Auswärtsgedrehtes Lid (Ektropium)
Beim Ektropium kippt der Lidrand, fast immer des Unterlids, vom Auge weg nach außen, sodass Bindehaut und Hornhaut schlechter geschützt und befeuchtet werden. Es betrifft vor allem ältere Menschen, entsteht aber auch durch eine Gesichtslähmung, Narben oder Gewebe, das am Lid zieht, und lässt sich meist mit einer ambulanten Operation in örtlicher Betäubung gut beheben.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (6)
Was ist ein Ektropium?
Ein Ektropium ist eine Fehlstellung des Augenlids, bei der der Lidrand vom Augapfel weg nach außen kippt. Fast immer ist das Unterlid betroffen. Das Lid liegt dem Auge dann nicht mehr an, die rötliche Innenseite (Bindehaut) wird sichtbar und liegt frei. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Auswärtswendung“; in der Literatur findet man auch die Schreibweise Ektropion.
Was passiert dabei am Auge?
Das gekippte Lid kann zwei Aufgaben nicht mehr richtig erfüllen: Es schützt und befeuchtet die Augenoberfläche schlechter, und es leitet die Tränen nicht mehr ab. Normalerweise verteilt jeder Lidschlag den Tränenfilm über Hornhaut und Bindehaut. Die überschüssige Flüssigkeit fließt über einen winzigen Abflusspunkt am inneren Lidrand, den Tränenpunkt, in die Tränenwege und weiter in die Nase. Steht der Lidrand ab, ist auch der Tränenpunkt vom Tränensee weggedreht, und die Tränen laufen über die Wange.
Welche Formen gibt es?
Fachleute unterscheiden das Ektropium nach seiner Ursache, weil davon die Behandlung abhängt. Die Einteilung ist in deutschen, englischen und spanischen Quellen weitgehend gleich.
| Form | Ursache | Typische Betroffene |
|---|---|---|
| Altersbedingt (involutiv, senil) | Lid und seine Haltebänder erschlaffen, die Lidrückzieher lösen sich | Ältere Menschen; häufigste Form |
| Lähmungsbedingt (paralytisch) | Lähmung des Gesichtsnervs (Nervus facialis), der Lidschließmuskel hält das Lid nicht mehr | Menschen mit Gesichtslähmung, jedes Alter |
| Narbig (zikatriziell) | Narben, Verbrennungen, Hauterkrankungen oder frühere Operationen verkürzen die Haut und ziehen das Lid nach außen | Nach Verletzung, Verbrennung, Lid- oder Gesichtsoperationen |
| Mechanisch | Ein Knoten, Tumor, eine Schwellung oder abgesunkenes Wangengewebe zieht oder drückt das Lid nach außen | Menschen mit Lidtumor oder starker Schwellung |
| Angeboren (kongenital) | Fehlanlage, teils im Rahmen von Syndromen | Neugeborene; sehr selten |
Mischformen sind in der Praxis häufig, etwa ein altersschlaffes Lid mit zusätzlichem Narbenzug. Eine Sonderform ist das punktale Ektropium: Hier ist nur der innere Abschnitt mit dem Tränenpunkt nach außen gedreht, der Rest des Lids liegt noch an.
Wie häufig ist ein Ektropium?
Das Ektropium ist eine häufige Lidfehlstellung im höheren Alter, genaue Bevölkerungszahlen nennen die ausgewerteten Fachquellen jedoch nicht. Die Klinik der Universität Navarra gibt in ihrem medizinischen Wörterbuch an, dass etwa 4 Prozent der Menschen über 50 Jahre ein Ektropium in irgendeiner Ausprägung haben. Für diese Zahl fehlen Bezugsjahr und Land, sie ist daher nur ein grober Anhaltspunkt. Sicher ist: Mit dem Alter nimmt die Häufigkeit zu, und die altersbedingte Form überwiegt deutlich.
Wie unterscheidet es sich vom Entropium?
Beim Ektropium kippt das Lid nach außen, beim einwärtsgedrehten Lid (Entropium) nach innen. Beim Entropium scheuern Wimpern und Lidhaut auf der Hornhaut, was meist stark kratzt und schmerzt. Beim Ektropium berührt das Lid die Hornhaut nicht, dafür liegt ein Teil der Bindehaut frei und trocknet aus. Beide Fehlstellungen können auf derselben altersbedingten Erschlaffung beruhen, und beide werden operativ ähnlich behandelt.
Ist ein Ektropium gefährlich?
Ein Ektropium ist meist nicht gefährlich, aber lästig und auf Dauer schädlich für die Augenoberfläche. Unbehandelt kann die freiliegende Bindehaut chronisch gereizt werden und verhornen. Bleibt die Hornhaut ungeschützt, drohen Entzündungen und Geschwüre. Die gute Nachricht: Die Operation gilt als sicher und wirksam.
2 Symptome
In diesem Kapitel (16)
- Welche Beschwerden verursacht ein Ektropium?
- Warum tränt das Auge, obwohl es sich trocken anfühlt?
- Wie sieht ein Ektropium aus?
- Tränenträufeln: wie es sich im Alltag zeigt
- Trockenheit, Brennen und Fremdkörpergefühl
- Rötung und Reizung
- Ausfluss, verklebte Lider und häufige Entzündungen
- Wenn das Auge nicht mehr ganz schließt
- Wann treten Schmerzen und Sehstörungen auf?
- Frühe und späte Anzeichen
- Ein Auge oder beide Augen?
- Beschwerden je nach Form
- Was bemerken Angehörige?
- Besonderheiten bei älteren Menschen
- Besonderheiten bei Kindern und Neugeborenen
- Welche Beschwerden haben andere Ursachen?
Welche Beschwerden verursacht ein Ektropium?
Typisch sind ein sichtbar abstehendes, hängendes Unterlid, tränende Augen, Rötung und gleichzeitig ein trockenes, sandiges Gefühl. Wie stark diese Beschwerden sind, hängt davon ab, wie weit das Lid absteht, wie lange das schon so ist und ob das Auge noch vollständig schließt. Leichte Formen bemerken Betroffene manchmal nur an einem gelegentlich tränenden Auge. Ausgeprägte Formen sind auffällig und reizen das Auge ständig.
Die Beschwerden im Überblick, ungefähr nach Häufigkeit geordnet:
- Tränenträufeln (Epiphora): Tränen laufen über den Lidrand auf die Wange.
- Hängendes, abstehendes Unterlid: die rötliche Lidinnenseite ist sichtbar.
- Rötung und Reizung von Auge, Bindehaut und Lidrand.
- Trockenheits- und Fremdkörpergefühl: sandig, kratzig, brennend.
- Schleimiger Ausfluss und verklebte Lider, vor allem morgens.
- Unvollständiger Lidschluss: das Auge schließt nicht mehr ganz.
- Häufige Entzündungen der Bindehaut.
- Verhärtete, verdickte Bindehaut bei langem Bestehen.
- Schmerzen, Lichtscheu und schlechteres Sehen nur, wenn die Hornhaut geschädigt ist.
Warum tränt das Auge, obwohl es sich trocken anfühlt?
Das Auge tränt, weil die Tränen nicht mehr in die Tränenwege abfließen, und es ist trocken, weil das abstehende Lid den Tränenfilm nicht mehr gleichmäßig verteilt. Dieser scheinbare Widerspruch ist das Kennzeichen des Ektropiums. Der Tränenpunkt am inneren Unterlid taucht normalerweise in einen kleinen Tränensee zwischen Lid und Augapfel ein. Kippt das Lid nach außen, zeigt der Tränenpunkt ins Leere, und die Flüssigkeit läuft über.
Gleichzeitig verdunstet auf der freiliegenden Bindehaut und dem unteren Teil der Hornhaut mehr Flüssigkeit, als nachkommt. Das Auge reagiert auf die Trockenheit mit vermehrter Tränenproduktion, die aber wiederum abläuft, statt die Oberfläche zu benetzen. So entsteht ein Kreislauf aus Nässe auf der Wange und Trockenheit am Auge.
Wie sieht ein Ektropium aus?
Man sieht ein Unterlid, das nicht mehr eng am Augapfel anliegt, sondern absackt und nach außen kippt. Bei leichter Ausprägung steht nur der Lidrand ein wenig ab, oft zuerst im inneren Abschnitt nahe der Nase. Bei stärkerer Ausprägung hängt das ganze Unterlid wie eine Tasche herab, und ein breiter Streifen roter Bindehaut liegt frei. Zwischen Unterlid und Hornhaut wird oft mehr Weiß des Auges sichtbar als früher.
Liegt das Ektropium schon lange vor, kann die freiliegende Bindehaut ihr Aussehen verändern. Sie wirkt dann verdickt, rau und weniger glänzend, weil sie an der Luft verhornt (Keratinisierung). Die Lidhaut darunter ist durch das ständige Wischen und die Tränennässe oft gerötet und gereizt.
Tränenträufeln: wie es sich im Alltag zeigt
Tränenträufeln ist für viele Betroffene die störendste Beschwerde. Die Tränen laufen ohne Weinen über die Wange, besonders draußen, bei Wind und Kälte. Brillenträger müssen die Gläser häufig putzen, beim Lesen tropft es auf das Papier. Manche tragen deshalb ständig ein Taschentuch in der Hand.
Gerade das ständige Abwischen verschlimmert das Problem. Wer mit dem Taschentuch nach unten wischt, zieht das ohnehin schlaffe Unterlid jedes Mal ein Stück weiter vom Auge weg. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät deshalb, die Augen nicht zu reiben oder kräftig zu wischen, sondern bei Bedarf sanft mit einem sauberen Tuch abzutupfen.
Trockenheit, Brennen und Fremdkörpergefühl
Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl, als sei Sand im Auge. Dazu kommen Brennen, Kratzen und ein Druck- oder Müdigkeitsgefühl am Auge. Diese Beschwerden ähneln denen eines trockenen Auges, haben hier aber eine mechanische Ursache: Die Lidstellung stimmt nicht. Befeuchtende Tropfen lindern deshalb, beseitigen die Ursache aber nicht.
Typisch ist, dass die Trockenheit tagsüber bei Bildschirmarbeit, Heizungsluft oder im Auto zunimmt. Schließt das Auge nachts nicht ganz, wachen manche morgens mit besonders trockenem, verklebtem und gerötetem Auge auf.
Rötung und Reizung
Das Auge und der Lidrand sind häufig gerötet, weil die freiliegende Bindehaut ständig gereizt ist. Die sichtbare rote Innenseite des Lids verstärkt diesen Eindruck. Der NHS weist darauf hin, dass Rötungen auf brauner oder schwarzer Haut schwerer zu erkennen sind. Dort fallen eher Schwellung, Nässe und die veränderte Lidform auf.
Ausfluss, verklebte Lider und häufige Entzündungen
Ein Ektropium erhöht das Risiko für Infektionen wie eine Bindehautentzündung. Die gereizte, schlecht befeuchtete Bindehaut ist anfälliger für Keime. Betroffene bemerken dann vermehrten schleimigen oder eitrigen Ausfluss und morgens verklebte Wimpern. Kommen solche Entzündungen immer wieder, lohnt der Blick auf die Lidstellung als mögliche Ursache.
Wenn das Auge nicht mehr ganz schließt
Bei stärkerem Ektropium und besonders bei einer Gesichtslähmung schließt das Lid nicht mehr vollständig. Fachleute nennen das Lagophthalmus. Ein Spalt bleibt offen, oft unbemerkt im Schlaf. Dann trocknet vor allem der untere Teil der Hornhaut aus, und das Risiko für Hornhautschäden steigt deutlich.
Angehörige oder Partner bemerken diesen offenen Spalt manchmal eher als die Betroffenen selbst, weil er sich nur im Schlaf zeigt. Wer morgens regelmäßig mit stark gereiztem Auge aufwacht, sollte die Augenärztin oder den Augenarzt darauf ansprechen.
Wann treten Schmerzen und Sehstörungen auf?
Schmerzen, Lichtscheu und schlechteres Sehen gehören nicht zum gewöhnlichen Ektropium, sondern sind Warnzeichen für eine Hornhautbeteiligung. Ohne ausreichenden Schutz kann die Hornhaut oberflächlich aufreißen, sich entzünden oder ein Geschwür bilden. Eine solche Hornhautentzündung macht sich durch stechende Schmerzen, starke Blendung und verschwommenes Sehen bemerkbar. Dann ist eine rasche augenärztliche Untersuchung nötig.
Frühe und späte Anzeichen
Am Anfang steht oft nur ein leichtes, zeitweises Tränen, später ein dauerhaft abstehendes Lid mit chronisch gereizter Bindehaut. Der Verlauf ist bei der altersbedingten Form meist schleichend über Monate bis Jahre. Ohne Operation neigt die Auswärtskehrung dazu, langsam fortzuschreiten. Der folgende Überblick zeigt typische Stadien; die Übergänge sind fließend.
| Stadium | Was man sieht | Was man spürt |
|---|---|---|
| Früh | Unterlid liegt etwas lockerer an, innerer Lidrand mit Tränenpunkt leicht nach außen gedreht | Zeitweises Tränen, vor allem bei Wind und Kälte |
| Mittel | Lidrand steht sichtbar ab, rote Bindehaut liegt frei | Ständiges Tränenträufeln, Trockenheit, Rötung, Fremdkörpergefühl |
| Fortgeschritten | Lid hängt deutlich herab, Bindehaut verdickt und verhornt, Lidschluss unvollständig | Dauerhafte Reizung, häufige Entzündungen, Ausfluss |
| Komplikation | Trübe oder geschädigte Stelle auf der Hornhaut | Schmerzen, Lichtscheu, schlechteres Sehen |
Ein Auge oder beide Augen?
Ein Ektropium kann ein Auge oder beide Augen betreffen. Die altersbedingte Form tritt häufig an beiden Unterlidern auf, oft aber unterschiedlich stark. Formen durch eine Gesichtslähmung, eine Narbe oder einen Lidtumor zeigen sich dagegen meist nur auf der betroffenen Seite. Ein plötzlich einseitig auftretendes Ektropium sollte deshalb immer auf eine erkennbare Ursache untersucht werden.
Beschwerden je nach Form
Die Grundbeschwerden sind bei allen Formen gleich, doch jede Form hat eigene Begleitzeichen. Sie geben der Ärztin oder dem Arzt Hinweise auf die Ursache.
- Altersbedingt: schleichender Beginn, oft beidseitig, lockeres Unterlid, das sich weit vom Auge abziehen lässt.
- Lähmungsbedingt: plötzlicher Beginn zusammen mit einer Gesichtslähmung; hängender Mundwinkel, die Stirn lässt sich auf der Seite nicht runzeln, das Auge schließt schlecht. Die Hornhaut ist hier besonders gefährdet.
- Narbig: sichtbare Narbe, gespannte oder veränderte Haut an Unterlid oder Wange, etwa nach Verbrennung, Verletzung oder Operation. Das Ektropium verstärkt sich, wenn man den Mund öffnet und nach oben blickt.
- Mechanisch: ein Knoten, eine Schwellung oder ein Tumor am Lid ist zu sehen oder zu tasten.
- Angeboren: bereits bei Geburt vorhanden, bei Neugeborenen oft mit stark geschwollener Bindehaut.
Was bemerken Angehörige?
Angehörigen fallen oft zuerst das herabhängende Unterlid, das rote Augeninnere und die ständig feuchte Wange auf. Ältere Menschen gewöhnen sich an das Tränen und halten es für eine normale Alterserscheinung. Auffällig kann auch sein, dass jemand ständig mit dem Taschentuch am Auge wischt. Wer bei einem Familienmitglied eine solche Veränderung sieht, kann zu einer augenärztlichen Untersuchung ermutigen.
Besonderheiten bei älteren Menschen
Bei älteren Menschen ist das altersbedingte Ektropium die Regel, und es kommt oft mit anderen Lidveränderungen zusammen vor. Die Société Française d'Ophtalmologie beschreibt, dass mit dem Alter Hautüberschuss am Oberlid, Tränensäcke, ein absinkendes Oberlid und eine abgesunkene Augenbraue häufig gemeinsam auftreten. Fehlstellungen des Unterlids kommen in diesem Alter oft hinzu. Dazu kommen häufig ein trockenes Auge und eine Lidrandentzündung, die die Beschwerden verstärken. Wer langfristig Augentropfen anwendet, etwa gegen Grünen Star, sollte wissen, dass manche Dauertropfen die Lidhaut verändern und ein Ektropium begünstigen können.
Besonderheiten bei Kindern und Neugeborenen
Bei Kindern ist ein Ektropium sehr selten und meist angeboren oder Folge einer Verletzung, Verbrennung oder Gesichtslähmung. Eine besondere Form ist die angeborene Auswärtsstülpung des Oberlids beim Neugeborenen. Sie tritt meist beidseitig auf, die Bindehaut ist dabei oft stark geschwollen (Chemosis) und quillt sichtbar hervor. Sie ist bei Kindern mit Down-Syndrom (Trisomie 21) deutlich häufiger beschrieben.
Bei der seltenen Hauterkrankung lamelläre Ichthyose, bei der Neugeborene wie von einer straffen Haut überzogen zur Welt kommen (sogenanntes Kollodium-Baby), kann ein schweres beidseitiges Ektropium auftreten. In diesen Fällen achten Augenärztinnen und Augenärzte besonders auf die Hornhaut, weil sie schnell Schaden nehmen kann.
Welche Beschwerden haben andere Ursachen?
Tränende, gerötete Augen haben viele Ursachen, und nicht jedes Tränen kommt von einem Ektropium. Ein Tränenwegsverschluss führt ebenfalls zu Tränenträufeln, die Lidstellung ist dabei aber normal. Juckreiz spricht eher für eine allergische Bindehautentzündung, starke Schmerzen beim Lidschlag eher für ein Entropium oder eine Hornhautverletzung. Ein harter, wachsender Knoten am Lidrand mit Wimpernverlust kann auf einen Tumor am Augenlid hinweisen.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (9)
Warum kippt das Lid nach außen?
Das Lid kippt nach außen, wenn seine Spannung nachlässt, die Muskeln es nicht mehr halten oder etwas von außen daran zieht. Normalerweise hält eine feste Platte im Lid, der Tarsus, die Form. Seitliche Bänder befestigen das Lid an den Knochen der Augenhöhle, und der Lidschließmuskel (Musculus orbicularis oculi) drückt es an den Augapfel. Sogenannte Lidrückzieher (Retraktoren) verbinden das Unterlid mit der Tiefe der Augenhöhle und stabilisieren es von hinten.
Altersbedingtes Ektropium
Die häufigste Ursache ist das Alter: Die Haltebänder und das Gewebe des Lids leiern über die Jahre aus. Das Unterlid wird horizontal zu lang und schlaff. Zusätzlich können sich die Lidrückzieher von der Lidplatte lösen (Desinsertion). Die Schwerkraft zieht das erschlaffte Lid dann nach unten und außen.
Die Erschlaffung der seitlichen Lidsehnen und eine übermäßige Lockerheit des Lids sind auch beim altersbedingten Entropium die gemeinsame Grundlage. Ob das Lid nach außen oder nach innen kippt, hängt von der individuellen Anatomie ab.
Ektropium durch eine Gesichtslähmung
Fällt der Gesichtsnerv (Nervus facialis) aus, kann der Lidschließmuskel das Unterlid nicht mehr halten, und es sackt nach außen ab. Die häufigste Ursache ist die idiopathische Gesichtslähmung, im englischen Sprachraum als Bell-Parese bekannt, für die sich keine Ursache findet. Weitere Auslöser sind Verletzungen, Operationen im Bereich von Ohr oder Gesicht, Entzündungen und Tumoren. Bei der Gesichtslähmung kommt zum Ektropium oft ein unvollständiger Lidschluss des Oberlids hinzu, was die Hornhaut besonders gefährdet.
Narbiges Ektropium
Beim narbigen Ektropium verkürzt sich die äußere Schicht des Lids, also Haut und Muskel, und zieht den Lidrand nach außen. Fachleute sprechen von der vorderen Lamelle. Auslöser sind:
- Verletzungen und Schnittwunden an Lid oder Wange
- Verbrennungen und Verätzungen der Haut
- vernarbende Hauterkrankungen
- Bestrahlung im Gesichtsbereich
- frühere Operationen am Lid, etwa eine Lidstraffung oder die Entfernung von Hautveränderungen
Die spanische Fachgesellschaft SEO weist ausdrücklich darauf hin, dass zu großzügige Hautentfernungen am Unterlid und an der Wange ein narbiges Ektropium verursachen können. Auch die französische Patientenaufklärung zur Lidchirurgie nennt das Ektropium als gelegentliche, vorübergehende oder bleibende Folge von Eingriffen an den Lidern.
Mechanisches Ektropium
Beim mechanischen Ektropium drückt oder zieht etwas das Lid nach außen. Das kann ein Knoten, eine Zyste oder ein Tumor am Lid sein, dessen Gewicht den Lidrand nach unten zieht. Auch starke Schwellungen oder ein Bluterguss können das Lid vorübergehend auswärts drehen. Bei älteren Menschen kann zudem abgesunkenes Wangengewebe das Unterlid nach unten ziehen.
Angeborenes Ektropium
Ein angeborenes Ektropium ist sehr selten. Es kann zusammen mit Fehlbildungen der Lidspalte auftreten, etwa dem Blepharophimose-Syndrom, bei dem die Lidspalten zu eng sind, oder dem Euryblepharon, bei dem die Lidspalte zu weit ist. Die angeborene Auswärtsstülpung des Oberlids beim Neugeborenen ist mit dem Down-Syndrom verbunden. Bei der lamellären Ichthyose verursacht die zu straffe Haut das Ektropium.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Das Risiko steigt vor allem mit dem Alter, dazu kommen Gewohnheiten und Erkrankungen, die das Lid belasten. Die Übersicht der Amerikanischen Akademie für Augenheilkunde (EyeWiki) nennt:
- Alter: Verlust der Gewebeelastizität und Schwerkraft
- Reiben und Ziehen am Lid: häufiges Augenreiben, Herunterziehen des Unterlids, etwa beim Einsetzen von Kontaktlinsen
- Schlaffe-Lider-Syndrom (Floppy-Eyelid-Syndrom): auffällig weiche, leicht umklappbare Lider
- Langzeit-Augentropfen: manche dauerhaft angewendeten Tropfen, genannt werden etwa Dorzolamid und Brimonidin aus der Glaukomtherapie
- Hauterkrankungen der Lider
- Verletzungen im Gesicht
- Frühere Lidoperationen
- Flaches Mittelgesicht: ein wenig ausgeprägter Wangenknochen stützt das Unterlid schlechter
Die spanische Fachgesellschaft ergänzt ausgeprägte Lidschlaffheit, Narben an Unterlid oder Wange, vernarbende Hauterkrankungen, Gesichtslähmungen und große Tumoren am Unterlid.
Kann eine Entzündung ein Ektropium fördern?
Ja, chronische Entzündungen von Lidrand oder Bindehaut können zum Ektropium beitragen. Eine dauerhaft entzündete Lidhaut wird gereizt und kann schrumpfen. Dazu kommt das häufige Wischen und Reiben, das Entzündungen fast immer begleiten. Deshalb gehört die Behandlung einer Lidrandentzündung zur Vorbeugung und zur Nachsorge.
Kann eine Botulinumtoxin-Behandlung ein Ektropium auslösen?
Ja, vorübergehend. Bei der Behandlung eines Lidkrampfs mit Botulinumtoxin wird der Lidschließmuskel gezielt geschwächt. Als Nebenwirkung kann das Unterlid dann für einige Wochen nach außen absacken. Das bildet sich in der Regel mit nachlassender Wirkung zurück.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
Wie wird ein Ektropium festgestellt?
Ein Ektropium wird durch Ansehen und eine gezielte Untersuchung des Lids festgestellt; Apparate oder Bildgebung braucht es dafür meist nicht. Fortgeschrittene Fälle sind auf den ersten Blick erkennbar. Frühe Formen zeigen sich erst bei der augenärztlichen Untersuchung, wenn sich das Lid leicht vom Auge abhebt. Die eigentliche Arbeit besteht darin, die Ursache und die Form herauszufinden, denn davon hängt die Operation ab.
Wer ist die richtige Anlaufstelle?
Erste Anlaufstelle ist die Augenärztin oder der Augenarzt. Auch die Hausärztin oder der Hausarzt erkennt ein Ektropium meist und überweist dann weiter. Für die Operation gibt es in vielen Augenkliniken spezialisierte Sprechstunden für Lidchirurgie (okuloplastische Chirurgie). In Deutschland und Österreich können Sie eine Augenarztpraxis in der Regel direkt aufsuchen.
Welche Fragen stellt die Ärztin oder der Arzt?
Das Gespräch klärt, seit wann die Beschwerden bestehen und was sie ausgelöst haben könnte. Typische Fragen sind:
- Seit wann steht das Lid ab, kam es plötzlich oder schleichend?
- Tränt das Auge, ist es trocken, gerötet, verklebt?
- Gab es eine Gesichtslähmung, eine Verletzung, Verbrennung oder Operation an Lid oder Gesicht?
- Welche Augentropfen nehmen Sie, und seit wann?
- Reiben oder wischen Sie häufig am Auge, tragen Sie Kontaktlinsen?
- Gibt es Hauterkrankungen oder Allergien?
Was wird am Lid untersucht?
Die Augenärztin oder der Augenarzt prüft, wie straff das Lid ist, ob Narben ziehen und ob die Gesichtsmuskeln arbeiten. Dazu gehören einige einfache Handgriffe, die nur Sekunden dauern und nicht wehtun.
Zugtest (Lid-Abzugstest)
Beim Zugtest wird das Unterlid vorsichtig vom Augapfel weggezogen und der Abstand gemessen. Normal sind etwa 2 bis 3 Millimeter. Mehr als 5 Millimeter sprechen für eine deutliche Lidschlaffheit, wie sie beim altersbedingten Ektropium typisch ist.
Zurückschnapp-Test
Beim Zurückschnapp-Test zieht die Ärztin oder der Arzt das Unterlid nach unten und lässt es los. Ein gesundes Lid schnellt sofort an das Auge zurück. Bleibt es abstehend oder kehrt erst nach einem Lidschlag zurück, ist es erschlafft.
Daumentest und Blick nach oben
Mit dem Daumen wird das Lid sanft nach oben geschoben, um zwischen schlaffem und narbig verkürztem Lid zu unterscheiden. Lässt sich das Lid leicht in die richtige Position bringen, steht die Erschlaffung im Vordergrund. Wenn Sie den Mund öffnen und nach oben blicken, verstärkt sich ein narbiges Ektropium, weil die verkürzte Haut dann zusätzlich zieht.
Welche weiteren Punkte werden geprüft?
Neben dem Lid selbst werden Gesicht, Lidrand, Tränenpunkt und Augenoberfläche beurteilt. Die Übersicht der Amerikanischen Akademie für Augenheilkunde nennt diese Schritte:
- Gesichtsform: Liegt der untere Rand der Augenhöhle weit zurück, stützt er das Lid schlechter.
- Gesichtsnerv: Stirnrunzeln, Augen zukneifen, Lächeln, um eine Lähmung zu erkennen.
- Lidrand: Zeichen einer Lidrandentzündung, verdickte oder verhornte Bindehaut, Narben, Wimpernverlust, Geschwüre oder verhärtete Stellen, die auf einen bösartigen Tumor hinweisen könnten.
- Tränenpunkt: Ist er vom Tränensee weggedreht?
- Hornhaut und Bindehaut: Gibt es Zeichen der Austrocknung oder Schäden?
Wozu dient die Spaltlampe?
Mit der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt, sieht die Ärztin oder der Arzt, ob Hornhaut und Bindehaut bereits geschädigt sind. Oft wird dabei ein gelber Farbstoff (Fluorescein) ins Auge gegeben. Er macht kleinste Oberflächenschäden der Hornhaut sichtbar, wie sie bei Austrocknung entstehen. Wie stark die Hornhaut betroffen ist, entscheidet mit darüber, wie dringend operiert werden sollte.
Wann sind weitere Untersuchungen nötig?
Weitere Untersuchungen sind nur nötig, wenn eine besondere Ursache vermutet wird. Bei Verdacht auf eine Nervenerkrankung prüft die Ärztin oder der Arzt die Hirnnerven, gegebenenfalls zusammen mit der Neurologie. Ein verdächtiger Knoten am Lid wird feingeweblich untersucht, also eine Gewebeprobe entnommen. Bei Neugeborenen genügt die klinische Untersuchung; besonderes Augenmerk liegt auf der Hornhaut.
Womit kann ein Ektropium verwechselt werden?
Einige Erkrankungen sehen ähnlich aus oder verursachen ähnliche Beschwerden, haben aber eine andere Ursache. Die wichtigsten Abgrenzungen:
| Erkrankung | Was sie unterscheidet |
|---|---|
| Entropium | Lidrand nach innen gedreht, Wimpern scheuern auf der Hornhaut |
| Lidretraktion bei Schilddrüsen-Augenerkrankung | Lid ist zurückgezogen, das Auge tritt oft hervor; siehe Endokrine Orbitopathie |
| Folge einer unteren Lidstraffung | Zu viel entfernte Haut zieht das Lid herab, im Grunde eine Form des narbigen Ektropiums |
| Nach Schieloperation am unteren geraden Augenmuskel | Das Unterlid steht tiefer, weil der Muskel zurückverlagert wurde |
| Floppy-Eyelid-Syndrom | Sehr weiche Lider, die sich leicht umklappen lassen; oft verbunden mit Schlafapnoe |
| Tränenwegsverschluss | Tränenträufeln bei normaler Lidstellung |
| Hängendes Oberlid (Ptosis) | Betrifft das Oberlid, das herabsinkt; kein Auswärtskippen |
| Lidrandentzündung | Gerötete, schuppige Lidränder ohne Fehlstellung; kann ein Ektropium aber begleiten |
| Lidtumor | Knoten, Verhärtung, Wimpernverlust; kann selbst ein mechanisches Ektropium verursachen |
5 Behandlung
In diesem Kapitel (10)
- Wie wird ein Ektropium behandelt?
- Was hilft ohne Operation?
- Wann ist eine Operation sinnvoll?
- Wie läuft die Operation ab?
- Welche Operationsverfahren gibt es?
- Wie wird das Ektropium bei einer Gesichtslähmung behandelt?
- Wie wird ein angeborenes Ektropium beim Neugeborenen behandelt?
- Was passiert nach der Operation?
- Welche Risiken hat die Operation?
- Wer bezahlt die Behandlung in Deutschland und Österreich?
Wie wird ein Ektropium behandelt?
Dauerhaft lässt sich ein Ektropium nur durch eine Operation beheben; Tropfen, Salben und Pflaster lindern die Beschwerden und schützen das Auge bis dahin. Darin stimmen die deutsche, britische, amerikanische, französische und spanische Literatur überein. Leichte Fälle ohne nennenswerte Beschwerden brauchen eventuell gar keine Behandlung. Welches Vorgehen passt, hängt von der Form, den Beschwerden und dem Zustand der Hornhaut ab.
Was hilft ohne Operation?
Ohne Operation geht es darum, die Augenoberfläche feucht zu halten und vor Schäden zu schützen. Diese Maßnahmen überbrücken die Zeit bis zur Operation oder genügen bei sehr leichter Ausprägung.
Tränenersatz und Salben
Befeuchtende Augentropfen ersetzen den fehlenden Tränenfilm am Tag, eine dickere Salbe oder ein Gel schützt in der Nacht. Mehr zu den verschiedenen Präparaten finden Sie bei den Tränenersatzmitteln und den Augentropfen gegen trockene Augen. Bei häufiger Anwendung sind Tropfen ohne Konservierungsmittel schonender. Bei deutlich unvollständigem Lidschluss empfehlen Augenärztinnen und Augenärzte nachts mitunter eine fettende Salbe, damit die Hornhaut nicht austrocknet.
Lid mit Pflaster stützen
Ein spezielles Hautpflaster kann das Unterlid nach oben und an das Auge halten oder Ober- und Unterlid nachts sanft zusammenhalten. Der NHS empfiehlt das, wenn das Auge nicht richtig schließt, aber nur nach Anleitung durch die Augenärztin oder den Augenarzt. Bei einer Gesichtslähmung rät die Fachliteratur, das Auge nicht einfach mit einem Verband abzudecken: Darunter kann das Lid aufgehen und die Hornhaut am Verbandsmaterial scheuern. Zum Schutz eignet sich stattdessen ein Uhrglasverband, eine durchsichtige, feuchte Kammer vor dem Auge, vor allem für die Nacht.
Auslöser abstellen
Zur Behandlung gehört, schädliche Gewohnheiten und Begleiterkrankungen anzugehen. Dazu zählt, nicht mehr am Auge zu reiben, eine Lidrandentzündung zu behandeln und problematische Dauertropfen mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen. Setzen Sie verordnete Tropfen, etwa gegen Grünen Star, nie eigenmächtig ab. Oft gibt es Alternativen.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Operation ist sinnvoll, wenn die Beschwerden stören, die Bindehaut chronisch gereizt ist oder die Hornhaut gefährdet ist. Die spanische Fachgesellschaft SEO und EyeWiki nennen die Operation die endgültige Behandlung; Tränenersatz und nächtliche Salbe lindern nur die Beschwerden. Die deutsche Literatur weist darauf hin, dass eine frühe Operation gute Aussichten hat. Bei der lähmungsbedingten Form wird dagegen zunächst abgewartet, ob sich der Nerv erholt.
Wie läuft die Operation ab?
Die Operation erfolgt in den meisten Fällen ambulant und in örtlicher Betäubung, auf Wunsch mit einem Beruhigungsmittel. Die französische Patientenaufklärung der SFO nennt die örtliche Betäubung allein oder ergänzt durch eine Narkoseärztin oder einen Narkosearzt als übliches Vorgehen. Je nach Verfahren dauert der Eingriff etwa 30 bis 60 Minuten. Eine Vollnarkose ist selten nötig, etwa bei Kindern oder sehr ausgedehnten Eingriffen.
Vor dem Eingriff klären Sie mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Medikamente Sie nehmen, vor allem blutverdünnende. Eine aktive Infektion am Auge wird zuerst behandelt. Bei schweren Allgemeinerkrankungen wird abgewogen, ob und wann operiert wird.
Welche Operationsverfahren gibt es?
Das Verfahren richtet sich nach der Ursache: Ein schlaffes Lid wird gestrafft, ein narbig verkürztes Lid verlängert, ein Tumor entfernt. Oft werden mehrere Schritte kombiniert. Die folgende Tabelle fasst die gängigen Verfahren zusammen.
| Problem | Übliches Verfahren |
|---|---|
| Horizontal erschlafftes Unterlid (altersbedingt) | Straffung am äußeren Lidwinkel (Lateral Tarsal Strip) oder keilförmige Verkürzung des Lids |
| Abgelöste Lidrückzieher | Wiederanheften der Rückzieher an die Lidplatte |
| Nur der Tränenpunkt nach außen gedreht | Spindelförmige Gewebeentfernung auf der Lidinnenseite (mediale Spindel) |
| Narbig verkürzte Haut | Narbe lösen, Haut verlängern, oft mit Hauttransplantat |
| Gesichtslähmung | Straffung des Unterlids, Korrektur des Tränenpunkts, je nach Lage Maßnahmen am Oberlid |
| Abgesunkenes Mittelgesicht | Anheben des Wangengewebes zusammen mit Lidstraffung |
| Tumor am Lid | Entfernung des Tumors, danach Wiederherstellung des Lids |
Straffung am äußeren Lidwinkel
Die Straffung am äußeren Lidwinkel ist das Standardverfahren beim altersbedingten Ektropium. Die Chirurgin oder der Chirurg bildet aus dem äußeren Ende der Lidplatte einen schmalen Streifen, kürzt ihn und näht ihn straff an die Knochenhaut der Augenhöhle. So wird das Lid wieder horizontal gespannt und liegt dem Auge an. Die spanische Fachgesellschaft beschreibt außerdem die keilförmige Verkürzung des Lids, oft kombiniert mit dem Verkürzen und Wiederanheften der Lidrückzieher.
Wiederanheften der Lidrückzieher
Haben sich die Rückzieher von der Lidplatte gelöst, werden sie wieder daran befestigt. Das stabilisiert das Lid von hinten und verhindert, dass es erneut kippt. Dieser Schritt wird häufig mit der Straffung kombiniert.
Eingriff am Tränenpunkt
Ist vor allem der innere Lidabschnitt mit dem Tränenpunkt nach außen gedreht, wird auf der Lidinnenseite ein kleines spindelförmiges Stück Bindehaut entfernt. Beim Vernähen dreht sich der Tränenpunkt wieder zum Auge hin. So können die Tränen wieder in die Tränenwege abfließen.
Hautverlängerung beim narbigen Ektropium
Beim narbigen Ektropium fehlt Haut, deshalb muss sie ersetzt oder verschoben werden. Die Narbe wird gelöst und die Lücke mit einem Hauttransplantat, etwa von hinter dem Ohr oder vom Oberlid, oder mit einem verschobenen Hautlappen gefüllt. Meist wird gleichzeitig das Lid gestrafft. Diese Eingriffe sind aufwendiger und brauchen länger zum Abheilen.
Besonders schwere oder wiederkehrende Fälle
Bei sehr schwerem Gewebe oder nach einem Rückfall kann das Lid zusätzlich am Knochen verankert werden, etwa über kleine Bohrkanäle oder Platten. Ist das Mittelgesicht abgesunken, wird es angehoben, damit das Unterlid wieder Halt bekommt. Solche Eingriffe gehören in die Hand erfahrener Lidchirurginnen und Lidchirurgen.
Wie wird das Ektropium bei einer Gesichtslähmung behandelt?
Bei einer Gesichtslähmung steht der Schutz der Hornhaut an erster Stelle, die Lidoperation folgt erst, wenn sich der Nerv nicht ausreichend erholt. Eine idiopathische Gesichtslähmung (Bell-Parese) bessert sich laut EyeWiki bei etwa 70 Prozent der Betroffenen innerhalb von sechs Wochen von selbst. Deshalb wird zunächst konservativ behandelt.
- Tagsüber künstliche Tränen, nachts ein dickeres Gel oder eine fettende Salbe
- Kleine Stöpsel im Tränenpunkt (Punctum-Plugs), wenn das Auge anhaltend trocken bleibt
- Das Unterlid mit Pflaster stützen, das Auge aber nicht mit einem Verband abdecken
- Vorübergehend Botulinumtoxin in den Oberlidheber, damit das Oberlid tiefer steht und die Hornhaut bedeckt; die Wirkung hält einige Wochen
Ist keine ausreichende Erholung zu erwarten, kommen Operationen infrage: eine teilweise Vernähung der Lidränder (Tarsorrhaphie), ein kleines Goldgewicht im Oberlid, das den Lidschluss erleichtert, und eine Straffung oder Aufhängung des Unterlids, etwa mit körpereigenem Bindegewebe vom Oberschenkel.
Wie wird ein angeborenes Ektropium beim Neugeborenen behandelt?
Die angeborene Auswärtsstülpung des Oberlids wird zunächst ohne Operation behandelt und bildet sich dann meist vollständig zurück. Eingesetzt werden Kompressen mit stark salzhaltiger Lösung, die die Bindehautschwellung abschwellen lassen, dazu antibiotische Salbe, Gleitmittel und gegebenenfalls kurz Kortison. In Fallberichten zeigt sich die erste Besserung nach zwei bis drei Tagen, die Behandlung dauert etwa zwei bis drei Wochen. Nur wenn das nicht hilft oder die Hornhaut gefährdet ist, wird operiert.
Was passiert nach der Operation?
Nach der Operation ist das Lid für einige Tage geschwollen und oft blau verfärbt; das ist normal und klingt von selbst ab. Kühlen lindert Schwellung und Spannungsgefühl. In den ersten Wochen tragen Sie meist eine antibiotische oder entzündungshemmende Salbe auf, und es folgen Kontrollen. Fäden werden je nach Material entfernt oder lösen sich selbst auf.
Ein Fremdkörper- oder Spannungsgefühl am äußeren Lidwinkel ist nach einer Straffung anfangs häufig. Das Lid kann in den ersten Tagen etwas zu straff wirken, das gleicht sich mit dem Abschwellen meist aus. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ab wann Sie wieder Sport treiben, Make-up tragen oder Auto fahren dürfen.
Welche Risiken hat die Operation?
Die Operation gilt als sicher; ernsthafte Komplikationen sind selten. Möglich sind:
- Häufig und harmlos: Schwellung, Bluterguss, vorübergehend verschwommenes Sehen durch Salbe
- Gelegentlich: leichte Nachblutung, Wundinfektion, auffällige Narbe
- Über- oder Unterkorrektur: das Lid sitzt zu straff oder kippt erneut; manchmal ist ein zweiter Eingriff nötig
- Rückfall: gelegentlich, auch Jahre später
- Selten: Verletzung der Hornhaut
Die französische Aufklärung der SFO weist darauf hin, dass ein Eingriff am Lid eine andere Fehlstellung beheben, aber eine weitere verstärken oder auslösen kann. Solche Fehlstellungen werden in der Regel erst nach etwa sechs Monaten korrigiert, wenn sich das Gewebe beruhigt hat.
Wer bezahlt die Behandlung in Deutschland und Österreich?
Ist die Operation medizinisch notwendig, um Auge und Hornhaut zu schützen, wird sie in der Regel von der Krankenkasse getragen. Ein Ektropium ist keine Schönheitsfrage, sondern eine Funktionsstörung des Lids. Rein ästhetische Lideingriffe, etwa eine gleichzeitig gewünschte Entfernung von Tränensäcken, bezahlen die Kassen dagegen nicht. Klären Sie vor dem Termin mit der Praxis und Ihrer Krankenkasse, welche Kosten übernommen werden, besonders bei Wahlarzt- oder Privatbehandlung.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (6)
Geht ein Ektropium von selbst weg?
Das altersbedingte und das narbige Ektropium gehen nicht von selbst weg; ohne Operation schreiten sie meist langsam fort. Anders ist es bei einigen Sonderformen. Ein Ektropium durch eine idiopathische Gesichtslähmung bildet sich oft mit der Erholung des Nervs zurück. Auch eine Auswärtsdrehung durch Schwellung, Bluterguss oder Botulinumtoxin ist meist vorübergehend.
Was passiert, wenn man es nicht behandelt?
Unbehandelt bleibt das Auge dauerhaft gereizt, und Bindehaut und Hornhaut können Schaden nehmen. Die spanische Fachgesellschaft beschreibt, dass die freiliegende Bindehaut zunehmend gereizt und verhornt und die Beschwerden zunehmen. Wiederkehrende Bindehautentzündungen sind häufig. Die schwerste Folge sind Entzündungen und Geschwüre der Hornhaut, die das Sehen bleibend beeinträchtigen können.
Wie gut sind die Aussichten nach der Operation?
Die Aussichten sind gut: Die Operation gilt als sicher und wirksam, und die meisten Betroffenen sind danach deutlich beschwerdefreier. Das Tränenträufeln bessert sich, sobald Lid und Tränenpunkt wieder richtig anliegen. Belastbare Erfolgsquoten in Prozent nennen die ausgewerteten Quellen nicht. Bei narbigen Formen und nach Gesichtslähmung ist das Ergebnis schwerer vorherzusagen als bei der altersbedingten Form.
Kann das Ektropium wiederkommen?
Ja, ein Rückfall ist möglich, auch Jahre nach der Operation. Das Gewebe altert weiter, und die Straffung kann mit der Zeit nachlassen. Ein erneuter Eingriff ist dann meist gut möglich. Die deutsche Literatur weist zudem darauf hin, dass manchmal mehr als ein Eingriff nötig ist, um Über- oder Unterkorrekturen auszugleichen.
Wie verläuft das angeborene Ektropium?
Die angeborene Auswärtsstülpung des Oberlids beim Neugeborenen hat bei rechtzeitiger Behandlung eine ausgezeichnete Prognose und bildet sich meist vollständig zurück. Hornhautkomplikationen bis hin zu einem Durchbruch der Hornhaut sind selten. Sie treten vor allem dann auf, wenn die Behandlung verzögert wird. Deshalb sollte ein Neugeborenes mit nach außen gestülptem Lid zügig augenärztlich gesehen werden.
Wie lange dauert die Heilung?
Die äußere Wundheilung dauert meist ein bis zwei Wochen, bis das Lid endgültig zur Ruhe kommt, vergehen einige Wochen. Schwellung und Bluterguss klingen in den ersten Tagen deutlich ab. Ein Spannungsgefühl am äußeren Lidwinkel kann länger anhalten. Nach Hauttransplantationen braucht die Haut mehrere Monate, bis sie sich farblich und in ihrer Beschaffenheit angepasst hat.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (8)
Kann man einem Ektropium vorbeugen?
Dem altersbedingten Ektropium kann man nicht sicher vorbeugen, aber man kann es durch schonenden Umgang mit den Lidern verzögern und eine Verschlechterung vermeiden. Die wichtigsten Punkte betreffen Reiben, Wischen und Ziehen am Lid. Bei narbigen Formen hilft es, Hautveränderungen früh behandeln zu lassen und unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Abtupfen statt Wischen
Tupfen Sie Tränen sanft ab, statt nach unten zu wischen. Jedes Wischen nach unten zieht das Unterlid ein Stück vom Auge weg und verstärkt das Ektropium. Nehmen Sie ein sauberes, weiches Tuch oder ein Einmal-Taschentuch und tupfen Sie eher in Richtung Nase und nach oben. Waschen Sie vorher die Hände, um keine Keime ins Auge zu bringen.
Nicht am Lid ziehen und reiben
Vermeiden Sie es, das Unterlid wiederholt herunterzuziehen oder kräftig an den Augen zu reiben. Das empfehlen die spanische Fachgesellschaft und die Amerikanische Akademie für Augenheilkunde gleichermaßen. Kontaktlinsenträgerinnen und -träger sollten beim Einsetzen möglichst wenig am Lid ziehen. Juckende Augen bei Allergie sollten behandelt werden, damit das Reiben aufhört.
Lidrand und Augenoberfläche pflegen
Eine gesunde Augenoberfläche und gepflegte Lidränder verringern Reizung und Entzündung. Bei einer Lidrandentzündung helfen Lidhygiene und die ärztlich empfohlene Behandlung. Befeuchtende Tropfen tagsüber und, wenn nötig, eine Salbe zur Nacht schützen das Auge, solange das Lid noch nicht korrigiert ist. Bei Wind und Kälte hilft eine Brille mit seitlichem Schutz gegen Austrocknung und Tränen.
Dauertropfen überprüfen lassen
Wer über Jahre Augentropfen verwendet, sollte bei Lidveränderungen mit der Augenärztin oder dem Augenarzt sprechen. Manche Wirkstoffe, etwa aus der Glaukomtherapie, können die Lidhaut verändern. Häufig gibt es verträglichere Alternativen. Ändern Sie die Behandlung aber nie selbst.
Hautveränderungen früh behandeln lassen
Lassen Sie Knoten, Schwellungen oder sich verändernde Hautstellen am Lid frühzeitig ansehen und gegebenenfalls entfernen. Ein wachsender Tumor kann das Lid durch sein Gewicht nach außen ziehen. Je kleiner er bei der Entfernung ist, desto weniger Haut muss entfernt werden, und desto geringer ist das Risiko eines narbigen Ektropiums. Schützen Sie die empfindliche Lidhaut außerdem vor starker Sonne.
Worauf bei Lidoperationen achten?
Bei Schönheitsoperationen an den Unterlidern ist eine zurückhaltende Hautentfernung wichtig. Wird zu viel Haut am Unterlid oder an der Wange entfernt, kann ein narbiges Ektropium entstehen. Lassen Sie sich vor einer solchen Operation, etwa wegen Tränensäcken, ausführlich über dieses Risiko aufklären. Auch bei Eingriffen am Oberlid, etwa wegen Schlupflidern, gehört eine mögliche Fehlstellung der Lider zur Aufklärung. Wählen Sie dafür eine erfahrene Fachärztin oder einen erfahrenen Facharzt.
Leben mit einem Ektropium bis zur Operation
Bis zur Operation lassen sich die meisten Beschwerden gut lindern. Einige Tipps für den Alltag:
- Tränenersatz regelmäßig und nicht erst bei starken Beschwerden tropfen
- Nachts Salbe oder Gel verwenden, wenn das Auge morgens besonders gereizt ist
- Bei Bildschirmarbeit bewusst blinzeln und Pausen machen
- Heizungsluft befeuchten, Zugluft und Gebläse im Auto nicht aufs Gesicht richten
- Pflaster nur so verwenden, wie es Ihnen gezeigt wurde
- Die Haut unter dem Auge mit einer milden Creme vor der Tränennässe schützen
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (4)
Ist ein Ektropium ein Notfall?
Ein Ektropium ist in der Regel kein Notfall, sondern ein Anlass für einen geplanten Termin in der Augenarztpraxis. Einige Warnzeichen zeigen aber, dass die Hornhaut leidet oder eine andere Erkrankung dahintersteckt. Dann sollten Sie rasch handeln. Allgemeine Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
Wann sofort zum Arzt?
Suchen Sie noch am selben Tag eine Augenarztpraxis oder eine Augenklinik auf, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- starke Augenschmerzen
- plötzlich schlechteres oder verschwommenes Sehen
- starke Lichtempfindlichkeit
- stark gerötetes Auge, ein weißlicher Fleck auf der Hornhaut oder eitriger Ausfluss
- Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen zusammen mit Augenbeschwerden
- eine neu aufgetretene Gesichtslähmung, bei der sich das Auge nicht mehr schließen lässt
- ein Neugeborenes mit nach außen gestülptem Lid und geschwollener Bindehaut
Eine plötzliche Gesichtslähmung kann auch ein Zeichen eines Schlaganfalls sein, besonders wenn zusätzlich Arm oder Bein schwach werden oder die Sprache gestört ist. Dann wählen Sie sofort den Notruf 112 (in Österreich 144).
Wann innerhalb weniger Tage?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn sich die Beschwerden deutlich verschlechtern. Dazu gehören zunehmende Rötung, häufige oder anhaltende Bindehautentzündungen und ein Auge, das nachts offen bleibt. Auch ein schnell wachsender Knoten am Lid, eine blutende oder nicht heilende Stelle oder Wimpernverlust gehören zügig abgeklärt. Gleiches gilt, wenn nach einer Lidoperation das Lid plötzlich absteht oder Schmerzen und Schwellung zunehmen statt abnehmen.
Wann reicht ein normaler Termin?
Ein regulärer Termin in den nächsten Wochen genügt, wenn das Lid langsam absackt, das Auge tränt und gereizt ist, aber nicht schmerzt und das Sehen unverändert ist. Bis dahin lindern Tränenersatzmittel die Beschwerden. Bringen Sie eine Liste Ihrer Augentropfen und Medikamente mit. Fotos aus früheren Jahren können helfen, die Veränderung der Lidstellung einzuschätzen.
9 Häufige Fragen
Warum tränt mein Auge ständig, obwohl es sich trocken anfühlt?
Beim Ektropium ist der Tränenpunkt, über den die Tränen abfließen, vom Auge weggedreht. Die Tränen laufen deshalb über die Wange, statt in die Tränenwege zu gelangen. Gleichzeitig verteilt das abstehende Lid den Tränenfilm schlecht, und die freiliegende Oberfläche trocknet aus. Nässe auf der Wange und Trockenheit am Auge gehören beim Ektropium zusammen.
Muss ein Ektropium operiert werden?
Nicht immer. Leichte Formen ohne große Beschwerden brauchen oft keine Behandlung oder nur befeuchtende Tropfen. Stört das Ektropium, ist die Bindehaut chronisch gereizt oder die Hornhaut gefährdet, ist die Operation die einzige dauerhafte Lösung. Tropfen, Salben und Pflaster lindern nur.
Geht ein hängendes Unterlid von selbst wieder weg?
Das altersbedingte und das narbige Ektropium bessern sich nicht von selbst und schreiten meist langsam fort. Nach einer idiopathischen Gesichtslähmung (Bell-Parese) erholt sich der Nerv dagegen oft: Laut EyeWiki bessert sich die Lähmung bei etwa 70 Prozent der Betroffenen innerhalb von sechs Wochen, und das Lid kann sich wieder anlegen.
Wird die Ektropium-Operation in Vollnarkose gemacht?
Meist nicht. Die Operation erfolgt in der Regel ambulant in örtlicher Betäubung, auf Wunsch mit einem Beruhigungsmittel. Sie dauert je nach Verfahren etwa 30 bis 60 Minuten. Eine Vollnarkose ist bei Kindern oder sehr aufwendigen Eingriffen möglich.
Zahlt die Krankenkasse die Ektropium-OP?
Ist die Operation medizinisch nötig, um das Auge zu schützen und Beschwerden zu beheben, übernimmt die Krankenkasse in Deutschland und Österreich in der Regel die Kosten. Rein kosmetische Zusatzeingriffe werden nicht bezahlt. Klären Sie die Kostenfrage vor dem Termin mit der Praxis und Ihrer Krankenkasse.
Wie lange ist man nach der Lidoperation eingeschränkt?
Schwellung und Bluterguss klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich ab. Ein Spannungsgefühl am äußeren Lidwinkel kann einige Wochen bleiben. Wann Sie wieder arbeiten, Sport treiben oder Auto fahren können, hängt vom Verfahren und Ihrem Beruf ab und wird mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen.
Kann ein Ektropium nach der Operation wiederkommen?
Ja, ein Rückfall ist möglich, auch Jahre später, weil das Gewebe weiter altert. Manchmal ist auch ein zweiter Eingriff nötig, um eine Über- oder Unterkorrektur auszugleichen. Eine erneute Operation ist meist gut möglich.
Was kann ich selbst gegen ein auswärtsgedrehtes Lid tun?
Tupfen Sie Tränen sanft ab, statt nach unten zu wischen, und ziehen oder reiben Sie nicht am Lid. Befeuchtende Tropfen tagsüber und eine Salbe zur Nacht schützen die Augenoberfläche. Ein Pflaster zur Stütze des Lids sollten Sie nur nach Anleitung der Augenärztin oder des Augenarztes verwenden. Die Fehlstellung selbst lässt sich damit aber nicht beheben.
Was ist der Unterschied zwischen Ektropium und Entropium?
Beim Ektropium kippt der Lidrand nach außen, beim Entropium nach innen. Beim Entropium scheuern Wimpern auf der Hornhaut und verursachen Schmerzen, beim Ektropium liegt die Bindehaut frei, das Auge tränt und trocknet aus. Beide entstehen oft durch altersbedingte Erschlaffung und werden ähnlich operiert.
Kann ein Ektropium das Sehen verschlechtern?
Das Ektropium selbst verschlechtert das Sehen nicht. Bleibt die Hornhaut aber lange ungeschützt, kann sie austrocknen, sich entzünden oder ein Geschwür bilden, und dann kann das Sehen leiden. Schmerzen, Lichtscheu oder schlechteres Sehen sind deshalb Gründe für einen raschen Arztbesuch.
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- Einwärtsgedrehtes LidBeim Entropium dreht sich der Lidrand, meist am Unterlid, nach innen, sodass Wimpern und Lidhaut auf Hornhaut und Bindehaut scheuern. Es betrifft vor allem ältere Menschen, ist keine harmlose Alterserscheinung und lässt sich in den meisten Fällen durch eine Operation gut korrigieren.
- Trockenes AugeBeim trockenen Auge (Sicca-Syndrom) ist der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht: Es bilden sich zu wenig Tränen, oder sie verdunsten zu schnell. Schätzungen für Deutschland gehen von etwa jedem sechsten bis siebten Menschen aus, vor allem Ältere und Frauen, und lässt sich mit Tränenersatzmitteln, Lidpflege und gezielter Behandlung meist gut in den Griff bekommen.
- BindehautentzündungDie Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine Entzündung der dünnen Schleimhaut, die das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider überzieht. Sie ist die häufigste entzündliche Augenerkrankung, betrifft Kinder wie Erwachsene, wird meist durch Viren, Bakterien oder Allergien ausgelöst und heilt in den meisten Fällen innerhalb von ein bis drei Wochen folgenlos ab.
- HornhautentzündungEine Hornhautentzündung (Keratitis) ist eine meist durch Bakterien, Viren, Pilze oder Akanthamöben verursachte Entzündung der Hornhaut, die Schmerzen, Lichtscheu und verschwommenes Sehen auslöst. Besonders gefährdet sind Kontaktlinsenträger; sie gehört noch am selben Tag in augenärztliche Behandlung, weil sonst Narben und bleibender Sehverlust drohen.
- TränenwegsverschlussEin Tränenwegsverschluss ist eine Verengung der Abflusswege, über die die Tränen vom Auge in die Nase fließen; das Auge tränt dann ständig und verklebt oft. Er betrifft vor allem Säuglinge, bei denen er meist von selbst ausheilt, und Erwachsene ab dem mittleren Alter, bei denen oft eine Operation hilft.
- LidrandentzündungDie Lidrandentzündung (Blepharitis) ist eine meist chronische, nicht ansteckende Entzündung der Lidränder mit Rötung, Brennen, Krusten und verklebten Lidern am Morgen. Sie gehört zu den häufigsten Gründen für einen Besuch beim Augenarzt und lässt sich mit täglicher Lidpflege meist gut kontrollieren, aber selten ganz heilen.
- Tumoren am AugenlidTumoren am Augenlid sind Geschwülste der Lidhaut, des Lidrands oder der Liddrüsen; die meisten sind gutartig, etwa Warzen, Zysten oder Muttermale. Der häufigste bösartige Lidtumor ist das Basalzellkarzinom, das vor allem ältere, hellhäutige Menschen am Unterlid trifft, kaum streut und bei rechtzeitiger Operation in aller Regel heilbar ist.
- Hängendes OberlidBei einem hängenden Oberlid (Ptosis) steht der Rand des Oberlids tiefer als normal, weil der Lidheber oder seine Sehne zu schwach ist. Meist steckt bei Erwachsenen eine altersbedingte Lockerung dahinter; bei Kindern ist die Ptosis oft angeboren und kann zu Schwachsichtigkeit führen. Tritt sie plötzlich auf, ist sie ein Notfall.
Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 13 Quellen anzeigen
- Entropium und Ektropium (Profi-Ausgabe) – MSD Manual (DE)
- Entropium und Ektropium (Ausgabe für Patienten) – MSD Manual (DE)
- Ektropium – DocCheck Flexikon (DE)
- Ektropium – Wikipedia (Enzyklopädie) (DE)
- Entropium- und Ektropiumkorrekturen – gesundheits-lexikon.com (DE)
- Lidfehlstellungen (Spektrum der Augenheilkunde 5-6/2015) – Springer Medizin Österreich (DE)
- Ectropion – NHS (National Health Service, Großbritannien) (EN)
- Ectropion – EyeWiki – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Facial Nerve Palsy – EyeWiki – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Fiche d'information n°29 – Chirurgie des anomalies des paupières liées à l'âge – Société Française d'Ophtalmologie (SFO) (FR)
- Ectropión – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Entropión – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Ectropión (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss