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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Verletzungen und Notfälle

Augenhöhlenbruch (Orbitabodenfraktur, Blow-out-Fraktur)

Ein Augenhöhlenbruch (Orbitabodenfraktur, Blow-out-Fraktur) ist ein Bruch des hauchdünnen Bodens oder der Innenwand der Augenhöhle, meist nach einem Faustschlag oder Ballwurf aufs Auge. Typisch sind Doppelbilder beim Blick nach oben, eine taube Wange und Schwellung beim Schnäuzen; viele Brüche heilen ohne Operation, ein eingeklemmter Augenmuskel – vor allem bei Kindern – muss aber rasch operiert werden.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 41 Minuten · 27 Quellen in 4 Sprachen

Dringend: Nach jedem Schlag aufs Auge mit Doppelbildern, tauber Wange oder Sehstörung am selben Tag ärztlich untersuchen lassen; bei Kindern mit Übelkeit, Erbrechen oder eingeschränktem Blick nach oben sofort in die Klinik. Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (5)

Was ist ein Augenhöhlenbruch?

Ein Augenhöhlenbruch ist ein Bruch einer oder mehrerer Knochenwände der Augenhöhle (Orbita), meist des Bodens. Die Augenhöhle ist eine pyramidenförmige Knochenhöhle aus sieben Knochen mit vier Wänden: Dach, Boden, Innenwand zur Nase und Außenwand zur Schläfe. Sie umschließt den Augapfel, die Augenmuskeln, Fettgewebe, Nerven und Gefäße. Unter dem Boden liegt die Kieferhöhle, neben der Innenwand liegen die Siebbeinzellen der Nase.

Der Boden ist an seiner dünnsten Stelle nur wenige Zehntelmillimeter stark. Deshalb bricht er bei einem stumpfen Schlag auf das Auge leichter als jede andere Wand. Fachleute nennen diese Verletzung Orbitabodenfraktur.

Was bedeutet „Blow-out-Fraktur“?

Eine Blow-out-Fraktur ist ein Bruch des Bodens oder der Innenwand, bei dem der kräftige äußere Knochenrand der Augenhöhle heil bleibt. Der Bruch wird nach außen „herausgesprengt“, also in die Kieferhöhle oder in die Siebbeinzellen hinein. Der Begriff stammt aus dem Jahr 1957 und beschrieb ursprünglich nur Bodenbrüche. Bricht zusätzlich der Rand oder das Jochbein, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einem „unreinen“ oder kombinierten Bruch.

Wie häufig ist ein Augenhöhlenbruch, und wen trifft er?

Augenhöhlenbrüche gehören zu den häufigsten Gesichtsbrüchen: Etwa 30 bis 40 Prozent aller Gesichtsbrüche betreffen die Augenhöhle. Isolierte Augenhöhlenbrüche ohne weitere Gesichtsbrüche machen je nach Studie etwa 4 bis 16 Prozent aller Gesichtsbrüche aus. Männer sind rund viermal häufiger betroffen als Frauen, am häufigsten im Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Bei Erwachsenen stehen Schlägereien und Verkehrsunfälle im Vordergrund, bei Kindern Stürze und Sport.

Was ist bei Kindern anders?

Bei Kindern und Jugendlichen bricht der elastische Knochen oft wie eine Klapptür auf und schnappt sofort wieder zu (Trapdoor- oder Falltür-Bruch). Dabei kann der untere Augenmuskel eingeklemmt werden, obwohl das Auge äußerlich fast unverletzt aussieht. Diese Sonderform heißt „White-eyed blowout“ (Bruch mit weißem Auge). Sie ist ein Notfall, weil der eingeklemmte Muskel ohne rasche Operation dauerhaft geschädigt werden kann.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Augenhöhlenbruch heilt oft ohne Operation, verlangt in den ersten Tagen und Wochen aber Aufmerksamkeit für einige Warnzeichen.

  • Auslöser ist fast immer ein stumpfer Schlag: Faust, Ellbogen, Ball, Sturz oder Unfall.
  • Leitzeichen sind Doppelbilder beim Blick nach oben, eine taube Wange und Oberlippe, ein Bluterguss und Schwellung, die beim Schnäuzen zunimmt.
  • Das Auge kann Tage bis Wochen später einsinken, wenn die Schwellung abklingt.
  • Die Diagnose stellt ein Dünnschicht-CT; ein einfaches Röntgenbild reicht nicht.
  • Viele Brüche heilen ohne Operation. Operiert wird bei eingeklemmtem Muskel, bleibenden Doppelbildern, eingesunkenem Auge oder großem Bruch, meist innerhalb von etwa zwei Wochen.
  • Bei Kindern mit Übelkeit, Erbrechen oder eingeschränktem Aufblick nach einem Schlag zählt jede Stunde.
  • Bis zur Freigabe nicht schnäuzen: Sonst kann Luft aus der Nase in die Augenhöhle gepresst werden.

2 Symptome

In diesem Kapitel (17)

Welche Beschwerden sind bei einem Augenhöhlenbruch typisch?

Typisch sind Schmerzen und Schwellung um das Auge, ein Bluterguss, Doppelbilder vor allem beim Blick nach oben und ein taubes Gefühl an Wange, Oberlippe und oberen Zähnen. Manche Zeichen zeigen sich sofort, andere erst nach Tagen. Einige Betroffene haben fast keine Beschwerden, vor allem bei kleinen Brüchen. Andere spüren vor allem Übelkeit, was leicht auf eine falsche Fährte führt.

Die folgende Übersicht ordnet die Zeichen nach ihrer Bedeutung:

ZeichenWie häufigWas es bedeutet
Schmerz, Schwellung, Blutergusssehr häufigFolge des Schlags; sagt wenig über die Schwere aus
Doppelbilder, eingeschränkter Blick nach obenhäufigSchwellung oder eingeklemmter Muskel; wichtigstes Funktionszeichen
Taubheit von Wange, Oberlippe, ZähnenhäufigNerv unter dem Auge gequetscht; bei reinem Bodenbruch oft das einzige Zeichen
Schwellung oder Knistern nach SchnäuzengelegentlichLuft aus der Nebenhöhle; starker Hinweis auf eine offene Verbindung zur Nase
Eingesunkenes oder tiefer stehendes Augeoft erst nach 1–4 WochenAugenhöhle ist größer geworden
Übelkeit, Erbrechen, langsamer Pulsvor allem KinderHinweis auf eingeklemmten Muskel; Notfall
SehverschlechterungseltenBegleitverletzung des Auges oder Druck auf den Sehnerv; Notfall

Doppelbilder: das wichtigste Funktionszeichen

Doppelbilder (Diplopie) sind die wichtigste Funktionsstörung beim Augenhöhlenbruch und meistens übereinander versetzt. Sie verschwinden, sobald Sie ein Auge zuhalten. Das unterscheidet sie von Doppelbildern, die auch mit einem Auge bestehen bleiben und auf eine Verletzung im Auge selbst hindeuten.

Wie sehen die Doppelbilder aus?

Meist steht das zweite Bild schräg oder senkrecht über dem ersten. Viele Betroffene bemerken es zuerst beim Treppensteigen, beim Blick auf ein hohes Regal oder beim Lesen, wenn sie die Augen senken. Im Geradeausblick sehen sie oft einfach. Bei stärkerer Einklemmung bestehen die Doppelbilder in jeder Blickrichtung.

Warum vor allem beim Blick nach oben?

Der untere gerade Augenmuskel (Musculus rectus inferior) liegt direkt auf dem Augenhöhlenboden und wird beim Bruch am häufigsten eingeklemmt. Ein eingeklemmter Muskel kann sich beim Aufblick nicht dehnen, deshalb bleibt das Auge zurück. Ist der Muskel stärker gefangen oder gequetscht, kann auch der Blick nach unten gestört sein. Manchmal ist auch der untere schräge Augenmuskel (Musculus obliquus inferior) beteiligt.

Kommen die Doppelbilder von der Schwellung oder von einer Einklemmung?

Beides ist möglich, und in den ersten Tagen lässt es sich oft nicht sicher unterscheiden. Doppelbilder durch Schwellung und Bluterguss bessern sich meist innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst. Doppelbilder durch eingeklemmten Muskel oder eingeklemmtes Fett bessern sich dagegen kaum. Auch eine Prellung des Muskels oder eine Verletzung seines Nervs kann Doppelbilder machen; dann hilft eine Operation am Knochen nicht.

Wichtig: Doppelbilder können in den ersten Tagen durch die Schwellung verdeckt sein, etwa wenn das Lid ganz zugeschwollen ist. Sie werden dann erst sichtbar, wenn das Auge wieder aufgeht. Deshalb gehört nach einigen Tagen eine erneute Untersuchung dazu.

Eingeschränkte Augenbewegung und Schmerzen beim Blicken

Das verletzte Auge lässt sich oft nicht vollständig nach oben, manchmal auch nicht nach unten bewegen. Typisch ist ein ziehender oder stechender Schmerz, wenn Sie bewusst nach oben schauen. Das Auge kann im Vergleich zum gesunden Auge etwas tiefer stehen. Ist die Innenwand gebrochen und der innere Augenmuskel gefangen, ist eher der Blick zur Seite gestört.

Taubheit der Wange, Oberlippe und Zähne

Ein taubes, pelziges oder kribbelndes Gefühl an Wange, Unterlid, Nasenflügel, Oberlippe, oberem Zahnfleisch und oberen Zähnen ist sehr typisch. Ursache ist der Unteraugenhöhlennerv (Nervus infraorbitalis), der in einem Kanal genau im Boden der Augenhöhle verläuft. Er wird beim Bruch gequetscht, gedehnt oder liegt im Bruchspalt. Bei einem reinen Bodenbruch ist dieses Taubheitsgefühl oft das einzige Zeichen, das Betroffene bemerken.

Manche beschreiben das Gefühl wie nach einer Betäubungsspritze beim Zahnarzt. Andere spüren Missempfindungen, etwa ein Ameisenlaufen oder Brennen. Die Schneidezähne können sich „fremd“ anfühlen. Das Taubheitsgefühl allein ist in der Regel kein Grund für eine Operation.

Eingesunkenes oder tiefer stehendes Auge

Ein eingesunkenes Auge (Enophthalmus) entsteht, weil die Augenhöhle durch den Bruch größer geworden ist und Fett in die Kieferhöhle ausweicht. Es fällt oft nicht sofort auf, weil Schwellung, Bluterguss oder Luft das Auge anfangs eher nach vorn drücken. Meist wird es erst nach ein bis zwei, manchmal erst nach zwei bis vier Wochen sichtbar, wenn die Schwellung abklingt. Mit bloßem Auge erkennbar ist es meist ab etwa drei bis vier Millimetern.

Angehörige bemerken dann, dass das Auge „kleiner“ wirkt, die Lidfalte oben tiefer ist oder das Auge tiefer steht (Hypoglobus). Ein tiefer stehendes Auge tritt vor allem bei großen Bodenbrüchen auf. Schon eine Volumenzunahme der Augenhöhle um etwa fünf Prozent kann für einen sichtbaren Enophthalmus genügen.

Bluterguss, Schwellung und Einblutung der Bindehaut

Fast immer entsteht ein Bluterguss rund um das Auge, das sogenannte Veilchen oder Monokelhämatom. Ober- und Unterlid können so stark anschwellen, dass sich das Auge nur mit den Fingern öffnen lässt. Häufig ist auch eine flächige, hellrote Einblutung unter der Bindehaut (siehe Blutung unter der Bindehaut) und eine glasige Schwellung der Bindehaut (Chemosis). Wange oder Stirn können ebenfalls geschwollen sein.

Der Bluterguss verfärbt sich in den folgenden Tagen von blau-violett über grün nach gelb. Wie stark er ist, sagt wenig darüber, ob ein Bruch vorliegt oder wie groß er ist. Gerade bei Kindern kann ein gefährlicher Bruch ganz ohne Bluterguss bestehen.

Luft unter der Haut: Schwellung beim Schnäuzen

Schwellen die Lider beim Schnäuzen, Niesen oder Pressen plötzlich an, ist Luft aus der Nase oder Kieferhöhle durch den Bruch ins Gewebe gelangt (Emphysem). Die Haut fühlt sich dann aufgebläht an und knistert beim Darüberstreichen wie Schnee oder Seidenpapier. Dieses Zeichen gilt als starker Hinweis auf eine Verbindung zwischen Augenhöhle und Nebenhöhle. In seltenen Fällen baut sich so viel Druck in der Augenhöhle auf, dass der Sehnerv gefährdet ist.

Nasenbluten

Nasenbluten auf der verletzten Seite ist möglich, weil Blut aus der Kieferhöhle über die Nase abläuft. Es ist meist leicht und hört von selbst auf. Läuft dagegen wässrig-klare Flüssigkeit aus der Nase, kann das Hirnwasser sein, etwa bei einem Bruch des Augenhöhlendachs; das muss sofort abgeklärt werden.

Übelkeit, Erbrechen und langsamer Puls

Übelkeit, Erbrechen, ein langsamer Puls, Schwindel oder Ohnmacht können auf einen eingeklemmten Augenmuskel hinweisen. Ursache ist der okulokardiale Reflex: Zug am Augenmuskel reizt über Nervenbahnen den Vagusnerv, der Herzschlag und Magen beeinflusst. Typisch ist, dass die Übelkeit zunimmt, sobald das Auge bewegt wird, etwa beim Blick nach oben oder während der Untersuchung. In extremen Fällen kann der Puls stark abfallen.

Dieses Zeichen betrifft vor allem Kinder und Jugendliche mit Falltür-Bruch. In Übersichtsarbeiten hatten etwa 15 bis 56 Prozent der Kinder mit Bodenbruch Übelkeit und Erbrechen. Weil Übelkeit nach einem Schlag an den Kopf meist an eine Gehirnerschütterung denken lässt, wird der Augenbefund leicht übersehen.

Sehstörungen: ein Warnzeichen

Ein Augenhöhlenbruch selbst macht das Sehen nicht unscharf; eine Sehverschlechterung weist deshalb auf eine zusätzliche Verletzung hin. Harmlos ist sie nur, wenn das Lid einfach zugeschwollen ist. Gefährlich sind ein Bluterguss hinter dem Auge, der auf den Sehnerv drückt, eine Verletzung des Augapfels oder ein direkter Sehnervschaden. Warnzeichen sind auch blassere oder veränderte Farben, Lichtblitze, plötzlich viele schwarze Punkte, ein Schatten im Gesichtsfeld und eine verzogene oder ungleich große Pupille.

Hervortretendes Auge

Ein Auge, das kurz nach dem Schlag deutlich hervortritt, hart wird und zunehmend schmerzt, kann ein Zeichen für einen Bluterguss oder Luft hinter dem Auge sein. Fachleute sprechen vom orbitalen Kompartmentsyndrom: Der Druck in der geschlossenen Augenhöhle steigt so stark, dass der Sehnerv nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Das kann innerhalb von Stunden zur Erblindung führen und ist ein Notfall. Selten tritt das Auge auch bei einem nach innen gedrückten Bruch (Blow-in-Fraktur) hervor.

Welche Augenverletzungen kommen häufig hinzu?

Bei etwa jedem dritten bis vierten Augenhöhlenbruch ist auch der Augapfel selbst verletzt. Deshalb gehört zu jedem Bruch eine vollständige augenärztliche Untersuchung, auch wenn das Sehen gut erscheint. Mögliche Begleitverletzungen sind:

  • Prellung des Augapfels mit Schwellung der Netzhaut (siehe Prellung des Auges)
  • Blut in der vorderen Augenkammer (Hyphäma)
  • Abschürfung der Hornhaut
  • Verschiebung der Linse
  • Netzhautriss und Netzhautablösung, manchmal erst Wochen später
  • Erhöhter Augeninnendruck durch Blut oder Schäden im Kammerwinkel
  • Riss des Augapfels (offene Augenverletzung)
  • Verletzung des Sehnervs, in etwa drei Prozent der Brüche

In Studien erblindeten je nach Schwere der Unfälle zwischen 0,7 und 10 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Augenhöhlenbruch auf dem verletzten Auge. Die hohen Werte stammen aus Serien mit schweren Gesichtsverletzungen, etwa nach Motorradunfällen.

Wann tritt welches Zeichen auf?

Die Beschwerden verändern sich in den ersten Wochen deutlich. Das erklärt, warum Ärztinnen und Ärzte mehrmals nachuntersuchen.

ZeitraumWas im Vordergrund steht
Erste Minuten bis StundenSchmerz, Bluterguss, Schwellung, Nasenbluten, Taubheit der Wange; bei Kindern Übelkeit und Erbrechen
Erste TageLider zugeschwollen, Doppelbilder oft noch verdeckt oder durch Schwellung verstärkt; Luft unter der Haut nach Schnäuzen
Nach 1 bis 2 WochenSchwellung klingt ab; Schwellungs-Doppelbilder bessern sich, Einklemmungs-Doppelbilder bleiben; eingesunkenes Auge wird sichtbar
Nach 2 bis 4 WochenEingesunkenes oder tiefer stehendes Auge voll erkennbar; Taubheit bessert sich langsam
Monate bis JahreMögliche Spätfolgen: Restdoppelbilder im Extremblick, anhaltende Taubheit, Lidfehlstellung, selten Probleme mit dem Implantat

Kinder: Das „weiße Auge“ (White-eyed blowout)

Bei Kindern und Jugendlichen kann ein Augenmuskel eingeklemmt sein, obwohl das Auge weiß, reizlos und kaum geschwollen aussieht. Der kindliche Knochen ist elastisch und hat eine dicke Knochenhaut. Er bricht deshalb wie ein grüner Zweig auf, klappt zur Kieferhöhle hin und schnappt sofort zurück. Dabei klemmt er Muskel oder Fett im Spalt ein wie eine zufallende Falltür.

Woran Eltern einen eingeklemmten Muskel erkennen

Eltern erkennen einen eingeklemmten Muskel vor allem am eingeschränkten Blick nach oben und an Übelkeit.

  • Das Kind kann das verletzte Auge nicht oder nur wenig nach oben bewegen.
  • Es klagt über Doppelbilder oder Schmerzen beim Blick nach oben, manchmal nur über einen vagen Schmerz in der Wange.
  • Ihm ist übel, es erbricht, wirkt blass, schläfrig oder schwach; der Puls kann langsam sein.
  • Es hält den Kopf schief oder hebt das Kinn an, um Doppelbilder zu vermeiden.
  • Es weicht Lesen und Hausaufgaben aus oder schaut nicht nach oben.
  • Ein Auge steht im Vergleich tiefer.

Kleine Kinder können Doppelbilder oft nicht beschreiben. Eltern bemerken eher, dass das Kind das Auge nicht hebt oder sich auffällig verhält. In einem Fallbericht verweigerte ein siebenjähriger Junge die Hausaufgaben und hielt den Kopf schief, bevor der Bruch erkannt wurde.

Warum der Bruch bei Kindern oft übersehen wird

Übelkeit und Erbrechen nach einem Schlag an den Kopf werden fast reflexhaft einer Gehirnerschütterung zugeschrieben. In einer Untersuchung wurden Kinder mit „weißem Auge“ seltener mit einem Augenhöhlen-CT untersucht, häufiger als Gehirnerschütterung eingeordnet und seltener dringend augenärztlich gesehen. In einer kleinen Serie aus Schottland mit fünf Kindern wurde die Diagnose erst mit mindestens 24 Stunden Verzögerung gestellt. Fragen Sie deshalb nach einem Schlag aufs Auge ausdrücklich, ob auch der Augenmuskel geprüft wurde.

Bei Kindern unter etwa sieben Jahren betreffen Augenhöhlenbrüche eher das Dach als den Boden, weil die Kieferhöhle noch klein ist. Danach überwiegt wie bei Erwachsenen der Bodenbruch. Falltür-Brüche machen je nach Studie zwischen etwa 28 und 93 Prozent der kindlichen Bodenbrüche aus.

Kann ein Augenhöhlenbruch ganz ohne Beschwerden bleiben?

Ja, kleine Brüche können kaum oder gar keine Beschwerden machen. Ein Bruch, der nur den Boden betrifft, verursacht manchmal weder deutlichen Bluterguss noch Nasenbluten. Ältere, verheilte Brüche fallen gelegentlich erst Jahre später zufällig in einem CT auf. Umgekehrt heißt das aber: Fehlende Beschwerden schließen einen Bruch nicht aus.

Was Angehörige bemerken

Angehörige sehen oft zuerst Veränderungen, die Betroffene selbst nicht wahrnehmen. Dazu gehören ein Auge, das beim Blick nach oben zurückbleibt, ein schief gehaltener Kopf, ein tiefer stehendes oder eingesunkenes Auge, eine plötzlich aufgeblähte Lidschwellung nach dem Schnäuzen sowie Blässe, Übelkeit und Erbrechen. Auch Verwirrtheit oder starke Schläfrigkeit sollten Sie ernst nehmen, weil sie auf eine begleitende Kopfverletzung hinweisen können.

Welche Zeichen sprechen eher für eine andere oder zusätzliche Verletzung?

Einige Zeichen passen nicht zum reinen Bodenbruch und weisen auf weitere Verletzungen hin.

  • Abgeflachte Wange, Schmerz beim Mundöffnen oder Kauen, tastbare Stufe am unteren Augenhöhlenrand: eher ein Jochbeinbruch oder ein Bruch mit Beteiligung des Randes.
  • Blutergüsse an beiden Augen nach einem Sturz: mögliche Schädelbasisverletzung.
  • Klare Flüssigkeit aus der Nase: möglicher Hirnwasseraustritt.
  • Hängendes Oberlid, Lähmung mehrerer Augenbewegungen, Taubheit der Stirn: mögliche Verletzung im hinteren Teil der Augenhöhle (Fissura-orbitalis-superior-Syndrom).
  • Doppelbilder zur Seite statt nach oben: eher Innenwandbruch oder Nervenlähmung (siehe Augenmuskellähmung).
  • Doppelbilder auch mit nur einem offenen Auge: Hinweis auf eine Verletzung im Auge selbst, etwa an Linse oder Hornhaut.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (8)

Wie entsteht ein Augenhöhlenbruch?

Ein Augenhöhlenbruch entsteht durch stumpfe Gewalt von vorn auf Auge oder Wange, meist durch einen Gegenstand, der etwas größer ist als die Augenhöhlenöffnung. Typisch sind Faust, Ellbogen, Knie, Tennis-, Squash-, Golf- oder Fußball. Der Gegenstand trifft Augapfel und Knochenrand gleichzeitig. Die Kraft entlädt sich an der schwächsten Stelle der Augenhöhle, und das ist der Boden.

Welche Erklärungen gibt es für den Bruchmechanismus?

Es gibt zwei gut belegte Erklärungen, die sich vermutlich ergänzen. Beide wurden in Versuchen an Körperspenden bestätigt.

  • Hydraulische Theorie: Der Schlag drückt den Augapfel nach hinten in die Augenhöhle. Der Druck steigt schlagartig, und der dünne Boden gibt wie ein Überdruckventil nach. Diese Form erzeugt eher größere, weiter hinten liegende Brüche mit Gewebeaustritt und größerer Gefahr für ein eingesunkenes Auge.
  • Knickungstheorie (Buckling): Der Schlag trifft den festen unteren Augenhöhlenrand. Der Rand federt kurz ein und überträgt die Kraft auf den dünnen Boden, der dahinter einknickt.

Ein Teil der Energie wird von den Halteapparaten des Augapfels, vom Fett der Augenhöhle und von der Luft in den Nebenhöhlen abgefangen. Deshalb bleibt der Augapfel selbst oft unverletzt, obwohl der Knochen bricht.

Warum bricht gerade der Boden?

Der Boden ist die dünnste und am wenigsten gestützte Wand der Augenhöhle. Über dem Kanal des Unteraugenhöhlennervs ist er im Mittel nur etwa 0,2 Millimeter dick, im hinteren inneren Bereich rund 0,4 Millimeter, außen etwas über einen Millimeter. Zusätzlich ist er gewölbt und von einer Spalte (Fissura orbitalis inferior) begrenzt. Die Innenwand (Lamina papyracea, „Papierplatte“) ist ähnlich dünn und bricht am zweithäufigsten, wird aber durch die Siebbeinzellen gestützt.

Was rutscht durch den Bruch, und was wird eingeklemmt?

Durch den Bruchspalt kann Fettgewebe der Augenhöhle in die Kieferhöhle rutschen, seltener der untere Augenmuskel selbst. Klemmt der Knochen dieses Gewebe ein, kann sich das Auge nicht frei bewegen. Auch eingeklemmtes Fett allein kann über Bindegewebsstränge den Muskel festhalten und schwere Bewegungsstörungen machen. Bei einem eingeklemmten Muskel wird außerdem die Durchblutung abgeschnürt; nach Stunden bis wenigen Tagen droht ein Muskelschaden mit Vernarbung.

Welche Unfälle führen typischerweise zu einem Augenhöhlenbruch?

Typisch sind Schlägereien, Ballsport, Verkehrsunfälle, Stürze und Arbeitsunfälle.

  • Faustschläge, Ellbogen- und Kopfstöße bei Raufereien und Überfällen
  • Ballsport: Fußball, Tennis, Squash, Golf, Baseball, Hockey
  • Kontaktsport und Kampfsport
  • Verkehrsunfälle, vor allem ohne Gurt, mit Fahrrad oder Motorrad
  • Stürze, bei Kindern vom Spielgerät, bei Älteren im Haushalt
  • Arbeits- und Heimwerkerunfälle, etwa durch zurückschnellende Werkstücke

Die Verteilung hängt stark vom Land und der Klinik ab. In einer deutschsprachigen Übersicht entfällt je etwa ein Drittel auf Verkehrsunfälle und Faustschläge, rund 15 Prozent auf Arbeitsunfälle und etwa 10 Prozent auf Sportunfälle. Spanische Daten zeigen einen Rückgang der Verkehrsunfälle und eine Zunahme von Gewalt als Ursache. In einer Serie aus Taiwan mit Kindern standen Stürze (etwa 30 Prozent) vor Gewalt (26 Prozent) und anderen stumpfen Verletzungen.

Warum brechen Kinder anders?

Kinderknochen sind weicher und elastischer, die Knochenhaut ist dick, die Knochennähte sind noch nicht ganz verschlossen, und über dem Wangenknochen liegt mehr Polster. Der Knochen bricht deshalb eher als „Grünholzbruch“: Er biegt sich, reißt ein und federt zurück. Die dicke, elastische Knochenhaut zieht das Bruchstück vermutlich zurück an seinen Platz. So entsteht der Falltür-Bruch mit eingeklemmtem Gewebe, aber ohne großen sichtbaren Schaden.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Das höchste Risiko haben junge Männer und Menschen, die ohne Augenschutz Ball- oder Kontaktsport betreiben.

  • Männer, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene
  • Menschen, die Kontakt- oder Ballsport ohne Schutzbrille betreiben
  • Menschen, die Gewalt erleben
  • Auto-, Motorrad- und Radfahrende, insbesondere ohne Gurt oder Helm mit Gesichtsschutz
  • Kinder und Jugendliche für die Sonderform mit eingeklemmtem Muskel

Wer bereits eine Erkrankung der Nebenhöhlen hat, trägt nach einem Bruch ein etwas höheres Risiko für eine Infektion der Augenhöhle (siehe Entzündung der Augenhöhle).

Wie werden Augenhöhlenbrüche eingeteilt?

Ärztinnen und Ärzte teilen die Brüche nach Ort, Form und beteiligten Knochen ein.

FormBeschreibung
Reine Blow-out-FrakturBoden und/oder Innenwand gebrochen, Rand heil
Offener BodenbruchBoden in mehreren Stücken zur Kieferhöhle hin eingebrochen; typisch bei Erwachsenen
Falltür-Bruch (Trapdoor)Knochen schnappt zurück und klemmt Gewebe ein; typisch bei Kindern
InnenwandbruchPapierplatte zur Nase gebrochen; oft weniger Funktionsstörung
Randbruch / kombinierter BruchMit Jochbein, Oberkiefer oder Nasenbein; viel höhere Krafteinwirkung, oft weitere Verletzungen
DachbruchZum Gehirn hin; vor allem bei kleinen Kindern und schweren Unfällen; oft mit Neurochirurgie
Blow-in-FrakturKnochen nach innen in die Augenhöhle gedrückt; Auge tritt eher hervor; selten

4 Diagnose

In diesem Kapitel (10)

Was geschieht zuerst in der Notaufnahme?

Zuerst werden lebensbedrohliche Verletzungen ausgeschlossen, danach wird das Auge selbst untersucht und erst dann der Knochen. Bei schweren Unfällen haben Atemwege, Kreislauf, Kopf und Halswirbelsäule Vorrang. Eine Verletzung des Augapfels geht der Knochenreparatur immer vor. Ärztinnen und Ärzte fragen nach dem Hergang: Womit wurden Sie getroffen, wann, gab es Splitter, Glas oder Metall?

Welche Augenuntersuchungen sind nötig?

Zu jedem Verdacht auf Augenhöhlenbruch gehört eine vollständige augenärztliche Untersuchung beider Augen. Eine gute Sehschärfe allein schließt eine Begleitverletzung nicht aus. Untersucht werden:

  • Sehschärfe beider Augen
  • Pupillen: Größe, Form und Lichtreaktion; ein relativer afferenter Pupillendefekt (RAPD) kann auf einen Sehnervschaden hinweisen
  • Augeninnendruck: ein hoher Druck spricht für Blut oder Luft hinter dem Auge
  • Spaltlampe: Hornhaut, Vorderkammer, Linse
  • Augenhintergrund bei weiter Pupille: Netzhautrisse, Netzhautschwellung, Aderhautrisse
  • Gesichtsfeld und Farbsehen, wenn nötig

Nach einem isolierten Bruch wird die Netzhaut bei weiter Pupille oft nach einigen Tagen nochmals untersucht, um einen übersehenen Netzhautriss zu erkennen.

Wie werden Augenbeweglichkeit und Doppelbilder geprüft?

Die Augenbeweglichkeit wird in allen Blickrichtungen geprüft, meist zusammen mit einer Orthoptistin oder einem Orthoptisten (Fachkraft der Sehschule). Dabei wird gemessen, wo und wie stark Doppelbilder auftreten, zum Beispiel mit einer Rot-Grün-Brille auf einer Tafel (Hess- oder Lees-Schirm). Diese Messung zeigt den Verlauf über die Wochen und hilft zu unterscheiden, ob ein Muskel mechanisch festgehalten oder ob ein Nerv gelähmt ist. In einer deutschen Umfrage von 2025 wurde der orthoptische Befund allerdings nur an etwa 72 Prozent der Zentren vor der Operationsentscheidung erhoben.

Mit dem Traktionstest (forcierte Duktion) prüft die Ärztin oder der Arzt, ob sich das Auge passiv frei bewegen lässt. Nach Betäubungstropfen wird die Bindehaut mit einer feinen Pinzette gefasst oder mit einem Wattestäbchen geschoben und das Auge vorsichtig nach oben gedreht. Lässt es sich nicht bewegen, ist etwas eingeklemmt. Im Wachzustand ist der Test selten nötig; in Narkose wird er vor und nach jeder Operation gemacht.

Wie wird ein eingesunkenes Auge gemessen?

Ein eingesunkenes Auge wird mit einem Exophthalmometer nach Hertel gemessen, einem Messgerät, das am seitlichen Augenhöhlenrand aufgesetzt wird. Es zeigt in Millimetern, wie weit die Hornhaut vor dem Knochenrand steht, und vergleicht beide Seiten. Solange das Gesicht geschwollen ist, ist die Messung unzuverlässig. Deshalb wird sie nach dem Abschwellen wiederholt.

Wie wird das Gefühl der Wange geprüft?

Die Ärztin oder der Arzt berührt Wange, Unterlid, Nasenflügel, Oberlippe und Zahnfleisch beider Seiten, etwa mit einem Wattestäbchen, und fragt nach Unterschieden. So lässt sich der Unteraugenhöhlennerv beurteilen. Wird die Taubheit im Verlauf stärker, kann das ein Grund sein, den Befund neu zu bewerten.

Warum ist ein CT nötig?

Die Computertomografie (CT) ist der Standard, um einen Augenhöhlenbruch nachzuweisen und seine Größe zu beurteilen. Sie wird in dünnen Schichten unter zwei Millimetern angefertigt und in Schnitten von vorn (koronar) und von der Seite (sagittal) dargestellt. Das CT zeigt, wie groß der Defekt ist, ob Fett oder Muskel in der Kieferhöhle liegt, ob hinten noch tragfähiger Knochen für ein Implantat vorhanden ist und ob Blut oder Luft hinter dem Auge sitzt. Kontrastmittel braucht es meist nicht, außer bei Verdacht auf eine Gefäßverletzung.

Ein einfaches Röntgenbild (etwa die Nasennebenhöhlen-Aufnahme nach Waters) ist für diese Frage veraltet und wenig aussagekräftig. Ein typisches Zeichen im CT ist das „Tränentropfen-Zeichen“: herabhängendes Gewebe der Augenhöhle im Dach der Kieferhöhle. Nach einer Operation kann ein weiteres CT nötig sein, wenn sich die Doppelbilder nicht bessern, um die Lage des Implantats zu prüfen.

Wann ist eine Kernspintomografie (MRT) sinnvoll?

Eine MRT wird nicht routinemäßig gemacht. Sie kann Weichteile, Muskeln und Gefäße besser darstellen und ist bei Kindern hilfreich, wenn das CT und der klinische Befund nicht zusammenpassen. Bei Verdacht auf Metallsplitter darf keine MRT erfolgen, bevor ein Metallfremdkörper ausgeschlossen ist.

Warum beruhigt ein unauffälliges CT bei Kindern nicht?

Beim Falltür-Bruch ist der Knochen nach dem Zurückschnappen kaum verschoben, und das CT kann fast normal aussehen. Manchmal ist nur ein kleiner Gewebezipfel im Bruchspalt zu erkennen, die Kieferhöhle ist frei von Blut. Ein eingeklemmter Muskel ist deshalb eine Diagnose aus der Untersuchung, nicht aus dem Bild. Zeigt ein Kind einen eingeschränkten Aufblick, Doppelbilder oder Übelkeit beim Blicken, zählt dieser Befund mehr als ein unauffälliges CT.

Welche Erkrankungen und Verletzungen müssen abgegrenzt werden?

Doppelbilder und Schwellung nach einem Schlag haben nicht immer einen Bruch als Ursache; abgegrenzt werden vor allem Schwellung, Muskelprellung, Nervenlähmung und Verletzungen des Augapfels.

Mögliche UrsacheWoran man sie erkennt
Schwellung oder Bluterguss in der Augenhöhle ohne EinklemmungDoppelbilder bessern sich in 1–2 Wochen, Traktionstest frei
Prellung oder Lähmung des AugenmuskelsTraktionstest frei, Muskel bewegt sich aktiv schlecht
Lähmung eines AugenmuskelnervsTypisches Muster in der Doppelbildmessung, oft weitere Zeichen
Bluterguss hinter dem Auge (Kompartmentsyndrom)Hervortretendes, hartes Auge, hoher Druck, Sehverschlechterung
Offene AugenverletzungVerformte Pupille, flache Vorderkammer, rundum eingeblutete Bindehaut
Jochbein- oder MittelgesichtsbruchAbgeflachte Wange, Stufe am Rand, Kaubeschwerden
Dachbruch, Schädel-Hirn-VerletzungBewusstseinsstörung, Hirnwasser aus der Nase, Luft im Schädel
GehirnerschütterungÜbelkeit ohne Bewegungsstörung des Auges; beim Kind trotzdem Auge prüfen

Wer behandelt einen Augenhöhlenbruch?

Ein Augenhöhlenbruch wird gemeinsam von mehreren Fachrichtungen behandelt. In Deutschland operieren meist Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurginnen und -chirurgen, an manchen Kliniken auch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oder augenärztliche Spezialisten für die Augenhöhle (Okuloplastik). Die Augenheilkunde und die Orthoptik beurteilen Sehen und Augenbeweglichkeit, die Radiologie das CT. Eine Umfrage an 37 deutschen Zentren von 2025 zeigte, dass es noch keinen einheitlichen Standard gibt: An mehr als der Hälfte der Kliniken wurde zumindest teilweise ohne vorherige augenärztliche Untersuchung operiert, meist bei Mehrfachverletzten; die Autoren fordern eine fachübergreifende Leitlinie.

Für Sie heißt das: Bitten Sie vor einer Operation um eine augenärztliche Untersuchung mit Doppelbildmessung, falls diese noch nicht stattgefunden hat. Für Österreich wurden keine eigenen Patienteninformationen der Fachgesellschaften gefunden; fragen Sie auch dort nach, ob Kieferchirurgie und Augenheilkunde gemeinsam an der Behandlung beteiligt sind.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (13)

Muss jeder Augenhöhlenbruch operiert werden?

Nein, viele Augenhöhlenbrüche heilen ohne Operation. Abgewartet wird bei kleinen Brüchen ohne eingeklemmten Muskel, mit guter Augenbeweglichkeit, ohne störende Doppelbilder und ohne eingesunkenes Auge. Operiert wird, wenn ein Muskel oder Gewebe eingeklemmt ist, wenn Doppelbilder nach etwa zwei Wochen nicht deutlich besser werden, wenn das Auge sichtbar einsinkt oder tiefer steht oder wenn der Bruch sehr groß ist. Weil es keine Studien höchster Güte gibt, sind die Grenzwerte Orientierungen; die Entscheidung fällt im Einzelfall.

Was können Sie selbst in den ersten Wochen tun?

Am wichtigsten ist: nicht schnäuzen, auch wenn die Nase verstopft ist oder blutet. Beim Schnäuzen kann Luft aus der Kieferhöhle durch den Bruch in die Augenhöhle gepresst werden. Das verstärkt die Schwellung, kann Keime verschleppen und in seltenen Fällen den Sehnerv durch Überdruck gefährden. Ziehen Sie Sekret lieber nach hinten hoch oder tupfen Sie die Nase vorsichtig ab.

  • Nicht schnäuzen und nicht kräftig Luft durch die Nase pressen, in der Regel für etwa vier bis sechs Wochen oder bis zur ärztlichen Freigabe.
  • Mit offenem Mund niesen, damit der Druck nicht über die Nase entweicht.
  • Nicht pressen: kein schweres Heben, kein Bücken mit Kopf nach unten, kein starkes Pressen beim Stuhlgang.
  • Kühlen mit kalten Umschlägen oder eingewickeltem Kühlakku, mehrmals täglich für einige Minuten, nie direkt Eis auf die Haut.
  • Kopf hoch lagern, auch nachts mit erhöhtem Kopfteil, damit die Schwellung abfließt.
  • Nicht auf das Auge drücken und die verletzte Stelle nicht massieren.
  • Nicht rauchen und nicht schwimmen, solange die Verbindung zur Nebenhöhle offen ist.
  • Schmerzmittel nach ärztlicher Absprache; bei Blutverdünnern vorher fragen.

Welche Medikamente werden eingesetzt?

Häufig verordnet werden abschwellende Nasentropfen oder Nasenspray für zwei bis drei Tage, Schmerzmittel und in vielen Kliniken ein Antibiotikum. Das abschwellende Nasenspray hält die Abflusswege der Kieferhöhle offen und lindert Nasenbluten. Länger als wenige Tage sollte es nicht genommen werden.

Ob ein Antibiotikum nötig ist, ist nicht abschließend geklärt. Viele Ärztinnen und Ärzte geben es vorbeugend für fünf bis sieben Tage, weil der Bruch eine offene Verbindung zur keimbesiedelten Kieferhöhle hat. Eine kubanische Literaturübersicht fand für die routinemäßige Gabe vor oder nach der Operation aber keine überzeugenden Belege, wohl aber für eine Gabe während der Operation. Bei Zeichen einer Infektion ist ein Antibiotikum immer angezeigt.

Kortison als Tabletten wird manchmal für einige Tage gegeben, wenn die Augenbeweglichkeit durch Schwellung stark eingeschränkt ist und kein Grund dagegen spricht. Es soll die Schwellung schneller abklingen lassen und die Beurteilung erleichtern. Dies beruht auf Erfahrung von Fachleuten, nicht auf großen Studien.

Wie oft wird beim Abwarten kontrolliert?

Beim Abwarten ist eine erste Kontrolle innerhalb einer Woche üblich, danach wöchentlich, solange sich die Doppelbilder bessern. Bei Kindern und bei unklarer Lage empfehlen manche Fachleute in den ersten Tagen tägliche Kontrollen, weil verdeckte Doppelbilder erst später sichtbar werden. Bei jeder Kontrolle werden Sehschärfe, Augenbeweglichkeit, Doppelbilder, Gefühl der Wange und die Stellung des Auges geprüft. Bessern sich die Doppelbilder nicht, wird eine Operation besprochen.

Wann ist eine Operation nötig?

Eine Operation wird empfohlen, wenn der Bruch die Funktion oder die Stellung des Auges dauerhaft stören würde. Die wichtigsten Gründe nach Leitlinie und Fachliteratur sind:

  • Eingeklemmter Muskel oder eingeklemmtes Gewebe mit Doppelbildern und eingeschränkter Bewegung, nachgewiesen durch Untersuchung, Traktionstest und CT
  • Okulokardialer Reflex mit anhaltender Übelkeit, Erbrechen oder langsamem Puls
  • Doppelbilder im Geradeaus- oder Leseblick, die nach etwa zwei Wochen nicht deutlich besser werden
  • Eingesunkenes Auge von mehr als etwa zwei Millimetern oder ein sichtbar tiefer stehendes Auge
  • Großer Bruch, etwa die Hälfte des Bodens oder mehr, vor allem zusammen mit der Innenwand, oder ein verschobenes Bruchstück von mehr als einem Quadratzentimeter
  • Zunehmende Gefühlsstörung oder ausgeprägter Gewebeaustritt in die Kieferhöhle

Ein Doppelbild nur im äußersten Blickwinkel und ein taubes Gefühl der Wange allein sind meist kein Grund für eine Operation. Brüche von mehr als einem Viertel des Bodens führen messbar, von mehr als der Hälfte deutlich zum Einsinken des Auges. Ob man allein zur Vorbeugung eines eingesunkenen Auges operieren soll, wird unterschiedlich gesehen; die amerikanische EyeWiki rät eher davon ab.

Wie schnell muss operiert werden?

Die Dringlichkeit hängt davon ab, ob ein Muskel eingeklemmt ist. Die deutsche Leitlinie zur Rekonstruktion der Augenhöhle (Stand 2013; die für 2018 geplante Überarbeitung ist bisher nicht erschienen) und internationale Übersichten stufen ähnlich ab:

LageZeitpunkt
Eingeklemmter Muskel mit anhaltender Übelkeit, Erbrechen, langsamem Puls; Falltür-Bruch mit weißem Auge bei Kindern und Jugendlichensofort, innerhalb von Stunden bis etwa 48 Stunden
Eingeklemmtes Gewebe mit deutlicher Bewegungsstörung, auch bei Erwachsenendringlich, innerhalb weniger Tage
Großer Bruch, frühes eingesunkenes Auge, tiefer stehendes Auge, Doppelbilder ohne Besserungstendenz, anhaltende Taubheitgeplant nach dem Abschwellen, meist innerhalb von etwa 14 Tagen
Kleiner Bruch, geringe Doppelbilder, gute Beweglichkeit, kaum eingesunkenes Augebeobachten, Kontrollen

Das Abwarten bis zum Abschwellen hat Vorteile: Die Ärztin oder der Arzt sieht besser, ob die Doppelbilder von selbst verschwinden, und das Risiko eines Druckanstiegs durch die Operation sinkt. Längeres Warten erhöht aber das Risiko für Vernarbungen und bleibende Doppelbilder. Eine Metaanalyse fand ein deutlich höheres Risiko für bleibende Doppelbilder, wenn später als 14 Tage nach dem Unfall operiert wurde. Andere Quellen betonen, dass auch eine spätere Operation gut gelingen kann, wenn Verwachsungen sorgfältig gelöst werden.

In Deutschland wurde nach einer Umfrage von 2025 im Mittel etwa sieben bis acht Tage nach dem Unfall operiert, in einer Spanne von 0 bis 25 Tagen. Ein britisches Krankenhaus nennt in seiner Patienteninformation eine Operation innerhalb von vier Tagen bei Muskeleinklemmung und eine Neubeurteilung nach etwa einer Woche in leichteren Fällen.

Warum wird bei Kindern so schnell operiert?

Ein eingeklemmter Muskel wird abgeschnürt und kann ohne Durchblutung absterben oder vernarben. Je länger die Einklemmung dauert, desto höher ist das Risiko für bleibende Doppelbilder und einen dauerhaft eingeschränkten Blick nach oben. Eine Übersicht aus 25 Studien zu Kindern empfiehlt deshalb eine Operation innerhalb von 48 Stunden nach der Diagnose; 83 Prozent der Studien, die den Zeitpunkt untersuchten, fanden eine schnellere Erholung bei früher Operation. In einer kleinen Serie aus Schottland erholten sich die Kinder, die innerhalb von 48 Stunden operiert wurden, vollständig; die später operierten behielten eine Einschränkung beim Aufblick.

Eine Serie aus Taiwan mit 23 Kindern fand, dass Kinder mit eingeklemmtem Muskel deutlich länger zur Erholung brauchten als Kinder mit nur eingeklemmtem Fett. Randomisierte Studien gibt es zu dieser Frage nicht, und einzelne Berichte zeigen auch nach Verzögerung gute Ergebnisse. Fachleute raten dennoch übereinstimmend zur raschen Operation.

Wie läuft die Operation ab?

Die Operation erfolgt in Vollnarkose und folgt meist diesem Ablauf:

  1. Traktionstest in Narkose, um die Beweglichkeit vor dem Eingriff zu prüfen.
  2. Zugang zum Boden der Augenhöhle, meist über die Innenseite des Unterlids.
  3. Vorsichtiges Lösen und Zurückverlagern des eingeklemmten oder ausgetretenen Gewebes aus der Kieferhöhle.
  4. Darstellen des Unteraugenhöhlennervs und der Bruchränder; hinten muss stabiler Knochen als Auflage gefunden werden.
  5. Einlegen eines passend zugeschnittenen Implantats, das den Defekt abdeckt, ohne deutlich größer zu sein.
  6. Erneuter Traktionstest: Das Auge muss sich am Ende frei bewegen lassen.

Manche Kliniken nutzen eine Navigation (computergestützte Ortung während der Operation) oder ein Kontroll-CT im Operationssaal, um die Lage des Implantats zu prüfen. Während der Operation kann der okulokardiale Reflex den Puls kurz absenken; das Narkoseteam überwacht dies.

Welche Zugänge gibt es?

Am häufigsten wird heute durch die Bindehaut an der Innenseite des Unterlids operiert, daneben über Hautschnitte oder endoskopisch.

ZugangVorgehenBesonderheit
Durch die Bindehaut (transkonjunktival)Schnitt innen am UnterlidKeine sichtbare Narbe; von den meisten bevorzugt; Lidfehlstellungen unter 1 Prozent
Unter dem Wimpernrand (subziliar)Hautschnitt direkt unter den WimpernGute Übersicht; nach außen gekipptes Unterlid in einer Übersicht bei etwa 13 Prozent
Unter dem Lidknorpel (subtarsal)Hautschnitt in einer LidfalteWeniger Lidfehlstellungen als subziliar
Endoskopisch durch Kieferhöhle oder NaseZugang über den Mund oberhalb der Zähne oder durch die NaseKeine äußeren Schnitte; vor allem für hintere Brüche; nur an einzelnen Zentren üblich

Eine spanische Universitätsklinik in Valencia hat eine Methode durch die Nase mit einem Kunststoffnetz an elf Patienten beschrieben, ohne äußeren Schnitt. Das ist eine kleine Serie eines Zentrums und kein Standard.

Welche Implantate werden verwendet?

Meist werden Titannetze, Kunststoffplatten oder auflösbare Folien verwendet, seltener körpereigener Knochen oder Knorpel.

MaterialVorteileNachteile
TitannetzSehr verträglich, formstabil, für große Defekte geeignet, im CT sichtbarTeuer; Gewebe kann durch die Löcher einwachsen; Kanten können Gewebe festhalten
Poröses Polyethylen (Kunststoff)Gut verträglich, leicht zuzuschneiden, wenig InfektionenIm Röntgenbild kaum sichtbar
Auflösbare FolienWerden vom Körper abgebaut, müssen nie entfernt werden; bei Kindern bevorzugtNur für kleinere Defekte (unter etwa 2,5 Quadratzentimetern) geeignet
Individuell gefertigtes ImplantatAus CT-Daten der gesunden Seite gespiegelt; genauere WiederherstellungPlanung braucht Zeit, nicht überall verfügbar
Eigener Knochen oder KnorpelKörpereigen; bei kleinen Kindern teils bevorzugtZweite Entnahmestelle; Knochen baut sich unvorhersehbar ab, Knorpel trägt wenig

Eine Studie mit 195 Patientinnen und Patienten fand, dass individuell gefertigte Implantate die Augenhöhle genauer wiederherstellen als vorgeformte Standardimplantate. Bei Kindern werden möglichst auflösbare Materialien gewählt, um das Wachstum des Gesichts nicht zu stören.

Was geschieht nach der Operation?

Direkt nach der Operation, noch im Aufwachraum, wird die Sehschärfe geprüft. Ein plötzlicher Sehverlust kann auf eine Blutung hinter dem Auge hinweisen und muss sofort behandelt werden. Der Klinikaufenthalt dauert meist zwei bis drei Tage. Die Regeln bleiben die gleichen: Kopf hoch, kühlen, nicht schnäuzen, nicht pressen.

  • Häufig für einige Tage Kortison, teils als Infusion, gegen die Schwellung
  • Augensalbe, wenn sich das Lid nicht vollständig schließt
  • Kontrollen etwa nach einer Woche, nach drei Wochen und nach zwei bis drei Monaten
  • Drei bis vier Wochen keine schwere körperliche Arbeit und kein Mannschafts- oder Kontaktsport
  • Bei Kindern teils Übungen für den Augenmuskel, die Eltern nach Anleitung mit dem Kind machen

In den ersten Tagen nach der Befreiung eines eingeklemmten Muskels ist die Beweglichkeit oft noch schlechter als erwartet. Der Muskel ist gequetscht und braucht Wochen bis Monate, um sich zu erholen. Das ist kein Zeichen einer misslungenen Operation.

Was hilft bei bleibenden Doppelbildern?

Bei bleibenden Doppelbildern helfen zunächst Prismen in der Brille oder eine aufklebbare Prismenfolie, die die Bilder wieder übereinander bringen. Übergangsweise kann ein Auge abgedeckt werden, etwa mit einem Okklusionspflaster oder einem abgeklebten Brillenglas. Bleiben störende Doppelbilder dauerhaft, kann eine Schieloperation an den Augenmuskeln helfen (siehe Schielen). Sie wird frühestens sechs bis neun Monate nach dem Unfall geplant, wenn sich der Befund nicht mehr ändert.

Welche Risiken hat die Operation?

Die Operation ist meist sicher, hat aber wie jeder Eingriff Risiken. Am häufigsten sind vorübergehende Doppelbilder, die sich meist innerhalb weniger Wochen bessern. Mögliche Komplikationen sind:

  • Bleibende Doppelbilder, je nach Studie bei 8 bis 42 Prozent; oft nur im äußersten Blickwinkel
  • Verbleibendes eingesunkenes Auge bei 7 bis 27 Prozent, durch Fettschwund oder unvollständige Wiederherstellung
  • Fehlstellung des Unterlids, abhängig vom Zugang
  • Taubheit der Wange, vorübergehend oder bleibend
  • Blutung, Schwellung, Infektion, Entzündung der Nebenhöhle
  • Verrutschen, Abstoßung oder Infektion des Implantats, selten auch Jahre später; vereinzelt Zysten um das Implantat
  • Tränenträufeln durch Störung des Tränenabflusses
  • Sehverlust, sehr selten (etwa 0 bis 0,4 Prozent), meist durch Blutung hinter dem Auge

Viele Komplikationen entstehen durch ein Implantat, das falsch sitzt, zu klein oder zu groß ist oder nicht weit genug nach hinten reicht. Fragen Sie vor der Operation, wie viel Erfahrung die Klinik mit diesem Eingriff hat und wer die Nachsorge übernimmt.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (7)

Wie lange dauert die Heilung?

Ein einfacher Bruch ohne Operation heilt meist innerhalb von etwa vier Wochen schrittweise. Schwellung und Bluterguss klingen in ein bis zwei Wochen ab. Nach einer Operation dauert die vollständige Erholung Wochen bis Monate. Die meisten isolierten Bodenbrüche haben ein gutes Ergebnis, mit und ohne Operation.

Gehen die Doppelbilder wieder weg?

Meistens ja: Doppelbilder durch Schwellung und Bluterguss bessern sich in der Regel innerhalb der ersten zwei Wochen. Doppelbilder durch einen eingeklemmten Muskel bessern sich dagegen meist erst nach der Befreiung. Auch nach erfolgreicher Operation können Restdoppelbilder Wochen bis Monate bestehen, weil der Muskel sich erholen muss. Häufig bleiben sie nur im äußersten Blickwinkel, etwa beim Blick ganz nach oben, und stören im Alltag kaum.

Schlechtere Aussichten bestehen, wenn der Muskel durch die Verletzung selbst geschädigt wurde oder vernarbt ist. Eine kleine Untersuchung an zehn Erwachsenen mit Muskellähmung nach Augenhöhlenbruch fand bei sechs eine vollständige und bei vier eine teilweise Erholung.

Bleibt die Taubheit der Wange?

Das Taubheitsgefühl bessert sich bei vielen Betroffenen über Wochen bis Monate, kann aber dauerhaft bleiben. Der Nerv wächst langsam nach; währenddessen kann es kribbeln oder brennen. In kleinen Serien normalisierte sich das Gefühl teils nach wenigen Wochen, in einer spanischen Serie blieb es bei zwei von drei Betroffenen bestehen. Eine verbleibende Taubheit ist lästig, aber nicht gefährlich.

Bleibt das Auge eingesunken?

Ein eingesunkenes Auge bildet sich ohne Operation in der Regel nicht zurück, wenn der Defekt groß ist. Bei kleinen Brüchen bleibt es oft so gering, dass es kaum auffällt. Nach einer Operation bleibt bei einem Teil der Betroffenen ein leichtes Einsinken, etwa weil Fett geschwunden ist. Eine spätere Korrektur ist möglich, aber aufwendiger als die frühe Versorgung.

Wie ist die Prognose bei Kindern?

Die meisten Kinder erholen sich gut, wenn ein eingeklemmter Muskel rasch befreit wird; die Erholung kann aber lange dauern. Je nach Bericht dauerte es 25 Tage bis 18 Monate, bei Kindern unter neun Jahren tendenziell länger. In der Serie aus Taiwan kehrte die Beweglichkeit bei 87 Prozent vollständig zurück, die Doppelbilder verschwanden bei 74 Prozent; im Mittel dauerte das rund sechs bzw. zehn Monate. Je nach Studie behielten 0 bis 55 Prozent der operierten Kinder Doppelbilder oder eine Bewegungseinschränkung.

Wird ein Falltür-Bruch übersehen, drohen ein abgestorbener oder vernarbter Muskel, bleibende Doppelbilder und ein dauerhaft eingeschränkter Aufblick. Kinder gehören deshalb in eine augenärztliche und orthoptische Nachsorge.

Welche Spätfolgen sind möglich?

Die häufigsten Spätfolgen sind Restdoppelbilder, ein eingesunkenes Auge und eine taube Wange.

  • Restdoppelbilder, meist nur in einzelnen Blickrichtungen
  • Eingesunkenes oder tiefer stehendes Auge
  • Anhaltende Taubheit von Wange, Lippe oder Zähnen
  • Fehlstellung des Unterlids, etwa ein nach außen gekipptes Lid (siehe Auswärtsgedrehtes Lid)
  • Tränenträufeln oder Entzündung des Tränensacks
  • Gesichtsasymmetrie
  • Spät auftretende Netzhautablösung nach begleitender Prellung des Auges
  • Selten Probleme mit dem Implantat, auch nach Jahren

Die deutsche Leitlinie weist darauf hin, dass sich manche Spätfolgen erst nach Jahren zeigen. Neue Beschwerden im Bereich des operierten Auges sollten Sie deshalb auch lange nach dem Eingriff abklären lassen.

Wann kann ich wieder arbeiten, Sport treiben und Auto fahren?

Nach einer Operation sollten Sie etwa drei bis vier Wochen auf schwere körperliche Arbeit und auf Mannschafts- oder Kontaktsport verzichten. Bürotätigkeit ist oft früher möglich, sobald Schmerzen und Schwellung es erlauben. Ballsport mit Verletzungsrisiko sollten Sie danach nur mit Schutzbrille wieder aufnehmen. Den genauen Zeitpunkt legt die behandelnde Klinik fest.

Solange Sie Doppelbilder haben, sollten Sie kein Fahrzeug führen. Mit einem abgedeckten Auge fehlen räumliches Sehen und ein Teil des Gesichtsfelds; klären Sie die Fahrtauglichkeit mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt. Allgemeingültige Regeln zum Fliegen gibt es nicht; wegen der Druckänderungen sollten Sie vor einer Flugreise in den ersten Wochen ärztlich nachfragen. Taucherinnen und Taucher brauchen eine sorgfältige Wiederherstellung, weil Druckschäden der Nebenhöhlen beim Tauchen häufig sind; Tauchen erst nach ausdrücklicher Freigabe.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (5)

Kann man einem Augenhöhlenbruch vorbeugen?

Ja, viele Augenhöhlenbrüche lassen sich durch Augen- und Gesichtsschutz vermeiden. Bruchsichere Sportbrillen aus Polycarbonat schützen bei Sportarten mit kleinen, schnellen Bällen oder Federbällen und mit Schlägern, etwa Squash, Badminton oder Hockey; Fachgesellschaften empfehlen für Schutzbrillen Gläser aus Polycarbonat, weil es das bruchfesteste klare Material ist. Im Auto senkt der Sicherheitsgurt das Risiko von Gesichtsbrüchen deutlich; in einer großen US-Auswertung von Unfallverletzten um etwa 40 Prozent. Bei Arbeiten mit Werkzeugen, die zurückschnellen können, gehört eine Schutzbrille zum Standard.

Bei welchen Sportarten ist Schutz besonders wichtig?

Besonders wichtig ist Schutz bei Sportarten mit kleinen, schnellen Bällen und bei Kontaktsport.

  • Squash, Racketball und Badminton: kleine, sehr schnelle Bälle oder Federbälle passen genau in die Augenhöhle
  • Tennis, Golf, Baseball und Hockey
  • Fußball und Handball, besonders für Torhüterinnen und Torhüter
  • Kampfsport und Boxen: Kopfschutz nach den Regeln des Sportverbands
  • Radfahren, Mountainbiken und Motorradfahren: Helm, bei Motorrad mit Visier

Normale Brillen schützen nicht ausreichend und können beim Aufprall selbst zu Verletzungen führen. Für Brillenträger gibt es Sportbrillen mit Korrekturgläsern.

Wie schützt man Kinder?

Bei Kindern helfen sichere Spielplätze, Treppenschutz für Kleinkinder, Kindersitze im Auto und Schutzbrillen beim Ballsport im Verein. Wichtiger als jede Vorbeugung ist aber das Wissen um die Warnzeichen. Hat ein Kind nach einem Schlag oder Sturz aufs Gesicht Übelkeit, erbricht es oder kann es ein Auge nicht nach oben bewegen, gehört es sofort in eine Klinik mit Augenabteilung, auch wenn das Auge unauffällig aussieht.

Wie verhindere ich nach dem Unfall weitere Schäden?

Nach einem Schlag aufs Auge können Sie Folgeschäden verhindern, indem Sie nicht schnäuzen, kühlen und den Kopf hoch lagern. Drücken Sie nicht auf das Auge, auch nicht, um es zu „prüfen“. Nehmen Sie alle Kontrolltermine wahr, auch wenn es Ihnen besser geht, weil sich ein eingesunkenes Auge und verdeckte Doppelbilder erst später zeigen. Nehmen Sie verordnete Medikamente wie besprochen.

Kann man einer Netzhautablösung nach dem Unfall vorbeugen?

Eine begleitende Prellung des Augapfels kann Wochen später zu einem Netzhautriss führen. Lassen Sie die Netzhaut deshalb bei weiter Pupille untersuchen, auch wenn Sie gut sehen. Achten Sie in den folgenden Monaten auf Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte oder einen Schatten im Gesichtsfeld. Diese Zeichen sind ein Grund, noch am selben Tag in eine Augenklinik zu gehen.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (6)

Wann muss ich sofort in die Klinik oder den Notruf wählen?

Sofort in eine Notaufnahme mit Augenabteilung, notfalls über den Notruf (112 in Deutschland und Österreich, Rettung in Österreich auch 144), wenn nach einem Schlag oder Unfall eines der folgenden Zeichen auftritt:

  • Sehverschlechterung oder Sehverlust, veränderte Farben, Schatten im Gesichtsfeld
  • Auge tritt hervor, wird hart und schmerzt zunehmend
  • Schwellung nimmt schnell zu, besonders nach dem Schnäuzen, mit Knistern unter der Haut
  • Verformte oder ungleich große Pupille, Blut vor der Regenbogenhaut
  • Verdacht auf eine offene Augenverletzung oder einen Fremdkörper
  • Klare Flüssigkeit aus der Nase, Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit, starke Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen, langsamer Puls oder Ohnmacht beim Bewegen des Auges

Weitere Informationen finden Sie unter Notfall am Auge.

Was gilt besonders bei Kindern?

Bei Kindern ist ein Schlag aufs Auge mit eingeschränktem Aufblick, Doppelbildern, Übelkeit oder Erbrechen immer ein Notfall, auch wenn das Auge weiß und unverletzt aussieht. Ein eingeklemmter Augenmuskel muss meist innerhalb von Stunden bis etwa zwei Tagen befreit werden. Sagen Sie in der Notaufnahme ausdrücklich, dass ein Schlag aufs Auge vorausging und das Kind nicht nach oben schauen kann. So wird nicht nur an eine Gehirnerschütterung gedacht.

Wann sollte ich am selben Tag zum Arzt?

Am selben Tag sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen, wenn nach einem Schlag auf Auge oder Wange Doppelbilder bestehen, die Wange oder Oberlippe taub ist, das Auge sich nicht frei bewegen lässt oder die Lider beim Schnäuzen anschwellen. Geeignet ist eine Augenklinik oder eine Notaufnahme mit Kieferchirurgie und Augenheilkunde. Außerhalb der Sprechzeiten hilft in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450 bei der Suche nach der richtigen Stelle.

Wann reicht ein Termin innerhalb weniger Tage?

Ein Termin innerhalb weniger Tage reicht, wenn nach einem leichteren Schlag nur ein Bluterguss besteht, Sie normal sehen, das Auge frei beweglich ist und Sie keine Doppelbilder haben. Auch dann sollte eine Augenärztin oder ein Augenarzt das Auge einmal vollständig untersuchen, einschließlich der Netzhaut. Bei bereits bekanntem Bruch gilt: Neue oder zunehmende Doppelbilder, ein zunehmend eingesunkenes Auge oder Fieber mit Rötung und Schwellung sind ein Grund, früher als geplant zu kommen.

Was können Sie bis zur Untersuchung tun?

Bis zur Untersuchung sollten Sie vor allem nicht schnäuzen und nicht auf das Auge drücken.

  • Nicht schnäuzen, mit offenem Mund niesen
  • Kühlen, ohne auf das Auge zu drücken
  • Kopf hoch halten, nicht flach hinlegen
  • Bei Verdacht auf offene Augenverletzung das Auge nur locker mit einem Becher oder einer Schutzkappe abdecken, nichts hineintropfen
  • Nichts essen und trinken, falls eine Operation in Narkose nötig werden könnte, vor allem bei Kindern mit Erbrechen
  • Nicht selbst Auto fahren, wenn Sie doppelt sehen

Welche Warnzeichen deuten auf etwas anderes hin?

Rötung, Schwellung und Fieber Tage nach dem Unfall können auf eine Infektion der Augenhöhle hinweisen und müssen am selben Tag behandelt werden. Lichtblitze, Rußregen oder ein Schatten Wochen nach dem Unfall sprechen für einen Netzhautriss oder eine Netzhautablösung. Doppelbilder ohne Unfall, ein hängendes Lid oder plötzliche Lähmungen eines Auges können auf eine Nervenerkrankung oder einen Schlaganfall hinweisen und sind ebenfalls ein Notfall.

9 Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob meine Augenhöhle gebrochen ist?

Sicher erkennen lässt sich ein Augenhöhlenbruch nur mit einem CT. Hinweise sind Doppelbilder vor allem beim Blick nach oben, ein taubes Gefühl an Wange, Oberlippe und oberen Zähnen, Schmerzen beim Aufblick und eine Lidschwellung, die beim Schnäuzen zunimmt. Ein Bluterguss allein beweist keinen Bruch, und umgekehrt kann ein Bruch ohne Bluterguss bestehen. Nach jedem kräftigen Schlag aufs Auge mit diesen Zeichen sollten Sie sich am selben Tag untersuchen lassen.

Warum darf ich mich nach einem Augenhöhlenbruch nicht schnäuzen?

Beim Schnäuzen kann Luft aus der Nase und Kieferhöhle durch den Bruch in die Augenhöhle und unter die Lidhaut gepresst werden. Die Lider schwellen dann plötzlich an, Keime können verschleppt werden, und in seltenen Fällen steigt der Druck hinter dem Auge so stark, dass der Sehnerv gefährdet ist. Verzichten Sie meist vier bis sechs Wochen oder bis zur ärztlichen Freigabe auf das Schnäuzen und niesen Sie mit offenem Mund.

Muss eine Blow-out-Fraktur immer operiert werden?

Nein. Kleine Brüche ohne eingeklemmten Muskel, ohne störende Doppelbilder und ohne eingesunkenes Auge heilen oft ohne Operation. Operiert wird bei eingeklemmtem Muskel, bei Doppelbildern, die nach etwa zwei Wochen nicht deutlich besser sind, bei einem eingesunkenen Auge von mehr als etwa zwei Millimetern oder bei einem sehr großen Bruch.

Wie lange kann man mit der Operation warten?

Ohne eingeklemmten Muskel wird meist abgewartet, bis die Schwellung abklingt, und dann innerhalb von etwa zwei Wochen operiert, wenn es nötig ist. Wird später operiert, steigt nach einer Metaanalyse das Risiko für bleibende Doppelbilder. Bei eingeklemmtem Muskel mit Übelkeit oder langsamem Puls, vor allem bei Kindern, wird sofort bzw. innerhalb von höchstens etwa 48 Stunden operiert.

Gehen die Doppelbilder nach einem Augenhöhlenbruch wieder weg?

Meist ja. Doppelbilder durch Schwellung bessern sich in der Regel in den ersten zwei Wochen. Doppelbilder durch einen eingeklemmten Muskel verschwinden meist erst nach der Operation, oft über Wochen bis Monate. Bei einem Teil der Betroffenen bleiben Restdoppelbilder, häufig nur im äußersten Blickwinkel; Prismenbrillen oder eine Schieloperation können dann helfen.

Wie lange bleibt die Wange nach einem Orbitabodenbruch taub?

Das ist sehr unterschiedlich. Bei vielen kehrt das Gefühl innerhalb von Wochen bis Monaten langsam zurück, bei manchen bleibt eine Taubheit dauerhaft. Während der Nerv sich erholt, kann es kribbeln oder brennen. Eine taube Wange allein ist meist kein Grund für eine Operation.

Warum ist meinem Kind nach einem Schlag aufs Auge übel?

Übelkeit und Erbrechen nach einem Schlag aufs Auge können auf einen eingeklemmten Augenmuskel hinweisen, nicht nur auf eine Gehirnerschütterung. Zug am eingeklemmten Muskel löst einen Nervenreflex aus, der Übelkeit, Erbrechen und einen langsamen Puls verursacht. Kann Ihr Kind das Auge nicht nach oben bewegen oder sieht es doppelt, ist das ein Notfall, auch wenn das Auge weiß und unauffällig aussieht.

Reicht ein Röntgenbild, um einen Augenhöhlenbruch auszuschließen?

Nein. Ein einfaches Röntgenbild ist zu ungenau. Standard ist ein Dünnschicht-CT der Augenhöhle mit Schnitten von vorn und von der Seite. Bei Kindern kann selbst das CT fast unauffällig aussehen; entscheidend ist dann die Untersuchung der Augenbeweglichkeit.

Warum sinkt mein Auge Wochen nach dem Bruch ein?

Durch den Bruch ist die Augenhöhle größer geworden, und Fettgewebe ist in die Kieferhöhle ausgewichen. Anfangs verdecken Schwellung und Bluterguss das Einsinken, nach ein bis vier Wochen wird es sichtbar. Beträgt es mehr als etwa zwei Millimeter oder stört es, kann eine Operation den Boden wiederherstellen.

Muss das Implantat nach einer Augenhöhlen-OP wieder entfernt werden?

In der Regel nicht. Implantate aus Titan oder Kunststoff bleiben meist dauerhaft, auflösbare Folien baut der Körper ab. Platten, die zusätzlich bei einem Jochbeinbruch eingesetzt wurden, werden manchmal später entfernt. Selten verrutscht ein Implantat oder entzündet sich, auch nach Jahren; neue Beschwerden sollten Sie deshalb abklären lassen.

Wann darf ich nach einem Augenhöhlenbruch wieder Sport machen?

Nach einer Operation sollten Sie etwa drei bis vier Wochen auf starke körperliche Anstrengung und auf Mannschafts- oder Kontaktsport verzichten. Wann Sie wieder voll belasten dürfen, legt die behandelnde Klinik fest. Ballsport mit kleinen, schnellen Bällen sollten Sie danach nur mit bruchsicherer Sportbrille betreiben. Tauchen erst nach ausdrücklicher Freigabe.

Kann ich durch einen Augenhöhlenbruch erblinden?

Das ist selten, aber möglich. Gefahr besteht vor allem durch einen Bluterguss hinter dem Auge, der auf den Sehnerv drückt, durch eine direkte Verletzung von Augapfel oder Sehnerv und sehr selten durch eine Komplikation der Operation. Deshalb ist jede Sehverschlechterung nach einem Schlag aufs Auge ein Notfall.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 27 Quellen anzeigen
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