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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Fehlsichtigkeit

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Weitsichtigkeit (Hyperopie) ist eine meist angeborene Fehlsichtigkeit, bei der das Auge zu kurz ist und vor allem das Nahsehen anstrengt oder unscharf wird. Junge Menschen gleichen sie oft unbemerkt aus und haben dann müde Augen und Kopfschmerzen; bei Kindern kann eine stärkere Weitsichtigkeit Schielen und Schwachsichtigkeit begünstigen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 40 Minuten · 27 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

Weitsichtige Menschen sehen vor allem in der Nähe unscharf, oft aber auch gar nicht unscharf, sondern einfach angestrengt. Das Licht, das ins Auge fällt, würde sich bei entspanntem Auge erst hinter der Netzhaut bündeln. Meist liegt das daran, dass der Augapfel von vorn nach hinten zu kurz ist: Ein Millimeter weniger Länge macht etwa drei Dioptrien Weitsichtigkeit aus. Seltener bricht die Hornhaut oder die Linse das Licht zu schwach.

Die Stärke wird in Dioptrien (dpt) mit Pluszeichen angegeben, zum Beispiel +2,5 dpt. Üblich ist die Einteilung in leicht (bis +2 dpt), mittel (etwa +2,25 bis +5 dpt) und hoch (über +5 dpt). Die meisten Betroffenen liegen unter +4 bis +5 dpt; Werte über +6 dpt sind selten und kommen vor allem bei Fehlbildungen des Auges vor.

Junge Menschen gleichen eine Weitsichtigkeit mit der Akkommodation aus. So heißt die Fähigkeit des Auges, die Linse über einen kleinen Ringmuskel (Ziliarmuskel) stärker zu wölben und damit scharf zu stellen. Das gelingt jahrzehntelang, kostet aber ständig Kraft. Deshalb äußert sich Weitsichtigkeit oft nicht als Unschärfe, sondern als müde Augen und Kopfschmerzen nach dem Lesen oder der Bildschirmarbeit.

Weitsichtigkeit ist eine Fehlsichtigkeit, keine Krankheit. Fast alle Neugeborenen sind leicht weitsichtig; bei den meisten verliert sich das, während das Auge in den ersten Lebensjahren wächst. Wichtig wird sie in drei Situationen: bei Kindern, weil eine stärkere Weitsichtigkeit Schielen und eine bleibende Schwachsichtigkeit begünstigen kann; ab etwa 40 Jahren, wenn die Akkommodation nachlässt; und im höheren Alter, weil das kurze Auge eher zu einem akuten Glaukomanfall neigt.

Ausgeglichen wird Weitsichtigkeit mit Plusgläsern in Brille oder Kontaktlinse. Erwachsene können sich unter bestimmten Bedingungen auch lasern oder eine Linse einsetzen lassen. Vorbeugen lässt sich die angeborene Form nicht, wohl aber ihren Folgen: durch augenärztliche Kontrollen bei Kindern und durch regelmäßige Untersuchungen im mittleren und höheren Lebensalter.

Weitsichtigkeit wird oft mit der Alterssichtigkeit verwechselt. Beide machen das Nahsehen schwer, haben aber verschiedene Ursachen: Weitsichtigkeit liegt im Bau des Auges und besteht von Geburt an, Alterssichtigkeit entsteht ab Mitte 40, weil die Linse steifer wird. Weitsichtige spüren die Alterssichtigkeit früher als andere.

2 Symptome

In diesem Kapitel (15)

Woran merkt man eine Weitsichtigkeit?

Typisch sind unscharfes Sehen in der Nähe, rasch ermüdende Augen und Kopfschmerzen nach dem Lesen oder der Bildschirmarbeit. Viele Weitsichtige sehen dabei in der Ferne und oft sogar in der Nähe zunächst scharf. Sie bezahlen das mit Anstrengung, die sich erst nach einiger Zeit als Beschwerde zeigt. Wie stark die Zeichen sind, hängt vom Grad der Weitsichtigkeit, vom Alter und davon ab, wie viel Naharbeit jemand leistet.

Warum bemerken viele Weitsichtige lange nichts?

Weil ein junges Auge die Weitsichtigkeit mit seiner Akkommodation ausgleicht. Der Ziliarmuskel spannt sich an, die Linse wölbt sich stärker, das Bild rückt auf die Netzhaut. Was bei Normalsichtigen nur beim Nahsehen nötig ist, leistet das weitsichtige Auge schon beim Blick in die Ferne und beim Lesen zusätzlich.

Leichte Weitsichtigkeit bleibt deshalb in Kindheit und Jugend oft völlig ohne Beschwerden. Auch Kinder mit mittlerer Weitsichtigkeit klagen häufig nicht. Die Fachsprache nennt den Anteil, den der Muskel unbemerkt ausgleicht, latente Hyperopie. Er wird erst sichtbar, wenn die Akkommodation mit Augentropfen ausgeschaltet wird (siehe Diagnose).

Latent, manifest, fakultativ, absolut: was bedeuten die Begriffe?

  • Gesamthyperopie: die ganze Weitsichtigkeit, gemessen bei ausgeschalteter Akkommodation.
  • Latente Hyperopie: der Teil, den die Grundspannung des Ziliarmuskels ständig ausgleicht. Er zeigt sich beim normalen Sehtest nicht.
  • Manifeste Hyperopie: der Teil, der schon ohne Tropfen messbar ist. Er gliedert sich in einen fakultativen Anteil, den man mit Anstrengung noch ausgleichen kann, und einen absoluten Anteil, den nur Gläser ausgleichen.

Mit den Jahren verschiebt sich das Verhältnis: Latente Anteile werden manifest, fakultative werden absolut. Etwa zwischen 45 und 65 Jahren ist die Weitsichtigkeit meist vollständig „aufgedeckt“. Deshalb wirkt es so, als werde die Weitsichtigkeit im Alter stärker, obwohl sich das Auge selbst kaum verändert hat.

Unscharfes Sehen in der Nähe

Das häufigste Sehsymptom ist eine Unschärfe beim Lesen, Schreiben, Handarbeiten und am Bildschirm. Je näher ein Gegenstand ist, desto mehr muss das Auge akkommodieren, und desto eher stößt es an seine Grenze. Typisch ist, dass die Schrift anfangs scharf ist und nach einigen Minuten oder am Ende des Tages verschwimmt.

Feine Nahaufgaben fallen besonders schwer, etwa einen Faden einfädeln, Kleingedrucktes lesen oder kleine Teile zusammensetzen. Ab etwa 30 Jahren halten viele Weitsichtige Texte unwillkürlich weiter weg, um sie lesen zu können. Je nach Stärke ist auch die mittlere Entfernung unscharf, etwa der Bildschirm oder das Armaturenbrett.

Kann man als Weitsichtiger auch in der Ferne schlecht sehen?

Ja, bei stärkerer Weitsichtigkeit und mit zunehmendem Alter wird auch das Fernsehen unscharf. Bei leichter Weitsichtigkeit ist die Fernsehschärfe junger Menschen meist normal. Bei hoher Weitsichtigkeit reicht die Akkommodation dagegen schon für die Ferne nicht aus, und das Bild ist in allen Entfernungen verschwommen.

Eine nicht erkannte mittlere Weitsichtigkeit kann sich ab etwa 35 bis 40 Jahren erstmals beim Autofahren, im Kino oder beim Lesen von Straßenschildern bemerkbar machen. Manche Menschen zwischen 45 und 65 merken, dass ihre Lesebrille auch für die Ferne hilft. Das ist ein typischer Hinweis auf eine bisher unentdeckte Weitsichtigkeit.

Müde, überanstrengte Augen (Asthenopie)

Die ständige Anspannung des Ziliarmuskels führt zu schnell ermüdenden, schmerzenden Augen. Fachleute sprechen von Asthenopie, also Beschwerden durch Überanstrengung der Augen. Sie treten vor allem nach längerem Lesen, nach Bildschirmarbeit oder nach einem langen Schultag auf und bessern sich in Ruhe oder nach dem Schlaf.

Betroffene beschreiben ein Gefühl von Schwere, Druck oder Ziehen in und hinter den Augen. Viele reiben sich die Augen, blinzeln häufiger oder kneifen die Lider zusammen. Längere Naharbeit wird mühsam, man legt öfter Pausen ein oder vermeidet sie ganz.

Kopfschmerzen durch Weitsichtigkeit

Weitsichtigkeit ist eine häufige Ursache für Kopfschmerzen nach Naharbeit. Sie sitzen typischerweise an der Stirn, an den Schläfen oder hinter den Augen. Meist beginnen sie im Laufe des Tages oder am Abend, selten schon morgens nach dem Aufstehen.

Der Schmerz ist eher dumpf und drückend als pochend. Er hängt deutlich mit Lesen, Schreiben oder Bildschirmzeit zusammen und lässt an Tagen mit wenig Naharbeit nach. Eine passende Brille lindert solche Kopfschmerzen oft auch dann, wenn sie die Sehschärfe kaum verbessert, weil sie den überanstrengten Muskel entlastet.

Kopfschmerzen haben viele Ursachen. Neue, sehr starke oder nächtliche Kopfschmerzen, Kopfschmerz mit Übelkeit und rotem Auge oder Kopfschmerz mit vorübergehenden Sehstörungen passen nicht zu einer einfachen Weitsichtigkeit und gehören rasch abgeklärt (siehe „Wann sofort zum Arzt?“).

Brennen, Rötung, Tränen und Fremdkörpergefühl

Überanstrengte Augen brennen, jucken oder kribbeln häufig, sie können gerötet sein und tränen. Manche Betroffene haben das Gefühl, es sei etwas im Auge. Wer sich angestrengt konzentriert, blinzelt seltener; auch das trocknet die Augenoberfläche aus.

Einige Quellen beschreiben wiederkehrende Bindehautreizungen bis hin zu Entzündungen der Bindehaut, die mit der Überanstrengung zusammenhängen. Solche Beschwerden ähneln denen eines trockenen Auges. Bessern sie sich mit einer passenden Brille, war die Weitsichtigkeit wahrscheinlich die Ursache.

Weitere Beschwerden: Schwindel, Doppelbilder, Konzentration

Seltener führt eine nicht ausgeglichene Weitsichtigkeit zu Schwindel bei intensiver Naharbeit, gelegentlich zu Doppelbildern und zu Konzentrationsproblemen. Das österreichische Gesundheitsportal nennt außerdem Magenbeschwerden als mögliche Begleiterscheinung der Überanstrengung.

  • Doppelbilder entstehen, wenn das starke Scharfstellen die Augen nach innen zieht und die beiden Bilder nicht mehr ganz zusammenpassen. Sie treten vor allem bei Müdigkeit und beim Nahsehen auf.
  • Konzentrationsprobleme und rasches Abschweifen beim Lesen sind oft eine Folge der Anstrengung, nicht eines Aufmerksamkeitsproblems.
  • Desinteresse am Lesen: Wer beim Lesen Kopfschmerzen bekommt, meidet es. Das fällt bei Kindern und Jugendlichen oft zuerst auf.
  • Zusammenkneifen der Augen: Ein enger Lidspalt verbessert kurzfristig die Schärfe, ist aber selbst anstrengend.

Wann im Alltag treten die Beschwerden auf?

Die Beschwerden hängen eng mit der Dauer der Naharbeit zusammen und nehmen im Tagesverlauf zu. Morgens fühlen sich viele Weitsichtige wohl, abends dagegen sind die Augen müde, die Schrift verschwimmt und der Kopf schmerzt. Auch Müdigkeit, Schlafmangel, Krankheit oder schlechte Beleuchtung verstärken die Zeichen, weil dann weniger Akkommodationskraft zur Verfügung steht.

SituationTypische Beschwerde
Lesen, Schreiben, HandarbeitSchrift verschwimmt nach einiger Zeit, Augen brennen, Kopfdruck an der Stirn
Bildschirm, Smartphonemüde, trockene Augen, Kopfschmerzen am Abend
Schule, HausaufgabenLesemüdigkeit, Augenreiben, unsaubere Schrift, Konzentrationsprobleme
Autofahren in der Dämmerung, längere Fahrtenbei stärkerer Weitsichtigkeit auch Unschärfe in der Ferne, Ermüdung
Ab Ende 30, Anfang 40Nahsehen wird rasch schlechter, Lesebrille wird früher nötig als bei Gleichaltrigen

Welche Zeichen zeigen Kinder?

Kinder mit Weitsichtigkeit klagen meistens nicht, weil sie nie anders gesehen haben und keinen Vergleich kennen. Nach französischen Angaben äußert sich ein Kind mit Sehstörung in etwa drei von vier Fällen nicht selbst dazu. Hinweise ergeben sich daher vor allem aus dem Verhalten.

  • ein Auge, das zeitweise oder ständig nach innen schielt, besonders beim Nahsehen oder wenn das Kind müde ist
  • häufiges Augenreiben und Zusammenkneifen der Augen
  • Kopfschmerzen, vor allem nach der Schule oder nach den Hausaufgaben
  • schnelle Ermüdung, Unlust oder Schwierigkeiten beim Lesen, Malen und Basteln
  • unsaubere Schrift, Konzentrationsprobleme, nachlassende Leistungen in der Schule
  • gerötete, tränende Augen nach Naharbeit

Eltern sollten ihren Beobachtungen trauen. Kinderärztliche Fachgesellschaften betonen, dass die Wahrnehmung der Eltern oft richtig ist und ernst genommen werden soll.

Säuglinge und Kleinkinder

Bei Säuglingen ist eine leichte Weitsichtigkeit normal und macht keine Zeichen. Leichtes, wechselndes Schielen kommt in den ersten Lebensmonaten ebenfalls vor. Ab einem Alter von etwa sechs Monaten gilt jedoch jede Fehlstellung der Augen als abklärungsbedürftig. Ein ständig schielendes Auge ist in jedem Alter ein Grund für einen augenärztlichen Termin.

Kindergartenkinder

Zwischen dem zweiten und dem fünften Lebensjahr zeigt sich eine stärkere Weitsichtigkeit am häufigsten durch ein Einwärtsschielen. Es beginnt meist zwischen sechs Monaten und sieben Jahren, im Durchschnitt mit etwa zweieinhalb Jahren. Anfangs schielt das Kind nur zeitweise, etwa beim Anschauen von Bilderbüchern oder abends, später oft dauerhaft. Kleine Kinder reiben die Augen oder kneifen sie zusammen; ältere berichten manchmal von Doppelbildern, die wieder verschwinden, sobald das Gehirn ein Auge ausblendet.

Das Schielen kann sehr gering sein, sodass man es von außen kaum sieht. Auch ohne sichtbares Schielen kann sich hinter einer Weitsichtigkeit eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) verbergen, besonders wenn ein Auge deutlich weitsichtiger ist als das andere. Eine amerikanische Studie fand bei Vier- und Fünfjährigen mit mittlerer Weitsichtigkeit (+3 bis +6 dpt) schlechtere frühe Lesefähigkeiten, vor allem beim Erkennen von Buchstaben.

Schulkinder und Jugendliche

Im Schulalter stehen Lesemüdigkeit, Kopfschmerzen und brennende Augen im Vordergrund. Die Anforderungen an das Nahsehen steigen stark, und die Akkommodationsreserve reicht nicht mehr für den ganzen Tag. Unbehandelte Weitsichtigkeit kann Lesen und Schreiben erschweren; mit Brille scheinen sich Leistungen bei manchen Kindern zu verbessern.

Wie stark Fehlsichtigkeiten die Schulleistung insgesamt beeinflussen, ist allerdings nicht eindeutig belegt. Schlechte Noten haben viele Gründe. Ein Sehtest ist bei Lernschwierigkeiten trotzdem sinnvoll, weil er einfach ist und eine behebbare Ursache aufdecken kann. Ein Schielen, das erst im Schulalter neu auftritt, passt nicht zur typischen Weitsichtigkeit und muss rasch abgeklärt werden.

Einseitige Weitsichtigkeit: warum sie besonders tückisch ist

Ist ein Auge deutlich weitsichtiger als das andere (Anisometropie), merken Betroffene davon oft nichts, weil das bessere Auge das scharfe Bild liefert. Für Erwachsene ist das meist harmlos, sie bemerken den Unterschied manchmal zufällig beim Zuhalten eines Auges.

Bei Kindern ist eine seitenungleiche Weitsichtigkeit dagegen ein starker Risikofaktor für eine einseitige Schwachsichtigkeit. Das Gehirn unterdrückt das unscharfe Bild des schwächeren Auges, das sich dann nicht richtig entwickelt. Weil das Kind mit dem guten Auge normal sieht, fällt das ohne Untersuchung kaum auf. Hinweise kann ein ungleicher roter Reflex auf Fotos mit Blitz geben, ersetzen kann das die Untersuchung aber nicht.

Wie zeigt sich Weitsichtigkeit bei Erwachsenen und Älteren?

Die Beschwerden verändern sich mit dem Alter, weil die Akkommodation ab dem Kindesalter stetig abnimmt.

AlterTypisches Bild
20 bis 35 Jahremeist scharfes Sehen; bei mittlerer Weitsichtigkeit Augenermüdung und Kopfschmerz nach Naharbeit
35 bis 45 JahreNahsehen wird früher schwierig als bei Gleichaltrigen; „vorzeitige“ Lesebrille; erste Unschärfe auch in der Ferne
45 bis 65 JahreWeitsichtigkeit wird vollständig sichtbar; Nah- und Fernsehen ohne Brille unscharf; Lesebrille hilft auch in die Ferne
über 65 JahreBrillenwerte ändern sich; ein beginnender Grauer Star kann die Weitsichtigkeit verringern; Risiko für Winkelblock beachten

Ab etwa 65 Jahren beobachten manche Weitsichtige, dass sie plötzlich wieder ohne Brille lesen können oder ihre Brille schwächer werden muss. Grund ist oft ein beginnender Grauer Star im Linsenkern, der die Brechkraft der Linse erhöht. Das ist keine Heilung, sondern ein Zeichen, das augenärztlich angesehen werden sollte.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige sehen oft Zeichen, die Betroffene selbst nicht wahrnehmen. Dazu gehören:

  • ein Auge, das nach innen wandert, besonders beim Lesen oder abends
  • Zeitung, Handy oder Buch werden immer weiter vom Gesicht weggehalten
  • häufiges Augenreiben, Blinzeln oder Zusammenkneifen
  • Klagen über Kopfschmerzen nach dem Lesen oder am Abend
  • Vermeiden von Lesen, Handarbeit oder Brettspielen
  • bei Kindern: Unlust bei Hausaufgaben, unsaubere Schrift, rasches Ermüden
  • eine schiefe Kopfhaltung oder ein Augenzittern bei Kindern; beides passt nicht zur einfachen Weitsichtigkeit und gehört zügig untersucht

Weitsichtig oder alterssichtig? Die Symptome im Vergleich

Beide Fehlsichtigkeiten erschweren das Nahsehen, unterscheiden sich aber im Beginn und im Fernsehen. Die Alterssichtigkeit beginnt bei allen Menschen um 40 bis 45 Jahre; Weitsichtigkeit besteht von Geburt an und wird oft früher spürbar.

MerkmalWeitsichtigkeitAlterssichtigkeit
UrsacheAuge zu kurz oder Brechkraft zu schwachLinse wird mit dem Alter steifer
Beginnangeboren, Beschwerden in jedem Alter möglichmeist ab 40 bis 45 Jahren
Fernsehen ohne Brillebei stärkerem Grad oder ab mittlerem Alter ebenfalls unscharfscharf (wenn sonst keine Fehlsichtigkeit besteht)
Nahsehen ohne Brilleanstrengend oder unscharf, auch schon in jungen Jahrenunscharf, nimmt bis etwa 60 Jahre zu
Kopfschmerz, Augenermüdunghäufig, oft schon bei Kindern und Jugendlichenmöglich, vor allem beim Versuch, ohne Lesebrille zu lesen
BrillePlusgläser für Ferne und NähePlusgläser nur für die Nähe (Lesebrille, Gleitsicht)

Ein Beispiel aus der französischen Fachpresse: Ein 33-Jähriger mit Problemen beim Lesen ist in aller Regel nicht alterssichtig, sondern weitsichtig. Wird seine Weitsichtigkeit für die Ferne ausgeglichen, bessert sich oft auch das Nahsehen. Mehr dazu im Artikel zur Alterssichtigkeit.

Welche Zeichen passen nicht zu einer einfachen Weitsichtigkeit?

Weitsichtigkeit entwickelt sich nicht plötzlich und nicht schmerzhaft. Folgende Zeichen deuten auf etwas anderes hin und gehören rasch untersucht:

  • plötzliche starke Augen- oder Kopfschmerzen mit rotem Auge, Übelkeit oder farbigen Ringen um Lichter
  • eine neue Weitsichtigkeit, die nur ein Auge betrifft oder rasch zunimmt
  • Kopfschmerzen mit vorübergehenden Sehausfällen oder Schwarzwerden vor Augen
  • verzerrtes Sehen, gerade Linien wirken wellig, ein grauer Fleck in der Mitte
  • plötzlich neu auftretendes Schielen oder Doppelbilder bei Schulkindern und Erwachsenen
  • ein weißlicher Pupillenreflex oder ein vergrößertes, trübes Auge beim Säugling

Eine neu auftretende Verschiebung in Richtung Weitsichtigkeit kann zum Beispiel durch eine Flüssigkeitsansammlung unter der Netzhautmitte, eine Entzündung der Lederhaut, einen Tumor in der Augenhöhle oder einen erhöhten Hirndruck entstehen. Auch stark schwankende Blutzuckerwerte verändern die Brechkraft vorübergehend.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (8)

Was passiert im weitsichtigen Auge?

Im weitsichtigen Auge liegt der Brennpunkt bei entspannter Linse hinter der Netzhaut. Auf der Netzhaut entsteht deshalb ein unscharfes Bild, solange das Auge nicht nachstellt. Ein normal langes Auge misst von vorn nach hinten etwa 23 bis 24 Millimeter; das weitsichtige ist kürzer oder bricht das Licht schwächer.

Das Auge kann den Fehler mit der Akkommodation teilweise oder ganz ausgleichen. Dabei spannt sich der Ziliarmuskel an, die Linse wird runder und bricht stärker. Beim Nahsehen braucht jedes Auge Akkommodation; das weitsichtige braucht zusätzlich so viel, wie es weitsichtig ist. Diese Mehrarbeit erklärt die meisten Beschwerden.

Welche Formen der Weitsichtigkeit gibt es?

Nach der Ursache unterscheidet man vor allem Achsenhyperopie und Brechungshyperopie.

  • Achsenhyperopie: Der Augapfel ist zu kurz, die Brechkraft normal. Das ist mit Abstand die häufigste Form. Ein Millimeter Verkürzung entspricht etwa 3 dpt.
  • Krümmungshyperopie: Die Hornhaut ist zu flach, angeboren oder nach Verletzungen und Hornhauterkrankungen.
  • Brechungsindex-Hyperopie: Die Linse bricht schwächer, etwa im Alter oder vorübergehend bei Diabetes.
  • Fehlende oder verlagerte Linse: Nach Verletzungen, bei Linsenverlagerung oder früher nach einer Operation des Grauen Stars ohne Kunstlinse (Aphakie) entsteht eine starke Weitsichtigkeit.

Die spanische Fachgesellschaft unterscheidet außerdem eine einfache Form (nur kurzes Auge), eine zusammengesetzte (kurzes Auge und flache Hornhaut) und gemischte Formen. Fachlich wichtig ist auch die Einteilung in die einfache, physiologische Hyperopie, eine Normvariante der Augenentwicklung, und die seltene krankhafte Hyperopie durch Fehlbildungen, Verletzungen oder Krankheiten.

Warum sind fast alle Babys weitsichtig?

Weil das Auge bei der Geburt noch kurz ist und erst mitwachsen muss. Die meisten reif geborenen Kinder sind leicht weitsichtig; Werte von etwa +2 bis +3 dpt gelten im Kleinkindalter als normal. Während das Auge in den ersten Lebensjahren in die Länge wächst, gleicht sich die Weitsichtigkeit bei den meisten Kindern aus. Fachleute nennen diesen Vorgang Emmetropisierung.

Das Augenwachstum ist etwa bis zum siebten Lebensjahr weitgehend abgeschlossen. Bleibt eine mittlere Weitsichtigkeit bis ins Jugendalter bestehen, bleibt sie vermutlich lebenslang. Stärkere Weitsichtigkeit verliert sich seltener.

Ist Weitsichtigkeit erblich?

Ja, Weitsichtigkeit ist meist angeboren und tritt in Familien gehäuft auf. Welche Gene im Einzelnen beteiligt sind, ist noch Gegenstand der Forschung. Weil die Anlage vererbt wird, empfehlen Fachgesellschaften, Kinder aus Familien mit starker Fehlsichtigkeit oder Schielen früher augenärztlich untersuchen zu lassen.

Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Neben der familiären Veranlagung werden in Studien weitere Faktoren mit Weitsichtigkeit bei Kindern in Verbindung gebracht. Sie zeigen Zusammenhänge, beweisen aber nicht immer eine Ursache.

  • Weitsichtigkeit, Schielen oder starke Fehlsichtigkeit bei Eltern oder Geschwistern
  • Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht
  • Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft
  • Herkunft: In amerikanischen Erhebungen schwankt die Häufigkeit bei Kindern je nach Bevölkerungsgruppe zwischen etwa 13 und 27 %

Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Für Folgen der Weitsichtigkeit zählen außerdem: der Grad der Weitsichtigkeit, ein Unterschied zwischen beiden Augen, ein bereits bestehendes Schielen und im Erwachsenenalter ein enger Kammerwinkel.

Wie häufig ist Weitsichtigkeit?

In Deutschland ist nach Angaben des IQWiG etwa jeder vierte Erwachsene weitsichtig. Für die USA und Frankreich werden Werte um 10 % genannt, eine weltweite Schätzung kommt auf etwa 31 % der Erwachsenen und 4,6 % der Kinder. Die großen Unterschiede entstehen vor allem dadurch, dass Studien verschiedene Grenzwerte verwenden, etwa ab +0,5, +1 oder +2 dpt, und unterschiedliche Altersgruppen untersuchen.

Weitsichtigkeit hat zwei Gipfel: in der frühen Kindheit und zwischen etwa 45 und 65 Jahren, wenn die verborgene Weitsichtigkeit sichtbar wird. In dieser Altersgruppe ist sie häufiger als Kurzsichtigkeit. Mittlere Weitsichtigkeit von 3 bis 6 dpt haben nach amerikanischen Schätzungen 4 bis 14 % der Vorschulkinder, oft unerkannt.

Kann eine Weitsichtigkeit auch neu entstehen?

Ja, selten verschiebt sich die Brechkraft im Laufe des Lebens durch eine andere Erkrankung in Richtung Weitsichtigkeit. Dann ist nicht die Weitsichtigkeit das Problem, sondern ihre Ursache. Eine neue, besonders eine einseitige oder rasch zunehmende Weitsichtigkeit sollte deshalb immer abgeklärt werden.

  • Flüssigkeit unter der Netzhaut, etwa bei einer serösen Netzhautabhebung, oder ein Makulaödem schieben die Netzhaut nach vorn.
  • Hintere Skleritis: Eine Entzündung der Lederhaut flacht den hinteren Augenpol ab.
  • Tumoren der Augenhöhle oder der Aderhaut drücken von hinten auf das Auge, typisch ist eine einseitige, fortschreitende Weitsichtigkeit.
  • Erhöhter Hirndruck (idiopathische intrakranielle Hypertension) kann den hinteren Augenpol ebenfalls abflachen.
  • Diabetes: Wenn sehr hohe Blutzuckerwerte rasch gesenkt werden, wird man vorübergehend weitsichtiger. Brillen sollten erst nach Stabilisierung neu bestimmt werden.
  • Operationen an Hornhaut oder Linse können die Brechkraft in Richtung Weitsichtigkeit verschieben.
  • Medikamente, die die Akkommodation lähmen, machen eine vorübergehende Weitsichtigkeit sichtbar.

Mikrophthalmus und Nanophthalmus

Bei diesen seltenen Fehlbildungen ist das ganze Auge deutlich zu klein, und die Weitsichtigkeit kann +10 dpt und mehr betragen, in Einzelfällen über +20 dpt. Solche Augen haben eine sehr enge Vorderkammer und ein erhöhtes Risiko für Winkelblock und für Komplikationen bei Operationen. Sie gehören in die Betreuung spezialisierter Augenkliniken.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (10)

Wer stellt eine Weitsichtigkeit fest?

Die sichere Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt. Einen Sehtest bieten auch Optikerinnen und Optiker an; bei Kindern, bei Beschwerden und bei der Frage nach einem engen Kammerwinkel ist aber die augenärztliche Untersuchung nötig. In Deutschland braucht die erste Kassenbrille ein augenärztliches Rezept. In Österreich ist für Kinderbrillen auf Kassenkosten bis zum 14. Geburtstag eine augenfachärztliche Verordnung vorgeschrieben.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung ist schmerzlos und besteht aus mehreren Schritten:

  1. Gespräch: Beschwerden, Brillen, Augenerkrankungen in der Familie, Schielen in der Kindheit.
  2. Sehschärfe in Ferne und Nähe, jedes Auge einzeln.
  3. Brechkraftmessung (Refraktion): objektiv mit einem Messgerät (Autorefraktometer) oder mit der Skiaskopie, bei der mit einem Lichtstreifen in das Auge geleuchtet wird; subjektiv mit Probegläsern.
  4. Augenstellung und Zusammenspiel beider Augen, etwa mit dem Abdecktest, sowie das räumliche Sehen.
  5. Spaltlampe: Beurteilung von Hornhaut, Linse, Tiefe der Vorderkammer und Kammerwinkel.
  6. Augenhintergrund mit Sehnerv, Makula und Netzhaut, oft nach pupillenerweiternden Tropfen.

Warum werden Augentropfen gegeben (Zykloplegie)?

Die Tropfen schalten die Akkommodation vorübergehend aus, damit die ganze Weitsichtigkeit messbar wird. Ohne sie gleicht der Ziliarmuskel einen Teil unbemerkt aus, und die Messung fällt zu niedrig aus. Der Unterschied zwischen der Messung mit und ohne Tropfen ist die latente Hyperopie.

Die Messung unter Zykloplegie gilt bei Kindern als Referenzstandard und wird bei allen Weitsichtigen empfohlen, besonders in der Kindheit und bei Verdacht auf verborgene Weitsichtigkeit. Verwendet werden je nach Alter Wirkstoffe wie Cyclopentolat, Tropicamid oder Atropin. Danach ist das Sehen einige Stunden, bei Atropin auch länger, unscharf und lichtempfindlich; die Wirkung bildet sich vollständig zurück.

Nach den Tropfen dürfen Sie nicht selbst Auto fahren und keine Maschinen bedienen. Bringen Sie eine Sonnenbrille mit und planen Sie Zeit ein. Bei Kindern lohnt es, Schulaufgaben für diesen Tag vorher zu erledigen.

Warum wird vor dem Weittropfen der Kammerwinkel geprüft?

Weil weitsichtige Augen oft einen engen Kammerwinkel haben, über den das Kammerwasser abfließt. Eine Pupillenerweiterung kann diesen Abfluss in seltenen Fällen blockieren. Die spanische Fachgesellschaft empfiehlt deshalb, bei Weitsichtigen im mittleren und höheren Alter vor dem Erweitern der Pupille Vorderkammertiefe und Kammerwinkel zu beurteilen. Ist der Winkel eng, kann eine vorbeugende Laserbehandlung sinnvoll sein, bevor weitere Tropfen gegeben werden.

Wie wird bei kleinen Kindern untersucht?

Kleine Kinder können noch keine Buchstaben lesen und keine Gläser vergleichen, deshalb nutzt man objektive Messungen und kindgerechte Tests.

  • Brückner- oder Rotreflex-Test: Ein ungleicher roter Reflex aus der Pupille weist auf einen Seitenunterschied hin.
  • Hornhautreflexbild (Hirschberg-Test) und Abdecktest: decken Schielen und versteckte Fehlstellungen auf.
  • Bildertafeln wie der Lea-Test oder der E-Haken-Test ab etwa drei Jahren; Buchstaben ab etwa sechs Jahren.
  • Stereotests wie der Lang-Test oder der Fliegentest prüfen das räumliche Sehen.
  • Skiaskopie unter Zykloplegie und Messgeräte; bei Säuglingen ist die Skiaskopie die bevorzugte Methode.
  • Photoscreener: Geräte, die aus einer Aufnahme Risikofaktoren für Schwachsichtigkeit abschätzen. Sie erkennen Risiken, aber keine Schwachsichtigkeit selbst.

Für Diagnose und Behandlung von Schielen und Schwachsichtigkeit arbeiten Augenärztinnen und Augenärzte eng mit Orthoptistinnen und Orthoptisten zusammen, oft in einer Sehschule.

Welche Vorsorge gibt es für Kinder?

In Deutschland gehören einfache Sehtests zu den U-Untersuchungen beim Kinderarzt; manche Praxen messen zusätzlich die Brechkraft und überweisen bei Auffälligkeiten. In Österreich werden die Augen im Rahmen des Eltern-Kind-Passes untersucht. Bei Frühgeborenen und bei familiärer Belastung mit Schielen oder starker Fehlsichtigkeit ist eine frühere augenärztliche Untersuchung sinnvoll.

Andere Länder setzen ähnliche Schwerpunkte. Frankreich bietet seit 2021 ein kostenloses Seh-Screening in der Vorschule an und empfiehlt eine Untersuchung im dritten Lebensjahr, idealerweise durch Orthoptisten. Die spanischen Kinderärzte empfehlen ein Screening zwischen drei und fünf Jahren; spanische Augenkliniken raten zu einer ersten augenärztlichen Kontrolle mit etwa dreieinhalb Jahren, bei familiärer Belastung schon mit drei.

Ab welchem Wert gilt eine Weitsichtigkeit bei Kindern als riskant?

Als Risiko für eine Schwachsichtigkeit gelten nach französischen Screening-Empfehlungen eine Weitsichtigkeit ab etwa +3,5 dpt und ein Seitenunterschied von mehr als 1,5 dpt. Die amerikanische Akademie für Augenheilkunde nennt in ihrem Nachschlagewerk etwas andere Grenzen: einen Seitenunterschied über 1 dpt oder beidseitig mindestens +5 dpt. Die Grenzwerte sind Orientierungen; entscheidend ist die augenärztliche Gesamtbeurteilung mit Sehschärfe, Augenstellung und Alter.

Bei Säuglingen mit einer Weitsichtigkeit über +3,5 dpt ist das Risiko, bis zum vierten Geburtstag zu schielen, ohne Korrektur deutlich erhöht, nach einer Übersicht bis zu dreizehnfach. Solche Kinder brauchen regelmäßige Kontrollen.

Was wird vor einer Operation zusätzlich gemessen?

Vor einer Laser- oder Linsenoperation werden Hornhautdicke, Hornhautform, Pupillengröße und bei Eingriffen im Auge auch die Augenlänge, die Vorderkammertiefe und die Zahl der Hornhautinnenzellen (Endothel) bestimmt. Die Brechkraft wird immer auch unter Zykloplegie gemessen, damit keine verborgene Weitsichtigkeit übersehen wird.

Womit kann Weitsichtigkeit verwechselt werden?

Die wichtigste Abgrenzung ist die Alterssichtigkeit. Sie wird durch die Messung der Fernbrillenstärke und des Lesezusatzes unterschieden. Weitere Möglichkeiten sind:

  • Akkommodationsschwäche bei jungen Menschen; eine nicht oder zu schwach ausgeglichene Weitsichtigkeit kann sie vortäuschen.
  • Andere Fehlsichtigkeiten wie Hornhautverkrümmung, die oft zusammen mit Weitsichtigkeit vorkommt.
  • Erkrankungen der Netzhautmitte wie Makulaödem oder altersabhängige Makuladegeneration, die ebenfalls unscharfes Sehen machen.
  • Grauer Star und Zustand nach refraktiver Chirurgie.
  • bei Kindern organische Ursachen einer Sehschwäche wie angeborener Grauer Star, angeborenes Glaukom oder ein Netzhauttumor.

Was ist ein Pseudopapillenödem?

Bei starker Weitsichtigkeit ist der Sehnervenkopf oft klein und dicht gepackt und kann wie geschwollen aussehen. Diese harmlose Besonderheit heißt Pseudopapillenödem. Sie muss von einer echten Schwellung des Sehnervs, etwa durch erhöhten Hirndruck, unterschieden werden; dafür können Bildgebung des Sehnervs oder Verlaufskontrollen nötig sein.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (11)

Muss jede Weitsichtigkeit behandelt werden?

Nein. Eine Korrektur ist nötig, wenn Beschwerden auftreten, das Sehen eingeschränkt ist oder bei Kindern Schielen oder Schwachsichtigkeit drohen. Leichte Weitsichtigkeit, die das Auge mühelos ausgleicht, braucht oft keine Brille. Dieselbe Weitsichtigkeit kann aber mit 25 Jahren unbemerkt bleiben und mit 40 eine Brille erfordern.

Brille mit Plusgläsern

Die Brille ist die einfachste, sicherste und häufigste Behandlung. Sie hat Sammellinsen (Plusgläser, konvex), die das Licht vor dem Auge bündeln und dem Ziliarmuskel Arbeit abnehmen. Je nach Stärke und Alter wird sie ständig oder nur bei Naharbeit getragen.

  • Bei geringer Weitsichtigkeit reicht oft eine Brille fürs Lesen und den Bildschirm.
  • Bei stärkerer Weitsichtigkeit oder ab mittlerem Alter ist meist eine Brille für alle Entfernungen sinnvoll.
  • Ab etwa 40 Jahren kommen Gleitsicht- oder Mehrstärkengläser hinzu, die zusätzlich die Alterssichtigkeit ausgleichen.
  • Plusgläser werden mit zunehmender Stärke in der Mitte dicker und vergrößern das Auge optisch. Hochbrechende, dünnere Gläser können das mildern.

Gerade Erwachsene mit bisher verborgener Weitsichtigkeit brauchen anfangs etwas Geduld. Der Muskel ist an seine Dauerspannung gewöhnt und entspannt sich erst nach und nach. Manche Augenärztinnen und Augenärzte verordnen deshalb zunächst nicht die volle Stärke und steigern später.

Wann bekommen Kinder eine Brille?

Kinder bekommen eine Brille vor allem bei Schielen, deutlichem Seitenunterschied, verminderter Sehschärfe, Beschwerden oder höherer Weitsichtigkeit. Leichte Weitsichtigkeit ohne Beschwerden kann man dagegen beobachten. Die spanische Fachgesellschaft gibt eine Orientierung nach Alter:

AlterBrille meist nicht nötigBrille meist sinnvoll
bis 6 Jahreunter +3 dpt ohne weitere Auffälligkeitenab +3 dpt; darunter bei Schielen, Seitenunterschied, niedriger Sehschärfe oder Hornhautverkrümmung über 1,5 dpt
6 bis 20 Jahreunter +1,5 dpt ohne Beschwerdenab +1,5 dpt, bei Beschwerden beim Nahsehen, gestörtem Zusammenspiel der Augen oder Seitenunterschied
20 bis 45 Jahreseltenmeist volle Korrektur, besonders für die Nähe
45 bis 65 Jahreseltenvolle Fernkorrektur plus Lesezusatz

Bei Kindern, die nach innen schielen, wird in der Regel die volle Plusstärke verordnet, die unter Zykloplegie gemessen wurde. Bei Kindern, die nach außen schielen, wird die Weitsichtigkeit dagegen nicht oder nur teilweise ausgeglichen, weil volle Plusgläser das Auswärtsschielen verstärken könnten.

Verhindert eine Brille Schielen und Schwachsichtigkeit?

Das ist nicht sicher belegt. Eine Cochrane-Übersicht von 2020 fasste vier Studien mit 985 weitsichtigen Kindern zwischen sechs und 36 Monaten zusammen, die drei bis vier Jahre beobachtet wurden. Mit Brille schielten tendenziell weniger Kinder (relatives Risiko 0,65), das Ergebnis war aber statistisch nicht sicher. Für Schwachsichtigkeit fand sich kein klarer Unterschied, für das räumliche Sehen ein möglicher Vorteil; die Vertrauenswürdigkeit der Daten war gering bis sehr gering.

Das IQWiG weist ebenfalls darauf hin, dass unklar ist, ob eine Brille bei weitsichtigen Kindern Schielen oder Schwachsichtigkeit verhindert. Diese Unsicherheit betrifft die Vorbeugung bei Kindern ohne Schielen. Ist ein Schielen oder eine Schwachsichtigkeit bereits da, ist die Brille die Grundlage jeder Behandlung und nicht umstritten.

Wie wird das Einwärtsschielen durch Weitsichtigkeit behandelt?

Beim akkommodativen Einwärtsschielen ist die Brille die wichtigste Behandlung. Das starke Scharfstellen ist im Gehirn mit einer Einwärtsbewegung der Augen gekoppelt; nimmt die Brille dem Auge die Arbeit ab, stehen die Augen oft wieder gerade. Typisch liegt die Weitsichtigkeit dieser Kinder bei etwa +4,75 dpt, mit einer Spanne von +1,5 bis +7 dpt.

  • Refraktive Form: Die Augen stehen mit voller Brille gerade. Die Brille wird ganztags getragen und nach ein bis zwei Monaten kontrolliert. Ab etwa neun bis zehn Jahren wird die Stärke oft schrittweise verringert.
  • Form mit starkem Naheinwärtsschielen: Die Augen schielen nur beim Nahsehen deutlich. Häufig helfen Zweistärkengläser (Bifokalgläser) mit einem Lesezusatz.
  • Teilakkommodative Form: Trotz voller Brille bleibt ein Restschielen. Bleibt es nach einigen Wochen deutlich bestehen, kann eine Schieloperation an den Augenmuskeln nötig werden. Sie ersetzt die Brille und die Sehschulbehandlung nicht.

Ganztägiges Tragen ist wichtig. Wer die Brille nur zeitweise trägt, kann die Akkommodation nicht entspannen, und das Sehen wirkt beim Aufsetzen jedes Mal unscharf. Tipps zur Gewöhnung stehen im Abschnitt Vorbeugung.

Wie wird eine Schwachsichtigkeit behandelt?

Grundlage ist immer die vollständige Korrektur der Weitsichtigkeit mit der Brille. Bei vielen Kindern bessert sich die Sehschärfe schon dadurch. Reicht das nicht, wird das bessere Auge stundenweise abgeklebt (Okklusion), damit das schwächere trainiert wird; alternativ kommen spezielle Augentropfen zum Einsatz, die das bessere Auge vorübergehend unscharf machen.

Je früher die Behandlung beginnt, desto besser: Beginnt sie im dritten Lebensjahr, ist eine Schwachsichtigkeit nach französischen Angaben in über 95 % der Fälle gut behandelbar. Nach dem sechsten Lebensjahr sinken die Aussichten deutlich, bis etwa zum zehnten Lebensjahr ist noch eine Verbesserung möglich. Die Behandlung dauert oft Monate bis Jahre und braucht regelmäßige Kontrollen. Ausführlich dazu im Artikel Schwachsichtigkeit.

Kontaktlinsen

Kontaktlinsen sind für Jugendliche und Erwachsene eine gute Alternative zur Brille, auch bei starker Weitsichtigkeit und zusätzlicher Hornhautverkrümmung. Sie bieten ein natürlicheres Bild mit kaum merklicher Vergrößerung und ein freies Gesichtsfeld. Besonders nützlich sind sie bei großem Seitenunterschied zwischen beiden Augen, weil die Bildgrößen dann besser zusammenpassen.

Die Anpassung erfolgt nach Messung der Brechkraft und der Hornhautoberfläche. Kontaktlinsen verlangen sorgfältige Hygiene, denn sie erhöhen das Risiko für Hornhautentzündungen und -geschwüre. Manche Menschen vertragen sie schlecht. Bei Kindern kommen sie meist erst ab etwa sieben bis acht Jahren oder im Jugendalter in Betracht, wenn die Pflege zuverlässig klappt. Ab etwa 40 Jahren gibt es Mehrstärken-Kontaktlinsen für Ferne und Nähe.

Kann man Weitsichtigkeit lasern?

Ja, bei Erwachsenen ist eine Laserbehandlung der Hornhaut möglich, aber anspruchsvoller als bei Kurzsichtigkeit. Der Excimer-Laser trägt Gewebe am Rand der Hornhaut ab und wölbt so die Mitte stärker. Üblich sind LASIK, bei der zuvor eine dünne Hornhautlamelle angehoben wird (heute oft mit dem Femtosekundenlaser), und die Oberflächenbehandlung PRK, etwa bei dünnerer Hornhaut.

Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 18 Jahren, eine seit mindestens etwa zwei Jahren stabile Brillenstärke, eine ausreichend dicke Hornhaut und gesunde Augen. Am besten eignet sich eine mittlere Weitsichtigkeit bei eher flacher Hornhaut. Die Obergrenzen schwanken in den Quellen zwischen etwa +3 bis +4 und +6 dpt; je höher der Wert, desto ungenauer und weniger dauerhaft das Ergebnis. Bei sehr starker Weitsichtigkeit oder bestimmten Augenerkrankungen wie einer feuchten Makuladegeneration ist der Laser nicht geeignet.

Was sind die Grenzen und Risiken des Lasers?

  • Rückbildung (Regression): Ein Teil der Korrektur kann sich in den Monaten danach wieder zurückbilden; Nachbehandlungen sind häufiger als bei Kurzsichtigkeit. Ein Teil der scheinbaren Rückbildung ist nicht erkannte latente Weitsichtigkeit.
  • Über- oder Unterkorrektur: Das Ergebnis ist weniger vorhersagbar als bei Kurzsichtigkeit.
  • Trockene Augen, Blendung, Lichthöfe (Halos) und schlechteres Sehen bei Dämmerung.
  • selten Entzündungen, Infektionen, Narben oder eine dauerhaft schlechtere bestkorrigierte Sehschärfe.
  • Die Alterssichtigkeit verhindert der Laser nicht; ab Mitte 40 wird trotzdem eine Lesebrille nötig.

Eine Brillenfreiheit kann niemand garantieren. Für neuere Verfahren wie die SMILE-Technik gibt es bei Weitsichtigkeit erst wenige Langzeitstudien. Ob ein Eingriff infrage kommt, sollten Sie mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt nach gründlicher Untersuchung gemeinsam abwägen.

Linsenimplantate: phake Linse und Linsenaustausch

Bei starker Weitsichtigkeit, die der Laser nicht mehr sicher korrigiert, kommen Linsen im Auge in Betracht.

  • Phake Intraokularlinse (implantierbare Kontaktlinse): Eine zusätzliche Kunstlinse wird vor die eigene Linse gesetzt. Die eigene Linse und damit die Akkommodation bleiben erhalten. Das Verfahren eignet sich für jüngere Erwachsene bis zum Beginn der Alterssichtigkeit, setzt aber eine ausreichend tiefe Vorderkammer voraus, die gerade weitsichtigen Augen oft fehlt. Mögliche Folgen sind Verlust von Hornhautinnenzellen, Druckanstieg, Entzündung und eine frühere Linsentrübung.
  • Refraktiver Linsenaustausch: Die eigene, noch klare Linse wird wie bei der Operation des Grauen Stars gegen eine Kunstlinse getauscht. Er eignet sich vor allem für Weitsichtige ab etwa Mitte 40, die zusätzlich alterssichtig sind. Mehrstärken- oder Linsen mit erweiterter Tiefenschärfe können auch das Nahsehen verbessern, auf Kosten möglicher Lichthöfe.

Der Linsenaustausch hat bei weitsichtigen Augen einen Zusatznutzen: Die dünne Kunstlinse schafft mehr Platz in der Vorderkammer und öffnet einen engen Kammerwinkel. Er senkt so das Risiko eines Winkelblocks und gilt bei älteren Menschen mit engem Winkel und beginnendem Grauen Star als eine erste Option. Operationen an sehr kurzen Augen sind technisch schwieriger und haben ein höheres Komplikationsrisiko.

Helfen Augenübungen gegen Weitsichtigkeit?

Nein, für Augenübungen ist keine Wirkung auf die Weitsichtigkeit belegt. Die Länge des Auges lässt sich durch Training nicht verändern. Orthoptische Übungen haben ihren Platz nur in der Behandlung von Schielen und Störungen des beidäugigen Sehens, nicht als Ersatz für die Brille.

Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland und Österreich?

In Deutschland zahlt die gesetzliche Krankenkasse für Kinder und Jugendliche in der Regel die Brillengläser, für Erwachsene nur bei starker Sehschwäche. Nach Angaben der Verbraucherzentrale gelten folgende Regeln:

  • Erwachsene: Zuschuss zu Brillengläsern erst ab einer Fehlsichtigkeit von mehr als 6 dpt; Kontaktlinsen nur bei zwingender medizinischer Notwendigkeit, etwa ab 8 dpt. Die Fassung zahlt die Kasse nicht.
  • Kinder und Jugendliche: Gläser sind meist Kassenleistung; bis zum 14. Geburtstag gibt es Kunststoffgläser. Ein neuer Anspruch besteht in der Regel erst bei einer Änderung um mindestens 0,5 dpt.
  • Seit 1. März 2025 gibt es keine Festbeträge mehr; die Kassen zahlen vertraglich vereinbarte Beträge. Die gesetzliche Zuzahlung beträgt 10 %, mindestens 5 und höchstens 10 Euro.
  • Eine Bildschirmarbeitsplatzbrille zahlt unter Umständen der Arbeitgeber. Laser- und Linsenoperationen zur Brillenfreiheit zahlen die gesetzlichen Kassen in der Regel nicht.

In Österreich übernimmt die Sozialversicherung notwendige Untersuchungen und Behandlungen über die e-card, je nach Träger mit Selbstbehalt. Für Brillen gelten die Regeln des Gesamtvertrags zwischen der ÖGK und den Augenoptikern: Kinder und Jugendliche bis zum 15. Geburtstag erhalten Kunststoffbrillen in allen Stärken; bis zum 14. Geburtstag braucht es dafür eine Verordnung der Augenärztin oder des Augenarztes. Für Erwachsene gelten engere Voraussetzungen. Die genauen Beträge und Voraussetzungen erfahren Sie bei Ihrer Krankenkasse, etwa der ÖGK, oder bei einem Augenoptiker mit Kassenvertrag.

Zum Vergleich: In Großbritannien sind Sehtests für Kinder unter 16 Jahren kostenlos, und es gibt Gutscheine für Brillen; in Frankreich werden Laseroperationen von der gesetzlichen Versicherung nicht erstattet, Brillen überwiegend über Zusatzversicherungen.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (8)

Wie ist die Prognose?

Die Prognose ist gut. Mit Brille oder Kontaktlinsen lässt sich Weitsichtigkeit vollständig ausgleichen, und die meisten Betroffenen haben dann im Alltag keine Einschränkungen. Ernste Folgen betreffen vor allem kleine Kinder mit stärkerer Weitsichtigkeit und, deutlich seltener, ältere Menschen mit engem Kammerwinkel.

Wächst sich Weitsichtigkeit bei Kindern aus?

Leichte und oft auch mittlere Weitsichtigkeit nimmt bei den meisten Kindern mit dem Augenwachstum ab. Ein großer Teil verliert sich schon im ersten Lebensjahr. Kinder bis etwa zehn Jahre mit unkomplizierter leichter bis mittlerer Weitsichtigkeit brauchen meist keine Behandlung, wohl aber Kontrollen.

Stärkere Weitsichtigkeit bleibt dagegen häufig bis ins Erwachsenenalter bestehen. Kinder mit akkommodativem Einwärtsschielen behalten ihre Weitsichtigkeit meist; nur ein Teil kann die Brille später ganz ablegen. In einer amerikanischen Bevölkerungsstudie konnten etwa 8 % die Brille nach fünf Jahren absetzen, 20 % nach zehn und 37 % nach zwanzig Jahren.

Verändert sich Weitsichtigkeit im Erwachsenenalter?

Die Weitsichtigkeit selbst ändert sich bei Erwachsenen kaum, sie wird aber mit dem Alter deutlicher spürbar. Der Grund ist die abnehmende Akkommodation: Was früher unbemerkt ausgeglichen wurde, muss nun die Brille übernehmen. Wer mit 30 keine Brille brauchte, kann mit 40 eine für die Nähe und mit 50 eine für alle Entfernungen benötigen.

Ab etwa 65 Jahren kann sich die Brechkraft wieder verschieben. Ein Grauer Star im Linsenkern macht das Auge kurzsichtiger und kann die Weitsichtigkeit scheinbar verringern. Bei der Operation des Grauen Stars lässt sich die Weitsichtigkeit mit der Wahl der Kunstlinse gleich mit ausgleichen.

Welche Folgen kann eine unbehandelte Weitsichtigkeit bei Kindern haben?

Die wichtigsten Folgen sind Einwärtsschielen und Schwachsichtigkeit. Das Risiko für akkommodatives Schielen steigt mit dem Grad der Weitsichtigkeit; eine Metaanalyse fand es schon ab etwa +2 dpt erhöht. Eine Schwachsichtigkeit entsteht vor allem bei beidseitig hoher Weitsichtigkeit, bei Schielen und bei deutlichem Seitenunterschied.

Unbehandelt kann die Schwachsichtigkeit ein Leben lang bestehen bleiben. Die Sehschärfe entwickelt sich vor allem in den ersten Lebensjahren, etwa bis zum siebten Lebensjahr. Folgen sind ein eingeschränktes räumliches Sehen, schlechtere Kontrast- und Bewegungswahrnehmung und Nachteile bei Berufen, die gutes beidäugiges Sehen verlangen. Wird das bessere Auge später durch Krankheit oder Verletzung geschädigt, fehlt ein vollwertiges Ersatzauge.

Wie gut sind die Aussichten beim Schielen durch Weitsichtigkeit?

Bei rechtzeitiger Behandlung gut. In einer Studienreihe hatten 61 % der Kinder bei der ersten Vorstellung bereits eine Schwachsichtigkeit, am Ende der Behandlung nur noch 15 %. Die meisten Kinder entwickeln ein gutes beidäugiges Sehen; in einer Studie hatten 89 % ein räumliches Sehen. Wird die Behandlung verzögert, droht der Verlust des räumlichen Sehens.

Erhöht Weitsichtigkeit das Risiko für Grünen Star?

Ja, für eine bestimmte Form: das Winkelblockglaukom. Weitsichtige Augen sind kurz, die Vorderkammer ist flacher und der Kammerwinkel enger. Mit dem Alter wird die eigene Linse dicker und engt den Winkel weiter ein. Wird er verschlossen, kann das Kammerwasser nicht mehr abfließen und der Augendruck steigt.

In einer Auswertung war das Risiko für ein primäres Winkelblockglaukom bei leichter Weitsichtigkeit etwa 1,6-fach, bei mehr als +3 dpt gut dreifach erhöht. Weitere Risikofaktoren sind höheres Alter, weibliches Geschlecht, ostasiatische Herkunft und Glaukom in der Familie. In Europa macht der Winkelblock nur etwa 10 bis 20 % aller Glaukome aus; das absolute Risiko bleibt niedrig, und bei früher Erkennung ist das Erblindungsrisiko sehr gering. Die häufigere Form, das Offenwinkelglaukom, ist im Artikel Grüner Star beschrieben.

Gibt es weitere mögliche Zusammenhänge?

Einige Studien berichten über ein etwas erhöhtes Risiko für altersabhängige Makuladegeneration bei Weitsichtigen. Die spanische Fachgesellschaft zitiert dazu eine Metaanalyse; wie stark der Zusammenhang ist und ob er ursächlich ist, ist offen. Konkrete Konsequenzen für die Vorsorge ergeben sich daraus derzeit nicht über die üblichen Kontrollen hinaus.

Was bedeutet Weitsichtigkeit für Erwachsene im Alltag?

Für die meisten Erwachsenen bleibt sie eine Frage der passenden Brille. Ohne Korrektur stehen Augenermüdung und Kopfschmerzen im Vordergrund, die Leistungsfähigkeit bei Naharbeit sinkt. Insgesamt gilt Weitsichtigkeit nicht als schwerwiegend, kann ohne Korrektur aber die Lebensqualität spürbar beeinträchtigen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (5)

Kann man Weitsichtigkeit vorbeugen?

Nein, die angeborene Weitsichtigkeit lässt sich nicht verhindern, weil sie im Bau des Auges liegt und vererbt wird. Weder Ernährung noch Augentraining verändern die Augenlänge. Vorbeugen lässt sich aber ihren Folgen: Schielen, Schwachsichtigkeit und einem unerkannten engen Kammerwinkel.

Vorsorge bei Kindern nutzen

Die wichtigste Maßnahme ist, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen: in Deutschland die U-Untersuchungen, in Österreich die Untersuchungen im Eltern-Kind-Pass. Eine Schwachsichtigkeit ist umso besser behandelbar, je früher sie erkannt wird.

  • Bei Schielen, starker Fehlsichtigkeit oder Schwachsichtigkeit in der Familie das Kind früh, etwa bis zum dritten Geburtstag, augenärztlich untersuchen lassen.
  • Frühgeborene Kinder brauchen eigene Kontrollen nach Absprache mit der Klinik.
  • Vor der Einschulung ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll, auch wenn das Kind keine Beschwerden äußert.
  • Bei bekannter Weitsichtigkeit die Kontrolltermine einhalten, meist jährlich oder nach Vorgabe.

Wie hilft man Kindern, die Brille zu tragen?

Am besten, indem man das Kind die Brille mitaussuchen lässt und auf einen guten Sitz achtet. Eine verrutschte Brille sieht man daran, dass das Kind über den Rand schaut. Kinder gewöhnen sich meist schnell, wenn sie merken, dass Lesen und Spielen leichter fallen.

Hilfreich ist es, Erzieherinnen und Lehrkräfte zu informieren, damit sie auf das Tragen achten. Werden Kinder wegen der Brille gehänselt, lohnt ein offenes Gespräch. Bei Schielen ist die Brille ganztags nötig; ein Absetzen „zur Erholung“ schadet eher.

Regelmäßige Kontrollen als Erwachsener

Weitsichtige sollten sich spätestens ab etwa 40 Jahren regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen. Dabei geht es um die passende Brille, aber auch um den Augendruck und den Kammerwinkel. Ist der Winkel eng, kann eine vorbeugende Laseröffnung der Regenbogenhaut (Iridotomie) oder später ein Linsenaustausch einen Glaukomanfall verhindern.

Wer weiß, dass sein Kammerwinkel eng ist, sollte das bei jedem Arztbesuch erwähnen. Einige Medikamente können die Pupille erweitern und bei engem Winkel einen Anfall auslösen, zum Beispiel bestimmte Mittel gegen Erkältung, Allergien, Übelkeit, Depressionen oder Blasenbeschwerden. Fragen Sie im Zweifel in der Apotheke oder ärztlich nach. Ist bereits eine Iridotomie oder eine Operation des Grauen Stars erfolgt, ist das Risiko deutlich geringer; lassen Sie sich das im Befund vermerken.

Was hilft bei Bildschirmarbeit?

Am meisten hilft eine passende Brille für die Arbeitsentfernung. In Deutschland müssen Arbeitgeber Beschäftigten an Bildschirmarbeitsplätzen regelmäßige Augenuntersuchungen anbieten; eine spezielle Bildschirmbrille zahlt unter Umständen der Arbeitgeber.

  • regelmäßige Pausen und bewusster Blick in die Ferne entlasten den Ziliarmuskel
  • gute, blendfreie Beleuchtung und ein ausreichender Abstand zum Bildschirm
  • bewusst blinzeln, wenn die Augen brennen
  • die Brille auch wirklich bei der Naharbeit tragen, nicht nur bei Beschwerden

Pausen und Ergonomie lindern Beschwerden, ändern aber nichts an der Weitsichtigkeit selbst. Bleiben müde Augen und Kopfschmerzen trotz Brille, sollte die Stärke überprüft werden.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (3)

Weitsichtigkeit selbst ist kein Notfall. Bei Weitsichtigen kann aber ein akuter Glaukomanfall auftreten, und bei Kindern gibt es Zeichen, die rasch abgeklärt werden müssen. Hier eine Orientierung:

Sofort zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Augenklinik

Sofort, ohne Abwarten, bei Zeichen eines akuten Glaukomanfalls:

  • plötzliche starke Schmerzen in einem Auge oder Kopfschmerzen auf einer Seite, oft mit hartem, rotem Auge
  • Übelkeit und Erbrechen zusammen mit Augen- oder Kopfschmerzen
  • plötzlich verschwommenes oder nebliges Sehen, farbige Ringe um Lichter
  • eine mittelweite Pupille, die nicht mehr auf Licht reagiert

Diese Zeichen sprechen für einen akuten Glaukomanfall. Der Augendruck steigt dabei auf ein Mehrfaches des Normalwerts, oft auf 50 bis 80 mmHg. Ohne rasche Behandlung kann das Auge innerhalb von Stunden bleibend geschädigt werden.

Auslöser sind oft Dunkelheit, Stress oder pupillenerweiternde Medikamente. Wegen Übelkeit und Erbrechen wird der Anfall manchmal mit einer Magen-Darm-Erkrankung verwechselt. Ist keine Augenarztpraxis oder Augenklinik erreichbar, wählen Sie den Notruf 112 (Österreich: 144). Weitere Warnzeichen finden Sie unter Notfall am Auge.

Innerhalb weniger Tage untersuchen lassen

Zeitnah, also innerhalb weniger Tage, sollten folgende Zeichen augenärztlich abgeklärt werden:

  • ein Kind, das neu oder zunehmend schielt, besonders ab einem Alter von sechs Monaten
  • ein Schulkind, bei dem neu ein Schielen auftritt; hier ist oft auch eine neurologische Abklärung nötig
  • eine schiefe Kopfhaltung oder ein Augenzittern bei einem Kind
  • eine neu bemerkte Weitsichtigkeit auf nur einem Auge oder eine rasch zunehmende Weitsichtigkeit
  • Kopfschmerzen mit vorübergehenden Sehstörungen; sie können auf einen erhöhten Hirndruck hinweisen
  • verzerrtes Sehen oder ein Fleck in der Mitte des Gesichtsfelds

Sofort, am selben Tag, gehört ein Säugling zur Augenärztin oder zum Augenarzt, wenn die Pupille weißlich aufleuchtet oder wenn ein Auge vergrößert und trüb wirkt. Das kann auf einen Netzhauttumor oder ein angeborenes Glaukom hinweisen.

Ebenfalls am selben Tag abklären lassen sollten Erwachsene plötzlich auftretende Doppelbilder oder ein plötzlich schielendes Auge. Ursache kann eine Lähmung eines Augenmuskelnervs sein, etwa durch eine Durchblutungsstörung. Kommen Lähmungen, Sprachstörungen, Taubheitsgefühl oder sehr starke Kopfschmerzen hinzu, wählen Sie sofort den Notruf 112 (Österreich: 144).

Einen regulären Termin vereinbaren

Ein regulärer Termin genügt bei den typischen Beschwerden einer Weitsichtigkeit:

  • müde Augen, Brennen oder Kopfschmerzen nach dem Lesen oder am Bildschirm
  • Unschärfe in der Nähe vor dem 40. Lebensjahr oder eine Lesebrille, die nicht mehr reicht
  • Lesemüdigkeit, Augenreiben oder Konzentrationsprobleme bei einem Kind
  • Weitsichtigkeit in der Familie und ein Kind, das noch nie augenärztlich untersucht wurde
  • Weitsichtige ab etwa 40 Jahren, deren Kammerwinkel noch nie beurteilt wurde

Nach pupillenerweiternden Tropfen nicht selbst Auto fahren. Treten nach solchen Tropfen Augenschmerzen, Übelkeit oder Nebelsehen auf, sofort die Praxis oder eine Augenklinik informieren.

9 Häufige Fragen

Ist Weitsichtigkeit dasselbe wie Alterssichtigkeit?

Nein. Weitsichtigkeit liegt im Bau des Auges, meist ist es zu kurz, und sie besteht von Geburt an. Alterssichtigkeit entsteht bei allen Menschen ab etwa 40 bis 45 Jahren, weil die Linse steifer wird. Weitsichtige spüren die Alterssichtigkeit früher, weil sie ihre Akkommodation schon für den Ausgleich der Weitsichtigkeit verbrauchen. Reine Alterssichtige sehen in der Ferne gut, Weitsichtige ab mittlerem Alter oft auch dort unscharf.

Warum sehe ich in der Ferne gut, aber in der Nähe schlecht?

Weil Ihr Auge die Weitsichtigkeit für die Ferne noch mit Anstrengung ausgleichen kann, für die Nähe aber nicht mehr. Beim Nahsehen braucht jedes Auge zusätzliche Akkommodation; beim weitsichtigen Auge kommt der Ausgleich der Weitsichtigkeit hinzu. Reicht die Reserve nicht, verschwimmt die Schrift. Mit dem Alter wird oft auch die Ferne unscharf.

Kann Weitsichtigkeit Kopfschmerzen verursachen?

Ja. Die ständige Anspannung des Ziliarmuskels führt häufig zu Kopfschmerzen an Stirn, Schläfen oder hinter den Augen, meist nach dem Lesen, nach Bildschirmarbeit oder am Abend. Oft kommen müde, brennende Augen hinzu. Eine passende Brille lindert solche Kopfschmerzen häufig. Plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen mit rotem Auge oder Übelkeit sind dagegen ein Notfall.

Wächst sich Weitsichtigkeit bei Kindern aus?

Bei leichter und oft auch bei mittlerer Weitsichtigkeit ja: Das Auge wächst in den ersten Lebensjahren in die Länge, die Weitsichtigkeit nimmt dabei ab. Werte bis etwa +2 bis +3 dpt sind bei Kleinkindern normal. Stärkere Weitsichtigkeit bleibt dagegen oft bestehen, ebenso eine, die bis ins Jugendalter anhält. Deshalb sind Kontrollen bei der Augenärztin oder beim Augenarzt wichtig.

Braucht mein weitsichtiges Kind eine Brille?

Nicht immer. Eine Brille ist nötig bei Schielen, deutlichem Unterschied zwischen beiden Augen, verminderter Sehschärfe, Beschwerden oder höherer Weitsichtigkeit, bei Vorschulkindern etwa ab +3 dpt. Leichte Weitsichtigkeit ohne Auffälligkeiten wird meist nur beobachtet. Ob eine Brille Schielen oder Schwachsichtigkeit vorbeugt, ist nicht sicher belegt; bei bestehendem Schielen ist sie aber die wichtigste Behandlung.

Warum bekommt mein Kind beim Augenarzt Tropfen?

Die Tropfen schalten das Scharfstellen vorübergehend aus. Nur so lässt sich die ganze Weitsichtigkeit messen, denn Kinder gleichen einen großen Teil unbemerkt aus. Danach sieht das Kind einige Stunden unscharf und ist lichtempfindlich, bei manchen Wirkstoffen auch länger. Die Wirkung geht vollständig zurück.

Kann man Weitsichtigkeit lasern lassen?

Ja, bei Erwachsenen ab 18 Jahren mit stabiler Brillenstärke, ausreichend dicker Hornhaut und gesunden Augen. Am besten eignet sich eine mittlere Weitsichtigkeit. Das Ergebnis ist weniger vorhersagbar als bei Kurzsichtigkeit, die Korrektur kann sich teilweise zurückbilden, und die Alterssichtigkeit verhindert der Laser nicht. Die Kosten tragen Sie in Deutschland und Österreich in der Regel selbst. Bei starker Weitsichtigkeit kommen eher Linsenimplantate infrage.

Haben Weitsichtige ein höheres Risiko für Grünen Star?

Für eine bestimmte Form ja: das Winkelblockglaukom. Kurze, weitsichtige Augen haben oft einen engen Kammerwinkel, der sich im Alter weiter verengt. Das absolute Risiko ist gering, aber Weitsichtige sollten ab etwa 40 Jahren regelmäßig Augendruck und Kammerwinkel kontrollieren lassen. Bei engem Winkel kann eine vorbeugende Laserbehandlung sinnvoll sein.

Wird Weitsichtigkeit im Alter schlimmer?

Das Auge selbst ändert sich kaum, aber die Weitsichtigkeit wird sichtbarer. Mit dem Alter lässt die Akkommodation nach, und der Teil, den der Muskel früher unbemerkt ausgeglichen hat, muss nun die Brille übernehmen. Etwa zwischen 45 und 65 Jahren ist die Weitsichtigkeit meist vollständig aufgedeckt. Später kann ein beginnender Grauer Star sie wieder verringern.

Macht eine Brille die Augen schwächer?

Dafür gibt es keinen Beleg. Viele haben den Eindruck, weil sie nach dem Absetzen der Brille merken, wie anstrengend das Sehen ohne sie ist. Bei Erwachsenen mit verborgener Weitsichtigkeit entspannt sich der Muskel mit Brille allmählich, sodass mit der Zeit manchmal eine etwas stärkere Brille nötig wird. Das ist keine Verschlechterung, sondern die Aufdeckung der tatsächlichen Weitsichtigkeit.

Zahlt die Krankenkasse die Brille bei Weitsichtigkeit?

In Deutschland zahlt die gesetzliche Kasse Brillengläser für Kinder und Jugendliche in der Regel, für Erwachsene erst ab mehr als 6 dpt; die Fassung wird nicht übernommen. In Österreich gelten die Regeln des Gesamtvertrags Augenoptik, Kinder bis zum 15. Geburtstag erhalten Kunststoffgläser auf Kassenkosten. Die genauen Beträge erfahren Sie bei Ihrer Krankenkasse oder beim Augenoptiker.

Kann man Weitsichtigkeit mit Augentraining heilen?

Nein. Weitsichtigkeit beruht meist auf einer zu kurzen Augenlänge, und die lässt sich durch Übungen nicht verändern. Orthoptische Übungen werden nur bei Schielen oder Störungen des beidäugigen Sehens eingesetzt. Gegen müde Augen helfen eine passende Brille und Pausen bei der Naharbeit.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 27 Quellen anzeigen
  1. Weitsichtigkeit (Hyperopie) – IQWiG, gesundheitsinformation.de (DE)
  2. Weitsichtigkeit (Hyperopie) – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), augeninfo.de (DE)
  3. Weitsichtigkeit (Hyperopie, Hypermetropie) – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
  4. Amblyopie bei Kindern – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
  5. Neue Brille? Krankenkasse zahlt nur in Ausnahmefällen – Verbraucherzentrale (DE)
  6. Festbeträge für Hilfsmittel (Sehhilfen: Aufhebung zum 1. März 2025) – GKV-Spitzenverband (DE)
  7. Gesamtvertrag über Kontaktlinsen, Kunststoffbrillen und vergrößernde Sehhilfen (ÖGK – Bundesinnung der Augenoptiker, 2022) – Österreichische Gesundheitskasse / Wirtschaftskammer Österreich (DE)
  8. Are Medications Triggering Acute Angle Closure? (EyeNet, März 2023) – American Academy of Ophthalmology (EN)
  9. Hyperopia (Farsightedness) – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
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  21. Existe-t-il des formes de presbytie précoce ? – Allodocteurs (FR)
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  26. Detección de alteraciones visuales en la infancia (Form Act Pediatr Aten Prim 2011;4(2):111-5) – AEPap, Grupo PrevInfad/PAPPS (ES)
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