Tumoren am Augenlid (Lidtumoren)
Tumoren am Augenlid sind Geschwülste der Lidhaut, des Lidrands oder der Liddrüsen; die meisten sind gutartig, etwa Warzen, Zysten oder Muttermale. Der häufigste bösartige Lidtumor ist das Basalzellkarzinom, das vor allem ältere, hellhäutige Menschen am Unterlid trifft, kaum streut und bei rechtzeitiger Operation in aller Regel heilbar ist.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (8)
Was ist ein Lidtumor?
Ein Lidtumor ist jede Geschwulst, die von der Haut, dem Lidrand, den Drüsen oder der Bindehaut des Augenlids ausgeht. Das Wort „Tumor“ heißt zunächst nur „Schwellung“ und sagt nichts darüber, ob etwas gutartig oder bösartig ist. Am Lid treffen sich Haut, Wimpern, Talg- und Schweißdrüsen, Muskeln und die feste Lidplatte (Tarsus). Aus jedem dieser Gewebe kann ein Tumor entstehen.
Sind die meisten Lidtumoren gutartig?
Ja, die Mehrzahl der Knoten und Flecken am Lid ist gutartig. In einer Klinikserie aus Paraguay mit 241 operierten Patienten waren 68 % der entfernten Lidtumoren gutartig und 32 % bösartig. Weil dort nur operierte Fälle erfasst wurden, dürfte der Anteil gutartiger Veränderungen in der Bevölkerung noch höher liegen. Trotzdem lässt sich gutartig und bösartig mit bloßem Auge oft nicht sicher unterscheiden.
Welche gutartigen Lidtumoren gibt es?
Die häufigsten gutartigen Veränderungen sind Warzen und Papillome, Zysten, Muttermale (Nävi), Alterswarzen, gelbe Fettablagerungen (Xanthelasmen) und das Hagelkorn. Bei Kindern steht das Blutschwämmchen (kapilläres Hämangiom) an erster Stelle.
- Papillom und Warze: gestielte oder blumenkohlartige Hautwucherung, in vielen Serien der häufigste gutartige Lidtumor.
- Zysten: mit Flüssigkeit oder Hornmaterial gefüllte Bläschen, zum Beispiel Einschlusszysten oder Dermoidzysten.
- Nävus (Muttermal): hautfarbener bis brauner, oft leicht erhabener Fleck, häufig am Lidrand.
- Seborrhoische Keratose (Alterswarze): bräunliche, wie aufgeklebt wirkende, raue Erhebung.
- Xanthelasma: weiche, gelbliche Plaques, meist am inneren Lidwinkel.
- Hagelkorn (Chalazion): fester Knoten durch eine verstopfte Talgdrüse in der Lidplatte; streng genommen eine Entzündung, kein Tumor.
Welche bösartigen Lidtumoren gibt es?
Der mit Abstand häufigste Lidkrebs ist das Basalzellkarzinom (auch Basaliom genannt), gefolgt vom Plattenepithelkarzinom und vom Talgdrüsenkarzinom. Selten sind das Melanom (schwarzer Hautkrebs), das Merkelzellkarzinom, Lymphome und Tochtergeschwülste anderer Krebsarten.
| Tumor | Anteil an den bösartigen Lidtumoren | Wichtigste Eigenschaft |
|---|---|---|
| Basalzellkarzinom | etwa 80 bis über 90 % | wächst langsam, streut fast nie, zerstört aber örtlich Gewebe |
| Plattenepithelkarzinom | etwa 5 bis 9 % | aggressiver, kann in Lymphknoten streuen |
| Talgdrüsenkarzinom | etwa 1 bis 8 % je nach Serie | täuscht oft ein Hagelkorn oder eine Lidrandentzündung vor |
| Melanom, Merkelzellkarzinom, andere | jeweils selten | können früh streuen, brauchen rasche Behandlung |
Die Prozentzahlen schwanken zwischen den Studien, weil sie aus verschiedenen Ländern und Kliniken stammen. Einig sind sich alle Quellen: Das Basalzellkarzinom macht die große Mehrheit aus.
Wie häufig ist Lidkrebs?
Etwa 5 bis 10 % aller Hautkrebse entstehen in der Augenumgebung. Mehr als 20 % der Basalzellkarzinome an Kopf und Hals sitzen rund um das Auge. In Deutschland erkranken nach Angaben des IQWiG jedes Jahr rund 200.000 Menschen an weißem Hautkrebs, also an Basalzell- oder Plattenepithelkarzinomen. Eine eigene Statistik nur für das Augenlid gibt es weder in Deutschland noch in Österreich.
Wer ist betroffen?
Bösartige Lidtumoren treffen vor allem ältere Menschen mit heller Haut, die viel Sonne abbekommen haben. Das Basalzellkarzinom tritt typischerweise um das 60. Lebensjahr auf, das Plattenepithelkarzinom um das 70. Männer sind beim Basalzellkarzinom etwas häufiger betroffen, beim Talgdrüsenkarzinom am Auge dagegen eher Frauen. Bei Kindern sind Lidtumoren fast immer gutartig.
Ist ein Lidtumor gefährlich?
Die meisten Lidtumoren sind harmlos, und auch der häufigste Lidkrebs ist bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut heilbar. Gefährlich wird ein Basalzellkarzinom vor allem, wenn es jahrelang unbehandelt bleibt und in die Augenhöhle einwächst. Seltene Formen wie Talgdrüsenkarzinom, Melanom oder Merkelzellkarzinom können streuen und brauchen eine schnelle, gründliche Behandlung.
Was ist das Wichtigste in Kürze?
Die meisten Lidtumoren sind harmlos, verdächtige Stellen gehören aber früh abgeklärt.
- Neue, wachsende oder nicht heilende Stellen am Lid gehören augenärztlich angesehen.
- Wimpernverlust, Geschwür, Blutung und ein Hagelkorn, das immer wiederkommt, sind Warnzeichen.
- Nur eine Gewebeprobe klärt sicher, ob ein Tumor gutartig oder bösartig ist.
- Bösartige Lidtumoren werden in der Regel vollständig herausgeschnitten, die Ränder werden unter dem Mikroskop kontrolliert, danach wird das Lid wieder aufgebaut.
- Konsequenter Sonnenschutz senkt das Risiko.
2 Symptome
In diesem Kapitel (19)
- Welche Beschwerden macht ein Lidtumor?
- Woran erkennt man ein Basalzellkarzinom am Lid?
- Wie fühlt sich die Stelle an?
- Was bedeutet Wimpernverlust am Lidrand?
- Woran erkennt man eine nicht heilende Wunde am Lid?
- Verändert sich die Form des Lides?
- Welche Zeichen hat ein Talgdrüsenkarzinom?
- Wie sieht ein Plattenepithelkarzinom aus?
- Wann deutet ein Fleck am Lid auf ein Melanom hin?
- Was ist ein Merkelzellkarzinom?
- Wie sehen gutartige Lidtumoren aus?
- Wie unterscheidet sich ein Lidtumor von Gerstenkorn und Hagelkorn?
- Wo am Lid sitzen bösartige Tumoren meist?
- Warum ist der innere Lidwinkel besonders heikel?
- Welche Spätzeichen zeigen, dass ein Tumor tief eingewachsen ist?
- Was bemerken Angehörige?
- Gibt es Besonderheiten bei Kindern?
- Gibt es Besonderheiten bei älteren Menschen?
- Welche Warnzeichen sprechen für einen bösartigen Tumor?
Welche Beschwerden macht ein Lidtumor?
Meist gar keine: Die meisten Lidtumoren fallen nur als Knoten, Fleck oder veränderte Hautstelle auf, nicht durch Schmerzen. In der Klinikserie aus Paraguay kamen über 90 % der Betroffenen allein wegen der sichtbaren Geschwulst. Nur wenige hatten zusätzlich Ausfluss, Schmerzen, Brennen, Tränenfluss oder eine Blutung. Gerade weil es nicht wehtut, wird ein Lidkrebs oft lange unterschätzt.
Woran erkennt man ein Basalzellkarzinom am Lid?
Typisch ist ein kleines, glänzendes Knötchen mit perlmuttartigem Rand, über das feine, erweiterte Äderchen ziehen. Fachleute nennen diese Äderchen Teleangiektasien. Das Knötchen wächst langsam über Monate bis Jahre. Später kann die Mitte einsinken, verkrusten oder aufbrechen.
Das Basalzellkarzinom kann aber sehr unterschiedlich aussehen. Die spanische Fachgesellschaft für Augenheilkunde (SEO) unterscheidet vier Hauptformen:
| Form | Wie sie aussieht | Besonderheit |
|---|---|---|
| Knotig (nodulär) | glasiges, rundes Knötchen mit Perlmuttrand und Äderchen | am Auge die häufigste Form |
| Geschwürig (Ulcus rodens) | Knoten mit einer Delle oder einem Krater in der Mitte, oft mit Kruste | blutet leicht, heilt nicht ab |
| Oberflächlich | flacher, rötlicher, leicht schuppender Fleck | wird leicht mit einem Ekzem verwechselt |
| Vernarbend (morpheaform, sklerodermiform) | blasse, verhärtete Platte mit unscharfen Rändern, ähnlich einer Narbe | wächst unbemerkt in die Tiefe, kommt öfter wieder |
Daneben gibt es pigmentierte, also bräunliche oder fast schwarze Basalzellkarzinome. Sie werden leicht mit einem Muttermal oder Melanom verwechselt.
Wie fühlt sich die Stelle an?
Die meisten Basalzellkarzinome schmerzen nicht und jucken kaum. Manche Betroffene bemerken ein leichtes Kribbeln, Brennen oder Stechen, andere ein taubes Gefühl in der Umgebung. Ein taubes Gefühl kann bedeuten, dass der Tumor an einem Hautnerv entlangwächst. Das sollte die Ärztin oder der Arzt wissen.
Was bedeutet Wimpernverlust am Lidrand?
Fallen an einer umschriebenen Stelle des Lidrands die Wimpern aus, ist das eines der wichtigsten Warnzeichen für einen bösartigen Lidtumor. Fachleute sprechen von Madarosis. Der Tumor zerstört die Haarwurzeln, sodass dort keine neuen Wimpern nachwachsen. Bei gutartigen Knoten bleiben die Wimpern dagegen meist erhalten.
Woran erkennt man eine nicht heilende Wunde am Lid?
Eine Stelle, die immer wieder verkrustet, kurz abheilt und dann erneut aufbricht oder blutet, ist verdächtig. Manche Betroffene halten sie für einen Kratzer, einen Pickel oder eine trockene Hautstelle. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät, eine Hautstelle untersuchen zu lassen, die länger als vier Wochen nicht abheilt. Am Lid gilt das besonders, weil die Haut dort dünn ist und Tumoren schnell in die Tiefe kommen.
Verändert sich die Form des Lides?
Ja, ein wachsender Tumor kann den Lidrand verziehen, einkerben oder abflachen. Das Lid kann nach außen kippen (Auswärtsgedrehtes Lid) oder nach innen, sodass Wimpern am Auge scheuern (Einwärtsgedrehtes Lid). Ein großer Tumor am Oberlid kann das Lid schwer machen und herabziehen. Eine solche Fehlstellung, die ohne erkennbaren Grund und nur an einer Stelle auftritt, sollte an einen Tumor denken lassen.
Welche Zeichen hat ein Talgdrüsenkarzinom?
Ein Talgdrüsenkarzinom zeigt sich oft als schmerzlose, gelbliche Verdickung oder als fester Knoten am Lidrand, häufiger am Oberlid. Die gelbe Farbe kommt vom Fett in den Tumorzellen. Der Tumor kann auf die Bindehaut der Lidinnenseite übergreifen und ist dann nur zu sehen, wenn das Lid umgestülpt wird.
Fachleute nennen das Talgdrüsenkarzinom den „großen Nachahmer“. Es kann aussehen wie
- ein Hagelkorn, das nach der Behandlung an derselben Stelle wiederkommt,
- eine hartnäckige, oft einseitige Lidrandentzündung mit Wimpernverlust,
- eine einseitige Bindehautentzündung, die auf Tropfen nicht anspricht,
- ein chronisch gerötetes, verdicktes Lid.
Wie schwer die Erkennung ist, zeigt eine Schweizer Auswertung: Von 29 Talgdrüsenkarzinomen war nur eines vor der Gewebeuntersuchung richtig erkannt worden.
Wie sieht ein Plattenepithelkarzinom aus?
Ein Plattenepithelkarzinom zeigt sich meist als raue, verhornte oder krustige Stelle auf geröteter Haut, die mit der Zeit wächst und blutet. Es entsteht oft aus einer aktinischen Keratose, einer Vorstufe durch Sonnenschaden. Diese beginnt als flacher, schuppiger Fleck, manchmal mit gelber oder weißer Kruste, und ist häufig besser zu fühlen als zu sehen. Das Plattenepithelkarzinom sitzt etwas häufiger am Oberlid als das Basalzellkarzinom und wächst meist schneller.
Wann deutet ein Fleck am Lid auf ein Melanom hin?
Ein neuer dunkler Fleck oder ein Muttermal, das seine Größe, Form oder Farbe ändert, kann auf ein Melanom hinweisen. Verdächtig sind unregelmäßige Ränder, mehrere Farbtöne, Wachstum, Juckreiz oder Blutung. Bei älteren Menschen kann eine flache, unregelmäßig braune Fläche eine Lentigo maligna sein, eine frühe, oberflächliche Form des Melanoms. Melanome am Lid sind selten, aber wichtig, weil sie früh streuen können. Mit dem Aderhautmelanom im Augeninneren haben sie nichts zu tun.
Was ist ein Merkelzellkarzinom?
Das Merkelzellkarzinom ist ein sehr seltener, schnell wachsender Hautkrebs, der am Lid als rötlicher bis bläulich-violetter, glatter Knoten auftreten kann. Es betrifft vor allem ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Für das Lid gibt es dazu nur wenige Daten. Ein Knoten, der innerhalb von Wochen deutlich größer wird, sollte deshalb immer rasch angesehen werden, egal wie er aussieht.
Wie sehen gutartige Lidtumoren aus?
Gutartige Lidtumoren haben meist glatte, scharfe Ränder, bleiben über lange Zeit gleich und lassen die Wimpern stehen. Diese Regel hilft bei der Einschätzung, ersetzt aber keine Untersuchung.
- Papillom: hautfarbener, weicher, oft gestielter Auswuchs, manchmal mit fingerförmiger Oberfläche.
- Zyste: prall-elastisches, rundes Bläschen; klar und durchscheinend (Schweißdrüsenzyste) oder weißlich (Einschlusszyste, Milie).
- Nävus: weicher, hautfarbener bis brauner Knopf, oft mit Härchen, seit Jahren unverändert.
- Seborrhoische Keratose: bräunlich, rau, wirkt wie aufgeklebt.
- Xanthelasma: weiche, gelbe, flache Plaques, meist an beiden inneren Lidwinkeln; sie tun nicht weh und stören vor allem optisch.
- Hagelkorn: harter, kaum schmerzhafter Knoten in der Lidplatte, oft am Oberlid; kann nach Wochen bis Monaten von selbst verschwinden.
Wie unterscheidet sich ein Lidtumor von Gerstenkorn und Hagelkorn?
Ein Gerstenkorn entsteht innerhalb von Stunden bis Tagen, ist rot, schmerzhaft und oft eitrig, und es heilt meist in ein bis zwei Wochen ab. Ein Hagelkorn ist hart und kaum schmerzhaft und bildet sich oft über Wochen bis Monate zurück. Ein bösartiger Tumor dagegen verschwindet nie von selbst, sondern wächst langsam weiter oder kommt an derselben Stelle wieder.
| Merkmal | Gerstenkorn | Hagelkorn | Verdacht auf Lidkrebs |
|---|---|---|---|
| Beginn | plötzlich | über Tage bis Wochen | schleichend über Monate |
| Schmerz | deutlich | kaum | meist keiner |
| Wimpern | erhalten | erhalten | oft ausgefallen |
| Oberfläche | rot, evtl. Eiterpunkt | glatt, hautfarben | Krusten, Geschwür, Äderchen, Perlmuttrand |
| Verlauf | heilt in ein bis zwei Wochen | bildet sich oft zurück | wächst weiter oder kehrt zurück |
Wo am Lid sitzen bösartige Tumoren meist?
Das Basalzellkarzinom sitzt in über der Hälfte der Fälle am Unterlid, in etwa 30 % am inneren Lidwinkel, in etwa 15 % am Oberlid und in etwa 5 % am äußeren Lidwinkel. Das Unterlid bekommt mehr direkte Sonne, das Oberlid wird von Augenbraue und Lidfalte besser geschützt. Talgdrüsenkarzinome bevorzugen dagegen das Oberlid, vermutlich weil es etwa doppelt so viele Talgdrüsen (Meibom-Drüsen) hat wie das Unterlid.
Warum ist der innere Lidwinkel besonders heikel?
Tumoren am inneren Lidwinkel wachsen leichter in die Tiefe, in die Augenhöhle, die Tränenwege und die Nasennebenhöhlen. Sie sind schwerer vollständig zu entfernen und kehren häufiger zurück. Bei Basalzellkarzinomen, die bereits tief eingewachsen sind, liegt der innere Lidwinkel mit über 50 % an erster Stelle. Ein Knoten an dieser Stelle verdient deshalb besondere Aufmerksamkeit.
Welche Spätzeichen zeigen, dass ein Tumor tief eingewachsen ist?
Wächst ein Tumor in die Augenhöhle, können Doppelbilder, eine eingeschränkte Beweglichkeit des Auges oder ein Hervortreten des Augapfels entstehen. Hinzu kommen manchmal Tränenträufeln, wenn die Tränenwege betroffen sind, und Taubheit an Stirn oder Wange. Unbehandelt kann ein Basalzellkarzinom über Jahre Lider, Knochen und im Extremfall das Auge selbst zerstören. In einem Fallbericht aus Paraguay war ein Tumor so groß, dass sich das Auge nicht mehr öffnen ließ.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige fallen Veränderungen am Lid oft früher auf als den Betroffenen selbst. Typisch sind ein kleiner Knoten, der „schon länger da ist“, eine Stelle, die immer wieder verkrustet, ein verändertes, schiefes Lid oder eine Lücke in den Wimpern. Gerade ältere Menschen mit nachlassender Sehkraft sehen kleine Veränderungen im Spiegel schlecht. In der Serie aus Paraguay bestanden die Geschwülste im Schnitt fast fünf Jahre, bevor die Patienten zum Arzt kamen.
Gibt es Besonderheiten bei Kindern?
Bei Kindern sind Lidtumoren fast immer gutartig; am häufigsten ist das Blutschwämmchen (kapilläres Hämangiom). Es zeigt sich in den ersten Lebenswochen als roter oder bläulicher, weicher Fleck, der zunächst wächst. Hängt es das Lid herab oder drückt es auf das Auge, kann es die Sehentwicklung stören und eine Schwachsichtigkeit verursachen. Ein Basalzellkarzinom bei Kindern oder jungen Erwachsenen ist sehr selten und sollte an ein erbliches Syndrom wie das Gorlin-Syndrom denken lassen.
Gibt es Besonderheiten bei älteren Menschen?
Mit dem Alter steigt das Risiko für Basalzell- und Plattenepithelkarzinome deutlich. Gleichzeitig nehmen gutartige Alterswarzen und Sonnenschäden zu, sodass viele Flecken nebeneinander bestehen. Ältere Menschen bemerken einen schmerzlosen Knoten oft erst spät. Wer mehrere verdächtige Stellen hat, sollte die ganze Haut regelmäßig untersuchen lassen.
Welche Warnzeichen sprechen für einen bösartigen Tumor?
Je mehr der folgenden Zeichen zutreffen, desto dringender ist eine Abklärung.
- Die Stelle ist neu und wächst über Wochen oder Monate.
- Wimpern fallen an dieser Stelle aus.
- Es bildet sich ein Geschwür, eine Kruste oder eine Wunde, die nicht abheilt.
- Die Stelle blutet bei kleinster Berührung.
- Der Rand glänzt perlmuttartig, feine Äderchen sind sichtbar.
- Der Lidrand ist verzogen, eingekerbt oder verdickt.
- Ein Hagelkorn kommt an derselben Stelle immer wieder.
- Eine „Lidrandentzündung“ betrifft nur ein Auge und bessert sich trotz Behandlung nicht.
- Ein Muttermal ändert Größe, Form oder Farbe.
- Es treten Doppelbilder, ein hervortretendes Auge oder Taubheit im Gesicht auf.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (9)
- Was ist die Hauptursache für Lidkrebs?
- Spielt Sonne in der Kindheit eine Rolle?
- Welche Risikofaktoren gibt es?
- Welche erblichen Erkrankungen erhöhen das Risiko?
- Was begünstigt ein Talgdrüsenkarzinom?
- Was ist eine aktinische Keratose?
- Ist Lidkrebs eine Berufskrankheit?
- Was verursacht gutartige Lidtumoren?
- Ist Lidkrebs ansteckend?
Was ist die Hauptursache für Lidkrebs?
Die wichtigste Ursache ist ultraviolettes Licht (UV-Licht) aus Sonne und Solarium. UV-B-Strahlen schädigen das Erbgut der Hautzellen und deren Reparatursystem. Häufen sich die Schäden über Jahrzehnte, können sich Zellen unkontrolliert teilen und einen Tumor bilden. Beim Basalzellkarzinom ist dabei vor allem ein Wachstumssignalweg (der Hedgehog-Signalweg) dauerhaft eingeschaltet; in etwa der Hälfte der Tumoren ist außerdem das Schutzgen p53 verändert.
Spielt Sonne in der Kindheit eine Rolle?
Ja, starke, zeitweise UV-Belastung in der Kindheit gilt als wichtiger Risikofaktor. Häufige Sonnenbrände in jungen Jahren erhöhen das Risiko für Hautkrebs im Alter. Der Schaden zeigt sich oft erst Jahrzehnte später.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Die wichtigsten Risikofaktoren sind Alter, heller Hauttyp und viel Sonne im Laufe des Lebens.
- Höheres Alter: das Risiko steigt ab etwa 50 Jahren deutlich.
- Heller Hauttyp: helle Haut, die leicht verbrennt, rote oder blonde Haare, blaue oder grüne Augen, viele Sommersprossen.
- Viel Sonne: Arbeit oder Sport im Freien, Sonnenbrände, Solariumbesuche.
- Frühere Hautkrebse: wer schon ein Basalzellkarzinom hatte, bekommt eher ein weiteres.
- Geschwächtes Immunsystem: etwa nach einer Organtransplantation oder durch Medikamente, die das Immunsystem dämpfen.
- Frühere Bestrahlung: zum Beispiel Strahlentherapie im Gesicht oder Röntgenstrahlen.
- Narben: alte Narben können Ausgangspunkt eines Tumors sein.
- Rauchen: ist mit einem höheren Risiko verbunden.
- Familiäre Belastung: Hautkrebs bei nahen Verwandten.
Dunkle Haut senkt das Risiko deutlich, schließt Lidkrebs aber nicht aus.
Welche erblichen Erkrankungen erhöhen das Risiko?
Einige seltene erbliche Syndrome führen schon in jungen Jahren zu mehreren Hauttumoren. Dazu gehören:
- Gorlin-Syndrom (Basalzellnävus-Syndrom): viele Basalzellkarzinome, dazu Kieferzysten, Skelettbesonderheiten und kleine Grübchen an Handflächen und Fußsohlen.
- Xeroderma pigmentosum: die Haut kann UV-Schäden kaum reparieren; schon Kinder entwickeln Hautkrebs.
- Bazex-Syndrom: seltene Erbkrankheit mit mehreren Basalzellkarzinomen.
- Muir-Torre-Syndrom: Talgdrüsentumoren zusammen mit Darm-, Gebärmutterschleimhaut- oder Harnwegskrebs.
Was begünstigt ein Talgdrüsenkarzinom?
Das Talgdrüsenkarzinom geht von den Talgdrüsen im Lid aus, vor allem von den Meibom-Drüsen in der Lidplatte. Als Risikofaktoren gelten eine frühere Bestrahlung der Augenumgebung, eine Organtransplantation, ein Lymphom und das Muir-Torre-Syndrom. Sonnenlicht spielt hier eine geringere Rolle als beim Basalzellkarzinom.
Was ist eine aktinische Keratose?
Eine aktinische Keratose ist eine Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms, die durch jahrelange Sonnenbelastung entsteht. Sie zeigt sich als raue, schuppige, oft rötliche Stelle an Gesicht, Ohren oder Handrücken. Nicht jede Keratose wird zu Krebs, einige aber schon. Deshalb werden sie behandelt, etwa durch Vereisen, Abschaben oder Cremes.
Ist Lidkrebs eine Berufskrankheit?
In Deutschland sind das Plattenepithelkarzinom der Haut und mehrfache aktinische Keratosen seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt, wenn jemand lange im Freien gearbeitet hat. Betroffen sind zum Beispiel Bauarbeiter, Landwirte, Gärtner oder Seeleute. Ob die Anerkennung im Einzelfall greift, prüft die Unfallversicherung. Das Basalzellkarzinom fällt bisher nicht darunter.
Was verursacht gutartige Lidtumoren?
Gutartige Lidtumoren haben ganz unterschiedliche Ursachen. Warzen und Papillome werden oft durch Viren ausgelöst, Zysten entstehen durch verstopfte Drüsen oder eingeschlossene Hautzellen. Das Hagelkorn kommt von einer verstopften Meibom-Drüse, häufig bei Lidrandentzündung. Xanthelasmen sind Ablagerungen von Cholesterin; etwa die Hälfte der Betroffenen hat erhöhte Blutfette, viele aber auch normale Werte.
Ist Lidkrebs ansteckend?
Nein, Lidkrebs ist nicht ansteckend. Nur einige gutartige Veränderungen wie virusbedingte Warzen oder Dellwarzen können durch Kontakt übertragen werden.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (12)
- Wer stellt die Diagnose?
- Was fragt die Ärztin oder der Arzt?
- Wie wird das Lid untersucht?
- Was ist eine Auflichtmikroskopie?
- Warum ist eine Gewebeprobe nötig?
- Welche Arten von Gewebeprobe gibt es?
- Was bedeutet ein dringender Verdacht?
- Wie wird ein Talgdrüsenkarzinom gesichert?
- Wann muss ein Hagelkorn untersucht werden?
- Wann sind CT oder MRT nötig?
- Was ist eine Wächterlymphknoten-Biopsie?
- Mit welchen Erkrankungen kann ein Lidtumor verwechselt werden?
Wer stellt die Diagnose?
Erste Anlaufstelle ist die Augenärztin oder der Augenarzt, bei Hautveränderungen auch die Hautärztin oder der Hautarzt. Für die Operation und den Wiederaufbau des Lides sind Augenärzte mit Schwerpunkt Lidchirurgie (Okuloplastik) spezialisiert. Bei der Mohs-Chirurgie arbeiten Hautärzte und Augenärzte oft zusammen.
Was fragt die Ärztin oder der Arzt?
Am Anfang steht ein Gespräch über die Vorgeschichte der Stelle. Typische Fragen sind:
- Seit wann ist die Stelle da, und hat sie sich verändert?
- Blutet, verkrustet oder juckt sie?
- Sind Wimpern ausgefallen?
- Wurde dort schon einmal etwas entfernt, etwa ein Hagelkorn?
- Wie viel Sonne haben Sie im Leben abbekommen, beruflich und in der Freizeit?
- Hatten Sie oder Verwandte schon Hautkrebs?
- Nehmen Sie Medikamente, die das Immunsystem dämpfen?
Hilfreich ist ein Foto der Stelle von früher, etwa vom Handy. Daran lässt sich ein Wachstum erkennen.
Wie wird das Lid untersucht?
Die Ärztin oder der Arzt sieht sich die Stelle mit Vergrößerung an der Spaltlampe an, einem Mikroskop für das Auge. Geprüft werden Größe, Ränder, Oberfläche, Äderchen, Wimpern und die Stellung des Lides. Das Lid wird umgestülpt, um die Bindehaut der Innenseite zu sehen. Außerdem tastet die Ärztin oder der Arzt die Lymphknoten vor dem Ohr und am Hals und prüft das Gefühl in Stirn und Wange.
Was ist eine Auflichtmikroskopie?
Die Auflichtmikroskopie (Dermatoskopie) ist eine stark vergrößernde Lupe mit Licht, mit der Hautärzte Muster in der Haut sehen, die mit bloßem Auge verborgen bleiben. Sie hilft vor allem bei pigmentierten Flecken, Muttermal und Melanom zu unterscheiden. Manche Kliniken speichern die Bilder digital, um Veränderungen bei Kontrollen zu vergleichen. Eine Gewebeprobe ersetzt sie nicht.
Warum ist eine Gewebeprobe nötig?
Nur die feingewebliche Untersuchung (Histologie) unter dem Mikroskop zeigt sicher, ob ein Tumor gutartig oder bösartig ist und welcher Art er ist. Selbst erfahrene Augenärzte erkennen ein Basalzellkarzinom nach dem Aussehen nur in etwa 60 bis 70 % der Fälle richtig. Die spanische Fachgesellschaft und viele Lidchirurgen halten deshalb fest: Jedes am Lid entfernte Gewebe gehört zur feingeweblichen Untersuchung.
Welche Arten von Gewebeprobe gibt es?
Je nach Größe und Lage wird entweder ein Stück des Tumors oder gleich der ganze Tumor entnommen.
- Teilentnahme (Inzisionsbiopsie): ein kleines Stück wird mit dem Skalpell entnommen; liefert dem Pathologen die meisten Informationen, wenn der Tumor groß ist.
- Stanzbiopsie: ein kleiner, runder Gewebezylinder wird ausgestanzt; einfach, in der Sprechstunde möglich, oft ohne Naht.
- Totalentfernung (Exzisionsbiopsie): kleine Knoten, die keinen größeren Wiederaufbau brauchen, werden gleich ganz entfernt und dann untersucht.
- Abschaben (Kürettage) oder Abtragen (Shave): für oberflächliche Veränderungen.
Die Entnahme geschieht in örtlicher Betäubung und dauert meist nur wenige Minuten. Das Ergebnis liegt je nach Labor nach einigen Tagen bis etwa zwei bis vier Wochen vor.
Was bedeutet ein dringender Verdacht?
Eine dringende Überweisung zu einer Fachärztin oder einem Facharzt bedeutet nicht, dass sicher Krebs vorliegt. Darauf weist der britische NHS ausdrücklich hin. Sie soll nur sicherstellen, dass ein möglicher Krebs nicht unnötig lange unbehandelt bleibt. Die meisten abgeklärten Stellen erweisen sich als gutartig.
Wie wird ein Talgdrüsenkarzinom gesichert?
Beim Verdacht auf ein Talgdrüsenkarzinom wird eine größere Probe durch die ganze Lidwand entnommen, einschließlich der Bindehaut. Weil sich dieser Tumor oft unsichtbar in der Bindehaut ausbreitet, entnimmt die Ärztin oder der Arzt zusätzlich kleine Proben an mehreren Stellen der Bindehaut (Kartierungsbiopsien). Spezielle Färbungen im Labor sichern die Diagnose. Fehlen dabei bestimmte Reparatureiweiße im Tumor, wird eine genetische Beratung auf Muir-Torre-Syndrom empfohlen, weil dann auch Darmkrebsvorsorge wichtig ist.
Wann muss ein Hagelkorn untersucht werden?
Ein Hagelkorn, das nach der Behandlung an derselben Stelle wiederkommt oder ungewöhnlich aussieht, soll feingeweblich untersucht werden. Das empfiehlt die Fachplattform EyeWiki der amerikanischen Augenärztegesellschaft. Ziel ist, ein Talgdrüsenkarzinom oder einen anderen Lidtumor nicht zu übersehen. Bei der Entfernung eines wiederkehrenden Hagelkorns sollte das Gewebe daher immer ins Labor gehen.
Wann sind CT oder MRT nötig?
Bildgebung ist nur selten nötig, meist bei großen, tief sitzenden Tumoren, vor allem am inneren Lidwinkel, oder wenn ein Einwachsen in die Augenhöhle vermutet wird. Die Computertomografie (CT) zeigt Knochenschäden, die Magnetresonanztomografie (MRT) Weichteile und Nerven. Weil Basalzellkarzinome fast nie streuen, sind weitere Suchuntersuchungen im Körper bei ihnen meist überflüssig. Bei Plattenepithel-, Talgdrüsen- und Merkelzellkarzinom sowie beim Melanom werden die Lymphknoten genauer untersucht, zum Beispiel mit Ultraschall.
Was ist eine Wächterlymphknoten-Biopsie?
Der Wächterlymphknoten ist der erste Lymphknoten, in den Lymphe aus dem Tumorgebiet abfließt. Bei bestimmten aggressiveren Tumoren, etwa größeren Talgdrüsenkarzinomen, kann er markiert, entfernt und untersucht werden. Ist er frei, sind weitere Lymphknoten meist auch frei. Beim Basalzellkarzinom ist dieser Schritt nicht nötig.
Mit welchen Erkrankungen kann ein Lidtumor verwechselt werden?
Am häufigsten wird Lidkrebs mit einem Hagelkorn, einer Lidrandentzündung oder einer harmlosen Hautveränderung verwechselt.
- Hagelkorn und Gerstenkorn
- chronische Lidrandentzündung
- Alterswarze (seborrhoische Keratose)
- Muttermal (Nävus) und Altersfleck (Lentigo solaris)
- Keratoakanthom, ein schnell wachsender, kraterförmiger Hauttumor, der dem Plattenepithelkarzinom ähnelt
- Dellwarzen (Molluscum contagiosum)
- Xanthelasma
In der Serie aus Paraguay lautete die Verdachtsdiagnose vor der Operation bei 13,7 % „Hagelkorn“; die endgültige Diagnose stellte erst die Gewebeuntersuchung.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (17)
- Wie wird Lidkrebs behandelt?
- Warum ist die Randkontrolle so wichtig?
- Was ist die Mohs-Chirurgie?
- Welche Vorteile hat die Mohs-Chirurgie?
- Hat die Mohs-Chirurgie Nachteile?
- Wie läuft die herkömmliche Entfernung mit Schnellschnitt ab?
- Was sagt die deutsche Leitlinie?
- Wie wird das Lid nach der Tumorentfernung wiederhergestellt?
- Was bedeutet ein vorübergehend verschlossenes Auge?
- Welche Komplikationen sind nach Operation und Wiederaufbau möglich?
- Welche Behandlungen gibt es ohne Operation?
- Wann wird bestrahlt?
- Welche Tabletten gibt es bei fortgeschrittenem Basalzellkarzinom?
- Wie wird ein Talgdrüsenkarzinom behandelt?
- Wann muss das Auge entfernt werden?
- Wie werden gutartige Lidtumoren behandelt?
- Wer trägt die Kosten?
Wie wird Lidkrebs behandelt?
Die Standardbehandlung ist die vollständige operative Entfernung des Tumors mit Kontrolle der Schnittränder unter dem Mikroskop. Danach wird das Lid so wiederhergestellt, dass es das Auge schützt, sich schließt und gut aussieht. Andere Verfahren wie Cremes, Vereisung oder Bestrahlung kommen in Frage, wenn eine Operation nicht möglich ist oder der Tumor sehr klein und oberflächlich ist.
Warum ist die Randkontrolle so wichtig?
Ein Lidtumor ist oft größer, als er an der Oberfläche aussieht, weil er mit feinen Ausläufern ins Gewebe wächst. Bleiben solche Ausläufer im Schnittrand zurück, wächst der Tumor wieder nach. Bleiben Tumorreste im Rand zurück, kommt der Tumor häufig wieder; eine kubanische Übersichtsarbeit nennt dafür 27 bis 50 %. Am Lid kann man aber nicht großzügig gesundes Gewebe opfern, weil jeder Millimeter für die Funktion zählt. Die Randkontrolle löst dieses Dilemma: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Was ist die Mohs-Chirurgie?
Die Mohs-Chirurgie (mikrographisch kontrollierte Chirurgie) entfernt den Tumor Schicht für Schicht und prüft jede Schicht sofort unter dem Mikroskop, bis alle Ränder tumorfrei sind. Der Ablauf:
- Örtliche Betäubung.
- Der sichtbare Tumor wird abgetragen, dann eine dünne Schicht des umgebenden Gewebes entnommen und markiert.
- Im Labor werden Rand und Grund der Schicht flach ausgelegt, eingefroren, geschnitten und gefärbt.
- Die Operateurin oder der Operateur prüft die Schnitte und zeichnet auf einer Karte ein, wo noch Tumor ist.
- Nur an dieser Stelle wird nachgeschnitten, bis alles frei ist; meist reichen ein bis zwei Runden.
- Danach wird der Defekt oft noch am selben Tag verschlossen.
Der ganze Eingriff dauert einige Stunden, vor allem wegen der Wartezeit auf die Laborschnitte.
Welche Vorteile hat die Mohs-Chirurgie?
Die Mohs-Chirurgie prüft praktisch 100 % des Schnittrands, bei der herkömmlichen Entfernung mit Standardschnitten ist es oft weniger als 1 bis 2 %. Sie schont gesundes Gewebe und erreicht beim Basalzellkarzinom die höchsten Heilungsraten, nach spanischen Angaben bis 99 % mit einer Rückfallrate von 2 % oder weniger. Die spanische Fachgesellschaft SEO nennt sie die Behandlung der Wahl für Tumoren um das Auge. Eine randomisierte Studie mit zehn Jahren Nachbeobachtung fand bei Hochrisiko-Basalzellkarzinomen im Gesicht weniger Rückfälle als mit herkömmlicher Entfernung; der Vorteil war vor allem bei wiederkehrenden Tumoren statistisch gesichert.
Hat die Mohs-Chirurgie Nachteile?
Ja: Sie ist aufwendiger, dauert länger, ist teurer und nicht überall verfügbar. Bei Tumoren, die tief ins Fett der Augenhöhle eingewachsen sind, lassen sich die Proben schwer ausrichten. Beim Talgdrüsenkarzinom, das sich oft verstreut in der Bindehaut ausbreitet, kann sie freie Ränder vortäuschen. Außerdem kann der entstehende Defekt deutlich größer sein als der sichtbare Tumor, was aber genau zeigt, wie weit er unsichtbar gewachsen war.
Wie läuft die herkömmliche Entfernung mit Schnellschnitt ab?
Bei der herkömmlichen Entfernung wird der Tumor mit einem Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe herausgeschnitten. Beim Schnellschnitt (Gefrierschnitt) prüft eine Pathologin oder ein Pathologe die Ränder noch während der Operation. Sind sie frei, wird das Lid im selben Eingriff wiederhergestellt. Alternativ werden die Ränder in Ruhe am fertigen Präparat geprüft und der Wiederaufbau erfolgt einige Tage später, wenn die Ränder sicher frei sind; auch diese Variante wird im deutschsprachigen Raum oft angewendet.
Wie groß der Sicherheitsabstand sein soll, hängt von Tumorart, Größe und Lage ab. Die Quellen nennen beim Basalzellkarzinom Werte zwischen etwa 3 und 10 mm; aggressive Formen brauchen eher mehr Abstand. Bei gut abgegrenzten Tumoren unter 2 cm und 5 mm Abstand gelingt die vollständige Entfernung in über 95 % der Fälle.
Was sagt die deutsche Leitlinie?
In Deutschland gibt es eine S3-Leitlinie zum Basalzellkarzinom der Haut (AWMF-Register 032-021OL) mit einem eigenen Abschnitt zur Augenregion und zur mikrographisch kontrollierten Chirurgie. Ihr Grundsatz entspricht den internationalen Empfehlungen: vollständige Entfernung mit histologischer Randkontrolle als erste Wahl. Für Österreich gelten im Wesentlichen dieselben europäischen Standards. Welche Klinik in Ihrer Nähe Lidtumoren mit Randkontrolle operiert, kann Ihnen Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt sagen.
Wie wird das Lid nach der Tumorentfernung wiederhergestellt?
Der Wiederaufbau (Lidrekonstruktion) richtet sich nach Größe und Lage des Defekts. Ziel ist ein Lid, das sich vollständig schließt, den Tränenfilm verteilt, das Sehfeld frei lässt und natürlich aussieht. Weil das Lid aus einer vorderen Schicht (Haut und Muskel) und einer hinteren Schicht (Lidplatte und Bindehaut) besteht, müssen oft beide ersetzt werden.
| Größe des Defekts am Lidrand | Übliche Technik | Was das für Sie bedeutet |
|---|---|---|
| bis etwa ein Drittel bis die Hälfte | keilförmige Entfernung und direkte Naht | ein Eingriff, meist unauffällige Narbe |
| etwa die Hälfte bis drei Viertel | halbkreisförmiger Verschiebelappen (Tenzel-Lappen) | ein Eingriff, Haut vom äußeren Lidwinkel wird herangeschoben |
| über drei Viertel am Unterlid | Hughes-Lappen (Gewebe vom Oberlid), Wangenlappen nach Mustardé | beim Hughes-Lappen zwei Eingriffe; das Auge ist einige Wochen teilweise verschlossen |
| über drei Viertel am Oberlid | Cutler-Beard-Lappen (Gewebe vom Unterlid), Stirn- oder Wangenlappen | zwei Eingriffe; das Auge bleibt etwa 4 bis 8 Wochen verschlossen |
| innerer Lidwinkel | Hauttransplantat, Rauten- oder Stirnlappen | die Sehne des Lidwinkels muss stabil verankert werden |
Hauttransplantate werden meist vor oder hinter dem Ohr oder vom Oberlid entnommen. Sie bekommen danach für etwa fünf bis sieben Tage einen Druckverband. Bei sehr großen Defekten kann Knorpel-Schleimhaut-Gewebe aus der Nasenscheidewand oder Schleimhaut aus dem Gaumen die Lidplatte ersetzen.
Was bedeutet ein vorübergehend verschlossenes Auge?
Bei zweizeitigen Verfahren wie dem Hughes- oder Cutler-Beard-Lappen bleibt das Auge einige Wochen ganz oder teilweise zugenäht, bis der Lappen eingeheilt ist und getrennt wird. In dieser Zeit sehen Sie nur mit dem anderen Auge, das räumliche Sehen fehlt. Autofahren ist dann nicht erlaubt. Planen Sie Hilfe im Alltag ein, besonders wenn das andere Auge schlecht sieht.
Welche Komplikationen sind nach Operation und Wiederaufbau möglich?
Die meisten Eingriffe verlaufen ohne Probleme: In der Serie aus Paraguay heilten 93 % ohne Komplikation. Mögliche Folgen sind:
- Bluterguss, Schwellung, selten Infektion oder Aufgehen der Naht
- Narben, Einkerbung des Lidrands
- Lidfehlstellung nach außen oder innen, hochgezogenes oder herabhängendes Lid
- nach innen wachsende Wimpern, die an der Hornhaut reiben
- unvollständiger Lidschluss mit trockenem Auge
- Tränenträufeln, wenn die Tränenwege betroffen waren
- selten Hornhautentzündung oder -geschwür durch Austrocknung
Viele dieser Folgen lassen sich mit einem weiteren kleinen Eingriff oder mit Tränenersatzmitteln behandeln. Mehr zu befeuchtenden Tropfen finden Sie unter Tränenersatzmittel.
Welche Behandlungen gibt es ohne Operation?
Nicht operative Verfahren kommen für Menschen in Frage, die nicht operiert werden können oder wollen, oder für kleine, oberflächliche Tumoren an risikoarmen Stellen. Ihr gemeinsamer Nachteil: Die Ränder lassen sich nicht unter dem Mikroskop prüfen. Deshalb sind danach engmaschige Kontrollen besonders wichtig.
Imiquimod-Creme
Imiquimod 5 % ist eine Creme, die das Immunsystem der Haut gegen den Tumor aktiviert. Sie ist für oberflächliche Basalzellkarzinome zugelassen und wird über mehrere Wochen aufgetragen, nach spanischen Angaben fünfmal pro Woche für 6 bis 16 Wochen. Sie wirkt schlechter als eine Operation und reizt nahe am Lidrand oft die Bindehaut. Am Lid ist sie deshalb eine Ausnahmelösung.
Vereisung (Kryotherapie)
Bei der Kryotherapie wird der Tumor mit flüssigem Stickstoff vereist. Bei kleinen, risikoarmen Basalzellkarzinomen unter 2 cm werden Heilungsraten von 95 bis 97 % berichtet. Nebenwirkungen können Wimpernverlust und helle Narben sein.
Photodynamische Therapie
Bei der photodynamischen Therapie wird eine lichtempfindlich machende Creme aufgetragen und danach mit rotem Licht bestrahlt. Sie eignet sich für dünne, kleine oder mehrere oberflächliche Tumoren, meist in zwei Sitzungen. Für tief wachsende, pigmentierte oder wiederkehrende Basalzellkarzinome ist sie nicht geeignet.
Abschaben und Veröden
Kürettage mit Elektrokoagulation (Abschaben und Veröden) erreicht bei kleinen Tumoren unter 1 cm hohe Heilungsraten, bei größeren deutlich schlechtere. Sie kommt am Lid nur für kleine Tumoren an unkritischen Stellen in Frage. 5-Fluorouracil-Creme wird für die Augenumgebung nicht empfohlen, weil sie Schleimhäute stark reizt.
Wann wird bestrahlt?
Eine Strahlentherapie kommt in Frage, wenn eine Operation nicht möglich ist, bei sehr großen Tumoren, nach einer Operation mit Tumorresten oder wenn der Tumor an Nerven entlang wächst. Nach fünf Jahren sind rund 90 % der bestrahlten Basalzellkarzinome geheilt. Nachteile sind viele Sitzungen, fehlende Randkontrolle und Spätfolgen an Haut und Auge, etwa Wimpernverlust, trockenes Auge, Verhornung der Bindehaut und dünnere Haut. Bei erblichen Syndromen wie Gorlin-Syndrom oder Xeroderma pigmentosum wird nicht bestrahlt, weil neue Tumoren entstehen können.
Welche Tabletten gibt es bei fortgeschrittenem Basalzellkarzinom?
Bei weit fortgeschrittenen oder gestreuten Basalzellkarzinomen, die sich nicht operieren oder bestrahlen lassen, gibt es Tabletten, die den Hedgehog-Signalweg hemmen: Vismodegib und Sonidegib. Je nach Studie spricht etwa die Hälfte bis über drei Viertel der Betroffenen an; die Wirkung zeigt sich nach etwa einem Monat. Am Auge können sie helfen, einen Tumor so zu verkleinern, dass das Auge erhalten bleibt. Fast alle Patienten haben Nebenwirkungen, vor allem Muskelkrämpfe, Haarausfall, Geschmacksstörung und Gewichtsverlust. Wirken sie nicht oder werden sie nicht vertragen, kann eine Immuntherapie mit Cemiplimab in Frage kommen.
Wie wird ein Talgdrüsenkarzinom behandelt?
Das Talgdrüsenkarzinom wird wie andere Lidkrebse vollständig mit Randkontrolle entfernt, wegen seiner verstreuten Ausbreitung oft mit größerem Abstand und Kartierungsbiopsien. Bleiben Tumorzellen in der Bindehaut, können Mitomycin-Augentropfen (eine Chemotherapie für die Augenoberfläche) oder Vereisung ergänzt werden. Bei größeren Tumoren kann die Wächterlymphknoten-Biopsie sinnvoll sein. Ist die Augenhöhle befallen, muss im schlimmsten Fall der Inhalt der Augenhöhle samt Auge entfernt werden (Exenteration).
Wann muss das Auge entfernt werden?
Nur in seltenen, weit fortgeschrittenen Fällen, wenn der Tumor tief in die Augenhöhle oder den Augapfel eingewachsen ist. Dieser Eingriff heißt Exenteration. Moderne Medikamente wie Hedgehog-Hemmer helfen heute manchmal, ihn zu vermeiden. Je früher ein Tumor behandelt wird, desto unwahrscheinlicher ist ein solcher Schritt.
Wie werden gutartige Lidtumoren behandelt?
Gutartige Lidtumoren müssen nur behandelt werden, wenn sie stören, wachsen oder unklar sind. Kleine Papillome, Zysten oder Nävi werden meist in örtlicher Betäubung herausgeschnitten oder abgetragen, das Gewebe geht zur Untersuchung.
- Xanthelasma: Entfernung meist aus kosmetischen Gründen, durch Ausschneiden, Laser, Säure-Peeling oder Hochfrequenzstrom. Rückfälle sind häufig, nach Laser in etwa 13 bis 16 %. Eine Blutfettkontrolle beim Hausarzt ist sinnvoll.
- Hagelkorn: Wärme, Lidmassage und Lidhygiene; bleibt es bestehen, eine Kortisonspritze oder ein kleiner Schnitt von der Lidinnenseite ohne sichtbare Narbe.
- Blutschwämmchen bei Kindern: oft abwarten, weil es sich zurückbildet; gefährdet es die Sehentwicklung, wird es mit Medikamenten behandelt.
Wer trägt die Kosten?
Ist ein Lidtumor verdächtig oder bösartig, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland und Österreich Abklärung, Gewebeprobe, Operation und Wiederaufbau. Die Entfernung rein kosmetisch störender gutartiger Veränderungen, etwa von Xanthelasmen, ist dagegen oft eine Selbstzahlerleistung. Fragen Sie vorher bei Ihrer Krankenkasse nach.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (10)
- Wie ist die Prognose beim Basalzellkarzinom?
- Streut ein Basalzellkarzinom?
- Wie wächst ein unbehandelter Tumor?
- Wie oft kommt ein Basalzellkarzinom zurück?
- Wie ist die Prognose beim Plattenepithelkarzinom?
- Wie ist die Prognose beim Talgdrüsenkarzinom?
- Wie ist die Prognose bei Melanom und Merkelzellkarzinom?
- Wie sieht das Lid nach der Behandlung aus?
- Welche Nachsorge ist nötig?
- Was sollten Sie zwischen den Kontrollen beobachten?
Wie ist die Prognose beim Basalzellkarzinom?
Die Prognose ist sehr gut: Bei rechtzeitiger, vollständiger Entfernung werden Heilungsraten nach fünf Jahren von bis zu 98 % berichtet. Schlechter sind die Aussichten bei Tumoren über 3 cm, bei lange bestehenden, tief eingewachsenen oder unvollständig behandelten Tumoren. Das IQWiG schätzt, dass etwa 1 von 1.000 Menschen mit Basalzellkarzinom daran stirbt.
Streut ein Basalzellkarzinom?
Fast nie: Tochtergeschwülste (Metastasen) treten nur in einem winzigen Bruchteil der Fälle auf, in der Literatur meist deutlich unter 1 %. Wenn überhaupt, betrifft das sehr große, geschwürige Tumoren, die jahrelang unbehandelt geblieben sind. Gefährlich ist das Basalzellkarzinom eher durch örtliches Wachstum in Lid, Tränenwege, Augenhöhle und Knochen.
Wie wächst ein unbehandelter Tumor?
Ein Basalzellkarzinom wächst meist langsam über Monate bis Jahre, die Geschwindigkeit schwankt aber stark. Über Jahre zerstört es Gewebe in der Umgebung. Am inneren Lidwinkel kann es entlang der Tränenkanälchen in die Tiefe vordringen. Im Extremfall gehen Sehkraft und Auge verloren.
Wie oft kommt ein Basalzellkarzinom zurück?
Insgesamt kehren etwa 5 % der behandelten Basalzellkarzinome innerhalb von fünf Jahren zurück, nach Mohs-Chirurgie 2 % oder weniger. Häufiger sind Rückfälle bei großen Tumoren, bei Tumorresten im Schnittrand, bei der vernarbenden Form und am inneren Lidwinkel. Rückfälle wachsen oft aggressiver als der erste Tumor. Zusätzlich ist das Risiko erhöht, später ein neues Basalzellkarzinom an anderer Stelle zu bekommen.
Wie ist die Prognose beim Plattenepithelkarzinom?
Wird ein Plattenepithelkarzinom früh entfernt, ist die Prognose meist gut. Es ist aber aggressiver als das Basalzellkarzinom und kann in Lymphknoten streuen, vor allem wenn es lange besteht. Laut IQWiG sterben etwa 40 bis 50 von 1.000 Betroffenen an einem Plattenepithelkarzinom der Haut. Deshalb sind frühe Behandlung und Kontrollen der Lymphknoten wichtig.
Wie ist die Prognose beim Talgdrüsenkarzinom?
Das Talgdrüsenkarzinom ist ernster als das Basalzellkarzinom. In einer Auswertung von über 1.300 Patienten mit Talgdrüsenkarzinom am Lid kam es bei 15,9 % zu einem Rückfall, bei 12,1 % zu Metastasen und bei 6,2 % zum Tod durch den Tumor. Ab einem bestimmten Tumorstadium steigt das Risiko für Lymphknotenbefall. Eine frühe Diagnose, oft ausgelöst durch das Untersuchen eines wiederkehrenden Hagelkorns, verbessert die Aussichten deutlich.
Wie ist die Prognose bei Melanom und Merkelzellkarzinom?
Beim Melanom und beim Merkelzellkarzinom hängt die Prognose stark davon ab, wie dick und wie groß der Tumor bei der Entfernung ist und ob Lymphknoten befallen sind. Beide können früh streuen. Die Behandlung erfolgt deshalb in spezialisierten Zentren, oft mit Lymphknotenuntersuchung und gegebenenfalls zusätzlicher Therapie.
Wie sieht das Lid nach der Behandlung aus?
Je kleiner der Tumor bei der Entfernung, desto einfacher der Wiederaufbau und desto unauffälliger das Ergebnis. Kleine Defekte heilen oft mit einer kaum sichtbaren Narbe. Nach großen Rekonstruktionen bleiben manchmal Unterschiede zum anderen Auge, etwa fehlende Wimpern oder ein leicht verändertes Lid. Narben werden über Monate weicher und blasser.
Welche Nachsorge ist nötig?
Nach einem bösartigen Lidtumor sind regelmäßige Kontrollen nötig, um Rückfälle und neue Tumoren früh zu erkennen. Wie oft, hängt von Tumorart und Risiko ab; beim Basalzellkarzinom ist mindestens eine jährliche Hautuntersuchung üblich, in den ersten Jahren oft häufiger. Nach nicht operativer Behandlung sind die Kontrollen besonders wichtig, weil die Ränder nicht geprüft wurden. Beim Talgdrüsen-, Plattenepithel- und Merkelzellkarzinom gehört die Kontrolle der Lymphknoten dazu.
Was sollten Sie zwischen den Kontrollen beobachten?
Achten Sie auf neue Knötchen in der Narbe oder daneben, Krusten, Blutungen und neu ausfallende Wimpern. Ein Foto vom Handy alle paar Monate hilft, langsame Veränderungen zu erkennen. Melden Sie Auffälligkeiten nicht erst beim nächsten regulären Termin.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (9)
- Kann man Lidkrebs vorbeugen?
- Wie schütze ich meine Lider vor der Sonne?
- Kann ich Sonnencreme auf die Lider auftragen?
- Wie schütze ich Kinder?
- Was bringt das Hautkrebs-Screening?
- Wie kontrolliere ich meine Lider selbst?
- Was tun bei aktinischen Keratosen?
- Was können Menschen mit erhöhtem Risiko tun?
- Hilft es, Hagelkörnern vorzubeugen?
Kann man Lidkrebs vorbeugen?
Ja, zum Teil: Konsequenter Sonnenschutz ist die wirksamste Vorbeugung gegen Basalzell- und Plattenepithelkarzinome. Einen völlig sicheren Schutz gibt es aber nicht. Deshalb gehört zur Vorbeugung auch, Veränderungen früh zu erkennen.
Wie schütze ich meine Lider vor der Sonne?
Am besten schützen eine große Sonnenbrille mit UV-Schutz und ein Hut mit breiter Krempe, ergänzt durch Sonnencreme.
- Sonnenbrille mit UV-Schutz: möglichst groß und seitlich geschlossen, damit sie auch die Lider und den inneren Lidwinkel abschirmt.
- Hut mit breiter Krempe: beschattet Stirn, Lider und Wangen.
- Mittagssonne meiden: je nach Quelle etwa zwischen 10 und 16 Uhr bzw. 11 und 15 Uhr.
- Sonnencreme: Lichtschutzfaktor mindestens 30, mit UVA- und UVB-Schutz, etwa alle zwei Stunden und nach dem Baden erneut auftragen.
- Kein Solarium.
- Ganzjährig denken: Wasser, Sand, Schnee und Höhenlagen verstärken die Strahlung, auch im Winter.
Kann ich Sonnencreme auf die Lider auftragen?
Ja, aber vorsichtig, weil Sonnencreme im Auge brennt. Besser geeignet sind augenverträgliche Sonnenschutz-Sticks oder Cremes für die Augenpartie, die nicht verlaufen. Den Lidrand selbst schützt am besten eine gut sitzende Sonnenbrille. Schwitzen Sie stark, kann Creme in die Augen laufen; dann ist die Kombination aus Brille und Hut die bessere Wahl.
Wie schütze ich Kinder?
Kinder brauchen besonders guten Sonnenschutz, weil Sonnenbrände in der Kindheit das Hautkrebsrisiko im späteren Leben erhöhen. Dazu gehören Kopfbedeckung, Kinder-Sonnenbrille mit UV-Schutz, Schatten und Sonnencreme. Säuglinge gehören nicht in die direkte Sonne.
Was bringt das Hautkrebs-Screening?
In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Untersuchung der ganzen Haut (Hautkrebs-Screening) bei Haus- oder Hautärzten mit entsprechender Fortbildung. Dabei sollte auch die Lidregion angeschaut werden; sprechen Sie Veränderungen dort ausdrücklich an. In Österreich gibt es kein gleichartiges Kassenprogramm; eine Hautuntersuchung erfolgt dort meist bei konkretem Anlass. Bei jeder augenärztlichen Untersuchung werden die Lider ohnehin mitbeurteilt.
Wie kontrolliere ich meine Lider selbst?
Sehen Sie sich Ihre Lider etwa einmal im Monat bei gutem Licht im Spiegel an, auch den inneren und äußeren Lidwinkel. Achten Sie auf neue Knötchen, Krusten, Wunden, Lücken in den Wimpern und veränderte Muttermale. Wer schlecht sieht, kann Angehörige bitten oder Fotos machen und vergrößern. Eine Lesebrille oder ein Vergrößerungsspiegel hilft bei Alterssichtigkeit.
Was tun bei aktinischen Keratosen?
Lassen Sie raue, schuppige Sonnenschäden im Gesicht behandeln, damit daraus kein Plattenepithelkarzinom wird. Möglich sind Vereisung, Abschaben, Ausschneiden oder bei vielen Herden Cremes und photodynamische Therapie. Am Lid entscheidet die Ärztin oder der Arzt, welche Methode in Augennähe sicher ist.
Was können Menschen mit erhöhtem Risiko tun?
Wer schon einen Hautkrebs hatte, ein geschwächtes Immunsystem hat, etwa nach einer Organtransplantation, oder an einem erblichen Syndrom leidet, sollte besonders konsequent auf Sonnenschutz achten und die Haut häufiger kontrollieren lassen. Bei Muir-Torre-Syndrom gehört auch die Darmkrebsvorsorge dazu. Menschen, die beruflich viel im Freien arbeiten, sollten die Schutzmaßnahmen des Arbeitgebers nutzen.
Hilft es, Hagelkörnern vorzubeugen?
Regelmäßige Lidhygiene mit Wärme und sanfter Massage kann Hagelkörnern und Lidrandentzündungen vorbeugen. Gegen Lidkrebs schützt sie nicht. Wichtig ist aber: Ein Hagelkorn, das trotz guter Pflege immer wieder an derselben Stelle kommt, sollte untersucht werden.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (5)
Ist ein Lidtumor ein Notfall?
Nein, ein Lidtumor ist fast nie ein Notfall, verdächtige Veränderungen sollten aber innerhalb weniger Wochen abgeklärt werden. Lidkrebs wächst meist langsam, sodass ein paar Tage Wartezeit nicht schaden. Monate oder Jahre zu warten, macht die Behandlung dagegen deutlich größer.
Wann sollte ich innerhalb weniger Tage zum Arzt?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie gehen, wenn Zeichen auf ein tiefes Einwachsen, schnelles Wachstum oder eine Komplikation nach der Operation hindeuten.
- Doppelbilder oder eingeschränkte Beweglichkeit des Auges zusammen mit einem Lidtumor
- ein Auge, das zunehmend hervortritt
- ein Knoten, der innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen deutlich wächst
- starke Blutung aus einer Stelle am Lid
- neue Taubheit an Stirn, Lid oder Wange
- nach einer Lidoperation: zunehmende Schmerzen, Rötung, Eiter, Fieber oder ein Lid, das sich nicht mehr schließt
Wann sollte ich in den nächsten Wochen zur Augenärztin oder zum Augenarzt?
In den nächsten Wochen sollten Sie jede Lidveränderung mit einem der typischen Warnzeichen abklären lassen.
- neue Stelle am Lid, die wächst oder sich verändert
- Wunde, Kruste oder Geschwür, das länger als etwa vier Wochen nicht abheilt
- Stelle, die bei Berührung blutet
- Wimpernverlust an einer umschriebenen Stelle
- Hagelkorn, das wiederkommt oder nach zwei bis drei Monaten nicht verschwindet
- einseitige Lidrandentzündung, die auf Behandlung nicht anspricht
- Muttermal am Lid, das Größe, Form oder Farbe ändert
Wann reicht ein Routinetermin?
Ein kleiner, seit Jahren unveränderter, glatter Knoten mit erhaltenen Wimpern, etwa ein bekanntes Muttermal oder eine kleine Zyste, kann bei der nächsten Routineuntersuchung angesprochen werden. Auch Xanthelasmen sind kein dringender Befund. Lassen Sie dabei aber einmal den Cholesterinwert prüfen.
Welche Beschwerden am Lid deuten auf etwas anderes hin?
Eine plötzliche, schmerzhafte, rote Schwellung des Lides ist meist kein Tumor, sondern eine Entzündung. Kommen Fieber, starke Schmerzen, ein hervortretendes Auge, Schmerzen bei Augenbewegung oder eine Sehverschlechterung hinzu, kann eine Entzündung der Augenhöhle vorliegen. Das ist ein Notfall: Suchen Sie noch am selben Tag eine Augenklinik oder Notaufnahme auf. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
9 Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ein Knubbel am Augenlid gefährlich ist?
Sicher erkennt man das nur mit einer Gewebeprobe, aber einige Zeichen sprechen für einen bösartigen Tumor: Wachstum über Wochen oder Monate, Wimpernverlust, Krusten, Blutung, ein perlmuttartig glänzender Rand mit feinen Äderchen und eine Wunde, die nicht abheilt. Ein glatter, seit Jahren unveränderter Knoten mit erhaltenen Wimpern ist meist harmlos. Lassen Sie jede neue oder veränderte Stelle augenärztlich ansehen.
Ist ein Basaliom am Auge gefährlich?
Ein Basaliom (Basalzellkarzinom) am Auge ist ein Krebs, der fast nie streut, aber das Gewebe in seiner Umgebung zerstört, wenn man ihn wachsen lässt. Früh und vollständig entfernt, heilt er in bis zu 98 % der Fälle. Gefährlich wird er vor allem, wenn er über Jahre unbehandelt bleibt und in die Augenhöhle einwächst.
Kann ein Hagelkorn Krebs sein?
Ein echtes Hagelkorn ist nie Krebs, aber ein seltener Lidkrebs, das Talgdrüsenkarzinom, kann wie ein Hagelkorn aussehen. Verdächtig ist ein Hagelkorn, das nach der Behandlung an derselben Stelle wiederkommt, Wimpern ausfallen lässt oder sich gelblich und hart anfühlt. Dann sollte das Gewebe untersucht werden. Mehr zum gewöhnlichen Hagelkorn lesen Sie auf der eigenen Seite.
Tut Lidkrebs weh?
Meist nicht. Die meisten bösartigen Lidtumoren verursachen keine Schmerzen, deshalb werden sie oft lange übersehen. Manche Betroffene spüren ein leichtes Brennen, Kribbeln oder Taubheit. Schmerzen in einer bereits bestehenden Stelle sind ein Grund, sie bald untersuchen zu lassen.
Was ist Mohs-Chirurgie am Augenlid?
Die Mohs-Chirurgie entfernt einen Hauttumor Schicht für Schicht und prüft jede Schicht sofort unter dem Mikroskop, bis alle Ränder frei sind. So bleibt möglichst viel gesundes Lidgewebe erhalten, und es bleiben kaum Tumorreste zurück. Beim Basalzellkarzinom erreicht sie Heilungsraten bis etwa 99 %. Der Eingriff dauert einige Stunden und geschieht meist in örtlicher Betäubung.
Wie lange dauert es, bis das Ergebnis der Gewebeprobe da ist?
Je nach Labor dauert es einige Tage bis etwa zwei bis vier Wochen. Beim Schnellschnitt während der Operation liegt ein vorläufiges Ergebnis schon nach Minuten vor. Fragen Sie bei der Probeentnahme, wann und wie Sie das Ergebnis erfahren.
Sieht man nach einer Lidtumor-Operation eine Narbe?
Nach kleinen Eingriffen heilt die Narbe am Lid meist sehr unauffällig, weil die Lidhaut dünn ist und gut heilt. Nach großen Tumoren sind Lappenplastiken oder Hauttransplantate nötig; dann können Unterschiede zum anderen Lid bleiben, etwa fehlende Wimpern. Narben werden über Monate weicher und blasser. Je früher ein Tumor entfernt wird, desto kleiner ist der Eingriff.
Kann man ein Basaliom am Lid mit Creme behandeln?
Bei kleinen, oberflächlichen Basalzellkarzinomen ist eine Creme mit Imiquimod möglich, sie wirkt aber schlechter als die Operation. Nahe am Lidrand reizt sie oft das Auge. Die Creme ist daher am Lid eher eine Lösung für Menschen, die nicht operiert werden können. Nach jeder Behandlung ohne Operation sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig.
Kommt ein Basaliom am Auge wieder?
Nach vollständiger Entfernung ist ein Rückfall selten: insgesamt etwa 5 % in fünf Jahren, nach Mohs-Chirurgie 2 % oder weniger. Häufiger kommt er bei großen Tumoren, am inneren Lidwinkel und wenn Tumorreste im Rand blieben. Wer ein Basalzellkarzinom hatte, bekommt eher ein weiteres an anderer Stelle, deshalb sind regelmäßige Hautkontrollen sinnvoll.
Was sind die gelben Flecken an meinen Augenlidern?
Weiche, gelbe, flache Flecken am inneren Lidwinkel sind meist Xanthelasmen, gutartige Ablagerungen von Cholesterin. Sie sind harmlos, aber etwa die Hälfte der Betroffenen hat erhöhte Blutfette. Lassen Sie deshalb Ihre Blutfette beim Hausarzt prüfen. Eine harte, gelbliche Verdickung direkt am Lidrand mit Wimpernverlust ist dagegen kein Xanthelasma und sollte untersucht werden.
Wer operiert Tumoren am Augenlid, Augenarzt oder Hautarzt?
Beides ist möglich. Kleine Hauttumoren der Lidhaut entfernen oft Hautärzte, Tumoren am Lidrand, am inneren Lidwinkel oder mit größerem Wiederaufbau meist Augenärzte mit Schwerpunkt Lidchirurgie. Bei der Mohs-Chirurgie arbeiten beide Fächer häufig zusammen. Wichtig ist vor allem, dass die Schnittränder unter dem Mikroskop kontrolliert werden.
Bekommen auch junge Menschen Krebs am Augenlid?
Selten. Bösartige Lidtumoren treten meist nach dem 50. Lebensjahr auf; bei Kindern sind Lidtumoren fast immer gutartig. Bei jungen Menschen mit einem Basalzellkarzinom wird an erbliche Syndrome wie das Gorlin-Syndrom gedacht. Auch Talgdrüsenkarzinome können ausnahmsweise junge Erwachsene treffen, etwa als scheinbar wiederkehrendes Hagelkorn.
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- GerstenkornEin Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine akute, meist durch Staphylokokken verursachte Entzündung einer Drüse am Augenlid. Es ist schmerzhaft, aber meist harmlos und heilt oft innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab.
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- AderhautmelanomDas Aderhautmelanom ist der häufigste bösartige Tumor, der bei Erwachsenen im Auge selbst entsteht, aber dennoch selten: In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 500 bis 1.000 Menschen, meist zwischen 55 und 75 Jahren. Es macht oft lange keine Beschwerden, wird häufig zufällig beim Augenarzt entdeckt und lässt sich heute in den meisten Fällen unter Erhalt des Auges behandeln.
Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 22 Quellen anzeigen
- Weißer Hautkrebs – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (DE)
- S3-Leitlinie Basalzellkarzinom der Haut (Registernummer 032-021OL) – AWMF (DE)
- Basal Cell Carcinoma (BCC) of the Eyelid – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Sebaceous Carcinoma – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Xanthelasma – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Chalazion – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Eyelid Reconstruction – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Mohs Micrographic Surgery – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Symptoms of non-melanoma skin cancer – NHS (EN)
- Causes of non-melanoma skin cancer – NHS (EN)
- Treatment for non-melanoma skin cancer – NHS (EN)
- Tests and next steps for non-melanoma skin cancer – NHS (EN)
- Stye – NHS (EN)
- Carcinome basocellulaire – Manuel MSD, version pour le grand public (FR)
- Carcinoma de células basales (Ponencia 2023, capítulo 2.3: Tumores palpebrales) – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
- Tratamiento no quirúrgico, quirúrgico y reconstructivo del carcinoma basal de párpados – Revista Cubana de Oftalmología 2021;34(3) (ES)
- Tumor de párpados: 241 casos. Hallazgos y desafíos para la reconstrucción – Cirugía Plástica Ibero-Latinoamericana 2013;39(2), Universidad Nacional de Asunción (ES)
- Carcinoma epidermoide en párpados. Presentación de un caso – Medisur 2016;14(1) (ES)
- Carcinoma de células basales. Presentación de un caso – Medisur 2018;16(4) (ES)
- Carcinoma de células basales – MedlinePlus en español (U.S. National Library of Medicine) (ES)
- Queratosis actínica – MedlinePlus en español (U.S. National Library of Medicine) (ES)
- Cáncer de piel no melanoma: síntomas, causas y tratamiento – Cancer Center Clínica Universidad de Navarra (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss