Sympathische Ophthalmie (Entzündung des zweiten Auges nach Verletzung)
Die sympathische Ophthalmie ist eine sehr seltene Entzündung im bisher gesunden Auge, die Wochen bis Jahre nach einer offenen Verletzung oder Operation des anderen Auges auftreten kann. Sie entsteht durch eine Fehlreaktion des Immunsystems, ist bei früher Behandlung meist gut beherrschbar und betrifft nur etwa ein bis fünf von 1.000 Menschen mit offener Augenverletzung.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (6)
Was ist eine sympathische Ophthalmie?
Die sympathische Ophthalmie ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut (Uvea) in beiden Augen, die nach einer offenen Verletzung oder einer Operation an nur einem Auge entsteht. Das Besondere: Sie befällt auch das Auge, das nie verletzt oder operiert wurde. Zur mittleren Augenhaut gehören Regenbogenhaut (Iris), Strahlenkörper (Ziliarkörper) und Aderhaut. Weil meist alle Abschnitte entzündet sind, sprechen Fachleute von einer Panuveitis.
Die Entzündung ist granulomatös. Das heißt, es bilden sich kleine Knötchen aus Abwehrzellen. Sie gehört damit zur großen Gruppe der Uveitis-Erkrankungen, hat aber eine ganz eigene Ursache.
Woher kommt der Name?
„Sympathisch“ kommt vom griechischen Wort für „mitleiden“: Das gesunde Auge leidet mit dem verletzten mit. Das verletzte oder operierte Auge heißt in der Fachsprache „auslösendes Auge“, das andere „sympathisierendes“ oder „mitreagierendes Auge“. Beschrieben ist die Krankheit seit der Antike, ihren heutigen Namen prägte der schottische Augenarzt William Mackenzie im 19. Jahrhundert.
Ernst Fuchs, ein Wiener Augenarzt, beschrieb 1905 die typischen Gewebeveränderungen. Ein bekannter historischer Fall könnte Louis Braille gewesen sein: Er verletzte sich als kleines Kind ein Auge und erblindete später auf beiden Augen.
Wie häufig ist eine sympathische Ophthalmie?
Die Krankheit ist sehr selten: Nach einer offenen Augenverletzung erkranken etwa 1 bis 5 von 1.000 Menschen, nach einer Operation im Augeninneren noch deutlich weniger. Eine große Auswertung von 2024 mit über 7.500 Verletzten fand eine Rate von etwa 0,12 Prozent. Gängige medizinische Nachschlagewerke nennen 0,2 bis 0,5 Prozent. Nach Eingriffen im Augeninneren gehen die Angaben weit auseinander: Meist werden 0,01 bis 0,1 Prozent genannt, einzelne Auswertungen fanden noch weniger.
Die Zahlen schwanken, weil die Krankheit so selten ist und Studien unterschiedlich zählen. Bezogen auf alle Uveitis-Fälle macht die sympathische Ophthalmie nur einen kleinen Bruchteil aus. Eine Erhebung aus Großbritannien und Irland kam auf etwa 3 Neuerkrankungen pro 10 Millionen Einwohner und Jahr.
Wer ist betroffen?
Betroffen sind Menschen, die an einem Auge eine offene Verletzung oder eine Operation im Augeninneren hatten. Es gibt zwei Altersgipfel: Kinder und junge Erwachsene, die sich häufiger verletzen, und Menschen im Alter von etwa 50 bis 70 Jahren, die häufiger am Auge operiert werden. Nach Verletzungen sind Männer und Jungen häufiger betroffen, vermutlich weil sie sich öfter verletzen. Nach Operationen gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.
Wie groß ist das Risiko wirklich?
Das Risiko ist klein, und Panik ist nicht angebracht. Die allermeisten Menschen mit einer Augenverletzung oder Augenoperation bekommen nie eine sympathische Ophthalmie. Wichtig ist aber, die Warnzeichen zu kennen. Denn wer früh behandelt wird, behält in den meisten Fällen ein gutes Sehvermögen.
Das Wichtigste in Kürze
Die sympathische Ophthalmie ist selten, aber ernst, und bei früher Behandlung meist gut beherrschbar.
- Entzündung beider Augen nach Verletzung oder Operation nur eines Auges.
- Ursache ist eine Fehlreaktion des Immunsystems, keine Infektion.
- Beginn meist 2 bis 12 Wochen nach dem Ereignis, etwa 90 Prozent im ersten Jahr, selten erst nach Jahrzehnten.
- Frühe Warnzeichen am gesunden Auge: Probleme beim Lesen, verschwommenes Sehen, Lichtscheu, fliegende Mücken, Rötung, Schmerz.
- Behandlung mit Kortison und meist zusätzlich Immunsuppressiva, oft über Jahre.
- Die vorbeugende Entfernung des verletzten Auges ist heute nur noch in Ausnahmefällen ein Thema.
2 Symptome
In diesem Kapitel (20)
- Welche Beschwerden macht eine sympathische Ophthalmie?
- Wann treten die ersten Beschwerden auf?
- Warum ist Lesen oft das erste Problem?
- Wie fühlt sich das verschwommene Sehen an?
- Was bedeuten neue fliegende Mücken?
- Lichtscheu, Tränen und Fremdkörpergefühl
- Rötung und Schmerzen
- Lichtblitze und verzerrtes Sehen
- Kopfschmerzen und Nackensteife
- Kann die Krankheit auch Ohren, Haut und Haare betreffen?
- Sind immer beide Augen gleich stark betroffen?
- Was passiert am verletzten Auge?
- Beginnt die Krankheit plötzlich oder schleichend?
- Was ist eine sympathische Reizung?
- Was sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?
- Welche Spätzeichen gibt es?
- Was können Angehörige bemerken?
- Woran erkennt man die Krankheit bei Kindern?
- Was ist bei älteren Menschen anders?
- Welche Beschwerden sprechen eher für etwas anderes?
Welche Beschwerden macht eine sympathische Ophthalmie?
Die häufigsten Beschwerden sind verschwommenes oder nachlassendes Sehen und neue „fliegende Mücken“ im bisher gesunden Auge, oft zusammen mit Lichtscheu, Rötung und Schmerzen. Ein frühes, leicht übersehenes Zeichen ist, dass das Lesen in der Nähe plötzlich schwerfällt. Die Beschwerden ähneln denen anderer Entzündungen im Augeninneren. Entscheidend ist deshalb der Zusammenhang: Sie treten nach einer Verletzung oder Operation des anderen Auges auf.
Fast immer verschlechtert sich gleichzeitig auch das verletzte oder operierte Auge. Diese erneute Entzündung im ersten Auge ist manchmal das erste, was auffällt. Die folgende Übersicht fasst die Beschwerden nach Häufigkeit zusammen.
| Beschwerde | Wie häufig? | Wie es sich anfühlt |
|---|---|---|
| Verschwommenes, nachlassendes Sehen | sehr häufig, oft das Hauptsymptom | wie durch eine schmutzige Brille oder einen Nebel |
| Probleme beim Nahsehen | häufig, oft früh | Lesen strengt an, Buchstaben verschwimmen |
| Fliegende Mücken (Mouches volantes) | häufig | Punkte, Fäden oder Schlieren, die mit dem Blick mitwandern |
| Lichtscheu | häufig | helles Licht blendet oder schmerzt |
| Rötung | häufig | Rötung vor allem rund um die Hornhaut |
| Augenschmerz | häufig, meist dumpf | Druck- oder Ziehgefühl im Auge |
| Tränenfluss | gelegentlich | das Auge tränt ohne erkennbaren Grund |
| Kopfschmerz | gelegentlich | Kopfdruck, oft zusammen mit Augenschmerz |
| Lichtblitze, verzerrtes Sehen | seltener | Blitze am Rand, gerade Linien wirken wellig |
| Ohrgeräusche, Hörminderung, Haarveränderungen | selten | Beschwerden außerhalb des Auges |
Wann treten die ersten Beschwerden auf?
Meist beginnen die Beschwerden 2 bis 12 Wochen nach der Verletzung oder Operation. Vor Ablauf von zwei Wochen ist die Krankheit sehr selten. Etwa 80 Prozent der Erkrankungen beginnen innerhalb von drei Monaten, etwa 90 Prozent innerhalb des ersten Jahres.
Es gibt aber Ausnahmen in beide Richtungen. Beschrieben sind Fälle schon fünf Tage nach dem Ereignis und Fälle, die erst nach 30, 60 oder sogar 66 Jahren auftraten. Deshalb gilt: Wer je eine offene Augenverletzung oder mehrere Operationen im Augeninneren hatte, sollte die Warnzeichen ein Leben lang im Hinterkopf behalten.
| Zeitraum nach Verletzung oder Operation | Einordnung |
|---|---|
| erste 1 bis 2 Wochen | sehr selten |
| 2 Wochen bis 3 Monate | häufigster Zeitraum, etwa 80 Prozent aller Fälle |
| 3 bis 12 Monate | noch etwa jeder zehnte Fall |
| nach mehr als einem Jahr | selten, etwa jeder zehnte Fall, bis Jahrzehnte später möglich |
Warum ist Lesen oft das erste Problem?
Probleme beim Nahsehen gehören zu den frühesten Zeichen, weil die Entzündung den Strahlenkörper betrifft, der die Linse für die Nähe scharf stellt. Diese Fähigkeit heißt Akkommodation. Ist der Strahlenkörper entzündet, gelingt das Umstellen auf die Nähe schlechter. Die Zeitung, das Handy oder die Speisekarte werden unscharf, obwohl die Ferne noch gut aussieht.
Jüngere Menschen bemerken das besonders deutlich, weil sie vorher problemlos lesen konnten. Ältere Menschen, die ohnehin eine Lesebrille tragen, halten es leicht für eine Verschlechterung der Alterssichtigkeit. Wer nach einer Augenverletzung oder Augenoperation plötzlich schlechter liest, sollte diesen Zusammenhang ansprechen.
Wie fühlt sich das verschwommene Sehen an?
Das Sehen wird trüb, als läge ein Schleier oder Nebel über dem Bild. Ursache sind Entzündungszellen und Eiweiß im Kammerwasser und im Glaskörper, außerdem Schwellungen an Netzhaut und Sehnerv. Die Verschlechterung reicht von kaum merklich bis zu schwerem Sehverlust. In einem beschriebenen Fall fiel die Sehschärfe innerhalb von fünf Tagen von voller Sehkraft auf etwa 5 Prozent.
In kleinen Fallserien war die Sehverschlechterung die häufigste Beschwerde überhaupt. Sie kann über Tage zunehmen oder über Wochen schleichend kommen. Weil das andere Auge durch die Verletzung oft schon schlecht sieht, trifft dieser Verlust Betroffene besonders hart.
Was bedeuten neue fliegende Mücken?
Neue Punkte, Fäden oder Flusen im Blickfeld sind bei der sympathischen Ophthalmie ein Zeichen für Entzündungszellen im Glaskörper. Sie sehen ähnlich aus wie die harmlosen Mouches volantes, die viele Menschen kennen. Der Unterschied: Sie kommen neu und meist zusammen mit einer Sehverschlechterung. Auf einem hellen Hintergrund, etwa einer weißen Wand oder dem Himmel, fallen sie am stärksten auf.
Medizinische Nachschlagewerke nennen fliegende Mücken und nachlassendes Sehen als die beiden Hauptbeschwerden. Wer nach einer Augenverletzung oder Augenoperation am anderen Auge neue Mücken bemerkt, sollte nicht abwarten.
Lichtscheu, Tränen und Fremdkörpergefühl
Viele Betroffene werden lichtempfindlich: Helles Licht blendet, schmerzt oder lässt das Auge zukneifen. Fachleute nennen das Photophobie. Dazu kommen oft Tränenfluss und manchmal ein Gefühl, als sei etwas im Auge. Argentinische Augenärzte betonen, dass gerade diese Kombination am zweiten Auge immer an eine sympathische Ophthalmie denken lassen sollte. Sie markiert den besten Zeitpunkt, um mit der Behandlung zu beginnen.
Rötung und Schmerzen
Das Auge kann sich röten, typisch ist eine Rötung im Ring rund um die Hornhaut (ziliare Rötung). Sie sieht anders aus als bei einer Bindehautentzündung: Die Rötung sitzt tiefer, ist eher violett-rot und es gibt meist keinen klebrigen Ausfluss. Schmerzen sind meist dumpf und drückend. Manche spüren sie stärker bei Augenbewegungen, und in einem Fallbericht war auch das Lid rund um das Auge geschwollen.
Nicht jede sympathische Ophthalmie schmerzt. Besonders wenn die Entzündung vor allem den hinteren Augenabschnitt betrifft, bleibt das Auge oft weiß und schmerzfrei. Fehlender Schmerz ist also keine Entwarnung.
Lichtblitze und verzerrtes Sehen
Manche Betroffene sehen Lichtblitze (Photopsien) oder gerade Linien wellig und verbogen (Metamorphopsien). Das spricht für eine Beteiligung von Netzhaut und Aderhaut im hinteren Auge. Häufig sammelt sich dort Flüssigkeit unter der Netzhaut und hebt sie stellenweise ab. Ein spanischer Fallbericht beschreibt genau diese Kombination: drei Monate nach einem Arbeitsunfall mit Verlust des einen Auges traten am anderen Auge Schmerz, Lichtscheu, Verzerrtsehen und leichte Sehverschlechterung auf.
Kopfschmerzen und Nackensteife
Kopfschmerzen kommen gelegentlich vor, manchmal auch eine Steifheit im Nacken. Das liegt daran, dass die Immunreaktion auch die Hirnhäute reizen kann. Insgesamt sind solche Zeichen außerhalb des Auges bei der sympathischen Ophthalmie aber deutlich seltener als bei der verwandten Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit. Ärztinnen und Ärzte finden dann manchmal auch vermehrt Zellen im Nervenwasser.
Kann die Krankheit auch Ohren, Haut und Haare betreffen?
Ja, aber das ist seltener als die Augenbeschwerden. Die Abwehrreaktion richtet sich gegen pigmentbildende Zellen, und solche Zellen gibt es auch im Innenohr, in der Haut und in den Haarwurzeln. Beschrieben sind vor allem:
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Hörminderung
- Haarausfall
- weiße Wimpern, Brauen oder Haarsträhnen (Poliosis)
- helle, pigmentlose Hautflecken (Vitiligo), eher selten
In einer großen chinesischen Auswertung mit 131 Betroffenen hatte etwa jeder Vierte überhaupt eines dieser Zeichen außerhalb des Auges, einschließlich der Hirnhautreizung. Bei der verwandten Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit waren es dagegen gut vier von fünf. Wer sie bemerkt, sollte sie der Augenärztin oder dem Augenarzt nennen, auch wenn sie mit den Augen scheinbar nichts zu tun haben.
Sind immer beide Augen gleich stark betroffen?
Nein, die Entzündung betrifft zwar beide Augen, ist aber meist unterschiedlich stark. Anfangs ist sie oft im verletzten Auge ausgeprägter. Im weiteren Verlauf kann das zweite Auge stärker entzündet sein als das erste. Weil das verletzte Auge häufig ohnehin schlecht sieht, fällt die Krankheit Betroffenen fast immer über das gesunde Auge auf.
Was passiert am verletzten Auge?
Das verletzte oder operierte Auge entzündet sich ebenfalls erneut oder kommt nach der Verletzung nicht zur Ruhe. Es wird wieder rot, schmerzt oder sieht schlechter. Je nach Schwere der ursprünglichen Verletzung ist die Entzündung dort stärker und hält länger an. Schwer verletzte Augen schrumpfen im Lauf der Zeit manchmal und verlieren ihre Funktion ganz (Phthisis bulbi, Schrumpfauge).
Beginnt die Krankheit plötzlich oder schleichend?
Beides kommt vor: Manche Betroffene bemerken innerhalb weniger Tage deutliche Beschwerden, bei anderen schleichen sie sich über Wochen ein. Danach verläuft die Krankheit meist chronisch. Das heißt, Phasen mit aktiver Entzündung wechseln sich mit ruhigen Phasen ab, die Monate oder Jahre dauern können.
Was ist eine sympathische Reizung?
Als sympathische Reizung bezeichnen ältere, vor allem südamerikanische Quellen eine milde Vorform oder abgeschwächte Form am zweiten Auge. Das Auge ist dann lichtscheu, tränt und sieht etwas verschwommen, manchmal fällt das Scharfstellen in der Nähe schwer. Die Augenärztin oder der Augenarzt findet höchstens eine leichte Schwellung an Netzhautmitte oder Sehnervenkopf. Ob daraus eine echte sympathische Ophthalmie wird, lässt sich nicht vorhersagen. Solche Beschwerden gehören deshalb genauso rasch abgeklärt.
Was sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?
Viele Zeichen der Krankheit kann nur die Fachärztin oder der Facharzt mit Spaltlampe und Augenspiegel erkennen, Betroffene spüren sie nicht. Die wichtigsten Befunde sind in der Tabelle zusammengefasst.
| Befund | Was das bedeutet |
|---|---|
| Entzündungszellen und Eiweiß in der Vorderkammer | aktive Entzündung im vorderen Auge |
| „Hammelfett“-Präzipitate | große, fettig aussehende Ablagerungen an der Hornhautrückseite, typisch für granulomatöse Entzündung |
| Hintere Synechien | Verklebungen der Iris mit der Linse, die Pupille wird unrund |
| Glaskörpertrübung | Entzündungszellen im Glaskörper, Ursache der fliegenden Mücken |
| Geschwollener Sehnervenkopf | oft eines der ersten Zeichen und eines der letzten, die verschwinden |
| Seröse Netzhautabhebungen | Flüssigkeit unter der Netzhaut, häufig |
| Dalen-Fuchs-Knötchen | kleine gelblich-weiße Herde unter der Netzhaut, bei etwa einem Viertel bis einem Drittel, typisch, aber nicht beweisend |
| Aderhautentzündung | verdickte, entzündete Aderhaut |
Welche Spätzeichen gibt es?
Nach längerer oder wiederholter Entzündung können bleibende Veränderungen entstehen, die die Augenärztin oder der Augenarzt sieht. Dazu gehört der sogenannte Sonnenuntergangs-Augenhintergrund: Die Aderhaut verliert Pigment und wirkt orangerot. Außerdem können Narben an Netzhaut und Aderhaut, krankhafte neue Blutgefäße unter der Netzhaut, ein Grauer Star, ein Grüner Star oder ein zu niedriger Augeninnendruck auftreten. Diese Folgen spürt man vor allem als bleibende Sehverschlechterung oder Blendempfindlichkeit.
Was können Angehörige bemerken?
Angehörige fallen oft Veränderungen im Verhalten auf, bevor Betroffene selbst darüber sprechen. Hinweise können sein, dass jemand häufiger blinzelt oder die Augen reibt, helles Licht meidet oder die Vorhänge zuzieht. Auch ein gerötetes Auge, Schwierigkeiten beim Lesen, Zeitunglesen mit größerem Abstand oder Unsicherheit beim Gehen können auffallen. Wer weiß, dass das andere Auge früher verletzt oder operiert wurde, sollte solche Beobachtungen ansprechen.
Woran erkennt man die Krankheit bei Kindern?
Bei Kindern ist die Krankheit nicht anders, aber schwerer zu erkennen, weil sie ihre Beschwerden oft nicht beschreiben können. Kinder sind wegen Verletzungen, etwa durch Stifte, Stöcke oder Scheren, eine der beiden Hauptgruppen. Eltern sollten auf Lichtscheu, häufiges Augenreiben, Rötung, Kopfschmerzen und Leseprobleme achten. Auch ein Kind, das in der Schule plötzlich nicht mehr an die Tafel sieht oder beim Lesen schnell aufgibt, sollte untersucht werden.
Bei kleinen Kindern kommt hinzu, dass das Sehen sich noch entwickelt. Eine längere Entzündung mit schlechtem Sehen kann zusätzlich zu einer Schwachsichtigkeit führen. Kinderärztliche und augenärztliche Kontrollen nach einer Augenverletzung sind deshalb besonders wichtig.
Was ist bei älteren Menschen anders?
Bei älteren Menschen geht die Krankheit häufiger von einer Operation aus, nicht von einer Verletzung. Typische Auslöser sind Glaskörperoperationen, oft mehrfach, Glaukomoperationen oder seltener eine Operation am Grauen Star. Weil viele Beschwerden auch zu den normalen Folgen einer Operation passen, werden sie leicht dem operierten Auge zugeschrieben. Achten Sie deshalb besonders auf das nicht operierte Auge.
Welche Beschwerden sprechen eher für etwas anderes?
Nicht jede Beschwerde nach einer Augenoperation ist eine sympathische Ophthalmie, viel häufiger steckt etwas anderes dahinter. Einige Beispiele:
- Starke Schmerzen, Rötung und Sehverlust am operierten Auge in den ersten Tagen nach einer Operation sprechen eher für eine Infektion im Auge, eine Endophthalmitis.
- Plötzlich viele Mücken, Lichtblitze und ein Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld sprechen eher für eine Netzhautablösung.
- Heftige Augen- und Kopfschmerzen mit Übelkeit und steinhartem Auge sprechen eher für einen akuten Glaukomanfall.
- Juckende, klebrige, gerötete Augen ohne Sehverschlechterung passen eher zu einer Bindehautentzündung.
Alle diese Erkrankungen gehören ebenfalls rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt. Die Unterscheidung muss niemand selbst treffen.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (8)
- Was ist die Ursache der sympathischen Ophthalmie?
- Warum greift das Immunsystem das Auge an?
- Welche Verletzungen können sie auslösen?
- Welche Operationen können sie auslösen?
- Gibt es seltene Auslöser?
- Welche Rolle spielen die Gene?
- Ist die sympathische Ophthalmie eine Infektion?
- Wie hängt sie mit der Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit zusammen?
Was ist die Ursache der sympathischen Ophthalmie?
Die Ursache ist eine Fehlreaktion des Immunsystems: Nach einer Verletzung oder Operation erkennt der Körper bestimmte Eiweiße aus dem Augeninneren als fremd und greift sie in beiden Augen an. Es handelt sich also um eine Autoimmunreaktion. Ganz geklärt ist der Ablauf bis heute nicht. Die Fachwelt ist sich aber einig, dass das Immunsystem und nicht ein Erreger die Hauptrolle spielt.
Warum greift das Immunsystem das Auge an?
Das Auge ist normalerweise vom Immunsystem abgeschirmt. Fachleute sprechen von einem „immunologisch privilegierten“ Ort. Bestimmte Eiweiße der Aderhaut, der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) und der Sehzellen kommen mit dem übrigen Körper nie in Kontakt. Das Immunsystem „kennt“ sie deshalb nicht.
Wird die Augenwand durchbohrt, kann dieses Gewebe mit den Lymphgefäßen der Bindehaut in Berührung kommen. Dort lernt das Immunsystem die Eiweiße kennen und bildet spezialisierte Abwehrzellen, die T-Zellen. Diese wandern über das Blut in beide Augen und lösen dort die Entzündung aus. Tierversuche stützen diese Vorstellung: Wurde Augengewebe unter die Bindehaut gespritzt, entzündeten sich bei einem Teil der Tiere beide Augen, bei Injektion direkt ins Auge nicht.
An der Entzündung sind verschiedene Botenstoffe beteiligt, darunter der Tumornekrosefaktor (TNF-alpha) sowie Interleukin 17 und 23. Diese Botenstoffe sind wichtig, weil einige moderne Medikamente genau an ihnen ansetzen.
Welche Verletzungen können sie auslösen?
Fast immer geht eine offene, durchbohrende Verletzung voraus, also eine offene Augenverletzung, bei der die Augenwand durchtrennt ist. Typische Beispiele sind Stichverletzungen durch Bleistift, Stock, Messer, Schere oder Draht und Splitter bei Arbeiten mit Werkzeug. Etwa 60 bis 70 Prozent aller Fälle gehen auf solche Verletzungen zurück. In Ländern mit vielen Arbeits- und Alltagsunfällen, etwa in Indien, sind es über drei Viertel.
Besonders gefährdet sind Verletzungen, bei denen Gewebe der mittleren Augenhaut in der Wunde eingeklemmt ist oder nach außen tritt. In einer mexikanischen Fallserie war das fast immer der Fall. Auch wiederholte Verletzungen desselben Auges erhöhen das Risiko.
Welche Operationen können sie auslösen?
Etwa 30 Prozent der Fälle folgen einer Operation im Augeninneren, und ihr Anteil nimmt in Industrieländern zu. Am häufigsten ist die Glaskörperoperation (Vitrektomie) der Auslöser, vor allem wenn sie mehrfach nötig war. Das Risiko nach einzelnen Eingriffen ist dabei sehr gering.
| Eingriff | Einordnung des Risikos |
|---|---|
| Glaskörperoperation (Vitrektomie), routinemäßig | etwa 1 von 10.000 |
| Glaskörperoperation nach Verletzung | etwa 6 von 10.000 |
| Wiederholte Glaskörperoperationen | höher als nach einem einzelnen Eingriff |
| Laser- oder Kältebehandlung des Strahlenkörpers bei Grünem Star | vergleichsweise höher, sollte bei der Aufklärung genannt werden |
| Glaukomoperationen, z. B. Trabekulektomie | selten |
| Operation am Grauen Star | sehr selten, wegen der großen Zahl an Eingriffen trotzdem in Fallserien vertreten |
| Spritzen ins Auge, andere Netzhautoperationen | Einzelfälle beschrieben |
Die Zahlen stammen aus Übersichtsarbeiten und schwanken zwischen den Studien stark. Für jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten bleibt das Risiko einer üblichen Augenoperation äußerst klein. Kein Mensch sollte deshalb eine notwendige Operation ablehnen.
Gibt es seltene Auslöser?
Ja, in Einzelfällen wurde die Krankheit auch ohne offene Verletzung beschrieben. Dazu gehören:
- stumpfe Verletzungen, etwa ein Faustschlag, besonders mit verdecktem Riss der Lederhaut (siehe Prellung des Auges)
- Verätzungen und Verbrennungen
- durchgebrochene Hornhautgeschwüre, etwa durch Pilze oder Akanthamöben
- Tumoren im Auge, vor allem Melanome
- die Entfernung oder Ausräumung des Auges selbst
Welche Rolle spielen die Gene?
Die sympathische Ophthalmie wird nicht vererbt, aber bestimmte Gewebemerkmale machen sie etwas wahrscheinlicher. Gemeint sind HLA-Merkmale, die steuern, wie das Immunsystem fremde Eiweiße erkennt. Beschrieben sind unter anderem HLA-DR4, HLA-DRB1*04 und HLA-DQB1*04, in einer kleinen Studie auch HLA-A11. Ein Gentest hat für Betroffene keinen praktischen Nutzen. Er sagt weder voraus, wer erkrankt, noch ändert er die Behandlung.
Eine US-amerikanische Auswertung fand ein etwas höheres Risiko bei Menschen hawaiianischer, pazifischer und lateinamerikanischer Herkunft. Was dahintersteckt, ist unklar.
Ist die sympathische Ophthalmie eine Infektion?
Nein. Früher vermuteten Ärzte, Keime würden über die Wunde ins Auge gelangen. Bis heute wurde aber nie ein Erreger gefunden, und im Tierversuch ließ sich die Krankheit so nicht auslösen. Ob eine gleichzeitige Infektion die Immunreaktion verstärken kann, ist nur eine Vermutung. Die Krankheit ist nicht ansteckend.
Wie hängt sie mit der Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit zusammen?
Die Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit (VKH) ist eine eng verwandte Autoimmunerkrankung mit sehr ähnlichem Bild im Auge. Auch hier richtet sich die Abwehr gegen pigmentbildende Zellen. Der entscheidende Unterschied: VKH tritt ohne vorherige Verletzung oder Operation auf. Außerdem sind bei VKH Hirnhäute, Ohren, Haut und Haare viel häufiger beteiligt.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (9)
- Wie wird eine sympathische Ophthalmie festgestellt?
- Warum ist die Vorgeschichte so wichtig?
- Was passiert bei der Untersuchung an der Spaltlampe?
- Warum werden die Pupillen erweitert?
- Welche Bildgebung hilft weiter?
- Wozu dienen Blutuntersuchungen?
- Welche Krankheiten sehen ähnlich aus?
- Wann wird Gewebe untersucht?
- Wer stellt die Diagnose?
Wie wird eine sympathische Ophthalmie festgestellt?
Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt klinisch, also aus Vorgeschichte und Untersuchungsbefund. Es gibt keinen Bluttest und keine Einzeluntersuchung, die die Krankheit beweist. Entscheidend sind zwei Dinge: eine frühere offene Verletzung oder Operation an einem Auge und eine Entzündung im Inneren beider Augen. Zusatzuntersuchungen bestätigen den Verdacht, zeigen das Ausmaß und schließen andere Ursachen aus.
Warum ist die Vorgeschichte so wichtig?
Ohne eine frühere Verletzung oder Operation spricht man nicht von sympathischer Ophthalmie. Deshalb fragt die Augenärztin oder der Augenarzt genau nach: Wann war die Verletzung? Welche Operationen gab es, auch lange zurückliegende? Nennen Sie jede Augenverletzung und jeden Eingriff, auch Laserbehandlungen und Spritzen ins Auge, selbst wenn sie Jahrzehnte her sind. Französische Quellen betonen diesen Punkt ausdrücklich.
Was passiert bei der Untersuchung an der Spaltlampe?
An der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt, sieht die Augenärztin oder der Augenarzt in den vorderen Teil des Auges. Dort zeigen sich Entzündungszellen in der Vorderkammer, Ablagerungen an der Hornhautrückseite und Verklebungen der Iris. Am verletzten Auge sucht sie oder er nach Zeichen der früheren Verletzung, etwa Narben oder eingeklemmtem Gewebe. Außerdem wird der Augeninnendruck gemessen, der bei Entzündungen sowohl steigen als auch fallen kann.
Warum werden die Pupillen erweitert?
Mit erweiterten Pupillen lässt sich der Augenhintergrund beurteilen, wo sich viele typische Zeichen finden. Dazu gehören Trübungen im Glaskörper, ein geschwollener Sehnervenkopf, Entzündungsherde in der Aderhaut, Flüssigkeit unter der Netzhaut und die gelblich-weißen Dalen-Fuchs-Knötchen. Nach den Tropfen ist das Sehen für einige Stunden verschwommen und blendempfindlich. Sie dürfen in dieser Zeit nicht selbst Auto fahren.
Welche Bildgebung hilft weiter?
Mehrere bildgebende Verfahren bestätigen die Diagnose und helfen später bei der Verlaufskontrolle. Keines davon ist schmerzhaft.
| Untersuchung | Wie sie abläuft | Was sie zeigt |
|---|---|---|
| Optische Kohärenztomografie (OCT) | Schichtaufnahme der Netzhaut mit Licht, wenige Sekunden, ohne Berührung | Flüssigkeit unter der Netzhaut, Schwellung der Netzhautmitte (Makulaödem), verdickte Aderhaut; ideal für Kontrollen |
| Fluoreszenzangiografie | Farbstoff wird in die Armvene gespritzt, dann Fotos des Augenhintergrunds | viele kleine undichte Stellen unter der Netzhaut, die sich später zu Flecken sammeln |
| Indocyaningrün-Angiografie | ähnlich, mit anderem Farbstoff | dunkle Entzündungsherde in der Aderhaut, die unter Behandlung verblassen |
| Ultraschall (B-Bild) | Schallkopf auf dem geschlossenen Lid | verdickte Aderhaut; wichtig, wenn trübe Linse oder Glaskörper den Einblick versperren |
| Autofluoreszenz, OCT-Angiografie | Fotos ohne Farbstoff | ergänzend, zeigen Schäden am Pigmentepithel oder neue Gefäße |
Wozu dienen Blutuntersuchungen?
Blutuntersuchungen beweisen die sympathische Ophthalmie nicht, sie schließen aber andere Ursachen aus. Das ist wichtig, weil einige Infektionen ein sehr ähnliches Bild erzeugen. Würde man diese mit Kortison und Immunsuppressiva behandeln, könnte sich die Infektion verschlimmern.
Je nach Situation werden Blutbild, Entzündungswerte, Tests auf Syphilis, Tuberkulose und HIV sowie Werte zur Sarkoidose bestimmt, oft auch ein Röntgenbild der Lunge. Vor bestimmten Medikamenten, vor allem Biologika und hoch dosiertem Kortison, ist ein Tuberkulose-Test ohnehin üblich. Diese Werte dienen dann gleich als Ausgangsbefund für die Überwachung der Behandlung.
Welche Krankheiten sehen ähnlich aus?
Mehrere Erkrankungen können ähnlich aussehen und müssen abgegrenzt werden. Die wichtigsten zeigt die Tabelle.
| Erkrankung | Was sie unterscheidet |
|---|---|
| Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit | keine Verletzung oder Operation vorher, häufiger Hirnhaut-, Ohr- und Hautzeichen, beginnt meist im hinteren Auge |
| Endophthalmitis | bakterielle oder Pilzinfektion, meist nur im verletzten oder operierten Auge, oft wenige Tage nach dem Ereignis |
| Linsenbedingte (phakoanaphylaktische) Uveitis | Abwehrreaktion auf Linsenmaterial nach Verletzung oder Operation, Linsenreste in der Vorderkammer |
| Sarkoidose | Allgemeinerkrankung mit Knötchen in Lunge, Haut und Lymphknoten |
| Tuberkulose, Syphilis | Infektionen, die sich mit Bluttests und Röntgen nachweisen lassen |
| Entzündung nach Verletzung | Reizung nur im verletzten Auge, das zweite Auge bleibt ruhig |
| Multifokale Choroiditis | andere Form der Aderhautentzündung, ohne Bezug zu einer Verletzung |
Wann wird Gewebe untersucht?
Eine Gewebeuntersuchung ist nur möglich, wenn das verletzte Auge entfernt wurde. Unter dem Mikroskop zeigen sich dann die typischen Knötchen aus Abwehrzellen in der Aderhaut. Die feinste Gefäßschicht der Aderhaut bleibt dabei meist verschont. Für die Diagnose am lebenden Menschen ist eine solche Untersuchung nicht nötig.
Wer stellt die Diagnose?
Die Diagnose und die Behandlung gehören in erfahrene Hände, meist in eine Uveitis-Sprechstunde einer Universitäts-Augenklinik oder eines größeren Augenzentrums. In Deutschland haben viele Universitäts-Augenkliniken solche Spezialambulanzen oder Uveitis-Zentren. In Österreich betreuen vor allem die großen Augenkliniken Menschen mit dieser Krankheit. Weil die Krankheit so selten ist, sehen auch erfahrene niedergelassene Augenärztinnen und Augenärzte sie nur selten. Sie überweisen deshalb bei Verdacht üblicherweise rasch weiter. Häufig arbeiten Augenklinik und Rheumatologie oder Innere Medizin bei der medikamentösen Behandlung zusammen.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (12)
- Wie wird eine sympathische Ophthalmie behandelt?
- Welche Rolle spielt Kortison?
- Welche Nebenwirkungen hat Kortison, und wie schützt man sich?
- Wozu dienen Augentropfen?
- Warum braucht man zusätzlich Immunsuppressiva?
- Wann kommen Biologika zum Einsatz?
- Was bringen Spritzen und Implantate ins Auge?
- Wie lange dauert die Behandlung?
- Muss das verletzte Auge entfernt werden?
- Wann können Folgeschäden operiert werden?
- Wie oft sind Kontrollen nötig?
- Was gilt in Deutschland und Österreich?
Wie wird eine sympathische Ophthalmie behandelt?
Die Behandlung besteht aus Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen: zuerst hoch dosiertes Kortison, dann meist zusätzlich ein kortisonsparendes Immunsuppressivum über lange Zeit. Ziel ist, die Entzündung in beiden Augen so schnell wie möglich vollständig zu beruhigen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten für das Sehen. Eine eigene deutsche oder österreichische Leitlinie zur sympathischen Ophthalmie ist nicht bekannt. Die Empfehlungen beruhen auf Fallserien, Übersichtsarbeiten und der Erfahrung großer Uveitis-Zentren.
Welche Rolle spielt Kortison?
Kortison ist die Grundlage der Behandlung, weil es Entzündungen rasch und stark hemmt. Meist wird es als Tablette gegeben, häufig mit etwa 1 bis 2 Milligramm Prednisolon oder Prednison pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. In schweren Fällen beginnt die Behandlung mit einer Kortison-Stoßtherapie über die Vene, meist an drei Tagen hintereinander. Danach wird die Dosis langsam über Monate verringert.
Oft ist danach eine niedrige Erhaltungsdosis für ein Jahr oder länger nötig. Brechen Sie Kortison nie selbst ab. Der Körper stellt seine eigene Kortisonbildung während der Behandlung ein und braucht Zeit, um sie wieder aufzunehmen. Die genaue Dosis legt immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest; die genannten Zahlen sind nur Orientierung.
Welche Nebenwirkungen hat Kortison, und wie schützt man sich?
Hoch dosiertes Kortison über längere Zeit hat bekannte Nebenwirkungen, die regelmäßig überwacht werden. Dazu gehören:
- Anstieg von Blutzucker und Blutdruck
- Gewichtszunahme, rundes Gesicht, Wassereinlagerungen
- Magenbeschwerden
- höhere Anfälligkeit für Infektionen
- Knochenschwund (Osteoporose) und sehr selten ein Absterben des Hüftkopfes
- Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen
- am Auge: Grauer Star und erhöhter Augeninnendruck
Zum Schutz bekommen viele Betroffene von Beginn an ein Magenschutzmittel sowie Kalzium und Vitamin D. Blutdruck, Blutzucker und Gewicht werden regelmäßig kontrolliert. Eine Stoßtherapie kann eine unbemerkte, ruhende Tuberkulose wieder aufflammen lassen, deshalb wird vorher getestet. Gerade diese Nebenwirkungen sind der Grund, warum man Kortison möglichst bald durch andere Mittel ersetzt.
Wozu dienen Augentropfen?
Kortison-Augentropfen behandeln die Entzündung im vorderen Auge direkt, ergänzend zu den Tabletten. Dazu kommen oft pupillenerweiternde Tropfen, zum Beispiel Atropin. Sie lindern Schmerzen, weil sie den Strahlenkörper ruhigstellen, und verhindern, dass die Iris mit der Linse verklebt. Durch die weite Pupille sind Sie blendempfindlicher und sehen in der Nähe schlechter, solange die Tropfen wirken.
Warum braucht man zusätzlich Immunsuppressiva?
Immunsuppressiva ohne Kortison (kortisonsparende Mittel) halten die Entzündung langfristig in Schach und erlauben es, die Kortisondosis zu senken. Bei der sympathischen Ophthalmie empfehlen Fachleute, sie früh einzusetzen, oft schon zu Beginn der Behandlung. Das ist eine Besonderheit: Bei vielen anderen Uveitis-Formen wartet man zunächst ab. In einer Studie mit 130 Betroffenen brauchten gut 70 Prozent ein solches Medikament.
Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind:
- Azathioprin: in vielen Serien das am häufigsten verwendete Mittel
- Mycophenolat-Mofetil: gut verträglich, oft eingesetzt
- Methotrexat: bei Kindern bevorzugt, einmal pro Woche
- Ciclosporin: wirkt gezielt auf T-Zellen, Nierenwerte und Blutdruck müssen überwacht werden
- Cyclophosphamid oder Chlorambucil: nur bei schweren Verläufen, wenn andere Mittel versagen, wegen erheblicher Nebenwirkungen
Diese Medikamente wirken langsam, oft erst nach Wochen bis Monaten. Deshalb überbrückt Kortison die Anfangszeit. Unter der Behandlung sind regelmäßige Blutkontrollen nötig, etwa von Blutbild, Leber- und Nierenwerten, anfangs häufiger, später etwa alle drei Monate.
Wann kommen Biologika zum Einsatz?
Biologika sind gentechnisch hergestellte Antikörper, die gezielt einzelne Entzündungsbotenstoffe blockieren. Sie kommen infrage, wenn Kortison und klassische Immunsuppressiva nicht ausreichen oder nicht vertragen werden. Am besten untersucht ist Adalimumab, ein TNF-alpha-Hemmer, der alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt wird. In der Europäischen Union ist er bei Erwachsenen für nicht infektiöse Uveitis im mittleren und hinteren Augenabschnitt sowie für die Panuveitis zugelassen, wenn Kortison nicht ausreicht, eingespart werden soll oder nicht infrage kommt.
Bei der sympathischen Ophthalmie gibt es nur Fallberichte und kleine Serien, diese sind aber ermutigend. Ein argentinischer Fallbericht beschreibt, dass sich die Entzündung in beiden Augen unter Adalimumab zusammen mit Methotrexat beruhigte und das zweite Auge wieder voll sah. Für andere Biologika wie Infliximab oder Tocilizumab gibt es nur Einzelfälle. Vor jedem Biologikum werden Tuberkulose und Hepatitis ausgeschlossen.
Was bringen Spritzen und Implantate ins Auge?
Kortison kann auch direkt ins Auge oder neben das Auge gegeben werden, als Spritze oder als kleines Implantat, das den Wirkstoff über Monate abgibt. Infrage kommen Wirkstoffe wie Triamcinolon, Dexamethason oder Fluocinolon. Das wirkt stark im Auge und belastet den übrigen Körper kaum, so lässt sich Kortison in Tablettenform einsparen. Dafür steigt das Risiko für Grauen Star und erhöhten Augeninnendruck, selten kommt es zu Netzhautablösung oder Infektion.
Bilden sich krankhafte neue Blutgefäße unter der Netzhaut, werden zusätzlich Medikamente gegen den Gefäßwachstumsfaktor VEGF ins Auge gespritzt. Das kennt man aus der Behandlung der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration.
Wie lange dauert die Behandlung?
Die Behandlung dauert meist Jahre, nicht Wochen. Ist die Entzündung etwa zwei Jahre lang ruhig, kann man versuchen, die Immunsuppressiva vorsichtig abzusetzen. Manche Betroffene schaffen das und bleiben ohne Medikamente ruhig. Andere bekommen dann einen Rückfall und brauchen die Medikamente dauerhaft. In einer kleinen Langzeitstudie dauerte die Behandlung im Mittel über fünf Jahre.
Muss das verletzte Auge entfernt werden?
In den allermeisten Fällen nein. Die Entfernung des Augapfels (Enukleation) ist heute keine Routinemaßnahme mehr, sondern eine Ausnahme für schwer zerstörte Augen ohne jede Aussicht auf Sehen. Früher galt sie als einzig sicherer Schutz vor der sympathischen Ophthalmie. Neuere Studien konnten diesen Schutz aber nicht sicher belegen.
Vorbeugende Entfernung nach einer Verletzung
Die alte Regel lautete: Ein schwer verletztes, blindes Auge sollte innerhalb von etwa zwei Wochen entfernt werden, bevor sich die Immunreaktion entwickelt. MSD-Manuale in allen vier Sprachen nennen diese Möglichkeit weiterhin für Augen, die nicht mehr sehen und nicht zu retten sind. Eine große Auswertung aus dem Jahr 2024 fand jedoch keinen gesicherten Vorteil: Nach sofortiger Entfernung lag die Rate bei etwa 0,05 Prozent, nach Wiederherstellung des Auges bei etwa 0,15 Prozent. Der Unterschied war statistisch nicht eindeutig, und die Aussagekraft der Daten gilt als niedrig.
Das Deutsche Ärzteblatt fasste diese Studie so zusammen: Das Risiko der sympathischen Ophthalmie allein rechtfertigt keine Entfernung des Auges. Auch nach einer Entfernung tritt die Krankheit in seltenen Fällen auf. Heute versuchen Augenchirurginnen und Augenchirurgen deshalb fast immer zuerst, ein verletztes Auge zu verschließen und zu erhalten.
Entfernung, wenn die Krankheit schon ausgebrochen ist
Ist die sympathische Ophthalmie bereits ausgebrochen, ist der Nutzen einer Entfernung umstritten und eher gering. Eine ältere Studie sah Vorteile, wenn das auslösende Auge innerhalb von zwei Wochen nach Krankheitsbeginn entfernt wurde. Andere Studien fanden keinen Unterschied. Hinzu kommt: Das verletzte Auge kann am Ende sogar das bessere Auge sein, weil die Entzündung das zweite Auge manchmal stärker trifft. Ein Auge mit Restsehen entfernt man deshalb nicht.
Entfernung oder Ausräumung des Auges?
Bei der Enukleation wird der ganze Augapfel entfernt. Bei der Eviszeration wird nur der Inhalt des Auges ausgeräumt, die äußere Lederhaut bleibt stehen. Die Eviszeration ist der kleinere Eingriff und gibt oft ein besseres kosmetisches Ergebnis mit der Augenprothese. Manche Fachleute befürchten aber, dass Reste der mittleren Augenhaut zurückbleiben und die Krankheit trotzdem auslösen. Es gibt Fallberichte darüber, und die Fachwelt ist sich in dieser Frage nicht einig. Wenn eine solche Operation ansteht, sollte das Für und Wider ausführlich besprochen werden.
Wann können Folgeschäden operiert werden?
Operationen an den Folgen der Entzündung, etwa am Grauen Star oder bei einem Grünen Star, erfolgen möglichst erst, wenn die Entzündung ruhig ist. Für eine Operation am Grauen Star des mitreagierenden Auges empfehlen Fachleute mindestens etwa drei Monate ohne Entzündung. Rund um die Operation wird die entzündungshemmende Behandlung oft vorübergehend verstärkt. Das gilt auch für Glaskörperoperationen und Hornhauttransplantationen.
Wie oft sind Kontrollen nötig?
Zu Beginn sind die Kontrollen sehr eng, oft im Abstand weniger Tage, später alle paar Wochen. Ist die Entzündung stabil, reichen größere Abstände, häufig etwa alle drei Monate. Bei jeder Kontrolle werden Sehschärfe, Augeninnendruck, Vorderkammer und Augenhintergrund geprüft, meist mit OCT. Wer Termine oder Medikamente nicht zuverlässig einhalten kann, wird zu Beginn manchmal stationär im Krankenhaus behandelt.
Was gilt in Deutschland und Österreich?
In Deutschland und Österreich wird die Behandlung meist von spezialisierten Uveitis-Ambulanzen geplant, die Kosten übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Manche Immunsuppressiva sind für die Uveitis nicht ausdrücklich zugelassen und werden im sogenannten Off-Label-Use eingesetzt. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt einen solchen Einsatz nur in Ausnahmefällen. Deshalb klärt die behandelnde Klinik die Kostenübernahme vorher mit der Krankenkasse. Lassen Sie sich im Zweifel schriftlich bestätigen, welche Kosten übernommen werden.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (7)
Wie verläuft eine sympathische Ophthalmie?
Die sympathische Ophthalmie verläuft meist chronisch: Phasen mit aktiver Entzündung wechseln sich mit ruhigen Phasen ab, die Monate bis Jahre dauern können. Ohne Behandlung bleibt die Entzündung aktiv und schädigt beide Augen fortschreitend, im schlimmsten Fall bis zur Erblindung. Mit früher und konsequenter Behandlung lässt sie sich bei den meisten Menschen gut beherrschen. Rückfälle sind häufig, deshalb ist Geduld nötig.
Wie gut sind die Aussichten für das Sehen?
Die Aussichten sind heute deutlich besser als früher: Etwa zwei Drittel der Betroffenen behalten am mitreagierenden Auge ein brauchbares bis gutes Sehvermögen. Vor der Einführung von Kortison und Immunsuppressiva behielten nur 40 bis 50 Prozent brauchbares Sehen. Die Zahlen aus Studien sind in der Tabelle zusammengefasst; die Sehschärfe ist dabei in deutschen Visus-Werten angegeben (1,0 entspricht voller Sehschärfe).
| Studie | Ergebnis am mitreagierenden Auge |
|---|---|
| Übersicht 2022 | etwa 70 Prozent verbesserten sich, gut 58 Prozent erreichten Visus 0,5 oder besser |
| Studie mit 85 Betroffenen | etwa 60 Prozent Visus 0,4 oder besser, 75 Prozent besser als 0,2 |
| Langzeitstudie | etwa 65 Prozent Visus 0,3 oder besser |
| Behandlungsbeginn innerhalb von 15 Tagen | knapp 86 Prozent Visus 0,5 oder besser |
| Kinder | etwa 70 Prozent Visus 0,5 oder besser |
Es gibt aber auch ungünstige Verläufe. Die US-amerikanische Fachgesellschaft weist darauf hin, dass ein Teil der Betroffenen dauerhaft deutlich schlechter sieht und manche rechtlich als blind gelten. Insgesamt ist die Prognose etwas ungünstiger als bei der verwandten Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit.
Was beeinflusst die Prognose?
Am wichtigsten ist, wie früh die Behandlung beginnt und wie konsequent sie fortgeführt wird. Je kürzer die Entzündung unbehandelt bleibt, desto weniger Narben und Folgeschäden entstehen. Auch die Zahl der Rückfälle spielt eine Rolle, weil jeder Schub neue Schäden setzen kann. Junge, sonst gesunde Menschen schnitten in einer kleinen Studie besser ab, das ist aber nur eine Vermutung der Autoren.
Wie häufig sind Rückfälle?
Rückfälle sind häufig, sie treten auch nach anfangs guter Besserung auf. In einer kleinen Langzeitstudie bekamen fünf von sieben Betroffenen mindestens einen Rückfall. In einer kleinen türkischen Serie mit 14 Betroffenen war es knapp jeder Dritte. Rückfälle kommen besonders oft vor, wenn Medikamente zu schnell verringert werden. Deshalb erfolgt jede Dosissenkung schrittweise und unter Kontrolle.
Welche Komplikationen können auftreten?
Die meisten Komplikationen entstehen durch die Entzündung selbst, manche auch durch die Behandlung. Häufig sind:
- Grauer Star: Eintrübung der Linse, durch Entzündung und Kortison; lässt sich operieren, wenn das Auge ruhig ist.
- Grüner Star: Erhöhter Augeninnendruck mit Schaden am Sehnerv, ebenfalls durch Entzündung oder Kortison.
- Makulaödem: Schwellung in der Netzhautmitte, die das Lesen erschwert.
- Netzhautablösung und Narben unter der Netzhaut (subretinale Fibrose).
- Neue Blutgefäße unter der Netzhaut (choroidale Neovaskularisation), die bluten und Narben bilden können.
- Sehnervschwund (Sehnervatrophie) bei fortgeschrittenen Verläufen.
- Zu niedriger Augeninnendruck bis hin zum Schrumpfauge (Phthisis bulbi), wenn der Strahlenkörper zu wenig Kammerwasser bildet.
Was wird aus dem verletzten Auge?
Die Aussichten für das verletzte Auge hängen vor allem von der ursprünglichen Verletzung ab. Schwer verletzte Augen sehen oft dauerhaft schlecht und schrumpfen manchmal im Lauf von Monaten. Andererseits kann ein operiertes Auge mit gutem Restsehen am Ende das bessere Auge sein. Ein geschrumpftes, blindes Auge lässt sich mit einer Schale oder Prothese kosmetisch versorgen.
Wie lebt man langfristig mit der Krankheit?
Viele Betroffene führen mit stabiler Behandlung ein weitgehend normales Leben, brauchen aber über Jahre regelmäßige Kontrollen. Die Medikamente erfordern Disziplin und Blutuntersuchungen. Wer Immunsuppressiva nimmt, sollte jede Ärztin und jeden Arzt darüber informieren, auch vor Impfungen und Operationen. Ob Sie Auto fahren dürfen, hängt vom Sehvermögen beider Augen ab; das prüft die Augenärztin oder der Augenarzt nach den jeweiligen Vorgaben in Deutschland oder Österreich.
Wer nur noch auf einem Auge gut sieht, ist besonders auf dieses Auge angewiesen. Das kann belasten. Gespräche mit der behandelnden Klinik, Selbsthilfegruppen für Uveitis und bei Bedarf psychologische Unterstützung können helfen.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (8)
- Kann man einer sympathischen Ophthalmie vorbeugen?
- Wie schützt man die Augen vor Verletzungen?
- Warum ist die schnelle Versorgung einer Verletzung wichtig?
- Sollte ein verletztes Auge vorsorglich entfernt werden?
- Hilft vorbeugend Kortison?
- Was sollte man vor einer Augenoperation wissen?
- Wie beobachtet man das gesunde Auge?
- Welche Nachsorge ist nach einer Verletzung sinnvoll?
Kann man einer sympathischen Ophthalmie vorbeugen?
Sicher vorbeugen kann man nicht, aber das Risiko lässt sich senken: vor allem durch das Vermeiden offener Augenverletzungen, eine rasche fachgerechte Versorgung und das frühe Erkennen der Warnzeichen. Die beste Vorbeugung ist, dass es gar nicht erst zu einer offenen Verletzung kommt. Die zweitbeste ist, dass eine beginnende Entzündung früh behandelt wird. Dann sind die Aussichten gut.
Wie schützt man die Augen vor Verletzungen?
Eine passende Schutzbrille verhindert viele der Verletzungen, die zu einer sympathischen Ophthalmie führen können. Das gilt besonders für:
- Arbeiten mit Hammer, Meißel, Bohrer, Schleifgerät oder Draht
- Arbeiten im Garten, etwa beim Heckenschneiden oder Mähen
- Sportarten mit schnellen Bällen oder Schlägern, etwa Squash
- Umgang mit Feuerwerk
Bei Kindern helfen einfache Regeln: Scheren, Stifte und Stöcke nicht in Richtung des Gesichts halten, nicht mit spitzen Gegenständen in der Hand laufen. Pfeil-und-Bogen-Spiele und Spielzeugwaffen mit Geschossen bergen ein besonderes Risiko.
Warum ist die schnelle Versorgung einer Verletzung wichtig?
Eine offene Augenverletzung ist ein Notfall und gehört sofort in eine Augenklinik. Dort wird die Wunde möglichst schnell und sorgfältig verschlossen, eingeklemmtes Gewebe wird zurückverlagert. Fachleute betonen, dass eine sorgfältige Wundversorgung und schonende Operationstechnik das Risiko senken. Drücken Sie nie auf ein verletztes Auge und ziehen Sie keine steckenden Gegenstände heraus.
Sollte ein verletztes Auge vorsorglich entfernt werden?
Nur in seltenen Ausnahmefällen. Eine vorsorgliche Entfernung kommt allenfalls bei einem völlig zerstörten Auge ohne jede Aussicht auf Sehen infrage, dann meist innerhalb von etwa zwei Wochen. Ob sie die sympathische Ophthalmie wirklich verhindert, ist nach der Studienlage von 2024 nicht belegt. Die Entscheidung ist sehr persönlich und gehört in ein ausführliches Gespräch mit der behandelnden Augenklinik. Ein Auge mit Restsehen wird nicht vorsorglich entfernt.
Hilft vorbeugend Kortison?
Nein, nach bisheriger Datenlage verhindert vorsorglich gegebenes Kortison die sympathische Ophthalmie nicht. Kortison nach einer Verletzung oder Operation dient der Behandlung der örtlichen Entzündung im verletzten Auge. Es ersetzt nicht die Beobachtung des anderen Auges.
Was sollte man vor einer Augenoperation wissen?
Vor Eingriffen mit etwas höherem Risiko, etwa wiederholten Glaskörperoperationen oder einer Behandlung des Strahlenkörpers bei Grünem Star, empfehlen Fachleute, die sympathische Ophthalmie bei der Aufklärung zu erwähnen. Das ist kein Grund, eine notwendige Operation abzulehnen, denn das Risiko ist sehr klein. Es geht darum, die Warnzeichen zu kennen. Fragen Sie im Aufklärungsgespräch ruhig nach, wenn das Thema nicht angesprochen wird.
Wie beobachtet man das gesunde Auge?
Am einfachsten prüft man das gesunde Auge, indem man das verletzte oder operierte Auge mit der Hand abdeckt und bewusst hinsieht. Lesen Sie dabei einen Text in normaler Lesedistanz und schauen Sie auf eine helle Fläche und auf gerade Linien wie Türrahmen oder Fliesenfugen. Achten Sie auf Schleier, neue Mücken, Verzerrungen und darauf, ob das Lesen schwerer fällt als sonst. Das ist besonders in den ersten drei Monaten nach einer Verletzung oder Operation sinnvoll.
Welche Nachsorge ist nach einer Verletzung sinnvoll?
Nach einer offenen Augenverletzung sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen sinnvoll, bei denen auch das gesunde Auge untersucht wird. Nehmen Sie diese Termine wahr, auch wenn das verletzte Auge gut verheilt scheint. Nennen Sie bei jedem späteren Arztbesuch die frühere Verletzung, auch Jahrzehnte danach. Eine kurze Notiz im Impfpass oder im Handy kann helfen, dass diese Information nicht verloren geht.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (5)
Wann muss ich sofort zum Arzt?
Sofort, also ohne Zeitverlust und wenn nötig über den Notruf 112, gehört jede frische Augenverletzung mit Verdacht auf eine offene Wunde in eine Augenklinik. Dasselbe gilt für einen plötzlichen, starken Sehverlust an einem Auge. Bei einer Verletzung das Auge locker abdecken, nicht reiben, nicht drücken und keine Fremdkörper selbst entfernen. Mehr dazu auf der Seite Notfall am Auge.
Wann am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt?
Am selben Tag sollten Sie in eine augenärztliche Praxis oder Augenklinik, wenn nach einer Verletzung oder Operation eines Auges am anderen Auge eines dieser Zeichen auftritt:
- verschwommenes oder nachlassendes Sehen
- plötzlich Schwierigkeiten beim Lesen
- neue fliegende Mücken, Punkte oder Schlieren
- Lichtscheu, Tränen
- Rötung oder Schmerzen
- Lichtblitze oder verzerrtes Sehen
Das gilt unabhängig davon, wie lange die Verletzung oder Operation zurückliegt. Sagen Sie bei der Anmeldung ausdrücklich, dass das andere Auge früher verletzt oder operiert wurde. Dann wird die Dringlichkeit richtig eingeschätzt.
Wann innerhalb weniger Tage?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn Sie schon wegen einer sympathischen Ophthalmie behandelt werden und leichte neue Beschwerden bemerken. Auch Nebenwirkungen der Medikamente, etwa hoher Blutzucker, Magenbeschwerden oder häufige Infekte, gehören zeitnah besprochen. Ändern Sie die Dosis aber nie selbst. Bei Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl unter Immunsuppressiva wenden Sie sich am selben Tag an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Was gehört in die Routine?
Routinemäßig sind regelmäßige Kontrolltermine nach einer offenen Augenverletzung und während einer laufenden Behandlung. Die Abstände legt die behandelnde Augenklinik fest. Ohne Beschwerden ist kein Notfalltermin nötig, die vereinbarten Kontrollen sollten aber eingehalten werden.
Welche Warnzeichen deuten auf etwas anderes hin?
Einige Beschwerden nach einer Augenoperation oder Verletzung deuten eher auf andere, ebenfalls dringliche Erkrankungen hin:
- Zunehmende Schmerzen, Rötung und Sehverschlechterung am operierten oder verletzten Auge in den ersten Tagen: Verdacht auf Infektion im Auge, sofort in die Augenklinik.
- Schatten, Vorhang oder Mauer im Gesichtsfeld mit Lichtblitzen: Verdacht auf Netzhautablösung, am selben Tag.
- Sehr starke Augen- und Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen: Verdacht auf Glaukomanfall, sofort.
- Doppelbilder, ein eingesunkenes Auge oder Taubheit an der Wange nach einem Schlag: Verdacht auf einen Augenhöhlenbruch, am selben Tag.
- Ein nach einem Schlag zunehmend hervortretendes, prall-hartes Auge mit starken Schmerzen und Sehverlust: Verdacht auf einen Bluterguss hinter dem Auge, sofort in die Augenklinik.
Die Krankheit ist selten, Panik ist nicht nötig. Aber wer nach einer Verletzung oder Operation an einem Auge Veränderungen am anderen Auge bemerkt, sollte sie lieber einmal zu oft als einmal zu wenig abklären lassen.
9 Häufige Fragen
Kann mein gesundes Auge erkranken, weil das andere verletzt wurde?
Ja, das ist möglich, aber sehr selten. Nach einer offenen Augenverletzung erkranken etwa 1 bis 5 von 1.000 Menschen an einer sympathischen Ophthalmie, nach Operationen im Augeninneren noch deutlich weniger. Die allermeisten Menschen mit einer Augenverletzung bekommen sie nie. Wichtig ist, die Warnzeichen zu kennen und Kontrolltermine wahrzunehmen.
Wie lange nach einer Augenverletzung kann eine sympathische Ophthalmie auftreten?
Meist 2 bis 12 Wochen nach der Verletzung oder Operation. Etwa 80 Prozent der Fälle beginnen innerhalb von drei Monaten, etwa 90 Prozent im ersten Jahr. In seltenen Fällen tritt sie aber auch erst nach vielen Jahren oder Jahrzehnten auf. Beschrieben ist eine Spanne von fünf Tagen bis 66 Jahren.
Was sind die ersten Anzeichen einer sympathischen Ophthalmie?
Typische erste Anzeichen am bisher gesunden Auge sind Schwierigkeiten beim Lesen, verschwommenes Sehen, neue fliegende Mücken, Lichtscheu, Tränen, Rötung und dumpfe Schmerzen. Oft entzündet sich gleichzeitig das verletzte Auge erneut. Bei diesen Zeichen sollten Sie noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
Muss das verletzte Auge entfernt werden, um das gesunde zu schützen?
In den allermeisten Fällen nicht. Eine Entfernung kommt nur bei einem völlig zerstörten Auge ohne Aussicht auf Sehen infrage. Eine große Auswertung von 2024 fand keinen gesicherten Beweis, dass die vorsorgliche Entfernung die sympathische Ophthalmie verhindert. Heute versucht man fast immer, das verletzte Auge zu erhalten.
Hilft es noch, das verletzte Auge zu entfernen, wenn das andere schon entzündet ist?
Das ist umstritten und eher selten sinnvoll. Eine ältere Studie sah einen Vorteil bei Entfernung innerhalb von zwei Wochen nach Krankheitsbeginn, andere nicht. Im Vordergrund stehen die Medikamente. Ein Auge, das noch etwas sieht, wird nicht entfernt, denn es kann am Ende sogar das bessere Auge sein.
Ist eine sympathische Ophthalmie heilbar?
Sie ist gut behandelbar, aber oft langwierig. Mit Kortison und Immunsuppressiva lässt sich die Entzündung bei den meisten Menschen beruhigen, und etwa zwei Drittel behalten ein gutes Sehvermögen. Manche können die Medikamente nach Jahren absetzen und bleiben ohne Entzündung. Andere brauchen sie dauerhaft, und Rückfälle sind häufig.
Wie lange muss ich Medikamente nehmen?
Meist mehrere Jahre. Kortison wird über Monate langsam verringert, die Immunsuppressiva laufen weiter. Ist die Entzündung etwa zwei Jahre lang ruhig, kann ein vorsichtiger Absetzversuch erfolgen. Brechen Sie die Medikamente nie selbst ab, sondern nur in Absprache mit der behandelnden Klinik.
Ist die sympathische Ophthalmie ansteckend oder erblich?
Sie ist weder ansteckend noch erblich. Es handelt sich um eine Fehlreaktion des eigenen Immunsystems, nicht um eine Infektion. Bestimmte Gewebemerkmale (HLA-Typen) kommen bei Betroffenen etwas häufiger vor, ein Gentest hat aber keinen praktischen Nutzen.
Kann eine Operation am Grauen Star eine sympathische Ophthalmie auslösen?
Das ist möglich, aber extrem selten. Häufiger sind wiederholte Glaskörperoperationen und Behandlungen des Strahlenkörpers bei Grünem Star die Auslöser. Das Risiko einer üblichen Operation am Grauen Star ist so gering, dass es kein Grund ist, eine notwendige Operation abzulehnen.
Kann ich mit einer sympathischen Ophthalmie erblinden?
Ohne Behandlung ist das möglich, bei früher Behandlung deutlich seltener. Die meisten Betroffenen behalten am mitreagierenden Auge ein brauchbares bis gutes Sehvermögen. Entscheidend sind der frühe Behandlungsbeginn, die konsequente Einnahme der Medikamente und regelmäßige Kontrollen.
Was ist der Unterschied zur Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit?
Beide Krankheiten sehen im Auge sehr ähnlich aus und entstehen durch eine Abwehrreaktion gegen pigmentbildende Zellen. Die sympathische Ophthalmie folgt aber immer einer Verletzung oder Operation an einem Auge. Die Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit tritt ohne solchen Auslöser auf und betrifft häufiger auch Hirnhäute, Ohren, Haut und Haare.
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- Offene AugenverletzungBei einer offenen Augenverletzung ist die äußere Wand des Augapfels, also Hornhaut oder Lederhaut, vollständig durchtrennt – durch einen Schnitt, einen Stich, einen eingedrungenen Splitter oder durch Platzen nach einem heftigen Schlag. Sie ist immer ein Notfall: nichts herausziehen, nicht drücken, das Auge locker mit einer starren Kappe schützen, nichts mehr essen und sofort den Notruf 112 (in Österreich auch 144) wählen.
- UveitisEine Uveitis ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut, zu der Regenbogenhaut, Ziliarkörper und Aderhaut gehören. Sie trifft vor allem Erwachsene zwischen 20 und 60 Jahren, aber auch Kinder mit Kinderrheuma, und kann ohne rechtzeitige Behandlung das Sehen dauerhaft schädigen.
- EndophthalmitisDie Endophthalmitis ist eine seltene, aber sehr ernste Infektion im Inneren des Auges, meist wenige Tage nach einer Augenoperation, einer Spritze ins Auge oder einer Verletzung. Zunehmende Schmerzen, ein rotes Auge und schlechteres Sehen sind ein Notfall: Je schneller Antibiotika ins Auge gelangen, desto besser sind die Chancen für das Sehvermögen.
- Sarkoidose am AugeBei der Sarkoidose am Auge bilden sich winzige Entzündungsknötchen (Granulome) im Auge, meist als Uveitis, oft zusammen mit einer Sarkoidose der Lunge. Etwa ein Viertel bis die Hälfte aller Menschen mit Sarkoidose ist betroffen; früh erkannt und behandelt bleibt das Sehen meist gut erhalten.
- Prellung des AugesEine Prellung des Auges (Contusio bulbi) entsteht durch stumpfe Gewalt, etwa durch einen Ball, eine Faust oder einen Sektkorken, meist ohne dass der Augapfel aufreißt. Hinter einem harmlos wirkenden blauen Auge können Blut im Auge, Netzhautschäden oder ein Bruch der Augenhöhle stecken; deshalb gehört jede Prellung mit Sehstörung, Doppelbildern oder starken Schmerzen sofort in augenärztliche Hände.
- Grauer StarDer Graue Star (Katarakt) ist eine Eintrübung der Augenlinse, die das Sehen langsam und schmerzlos verschleiert. Er betrifft vor allem Menschen ab 60, kann aber auch angeboren sein oder durch Verletzungen, Diabetes oder Kortison entstehen – und lässt sich durch eine Operation mit Kunstlinse in den meisten Fällen sehr gut behandeln.
- Grüner StarDer Grüne Star (Glaukom) ist eine Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv langsam und dauerhaft geschädigt wird – meist ohne Schmerzen und lange unbemerkt. Er betrifft vor allem Menschen ab 40 Jahren; früh erkannt, lässt sich das Fortschreiten mit Augentropfen, Laser oder Operation in den meisten Fällen bremsen oder stoppen.
- NetzhautablösungBei einer Netzhautablösung löst sich die lichtempfindliche Netzhaut von der Augenwand; das ist ein augenärztlicher Notfall, der unbehandelt zur Erblindung des Auges führt. Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte (Rußregen) oder ein Schatten im Gesichtsfeld sind die Warnzeichen, bei denen Sie noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt sollten.
Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 25 Quellen anzeigen
- Sympathische Ophthalmie (Ausgabe für Fachleute, Überprüfung Mai 2024) – MSD Manual (DE)
- Sympathische Ophthalmie (Ausgabe für Patienten, Überprüfung Mai 2024) – MSD Manual (DE)
- Sympathische Ophthalmie – DocCheck Flexikon (DE)
- Risiko der sympathischen Ophthalmie nach offener Bulbusverletzung rechtfertigt Enukleation nicht (24.05.2024) – Deutsches Ärzteblatt (DE)
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- Sympathetic ophthalmia: where do we currently stand on treatment strategies? Clinical Ophthalmology 2021;15:4201–4218 – Paulbuddhe et al., Dove Medical Press (EN)
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- Humira: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (EPAR, Abschnitt 4.1 Uveitis) – Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) (EN)
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- Sympathetic Ophthalmia (Consumer Version) – Merck Manual (EN)
- Sympathetic ophthalmia: long-term outcomes, retrospective case series – PMC, National Library of Medicine (EN)
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- Ophtalmie sympathique (version professionnelle, mai 2024) – Manuel MSD (FR)
- Ophtalmie sympathique : signes, diagnostic, traitement et surveillance – lemedecin.fr (FR)
- Oftalmía simpática (versión para profesionales) – Manual MSD (ES)
- La oftalmía simpática (versión para el hogar) – Manual MSD (ES)
- Oftalmia simpática (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Oftalmía simpática secundaria a traumatismo ocular contuso y tratamiento con adalimumab, Oftalmología Clínica y Experimental 2023;16(1) – Faretta et al., Hospital Rossi, La Plata (ES)
- Oftalmia simpática: serie de casos de un centro oftalmológico de referencia de la ciudad de México (2008) – Facultad de Medicina UNAM, Instituto de Oftalmología Fundación Conde de Valenciana (ES)
- Oftalmía simpática: a propósito de un caso, Revista Médica MD 2017;9(1):89–94 – Rubio-Lauren et al., Medigraphic (ES)
- El peligro de los traumatismos oculares, Semergen 2020 – Angoso Berrocal et al., Elsevier (ES)
- Oftalmía simpática (Maestría, 2007) – Consejo Argentino de Oftalmología (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss