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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Verletzungen und Notfälle

Offene Augenverletzung (Perforierende Augenverletzung, offene Bulbusverletzung)

Bei einer offenen Augenverletzung ist die äußere Wand des Augapfels, also Hornhaut oder Lederhaut, vollständig durchtrennt – durch einen Schnitt, einen Stich, einen eingedrungenen Splitter oder durch Platzen nach einem heftigen Schlag. Sie ist immer ein Notfall: nichts herausziehen, nicht drücken, das Auge locker mit einer starren Kappe schützen, nichts mehr essen und sofort den Notruf 112 (in Österreich auch 144) wählen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 36 Minuten · 29 Quellen in 4 Sprachen

Notfall: Sofort: Notruf 112 (Österreich 144 oder 112) oder unverzüglich in die nächste Augenklinik – nicht bis zum nächsten Tag warten, auch wenn es kaum weh tut. Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (6)

Was ist eine offene Augenverletzung?

Eine offene Augenverletzung ist eine Wunde, die durch die gesamte Dicke der äußeren Augenwand reicht – durch die Hornhaut vorne, die Lederhaut (die weiße, feste Hülle des Auges) oder beide. Der Augapfel ist damit nach außen geöffnet. Fachleute sprechen von einer offenen Bulbusverletzung oder im Englischen von „open globe injury“.

Das Gegenstück ist die geschlossene Verletzung: Bei einer Prellung des Auges oder einer oberflächlichen Hornhautverletzung bleibt die Augenwand dicht. Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn eine offene Verletzung muss fast immer operiert werden.

Welche Formen gibt es?

Fachleute unterscheiden vier Formen, meist nach der international gebräuchlichen Birmingham-Einteilung (BETT):

  • Penetrierende Verletzung: Ein spitzer oder scharfer Gegenstand dringt ein, es gibt nur eine Eintrittswunde.
  • Perforierende Verletzung: Der Gegenstand durchschlägt das Auge ganz, es gibt eine Eintritts- und eine Austrittswunde.
  • Intraokularer Fremdkörper: Ein Splitter steckt nach dem Eindringen im Augeninneren fest.
  • Bulbusruptur (Augapfelriss): Ein heftiger stumpfer Schlag lässt den Augeninnendruck schlagartig steigen, die Wand platzt von innen nach außen an ihrer schwächsten Stelle.

Im Alltag werden „perforierende“ und „penetrierende“ Augenverletzung oft gleichbedeutend verwendet. Auch deutsche Lehrbücher trennen die Begriffe nicht immer einheitlich. Für Sie als Betroffene oder Betroffener ist wichtiger: Alle vier Formen sind Notfälle.

Wie häufig sind offene Augenverletzungen?

Offene Augenverletzungen sind selten: Weltweit werden etwa 3,5 Fälle pro 100.000 Menschen und Jahr geschätzt, das sind über 200.000 Fälle jährlich. Eine Auswertung der Technischen Universität München kam für Deutschland auf rund 3 pro 100.000 Einwohner und Jahr. Trotzdem gehören sie zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen dafür, dass ein Mensch auf einem Auge erblindet.

Rund vier von fünf Betroffenen sind Männer. Das höchste Risiko haben junge Menschen zwischen etwa 10 und 30 Jahren. In der Münchner Serie mit 147 verletzten Augen war knapp ein Fünftel Kinder und Jugendliche, zwei Drittel Menschen im Berufsalter und etwa jeder Siebte im Seniorenalter.

Wo passieren solche Verletzungen?

Die meisten offenen Augenverletzungen passieren heute zu Hause und in der Freizeit, nicht im Betrieb. An der Uniklinik Aachen entstand fast die Hälfte der offenen Verletzungen bei häuslichen Unfällen, vor allem durch Stürze älterer Menschen; Arbeitsunfälle machten dort nur knapp 9 % aus. In München waren es dagegen gut ein Drittel Arbeitsunfälle. In Asien liegt der Anteil der Arbeitsunfälle mit 43–74 % deutlich höher als in Europa mit 23–34 %.

Warum ist schnelles Handeln so wichtig?

Weil mit jeder Stunde das Risiko einer Infektion im Augeninneren steigt und weil falsche Erste Hilfe die Wunde vergrößern kann. Durch die offene Wand können Keime in das sonst keimfreie Auge gelangen, und Druck auf das Auge kann Augeninhalt aus der Wunde pressen. Die wichtigsten Regeln sind deshalb einfach: nichts entfernen, nicht drücken, nicht reiben, nicht spülen, das Auge mit einer starren Kappe schützen und sofort in die Klinik.

Wie sind die Aussichten?

Die Aussichten reichen von fast normalem Sehen bis zum Verlust des Auges und hängen vor allem davon ab, wo die Wunde liegt, wie gut das Auge anfangs noch sieht und ob die Netzhaut beteiligt ist. Moderne Mikrochirurgie rettet heute deutlich mehr Augen als früher. Selbst Augen, die beim Eintreffen in der Klinik kein Licht mehr wahrnehmen, gewinnen manchmal wieder etwas Sehen zurück.

2 Symptome

In diesem Kapitel (14)

Woran erkenne ich eine offene Augenverletzung?

Typisch ist eine Verletzung durch etwas Scharfes, Spitzes oder sehr Schnelles, gefolgt von Schmerzen, schlagartig schlechterem Sehen und manchmal sichtbaren Veränderungen am Auge. Der wichtigste Hinweis ist oft nicht ein bestimmtes Symptom, sondern der Hergang: Wer beim Hämmern, Schleifen oder Meißeln etwas ins Auge bekommen hat oder in einen spitzen Gegenstand gefallen ist, muss mit einer offenen Verletzung rechnen. Viele Betroffene haben nicht alle „klassischen“ Zeichen.

Welche Beschwerden sind am häufigsten?

Leitsymptome sind Augenschmerzen und ein plötzlich verschlechtertes Sehen. Dazu kommen oft Beschwerden, die auch bei harmloseren Verletzungen auftreten.

BeschwerdeWie es sich anfühlt oder aussieht
SchmerzStechend, drückend oder brennend im Auge, teils mit Kopfschmerz; kann aber auch erstaunlich gering sein
SehverschlechterungVerschwommen, wie durch Nebel oder rote Schlieren, im schweren Fall nur noch hell und dunkel oder gar kein Licht
FremdkörpergefühlAls ob Sand oder ein Splitter im Auge reibt
TränenStarker Tränenfluss, manchmal blutig verfärbt
LichtempfindlichkeitHelles Licht schmerzt, das Auge wird zugekniffen
Rötung und BlutBlutunterlaufenes Auge, Bluterguss am Lid, Blut am oder im Auge
LidschwellungDas Lid schwillt an, das Auge lässt sich kaum öffnen
DoppelbilderGegenstände erscheinen doppelt, vor allem bei Mitverletzung der Augenhöhle
ÜbelkeitÜbelkeit oder Erbrechen, oft durch Schmerz und Schreck

Welche Zeichen sind besonders verdächtig?

Einige Zeichen sprechen sehr stark für ein geöffnetes Auge. Wenn Sie oder Angehörige eines davon sehen, ist das ein Grund für den sofortigen Notruf.

Verzogene oder tropfenförmige Pupille

Eine Pupille, die nicht mehr rund ist, sondern zu einer Seite spitz ausgezogen wirkt wie ein Tropfen, gilt als nahezu beweisend für eine offene Verletzung. Meist zeigt die Spitze zur Wunde, weil die Regenbogenhaut (Iris) dorthin gezogen wird oder in der Wunde eingeklemmt ist. Auch zwei unterschiedlich große Pupillen nach einer Verletzung sind ein Warnzeichen.

Austretende Flüssigkeit

Läuft nach der Verletzung klare oder leicht blutige Flüssigkeit aus dem Auge, die anders wirkt als normale Tränen, kann es Kammerwasser aus dem Augeninneren sein. Die Menge ist manchmal so klein, dass Betroffene sie gar nicht bemerken. In der Klinik macht ein gelber Farbstoff (Fluorescein) den Austritt sichtbar; Fachleute nennen das einen positiven Seidel-Test.

Dunkles Gewebe in oder an der Wunde

Ein bräunlicher oder schwarzer Punkt oder Wulst auf dem Weiß des Auges oder am Rand der Hornhaut kann vorgefallenes Gewebe aus dem Augeninneren sein, zum Beispiel Regenbogenhaut oder Aderhaut. Laien halten das leicht für Schmutz oder einen Splitter. Auf keinen Fall darf man versuchen, es abzuwischen.

Sichtbare Wunde oder steckender Gegenstand

Ein Schnitt in Hornhaut oder Lederhaut oder ein Gegenstand, der im Auge steckt, ist eindeutig. Steckt etwas im Auge, bleibt es dort, bis die Ärztin oder der Arzt es im Operationssaal entfernt.

Weiches oder eingefallenes Auge

Wenn Flüssigkeit austritt, sinkt der Augeninnendruck stark ab, das Auge kann weich oder etwas eingefallen wirken. Das prüft man aber auf keinen Fall selbst durch Tasten – Druck kann Augeninhalt herauspressen. Fachleute wissen zudem: Ein normaler Augendruck schließt eine offene Verletzung nicht aus.

Blut in der vorderen Augenkammer

Sammelt sich Blut hinter der Hornhaut, sieht man einen roten Spiegel oder eine rötliche Trübung vor der Iris. Fachleute nennen das Hyphäma. Es kommt auch bei Prellungen vor, ist aber nach einer Splitter- oder Stichverletzung ein ernstes Zeichen.

Großflächige Blutung unter der Bindehaut

Eine dunkelrote Einblutung rings um die Hornhaut, oft mit stark geschwollener, glasig vorgewölbter Bindehaut (Chemose), kann einen Riss der Lederhaut darunter verdecken. Eine kleine, flache Blutung unter der Bindehaut ohne Verletzung ist dagegen meist harmlos. Nach einem heftigen Schlag oder Sturz gehört aber jede großflächige Einblutung untersucht.

Kann eine offene Augenverletzung kaum wehtun?

Ja, und genau das macht sie gefährlich. Französische Fachleute betonen, dass offene Verletzungen oft weniger schmerzen als eine oberflächliche Hornhautabschürfung. Eine tiefe Wunde kann bis ins Augeninnere reichen, ohne dass das Auge stark blutet oder wehtut. Fehlender Schmerz schließt eine schwere Verletzung also nicht aus.

Was ist das Tückische an kleinen Metallsplittern?

Ein winziger, sehr schneller Metallsplitter kann ins Auge eindringen und eine Eintrittswunde hinterlassen, die mit bloßem Auge nicht zu sehen ist. Typisch ist der Schlag „Metall auf Metall“, etwa Hammer auf Meißel oder Hammer auf Nagel: Ein Splitter löst sich und schießt wie ein Geschoss ins Auge. Betroffene spüren oft nur einen kurzen Stich, danach reibt es etwas oder das Sehen ist leicht verschwommen. Manche bemerken zunächst fast gar nichts.

Fachleute gehen deshalb bei jedem Augenschmerz nach Hämmern, Meißeln, Schleifen, Bohren oder einer Explosion so lange von einem Fremdkörper im Auge aus, bis eine Bildgebung das Gegenteil zeigt. Die spanische Augenärztliche Gesellschaft weist darauf hin, dass übersehene Splitter zu den häufigsten Gründen für Haftungsklagen in der Augenheilkunde gehören.

Wie unterscheiden sich die Beschwerden je nach Verletzungsart?

Schnitte und Stiche fallen meist sofort auf, Splitter dagegen oft kaum, und ein Augapfelriss versteckt sich gern hinter Schwellung und Bluterguss.

VerletzungsartTypischer HergangWas oft auffällt
Schnitt oder StichMesser, Schere, Glasscherbe, Ast, StiftSichtbare Wunde, Schmerz, Flüssigkeit, verzogene Pupille
Splitter im AugeHämmern, Meißeln, Schleifen, Bohren, ExplosionKurzer Stich, wenig Beschwerden, Wunde oft unsichtbar, später Sehverschlechterung
Augapfelriss (Ruptur)Sturz aufs Gesicht, Faustschlag, Ball, VerkehrsunfallStarke Lidschwellung, Bluterguss, großflächige Blutung, schwerer Sehverlust
Durchschlagende VerletzungGeschoss, Pfeil, DrahtSchwerer Sehverlust, Ein- und Austrittswunde, oft Begleitverletzungen

Was ist bei einem Augapfelriss nach Sturz oder Schlag anders?

Beim Augapfelriss liegt die Wunde oft nicht dort, wo der Schlag traf, sondern an einer Schwachstelle der Augenwand – häufig hinten oder unter den Augenmuskeln, wo man sie nicht sehen kann. Eine starke Lidschwellung und ein großer Bluterguss können den Riss vollständig verbergen. Manchmal findet ihn erst die Chirurgin oder der Chirurg im Operationssaal. Besonders gefährdet sind Augen mit alten Operationsnarben, etwa nach einer Operation am Grauen Star oder einer Hornhauttransplantation.

Nach einem Sturz, unter Alkohol oder bei mehreren Verletzungen, etwa am Kopf, wird ein verletztes Auge leicht übersehen. Angehörige sollten deshalb auch nach einem Unfall mit Kopfverletzung gezielt darauf achten, ob die Person auf beiden Augen gut sieht.

Wie fühlt sich der Sehverlust an?

Das reicht von leichtem Verschwimmen bis zum vollständigen Verlust der Lichtwahrnehmung. Manche sehen einen roten oder dunklen Schleier, wenn Blut in den Glaskörper läuft. Andere sehen nur noch Bewegungen der Hand vor dem Auge. In der Aachener Serie nahmen 16 % der Patientinnen und Patienten bei Aufnahme auf dem verletzten Auge gar kein Licht mehr wahr.

Wichtig: Auch ein noch recht gutes Sehen schließt eine offene Verletzung nicht aus. Kleine Wunden am Rand der Hornhaut oder kleine Splitter können das Sehen anfangs kaum beeinträchtigen.

Welche Zeichen findet die Ärztin oder der Arzt?

Bei der Untersuchung kommen Befunde hinzu, die Laien nicht sehen können. Sie helfen, die Verletzung einzuordnen und die Aussichten abzuschätzen.

  • sehr flache oder ungewöhnlich tiefe Vorderkammer (der Raum zwischen Hornhaut und Iris)
  • Loch oder Riss in der Regenbogenhaut
  • Trübung, Quellung oder Verletzung der Linse
  • fehlender roter Reflex beim Durchleuchten, zum Beispiel durch Blut im Glaskörper
  • eingeschränkte Pupillenreaktion auf Licht als Hinweis auf eine Schädigung von Netzhaut oder Sehnerv (relativer afferenter Pupillendefekt)
  • niedriger Augeninnendruck

Was bemerken Angehörige?

Angehörige sehen oft zuerst Blut, eine Wunde, eine verformte Pupille oder ein Auge, das kleiner oder anders aussieht als das andere. Die Betroffenen halten das Auge zu, kneifen es zusammen, meiden Licht oder lassen sich nicht ans Auge fassen. Fragen Sie konkret nach: Was ist passiert, womit, und sieht das Auge schlechter als vorher?

Welche Besonderheiten gibt es bei Kindern?

Kinder verletzen sich meist zu Hause mit spitzen Gegenständen wie Scheren, Messern, Stiften, Holz- oder Bambusstäben. Kleine Kinder können Beschwerden kaum beschreiben. Hinweise sind Weinen, ein zugekniffenes oder zugehaltenes Auge, Reiben, Lichtscheu, Blut am Auge, eine unrunde Pupille oder dass das Kind auf einmal schlechter sieht oder stolpert.

Oft hat niemand den Unfall gesehen, oder das Kind verschweigt ihn aus Angst vor Ärger. Bei jedem Verdacht gilt: das Auge nicht selbst aufhalten oder untersuchen. Schon das Auseinanderziehen der Lider kann bei einem offenen Auge Inhalt herausdrücken. In der Klinik wird das Auge bei Kindern deshalb häufig erst in Narkose genau untersucht.

Welche Besonderheiten gibt es bei älteren Menschen?

Bei älteren Menschen ist der häufigste Auslöser ein Sturz, etwa auf eine Tischkante, ein Möbelstück oder den Boden, oft im Rahmen einer kurzen Ohnmacht. Viele hatten schon eine Operation am Auge, deren Narbe beim Aufprall wieder aufreißen kann. Bei Verwirrtheit, Demenz oder Kopfverletzungen schildern sie Beschwerden oft nicht. Nach jedem Sturz aufs Gesicht lohnt deshalb ein Blick auf beide Augen.

Welche Beschwerden können Tage oder Wochen später auftreten?

Auch nach einer gelungenen Erstversorgung können neue Beschwerden auf eine Komplikation hinweisen. Sie gehören jedes Mal sofort ärztlich abgeklärt.

  • Infektion im Augeninneren (Endophthalmitis): zunehmende Schmerzen, stärkere Rötung, Lidschwellung, Sehverschlechterung, Flocken im Gesichtsfeld, Ausfluss oder Eiter. Meist innerhalb der ersten Tage; fehlender Schmerz schließt sie nicht aus.
  • Netzhautablösung: Lichtblitze, plötzlich viele schwarze Punkte, ein Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld.
  • Erhöhter Augeninnendruck: dumpfer Augenschmerz, Kopfschmerz, farbige Ringe um Lichter, Übelkeit.
  • Sympathische Ophthalmie am gesunden Auge: Reizung, Lichtscheu, Schwebeteilchen, verschwommenes Sehen oder Schwierigkeiten beim Lesen in der Nähe am nicht verletzten Auge, meist zwei bis zwölf Wochen nach dem Unfall.
  • Fremdkörper-Spätschäden: langsam abnehmendes Sehen, Verfärbung der Iris oder Nachtsehstörungen können auf einen eisen- oder kupferhaltigen Splitter hinweisen, der das Auge chemisch schädigt.

Welche Warnzeichen nennen Gesundheitsdienste?

Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt nach jeder Augenverletzung folgende Alarmzeichen für die Notaufnahme: Veränderung des Sehens, starke Schmerzen, Kopfschmerz, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen, ein Auge, das sich nicht bewegen oder offen halten lässt, sowie Blut oder Eiter aus dem Auge. Außerdem gehört jede Verletzung durch schnell fliegende Teile, etwa von Elektrowerkzeugen oder Rasenmähern, sofort in die Notaufnahme, auch wenn sie kaum Beschwerden macht.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (7)

Was verursacht eine offene Augenverletzung?

Ursache ist fast immer ein Unfall: Ein scharfer oder spitzer Gegenstand schneidet oder sticht ins Auge, ein schneller Splitter dringt ein oder ein heftiger stumpfer Schlag lässt das Auge platzen. Sehr selten entsteht eine Öffnung der Augenwand durch eine schwere Infektion oder eine Erkrankung, die Hornhaut oder Lederhaut auflöst; das ist hier nicht gemeint.

Welche Gegenstände sind typisch?

Typisch sind spitze und scharfe Gegenstände, schnell fliegende Splitter und heftige Schläge.

  • Scharfe und spitze Gegenstände: Messer, Scheren, Glasscherben, Nägel, Drähte, Schraubenzieher, Stifte, Äste und zurückschnellende Zweige.
  • Schnelle Splitter: Metall beim Hämmern auf Metall, Meißeln, Schleifen, Bohren, Sägen, Fräsen, in der Gießerei; Stein- und Holzsplitter.
  • Explosionen und Geschosse: Feuerwerk, Sprengstoff, Luft- und Schreckschusswaffen, Schrot, Paintball- und Gummigeschosse.
  • Verkehrsunfälle: zerbrochene Windschutzscheiben, Glassplitter, Aufprall auf Lenkrad oder Armaturenbrett.
  • Stumpfe Gewalt: Stürze, Faustschläge, Bälle, Sportgeräte, Kanten von Möbeln.

Warum ist Hämmern so gefährlich?

Beim Schlag von Metall auf Metall lösen sich winzige, scharfkantige Splitter mit sehr hoher Geschwindigkeit. Sie durchschlagen Hornhaut oder Lederhaut so schnell, dass der Lidschlussreflex nicht mehr schützt. In einer kubanischen Serie von 38 Augen mit Fremdkörper im Augeninneren war Hämmern Metall auf Metall bei über 80 % die Ursache, fast zwei Drittel passierten zu Hause und fast niemand trug einen Augenschutz. In der Münchner Serie waren 84 % der Splitter im Auge aus Metall.

Wie platzt ein Auge bei stumpfer Gewalt?

Ein harter Schlag drückt den Augapfel kurz zusammen, der Druck im Inneren steigt schlagartig, und die Wand reißt dort, wo sie am dünnsten ist. Das ist nicht unbedingt die Stelle, an der der Schlag traf. Schwachstellen sind der Übergang von Hornhaut zu Lederhaut (Limbus), die Lederhaut hinter den Ansätzen der geraden Augenmuskeln, der Bereich um den Sehnerv und alte Operationsnarben. Ein Augapfelriss ist meist schwerer als eine einfache Schnittwunde, weil mehr Gewebe beschädigt wird und austreten kann.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Das höchste Risiko haben junge Männer bei handwerklicher Arbeit ohne Schutzbrille, daneben Kinder und sturzgefährdete ältere Menschen.

  • Männer zwischen etwa 20 und 45 Jahren, vor allem bei Handwerk, Metall- und Holzarbeit, Landwirtschaft und Heimwerken.
  • Menschen ohne Schutzbrille: In Umfragen der Amerikanischen Akademie für Augenheilkunde trugen 78 % der Verletzten keinen Augenschutz; im US-Verletzungsregister trugen bei Splitterverletzungen nur 3 % Schutz.
  • Menschen mit früheren Augenoperationen: Narben nach Operationen am Grauen Star oder nach Hornhauttransplantation reißen leichter.
  • Ältere, sturzgefährdete Menschen: In Aachen waren Stürze und kurze Ohnmachten im Haushalt die häufigste Ursache offener Verletzungen.
  • Kinder: Spiel mit Scheren, Messern, Stiften, Stöcken, Pfeil und Bogen, Spielzeugwaffen und Feuerwerk.
  • Alkohol: erhöht Sturz- und Unfallgefahr und fördert Gewalt.

Welche Rolle spielen Arbeit, Freizeit und Feuerwerk?

In Deutschland wurden den Unfallversicherungen in einem einzigen Jahr rund 24.000 Augenschäden bei der Arbeit gemeldet, von leicht bis schwer. Viele wären mit einer Schutzbrille vermeidbar gewesen. Heute verlagern sich schwere Verletzungen zunehmend in Freizeit, Sport und Heimwerken. Zum Jahreswechsel 2023/24 zählte eine Umfrage der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) unter deutschen Augenkliniken 781 Menschen mit Augenverletzungen durch Feuerwerk.

In der Schweiz zählt die Unfallversicherung Suva jährlich rund 40.800 Unfälle mit einer Augenverletzung als Hauptdiagnose, davon gut 26.000 bei der Arbeit. In Spanien zeigte eine große Studie, dass Verkehrsunfälle zwar nur 15 % der Augenverletzungen ausmachten, aber besonders oft durchdringend und damit schwer waren.

Was macht eine Infektion nach der Verletzung wahrscheinlicher?

Das Infektionsrisiko steigt mit der Zeit bis zur Versorgung, mit einem Fremdkörper im Auge, mit einer Verletzung der Linsenkapsel und mit Verschmutzung durch Erde oder Pflanzenmaterial. Unfälle auf dem Land, im Garten oder in der Landwirtschaft sind deshalb besonders heikel. Ein gefürchteter Keim bei solchen Verletzungen ist Bacillus cereus, ein Bodenbakterium, das ein Auge innerhalb von Stunden zerstören kann.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (9)

Wie wird eine offene Augenverletzung festgestellt?

Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt aus dem Unfallhergang, der Untersuchung an der Spaltlampe (einem Mikroskop für das Auge) und meist einer Computertomografie. Dabei wird das Auge so wenig wie möglich berührt. Bei schweren Mehrfachverletzungen werden lebensbedrohliche Verletzungen zuerst versorgt.

Welche Fragen werden gestellt?

Der Unfallhergang ist oft der wichtigste Hinweis. Rechnen Sie mit diesen Fragen und geben Sie, wenn möglich, Reste des Werkzeugs oder Gegenstands mit:

  • Was genau ist passiert, wann und wo?
  • Womit: Metall, Glas, Holz, Kunststoff, Stein, Pflanzenmaterial? Welches Werkzeug?
  • Wurde eine Schutzbrille getragen?
  • Wann haben Sie zuletzt gegessen oder getrunken? (wichtig für die Narkose)
  • Gab es frühere Augenoperationen, Augenerkrankungen, Allergien?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein, vor allem blutverdünnende?
  • Wann war die letzte Tetanusimpfung?

Was wird am Auge untersucht?

Zuerst wird die Sehschärfe beider Augen bestimmt, notfalls nur grob: Fingerzählen, Handbewegungen, Lichtwahrnehmung. Dieser Ausgangswert ist der wichtigste einzelne Hinweis auf die spätere Prognose. Danach prüft die Ärztin die Form und Lichtreaktion der Pupillen, die Augenbeweglichkeit und an der Spaltlampe Hornhaut, Lederhaut, Vorderkammer, Iris, Linse und, wenn möglich, Glaskörper und Netzhaut.

Die Lider werden dabei vorsichtig über dem Knochen angehoben, ohne auf den Augapfel zu drücken. Mit Fluorescein-Farbstoff zeigt der Seidel-Test, ob Kammerwasser aus einer Wunde austritt.

Warum wird der Augendruck nicht gemessen?

Bei Verdacht auf eine offene Verletzung wird der Augeninnendruck nicht gemessen, solange die Verletzung nicht ausgeschlossen ist. Jedes Messgerät drückt auf das Auge und könnte Augeninhalt aus der Wunde pressen. Aus demselben Grund wird ein Ultraschall vor der Operation, wenn überhaupt, nur sehr vorsichtig und ohne Druck gemacht.

Welche Bildgebung ist nötig?

Die Computertomografie (CT) der Augenhöhle ist die Standarduntersuchung. Sie zeigt Metall- und viele andere Fremdkörper, Knochenbrüche der Augenhöhle und Verformungen des Augapfels. Ein unauffälliges CT schließt eine offene Verletzung aber nicht sicher aus: Studien geben eine Trefferquote von nur etwa 56–68 % an. Entscheidend bleibt die augenärztliche Untersuchung, im Zweifel in Narkose im Operationssaal.

VerfahrenWofürGrenzen
Computertomografie (CT)Erste Wahl; Metallsplitter, Knochenbrüche, Lage von FremdkörpernKleine Wunden und manche Holz- oder Kunststoffteile können übersehen werden
RöntgenGrober Nachweis von Metall, wo kein CT verfügbar istÜbersieht nicht-metallische Fremdkörper
UltraschallNetzhaut, Glaskörper, Holz, Glas, KunststoffNur ohne Druck; vor dem Wundverschluss oft nicht empfohlen
Magnetresonanztomografie (MRT)Nicht-metallische Fremdkörper, wenn Metall sicher ausgeschlossen istBei möglichem Metallsplitter verboten
OCT, UltraschallbiomikroskopieFeine Darstellung vorderer Augenabschnitte und kleiner FremdkörperMeist erst nach dem Wundverschluss

Warum ist eine Kernspintomografie gefährlich?

Ein Magnetresonanztomograf (MRT, Kernspin) arbeitet mit einem starken Magnetfeld. Ein eisenhaltiger Splitter im Auge kann sich darin bewegen und das Auge zusätzlich schwer verletzen. Deshalb gilt: Solange ein Metallsplitter möglich ist, kein MRT. Sagen Sie bei jeder späteren MRT-Untersuchung, dass Sie eine Splitterverletzung am Auge hatten.

Was ist der Ocular Trauma Score?

Der Ocular Trauma Score (OTS) ist ein Punktesystem, das aus wenigen Befunden die Wahrscheinlichkeit für das Sehergebnis nach sechs Monaten schätzt. Er wurde aus rund 2.500 Augenverletzungen des US-Registers entwickelt. Eingang finden die Sehschärfe bei Aufnahme, ein Augapfelriss, eine durchschlagende Verletzung, ein Fremdkörper, eine Infektion, eine Netzhautablösung und ein Pupillendefekt. Der Score hilft bei der Aufklärung, ersetzt aber keine Einzelfallentscheidung; Aachener Autoren betonen, dass er allein keine sicheren Therapieentscheidungen erlaubt.

In welche Zonen wird die Verletzung eingeteilt?

Die Lage der Wunde wird in drei Zonen eingeteilt, weil sie viel über die Aussichten verrät:

  • Zone I: Hornhaut und Hornhautrand (Limbus). Meist die günstigste Lage.
  • Zone II: vom Limbus bis 5 mm dahinter, mit Linse und vorderen Strukturen.
  • Zone III: mehr als 5 mm hinter dem Limbus, mit Netzhaut, Aderhaut und Sehnerv. Meist die ungünstigste Lage.

In München lag etwa die Hälfte der Verletzungen in Zone I und knapp ein Drittel in Zone III.

Womit kann eine offene Verletzung verwechselt werden?

Ein Merksatz französischer Lehrbücher lautet: Bevor man eine Prellung diagnostiziert, muss eine offene Wunde ausgeschlossen sein. Ähnliche Beschwerden machen:

  • Fremdkörper im Auge, die nur auf Hornhaut oder Bindehaut liegen,
  • Hornhautabschürfungen (Erosionen), die stark schmerzen, aber meist in ein bis zwei Tagen heilen,
  • Prellungen des Auges mit Blut in der Vorderkammer, aber dichter Augenwand,
  • ein Augenhöhlenbruch mit Doppelbildern, eingesunkenem Auge und tauber Wange,
  • eine Einblutung in die Augenhöhle mit Druck auf den Sehnerv (orbitales Kompartmentsyndrom), ebenfalls ein Sofortnotfall,
  • Verletzungen der Lider, hinter denen sich eine Verletzung des Augapfels verbergen kann,
  • eine Verätzung des Auges, bei der anders als bei der offenen Verletzung sofort gespült werden muss.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (14)

Wie wird eine offene Augenverletzung behandelt?

Eine offene Augenverletzung wird fast immer operiert, in Vollnarkose und möglichst innerhalb von 24 Stunden. Ziel ist, das Auge wasserdicht zu verschließen, Fremdkörper zu entfernen, eine Infektion zu verhindern und so viel Sehen wie möglich zu erhalten. Vorher sichern Schutzkappe, Antibiotika, Tetanusschutz und Mittel gegen Übelkeit das Auge.

Was tun Rettungsdienst und Notaufnahme vor der Operation?

Vor der Operation wird das Auge geschützt, eine Infektion vorbeugend behandelt und alles vermieden, was den Druck im Auge erhöht.

  • Starre Schutzkappe: Eine Kunststoff- oder Metallschale wird so befestigt, dass sie auf dem Knochen rund um das Auge aufliegt und nicht auf dem Augapfel. Kein Druckverband, keine Kompresse direkt auf dem Auge.
  • Nüchtern bleiben: Nichts essen und nichts trinken, weil die Operation in Vollnarkose stattfindet.
  • Mittel gegen Übelkeit und Schmerzen: Erbrechen, Pressen und starkes Husten erhöhen den Druck im Auge und können Augeninhalt herauspressen.
  • Antibiotika über die Vene: meist früh, häufig eine Kombination aus zwei Wirkstoffen, die viele Bakterien abdeckt, zum Beispiel Vancomycin und Ceftazidim. Ein einheitliches Schema gibt es nicht.
  • Tetanusschutz: wird geprüft und bei Bedarf aufgefrischt.
  • Keine Salben und keine Kortisontropfen: Salbe kann ins Augeninnere gelangen, Kortison erhöht vor dem Wundverschluss das Risiko für Pilzinfektionen.
  • Kopf leicht hoch lagern und ruhig liegen.

Warum ist eine Vollnarkose nötig?

Weil eine örtliche Betäubung durch eine Spritze neben das Auge den Druck in der Augenhöhle erhöhen und Augeninhalt aus der Wunde pressen kann. Zudem muss die Patientin oder der Patient während der feinen Naht absolut ruhig liegen. Deshalb fragt die Narkoseärztin so genau nach der letzten Mahlzeit.

Wie schnell muss operiert werden?

Die Erstversorgung soll nach den Empfehlungen der Amerikanischen Akademie für Augenheilkunde idealerweise innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Wunden, die nicht von selbst dicht sind, sollten innerhalb von 12 bis 24 Stunden verschlossen werden. Noch dringlicher sind verschmutzte Wunden, Fremdkörper im Auge, Unfälle auf dem Land und Verletzungen der Linse. Eine große spanische Auswertung zeigte, dass eine um mehr als 24 Stunden verzögerte Entfernung eines Fremdkörpers das Infektionsrisiko von 3,5 % auf 13,4 % steigen ließ.

Was passiert bei der ersten Operation?

Unter dem Operationsmikroskop untersucht die Chirurgin oder der Chirurg den gesamten Augapfel, oft nach einem Schnitt in die Bindehaut rund um die Hornhaut, um versteckte Risse zu finden. Dann wird die Wunde Schicht für Schicht mit sehr feinen, nicht auflösbaren Fäden verschlossen, an der Hornhaut zum Beispiel mit Nylonfäden, die dünner als ein Haar sind.

  • Vorgefallenes Gewebe wie Iris oder Aderhaut wird möglichst zurückverlagert; nur abgestorbenes oder stark verschmutztes Gewebe wird entfernt.
  • Kein Gewebe darf in der Wunde eingeklemmt bleiben, weil das Infektionen und die sympathische Ophthalmie begünstigt.
  • Blut und Fremdmaterial werden aus der Vorderkammer gespült, die Kammer wird mit Flüssigkeit wieder aufgefüllt, damit der Augendruck sich normalisiert.
  • Leicht erreichbare Fremdkörper werden direkt entfernt.
  • Je nach Infektionsrisiko werden Antibiotika direkt ins Auge gegeben.
  • Große Defekte lassen sich mit Gewebekleber, einer Membran oder einem Flicken aus Spenderlederhaut verschließen.

Der genaue Ablauf wird oft erst während der Operation festgelegt, je nachdem, was die Chirurgin vorfindet. Darüber werden Sie vorher aufgeklärt.

Wie wird ein Splitter im Auge entfernt?

Ein Fremdkörper im Augeninneren muss operativ entfernt werden, je nach Lage gleich bei der ersten Operation oder in einem zweiten Eingriff kurz danach. Liegt er weit hinten, wird er im Rahmen einer Vitrektomie entfernt, also einer mikrochirurgischen Entfernung des Glaskörpers. In München gelang die Entfernung bei knapp 95 % der Fremdkörper.

Die Dringlichkeit hängt auch vom Material ab. Eisen und Kupfer sind giftig für das Auge und schädigen Netzhaut und Linse über Wochen (Metallose), Kupfer kann sehr heftige Entzündungen auslösen. Glas, Stein und viele Kunststoffe verhalten sich dagegen oft neutral. Pflanzliche oder erdige Fremdkörper tragen ein besonders hohes Infektionsrisiko.

Was passiert bei einer durchschlagenden Verletzung?

Bei einer perforierenden Verletzung mit Ein- und Austrittswunde wird zuerst die vordere Eintrittswunde verschlossen. Die hintere Austrittswunde ist schwer erreichbar und verschließt sich oft von selbst oder wird später bei einer Glaskörperoperation versorgt. Ziel der späteren Vitrektomie ist auch, Narbenzug entlang des Wundkanals und damit eine Netzhautablösung zu verhindern.

Braucht man oft mehrere Operationen?

Ja, viele Betroffene brauchen mehr als einen Eingriff. Fachleute unterscheiden zwei Wege: entweder zuerst nur den Wundverschluss und einige Tage später die Glaskörperoperation, oder alles in einem Eingriff. Welcher Weg besser ist und wann der beste Zeitpunkt für die zweite Operation liegt, ist unter Fachleuten umstritten. Eine frühe Vitrektomie innerhalb der ersten vier bis sieben Tage kann nach einigen Studien die gefürchtete Narbenbildung an der Netzhaut vermindern.

Mögliche Folgeeingriffe:

  • Glaskörperoperation bei Glaskörperblutung, Netzhautablösung, Fremdkörper oder Infektion,
  • Operation des verletzungsbedingten Grauen Stars mit Kunstlinse, oft erst nach Abheilung,
  • Laserbehandlung der Netzhaut,
  • Hornhauttransplantation bei störender Hornhautnarbe,
  • Operationen gegen erhöhten Augeninnendruck,
  • Wiederherstellung der Iris, etwa gegen Blendung.

In der Aachener Serie ließ sich die Sehschärfe nach mehr als drei Eingriffen im Durchschnitt nicht weiter verbessern.

Wie wird eine Infektion im Auge verhindert und behandelt?

Der wichtigste Schutz ist der rasche, dichte Wundverschluss. Dazu kommen Antibiotika über die Vene, oft für einige Tage, teilweise als Tabletten mit Wirkstoffen, die gut ins Auge gelangen, und bei hohem Risiko Antibiotika direkt ins Auge. Wie gut die einzelnen Maßnahmen wirken, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt; die Schemata unterscheiden sich zwischen Ländern und Kliniken. Bei Kindern raten französische Fachleute von bestimmten Antibiotika (Fluorchinolonen) ab und nennen andere Wirkstoffe.

Kommt es trotzdem zu einer Endophthalmitis, werden sofort Antibiotika in den Glaskörper gespritzt, eine Probe zur Keimbestimmung entnommen und oft der Glaskörper operativ entfernt. Die Behandlung wartet nicht auf das Laborergebnis.

Muss das Auge entfernt werden?

Nur selten. Ziel ist heute fast immer, das Auge zu erhalten – auch wenn es bei Aufnahme kein Licht mehr wahrnimmt. Eine sofortige Entfernung kommt nur bei extremem Gewebeverlust infrage, wenn sich das Auge nicht mehr verschließen lässt. Ist das Auge nach der Versorgung blind, schmerzhaft oder schrumpft es, kann später eine Entfernung nötig werden.

Fachleute unterscheiden die Enukleation (Entnahme des ganzen Augapfels) und die Eviszeration (Ausräumung des Inhalts, die Lederhaut bleibt). Danach wird ein Platzhalter eingesetzt und später eine individuell angefertigte Augenprothese angepasst, die äußerlich dem anderen Auge ähnelt. In Aachen war der Augapfelriss der häufigste Grund für eine Entfernung.

Was gilt in den ersten Wochen nach der Operation?

In den ersten Wochen braucht das Auge Schutz, Schonung, regelmäßige Tropfen und engmaschige Kontrollen.

  • Die Schutzkappe wird ständig getragen, auch im Schlaf.
  • Das Auge nicht reiben und nicht darauf drücken.
  • Mindestens sechs Wochen nicht schwer heben, keinen Sport, nicht schwimmen.
  • Tropfen nach Plan: meist Antibiotika, entzündungshemmende Tropfen und Tropfen, die die Pupille weit stellen und ruhigstellen.
  • Kontrollen anfangs sehr engmaschig, oft täglich im Krankenhaus, wegen des Infektionsrisikos und um den Augendruck zu überwachen.
  • Später Kontrollen etwa nach einem, drei und sechs Monaten und dann nach Bedarf, oft über Jahre.

Wie lange ist man krankgeschrieben?

Meist ein bis drei Monate, wie die Schweizer Augenklinik Jules-Gonin in Lausanne angibt. Bei körperlich schwerer Arbeit kann es länger dauern, bei Büroarbeit kürzer. Entscheidend sind Heilung, Sehvermögen und die Anforderungen des Berufs.

Darf ich danach Auto fahren?

Nicht, solange das Auge abgedeckt ist oder das Sehen eingeschränkt ist. Nach einem dauerhaften Verlust des Sehens auf einem Auge gilt eine gesetzliche Wartezeit, in der man nicht fahren darf. In Deutschland sind das für Pkw und Motorrad mindestens drei Monate; danach darf man erst nach augenärztlicher Untersuchung und Beratung wieder fahren (Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 6). In Österreich darf in den ersten sechs Monaten nach Eintritt der Einäugigkeit keine Lenkberechtigung erteilt oder belassen werden (Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung, § 8). Auch danach muss das verbliebene Auge die Mindestanforderungen an Sehschärfe und Gesichtsfeld erfüllen. Für Lkw und Bus gelten strengere Anforderungen, die mit nur einem sehenden Auge in der Regel nicht erfüllt werden. Klären Sie das mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.

Wer bezahlt die Behandlung?

Die Notfallversorgung und die nötigen Operationen bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung, in Österreich über die e-card, teils mit Selbstbehalten. Passiert der Unfall bei der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg, ist in Deutschland meist die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse zuständig, in Österreich die AUVA. Sagen Sie in der Klinik deshalb ausdrücklich, dass es ein Arbeitsunfall war, und melden Sie ihn dem Arbeitgeber.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (8)

Werde ich wieder sehen können?

Das ist sehr unterschiedlich und lässt sich am Anfang oft nur grob abschätzen. Am günstigsten sind gute Sehschärfe bei Aufnahme und eine Wunde nur an der Hornhaut. Ungünstig sind sehr schlechtes Anfangssehen, ein Augapfelriss, eine Wunde weit hinten, eine Netzhautablösung und eine Infektion. Kein einzelner Befund macht die Lage aber völlig hoffnungslos.

Welche Faktoren beeinflussen die Prognose?

Am stärksten zählen die Sehschärfe bei Aufnahme, die Lage und Größe der Wunde und eine Beteiligung der Netzhaut.

Eher günstigEher ungünstig
Gute Sehschärfe bei AufnahmeNur Lichtwahrnehmung oder gar kein Licht
Wunde in Zone I (Hornhaut)Wunde in Zone III, weit hinten
Kleine, glatte SchnittwundeAugapfelriss, große Wunde (ab etwa 10 mm)
Netzhaut nicht beteiligtNetzhautablösung, Glaskörperblutung
Rasche VersorgungVerzögerte Versorgung, Infektion
Pupille reagiert normalPupillendefekt (Hinweis auf Netzhaut- oder Sehnervschaden)
Jüngeres Alter bei ErwachsenenHöheres Alter; bei Kindern unter 5–6 Jahren Gefahr der Schwachsichtigkeit

Was zeigen Studien zum Sehergebnis?

Offene Verletzungen haben im Vergleich zu geschlossenen deutlich schlechtere Ergebnisse. Eine kubanische Facharbeit nennt aus der Literatur: Etwa 55 % der offenen, aber nur 8 % der geschlossenen Verletzungen enden mit schlechtem Sehen. In der Münchner Serie war das Sehen bei Beteiligung des hinteren Augenabschnitts im Mittel deutlich schlechter als ohne.

Es gibt aber auch ermutigende Zahlen. In Aachen erreichten von den 16 Patientinnen und Patienten, die bei Aufnahme kein Licht mehr wahrnahmen, nach der Behandlung 11 (69 %) wieder das Erkennen von Handbewegungen oder das Zählen von Fingern – ein sehr eingeschränktes, aber vorhandenes Sehen. Im US-Verletzungsregister gewann etwa jedes achte Auge ohne Lichtwahrnehmung etwas Sehen zurück. Vor der Zeit der modernen Glaskörperchirurgie endeten dagegen rund drei Viertel der Augen mit hinteren Verletzungen bei Handbewegungen oder schlechter.

Wie häufig ist eine Infektion im Auge?

Eine Endophthalmitis tritt nach offenen Augenverletzungen in Studien bei etwa 2–7 % auf, in einzelnen Serien zwischen 0 und gut 16 %. In Aachen waren es 4 %. Steckt ein Fremdkörper im Auge, liegt das Risiko bei etwa 7–13 %, bei Verschmutzung mit Erde oder Pflanzenmaterial bis 30 %. Infektionen nach Verletzungen sind 10- bis 100-mal häufiger als nach geplanten Augenoperationen und verlaufen oft schwerer, bei Bacillus-Infektionen besonders schwer.

Welche weiteren Komplikationen gibt es?

Häufig sind Netzhautablösung, Glaskörperblutung, Grauer Star und erhöhter Augendruck; manche Folgen zeigen sich erst nach Monaten oder Jahren.

  • Netzhautablösung: auch Wochen später durch Narbenzug im Glaskörper (proliferative Vitreoretinopathie); nach einer verletzungsbedingten Netzhautablösung ist die Sehprognose oft schlecht.
  • Glaskörperblutung: trübt das Sehen, verzögert die Erholung und kann eine Operation nötig machen.
  • Grauer Star durch Verletzung: sehr häufig, wenn die Linse getroffen wurde; wird operiert.
  • Verschobene Linse: durch gerissene Haltefasern.
  • Erhöhter Augeninnendruck (Sekundärglaukom): auch Jahre später möglich, deshalb Druckkontrollen.
  • Hornhautnarbe und Hornhautverkrümmung: verschwommenes Sehen, teils Kontaktlinse oder Hornhauttransplantation nötig.
  • Irisschaden: Blendung durch eine verformte oder zu weite Pupille.
  • Sehnervschaden: wird teils erst später sichtbar und erholt sich kaum.
  • Schrumpfauge (Phthisis bulbi): das Auge stellt die Kammerwasserbildung ein, wird weich und kleiner.
  • Metallose: Schädigung durch zurückgebliebene Eisen- oder Kupferteile.
  • Psychische Folgen: Angst, Schlafstörungen, Trauer über den Sehverlust; nach Verlust eines Auges selten Phantomwahrnehmungen.

Was ist die sympathische Ophthalmie?

Die sympathische Ophthalmie ist eine sehr seltene Entzündung, bei der nach der Verletzung eines Auges auch das gesunde andere Auge erkrankt. Vermutlich reagiert das Immunsystem auf Gewebe aus dem Augeninneren, das durch die Verletzung freigelegt wurde, und greift dann die mittlere Augenhaut (Uvea) beider Augen an. Unbehandelt kann sie zur Erblindung auf beiden Augen führen.

Ältere Angaben nennen eine Häufigkeit von 0,2–0,5 % nach durchdringenden Verletzungen; neuere Auswertungen kommen auf deutlich niedrigere Werte, die spanische Augenärztliche Gesellschaft nennt etwa 0,06 %. Die Erkrankung beginnt meist zwei bis zwölf Wochen nach dem Unfall, 80 % in den ersten drei Monaten und 90 % im ersten Jahr; Einzelfälle traten nach Tagen oder erst Jahrzehnte später auf.

Welche Warnzeichen am gesunden Auge?

Frühe Zeichen können mild sein: Lichtempfindlichkeit, Tränen, leichte Schmerzen oder Reizung, Schwebeteilchen, verschwommenes Sehen und Schwierigkeiten beim Scharfstellen in der Nähe. Melden Sie solche Beschwerden am nicht verletzten Auge sofort, auch wenn sie harmlos wirken.

Wie wird sie behandelt?

Mit hochdosiertem Kortison, anfangs meist als Tabletten, und später langfristig mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen. Rechtzeitig behandelt spricht sie nach heutiger Einschätzung meist gut an.

Muss das verletzte Auge vorsorglich entfernt werden?

Nein, eine vorsorgliche Entfernung eines Auges mit Sehaussicht wird nicht mehr empfohlen. Eine Metaanalyse, über die das Deutsche Ärzteblatt 2024 berichtete, kam zu dem Schluss, dass das geringe Risiko diesen Schritt nicht rechtfertigt. Nur bei einem schwer zerstörten, erblindeten Auge ohne jede Sehaussicht kann eine Entfernung innerhalb von etwa zwei Wochen erwogen werden. Hat die Entzündung schon begonnen, hilft die Entfernung dem anderen Auge nicht mehr, und auch eine frühe Entfernung schützt nicht sicher.

Was bedeutet die Verletzung für Kinder?

Bei Kindern droht zusätzlich eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie): Das Gehirn lernt, das schlechter sehende Auge zu ignorieren, und das Sehen bleibt dauerhaft schwach, selbst wenn das Auge gut heilt. Das Risiko ist bei Kindern unter etwa sechs Jahren am größten. Deshalb gehören zur Nachsorge oft Brille oder Kontaktlinse, Abkleben des gesunden Auges und Kontrollen in der Sehschule. Nach französischen Daten erreicht etwa die Hälfte der Kinder nach einer offenen Verletzung vorne am Auge eine Sehschärfe von mehr als 50 %.

Wie lebt man mit einem Auge?

Viele Menschen kommen mit einem gut sehenden Auge im Alltag und Beruf gut zurecht. Anfangs fällt das Abschätzen von Entfernungen schwer, etwa beim Eingießen, Treppensteigen oder Einparken; das Gehirn gewöhnt sich aber über Wochen bis Monate daran. Wichtig ist dann der Schutz des verbliebenen Auges: Französische Fachleute raten Kindern mit nur einem funktionierenden Auge von Kontaktsportarten ab und empfehlen bei Risikosport und Arbeit konsequent bruchfeste Schutzbrillen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (8)

Wie kann ich offenen Augenverletzungen vorbeugen?

Die wirksamste Vorbeugung ist eine geeignete Schutzbrille bei allen Tätigkeiten, bei denen Splitter, Späne oder Teile fliegen können. Die meisten schweren Augenverletzungen gelten als vermeidbar; die oft genannte Zahl von 90 % ist allerdings eine Schätzung von Fachleuten, keine gesicherte Messung.

Wann sollte ich eine Schutzbrille tragen?

Immer dann, wenn Teile, Splitter, Späne oder Flüssigkeiten in Richtung Gesicht fliegen können.

  • beim Hämmern, vor allem Metall auf Metall, und beim Meißeln,
  • beim Schleifen, Trennen, Bohren, Fräsen, Sägen,
  • bei Holzarbeiten, Heckenschneiden, Rasenmähen und Rasentrimmen,
  • beim Arbeiten mit Draht, Federn und unter Spannung stehenden Teilen,
  • beim Umgang mit Chemikalien und Reinigungsmitteln,
  • bei Feuerwerk, auch als Zuschauerin oder Zuschauer in der Nähe,
  • bei Squash und anderen Sportarten mit schnellen kleinen Bällen oder Schlägern,
  • beim Schweißen mit speziellem Schweißschutz.

Welche Schutzbrille ist geeignet?

Geeignet ist eine geprüfte Schutzbrille mit Seitenschutz oder eine geschlossene Korbbrille, bei groben Arbeiten ein Gesichtsschutz. Splitter prallen oft ab und kommen von der Seite. Eine normale Korrekturbrille oder Sonnenbrille schützt nicht und kann selbst zersplittern; Kontaktlinsen schützen gar nicht. Achten Sie auf die Kennzeichnung nach europäischer Norm und darauf, dass die Brille bequem sitzt, denn nur eine Brille, die man gerne trägt, schützt auch.

Warum passiert so viel zu Hause?

Weil im Betrieb Schutzbrillen Pflicht sind, beim Heimwerken aber oft vergessen werden. In US-Umfragen passierte fast die Hälfte aller Augenverletzungen zu Hause, und nur etwa ein Drittel trug bei Reparaturen immer eine Schutzbrille. Bewahren Sie deshalb eine Schutzbrille direkt beim Werkzeug auf. Schon „nur kurz einen Nagel einschlagen“ kann reichen.

Was gilt am Arbeitsplatz?

Arbeitgeber müssen geeignete Schutzausrüstung zur Verfügung stellen, in Deutschland nach den Regeln der Berufsgenossenschaften und der DGUV, in Österreich unterstützt durch AUVA und Arbeitsinspektion. Die Schweizer Suva rät, die Brille vom ersten Arbeitstag an zu tragen, und betont die Vorbildwirkung von Vorgesetzten. Auch mit Schutzbrille können Partikel über Haare, Stirn oder Hände ins Auge gelangen; reinigen Sie deshalb Gesicht und Hände, bevor Sie die Brille abnehmen.

Wie schütze ich Kinder?

Kinder schützt vor allem, dass spitze Gegenstände, Feuerwerk und Spielzeugwaffen für sie unerreichbar sind.

  • Scheren, Messer, spitze Werkzeuge, Pfeile und Spielzeugwaffen außer Reichweite oder nur unter Aufsicht,
  • kein Spiel mit Böllern, Raketen, Luftgewehren, Schreckschusswaffen oder Gummigeschossen,
  • beim Laufen keine Stifte, Stöcke oder Scheren in der Hand,
  • Schutzbrille bei Risikosportarten, besonders bei Kindern, die nur auf einem Auge gut sehen,
  • im Auto immer korrekt angeschnallt, Babyschalen entgegen der Fahrtrichtung; der Airbag kann bei falsch sitzenden Kindern schwere Augenverletzungen verursachen.

Wie verhindere ich Stürze bei älteren Menschen?

Da Stürze bei älteren Menschen die häufigste Ursache sind, hilft alles, was Stürze verhindert: gute Beleuchtung, keine Stolperfallen, Haltegriffe, Abklärung von Schwindel und Ohnmachten sowie eine Überprüfung von Medikamenten, die müde oder schwindelig machen. Wer bereits am Auge operiert wurde, sollte besonders aufpassen.

Was kann ich nach einer Verletzung selbst tun?

Sie können viel beitragen, indem Sie Kontrollen einhalten und beide Augen aufmerksam beobachten.

  • Alle Kontrolltermine wahrnehmen, auch wenn das Auge sich gut anfühlt.
  • Auf Schmerz, Rötung und Sehverschlechterung am verletzten Auge achten.
  • Das gesunde Auge beobachten und Reizung, Lichtscheu oder Sehstörungen sofort melden.
  • Das verbliebene oder gesunde Auge konsequent schützen.
  • Bei jeder späteren MRT-Untersuchung auf die frühere Splitterverletzung hinweisen.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (5)

Wann muss ich sofort den Notruf wählen?

Sofort, wenn Sie eine offene Augenverletzung vermuten: Rufen Sie in Deutschland 112, in Österreich 144 oder 112, oder lassen Sie sich unverzüglich in die nächste Augenklinik bringen. Fahren Sie nicht selbst. Warten Sie nicht bis zum nächsten Tag, auch wenn es kaum wehtut. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie auf unserer Seite Notfall am Auge.

Sofortiger Notfall ist jede dieser Situationen:

  • ein Gegenstand steckt im Auge,
  • ein Schnitt oder Stich am Auge, etwa durch Messer, Schere, Glas oder Ast,
  • ein Splitter ist beim Hämmern, Meißeln, Schleifen, Bohren oder durch eine Explosion ins Auge geflogen – auch ohne sichtbare Wunde,
  • die Pupille ist verzogen, tropfenförmig oder unrund,
  • Flüssigkeit oder dunkles Gewebe tritt aus dem Auge,
  • plötzlicher Sehverlust oder deutlich schlechteres Sehen nach einer Verletzung,
  • starke Schmerzen, Übelkeit, Blut im Auge nach einem Schlag oder Sturz,
  • das Auge lässt sich nicht öffnen oder bewegen.

Was ist die richtige Erste Hilfe?

Die richtige Erste Hilfe heißt: schützen statt behandeln – nichts entfernen, nicht drücken, Kappe drauf, nüchtern bleiben, Notruf.

  1. Nichts entfernen. Einen steckenden Gegenstand oder Splitter nicht herausziehen und nicht daran wackeln.
  2. Nicht drücken, nicht reiben. Keinen Druck auf das Auge ausüben, das Lid nicht aufziehen.
  3. Nicht spülen, keine Tropfen, keine Salbe. Spülen ist nur bei Chemikalien richtig.
  4. Starre Kappe ohne Druck. Den Boden eines Papp- oder Plastikbechers über das Auge stülpen und mit Pflaster an Stirn und Wange befestigen, sodass der Rand auf dem Knochen liegt. Steckt ein Gegenstand, muss er im Becher Platz haben. Keine Kompresse fest auf das Auge drücken.
  5. Das andere Auge möglichst auch schließen. Weil sich beide Augen gemeinsam bewegen, hält das das verletzte Auge ruhiger.
  6. Nüchtern bleiben. Nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen – meist folgt eine Operation in Vollnarkose.
  7. Keine Schmerzmittel auf eigene Faust. Die Amerikanische Akademie für Augenheilkunde rät von Acetylsalicylsäure und Ibuprofen ab, weil sie Blutungen verstärken können.
  8. Ruhig bleiben, mit leicht erhöhtem Oberkörper sitzen oder liegen, nicht pressen, nicht bücken.
  9. Notruf 112 (Österreich 144 oder 112) oder Transport in eine Augenklinik; Medikamentenliste und Impfpass mitnehmen, Reste des Gegenstands wenn möglich auch.

Was ist anders als bei einer Verätzung oder einem Staubkorn?

Bei Chemikalien im Auge, etwa Kalk, Zement, Laugen oder Säuren, gilt das Gegenteil: sofort und mindestens 15 bis 20 Minuten mit viel Wasser spülen, dann in die Klinik. Ein Staubkorn oder eine Wimper, die locker auf dem Auge liegt, darf man ausspülen. Bei jeder Verletzung durch Splitter, Stich oder Schnitt dagegen nicht spülen, sondern schützen und sofort fahren lassen.

Wann muss ich nach der Operation sofort wiederkommen?

Sofort, wenn sich das verletzte Auge verschlechtert oder das gesunde Auge Beschwerden macht.

  • bei zunehmenden Schmerzen, stärkerer Rötung, Eiter oder Ausfluss,
  • bei plötzlicher Sehverschlechterung, Lichtblitzen, einem Schatten oder Vorhang,
  • bei Fieber oder starkem Kopfschmerz mit Übelkeit,
  • wenn die Wunde wieder nässt oder die Schutzkappe auf das Auge gedrückt hat,
  • bei Reizung, Lichtscheu, Schwebeteilchen oder Sehstörungen am gesunden Auge.

Wann reicht ein Termin in den nächsten Tagen?

Bei einer offenen Verletzung nie. In den nächsten Tagen klären lassen kann man nur leichte, gleichbleibende Beschwerden nach einer sicher oberflächlichen Verletzung, etwa eine kleine Rötung nach einem ausgespülten Staubkorn. Sobald Metall, Hämmern, Schleifen, etwas Spitzes oder ein schlechteres Sehen im Spiel ist, gilt: am selben Tag, besser sofort.

9 Häufige Fragen

Darf ich einen Splitter oder Gegenstand selbst aus dem Auge ziehen?

Nein. Ein steckender Gegenstand verschließt die Wunde oft teilweise; beim Herausziehen kann Augeninhalt austreten und die Verletzung größer werden. Schützen Sie das Auge mit einem Becher ohne Druck und rufen Sie 112 (Österreich 144 oder 112). Entfernt wird der Gegenstand nur im Operationssaal.

Soll ich das verletzte Auge mit Wasser ausspülen?

Bei Verdacht auf eine offene Verletzung nicht. Spülen kann Keime ins Augeninnere tragen und Druck ausüben. Sofort spülen muss man nur bei Chemikalien wie Kalk, Zement, Laugen oder Säuren.

Es tut kaum weh – kann das trotzdem eine schwere Augenverletzung sein?

Ja. Offene Augenverletzungen und kleine eingedrungene Metallsplitter schmerzen oft weniger als eine oberflächliche Hornhautabschürfung. Nach Hämmern, Schleifen oder Bohren mit Beschwerden am Auge gehört jede Person sofort in die Augenklinik, auch ohne sichtbare Wunde.

Warum darf ich vor der Augen-OP nichts essen und trinken?

Weil eine offene Augenverletzung fast immer in Vollnarkose operiert wird. Mit vollem Magen müsste die Operation verschoben werden oder die Narkose wäre riskanter. Außerdem erhöht Erbrechen den Druck im Auge und kann Augeninhalt herauspressen.

Soll ich einen Verband auf das verletzte Auge legen?

Keinen Druckverband. Besser ist eine starre Kappe, zum Beispiel der Boden eines Pappbechers, die mit Pflaster auf dem Knochen rund um das Auge befestigt wird und das Auge nicht berührt. Wenn Sie das andere Auge zusätzlich locker abdecken, bewegt sich das verletzte Auge weniger.

Kann ich Schmerzmittel nehmen, bis ich in der Klinik bin?

Am besten nicht auf eigene Faust. Die Amerikanische Akademie für Augenheilkunde rät von Acetylsalicylsäure und Ibuprofen ab, weil sie Blutungen verstärken können, und jede Tablette mit Wasser bricht die Nüchternheit. In der Klinik bekommen Sie wirksame Schmerz- und Übelkeitsmittel über die Vene.

Werde ich nach einer offenen Augenverletzung wieder sehen?

Das hängt vor allem vom Sehen bei Aufnahme, der Lage der Wunde, einer Netzhautbeteiligung und einer möglichen Infektion ab. Kleine Hornhautwunden heilen oft mit gutem Sehen, schwere Augapfelrisse enden häufiger mit schlechtem Sehen. Selbst Augen, die anfangs kein Licht mehr wahrnehmen, gewinnen teils wieder etwas Sehen zurück.

Kann das gesunde Auge nach einer Augenverletzung erkranken?

Sehr selten, durch die sympathische Ophthalmie, eine Entzündung des anderen Auges, meist zwei bis zwölf Wochen nach dem Unfall. Achten Sie auf Lichtscheu, Reizung, Schwebeteilchen und verschwommenes Sehen am gesunden Auge und melden Sie es sofort. Sie lässt sich mit Kortison und Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen, meist gut behandeln.

Muss ein verletztes Auge entfernt werden, damit das andere gesund bleibt?

Nein, nicht vorsorglich. Ziel ist fast immer, das Auge zu erhalten. Eine Entfernung kommt nur infrage, wenn das Auge so stark zerstört ist, dass es nicht mehr verschlossen werden kann, oder später blind, schmerzhaft oder geschrumpft ist.

Warum darf mit einem Metallsplitter im Auge kein MRT gemacht werden?

Das starke Magnetfeld kann einen eisenhaltigen Splitter bewegen und das Auge zusätzlich verletzen. Deshalb wird bei Verdacht auf Metall eine Computertomografie gemacht. Weisen Sie auch Jahre später vor jeder MRT-Untersuchung auf die frühere Splitterverletzung hin.

Wie lange bin ich nach einer offenen Augenverletzung krankgeschrieben?

Meist ein bis drei Monate, je nach Schwere und Beruf. Mindestens sechs Wochen gelten Schonung ohne schweres Heben, Sport und Schwimmen. Passierte der Unfall bei der Arbeit, ist in Deutschland meist die Berufsgenossenschaft, in Österreich die AUVA zuständig.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 29 Quellen anzeigen
  1. Offene Globusverletzung (Bulbusruptur, penetrierende Verletzung) – MSD Manual Profi-Ausgabe (DE)
  2. Fremdkörper im Auge – gesundheit.gv.at (Bundesministerium, Österreich) (DE)
  3. Traumatic open globe injury – epidemiology, risk factors and visual outcome at the University Hospital Aachen (Djalali-Talab et al., Spektrum der Augenheilkunde 2021) – Springer (DE)
  4. Risiko der sympathischen Ophthalmie nach offener Bulbusverletzung rechtfertigt Enukleation nicht – Deutsches Ärzteblatt (DE)
  5. Notfälle am Auge (Ars Medici 3/2008) – Rosenfluh Publikationen (DE)
  6. Augenverletzungen: Wenn Berufsunfälle ins Auge gehen – Suva (Schweizerische Unfallversicherung) (DE)
  7. Sport und Feuerwerk als Augenkiller (mit DOG-Umfrage) – Pharmazeutische Zeitung (DE)
  8. Open Globe Injury – American Academy of Ophthalmology (EyeNet) (EN)
  9. Eye Trauma First Aid Guide (First Aid for a Common Target of Wartime Injury: The Eye) – American Academy of Ophthalmology (EN)
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  12. Emergency management of penetrating eye injuries and intraocular foreign bodies – Community Eye Health Journal (EN)
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  14. Sympathetic Ophthalmia – MSD Manual Professional Edition (EN)
  15. Eye injury first aid – St John Ambulance (EN)
  16. Traumatismes oculaires de l'enfant (Rapport SFO 2017, chapitre 25) – Société Française d'Ophtalmologie / EM-Consulte (FR)
  17. Plaie perforante et corps étranger intraoculaire (fiche patient) – Hôpital ophtalmique Jules-Gonin, Lausanne (FR)
  18. Corps étrangers intraoculaires – Manuel MSD (grand public) (FR)
  19. Ophtalmie sympathique – Manuel MSD (grand public) (FR)
  20. Lesión del globo ocular – Manual MSD (versión para profesionales) (ES)
  21. Objeto penetrante en el ojo – MedlinePlus en español (ES)
  22. Traumatismos oculares (García-Arumí, Escalada), Ponencia 1999 – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
  23. Principales lesiones y secuelas postraumáticas en oftalmología. Su valoración pericial (Manual MR2025, capítulo 3) – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
  24. Caracterización clínico epidemiológica de los pacientes con cuerpo extraño intraocular – Revista Cubana de Oftalmología (ES)
  25. Lesiones oculares relacionadas con el trabajo – Manual MSD (versión para profesionales) (ES)
  26. Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 6: Anforderungen an das Sehvermögen – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) (DE)
  27. Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung (FSG-GV), § 8 Sehvermögen – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Österreich (DE)
  28. Arbeitsunfälle – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) (DE)
  29. Siderosis – American Academy of Ophthalmology (EyeWiki) (EN)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss