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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Lider und Tränenwege

Rosazea am Auge (Okuläre Rosazea)

Die Rosazea am Auge (okuläre Rosazea) ist eine chronische Entzündung von Lidrändern und Augenoberfläche, die zur Hautkrankheit Rosazea gehört. Sie betrifft einen großen Teil der Menschen mit Rosazea, kommt aber auch ohne sichtbare Hautzeichen und schon bei Kindern vor und wird deshalb oft jahrelang übersehen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 34 Minuten · 31 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

Die Rosazea am Auge ist die Augenform der Rosazea, einer chronisch-entzündlichen Hautkrankheit des Gesichts. Sie zeigt sich vor allem als beidseitige Entzündung der Lidränder mit gestörten Talgdrüsen im Lid (Meibom-Drüsen) und kann auf Bindehaut und Hornhaut übergreifen. Fachleute sprechen von okulärer Rosazea oder Ophthalmorosazea.

Die Beschwerden ähneln einem trockenen Auge oder einer gewöhnlichen Lidrandentzündung: Brennen, Sandkorngefühl, gerötete und verkrustete Lider, tränende Augen und Lichtempfindlichkeit. Typisch sind außerdem immer wiederkehrende Hagel- und Gerstenkörner. Weil diese Zeichen so alltäglich wirken, bringen viele Betroffene sie nicht mit ihrer Gesichtsrötung in Verbindung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Häufig und oft übersehen: Je nach Studie hat ein Drittel bis die Hälfte der Menschen mit Rosazea auch Augenbeschwerden, manche Erhebungen nennen deutlich mehr.
  • Auch ohne Hautzeichen: Bei bis zu einem Fünftel der Betroffenen beginnen die Augenbeschwerden vor der Hautrötung, manchmal bleibt es beim Auge allein.
  • Haut sagt nichts über das Auge: Eine milde Gesichtsrötung kann mit einer kräftigen Augenentzündung einhergehen und umgekehrt.
  • Nicht heilbar, aber gut kontrollierbar: Grundlage ist die tägliche Lidhygiene. Dazu kommen Tränenersatzmittel, entzündungshemmende Augentropfen und in schwereren Fällen über Monate Tabletten wie Doxycyclin oder Azithromycin.
  • Die Hornhaut ist der kritische Punkt: Greift die Entzündung auf die Hornhaut über, drohen Narben und Sehverlust. Schmerzen, Lichtscheu und schlechteres Sehen gehören deshalb rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
  • Kinder sind besonders gefährdet: Bei ihnen stehen die Augen oft im Vordergrund, die Hornhaut ist häufiger betroffen und die Diagnose kommt im Mittel erst nach mehr als einem Jahr.
  • Nicht ansteckend und nicht die Folge mangelnder Hygiene.

Die Behandlung braucht Geduld: Tabletten wirken frühestens nach sechs bis acht Wochen, die Lidpflege bleibt oft dauerhaft. Am besten arbeiten dabei Augenheilkunde und Hautheilkunde zusammen.

2 Symptome

In diesem Kapitel (17)

Welche Beschwerden sind bei Rosazea am Auge typisch?

Am häufigsten sind Brennen, Fremdkörpergefühl, Trockenheitsgefühl und gerötete Lidränder an beiden Augen. Die Beschwerden sind unspezifisch: Sie gleichen weitgehend denen eines trockenen Auges oder einer gewöhnlichen Lidrandentzündung. Gerade deshalb wird die Rosazea als Ursache oft lange nicht erkannt.

Die häufigsten Beschwerden im Überblick:

  • Brennen und Stechen in den Augen
  • Fremdkörper- oder Sandkorngefühl („als hätte ich Sand im Auge“)
  • Trockenheitsgefühl, oft zugleich tränende Augen
  • Juckreiz an Lidern und Lidrand
  • gerötete Augen und gerötete, geschwollene Lidränder
  • Krusten, Schuppen und verklebte Wimpern, besonders am Morgen
  • Lichtempfindlichkeit
  • wiederkehrende Gerstenkörner und Hagelkörner
  • verschwommenes oder schwankendes Sehen, das sich beim Blinzeln bessert
  • sichtbare feine Äderchen am Lidrand

Viele Betroffene haben nur einige dieser Zeichen, und die Stärke wechselt. Leichte Trockenheit und Juckreiz bleiben oft lange unbemerkt oder werden als „empfindliche Augen“ abgetan.

Wie fühlt sich eine okuläre Rosazea im Alltag an?

Die meisten beschreiben müde, brennende, „wunde“ Augen, die sich schlechter anfühlen, sobald es heiß, windig oder trocken ist. Lange Bildschirmarbeit, Lesen oder Autofahren verstärken das Brennen, weil man dabei seltener blinzelt. Manche merken, dass die Augen nach einem Glas Wein, einer scharfen Mahlzeit oder einem heißen Getränk zusammen mit dem Gesicht „aufflammen“.

Die Beschwerden kommen in Schüben. Auf Wochen mit fast ruhigen Augen folgen Phasen mit roten, geschwollenen Lidern und häufigem Reiben. Viele Betroffene haben schon mehrere Augentropfen ausprobiert, oft ohne anhaltenden Erfolg.

Warum sind die Beschwerden morgens oft am stärksten?

Über Nacht sammelt sich zähes, verändertes Drüsenfett am Lidrand, und die Lider sind beim Aufwachen verklebt und verkrustet. Deshalb brennen und jucken die Augen bei vielen Betroffenen gleich nach dem Aufstehen am meisten. Das unterscheidet die Lidrandentzündung von einem trockenen Auge durch zu wenig Tränenflüssigkeit, das sich eher im Lauf des Tages und gegen Abend verschlechtert.

Bei der okulären Rosazea kommen beide Formen häufig zusammen vor. Dann gibt es sowohl morgendliche als auch abendliche Beschwerden.

Warum tränt das Auge, obwohl es sich trocken anfühlt?

Das Tränen ist eine Gegenreaktion auf einen instabilen Tränenfilm. Die Meibom-Drüsen im Lid liefern normalerweise eine dünne Fettschicht, die den Tränenfilm vor dem Verdunsten schützt. Fehlt diese Schicht oder ist sie verändert, verdunstet die Tränenflüssigkeit zu schnell, die Augenoberfläche trocknet aus und die Tränendrüse schüttet als Reflex viel wässrige Flüssigkeit aus.

Diese Reflextränen laufen oft über die Wange, benetzen das Auge aber schlecht. Typisch ist das Tränen bei kalter Winterluft und Wind.

Was ist am Lidrand zu sehen?

Der Lidrand ist bei der okulären Rosazea fast immer verändert: gerötet, verdickt und oft mit feinen erweiterten Äderchen (Teleangiektasien) durchzogen. Diese Äderchen finden Augenärztinnen und Augenärzte je nach Studie bei etwa der Hälfte bis über 90 Prozent der Betroffenen. Eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen liegt bei bis zu neun von zehn Betroffenen vor.

Weitere Befunde am Lidrand:

  • verstopfte, erhabene Drüsenöffnungen, aus denen sich auf Druck trübes, zähes, wachsartiges oder gelbliches Sekret drücken lässt
  • abgerundete, unregelmäßige oder eingekerbte Lidkanten
  • Krusten und Schuppen an den Wimpernwurzeln, manchmal kleine Pusteln am Wimpernrand
  • Schwellung der Lider oder der Haut rund um das Auge (Lidödem)
  • bei Demodex-Milben: röhrenförmige Schuppenmanschetten um die Wimpernbasis
  • bei langem Verlauf: Lidnarben, Wimpernverlust oder nach innen wachsende Wimpern

Warum kommen Hagelkörner und Gerstenkörner immer wieder?

Verstopfte Meibom-Drüsen sind die gemeinsame Ursache: Staut sich das zähe Drüsenfett im Lid, entsteht ein Hagelkorn, entzündet sich eine Drüse eitrig, ein Gerstenkorn. Menschen mit okulärer Rosazea haben dafür ein deutlich erhöhtes Risiko. Wer immer wieder solche Knoten bekommt, sollte deshalb an eine Rosazea denken lassen.

Bei Kindern gilt die okuläre Rosazea in der französischen Fachliteratur sogar als Hauptursache wiederkehrender Hagelkörner. Manche Kinder haben über Jahre hinweg einen Knoten nach dem anderen.

Woran erkennt man, dass die Bindehaut beteiligt ist?

Das Auge ist dauerhaft oder schubweise gerötet, meist an beiden Augen ähnlich. Die Rötung liegt oft vor allem im Bereich der Lidspalte, also dort, wo das Auge bei geöffneten Lidern frei liegt. Viele Betroffene bekommen deshalb über Jahre die Diagnose „wiederkehrende Bindehautentzündung“.

An der Spaltlampe sieht die Ärztin oder der Arzt manchmal kleine Bläschen und Knötchen der Bindehaut (Follikel, Papillen) oder kleine entzündliche Knötchen am Hornhautrand (Phlyktänen). Ein wichtiger Hinweis ist ein rotes Auge, das auf übliche antibiotische Augentropfen nicht anspricht.

Wann ist die Hornhaut betroffen, und wie merkt man das?

Die Hornhaut ist bei einem Teil der Betroffenen mitbeteiligt, in Studien bei etwa einem Viertel bis einem Drittel, nach manchen Angaben bis zur Hälfte. Das ist die ernsteste Form, weil Hornhautschäden das Sehen dauerhaft beeinträchtigen können. Warnzeichen sind Augenschmerzen, deutliche Lichtscheu, verschwommenes Sehen und ein Auge, das röter wird als sonst.

Die Hornhautbeteiligung reicht von leicht bis schwer:

  1. Feine Oberflächenschäden (punktförmige Keratitis): oft am unteren Hornhautdrittel, mit Farbstoff sichtbar; das früheste Hornhautzeichen.
  2. Gefäßeinsprossung: Vom Rand wachsen feine Blutgefäße in die eigentlich gefäßfreie Hornhaut ein.
  3. Infiltrate: kleine graue oder weißliche Entzündungsherde, häufig am Rand.
  4. Geschwür und Ausdünnung: Die Hornhaut wird an einer Stelle dünner, manchmal infiziert sich das Geschwür.
  5. Durchbruch (Perforation): selten, aber ein Notfall mit Gefahr der Erblindung.

Abheilende Entzündungen hinterlassen Narben (Leukom) und eine unregelmäßige Hornhautkrümmung. Narben am Hornhautrand und eingewachsene Gefäße verraten der Augenärztin oft frühere Schübe, auch wenn sie unbemerkt verliefen. Mehr zur Hornhaut lesen Sie unter Hornhautentzündung.

Kann die Rosazea auch Lederhaut und Regenbogenhaut entzünden?

Ja, aber selten. Möglich sind Entzündungen der Bindegewebsschicht über der Lederhaut (Episkleritis), der Lederhaut selbst (Skleritis) oder kombiniert von Lederhaut und Hornhaut. Auch eine Entzündung der Regenbogenhaut wird beschrieben. Tiefe, bohrende Augenschmerzen sprechen eher für eine solche Beteiligung und gehören rasch in augenärztliche Hände.

Wie verändert sich das Sehen?

Meist ist das Sehen nur schwankend unscharf und wird nach dem Blinzeln wieder klarer. Das liegt am unruhigen Tränenfilm, der die Oberfläche des Auges ungleichmäßig bedeckt. Besonders bei längerem Lesen oder am Bildschirm verschwimmen die Buchstaben.

Anders ist es bei Hornhautschäden: Narben, Gefäße oder eine verzerrte Hornhautkrümmung verschlechtern das Sehen dauerhaft und lassen sich durch Blinzeln nicht bessern. Eine bleibende Sehverschlechterung ist deshalb immer ein Grund für eine baldige Kontrolle.

Welche Hautzeichen gehören zur Rosazea?

Die Haut zeigt typischerweise eine Rötung der Gesichtsmitte an Wangen, Nase, Kinn und Stirn. Dazu können kommen:

  • anfallsartiges Erröten (Flush), etwa nach Alkohol, Hitze oder Aufregung
  • erweiterte, sichtbare Äderchen im Gesicht
  • Knötchen und Pusteln, oft mit Akne verwechselt, aber ohne Mitesser
  • brennende, trockene, schuppige und empfindliche Haut
  • Schwellungen, besonders rund um die Augen
  • bei Männern häufiger eine Knollennase (Rhinophym), meist erst spät

Auf brauner oder schwarzer Haut ist die Rötung schwerer zu erkennen. Rosazea wird bei dunklerer Haut deshalb wahrscheinlich seltener diagnostiziert, obwohl sie vorkommt. Make-up kann die Zeichen ebenfalls verdecken.

Passt die Schwere der Haut zur Schwere am Auge?

Nein. Der Schweregrad der Hautveränderungen sagt nichts darüber aus, wie stark die Augen betroffen sind. Ein Großteil der Menschen mit okulärer Rosazea hat nur geringe Hautveränderungen, nach einer Quelle bis zu neun von zehn. Umgekehrt kann jemand mit deutlicher Gesichtsrötung ruhige Augen haben.

In welcher Reihenfolge treten Haut- und Augenzeichen auf?

Meist kommt die Haut zuerst. In Studien zeigten sich bei etwa der Hälfte zuerst die Hautzeichen, bei etwa einem Viertel bis der Hälfte traten Haut und Augen gleichzeitig auf. Bei bis zu 20 Prozent gehen die Augenbeschwerden der Hauterkrankung voraus, manchmal um mehrere Jahre.

Selten bleibt die Erkrankung auf das Auge beschränkt. Diese „primäre okuläre Rosazea“ ist schwer zuzuordnen, weil der wichtigste Hinweis im Gesicht fehlt.

Sind beide Augen betroffen?

In der Regel ja, allerdings oft unterschiedlich stark. Ein Auge kann deutlich schwerer erkrankt sein als das andere. In einem beschriebenen Fall hatte ein neunjähriges Mädchen auf einem Auge einen Hornhautdurchbruch, während das andere nur leicht betroffen war. Bei Kindern beginnen manche Formen auch einseitig.

Tabelle: Was Betroffene spüren und was die Augenärztin findet

Die Tabelle stellt die Beschwerden den Befunden gegenüber. Die Prozentangaben stammen aus einzelnen Studien und schwanken stark.

BereichWas Sie spüren oder sehenWas die Untersuchung zeigt
Lidrandrote, geschwollene, verkrustete Lider, morgens verklebtÄderchen am Lidrand (etwa 50 bis 94 Prozent), verstopfte Meibom-Drüsen (bis 92 Prozent), zähes Sekret
TränenfilmBrennen, Trockenheit, Tränen, schwankendes Sehenverkürzte Aufreißzeit, Schaum und Partikel im Tränenfilm
Lid insgesamtwiederkehrende KnotenHagelkörner, Gerstenkörner, Lidnarben
Bindehautdauerhaft rotes AugeRötung, Follikel, Papillen, Phlyktänen
HornhautSchmerz, Lichtscheu, schlechteres SehenPunktschäden, Gefäßeinsprossung, Infiltrate, Geschwür, Narben (etwa 25 bis 50 Prozent)
HautRötung, Flush, PustelnRötung der Gesichtsmitte, Äderchen, Knötchen

Was bemerken Angehörige?

Angehörigen fallen vor allem gerötete Augen und Lider, eine gerötete Gesichtsmitte und häufiges Augenreiben auf. Oft bemerken sie auch, dass die Lider morgens verklebt sind und immer wieder Hagel- oder Gerstenkörner auftauchen. Bei Kindern sind häufiges Blinzeln, Zukneifen der Augen bei Licht und ein Rückzug vom Lesen oder vom Bildschirm mögliche Zeichen.

Manche Betroffene leiden zudem seelisch unter der sichtbaren Rötung im Gesicht und an den Augen. Auch das ist ein Teil der Erkrankung, den das Umfeld wahrnimmt.

Wie zeigt sich die okuläre Rosazea bei Kindern?

Bei Kindern stehen die Augen meist im Vordergrund, während die Haut unauffällig ist oder nur dezent gerötet. Die Fachliteratur spricht von einer kindlichen Blepharokeratokonjunktivitis, also einer Entzündung von Lid, Hornhaut und Bindehaut zugleich. Sie beginnt meist zwischen dem ersten und 14. Lebensjahr und wird oft zwischen drei und neun Jahren erkannt.

Typische Zeichen bei Kindern:

  • chronisch gerötete, verkrustete Lidränder, manchmal nur an einem Auge
  • über Jahre immer wieder Hagelkörner oder Gerstenkörner
  • wiederholte „Bindehautentzündungen“, die nicht richtig abheilen
  • Rötungsschübe über einige Tage mit Tränen, oft einseitig, durch Knötchen am Hornhautrand (Phlyktänen)
  • Lichtscheu, häufiges Blinzeln, Reiben und Brennen
  • schlechteres Sehen durch Hornhautnarben

Lichtscheu bei einem Kind mit roten Augen muss immer an eine Hornhautbeteiligung denken lassen. Die Hornhaut ist bei Kindern deutlich häufiger betroffen als bei Erwachsenen, oft auch die mittlere und zentrale Hornhaut.

Hautzeichen fehlen bei Kindern oft. In einer türkischen Serie hatten nur 5 von 21 Kindern Hautveränderungen, und in einer Übersichtsarbeit begannen bei mehr als der Hälfte der Kinder die Augenbeschwerden vor der Haut. Wenn die Haut beteiligt ist, ähnelt sie oft einer Rötung um den Mund (periorale Dermatitis); eine Knollennase kommt bei Kindern nicht vor.

Kinder klagen selten über Trockenheit. Manche haben fast keine Beschwerden: Ein sechsjähriges Mädchen fiel erst beim Sehtest der Vorsorgeuntersuchung auf, als bereits Hornhautnarben und eine leichte Hornhautverkrümmung bestanden. Unbehandelt kann daraus eine Schwachsichtigkeit entstehen.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (10)

Was ist die Ursache der Rosazea am Auge?

Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel aus erblicher Veranlagung, einer überschießenden Abwehrreaktion des Körpers, fehlgesteuerten kleinen Blutgefäßen und Umweltfaktoren wie Sonnenlicht aus. Am Auge kommt die gestörte Funktion der Meibom-Drüsen dazu, die den Tränenfilm instabil macht.

Was passiert in den Lidern und auf der Augenoberfläche?

Die Meibom-Drüsen im Lid bilden bei Rosazea ein zähes, verändertes Fett, das die Drüsenöffnungen verstopft. Dadurch fehlt dem Tränenfilm seine schützende Fettschicht, die Tränen verdunsten zu schnell und die Augenoberfläche trocknet aus. Fachleute nennen das ein verdunstungsbedingtes trockenes Auge.

Daraus entsteht ein Teufelskreis: Das trockene Auge reizt den Lidrand, der entzündete Lidrand verschlechtert die Drüsenfunktion und trocknet das Auge weiter aus. In der Tränenflüssigkeit lassen sich vermehrt Entzündungsstoffe nachweisen, darunter Botenstoffe des Immunsystems und Enzyme, die Gewebe abbauen. Sie schädigen auf Dauer Bindehaut und Hornhaut.

Welche Rolle spielen die Blutgefäße?

Bei Rosazea reagieren die kleinen Blutgefäße überempfindlich und erweitern sich leicht. Ein körpereigener Abwehrstoff der Haut (Cathelicidin) wird bei Rosazea fehlerhaft verarbeitet und fördert Entzündung und Gefäßerweiterung. Zusammen mit einem Wachstumssignal für Gefäße (VEGF) erklärt das die Äderchen am Lidrand und die Gefäßeinsprossung in die Hornhaut.

Sind Milben schuld?

Haarbalgmilben (Demodex) sind bei Rosazea vermehrt nachweisbar und gelten als Mitspieler, nicht als alleinige Ursache. Diese winzigen Milben leben bei vielen gesunden Menschen in Haarbälgen und an den Wimpern. Bei Rosazea ist ihre Dichte auf der Haut erhöht, und sie können die Lidrandentzündung verstärken.

Diskutiert wird auch ein Bakterium, das die Milben in sich tragen (Bacillus oleronius). Wie wichtig die Milben für die Augenbeschwerden genau sind, ist noch umstritten.

Ist Rosazea erblich?

Eine Veranlagung wird vererbt. Rosazea tritt in Familien gehäuft auf, und Studien schätzen, dass Erbanlagen ungefähr die Hälfte zum Krankheitsrisiko beitragen. Häufiger betroffen sind Menschen mit heller Haut, etwa mit irischen oder nordeuropäischen Vorfahren. Bei dunkler Haut kommt Rosazea ebenfalls vor, wird aber häufiger übersehen.

Wer erkrankt besonders oft?

Am häufigsten erkranken Erwachsene zwischen etwa 30 und 60 Jahren. Bei Menschen mit okulärer Rosazea sind rund vier von fünf älter als 30 Jahre, das mittlere Alter bei der ersten Vorstellung liegt um 50 Jahre. Ob Frauen oder Männer häufiger betroffen sind, beantworten die Quellen unterschiedlich: Viele Studien finden beide Geschlechter etwa gleich oft, Frauen werden aber häufiger und früher diagnostiziert.

Als weitere Risikofaktoren gelten Rauchen und Übergewicht. Rosazea ist außerdem gehäuft mit Herz-Kreislauf-, Magen-Darm- und Autoimmunerkrankungen verbunden; ob dahinter eine gemeinsame Entzündungsneigung steckt, ist offen.

Welche Auslöser verschlimmern die Beschwerden?

Typische Auslöser sind Hitze, Sonne, Alkohol, scharfe Speisen und heiße Getränke. Sie verursachen die Krankheit nicht, lösen aber Schübe an Haut und Augen aus. Welche Auslöser eine Rolle spielen, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

BereichHäufig genannte Auslöser
Klima und UmgebungSonne und UV-Licht, Hitze, Kälte, Wind, rasche Temperaturwechsel, heiße Bäder und Duschen, Sauna
Essen und TrinkenAlkohol, scharfe Gewürze wie Pfeffer und Curry, heiße Getränke; seltener genannt Kaffee, Tee und Milchprodukte
Körper und Gefühlestarke körperliche Anstrengung, Stress, Aufregung, Fieber, hormonelle Schwankungen wie Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre
Pflegereizende Kosmetika, Seifen, zu fette Cremes, Gesichtswasser mit Menthol oder Kampfer
GenussmittelRauchen

Beim Alkohol sind sich die Fachleute nicht einig: Eine britische Studie spricht dagegen, dass Alkohol für die Entstehung wichtig ist. Als Auslöser für einen Schub nennen ihn aber viele Betroffene.

Können Medikamente eine Rosazea verschlechtern?

Ja, einige Medikamente können die Rosazea verschlechtern. Am bekanntesten sind Kortisoncremes im Gesicht und kortisonhaltige Nasensprays; vereinzelt werden auch Kortison-Augentropfen als möglicher Auslöser genannt. Genannt werden außerdem das Herzmittel Amiodaron, Niacin, bestimmte Blutdruckmittel (Betablocker) und sehr hohe Dosen von Vitamin B6 und B12.

Setzen Sie verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab. Sprechen Sie stattdessen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob es eine Alternative gibt.

Welche Risikofaktoren gibt es bei Kindern?

Bei Kindern werden mangelnde Lidhygiene, eine schuppende Hautentzündung (seborrhoische Dermatitis), eine Neigung zu Allergien und Neurodermitis (Atopie), Demodex-Milben und Hautbakterien im Drüsensekret als Risikofaktoren genannt. Ein Teil der Entzündung beruht wohl auf einer verzögerten Überempfindlichkeit gegen Bakterienbestandteile am Lidrand. Bei Kindern mit wiederkehrenden Hagelkörnern sollte zudem eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit ausgeschlossen werden.

Ist die okuläre Rosazea ansteckend oder eine Folge schlechter Hygiene?

Nein, beides nicht. Die Rosazea ist keine Infektion und wird weder durch Berührung noch durch Handtücher übertragen. Sie ist auch keine Folge mangelnder Sauberkeit. Die gezielte Lidhygiene ist trotzdem wichtig, weil sie die verstopften Drüsen entlastet.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (7)

Wie wird eine Rosazea am Auge festgestellt?

Die Diagnose ist eine klinische Diagnose: Die Augenärztin oder der Augenarzt stellt sie aus Beschwerden, Vorgeschichte und dem Befund an der Spaltlampe. Einen spezifischen Bluttest oder Labortest gibt es nicht. Entscheidend ist, dass jemand die Augenbeschwerden mit der Haut in Verbindung bringt.

Welche Fragen stellt die Ärztin oder der Arzt?

Das Gespräch dreht sich um Augen und Haut zugleich. Typische Fragen sind:

  • Wann brennen die Augen am stärksten, morgens oder abends?
  • Hatten Sie schon mehrere Hagel- oder Gerstenkörner?
  • Werden Sie leicht rot im Gesicht, etwa nach Alkohol, Hitze oder Aufregung?
  • Haben Sie Knötchen oder Pusteln im Gesicht, die wie Akne aussehen?
  • Welche Augentropfen und Hautmittel haben Sie schon verwendet, mit welchem Erfolg?
  • Gibt es Rosazea in Ihrer Familie?

Es hilft, ungeschminkt zur Untersuchung zu kommen, damit die Ärztin das ganze Gesicht beurteilen kann. Fotos von Rötungsschüben auf dem Handy sind ebenfalls nützlich.

Was wird an der Spaltlampe untersucht?

An der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt, betrachtet die Augenärztin Lidränder, Wimpern, Meibom-Drüsen, Bindehaut und Hornhaut in starker Vergrößerung. Ein internationales Expertengremium (ROSCO, 2019) empfiehlt, diese Bereiche einzeln zu beurteilen und jeweils den Schweregrad festzuhalten. Mit leichtem Druck auf den Lidrand prüft sie, ob und wie zäh das Drüsensekret austritt.

Welche Zusatztests gibt es?

Zusatztests messen den Tränenfilm und machen Hornhautschäden sichtbar; sie sind hilfreich, aber nicht spezifisch für Rosazea.

  • Tränenfilm-Aufreißzeit: Nach einem Tropfen Farbstoff (Fluoreszein) wird gemessen, wie schnell der Tränenfilm aufreißt. Bei Rosazea geht das oft rasch.
  • Anfärbung der Hornhaut: Derselbe Farbstoff zeigt feine Oberflächenschäden in blauem Licht.
  • Schirmer-Test: Ein Papierstreifen im Unterlid misst die Tränenmenge. Bei Rosazea ist sie oft normal, weil das Problem die Verdunstung ist.
  • Meibographie: Eine Infrarotaufnahme zeigt Form und Zahl der Meibom-Drüsen. Ein unauffälliges Bild schließt eine teilweise Verstopfung aber nicht aus.
  • Wimpernprobe: Gezogene Wimpern werden unter dem Mikroskop auf Demodex-Milben untersucht.
  • Abstrich: Bei einem Hornhautgeschwür hilft er, eine Infektion durch Bakterien, Pilze oder Viren zu erkennen.

Braucht es auch eine Hautärztin oder einen Hautarzt?

Ja, im Idealfall stellen Augenheilkunde und Hautheilkunde die Diagnose gemeinsam. Die Hautärztin erkennt die Rosazea im Gesicht oft auf einen Blick und behandelt die Haut mit. Eine Gewebeprobe der Haut ist nur in unklaren Fällen nötig und beweist die Rosazea nicht sicher.

Umgekehrt gilt: Wer eine Rosazea der Haut hat, sollte die Augen untersuchen lassen, auch wenn sie kaum Beschwerden machen. Die Barmer empfiehlt eine augenärztliche Untersuchung bei der Erstdiagnose und danach etwa einmal jährlich.

Welche Krankheiten sehen ähnlich aus?

Die okuläre Rosazea muss vor allem von anderen Formen der Lidrandentzündung, vom trockenen Auge und von Infektionen abgegrenzt werden. Die wichtigsten Verwechslungsmöglichkeiten:

ErkrankungWas ähnlich istWas anders ist
gewöhnliche Lidrandentzündung (Staphylokokken, seborrhoisch)Krusten, rote Lidränderkeine Gesichtsrötung, seltener Hornhautschäden
Trockenes Auge, Sjögren-SyndromBrennen, Fremdkörpergefühloft zu wenig Tränen; beim Sjögren-Syndrom auch trockener Mund
Allergische BindehautentzündungJucken, Rötungstarker Juckreiz, oft saisonal, Heuschnupfen
Infektiöse Bindehautentzündungrotes, tränendes Augeheilt meist in Tagen ab, oft eitriges Sekret oder Erkältung
Herpes am AugeRötung, Hornhautentzündung, Lichtscheumeist einseitig, ohne Lidrandentzündung, typisches Muster an der Hornhaut
Episkleritisumschriebene Rötungeher fleckförmig, ohne Lidrandbefund
Lidtumoreinseitige, hartnäckige LidrandentzündungWimpernverlust an einer Stelle, kein Ansprechen auf Behandlung; Gewebeprobe nötig

Seltener kommen ein vernarbendes Schleimhautpemphigoid, Lupus oder eine Neurodermitis am Lid in Frage. An der Haut sind Akne, periorale Dermatitis, Kontaktekzem und Hautschäden durch Kortison abzugrenzen.

Wie wird die Diagnose bei Kindern gestellt?

Bei Kindern ist die Diagnose schwieriger und kommt oft spät. In einer Übersichtsarbeit verzögerte sie sich bei 34 von 41 Kindern, im Mittel um 27 Monate und in Einzelfällen um bis zu zehn Jahre. Häufige Fehldiagnosen sind Herpes, eine allergische Bindehautentzündung oder eine „einfache“ Bindehautentzündung.

Fachleute haben für Kinder Kriterien vorgeschlagen: Mindestens zwei Zeichen sollen vorliegen, etwa wiederkehrender Flush, Äderchen im Gesicht, Pusteln ohne Mitesser, Befall der vorspringenden Gesichtsteile oder Augenzeichen wie wiederkehrende Hagelkörner, Bindehautrötung oder Hornhautentzündung. Zur Untersuchung gehören bei Kindern immer eine Messung der Fehlsichtigkeit und ein Sehtest, um eine beginnende Schwachsichtigkeit früh zu erkennen. Phlyktänen bei anderen Erkrankungen bleiben meist am Hornhautrand, bei der kindlichen Rosazea kann auch die Hornhautmitte betroffen sein.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (14)

Kann man eine Rosazea am Auge heilen?

Nein, heilen lässt sie sich nicht, aber in den meisten Fällen gut kontrollieren. Ziel ist, die Entzündung zu beruhigen, die Meibom-Drüsen wieder in Gang zu bringen, Schübe zu verhindern und die Hornhaut zu schützen. Die Behandlung ist auf Monate angelegt; nach dem Absetzen kehren die Beschwerden häufig zurück.

Die Studienlage ist begrenzt. Für Wirkstoffe, Dosierungen und Behandlungsdauer am Auge gibt es kaum große Vergleichsstudien, viele Empfehlungen beruhen auf Expertenmeinung. Am besten belegt sind laut einer Übersicht der Spanischen Gesellschaft für Augenheilkunde (2023) Ciclosporin- und Azithromycin-Augentropfen, Tacrolimus am Auge und Doxycyclin als Tablette, möglichst kombiniert.

Wie ist die Behandlung aufgebaut?

Die Behandlung folgt einem Stufenschema nach Schweregrad. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf, die Grundpflege bleibt immer.

StufeTypische SituationBehandlung
LeichtBrennen, rote Lidränder, keine HornhautschädenLidhygiene mit Wärme und Massage, Tränenersatz, Auslöser meiden, Sonnenschutz
Mittelanhaltende Entzündung, wiederkehrende Hagelkörner, feine Hornhautschädenzusätzlich entzündungshemmende Augentropfen (Azithromycin, Ciclosporin), kurz Kortison, Mittel gegen Milben
SchwerHornhautbeteiligung, Gefäßeinsprossung, Infiltratezusätzlich Tabletten (Doxycyclin, alternativ Azithromycin), engmaschige Kontrollen
KomplikationGeschwür, Ausdünnung, Durchbruch, NarbenOperationen an der Hornhaut, Behandlung in einer Spezialklinik

Wie mache ich die Lidhygiene richtig?

Die Lidhygiene ist die wichtigste Maßnahme und gehört zu jeder Stufe: zweimal täglich Wärme, Massage und Reinigung, über mindestens drei Monate und oft dauerhaft. Sie verflüssigt das zähe Drüsenfett, öffnet die Drüsen und entfernt Krusten und Keime vom Lidrand.

  1. Wärmen: Legen Sie mindestens vier bis fünf Minuten, besser fünf bis zehn Minuten lang eine warme Auflage auf die geschlossenen Lider, etwa einen warmen Waschlappen oder eine Wärmemaske. Prüfen Sie die Temperatur vorher an der Innenseite des Handgelenks, damit Sie sich nicht verbrennen; das gilt besonders für Masken aus der Mikrowelle.
  2. Massieren: Streichen Sie das Oberlid mit dem Finger oder einem Wattestäbchen sanft von oben zum Lidrand hin aus, das Unterlid von unten nach oben. So wird das verflüssigte Sekret aus den Drüsen gedrückt. Etwa 30 Sekunden pro Lid genügen.
  3. Reinigen: Wischen Sie den Lidrand mit einem Wattestäbchen oder Wattepad ab. Geeignet sind abgekochtes Wasser, Kochsalzlösung, ein mildes Lidreinigungsmittel oder stark verdünntes Babyshampoo.

Bei manchen Menschen reizt Wärme die Haut. Dann helfen kürzere oder seltenere Anwendungen; besprechen Sie das mit Ihrer Augenärztin. Ob verdünntes Babyshampoo oder reines Wasser besser ist, ist unter Fachleuten umstritten; wichtiger ist, dass Sie regelmäßig dabei bleiben.

Erste Besserungen spüren viele nach einigen Wochen. Hören Sie nicht auf, sobald es besser wird: Die Lidhygiene in beschwerdefreien Zeiten verhindert Rückfälle.

Welche Tränenersatzmittel sind geeignet?

Geeignet sind vor allem fetthaltige (lipidhaltige) Tränenersatzmittel und Sprays, weil sie die fehlende Fettschicht des Tränenfilms ersetzen. Wer mehr als zwei- bis dreimal täglich tropft, sollte Präparate ohne Konservierungsstoffe verwenden, da diese die Augenoberfläche zusätzlich reizen. Für die Nacht kommen dickflüssigere Gele oder Salben in Frage.

Einen Überblick über die verschiedenen Arten finden Sie unter Tränenersatzmittel und Augentropfen gegen trockene Augen.

Welche Augentropfen helfen gegen die Entzündung?

Bei anhaltender Entzündung verschreibt die Augenärztin entzündungshemmende Tropfen, vor allem Azithromycin oder Ciclosporin. Beide wirken bei der Rosazea weniger als Mittel gegen Keime, sondern dämpfen die Entzündung. Bei der okulären Rosazea werden sie in Deutschland und Österreich außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt (Off-Label-Gebrauch).

Azithromycin-Augentropfen

Azithromycin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Makrolide, das zusätzlich entzündungshemmend wirkt. Als Tropfen wird es in kurzen Kuren gegeben, etwa zwei Tage lang zweimal täglich oder einige Tage lang einmal täglich; bei Kindern auch in wiederholten Drei-Tages-Kuren. Das genaue Schema legt die Ärztin fest.

Ciclosporin-Augentropfen

Ciclosporin dämpft das Immunsystem an der Augenoberfläche und eignet sich als Dauerbehandlung. Es spart Kortison ein und wird über Monate gegeben. Anfangs brennt es häufig beim Eintropfen; die volle Wirkung zeigt sich erst nach Wochen. Ähnlich wirkt Tacrolimus, das in manchen Zentren verwendet wird.

Kortison-Augentropfen

Kortison beruhigt einen starken Schub schnell, kommt aber nur kurz in Frage. Bei längerer Anwendung kann es den Augeninnendruck erhöhen und einen Grünen Star oder Grauen Star fördern. Nach dem Absetzen kommen die Beschwerden oft zurück. Unter Kortison sind deshalb Kontrollen des Augendrucks nötig, und bei Verdacht auf eine infektiöse Hornhautentzündung darf es nicht gegeben werden.

Wann sind Tabletten nötig?

Tabletten kommen in Frage, wenn die Hornhaut beteiligt ist oder die örtliche Behandlung nicht reicht. Mittel der ersten Wahl ist Doxycyclin, ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetrazykline. In der niedrigen Dosis bei Rosazea wirkt es vor allem entzündungshemmend und macht das Drüsenfett flüssiger; es geht also nicht in erster Linie darum, Bakterien abzutöten.

Doxycyclin

Doxycyclin wird über mindestens drei Monate eingenommen, oft länger. Für die Haut-Rosazea ist in Deutschland eine Form mit 40 Milligramm und verzögerter Freisetzung zugelassen; bei schweren Verläufen wird anfangs auch höher dosiert und später auf eine niedrige Erhaltungsdosis gesenkt. Eine Cochrane-Übersicht kam zu dem Ergebnis, dass 40 Milligramm wahrscheinlich ähnlich gut wirken wie 100 Milligramm, bei weniger Magen-Darm-Beschwerden.

Die Wirkung setzt langsam ein: frühestens nach sechs bis acht Wochen, eine deutliche Besserung oft erst nach drei bis sechs Monaten. Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Pilzinfektionen, eine erhöhte Sonnenempfindlichkeit der Haut und selten schwere allergische Reaktionen. Meiden Sie während der Einnahme starke Sonne und schützen Sie die Haut gut. Nehmen Sie die Tabletten mit reichlich Wasser und nicht direkt vor dem Hinlegen ein, damit sie die Speiseröhre nicht reizen.

Doxycyclin ist in der Schwangerschaft und bei Kindern unter acht Jahren nicht geeignet, weil es Zähne verfärben und das Knochenwachstum stören kann. Minocyclin ist eine weitere Tablette aus derselben Gruppe.

Azithromycin als Tablette

Azithromycin ist die wichtigste Alternative, wenn Doxycyclin nicht vertragen wird oder nicht erlaubt ist. Es wird meist in Stößen gegeben, etwa an drei Tagen oder einmal wöchentlich über einige Wochen. Die deutsche S2k-Leitlinie zur Rosazea nennt bei Augenbeteiligung Doxycyclin oder Azithromycin beziehungsweise andere Makrolide als mögliche Behandlung. In Frankreich gilt Azithromycin als Tablette bei Rosazea als Off-Label-Gebrauch.

Isotretinoin: eher nicht bei Augenbeteiligung

Niedrig dosiertes Isotretinoin, ein Vitamin-A-Abkömmling, hilft bei schwerer Haut-Rosazea. Am Auge kann es die Trockenheit aber verschlimmern. Bei okulärer Rosazea kommt es deshalb höchstens nach sorgfältiger Abwägung und in Absprache mit der Augenärztin in Frage.

Was hilft gegen Demodex-Milben am Lidrand?

Gegen Milben werden Ivermectin-Creme am Lidrand und Teebaumöl-Präparate eingesetzt, die Studienlage ist aber dünn. In einer rückblickenden Studie mit 75 Patienten besserte Ivermectin-Creme 1 Prozent, nachts über drei Monate auf den Lidrand aufgetragen, die Augenoberfläche. Für die Haut-Rosazea ist Ivermectin-Creme zugelassen, am Lid ist die Anwendung Off-Label, und sie darf nicht ins Auge gelangen.

Teebaumöl in hoher Konzentration tötet Milben, reizt aber stark und kann die Meibom-Drüsen schädigen. Hochkonzentriertes Teebaumöl wird deshalb nur in der Praxis angewendet; schwach konzentrierte Produkte reichen meist nicht aus. In den USA sind Augentropfen mit dem Wirkstoff Lotilaner gegen Demodex-Lidrandentzündung zugelassen; ob sie in Deutschland und Österreich erhältlich sind, fragen Sie am besten Ihre Augenärztin.

Metronidazol-Gel und Ivermectin-Creme für die Gesichtshaut sind nicht für das Auge bestimmt und gehören nicht auf die Bindehaut. Ob und wie sie am Lid angewendet werden dürfen, entscheidet die Ärztin.

Helfen Omega-3-Fettsäuren?

Möglicherweise, aber die Ergebnisse sind uneinheitlich. Eine Übersichtsarbeit empfiehlt Omega-3-Fettsäuren über sechs Monate, und eine Studie bei Kindern fand mit Leinsamenöl weniger Rückfälle nach dem Absetzen der Antibiotika. Andere Studien zum trockenen Auge zeigten keinen klaren Nutzen. Die deutsche Leitlinie nennt Omega-3-Fettsäuren als Möglichkeit, die man erwägen kann.

Welche Geräte- und Praxisbehandlungen gibt es?

Ergänzend gibt es Behandlungen in der Praxis, die die Meibom-Drüsen öffnen; ihr Nutzen ist teils belegt, teils noch unsicher.

  • Intensiv gepulstes Licht (IPL): Lichtblitze auf die Haut unterhalb der Augen, je nach Quelle in einer bis vier Sitzungen, meist mit anschließendem Ausdrücken der Drüsen. Die Augen sind dabei durch Schalen geschützt. IPL soll Entzündung, Äderchen und Milben verringern; die Studienergebnisse sind uneinheitlich.
  • Wärme-Pulsations-Geräte: erwärmen die Lider von innen und massieren sie gleichzeitig.
  • Ausdrücken der Drüsen in der Praxis, bei hartnäckiger Verstopfung auch Sondieren mit sehr dünnen Sonden.
  • Tränenpünktchen-Stöpsel (Punctum Plugs): verschließen die Tränenabflüsse, damit die Tränen länger im Auge bleiben.
  • Hagelkorn-Entfernung, wenn ein Knoten nicht von selbst abheilt.

Diese Verfahren sind in Deutschland und Österreich meist Selbstzahlerleistungen. Lassen Sie sich vorab die Kosten nennen.

Muss auch die Haut behandelt werden?

Ja, eine gute Hautbehandlung ist Teil der Therapie, und manche Hautmittel bessern auch die Lider. Die deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt für die entzündliche Haut-Rosazea Cremes oder Gele mit Azelainsäure, Ivermectin oder Metronidazol und gegen die Rötung Brimonidin-Gel. Laser oder IPL helfen gegen sichtbare Äderchen im Gesicht, werden von den Krankenkassen aber meist nicht bezahlt. Antibiotische Cremes wie Clindamycin oder Erythromycin werden wegen Resistenzen nicht empfohlen.

Welche Operationen gibt es bei Hornhautschäden?

Operationen sind selten und nur bei schweren Hornhautkomplikationen nötig. Bei tiefen oder fortschreitenden Geschwüren kann eine Amnionmembran aufgenäht werden, ein dünnes Gewebe aus der Eihaut, das die Heilung fördert. Bei einem Durchbruch kommen ein Gewebekleber, eine Bindehautdeckung oder ein Hornhautflicken in Frage, oft als Notfalleingriff.

Zentrale Narben, die das Sehen stark stören, lassen sich mit einer Hornhauttransplantation behandeln. Bevorzugt wird ein Verfahren, bei dem nur die vorderen Schichten ersetzt werden (tiefe lamelläre Keratoplastik), weil eine Verpflanzung der ganzen Hornhaut bei Rosazea schlechtere Ergebnisse hat. Gegen bedrohliche Gefäßeinsprossung gibt es eine feine Verödung der Gefäße oder gefäßhemmende Medikamente. Formstabile Sklerallinsen können eine unregelmäßige Hornhaut ausgleichen.

Wie werden Kinder behandelt?

Auch bei Kindern ist die Lidhygiene mit Wärme, Massage und Reinigung die Grundlage, oft über Monate bis Jahre. Eltern übernehmen sie bei kleinen Kindern, am besten als feste Gewohnheit morgens und abends. Eine vorhandene Fehlsichtigkeit wird mit einer Brille korrigiert, und eine Schwachsichtigkeit wird früh behandelt.

  • Unter acht Jahren: keine Tetrazykline. Stattdessen Makrolide als Saft oder Tablette, vor allem Erythromycin oder Azithromycin, meist über mehrere Monate; die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht.
  • Ab acht Jahren: auch Doxycyclin möglich; in Frankreich wird es teils nur jeden zweiten Monat gegeben.
  • Augentropfen: Azithromycin in wiederholten Kurzkuren; Ciclosporin als Erhaltungsbehandlung, vor allem bei häufigen Schüben oder Kortisonbedarf.
  • Kortison-Tropfen: nur in akuten Phasen und kurz, mit Kontrolle des Augendrucks.

Bei schweren Verläufen dauert die gesamte Behandlung oft sechs bis zwölf Monate. Ein zu schnelles Absetzen der Tabletten führt häufiger zu Rückfällen. In einer französischen Serie mit sechs Kindern brachten ein Lidwärmegerät, Massage, Reinigung und Azithromycin-Tropfen eine rasche Besserung, nachdem andere Mittel versagt hatten. In einer türkischen Serie mit 21 Kindern besserte sich die Sehschärfe unter Ciclosporin und Lidhygiene deutlich.

Was gilt in Schwangerschaft und Stillzeit?

Doxycyclin und andere Tetrazykline sind in der Schwangerschaft nicht geeignet, auch einige andere Rosazea-Mittel sind tabu. Die Lidhygiene, konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel und das Meiden von Auslösern bleiben dagegen ohne Einschränkung möglich. Sagen Sie Ihrer Ärztin bei jeder Verordnung, wenn Sie schwanger sind, eine Schwangerschaft planen oder stillen.

Was zahlt die Krankenkasse?

Untersuchung und medizinisch notwendige Behandlung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland und die Sozialversicherung in Österreich, teils mit Zuzahlung oder Selbstbehalt. Rezeptfreie Mittel wie Lidreinigungsprodukte, Wärmemasken und viele Tränenersatzmittel zahlen Erwachsene meist selbst. Laser, IPL und Geräteanwendungen gegen Äderchen oder verstopfte Drüsen gelten in der Regel als Selbstzahlerleistung.

Viele Augentropfen werden bei der okulären Rosazea außerhalb ihrer Zulassung verordnet. Ob die Kasse sie dann bezahlt, ist im Einzelfall verschieden. Fragen Sie in der Praxis nach, ob ein Kassenrezept oder ein Privatrezept ausgestellt wird.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (5)

Wie verläuft eine Rosazea am Auge?

Die okuläre Rosazea verläuft chronisch, meist in Schüben mit besseren und schlechteren Phasen. Ohne Behandlung schreitet sie häufig langsam fort. Der Verlauf ist schwer vorhersehbar; bei manchen Menschen werden die Schübe mit dem Alter milder.

Wie gut ist die Prognose?

Mit konsequenter Behandlung ist die Prognose gut. Viele Betroffene behalten ein normales Sehen und eine gute Lebensqualität, wenn sie die Lidhygiene dauerhaft beibehalten und Schübe früh behandeln lassen. Ungünstiger ist die Aussicht, wenn die Hornhaut beteiligt ist: Die Rosazea-Keratitis ist einer der Hauptgründe für Sehverlust bei Rosazea.

Die Besserung kommt schrittweise. Bei Tabletten rechnen Fachleute mit einer deutlichen Wirkung nach drei bis sechs Monaten; danach ist meist eine Erhaltungsbehandlung nötig.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die wichtigsten Komplikationen betreffen Lid und Hornhaut.

  • immer wiederkehrende Hagel- und Gerstenkörner
  • dauerhaft gerötete Augen und ein zusätzliches trockenes Auge
  • Lidnarben, Wimpernverlust, fehlstehende Wimpern oder ein einwärtsgedrehtes Lid
  • Gefäßeinsprossung und Narben der Hornhaut
  • wiederkehrende Hornhautgeschwüre, die sich infizieren können
  • Ausdünnung und Durchbruch der Hornhaut
  • bleibender Sehverlust, in sehr schweren Fällen Erblindung

Auch die Behandlung selbst kann Folgen haben: Längere Kortisongabe erhöht das Risiko für erhöhten Augendruck, Grünen und Grauen Star.

Wie ist der Verlauf bei Kindern?

Kinder haben nach erfolgreicher Behandlung zwar seltener Rückfälle als Erwachsene, aber deutlich häufiger schwere Komplikationen. Ohne Behandlung können nach einer Übersichtsarbeit bis zu 81 Prozent der betroffenen Kinderaugen bleibende Hornhautschäden erleiden. In einer argentinischen Kinderklinik blieben bei 12 von 25 Kindern mit Augenbeteiligung dauerhafte Folgen wie Hornhautnarben oder schlechteres Sehen.

Narben, eine unregelmäßige Hornhautverkrümmung und eine daraus entstehende Schwachsichtigkeit sind die Hauptgefahren. Je später die Behandlung beginnt, desto schlechter sind die Ergebnisse. Ob die Erkrankung bei Kindern bis ins Erwachsenenalter anhält, ist nicht bekannt.

Wie belastend ist die Erkrankung im Alltag?

Für viele ist die Rosazea mehr als ein Augenproblem. Ständig brennende Augen, die sichtbare Gesichtsrötung und häufige Hagelkörner können das Selbstbild belasten, verunsichern und in manchen Fällen zu Angst oder gedrückter Stimmung führen. Sprechen Sie das in der Praxis an; Hautärztinnen, Hausärzte und Selbsthilfegruppen können weiterhelfen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (8)

Kann man einer Rosazea am Auge vorbeugen?

Verhindern lässt sich die Rosazea nicht, aber Schübe lassen sich deutlich seltener und milder machen. Am wirksamsten sind die tägliche Lidhygiene, das Meiden persönlicher Auslöser und ein guter Sonnenschutz. Wer bereits eine Haut-Rosazea hat, kann durch eine frühe Augenuntersuchung Schäden an der Hornhaut vorbeugen.

Wie finde ich meine persönlichen Auslöser?

Ein Rosazea-Tagebuch, auf Papier oder als App, hilft, die eigenen Auslöser zu finden. Notieren Sie über einige Wochen, wann Haut und Augen aufflammen, und was Sie davor gegessen, getrunken oder erlebt haben. So erkennen Sie Muster, etwa nach Rotwein, einem Saunabesuch oder einem windigen Spaziergang.

Es geht nicht darum, alles zu meiden, sondern die wirklich wichtigen Auslöser zu kennen. Viele Betroffene kommen mit wenigen gezielten Änderungen gut zurecht.

Wie schütze ich Haut und Augen vor Sonne, Wind und Kälte?

Täglicher Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 30 oder höher und eine Sonnenbrille mit UV-Schutz sind sinnvoll. Mineralische Filter wie Zinkoxid oder Titandioxid werden von empfindlicher Haut oft besser vertragen. Bei Kälte und Wind schützen ein Schal und eine eng anliegende Brille Gesicht und Augen.

Wer lichtempfindlich ist, kann mit Augenärztin oder Optiker über selbsttönende Brillengläser sprechen.

Wie pflege ich Gesicht und Lider im Alltag?

Sanft und mit wenigen Produkten. Waschen Sie das Gesicht mit lauwarmem Wasser und einem milden, seifenfreien Reiniger und tupfen Sie es trocken, statt zu reiben. Verzichten Sie auf Peelings, alkohol-, menthol- oder kampferhaltige Gesichtswässer und sehr fettige Cremes.

Behalten Sie die Lidhygiene auch in ruhigen Phasen bei, wenn auch vielleicht nur einmal täglich. Das ist der wichtigste Schutz vor neuen Hagelkörnern und Schüben.

Darf ich Augen-Make-up und Kontaktlinsen tragen?

In ruhigen Phasen meist ja, während eines Schubs besser nicht. Eyeliner und Mascara können die Drüsenöffnungen verstopfen und den Lidrand zusätzlich reizen, Kontaktlinsen verschlechtern den ohnehin instabilen Tränenfilm. Wählen Sie verträgliche, auf Allergien getestete Produkte, tragen Sie Eyeliner nicht auf die Innenkante des Lides auf und entfernen Sie Make-up abends gründlich.

Was hilft bei Bildschirmarbeit und trockener Luft?

Bewusstes Blinzeln, regelmäßige Pausen und feuchtere Raumluft entlasten die Augen. Am Bildschirm blinzeln wir seltener, wodurch der Tränenfilm schneller aufreißt. Ein Luftbefeuchter, das Vermeiden direkter Zugluft durch Heizung, Klimaanlage oder Gebläse im Auto und Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe helfen. Mehr dazu unter Bildschirmarbeit und Augen.

Wie oft sollte ich zur Kontrolle?

Menschen mit Rosazea sollten ihre Augen untersuchen lassen, auch ohne Augenbeschwerden; die Krankenkasse Barmer rät zu einer Kontrolle bei der Erstdiagnose und danach etwa einmal jährlich. Mit bekannter Augenbeteiligung legt die Augenärztin kürzere Abstände fest, besonders unter Kortison-Tropfen oder bei Hornhautbeteiligung. Erzählen Sie Ihrer Hautärztin von Augenbeschwerden und Ihrer Augenärztin von der Haut.

Was sollten Familie und Eltern wissen?

Weil Rosazea in Familien gehäuft vorkommt, lohnt es sich, Verwandte auf die Erkrankung hinzuweisen. Eltern sollten bei Kindern mit immer wiederkehrenden Hagelkörnern, chronisch roten Lidrändern oder Lichtscheu an eine okuläre Rosazea denken und das Kind augenärztlich untersuchen lassen. Auch der Sehtest bei den Vorsorgeuntersuchungen kann stille Fälle aufdecken.

8 Wann sofort zum Arzt?

Die okuläre Rosazea ist meist kein Notfall, kann aber die Hornhaut gefährden. Bei folgenden Warnzeichen sollten Sie noch am selben Tag eine Augenärztin, einen Augenarzt oder eine Augenklinik aufsuchen:

  • deutliche oder zunehmende Augenschmerzen
  • starke Lichtscheu, besonders bei Kindern
  • plötzlich oder zunehmend schlechteres Sehen, das sich durch Blinzeln nicht bessert
  • ein weißer, grauer oder bräunlicher Fleck oder eine Trübung auf der Hornhaut
  • ein Auge, das deutlich röter wird als sonst, mit eitrigem Ausfluss
  • Gefühl, dass Flüssigkeit aus dem Auge läuft, nach starken Schmerzen (möglicher Durchbruch)
  • starke Schwellung von Lid und Umgebung mit Fieber

Diese Zeichen können auf ein Hornhautgeschwür, eine Infektion oder einen drohenden Durchbruch hinweisen. Bei Verdacht auf einen Hornhautdurchbruch ist das ein Notfall: Fahren Sie sofort in eine Augenklinik, drücken und reiben Sie nicht am Auge und schützen Sie es locker, etwa mit einer sauberen Augenklappe. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie unter Notfall am Auge.

In den nächsten Tagen sollten Sie zur Augenärztin, wenn ein rotes Auge auf übliche Augentropfen nicht anspricht, ein Hagelkorn schmerzhaft wird oder unter einer laufenden Behandlung neue Beschwerden auftreten. Das gilt auch für Kinder mit roten Augen und Lichtscheu oder mit einem Hagelkorn nach dem anderen.

Routinemäßig in den nächsten Wochen gehören anhaltendes Brennen, verkrustete Lidränder, wiederkehrende Hagelkörner und Augenbeschwerden bei bekannter Haut-Rosazea abgeklärt. Ein einseitiger, hartnäckiger Lidrandbefund mit Wimpernverlust an einer Stelle sollte ebenfalls angesehen werden, weil sich dahinter selten ein Tumor am Augenlid verbergen kann.

9 Häufige Fragen

Kann Rosazea die Augen befallen?

Ja. Je nach Studie hat ein Drittel bis die Hälfte der Menschen mit Rosazea auch Augenbeschwerden, manche Erhebungen nennen deutlich mehr. Typisch sind Brennen, rote und verkrustete Lidränder, ein Sandkorngefühl und wiederkehrende Hagelkörner. Die Schwere der Gesichtsrötung sagt dabei nichts über die Augen aus.

Kann ich Rosazea am Auge haben, ohne Rötung im Gesicht?

Ja. Bei bis zu einem Fünftel der Betroffenen beginnen die Augenbeschwerden vor den Hautzeichen, manchmal um Jahre. Selten bleibt die Erkrankung ganz auf das Auge beschränkt. Viele haben zudem nur so leichte Hautveränderungen, dass sie sie selbst nicht bemerken. Augenärztin und Hautärztin können das gemeinsam klären.

Warum brennen meine Augen morgens und die Lider kleben?

Über Nacht staut sich zähes Drüsenfett aus den Meibom-Drüsen am Lidrand, die Lider verkleben und der Tränenfilm ist instabil. Das ist typisch für eine Lidrandentzündung, wie sie bei Rosazea vorkommt. Warme Auflagen, Lidmassage und Reinigung am Morgen lindern die Beschwerden oft deutlich.

Warum bekomme ich immer wieder Hagelkörner?

Wiederkehrende Hagel- und Gerstenkörner entstehen durch verstopfte Meibom-Drüsen, und genau diese Drüsen sind bei okulärer Rosazea gestört. Wer immer wieder solche Knoten bekommt, sollte die Augen auf eine Rosazea untersuchen lassen. Die tägliche Lidhygiene senkt das Risiko für neue Knoten. Mehr dazu unter Hagelkorn.

Wie lange muss ich Doxycyclin bei Rosazea am Auge nehmen?

Meist mindestens drei Monate, oft länger. Die Wirkung setzt frühestens nach sechs bis acht Wochen ein, eine deutliche Besserung zeigt sich häufig erst nach drei bis sechs Monaten. Danach legt die Ärztin fest, ob eine niedrige Erhaltungsdosis nötig ist. In der niedrigen Dosis wirkt Doxycyclin vor allem entzündungshemmend.

Warum helfen antibiotische Augentropfen bei mir nicht?

Weil die okuläre Rosazea keine gewöhnliche Infektion ist, sondern eine chronische Entzündung mit gestörten Lidranddrüsen. Kurze Kuren mit antibiotischen Tropfen bessern die Beschwerden deshalb oft nur vorübergehend. Nötig sind Lidhygiene, Tränenersatz und entzündungshemmende Mittel, bei schwerem Verlauf auch Tabletten über Monate.

Ist Rosazea am Auge heilbar?

Heilbar ist sie nicht, aber meist gut kontrollierbar. Die Erkrankung verläuft in Schüben, und nach dem Absetzen der Behandlung kommen die Beschwerden häufig zurück. Mit dauerhafter Lidhygiene, gemiedenen Auslösern und rechtzeitiger Behandlung von Schüben behalten die meisten ein gutes Sehen.

Kann man durch Rosazea am Auge erblinden?

Das ist selten, aber in schweren und unbehandelten Fällen möglich. Gefährlich wird die Erkrankung, wenn sie auf die Hornhaut übergreift: Dann drohen Geschwüre, Narben und im Extremfall ein Durchbruch. Augenschmerzen, Lichtscheu und schlechteres Sehen sollten Sie deshalb noch am selben Tag abklären lassen.

Mein Kind hat oft rote Augen und Hagelkörner. Kann das Rosazea sein?

Ja, das ist möglich, auch wenn das Gesicht unauffällig aussieht. Bei Kindern stehen die Augen oft im Vordergrund, und die Hornhaut ist häufiger betroffen als bei Erwachsenen. Die Diagnose verzögert sich bei Kindern im Mittel um mehr als ein Jahr. Lassen Sie Ihr Kind augenärztlich untersuchen, besonders wenn es lichtscheu ist.

Darf mein Kind Doxycyclin bekommen?

Unter acht Jahren nicht, weil Tetrazykline wie Doxycyclin die Zähne verfärben und das Knochenwachstum stören können. Jüngere Kinder bekommen stattdessen Makrolide wie Erythromycin oder Azithromycin, dazu Lidhygiene und gegebenenfalls Augentropfen. Ab acht Jahren kommt auch Doxycyclin in Frage.

Darf ich mit Rosazea am Auge Make-up und Kontaktlinsen tragen?

In ruhigen Phasen meist ja, mit verträglichen Produkten. Während eines Schubs sollten Sie auf Eyeliner, Mascara und Kontaktlinsen besser verzichten, weil sie Lidrand und Tränenfilm zusätzlich belasten. Entfernen Sie Make-up abends gründlich und sanft.

Ist Rosazea am Auge ansteckend?

Nein. Die Rosazea ist keine Infektion und wird nicht übertragen, auch nicht über Handtücher oder Kissen. Sie ist auch keine Folge mangelnder Hygiene, selbst wenn die gezielte Lidpflege ein wichtiger Teil der Behandlung ist.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 31 Quellen anzeigen
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  2. S2k-Leitlinie Rosazea (Register 013-065), Kurzfassung 02/2022 – AWMF / Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DE)
  3. S2k-Leitlinie Rosazea (Register 013-065), Langfassung, Stand 28.01.2022, gültig bis 31.12.2026 – AWMF / Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DE)
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  5. Rosazea – gesundheit.gv.at – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (DE)
  6. Rosazea: Bei Kindern dominieren okuläre Symptome – Deutsches Ärzteblatt 3/2014 (DE)
  7. Systemische Therapie der Rosazea – Deutsches Ärzteblatt (DE)
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  9. Auch die Augen können leiden – Pharmazeutische Zeitung (DE)
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  28. Rosácea oculocutánea en un niño (Di Matteo MC et al., 2019) – Archivos Argentinos de Pediatría (ES)
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