Fehlstehende Wimpern (Trichiasis und Distichiasis)
Bei einer Trichiasis wachsen Wimpern zum Auge hin und scheuern bei jedem Lidschlag auf Hornhaut und Bindehaut; bei einer Distichiasis wächst eine zusätzliche zweite Wimpernreihe. Beides verursacht Fremdkörpergefühl, Tränen und Rötung und kann unbehandelt die Hornhaut dauerhaft schädigen, lässt sich aber gut behandeln.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (7)
Was sind fehlstehende Wimpern?
Bei fehlstehenden Wimpern wachsen einzelne oder mehrere Wimpern nicht vom Auge weg, sondern zum Augapfel hin und scheuern bei jedem Lidschlag auf Hornhaut und Bindehaut. Fachleute nennen das Trichiasis, nach dem griechischen Wort für Haar. Die Wimpern entspringen dabei an der normalen Stelle des Lidrands, und das Lid selbst steht richtig. Betroffen sein können Ober- und Unterlid, eine einzelne Wimper oder eine ganze Gruppe.
Was ist eine Distichiasis?
Bei einer Distichiasis wächst hinter der normalen Wimpernreihe eine zusätzliche, zweite Reihe feiner Härchen. Sie entspringen aus den Öffnungen der Meibom-Drüsen, kleiner Talgdrüsen am hinteren Lidrand, die normalerweise die Ölschicht des Tränenfilms bilden. Diese Härchen zeigen von Anfang an zum Auge. Die Distichiasis ist meist angeboren, kann aber auch nach schweren Entzündungen oder Verletzungen des Lids entstehen.
Worin unterscheidet sich das vom Entropium?
Beim Entropium kippt der ganze Lidrand nach innen und nimmt die eigentlich gesunden Wimpern mit. Bei der Trichiasis steht das Lid normal, nur die Wimpern selbst wachsen in die falsche Richtung. Die Unterscheidung ist wichtig, weil ein Entropium eine Lidoperation braucht, während bei der Trichiasis oft eine Behandlung einzelner Wimpern reicht. Beides kann gleichzeitig vorkommen, besonders wenn das Lid vernarbt ist.
Welche verwandten Formen gibt es?
Verwandt sind vor allem das Epiblepharon und die Trachom-Trichiasis, bei denen Wimpern ebenfalls das Auge berühren.
- Epiblepharon: eine angeborene, waagrechte Hautfalte am Unterlid, die die Wimpern senkrecht stellt und gegen das Auge drückt. Sie kommt vor allem bei Kindern ostasiatischer Herkunft vor und bessert sich oft mit dem Wachstum.
- Trachom-Trichiasis: die Spätfolge des Trachoms, einer Chlamydien-Infektion der Bindehaut. Nach jahrelang wiederholten Infektionen vernarbt die Innenseite des Oberlids, das Lid dreht sich nach innen, die Wimpern reiben auf der Hornhaut. Weltweit ist das die häufigste Ursache fehlstehender Wimpern, in Mitteleuropa spielt sie kaum eine Rolle.
Wie häufig sind fehlstehende Wimpern?
Für Deutschland und Österreich gibt es keine verlässlichen Zahlen, wie viele Menschen fehlstehende Wimpern haben. Die spanische Fachgesellschaft für Augenheilkunde bezeichnet Wimpernfehlstellungen als ziemlich häufig, und in Augenpraxen gehört das Entfernen einzelner scheuernder Wimpern zum Alltag. Weltweit leben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO (Stand 2026) rund 92 Millionen Menschen in Gebieten, in denen Trachom vorkommt. Etwa 1,9 Millionen Menschen sind durch Trachom blind oder sehbehindert, das sind rund 1,4 Prozent aller Erblindungen.
Warum sollte man eine scheuernde Wimper ernst nehmen?
Eine Wimper, die dauerhaft auf der Hornhaut reibt, kann die Oberfläche des Auges verletzen und den Weg für Keime öffnen. Daraus können Hornhautabschürfungen, Entzündungen, Geschwüre und Narben entstehen, die das Sehen bleibend verschlechtern. Meist bleibt es bei lästigen Beschwerden, die sich gut behandeln lassen. Entscheidend ist, dass eine Augenärztin oder ein Augenarzt die Hornhaut prüft und die Ursache klärt.
Das Wichtigste in Kürze
Fehlstehende Wimpern sind lästig, aber gut behandelbar, wenn die Hornhaut rechtzeitig geschützt wird.
- Trichiasis: normale Wimpern wachsen zum Auge hin. Distichiasis: eine zusätzliche zweite Wimpernreihe.
- Typisch sind Fremdkörpergefühl, Tränen, Rötung und Lichtempfindlichkeit.
- Häufige Ursachen sind chronische Lidrandentzündung, Narben nach Verletzungen oder Entzündungen und ein einwärts gedrehtes Lid; oft findet sich keine Ursache.
- Zupfen hilft sofort, die Wimper wächst aber meist nach einigen Wochen nach.
- Dauerhaft helfen Verfahren, die die Haarwurzel zerstören (Elektrolyse, Radiofrequenz, Laser, Kälte), oder eine Lidoperation.
- Rückfälle sind bei allen Methoden häufig, deshalb sind Kontrollen wichtig.
2 Symptome
In diesem Kapitel (21)
- Welche Beschwerden sind typisch?
- Wie fühlt sich eine scheuernde Wimper an?
- Warum tränt das Auge?
- Warum ist das Auge rot?
- Lichtempfindlichkeit und Blendung
- Wie stark sind die Schmerzen?
- Kann sich das Sehen verschlechtern?
- Machen sich Beschwerden je nach Lage unterschiedlich bemerkbar?
- Warum kratzt es nach dem Zupfen manchmal stärker?
- Kann man fehlstehende Wimpern auch ohne Beschwerden haben?
- Was sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?
- Welche Spätfolgen kann die ständige Reibung haben?
- Welche Warnzeichen deuten auf eine ernste Hornhautschädigung hin?
- Was bemerken Angehörige?
- Wie zeigen sich fehlstehende Wimpern bei Kindern?
- Wie zeigen sich fehlstehende Wimpern bei älteren Menschen?
- Welche Zeichen begleiten das Lymphödem-Distichiasis-Syndrom?
- Welche Beschwerden hat man bei der Trachom-Trichiasis?
- Ist meist ein Auge oder sind beide betroffen?
- Womit kann man die Beschwerden verwechseln?
- Übersicht: Beschwerden und was dahinterstecken kann
Welche Beschwerden sind typisch?
Das typische Zeichen ist das Gefühl, ständig etwas im Auge zu haben, obwohl man nichts findet. Dazu kommen fast immer Tränen, Rötung und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Die Beschwerden entstehen, weil die Wimper bei jedem Lidschlag über die empfindliche Hornhaut streicht, und das geschieht viele tausend Mal am Tag.
- Fremdkörpergefühl, Sandkorngefühl, Kratzen oder Stechen
- Tränendes Auge
- Gerötetes Auge, oft mit sichtbar gereizter Bindehaut
- Lichtempfindlichkeit und Blendung, besonders in hellem Tageslicht
- Brennen und Juckreiz
- Schmerzen, von leicht bis stark
- Häufiges Blinzeln oder Zukneifen
- Verschwommenes oder schwankendes Sehen, wenn die Hornhaut bereits geschädigt ist
Wie fühlt sich eine scheuernde Wimper an?
Die meisten Betroffenen beschreiben ein Sandkorn oder Härchen im Auge, das sich nicht wegblinzeln lässt. Das Gefühl ist oft an einer bestimmten Stelle zu spüren, etwa im inneren oder äußeren Lidwinkel. Es kann sich verändern, wenn man nach oben oder unten blickt, weil die Wimper dann einen anderen Teil der Hornhaut berührt. Reiben oder kräftiges Zukneifen verstärkt die Beschwerden meist, weil die Wimper dabei stärker angedrückt wird.
Warum tränt das Auge?
Das Tränen ist eine Schutzreaktion: Die Reizung der Hornhaut löst über Nerven vermehrten Tränenfluss aus, mit dem das Auge den vermeintlichen Fremdkörper ausspülen will. Weil die Wimper fest im Lid sitzt, gelingt das nicht, und das Auge tränt weiter. Manche Menschen haben deshalb ständig feuchte Wangen oder müssen die Tränen abwischen. Ständiges Wischen kann wiederum die Haut am Unterlid reizen.
Warum ist das Auge rot?
Die Rötung entsteht durch die Reizung der Bindehaut, die sich als Abwehrreaktion stärker durchblutet. Häufig ist die Rötung dort am stärksten, wo die Wimpern reiben. Bei länger bestehender Reizung kommt eine richtige Bindehautentzündung hinzu, mit geschwollener Bindehaut und etwas Absonderung.
Lichtempfindlichkeit und Blendung
Viele Betroffene empfinden helles Licht als unangenehm oder schmerzhaft. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Hornhaut gereizt ist. In Untersuchungsanleitungen der WHO wird ausdrücklich danach gefragt, ob Patientinnen und Patienten Probleme beim Sehen in hellem Tageslicht haben. Wer bei Sonne die Augen zukneift oder draußen ständig eine Sonnenbrille braucht, sollte das bei der Untersuchung erwähnen.
Wie stark sind die Schmerzen?
Die Schmerzen reichen von einem leichten Kratzen bis zu stechenden, ständigen Beschwerden. Eine einzelne feine Wimper am Rand der Hornhaut verursacht oft nur ein unangenehmes Gefühl. Mehrere kräftige Wimpern, die über die Mitte der Hornhaut streichen, können dagegen dauerhaft schmerzen. Bei der Trachom-Trichiasis beschreiben Betroffene einen ständigen Schmerz bei jedem Lidschlag.
Kann sich das Sehen verschlechtern?
Ja, wenn die Hornhaut bereits geschädigt ist. Viele kleine Oberflächendefekte machen die Hornhaut unregelmäßig, das Bild wirkt verschwommen oder schwankt beim Blinzeln. Bildet sich eine Narbe oder Trübung über der Pupille, verschlechtert sich das Sehen dauerhaft. Eine Sehverschlechterung ist deshalb immer ein Warnzeichen und gehört rasch untersucht.
Machen sich Beschwerden je nach Lage unterschiedlich bemerkbar?
Ja, die Stärke der Beschwerden hängt davon ab, wo und wie viele Wimpern reiben.
- Oberlid: Nach der spanischen Fachgesellschaft ist das Krankheitsbild meist schwerer, wenn das Oberlid betroffen ist, weil das Oberlid bei jedem Lidschlag über die gesamte Hornhaut gleitet.
- Unterlid: Hier reiben die Wimpern eher am unteren Rand der Hornhaut und an der Bindehaut. Das Gefühl ist oft weniger stark, kann aber dauerhaft lästig sein.
- Einzelne Wimper: Eine einzige fehlgerichtete Wimper kann bereits erhebliche Beschwerden machen, besonders wenn sie kräftig ist.
- Ganze Reihe: Reibt eine ganze Wimpernreihe, steckt meist eine Lidfehlstellung oder eine Vernarbung dahinter. Die Hornhaut ist dann stärker gefährdet.
- Distichiasis: Die Härchen der zweiten Reihe sind meist dünner, kürzer und heller als normale Wimpern. Sie reiben trotzdem direkt auf der Hornhaut, weil sie von Anfang an zum Auge zeigen.
Warum kratzt es nach dem Zupfen manchmal stärker?
Eine nachwachsende Wimper ist zunächst kurz und steif und kann deshalb stärker kratzen als die ausgewachsene Wimper. Mehrere Fachquellen beschreiben diese Stoppel als besonders reizend für die Hornhaut. Wer eine Wimper zupft, hat deshalb oft einige Wochen Ruhe und dann erneut Beschwerden, manchmal stärker als vorher. Das ist ein typisches Muster und ein Grund, eine dauerhafte Behandlung zu besprechen.
Kann man fehlstehende Wimpern auch ohne Beschwerden haben?
Ja, wie stark jemand die Reibung spürt, ist sehr unterschiedlich. Feine, weiche Wimpern der Distichiasis werden besonders von Kindern oft lange gut vertragen. Auch beim Epiblepharon haben viele Kinder nur geringe Beschwerden. Gerade wenn kaum Beschwerden bestehen, kann die Hornhaut trotzdem kleine Schäden zeigen, die erst bei der Untersuchung auffallen.
Was sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?
Bei der Untersuchung zeigen sich die fehlgerichteten Wimpern und die Spuren, die sie auf dem Auge hinterlassen haben.
- Wimpern, die zum Augapfel zeigen oder ihn berühren
- Eventuell ein nach innen gedrehter Lidrand
- Gerötete Bindehaut
- Punktförmige Oberflächendefekte der Hornhaut, die sich mit Farbstoff anfärben lassen
- Hornhautabschürfung, also ein größerer Defekt der obersten Zellschicht
- Entzündung der Hornhaut
- Verhornung der Oberfläche bei langem Bestehen
- Abgebrochene Wimpern oder Stoppeln als Zeichen früheren Zupfens
Welche Spätfolgen kann die ständige Reibung haben?
Hält die Reibung über Monate oder Jahre an, kann die Hornhaut bleibend geschädigt werden. Ohne ihre schützende oberste Zellschicht können Keime leichter eindringen und eine Hornhautentzündung auslösen.
- Hornhautgeschwür: ein tieferer, oft infizierter Defekt, der sehr schmerzhaft sein kann.
- Pannus: Blutgefäße wachsen vom Rand her in die eigentlich klare Hornhaut ein.
- Narben und Trübungen: weiße oder graue Flecken in der Hornhaut, die das Sehen verschlechtern, wenn sie vor der Pupille liegen.
- Verdünnung: die Hornhaut wird an der gereizten Stelle dünner, im Extremfall droht ein Durchbruch.
- Sehverlust: bei ausgedehnten Narben bis zur Erblindung, wie es beim unbehandelten Trachom vorkommt.
Welche Warnzeichen deuten auf eine ernste Hornhautschädigung hin?
Zunehmende Schmerzen, ein schlechter werdendes Sehen und ein weißer oder trüber Fleck auf der Hornhaut sind Warnzeichen für ein Geschwür oder eine Narbe. Auch eitriger Ausfluss, ein stark gerötetes und geschwollenes Auge oder plötzlich starke Lichtscheu gehören dazu. In diesen Fällen sollten Sie noch am selben Tag augenärztlich untersucht werden. Ein weiteres Warnzeichen nennt die WHO: Wenn sich die Lider im Schlaf nicht ganz schließen und ein Teil des Augapfels sichtbar bleibt, ist die Hornhaut zusätzlich gefährdet.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige fallen oft zuerst ein ständig gerötetes oder tränendes Auge auf, oder dass jemand die Augen häufig reibt oder zukneift. Typisch ist auch, dass Betroffene sich selbst oder mit Hilfe anderer immer wieder Wimpern auszupfen. In den Anleitungen der WHO für Trachomgebiete ist genau das eine der ersten Fragen an Patientinnen und Patienten. Wer bemerkt, dass ein älterer Angehöriger regelmäßig mit der Pinzette am Auge hantiert, sollte eine augenärztliche Untersuchung anregen.
Wie zeigen sich fehlstehende Wimpern bei Kindern?
Kinder können ihre Beschwerden oft nicht benennen und zeigen sie eher durch ihr Verhalten. Mögliche Zeichen sind häufiges Augenreiben, vermehrtes Blinzeln, tränende Augen, Zukneifen bei hellem Licht und ein gerötetes Auge.
- Distichiasis: Die zusätzlichen Härchen sind bei Kindern meist fein und hell und werden oft gut vertragen. Beschwerden treten nach Angaben der amerikanischen Augenärzte-Gesellschaft häufig erst nach dem fünften Lebensjahr auf. Die Distichiasis kann bei Geburt bestehen und trotzdem monatelang unbemerkt bleiben.
- Epiblepharon: Die Wimpern des Unterlids stehen senkrecht und berühren die Hornhaut. Viele Kinder sind nur wenig beeinträchtigt, manche haben aber punktförmige Hornhautschäden.
- Angeborenes Entropium: selten, bildet sich oft von selbst zurück.
Bei Kindern ist eine Untersuchung besonders wichtig, weil eine geschädigte Hornhaut in den ersten Lebensjahren die Sehentwicklung stören kann.
Wie zeigen sich fehlstehende Wimpern bei älteren Menschen?
Bei älteren Menschen stecken häufig ein altersbedingt einwärts gedrehtes Unterlid, eine chronische Lidrandentzündung oder Narben nach früheren Eingriffen dahinter. Die Beschwerden werden oft lange als normale trockene Augen gedeutet. Manche ältere Menschen spüren die Reibung weniger deutlich und bemerken erst eine Sehverschlechterung. Wer über Jahre Augentropfen anwendet, etwa gegen Grünen Star, sollte bei neuen Reizbeschwerden auch an fehlstehende Wimpern denken.
Welche Zeichen begleiten das Lymphödem-Distichiasis-Syndrom?
Die angeborene Distichiasis ist oft Teil des Lymphödem-Distichiasis-Syndroms, einer erblichen Erkrankung. Die doppelte Wimpernreihe ist dabei meist das erste Zeichen; bei rund 94 Prozent der Betroffenen ist sie vorhanden. Typischerweise ab der Pubertät schwellen zusätzlich die Beine an (Lymphödem).
- Schwellung der Beine durch gestauten Lymphabfluss
- Hängendes Oberlid bei rund 30 Prozent (Hängendes Oberlid)
- Früh auftretende Krampfadern
- Seltener Herzfehler, Gaumenspalte, Nierenfehlbildungen oder Verkrümmung der Wirbelsäule
- Wiederkehrende Bindehautentzündungen, Hornhautreizung und Lichtscheu
Wenn ein Kind eine doppelte Wimpernreihe hat und in der Familie geschwollene Beine oder Krampfadern in jungen Jahren vorkommen, sollten Sie das ansprechen.
Welche Beschwerden hat man bei der Trachom-Trichiasis?
Bei der Trachom-Trichiasis sind meist viele Wimpern des Oberlids betroffen, und die Beschwerden sind entsprechend stark. Betroffene haben ständige Schmerzen und sind sehr lichtempfindlich. Der Lidrand ist oft so verändert, dass die Wimpernbasis hinter dem Lid versteckt liegt. Mit den Jahren entstehen Hornhauttrübungen, die zu Sehbehinderung und Blindheit führen.
Ist meist ein Auge oder sind beide betroffen?
Das hängt von der Ursache ab. Eine einzelne fehlgerichtete Wimper nach einer Verletzung betrifft meist nur ein Auge. Die angeborene Distichiasis kann ein oder beide Augen betreffen, ebenso das Ober- oder Unterlid. Bei Erkrankungen, die beide Augen gleichermaßen betreffen, wie dem Trachom oder einer Schleimhauterkrankung, sind häufig beide Seiten betroffen.
Womit kann man die Beschwerden verwechseln?
Die Beschwerden ähneln vielen anderen Reizzuständen des Auges, deshalb ist die Untersuchung an der Spaltlampe so wichtig.
- Ein loser Fremdkörper oder eine ausgefallene Wimper unter dem Oberlid (Fremdkörper im Auge)
- Trockenes Auge mit Brennen und Sandkorngefühl
- Bindehautentzündung mit Rötung und Absonderung
- Lidrandentzündung mit geröteten, verkrusteten Lidrändern
- Ein einwärts gedrehtes Lid (Entropium)
Übersicht: Beschwerden und was dahinterstecken kann
Jede Beschwerde gibt einen Hinweis darauf, wie stark die Hornhaut schon betroffen ist; die Tabelle fasst das zusammen.
| Beschwerde | Wie sie sich äußert | Mögliche Bedeutung |
|---|---|---|
| Fremdkörpergefühl | Sandkorn, Kratzen, oft an einer Stelle | Wimper reibt auf Hornhaut oder Bindehaut |
| Tränen | ständig feuchtes Auge | Reflex auf die Hornhautreizung |
| Rötung | gerötete Bindehaut | Reizung oder Bindehautentzündung |
| Lichtempfindlichkeit | Blendung, Zukneifen bei Sonne | gereizte oder geschädigte Hornhaut |
| Schmerz, zunehmend | stechend, dauerhaft | Hornhautabschürfung oder Geschwür möglich |
| Schlechteres Sehen | verschwommen, schwankend | Oberflächenschaden, Narbe oder Trübung |
| Weißer Fleck | auf der Hornhaut sichtbar | Geschwür oder Narbe, rasch abklären |
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (12)
- Warum wachsen Wimpern in die falsche Richtung?
- Gibt es fehlstehende Wimpern ohne erkennbare Ursache?
- Welche Rolle spielt eine Lidrandentzündung?
- Können Verletzungen und Operationen fehlstehende Wimpern auslösen?
- Welche Entzündungskrankheiten vernarben das Lid?
- Welche Infektionen können die Ursache sein?
- Können Medikamente fehlstehende Wimpern verursachen?
- Wie hängt ein Entropium mit fehlstehenden Wimpern zusammen?
- Welche angeborenen Ursachen gibt es?
- Kann ein Tumor hinter fehlstehenden Wimpern stecken?
- Wie entsteht die Trachom-Trichiasis?
- Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Warum wachsen Wimpern in die falsche Richtung?
Normalerweise zeigen die Wimpern vom Auge weg und schützen es. Alles, was die Haarwurzeln am Lidrand verschiebt oder verdreht, kann sie zum Auge hin lenken. Meist sind das Entzündungen und Narben, die das Gewebe am Lidrand schrumpfen lassen. Bei der Distichiasis entsteht dagegen ein zusätzlicher Haarfollikel dort, wo eigentlich eine Drüse sitzen sollte.
Gibt es fehlstehende Wimpern ohne erkennbare Ursache?
Ja, außerhalb der Trachomgebiete findet sich häufig keine fassbare Ursache. Fachleute sprechen dann von einer idiopathischen Trichiasis. Das MSD-Manual bezeichnet diese Form als die häufigste. Trotzdem sucht die Augenärztin oder der Augenarzt nach einer Ursache, weil sie die Behandlung beeinflusst.
Welche Rolle spielt eine Lidrandentzündung?
Eine chronische Lidrandentzündung (Blepharitis) ist eine der häufigsten Ursachen. Die dauerhafte Entzündung schädigt die Haarwurzeln und lässt kleine Narben entstehen, die die Wimpern verdrehen. Eine Lidrandentzündung kann bakteriell bedingt sein, meist durch Staphylokokken, oder mit Haarbalgmilben (Demodex), Hautkrankheiten oder Hormonen zusammenhängen. Auch eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen und die Rosazea am Auge zählen zu den Risikofaktoren.
Können Verletzungen und Operationen fehlstehende Wimpern auslösen?
Ja, jede Narbe am Lidrand oder an der Bindehaut kann Wimpern umlenken. Dazu gehören Schnittverletzungen, Verbrennungen und vor allem chemische Verletzungen (Verätzung des Auges). Auch frühere Operationen an Lid oder Bindehaut können zu einer Trichiasis führen. Eine erworbene Distichiasis entsteht, wenn sich Meibom-Drüsen nach schwerer Entzündung oder Verletzung in Haarfollikel umwandeln.
Welche Entzündungskrankheiten vernarben das Lid?
Einige seltene, aber ernste Erkrankungen lassen die Bindehaut fortschreitend vernarben und führen häufig zu fehlstehenden Wimpern.
- Okuläres Schleimhautpemphigoid: eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bindehaut schrumpft und mit dem Lid verwächst. Sie betrifft vor allem ältere Menschen.
- Stevens-Johnson-Syndrom: eine schwere, meist durch Medikamente ausgelöste Reaktion von Haut und Schleimhäuten, die am Auge Narben hinterlässt.
- Atopische Keratokonjunktivitis: eine chronische allergische Entzündung von Bindehaut und Hornhaut bei Menschen mit Neurodermitis.
Bei diesen Erkrankungen genügt es nicht, die Wimpern zu entfernen; die Grunderkrankung muss mitbehandelt werden.
Welche Infektionen können die Ursache sein?
Eine Gürtelrose am Auge (Herpes zoster ophthalmicus) ist nach der spanischen Fachgesellschaft eine sehr typische Ursache, weil sie Lidrand und Bindehaut vernarben kann (Herpes am Auge). Weltweit am wichtigsten ist das Trachom, das im nächsten Abschnitt beschrieben ist. Auch andere schwere Bindehautinfektionen können Narben hinterlassen.
Können Medikamente fehlstehende Wimpern verursachen?
Ja, einige Arzneimittel werden damit in Verbindung gebracht. Als Risikofaktor genannt werden vor allem Augentropfen gegen das Glaukom, die oft über viele Jahre getropft werden. Solche Dauertropfen können die Augenoberfläche reizen und in seltenen Fällen die Bindehaut vernarben lassen. Prostaglandin-Wirkstoffe regen zudem das Wachstum der Wimpern an, die dabei länger, dichter und manchmal anders ausgerichtet werden. Fallen unter solchen Tropfen reibende Wimpern auf, sollte man das in der Augenpraxis ansprechen und die Tropfen nicht eigenmächtig absetzen. Eine erworbene Distichiasis ist bei einzelnen Krebsmedikamenten beschrieben, nämlich Docetaxel, Pertuzumab und Trastuzumab (Augenschäden durch Medikamente). Setzen Sie solche Medikamente nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an.
Wie hängt ein Entropium mit fehlstehenden Wimpern zusammen?
Ein Entropium führt fast immer dazu, dass Wimpern das Auge berühren, weil sich der ganze Lidrand nach innen dreht. Streng genommen ist das keine Trichiasis, wird aber im Alltag oft so bezeichnet. Fachleute unterscheiden mehrere Formen.
- Altersbedingtes Entropium: die häufigste Form, meist am Unterlid, durch Erschlaffung des Lidhalteapparats.
- Spastisches Entropium: durch einen Lidkrampf bei Augenentzündungen (Lidkrampf).
- Narbenentropium: durch Schrumpfung von Bindehaut und Lidplatte nach Trachom, Verbrennung oder Verätzung.
- Angeborenes Entropium: selten, in Europa sehr selten.
Welche angeborenen Ursachen gibt es?
Angeboren sind vor allem die Distichiasis und das Epiblepharon. Bei der angeborenen Distichiasis entwickelt sich eine Anlage, die eigentlich eine Meibom-Drüse bilden sollte, zu einem vollständigen Haarfollikel. Meist gehört sie zum Lymphödem-Distichiasis-Syndrom, das durch Veränderungen im Gen FOXC2 auf Chromosom 16 entsteht. Es wird autosomal-dominant vererbt: Jedes Kind eines betroffenen Elternteils hat eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, die Anlage zu erben, wobei die Ausprägung selbst innerhalb einer Familie sehr unterschiedlich sein kann.
Kann ein Tumor hinter fehlstehenden Wimpern stecken?
Selten ja. Nach dem Lexikon der amerikanischen Augenärzte-Gesellschaft kann eine neu aufgetretene Trichiasis ein frühes Zeichen eines bösartigen Tumors am Lidrand sein. Verdächtig sind ein Verlust von Wimpern an einer Stelle, eine Verdickung oder ein Knoten am Lidrand, eine Verhärtung oder ein Geschwür, das nicht abheilt (Tumoren am Augenlid). Das ist ein Grund, warum eine neue Wimpernfehlstellung immer augenärztlich angesehen werden sollte.
Wie entsteht die Trachom-Trichiasis?
Das Trachom ist eine Infektion der Bindehaut mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis. Wiederholte Infektionen, oft schon in der Kindheit, lassen die Innenseite des Oberlids über Jahre vernarben. Das Lid dreht sich nach innen, die Wimpern reiben auf der Hornhaut, und es entstehen Trübungen bis zur Erblindung. Übertragen wird die Infektion über Augen- und Nasensekret, über Hände, Kleidung und Tücher sowie durch bestimmte Fliegen; kleine Kinder sind das Hauptreservoir.
Das Risiko steigt bei mangelnder Hygiene, beengtem Wohnen und schlechtem Zugang zu Wasser und Toiletten. Frauen erblinden nach Angaben der WHO bis zu viermal häufiger als Männer, vermutlich weil sie enger mit infizierten Kindern in Kontakt sind. Die Sehbehinderung beginnt typischerweise zwischen 30 und 40 Jahren. In Europa ist das Trachom kaum verbreitet.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Ein erhöhtes Risiko haben vor allem Menschen, deren Lidrand oder Bindehaut entzündet oder vernarbt ist.
- Menschen mit chronischer Lidrandentzündung, Meibom-Drüsen-Störung oder Rosazea
- Menschen nach Verletzungen, Verätzungen, Verbrennungen oder Operationen an Lid und Bindehaut
- Menschen mit vernarbenden Schleimhauterkrankungen wie Pemphigoid oder Stevens-Johnson-Syndrom
- Menschen nach einer Gürtelrose am Auge
- Ältere Menschen mit einwärts gedrehtem Unterlid
- Menschen, die über Jahre Augentropfen anwenden
- Kinder mit Epiblepharon oder Familien mit Lymphödem-Distichiasis-Syndrom
- Menschen aus Trachomgebieten, vor allem in Afrika
4 Diagnose
In diesem Kapitel (10)
- Wie wird die Diagnose gestellt?
- Was wird im Gespräch gefragt?
- Was passiert bei der Untersuchung?
- Wozu dient der gelbe Farbstoff?
- Woran erkennt man den Unterschied zwischen Trichiasis, Distichiasis und Entropium?
- Warum prüft man den Lidschluss?
- Warum ist die Suche nach der Ursache so wichtig?
- Wann sind weitere Untersuchungen nötig?
- Wie wird ein Trachom eingeteilt?
- Was kann noch hinter den Beschwerden stecken?
Wie wird die Diagnose gestellt?
Fehlstehende Wimpern sind meist eine Blickdiagnose an der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt in der Augenpraxis. Die Augenärztin oder der Augenarzt sieht bei Vergrößerung, welche Wimpern das Auge berühren und ob die Hornhaut bereits Schaden genommen hat. Spezielle Geräte oder Laboruntersuchungen braucht es dafür in der Regel nicht. Wichtig ist aber, die Ursache zu klären und ein Entropium auszuschließen.
Was wird im Gespräch gefragt?
Das Gespräch klärt, seit wann die Beschwerden bestehen und was sie ausgelöst haben könnte. Bereiten Sie am besten Antworten auf diese Fragen vor.
- Seit wann besteht das Fremdkörpergefühl, und auf welcher Seite?
- Haben Sie schon einmal Wimpern gezupft oder zupfen lassen, und wie schnell kamen sie wieder?
- Gab es Verletzungen, Verätzungen oder Operationen an Auge oder Lid?
- Hatten Sie eine Gürtelrose im Gesicht oder eine schwere Bindehautentzündung?
- Welche Augentropfen und anderen Medikamente nehmen Sie, auch Krebsmedikamente?
- Haben Sie Hautkrankheiten wie Rosazea oder Neurodermitis?
- Gibt es in der Familie doppelte Wimpernreihen oder früh geschwollene Beine?
Was passiert bei der Untersuchung?
Die Untersuchung beginnt meist mit der Prüfung der Sehschärfe. An der Spaltlampe werden dann Lidrand, Wimpernreihe und Lidstellung genau angesehen. Die Ärztin oder der Arzt prüft, ob die Wimpern aus der normalen Reihe kommen oder dahinter aus den Drüsenöffnungen, und ob der Lidrand selbst nach innen gedreht ist. Oft wird das Oberlid umgeklappt, um die Innenseite und die Umschlagfalte der Bindehaut auf Narben und Verwachsungen zu prüfen.
Wozu dient der gelbe Farbstoff?
Mit dem Farbstoff Fluorescein lassen sich Verletzungen der Hornhaut sichtbar machen. Ein Tropfen färbt die Tränenflüssigkeit gelb-grün, und im blauen Licht leuchten Stellen auf, an denen die oberste Zellschicht fehlt. So erkennt die Ärztin oder der Arzt punktförmige Schäden, Abschürfungen und Geschwüre. Das Ergebnis bestimmt, wie dringend die Behandlung ist und ob zusätzlich Medikamente nötig sind.
Woran erkennt man den Unterschied zwischen Trichiasis, Distichiasis und Entropium?
Entscheidend sind die Stellung des Lidrands und der Ursprung der Wimpern.
| Befund | Lidrand | Herkunft der Wimpern | Typische Behandlung |
|---|---|---|---|
| Trichiasis | steht normal | normale Wimpernreihe, falsche Richtung | Zupfen, Zerstörung des Follikels, bei vielen Wimpern Operation |
| Distichiasis | steht normal | zusätzliche Reihe aus den Meibom-Drüsenöffnungen | Behandlung nur bei Beschwerden; Kälte, Elektrolyse oder Operation |
| Entropium | nach innen gedreht | normale Wimpern, mitgenommen | Lidoperation |
| Epiblepharon | steht normal, Hautfalte davor | normale Wimpern, senkrecht gestellt | meist abwarten, selten Operation |
In manchen Fällen ist die Trennung unscharf. Ist der Lidrand stark vernarbt, lassen sich vordere und hintere Lidschicht nicht mehr unterscheiden, und die Behandlung wird aufwendiger.
Warum prüft man den Lidschluss?
Schließen sich die Lider nicht vollständig, ist die Hornhaut zusätzlich gefährdet, und eine Operation muss das berücksichtigen. Die Ärztin oder der Arzt bittet deshalb, die Augen sanft zu schließen, und prüft, ob ein Teil des Augapfels sichtbar bleibt. Nach den WHO-Anleitungen gehören solche Fälle in die Hand erfahrener Lidchirurgen. Auch nach Operationen wird der Lidschluss kontrolliert.
Warum ist die Suche nach der Ursache so wichtig?
Weil manche Ursachen eine eigene Behandlung brauchen und die Wimpern sonst immer wieder fehlwachsen. Eine Lidrandentzündung oder Rosazea lässt sich behandeln. Ein Schleimhautpemphigoid fällt manchmal erst durch Verwachsungen zwischen Lid und Augapfel auf und braucht eine Behandlung des Immunsystems. In einer Fallserie aus Uruguay wurde ein Pemphigoid erst entdeckt, nachdem die Wimpern bereits behandelt worden waren.
Wann sind weitere Untersuchungen nötig?
Weitere Untersuchungen braucht es nur bei bestimmten Fragen. Bei einem verdächtigen Knoten oder Wimpernverlust am Lidrand kann eine Gewebeprobe nötig sein. Bei Verdacht auf ein vernarbendes Pemphigoid wird ebenfalls eine Probe der Bindehaut untersucht. Beim Lymphödem-Distichiasis-Syndrom stützt sich die Diagnose auf Distichiasis und Lymphödem oder eines davon zusammen mit der Familiengeschichte; ein Gentest auf FOXC2 kann die Diagnose bestätigen. Die Fachübersicht GeneReviews empfiehlt nach der Diagnose zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, eine Untersuchung der Beinvenen und eine Abklärung der Lymphgefäße der Beine.
Wie wird ein Trachom eingeteilt?
Die WHO teilt das Trachom in fünf Stadien ein, die Trichiasis ist das vierte.
| Stadium | Kürzel | Befund |
|---|---|---|
| 1 | TF | Fünf oder mehr Knötchen (Follikel) an der Bindehaut des Oberlids |
| 2 | TI | Gerötete, raue, verdickte Bindehaut |
| 3 | TS | Weiße Narben an der Lidinnenseite |
| 4 | TT | Trichiasis: Wimpern reiben auf dem Augapfel |
| 5 | CO | Hornhauttrübung |
Bei der Trachom-Trichiasis wird außerdem gezählt, wie viele Wimpern den Augapfel berühren. Weniger als fünf gilt als geringfügig, fünf oder mehr als ausgeprägt.
Was kann noch hinter den Beschwerden stecken?
Bei der Untersuchung werden andere Ursachen für Fremdkörpergefühl und Tränen ausgeschlossen. Dazu gehören ein Fremdkörper oder eine lose Wimper unter dem Oberlid, ein trockenes Auge, eine Bindehautentzündung, eine Lidrandentzündung, eine Hornhautverletzung aus anderem Grund und ein Entropium oder Ektropium. Eine lose Wimper lässt sich meist einfach entfernen und kommt nicht wieder, eine fehlstehende dagegen schon.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (21)
- Was ist das Ziel der Behandlung?
- Wonach richtet sich die Wahl der Methode?
- Was hilft bis zur eigentlichen Behandlung?
- Wie läuft das Zupfen (Epilation) ab?
- Warum wächst die Wimper nach dem Zupfen wieder?
- Wie gut wirkt Zupfen auf Dauer?
- Darf man Wimpern selbst zupfen?
- Wie funktioniert die Elektrolyse?
- Was ist die Radiofrequenzbehandlung?
- Kann man fehlstehende Wimpern lasern?
- Wie funktioniert die Kältebehandlung (Kryotherapie)?
- Wie unterscheiden sich die Methoden?
- Wann ist eine Operation nötig?
- Welche Operationsverfahren gibt es?
- Wie läuft eine Lidoperation ab?
- Muss eine Distichiasis immer behandelt werden?
- Wie wird das Epiblepharon bei Kindern behandelt?
- Wie wird die Trachom-Trichiasis behandelt?
- Muss die Grunderkrankung mitbehandelt werden?
- Was ist ein realistisches Behandlungsergebnis?
- Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Was ist das Ziel der Behandlung?
Ziel ist, dass keine Wimper mehr das Auge berührt und die Hornhaut geschützt wird. Dazu werden je nach Lage die Wimpern entfernt, ihre Wurzeln zerstört oder die Stellung des Lids korrigiert. Gleichzeitig wird die Ursache behandelt, etwa eine Lidrandentzündung. Die spanische Fachgesellschaft beschreibt fehlstehende Wimpern als vielschichtiges Behandlungsproblem, bei dem Rückfälle und unvollständige Ergebnisse häufig sind.
Wonach richtet sich die Wahl der Methode?
Die Methode hängt von der Zahl und Lage der Wimpern, ihrer Ursache, der Stellung des Lids und dem Zustand des Auges ab. Auch die Erfahrung der Behandelnden und die verfügbare Ausstattung spielen eine Rolle. Es gibt keine große Studie, die alle Methoden direkt miteinander vergleicht. Die Empfehlungen beruhen deshalb vor allem auf Fallserien und Erfahrung, mit Ausnahme der Trachom-Trichiasis, für die es mehrere randomisierte Studien gibt.
- Wenige einzelne Wimpern: Zupfen, dann Elektrolyse, Radiofrequenz oder Laser.
- Größere zusammenhängende Gruppen: Kältebehandlung oder Operation.
- Lidrand nach innen gedreht: zuerst die Lidstellung operativ korrigieren.
- Ausgedehnte Narben: Operation, eventuell mit Schleimhauttransplantat.
Eine Faustregel aus Fachartikeln lautet, dass ab etwa fünf fehlgerichteten Wimpern eher Kälte oder Operation in Betracht kommen.
Was hilft bis zur eigentlichen Behandlung?
Befeuchtende Tropfen und Salben machen die Oberfläche glatter und lindern das Reiben (Tränenersatzmittel). Eine weiche Verbandkontaktlinse kann die Hornhaut wie ein Schild schützen, wenn eine Operation nicht sofort möglich ist. Sie sollte nur unter augenärztlicher Kontrolle getragen werden, weil sich unter Kontaktlinsen in seltenen Fällen Geschwüre bilden können. Bei Entzündungen verordnet die Ärztin oder der Arzt eventuell entzündungshemmende oder antibiotische Tropfen oder Salben.
In Trachomgebieten ohne rasche Operationsmöglichkeit beschreiben die Leitlinien von Ärzte ohne Grenzen eine weitere Überbrückung: Die Wimpern werden mit einem schmalen Pflasterstreifen am Lid festgeklebt, wöchentlich erneuert, über drei Monate. Das ist für Mitteleuropa keine übliche Methode.
Wie läuft das Zupfen (Epilation) ab?
Beim Zupfen zieht die Augenärztin oder der Augenarzt die fehlgerichtete Wimper mit einer feinen Pinzette an der Basis heraus. Vorher wird das Auge meist mit Tropfen betäubt, sodass man nur ein kurzes Unbehagen spürt. Der Eingriff dauert wenige Minuten und bringt sofort Erleichterung. Danach sollte man das Auge nicht reiben.
Warum wächst die Wimper nach dem Zupfen wieder?
Weil beim Zupfen nur das Haar entfernt wird, die Haarwurzel (Follikel) aber erhalten bleibt. Die Wimper wächst deshalb meist nach etwa vier bis sechs Wochen nach; bei der Distichiasis und nach Angaben der spanischen Fachgesellschaft teilweise schon nach zwei bis drei Wochen. Für wenige, gelegentlich nachwachsende Wimpern ist regelmäßiges Zupfen eine einfache Lösung. Kommen die Wimpern immer wieder, ist eine dauerhafte Methode meist sinnvoller.
Wie gut wirkt Zupfen auf Dauer?
Auf Dauer hilft Zupfen allein nur einem Teil der Betroffenen. In einer britischen Auswertung einer Augenklinik mit 59 Patienten war Zupfen allein nur bei 54 Prozent erfolgreich, und vor einer Elektrolyse waren im Mittel zehn Zupf-Termine vorausgegangen. Die Autoren folgerten, dass Zupfen oft zu lange wiederholt wird, und führten einen Behandlungsplan ein. Bei der geringfügigen Trachom-Trichiasis zeigte eine große Studie in Äthiopien mit 1.300 Menschen nach zwei Jahren ein Versagen bei 13,2 Prozent nach Zupfen und bei 2,2 Prozent nach Operation.
Die Cochrane-Übersicht wertet Zupfen deshalb als weniger wirksam als eine Operation, um erneutes Reiben zu verhindern. Sehschärfe und Hornhautbefund waren nach zwei Jahren allerdings in beiden Gruppen ähnlich. Wer eine Operation ablehnt, kann mit gutem, regelmäßig kontrolliertem Zupfen eine vertretbare Alternative haben.
Darf man Wimpern selbst zupfen?
Davon raten Fachquellen ab. Zu Hause fehlen Vergrößerung und Licht, die Wimper bricht leicht ab, und der kurze Stummel kann stärker kratzen als die ganze Wimper. Außerdem bleibt eine Hornhautschädigung unbemerkt, die nur mit Farbstoff an der Spaltlampe sichtbar wird. Eine lose Wimper unter dem Oberlid darf man dagegen vorsichtig ausspülen oder das Oberlid kurz über das Unterlid ziehen; bleibt sie, entfernt sie die Ärztin oder der Arzt.
Wie funktioniert die Elektrolyse?
Bei der Elektrolyse (Elektroepilation) führt die Ärztin oder der Arzt eine feine Nadel entlang der Wimper in den Follikel ein und zerstört ihn mit Strom. Das geschieht nach örtlicher Betäubung und unter dem Mikroskop. Die Methode eignet sich gut für wenige, einzeln stehende Wimpern, ist bei vielen aber mühsam. In der britischen Auswertung waren im Mittel zwei Sitzungen nötig, mit einer Spanne von einer bis sechs.
Die Erfolgsrate lag dort bei 54 Prozent. Mögliche Nachteile sind das Nachwachsen einzelner Wimpern und kleine Narben am Lidrand. Nach Angaben der spanischen Fachgesellschaft können wärmebasierte Verfahren bei häufiger Anwendung das Gewebe schrumpfen lassen und selbst ein Entropium auslösen; sie werden deshalb nur bei wenigen Wimpern eingesetzt. Danach wird meist für einige Tage eine antibiotische Salbe mitgegeben.
Was ist die Radiofrequenzbehandlung?
Die Radiofrequenzbehandlung zerstört den Follikel mit hochfrequentem Strom und funktioniert ähnlich wie die Elektrolyse. Nach einem Übersichtsartikel liegt der Erfolg nach einer Behandlung zwischen 56 und 90 Prozent. Es entstehen weniger Narben als bei der klassischen Elektrolyse. Auch hier eignet sich die Methode vor allem für einzelne Wimpern.
Kann man fehlstehende Wimpern lasern?
Ja, mit einem Argonlaser lassen sich Follikel einzelner, verstreut stehender Wimpern veröden. Er eignet sich vor allem, wenn das Lid nicht entzündet ist, und wird zum Beispiel beim Pemphigoid eingesetzt. Nach einer Sitzung sind 45 bis 62 Prozent erfolgreich, nach zwei Sitzungen 68 bis 70 Prozent. Häufige Nebenwirkungen sind leichte Schwellung und Rötung; in einer Studie mit einem Diodenlaser sank die Zahl der reibenden Wimpern pro Patient nach drei Monaten von durchschnittlich 3,6 auf 0,7.
Wie funktioniert die Kältebehandlung (Kryotherapie)?
Bei der Kryotherapie wird der Lidrand nach örtlicher Betäubung mit einer Kältesonde auf etwa minus 20 bis minus 30 Grad abgekühlt, meist in zwei Zyklen aus Gefrieren und Auftauen. Die Kälte zerstört die Follikel einer ganzen Gruppe von Wimpern auf einmal. Sie eignet sich deshalb für größere zusammenhängende Bereiche und wird bei der Distichiasis eingesetzt. Die Erfolgsraten liegen nach Fachartikeln bei 70 bis 90 Prozent, in der britischen Auswertung bei 78 Prozent.
Die Kälte kann aber auch gesundes Gewebe schädigen: Kerben im Lidrand, Verlust benachbarter Wimpern, Aufhellung der Lidhaut, Schwellung, Narben an den Tränenkanälchen, Verwachsungen und das Wiederaufflammen einer Gürtelrose sind beschrieben. Beim Pemphigoid kann sie die Vernarbung verschlimmern; in einer kleinen Londoner Studie mit 12 Betroffenen lag der Erfolg dort nach einem Jahr nur bei 40 Prozent und nach vier Jahren bei 34 Prozent, meist weil die Follikel nicht ausreichend durchgefroren waren. Die spanische Fachgesellschaft bezeichnet die Kryotherapie wegen dieser Nebenwirkungen als heute kaum noch gebräuchlich. Neuere Techniken mit geschlossener Sonde und kurzen Zyklen wurden in kleinen Fallserien mit guten Ergebnissen beschrieben, größere Vergleichsstudien fehlen.
Wie unterscheiden sich die Methoden?
Die Methoden unterscheiden sich vor allem darin, wie viele Wimpern sie auf einmal erfassen, wie oft sie wiederholt werden müssen und welche Nebenwirkungen sie haben. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede.
| Methode | Geeignet für | Erfolg laut Studien | Wichtige Nachteile |
|---|---|---|---|
| Zupfen | einzelne Wimpern, erste Hilfe | sofort wirksam, Wimper kommt nach 2 bis 6 Wochen wieder | muss wiederholt werden, Stoppel kratzt |
| Elektrolyse | wenige einzelne Wimpern | rund 54 % (eine Auswertung), oft 1 bis 6 Sitzungen | mühsam bei vielen Wimpern, kleine Narben |
| Radiofrequenz | wenige einzelne Wimpern | 56 bis 90 % nach einer Behandlung | Nachwachsen möglich |
| Argonlaser | verstreute Wimpern, nicht entzündetes Lid | 45 bis 62 % nach einer, 68 bis 70 % nach zwei Sitzungen | Schwellung, Rötung |
| Kryotherapie | größere Gruppen, Distichiasis | 70 bis 90 % | Lidkerben, Pigmentverlust, Schaden an Nachbarwimpern |
| Operation | viele Wimpern, Lidfehlstellung, Narben | je nach Verfahren und Ursache unterschiedlich | Rückfälle, Lidkonturfehler, Narben |
Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen, meist kleinen Studien und sind nur eingeschränkt vergleichbar.
Wann ist eine Operation nötig?
Eine Operation ist sinnvoll, wenn viele Wimpern betroffen sind, wenn sie trotz anderer Methoden immer wiederkommen oder wenn der Lidrand selbst nach innen gedreht ist. Bei einem Entropium wird zuerst die Lidstellung korrigiert, weil sich das Problem sonst nicht löst. Nach der spanischen Fachgesellschaft geht der Trend bei vielen Wimpern zur Operation. Die Ergebnisse sind aber nicht immer vollständig, und kosmetisch kann der Lidrand leicht verändert sein.
Welche Operationsverfahren gibt es?
Es gibt zwei Grundideen: die Wimpern vom Auge wegdrehen oder den Bereich mit den fehlgerichteten Wimpern entfernen.
- Entropium-Korrektur: Bei leichtem Entropium reichen manchmal Fixierungsnähte, bei ausgeprägtem wird das Lid gestrafft und ein Teil von Haut und Muskel entfernt.
- Tarsusrotation: Die Lidplatte (Tarsus) wird durchtrennt und der Lidrand nach außen gedreht. Das ist das Standardverfahren bei der Trachom-Trichiasis.
- Lidspaltung: Der Lidrand wird in eine vordere und hintere Schicht geteilt, um an die Follikel zu gelangen; oft kombiniert mit gezielter Kältebehandlung. In einer kleinen Studie mit 20 Oberlidern lag der Erfolg bei 90 Prozent.
- Keilresektion: Ein kleiner Keil des Lids mit den fehlgerichteten Wimpern wird entfernt und das Lid wieder vernäht. Das eignet sich für umschriebene Bereiche.
- Entfernung des Lidrands mit Transplantat: Bei Distichiasis oder schwerer Vernarbung wird der betroffene Teil der hinteren Lidschicht entfernt und eventuell durch ein Stück Mundschleimhaut ersetzt.
Wie läuft eine Lidoperation ab?
Die meisten Lidoperationen werden ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt, bei Bedarf mit einem Beruhigungsmittel. Sie dauern etwa 30 Minuten bis eine Stunde. Die Wunde wird mit feinen Fäden verschlossen, die nach etwa ein bis zwei Wochen gezogen werden, sofern sie sich nicht selbst auflösen. Danach erhalten Sie meist antibiotische oder entzündungshemmende Salben oder Tropfen und Termine für Nachkontrollen.
Bei Kindern ist meist eine Vollnarkose nötig. Frühe Risiken sind Blutung, Schwellung, Infektion und eine vorübergehende Sehstörung durch Salbe oder Schwellung. Späte Risiken sind eine Über- oder Unterkorrektur, eine unregelmäßige Lidkante, Narben, kleine Gewebeknötchen an der Bindehaut (Granulome) und Rückfälle.
Muss eine Distichiasis immer behandelt werden?
Nein, eine Distichiasis wird nur behandelt, wenn sie Beschwerden macht oder die Hornhaut schädigt. Bei beschwerdefreien Säuglingen und Kleinkindern ist Abwarten mit regelmäßiger Kontrolle vertretbar. Zur Linderung dienen Befeuchtung und eventuell eine weiche Kontaktlinse. Dauerhaft kommen Elektrolyse, Laser, Kryotherapie oder eine Operation infrage; in einer kleinen Serie mit 13 operierten Lidern waren sieben danach beschwerdefrei, die übrigen brauchten eine Nachbehandlung oder gelegentliches Zupfen.
Wie wird das Epiblepharon bei Kindern behandelt?
Beim Epiblepharon wird zunächst beobachtet und mit Tränenersatz oder Salbe behandelt, weil es sich oft mit dem Wachstum des Gesichts bessert. In einer Beobachtung von 89 Kindern über 15 Jahre brauchten nur drei eine Operation. Operiert wird, wenn die Hornhaut dauerhaft geschädigt ist oder starke Beschwerden bestehen. Dabei wird die überschüssige Hautfalte entfernt; Rückfälle sind möglich.
Wie wird die Trachom-Trichiasis behandelt?
Die WHO empfiehlt für alle Menschen mit Trachom-Trichiasis eine Lidoperation. Standard sind die bilamelläre Tarsusrotation und die Rotation der hinteren Lidschicht (posteriore lamelläre Tarsusrotation, auch Trabut-Operation genannt). In einer großen Studie in Äthiopien mit 1.000 Erwachsenen kam es nach vier Jahren bei 13,6 Prozent nach der hinteren Rotation und bei 22,2 Prozent nach der bilamellären Rotation zu einem Rückfall; die meisten Rückfälle waren geringfügig. Die WHO empfiehlt die hintere Rotation deshalb für die Ausbildung neuer Operateure.
Eine Cochrane-Übersicht mit 13 randomisierten Studien und 8.586 Teilnehmenden kam zu dem Schluss, dass Operationen in der Gemeinde genauso sicher sind wie im Krankenhaus und von geschultem Pflegepersonal ähnlich gut durchgeführt werden wie von Augenärzten. Ob Azithromycin um die Operation herum Rückfälle verhindert, blieb unklar. In einer Übersicht über Studien aus Afrika lagen die Rückfallraten nach einem Jahr zwischen 7,6 und 41,3 Prozent. Im Jahr 2025 wurden weltweit 98.829 Trichiasis-Operationen gemeldet.
Muss die Grunderkrankung mitbehandelt werden?
Ja, sonst wachsen die Wimpern oft wieder falsch. Eine Lidrandentzündung wird mit Lidpflege und gegebenenfalls Medikamenten behandelt. Bei einem Schleimhautpemphigoid ist eine Behandlung des Immunsystems nötig, etwa mit Kortison und anderen Mitteln, die die Abwehr dämpfen, meist als Tabletten oder Infusion; Augentropfen wie Ciclosporin können ergänzen. Die Behandlung erfolgt oft gemeinsam mit anderen Fachrichtungen. Lang angewendete Augentropfen werden überprüft und, wenn möglich, umgestellt.
Was ist ein realistisches Behandlungsergebnis?
Realistisch ist, dass die Beschwerden deutlich nachlassen und die Hornhaut geschützt wird, nicht aber, dass nie wieder eine Wimper reibt. Nach einem Fachartikel ist das Nachwachsen einzelner Wimpern kein Misserfolg; viele Betroffene brauchen zwei oder mehr Verfahren. Es hilft, das vor der Behandlung zu wissen und die Kontrolltermine einzuhalten. Einzelne nachwachsende Wimpern lassen sich meist einfach erneut behandeln.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die gesichteten Quellen enthalten keine Angaben zur Kostenübernahme in Deutschland oder Österreich. Fehlstehende Wimpern sind eine Erkrankung und keine kosmetische Frage, die Behandlung erfolgt deshalb in der Regel über die augenärztliche Versorgung. Ob ein bestimmtes Verfahren, etwa eine Laserbehandlung, von Ihrer Krankenkasse übernommen wird, klären Sie am besten vorab mit der Praxis und Ihrer Kasse.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (8)
- Wie verlaufen fehlstehende Wimpern ohne Behandlung?
- Wie ist die Prognose mit Behandlung?
- Wie oft kommen die Wimpern zurück?
- Welche Komplikationen können durch die Behandlung entstehen?
- Wie verlaufen fehlstehende Wimpern bei Kindern?
- Was bedeutet das Lymphödem-Distichiasis-Syndrom für das weitere Leben?
- Wie ist die Prognose bei der Trachom-Trichiasis?
- Welche Kontrollen sind sinnvoll?
Wie verlaufen fehlstehende Wimpern ohne Behandlung?
Ohne Behandlung bleiben die Beschwerden meist bestehen, und die Hornhaut kann mit der Zeit Schaden nehmen. Aus kleinen Oberflächendefekten können Abschürfungen, Entzündungen und Geschwüre werden. Langfristig drohen Narben, Gefäßeinsprossung und Trübungen bis zur Erblindung. Wie schnell das geschieht, hängt von der Zahl und Stärke der Wimpern und vom Zustand der Augenoberfläche ab.
Wie ist die Prognose mit Behandlung?
Mit Behandlung ist die Prognose gut, solange die Hornhaut noch keine Narben hat. Die Beschwerden lassen sich fast immer deutlich lindern. Ein früh korrigiertes Entropium hat ebenfalls gute Aussichten. Bereits entstandene Hornhautnarben bilden sich dagegen nicht zurück; die Behandlung verhindert dann vor allem weitere Schäden und Schmerzen.
Wie oft kommen die Wimpern zurück?
Rückfälle sind bei allen Methoden häufig, unterscheiden sich aber im Zeitraum. Nach Zupfen kommt die Wimper praktisch immer zurück, weil der Follikel bleibt. Nach follikelzerstörenden Verfahren wachsen bei einem Teil der Betroffenen einzelne Wimpern nach. Nach einer Lidoperation wegen Trachom sind Rückfälle im ersten Jahr bei etwa einem von fünf Operierten beschrieben, am häufigsten in den ersten sechs Monaten.
Welche Komplikationen können durch die Behandlung entstehen?
Jede Behandlung kann Nebenwirkungen haben, die meisten sind aber selten oder leicht.
- Wärmebasierte Verfahren: kleine Narben, Gewebeschrumpfung, im Extremfall ein Entropium.
- Kryotherapie: Kerben am Lidrand, Verlust gesunder Wimpern, Aufhellung der Lidhaut, Schaden an den Meibom-Drüsen.
- Operation: Infektion, Granulome, unregelmäßige Lidkontur, Über- oder Unterkorrektur, unvollständiger Lidschluss.
In der äthiopischen Studie blieb etwa die Hälfte der deutlichen Lidkonturfehler dauerhaft bestehen.
Wie verlaufen fehlstehende Wimpern bei Kindern?
Bei Kindern ist der Verlauf meist günstig. Das Epiblepharon bessert sich bei der Mehrzahl der Kinder mit dem Wachstum; in einer großen japanischen Untersuchung von rund 4.400 Kindern hatten im Alter der Oberstufe nur noch etwa zwei Prozent der Jugendlichen die Hautfalte. Die Wimpern der angeborenen Distichiasis werden in der Kindheit oft gut vertragen, Beschwerden treten eher später auf. Regelmäßige Kontrollen stellen sicher, dass die Hornhaut keinen Schaden nimmt.
Was bedeutet das Lymphödem-Distichiasis-Syndrom für das weitere Leben?
Die Augenbeschwerden lassen sich bei diesem Syndrom gut behandeln, das Lymphödem der Beine ist dagegen nicht heilbar, aber mit Kompression und Lymphdrainage gut zu lindern. Die Ausprägung ist sehr unterschiedlich, auch innerhalb derselben Familie. Wer betroffen ist, sollte nach fachlicher Empfehlung einmal das Herz und die Beinvenen untersuchen lassen; frühe Krampfadern sind bei diesem Syndrom häufig. Vor einer Familienplanung kann eine humangenetische Beratung hilfreich sein.
Wie ist die Prognose bei der Trachom-Trichiasis?
Hornhautnarben durch Trachom sind nicht umkehrbar, die Operation kann aber weiteren Sehverlust und Schmerzen verhindern. Mehrere Studien fanden nach der Operation eine bescheidene Verbesserung der Sehschärfe. Die Lebensqualität verbessert sich auch dann, wenn das Sehen gleich bleibt. Ungünstige Operationsergebnisse können Betroffene allerdings davon abhalten, sich erneut operieren zu lassen.
Welche Kontrollen sind sinnvoll?
Kontrollen sind wichtig, weil Wimpern oft nachwachsen und Hornhautschäden anfangs kaum Beschwerden machen. Die Abstände legt die Augenärztin oder der Augenarzt fest; in den Quellen gibt es keine festen Intervalle.
- Nach dem Zupfen: Ein Termin vor dem erwarteten Nachwachsen, also nach einigen Wochen, ist sinnvoll; bei raschem Wiederkommen sollte eine dauerhafte Methode besprochen werden.
- Nach Elektrolyse, Laser oder Kälte: Kontrolle, ob einzelne Wimpern nachwachsen, die dann gezielt nachbehandelt werden.
- Nach einer Operation: Fadenkontrolle nach ein bis zwei Wochen, danach Kontrollen über mindestens sechs Monate, weil Rückfälle in dieser Zeit am häufigsten sind.
- Bei Kindern: regelmäßige Kontrollen der Hornhaut und der Sehentwicklung.
- Bei Grunderkrankungen: Pemphigoid oder Lidrandentzündung brauchen eine eigene, oft langfristige Betreuung.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (8)
- Kann man fehlstehenden Wimpern vorbeugen?
- Wie pflegt man die Lidränder richtig?
- Warum sollte man nicht selbst zupfen?
- Was können Sie im Alltag tun?
- Was ist nach einer Lidoperation zu beachten?
- Wie wird das Trachom weltweit bekämpft?
- Besteht ein Risiko für Reisende?
- Was sollten Familien mit Lymphödem-Distichiasis-Syndrom wissen?
Kann man fehlstehenden Wimpern vorbeugen?
Nur teilweise: Angeborene Formen lassen sich nicht verhindern, erworbene aber oft, wenn man ihre Ursachen früh behandelt. Am wichtigsten ist es, eine chronische Lidrandentzündung konsequent zu behandeln. Auch Verletzungen und Verätzungen der Augen lassen sich durch Schutzbrillen oft vermeiden. Wer eine Grunderkrankung wie Rosazea oder Pemphigoid hat, profitiert von regelmäßiger augenärztlicher Betreuung.
Wie pflegt man die Lidränder richtig?
Bei einer Lidrandentzündung helfen regelmäßige Lidpflege mit Wärme und sanfter Reinigung des Lidrands, meist morgens und abends. Die Wärme verflüssigt das Sekret der Meibom-Drüsen, die Reinigung entfernt Krusten und Schuppen. Welche Methode und welche Hilfsmittel passen, bespricht man am besten mit der Augenärztin oder dem Augenarzt. Die Lidpflege ist eine Daueraufgabe, weil die Entzündung sonst wiederkommt.
Warum sollte man nicht selbst zupfen?
Weil das Selbstzupfen die Beschwerden auf Dauer meist verschlimmert. Die Wimper bricht leicht ab, die nachwachsende Stoppel kratzt stärker, und eine Hornhautschädigung bleibt unbemerkt. Außerdem kann das Zupfen mit Pinzette in der Nähe des Auges selbst Verletzungen verursachen. Lassen Sie fehlstehende Wimpern deshalb in der Augenpraxis entfernen.
Was können Sie im Alltag tun?
Im Alltag können Sie die Hornhaut schonen und Reizungen vermeiden.
- Das Auge nicht reiben, auch wenn es kratzt.
- Befeuchtende Tropfen ohne Konservierungsmittel lindern das Scheuern bis zum Termin (Augentropfen gegen trockene Augen).
- Bei Lichtempfindlichkeit eine Sonnenbrille tragen.
- Kontaktlinsen nur nach Rücksprache tragen, solange die Hornhaut gereizt ist.
- Lang angewendete Augentropfen nicht eigenmächtig absetzen, aber bei neuen Reizbeschwerden ansprechen.
- Bei Arbeiten mit Chemikalien, Reinigungsmitteln oder im Garten eine Schutzbrille tragen.
Was ist nach einer Lidoperation zu beachten?
Nach einer Lidoperation braucht die Wunde etwa zwei Wochen Ruhe. Tragen Sie die verordneten Salben oder Tropfen wie besprochen auf und reiben Sie nicht am Auge. Verzichten Sie in dieser Zeit auf Sport, Sauna und Solarium; Alkohol kann die Schwellung verstärken. Eine Sonnenbrille oder Schirmmütze schützt die Narbe vor starker Sonne.
Wie wird das Trachom weltweit bekämpft?
Die WHO bekämpft das Trachom seit 1993 mit der SAFE-Strategie. Die Buchstaben stehen für vier Bausteine, die im Französischen als CHANCE bezeichnet werden.
- S (Surgery): Operation der Trichiasis
- A (Antibiotics): Antibiotika, vor allem Azithromycin als Massenbehandlung
- F (Facial cleanliness): Gesichtshygiene
- E (Environmental improvement): Zugang zu Wasser und Toiletten
2025 erhielten 47,4 Millionen Menschen Antibiotika gegen Trachom. In 33 Ländern gilt das Trachom inzwischen nicht mehr als Gesundheitsproblem; Ziel der WHO ist die weltweite Beseitigung bis 2030.
Besteht ein Risiko für Reisende?
Für Reisende spielt die Trachom-Trichiasis praktisch keine Rolle. Sie entsteht erst nach vielen wiederholten Infektionen über Jahre, typischerweise unter engen Lebensbedingungen mit wenig Wasser. Allgemeine Hygiene wie regelmäßiges Händewaschen und das Vermeiden gemeinsam genutzter Handtücher schützt zusätzlich. Wer nach einer Reise eine anhaltende Bindehautentzündung hat, sollte sie augenärztlich untersuchen lassen.
Was sollten Familien mit Lymphödem-Distichiasis-Syndrom wissen?
Weil das Syndrom autosomal-dominant vererbt wird, ist es sinnvoll, Kinder betroffener Eltern früh augenärztlich untersuchen zu lassen. So wird eine Hornhautreizung rechtzeitig erkannt. Eine humangenetische Beratung kann Fragen zur Vererbung und Familienplanung klären. Auch auf Beinschwellungen in der Pubertät sollte geachtet werden.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (5)
Wann sollten Sie sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt?
Sofort, noch am selben Tag, sollten Sie bei Zeichen einer ernsten Hornhautschädigung untersucht werden. Gehen Sie bei folgenden Warnzeichen in eine Augenpraxis, eine Augenklinik oder den augenärztlichen Notdienst (Notfall am Auge):
- Starke oder rasch zunehmende Schmerzen
- Plötzlich schlechteres Sehen
- Ein weißer oder trüber Fleck auf der Hornhaut
- Eitriger Ausfluss
- Ein sehr rotes, geschwollenes Auge
- Starke Lichtscheu
- Nach einer Lidoperation: Eiter, sich ausbreitende Rötung, zunehmende Schmerzen oder Fieber
Diese Zeichen können auf ein Hornhautgeschwür oder eine Infektion hindeuten, die rasch behandelt werden muss.
Wann sollten Sie in den nächsten Tagen einen Termin vereinbaren?
In den nächsten Tagen sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn das Fremdkörpergefühl anhält und sich nicht wegblinzeln lässt. Das gilt auch, wenn das Auge tränt und gerötet ist, ohne dass starke Schmerzen bestehen. Ebenso bei einer losen Wimper unter dem Lid, die sich durch Spülen nicht entfernen lässt. Eine starke Reizung der Bindehaut sollte noch am selben Tag angesehen werden.
Wann reicht ein regulärer Termin?
Ein regulärer Termin reicht, wenn Sie bereits wissen, dass einzelne Wimpern regelmäßig nachwachsen, und die Beschwerden mild sind. Auch Kinder mit einem bekannten Epiblepharon oder einer Distichiasis ohne Beschwerden werden routinemäßig kontrolliert. Wenn eine Wimpernfehlstellung neu auftritt oder sich mit einem Knoten oder Wimpernverlust am Lidrand verbindet, sollte sie aber zeitnah angesehen werden.
Was können Sie bis zum Termin tun?
Bis zum Termin helfen befeuchtende Tropfen oder Gele, das Scheuern zu lindern. Reiben Sie nicht am Auge und zupfen Sie nicht selbst. Tragen Sie bei Lichtempfindlichkeit eine Sonnenbrille. Lassen Sie Kontaktlinsen weg, bis die Hornhaut untersucht ist.
Welche Warnzeichen deuten auf etwas anderes hin?
Manche Beschwerden haben eine ganz andere, dringende Ursache. Nach einem Spritzer von Reinigungsmittel, Kalk oder anderen Chemikalien sofort mit viel Wasser spülen und dann in die Augenklinik fahren. Nach Arbeiten mit Schleifen, Bohren oder Hämmern kann ein Metallsplitter im Auge stecken. Starke Augenschmerzen mit Kopfschmerz, Übelkeit, Sehen von farbigen Ringen und hartem, rotem Auge können auf einen akuten Glaukomanfall hindeuten und sind ein Notfall.
9 Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Trichiasis und Distichiasis?
Bei der Trichiasis wachsen normale Wimpern aus der normalen Reihe in die falsche Richtung zum Auge hin. Bei der Distichiasis wächst eine zusätzliche, zweite Wimpernreihe aus den Öffnungen der Meibom-Drüsen hinter der normalen Reihe. Die Distichiasis ist meist angeboren, die Trichiasis meist erworben. Beide verursachen ähnliche Beschwerden.
Kann ich eine eingewachsene Wimper selbst auszupfen?
Davon wird abgeraten. Ohne Vergrößerung bricht die Wimper leicht ab, und die nachwachsende Stoppel kratzt oft stärker. Außerdem bleibt eine Hornhautschädigung unbemerkt. Lassen Sie die Wimper in der Augenpraxis entfernen, wo auch die Hornhaut geprüft wird.
Warum wächst die Wimper immer wieder nach?
Beim Zupfen wird nur das Haar entfernt, die Haarwurzel bleibt. Deshalb wächst die Wimper meist nach vier bis sechs Wochen nach, manchmal schon nach zwei bis drei. Dauerhafter helfen Elektrolyse, Radiofrequenz, Laser, Kältebehandlung oder eine Operation, die die Wurzel zerstören oder das Lid korrigieren.
Tut die Behandlung von fehlstehenden Wimpern weh?
Das Zupfen erfolgt meist nach betäubenden Tropfen und verursacht nur kurzes Unbehagen. Elektrolyse, Laser, Kältebehandlung und Operationen werden in örtlicher Betäubung durchgeführt. Danach kann das Lid einige Tage geschwollen und gerötet sein. Bei Kindern ist für eine Operation meist eine Vollnarkose nötig.
Kann man von einer eingewachsenen Wimper blind werden?
Bei rechtzeitiger Behandlung ist das sehr unwahrscheinlich. Unbehandelt kann die ständige Reibung aber Geschwüre und Narben der Hornhaut verursachen, die das Sehen bleibend verschlechtern. Weltweit ist die Trachom-Trichiasis eine wichtige Ursache für Erblindung, in Mitteleuropa kommt sie kaum vor.
Ist eine doppelte Wimpernreihe bei meinem Kind gefährlich?
Meist nicht. Die zusätzlichen Härchen sind bei Kindern fein und werden oft gut vertragen. Behandelt wird nur bei Beschwerden oder Hornhautschäden. Weil eine Distichiasis Teil des erblichen Lymphödem-Distichiasis-Syndroms sein kann, sollten Sie Ihr Kind augenärztlich untersuchen lassen und Beinschwellungen oder Herzauffälligkeiten in der Familie ansprechen.
Welche Methode ist am besten gegen eingewachsene Wimpern?
Das hängt von der Zahl und Lage der Wimpern ab. Bei wenigen einzelnen Wimpern kommen Zupfen, Elektrolyse, Radiofrequenz oder Laser infrage. Bei vielen Wimpern oder einem nach innen gedrehten Lid ist meist eine Operation sinnvoller. Keine Methode schützt sicher vor Rückfällen, deshalb sind Kontrollen wichtig.
Ist eine eingewachsene Wimper dasselbe wie ein Entropium?
Nein. Beim Entropium dreht sich der ganze Lidrand nach innen und nimmt die Wimpern mit. Bei der Trichiasis steht das Lid normal, nur die Wimpern wachsen falsch. Ein Entropium braucht eine Lidoperation, bei der Trichiasis reicht oft die Behandlung einzelner Wimpern.
Wächst sich das Epiblepharon bei meinem Kind aus?
In den meisten Fällen ja. Die Hautfalte am Unterlid bessert sich bei der Mehrzahl der Kinder mit dem Wachstum des Gesichts. Bis dahin helfen Tränenersatz oder Salbe. Operiert wird nur, wenn die Hornhaut dauerhaft geschädigt ist oder starke Beschwerden bestehen.
Hilft eine Kontaktlinse gegen scheuernde Wimpern?
Eine weiche Verbandkontaktlinse kann die Hornhaut vorübergehend schützen, wenn eine dauerhafte Behandlung nicht sofort möglich ist. Sie sollte nur nach augenärztlicher Verordnung und unter Kontrolle getragen werden. Eine dauerhafte Lösung ist sie nicht.
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- Einwärtsgedrehtes LidBeim Entropium dreht sich der Lidrand, meist am Unterlid, nach innen, sodass Wimpern und Lidhaut auf Hornhaut und Bindehaut scheuern. Es betrifft vor allem ältere Menschen, ist keine harmlose Alterserscheinung und lässt sich in den meisten Fällen durch eine Operation gut korrigieren.
- LidrandentzündungDie Lidrandentzündung (Blepharitis) ist eine meist chronische, nicht ansteckende Entzündung der Lidränder mit Rötung, Brennen, Krusten und verklebten Lidern am Morgen. Sie gehört zu den häufigsten Gründen für einen Besuch beim Augenarzt und lässt sich mit täglicher Lidpflege meist gut kontrollieren, aber selten ganz heilen.
- HornhautentzündungEine Hornhautentzündung (Keratitis) ist eine meist durch Bakterien, Viren, Pilze oder Akanthamöben verursachte Entzündung der Hornhaut, die Schmerzen, Lichtscheu und verschwommenes Sehen auslöst. Besonders gefährdet sind Kontaktlinsenträger; sie gehört noch am selben Tag in augenärztliche Behandlung, weil sonst Narben und bleibender Sehverlust drohen.
- Auswärtsgedrehtes LidBeim Ektropium kippt der Lidrand, fast immer des Unterlids, vom Auge weg nach außen, sodass Bindehaut und Hornhaut schlechter geschützt und befeuchtet werden. Es betrifft vor allem ältere Menschen, entsteht aber auch durch eine Gesichtslähmung, Narben oder Gewebe, das am Lid zieht, und lässt sich meist mit einer ambulanten Operation in örtlicher Betäubung gut beheben.
- Trockenes AugeBeim trockenen Auge (Sicca-Syndrom) ist der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht: Es bilden sich zu wenig Tränen, oder sie verdunsten zu schnell. Schätzungen für Deutschland gehen von etwa jedem sechsten bis siebten Menschen aus, vor allem Ältere und Frauen, und lässt sich mit Tränenersatzmitteln, Lidpflege und gezielter Behandlung meist gut in den Griff bekommen.
- Rosazea am AugeDie Rosazea am Auge (okuläre Rosazea) ist eine chronische Entzündung von Lidrändern und Augenoberfläche, die zur Hautkrankheit Rosazea gehört. Sie betrifft einen großen Teil der Menschen mit Rosazea, kommt aber auch ohne sichtbare Hautzeichen und schon bei Kindern vor und wird deshalb oft jahrelang übersehen.
- HornhautverletzungEine Hornhautverletzung (Erosio corneae) ist ein Kratzer oder eine Schürfung der obersten Zellschicht der Hornhaut, etwa durch einen Fingernagel, einen Ast oder eine Kontaktlinse. Sie tut sehr weh, heilt mit richtiger Behandlung aber meist innerhalb weniger Tage folgenlos ab.
Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 29 Quellen anzeigen
- Trichiasis (Ausgabe für Patienten) – MSD Manual (DE)
- Trichiasis – DocCheck Flexikon (DE)
- Entropium – DocCheck Flexikon (DE)
- Erkrankungen der Lider – Universitätsklinikum Halle (Saale), Universitätsklinik für Augenheilkunde (DE)
- Trichiasis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Distichiasis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- What Is Trichiasis? – American Academy of Ophthalmology (EN)
- The Annoying Lash in the Eye: A Review of Trichiasis – Review of Ophthalmology (EN)
- Trachoma – Fact sheet – World Health Organization (EN)
- Posterior lamellar versus bilamellar tarsal rotation surgery for trachomatous trichiasis: long-term outcomes from a randomised controlled trial – PubMed Central (EN)
- Systematic review of the incidence of post-operative trichiasis in Africa – PubMed Central (EN)
- Time-consuming eyelashes: an audit of trichiasis management – Clinical Audit, Dove Medical Press (EN)
- Epilation of eyelashes – Community Eye Health Journal (EN)
- Preoperative epilation and recurrence after trichiasis surgery – PubMed Central (EN)
- Surgery versus epilation for the treatment of minor trichiasis in Ethiopia: a randomised controlled noninferiority trial – PubMed (PLoS Medicine 2011) (EN)
- Cryotherapy for trichiasis in ocular cicatricial pemphigoid – British Journal of Ophthalmology (EN)
- Epiblepharon with inverted eyelashes in Japanese children. I. Incidence and symptoms – British Journal of Ophthalmology (EN)
- Lymphedema-Distichiasis Syndrome – GeneReviews, NCBI Bookshelf (EN)
- Lid margin split with cryotherapy for upper-lid trichiasis – Clinical Ophthalmology (EN)
- Trachome – Aide-mémoire – Organisation mondiale de la Santé (FR)
- Trachome – Guide clinique et thérapeutique – Médecins Sans Frontières (FR)
- Trichiasis (version patient) – Manuel Merck (FR)
- Trastornos de las pestañas (Párpados, cap. 5) – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
- Triquiasis (versión para el público general) – Manual MSD (ES)
- Triquiasis – Diccionario médico – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Distriquiasis – Diccionario médico – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Intervenciones para la triquiasis por tracoma – Cochrane (ES)
- Cirugía de la triquiasis tracomatosa – Organización Panamericana de la Salud / OMS (ES)
- Criocirugía a punta cerrada en triquiasis y distriquiasis – Dermatología Cosmética, Médica y Quirúrgica (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss