Allergische Bindehautentzündung (Allergische Konjunktivitis)
Die allergische Bindehautentzündung ist eine Entzündung der Bindehaut, die eine Allergie gegen Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmel auslöst. Leitsymptom ist Juckreiz an beiden Augen; sie ist nicht ansteckend und betrifft vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (6)
Was ist eine allergische Bindehautentzündung?
Eine allergische Bindehautentzündung ist eine Entzündung der Bindehaut, die durch eine Allergie entsteht. Die Bindehaut (Konjunktiva) ist die dünne, durchsichtige Schleimhaut, die das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider überzieht. Bei einer Allergie hält das Immunsystem eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen oder Hausstaubmilben für gefährlich und reagiert mit einer Entzündung. Die Folge sind juckende, rote, tränende und oft geschwollene Augen.
Begleitet die Augenentzündung einen allergischen Schnupfen, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einer allergischen Rhinokonjunktivitis. Das ist der klassische „Heuschnupfen“, bei dem Nase und Augen gleichzeitig betroffen sind.
Woran erkennt man sie am sichersten?
Das wichtigste Erkennungszeichen ist Juckreiz an beiden Augen. Augenärztliche Fachquellen und Gesundheitsportale nennen den Juckreiz übereinstimmend als Leitsymptom. Rötung, Tränen und geschwollene Lider kommen hinzu, eitriger Ausfluss gehört dagegen nicht zum typischen Bild. Treten die Beschwerden immer zur selben Jahreszeit oder nach Kontakt mit Tieren oder Staub auf, spricht das stark für eine Allergie.
Welche Formen gibt es?
Es gibt zwei häufige, meist harmlose Formen und drei seltenere Sonderformen.
| Form | Auslöser und Zeitpunkt | Wen sie betrifft | Wie ernst? |
|---|---|---|---|
| Saisonale allergische Konjunktivitis | Pollen von Bäumen, Gräsern, Kräutern; im Frühling und Sommer | Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene | lästig, aber harmlos |
| Ganzjährige (perenniale) allergische Konjunktivitis | Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmel; das ganze Jahr | alle Altersgruppen | meist milder, aber dauerhaft |
| Frühjahrskatarrh (Keratoconjunctivitis vernalis) | allergische und andere Immunvorgänge; Schübe im Frühjahr und Sommer | vor allem Jungen von 5 bis 20 Jahren | kann die Hornhaut schädigen |
| Atopische Keratokonjunktivitis | Veranlagung zu Allergien, meist mit Neurodermitis | Jugendliche und Erwachsene | chronisch, kann das Sehen gefährden |
| Riesenpapillen-Konjunktivitis | mechanische Reizung durch Kontaktlinsen, Nahtfäden oder Augenprothesen | Kontaktlinsenträger | bessert sich, wenn der Auslöser wegfällt |
Ist eine allergische Bindehautentzündung ansteckend?
Nein, die allergische Bindehautentzündung ist nicht ansteckend. Ansteckend sind nur die Formen, die Viren oder Bakterien verursachen. Wie sich diese unterscheiden, beschreibt der Artikel zur Bindehautentzündung allgemein. Kinder mit einer reinen Augenallergie dürfen deshalb in Kindergarten und Schule gehen.
Wie wird sie behandelt?
Die Behandlung beruht auf drei Säulen: Auslöser meiden, Beschwerden lindern und die Allergie langfristig abschwächen. Zum Lindern dienen kühle Umschläge, künstliche Tränen und antiallergische Augentropfen mit Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren. Kortisontropfen helfen stark, gehören aber wegen möglicher Nebenwirkungen nur in ärztliche Hand. Eine Hyposensibilisierung (Allergie-Impfung) ist die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt.
Wie sind die Aussichten?
Die häufigen Formen schaden dem Auge nicht dauerhaft, kehren aber mit dem Allergen immer wieder. Der Frühjahrskatarrh verschwindet bei den meisten Kindern nach der Pubertät. Die atopische Keratokonjunktivitis verläuft dagegen oft chronisch und braucht langfristige augenärztliche Kontrolle.
2 Symptome
In diesem Kapitel (19)
- Was ist das typische Symptom einer Augenallergie?
- Welche Beschwerden kommen zum Juckreiz hinzu?
- Sind immer beide Augen betroffen?
- Wie sieht der Ausfluss bei einer Allergie aus?
- Wie schnell treten die Beschwerden auf?
- Zu welcher Tageszeit sind die Beschwerden am stärksten?
- Wie unterscheiden sich saisonale und ganzjährige Form im Alltag?
- Welche Pollen lösen wann Beschwerden aus?
- Welche Beschwerden zeigen sich gleichzeitig an Nase und Körper?
- Wie beeinträchtigen die Augenbeschwerden den Alltag?
- Was bemerken Angehörige?
- Wie zeigt sich eine Augenallergie bei Kindern?
- Welche Beschwerden hat ein Kind mit Frühjahrskatarrh?
- Wie fühlt sich die atopische Keratokonjunktivitis an?
- Welche Beschwerden machen Riesenpapillen bei Kontaktlinsen?
- Wie zeigt sich eine Allergie auf Augentropfen oder Kosmetik?
- Welche Zeichen deuten auf Komplikationen hin?
- Woran erkenne ich, dass es keine Allergie ist?
- Welche Warnzeichen betreffen nicht das Auge?
Was ist das typische Symptom einer Augenallergie?
Das typische Symptom ist Juckreiz an beiden Augen. Er kann leicht oder quälend stark sein und betrifft oft auch die Lidränder und die inneren Augenwinkel. Viele Betroffene reiben sich die Augen, was kurz erleichtert, die Entzündung aber verstärkt. Juckt ein Auge nicht, sondern schmerzt es oder ist es eitrig verklebt, ist eine Allergie unwahrscheinlicher.
Der Juckreiz entsteht durch Histamin. Diesen Botenstoff schütten sogenannte Mastzellen in der Bindehaut aus, sobald sie auf das Allergen treffen. Histamin reizt Nervenenden, weitet Blutgefäße und lässt Flüssigkeit ins Gewebe austreten.
Welche Beschwerden kommen zum Juckreiz hinzu?
Zum Juckreiz kommen meist Rötung, Tränen, Brennen, Fremdkörpergefühl und geschwollene Lider. Das Österreichische Gesundheitsportal nennt Rötung, Tränen, Fremdkörpergefühl, Brennen und Jucken als Hauptzeichen. Wie stark die einzelnen Zeichen sind, hängt von der Menge des Allergens und von der Form der Allergie ab.
| Beschwerde | Wie es sich anfühlt oder aussieht | Wie häufig |
|---|---|---|
| Juckreiz | Drang, die Augen zu reiben; oft in den Augenwinkeln | fast immer, Leitsymptom |
| Rötung | Weißes des Auges rosa bis rot, beidseitig | sehr häufig |
| Tränen | Augen „laufen“, klare, wässrige Flüssigkeit | sehr häufig |
| Geschwollene Lider | Lider dick, schwer, morgens betont | häufig |
| Brennen, Fremdkörpergefühl | wie Sand oder ein Haar im Auge | häufig |
| Glasige Schwellung der Bindehaut | Bindehaut wirkt wie eine Wasserblase über dem Weißen | gelegentlich, bei starkem Kontakt |
| Weißlicher, fadenziehender Schleim | dünne, zähe Fäden im Augenwinkel | gelegentlich; bei Sonderformen häufig |
| Lichtempfindlichkeit | Blendung, Augen zukneifen | bei der einfachen Form selten; bei Frühjahrskatarrh und atopischer Form häufig |
| Verschwommenes Sehen | Schleier, der sich durch Blinzeln bessert oder nicht | selten; Warnzeichen bei Sonderformen |
Sind immer beide Augen betroffen?
Meist sind beide Augen betroffen, weil die Allergie den ganzen Körper betrifft. Beide Augen sind dem Allergen in der Luft gleich ausgesetzt. Ein Auge kann aber stärker reagieren als das andere, etwa wenn man es öfter reibt. Beginnt eine Entzündung eindeutig nur an einem Auge, denken Ärztinnen und Ärzte eher an eine Infektion, einen Fremdkörper oder eine andere Ursache.
Wie sieht der Ausfluss bei einer Allergie aus?
Der Ausfluss bei einer Allergie ist klar und wässrig oder weißlich und leicht schleimig. Gelber oder grünlicher Eiter und morgens fest verklebte Lider sprechen dagegen für eine bakterielle Infektion. Bei Frühjahrskatarrh und atopischer Keratokonjunktivitis bildet sich oft ein zäher, fadenziehender Schleim, den man in langen Fäden aus dem Augenwinkel ziehen kann.
Wie schnell treten die Beschwerden auf?
Die Beschwerden beginnen oft innerhalb von Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen. Bei einer Tierallergie jucken und tränen die Augen meist sofort, wenn man das Tier streichelt oder einen Raum betritt, in dem es lebt. Bei Pollenallergie folgen die Beschwerden dem Pollenflug: Sie sind an trockenen, windigen Tagen stärker und lassen nach Regen nach.
Zu welcher Tageszeit sind die Beschwerden am stärksten?
Das hängt vom Auslöser ab. Bei einer Hausstaubmilbenallergie sind die Augen nachts und früh am Morgen am stärksten betroffen, weil man im Bett nah an den Milben liegt. Bei Pollenallergie richtet es sich nach dem Pollenflug und danach, wann man draußen ist oder lüftet. Beim Frühjahrskatarrh ist der Morgen typisch schlimm; Fachleute sprechen vom „Morgen-Elend“.
Wie unterscheiden sich saisonale und ganzjährige Form im Alltag?
Die saisonale Form kommt plötzlich und heftig in der Pollenzeit, die ganzjährige ist milder, aber ständig da. Wer gegen Pollen allergisch ist, hat oft Wochen ohne jede Beschwerde. Bei der ganzjährigen Form durch Milben, Tierhaare oder Schimmel in der Wohnung fühlen sich die Augen eher dauerhaft gereizt, müde und trocken an. Diese Form wird deshalb häufig mit einem trockenen Auge verwechselt.
Welche Pollen lösen wann Beschwerden aus?
In Deutschland folgen die Augenbeschwerden einem ungefähren Pollenkalender. Die genauen Zeiten verschieben sich je nach Wetter, Region und Höhenlage.
| Pollen | Hauptblüte (ungefähr) |
|---|---|
| Hasel | Februar |
| Erle | März |
| Birke | April |
| Esche | Mitte April bis Mitte Mai |
| Buche, Eiche | Mai |
| Gräser | Mitte Mai bis Mitte August |
| Beifuß | Mitte Juli bis Ende August |
| Ambrosia | September |
In Österreich hat sich die Pollensaison verschoben. Die Birkenpollensaison begann laut Gesundheitsportal zwischen 1988 und 2018 sechs Tage früher und endete acht Tage früher. Zudem gibt es mehr Tage mit starker Pollenbelastung.
Welche Beschwerden zeigen sich gleichzeitig an Nase und Körper?
Häufig bestehen gleichzeitig Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase und Juckreiz in Nase oder Gaumen. Nach spanischen Angaben haben bis zu 60 bis 70 Prozent der Menschen mit Augenallergie auch Nasenbeschwerden. Dazu kommen oft eine trockene Kehle, eine belegte Stimme, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Manche fühlen sich in der Pollenzeit erschöpft und haben weniger Appetit.
Wie beeinträchtigen die Augenbeschwerden den Alltag?
Viele Betroffene fühlen sich müde, unkonzentriert und eingeschränkt. Lesen, Bildschirmarbeit und Autofahren fallen mit tränenden Augen schwer. Beim Niesen schließen sich die Augen reflexartig für einen Moment, was bei hohem Tempo gefährlich ist. In einer französischen Studie gaben über 60 Prozent der Menschen mit Heuschnupfen an, dass ihre Fahrfähigkeit eingeschränkt war.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige bemerken oft zuerst das ständige Augenreiben und die geschwollenen, geröteten Lider. Kinder blinzeln häufig, ziehen die Nase hoch oder wirken in der Pollenzeit unkonzentriert und quengelig. Bei einer ganzjährigen Allergie fallen dunkle, leicht verfärbte Ringe unter den Augen auf. Bei langem Reiben kann die Haut um die Augen dauerhaft dunkler und verdickt werden.
Wie zeigt sich eine Augenallergie bei Kindern?
Bei Kindern sieht die Allergie oft aus wie ein Schnupfen, aber ohne Erkältung. Sie haben juckende, tränende Augen, eine laufende Nase und manchmal Husten oder Ohrenschmerzen. In Österreich tritt eine allergische Rhinokonjunktivitis meist erst ab dem fünften Lebensjahr auf; Jugendliche sind am häufigsten von Pollenallergie betroffen. Haben die Eltern Allergien, ist das Risiko des Kindes höher.
Ein Kind kann seine Beschwerden oft nicht genau beschreiben. Hinweise sind häufiges Reiben, Blinzeln, Lichtempfindlichkeit beim Spielen draußen und morgens verklebt wirkende, aber nicht eitrige Augen. Sind die Augen eines Kindes sehr lichtempfindlich, schmerzen sie oder sieht das Kind schlechter, muss eine Augenärztin oder ein Augenarzt einen Frühjahrskatarrh ausschließen.
Welche Beschwerden hat ein Kind mit Frühjahrskatarrh?
Ein Kind mit Frühjahrskatarrh hat sehr starken Juckreiz, ist lichtempfindlich und hat zähen, fadenziehenden Schleim im Auge. Fachbegriff ist Keratoconjunctivitis vernalis, abgekürzt VKC. Typisch sind außerdem Fremdkörpergefühl, verkrampftes Zukneifen der Lider (Lidkrampf) und verschwommenes Sehen. Beide Augen sind betroffen, oft unterschiedlich stark.
Morgens ist es besonders schlimm. Die Kinder können die Augen kaum öffnen, brauchen lange, bis sie in Gang kommen, und kommen deshalb oft zu spät zur Schule. Die Krankheit beginnt meist zwischen 5 und 20 Jahren, am häufigsten mit 11 bis 13 Jahren; Jungen sind zwei- bis viermal so oft betroffen wie Mädchen.
Was sieht die Augenärztin beim Frühjahrskatarrh?
- Pflastersteinpapillen: große, flache, vieleckige Höcker an der Innenseite des Oberlids, oft über 1 Millimeter groß; man sieht sie erst, wenn das Lid umgeklappt wird.
- Verdickter Hornhautrand (Limbus): grauliche, gallertartige Schwellung am Übergang von der Hornhaut zum Weißen.
- Horner-Trantas-Punkte: kleine weiße Pünktchen am Hornhautrand, die aus Ansammlungen bestimmter Abwehrzellen bestehen.
- Schäden an der Hornhaut: feine Oberflächendefekte bis hin zu einem flachen Geschwür, dem sogenannten Schildulkus.
Je nach Lage der Veränderungen unterscheidet man eine Lidform, eine Limbusform und eine gemischte Form. In Europa und Amerika überwiegt die Lidform, in Asien und Afrika die Limbusform.
Wie fühlt sich die atopische Keratokonjunktivitis an?
Die atopische Keratokonjunktivitis verursacht intensiven Juckreiz an Bindehaut, Lidern und der Haut um die Augen. Die Abkürzung lautet AKC. Sie betrifft vor allem Menschen mit Neurodermitis (atopischer Dermatitis) und zeigt sich mit Tränen, Brennen, Lichtscheu, verschwommenem Sehen und reichlich fadenziehendem Schleim. Die Beschwerden können saisonal aufflammen, bestehen aber oft das ganze Jahr.
Die Lidhaut ist ekzemartig entzündet: verdickt, rau, schuppig, rissig oder verkrustet. Häufig sind die Talgdrüsen am Lidrand gestört, was einer Lidrandentzündung ähnelt. Bei langem Verlauf können Wimpern ausfallen oder nach innen wachsen, und das Unterlid kann sich nach außen drehen.
Welche Beschwerden machen Riesenpapillen bei Kontaktlinsen?
Riesenpapillen machen Juckreiz, Schleim und ein zunehmendes Fremdkörpergefühl beim Tragen von Kontaktlinsen. Die Linse sitzt schlechter, verrutscht beim Blinzeln und wird schneller schmutzig. Ursache sind kleine Höcker an der Innenseite des Oberlids, die durch die ständige Reibung entstehen. Bei starkem Verlauf schwillt das Oberlid an und kann etwas herabhängen.
Diese Form ist keine reine Allergie. Sie entsteht vor allem mechanisch, eine Allergie kann sie aber verstärken. Dasselbe Bild kann ein Nahtfaden nach einer Augenoperation oder eine Augenprothese auslösen.
Wie zeigt sich eine Allergie auf Augentropfen oder Kosmetik?
Eine Allergie auf Augentropfen oder Kosmetik zeigt sich mit Rötung, Jucken und Schwellung, oft auch an der Lidhaut. Auslöser können Inhaltsstoffe von Augenmedikamenten, Konservierungsmittel, Wimperntusche, Lidschatten oder Duftstoffe sein. Typisch ist, dass die Beschwerden nach Beginn einer neuen Tropfenbehandlung oder nach einem neuen Produkt auftreten. Solche Reaktionen bauen sich teils erst über Stunden bis Tage auf.
Welche Zeichen deuten auf Komplikationen hin?
Schmerzen, deutliche Lichtscheu und schlechteres Sehen deuten darauf hin, dass die Hornhaut beteiligt ist. Bei der einfachen saisonalen oder ganzjährigen Allergie kommt das kaum vor. Beim Frühjahrskatarrh kann sich ein Hornhautgeschwür bilden, die gefürchtetste Komplikation dieser Form. Solche Zeichen gehören deshalb noch am selben Tag in augenärztliche Hand.
Woran erkenne ich, dass es keine Allergie ist?
Fehlt der Juckreiz, ist eine Allergie unwahrscheinlich. Folgende Zeichen sprechen eher für eine andere Ursache:
- eitriger, gelber oder grüner Ausfluss und morgens verklebte Lider: eher bakteriell
- erst ein Auge, dann das andere, kratzendes Gefühl, Erkältung, geschwollener Lymphknoten vor dem Ohr: eher viral
- Schmerzen, starke Lichtscheu und Sehverschlechterung: Hornhaut oder Augeninneres beteiligt
- Rötung nur an einer begrenzten Stelle des Weißen: zum Beispiel eine Episkleritis
- Rötung rund um die Hornhaut mit starken Schmerzen, Kopfschmerz, Übelkeit und Halos um Lichter: Verdacht auf einen akuten Glaukomanfall, ein Notfall
Welche Warnzeichen betreffen nicht das Auge?
Atemnot, pfeifende Atmung und Husten zeigen, dass die Allergie die Bronchien erreicht hat. Fachleute sprechen vom „Etagenwechsel“ von der Nase zur Lunge, also dem Übergang zu allergischem Asthma. Frühe Hinweise sind trockener Reizhusten, Brennen hinter dem Brustbein und bei Kindern nachlassende Ausdauer beim Sport oder häufige Bronchitis. Diese Zeichen sollten Sie hausärztlich oder beim Lungenfacharzt abklären lassen.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (9)
- Was passiert bei einer Augenallergie im Körper?
- Welche Allergene sind die häufigsten Auslöser?
- Warum bekommen manche Menschen eine Allergie und andere nicht?
- Welche Risikofaktoren verstärken die Beschwerden?
- Was sind Kreuzallergien?
- Warum entsteht ein Frühjahrskatarrh?
- Warum entsteht die atopische Keratokonjunktivitis?
- Was löst Riesenpapillen bei Kontaktlinsen aus?
- Wie häufig ist die allergische Bindehautentzündung?
Was passiert bei einer Augenallergie im Körper?
Bei einer Augenallergie reagiert das Immunsystem auf einen harmlosen Stoff mit einer Entzündung. Beim ersten Kontakt bildet der Körper Antikörper vom Typ IgE gegen das Allergen; das nennt man Sensibilisierung. Diese Antikörper sitzen auf Mastzellen in der Bindehaut. Trifft das Allergen später wieder auf die Bindehaut, schütten die Mastzellen Histamin und weitere Botenstoffe aus.
Fachleute nennen das eine Überempfindlichkeitsreaktion vom Soforttyp (Typ I). Histamin verursacht Juckreiz, weitet Gefäße und lässt die Lider anschwellen. Weitere Botenstoffe locken Entzündungszellen an, die die Beschwerden über Stunden aufrechterhalten können.
Welche Allergene sind die häufigsten Auslöser?
Die häufigsten Auslöser sind Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze.
- Pollen: von Bäumen, Gräsern, Kräutern und Getreide; sie verursachen die saisonale Form.
- Hausstaubmilben: genauer ihr Kot im Bett, in Teppichen und Polstern; ganzjährig.
- Tiere: vor allem Katzen, aber auch Hunde, Pferde und Nagetiere; die Allergene stecken in Hautschuppen, Speichel und Haaren.
- Schimmelpilze: im Innenraum oft ganzjährig, im Freien eher saisonal im Spätsommer und Herbst.
- Kontaktallergene: Inhaltsstoffe von Augentropfen, Kosmetika und Duftstoffe.
Warum bekommen manche Menschen eine Allergie und andere nicht?
Die wichtigste Ursache ist eine vererbte Neigung zu Allergien, die Atopie. Menschen mit Atopie entwickeln häufiger Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis, oft mehrere davon nacheinander. Haben Mutter oder Vater Allergien, ist das Risiko für das Kind höher. Die Allergie gegen ein bestimmtes Allergen wird nicht vererbt, wohl aber die Bereitschaft dazu.
Welche Risikofaktoren verstärken die Beschwerden?
Rauchen, Passivrauchen, Alkohol und Luftschadstoffe verstärken die Beschwerden. Schadstoffe und Schimmel im Innenraum gelten zudem als Risiko dafür, dass eine Allergie überhaupt entsteht. Eine gereizte Schleimhaut reagiert auf Rauch, trockene Heizungsluft und Abgase empfindlicher. Wer viel draußen ist, in der Nähe blühender Wiesen oder Getreidefelder wohnt oder Rasen mäht, hat in der Pollenzeit mehr Kontakt.
Was sind Kreuzallergien?
Eine Kreuzallergie liegt vor, wenn ähnliche Eiweiße in verschiedenen Stoffen dieselbe Reaktion auslösen. Viele Birkenpollenallergiker reagieren etwa auf rohe Äpfel oder Nüsse mit Kribbeln im Mund; das nennt man orales Allergiesyndrom. Bei einer Hausstaubmilbenallergie sind Kreuzreaktionen auf Krebse, Muscheln und Schnecken möglich. Die Augen sind dabei meist nicht direkt betroffen, aber die Kreuzallergie zeigt, wie empfindlich das Immunsystem ist.
Warum entsteht ein Frühjahrskatarrh?
Beim Frühjahrskatarrh wirken eine IgE-Allergie und eine zusätzliche Entzündung durch bestimmte Abwehrzellen zusammen. Sogenannte Th2-Helferzellen setzen Botenstoffe frei, die Entzündungszellen in die Bindehaut locken und Gewebe wachsen lassen. So entstehen die Pflastersteinpapillen. Viele Kinder haben selbst oder in der Familie Heuschnupfen, Asthma oder Ekzeme, doch ein Allergietest fällt nicht immer positiv aus.
Warmes, trockenes Klima begünstigt die Krankheit. Sie ist im Mittelmeerraum, im Nahen Osten, in Westafrika, Indien, Japan und Südamerika viel häufiger als in Mitteleuropa. Eine europäische Studie fand 1,2 bis 10,6 Betroffene pro 10.000 Menschen; in einer afrikanischen Schulkinder-Studie waren es etwa 4 Prozent.
Warum entsteht die atopische Keratokonjunktivitis?
Die atopische Keratokonjunktivitis entsteht auf dem Boden einer Neurodermitis und einer gestörten Hautbarriere. Etwa 25 bis 40 Prozent der Menschen mit Neurodermitis entwickeln laut EyeWiki diese Augenform. Fast alle Betroffenen haben Neurodermitis, die große Mehrheit zusätzlich Asthma. Frühe Nahrungsmittelallergien und Umweltallergene erhöhen das Risiko.
Eine Besonderheit: Das Neurodermitis-Medikament Dupilumab, ein Antikörper, kann eine ähnliche Bindehautentzündung auslösen. In einer Studie trat sie bei 10,8 Prozent der Behandelten auf, eine Auswertung mehrerer Studien von 2020 kam auf 26,1 Prozent. Wer Dupilumab bekommt und rote, juckende Augen entwickelt, sollte das mit der behandelnden Ärztin besprechen.
Was löst Riesenpapillen bei Kontaktlinsen aus?
Riesenpapillen entstehen durch dauernde mechanische Reibung am Oberlid. Auslöser sind vor allem Kontaktlinsen, besonders bei langer Tragezeit oder Ablagerungen auf der Linse, aber auch hervorstehende Nahtfäden und Augenprothesen. Ablagerungen von Eiweiß auf der Linse können zusätzlich eine allergieähnliche Reaktion anstoßen. Die spanische Universitätsklinik Navarra betont deshalb, dass diese Form nicht als rein allergisch gilt.
Wie häufig ist die allergische Bindehautentzündung?
Die allergische Bindehautentzündung gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen überhaupt. In Deutschland hat etwa jeder Vierte einen allergischen Schnupfen, und die Augen sind meist beteiligt. Nach der RKI-Studie DEGS1 (Erhebung 2008 bis 2011) hatten 15 Prozent der Erwachsenen irgendwann einen ärztlich festgestellten Heuschnupfen, Frauen mit 16,5 Prozent etwas häufiger als Männer mit 13 Prozent. Laut KiGGS-Studie (2018) hatten 9 Prozent der Kinder und Jugendlichen aktuell Heuschnupfen.
Internationale Zahlen gehen in dieselbe Richtung. In einer großen US-Erhebung gaben bis zu 40 Prozent der Befragten an, im vergangenen Jahr Augenbeschwerden durch Allergie gehabt zu haben. Spanische Quellen schätzen, dass 15 bis 40 Prozent der Menschen im Lauf des Lebens betroffen sind. In den USA machen die saisonale Form etwa 90 Prozent der Fälle aus.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wer stellt die Diagnose?
- Welche Fragen stellt die Ärztin?
- Wie läuft die Untersuchung beim Augenarzt ab?
- Braucht man einen Abstrich?
- Wie findet man heraus, worauf man allergisch ist?
- Was ist ein Provokationstest am Auge?
- Welche Krankheiten müssen ausgeschlossen werden?
- Welche Kontrollen sind bei langer Kortisonbehandlung nötig?
Wer stellt die Diagnose?
Die Diagnose stellt in der Regel die Augenärztin oder der Augenarzt anhand der Beschwerden und einer Untersuchung. Bei eindeutigem Heuschnupfen mit typischen Augenbeschwerden reicht oft auch die Hausärztin oder der Hausarzt. Für die Suche nach dem genauen Auslöser sind Allergologen zuständig, also Fachärzte mit Zusatzausbildung in Allergologie, häufig aus der Haut-, HNO- oder Kinderheilkunde.
Welche Fragen stellt die Ärztin?
Die Ärztin fragt vor allem nach Juckreiz, Zeitpunkt und Begleitbeschwerden. Typische Fragen sind:
- Seit wann bestehen die Beschwerden, und treten sie zu bestimmten Jahreszeiten auf?
- Jucken die Augen, und sind beide betroffen?
- Gibt es Niesen, Schnupfen, Asthma oder Neurodermitis?
- Haben Eltern oder Geschwister Allergien?
- Bessert es sich im Urlaub, nach Regen oder ohne Haustier?
- Tragen Sie Kontaktlinsen, benutzen Sie neue Tropfen oder Kosmetik?
- Welche Mittel haben Sie schon versucht, und haben sie geholfen?
Ein Beschwerdetagebuch über einige Wochen hilft bei der Zuordnung. Notieren Sie darin, wann und wo die Augen jucken und welche Mittel Sie nehmen.
Wie läuft die Untersuchung beim Augenarzt ab?
Die Augenärztin untersucht das Auge an der Spaltlampe, einem Mikroskop mit schmalem Lichtspalt. Sie beurteilt Rötung, Schwellung, Ausfluss und den Zustand der Hornhaut. Mit einem gelben Farbstoff (Fluorescein) macht sie Oberflächendefekte der Hornhaut sichtbar. Oft klappt sie das Oberlid um, um die Innenseite nach Papillen abzusuchen; das ist kurz unangenehm, aber nicht schmerzhaft.
Bei der einfachen Allergie findet sie eine beidseitige Rötung, eine glasige Schwellung der Bindehaut und wässrigen bis leicht schleimigen Ausfluss. Bei Frühjahrskatarrh und atopischer Form sucht sie gezielt nach Pflastersteinpapillen, Horner-Trantas-Punkten, Hornhautschäden und Veränderungen der Lidhaut. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Verlauf und Behandlung sich deutlich unterscheiden.
Braucht man einen Abstrich?
Ein Abstrich ist meist nicht nötig. Die Diagnose ergibt sich aus dem typischen Bild. In unklaren Fällen kann ein Abstrich der Bindehaut zeigen, ob dort bestimmte Allergie-Abwehrzellen (Eosinophile) vorkommen oder ob Bakterien oder Viren die Ursache sind. Bei einigen schweren Formen, etwa der atopischen Keratokonjunktivitis, kann eine besondere Mikroskopie der Hornhaut (konfokale Mikroskopie) zusätzliche Hinweise geben.
Wie findet man heraus, worauf man allergisch ist?
Den genauen Auslöser findet man mit Allergietests. Am häufigsten ist der Prick-Test: Kleine Mengen verschiedener Allergene werden auf die Unterarmhaut getropft und die Haut leicht angeritzt. Rötet sich die Stelle und bildet eine Quaddel, ist man auf diesen Stoff sensibilisiert. Ergänzend misst ein Bluttest die spezifischen IgE-Antikörper.
Ein positives Testergebnis bedeutet nicht automatisch eine Allergie. Erst wenn Testergebnis und Beschwerden zusammenpassen, gilt der Stoff als Auslöser. Bei Kontaktallergien auf Tropfen oder Kosmetik nutzt man einen Epikutantest (Pflastertest), bei Kindern im Allgemeinen erst ab dem sechsten Lebensjahr.
Was ist ein Provokationstest am Auge?
Beim Provokationstest wird das verdächtige Allergen direkt auf die Bindehaut getropft. Schwellen Bindehaut und Lid an oder jucken die Augen, bestätigt das die Allergie. Weil dabei starke Reaktionen möglich sind, wird der Test in Österreich laut Gesundheitsportal nur in Ausnahmefällen und in spezialisierten Einrichtungen gemacht. Er ist vor allem sinnvoll, wenn Hauttest und Beschwerden nicht zusammenpassen oder eine Hyposensibilisierung geplant ist.
Welche Krankheiten müssen ausgeschlossen werden?
Rote, gereizte Augen haben viele Ursachen, die die Ärztin abgrenzen muss.
| Erkrankung | Was dafür spricht |
|---|---|
| Bakterielle Bindehautentzündung | gelber Eiter, verklebte Lider, oft erst ein Auge; wenig Juckreiz |
| Virale Bindehautentzündung | Erkältung, wässriges Sekret, Lymphknoten vor dem Ohr, hoch ansteckend |
| Reizkonjunktivitis | nach Rauch, Zugluft, Staub, Sonne, Chlorwasser oder Bildschirmarbeit |
| Trockenes Auge | Brennen und Sandgefühl, schlechter bei Bildschirmarbeit und Heizungsluft |
| Lidrandentzündung | gerötete, verkrustete Lidränder, Schuppen an den Wimpern |
| Rosazea am Auge | Hautrötung im Gesicht, gerötete Lidränder |
| Hornhautentzündung | Schmerz, Lichtscheu, Sehverschlechterung |
| Episkleritis, Skleritis | umschriebene Rötung; bei Skleritis tiefer, bohrender Schmerz |
| Akuter Glaukomanfall | einseitig, starke Schmerzen, Übelkeit, Sehverschlechterung |
Bei schweren Hornhautbeschwerden denkt die Ärztin auch an eine Hornhautentzündung oder eine Verletzung.
Welche Kontrollen sind bei langer Kortisonbehandlung nötig?
Bei längerer Behandlung mit Kortisontropfen misst die Augenärztin regelmäßig den Augeninnendruck. Kortison kann den Druck erhöhen und auf Dauer einen Grünen Star verursachen. Außerdem achtet sie auf eine beginnende Linsentrübung. Bei der atopischen Form sind solche Kontrollen langfristig notwendig.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (18)
- Was ist der wichtigste Schritt in der Behandlung?
- Was hilft sofort gegen juckende Augen?
- Helfen Antibiotika bei einer Augenallergie?
- Welche Augentropfen gibt es gegen Allergie?
- Wie wendet man Cromoglicinsäure richtig an?
- Wie oft und wie lange nimmt man antiallergische Tropfen?
- Wann sind Tabletten gegen Allergie sinnvoll?
- Wann braucht man Kortisontropfen?
- Gibt es entzündungshemmende Tropfen ohne Kortison?
- Wie wird ein Frühjahrskatarrh behandelt?
- Was ist Ciclosporin, und wann wird es eingesetzt?
- Was tun bei einem Schildulkus?
- Wie wird die atopische Keratokonjunktivitis behandelt?
- Welche neuen Antikörper-Medikamente gibt es?
- Was ist zu tun bei Riesenpapillen durch Kontaktlinsen?
- Was ist eine Hyposensibilisierung?
- Hilft die Hyposensibilisierung auch den Augen?
- Was gilt in Deutschland und Österreich?
Was ist der wichtigste Schritt in der Behandlung?
Der wichtigste Schritt ist, das Allergen so gut wie möglich zu meiden. Ohne Kontakt gibt es keine Reaktion. Das gelingt bei Tierhaaren oder Kosmetik oft vollständig, bei Pollen und Hausstaub nur teilweise. Konkrete Tipps dazu finden Sie im Abschnitt Vorbeugung.
Was hilft sofort gegen juckende Augen?
Sofort helfen Kälte und Spülen. Ein kalter, sauberer Waschlappen auf den geschlossenen Lidern lindert Juckreiz und Schwellung. Gekühlte künstliche Tränen oder sterile Kochsalzlösung spülen Pollen aus dem Auge und verdünnen die Botenstoffe. Wichtig ist, die Augen nicht zu reiben, denn Reiben setzt weiteres Histamin frei und kann die Hornhaut schädigen.
- Lider mit abgekochtem, abgekühltem Wasser reinigen, für jedes Auge ein eigenes Wattepad
- künstliche Tränen ohne Konservierungsmittel mehrmals täglich, siehe Tränenersatzmittel
- Gesicht und Haare waschen, Kleidung wechseln, wenn Sie von draußen kommen
- Kontaktlinsen herausnehmen und bis zur Besserung nicht tragen
Helfen Antibiotika bei einer Augenallergie?
Nein, Antibiotika helfen bei einer Augenallergie nicht. Sie wirken nur gegen Bakterien. Ihr Einsatz bringt bei einer Allergie nur Nebenwirkungen und fördert Resistenzen.
Welche Augentropfen gibt es gegen Allergie?
Gegen die Allergie gibt es vier Gruppen von Augentropfen, die sich in Wirkeintritt und Einsatzbereich unterscheiden.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele (Wirkstoffe) | Wie sie wirken | Wann sie passen |
|---|---|---|---|
| Antihistaminika | Levocabastin, Emedastin | blockieren Histamin, wirken innerhalb von Minuten | akute Beschwerden, Bedarfsbehandlung |
| Mastzellstabilisatoren | Cromoglicinsäure, Nedocromil, Lodoxamid | verhindern, dass Mastzellen Histamin freisetzen; Wirkung baut sich über Tage auf | vorbeugend, vor und während der Saison; mildeste Gruppe |
| Kombinationswirkstoffe | Olopatadin, Azelastin, Ketotifen, Epinastin | blockieren Histamin und stabilisieren Mastzellen | wiederkehrende oder stärkere Beschwerden |
| Abschwellende Tropfen (Gefäßverengung) | Naphazolin, Tetrahydrozolin, oft mit Antihistaminikum | verengen Gefäße, Auge wirkt weißer | nur wenige Tage; bei Dauergebrauch Rückfall-Rötung |
Laut amerikanischer Augenheilkunde sind Kombinationswirkstoffe wirksamer als Mastzellstabilisatoren allein. Welche Tropfen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz rezeptfrei oder verschreibungspflichtig sind und wofür sie zugelassen sind, unterscheidet sich von Land zu Land. Die Apotheke berät zu rezeptfreien Mitteln; für Kinder unter zwei Jahren sollte immer eine Ärztin entscheiden.
Wie wendet man Cromoglicinsäure richtig an?
Cromoglicinsäure wird regelmäßig und am besten schon vor Beginn des Pollenflugs angewendet. Der Allergieinformationsdienst empfiehlt, etwa eine Woche vor dem ersten Pollenflug zu beginnen, weil sich die Wirkung erst aufbaut. Cromone werden auch Schwangeren gern verordnet, weil sie als besonders mild gelten. Nimmt man sie nur bei Bedarf, wirken sie oft enttäuschend schwach.
Wie oft und wie lange nimmt man antiallergische Tropfen?
In der Pollenzeit nimmt man antiallergische Tropfen am besten regelmäßig und nicht erst, wenn das Auge stark juckt. Wie oft am Tag, steht in der Packungsbeilage oder legt die Ärztin fest. Bei der ganzjährigen Form kann eine Dauerbehandlung nötig sein, bei der saisonalen genügt meist die Pollenzeit. Zwischen zwei verschiedenen Augentropfen sollten Sie etwa zehn Minuten warten.
Wann sind Tabletten gegen Allergie sinnvoll?
Tabletten mit Antihistaminikum sind sinnvoll, wenn auch Nase, Rachen oder Haut betroffen sind. Wirkstoffe der zweiten Generation wie Cetirizin, Levocetirizin, Loratadin, Desloratadin oder Fexofenadin machen wenig oder gar nicht müde. Ältere Antihistaminika können deutlich müde machen; das ist beim Autofahren und in der Schule wichtig. Tabletten können die Augen etwas trockener machen; bei rein augenbetonten Beschwerden wirken Tropfen gezielter.
Wann braucht man Kortisontropfen?
Kortisontropfen braucht man nur, wenn andere Tropfen nicht ausreichen oder eine rasche Linderung nötig ist. Sie unterdrücken die Entzündung sehr wirksam. Eine Kortisonbehandlung am Auge muss von Anfang an eine Augenärztin oder ein Augenarzt begleiten. Meist verordnet sie eine kurze Kur mit einem milden Präparat und setzt es dann schrittweise ab.
Warum sollte man Kortisontropfen nie ohne Arzt nehmen?
- Erhöhter Augeninnendruck: bei längerer Anwendung möglich, bis hin zum Grünen Star.
- Grauer Star: eine Linsentrübung kann sich früher entwickeln.
- Infektionen: Kortison kann eine schlummernde Herpesinfektion am Auge wieder aufflammen lassen und Hornhautgeschwüre verschlimmern.
- Hornhautschäden: im schlimmsten Fall bis zum Durchbruch einer geschwächten Hornhaut.
Diese Nebenwirkungen bemerkt man selbst lange nicht. Deshalb sind Kontrollen des Augendrucks während der Behandlung nötig. Restflaschen von Kortisontropfen sollten Sie nicht bei einem späteren Rückfall selbst wieder verwenden.
Gibt es entzündungshemmende Tropfen ohne Kortison?
Ja, es gibt nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) wie Ketorolac als Augentropfen. In den USA sind sie für die saisonale Augenallergie zugelassen. Sie werden meist ergänzend eingesetzt, weil sie schwächer wirken als Kortison.
Wie wird ein Frühjahrskatarrh behandelt?
Ein Frühjahrskatarrh gehört immer in augenärztliche Behandlung, weil die Hornhaut gefährdet ist. Die Behandlung wird stufenweise aufgebaut.
- Grundlage: Allergene meiden, kalte Kompressen, Lidreinigung, künstliche Tränen, nicht reiben.
- Leichte Fälle: Antihistaminika oder Kombinationstropfen, die schnell wirken.
- Mittlere Fälle: Mastzellstabilisatoren wie Cromoglicinsäure, Nedocromil oder Lodoxamid, oft schon vor der erwarteten Saison begonnen.
- Schübe: kurze Stöße mit Kortisontropfen, die rasch wieder ausgeschlichen werden; bevorzugt Präparate, die wenig ins Augeninnere eindringen.
- Dauerhafte Kontrolle: Ciclosporin- oder Tacrolimus-Tropfen, um Kortison einzusparen.
- Sehr schwere Verläufe: Kortisonspritze unter das Oberlid, kurzzeitig Kortison als Tablette, bei Hornhautgeschwür auch eine Operation.
Was ist Ciclosporin, und wann wird es eingesetzt?
Ciclosporin ist ein Wirkstoff, der überschießende Abwehrreaktionen dämpft, ohne die Nebenwirkungen von Kortison am Auge zu haben. Als Augentropfen senkt es die Entzündungsbotenstoffe und bessert Beschwerden und Befunde beim Frühjahrskatarrh und bei der atopischen Keratokonjunktivitis. In Studien wurden Konzentrationen von 0,05 bis 2 Prozent eingesetzt. Häufigste Nebenwirkung ist ein Brennen beim Eintropfen.
Tacrolimus wirkt ähnlich; in einer Studie fand sich zwischen 0,1-prozentigem Tacrolimus und 2-prozentigem Ciclosporin kein deutlicher Unterschied in der Wirkung. Als Salbe auf die Lidhaut aufgetragen wird Tacrolimus auch gegen das Lidekzem bei Neurodermitis eingesetzt. Beide Mittel verordnet die Augenärztin, oft für Monate oder für die ganze Saison.
Was tun bei einem Schildulkus?
Ein Schildulkus, das flache Hornhautgeschwür beim Frühjahrskatarrh, braucht eine intensive Behandlung bei der Augenärztin. Sie setzt Kortison, künstliche Tränen und gegebenenfalls Ciclosporin ein. Heilt das Geschwür nicht, kann sie den Belag auf dem Geschwür abtragen oder eine Amnionmembran aufnähen, eine dünne Gewebeschicht aus der Eihaut, die die Heilung fördert.
Wie wird die atopische Keratokonjunktivitis behandelt?
Die atopische Keratokonjunktivitis wird gemeinsam von Augenärztin, Hautärztin und Allergologen behandelt. Je nach Schwere kommen folgende Schritte in Frage:
- Leicht: Händehygiene, kalte Kompressen, Kombinationstropfen wie Olopatadin oder Azelastin, Mastzellstabilisatoren.
- Schübe: Kortisontropfen, rasch wieder ausgeschlichen.
- Kortison sparen: Ciclosporin- oder Tacrolimus-Tropfen, Tacrolimus-Salbe für die Lidhaut.
- Schwer: Antihistaminika als Tabletten, in Absprache mit der Hautärztin vorübergehend Kortison oder Ciclosporin als Tablette, eine Kortisonspritze unter das Oberlid.
- Begleitend: bei trockenem Auge kleine Stöpsel in die Tränenpünktchen, damit die Tränen länger im Auge bleiben.
- Operation: Amnionmembran bei nicht heilendem Hornhautdefekt, Hornhauttransplantation bei Ausdünnung oder Durchbruch, Lidoperation bei Fehlstellung.
Welche neuen Antikörper-Medikamente gibt es?
Antikörper-Medikamente spielen bei der Augenallergie bisher nur eine Nebenrolle. Omalizumab, ein Antikörper gegen IgE, wurde beim Frühjahrskatarrh nur in Einzelfällen außerhalb der Zulassung eingesetzt. Dupilumab wird untersucht, ist aber umstritten, weil es selbst eine Bindehautentzündung auslösen kann. Bei schwerem Heuschnupfen mit Asthma können solche Mittel aus anderen Gründen verordnet werden.
Was ist zu tun bei Riesenpapillen durch Kontaktlinsen?
Bei Riesenpapillen muss der mechanische Auslöser beseitigt werden. Meist heißt das: Kontaktlinsen eine Zeit lang weglassen und danach auf andere Linsen umsteigen, etwa häufiger zu wechselnde Linsen oder ein anderes Material. Bei einem störenden Nahtfaden entfernt die Augenärztin die Naht oder dreht den Knoten. Antiallergische Tropfen können die Abheilung unterstützen.
Was ist eine Hyposensibilisierung?
Eine Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie oder Allergie-Impfung genannt, gewöhnt den Körper langsam an das Allergen. Der Allergieinformationsdienst bezeichnet sie als einzige ursächliche Behandlung mit ausreichend belegter Wirksamkeit. Sie kann Beschwerden und den Bedarf an Medikamenten senken und das Risiko für Asthma verringern. Eine Garantie gibt es nicht, und nach dem Ende können Beschwerden wiederkommen.
Wie läuft eine Hyposensibilisierung ab?
| Spritze unter die Haut (SCIT) | Tablette oder Tropfen unter die Zunge (SLIT) | |
|---|---|---|
| Wo | in der Arztpraxis | täglich zu Hause; erste Gabe unter ärztlicher Aufsicht |
| Ablauf | Dosis wird gesteigert, danach meist monatlich | tägliche Einnahme |
| Nach der Gabe | etwa 30 Minuten Beobachtung in der Praxis | Kribbeln oder Schwellung im Mund möglich |
| Dauer | meist drei bis fünf Jahre | meist drei bis fünf Jahre |
Möglich ist sie bei Pollen von Bäumen, Gräsern, Kräutern und Getreide, bei Hausstaubmilben, bei einigen Tierallergien (vor allem Katze) und bei wenigen Schimmelpilzarten. Bei Pollenallergie beginnt man am besten drei bis vier Monate vor dem Pollenflug. Kinder können ab dem sechsten Lebensjahr behandelt werden. Sehr selten kommt es zu einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie), deshalb die Beobachtung nach der Spritze.
Hilft die Hyposensibilisierung auch den Augen?
Ja, wenn die Augenbeschwerden zu einer nachgewiesenen Pollen- oder Milbenallergie gehören, bessern sie sich mit der Allergie. Die Studien beziehen sich meist auf den Heuschnupfen als Ganzes, also Nase und Augen zusammen. Für die Sonderformen Frühjahrskatarrh und atopische Keratokonjunktivitis ist sie kein Standard. Ob sie sich lohnt, entscheiden Sie gemeinsam mit einer Allergologin.
Was gilt in Deutschland und Österreich?
In beiden Ländern ist die Apotheke oft die erste Anlaufstelle für leichte Beschwerden. In Deutschland informieren der Deutsche Wetterdienst und die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst über den Pollenflug, in Österreich der Österreichische Polleninformationsdienst. Eine Hyposensibilisierung wird in beiden Ländern von Fachärztinnen eingeleitet. Ob und welche Kosten die Krankenkasse für einzelne Tropfen übernimmt, klären Sie am besten mit Ihrer Ärztin und Ihrer Kasse.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (8)
- Geht eine allergische Bindehautentzündung von selbst weg?
- Kann eine Augenallergie das Sehen dauerhaft schädigen?
- Wie verläuft ein Frühjahrskatarrh?
- Wie verläuft die atopische Keratokonjunktivitis?
- Wie verlaufen Riesenpapillen bei Kontaktlinsen?
- Kann aus einer Augenallergie Asthma werden?
- Welche weiteren Folgen hat eine unbehandelte Allergie?
- Verändert sich eine Allergie im Lauf des Lebens?
Geht eine allergische Bindehautentzündung von selbst weg?
Die saisonale Form klingt ab, sobald die Pollen nicht mehr fliegen, kehrt aber jedes Jahr wieder. Die ganzjährige Form bleibt, solange man dem Allergen ausgesetzt ist. Bei beiden ist die Entzündung meist gering und hinterlässt keine Schäden am Auge. Viele Menschen haben ihr Leben lang mehr oder weniger starke Beschwerden, die sich mit dem Alter oft abschwächen.
Kann eine Augenallergie das Sehen dauerhaft schädigen?
Die häufigen Formen schädigen das Sehen nicht. Gefährlich für das Sehen können nur die seltenen Sonderformen werden, also Frühjahrskatarrh und atopische Keratokonjunktivitis. Dort ist die Hornhaut mitentzündet, und Narben, Gefäßeinsprossungen oder Geschwüre können die Sicht trüben.
Wie verläuft ein Frühjahrskatarrh?
Ein Frühjahrskatarrh beginnt in der Kindheit und bessert sich bei den meisten nach der Pubertät. Die Krankheit dauert nach spanischen Angaben meist vier bis zehn Jahre, mit Schüben im Frühjahr und Sommer. Etwa 23 Prozent der Betroffenen haben eine ganzjährige Form. Bis zu etwa 12 Prozent behalten die Beschwerden bis ins Erwachsenenalter, und bei manchen geht die Krankheit in eine atopische Keratokonjunktivitis über.
Welche Komplikationen drohen beim Frühjahrskatarrh?
- Schildulkus: die gefürchtetste Komplikation, ein flaches Hornhautgeschwür. Bei bis zu 5 Prozent der Kinder mit Schildulkus bleibt eine Hornhauttrübung zurück.
- Hornhautnarben und Gefäßeinsprossungen: können das Sehen verschlechtern.
- Keratokonus: eine kegelförmige Vorwölbung der Hornhaut, gefördert durch ständiges Reiben, siehe Keratokonus.
- Schwachsichtigkeit: wenn eine Narbe in der Kindheit das Sehen eines Auges lange behindert.
- Lidveränderungen: verdickte Lider und ein hängendes Oberlid.
- Ablagerungen am Hornhautrand (Pseudogerontoxon), Bindehautvernarbung und in seltenen Fällen ein Mangel an Stammzellen am Hornhautrand.
- Folgen unkontrollierter Kortisonbehandlung: Grüner Star und Grauer Star.
Gut kontrollierte Fälle hinterlassen selten Schäden. Schwere und spät behandelte Verläufe können dagegen bleibende Narben verursachen.
Wie verläuft die atopische Keratokonjunktivitis?
Die atopische Keratokonjunktivitis verläuft chronisch mit Schüben über viele Jahre. Sie beginnt meist in der späten Jugend oder im jungen Erwachsenenalter; der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen 30 und 50 Jahren. Die Augenbeschwerden schwanken oft mit der Neurodermitis der Haut. Langfristige Kontrollen des Augendrucks und der Linse sind nötig.
Welche Komplikationen drohen bei der atopischen Form?
- Gefäßeinsprossung und Fettablagerungen in der Hornhaut
- Hornhautgeschwüre, entzündlich oder durch Keime
- Herpes am Auge, häufiger und schwerer als bei anderen Menschen, teils an beiden Augen
- Keratokonus durch häufiges Augenreiben
- Grauer Star, typischerweise als schalenförmige Trübung, auch ohne Kortison
- Grüner Star als Folge einer Kortisonbehandlung
- Lidfehlstellungen, Wimpernverlust und nach innen wachsende Wimpern
- sehr selten ein bösartiger Tumor der Bindehaut (Plattenepithelkarzinom)
Eine Hornhauttransplantation heilt die Krankheit nicht. In einer Studie scheiterte die Hälfte der ersten Transplantationen, weil die Entzündung weiterbesteht. Umso wichtiger ist eine gute Dauerbehandlung.
Wie verlaufen Riesenpapillen bei Kontaktlinsen?
Riesenpapillen bilden sich zurück, wenn der Auslöser wegfällt. Trägt man die Linsen weiter oder bleibt die Naht, verschlechtert sich der Zustand. Unbehandelt kann sich ein hängendes Oberlid entwickeln. Nach langer Krankheit bleiben in den Papillen manchmal kleine weiße Narben.
Kann aus einer Augenallergie Asthma werden?
Ja, das Risiko für allergisches Asthma ist erhöht, vor allem bei gleichzeitigem Heuschnupfen. Schulkinder mit Pollenallergie haben ein höheres Risiko, später Asthma zu entwickeln. Das Österreichische Gesundheitsportal rät, früh mit der Behandlung zu beginnen, um solche Folgeerkrankungen zu vermeiden. Auch als mild empfundene Beschwerden sollten deshalb behandelt werden.
Welche weiteren Folgen hat eine unbehandelte Allergie?
Unbehandelt kann sich die Entzündung auf die Nasennebenhöhlen ausdehnen. Die Schleimhäute bleiben dauerhaft empfindlich und reagieren dann auch auf Zigarettenrauch oder trockene Heizungsluft. Ständiges Reiben verändert die Lidhaut und kann bei empfindlichen Menschen zu einem Keratokonus beitragen. Müdigkeit und schlechter Schlaf beeinträchtigen Schule, Arbeit und Lebensqualität.
Verändert sich eine Allergie im Lauf des Lebens?
Ja, eine Allergie kann sich im Lauf des Lebens verändern. Die meisten Allergien beginnen vor dem 20. Lebensjahr. Neue Sensibilisierungen sind jederzeit möglich, und bestehende können schwächer werden. Fast jeder Dritte in Deutschland bekommt im Lauf des Lebens eine Allergie.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (9)
- Kann man einer Augenallergie vorbeugen?
- Wie schütze ich meine Augen vor Pollen?
- Welche Pflanzen in der Wohnung können stören?
- Was hilft bei einer Hausstaubmilbenallergie?
- Was hilft bei einer Tierallergie?
- Was hilft gegen Schimmelpilzallergie?
- Was sollten Kontaktlinsenträger beachten?
- Welche Rolle spielen Kosmetik und Hygiene?
- Was können Sie im Alltag noch tun?
Kann man einer Augenallergie vorbeugen?
Der Allergie selbst kann man kaum vorbeugen, den Beschwerden aber sehr wohl. Entscheidend ist, den Kontakt zum Allergen zu verringern und rechtzeitig mit der Behandlung zu beginnen. Für viele Maßnahmen fehlen große Studien; sie sind aber einfach und ohne Risiko. Ob man einer Tierallergie vorbeugen kann, ist bisher nicht geklärt.
Wie schütze ich meine Augen vor Pollen?
Am wirksamsten ist es, Pollen gar nicht erst ins Auge und in die Wohnung zu lassen.
- Pollenflugvorhersage beachten, etwa vom Deutschen Wetterdienst, von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst oder dem Österreichischen Polleninformationsdienst; dazu gibt es Apps.
- Sonnenbrille, am besten seitlich umschließend, oder einen breitkrempigen Hut tragen. Dicht schließende Brillen zeigten in kleinen Studien positive Effekte.
- Vor dem Schlafengehen Haare waschen oder duschen.
- Kleidung und Schuhe nicht im Schlafzimmer ablegen; Wäsche drinnen trocknen.
- Bei starkem Pollenflug Fenster geschlossen halten; kurz stoßlüften statt Kippfenster.
- Auf dem Land eher abends, in der Stadt eher morgens lüften; je nach Pollenart verschieden.
- Im Auto Pollenfilter nutzen und Fenster geschlossen halten.
- Aktivitäten im Freien auf regnerische Tage legen; blühende Wiesen und Getreidefelder meiden, nicht selbst Rasen mähen.
- Regelmäßig feucht wischen und mit HEPA-Filter staubsaugen; ein HEPA-Luftreiniger kann helfen.
- Reisen so planen, dass Sie am Urlaubsort der Pollensaison ausweichen.
Welche Pflanzen in der Wohnung können stören?
Manche Zimmerpflanzen und Schnittblumen geben Pollen ab, auf die Allergiker reagieren. Der kleine Ölbaum gehört zu den Ölbaumgewächsen und kann bei Eschenpollenallergie Beschwerden machen. Schnittblumen mit Beifuß oder anderen Korbblütlern stören Beifußallergiker. Wer stark reagiert, verzichtet in der Saison besser ganz auf frische Blumen im Haus.
Was hilft bei einer Hausstaubmilbenallergie?
Bei einer Hausstaubmilbenallergie hilft es, das Schlafzimmer milbenarm zu halten.
- milbendichte Bezüge (Encasings) für Matratze, Decke und Kissen
- Bettwäsche bei mindestens 60 Grad waschen
- Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent, Schlafzimmer höchstens 18 Grad
- Staubfänger wie Teppiche, schwere Vorhänge, offene Regale und Polstermöbel verringern
- glatte Böden mindestens zweimal pro Woche nass wischen, mit HEPA-Filter saugen
Was hilft bei einer Tierallergie?
Am sichersten ist es, auf das Tier zu verzichten. Ist das nicht möglich, sollte das Tier zumindest nicht ins Schlafzimmer. Waschen Sie sich nach dem Streicheln die Hände, bevor Sie die Augen berühren. Kleidung und Wohnung gründlich reinigen verringert die Allergenmenge.
Was hilft gegen Schimmelpilzallergie?
Gegen Schimmelpilzallergie hilft vor allem, befallene Räume fachgerecht zu sanieren. Feuchte Stellen, undichte Fenster und schlecht gelüftete Bäder sind typische Quellen. Regelmäßiges Lüften und eine niedrige Luftfeuchtigkeit beugen neuem Befall vor.
Was sollten Kontaktlinsenträger beachten?
Kontaktlinsenträger sollten die Linsen bei allergischen Beschwerden herausnehmen, bis die Augen wieder ruhig sind. Pollen und Allergene haften an der Linsenoberfläche und verlängern den Kontakt. Wer Riesenpapillen hatte, sollte die Linsen nur nach Rücksprache mit der Augenärztin wieder tragen.
Welche Rolle spielen Kosmetik und Hygiene?
Parfümierte oder allergieverdächtige Kosmetika sollten Sie meiden. Augen-Make-up, Handtücher und Waschlappen sollten Sie nicht mit anderen teilen. Fassen Sie sich nicht mit ungewaschenen Händen an die Augen. Achten Sie bei Augentropfen auf das Haltbarkeitsdatum und die Haltbarkeit nach dem Öffnen.
Was können Sie im Alltag noch tun?
Im Alltag helfen vor allem einige feste Gewohnheiten.
- Nicht reiben: lieber kühlen; das schützt die Hornhaut.
- Nicht rauchen und Rauch meiden; Alkohol kann Beschwerden verstärken.
- Vorbeugend behandeln: Mastzellstabilisatoren rechtzeitig vor der Saison beginnen.
- Tagebuch führen: Beschwerden, Wetter und Pollenflug notieren; so erkennen Sie Ihre Auslöser.
- Vorsicht am Steuer: mit tränenden Augen oder nach müde machenden Tabletten nicht fahren.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (5)
Ist eine allergische Bindehautentzündung ein Notfall?
Nein, eine allergische Bindehautentzündung ist fast nie ein Notfall am Auge. Einige Warnzeichen zeigen aber, dass die Hornhaut beteiligt ist oder eine andere Krankheit dahintersteckt. Ein echter Notfall kann die allergische Reaktion des ganzen Körpers sein.
Wann muss ich sofort den Notruf wählen?
Sofort den Notruf wählen sollten Sie bei Atemnot, Schwellung von Zunge oder Rachen, Kreislaufproblemen oder Bewusstseinsstörung nach Kontakt mit einem Allergen. Das sind Zeichen einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie).
- Deutschland: 112
- Österreich: Rettung 144 oder Euronotruf 112
Wann muss ich noch am selben Tag zum Augenarzt?
Noch am selben Tag zur Augenärztin oder in die Augenklinik sollten Sie bei diesen Zeichen:
- Augenschmerzen, nicht nur Jucken oder Brennen
- deutliche Lichtscheu
- Sehverschlechterung, die sich durch Blinzeln nicht bessert
- ein weißlicher Fleck oder Belag auf der Hornhaut
- sehr starke Rötung eines einzelnen Auges
- ein Kind mit Frühjahrskatarrh, das plötzlich Schmerzen hat oder die Augen nicht mehr öffnen will
- ein Säugling unter 30 Tagen mit roten, verklebten Augen
Ein rotes, stark schmerzendes Auge mit Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen oder schlechterem Sehen kann ein akuter Glaukomanfall sein. Das ist ein Notfall: Fahren Sie dann sofort in die nächste Augenklinik und warten Sie nicht bis zum nächsten Tag. Mehr zu allgemeinen Warnzeichen am Auge finden Sie unter Notfall am Auge.
Wann sollte ich in den nächsten Tagen einen Termin machen?
Einen Termin in den nächsten Tagen sollten Sie vereinbaren, wenn die Beschwerden trotz Mitteln aus der Apotheke nicht besser werden. Englische und spanische Gesundheitsportale nennen dafür einige Tage bis eine Woche. Ebenso gilt das für erstmalige Beschwerden ohne klaren Auslöser, für Kontaktlinsenträger mit Beschwerden und Knötchen an der Lidinnenseite und für Kinder mit starkem Augenreiben. Abends, am Wochenende und an Feiertagen erreichen Sie in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450 oder den Ärztefunkdienst unter 141.
Wann reicht ein Routinetermin?
Ein Routinetermin reicht, wenn Sie Ihre saisonale Allergie kennen und die Beschwerden wie in den Vorjahren verlaufen. Planen Sie dann am besten vor der nächsten Saison ein Gespräch über die vorbeugende Behandlung oder eine Hyposensibilisierung. Wer Kortisontropfen bekommen hat, braucht die vereinbarten Kontrollen des Augendrucks.
9 Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob meine Bindehautentzündung allergisch ist?
Eine allergische Bindehautentzündung juckt fast immer, betrifft beide Augen und tritt zusammen mit Niesen oder Schnupfen oder zu bestimmten Jahreszeiten auf. Der Ausfluss ist klar oder weißlich, nicht eitrig. Gelber Eiter und verklebte Lider sprechen eher für Bakterien, eine Erkältung mit kratzendem Auge eher für Viren.
Ist eine allergische Bindehautentzündung ansteckend?
Nein. Die Ursache ist eine Allergie, keine Infektion. Kinder dürfen mit einer reinen Augenallergie in Kindergarten und Schule.
Was hilft schnell gegen juckende Augen bei Heuschnupfen?
Schnell helfen ein kalter Waschlappen auf den Lidern, gekühlte künstliche Tränen und antiallergische Augentropfen mit Antihistaminikum aus der Apotheke. Nicht reiben, Gesicht waschen und Kontaktlinsen herausnehmen. Bei häufigen Beschwerden lohnt eine vorbeugende Behandlung vor der Pollensaison.
Darf ich Kortison-Augentropfen selbst nehmen?
Nein. Kortisontropfen wirken stark, können aber den Augendruck erhöhen, einen Grauen Star fördern und Infektionen wie Herpes am Auge verschlimmern. Sie gehören nur in die Hand einer Augenärztin oder eines Augenarztes, die den Augendruck kontrollieren.
Wie lange vor der Pollensaison sollte ich mit Augentropfen beginnen?
Mit Mastzellstabilisatoren wie Cromoglicinsäure beginnt man etwa eine Woche vor dem ersten Pollenflug, weil sich die Wirkung erst aufbaut. Antihistamin-Tropfen wirken sofort, sollten in der Saison aber regelmäßig genommen werden. Eine Hyposensibilisierung gegen Pollen beginnt man drei bis vier Monate vor der Saison.
Kann ich mit einer Augenallergie Kontaktlinsen tragen?
Während einer akuten Allergie sollten Sie keine Kontaktlinsen tragen, bis die Augen wieder ruhig sind. Pollen haften an der Linse. Wenn die Linsen zunehmend stören und schlechter sitzen, kann eine Riesenpapillen-Konjunktivitis dahinterstecken, die die Augenärztin abklären sollte.
Mein Kind hat jeden Frühling extrem juckende, lichtempfindliche Augen. Was ist das?
Das kann ein Frühjahrskatarrh (Keratoconjunctivitis vernalis) sein, eine besondere Augenallergie, die vor allem Jungen zwischen 5 und 20 Jahren betrifft. Typisch sind starker Juckreiz, zäher Schleim, Lichtscheu und ein besonders schlimmer Morgen. Weil die Hornhaut geschädigt werden kann, gehört es in augenärztliche Behandlung. Die meisten Kinder werden nach der Pubertät beschwerdefrei.
Hilft eine Hyposensibilisierung auch gegen Augenallergie?
Ja, wenn die Augenbeschwerden zu einer nachgewiesenen Pollen- oder Milbenallergie gehören. Sie dauert meist drei bis fünf Jahre und kann Beschwerden und Medikamentenbedarf senken. Sie ist die einzige Behandlung, die an der Ursache der Allergie ansetzt; eine Garantie gibt es aber nicht.
Kann aus einer Augenallergie Asthma werden?
Das Risiko für Asthma ist bei Heuschnupfen erhöht, besonders bei Kindern. Warnzeichen sind trockener Reizhusten, pfeifende Atmung und Atemnot. Eine frühe Behandlung der Allergie und eine Hyposensibilisierung können das Risiko senken.
Darf ich mit allergischen Augen Auto fahren?
Mit stark tränenden, juckenden Augen und nach müde machenden Antihistaminika sollten Sie nicht fahren. Beim Niesen schließen sich die Augen reflexartig. Antihistaminika der zweiten Generation machen wenig oder gar nicht müde; lassen Sie sich in der Apotheke beraten.
Warum sind meine Augen morgens am schlimmsten?
Morgendliche Beschwerden sprechen oft für eine Hausstaubmilbenallergie, weil man nachts im Bett nah an den Milben liegt. Beim Frühjahrskatarrh von Kindern ist der schlimme Morgen ebenfalls typisch. Auch Pollen, die abends im Haar ins Bett gelangen, können eine Rolle spielen.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 21 Quellen anzeigen
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Allergische Konjunktivitis & Reizkonjunktivitis – Österreichisches Gesundheitsportal (gesundheit.gv.at) (DE)
- Pollenallergie – Österreichisches Gesundheitsportal (gesundheit.gv.at) (DE)
- Hausstaubmilbenallergie – Österreichisches Gesundheitsportal (gesundheit.gv.at) (DE)
- Tierallergie – Österreichisches Gesundheitsportal (gesundheit.gv.at) (DE)
- Allergien bei Kindern – Österreichisches Gesundheitsportal (gesundheit.gv.at) (DE)
- Heuschnupfen – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (DE)
- Heuschnupfen / Allergischer Schnupfen – IQWiG, gesundheitsinformation.de (DE)
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis) – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), augeninfo.de (DE)
- Heuschnupfen: Behandlung – Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich (DE)
- Heuschnupfen vorbeugen – Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich (DE)
- Allergic Conjunctivitis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Vernal Keratoconjunctivitis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Atopic Keratoconjunctivitis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Conjunctivitis – NHS (EN)
- Hay fever – NHS (EN)
- Conjonctivite allergique – Manuel MSD, édition professionnelle (FR)
- Yeux rouges (conjonctivite) – Santé.fr, Ministère de la Santé (FR)
- Conjuntivitis alérgica – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Conjuntivitis alérgica (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Conjuntivitis vernal (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Conjuntivitis u ojo rosado – MedlinePlus en español, National Library of Medicine (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss