Zum Inhalt springen
augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Fehlsichtigkeit

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Bei einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) ist die Hornhaut nicht gleichmäßig rund, sondern eher oval gewölbt, sodass man in der Nähe und in der Ferne unscharf und leicht verzerrt sieht. Sie ist meist angeboren, sehr häufig und lässt sich mit Brille, Kontaktlinsen oder Operation gut ausgleichen; bei Kindern muss sie früh erkannt werden, damit kein Auge schwachsichtig wird.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 38 Minuten · 34 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (5)

Was ist eine Hornhautverkrümmung?

Eine Hornhautverkrümmung ist eine Fehlsichtigkeit, bei der die Hornhaut nicht gleichmäßig wie eine Kugel gewölbt ist, sondern in einer Richtung stärker als in der anderen. Dadurch wird einfallendes Licht nicht in einem Punkt auf der Netzhaut gebündelt, sondern in zwei getrennten Brennlinien. Ein Punkt erscheint dann als kurzer Strich oder Stab, daher der alte Name Stabsichtigkeit. Der Fachbegriff Astigmatismus kommt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „ohne Punkt“.

Bildhaft gesprochen ist eine normale Hornhaut geformt wie die Oberfläche eines Fußballs, eine astigmatische eher wie die eines Rugbyballs oder einer Mandarine statt einer Orange. Die Hornhaut liefert etwa zwei Drittel der gesamten Brechkraft des Auges. Schon kleine Formabweichungen machen sich deshalb beim Sehen bemerkbar. Seltener liegt die Ursache in der Augenlinse.

Welche Formen gibt es?

Man unterscheidet den häufigen regulären und den selteneren irregulären Astigmatismus. Beim regulären Astigmatismus stehen die Richtung der stärksten und der schwächsten Krümmung im rechten Winkel zueinander. Diese Form ist meist angeboren und lässt sich mit Brille oder Kontaktlinsen gut ausgleichen.

Beim irregulären Astigmatismus ist die Hornhautoberfläche unregelmäßig verformt, etwa durch Narben, Verletzungen oder einen Keratokonus, eine fortschreitende kegelförmige Vorwölbung der Hornhaut. Eine Brille kann diese Unregelmäßigkeiten nur unvollständig ausgleichen. Hier helfen vor allem formstabile Kontaktlinsen. Der Keratokonus hat einen eigenen Artikel und wird hier nur am Rande behandelt.

Wie häufig ist eine Hornhautverkrümmung?

Eine Hornhautverkrümmung ist die häufigste Fehlsichtigkeit überhaupt. Eine große Auswertung von 163 Studien ergab weltweit bei etwa 15 % der Kinder und rund 40 % der Erwachsenen über 30 Jahre einen Astigmatismus von mehr als 0,5 Dioptrien, in Europa bei knapp 40 % der Erwachsenen. In Deutschland hat schätzungsweise ein Drittel der Erwachsenen einen merkbaren Astigmatismus. In der Gutenberg-Gesundheitsstudie aus Mainz hatten etwa 12 bis 13 % der Augen von 35- bis 74-Jährigen mehr als 1 Dioptrie.

Die meisten Menschen haben einen kleinen Astigmatismus von 0,5 bis 0,75 Dioptrien, der keine Beschwerden macht. Für Österreich liegen keine eigenen Zahlen vor; man geht von ähnlichen Werten wie in Deutschland aus.

Ist eine Hornhautverkrümmung eine Krankheit?

Eine reguläre Hornhautverkrümmung ist keine Augenkrankheit im engeren Sinn, sondern ein optischer Fehler wie Kurz- oder Weitsichtigkeit. Sie tritt oft gemeinsam mit Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit auf. Anders ist es beim irregulären Astigmatismus: Hinter ihm steckt meist eine Erkrankung oder Verletzung der Hornhaut, die selbst behandelt werden muss.

Wie wird sie behandelt?

Ein leichter Astigmatismus bis etwa 0,5 Dioptrien braucht meist keine Behandlung. Stärkere Formen werden mit einer Brille mit torischen Gläsern (Zylindergläsern) oder mit Kontaktlinsen ausgeglichen. Erwachsene können die Hornhaut mit dem Laser umformen lassen oder eine Linse ins Auge einsetzen lassen. Bei der Operation des Grauen Stars kann eine torische Kunstlinse den Astigmatismus gleich mit korrigieren.

Besonders wichtig ist die Früherkennung bei Kindern. Ein unbehandelter, stärkerer Astigmatismus kann dazu führen, dass sich die Sehschärfe eines oder beider Augen nicht richtig entwickelt.

2 Symptome

In diesem Kapitel (16)

Welche Beschwerden sind typisch?

Typisch ist unscharfes und leicht verzerrtes Sehen in der Nähe und in der Ferne, oft zusammen mit müden Augen und Kopfschmerzen. Wie stark die Beschwerden sind, hängt vor allem von der Stärke des Astigmatismus ab. Ein leichter Astigmatismus bleibt oft ganz unbemerkt. Keines der Symptome ist allein beweisend; die Ursache klärt erst die augenärztliche Untersuchung.

Die wichtigsten Beschwerden im Überblick:

  • Unscharfes Sehen in allen Entfernungen, beim Lesen ebenso wie beim Blick in die Ferne
  • Verzerrtes Sehen: Dinge wirken in eine Richtung gestreckt oder in die Länge gezogen
  • Schatten oder Doppelkonturen, etwa graue Ränder hinter schwarzer Schrift
  • Verwechseln ähnlicher Buchstaben und Ziffern
  • Kopfschmerzen, oft an der Stirn und eher am Abend
  • Müde, brennende oder schmerzende Augen und ein Schweregefühl
  • Zusammenkneifen der Augen, um schärfer zu sehen
  • Schlechteres Sehen bei Nacht mit Lichthöfen und Blendung
  • Blendempfindlichkeit bei hellem Licht
  • Mühe beim Fokussieren, vorübergehendes Verschwimmen, Konzentrationsprobleme

Wie fühlt sich das unscharfe und verzerrte Sehen an?

Die Unschärfe betrifft vor allem eine Richtung, zum Beispiel senkrechte oder waagerechte Linien, je nachdem, in welcher Achse die Hornhaut stärker gekrümmt ist. Viele Betroffene beschreiben, dass senkrechte Striche scharf und waagerechte verwaschen erscheinen oder umgekehrt. Ein Punkt, etwa ein Stern am Nachthimmel oder ein i-Punkt, kann als kleiner Strich wirken. Bei schräger Achse sind diagonale Linien betroffen.

Häufig beschreiben Menschen ihr Sehen als „nie ganz scharf“, „ungenau“ oder „wie leicht verrutscht“. Schwarze Schrift auf weißem Grund kann einen grauen Schatten oder eine zweite, blasse Kontur haben. Gerade Kanten, etwa Türrahmen oder Tabellenlinien, wirken manchmal leicht schief oder unterschiedlich dick. Wer zusätzlich kurzsichtig ist, sieht in der Nähe oft noch recht gut, darüber hinaus aber zunehmend verzerrt.

Warum verwechselt man Buchstaben und Ziffern?

Weil Linien in einer Richtung verschwimmen, verschmelzen Buchstaben und Ziffern, die sich nur in einzelnen Strichen unterscheiden. Typisch sind Verwechslungen von H, M und N, von O, D und Q, von E und B sowie von 8 und 0 oder 6 und 9. Beim Lesen von Kleingedrucktem, Fahrplänen oder Zahlenkolonnen fällt das besonders auf. Bei Kindern kann es fälschlich wie eine Lese- oder Rechtschreibschwäche wirken.

Warum macht eine Hornhautverkrümmung Kopfschmerzen?

Die Kopfschmerzen entstehen, weil das Auge dauernd versucht, das unscharfe Bild scharf zu stellen, und dabei die Augenmuskeln angespannt bleiben. Diese Anstrengung nennen Fachleute Asthenopie (Überanstrengung der Augen). Die Schmerzen sitzen oft an der Stirn oder hinter den Augen. Sie nehmen meist im Lauf des Tages zu und sind abends am stärksten.

Besonders nach langer Konzentration, etwa nach Stunden am Bildschirm, beim Lesen oder bei längeren Autofahrten, berichten Betroffene über müde, brennende oder schwere Augen. Manche fühlen sich insgesamt erschöpft oder schläfrig, selten kommt Übelkeit dazu. Der Bildschirm verursacht den Astigmatismus nicht, macht ihn aber durch die lange Naharbeit oft erst spürbar. Bessern sich die Kopfschmerzen mit einer passenden Brille, ist das ein guter Hinweis auf den Zusammenhang.

Wie verändert sich das Sehen bei Nacht?

Bei Dunkelheit sehen viele Menschen mit Astigmatismus schlechter, und Lichter bekommen Strahlen, Lichthöfe (Halos) oder Schweife. Nachts ist die Pupille weit, dadurch fällt Licht auch durch die Randbereiche der Hornhaut, und der Abbildungsfehler wirkt stärker. Scheinwerfer entgegenkommender Autos, Straßenlaternen und Ampeln erscheinen dann ausgefranst oder sternförmig. Autofahren in der Dunkelheit und bei Regen wird als besonders anstrengend erlebt.

Auch tagsüber kann helles Licht blenden, etwa Sonne auf nasser Straße oder Schnee. Wer bemerkt, dass nachts die Sicherheit beim Fahren nachlässt, sollte das bei der nächsten Untersuchung ansprechen. Halos und Blendung können allerdings auch andere Ursachen haben, zum Beispiel einen beginnenden Grauen Star.

Warum kneift man die Augen zusammen?

Durch Zusammenkneifen entsteht eine Art Schlitzblende, die die Randstrahlen abschneidet und das Bild kurzfristig schärfer macht. Viele tun das unbewusst, beim Fernsehen, an der Tafel oder beim Lesen von Schildern. Angehörigen fällt das oft früher auf als den Betroffenen selbst. Manche neigen auch den Kopf oder schauen etwas schräg, um die Unschärfe auszugleichen.

Schwankt das Sehen im Tagesverlauf?

Ja, Stärke und Achse eines Astigmatismus können im Laufe des Tages leicht schwanken. Gründe sind der Druck der Lider auf die Hornhaut, der Zug der Augenmuskeln, die Pupillengröße und der Zustand des Tränenfilms. Ist die Augenoberfläche trocken, wird das Bild zusätzlich unruhiger. Viele merken deshalb, dass das Sehen morgens besser ist als abends oder nach langer Bildschirmarbeit.

Bei einem trockenen Auge wird die Oberfläche der Hornhaut unregelmäßig, was wie ein zusätzlicher Astigmatismus wirken kann. Ein Blinzeln bessert das Bild dann kurz. Diese Schwankungen sind auch ein Grund, warum Messungen vor Operationen oft an verschiedenen Tagen wiederholt werden.

Worin unterscheidet sich das von Kurz- und Weitsichtigkeit?

Anders als Kurz- oder Weitsichtigkeit macht eine Hornhautverkrümmung in jeder Entfernung unscharf und zusätzlich verzerrt. Häufig kommen die Fehlsichtigkeiten zusammen vor, die Beschwerden mischen sich dann.

FehlsichtigkeitFerneNäheBesonderheit
Hornhautverkrümmungunscharf, verzerrtunscharf, verzerrtUnschärfe in einer Richtung, Punkte werden zu Strichen
Kurzsichtigkeitunscharfmeist scharfAugapfel meist zu lang
Weitsichtigkeitoft scharf, in jungen Jahren durch Anstrengungunscharf, anstrengendAugapfel meist zu kurz
Alterssichtigkeitscharf (ohne andere Fehlsichtigkeit)unscharfLinse wird ab etwa 45 Jahren steifer

Ab welcher Stärke merkt man etwas?

Die meisten Menschen bemerken einen Astigmatismus erst ab etwa 0,75 bis 1 Dioptrie, stärkere Formen fast immer. Die Grenzen sind fließend und hängen auch davon ab, wie viel jemand liest, ob er nachts fährt und wie die Achse liegt. Ein schräger Astigmatismus stört oft mehr als ein gleich starker senkrechter oder waagerechter. Die folgende Einteilung ist eine grobe Orientierung; Fachgesellschaften und Lehrbücher setzen die Grenzen leicht unterschiedlich.

Stärke (Zylinder)EinordnungTypische Beschwerden
bis 0,5 dptphysiologisch, normalmeist keine
0,5 bis 1 dptgeringoft keine, manchmal müde Augen oder leichte Unschärfe beim Lesen und nachts
1 bis 3 dptmitteldeutliche Unschärfe und Verzerrung, Kopfschmerzen, Blendung
über 3 dpthochohne Korrektur stark eingeschränktes Sehen; bei Kindern hohes Risiko für Schwachsichtigkeit

Woran erkennt man eine Hornhautverkrümmung bei Babys und Kleinkindern?

Bei Babys und Kleinkindern erkennt man eine Hornhautverkrümmung meist gar nicht von außen; sie wird bei Vorsorge oder Sehtest gefunden. Kinder kennen kein anderes Sehen, beschweren sich deshalb nicht und merken selbst nicht, dass sie unscharf sehen. Ein leichter Astigmatismus ist bei Säuglingen sogar normal: Etwa 40 % der Neugeborenen haben rund 1 Dioptrie, die sich meist bis zum ersten Geburtstag zurückbildet. Bei Frühgeborenen ist er häufiger.

Mögliche Hinweise bei kleinen Kindern sind:

  • häufiges Stolpern, Anstoßen oder Danebengreifen
  • Dinge werden sehr dicht vor die Augen gehalten
  • das Kind sitzt auffallend nah am Fernseher
  • Zusammenkneifen der Augen oder schiefe Kopfhaltung
  • wenig Interesse an Bilderbüchern oder Puzzles
  • ein Auge weicht ab (Schielen)

Ein beidseitiger hoher Astigmatismus kann die Entwicklung der Hand-Auge-Koordination und der Motorik verzögern. Diese Anzeichen sind allerdings unspezifisch und können viele Ursachen haben.

Welche Anzeichen gibt es bei Schulkindern?

Bei Schulkindern zeigt sich ein Astigmatismus oft indirekt über Probleme beim Lesen, Schreiben und an der Tafel. Typische Beobachtungen von Eltern und Lehrkräften sind:

  • Schwierigkeiten, die Tafel oder das Whiteboard zu lesen
  • Verwechseln ähnlicher Buchstaben und Zahlen
  • Schreiben über die Zeilen hinaus oder schiefe Schrift
  • Kopfschmerzen nach der Schule oder nach den Hausaufgaben
  • schnelle Ermüdung, Lustlosigkeit beim Lesen, Konzentrationsprobleme
  • Lichtempfindlichkeit
  • schlechtere Leistungen in Schule und Ballsport, ohne erkennbaren Grund

Viele Kinder passen sich so gut an, dass der Sehfehler lange unentdeckt bleibt. Eine Brille kann Leseverhalten und Konzentration deutlich verbessern. Bei Lernproblemen sollte deshalb immer auch an die Augen gedacht werden.

Was können Angehörige bemerken?

Angehörige bemerken häufig das Zusammenkneifen der Augen, eine schiefe Kopfhaltung oder dass jemand Bücher und Handys ungewöhnlich nah ans Gesicht hält. Auch häufiges Augenreiben, Klagen über Kopfschmerzen am Abend oder Unsicherheit beim Autofahren in der Dämmerung fallen auf. Bei älteren Menschen kann sich ein schlechteres Sehen als Rückzug vom Lesen oder vom abendlichen Autofahren zeigen. Solche Beobachtungen sind ein guter Anlass für eine augenärztliche Untersuchung.

Was ist bei einem einseitigen Astigmatismus anders?

Ist nur ein Auge stärker betroffen, bemerken Betroffene oft gar nichts, weil das bessere Auge die Arbeit übernimmt. Gerade das ist bei Kindern gefährlich: Das Gehirn blendet das unscharfe Bild des schwächeren Auges auf Dauer aus. Dann entwickelt sich eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie), auch „faules Auge“ genannt. Weil das Kind mit beiden Augen offen normal wirkt, wird sie oft spät entdeckt.

Erwachsene mit einseitigem Astigmatismus bemerken den Unterschied manchmal erst zufällig, etwa wenn sie ein Auge zuhalten. Ein einfacher Selbstvergleich, abwechselnd mit dem rechten und linken Auge, kann Hinweise geben, ersetzt aber keine Messung.

Wie zeigt sich eine Hornhautverkrümmung im Alter?

Mit dem Alter verändert sich die Hornhaut, und viele Menschen ab etwa 40 Jahren bemerken eine neue oder veränderte Verzerrung. Die Achse dreht sich häufig: Aus dem bei Jüngeren typischen Astigmatismus „nach der Regel“ wird einer „gegen die Regel“. Gleichzeitig setzt die Alterssichtigkeit ein, sodass sich zwei Ursachen für unscharfes Lesen überlagern. Eine ältere Brille passt dann oft nicht mehr gut.

Ein beginnender Grauer Star kann den Astigmatismus verstärken oder abschwächen, weil sich die Brechkraft der Linse verändert. Vor einer Katarakt-Operation hat etwa ein Drittel bis 40 % der Patientinnen und Patienten einen Hornhautastigmatismus von mehr als 1 Dioptrie. Plötzlich neue Verzerrungen im Alter sind allerdings ein Warnzeichen für die Makula und kein typisches Zeichen einer Hornhautverkrümmung.

Welche Beschwerden macht ein irregulärer Astigmatismus?

Ein irregulärer Astigmatismus verursacht oft Mehrfachbilder, Schlieren und eine Unschärfe, die sich mit der Brille nicht vollständig beheben lässt. Betroffene sehen einzelne Lichtquellen manchmal drei- oder mehrfach (Polyopie), meist nur mit einem Auge. Die Brillenstärke muss häufig angepasst werden, und trotzdem wird das Sehen nicht mehr richtig scharf. Typisch ist, dass das Sehen mit einer formstabilen Kontaktlinse deutlich besser wird.

Ein Astigmatismus, der bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen innerhalb kurzer Zeit zunimmt, ist ein Hinweis auf einen Keratokonus. Dann ist eine genaue Vermessung der Hornhaut nötig, weil sich das Fortschreiten heute behandeln lässt.

Welche Beschwerden deuten eher auf etwas anderes hin?

Eine Hornhautverkrümmung entwickelt sich langsam und schmerzlos; plötzliche Veränderungen sprechen für eine andere Ursache. Folgende Beschwerden passen nicht zum gewöhnlichen Astigmatismus und gehören rasch abgeklärt, Lichtblitze, ein Vorhang, plötzliche Verzerrungen und ein rotes, schmerzendes Auge noch am selben Tag (siehe „Wann sofort zum Arzt?“):

  • plötzlich verzogene oder gewellte Linien, besonders im Alter, mit einem Auge
  • ein dunkler Fleck oder Schatten in der Mitte des Gesichtsfelds
  • Lichtblitze, ein Vorhang oder viele neue schwarze Punkte
  • Schmerzen, Rötung und Lichtscheu, vor allem unter Kontaktlinsen
  • echte Doppelbilder, die beim Zuhalten eines Auges verschwinden
  • eine rasche Sehverschlechterung über Tage oder Wochen

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (9)

Wie entsteht das unscharfe Bild?

Das unscharfe Bild entsteht, weil die Hornhaut in einer Richtung stärker gekrümmt ist als in der dazu senkrechten und das Licht deshalb in zwei Ebenen unterschiedlich stark bricht. Statt eines Brennpunkts entstehen zwei Brennlinien, eine vor und eine hinter der anderen. Zwischen ihnen liegt ein Bereich, in dem das Bild am wenigsten verzerrt ist. Optiker sprechen vom Sturmschen Konoid.

Je nachdem, wo die Brennlinien liegen, unterscheidet man drei Formen:

  • einfacher Astigmatismus: eine Brennlinie liegt auf der Netzhaut, die andere davor oder dahinter
  • zusammengesetzter Astigmatismus: beide liegen vor der Netzhaut (kurzsichtig) oder beide dahinter (weitsichtig); der zusammengesetzte kurzsichtige Astigmatismus ist am häufigsten
  • gemischter Astigmatismus: eine liegt davor, eine dahinter

Was bedeutet nach der Regel und gegen die Regel?

Die Begriffe beschreiben, in welcher Richtung die Hornhaut stärker gekrümmt ist. Beim Astigmatismus nach der Regel ist sie senkrecht stärker gewölbt; das ist die häufigste Form bei Kindern und jüngeren Erwachsenen. Beim Astigmatismus gegen die Regel ist sie waagerecht stärker gewölbt; diese Form nimmt mit dem Alter zu. Liegt die Achse dazwischen, spricht man von einem schrägen Astigmatismus.

Ist eine Hornhautverkrümmung angeboren?

Der reguläre Astigmatismus ist meist angeboren, und Erbanlagen spielen eine wichtige Rolle. Kinder von Eltern mit Hornhautverkrümmung haben ein höheres Risiko, selbst eine zu entwickeln. Welche Gene genau beteiligt sind, ist nicht vollständig geklärt. Oft tritt der Astigmatismus gemeinsam mit einer Kurz- oder Weitsichtigkeit auf; ein ganz alleinstehender Astigmatismus ist eher selten.

Welche Rolle spielen die Augenlider?

Die Augenlider drücken bei jedem Lidschlag leicht auf die Hornhaut und beeinflussen so ihre Form. Ein straffes Oberlid steilt die Hornhaut senkrecht auf, was zum Astigmatismus nach der Regel beiträgt. Lidveränderungen wie ein hängendes Oberlid (Ptosis), ein großes Hagelkorn oder ein Lidtumor können einen Astigmatismus verursachen oder verstärken. Bei manchen angeborenen Syndromen mit schräg stehender Lidspalte, etwa dem Down-Syndrom, tritt häufiger ein schräger Astigmatismus auf.

Wodurch entsteht ein irregulärer Astigmatismus?

Ein irregulärer Astigmatismus entsteht meist im Lauf des Lebens durch eine Erkrankung, Verletzung oder Operation der Hornhaut. Mögliche Ursachen sind:

  • Keratokonus und verwandte Hornhautverdünnungen (etwa die pelluzide marginale Degeneration)
  • Hornhautnarben nach Verletzungen oder nach einer Hornhautentzündung, zum Beispiel durch Herpes am Auge
  • Hornhautdystrophien und Hornhautschwellung
  • Flügelfell, eine Bindehautwucherung, die auf die Hornhaut wächst
  • Augenoperationen, etwa Hornhauttransplantation, Katarakt- oder Glaukomoperation und frühere refraktive Eingriffe
  • Verformung durch Kontaktlinsen, besonders nach langem Tragen harter Linsen

Kann auch die Augenlinse schuld sein?

Ja, seltener entsteht ein Astigmatismus in der Augenlinse statt in der Hornhaut. Man spricht dann von einem inneren oder lentikulären Astigmatismus. Ursachen sind eine schräg stehende oder verrutschte Linse, eine beginnende Linsentrübung oder eine angeborene Vorwölbung der Linse (Lentikonus). Französische Fachautoren empfehlen, einen deutlichen inneren Astigmatismus genauer abzuklären, weil er auf weitere Augen- oder Allgemeinerkrankungen hinweisen kann.

Wie verändert sich die Hornhaut im Lauf des Lebens?

Die Hornhaut ist in der frühen Kindheit steil, flacht bis zum Erwachsenenalter ab, bleibt dann lange stabil und steilt sich ab etwa 40 Jahren waagerecht auf. Die Phasen im Überblick:

  • 0 bis 4 Jahre: steile Hornhaut, häufig Astigmatismus, der sich im ersten Lebensjahr oft zurückbildet
  • 4 bis 18 Jahre: die Hornhaut flacht ab, der Astigmatismus nimmt eher ab
  • 18 bis 40 Jahre: weitgehend stabil, meist leicht nach der Regel
  • ab etwa 40 Jahren: die Hornhaut steilt sich waagerecht auf, der Astigmatismus verschiebt sich gegen die Regel

Machen Bildschirme oder Lesen bei schlechtem Licht eine Hornhautverkrümmung?

Nein, Bildschirmarbeit, Handynutzung, Fernsehen oder Lesen bei schlechtem Licht verursachen keine Hornhautverkrümmung und verschlechtern sie auch nicht. Das sagen übereinstimmend deutsche, britische, amerikanische und spanische Gesundheitsinformationen. Einzelne französische Ratgeber nennen Lichtmangel oder Bildschirme als Faktor, belegen das aber nicht. Richtig ist nur, dass lange Naharbeit einen vorhandenen Astigmatismus spürbarer macht.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Die wichtigsten Risikofaktoren sind eine Hornhautverkrümmung in der Familie, eine Frühgeburt sowie Verletzungen, Entzündungen und Operationen am Auge. Im Überblick:

  • Astigmatismus bei Eltern oder Geschwistern
  • Frühgeburt
  • Keratokonus in der Familie
  • Verletzungen und Operationen am Auge
  • Hornhautentzündungen mit Narbenbildung
  • Lidveränderungen, die auf die Hornhaut drücken
  • höheres Alter (Verschiebung der Achse)

4 Diagnose

In diesem Kapitel (8)

Wer stellt eine Hornhautverkrümmung fest?

Eine Hornhautverkrümmung stellt die Augenärztin oder der Augenarzt sicher fest, oft bei einer Routineuntersuchung; Optikerinnen und Optiker können die Brillenstärke ebenfalls bestimmen. Die Untersuchung ist einfach und schmerzlos. Zuerst wird gefragt, welche Beschwerden bestehen, seit wann und ob es Augenerkrankungen in der Familie gibt. Online-Sehtests können einen Hinweis geben, ersetzen die Untersuchung aber nicht.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung besteht aus einem Sehtest und einer Messung der Brechkraft, ergänzt durch eine Vermessung der Hornhaut. Typische Schritte sind:

  • Sehschärfe mit Sehtafel, ohne und mit Korrektur, manchmal mit einer Lochblende
  • Autorefraktometer: ein Gerät misst mit Licht automatisch die Brechkraft
  • Subjektive Refraktion: Sie schauen durch verschiedene Gläser und sagen, womit Sie besser sehen; ein Kreuzzylinder findet Stärke und Achse des Astigmatismus
  • Astigmatismus-Fächer: eine Strahlenfigur, deren Linien unterschiedlich scharf erscheinen
  • Keratometrie (Ophthalmometrie): misst die Krümmung der Hornhaut in verschiedenen Richtungen
  • Spaltlampe: Mikroskop zur Beurteilung von Hornhaut, Linse und Lidern
  • bei Bedarf Untersuchung des Augenhintergrunds mit weitgestellter Pupille

Was steht auf dem Brillenrezept?

Auf dem Brillenrezept steht der Astigmatismus als Zylinder in Dioptrien und als Achse in Grad zwischen 0 und 180. Die Sphäre gibt eine zusätzliche Kurz- oder Weitsichtigkeit an.

AngabeBedeutungBeispiel
Sphäre (sph)Kurzsichtigkeit (minus) oder Weitsichtigkeit (plus)−1,50
Zylinder (cyl)Stärke der Hornhautverkrümmung in Dioptrien−1,25
Achse (A)Lage des Zylinders in Grad175°
Addition (Add)Zusatzstärke für die Nähe bei Alterssichtigkeit+2,00

Der Zylinder kann mit Minus- oder Pluszeichen geschrieben werden; beides beschreibt denselben Fehler, nur umgerechnet. Vergleichen Sie Rezepte deshalb nicht nur nach der Zahl, sondern lassen Sie sich die Werte erklären.

Wozu dient die Hornhauttopografie?

Die Hornhauttopografie erstellt eine farbige Landkarte der gesamten Hornhautoberfläche und zeigt, ob eine Verkrümmung regelmäßig oder unregelmäßig ist. Früher nutzte man dafür die Placido-Scheibe, deren Ringe sich auf der Hornhaut spiegeln und bei Astigmatismus oval verzerrt erscheinen. Moderne Geräte (Tomografie, etwa nach dem Scheimpflug-Prinzip) vermessen auch die Rückfläche und die Dicke der Hornhaut. Diese Untersuchung ist unverzichtbar bei Verdacht auf Keratokonus und vor jeder Laser- oder Linsenoperation.

Die Messung der Hornhautdicke heißt Pachymetrie. Sie entscheidet mit darüber, ob und mit welchem Verfahren gelasert werden kann.

Wie wird bei Kindern gemessen?

Bei Kindern wird die Brechkraft meist objektiv gemessen, ohne dass das Kind antworten muss. Bei der Skiaskopie (Retinoskopie) beobachtet die Untersucherin den Lichtreflex aus der Pupille und hält dabei Gläser vor das Auge. Kleinere Kinder bekommen vorher Tropfen, die die Pupille weiten und das Scharfstellen vorübergehend ausschalten (Zykloplegie). Nur so lässt sich die volle Fehlsichtigkeit zuverlässig bestimmen.

Die Wirkung der Tropfen hält einige Stunden, manchmal bis zum nächsten Tag an, bei hellhäutigen Kindern oft länger. Das Kind sieht in dieser Zeit in der Nähe unscharf und ist lichtempfindlicher. Für Sehtests verwendet man je nach Alter Bilder, Zeichen oder Buchstaben.

Darf man nach den Tropfen Auto fahren?

Nein, nach pupillenerweiternden Tropfen sollten Sie für einige Stunden nicht selbst Auto fahren und keine Maschinen bedienen. Die Sicht ist unscharf und blendempfindlich. Planen Sie für solche Termine eine Begleitung oder öffentliche Verkehrsmittel ein und nehmen Sie eine Sonnenbrille mit.

Wann denkt man an einen Keratokonus?

An einen Keratokonus denkt man, wenn der Astigmatismus bei jungen Menschen zunimmt, die Achse sich verändert oder die Brille das Sehen nicht mehr voll ausgleicht. Bei der Skiaskopie fällt dann oft ein typischer Scherenreflex auf. Topografie und Tomografie zeigen dann eine meist unten oder zentral vorgewölbte, verdünnte Hornhaut. Weil der Keratokonus familiär gehäuft auftritt, kann auch die Untersuchung von Geschwistern sinnvoll sein.

Welche anderen Ursachen müssen ausgeschlossen werden?

Bei unscharfem Sehen werden neben dem Astigmatismus andere Fehlsichtigkeiten und Augenerkrankungen bedacht. Dazu gehören Kurz-, Weit- und Alterssichtigkeit, Hornhautnarben, eine Linsentrübung, ein trockenes Auge und bei Älteren Erkrankungen der Makula. Lässt sich die Sehschärfe mit der richtigen Brille nicht auf einen normalen Wert bringen, sucht die Augenärztin oder der Augenarzt gezielt nach solchen Ursachen.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (16)

Muss jede Hornhautverkrümmung behandelt werden?

Nein, ein leichter Astigmatismus bis etwa 0,5 Dioptrien wird meist nur korrigiert, wenn er Beschwerden macht. Ab etwa 1 bis 1,5 Dioptrien brauchen die meisten Menschen eine Brille oder Kontaktlinsen, um scharf und ohne Anstrengung zu sehen. Welche Lösung passt, hängt von Stärke, Form, Alter, Beruf, Freizeit und persönlichen Wünschen ab. Brille und Kontaktlinsen gleichen den Fehler aus, heilen ihn aber nicht; nur eine Operation verändert die Optik dauerhaft.

MöglichkeitFür wen?VorteileNachteile
Brille mit torischen Gläsernalle Altersgruppen, regulärer Astigmatismuseinfach, sicher, günstig, sofort umkehrbarEingewöhnung, Randverzerrungen, beim Sport hinderlich
Weiche torische Kontaktlinsenregulärer Astigmatismus, Sport, Beruffreies Gesichtsfeld, natürliche BildgrößeLinse kann sich verdrehen, Infektionsrisiko, Pflege
Formstabile Kontaktlinsenstärkerer und irregulärer Astigmatismus, Keratokonussehr gute Bildqualität, gleichen Unregelmäßigkeiten ausEingewöhnung, Fremdkörpergefühl am Anfang
LaserbehandlungErwachsene mit stabiler Brillenstärke und gesunder Hornhautdauerhaft, oft ohne BrilleKosten, Operationsrisiken, trockenes Auge, nicht bei Keratokonus
Implantierbare (phake) torische Linsejüngere Erwachsene mit hoher Fehlsichtigkeit oder dünner Hornhautauch hohe Werte, umkehrbarEingriff im Auge, Risiko für Grauen Star und Drucksteigerung
Torische Kunstlinsebei der Operation des Grauen Stars oder beim LinsentauschAstigmatismus wird gleich mitkorrigiertMehrkosten, Linse kann sich verdrehen

Wie funktioniert eine Brille bei Hornhautverkrümmung?

Eine Brille gleicht die Hornhautverkrümmung mit torischen Gläsern aus, die in einer Richtung stärker brechen als in der anderen und so die Verkrümmung genau spiegelbildlich ausgleichen. Man nennt sie auch Zylindergläser oder sphärozylindrische Gläser, wenn gleichzeitig eine Kurz- oder Weitsichtigkeit korrigiert wird. Die Brille ist bei regulärem Astigmatismus die erste Wahl, besonders bei Kindern. Sie ist die einfachste, sicherste und meist günstigste Möglichkeit.

Entscheidend ist die genaue Achse: Schon wenige Grad Abweichung verschlechtern das Bild. Deshalb muss die Brille gut sitzen und darf nicht verrutschen. Bei Unzufriedenheit mit einer neuen Brille lohnt sich ein Vergleich der Achse mit der alten Brille.

Warum sieht man mit der neuen Brille anfangs komisch?

Mit einer neuen Zylinderbrille wirken Böden anfangs oft schräg, Türen geneigt oder Treppen ungewohnt, weil das Gehirn sich an das veränderte Bild gewöhnen muss. Das ist normal und lässt sich meist mit konsequentem Tragen überwinden. Die Eingewöhnung dauert oft nur Tage, kann bei starkem Astigmatismus aber mehrere Wochen dauern. Britische Kliniken nennen für Kinder bis zu 18 Wochen mit allmählicher Besserung.

Bei hohem Astigmatismus, der lange nicht korrigiert war, wird die volle Stärke manchmal schrittweise verordnet. Ein plötzlicher großer Sprung kann trotz besserer Sehschärfe Kopfschmerzen und Schwindel auslösen. Bleiben die Beschwerden nach einigen Wochen bestehen, sollten Brillenwerte und Sitz überprüft werden.

Welche Kontaktlinsen eignen sich?

Bei regulärem Astigmatismus eignen sich weiche torische Kontaktlinsen oder formstabile, sauerstoffdurchlässige Linsen; bei irregulärem Astigmatismus nur formstabile Linsen. Weiche torische Linsen haben in verschiedenen Richtungen unterschiedliche Brechkraft und sind am Rand verdickt oder beschwert, damit sie sich beim Lidschlag nicht verdrehen. Verdreht sich die Linse doch, wird das Sehen kurz unscharf. Weiche Linsen gibt es aus Hydrogel oder dem sauerstoffdurchlässigeren Silikon-Hydrogel.

Formstabile Linsen schwimmen auf einem Tränenfilm, der die Unebenheiten der Hornhaut auffüllt. Sie gleichen einen Hornhautastigmatismus von etwa 2 bis 3 Dioptrien oft schon mit einer rückseitig runden Linse aus; bei höheren Werten gibt es torische Formen. Bei schrägem, gemischtem und hohem Astigmatismus sehen viele mit Kontaktlinsen besser als mit Brille.

Spezielle Linsen bei unregelmäßiger Hornhaut

Für sehr unregelmäßige Hornhäute gibt es Hybridlinsen mit formstabiler Mitte und weichem Rand sowie Sklerallinsen, die auf der Lederhaut aufliegen und die Hornhaut überbrücken. Ihre Anpassung erfordert Zeit und Erfahrung und gehört in spezialisierte Hände.

Was sind die Nachteile von Kontaktlinsen?

Die Anpassung torischer Linsen ist aufwendiger als bei normalen Linsen, und nicht jede Person verträgt sie. Eine spanische Universitätsklinik weist darauf hin, dass Kontaktlinsen bei Astigmatismus oft schlechter vertragen werden und das Bild weniger stabil sein kann als bei reiner Kurz- oder Weitsichtigkeit. Das wichtigste Risiko ist eine Hornhautinfektion bei mangelnder Hygiene. Linsen sollten daher immer augenärztlich oder durch erfahrene Kontaktlinsenanpasser angepasst und regelmäßig kontrolliert werden.

Wie korrigiert der Laser eine Hornhautverkrümmung?

Der Laser trägt gezielt wenige tausendstel Millimeter Hornhautgewebe ab, sodass die Hornhaut gleichmäßiger gewölbt ist. Eine gleichzeitig bestehende Kurz- oder Weitsichtigkeit kann in derselben Behandlung mitkorrigiert werden. Der Eingriff dauert pro Auge nur wenige Minuten, erfolgt ambulant mit betäubenden Tropfen und meist an beiden Augen in einer Sitzung. Ein Eye-Tracker verfolgt die Augenbewegungen während der Behandlung.

VerfahrenPrinzipBesonderheiten
LASIK, Femto-LASIKEin dünner Hornhautdeckel (Flap) wird angehoben, darunter formt der Excimer-Laser die Hornhaut umrasche Erholung, oft am Folgetag gute Sicht; Flap-Komplikationen möglich
PRK, LASEK, Epi-LASIKDie oberste Zellschicht wird entfernt, der Laser arbeitet direkt an der Oberflächekein Flap, geeignet bei dünnerer Hornhaut; mehrere Tage Schmerzen, langsamere Erholung, wochenlang Tropfen
Lentikel-ExtraktionEin Femtosekundenlaser schneidet eine dünne Gewebescheibe im Inneren, die durch einen kleinen Schnitt entfernt wirdkleiner Zugang; vor allem für Kurzsichtigkeit mit Astigmatismus

Bis zu welcher Stärke kann man lasern?

Eine feste Grenze für jedes Auge gibt es nicht. In Deutschland orientieren sich Augenärztinnen und Augenärzte an den Empfehlungen der Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) von DOG und BVA (Stand Mai 2024): Für LASIK, PRK und die Lentikelextraktion (zum Beispiel SMILE) gilt ein Astigmatismus bis 5 Dioptrien als üblicher Anwendungsbereich; bei LASIK und PRK liegen Werte bis 6 Dioptrien im Grenzbereich, in dem besonders sorgfältig abgewogen wird. Kommt eine Kurz- oder Weitsichtigkeit hinzu, zählt die Gesamtstärke, sodass die Grenze für den Astigmatismus dann niedriger liegen kann. Ältere Quellen und manche Zentren nennen deshalb vorsichtigere Werte um 4 Dioptrien. Entscheidend sind außerdem Dicke und Form der Hornhaut. Grundsätzlich nimmt nach den KRC-Empfehlungen die Komplikationsrate mit dem Umfang der erforderlichen Korrektur zu.

Wer eignet sich für eine Laserbehandlung?

Geeignet sind Erwachsene mit gesunden Augen, deren Brillenstärke seit mindestens einem Jahr stabil ist. Vorher werden Sehschärfe, Hornhautdicke und -form, Augeninnendruck, Pupillengröße und Netzhaut untersucht. Weiche Kontaktlinsen sollten etwa zwei Wochen, formstabile mindestens vier Wochen vorher nicht getragen werden, weil sie die Hornhautform verändern.

Gegen eine Laserbehandlung sprechen unter anderem:

  • Keratokonus oder Verdacht darauf und eine zu dünne Hornhaut
  • ein ausgeprägtes trockenes Auge
  • Autoimmun- und Bindegewebserkrankungen
  • frühere Herpes-Infektion am Auge
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • eine instabile, sich noch verändernde Brillenstärke
  • Medikamente, die die Wundheilung beeinträchtigen

Welche Risiken hat eine Laserbehandlung?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind vorübergehend trockene Augen, Blendung, Lichthöfe und schlechteres Nachtsehen, die meist innerhalb von etwa sechs Monaten abklingen. Bei einem kleinen Teil der Behandelten bleiben sie bestehen. Möglich sind außerdem Über- oder Unterkorrektur, die eine Nachbehandlung erfordern kann, Infektionen und Heilungsstörungen. Nach PRK kann sich eine Hornhauttrübung bilden, nach LASIK können Flap-Probleme oder sehr selten eine Vorwölbung der Hornhaut (Ektasie) auftreten.

Ein dauerhafter Sehverlust ist bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten sehr selten. Nach dem Eingriff braucht man für einige Wochen Augentropfen und sollte die Augen nicht reiben. Kontaktsport, Schwimmen und Augen-Make-up sind meist für etwa vier Wochen tabu.

Welche Linsen kann man ins Auge einsetzen?

Bei hoher Fehlsichtigkeit oder zu dünner Hornhaut kann eine phake torische Linse zusätzlich zur eigenen Linse ins Auge eingesetzt werden, meist hinter die Regenbogenhaut. Sie kommt vor allem für jüngere Erwachsene infrage und lässt sich bei Bedarf wieder entfernen. In einer US-Studie erreichten nach einem Jahr etwa drei Viertel der nachuntersuchten Augen die volle Sehschärfe, allerdings wurde nur knapp die Hälfte der Augen nachuntersucht; anfangs berichtete gut ein Drittel über Blendung und Lichthöfe, nach einem Jahr noch etwa jede siebte Person. Risiken sind ein Grauer Star, ein Anstieg des Augeninnendrucks, Entzündungen und ein Verlust von Hornhautzellen.

Ab etwa 45 bis 50 Jahren kann statt einer zusätzlichen Linse auch die eigene Linse gegen eine torische Kunstlinse getauscht werden. Das kommt vor allem infrage, wenn gleichzeitig eine Alterssichtigkeit oder eine beginnende Linsentrübung besteht.

Was leistet eine torische Kunstlinse beim Grauen Star?

Bei der Operation des Grauen Stars kann eine torische Kunstlinse den Hornhautastigmatismus gleich mit ausgleichen, sodass man danach für die Ferne oft keine Brille mehr braucht. Sie gilt als die am besten vorhersagbare Methode, einen Hornhautastigmatismus bei dieser Operation zu korrigieren. Geeignet ist vor allem ein regelmäßiger Astigmatismus von etwa 1 Dioptrie oder mehr, der sich bei wiederholten Messungen gleich zeigt. Bei unregelmäßiger Hornhaut, etwa bei Keratokonus oder Narben, und bei Erkrankungen der Augenoberfläche ist Vorsicht geboten.

Bei sehr geringem Astigmatismus ist die Korrektur schwieriger, weil Messfehler vor der Operation dann im Verhältnis groß sind. Eine Cochrane-Übersicht über zehn Studien fand, dass nach torischer Linse etwa 7 von 10 Augen einen Restastigmatismus unter 0,5 Dioptrien hatten, nach Entlastungsschnitten etwa 5 von 10. Der mittlere Unterschied war klein; ohne Brille kamen mit torischer Linse mehr Menschen aus, wobei dieser Befund noch unsicher ist.

Wie wird die torische Kunstlinse geplant?

Die Hornhaut wird vorher mit mindestens zwei Methoden vermessen, idealerweise einschließlich der Hornhautrückfläche, und oft an verschiedenen Tagen. Torische Kontaktlinsen müssen einige Wochen vorher abgesetzt werden. Nach einer früheren Laserbehandlung ist die Berechnung schwieriger. Vor der Operation wird die Achse am Auge markiert, damit die Linse genau ausgerichtet werden kann.

Was passiert, wenn sich die Linse verdreht?

Eine torische Linse kann sich vor allem in den ersten Stunden nach der Operation im Kapselsack drehen; schon wenige Grad mindern die Wirkung. Das ist das wichtigste besondere Risiko; die üblichen Risiken der Katarakt-Operation steigen durch die torische Linse nicht. Wird eine Nachkorrektur nötig, ist sie nach ein bis drei Wochen meist am günstigsten. Dann wird die Linse gedreht, getauscht oder der Rest mit dem Laser korrigiert; österreichische Experten empfehlen, dabei neu zu berechnen statt die Linse einfach zurückzudrehen.

Was sind Entlastungsschnitte?

Entlastungsschnitte sind feine, bogenförmige Einschnitte am Hornhautrand, die die steile Achse abflachen und so einen leichten Astigmatismus verringern. Man setzt sie vor allem bei geringen Werten von etwa 1 bis 2 Dioptrien ein, oft während der Katarakt-Operation. Ihre Wirkung ist weniger genau vorhersagbar als die einer torischen Linse. Stärkere Schnittverfahren an der Hornhaut werden heute nur noch selten genutzt.

Wie wird ein Astigmatismus bei Kindern behandelt?

Bei Kindern ist die Brille die wichtigste Behandlung; sie sollte möglichst früh und meist ganztags getragen werden, damit sich die Sehbahn normal entwickelt. Die besten Erfolge erzielt man in den ersten drei Lebensjahren, das Gehirn kann sich aber bis etwa zum 7. bis 12. Lebensjahr noch anpassen. Ist bereits eine Schwachsichtigkeit entstanden, wird das bessere Auge zeitweise mit einem Pflaster abgeklebt. So lässt sich die Schwachsichtigkeit bei den meisten Kindern beheben.

Wann ein Kind eine Brille braucht, hängt von Alter, Stärke und Seitenunterschied ab. Ein Astigmatismus bis etwa 1 Dioptrie gilt bei Kindern meist als unauffällig. Bei Säuglingen wird ein mäßiger Astigmatismus oft zunächst beobachtet, weil er sich zurückbilden kann; ob eine frühe Brille hier Vorteile bringt, untersuchen Studien noch. Ein deutlicher Seitenunterschied oder ein hoher Astigmatismus wird dagegen früh korrigiert.

Worauf achtet man bei Kinderbrillen?

Kinderbrillen haben bruchsichere Kunststoffgläser, einen weichen Nasensteg und bei Kleinkindern oft ein elastisches Band statt Bügeln. Die Gläser sitzen eher hoch, weil Kinder zu Erwachsenen aufschauen. Wenn Kinder bei der Auswahl mitentscheiden dürfen, tragen sie die Brille lieber. Kontaktlinsen sind ab etwa fünf Jahren möglich, wenn das Kind mitarbeitet und die Eltern die Pflege übernehmen. Operationen kommen bei Kindern nur in seltenen Sonderfällen infrage.

Wie wird ein irregulärer Astigmatismus behandelt?

Ein irregulärer Astigmatismus wird vor allem mit formstabilen Kontaktlinsen, Hybrid- oder Sklerallinsen ausgeglichen, weil eine Brille die Unebenheiten nicht korrigiert. Zusätzlich wird die Ursache behandelt, etwa ein fortschreitender Keratokonus mit einer Vernetzung der Hornhaut (Crosslinking), die das Gewebe festigt. Bei tiefen Narben kann eine Hornhauttransplantation nötig werden. Nach einer Transplantation lässt sich ein verbleibender Astigmatismus durch Fadenentfernung, Entlastungsschnitte oder Laser verringern.

Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland?

In Deutschland zahlt die gesetzliche Krankenkasse Erwachsenen nur in Ausnahmefällen einen Zuschuss zu Brillengläsern, bei Astigmatismus in der Regel erst ab einem Zylinder von 4,25 Dioptrien. Bei Kurz- oder Weitsichtigkeit liegt die Schwelle bei 6,25 Dioptrien. Außerdem besteht ein Anspruch, wenn mit Korrektur nur höchstens 30 % Sehschärfe erreicht werden. Bezahlt werden nur die Gläser, nicht die Fassung; es fällt eine Zuzahlung von 10 %, mindestens 5 und höchstens 10 Euro an.

  • Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben unabhängig von der Stärke Anspruch auf Brillengläser; bis 14 Jahre werden auch Kunststoffgläser übernommen. Ab 14 Jahren gibt es eine neue Brille nur, wenn sich die Werte um mindestens 0,5 Dioptrien geändert haben.
  • Kontaktlinsen zahlt die Kasse nur bei medizinischer Notwendigkeit, etwa bei einem Astigmatismus mit annähernd waagerechter oder senkrechter Achse ab 3 Dioptrien oder mit schräger Achse ab 2 Dioptrien, bei irregulärem Astigmatismus, wenn die Linse um mindestens zwei Visusstufen besser sehen lässt als die Brille, und bei Keratokonus.
  • Laserbehandlung und implantierbare Linsen sind Selbstzahlerleistungen.
  • Bei der Katarakt-Operation übernimmt die Kasse eine Standardlinse; die Mehrkosten einer torischen Linse tragen Sie selbst.
  • Bildschirmarbeitsplatzbrillen sind keine Kassenleistung; hier ist der Arbeitgeber zuständig.

Wie ist es in Österreich?

In Österreich übernimmt die Sozialversicherung über die e-card die notwendige augenärztliche Untersuchung und Behandlung, teilweise mit Selbstbehalt oder Kostenbeitrag. Brillen und Kontaktlinsen gelten als Heilbehelfe: Bezahlt wird eine einfache, zweckentsprechende Ausführung, Versicherte tragen in der Regel einen Kostenanteil. Für Kinder unter 15 Jahren entfällt dieser Kostenanteil nach dem ASVG. Gleitsichtgläser werden nicht übernommen. Höchstbeträge und Details legt jeder Versicherungsträger in seiner Satzung fest, deshalb unterscheiden sich die Zuschüsse je nach Träger. Fragen Sie vor dem Kauf einer Brille oder vor einer Operation bei Ihrem Träger nach, was übernommen wird. Laserbehandlungen und Aufpreise für Speziallinsen sollten Sie sich vorher schriftlich mit allen Kosten bestätigen lassen.

Wie ist es in anderen Ländern?

Auch in anderen europäischen Ländern zahlen die öffentlichen Systeme in der Regel keine Laserbehandlung. In Frankreich gibt es Brillen einer Grundklasse ohne Eigenanteil, Kontaktlinsen werden nur in wenigen Sonderfällen wie Keratokonus oder irregulärem Astigmatismus erstattet. In Spanien übernimmt die staatliche Versicherung die refraktive Chirurgie nicht. Im britischen NHS gibt es Gutscheine für Kinderbrillen, die Laserbehandlung ist ebenfalls Privatleistung.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (5)

Wird eine Hornhautverkrümmung mit der Zeit schlimmer?

Meist nicht: Ein angeborener regulärer Astigmatismus bleibt über viele Jahre weitgehend gleich. Leichte Veränderungen sind trotzdem normal, besonders im Kindesalter und ab etwa 40 Jahren, wenn sich die Achse gegen die Regel verschiebt. Deshalb kann von Zeit zu Zeit eine neue Brille nötig werden. Deutlich verschlechtern kann er sich bei einem Keratokonus oder durch einen beginnenden Grauen Star.

Kann eine Hornhautverkrümmung von selbst verschwinden?

Bei Säuglingen bildet sich ein Astigmatismus häufig bis zum ersten oder zweiten Lebensjahr zurück; bei Erwachsenen verschwindet er nicht von selbst. In einer niederländischen Studie hatte gut die Hälfte der etwa einjährigen Kinder einen meist leichten Astigmatismus. Schwachsichtigkeit war in diesem Alter noch sehr selten, was nahelegt, dass sie sich meist erst danach entwickelt. Auch im Schulalter kann sich der Astigmatismus noch verändern, bessern oder verschlechtern.

Was passiert, wenn ein Kind nicht behandelt wird?

Ein unbehandelter stärkerer Astigmatismus kann bei Kindern zu einer bleibenden Schwachsichtigkeit eines oder beider Augen führen. Besonders gefährdet sind Kinder mit deutlichem Seitenunterschied oder mit sehr hohem beidseitigem Astigmatismus. Das Zeitfenster, in dem sich die Sehbahn entwickelt, schließt sich etwa zwischen dem 7. und 12. Lebensjahr. Danach lässt sich eine Schwachsichtigkeit kaum noch ausgleichen.

Schwachsichtigkeit betrifft je nach Land etwa 2 bis 5 % der Kinder; Fehlsichtigkeiten wie der Astigmatismus sind eine der häufigsten Ursachen. Menschen mit einem schwachsichtigen Auge haben im Alter ein höheres Risiko, dass beide Augen schlecht sehen, wenn das bessere Auge erkrankt. Weitere Folgen eines unkorrigierten Astigmatismus können Schielen und Probleme beim Lernen sein.

Wie ist die Prognose mit Behandlung?

Mit der passenden Brille oder Kontaktlinse ist die Prognose sehr gut, die meisten Betroffenen sehen damit wieder normal scharf. Bei Kindern, die früh eine Brille bekommen und sie konsequent tragen, entwickelt sich das Sehen meist normal. Eine bei Erwachsenen bereits bestehende Schwachsichtigkeit lässt sich dagegen kaum noch beheben. Beim irregulären Astigmatismus hängt die Prognose vor allem von der Ursache ab.

Welche Komplikationen sind möglich?

Komplikationen entstehen weniger durch den Astigmatismus selbst als durch seine Behandlung oder seine Ursache. Mögliche Folgen sind:

  • Schwachsichtigkeit und Schielen bei unbehandelten Kindern
  • Hornhautentzündung bei Kontaktlinsen, besonders bei mangelnder Hygiene
  • trockenes Auge, Blendung und Lichthöfe nach Laserbehandlung
  • Über- oder Unterkorrektur nach Operationen
  • Verdrehung einer torischen Kunstlinse
  • Fortschreiten eines Keratokonus

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (6)

Kann man einer Hornhautverkrümmung vorbeugen?

Nein, einem angeborenen Astigmatismus kann man nicht vorbeugen. Er entsteht nicht durch Lesen, Bildschirme oder schlechte Beleuchtung und lässt sich durch Verhalten weder verhindern noch rückgängig machen. Vorbeugen kann man aber den Folgen: einer Schwachsichtigkeit bei Kindern und Verletzungen oder Infektionen, die einen irregulären Astigmatismus verursachen. Das wichtigste Mittel ist die Früherkennung.

Wann sollten Kinder zur Augenuntersuchung?

In Deutschland gehören Sehtests zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt; Kinder von Eltern mit Hornhautverkrümmung sollten spätestens mit zwei Jahren augenärztlich untersucht werden. Ein Sehtest um den dritten Geburtstag ergänzt die Vorsorge. Eine augenärztliche Untersuchung aller Kinder ohne Auffälligkeiten ist in Deutschland keine allgemeine Kassenleistung: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat ein zusätzliches augenärztliches Sehscreening 2015 wegen unsicherer Studienlage nicht aufgenommen. Augenärztliche Fachverbände empfehlen sie trotzdem, und einige Krankenkassen bieten sie über eigene Verträge an. Bei Auffälligkeiten wie Schielen, Zusammenkneifen oder Stolpern sollte das Kind unabhängig vom Alter vorgestellt werden.

In Österreich sieht der Eltern-Kind-Pass eine erste Augenuntersuchung im 10. bis 14. Lebensmonat und eine Untersuchung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Augenheilkunde im Kleinkindalter vor; seit Oktober 2026 gilt ein überarbeitetes Untersuchungsprogramm, die genauen Termine stehen im aktuellen Pass. Bei Auffälligkeiten überweist die Kinderärztin oder der Kinderarzt zusätzlich. In Frankreich empfehlen Fachleute ein Sehscreening im dritten Lebensjahr, eine spanische Universitätsklinik rät zu einer Kontrolle ab dreieinhalb Jahren; bei familiärer Belastung oder Frühgeburt jeweils früher. Frühgeborene werden ohnehin augenärztlich nachkontrolliert.

Wie oft sollte man die Augen kontrollieren lassen?

Wer einen Astigmatismus hat, sollte die Brillenstärke etwa alle ein bis zwei Jahre überprüfen lassen, Kinder häufiger nach augenärztlicher Empfehlung. Bei neuen Beschwerden, Kopfschmerzen oder Unsicherheit beim nächtlichen Fahren ist eine frühere Kontrolle sinnvoll. Jugendliche mit zunehmendem Astigmatismus sollten wegen eines möglichen Keratokonus engmaschiger untersucht werden. Ab etwa 40 Jahren lohnt sich eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung auch wegen Grünem Star und anderen Alterserkrankungen.

Was hilft im Alltag?

Im Alltag hilft vor allem, die verordnete Brille konsequent zu tragen und der Eingewöhnung Zeit zu geben. Weitere Tipps:

  • Bei langer Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen machen und bewusst blinzeln; das entlastet, ändert aber die Hornhautform nicht.
  • Gute, blendfreie Beleuchtung und ausreichende Schriftgröße am Arbeitsplatz wählen.
  • Arbeitgeber müssen Beschäftigten an Bildschirmarbeitsplätzen regelmäßige Augenuntersuchungen anbieten; nutzen Sie dieses Angebot.
  • Bei Nachtfahrten auf saubere Brillengläser und Windschutzscheibe achten; eine Entspiegelung verringert Reflexe.
  • Kontaktlinsen nur mit sauberen Händen einsetzen, die Pflegehinweise genau befolgen und Linsen nicht beim Schwimmen oder über Nacht tragen, wenn sie dafür nicht vorgesehen sind.
  • Die Augen nicht reiben, besonders bei Allergien; starkes Reiben gilt als Risikofaktor für Keratokonus.
  • Bei Sport mit Verletzungsgefahr eine Schutzbrille tragen.

Hilft Augentraining?

Nein, Augentraining oder Augengymnastik verändert die Form der Hornhaut nicht und kann einen Astigmatismus nicht beheben. Entspannungsübungen können müde Augen vorübergehend entlasten. Für einen dauerhaften Effekt auf die Fehlsichtigkeit gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Auch Nahrungsergänzungsmittel haben keine nachgewiesene Wirkung auf den Astigmatismus.

Wie unterstützt man ein Kind beim Brilletragen?

Kinder tragen eine Brille lieber, wenn sie gut sitzt, nicht drückt und sie die Fassung mit aussuchen dürfen. Manche haben Angst, gehänselt zu werden; Gespräche mit Lehrkräften und Vorbilder in der Familie helfen. Die Brille sollte von Anfang an konsequent getragen werden, auch wenn das Kind anfangs protestiert. Sagen Sie Kindergarten oder Schule Bescheid, damit die Brille auch dort getragen wird.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Ist eine Hornhautverkrümmung ein Notfall?

Nein, eine Hornhautverkrümmung selbst ist nie ein Notfall, denn sie entwickelt sich langsam und schmerzlos. Ein regulärer Termin bei der Augenärztin oder beim Augenarzt reicht. Bestimmte Beschwerden deuten aber auf etwas anderes hin und brauchen eine rasche Abklärung. Allgemeine Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann sofort oder am selben Tag zum Arzt?

Sofort oder noch am selben Tag sollten Sie ärztliche Hilfe suchen bei:

  • rotem, schmerzendem, lichtscheuem Auge unter Kontaktlinsen, besonders mit Sehverschlechterung oder einem weißlichen Fleck auf der Hornhaut: Das kann eine Hornhautinfektion sein. Linse herausnehmen, aufbewahren und zur Untersuchung mitbringen.
  • starken Schmerzen, zunehmender Rötung oder Sehverschlechterung nach einer Augenoperation oder Laserbehandlung
  • plötzlich verzerrtem Sehen oder einem dunklen Fleck in der Mitte, vor allem im Alter: Das spricht für eine Erkrankung der Makula wie die altersabhängige Makuladegeneration, nicht für einen Astigmatismus.
  • Lichtblitzen, einem Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld oder vielen neuen schwarzen Punkten: möglicher Hinweis auf eine Netzhautablösung
  • plötzlicher Sehverschlechterung eines Auges oder plötzlichen Doppelbildern
  • Verletzungen des Auges, etwa durch Fremdkörper, Schlag oder Chemikalien; nach Verätzungen das Auge sofort mehrere Minuten mit viel Wasser spülen und den Notruf wählen

Wann innerhalb weniger Tage?

Innerhalb weniger Tage bis Wochen sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn sich das Sehen spürbar verschlechtert hat oder die Brille nicht mehr richtig hilft. Das gilt besonders für Jugendliche und junge Erwachsene mit rasch zunehmendem Astigmatismus, weil ein Keratokonus früh behandelt werden sollte. Auch ein Kind mit neu auftretendem Schielen, deutlichem Augenzusammenkneifen oder schlechterem Sehen auf einem Auge sollte zeitnah untersucht werden. Nach einer torischen Kunstlinse ist ein unerwartet unscharfes Sehen in den ersten Wochen ebenfalls ein Grund für einen frühen Kontrolltermin.

Wann reicht ein Routinetermin?

Ein Routinetermin reicht bei langsam zunehmender Unschärfe, Kopfschmerzen beim Lesen oder bei der Bildschirmarbeit, müden Augen oder schlechterem Sehen bei Nacht. Auch eine ältere Brille, die nicht mehr ganz passt, oder Auffälligkeiten bei einem Kind ohne Schielen und ohne Seitenunterschied sind kein Notfall. Notieren Sie vorher, welche Beschwerden wann auftreten, und bringen Sie Ihre aktuelle Brille und Kontaktlinsenpässe mit.

9 Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hornhautverkrümmung und Stabsichtigkeit?

Es gibt keinen Unterschied: Hornhautverkrümmung, Stabsichtigkeit und Astigmatismus bezeichnen dieselbe Fehlsichtigkeit. Der Name Stabsichtigkeit beschreibt, dass ein Punkt auf der Netzhaut als kurzer Strich abgebildet wird. Hornhautverkrümmung benennt die häufigste Ursache, die ungleich gewölbte Hornhaut.

Ab wie viel Dioptrien ist eine Hornhautverkrümmung schlimm?

Bis etwa 0,5 Dioptrien gilt ein Astigmatismus als normal, ab etwa 1 bis 1,5 Dioptrien brauchen die meisten eine Korrektur, über 3 Dioptrien spricht man von einem hohen Astigmatismus. Schlimm im Sinne einer Gefahr ist ein Astigmatismus vor allem für Kinder, wenn er unbehandelt bleibt und eine Schwachsichtigkeit entsteht. Bei Erwachsenen geht es meist um Sehkomfort und Sicherheit, etwa beim Autofahren.

Kann eine Hornhautverkrümmung Kopfschmerzen und Schwindel verursachen?

Ja, Kopfschmerzen sind ein typisches Symptom, weil das Auge ständig versucht, das unscharfe Bild scharf zu stellen. Sie sitzen oft an der Stirn und treten eher abends oder nach Bildschirmarbeit auf. Schwindel kommt vor allem in der Eingewöhnungszeit mit einer neuen, stärkeren Brille vor. Halten Kopfschmerzen trotz passender Brille an, sollten andere Ursachen abgeklärt werden.

Wird eine Hornhautverkrümmung vom Handy oder vom Bildschirm schlimmer?

Nein, Handy, Computer, Fernsehen oder Lesen bei schlechtem Licht verursachen keinen Astigmatismus und verschlechtern ihn nicht. Lange Naharbeit kann einen vorhandenen Astigmatismus aber stärker spürbar machen, weil die Augen schneller ermüden. Pausen und eine passende Brille helfen dagegen.

Kann eine Hornhautverkrümmung wieder weggehen?

Bei Babys bildet sich ein Astigmatismus oft in den ersten ein bis zwei Lebensjahren zurück; bei Erwachsenen verschwindet er nicht von selbst. Brille und Kontaktlinsen gleichen ihn nur aus. Dauerhaft lässt er sich nur durch eine Operation verringern, etwa mit Laser oder einer torischen Linse.

Kann man eine Hornhautverkrümmung lasern lassen?

Ja, ein regulärer Astigmatismus lässt sich bei Erwachsenen mit stabiler Brillenstärke und ausreichend dicker, gesunder Hornhaut lasern, nach den Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften in der Regel bis 5 Dioptrien, im Grenzbereich bis 6 Dioptrien; bei zusätzlicher Kurz- oder Weitsichtigkeit kann die Grenze niedriger liegen. Bei Keratokonus ist eine Laserbehandlung zur Korrektur der Fehlsichtigkeit nicht möglich. Die Kosten tragen Sie in Deutschland selbst. Lassen Sie sich die Eignung in einer gründlichen Voruntersuchung bestätigen.

Brauche ich mit Hornhautverkrümmung spezielle Kontaktlinsen?

Ja, bei einem relevanten Astigmatismus brauchen Sie torische weiche Linsen oder formstabile Linsen; normale weiche Linsen gleichen ihn nicht aus. Torische Linsen sind so stabilisiert, dass sie sich beim Lidschlag nicht verdrehen. Bei irregulärem Astigmatismus helfen nur formstabile, Hybrid- oder Sklerallinsen.

Mein Kind hat eine Hornhautverkrümmung – muss es eine Brille tragen?

Das hängt von Alter, Stärke und Seitenunterschied ab; ein leichter Astigmatismus bis etwa 1 Dioptrie braucht bei Kindern oft keine Brille. Bei stärkerem Astigmatismus oder einem Unterschied zwischen beiden Augen sollte das Kind die Brille konsequent tragen, damit sich die Sehschärfe normal entwickelt. Je früher, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Die Schwachsichtigkeit lässt sich nur im Kindesalter gut behandeln.

Kann man bei der Operation des Grauen Stars die Hornhautverkrümmung mitkorrigieren?

Ja, mit einer torischen Kunstlinse lässt sich ein regelmäßiger Hornhautastigmatismus bei der Katarakt-Operation gleich mit ausgleichen. Das lohnt sich vor allem ab etwa 1 Dioptrie. In Deutschland tragen Sie die Mehrkosten für die torische Linse selbst. Besprechen Sie vor der Operation, ob Ihre Hornhaut dafür regelmäßig genug ist.

Darf ich mit Hornhautverkrümmung Auto fahren?

Ja, wenn Sie mit Ihrer Brille oder Ihren Kontaktlinsen die vorgeschriebene Sehschärfe erreichen. Ist eine Sehhilfe nötig, wird das im Führerschein vermerkt und Sie müssen sie beim Fahren tragen. Fällt Ihnen nachts starke Blendung auf, lassen Sie Ihre Brillenwerte überprüfen.

Ist eine Hornhautverkrümmung dasselbe wie ein Keratokonus?

Nein, der gewöhnliche Astigmatismus ist eine angeborene, stabile Formabweichung, der Keratokonus dagegen eine fortschreitende Erkrankung, bei der die Hornhaut dünner wird und sich kegelförmig vorwölbt. Ein Keratokonus verursacht aber einen zunehmenden, oft irregulären Astigmatismus. Nimmt Ihr Astigmatismus in jungen Jahren rasch zu, sollte die Hornhaut deshalb genau vermessen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 34 Quellen anzeigen
  1. Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (mit IQWiG) (DE)
  2. Schwachsichtigkeit bei Kindern – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (DE)
  3. Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at) (DE)
  4. Torische Kunstlinsen zur Astigmatismuskorrektur (Findl O, Hirnschall N) – Spektrum der Augenheilkunde, Springer Medizin (DE)
  5. Neue Brille? Krankenkasse zahlt nur in Ausnahmefällen – Verbraucherzentrale (DE)
  6. Hilfsmittel-Richtlinie (in Kraft seit 16.05.2025), §§ 12 bis 15 Sehhilfen und Kontaktlinsen – Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (DE)
  7. Sehscreening bei Kindern: Abschluss der Methodenbewertung (16.07.2015) – Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (DE)
  8. Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe – KRC-Empfehlungen, Stand Mai 2024 – Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) von DOG und BVA (DE)
  9. § 137 ASVG – Heilbehelfe (Brillen, Kontaktlinsen) – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) (DE)
  10. Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen des Kindes – oesterreich.gv.at, Bundesministerium (DE)
  11. Refractive, corneal and ocular residual astigmatism: distribution in a large cohort (Gutenberg Health Study) – Schuster AK, Mirshahi A et al., Springer Medizin (EN)
  12. Astigmatism (StatPearls) – NCBI Bookshelf, National Library of Medicine (EN)
  13. What Is Astigmatism? – American Academy of Ophthalmology (EN)
  14. Astigmatism – National Eye Institute (NIH) (EN)
  15. Astigmatism – Moorfields Eye Hospital NHS Foundation Trust (EN)
  16. Astigmatism – NHS 111 Wales (EN)
  17. Astigmatism (Patienteninformation für Kinder) – University Hospitals Sussex NHS Foundation Trust (EN)
  18. Prevalence of refractive errors in the world: a systematic review and meta-analysis (Hashemi et al.) – Journal of Current Ophthalmology, PMC (EN)
  19. Baseline characteristics of children in the Early Glasses Study – PMC, National Library of Medicine (EN)
  20. Prevalence of Corneal Astigmatism in an NHS Cataract Surgery Practice in Northern Ireland – PMC, National Library of Medicine (EN)
  21. Toric Intraocular Lenses (StatPearls) – NCBI, National Library of Medicine (EN)
  22. Optimizing Outcomes With Toric IOLs – EyeNet Magazine, American Academy of Ophthalmology (EN)
  23. Toric Implantable Collamer Lens for the Treatment of Myopic Astigmatism – PMC, National Library of Medicine (EN)
  24. Astigmatisme – Clínica Universidad de Navarra (französische Fassung) (FR)
  25. Dépistage de l'amblyopie en France – La Revue du Praticien (FR)
  26. Astigmatisme interne et lésions oculaires associées – Journal Français d'Ophtalmologie (EM-Consulte) (FR)
  27. Chirurgie réfractive – Manuel MSD, version pour professionnels de santé (FR)
  28. Lentilles intraoculaires toriques versus incisions limbiques relaxantes (Lake et al., CD012801) – Cochrane (FR)
  29. Astigmatismo – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  30. Astigmatismo (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  31. Astigmatismo – MedlinePlus en español (NLM/NIH) (ES)
  32. Astigmatismo – National Eye Institute (NIH), versión en español (ES)
  33. Cirugía refractiva del astigmatismo – Redacción Médica, Diccionario de enfermedades (ES)
  34. Cirugía refractiva en astigmatismo hipermetrópico con presbicia (PREEVID) – Servicio Murciano de Salud (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss