Einwärtsgedrehtes Lid (Entropium)
Beim Entropium dreht sich der Lidrand, meist am Unterlid, nach innen, sodass Wimpern und Lidhaut auf Hornhaut und Bindehaut scheuern. Es betrifft vor allem ältere Menschen, ist keine harmlose Alterserscheinung und lässt sich in den meisten Fällen durch eine Operation gut korrigieren.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (5)
Was ist ein Entropium?
Ein Entropium ist eine Fehlstellung des Augenlids, bei der sich der freie Lidrand nach innen zum Augapfel dreht. Dadurch zeigen die Wimpern und ein Teil der Lidhaut nicht mehr nach vorn, sondern reiben bei jedem Lidschlag über Hornhaut und Bindehaut. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „nach innen drehen“. Das Gegenstück, bei dem das Lid nach außen kippt, heißt Ektropium.
Welches Lid ist meistens betroffen?
Meist ist das Unterlid betroffen, und zwar überwiegend durch altersbedingte Erschlaffung. Am Oberlid ist ein Entropium seltener; dort steckt meist eine Vernarbung der Lidinnenseite dahinter. Häufig sind beide Augen betroffen, nach einer großen Studie etwa dreimal so oft wie nur eines.
Welche Formen gibt es?
Fachleute unterscheiden vier Formen, die sich in Ursache und Behandlung unterscheiden.
- Altersbedingtes (involutives) Entropium: die mit Abstand häufigste Form. Das Lid erschlafft mit den Jahren, der Ringmuskel des Lids schiebt sich über den Lidrand und kippt ihn nach innen.
- Spastisches Entropium: ausgelöst durch einen Krampf des Lidschließmuskels, etwa bei einer Augenentzündung, nach einer Operation oder bei Lidkrampf. Oft zeitweise.
- Narbiges (zikatrizielles) Entropium: Narben an der Lidinnenseite verkürzen das Lid von hinten und ziehen den Rand nach innen, zum Beispiel nach Trachom, Verätzung oder bei bestimmten Autoimmunerkrankungen.
- Angeborenes Entropium: sehr selten. Leichte Formen können sich in den ersten Lebensjahren von selbst zurückbilden; häufiger steckt bei Kleinkindern aber ein Epiblepharon dahinter, eine harmlosere Hautfalte am Unterlid.
Warum ist ein Entropium mehr als ein Schönheitsfehler?
Weil die scheuernden Wimpern die Hornhaut auf Dauer verletzen können. Es entstehen zuerst feine Oberflächendefekte, später Abschürfungen, Geschwüre und Narben, die das Sehen bleibend verschlechtern können. Ein Entropium ist deshalb keine lästige Alterserscheinung, mit der man sich abfinden muss, sondern ein gut behandelbarer Befund.
Wie wird es behandelt?
Dauerhaft hilft in den meisten Fällen nur eine Operation, die das Lid wieder in die richtige Stellung bringt. Bis dahin schützen Tränenersatzmittel, Augensalbe und ein Pflasterzug am Unterlid die Hornhaut. Beim spastischen Entropium kann Botulinumtoxin vorübergehend helfen. Der Eingriff erfolgt meist ambulant in örtlicher Betäubung, und die Aussichten sind gut, wenn die Hornhaut noch nicht geschädigt ist.
2 Symptome
In diesem Kapitel (20)
- Welche Beschwerden verursacht ein Entropium?
- Die häufigsten Symptome im Überblick
- Wie fühlt sich das Fremdkörpergefühl an?
- Warum tränt das Auge so stark?
- Rötung, Brennen und Jucken
- Wann tut ein Entropium weh?
- Lichtempfindlichkeit
- Absonderung und verklebte Lider
- Verändert ein Entropium das Sehen?
- Sehstörung beim Blick nach unten
- Kommen und Gehen der Beschwerden
- Der Teufelskreis aus Reizung und Zukneifen
- Woran erkennt man ein Entropium von außen?
- Was bemerken Angehörige?
- Symptome bei älteren Menschen
- Symptome bei Säuglingen und Kindern
- Besonderheiten beim spastischen Entropium
- Besonderheiten beim narbigen Entropium
- Warnzeichen für einen Hornhautschaden
- Wie unterscheiden sich die Symptome von ähnlichen Erkrankungen?
Welche Beschwerden verursacht ein Entropium?
Typisch sind ein Fremdkörpergefühl, Rötung, Tränen und Reizung des Auges, weil Wimpern und Lidhaut auf der Augenoberfläche reiben. Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, als ob „ständig etwas im Auge“ sei. Die Beschwerden können anfangs kommen und gehen und werden mit der Zeit meist dauerhaft. Wie stark sie sind, hängt davon ab, wie weit das Lid kippt und wie empfindlich die Hornhaut schon ist.
Die häufigsten Symptome im Überblick
Am häufigsten sind Fremdkörpergefühl, Rötung und Tränenfluss. Die folgende Übersicht fasst zusammen, was Betroffene bemerken und woher es kommt.
| Symptom | Wie es sich anfühlt | Ursache |
|---|---|---|
| Fremdkörpergefühl | Sandkorn, Wimper oder Kratzen im Auge, das sich nicht wegblinzeln lässt | Wimpern und Lidhaut reiben bei jedem Lidschlag über das Auge |
| Rötung | Gerötetes Augenweiß, oft vor allem unten | Gereizte Bindehaut |
| Tränenfluss | Auge läuft über, Tränen rinnen über die Wange | Reflextränen durch die Reizung |
| Brennen und Jucken | Gereiztes, brennendes Auge | Oberflächenschaden, gestörter Tränenfilm |
| Schmerzen | Stechen, vor allem beim Blinzeln | Wimpern scheuern über die Hornhaut |
| Lichtempfindlichkeit | Helles Licht tut weh, Blinzeln in der Sonne | Gereizte oder verletzte Hornhaut |
| Absonderung, Verkrustung | Schleimiges Sekret, morgens verklebte Lider | Reizung, teils zusätzliche Infektion |
| Verschwommenes Sehen | Schleier, schwankende Schärfe | Unruhiger Tränenfilm, später Hornhautschaden |
Wie fühlt sich das Fremdkörpergefühl an?
Das Fremdkörpergefühl ist ein Kratzen, als würde ein Sandkorn oder eine Wimper im Auge liegen, das sich durch Blinzeln oder Spülen nicht beseitigen lässt. Es entsteht, weil die nach innen gekippten Wimpern bei jedem Lidschlag über die Augenoberfläche streichen. Das passiert mehrere tausend Mal am Tag, deshalb ist das Gefühl oft zermürbend. Viele Betroffene suchen zunächst vergeblich nach einem Fremdkörper im Auge.
Warum tränt das Auge so stark?
Das Auge tränt, weil die ständige Reizung einen Reflex auslöst, der mehr Tränenflüssigkeit produziert. Fachleute sprechen von Epiphora, umgangssprachlich vom Tränenträufeln. Paradoxerweise kann gleichzeitig ein trockenes Auge bestehen: In einer Auswertung hatten rund 72 von 100 Menschen mit Entropium Zeichen eines trockenen Auges. Die Reflextränen sind wässrig und schützen die Oberfläche nicht so gut wie der normale Tränenfilm.
Rötung, Brennen und Jucken
Die Bindehaut, die durchsichtige Haut über dem Augenweiß, reagiert auf die Dauerreizung mit Rötung und Brennen. Oft ist die Rötung im unteren Bereich des Auges am stärksten, dort wo das gekippte Unterlid anliegt. Viele Betroffene haben zusätzlich Juckreiz. Wer dann reibt oder kratzt, kann Keime ins Auge bringen und eine Bindehautentzündung auslösen.
Wann tut ein Entropium weh?
Schmerzen treten auf, wenn die Wimpern die Hornhaut, die klare Vorderfläche des Auges, verletzen. Die Hornhaut ist eines der am dichtesten mit Nerven versorgten Gewebe des Körpers, deshalb schmerzt schon eine kleine Abschürfung deutlich. Typisch ist ein Stechen beim Blinzeln oder beim Öffnen der Augen am Morgen. Ein dumpfer, zunehmender Schmerz mit Lichtscheu kann auf eine tiefere Hornhautverletzung oder ein beginnendes Geschwür hinweisen und muss rasch untersucht werden.
Lichtempfindlichkeit
Lichtempfindlichkeit (Lichtscheu, Photophobie) zeigt meist an, dass die Hornhaut bereits gereizt oder verletzt ist. Betroffene kneifen in hellem Licht die Augen zusammen oder tragen auch drinnen eine Sonnenbrille. Bei Trachom-bedingtem Entropium beschreibt die Weltgesundheitsorganisation ständige Schmerzen und Lichtempfindlichkeit durch die scheuernden Wimpern. Starke, neu aufgetretene Lichtscheu gehört zu den Warnzeichen.
Absonderung und verklebte Lider
Ein gereiztes Auge sondert oft Schleim oder wässriges Sekret ab, das morgens an den Lidern antrocknet. Beschrieben wird ein anfangs wässriger, klarer Ausfluss, der sich sekundär infizieren kann, also nachträglich durch Bakterien besiedelt wird. Wird das Sekret gelblich, dick oder verklebt es die Lider stark, kann eine zusätzliche Infektion vorliegen. Auch Verkrustungen am Lidrand sind beschrieben.
Verändert ein Entropium das Sehen?
Das Entropium selbst verschlechtert das Sehen nicht, wohl aber seine Folgen an der Hornhaut. Schon der unruhige Tränenfilm kann das Bild zeitweise verschwimmen lassen, das bessert sich oft nach Blinzeln. Bleibende Sehverschlechterung entsteht, wenn die Hornhaut vernarbt oder sich Gefäße in sie einsprossen. Im Extremfall kann ein lange unbehandeltes Entropium zur Erblindung führen, was in Ländern mit Trachom noch häufig vorkommt.
Sehstörung beim Blick nach unten
Manche Betroffene bemerken Sehstörungen vor allem beim Blick nach unten, etwa beim Lesen oder Treppensteigen. Normalerweise wandert das Unterlid beim Abwärtsblick ein Stück mit nach unten, gesteuert durch kleine Muskel- und Bindegewebszüge (die Lidretraktoren). Sind diese beim altersbedingten Entropium erschlafft oder abgelöst, bleibt das Unterlid stehen und schiebt sich mit den Wimpern ins Blickfeld oder drückt auf die Augenoberfläche.
Kommen und Gehen der Beschwerden
Gerade am Anfang treten die Beschwerden oft nur zeitweise auf. Das Lid kann sich spontan oder beim kräftigen Zukneifen einwärts drehen und später wieder von selbst aufrichten. Diese zeitweise Form wird oft als spastisches Entropium bezeichnet und kann einer dauerhaften Fehlstellung vorausgehen. Wer also bemerkt, dass das Lid „manchmal umkippt“, sollte das ernst nehmen.
Der Teufelskreis aus Reizung und Zukneifen
Ein gereiztes Auge verleitet dazu, die Lider fest zusammenzukneifen, und genau das verstärkt die Einwärtsdrehung. Der Lidschließmuskel zieht beim Zukneifen den Lidrand noch weiter nach innen. Die Wimpern scheuern stärker, die Reizung nimmt zu, und der Krampf wird heftiger. Deutschsprachige Quellen beschreiben diesen Kreislauf ausdrücklich auch bei Menschen mit Lidkrampf (Blepharospasmus).
Woran erkennt man ein Entropium von außen?
Oft ist das Entropium schon mit bloßem Auge zu sehen: Der Lidrand ist nach innen gerollt, die Wimpern des Unterlids sind kaum sichtbar oder zeigen zum Auge. Das Unterlid wirkt eingezogen, und das Auge ist gerötet und feucht. Manchmal ist die Fehlstellung im Spiegel nur zu erkennen, wenn man kräftig zukneift und die Augen dann wieder öffnet.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige bemerken häufig ein ständig rotes, tränendes Auge, häufiges Blinzeln, Zukneifen oder Reiben. Bei älteren Menschen, die über Beschwerden wenig klagen oder sie sprachlich nicht gut beschreiben können, etwa bei Demenz, sind diese Zeichen oft die ersten Hinweise. Auch ein Taschentuch, das ständig zum Abtupfen der Tränen benutzt wird, kann auffallen. Wer bei einem Angehörigen ein einwärts gerolltes Lid sieht, sollte einen Termin in der Augenarztpraxis vereinbaren.
Symptome bei älteren Menschen
Bei älteren Menschen entwickelt sich das Entropium meist schleichend, und die Beschwerden werden oft lange als „Altersauge“ oder trockenes Auge gedeutet. Häufig werden über Monate Tropfen verwendet, die die Ursache nicht beheben. Da gleichzeitig andere Augenerkrankungen wie der Graue Star bestehen können, ist eine Sehverschlechterung nicht immer eindeutig zuzuordnen. Ein altersbedingtes Entropium tritt oft an beiden Augen auf, wenn auch nicht unbedingt gleichzeitig.
Symptome bei Säuglingen und Kindern
Bei Säuglingen mit angeborenem Entropium verursachen die Wimpern oft keine Beschwerden, weil sie noch sehr weich sind. Viele Kinder sind deshalb beschwerdefrei, und leichte Fehlstellungen können sich in den ersten Lebensjahren zurückbilden. Werden die Wimpern kräftiger, zeigen ältere Kinder Reiben, häufiges Blinzeln, Jucken und Tränen. Ähnliche Beschwerden macht das Epiblepharon, eine Hautfalte am Unterlid, die bei asiatischen Kindern häufig ist und bei der der Lidrand selbst richtig steht.
Besonderheiten beim spastischen Entropium
Beim spastischen Entropium stehen die Beschwerden der auslösenden Erkrankung oft im Vordergrund, etwa einer Entzündung oder der Zustand nach einer Augenoperation. Das Lid kippt dann zusätzlich ein und verstärkt Schmerz und Tränen. Typisch ist, dass die Fehlstellung kommt und geht. Klingt die Entzündung ab, kann sich das Lid wieder normal stellen.
Besonderheiten beim narbigen Entropium
Beim narbigen Entropium kommen zu den Scheuerbeschwerden oft Zeichen der Grunderkrankung hinzu, etwa chronisch gerötete, trockene Augen oder Verwachsungen zwischen Lid und Augapfel. Häufig ist auch das Oberlid betroffen. Die Erkrankung schreitet oft langsam fort, sodass die Beschwerden über Jahre zunehmen. Bei Trachom beginnt der Sehverlust nach Angaben der WHO meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.
Warnzeichen für einen Hornhautschaden
Warnzeichen sind zunehmende Schmerzen, deutliche Lichtscheu, ein weißlicher Fleck auf der Hornhaut, rasch zunehmende Rötung und nachlassendes Sehen. Sie können bedeuten, dass sich aus einer Abschürfung ein Hornhautgeschwür entwickelt, das sich infizieren kann. Ein solches Geschwür ist eine Form der Hornhautentzündung und muss noch am selben Tag behandelt werden. Bei diesen Zeichen nicht bis zum nächsten Routinetermin warten.
Wie unterscheiden sich die Symptome von ähnlichen Erkrankungen?
Ähnliche Beschwerden machen eingewachsene Wimpern (Trichiasis), ein trockenes Auge, eine Bindehautentzündung oder eine Lidrandentzündung. Der wichtigste Unterschied: Beim Entropium ist der ganze Lidrand nach innen gedreht, was man oft schon von außen sieht. Bei der Trichiasis steht das Lid richtig, nur einzelne Wimpern wachsen zum Auge. Die sichere Unterscheidung gelingt in der augenärztlichen Untersuchung.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (9)
- Wie entsteht ein Entropium?
- Altersbedingtes Entropium: was passiert im Lid?
- Wer ist besonders gefährdet?
- Spastisches Entropium: Auslöser
- Narbiges Entropium: welche Erkrankungen führen dazu?
- Was ist das Trachom?
- Angeborenes Entropium: wie entsteht es?
- Kann ein Entropium nach einer Verletzung entstehen?
- Ist ein Entropium ansteckend oder erblich?
Wie entsteht ein Entropium?
Ein Entropium entsteht, wenn das Gleichgewicht der Kräfte, die den Lidrand in Position halten, gestört ist. Am Unterlid wirken die feste Lidplatte (Tarsus), die Lidbänder an den Lidwinkeln, der Lidschließmuskel (Musculus orbicularis oculi) und die Lidretraktoren zusammen, die das Lid beim Blick nach unten mitziehen. Fällt einer dieser Bausteine aus, kippt der Rand nach innen. Welcher Baustein versagt, bestimmt die Form des Entropiums und die Wahl der Behandlung.
Altersbedingtes Entropium: was passiert im Lid?
Beim altersbedingten (involutiven) Entropium wirken mehrere Alterungsvorgänge zusammen. Sehnen und Bänder, die das Lid straff halten, dehnen sich, und das Lid wird in Längsrichtung schlaff. Die Lidretraktoren erschlaffen oder lösen sich vom unteren Rand der Lidplatte ab. Gleichzeitig schiebt sich der vordere Teil des Lidschließmuskels über den hinteren und rollt den Lidrand beim Zukneifen nach innen.
Weitere Altersveränderungen
- Die Lidplatte wird kleiner und weicher, das Bindegewebe verliert Kollagen.
- Fettgewebe in der Augenhöhle schwindet, sodass der Augapfel tiefer liegt und das Unterlid weniger Halt hat.
- Ein kürzerer Augapfel und tiefliegende Augen wurden ebenfalls mit dem Entropium in Verbindung gebracht.
Wer ist besonders gefährdet?
Das größte Risiko ist das Alter. In einer Bevölkerungsstudie mit rund 25.000 Menschen fand sich ein altersbedingtes Entropium bei etwa 2,1 Prozent der über 60-Jährigen.
| Altersgruppe | Anteil mit Entropium |
|---|---|
| 60 bis 69 Jahre | 0,9 % |
| 70 bis 79 Jahre | 2,1 % |
| ab 80 Jahren | 7,6 % |
Frauen waren etwas häufiger betroffen als Männer (2,4 gegenüber 1,9 Prozent), hellhäutige Menschen häufiger als dunkelhäutige. Bei Menschen ostasiatischer Herkunft ist das Entropium im Vergleich zum Ektropium relativ häufig; als Erklärung werden tiefer liegende Augen und mehr vorgewölbtes Fett diskutiert. Diese Zahlen stammen aus einer einzelnen Studie und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland oder Österreich übertragen.
Spastisches Entropium: Auslöser
Das spastische Entropium entsteht durch einen anhaltenden Krampf des Lidschließmuskels, der den Lidrand nach innen zieht. Auslöser sind eine akute Reizung oder Entzündung des Auges, eine Infektion oder eine kürzlich erfolgte Augenoperation. Auch der chronische Lidkrampf (Blepharospasmus) kann ein spastisches Entropium hervorrufen. Viele Fachleute sehen es als Untergruppe des altersbedingten Entropiums: Ein ohnehin schon erschlafftes Lid kippt durch den Krampf ein.
Narbiges Entropium: welche Erkrankungen führen dazu?
Beim narbigen Entropium verkürzen Narben die hintere Schicht des Lids, also Bindehaut und Lidplatte, und ziehen den Rand nach innen. Die Narben entstehen meist durch chronische Entzündungen. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Trachom: eine wiederholte Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis, die in Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas vorkommt.
- Okuläres Schleimhautpemphigoid: eine Autoimmunerkrankung, die die Bindehaut fortschreitend vernarben lässt.
- Stevens-Johnson-Syndrom: eine schwere Haut- und Schleimhautreaktion, meist auf Medikamente.
- Verätzungen und Verbrennungen: Die Verätzung des Auges kann Bindehautnarben hinterlassen.
- Herpes-Erkrankungen des Auges, chronische Lidrandentzündung und wiederkehrende Hagelkörner.
- Verletzungen, Operationen und Bestrahlung im Lidbereich.
- Langjährige Augentropfen bestimmter Wirkstoffgruppen, etwa pupillenverengende Mittel oder Prostaglandin-Abkömmlinge gegen Grünen Star, sowie manche Chemotherapien.
Was ist das Trachom?
Das Trachom ist eine ansteckende Chlamydien-Infektion des Auges und weltweit die häufigste infektiöse Ursache für Erblindung. Wiederholte Infektionen vernarben die Lidinnenseite, das Lid dreht sich ein, und die Wimpern scheuern dauerhaft auf der Hornhaut. Nach Angaben der WHO ist das Trachom zumindest in Teilen von 29 Ländern ein Problem der öffentlichen Gesundheit, etwa 92 Millionen Menschen leben in betroffenen Gebieten. Frauen erblinden nach Angaben der WHO bis zu viermal häufiger als Männer.
In Deutschland, Österreich und dem übrigen Europa spielt das Trachom heute praktisch keine Rolle. Bedeutsam ist es für Menschen, die aus Endemiegebieten stammen oder dort lange gelebt haben. Nach einem Aufenthalt in solchen Regionen sollte ein anhaltend rotes Auge abgeklärt werden.
Angeborenes Entropium: wie entsteht es?
Das angeborene Entropium entsteht durch eine Fehlanlage des Lids, etwa wenn die Lidretraktoren nicht richtig angeheftet sind, die hintere Lidschicht zu kurz ist oder die Lidplatte einen Knick hat. Es ist sehr selten und tritt manchmal zusammen mit einer zweiten Wimpernreihe auf (Distichiasis). Deutschsprachige Quellen beschreiben es als bei Menschen asiatischer Herkunft häufiger, in Europa eher selten. Davon zu unterscheiden ist das Epiblepharon, bei dem eine Hautfalte die Wimpern zum Auge drückt, der Lidrand aber richtig steht.
Kann ein Entropium nach einer Verletzung entstehen?
Ja, Verletzungen im Lid- und Augenhöhlenbereich können zu einem Entropium führen. Beschrieben ist das zum Beispiel nach einem Bruch des Augenhöhlenbodens, nach Schnittverletzungen des Lids oder nach Lidoperationen, bei denen sich Narben bilden. Auch eine Gesichtslähmung kann bei Kindern zu einer Einwärtsdrehung beitragen. Hier richtet sich die Behandlung nach der Narbe oder der Muskelstörung.
Ist ein Entropium ansteckend oder erblich?
Das Entropium selbst ist weder ansteckend noch im üblichen Sinne erblich. Ansteckend ist nur eine seiner Ursachen, das Trachom. Eine gewisse Veranlagung über die Form des Gesichts, die Tiefe der Augenhöhlen und die Bindegewebsqualität ist denkbar, belastbare Daten zu familiärer Häufung gibt es aber nicht.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt ein Entropium fest?
- Wie läuft die Untersuchung ab?
- Wozu dient die Färbung mit Fluorescein?
- Welche Tests prüfen die Lidspannung?
- Wie erkennt man ein zeitweises Entropium?
- Wie wird ein narbiges Entropium erkannt?
- Von welchen Erkrankungen muss das Entropium abgegrenzt werden?
- Warum ist die Unterscheidung zur Trichiasis so wichtig?
Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt ein Entropium fest?
Ein Entropium wird durch Betrachten und Untersuchen der Lider festgestellt; aufwendige Spezialuntersuchungen sind selten nötig. Oft ist die Fehlstellung schon auf den ersten Blick erkennbar. Die Untersuchung hat aber drei weitere Ziele: die Form des Entropiums bestimmen, den Zustand der Hornhaut beurteilen und ähnliche Erkrankungen ausschließen. Davon hängt ab, welche Behandlung sinnvoll ist.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Zunächst wird die Krankengeschichte erhoben: seit wann die Beschwerden bestehen, ob sie kommen und gehen, ob Operationen, Verletzungen, Verätzungen oder längere Augentropfen-Behandlungen vorausgingen. Dann folgen die Messung der Sehschärfe und die Untersuchung an der Spaltlampe, einem Mikroskop mit schmalem Lichtspalt. Dabei werden Lidstellung, Wimpern, Lidrand und die Augenoberfläche vergrößert beurteilt. Hilfreich ist es, wenn Sie Ihre aktuellen Augentropfen und Medikamente mitbringen.
Wozu dient die Färbung mit Fluorescein?
Ein gelber Farbstoff (Fluorescein) macht Verletzungen der Hornhaut unter blauem Licht sichtbar. So erkennt die Ärztin oder der Arzt feine punktförmige Defekte, Abschürfungen, Narben, Verdünnungen und einsprossende Gefäße. Punktförmige Hornhautdefekte fanden sich in einer Auswertung bei rund 62 von 100 Menschen mit Entropium. Der Befund hilft einzuschätzen, wie dringend eine Operation ist.
Welche Tests prüfen die Lidspannung?
Mehrere einfache Handgriffe zeigen, wie schlaff das Lid ist und welche Bausteine versagen.
- Snap-back-Test: Das Unterlid wird sanft nach unten gezogen und losgelassen. Ein gesundes Lid schnellt ohne Blinzeln sofort zurück, ein erschlafftes Lid braucht länger.
- Horizontaler Zugtest: Das Unterlid wird vom Augapfel abgezogen. Normal sind 2 bis 3 Millimeter, beim altersbedingten Entropium oft 6 bis 15 Millimeter.
- Retraktorfunktion: Beim Blick von geradeaus nach unten bewegt sich das Unterlid normalerweise 3 bis 4 Millimeter mit. Weniger Bewegung spricht für erschlaffte oder abgelöste Retraktoren.
Wie erkennt man ein zeitweises Entropium?
Ein zeitweises, spastisches Entropium lässt sich durch Provokation sichtbar machen. Die Patientin oder der Patient kneift die Augen kräftig zusammen und öffnet sie dann wieder; kippt das Lid dabei ein, ist der Befund klar. In einem standardisierten Test nach Betäubungstropfen rollt die Untersucherin die Haut über den Lidrand und beobachtet, ob das Lid mindestens drei Minuten lang trotz Blinzeln eingedreht bleibt. Das ist wichtig, weil das Lid in der Sprechstunde gerade normal stehen kann.
Wie wird ein narbiges Entropium erkannt?
Hinweise auf eine Narbenkomponente gibt die Untersuchung der Lidinnenseite und der Bindehaut. Die Ärztin oder der Arzt klappt dazu das Lid um und sucht nach Narbensträngen, Verwachsungen zwischen Lid und Augapfel (Symblepharon) und verkürzten Umschlagfalten der Bindehaut. Lässt sich das Lid beim Zugtest kaum vom Auge abziehen oder bleibt die Einwärtsdrehung beim Zurechtrücken bestehen, spricht das ebenfalls für Narben. Ein narbiges Entropium erfordert oft weitere Abklärung der Grunderkrankung, etwa bei Verdacht auf Schleimhautpemphigoid.
Von welchen Erkrankungen muss das Entropium abgegrenzt werden?
Abgegrenzt werden vor allem Erkrankungen, bei denen ebenfalls Wimpern auf dem Auge scheuern, der Lidrand aber richtig steht.
| Erkrankung | Lidrand | Was ist anders? |
|---|---|---|
| Entropium | nach innen gedreht | Der ganze Lidrand samt Wimpernreihe kippt zum Auge. |
| Trichiasis | steht richtig | Einzelne Wimpern wachsen fehlgerichtet zum Auge, oft nach Lidrandentzündung oder Verletzung. |
| Distichiasis | steht richtig | Zusätzliche Wimpernreihe wächst aus den Öffnungen der Lidranddrüsen. |
| Epiblepharon | steht richtig | Eine waagerechte Hautfalte drückt die Wimpern zum Auge, vor allem bei asiatischen Kindern. |
| Ektropium | nach außen gedreht | Lid kippt vom Auge weg, Tränen laufen über, die Bindehaut liegt frei. |
| Blepharospasmus | meist normal | Unwillkürliches Zukneifen, kann aber ein spastisches Entropium auslösen. |
Auch eine Bindehautentzündung, eine Lidrandentzündung und ein trockenes Auge machen ähnliche Beschwerden. Sie können aber auch gleichzeitig mit einem Entropium bestehen.
Warum ist die Unterscheidung zur Trichiasis so wichtig?
Weil Trichiasis und Entropium unterschiedlich behandelt werden. Bei der Trichiasis werden einzelne Wimpern entfernt oder ihre Wurzeln durch Strom oder Kälte zerstört. Beim Entropium würde das nicht helfen, weil die Ursache der verdrehte Lidrand ist und immer neue Wimpern nachrücken. Beide Zustände können aber gemeinsam vorkommen, vor allem beim narbigen Entropium und beim Trachom.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (15)
- Wie wird ein Entropium behandelt?
- Was hilft bis zur Operation?
- Hilft Botulinumtoxin beim Entropium?
- Was ist eine Lidnaht ohne Schnitt?
- Welche Operation ist beim altersbedingten Entropium üblich?
- Wie gut wirken die Operationen?
- Wie läuft die Operation ab?
- Was ist, wenn auch ein Grauer Star operiert werden soll?
- Wie wird ein narbiges Entropium behandelt?
- Wie wird ein Trachom-Entropium behandelt?
- Wie wird ein angeborenes Entropium behandelt?
- Was gilt nach der Operation?
- Welche Risiken hat die Operation?
- Wer zahlt die Behandlung in Deutschland und Österreich?
- Wer führt die Operation durch?
Wie wird ein Entropium behandelt?
Dauerhaft lässt sich ein Entropium in den meisten Fällen nur durch eine Operation beheben, die das Lid wieder in die richtige Stellung bringt. Tropfen, Salben und Pflaster lindern die Beschwerden und schützen die Hornhaut, beheben die Fehlstellung aber nicht. Darin sind sich deutsch-, englisch-, französisch- und spanischsprachige Fachquellen einig. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach der Form des Entropiums, dem Zustand der Hornhaut und dem Allgemeinzustand.
Was hilft bis zur Operation?
Bis zur Operation schützen vor allem Tränenersatzmittel, Augensalbe und ein Pflasterzug am Unterlid die Hornhaut. Diese Maßnahmen überbrücken Wochen bis Monate, etwa wenn ein Operationstermin noch aussteht oder eine Operation aus gesundheitlichen Gründen aufgeschoben werden muss.
Tränenersatz und Salbe
Künstliche Tränen tagsüber und eine Augensalbe zur Nacht machen die Augenoberfläche gleitfähiger und mindern die Reibung. Sie lindern die Beschwerden, heilen das Entropium aber nicht. Mehr zur Auswahl lesen Sie unter Tränenersatzmittel. Bestehen bereits Hornhautschäden, verordnet die Ärztin oder der Arzt gegebenenfalls zusätzlich entzündungshemmende oder antibiotische Tropfen und Salben.
Pflasterzug am Unterlid
Ein schmaler Pflasterstreifen, der das Unterlid sanft nach unten zur Wange zieht, dreht den Lidrand nach außen. Diese Methode eignet sich für leichte oder zeitweise Formen und als Überbrückung. Lassen Sie sich in der Praxis genau zeigen, wo und mit welchem Zug das Pflaster sitzen soll: Zu starker Zug kann das Lid nach außen kippen, ein falsch gesetzter Streifen kann die Wimpern sogar stärker ans Auge drücken. Auf empfindlicher Altershaut lohnt sich ein hautfreundliches Pflaster.
Therapeutische Kontaktlinse
Eine weiche Verbandkontaktlinse kann die Hornhaut wie ein Schild vor den Wimpern schützen. Sie kommt infrage, wenn eine Operation nicht möglich ist, noch aussteht oder nicht ausreichend geholfen hat. Wegen des Infektionsrisikos werden dazu oft antibiotische Tropfen gegeben, und regelmäßige Kontrollen sind nötig.
Weitere vorübergehende Verfahren
In Fachkreisen werden weitere Überbrückungsverfahren beschrieben, etwa ein medizinischer Hautkleber, der den Lidrand nach außen dreht, oder eine Lasertherapie der Lidhaut. Für den Laser gibt es nur eine sehr kleine Vorstudie mit fünf Patientinnen und Patienten, aus der sich keine allgemeine Empfehlung ableiten lässt.
Hilft Botulinumtoxin beim Entropium?
Botulinumtoxin hilft vor allem beim spastischen Entropium, aber nur vorübergehend. Es wird in kleinen Mengen in den Lidschließmuskel gespritzt und schwächt dessen Zug auf den Lidrand. Die Wirkung hält nach deutschsprachigen Quellen etwa acht Wochen, danach muss die Spritze wiederholt werden. Deshalb gilt die Operation in der Regel als bessere Dauerlösung; Botulinumtoxin eignet sich zur Überbrückung oder wenn eine Operation nicht infrage kommt.
Beim spastischen Entropium wird außerdem zuerst der Auslöser behandelt, etwa die Entzündung. Klingt diese ab, kann sich das Lid wieder normal stellen. In englischsprachigen Übersichten wird zusätzlich eine Alkoholinjektion in den Muskel erwähnt; in deutschsprachigen Patienteninformationen wird sie nicht genannt.
Was ist eine Lidnaht ohne Schnitt?
Bei der evertierenden Naht (in Deutschland oft als Schöpfer- oder Snellen-Naht, im Englischen als Quickert-Naht bezeichnet) werden Fäden so durch das Lid geführt, dass sie den Rand nach außen drehen. Der Eingriff dauert etwa eine Viertelstunde, erfolgt in örtlicher Betäubung und eignet sich auch für Menschen, die keine größere Operation wünschen oder vertragen. Teils werden die Fäden über kleinen Perlen geknüpft und nach etwa einer Woche entfernt. Der Nachteil: Rückfälle sind häufig.
| Studie | Rückfälle nach Naht allein |
|---|---|
| Jand et al. | etwa 21 % nach 6 Monaten, fast 50 % nach 2 Jahren |
| Tsang et al. | 33 % nach 14 bis 40 Monaten |
| Scheepers et al. | 21 % nach 18 Monaten |
Welche Operation ist beim altersbedingten Entropium üblich?
Üblich ist eine Kombination, die das Lid seitlich strafft und die erschlafften Retraktoren wieder an der Lidplatte befestigt. Ziel ist, alle beteiligten Ursachen gleichzeitig zu beheben: die horizontale Schlaffheit, die abgelösten Retraktoren und den überreitenden Ringmuskel. Je nach Befund werden zusätzlich einige Muskelfasern nahe dem Lidrand und ein schmaler Hautstreifen entfernt.
Laterale Tarsalzügelplastik
Bei der lateralen Tarsalzügelplastik (Lateral Tarsal Strip) wird das Lid am äußeren Lidwinkel gekürzt und am Knochen der Augenhöhle neu befestigt. So bekommt das Lid wieder Spannung und liegt dem Augapfel an. Spanische Fachquellen nennen sie zusammen mit der Lidresektion und der Retraktoren-Operation als die drei Grundverfahren.
Retraktoren-Operation
Bei der Retraktoren-Operation werden die abgelösten Muskel- und Bindegewebszüge aufgesucht und wieder am unteren Rand der Lidplatte angenäht. Das kann über einen Schnitt in der Haut unterhalb der Wimpern oder von der Lidinnenseite durch die Bindehaut erfolgen. Der Zugang von innen hinterlässt keine sichtbare Narbe; in einer Serie lag die Rückfallrate dabei bei 3,3 Prozent.
Wie gut wirken die Operationen?
Operationen, die die Lidschlaffheit mitbehandeln, haben deutlich weniger Rückfälle als Nähte allein. Die Zahlen stammen überwiegend aus Fallserien einzelner Zentren und sind daher nur grobe Anhaltspunkte.
| Verfahren | Ergebnis |
|---|---|
| Nähte allein (randomisierte Studie) | 21 % Rückfälle nach 18 Monaten |
| Nähte plus laterale Lidstraffung (dieselbe Studie) | 0 % Rückfälle nach 18 Monaten |
| Retraktoren-Operation plus Lidstraffung | 96,7 % Erfolg, 2,2 % Rückfälle nach etwa 23 Monaten |
| Zugang durch die Bindehaut | 3,3 % Rückfälle |
Eine Cochrane-Übersicht, die die Studienlage systematisch geprüft hat, fand nur eine einzige randomisierte Studie mit 63 Teilnehmenden. Sie bewertete die Kombination aus Nähten und Lidstraffung als sehr wirksam, betonte aber, dass eine Studie allein nicht ausreicht, um die Praxis grundlegend zu ändern. Eine deutsche oder österreichische Leitlinie speziell zum Entropium gibt es derzeit nicht; die Verfahrenswahl folgt der Erfahrung der Operateurin oder des Operateurs und dem Befund.
Wie läuft die Operation ab?
Die Operation erfolgt meist ambulant in örtlicher Betäubung, auf Wunsch mit einem leichten Beruhigungsmittel (Dämmerschlaf). Je nach Verfahren und Quelle dauert sie etwa 30 Minuten bis eineinhalb Stunden. Verwendet werden sehr feine Fäden, die Hautschnitte liegen möglichst in natürlichen Falten. Am Ende wird oft ein Salbenverband angelegt.
Vor dem Eingriff wird geklärt, ob blutverdünnende Medikamente eingenommen werden und ob eine aktive Augeninfektion besteht; diese wird zuerst behandelt. Schwere Allgemeinerkrankungen können dafür sprechen, ein schonenderes Verfahren zu wählen.
Was ist, wenn auch ein Grauer Star operiert werden soll?
Steht zusätzlich eine Operation des Grauen Stars an, wird nach Empfehlung einer Fachklinik in der Regel zuerst das Lid korrigiert. Ein scheuerndes Lid erhöht die Gefahr von Reizungen und Infektionen nach der Linsenoperation. Die genaue Reihenfolge besprechen Sie mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.
Wie wird ein narbiges Entropium behandelt?
Beim narbigen Entropium muss zuerst die Grunderkrankung kontrolliert werden, damit die Vernarbung nicht weiter fortschreitet. Die Operation ist schwieriger als beim altersbedingten Entropium und richtet sich nach dem Schweregrad.
- Leichte Fälle: Entfernung eines Hautstreifens; einzelne fehlgerichtete Wimpern werden durch Kälte oder Entfernung der Wimpernwurzel behandelt.
- Mittlere Fälle, vor allem am Oberlid: Die Lidplatte wird gezielt eingeschnitten und der Rand nach außen gedreht.
- Schwere Fälle: Die verkürzte Lidhinterseite wird verlängert. Dazu lösen Chirurginnen und Chirurgen die Narben und setzen Gewebe ein, etwa Schleimhaut aus Gaumen oder Mund oder Amnionmembran (eine Schicht der Fruchtblase).
Die Rückfallraten beim narbigen Entropium sind deutlich höher; Studien berichten Werte zwischen 12 und 71 Prozent. Mehrere Eingriffe können nötig sein.
Wie wird ein Trachom-Entropium behandelt?
Die WHO verfolgt beim Trachom die sogenannte SAFE-Strategie: Operation der Lidfehlstellung, Antibiotika (Azithromycin) für ganze Gemeinschaften, Gesichtshygiene und bessere Wasser- und Sanitärversorgung. Im Jahr 2025 wurden weltweit fast 100.000 Trachom-Operationen durchgeführt und 47,4 Millionen Menschen mit Antibiotika behandelt. In Europa betrifft das vor allem Menschen, die aus betroffenen Regionen zugewandert sind.
Wie wird ein angeborenes Entropium behandelt?
Ein angeborenes Entropium ohne Hornhautschaden wird zunächst oft beobachtet, weil sich leichte Formen in den ersten Lebensjahren von selbst zurückbilden können. Bis dahin können Gleitmittel und gegebenenfalls ein Pflasterzug die Hornhaut schützen. Zeigt die Untersuchung Hornhautschäden oder bildet sich die Fehlstellung nicht zurück, ist eine Operation die endgültige Lösung. Beim verwandten Epiblepharon liegt der Operationserfolg bei über 95 Prozent.
Was gilt nach der Operation?
Nach der Operation sind Schwellung, Blutergüsse und ein Spannungsgefühl normal und klingen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Kühlen lindert die Schwellung. Ein Fremdkörpergefühl am äußeren Lidwinkel ist nach einer Lidstraffung häufig. Die Heilung dauert etwa vier Wochen, nach rund drei Monaten sind die meisten Betroffenen beschwerdefrei.
- Antibiotische oder entzündungshemmende Salben und Tropfen nach Anweisung anwenden.
- Kontrolltermine wahrnehmen; Hautfäden werden meist nach etwa einer Woche entfernt.
- In den ersten zwei Wochen auf Sport, schweres Heben und Alkohol verzichten, weil sie die Schwellung verstärken.
- Nicht am Auge reiben, kein Augen-Make-up, bis die Wunde verheilt ist.
- Sonnenbrille oder Schirmmütze tragen, Solarium meiden.
Welche Risiken hat die Operation?
Die Operation gilt als risikoarm, Komplikationen kommen aber vor. Früh sind Nachblutung, starke Schwellung, Infektion und vorübergehende Sehstörungen durch die Salbe möglich. Später können ein Rückfall, eine Überkorrektur mit Auswärtskippen des Lids (Ektropium), ein zu tief stehendes Lid, sichtbare Narben oder eine Fehlstellung am äußeren Lidwinkel auftreten. Selten bleiben Schmerzen oder Missempfindungen zurück.
Der Rückfall ist die häufigste Spätkomplikation und kann eine erneute Operation nötig machen. Bei der Methode über die Bindehaut lag die Gesamtkomplikationsrate in einer Fallserie bei etwa vier Prozent.
Wer zahlt die Behandlung in Deutschland und Österreich?
Ein Entropium, das die Augenoberfläche schädigt oder zu schädigen droht, ist eine medizinische Indikation zur Operation, keine Schönheitsoperation. Medizinisch notwendige Eingriffe übernimmt die Krankenkasse in der Regel. Eine deutsche Patienteninformation nennt Kosten von etwa 1.500 bis 2.000 Euro und eine zumindest teilweise Übernahme durch die Krankenkasse. Verlässliche Angaben für Österreich lagen bei der Recherche nicht vor. Klären Sie vor dem Eingriff mit der Praxis und Ihrer Krankenkasse, welche Kosten übernommen werden und ob Zuzahlungen anfallen.
Wer führt die Operation durch?
Die Operation führen Augenärztinnen und Augenärzte mit Erfahrung in Lidchirurgie durch, in Kliniken oft spezialisierte Teams für Lid- und Tränenwegschirurgie (okuloplastische Chirurgie). Auch manche Augenarztpraxen operieren ambulant. Fragen Sie nach, welches Verfahren geplant ist und warum, und wie häufig die Operateurin oder der Operateur diesen Eingriff durchführt.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (7)
- Geht ein Entropium von selbst weg?
- Was passiert, wenn ein Entropium nicht behandelt wird?
- Wie schnell schreitet es fort?
- Wie ist die Prognose nach einer Operation?
- Kann ein Entropium nach der Operation wiederkommen?
- Was sagt ein Entropium über die allgemeine Gesundheit aus?
- Wie entwickelt sich das angeborene Entropium?
Geht ein Entropium von selbst weg?
Ein altersbedingtes oder narbiges Entropium geht in der Regel nicht von selbst weg, sondern bleibt bestehen oder nimmt langsam zu. Spanische Fachquellen betonen, dass Beschwerden und Hornhautschäden ohne Behandlung chronisch werden. Ausnahmen sind das spastische Entropium, das nach Abklingen des Auslösers verschwinden kann, und leichte Formen des angeborenen Entropiums, die sich bei Kindern zurückbilden können.
Was passiert, wenn ein Entropium nicht behandelt wird?
Ohne Behandlung reiben die Wimpern über Monate und Jahre auf der Hornhaut und schädigen sie zunehmend. Die Schäden entwickeln sich typischerweise stufenweise:
- Punktförmige Oberflächendefekte (Keratitis punctata): feine Verletzungen der obersten Hornhautschicht.
- Hornhautabschürfungen (Erosionen): größere Defekte, die stark schmerzen.
- Hornhautgeschwür (Ulkus): tieferer Gewebsverlust, der sich infizieren kann.
- Gefäßeinsprossung und Narben: Die Hornhaut verliert ihre Klarheit, das Sehen verschlechtert sich dauerhaft.
Im Extremfall kann ein lange unbehandeltes Entropium zur Erblindung des betroffenen Auges führen. Weltweit geschieht das vor allem beim Trachom; die WHO schätzt, dass rund 1,9 Millionen Menschen durch Trachom blind oder sehbehindert sind.
Wie schnell schreitet es fort?
Wie schnell ein Entropium fortschreitet, ist individuell sehr unterschiedlich. Beim altersbedingten Entropium vergehen oft Monate bis Jahre, in denen die Beschwerden kommen und gehen, bevor das Lid dauerhaft eingedreht bleibt. Das narbige Entropium gilt als fortschreitend und am schwersten zu behandeln, weil die Grunderkrankung oft weiter aktiv ist. Ein Hornhautgeschwür kann sich dagegen innerhalb weniger Tage entwickeln.
Wie ist die Prognose nach einer Operation?
Die Prognose ist in den meisten Fällen sehr gut, vor allem wenn die Operation erfolgt, bevor die Hornhaut dauerhaft geschädigt ist. Nach einer kombinierten Operation mit Lidstraffung liegen die Rückfallraten in Studien im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Bereits entstandene Hornhautnarben bilden sich durch die Lidoperation allerdings nicht zurück.
Kann ein Entropium nach der Operation wiederkommen?
Ja, Rückfälle sind möglich und die häufigste Spätkomplikation. Am höchsten ist das Risiko nach Nähten allein (bis zu etwa der Hälfte nach zwei Jahren) und beim narbigen Entropium. Bemerken Sie nach der Operation erneut Fremdkörpergefühl, Tränen oder ein eingekipptes Lid, sollten Sie das bald kontrollieren lassen. Ein Rückfall lässt sich in der Regel erneut operieren.
Was sagt ein Entropium über die allgemeine Gesundheit aus?
Ein Entropium tritt vor allem bei älteren Menschen auf, die oft weitere Erkrankungen haben. In einer Studie starben innerhalb von vier Jahren rund 30 von 100 Menschen mit Entropium. Die Autoren führen das auf die häufigen Begleiterkrankungen im höheren Alter zurück, nicht auf das Entropium selbst. Ein Entropium ist also kein Zeichen einer gefährlichen Allgemeinerkrankung; beim narbigen Entropium kann aber eine Autoimmunerkrankung dahinterstehen, die eigene Aufmerksamkeit braucht.
Wie entwickelt sich das angeborene Entropium?
Leichte Formen des angeborenen Entropiums können sich in den ersten Lebensjahren von selbst zurückbilden, wenn das Gesicht wächst; ausgeprägte Formen brauchen oft eine Operation. Da die Wimpern bei Säuglingen weich sind, bleibt die Hornhaut oft unbeschädigt. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind trotzdem sinnvoll, um Hornhautschäden rechtzeitig zu erkennen.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (6)
Kann man einem Entropium vorbeugen?
Dem häufigen altersbedingten Entropium kann man nach heutigem Wissen nicht wirksam vorbeugen. Die Erschlaffung von Lidbändern und Muskeln gehört zum Altern, und es gibt keine Übungen, Cremes oder Tropfen, die sie nachweislich verhindern. Spanische und deutschsprachige Quellen stimmen darin überein. Vorbeugen lässt sich aber den Folgen: Wer ein Entropium früh behandeln lässt, schützt seine Hornhaut.
Lässt sich das narbige Entropium verhindern?
Teilweise ja, indem man die Ursachen vermeidet oder frühzeitig behandelt. Dazu gehören Schutzbrillen beim Umgang mit Chemikalien, sofortiges ausgiebiges Spülen nach Verätzungen, die konsequente Behandlung chronischer Lidrand- und Bindehautentzündungen sowie die frühe Abklärung anhaltend roter, vernarbender Augen. Bei Langzeittherapie mit Augentropfen sollten die Lider bei den Kontrollterminen mit untersucht werden.
Wie schützt man sich vor Trachom?
Vor Trachom schützen vor allem Hygiene und sauberes Wasser. Die WHO setzt in betroffenen Regionen auf Gesichtswaschen, Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung und Antibiotika für ganze Gemeinschaften. Für Reisende ist das Risiko bei kurzen Aufenthalten gering. Wer in einem Endemiegebiet gelebt hat und später ein anhaltend rotes, kratzendes Auge bekommt, sollte das abklären lassen.
Was können Sie selbst bis zur Behandlung tun?
Sie können die Hornhaut schützen und die Reizung mindern, die Fehlstellung aber nicht selbst beheben.
- Tagsüber Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe verwenden, nachts eine Augensalbe.
- Einen Pflasterzug am Unterlid nur so anlegen, wie es Ihnen in der Praxis gezeigt wurde.
- Nicht reiben und nicht kratzen: Das verletzt die Hornhaut zusätzlich und kann Keime ins Auge bringen.
- Die Lider nicht fest zukneifen, weil das die Einwärtsdrehung verstärkt.
- Eine Sonnenbrille gegen Blendung und Wind tragen.
- Lidränder sanft reinigen, wenn sich Krusten bilden.
Sollte man die Wimpern auszupfen?
Nein, beim Entropium hilft das Auszupfen der Wimpern nicht dauerhaft und kann sogar schaden. Nachwachsende Wimpern sind kurz und steif und reizen die Hornhaut oft stärker als die ursprünglichen. Das gezielte Entfernen einzelner Wimpern ist eine Behandlung der Trichiasis und gehört in ärztliche Hände. Beim Entropium muss die Lidstellung korrigiert werden.
Worauf sollten ältere Menschen und Angehörige achten?
Ein dauerhaft rotes, tränendes Auge bei einem älteren Menschen sollte nicht als „normales Altersauge“ hingenommen werden. Angehörige und Pflegekräfte können auf ein einwärts gerolltes Unterlid, häufiges Reiben oder Blinzeln achten. Ein kurzer Blick der Augenärztin oder des Augenarztes klärt, ob ein Entropium dahintersteckt. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen im Alter erfassen auch Lidfehlstellungen.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (4)
Wann sofort zum Augenarzt?
Ein Entropium selbst ist kein Notfall, seine Folgen an der Hornhaut aber können es werden. Gehen Sie noch am selben Tag zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in eine Augenklinik, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- deutlich nachlassendes Sehen am betroffenen Auge
- starke oder zunehmende Schmerzen
- ausgeprägte Lichtempfindlichkeit
- rasch zunehmende Rötung
- ein weißlicher oder grauer Fleck auf der Hornhaut
- eitriges, dickes Sekret
- eine stark gereizte, geschwollene Bindehaut
Diese Zeichen können auf ein Hornhautgeschwür oder eine Infektion hinweisen. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie unter Notfall am Auge.
Wann in den nächsten Tagen?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn sich das Lid sichtbar nach innen dreht, wenn ständig ein Fremdkörpergefühl besteht oder wenn Wimpern spürbar an der Hornhaut scheuern. Auch brennende, tränende Augen, die mit Tränenersatz nicht besser werden, gehören zeitnah abgeklärt. Je früher die Hornhaut geschützt und das Lid korrigiert wird, desto besser sind die Aussichten.
Wann reicht ein Routinetermin?
Ein regulärer Termin genügt, wenn das Lid nur gelegentlich und kurz einkippt, die Beschwerden leicht sind und sich mit Tränenersatz gut beherrschen lassen. Auch bei einem Säugling mit angeborenem Entropium ohne Reizzeichen reicht in der Regel eine geplante Untersuchung.
Warnzeichen, die auf etwas anderes hindeuten
Plötzliche starke Augenschmerzen mit Kopfschmerz, Übelkeit und verschwommenem Sehen sprechen eher für einen akuten Glaukomanfall und sind ein Notfall. Rötung und Schmerzen nach einem Fremdkörper, einer Verletzung oder einer Verätzung gehören ebenfalls sofort in augenärztliche Hände. Eine rasch zunehmende Schwellung des Lids mit Fieber kann auf eine Entzündung der Augenhöhle hinweisen und ist ebenfalls ein Notfall.
9 Häufige Fragen
Was ist ein Entropium am Auge?
Ein Entropium ist eine Fehlstellung des Augenlids, bei der sich der Lidrand nach innen dreht, sodass Wimpern und Lidhaut auf Hornhaut und Bindehaut scheuern. Meist ist das Unterlid älterer Menschen betroffen. Typisch sind Fremdkörpergefühl, Rötung und Tränen.
Meine Wimpern kratzen am Auge – ist das ein Entropium?
Möglicherweise, es kann aber auch eine Trichiasis sein. Beim Entropium ist der ganze Lidrand nach innen gedreht, bei der Trichiasis steht das Lid richtig und nur einzelne Wimpern wachsen zum Auge. Die Unterscheidung ist wichtig, weil beide unterschiedlich behandelt werden, und gelingt in der augenärztlichen Untersuchung.
Ist ein Entropium nur eine harmlose Alterserscheinung?
Nein. Die scheuernden Wimpern können die Hornhaut verletzen und auf Dauer Geschwüre und Narben verursachen, die das Sehen bleibend verschlechtern. Ein Entropium sollte deshalb augenärztlich untersucht und meist operiert werden.
Geht ein Entropium von alleine weg?
Das altersbedingte und das narbige Entropium gehen in der Regel nicht von selbst weg. Ein spastisches Entropium kann verschwinden, wenn die auslösende Entzündung abklingt. Leichte Formen des angeborenen Entropiums können sich bei Kindern in den ersten Lebensjahren zurückbilden.
Hilft ein Pflaster gegen ein eingedrehtes Unterlid?
Ein Pflasterzug, der das Unterlid sanft zur Wange zieht, hilft vorübergehend und schützt die Hornhaut bis zur Operation. Er behebt die Fehlstellung aber nicht dauerhaft. Lassen Sie sich in der Praxis zeigen, wie das Pflaster richtig sitzt.
Welche Augentropfen helfen bei Entropium?
Tränenersatzmittel tagsüber und Augensalbe nachts lindern die Reibung und schützen die Hornhaut. Bei Hornhautschäden verordnet die Ärztin oder der Arzt gegebenenfalls entzündungshemmende oder antibiotische Präparate. Keine Tropfen können die Fehlstellung selbst korrigieren.
Hilft Botox bei einem Entropium?
Botulinumtoxin hilft vor allem beim spastischen Entropium, aber nur für etwa acht Wochen. Danach muss es wiederholt werden. Als Dauerlösung gilt die Operation; Botulinumtoxin eignet sich zur Überbrückung oder wenn nicht operiert werden kann.
Wie läuft eine Entropium-OP ab?
Der Eingriff erfolgt meist ambulant in örtlicher Betäubung und dauert je nach Verfahren etwa 30 bis 90 Minuten. Häufig wird das Lid seitlich gestrafft und die erschlafften Lidretraktoren werden wieder an der Lidplatte befestigt. Danach sind Schwellung und Blutergüsse für ein bis zwei Wochen normal.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Entropium-Operation?
Die Wunde heilt in etwa vier Wochen. Ein Fremdkörpergefühl am äußeren Lidwinkel kann einige Zeit bestehen, nach rund drei Monaten sind die meisten Betroffenen beschwerdefrei. In den ersten zwei Wochen sollten Sie auf Sport und Alkohol verzichten.
Kann ein Entropium nach der OP wiederkommen?
Ja, Rückfälle kommen vor. Nach Nähten allein sind sie häufig, nach kombinierten Operationen mit Lidstraffung liegen sie in Studien meist im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Beim narbigen Entropium ist das Rückfallrisiko höher. Ein Rückfall lässt sich in der Regel erneut operieren.
Zahlt die Krankenkasse die Entropium-OP?
Eine Operation, die die Hornhaut vor Schäden schützt, ist medizinisch begründet und kein Schönheitseingriff. Medizinisch notwendige Eingriffe übernimmt die Krankenkasse in der Regel; eine deutsche Patienteninformation spricht von einer zumindest teilweisen Übernahme. Klären Sie vor dem Eingriff mit der Praxis und Ihrer Krankenkasse in Deutschland oder Österreich, was übernommen wird.
Kann man durch ein Entropium blind werden?
Unbehandelt kann ein Entropium über Hornhautgeschwüre und Narben das Sehen bleibend verschlechtern, im Extremfall bis zur Erblindung des Auges. In Europa ist das dank Behandlung selten. Weltweit ist das Entropium durch Trachom aber eine wichtige Ursache vermeidbarer Blindheit.
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- Trockenes AugeBeim trockenen Auge (Sicca-Syndrom) ist der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht: Es bilden sich zu wenig Tränen, oder sie verdunsten zu schnell. Schätzungen für Deutschland gehen von etwa jedem sechsten bis siebten Menschen aus, vor allem Ältere und Frauen, und lässt sich mit Tränenersatzmitteln, Lidpflege und gezielter Behandlung meist gut in den Griff bekommen.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 20 Quellen anzeigen
- Entropium und Ektropium (Profi-Version) – MSD Manual (DE)
- Entropium und Ektropium (Patienten-Version) – MSD Manual (DE)
- Trichiasis – MSD Manual (DE)
- Entropium (Einwärtskehrung des Lides) – augenklinik.de (DE)
- Lidfehlstellungen – Stadtspital Zürich, Augenmedizin (DE)
- Lidfehlstellungen (Spektrum der Augenheilkunde 5-6/2015) – Springer Medizin Österreich (DE)
- Entropium – Apotheken Umschau / apotheken.de (DE)
- Entropium – DocCheck Flexikon (DE)
- Entropium – die Einwärtsdrehung des Lides – Dr. Nicolas Gumpert (DE)
- Entropium- und Ektropiumkorrekturen – gesundheits-lexikon.com (DE)
- Entropion – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Epiblepharon – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Entropion – MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine (EN)
- Interventions for involutional lower lid entropion (CD002221) – Cochrane (EN)
- Trachoma – Fact sheet – World Health Organization (EN)
- Entropion – Changi General Hospital, Singapur (EN)
- Entropion – Wikipédia (französisch) (FR)
- Entropión – Sociedad Española de Oftalmología (ES)
- Entropión (Enciclopedia médica) – MedlinePlus en español (ES)
- Entropión (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss