Mouches volantes (Glaskörpertrübungen)
Mouches volantes sind Punkte, Fäden oder Schlieren, die durch das Blickfeld schweben; es sind Schatten kleiner Verdichtungen im Glaskörper, die fast jeder Mensch irgendwann bemerkt und die meist harmlos sind. Treten sie aber plötzlich in großer Zahl neu auf, zusammen mit Lichtblitzen oder einem Schatten, kann ein Netzhautriss dahinterstecken und Sie sollten noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
1 Kurzübersicht
Mouches volantes (französisch für „fliegende Mücken“) sind kleine Punkte, Fäden, Ringe oder Schlieren, die vor dem Auge zu schweben scheinen. In Wirklichkeit liegen sie im Auge: im Glaskörper, dem klaren Gel, das den Raum zwischen Linse und Netzhaut füllt. Verdichtete Fasern in diesem Gel werfen einen Schatten auf die Netzhaut, und diesen Schatten sehen Sie. Der Fachbegriff lautet Myodesopsien, von griechisch „fliegenartig sehen“.
Die allermeisten Mouches volantes sind harmlos. Sie entstehen, weil der Glaskörper mit den Jahren flüssiger wird und seine Fasern verklumpen. Kurzsichtige bemerken sie früher und häufiger. Oft gewöhnt sich das Gehirn so gut an die Schatten, dass sie nach Wochen bis Monaten kaum noch auffallen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen alten, vertrauten Trübungen und plötzlich neuen. Ein ganzer Schwarm neuer Punkte, Lichtblitze, ein „Rußregen“ oder ein Schatten am Rand des Gesichtsfelds können auf einen Netzhautriss oder eine Netzhautablösung hinweisen. Dann zählt jeder Tag. Bei solchen Zeichen untersucht die Augenärztin oder der Augenarzt die Netzhaut bei weit getropfter Pupille bis zum äußersten Rand.
Eine Behandlung der Mouches selbst ist nur selten sinnvoll. Die deutsche Leitlinie der Augenärzte empfiehlt im Regelfall keine Therapie. Laser (YAG-Vitreolyse) und Glaskörperoperation (Vitrektomie) kommen nur bei schwerer, lange anhaltender Beeinträchtigung infrage; beide haben Risiken, die man gegen ein Auge mit sonst gutem Sehen abwägen muss.
2 Symptome
In diesem Kapitel (19)
- Wie sehen Mouches volantes aus?
- Wie bewegen sich die Trübungen?
- Wann fallen Mouches volantes besonders auf?
- Beeinträchtigen Mouches volantes die Sehschärfe?
- Wie stark belasten Mouches volantes im Alltag?
- Warum stören Mouches den einen kaum und den anderen sehr?
- Mouches volantes ohne und mit Glaskörperabhebung
- Was bedeuten Lichtblitze?
- Was ist Rußregen?
- Welche Zeichen deuten auf eine Netzhautablösung hin?
- Harmlos oder Warnzeichen? Der Vergleich
- Welche anderen Beschwerden können dazukommen?
- Wie unterscheiden sich Mouches von einer Augenmigräne?
- Lichtblitze, die meist harmlos sind
- Ein Auge oder beide Augen?
- Wie lange dauern die Beschwerden einer frischen Glaskörperabhebung?
- Mouches volantes bei Kindern und jungen Menschen
- Mouches volantes im höheren Alter
- Was können Angehörige bemerken?
Wie sehen Mouches volantes aus?
Mouches volantes erscheinen als graue oder schwarze Punkte, Fäden, gekrümmte Linien, Kringel, Ringe oder spinnwebenartige Schlieren im Blickfeld. Betroffene beschreiben sie als „Mücken“, „Würmchen“, „Flusen“, „Haare“, „Wolken“ oder „Rauch“. Manche Trübungen sind fast durchsichtig, andere wirken dunkel und scharf umrissen. Die Form hängt davon ab, welche Fasern verklumpt sind und wo sie im Glaskörper schweben.
- Punkte und Flecken: kleine, rundliche Schatten, oft mehrere hintereinander wie eine Perlenkette.
- Fäden und Schlieren: längliche, gewundene Gebilde, häufig bei jüngeren Kurzsichtigen.
- Spinnweben oder Netze: feine, verzweigte Strukturen, typisch nach einer frischen Glaskörperabhebung.
- Ring oder Halbring: ein großer, oft C-förmiger Schatten. Das ist meist der sogenannte Weiss-Ring, ein Stück Glaskörperrinde, das am Sehnerv angeheftet war.
- Wolke oder Schleier: eine diffuse, unscharfe Trübung, die das Bild leicht verschleiert.
Wie bewegen sich die Trübungen?
Mouches volantes bewegen sich mit jeder Augenbewegung mit und schwingen dann träge nach. Der Grund ist der gallertartige Glaskörper: Er wird bei einer Blickbewegung mitgedreht und pendelt mit Verzögerung aus. Bleibt das Auge stehen, treiben die Trübungen noch eine Weile weiter.
Typisch ist, dass sie „ausweichen“. Will man eine Trübung direkt ansehen, wandert sie mit dem Blick weg, denn sie sitzt ja im Auge selbst. Deshalb lassen sie sich nie richtig fixieren. Trübungen, die starr an einer Stelle stehen und sich überhaupt nicht bewegen, passen dagegen nicht zum harmlosen Bild und gehören untersucht.
Wann fallen Mouches volantes besonders auf?
Am deutlichsten sind Mouches volantes vor hellen, gleichmäßigen Flächen zu sehen. Typische Situationen sind der Blick auf eine weiße Wand, ein Blatt Papier, einen hellen Bildschirm, den blauen Himmel, eine Schneefläche, eine Skipiste oder das Meer. Vor einem gemusterten oder dunklen Hintergrund verschwinden sie fast.
Helles Licht verstärkt den Effekt aus einem einfachen Grund. Bei Helligkeit wird die Pupille eng, und durch eine enge Öffnung fällt ein schärferer Schatten auf die Netzhaut. In der Dämmerung oder bei weiter Pupille verschwimmt der Schatten und stört weniger.
Auch die Lage im Auge spielt eine Rolle. Je näher eine Trübung an der Netzhaut liegt, desto schärfer und dunkler wirkt ihr Schatten. Trübungen weiter vorn im Glaskörper erscheinen eher als blasse, unscharfe Wolken.
Beeinträchtigen Mouches volantes die Sehschärfe?
Meist nicht: Die Sehschärfe bleibt bei harmlosen Mouches volantes normal, und der übliche Sehtest mit Buchstabentafel fällt unauffällig aus. Gerade deshalb fühlen sich manche Betroffene mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen. Die Buchstabentafel misst nur, wie klein man lesen kann, nicht wie sehr ein wandernder Schatten stört.
Studien zeigen, dass dichte Trübungen die Kontrastempfindlichkeit senken können, also die Fähigkeit, feine Grautöne zu unterscheiden. In einer Untersuchung des US-Netzhautchirurgen J. Sebag lag sie bei stark belasteten Patienten deutlich unter der Gleichaltriger. Sehr dichte, zentrale oder wenig bewegliche Trübungen können auch die Sehschärfe selbst mindern. Ist das Sehen deutlich verschwommen, spricht das eher für eine Blutung oder Entzündung im Glaskörper als für gewöhnliche Mouches.
Wie stark belasten Mouches volantes im Alltag?
Die meisten Menschen fühlen sich durch Mouches volantes kaum gestört, eine kleine Gruppe aber erheblich. In einer Online-Umfrage unter 603 Smartphone-Nutzern gaben 76 % an, Mouches zu kennen; 33 % fühlten sich dadurch im Sehen beeinträchtigt. Die Teilnehmenden waren überwiegend unter 50 Jahre alt, die Zahlen sind daher nur ein Anhaltspunkt.
Wer stark betroffen ist, schildert ganz konkrete Einschränkungen. Typisch sind Probleme beim Lesen, bei Bildschirmarbeit, am Mikroskop, beim Autofahren und bei Tätigkeiten im Freien wie Skifahren, Segeln oder Angeln. In einer niederländischen Studie hatten über zwei Drittel der operierten Patienten zuvor mäßige bis große Schwierigkeiten beim Lesen kleiner Schrift oder beim Fahren bei Nacht. Die Einschränkung kann der bei einem Grauen Star ähneln.
Die seelische Belastung wird oft unterschätzt. In einer Befragung in Singapur hätten Betroffene im Mittel ein Erblindungsrisiko von 7 % in Kauf genommen, um ihre Trübungen loszuwerden. Jüngere und berufstätige Menschen waren dabei risikobereiter. Manche schlafen schlecht, grübeln viel über ihre Augen oder geben Hobbys auf.
Warum stören Mouches den einen kaum und den anderen sehr?
Warum die Belastung so unterschiedlich ausfällt, ist nicht geklärt. Eine Rolle spielen vermutlich Größe, Dichte und Lage der Trübungen, der Beruf, die Lichtverhältnisse im Alltag und die Fähigkeit des Gehirns, Störungen auszublenden (Neuroadaptation). Diskutiert werden außerdem Alter, Veranlagung und die Beschaffenheit der hinteren Glaskörpergrenze.
Wer ständig auf weiße Flächen schaut, etwa beim Korrekturlesen, im Labor oder am Bildschirm mit hellem Hintergrund, nimmt die Schatten häufiger wahr. Ebenso verstärkt gezieltes Suchen nach den Trübungen die Aufmerksamkeit für sie. Ein eigenes psychotherapeutisches Konzept für Menschen, die sich nicht gewöhnen, gibt es bislang nicht.
Mouches volantes ohne und mit Glaskörperabhebung
Ohne Glaskörperabhebung sieht man meist wenige, eher fädige Trübungen, die über Jahre langsam mehr werden. Dieses Bild ist typisch für junge Kurzsichtige und für den langsamen Alterungsprozess. Die Trübungen sind leicht, durchscheinend und können in beiden Augen unabhängig voneinander vorkommen.
Bei einer hinteren Glaskörperabhebung ändert sich das Bild oft schlagartig. Meist auf einem Auge erscheinen plötzlich deutlich mehr Trübungen, nicht selten ein ganzer „Mückenschwarm“, ein Spinnennetz oder ein großer Ring. Manche beschreiben eine Art Zellophanfolie mit vielen dunklen Punkten. Häufig kommen Lichtblitze hinzu. Typisch ist dieses Ereignis zwischen 50 und 75 Jahren.
Was bedeuten Lichtblitze?
Lichtblitze (Photopsien) entstehen, wenn der Glaskörper an der Netzhaut zieht. Die Netzhaut kann auf mechanischen Reiz nur auf eine Art antworten: Sie meldet dem Gehirn „Licht“. Bei etwa der Hälfte der Menschen mit einer spürbaren Glaskörperabhebung treten solche Blitze auf.
- Sie sind kurz, meist bogen- oder strichförmig und liegen am Rand des Gesichtsfelds, oft schläfenseitig.
- Sie fallen in dunkler oder dämmriger Umgebung am stärksten auf, auch bei geschlossenen Augen.
- Sie lassen sich oft durch rasche Blickbewegungen auslösen.
- Sie können Tage bis Wochen kommen und gehen und hören meist auf, wenn sich der Glaskörper ganz gelöst hat.
Blitze allein verraten nicht, ob die Netzhaut eingerissen ist. Sie sind aber ein Signal, dass Zug auf die Netzhaut wirkt, und gehören deshalb immer untersucht. Bei einer beginnenden Netzhautablösung sind Blitze seltener als Mouches volantes, aber aussagekräftiger.
Was ist Rußregen?
Als Rußregen bezeichnen Augenärzte einen plötzlichen Schauer aus vielen feinen schwarzen Punkten, die wie Rußpartikel oder Tropfen von oben nach unten durch das Bild rieseln. Meist steckt eine kleine Blutung in den Glaskörper dahinter. Sie entsteht, wenn der sich ablösende Glaskörper ein Netzhautgefäß einreißt, oft zusammen mit einem Netzhautriss.
Rußregen ist kein harmloses Mouches-Bild, sondern ein Warnzeichen. Studien zeigen: Liegt bei einer frischen Glaskörperabhebung Blut im Glaskörper, findet sich in mehr als der Hälfte der Fälle ein Netzhautriss. Rußregen gehört deshalb noch am selben Tag untersucht. Mehr dazu im Artikel zur Glaskörperblutung.
Welche Zeichen deuten auf eine Netzhautablösung hin?
Ein Schatten, Schleier oder „Vorhang“, der sich vom Rand her ins Gesichtsfeld schiebt und nicht wieder verschwindet, ist das Leitzeichen einer Netzhautablösung. Er beginnt oft unten oder seitlich und wächst über Stunden bis Tage. Eine Netzhautablösung tut nicht weh, und das Auge ist nicht rot.
Vorher kündigt sie sich meist an. Bei rund 85 % der Netzhautablösungen bemerken die Betroffenen Mouches volantes; Mouches allein sind also häufig, aber wenig eindeutig. Entscheidend ist der plötzliche Beginn: viele neue Trübungen auf einmal, dazu Blitze. Auch eine noch volle Sehschärfe schließt einen Riss nicht aus.
Harmlos oder Warnzeichen? Der Vergleich
Ob Mouches harmlos sind, entscheidet vor allem ihr Verlauf: Lange bekannte, unveränderte Trübungen sind fast immer harmlos, plötzlich neue nicht unbedingt.
| Eher harmlos | Warnzeichen, rasch abklären |
|---|---|
| seit Monaten oder Jahren bekannt | neu aufgetreten oder plötzlich deutlich mehr |
| einzelne Punkte oder Fäden | Schwarm, Rußregen, Spinnennetz auf einen Schlag |
| keine Lichtblitze | Lichtblitze, besonders wiederholt oder anhaltend |
| Sehschärfe unverändert | verschwommenes Sehen, Sehverlust |
| Gesichtsfeld frei | Schatten, Schleier oder Vorhang vom Rand her |
| keine Schmerzen, Auge weiß | Schmerzen, Rötung, Lichtscheu |
| kein Auslöser | nach Augenoperation, Laser oder Verletzung |
Welche anderen Beschwerden können dazukommen?
Harmlose Mouches volantes verursachen außer den Schatten keine weiteren Beschwerden. Kommen andere Zeichen hinzu, weisen sie auf eine andere Ursache hin:
- Schmerzen, Rötung, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen: spricht für eine Entzündung im Augeninneren, etwa eine Uveitis. Dann schwimmen Entzündungszellen im Glaskörper, oft in beiden Augen.
- Starke Schmerzen und rasch sinkendes Sehen nach einer Operation oder Spritze ins Auge: Verdacht auf eine Endophthalmitis, eine Infektion im Auge, die sofort behandelt werden muss.
- Plötzlich deutlich schlechteres Sehen mit dichter Trübung: passt zu einer Glaskörperblutung, etwa bei diabetischer Retinopathie, nach Gefäßverschlüssen oder Verletzungen.
- Verzerrtes Sehen in der Mitte: deutet eher auf eine Veränderung an der Makula hin, die als Spätfolge einer Glaskörperabhebung entstehen kann.
Wie unterscheiden sich Mouches von einer Augenmigräne?
Eine Augenmigräne (Migräne-Aura) erzeugt keine schwebenden Punkte, sondern flimmernde Zickzacklinien, die sich langsam ausbreiten. Das Flimmern betrifft meist das Gesichtsfeld beider Augen gleichzeitig, dauert etwa 10 bis 20 Minuten, selten bis zu einer Stunde, und verschwindet dann vollständig. Häufig folgt Kopfschmerz, aber nicht immer.
Viele Menschen ordnen die Aura fälschlich einem Auge zu, weil sie auf einer Seite des Blickfelds liegt. Ein einfacher Test: Abwechselnd ein Auge zuhalten. Bleibt das Flimmern mit jedem Auge gleich, kommt es aus dem Gehirn, nicht aus dem Auge. Kurze Blitze am Rand eines Auges, die bei Blickbewegungen auftreten, passen dagegen eher zum Glaskörperzug.
Lichtblitze, die meist harmlos sind
Nicht jeder Lichtreiz bedeutet Gefahr. Lichtpunkte beim kräftigen Reiben der Augen, kurze „Sterne“ im Moment eines Stoßes gegen den Kopf oder ein Aufblitzen bei raschen Augenbewegungen direkt nach dem Aufwachen kommen bei vielen Menschen vor. Treten Blitze aber neu, wiederholt und ohne solchen Auslöser auf, sollten Sie sie untersuchen lassen. Bemerken Sie nach einem Schlag auf Auge oder Kopf neue Mouches, Blitze oder einen Schatten, gehört das ebenfalls rasch untersucht.
Ein Auge oder beide Augen?
Harmlose Mouches volantes können in beiden Augen vorkommen, entwickeln sich aber unabhängig voneinander. Eine akute Glaskörperabhebung beginnt fast immer auf einem Auge. Am zweiten Auge folgt sie häufig innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren; dann kennen Sie die Zeichen schon und sollten wieder zügig untersuchen lassen.
Treten Trübungen gleichzeitig in beiden Augen auf, zusammen mit Rötung oder Schmerzen, spricht das eher für eine Entzündung. Flimmern, das beide Augen zugleich betrifft, ist eher eine Migräne-Aura.
Wie lange dauern die Beschwerden einer frischen Glaskörperabhebung?
Die frischen Mouches einer Glaskörperabhebung werden meist über Wochen bis Monate weniger störend. Teils sinken die Trübungen mit dem zusammenfallenden Gel nach unten und vorn aus der Sehachse, teils lernt das Gehirn, sie auszublenden. Die Blitze hören in der Regel auf, sobald die Abhebung abgeschlossen ist.
Ganz verschwinden die Mouches selten. Bei manchen Menschen bleiben sie über Jahre deutlich sichtbar, bei anderen nehmen sie nach der Abhebung sogar noch etwas zu. Als „symptomatische Glaskörpertrübungen“ bezeichnen Fachleute Beschwerden, die länger als etwa drei Monate anhalten und das Sehen spürbar stören.
Mouches volantes bei Kindern und jungen Menschen
Auch Kinder und junge Erwachsene können Mouches volantes haben; meist sind es feine, fädige Trübungen. Bei jungen Menschen sind sie manchmal Reste eines Blutgefäßes, das den Glaskörper vor der Geburt versorgt und sich nicht ganz zurückgebildet hat. Bei Kurzsichtigen verändert sich der Glaskörper oft schon im Alter von 20 bis 40 Jahren.
Kinder beschreiben solche Wahrnehmungen selten von sich aus oder nur ungenau, etwa als „Haare im Auge“ oder „Mücken“. Treten bei einem Kind neue Trübungen auf, besonders mit rotem Auge, Lichtscheu, schlechterem Sehen oder nach einem Ball oder Schlag ins Auge, gehört es zeitnah zur Augenärztin oder zum Augenarzt. Weil eine altersbedingte Glaskörperabhebung bei Kindern kaum vorkommt, denkt die Augenärztin oder der Augenarzt bei ihnen vor allem an andere Ursachen wie Entzündungen, etwa eine Toxoplasmose am Auge, oder Verletzungen.
Mouches volantes im höheren Alter
Im höheren Alter sind Mouches volantes besonders häufig, weil sich der Glaskörper bei den meisten Menschen bis zum 80. Lebensjahr abgehoben hat. Die Abhebung kann völlig unbemerkt ablaufen oder mit einem plötzlichen Schub neuer Trübungen und Blitzen.
Ältere Menschen haben oft zusätzlich einen Grauen Star, Makulaveränderungen oder Diabetes. Neue Sehstörungen lassen sich dann schwerer einordnen. Auch nach einer Operation des Grauen Stars oder einer Laserbehandlung des Nachstars treten neue Mouches gehäuft auf und sollten abgeklärt werden.
Was können Angehörige bemerken?
Angehörige können Mouches volantes nicht sehen; es ist eine rein subjektive Wahrnehmung, und das Auge sieht von außen völlig normal aus. Sie bemerken höchstens, dass jemand häufiger blinzelt, mit der Hand vor dem Gesicht wischt, auffällig oft auf eine helle Fläche schaut oder über „Fliegen“ klagt, die nicht da sind.
Gerade bei älteren Menschen ist es hilfreich, wenn Angehörige die Warnzeichen kennen. Erzählt jemand von plötzlich vielen schwarzen Punkten, Blitzen oder einem Schatten, sollten sie nicht zum Abwarten raten, sondern den Weg zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Augenambulanz organisieren.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (10)
- Was ist der Glaskörper?
- Wie entstehen Mouches volantes mit dem Alter?
- Was passiert bei einer hinteren Glaskörperabhebung?
- Wann wird eine Glaskörperabhebung gefährlich?
- Wann beginnt die Glaskörperabhebung?
- Welche Rolle spielt Kurzsichtigkeit?
- Welche weiteren Risikofaktoren gibt es?
- Welche erblichen Erkrankungen verändern den Glaskörper?
- Welche anderen Ursachen können Trübungen im Glaskörper machen?
- Helfen Ernährung, Trinken oder Bildschirmpausen gegen die Entstehung?
Was ist der Glaskörper?
Der Glaskörper ist ein klares, gallertartiges Gel, das mit etwa vier Millilitern den größten Teil des Augapfels füllt. Er besteht zu rund 98 % aus Wasser. Den Rest bilden vor allem Hyaluronsäure, die Wasser bindet, und ein feines Gerüst aus Kollagenfasern, das dem Gel seine Form gibt.
In jungen Jahren ist der Glaskörper gleichmäßig und vollkommen durchsichtig. Seine äußere Schicht, die Glaskörperrinde, haftet fest an der Netzhaut, besonders am Rand (Glaskörperbasis), am Sehnerv und an der Makula.
Wie entstehen Mouches volantes mit dem Alter?
Mit dem Alter verflüssigt sich der Glaskörper, und seine Kollagenfasern verklumpen zu sichtbaren Strängen. Dabei geht eine Kollagenart verloren, die die Fasern auf Abstand hält. Die Fasern lagern sich zusammen, während daneben flüssige Hohlräume entstehen (Synärese).
Schon bei Erwachsenen ist etwa ein Fünftel des Glaskörpers flüssig, jenseits von 80 bis 90 Jahren mehr als die Hälfte. Die Faserstränge und Klümpchen schweben in dieser Flüssigkeit. Fällt Licht ins Auge, werfen sie Schatten auf die Netzhaut: die Mouches volantes. Fachleute sprechen von einem entoptischen Phänomen, weil das Gesehene im eigenen Auge liegt.
Was passiert bei einer hinteren Glaskörperabhebung?
Bei der hinteren Glaskörperabhebung löst sich der geschrumpfte Glaskörper von der Rückwand des Auges ab; sie ist die häufigste Ursache plötzlich neuer Mouches volantes. Verflüssigtes Gel dringt hinter die Glaskörperrinde und hebt sie von der Netzhaut ab. Das ist ein normaler Alterungsvorgang und an sich harmlos.
Löst sich die Rinde am Sehnerv, wo sie ringförmig haftete, entsteht häufig der Weiss-Ring: ein großer, runder oder C-förmiger Schatten mitten im Bild. Danach fällt das restliche Gel zusammen, die Trübungen sinken mit der Zeit nach vorn und unten und stören weniger. Ausführlich beschreibt das der Artikel Glaskörperabhebung.
Wann wird eine Glaskörperabhebung gefährlich?
Gefährlich wird sie, wenn der Glaskörper beim Ablösen an einer Stelle festhält und die Netzhaut einreißt. Das geschieht vor allem dann, wenn das Gel schneller flüssig wird, als sich seine Haftung an der Netzhaut lockert. Am Rand der Netzhaut, wo der Glaskörper am festesten sitzt, entsteht dann ein Riss.
Durch einen solchen Riss kann Flüssigkeit unter die Netzhaut laufen und sie abheben: eine rhegmatogene Netzhautablösung. Reißt der Zug ein Gefäß ein, blutet es in den Glaskörper; das sieht man als Rußregen. Eine unvollständige Abhebung, bei der der Glaskörper noch an Stellen haftet, birgt mehr Risiko als eine vollständige.
Wann beginnt die Glaskörperabhebung?
Die hintere Glaskörperabhebung tritt meist im sechsten und siebten Lebensjahrzehnt auf, Männer und Frauen gleich häufig. Untersuchungen an Augen Verstorbener fanden sie bei 27 % der 60- bis 69-Jährigen und bei 63 % der 70- bis 79-Jährigen. Mit 80 Jahren ist sie bei mehr als der Hälfte der Menschen eingetreten. Bei vielen läuft sie ohne spürbare Beschwerden ab.
Welche Rolle spielt Kurzsichtigkeit?
Kurzsichtigkeit ist der wichtigste Risikofaktor neben dem Alter. Das kurzsichtige Auge ist länger gebaut, der Glaskörper verflüssigt sich früher und stärker, und die Netzhaut am Rand ist oft dünner. Deshalb bemerken Kurzsichtige Mouches volantes schon mit 20 oder 30 Jahren, und die Glaskörperabhebung kommt bei ihnen früher.
In der erwähnten Umfrage hatten Kurzsichtige ein etwa dreieinhalbfach höheres Risiko für störende Mouches. Bei starker Kurzsichtigkeit ist auch das Risiko einer Netzhautablösung um ein Vielfaches erhöht. Weil Kurzsichtigkeit weltweit zunimmt, vermuten Fachleute, dass auch belastende Mouches häufiger werden.
Welche weiteren Risikofaktoren gibt es?
Neben Alter und Kurzsichtigkeit begünstigen vor allem Eingriffe und Verletzungen am Auge die Entstehung von Mouches volantes und einer Glaskörperabhebung:
- Operation des Grauen Stars, besonders wenn dabei Glaskörper verloren ging
- Laserbehandlungen am Auge, etwa die YAG-Kapsulotomie beim Nachstar
- Augenoperationen zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit (als Risiko für Netzhautrisse beschrieben)
- stumpfe Verletzungen, etwa ein Ball oder Faustschlag gegen das Auge
- frühere oder wiederkehrende Entzündungen im Augeninneren
- Diabetes mit Netzhautbeteiligung
- Netzhautablösung oder Netzhautrisse am anderen Auge oder in der Familie
Welche erblichen Erkrankungen verändern den Glaskörper?
Bestimmte erbliche Bindegewebserkrankungen lassen den Glaskörper früh flüssig werden, während er noch fest an der Netzhaut haftet. Dazu zählen das Stickler-Syndrom, das Marfan-Syndrom und das Ehlers-Danlos-Syndrom. Für Betroffene ist das Risiko eines Netzhautrisses deutlich erhöht, sie sollten neue Mouches oder Blitze besonders ernst nehmen.
Welche anderen Ursachen können Trübungen im Glaskörper machen?
Nicht alle Trübungen stammen aus dem Glaskörpergel selbst; Fachleute unterscheiden primäre Trübungen (Alterung, Kurzsichtigkeit) von sekundären, bei denen etwas von außen in den Glaskörper gelangt.
| Ursache | Was im Glaskörper schwimmt | Typische Begleitzeichen |
|---|---|---|
| Glaskörperblutung | rote Blutkörperchen | Rußregen, oft deutlich schlechteres Sehen; bei Diabetes, Gefäßverschluss, Netzhautriss, Verletzung |
| Entzündung (Uveitis, Vitritis) | Entzündungszellen | Schmerz, Rötung, Lichtscheu, Schleiersehen, oft beidseitig |
| Infektion | Zellen, Erreger | z. B. Toxoplasmose, Zytomegalievirus, Pilze; gehäuft bei Immunschwäche oder Drogenkonsum per Spritze |
| Asteroide Hyalose | kleine Kalkkügelchen | glitzernde Punkte, stören erstaunlich wenig, meist ein Auge |
| Synchisis scintillans | Cholesterinkristalle | selten, meist nach alten Blutungen oder Verletzungen |
| Tumor (z. B. Lymphom des Auges) | Tumorzellen | sehr selten, eher im Alter, oft als „Entzündung“, die nicht abheilt |
| Amyloidose | Eiweißablagerungen | sehr selten, oft beidseitig |
Auch Trübungen der Hornhaut oder Linse können Schatten werfen, bewegen sich aber nicht wie Mouches. Ein Fremdkörper im Auge oder ein Tumor gehen meist mit Schmerzen, Rötung oder Sehverlust einher.
Helfen Ernährung, Trinken oder Bildschirmpausen gegen die Entstehung?
Nein: Für einen Zusammenhang zwischen Mouches volantes und Ernährung, Flüssigkeitsmenge, UV-Licht oder Bildschirmarbeit gibt es keinen Beleg. Bildschirme machen die Trübungen nur besser sichtbar, weil sie eine helle, gleichmäßige Fläche bieten. Hitze, Erschöpfung oder Stress können die Aufmerksamkeit für die Schatten erhöhen, verursachen sie aber nicht.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (9)
- Wann sollten Mouches volantes untersucht werden?
- Wie häufig findet man einen Netzhautriss?
- Welche Fragen stellt die Augenärztin oder der Augenarzt?
- Wie läuft die Untersuchung ab?
- Was müssen Sie nach dem Pupillenerweitern beachten?
- Welche Zusatzuntersuchungen gibt es?
- Was, wenn die Netzhaut nicht einsehbar ist?
- Warum sind Kontrolltermine nötig?
- Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?
Wann sollten Mouches volantes untersucht werden?
Wer Mouches volantes zum ersten Mal bemerkt oder plötzlich deutlich mehr sieht, sollte zeitnah die Netzhaut untersuchen lassen. Das gilt auch, wenn die Trübungen am Ende meist harmlos sind. Nur die Untersuchung bei weit getropfter Pupille kann einen Riss sicher erkennen oder ausschließen. Seit Jahren bekannte, unveränderte Trübungen brauchen keinen eigenen Termin; sie können bei der nächsten Routinekontrolle angesprochen werden.
Wie häufig findet man einen Netzhautriss?
Bei neu aufgetretenen oder plötzlich vermehrten Mouches volantes findet sich in etwa einem von sieben bis einem von zwanzig Fällen ein Netzhautriss. Die deutsche Leitlinie nennt, gestützt auf eine große Auswertung im Fachblatt JAMA, ein Risiko von etwa 14 %. Eine andere große Studie an mehr als 8.000 Patienten mit frischer Glaskörperabhebung fand Risse bei gut 5 % und eine Netzhautablösung bei 4 %.
Ist zusätzlich Blut oder Pigment im Glaskörper zu sehen, steigt das Risiko stark an; dann liegt in mehr als der Hälfte der Fälle ein Riss vor. Höher ist das Risiko auch bei verschwommenem Sehen, bei Männern, bei unter 60-Jährigen, nach einer Operation des Grauen Stars oder einer refraktiven Operation und bei Netzhautdegenerationen am Rand.
Welche Fragen stellt die Augenärztin oder der Augenarzt?
Das Gespräch klärt, wie wahrscheinlich ein Netzhautschaden ist. Typische Fragen sind:
- Seit wann sehen Sie die Trübungen, kamen sie plötzlich oder allmählich?
- Wie sehen sie aus, wie viele sind es, ein Auge oder beide?
- Sehen Sie Lichtblitze, besonders im Dunkeln oder bei Blickbewegungen?
- Ist das Sehen schlechter geworden, gibt es einen Schatten oder Schleier?
- Haben Sie Schmerzen oder ein rotes Auge?
- Sind Sie kurzsichtig, und wie stark?
- Gab es Augenoperationen, Laserbehandlungen, Verletzungen oder Entzündungen?
- Gab es eine Netzhautablösung am anderen Auge oder in der Familie?
- Haben Sie Diabetes, Migräne oder eine Immunschwäche?
Wie läuft die Untersuchung ab?
Kern der Untersuchung ist der Blick auf die gesamte Netzhaut bei erweiterter Pupille. Die deutsche Leitlinie zu Glaskörpertrübungen beschreibt dafür folgende Schritte:
- Sehschärfe prüfen, gegebenenfalls mit der eigenen Brille.
- Spaltlampe: Mit dem Untersuchungsmikroskop werden vorderer Augenabschnitt und vorderer Glaskörper betrachtet. Pigmentkörnchen („Tabakstaub“) oder Blutzellen im vorderen Glaskörper sind ein wichtiger Hinweis auf einen Riss.
- Pupille erweitern: Augentropfen stellen die Pupille weit; nach etwa 20 Minuten ist sie ausreichend geöffnet.
- Netzhaut bis zum Rand ansehen: mit indirekter Ophthalmoskopie (Lupe und Lichtquelle) oder einem Kontaktglas an der Spaltlampe. Gesucht wird nach Rissen, Löchern, Blutungen, Degenerationen und Glaskörperzug.
- Befund besprechen und über die Warnzeichen einer Netzhautablösung aufklären.
Um den äußersten Rand der Netzhaut zu sehen, drückt die Ärztin oder der Arzt manchmal sanft von außen auf das Lid (Skleraindentation). Das ist unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Die Untersuchung selbst tut nicht weh.
Was müssen Sie nach dem Pupillenerweitern beachten?
Nach dem Erweitern der Pupille dürfen Sie für einige Stunden nicht selbst Auto fahren. Das Sehen ist verschwommen, besonders in der Nähe, und Sie sind blendempfindlich. Planen Sie eine Begleitperson oder öffentliche Verkehrsmittel ein und nehmen Sie eine Sonnenbrille mit. Die Wirkung lässt meist nach einigen Stunden nach.
Welche Zusatzuntersuchungen gibt es?
Zusatzuntersuchungen sind nur nötig, wenn der Einblick getrübt ist oder eine Behandlung der Trübungen erwogen wird.
- Ultraschall (B-Bild): wenn eine Blutung den Blick auf die Netzhaut verdeckt. Er zeigt große Risse und eine Ablösung, kann kleine Risse aber nicht sicher ausschließen.
- OCT (optische Kohärenztomografie): ein berührungsfreies Schichtbild der Netzhautmitte. Es zeigt, ob der Glaskörper noch an der Makula zieht, und erkennt Membranen oder ein Loch. Den ganzen Glaskörper bildet es nicht ab.
- Weitwinkel-Fundusfotografie: dokumentiert große Teile der Netzhaut auf einem Bild; ersetzt die Untersuchung des Randes aber nicht immer.
- Kontrastempfindlichkeit und Fragebögen: messen, wie stark die Trübungen im Alltag stören. Sie werden vor allem vor Laser oder Operation eingesetzt.
- Scanning-Laser-Ophthalmoskopie und Infrarot-Videos: machen sichtbar, wo die Trübung liegt und welchen Schatten sie wirft.
Was, wenn die Netzhaut nicht einsehbar ist?
Verdeckt eine Blutung die Sicht, hilft oft Ultraschall weiter. Manchmal rät die Augenärztin oder der Augenarzt zu einigen Stunden Ruhe mit erhöhtem Oberkörper, damit das Blut nach unten sinkt und den Blick freigibt. Bleibt ein Riss nicht sicher ausschließbar, sind engmaschige Kontrollen oder eine Überweisung in eine Klinik nötig.
Warum sind Kontrolltermine nötig?
Ein Netzhautriss kann auch noch Tage bis Wochen nach Beginn einer Glaskörperabhebung entstehen. Das Risiko ist in den ersten sechs Wochen am höchsten und nimmt bis etwa sechs Monate deutlich ab. War die erste Untersuchung unauffällig und kommen keine neuen Beschwerden hinzu, sinkt das Risiko neuer Löcher laut Leitlinie auf etwa 3 %.
Wie oft und wann kontrolliert wird, richtet sich nach Befund und Risikofaktoren. Häufig wird ein zweiter Termin nach etwa zwei bis sechs Wochen vereinbart, bei hohem Risiko auch früher. In Deutschland und Österreich findet die Abklärung praktisch immer ambulant statt.
Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?
Ziel der Untersuchung ist vor allem, folgende Erkrankungen zu erkennen oder auszuschließen:
- Netzhautriss und Netzhautablösung
- Glaskörperblutung, etwa bei Diabetes oder Gefäßverschlüssen
- Entzündung im Augeninneren (Uveitis, Vitritis)
- Spätfolgen an der Makula wie epiretinale Gliose oder Makulaforamen
- Augenmigräne als Ursache von Lichterscheinungen
- sehr selten: Tumoren, Kristallablagerungen, Amyloidose
5 Behandlung
In diesem Kapitel (13)
- Müssen Mouches volantes behandelt werden?
- Warum Abwarten meist die beste Wahl ist
- Gibt es Tropfen, Tabletten oder Nahrungsergänzungsmittel?
- Wie werden gefährliche Ursachen behandelt?
- Wann kommt ein Eingriff gegen die Trübungen selbst infrage?
- Was ist die YAG-Laser-Vitreolyse?
- Für wen eignet sich die Laser-Vitreolyse?
- Wie gut wirkt die Laser-Vitreolyse?
- Welche Risiken hat die Laser-Vitreolyse?
- Was ist eine Vitrektomie?
- Welche Risiken hat die Vitrektomie?
- Wie entscheidet man sich für oder gegen einen Eingriff?
- Wer zahlt die Behandlung?
Müssen Mouches volantes behandelt werden?
Nein: Harmlose Mouches volantes brauchen im Regelfall keine Behandlung. So steht es in der Leitlinie der deutschen Augenärzte (BVA und DOG) ebenso wie in amerikanischen, französischen und spanischen Fachquellen. Empfohlen wird, abzuwarten und sich an die Trübungen zu gewöhnen. Behandelt wird, wenn eine andere Erkrankung dahintersteckt, etwa ein Netzhautriss oder eine Entzündung.
Warum Abwarten meist die beste Wahl ist
Abwarten ist sinnvoll, weil die Beschwerden bei den meisten Menschen von selbst nachlassen. Zwei Dinge helfen dabei: Die Trübungen sinken mit der Zeit durch die Schwerkraft aus der Sehachse, und das Gehirn lernt, die Schatten auszublenden. Fachleute raten deshalb, mindestens sechs Monate abzuwarten, bevor über einen Eingriff überhaupt gesprochen wird.
Abwarten heißt nicht, nichts zu tun. Die Netzhaut wird untersucht, gefährliche Ursachen werden ausgeschlossen, und Sie kennen die Warnzeichen. Viele Betroffene empfinden schon die Gewissheit, dass nichts Gefährliches vorliegt, als große Entlastung.
Gibt es Tropfen, Tabletten oder Nahrungsergänzungsmittel?
Nein: Es gibt kein Medikament, keine Augentropfen und kein Nahrungsergänzungsmittel, dessen Wirkung gegen Mouches volantes belegt ist. Angebotene Präparate mit Enzymen, Pflanzenextrakten oder Vitaminen wirken, wenn überhaupt, über einen Placeboeffekt. Auch reichlich Trinken lässt die Trübungen nicht verschwinden.
Ein Wirkstoff, der den Glaskörper enzymatisch ablöst, ist für eine andere Erkrankung an der Makula zugelassen. Für Mouches volantes ist er nicht untersucht genug; manche Patienten bemerkten danach sogar mehr Trübungen.
Wie werden gefährliche Ursachen behandelt?
Liegt ein Netzhautriss vor, wird er meist mit einem Laser umstellt (Laserkoagulation) oder mit Kälte behandelt (Kryotherapie). Die entstehende Narbe verschweißt die Netzhaut mit ihrer Unterlage und senkt das Risiko einer Ablösung deutlich. Der Eingriff dauert nur Minuten und erfolgt ambulant.
Eine Netzhautablösung muss operiert werden, mit einer eingenähten Plombe oder einer Vitrektomie mit Gas- oder Silikonölfüllung. Eine Glaskörperblutung wird bei unkompliziertem Verlauf beobachtet; bei einem Riss dahinter oder sehr dichter Blutung wird operiert. Entzündungen werden je nach Ursache behandelt, Infektionen etwa mit Antibiotika oder antiviralen Mitteln.
Wann kommt ein Eingriff gegen die Trübungen selbst infrage?
Ein Eingriff gegen Mouches volantes kommt nur in seltenen Ausnahmefällen infrage. Voraussetzungen sind eine schwere Beeinträchtigung im Alltag über viele Monate, eine gründlich untersuchte, gesunde Netzhaut und ein ausführliches Gespräch über Nutzen und Risiken. Die deutsche Leitlinie betont, dass der Wunsch nach einer Operation immer von der Patientin oder dem Patienten ausgehen sollte, nicht von der Ärztin oder dem Arzt.
Zur Wahl stehen zwei Verfahren: die YAG-Laser-Vitreolyse und die Vitrektomie. Eine Cochrane-Übersicht von 2017 fand keine Studie, die beide direkt vergleicht. Welches besser ist, lässt sich daher nicht sicher sagen.
Was ist die YAG-Laser-Vitreolyse?
Bei der YAG-Laser-Vitreolyse werden einzelne Trübungen mit kurzen Laserpulsen zerkleinert oder verdampft. Ein Neodym-YAG-Laser erzeugt im Brennpunkt einen winzigen Energieblitz, der das Trübungsmaterial in Gasbläschen umwandelt. Die Pupille wird erweitert, das Auge betäubt, und ein Kontaktglas wird aufgesetzt. Die Behandlung dauert meist wenige Minuten und ist kaum schmerzhaft.
Oft sind mehrere Sitzungen nötig, in Studien eine bis sechs. Direkt nach der Behandlung können kleine dunkle Gasbläschen sichtbar sein, die sich nach kurzer Zeit auflösen. Manchmal entstehen aus einer großen Trübung mehrere kleine, die neu stören können.
Für wen eignet sich die Laser-Vitreolyse?
Geeignet sind nur wenige, gut abgrenzbare Trübungen in sicherem Abstand zu Linse und Netzhaut. Am besten untersucht ist die Behandlung beim einzelnen, dichten Weiss-Ring nach vollständiger Glaskörperabhebung. Gefordert wird ein Mindestabstand von etwa zwei bis drei Millimetern zu Linse und Netzhaut; dieser Abstand lässt sich nicht immer genau bestimmen.
Nicht geeignet sind viele oder diffuse, wolkige Trübungen, Trübungen nahe der Netzhaut, eine aktive Entzündung, frische Blutung, unbehandelte Netzhautrisse, ein schlecht eingestellter Augendruck oder ein getrübter Einblick. Bei jüngeren Menschen ohne Glaskörperabhebung liegen die Trübungen oft zu nah an der Netzhaut.
Wie gut wirkt die Laser-Vitreolyse?
Die Wirkung ist möglich, aber nicht verlässlich belegt; die Studien sind klein und widersprüchlich. Die bisher wichtigste Studie aus den USA (Shah und Heier, 2017) verglich 36 gelaserte Augen mit 16 Augen, die nur zum Schein behandelt wurden. Nach sechs Monaten berichteten 54 % der Gelaserten von einer Besserung, in der Scheingruppe 9 %. Eine deutliche oder vollständige Besserung erlebte etwa die Hälfte der Gelaserten, in der Scheingruppe niemand.
| Studie | Teilnehmende | Ergebnis |
|---|---|---|
| Tsai, 1993 | 15 | alle gebessert, sehr kleine Fallserie |
| Delaney, 2002 | 31 | gut ein Drittel mäßig gebessert, die Mehrheit nicht |
| Shah und Heier, 2017 (mit Scheinbehandlung) | 52 Augen | 54 % Besserung gegenüber 9 % |
| Ludwig, 2021 (randomisiert) | 21 | 77 % Besserung |
Eine Übersichtsarbeit von 2020 nennt die Datenlage „sehr begrenzt und widersprüchlich“ und das Verfahren umstritten. Viele Augenärzte, auch Netzhautspezialisten, bieten die Behandlung deshalb nicht an.
Welche Risiken hat die Laser-Vitreolyse?
Die Laser-Vitreolyse gilt als schonender als eine Operation, ist aber nicht risikofrei. Beschrieben sind:
- Verletzung der Linse mit nachfolgendem Grauen Star, wenn der Laser zu nah an der Linse wirkt
- Blutungen der Netzhaut, in einem Fall mit einem Gesichtsfeldausfall über einige Wochen
- Anstieg des Augendrucks, vereinzelt bis zu einem Glaukom, das operiert werden musste
- Netzhautrisse und Netzhautablösung, wobei ein ursächlicher Zusammenhang nicht immer sicher ist
- neue, kleinere Trübungen aus zersprengten Fasern
- vorübergehende Reizung, Rötung und Verschwommensehen
Die bisherigen Studien waren zu klein, um seltene, aber schwere Komplikationen sicher zu erfassen. Die Leitlinie der deutschen Augenärzte von 2017 erwähnt die Laser-Vitreolyse nicht.
Was ist eine Vitrektomie?
Bei der Vitrektomie wird der Glaskörper samt Trübungen operativ entfernt und durch eine klare Flüssigkeit ersetzt. Über drei winzige Zugänge in der Augenwand arbeitet die Chirurgin oder der Chirurg mit feinen Instrumenten. Heute werden meist sehr dünne Instrumente (25 oder 27 Gauge) verwendet, die Schnitte verschließen sich oft ohne Naht.
Die Vitrektomie ist das wirksamste Verfahren gegen Mouches volantes, weil sie die Trübungen tatsächlich entfernt. In Studien waren 85 bis 100 % der Operierten zufrieden, die meisten anschließend frei von Beschwerden. Kontrastsehen und Lebensqualität verbesserten sich messbar.
Welche Risiken hat die Vitrektomie?
Die Vitrektomie ist eine echte Augenoperation, deren Komplikationen bis zum Verlust des Sehens reichen können. Das wiegt bei Mouches volantes besonders schwer, weil das Auge vorher meist gut sieht. Die Zahlen schwanken je nach Studie und Technik:
| Komplikation | Häufigkeit in Studien |
|---|---|
| Grauer Star bei eigener Linse | etwa 23 bis 60 %; die Leitlinie nennt eine beschleunigte Linsentrübung bei allen Augen mit eigener Linse |
| Netzhautrisse durch die Operation | etwa 7 bis 17 %; laut Leitlinie 12 % bei bereits abgehobenem, 30 % bei noch anliegendem Glaskörper |
| Netzhautablösung | 0 bis etwa 11 %, auch noch lange nach der Operation |
| Schwellung der Makula | etwa 0,6 bis 5,5 % |
| Häutchen auf der Makula | etwa 1 bis 4 % |
| Infektion im Auge (Endophthalmitis) | selten, etwa 1 von 1.000 bis 2.000 Vitrektomien |
| Druckanstieg, Blutung, Makulaloch | jeweils selten |
Um Risiken zu senken, wird manchmal nur der hintere Teil des Glaskörpers entfernt, ohne eine Abhebung künstlich auszulösen. In einer Serie trat danach seltener ein Grauer Star auf. Andere Operateure lösen den Glaskörper dagegen bewusst vollständig ab, um späteren Zug zu vermeiden. Hier sind sich die Fachleute uneinig.
Wie entscheidet man sich für oder gegen einen Eingriff?
Eine Entscheidung für einen Eingriff sollte erst nach langer Bedenkzeit und gründlicher Aufklärung fallen. Hilfreich sind diese Fragen an sich selbst und an die behandelnde Augenärztin oder den Augenarzt:
- Bestehen die Beschwerden schon länger als sechs bis zwölf Monate, und haben sie sich trotz Gewöhnung nicht gebessert?
- Kann ich konkrete Alltagstätigkeiten nicht mehr ausüben, etwa Lesen, Arbeiten oder Autofahren?
- Was genau stört mich, und ist das die Trübung, die behandelt werden soll?
- Wie viel Erfahrung hat die Praxis oder Klinik mit diesem Eingriff bei Mouches volantes?
- Welches Risiko für einen Grauen Star oder eine Netzhautablösung besteht in meinem Fall, etwa bei starker Kurzsichtigkeit?
- Was passiert, wenn das Ergebnis mich nicht zufriedenstellt?
Viele Augenärzte raten von einer Operation wegen Mouches volantes ab. Bei älteren Menschen mit beginnendem Grauen Star wird die Vitrektomie manchmal mit der Linsenoperation kombiniert. Holen Sie im Zweifel eine Zweitmeinung in einer Universitäts-Augenklinik ein.
Wer zahlt die Behandlung?
Ob die Krankenkasse Laser oder Operation gegen Mouches volantes bezahlt, ist nicht einheitlich geregelt. Die deutsche Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Empfehlungen nicht immer dem Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. Die Vitrektomie wird in Deutschland meist stationär durchgeführt. Klären Sie die Kostenübernahme vor jedem Eingriff schriftlich mit Ihrer Krankenkasse oder der österreichischen Sozialversicherung.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (6)
Gehen Mouches volantes wieder weg?
Mouches volantes verschwinden selten vollständig, werden aber bei den meisten Menschen mit der Zeit deutlich weniger störend. Nach einer Glaskörperabhebung sinken die Trübungen allmählich aus der Sehachse, und das Gehirn lernt, sie zu übersehen. Das dauert typischerweise Wochen bis Monate, manchmal länger.
Bei einer kleinen Gruppe bleiben die Trübungen über Jahre belastend, häufiger bei Kurzsichtigen. Bei manchen nehmen sie mit den Jahren auch langsam zu, weil der Glaskörper weiter altert.
Wie ist die Prognose?
Die Prognose ist sehr gut: Harmlose Mouches volantes gefährden das Sehen nicht. Ist die Glaskörperabhebung vollständig und die Netzhaut unverletzt, gelten die Trübungen als unbedenklich. Das Risiko späterer Netzhautrisse ist dann gering, aber nicht null.
Welche Komplikationen sind möglich?
Komplikationen gehen nicht von den Mouches selbst aus, sondern von der Glaskörperabhebung, die sie verursacht. Möglich sind:
- Netzhautriss: meist in den ersten Wochen; mit Laser gut behandelbar, wenn er früh erkannt wird.
- Netzhautablösung: der wichtigste Grund für die Untersuchung. Etwa 10 von 100.000 Menschen sind pro Jahr betroffen, meist zwischen 50 und 70 Jahren, mit einem zweiten Gipfel bei jungen, stark Kurzsichtigen.
- Glaskörperblutung: wenn ein Netzhautgefäß einreißt.
- Spätfolgen an der Makula: Haftet der Glaskörper an der Netzhautmitte fest, kann er dort ziehen. Daraus können über Monate bis Jahre ein Häutchen auf der Makula oder ein Loch entstehen.
Unbehandelt kann eine Netzhautablösung zur Erblindung des Auges führen. Je früher sie erkannt wird, desto besser sind die Aussichten. Schon wenige Tage können über das spätere Sehen entscheiden; liegt die Makula noch an, ist aber bedroht, sogar Stunden.
Kann aus Mouches volantes eine Netzhautablösung werden?
Nur selten: Eine Glaskörperabhebung ist viel häufiger als eine Netzhautablösung und führt in den meisten Fällen nicht dazu. Aus einem unbehandelten Netzhautriss kann sich aber eine Ablösung entwickeln. Deshalb ist die Untersuchung bei neuen Beschwerden so wichtig: Ein früh gefundener Riss lässt sich mit einem kurzen Lasereingriff abdichten.
Was passiert am zweiten Auge?
Am zweiten Auge folgt eine Glaskörperabhebung häufig innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren. Die Zeichen sind meist dieselben wie beim ersten Auge. Hatte das erste Auge einen Riss oder eine Ablösung, ist das Risiko am zweiten Auge erhöht; dann sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.
Wie lange besteht ein erhöhtes Risiko?
Das Risiko für einen Netzhautriss ist in den ersten sechs Wochen nach Beginn einer Glaskörperabhebung am höchsten. Danach sinkt es deutlich, bis etwa sechs Monate. Die meisten Risse zeigen sich innerhalb des ersten Jahres. Neue oder stärkere Beschwerden sind aber zu jedem Zeitpunkt ein Grund für eine erneute Untersuchung.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (5)
Kann man Mouches volantes vorbeugen?
Nein: Der altersbedingte Umbau des Glaskörpers lässt sich nach heutigem Wissen nicht aufhalten. Weder Ernährung noch Vitamine, Augentraining, Trinkmenge oder UV-Schutz beeinflussen nachweislich die Entstehung. Vorbeugen lässt sich aber den gefährlichen Folgen, indem man die Warnzeichen kennt und rasch handelt.
Wie gewöhnt man sich an Mouches volantes?
Am besten gelingt die Gewöhnung, wenn man den Trübungen möglichst wenig Aufmerksamkeit schenkt. Gezieltes Suchen und Verfolgen der Schatten schärft die Wahrnehmung für sie. Das Gehirn lernt schneller, sie auszublenden, wenn sie zum „Hintergrundrauschen“ werden dürfen.
- Blick kurz bewegen: Ein rascher Blick nach oben und unten wirbelt das Gel auf und schiebt eine störende Trübung oft für einen Moment aus der Sehachse.
- Grelle Kontraste vermeiden: Gleichmäßige, nicht zu helle Beleuchtung im Raum, Lesematerial leicht geneigt, damit weniger Licht reflektiert wird.
- Bildschirm anpassen: Einen dunkleren Hintergrund oder geringere Helligkeit wählen; auf weißen Flächen fallen die Trübungen am stärksten auf.
- Sonnenbrille draußen: Bei Schnee, Wasser oder hellem Himmel macht sie die Schatten weniger deutlich und reduziert Blendung.
- Ablenkung und Geduld: Die meisten Menschen bemerken nach einigen Monaten eine klare Besserung.
Wie können Sie Ihre Netzhaut schützen?
Den besten Schutz bietet eine rasche Untersuchung bei neuen Beschwerden. Ein früh entdeckter Riss lässt sich per Laser behandeln, bevor sich die Netzhaut ablöst. Besonders achtsam sein sollten:
- Kurzsichtige, vor allem bei starker Kurzsichtigkeit
- Menschen nach einer Operation des Grauen Stars oder einer Laserbehandlung am Auge
- Menschen mit Netzhautablösung am anderen Auge oder in der Familie
- Menschen mit Diabetes
- Menschen mit erblichen Bindegewebserkrankungen wie Stickler- oder Marfan-Syndrom
Für diese Gruppen sind regelmäßige Netzhautkontrollen sinnvoll; Häufigkeit und Abstand legt die Augenärztin oder der Augenarzt fest. Allgemein wird ab etwa 40 Jahren eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung empfohlen.
Muss man nach einer frischen Glaskörperabhebung etwas meiden?
Belegt ist kein bestimmtes Verhalten, das eine Netzhautablösung verhindert. Manche Augenärzte raten in den ersten Wochen nach einer frischen Abhebung zu Zurückhaltung bei Kontaktsportarten, Erschütterungen, schwerem Heben oder Kopfüberlagen. Wichtiger als jede Schonung ist es, die Kontrolltermine einzuhalten und bei neuen Zeichen sofort zu reagieren.
Schutz vor Verletzungen
Stumpfe Verletzungen können eine Glaskörperabhebung, Blutung oder Netzhautrisse auslösen. Bei Ballsportarten mit kleinen, schnellen Bällen wie Squash und bei Arbeiten mit Splittergefahr schützt eine passende Schutzbrille. Nach jedem kräftigen Schlag aufs Auge sollten neue Mouches oder Blitze untersucht werden.
8 Wann sofort zum Arzt?
Sofort zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Augenambulanz einer Klinik, auch nachts, am Wochenende oder an Feiertagen, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- ein Schatten, Schleier oder „Vorhang“, der sich ins Gesichtsfeld schiebt
- Rußregen: ein plötzlicher Schauer vieler schwarzer Punkte
- plötzlich viele neue Mouches volantes zusammen mit Lichtblitzen
- plötzliche Sehverschlechterung oder Gesichtsfeldausfall
- neue Mouches mit Schmerzen und Rötung, besonders nach einer Augenoperation oder einer Spritze ins Auge
- neue Mouches nach einer Verletzung des Auges oder Kopfes
Eine Netzhautablösung ist ein Notfall. Eine noch gute Sehschärfe beruhigt nicht, denn ein Riss kann bereits vorliegen. In Deutschland hilft außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 bei der Suche nach einer augenärztlichen Notfallversorgung; in Österreich sind die Augenambulanzen der Krankenhäuser die Anlaufstelle, telefonische Beratung gibt es unter 1450. Bei starkem, plötzlichem Sehverlust gilt der Notruf 112. Mehr zu den Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
Innerhalb von 24 Stunden sollten Sie untersuchen lassen, wenn Sie Mouches volantes zum ersten Mal bemerken oder wenn bekannte Trübungen plötzlich deutlich zunehmen, auch ohne weitere Zeichen. Gleiches gilt für neue Lichtblitze ohne Schatten. Französische Fachquellen nennen ausdrücklich 24 Stunden; die deutsche Leitlinie nennt keine Frist. Weil die Folgen eines übersehenen Risses schwer wiegen, ist die frühe Untersuchung die sichere Wahl. Rufen Sie in der Praxis an und nennen Sie die Beschwerden genau, damit Sie rasch einen Termin bekommen.
Innerhalb weniger Tage genügt ein Termin, wenn sich bereits untersuchte Trübungen leicht verändern, ohne Blitze, Schatten oder Sehverlust. Auch wenn Sie unsicher sind, ob die Trübungen neu sind, ist ein zeitnaher Termin sinnvoll.
Routinemäßig, bei der nächsten Kontrolle, können Sie Trübungen ansprechen, die seit Langem bekannt, bereits untersucht und unverändert sind. Sie sind kein Notfall.
Wurde nach einer frischen Glaskörperabhebung kein Riss gefunden, gilt: Jede neue Zunahme, jeder neue Blitz und jeder Schatten ist erneut ein Grund, sofort wiederzukommen. Ein Riss kann auch noch Wochen später entstehen.
9 Häufige Fragen
Sind Mouches volantes gefährlich?
Meist nicht. Mouches volantes sind in der Regel Schatten harmloser Verdichtungen im alternden Glaskörper. Gefährlich kann es werden, wenn plötzlich viele neue Trübungen auftreten, zusammen mit Lichtblitzen, Rußregen oder einem Schatten. Dann muss ein Netzhautriss noch am selben Tag ausgeschlossen werden.
Gehen Mouches volantes von selbst wieder weg?
Ganz verschwinden sie selten. Bei den meisten Menschen stören sie aber nach Wochen bis Monaten deutlich weniger, weil die Trübungen aus der Sehachse sinken und das Gehirn sie ausblendet. Bei einer kleinen Gruppe bleiben sie über Jahre belastend.
Warum sehe ich Mouches volantes vor allem am Himmel oder am Bildschirm?
Vor hellen, gleichmäßigen Flächen ist der Kontrast am größten. Außerdem wird die Pupille bei Helligkeit eng, sodass der Schatten der Trübung schärfer auf die Netzhaut fällt. Vor gemusterten oder dunklen Flächen fallen dieselben Trübungen kaum auf.
Ich sehe plötzlich viele schwarze Punkte. Was soll ich tun?
Lassen Sie sich noch heute, spätestens innerhalb von 24 Stunden, augenärztlich untersuchen. Plötzlich viele neue Punkte entstehen meist durch eine Glaskörperabhebung, können aber auch auf einen Netzhautriss oder eine Blutung hinweisen. Bei Rußregen, einem Schatten oder Sehverlust gehen Sie sofort in eine Augenambulanz.
Warum habe ich Mouches volantes, obwohl ich noch jung bin?
Bei jungen Menschen ist meist Kurzsichtigkeit der Grund: Im längeren kurzsichtigen Auge verflüssigt sich der Glaskörper früher. Manchmal sind es auch Reste eines Blutgefäßes aus der Zeit vor der Geburt. Neue Trübungen sollten trotzdem einmal untersucht werden, vor allem nach Verletzungen oder bei Entzündungszeichen.
Kann man Mouches volantes weglasern?
Nur in ausgewählten Fällen. Die YAG-Laser-Vitreolyse eignet sich vor allem für einen einzelnen, dichten Ring mit sicherem Abstand zu Linse und Netzhaut. Die Studienlage ist dünn: In der besten Studie besserte sich etwa die Hälfte der Behandelten deutlich. Risiken wie Grauer Star, Druckanstieg oder Netzhautschäden sind möglich.
Lohnt sich eine Operation gegen Mouches volantes?
Nur in seltenen Ausnahmefällen mit schwerer, lange anhaltender Beeinträchtigung. Die Vitrektomie entfernt die Trübungen zuverlässig, und die meisten Operierten sind zufrieden. Sie kann aber einen Grauen Star, Netzhautrisse, eine Netzhautablösung oder eine Infektion auslösen. Die deutsche Leitlinie rät, dass der Wunsch nach einer Operation immer von der Patientin oder dem Patienten ausgeht.
Gibt es Augentropfen oder Tabletten gegen Mouches volantes?
Nein. Kein Medikament und kein Nahrungsergänzungsmittel hat eine belegte Wirkung gegen Mouches volantes. Auch viel Trinken hilft nicht. Hilfreich sind Geduld, möglichst wenig Aufmerksamkeit für die Trübungen und weniger grelle Kontraste im Alltag.
Was bedeuten Lichtblitze zusammen mit Mouches volantes?
Lichtblitze zeigen, dass der Glaskörper an der Netzhaut zieht. Das passiert oft bei einer harmlosen Glaskörperabhebung, kann aber einen Riss verursachen. Neue Blitze sollten deshalb zeitnah untersucht werden. Flimmernde Zickzacklinien in beiden Augen über 10 bis 20 Minuten sprechen dagegen eher für eine Migräne-Aura.
Kann man von Mouches volantes blind werden?
Von den Mouches selbst nicht. Gefährlich ist eine begleitende Netzhautablösung, die unbehandelt zur Erblindung des Auges führen kann. Wer die Warnzeichen kennt und rasch zur Untersuchung geht, kann das Sehen in aller Regel erhalten.
Bekomme ich Mouches volantes auch am anderen Auge?
Häufig ja. Eine Glaskörperabhebung folgt am zweiten Auge oft innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren. Die Zeichen sind meist dieselben. Lassen Sie auch dann neue Trübungen oder Blitze zügig untersuchen.
Ist die Untersuchung beim Augenarzt schmerzhaft?
Nein. Die Pupille wird mit Tropfen erweitert, dann wird die Netzhaut mit Licht und Lupe bis zum Rand angesehen. Ein sanfter Druck auf das Lid kann unangenehm sein. Danach sehen Sie einige Stunden verschwommen und dürfen nicht selbst Auto fahren.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 26 Quellen anzeigen
- Leitlinie Nr. 23: Glaskörpertrübungen / Mouches volantes (Stand 21.06.2017) – BVA und DOG (DE)
- Glaskörpererkrankungen – gesundheit.gv.at (Österreichisches Gesundheitsportal) (DE)
- Wie fliegende Mücken im Auge – Glaskörpertrübungen: immer harmlos? (2019) – Klinikum Wels-Grieskirchen (DE)
- Lichtblitze und Mouches volantes – MSD Manual Ausgabe für Patienten (DE)
- Mouches volantes – MSD Manual Profi-Ausgabe (DE)
- Ich sehe Punkte und Schlieren – ist das schlimm? (2024) – Apotheken Umschau (DE)
- Mouches volantes – DocCheck Flexikon (DE)
- What Are Floaters and Flashes? – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Floaters and flashes in the eyes – NHS (EN)
- Posterior Vitreous Detachment – EyeWiki (American Academy of Ophthalmology) (EN)
- Laser Vitreolysis – EyeWiki (American Academy of Ophthalmology) (EN)
- Vitrectomy for primary symptomatic vitreous opacities: an evidence-based review (Ivanova et al., Eye 2016) – Royal College of Ophthalmologists / PMC (EN)
- Nd:YAG laser vitreolysis versus pars plana vitrectomy for vitreous floaters (Kokavec et al., 2017) – Cochrane (EN)
- To Treat or Not to Treat Vitreous Floaters (EyeNet, 2018) – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Laser Vitreolysis for Symptomatic Floaters (Shah und Heier, JAMA Ophthalmol 2017) – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Safety and Efficacy of YAG Laser Vitreolysis for the Treatment of Vitreous Floaters: An Overview (Katsanos et al., Adv Ther 2020) – PubMed (EN)
- Corps flottants et éclairs lumineux (myodésopsies) – Clínica Universidad de Navarra (FR)
- Décollement de rétine – La Revue du Praticien (FR)
- Le décollement de la rétine – Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) (FR)
- Certaines causes de corps flottants – Manuel Merck (version professionnelle) (FR)
- Miodesopsias („moscas volantes“) – National Eye Institute (NEI) (ES)
- Desprendimiento vítreo – National Eye Institute (NEI) (ES)
- Moscas volantes y destellos de luz – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Miodesopsias (moscas volantes) – Manual MSD, versión para profesionales (ES)
- Vitreolisis con láser Nd:YAG versus vitrectomía de la pars plana para las miodesopsias – Cochrane (ES)
- Opacidades vítreas sintomáticas (Olate-Pérez, Lutz; 2023) – Revista Médica Clínica Las Condes (ES)
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