine reine Vorsorge ohne Anlass wird dagegen oft als Selbstzahlerleistung angeboten. In Österreich übernimmt die Krankenversicherung über die e-card notwendige Untersuchungen; eine OCT ist nur bei manchen Versicherungsträgern direkt verrechenbar.

Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?

Mehrere Netzhauterkrankungen können ähnliche Beschwerden oder Befunde machen und müssen abgegrenzt werden. Dazu gehören:

  • Retinopathia centralis serosa (Flüssigkeit unter der Netzhaut, meist bei jüngeren Menschen);
  • krankhafte Gefäßneubildungen bei starker Kurzsichtigkeit;
  • erbliche Makuladystrophien, Musterdystrophien und kutikuläre Drusen;
  • Netzhautschäden durch Medikamente, etwa Chloroquin oder Hydroxychloroquin;
  • die epiretinale Gliose (ein feines Häutchen auf der Makula) und das Makulaforamen, die ebenfalls Verzerrungen machen;
  • ein Makulaödem bei diabetischer Retinopathie oder nach einem Venenverschluss;
  • selten Aderhauttumoren oder Entzündungen.

Diese Unterscheidung gelingt mit OCT und gegebenenfalls Angiografie meist sicher. Sie ist wichtig, weil die Behandlung sich stark unterscheidet.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (15)

Kann man eine AMD heilen?

Nein, eine AMD lässt sich nicht heilen, und abgestorbene Netzhautzellen wachsen nicht nach. Die feuchte Form lässt sich aber mit Spritzen ins Auge meist stoppen, manchmal bessert sich das Sehen sogar. Bei der trockenen Form geht es darum, das Fortschreiten zu bremsen und das verbleibende Sehen bestmöglich zu nutzen.

Behandlung nach Stadium im Überblick

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vom Stadium ab: Frühformen werden beobachtet, die feuchte Form wird mit Spritzen behandelt.

StadiumWas empfohlen wird
Frühe AMDkeine Medikamente; nicht rauchen, gesund essen, bewegen; Selbsttest; Kontrolle etwa alle 12 Monate
Intermediäre AMDwie oben, zusätzlich Nahrungsergänzung nach AREDS2 nach Rücksprache; Kontrolle etwa alle 6–12 Monate
Spätform auf einem AugeBehandlung des kranken Auges; Nahrungsergänzung zum Schutz des anderen Auges; täglicher Selbsttest
Feuchte AMDAnti-VEGF-Spritzen ins Auge, rasch beginnen; langfristige Kontrollen
Geographische Atrophiein der EU kein zugelassenes Medikament; Sehhilfen, Reha, Selbsttest auf eine zusätzliche feuchte Form

Helfen Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel?

Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel nach der AREDS-Formel können das Fortschreiten bei intermediärer AMD und bei einer Spätform auf einem Auge bremsen, nicht aber eine AMD verhindern oder heilen. Das zeigen zwei große amerikanische Studien (AREDS und AREDS2). Bei früher AMD und in der gesunden Bevölkerung ist kein Nutzen belegt.

Was die Studien gezeigt haben

In der ersten AREDS-Studie gingen in gut sechs Jahren 20 % der Teilnehmenden mit Vitaminen und Zink in eine Spätform über, unter Placebo 28 %. Das entspricht einer Risikominderung von etwa 25 %. Nach zehn Jahren waren es 34 % gegenüber 44 %. Der Verlust von drei Zeilen Sehschärfe war um etwa 19 % seltener.

Die Zusammensetzung nach AREDS2

BestandteilTagesdosisHinweis
Vitamin C500 mg
Vitamin E400 IE
Lutein10 mgersetzt Beta-Carotin
Zeaxanthin2 mgersetzt Beta-Carotin
Zink25–80 mgAREDS2 spricht für die niedrigere Dosis
Kupfer2 mggegen Kupfermangel durch Zink

Die ursprüngliche Formel enthielt Beta-Carotin. Es erhöhte bei Rauchern und ehemaligen Rauchern das Lungenkrebsrisiko und wird deshalb heute durch Lutein und Zeaxanthin ersetzt. Omega-3-Fettsäuren als Kapsel brachten in AREDS2 keinen zusätzlichen Nutzen.

Was die Fachgesellschaften empfehlen

Die deutschen Fachgesellschaften (DOG, Retinologische Gesellschaft, BVA) sehen einen Nutzen bei intermediärer AMD und bei einer Spätform auf einem Auge. Die französische HAS ist seit 2022 vorsichtiger: Sie empfiehlt die Präparate nur bei einer Spätform auf einem Auge, um das andere Auge zu schützen, nicht aber bei intermediärer AMD. Bei Spätformen auf beiden Augen ist kein Nutzen belegt. Besprechen Sie die Einnahme deshalb vorher mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.

Nebenwirkungen und Kosten

Auch Vitamine und Mineralstoffe in hoher Dosis haben Nebenwirkungen. Beschrieben sind Magenbeschwerden, Harnwegsbeschwerden und Kupfermangel durch Zink, Nierensteine durch Vitamin C und eine Gelbfärbung der Haut durch Beta-Carotin. Normale Multivitamin-Präparate aus dem Supermarkt enthalten meist ganz andere Dosierungen und entsprechen nicht der Studienformel. In Deutschland müssen die Präparate in der Regel selbst bezahlt werden.

Wie wird die feuchte AMD behandelt?

Die feuchte AMD wird mit Medikamenten behandelt, die den Wachstumsfaktor VEGF hemmen und direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt werden. Fachleute sprechen von intravitrealer operativer Medikamenteneingabe, kurz IVOM. Diese Anti-VEGF-Therapie ist seit vielen Jahren der Standard und hat die Aussichten für Betroffene grundlegend verbessert.

Die Behandlung sollte so früh wie möglich beginnen, idealerweise innerhalb weniger Tage nach der Diagnose. Die französische Behörde nannte dafür 2012 eine Frist von zehn Tagen. Je weniger Netzhaut bis dahin vernarbt ist, desto mehr Sehen bleibt erhalten.

Welche Wirkstoffe gibt es?

In der EU sind mehrere Wirkstoffe zugelassen, die nach heutigem Wissen ähnlich gut wirken. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie lange eine Spritze anhält, und in einzelnen Nebenwirkungen.

  • Ranibizumab: einer der ersten Wirkstoffe; inzwischen gibt es auch Nachahmerpräparate (Biosimilars).
  • Aflibercept: wirkt oft etwas länger; eine höher dosierte Form erlaubt bei manchen Patienten längere Abstände. Auch hier sind Biosimilars auf dem Markt.
  • Bevacizumab: ursprünglich ein Krebsmedikament, für das Auge nicht zugelassen, wird aber „off label“ eingesetzt und ist gut untersucht. Es wird für das Auge umgefüllt, was besondere Sorgfalt bei der Hygiene erfordert.
  • Brolucizumab: lange Wirkdauer; häufiger Entzündungen im Auge und selten Gefäßverschlüsse, deshalb nur mit besonderer Vorsicht.
  • Faricimab: hemmt neben VEGF auch Angiopoietin-2; in den Zulassungsstudien kamen viele Patienten mit Abständen von drei Monaten oder mehr aus.

Keine Studie hat gezeigt, dass ein Wirkstoff beim Sehergebnis klar überlegen ist. Welches Mittel Sie bekommen, hängt vom Befund, von Vorerkrankungen, von der gewünschten Spritzenfrequenz und auch von Kostenregelungen der Krankenkassen ab.

Wie läuft eine Spritze ins Auge ab?

Die Spritze ins Auge ist ein kurzer, ambulanter Eingriff unter sterilen Bedingungen, der meist nur wenige Minuten dauert. Er wird in einem eigenen Eingriffsraum oder OP gemacht. So läuft er typischerweise ab:

  1. Das Auge wird mit Tropfen betäubt.
  2. Haut und Auge werden mit einem jodhaltigen Mittel desinfiziert, das Gesicht wird steril abgedeckt.
  3. Ein Lidsperrer hält die Lider offen, damit Sie nicht blinzeln können.
  4. Mit einer sehr feinen Nadel wird das Medikament seitlich durch die Lederhaut in den Glaskörper gegeben; das dauert Sekunden.
  5. Danach wird kurz kontrolliert, ob Sie Licht oder Finger sehen und der Augendruck in Ordnung ist.

Die meisten Menschen spüren nur einen leichten Druck. Der Eingriff gilt als unangenehm, aber kaum schmerzhaft. Danach kann das Auge einige Stunden kratzen oder brennen, und Sie sehen eventuell Schlieren oder kleine Bläschen, die von selbst verschwinden. Ein kleiner roter Fleck auf dem Augenweiß ist harmlos und verschwindet in ein bis zwei Wochen.

Wie oft muss gespritzt werden?

Zu Beginn wird meist dreimal im Abstand von vier Wochen gespritzt, danach richtet sich der Abstand nach dem Befund. Die feuchte AMD ist eine chronische Erkrankung, die meist über Jahre Kontrollen und oft auch weitere Spritzen braucht. Der Grundsatz der deutschen Fachgesellschaften lautet: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Die gängigen Behandlungsschemata

  • Treat and Extend (behandeln und verlängern): Bei jedem Termin wird gespritzt. Ist die Netzhaut trocken, wird der Abstand um zwei bis vier Wochen verlängert; zeigt sich wieder Flüssigkeit, wird er verkürzt. Das ist heute das häufigste Schema.
  • Pro re nata (nach Bedarf): Regelmäßige Kontrollen, gespritzt wird nur bei Aktivität. Das spart Spritzen, birgt aber ein Rückfallrisiko, wenn Kontrollen ausfallen.
  • Feste Abstände: In Studien die beste Sehschärfe, im Alltag aber sehr belastend und kaum noch üblich.

Im ersten Jahr sind sieben bis zehn Spritzen üblich. Mit neueren Wirkstoffen erreichen viele Patienten Abstände von zwei bis vier Monaten. Der Abstand liegt nie unter vier Wochen.

Wann kann man aufhören?

Bleibt die Erkrankung lange ruhig, kann die Behandlung pausieren. Die deutschen Fachgesellschaften sehen das, wenn nach einer Behandlungsserie sechs Monate oder unter Treat and Extend zwölf Monate keine Aktivität auftritt. Dann sind trotzdem Kontrollen mindestens alle drei Monate nötig, weil die Erkrankung zurückkehren kann. Ist das Sehen auf dem Auge sehr stark gesunken (Sehschärfe unter 0,05), wird die Behandlung meist beendet, außer in Sonderfällen wie bei einem letzten sehenden Auge.

Wie gut wirken die Spritzen?

Die Spritzen erhalten bei den meisten Behandelten das Sehen, bei einem Teil bessert es sich. In der großen Zulassungsstudie für Ranibizumab verloren nach zwei Jahren 90–92 % der Behandelten weniger als drei Zeilen auf der Sehtafel, ohne Behandlung waren es nur 62 %. Im Mittel gewannen die Behandelten etwa eine Zeile, die Unbehandelten verloren drei.

Langfristig ist das Bild gemischter. In einer Nachbeobachtung über sieben Jahre hatte etwa ein Drittel noch gutes Sehen, ein weiteres Drittel hatte deutlich verloren. Ein häufiger Grund für schlechtere Ergebnisse im Alltag sind zu späte Behandlung, ausgelassene Termine und zu lange Abstände.

Welche Risiken haben die Spritzen?

Ernste Komplikationen sind selten, die wichtigste ist eine Infektion im Augeninneren, die Endophthalmitis. Sie tritt in Studien bei deutlich unter 1 % der Behandelten auf, in einer Langzeitstudie einmal auf rund 3.500 Spritzen. Sorgfältige Desinfektion senkt das Risiko.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:

  • vorübergehender Anstieg des Augeninnendrucks direkt nach der Spritze;
  • Bluterguss auf dem Augenweiß, Fremdkörpergefühl, Schlieren;
  • nicht-infektiöse Entzündungen, vor allem nach Brolucizumab, selten mit Gefäßverschlüssen;
  • selten Verletzung der Linse, Netzhautriss oder Netzhautablösung.

Die deutschen Fachgesellschaften empfehlen eine Kontrolle innerhalb der ersten Woche nach einer Spritze. Sie müssen über die Warnzeichen einer Infektion aufgeklärt werden (siehe Abschnitt „Wann sofort zum Arzt?“).

Gibt es Alternativen zu den Spritzen?

Für die meisten Patienten gibt es keine gleichwertige Alternative. Ältere Verfahren spielen nur noch in Ausnahmen eine Rolle:

  • Photodynamische Therapie (PDT): Ein lichtempfindlicher Farbstoff wird in die Vene gegeben und mit einem schwachen Laser aktiviert. Sie wird heute vor allem bei Sonderformen wie der polypoidalen Vaskulopathie oder kombiniert eingesetzt.
  • Laser: nur bei Gefäßen, die weit genug von der Netzhautmitte entfernt liegen.
  • Operation: in Einzelfällen bei großen Blutungen unter der Netzhaut.
  • Kortison ins Auge: wegen Nebenwirkungen wie Grauer Star und erhöhtem Augendruck nur ergänzend.

Nachfüllbare Medikamenten-Implantate sind in den USA zugelassen, spielen in der europäischen Routineversorgung aber bislang keine Rolle. Eine Bestrahlung von außen hat sich nicht bewährt. Für Akupunktur und Blutwäsche (Plasmapherese) fehlen ausreichende Daten.

Gibt es ein Medikament gegen die trockene Spätform?

In der EU gibt es derzeit (Stand November 2026) kein zugelassenes Medikament gegen die geographische Atrophie. In den USA sind seit 2023 zwei Wirkstoffe zugelassen: Pegcetacoplan (Februar 2023) und Avacincaptad pegol (August 2023). Beide hemmen das Komplementsystem und werden alle ein bis zwei Monate ins Auge gespritzt.

Was die Studien zeigen

Die Mittel verlangsamen das Wachstum der abgestorbenen Fläche. Bei Pegcetacoplan waren es in den Studien OAKS und DERBY etwa 16–22 % über zwei Jahre, bei Avacincaptad pegol in der Studie GATHER2 etwa 14 % über ein Jahr. Ein Nutzen für das Sehen, etwa eine bessere Sehschärfe oder Lesefähigkeit, ließ sich nicht nachweisen. Dazu kommen Risiken wie Entzündungen im Auge und das häufigere Auftreten einer feuchten AMD.

Der Zulassungsstand in der EU

  • Pegcetacoplan: Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA empfahl am 27. Juni 2024, die Zulassung zu verweigern. Nach erneuter Prüfung bestätigte er dies im September 2024; die Zulassung wurde verweigert. Begründung: Das verlangsamte Wachstum der Atrophie bringe keinen klinisch bedeutsamen Nutzen im Alltag.
  • Avacincaptad pegol: Der Hersteller zog seinen EU-Antrag im Oktober 2024 zurück. Die EMA hatte zu diesem Zeitpunkt keinen ausreichend belegten Nutzen gesehen.

Auch Stand November 2026 ist in der EU kein Medikament gegen die geographische Atrophie zugelassen; das zeigen die Seiten der EMA. Im April 2026 hat die EMA mit Fachleuten beraten, wie sich ein für das Sehen spürbarer Nutzen solcher Mittel in Studien nachweisen lässt. Ob neue Mittel in Aussicht sind, kann Ihnen Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt sagen. Damit sind diese Mittel in Deutschland und Österreich keine Kassenleistung. Patientenverbände in mehreren Ländern kritisieren diese Lage, Fachleute halten die Entscheidung wegen des fehlenden Nutzens für das Sehen für nachvollziehbar.

Was wird sonst gegen die trockene AMD erforscht?

Es wird an vielen Ansätzen geforscht, keiner ist bisher Standard. Dazu gehören:

  • Photobiomodulation: eine Bestrahlung mit schwachem rotem und nahinfrarotem Licht. Einige Studien zeigen bescheidene Verbesserungen bei früher und intermediärer AMD, der Nutzen ist nicht gesichert.
  • Netzhaut-Implantate: Ein winziger Mikrochip unter der Netzhaut soll bei fortgeschrittener geographischer Atrophie zusammen mit einer Kamerabrille wieder das Erkennen von Buchstaben ermöglichen. Erste Studien zeigten ermutigende Ergebnisse; die Methode ist noch nicht in der Regelversorgung angekommen.
  • Gentherapie, Stammzellen, Nervenschutz: in frühen Studienphasen.

Fragen Sie in einer Universitäts-Augenklinik nach, wenn Sie an einer Studie teilnehmen möchten. Seien Sie vorsichtig bei teuren Angeboten, die Heilung versprechen.

Welche Sehhilfen gibt es?

Vergrößernde Sehhilfen können den Alltag mit AMD deutlich erleichtern, auch wenn sie die Erkrankung nicht aufhalten. Weil das seitliche Sehen erhalten bleibt, lernen viele Menschen, knapp neben den Fleck zu schauen und mit vergrößerter Schrift wieder zu lesen. Die richtige Hilfe wird am besten in einer Low-Vision-Sprechstunde oder bei einem spezialisierten Augenoptiker ausgewählt.

HilfsmittelWofür
Lupen (Hand-, Stand-, Leuchtlupen)kurze Texte, Preisschilder, Beipackzettel
Lupenbrillen und stark vergrößernde Lesebrillenlängeres Lesen mit freien Händen
FernrohrbrillenFernsehen, Theater, Schilder in der Ferne
Bildschirmlesegerätestarke Vergrößerung, Kontrastumkehr, Zeitung und Post
Tablet und Smartphone mit Vergrößerung und SprachausgabeTexte vergrößern, vorlesen lassen, Fotos von Schrift
Vorlesegeräte, Hörbücher, GroßdruckLesen, wenn Vergrößern nicht mehr reicht
Gute Beleuchtung, KontrastmarkierungenWohnung, Treppen, Küche

Bei sehr starker Einschränkung kommt in Einzelfällen ein ins Auge eingesetztes Miniteleskop in Betracht. Kosten für Sehhilfen übernimmt die Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen ganz oder teilweise; fragen Sie nach einer ärztlichen Verordnung.

Was bringt eine Reha bei Sehbehinderung?

Eine Rehabilitation hilft, trotz AMD möglichst selbstständig zu bleiben. Dazu gehören das Training mit Sehhilfen, das gezielte Üben des Vorbeischauens am Fleck, Alltagstraining für Küche und Haushalt und Orientierungstraining. In Frankreich arbeiten dafür Augenärzte, Orthoptisten, Optiker, Ergotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeiter zusammen; in Deutschland und Österreich bieten Blinden- und Sehbehindertenverbände, Selbsthilfegruppen und spezialisierte Reha-Einrichtungen Beratung an.

Wer bezahlt die Behandlung in Deutschland und Österreich?

Die notwendige Behandlung der feuchten AMD mit Spritzen wird in Deutschland und Österreich von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. In Österreich übernimmt die Sozialversicherung notwendige und zweckmäßige Diagnostik und Therapie über die e-card, bei manchen Leistungen können Selbstbehalte anfallen. In Deutschland sind Nahrungsergänzungsmittel und anlasslose Vorsorgeuntersuchungen meist Selbstzahlerleistungen. Klären Sie Kostenfragen vor einer Behandlung mit Ihrer Praxis und Ihrer Krankenkasse.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (8)

Wie verläuft eine AMD?

Eine AMD verläuft meist über viele Jahre, und wie schnell sie fortschreitet, hängt stark vom Stadium ab. Frühformen können lange stabil bleiben, nach französischen Angaben schreitet etwa die Hälfte über die Jahre fort. Die trockene Spätform entwickelt sich langsam, die feuchte kann innerhalb von Wochen viel Sehkraft kosten.

Wie hoch ist das Risiko, dass sich eine Spätform entwickelt?

Das Risiko hängt vor allem von der Größe der Drusen, von Pigmentveränderungen und vom Zustand des anderen Auges ab. Die deutsche Leitlinie nennt folgende Fünf-Jahres-Risiken für den Übergang in eine Spätform:

AusgangsbefundRisiko in 5 Jahren
gute Sehschärfe, wenige mittelgroße Drusen oder geringe Pigmentveränderungenetwa 1,3 %
viele mittelgroße oder mindestens eine große Druse in einem Augeetwa 6 %
große Drusen auf beiden Augen oder Atrophie außerhalb der Mitteetwa 27 %
Spätform bereits im anderen Augeetwa 43 %

Ein einfaches Punktesystem aus den AREDS-Daten zählt für jedes Auge große Drusen und Pigmentveränderungen. Ohne Risikopunkt liegt das Fünf-Jahres-Risiko bei etwa 0,5 %, mit vier Punkten bei etwa 50 %. Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt kann Ihnen sagen, wo Sie stehen.

Wie verläuft die trockene Form?

Die trockene Form schreitet langsam voran, das Alltagssehen bleibt oft lange erhalten. Bei der geographischen Atrophie wachsen die Ausfallflächen Jahr für Jahr. Bis das zentrale Sehen verloren geht, vergehen meist fünf bis zehn Jahre.

Ein Fallbeispiel aus dem spanischen Lehrbuch zeigt, was das bedeuten kann: Ein Patient mit geographischer Atrophie verlor in zehn Jahren die Lesefähigkeit, blieb aber im Alltag selbstständig. Bis zu 15–20 % der Menschen mit geographischer Atrophie entwickeln zusätzlich eine feuchte AMD, deshalb bleibt der Selbsttest wichtig.

Wie verläuft die feuchte Form?

Unbehandelt führt die feuchte AMD meist innerhalb von Monaten zu einem schweren Sehverlust und zu einer Narbe in der Netzhautmitte. Das betroffene Auge kann dann gesetzlich blind werden. Die feuchte Form ist für den größten Teil der schweren Sehverluste durch AMD verantwortlich.

Mit Spritzen lässt sich die Erkrankung in den meisten Fällen stoppen, und nutzbares Sehen bleibt erhalten. Auch nach jahrelanger Behandlung kann sich in einem Teil der Augen zusätzlich eine Atrophie entwickeln. Manche Betroffene verlieren deshalb trotz Therapie langfristig an Sehkraft, besonders wenn Behandlungen zu spät beginnen oder Termine ausfallen.

Werde ich blind?

Völlig blind werden Menschen mit AMD in aller Regel nicht. Das seitliche Sehen bleibt erhalten, sodass Sie sich in der Wohnung und auf vertrauten Wegen meist weiter orientieren können. Das zentrale Sehen kann aber so stark nachlassen, dass Lesen, Autofahren und das Erkennen von Gesichtern nicht mehr gelingen.

Ist das Restsehen sehr gering, gilt man sozialrechtlich als blind oder hochgradig sehbehindert. In Deutschland besteht dann je nach Bundesland Anspruch auf Blindengeld oder Blindenhilfe, in Österreich kommen Pflegegeld und Unterstützung über das Sozialministerium in Frage.

Welche Komplikationen gibt es?

Die schwersten Komplikationen betreffen die feuchte Form: Blutungen und Narben unter der Netzhaut. Dazu kommen Folgen im Alltag und für die Seele.

  • Blutung unter der Netzhaut: kann bei der feuchten Form plötzlich viel Sehen kosten; selten wird operiert.
  • Abhebung oder Riss des Pigmentepithels: bei der feuchten Form, teils auch unter Behandlung.
  • Narbe (disziforme Narbe): Endstadium der unbehandelten feuchten Form.
  • Stürze: durch schlechtes Kontrast- und Tiefensehen, besonders auf Treppen.
  • Depression und sozialer Rückzug.
  • Charles-Bonnet-Syndrom: harmlose, aber oft beunruhigende Trugbilder.

Kann ich mit AMD noch Auto fahren?

Ob Sie fahren dürfen, hängt von Ihrer Sehschärfe und Ihrem Gesichtsfeld ab, nicht von der Diagnose allein. In Deutschland verbietet die Fahrerlaubnis-Verordnung das Fahren mit AMD nicht ausdrücklich, die Mindestanforderungen an das Sehen müssen aber erfüllt sein. Für den Pkw-Führerschein verlangt sie nach einer augenärztlichen Untersuchung mindestens eine Sehschärfe von 0,5 auf dem besseren Auge oder beidäugig; geprüft werden auch Gesichtsfeld, Kontrast- und Dämmerungssehen. In Österreich gilt nach der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung ebenfalls eine Mindestsehschärfe von 0,5 beim beidäugigen Sehen. Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt kann beurteilen, ob Sie die Anforderungen erfüllen.

Fahren trotz ärztlich festgestellter Fahruntauglichkeit kann eine Ordnungswidrigkeit oder, bei Gefährdung anderer, eine Straftat sein. Die Versicherung kann Leistungen kürzen. Eine einfache Faustregel: Wer Verkehrsschilder nicht mehr rechtzeitig lesen kann, sollte nicht mehr fahren.

Wie oft sind Kontrollen nötig?

Die deutsche Leitlinie von 2026 nennt als Richtwerte: bei früher AMD eine Kontrolle nach fünf Jahren, bei intermediärer AMD und bei geographischer Atrophie einmal im Jahr. Wer gut belegte Risikofaktoren hat, etwa Rauchen oder AMD bei Eltern oder Geschwistern, sollte häufiger kommen: bei früher AMD etwa alle zwei Jahre, bei intermediärer AMD etwa halbjährlich. Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt legt die Abstände nach Ihrem Befund fest. Unter Spritzentherapie sind die Abstände kürzer und richten sich nach dem Befund. Kontrollen sind lebenslang nötig, auch wenn das Sehen stabil ist.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (7)

Kann man einer AMD vorbeugen?

Sicher verhindern lässt sich eine AMD nicht, aber das Risiko lässt sich senken. Die wichtigste und von allen Fachgesellschaften uneingeschränkt empfohlene Maßnahme ist, nicht zu rauchen. Alles Weitere unterstützt die Gesundheit von Gefäßen und Netzhaut.

Warum ist der Rauchstopp so wichtig?

Rauchen ist der stärkste beeinflussbare Risikofaktor für eine AMD und beschleunigt ihr Fortschreiten. Aufhören senkt das Risiko mit den Jahren deutlich. Hilfe bieten Hausarztpraxen, Krankenkassen und Rauchfrei-Telefone.

Welche Ernährung schützt die Augen?

Eine ausgewogene Ernährung mit viel grünem Blattgemüse, Obst und Fisch ist mit einem geringeren AMD-Risiko verbunden. Grünkohl, Spinat, Mangold, Brokkoli und Feldsalat enthalten viel Lutein und Zeaxanthin, die auch natürlich in der Makula vorkommen. Fetter Seefisch wie Hering, Makrele oder Lachs liefert Omega-3-Fettsäuren.

In einer großen niederländischen Beobachtungsstudie hatten Menschen mit hoher Zufuhr von Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin und Zink über die Nahrung ein geringeres Risiko. Für spezielle Diäten gibt es keine ausreichenden Daten. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen eine gesunde Ernährung nicht und sind zur Vorbeugung in der Allgemeinbevölkerung nicht belegt.

Was können Sie sonst tun?

Was Herz und Gefäße schützt, ist wahrscheinlich auch gut für die Makula.

  • Bewegen Sie sich regelmäßig, auch moderate Bewegung wie Spazierengehen zählt.
  • Halten Sie ein gesundes Gewicht.
  • Lassen Sie Blutdruck, Blutfette und Blutzucker kontrollieren und gegebenenfalls behandeln.
  • Schützen Sie Ihre Augen vor starker Sonne im Gebirge, am Wasser und im Schnee; der Nutzen für die AMD ist nicht bewiesen, schadet aber nicht.
  • Gehen Sie zu Kontrollen, besonders wenn AMD in der Familie vorkommt oder Sie rauchen.

Was tun, wenn ein Auge schon betroffen ist?

Wenn ein Auge schon eine Spätform hat, ist der Schutz des anderen Auges besonders wichtig. Testen Sie es täglich mit dem Amsler-Gitter. Fragen Sie nach einer Nahrungsergänzung nach AREDS2 und halten Sie alle Kontrolltermine ein.

Wie lässt sich der Alltag mit AMD erleichtern?

Mit einigen einfachen Veränderungen bleiben viele Menschen mit AMD lange selbstständig:

  • Licht: helle, blendfreie Beleuchtung, eine gute Leselampe, die von der Seite des besseren Auges kommt.
  • Kontraste: farbige Markierungen an Treppenstufen, dunkle Schneidbretter für helles Gemüse, Tassen in Kontrastfarben.
  • Ordnung: Dinge immer am selben Platz ablegen.
  • Technik: Großtastentelefone, Sprachassistenten, Vorlesefunktion am Smartphone.
  • Sturzschutz: Stolperfallen wie lose Teppiche entfernen, Haltegriffe im Bad.
  • Vorbeischauen üben: Viele lernen, eine gesunde Stelle neben dem Fleck zum Lesen zu nutzen, am besten mit Anleitung.

Wo finden Betroffene Unterstützung?

Selbsthilfegruppen und Patientenverbände bieten Austausch, Beratung zu Hilfsmitteln und zu Rechten. In Deutschland ist das zum Beispiel der Verein Pro Retina, der auch in der Leitlinie genannt wird. In Österreich verweist das öffentliche Gesundheitsportal auf Selbsthilfegruppen und auf das Sozialministerium für Fragen zu Sehbehinderung und Pflegegeld.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Wann müssen Sie sofort oder noch am selben Tag zum Arzt?

Noch am selben Tag ärztliche Hilfe brauchen Sie, wenn nach einer Spritze ins Auge Schmerzen, Rötung oder eine Sehverschlechterung zunehmen. Das kann eine Endophthalmitis sein, eine Infektion im Augeninneren, die rasch behandelt werden muss. Rufen Sie die behandelnde Praxis oder Klinik an; außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Augenklinik.

Ebenfalls sofort abklären lassen sollten Sie:

  • einen plötzlichen, schmerzlosen Sehverlust innerhalb von Sekunden oder Minuten, bei dem das Bild auf einem Auge schlagartig dunkel oder grau wird – das passt eher zu einem Arterienverschluss der Netzhaut, der wie ein Schlaganfall sofort in eine Klinik gehört;
  • einen Schatten, der vom Rand her ins Bild wandert, oder plötzlich viele Lichtblitze und schwarze Punkte – Hinweis auf eine Netzhautablösung;
  • ein rotes, schmerzhaftes Auge mit Sehverschlechterung, Kopfschmerz und Übelkeit – Hinweis auf einen akuten Glaukomanfall.

Weitere Warnzeichen finden Sie unter Notfall am Auge. In Deutschland erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450. In lebensbedrohlichen Situationen gilt in beiden Ländern der Notruf 112.

Wann innerhalb weniger Tage?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie in die Augenarztpraxis, wenn gerade Linien neu verzerrt wirken oder ein neuer Fleck in der Bildmitte auftaucht. Das kann der Beginn einer feuchten AMD sein. Rufen Sie an, schildern Sie die Beschwerden genau und sagen Sie, dass Sie eine AMD haben oder befürchten. Bei Verdacht auf feuchte AMD vergeben die meisten Praxen kurzfristig Termine oder überweisen rasch an eine Klinik.

Das gilt auch, wenn:

  • sich das Amsler-Gitter verändert hat;
  • das Sehen auf einem Auge innerhalb von Tagen bis Wochen deutlich schlechter wird;
  • Gegenstände mit einem Auge kleiner oder größer wirken als mit dem anderen;
  • Sie unter Spritzentherapie einen Kontrolltermin verpasst haben.

Wann reicht ein regulärer Termin?

Einen regulären Termin in den nächsten Wochen können Sie vereinbaren, wenn Sie langsam mehr Licht zum Lesen brauchen, wenn das Dämmerungssehen nachlässt oder wenn Sie ab 55 Jahren, als Raucher oder mit AMD in der Familie Ihre Makula untersuchen lassen möchten. Auch wenn eine frühe AMD bekannt ist und sich nichts verändert hat, genügt der geplante Kontrolltermin.

Ist eine AMD ein Notfall?

Eine frühe oder trockene AMD ist kein Notfall, eine neu auftretende feuchte AMD dagegen ein dringender Fall. Jede Woche ohne Behandlung kann bei der feuchten Form Sehkraft kosten, die nicht zurückkommt. Im Zweifel lieber einmal zu früh anrufen.

9 Häufige Fragen

Werde ich durch eine Makuladegeneration blind?

Völlig blind werden Menschen mit AMD in aller Regel nicht, weil das seitliche Sehen erhalten bleibt. Das zentrale Sehen für Lesen und Gesichter kann aber stark nachlassen. Bei sehr geringem Restsehen gilt man sozialrechtlich als blind und hat in Deutschland Anspruch auf Blindengeld oder Blindenhilfe.

Was ist der Unterschied zwischen trockener und feuchter Makuladegeneration?

Bei der trockenen AMD sterben Netzhautzellen langsam über Jahre ab. Bei der feuchten AMD wachsen undichte Blutgefäße unter die Netzhaut, das Sehen verschlechtert sich innerhalb von Tagen bis Wochen. Die feuchte Form lässt sich mit Spritzen ins Auge behandeln, gegen die trockene Spätform gibt es in der EU kein zugelassenes Medikament.

Kann aus einer trockenen eine feuchte AMD werden?

Ja, eine feuchte AMD kann sich aus jedem Stadium der trockenen Form entwickeln. Deshalb ist der regelmäßige Selbsttest mit dem Amsler-Gitter wichtig. Neue Verzerrungen sollten Sie innerhalb weniger Tage abklären lassen.

Tut die Spritze ins Auge weh?

Die meisten Menschen spüren nur einen kurzen Druck, weil das Auge vorher mit Tropfen betäubt wird. Danach kann das Auge einige Stunden kratzen oder brennen. Nehmen die Schmerzen in den Tagen danach zu oder wird das Auge rot und das Sehen schlechter, melden Sie sich sofort in der Praxis.

Wie lange muss ich Spritzen bei feuchter AMD bekommen?

Die feuchte AMD ist eine chronische Erkrankung, die meist über Jahre behandelt und kontrolliert werden muss. Nach drei Spritzen im Abstand von vier Wochen wird der Abstand je nach Befund verlängert, oft auf zwei bis vier Monate. Bleibt die Erkrankung lange ruhig, kann die Behandlung pausieren, Kontrollen bleiben aber nötig.

Helfen Vitamine gegen Makuladegeneration?

Hochdosierte Präparate nach der AREDS2-Formel können das Fortschreiten bei intermediärer AMD oder bei einer Spätform auf einem Auge um etwa ein Viertel bremsen. Bei früher AMD und zur Vorbeugung ist kein Nutzen belegt. Raucher und ehemalige Raucher sollten kein Beta-Carotin einnehmen.

Gibt es ein Medikament gegen trockene Makuladegeneration?

In der EU ist nach den ausgewerteten Quellen (Stand Ende 2024) kein Medikament gegen die geographische Atrophie zugelassen. In den USA gibt es seit 2023 zwei Wirkstoffe, die das Wachstum der Atrophie leicht bremsen, ohne das Sehen nachweislich zu verbessern. Die EMA hat einen davon 2024 abgelehnt, der Antrag für den anderen wurde zurückgezogen.

Wie mache ich den Amsler-Test richtig?

Halten Sie das Gitter mit Lesebrille in etwa 30–40 cm Abstand, decken Sie ein Auge ab und schauen Sie auf den Punkt in der Mitte. Achten Sie auf wellige, fehlende oder verschwommene Linien. Danach testen Sie das andere Auge.

Darf ich mit Makuladegeneration Auto fahren?

Das hängt von Ihrer Sehschärfe und Ihrem Gesichtsfeld ab, nicht von der Diagnose allein. Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt kann beurteilen, ob Sie die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen. Wer Verkehrsschilder nicht mehr rechtzeitig lesen kann, sollte nicht mehr fahren.

Ist Makuladegeneration erblich?

Die AMD tritt familiär gehäuft auf, Verwandte ersten Grades haben ein etwa vierfaches Risiko. Bestimmte Genvarianten, etwa im Komplementfaktor H, erhöhen das Risiko. Wer betroffene Eltern oder Geschwister hat, sollte früher und regelmäßiger zur Kontrolle gehen.

Ist es normal, bei AMD Dinge zu sehen, die nicht da sind?

Ja, das ist häufig und heißt Charles-Bonnet-Syndrom. Das Gehirn füllt fehlende Bildinformation mit selbst erzeugten Bildern auf. Es ist harmlos, kein Zeichen einer psychischen Erkrankung, und Sie sollten in der Praxis offen darüber sprechen.

Kann man Makuladegeneration vorbeugen?

Sicher verhindern lässt sie sich nicht, aber das Risiko lässt sich senken. Am wichtigsten ist, nicht zu rauchen. Dazu kommen eine Ernährung mit viel grünem Gemüse und Fisch, Bewegung, ein gesundes Gewicht und gut eingestellter Blutdruck.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 30 Quellen anzeigen
  1. Leitlinie Nr. 21: Altersabhängige Makuladegeneration AMD – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) (DE)
  2. Anti-VEGF-Therapie bei der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration (Stellungnahme, Stand 15.10.2022) – DOG, Retinologische Gesellschaft, BVA (DE)
  3. Aktuelle Stellungnahme zu Nahrungsergänzungsmitteln bei altersabhängiger Makuladegeneration – DOG, Retinologische Gesellschaft, BVA (DE)
  4. Makuladegeneration (altersabhängige Makuladegeneration, AMD) – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (DE)
  5. Altersbedingte Makuladegeneration – gesundheit.gv.at, Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (DE)
  6. Geographische Atrophie: Aktuelle Studien- und Versorgungslage – Pro Retina Deutschland e.V. (DE)
  7. Aktueller Stand zur Versorgungslage von Patientinnen und Patienten mit geografischer Atrophie – Karger, Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde / Ophthalmologie Pro (DE)
  8. Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) – MSD Manual, Ausgabe für Patienten (DE)
  9. Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Anlage 6: Anforderungen an das Sehvermögen – Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (DE)
  10. Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung (FSG-GV), § 7 Sehvermögen – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Österreich (DE)
  11. S1-Leitlinie 045-030: Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) – Risikofaktoren und Prävention (September 2026) – DOG, Retinologische Gesellschaft, BVA, DBSV, Pro Retina (AWMF-Register) (DE)
  12. Age-Related Macular Degeneration (AMD) – National Eye Institute (NEI) (EN)
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  17. Age-Related Macular Degeneration: Epidemiology, Pathophysiology, Diagnosis, and Treatment – PMC / National Library of Medicine (EN)
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