Fremdkörper im Auge (Hornhaut- und Bindehautfremdkörper)
Ein Fremdkörper im Auge ist ein Staubkorn, Insekt, Holz- oder Metallsplitter, der auf der Bindehaut, auf der Hornhaut oder unter dem Lid haftet. Meist ist er harmlos und schnell entfernt; Metallsplitter vom Schleifen und Hämmern gehören aber noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt, ein eingedrungener Fremdkörper ist ein Notfall.
1 Kurzübersicht
Ein Fremdkörper im Auge ist ein kleines Teilchen von außen, das auf der Augenoberfläche oder unter dem Lid hängen bleibt. Typisch sind Staub, Sand, Wimpern, kleine Insekten, Holzspäne und Metallsplitter vom Schleifen, Bohren oder Hämmern. Die meisten Fremdkörper sind oberflächlich, schmerzen stark, lassen sich aber gut entfernen und heilen in ein bis drei Tagen ohne Folgen.
Fachleute unterscheiden zwei Gruppen mit völlig unterschiedlicher Prognose. Oberflächliche Fremdkörper liegen auf der Bindehaut (der dünnen Schutzhaut über dem Weißen des Auges), auf der Hornhaut (dem klaren Fenster vor Regenbogenhaut und Pupille) oder unter dem Oberlid. Eingedrungene Fremdkörper (intraokulare Fremdkörper) haben die Augenwand durchschlagen und bedrohen das Sehvermögen.
- Selbst tun dürfen Sie: blinzeln, mit viel sauberem Wasser spülen, einen sichtbaren Fremdkörper auf dem Unterlid oder im Augenwinkel mit einem sauberen, feuchten Taschentuch aufnehmen.
- Nicht tun: reiben, mit Nadeln, Pinzetten oder Fingernägeln am Auge hantieren, etwas aus der Hornhaut kratzen, einen steckenden Gegenstand herausziehen, Druck auf das Auge ausüben.
- Am selben Tag zum Augenarzt: wenn das Fremdkörpergefühl nach dem Spülen bleibt und immer bei Metall, weil sich innerhalb weniger Stunden ein Rostring bilden kann.
- Sofort in die Augenklinik: bei Verdacht auf ein eingedrungenes Teilchen (Schleifen, Hämmern Metall auf Metall, Explosion), bei Sehverlust, sichtbarer Wunde, verzogener Pupille oder auslaufender Flüssigkeit.
Die wichtigste Vorbeugung ist einfach: Eine geeignete Schutzbrille verhindert nach Angaben der Amerikanischen Akademie für Augenheilkunde (AAO) etwa 90 % der Augenverletzungen.
2 Symptome
In diesem Kapitel (22)
- Woran merkt man einen Fremdkörper im Auge?
- Wie fühlt sich das Fremdkörpergefühl an?
- Warum tut ein so kleines Teilchen so weh?
- Tränen, Blinzeln und Lidkrampf
- Rötung und Schwellung
- Lichtempfindlichkeit und Kopfschmerzen
- Verschlechtert sich das Sehen?
- Sieht man den Fremdkörper selbst?
- Fremdkörper unter dem Oberlid: das typische Kratzen beim Blinzeln
- Fremdkörper unter dem Unterlid oder im Augenwinkel
- Fremdkörper auf der Bindehaut
- Fremdkörper auf der Hornhaut
- Rostring: Was bedeutet ein brauner Fleck um den Splitter?
- Beschwerden nach der Entfernung: Was ist noch normal?
- Wiederkehrende Beschwerden nach Wochen oder Monaten
- Warnzeichen für einen eingedrungenen Fremdkörper
- Spätsymptome eines unentdeckten Splitters
- Besonderheiten bei Kontaktlinsenträgern
- Woran erkennen Eltern einen Fremdkörper bei Kindern?
- Was bemerken Angehörige?
- Besonderheiten bei älteren Menschen
- Welche Erkrankungen fühlen sich ähnlich an?
Woran merkt man einen Fremdkörper im Auge?
Das Leitsymptom ist das Fremdkörpergefühl: Man spürt deutlich, dass etwas im Auge ist, und merkt meist sofort, dass etwas hineingeflogen ist. Dazu kommen fast immer Tränen, Rötung, Schmerzen und der Drang, das Auge zuzukneifen. Oft ist nur ein Auge betroffen; beidseitige Beschwerden sprechen eher für eine andere Ursache.
Die folgende Liste ordnet die Beschwerden grob nach Häufigkeit:
- Sehr häufig: Fremdkörpergefühl, Kratzen und Reiben beim Blinzeln, Tränenfluss, Rötung, Schmerzen.
- Häufig: häufiges Blinzeln, Zukneifen, Lichtempfindlichkeit, Brennen.
- Gelegentlich: leicht verschwommenes Sehen, Schwellung des Lids, etwas Schleim oder Ausfluss, Kopfschmerzen.
- Selten und ernst: deutlicher Sehverlust, verzogene Pupille, Blut im Auge, auslaufende Flüssigkeit. Diese Zeichen sprechen für eine tiefere Verletzung.
Wie fühlt sich das Fremdkörpergefühl an?
Es fühlt sich an wie ein Sandkorn, das bei jedem Lidschlag über das Auge reibt. Viele beschreiben ein Kratzen, Stechen oder Scheuern, das bei jeder Augenbewegung stärker wird. Bei Arbeiten wie Bohren, Hämmern oder Schleifen verstärken Blickbewegungen die Reizung deutlich.
Wichtig für die Einschätzung: Das Gefühl verrät nicht genau, wo der Fremdkörper sitzt. Viele Betroffene haben den Eindruck, das Teilchen stecke unter dem Oberlid, obwohl es tatsächlich auf der Hornhaut haftet. Umgekehrt kann ein Teilchen unter dem Oberlid sich anfühlen, als läge es mitten auf dem Auge.
Warum tut ein so kleines Teilchen so weh?
Die Hornhaut gehört zu den am dichtesten mit Nerven versorgten Geweben des Körpers. Nach Angaben der Clínica Universidad de Navarra ist sie etwa 100-mal dichter mit Nerven versorgt als die angrenzende Bindehaut. Deshalb ist der Schmerz oft unverhältnismäßig stark im Vergleich zur Größe des Teilchens.
Ein winziger Metallsplitter oder eine Wimper kann also heftige Beschwerden machen. Umgekehrt sagt starker Schmerz allein nichts darüber aus, wie tief oder gefährlich die Verletzung ist. Ein eingedrungener Splitter kann sogar weniger schmerzen als ein oberflächliches Sandkorn.
Tränen, Blinzeln und Lidkrampf
Tränen und Blinzeln sind eine Schutzreaktion: Das Auge versucht, das Teilchen herauszuspülen. Bei sehr kleinen Fremdkörpern gelingt das oft. Dann sollten die Beschwerden laut einer belgischen Patienteninformation innerhalb von zwei Tagen ganz verschwinden.
Bei stärkerer Reizung kommt es zum Lidkrampf (Blepharospasmus): Das Lid schließt sich unwillkürlich, und das Auge lässt sich kaum öffnen. Das ist kein Zeichen einer schweren Verletzung, sondern ein Reflex. Es erschwert aber die Selbsthilfe; ein betäubender Tropfen in der Praxis löst den Krampf meist sofort.
Rötung und Schwellung
Das Auge wird rot, weil sich die Gefäße der Bindehaut als Reaktion auf die Reizung weiten. Sitzt der Fremdkörper auf der Hornhaut, bildet sich oft ein roter Ring rund um die Hornhaut (Fachbegriff: ziliare oder perikorneale Injektion). Das Lid kann leicht anschwellen, manchmal tritt etwas Schleim oder wässriger Ausfluss auf.
Eine rote Stelle ohne Schmerzen, die nach dem Reiben auftritt, ist häufig eine harmlose Blutung unter der Bindehaut. Nach einem Unfall mit fliegenden Teilen ist eine solche Einblutung aber ernst zu nehmen: Sie kann eine Wunde der Lederhaut oder einen eingedrungenen Splitter verdecken.
Lichtempfindlichkeit und Kopfschmerzen
Lichtempfindlichkeit (Photophobie) entsteht, wenn die Hornhaut gereizt oder verletzt ist. Licht löst dann einen schmerzhaften Krampf des Muskels aus, der die Pupille verengt. Betroffene blinzeln im Hellen, suchen den Schatten und haben manchmal begleitende Kopfschmerzen.
Lichtempfindlichkeit und Kopfschmerzen treten vor allem bei größeren oder tieferen Abschürfungen auf. Nehmen sie in den Tagen nach der Entfernung zu statt ab, kann das auf eine Entzündung der Hornhaut oder der Regenbogenhaut hinweisen.
Verschlechtert sich das Sehen?
Meist bleibt die Sehschärfe unverändert oder ist nur leicht verschwommen, vor allem durch Tränen. Deutlich unscharf wird das Sehen, wenn der Fremdkörper oder der Kratzer genau in der Mitte der Hornhaut liegt, also in der Sehachse. Auch Salben, die nach der Entfernung gegeben werden, trüben die Sicht vorübergehend.
Ein deutlicher Sehverlust direkt nach dem Unfall ist dagegen ein Warnzeichen. Er kann auf eine Verletzung im Augeninneren, eine Blutung oder einen eingedrungenen Splitter hindeuten und gehört sofort abgeklärt.
Sieht man den Fremdkörper selbst?
Manchmal ja: Manche Betroffenen sehen im Spiegel einen kleinen schwarzen oder braunen Punkt auf der Hornhaut. Das ist typisch für Metallsplitter. Viele Fremdkörper sind aber nur mit einer Lupe oder dem Mikroskop der Augenärztin sichtbar, Glas und durchsichtiger Kunststoff oft auch dann nur schwer.
Dass man nichts sieht, beweist also nicht, dass nichts mehr da ist. Teilchen unter dem Oberlid bleiben ohne Umstülpen des Lids immer unsichtbar.
Fremdkörper unter dem Oberlid: das typische Kratzen beim Blinzeln
Ein Teilchen, das an der Innenseite des Oberlids klebt, reibt bei jedem Lidschlag über die Hornhaut. Dadurch entstehen ein oder mehrere senkrechte, strichförmige Kratzer in der oberen Hornhaut. Das Kratzen wird mit jedem Blinzeln schlimmer und bessert sich, wenn man das Auge geschlossen hält.
Für Augenärzte sind diese senkrechten Linien ein sicheres Zeichen: Wer sie sieht, stülpt das Oberlid um und sucht dort. Holzspäne und Sägemehl verfangen sich besonders häufig unter dem Oberlid.
Fremdkörper unter dem Unterlid oder im Augenwinkel
Teilchen unter dem Unterlid machen meist weniger Beschwerden, weil das Unterlid beim Blinzeln kaum über die Hornhaut gleitet. Sie sind oft gut sichtbar, wenn man das Unterlid sanft herunterzieht und nach oben schaut. Wimpern, Staub und kleine Insekten sammeln sich häufig hier oder im inneren Augenwinkel, wo der Tränenfluss sie hintreibt.
Fremdkörper auf der Bindehaut
Auf der Bindehaut, also auf dem Weißen des Auges, liegen meist Sand, Staub, Pflanzenteile oder Insekten. Sie verursachen Rötung und Reiben, aber selten eine Sehstörung. Oft lassen sie sich durch Spülen entfernen, weil sie nicht in das Gewebe eingebettet sind.
Fremdkörper auf der Hornhaut
Auf der Hornhaut bleiben vor allem Teilchen mit hoher Geschwindigkeit stecken: Metallsplitter vom Schleifen, Schleifkörner, Funken und kleine Steinchen. Sie sind oft regelrecht eingebettet und lassen sich durch Spülen nicht lösen. Die meisten bleiben in der obersten Schicht (Epithel) oder erreichen die darunterliegende Bowman-Membran; nur wenige dringen in das tiefere Hornhautgewebe ein.
Häufig liegen nach dem Schleifen mehrere kleine Metallsplitter gleichzeitig in der Hornhaut. Deshalb untersucht die Augenärztin immer das ganze Auge, auch wenn nur ein Splitter zu spüren ist.
Rostring: Was bedeutet ein brauner Fleck um den Splitter?
Ein Rostring ist ein bräunlicher Hof um einen Eisen- oder Stahlsplitter, der in der Hornhaut steckt. Das Metall rostet auf der feuchten Hornhaut; laut der Clínica Universidad de Navarra kann sich der Ring bereits innerhalb von etwa vier Stunden bilden. Der Rost färbt das umliegende Gewebe und verzögert die Heilung.
Spürbar ist der Rostring selbst kaum anders als der Splitter: Fremdkörpergefühl, Rötung und Lichtempfindlichkeit halten an. Wer nach Schleifarbeiten einen braunen Punkt mit dunklem Rand im Auge sieht oder tagelang ein Reiben spürt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Rostring.
Beschwerden nach der Entfernung: Was ist noch normal?
Nach der Entfernung ist ein Kratzen, Jucken oder Fremdkörpergefühl für ein bis zwei Tage normal. Es kommt von der kleinen Wunde, die das Teilchen hinterlässt, nicht von einem Rest. Die Schmerzen lassen bei Abschürfungen meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden deutlich nach.
Nicht normal ist es, wenn das Auge in den Tagen danach röter wird, die Schmerzen zunehmen, Eiter auftritt oder die Sicht deutlich schlechter wird. Dann kann sich eine Infektion entwickelt haben, und eine erneute Kontrolle ist dringend.
Wiederkehrende Beschwerden nach Wochen oder Monaten
Selten bricht die verheilte Stelle Wochen oder Monate später wieder auf (wiederkehrende Hornhauterosion). Typisch sind plötzliche Schmerzen beim Aufwachen, wenn das Lid an der Hornhaut klebt und beim Öffnen die Oberfläche abreißt. Dazu kommen Tränen, Lichtempfindlichkeit, Lidkrampf und verschwommenes Sehen. Begünstigt wird das, wenn die Wunde schlecht verheilt ist.
Warnzeichen für einen eingedrungenen Fremdkörper
Ein eingedrungener Fremdkörper fühlt sich in den ersten Stunden oft an wie eine harmlose Hornhautabschürfung. Gerade kleine, schnelle Metallsplitter verursachen manchmal kaum Schmerzen, und das Unfallgeschehen wird gelegentlich gar nicht bemerkt. Entscheidend ist deshalb vor allem der Hergang.
Folgende Zeichen sprechen für eine Verletzung der Augenwand:
- Unfall mit hoher Geschwindigkeit: Schleifen mit dem Winkelschleifer, Bohren, Sägen, Hämmern von Metall auf Metall, Meißeln, Explosionen, Schrot
- deutlicher Sehverlust
- sichtbare punktförmige Wunde an Hornhaut oder Lederhaut
- unregelmäßige, verzogene oder tropfenförmige Pupille
- Blut in der vorderen Augenkammer (Hyphäma) oder Blut unter der Bindehaut nach dem Unfall
- austretende, klare Flüssigkeit aus dem Auge
- weich wirkender Augapfel, Lidwunde oder Wunde der Bindehaut
Bei einem dieser Zeichen gilt: nicht reiben, nicht drücken, nichts herausziehen und sofort in die Augenklinik. Der Abschnitt Wann sofort zum Arzt? beschreibt das Vorgehen.
Spätsymptome eines unentdeckten Splitters
Ein unentdeckter Splitter im Auge kann Tage bis Jahre später Beschwerden machen. Früh drohen eine Entzündung im Augeninneren mit zunehmender Rötung, Schmerz und Sehverschlechterung (Endophthalmitis) oder eine Regenbogenhautentzündung. Später kann ein eisenhaltiger Splitter das Auge durch Rostablagerungen schädigen (Siderose), ein kupferhaltiger durch Kupferablagerungen (Chalkose).
Hinweise sind nachlassendes Sehen oder eine wiederkehrende Entzündung. Wer sich an einen Unfall mit Schleifen oder Hämmern erinnert und solche Zeichen bemerkt, sollte das bei der Augenärztin ausdrücklich erwähnen.
Besonderheiten bei Kontaktlinsenträgern
Bei Kontaktlinsen kann sich ein Teilchen unter der Linse fangen und die Hornhaut bei jedem Lidschlag aufscheuern. Auch das Einsetzen oder grobe Herausnehmen der Linse verursacht Kratzer, die sich wie ein Fremdkörper anfühlen. Typisch sind Brennen und Reiben, das nach dem Herausnehmen der Linse nicht verschwindet.
Ein rotes, schmerzendes Auge bei Kontaktlinsenträgern ist immer ernst zu nehmen. Es kann eine bakterielle Hornhautentzündung oder ein Hornhautabszess sein, der rasch augenärztlich behandelt werden muss.
Woran erkennen Eltern einen Fremdkörper bei Kindern?
Kleine Kinder können ein Fremdkörpergefühl oft nicht beschreiben. Eltern bemerken stattdessen, dass das Kind ein Auge zukneift, reibt, weint, Licht meidet oder sich nicht ins Gesicht schauen lässt. Häufige Auslöser sind Sand auf dem Spielplatz oder am Strand und der Fingernagel eines Geschwisterkinds.
Ein Kind, das ein Auge nicht öffnen will, sollte am selben Tag augenärztlich untersucht werden. Kleine Kinder halten bei der Untersuchung oft nicht still; die Augenärztin hat dafür eigene Hilfsmittel. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät, bei Kindern unter fünf Jahren mit einer Augenverletzung immer ärztlichen Rat einzuholen.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige sehen oft mehr als die Betroffenen selbst: ein gerötetes, tränendes Auge, ein zugekniffenes Lid, häufiges Blinzeln und manchmal einen dunklen Punkt auf der Hornhaut. Bei Verdacht auf eine schwere Verletzung sind sie oft diejenigen, die den Transport organisieren müssen. Wichtig ist dann: Die betroffene Person sollte nicht selbst Auto fahren.
Besonderheiten bei älteren Menschen
Bei älteren Menschen können die Beschwerden weniger deutlich sein, und ein Fremdkörper fällt manchmal erst durch Rötung oder schlechtere Sicht auf. Wer ohnehin ein trockenes Auge hat, verwechselt das Fremdkörpergefühl zudem leicht mit den gewohnten Beschwerden. Spezielle Angaben zu dieser Altersgruppe enthalten die ausgewerteten Quellen nicht; im Zweifel sollte die Schwelle zum Arztbesuch niedrig sein.
Welche Erkrankungen fühlen sich ähnlich an?
Ein Fremdkörpergefühl ist nicht immer ein Fremdkörper. Ähnliche Beschwerden machen:
- Verblitzung nach Schweißen ohne Schutz oder nach Schnee und Höhensonne: beidseitig, mit starken Schmerzen und Lichtscheu, heilt meist in 48 Stunden (siehe Verblitzung)
- Bindehautentzündung: meist mit Absonderung, Verklebung am Morgen, oft beidseitig (siehe Bindehautentzündung)
- Hornhautentzündung, etwa durch Herpesviren oder Kontaktlinsenkeime
- Einwärts gedrehte Wimpern oder ein einwärts gedrehtes Lid, die ständig über die Hornhaut scheuern
- Trockenes Auge: Sandkorngefühl, meist beidseitig und über Wochen
- Verätzung durch Spritzer von Reinigungsmitteln, Kalk oder Zement
Ein Fremdkörpergefühl mit starkem Kopfschmerz, Übelkeit, hartem Auge und Sehen von farbigen Ringen um Lichter passt dagegen zu einem akuten Glaukomanfall und ist ein Notfall.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (7)
- Wie gelangt ein Fremdkörper ins Auge?
- Welche Fremdkörper sind am häufigsten?
- Warum sind Metallsplitter vom Schleifen besonders tückisch?
- Wo passieren die meisten Augenverletzungen?
- Wer hat ein erhöhtes Risiko?
- Was passiert in der Hornhaut, wenn ein Splitter steckt?
- Warum führt Reiben zu größeren Schäden?
Wie gelangt ein Fremdkörper ins Auge?
Meist wird ein Teilchen vom Wind, von einem Werkzeug oder durch eine Bewegung ins Auge geschleudert. Das Auge reagiert mit Lidschluss und Tränen, ist aber oft zu langsam. Je schneller das Teilchen fliegt, desto eher bleibt es in der Hornhaut stecken oder dringt sogar in das Auge ein.
Welche Fremdkörper sind am häufigsten?
Am häufigsten sind Staub, Sand und kleine Metallsplitter. Die ausgewerteten Quellen nennen:
| Art | Typische Situation | Besonderheit |
|---|---|---|
| Staub, Sand, Erde | Wind, Strand, Spielplatz, Gartenarbeit | meist auf der Bindehaut, Spülen hilft oft; Erde erhöht das Infektionsrisiko |
| Wimpern | Alltag, Schminken | meist harmlos, oft im Augenwinkel |
| Kleine Insekten | Radfahren, Motorradfahren, Laufen | klebt oft unter dem Lid; Insektenreste können reizen |
| Holzspäne, Sägemehl | Tischlerei, Heimwerken, Holzhacken | verfangen sich oft unter dem Oberlid; organisches Material, Infektionsgefahr |
| Pflanzenteile, Dornen, Zweige | Gartenarbeit, Umtopfen, Wald | höchstes Risiko für Pilz- und Bakterieninfektionen |
| Metallsplitter, Schleifkörner | Winkelschleifer, Schleifbock, Bohren, Schweißen, Kfz-Werkstatt | bleiben in der Hornhaut stecken, bilden Rostringe; bei hoher Geschwindigkeit Gefahr des Eindringens |
| Gips, Beton, Kalk, Zement | Bau, Renovieren | können zusätzlich verätzen |
| Glas, Kunststoff, Kohle, Steinchen | Unfälle, Bauarbeiten | Glas und Kunststoff sind schwer zu sehen |
| Kleiderfasern, Make-up-Reste | Alltag, Kosmetik | meist harmlos, aber reizend |
Warum sind Metallsplitter vom Schleifen besonders tückisch?
Metallsplitter vom Schleifen fliegen sehr schnell, sind heiß und bohren sich in die Hornhaut. Französische Universitätsaugenärzte nennen Schleifkörner (grains de meule) als typischsten Hornhautfremdkörper. Eisen und Stahl rosten dann auf der feuchten Hornhaut, deshalb soll Metall rasch entfernt werden.
Das größte Risiko ist das Eindringen in das Auge. Beim Hämmern von Metall auf Metall, beim Meißeln oder bei einer Explosion löst sich ein Splitter wie ein Geschoss. Er kann Hornhaut oder Lederhaut durchschlagen, auch wenn der Unfall harmlos wirkte. In einer tunesischen Studie zu eingedrungenen Fremdkörpern mit Augeninfektion war der Mechanismus in allen zehn Fällen das Hämmern, und der Fremdkörper war immer aus Metall.
Wo passieren die meisten Augenverletzungen?
Fast die Hälfte der Augenverletzungen passiert zu Hause, nicht am Arbeitsplatz. Nach dem Eye Injury Snapshot der AAO und der American Society of Ocular Trauma (USA) geschieht fast die Hälfte aller Augenverletzungen zu Hause. Heimwerken, Gartenarbeit, Putzen und Kochen verursachen dort über 40 % der Augenverletzungen, ein weiterer großer Anteil hängt mit Sport und Freizeit zusammen.
Am Arbeitsplatz sind Kfz-Werkstätten, Baustellen, Tischlereien, Metallverarbeitung und die Landwirtschaft besonders betroffen. Laut der Clínica Universidad de Navarra sind überwiegend junge Männer mit beruflicher Belastung betroffen; in der Notaufnahme kommen Männer bis zu siebenmal häufiger als Frauen.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Das Risiko steigt vor allem durch fehlenden Augenschutz. In der US-Erhebung trugen über 78 % der Verletzten keine Schutzbrille. Weitere Risikofaktoren sind:
- Arbeiten mit Winkelschleifer, Bohrer, Säge, Hammer und Meißel, Schweißgerät, Rasenmäher, Freischneider oder Heckenschere
- staubige Arbeitsumgebung und Arbeiten über Kopf
- Kontaktlinsen, besonders wenn sie schlecht sitzen, zu lange oder über Nacht getragen und unzureichend gereinigt werden
- trockene Augen, weil weniger Tränen das Teilchen ausspülen
- Radfahren und Motorradfahren ohne Brille
- Kleinkinder im Haushalt (Fingernägel), Make-up-Pinsel, Haarbürsten, Lockenstäbe
Was passiert in der Hornhaut, wenn ein Splitter steckt?
Die Hornhaut besteht aus mehreren Schichten. Ganz außen liegt das Epithel mit fünf bis sieben Zelllagen, das sich innerhalb von Tagen vollständig erneuert. Darunter liegen die Bowman-Membran und das Stroma, das etwa 90 % der Hornhautdicke ausmacht.
Bleibt der Fremdkörper im Epithel, heilt die Stelle ohne Narbe. Die Bowman-Membran erneuert sich dagegen nicht: Wird sie oder das Stroma verletzt, bleibt eine kleine Narbe. Ob sie stört, hängt davon ab, ob sie in der Sehachse liegt. Durchstößt ein Teilchen alle Schichten, gilt es als eingedrungener (intraokularer) Fremdkörper.
Warum führt Reiben zu größeren Schäden?
Reiben drückt den Fremdkörper tiefer in die Hornhaut und zieht ihn über die Oberfläche. Aus einem punktförmigen Fremdkörper wird so ein langer Kratzer. Besonders kantige, harte Teilchen wie Metall, Sand und Glas verursachen beim Reiben große Abschürfungen. Bei einem eingedrungenen Splitter kann Druck auf das Auge sogar Augeninhalt aus der Wunde pressen.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (11)
- Wie findet die Augenärztin einen Fremdkörper?
- Welche Fragen werden gestellt?
- Warum wird zuerst die Sehschärfe geprüft?
- Betäubungstropfen: Warum tut die Untersuchung nicht weh?
- Spaltlampe und Fluorescein-Färbung
- Warum wird das Oberlid umgestülpt?
- Seidel-Test: Ist das Auge dicht?
- Wann sind Röntgen, CT oder Ultraschall nötig?
- Warum ist eine MRT bei Metallsplittern verboten?
- Wie wird die Untersuchung dokumentiert?
- Welche Untersuchungen folgen bei Verdacht auf eine tiefe Verletzung?
Wie findet die Augenärztin einen Fremdkörper?
Die Augenärztin oder der Augenarzt findet einen Fremdkörper mit der Spaltlampe, einem Mikroskop mit starker Lichtquelle, meist nach Anfärben mit einem gelben Farbstoff. Vorher fragt sie nach dem Hergang und prüft die Sehschärfe. Die ganze Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und ist mit Betäubungstropfen schmerzfrei.
Welche Fragen werden gestellt?
Der Unfallhergang ist die wichtigste Information, weil er über das Risiko eines eingedrungenen Splitters entscheidet. Die Augenärztin fragt etwa:
- Was haben Sie gemacht: geschliffen, gehämmert, gebohrt, gemäht, Holz gehackt, gegärtnert?
- Aus welchem Material war das Teilchen, und trugen Sie eine Schutzbrille?
- Wann ist es passiert, und haben Sie schon selbst gespült oder etwas entfernt?
- Sehen Sie schlechter? Sind beide Augen betroffen?
- Tragen Sie Kontaktlinsen? Wann war die letzte Tetanusimpfung?
Warum wird zuerst die Sehschärfe geprüft?
Die Sehschärfe wird vor jeder Behandlung gemessen, um einen Ausgangswert zu haben. Sie zeigt, ob die Sehachse betroffen ist, und dient als Vergleich bei der Kontrolle. Bei Arbeitsunfällen hat dieser Wert auch eine rechtliche Bedeutung für die Unfallversicherung.
Betäubungstropfen: Warum tut die Untersuchung nicht weh?
Ein Tropfen eines örtlichen Betäubungsmittels macht die Hornhaut innerhalb von Sekunden gefühllos. Er löst auch den Lidkrampf, sodass das Auge offen gehalten werden kann. Die Wirkung hält nur kurz an; deshalb geben Ärzte diese Tropfen nie zum Mitnehmen mit (siehe Behandlung).
Spaltlampe und Fluorescein-Färbung
An der Spaltlampe untersucht die Augenärztin Lider, Bindehaut und Hornhaut stark vergrößert. Ein Tropfen Fluorescein färbt Stellen ohne schützende Oberfläche an. Unter kobaltblauem Licht leuchten Kratzer und nicht metallische Fremdkörper dann grün auf.
Die Lage der Kratzer verrät die Ursache: Senkrechte Linien in der oberen Hornhaut sprechen für ein Teilchen unter dem Oberlid. Schäden in der unteren Hornhaut passen eher zu einem trockenen Auge oder einer Reaktion auf Augentropfen.
Warum wird das Oberlid umgestülpt?
Weil sich viele Fremdkörper an der Innenseite des Oberlids verstecken. Die Augenärztin bittet Sie, nach unten zu schauen, legt ein Stäbchen auf das Oberlid und klappt es über das Stäbchen nach oben. Das ist ungewohnt, aber nicht schmerzhaft. Auch die Falten der Bindehaut werden abgesucht, denn oft gibt es mehr als ein Teilchen.
Seidel-Test: Ist das Auge dicht?
Mit dem Seidel-Test prüft die Augenärztin, ob die Augenwand verletzt ist. Dazu wird konzentrierter Farbstoff auf die verdächtige Stelle gegeben. Fließt dort klare Flüssigkeit aus dem Auge und verdünnt den Farbstoff zu einem hellen Bach, ist der Test positiv: Dann ist die Hornhaut durchbohrt und Kammerwasser tritt aus.
Wann sind Röntgen, CT oder Ultraschall nötig?
Bildgebung ist nötig, sobald ein Splitter im Auge vermutet wird. Gründe sind ein positiver Seidel-Test, eine unregelmäßige Pupille, eine sichtbare Wunde oder ein Unfall mit hoher Geschwindigkeit wie Hämmern, Schleifen oder eine Explosion. Mittel der Wahl ist heute meist eine Computertomographie (CT) der Augenhöhle.
Das französische Universitätslehrbuch nennt als Alternativen Röntgenaufnahmen der Augenhöhle und einen Ultraschall (B-Scan). Der Ultraschall findet auch Fremdkörper, die im Röntgen unsichtbar sind, etwa Holz oder Kunststoff. Bei offener Wunde wird er nur sehr vorsichtig und ohne Druck eingesetzt.
Warum ist eine MRT bei Metallsplittern verboten?
Eine Kernspintomographie (MRT) ist bei Verdacht auf Metall im Auge tabu. Das starke Magnetfeld kann einen magnetisierbaren Splitter bewegen und das Auge schwer verletzen. Wer beruflich viel schleift oder hämmert, sollte vor jeder späteren MRT auf diese Vorgeschichte hinweisen.
Wie wird die Untersuchung dokumentiert?
Bei Arbeitsunfällen werden Befund, Sehschärfe und gegebenenfalls Bilder sorgfältig festgehalten. Französische Fachleute betonen, dass eine frische Augenverletzung rechtliche Folgen haben kann. In Deutschland erfolgt die Meldung bei Arbeitsunfällen an die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse, in Österreich an die Unfallversicherung (AUVA). Geben Sie deshalb an, wenn der Unfall bei der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg passiert ist.
Welche Untersuchungen folgen bei Verdacht auf eine tiefe Verletzung?
Bei Verdacht auf eine tiefe Verletzung werden Vorderkammer, Linse und Netzhaut genau untersucht. Hinweise sind eine sehr flache oder ungewöhnlich tiefe Vorderkammer, Blut im Auge, eine trübe Linse oder ein fehlender roter Reflex aus dem Augenhintergrund. Den Augeninnendruck misst die Augenärztin bei offener Verletzung nicht, um keinen Druck auf das Auge auszuüben.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (14)
- Wie wird ein Fremdkörper entfernt?
- Spülen: Reicht das manchmal schon?
- Entfernung mit Wattestäbchen
- Entfernung mit Nadel oder Fremdkörperlöffel
- Wie wird ein Rostring entfernt?
- Welche Tropfen und Salben gibt es danach?
- Was hilft gegen die Schmerzen?
- Warum bekommt man keine Betäubungstropfen mit nach Hause?
- Warum keine Kortison-Augentropfen?
- Augenverband: ja oder nein?
- Was passiert bei einem eingedrungenen Fremdkörper?
- Wer entfernt Fremdkörper in Deutschland und Österreich?
- Welche Risiken hat die Entfernung?
- Was Sie nach der Behandlung beachten sollten
Wie wird ein Fremdkörper entfernt?
Die Augenärztin entfernt einen Fremdkörper stufenweise, vom schonendsten zum gründlicheren Verfahren: erst Spülen, dann ein feuchtes Wattestäbchen, bei fest sitzenden Teilchen eine feine Nadel oder ein kleiner Bohrer. Vorher wird das Auge mit Tropfen betäubt. Der Eingriff dauert meist nur Sekunden bis wenige Minuten und findet in der Praxis oder Ambulanz statt.
Spülen: Reicht das manchmal schon?
Ja, viele locker aufliegende Teilchen lösen sich bereits beim Spülen mit Kochsalzlösung. Der Strahl wird dabei nicht direkt auf den Fremdkörper gerichtet, um ihn nicht tiefer zu drücken. Spezielle Spüllinsen, die auf dem Auge aufliegen, sind bei Fremdkörpern ungeeignet, weil sie das Teilchen in die Hornhaut pressen können.
Entfernung mit Wattestäbchen
Liegt das Teilchen nur auf der Bindehaut oder lose auf der Hornhaut, nimmt die Augenärztin es mit einem sterilen, angefeuchteten Wattestäbchen auf. Sie tupft oder dreht dabei ganz sanft. Bei eingebetteten Fremdkörpern ist das Wattestäbchen ungeeignet: Es schabt dann großflächig die Oberfläche ab, ohne das Teilchen zu lösen.
Entfernung mit Nadel oder Fremdkörperlöffel
Fest sitzende Hornhautfremdkörper werden unter der Spaltlampe mit einer feinen Injektionsnadel, einer Lanzette oder einem kleinen Fremdkörperlöffel herausgehoben. Die Nadel wird immer seitlich, flach zur Hornhaut angesetzt und nie von vorne. Die Augenärztin stützt ihre Hand am Gesicht ab, damit eine plötzliche Bewegung nichts verletzt.
Sie selbst müssen dabei nur ruhig nach vorne schauen. Die meisten Menschen spüren außer einem leichten Druck nichts. Wenn Sie unruhig werden, sagen Sie es: Die Augenärztin unterbricht dann sofort.
Wie wird ein Rostring entfernt?
Ein Rostring wird unter der Spaltlampe vorsichtig ausgeschabt oder mit einem langsam drehenden, sehr feinen Bohrer (Fräse) abgetragen. Laut einer belgischen Patienteninformation lässt er sich leichter lösen, wenn kurz vorher eine fettige Salbe aufgetragen wurde. Der Rost muss nicht immer in derselben Sitzung vollständig entfernt werden.
Ist der Ring tief oder groß, tragen manche Augenärzte nur den oberflächlichen Teil ab und entfernen den Rest bei der Kontrolle nach etwa 24 Stunden. Bis dahin hat sich das Gewebe oft gelockert. Es ist also kein Fehler, wenn nach der ersten Behandlung noch ein brauner Rest sichtbar ist.
Welche Tropfen und Salben gibt es danach?
Nach der Entfernung bleibt eine kleine Wunde, die meist mit einer antibiotischen Augensalbe oder antibiotischen Tropfen versorgt wird. Ob das Antibiotikum Infektionen wirklich verhindert, ist laut MSD-Manual nicht durch Studien belegt. Es wird trotzdem üblicherweise gegeben, bis sich die Oberfläche geschlossen hat, meist für einige Tage.
- Kontaktlinsenträger bekommen ein Antibiotikum, das auch gegen den gefährlichen Keim Pseudomonas wirkt, etwa ein Fluorchinolon.
- Pupillenerweiternde Tropfen (Zykloplegika) lösen den schmerzhaften Krampf des inneren Augenmuskels. Danach ist die Pupille vorübergehend weit, das Auge blendempfindlicher und das Sehen in der Nähe unscharf.
- Pflegende Salben oder Tränenersatz machen das Auge geschmeidiger; ein französisches Notfallprotokoll nennt eine Vitamin-A-Salbe für die Nacht. Ihr Nutzen für die Heilung ist allerdings umstritten. Mehr zu Tränenersatzmitteln.
Was hilft gegen die Schmerzen?
Gegen die Schmerzen helfen übliche Schmerztabletten wie Paracetamol oder Ibuprofen. Das MSD-Manual nennt Paracetamol als Beispiel; welches Mittel für Sie passt, hängt von Ihren Vorerkrankungen ab. Schmerzstillende Augentropfen aus der Gruppe der Rheumamittel (NSAR) setzen Ärzte nur zurückhaltend ein; sie sind für Hornhautabschürfungen nicht zugelassen, wirken nicht besser als Tabletten und können selten die Hornhaut angreifen.
Warum bekommt man keine Betäubungstropfen mit nach Hause?
Betäubungstropfen sind nur für die Untersuchung gedacht und für zu Hause gefährlich. Bei wiederholter Anwendung verzögern sie die Heilung der Hornhaut und können schwere Hornhautgeschwüre auslösen. Außerdem verdecken sie eine Verschlechterung, sodass eine Infektion zu spät bemerkt wird.
Warum keine Kortison-Augentropfen?
Kortison-Tropfen sind bei frischen Hornhautwunden in der Regel tabu. Sie fördern Pilzinfektionen und können ein ruhendes Herpesvirus wieder aktivieren (siehe Herpes am Auge). Französische Notfallmediziner formulieren es deutlich: Kortison am Auge nie ohne augenärztliche Untersuchung. Reste alter Augentropfen aus der Hausapotheke sollten Sie deshalb nicht verwenden.
Augenverband: ja oder nein?
Bei einem gewöhnlichen Hornhautfremdkörper empfehlen aktuelle Quellen keinen Verband. Das MSD-Manual begründet das so: Ein Verband lindert den Schmerz nicht, beschleunigt die Heilung nicht und kann Infektionen begünstigen. Besonders bei Kontaktlinsenträgern und bei Verschmutzung durch Erde oder Pflanzen soll er unterbleiben.
Ältere Lehrbücher, etwa das französische Universitätslehrbuch von 2013, sahen noch einen Verband für 24 bis 48 Stunden vor. Eine belgische Patienteninformation meint, ein Abdecken könne den Schmerz durch Lidbewegungen lindern. Die Entscheidung trifft im Einzelfall die Augenärztin. Bei Verdacht auf eine offene Verletzung ist ein Druckverband dagegen immer verboten.
Was passiert bei einem eingedrungenen Fremdkörper?
Ein eingedrungener Fremdkörper wird so schnell wie möglich in einer Augenklinik operativ entfernt. Bis zur Operation schützt eine starre Kappe das Auge, ohne darauf zu drücken. Sie bleiben nüchtern, weil der Eingriff meist in Vollnarkose erfolgt, und bekommen Mittel gegen Übelkeit, denn Erbrechen erhöht den Druck im Auge.
In der Operation wird die Wunde unter dem Mikroskop untersucht, der Fremdkörper entfernt und Hornhaut oder Lederhaut schichtweise genäht. Meist werden Antibiotika direkt ins Auge und über die Vene gegeben, um eine Infektion im Augeninneren zu verhindern. Der Tetanusschutz wird geprüft und bei Bedarf aufgefrischt. Kortison ist bis zum Wundverschluss verboten.
Liegt der Splitter tief im Auge, ist manchmal ein zweiter Eingriff am Glaskörper nötig. Wird die Linse verletzt, entsteht oft ein Wundstar (Grauer Star), der später operiert und durch eine Kunstlinse ersetzt wird. Ein Klinikaufenthalt ist häufig; die Universitätsaugenklinik Jules-Gonin in Lausanne nennt eine Arbeitsunfähigkeit von ein bis drei Monaten.
Wer entfernt Fremdkörper in Deutschland und Österreich?
Zuständig ist die Augenärztin oder der Augenarzt, außerhalb der Sprechzeiten die augenärztliche Notfallambulanz einer Klinik. In Deutschland vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 dienstbereite Praxen, in Österreich hilft die Gesundheitshotline 1450 weiter. Die Entfernung ist eine Kassenleistung.
Bei einem Arbeitsunfall in Deutschland ist die Durchgangsärztin bzw. der Durchgangsarzt der Berufsgenossenschaft die erste Anlaufstelle; Augenärzte dürfen Augenverletzungen aber direkt behandeln. In Österreich ist die AUVA zuständig. In Belgien entfernen laut der dortigen Hausarzt-Leitlinie auch Hausärzte einfache Fremdkörper; im deutschsprachigen Raum ist bei Hornhautfremdkörpern der Augenarzt die übliche Adresse, weil nur er Spaltlampe und Werkzeug für Rostringe hat.
Welche Risiken hat die Entfernung?
Die Entfernung eines oberflächlichen Fremdkörpers ist sehr risikoarm. Möglich sind eine etwas größere Abschürfung, eine vorübergehende Bindehautreizung und sehr selten eine Infektion. Das MSD-Manual nennt eine Durchbohrung der Hornhaut und eine Infektion im Augeninneren als äußerst seltene Komplikationen.
Was Sie nach der Behandlung beachten sollten
Nach der Behandlung sollten Sie das Auge schonen und die Anweisungen genau befolgen. Die Quellen nennen übereinstimmend:
- Salbe oder Tropfen wie verordnet anwenden, auch wenn es schon besser ist.
- Nicht reiben, auch wenn es juckt.
- Keine Kontaktlinsen bis zur vollständigen Heilung. Das MSD-Manual nennt mindestens fünf Tage nach Abheilung, das Moorfields Eye Hospital meist zwei bis vier Wochen; die Augenärztin legt das fest.
- Kein Augen-Make-up, bis die Wunde verheilt ist.
- Sonnenbrille gegen die Lichtempfindlichkeit.
- Nicht Auto fahren, solange die Pupille erweitert ist oder Salbe die Sicht trübt.
- Kontrolle nach ein bis zwei Tagen, besonders nach Metallsplittern, Rostring und bei organischem Material.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (7)
Wie lange dauert die Heilung?
Ein oberflächlicher Fremdkörper heilt nach der Entfernung meist in ein bis drei Tagen. Kleine Kratzer schließen sich oft über Nacht, größere Abschürfungen brauchen zwei bis drei Tage, sehr große bis zu einer Woche. Die Schmerzen lassen meist schon nach 24 bis 48 Stunden deutlich nach.
Bleibt eine Narbe?
Nur, wenn die Verletzung tiefer als die oberste Hornhautschicht reichte. Das Epithel erneuert sich vollständig und heilt ohne Spuren. Wurde die Bowman-Membran oder das tiefere Hornhautgewebe verletzt, bleibt eine kleine, meist punktförmige Trübung.
Außerhalb der Sehachse merkt man von einer solchen Narbe meist nichts. Liegt sie zentral, kann sie das Sehen mindern, blenden oder eine unregelmäßige Hornhautverkrümmung verursachen. Sehr selten sind dann weitere Eingriffe bis hin zu einer Hornhauttransplantation nötig.
Was bleibt nach einem Rostring?
Nach einem Rostring bleibt häufig ein kleiner, bräunlicher oder grauer Punkt zurück. Die Heilung dauert etwas länger als nach einem einfachen Fremdkörper, weil der Rost das Gewebe reizt und örtlich schädigen kann. Wird Rost nicht vollständig entfernt, hält die Reizung an; deshalb ist die Kontrolle wichtig.
Monate bis Jahre später kann an der Stelle eines früheren Metallsplitters ein kleiner weißer Ring aus Kalk- und Fettablagerungen auftreten (Coats-Ring). Er macht keine Beschwerden und braucht keine Behandlung.
Welche Komplikationen sind möglich?
Die wichtigste Komplikation ist eine Infektion der Hornhaut. Sie zeigt sich durch zunehmende Rötung und Schmerzen, Eiter, einen weißen Fleck auf der Hornhaut und schlechtere Sicht. Das Risiko ist höher bei Kontaktlinsen, bei Pflanzenmaterial, Holz und Erde.
- Bakterielle Hornhautentzündung bis zum Hornhautgeschwür: entwickelt sich in Tagen, muss intensiv mit Tropfen behandelt werden (siehe Hornhautentzündung).
- Pilzinfektion nach Holz, Dornen und Pflanzenteilen: verläuft schleichend und spricht schlechter auf Behandlung an als bakterielle Infekte.
- Wiederkehrende Hornhauterosion: die Oberfläche bricht Wochen bis Monate später morgens wieder auf, vor allem nach schlechter Heilung; das ist selten.
- Regenbogenhautreizung: Lichtempfindlichkeit und dumpfer Schmerz, meist vorübergehend.
Reine Metallpartikel sind nach der Entfernung dagegen nur selten mit Keimen belastet.
Welche Folgen hat ein eingedrungener Fremdkörper?
Die Prognose eines eingedrungenen Fremdkörpers ist deutlich ernster und hängt vom Ort, dem Material und vor allem von der Zeit bis zur Operation ab. Mögliche Folgen sind:
- Infektion im Augeninneren (Endophthalmitis): sehr gefährlich, kann zur Erblindung führen.
- Netzhautablösung: nach Verletzung oft schwieriger zu behandeln als eine spontane Netzhautablösung.
- Wundstar: eine verletzte Linse trübt sich; die Operation bringt oft gute Ergebnisse.
- Glaukom: ein erhöhter Augendruck kann noch Jahre später auftreten.
- Siderose oder Chalkose: ein verbliebener Eisen- oder Kupfersplitter schädigt über Jahre die Netzhaut.
- Sympathische Ophthalmie: eine seltene Autoimmun-Entzündung, die Wochen bis Jahre später das gesunde Auge befällt.
In einer tunesischen Studie mit 60 Patienten mit eingedrungenem Fremdkörper (2007 bis 2017) entwickelten 16,7 % eine Infektion im Augeninneren. Die Fremdkörper wurden dort im Mittel erst nach 10,7 Tagen entfernt; die Autoren sehen ein erhöhtes Risiko, wenn die Versorgung später als 24 Stunden erfolgt. Die Zahlen gelten für eine schwer verletzte Gruppe mit verzögerter Versorgung und sind nicht auf Deutschland oder Österreich übertragbar. Sie zeigen aber, warum schnelles Handeln zählt.
Wie lange muss man nach einer schweren Verletzung kontrolliert werden?
Nach einem eingedrungenen Fremdkörper empfiehlt die Universitätsaugenklinik Jules-Gonin lebenslange Kontrollen. Das Risiko für das andere Auge lässt sich auch nach gelungener Operation nicht ganz ausschließen. Wer nach einer solchen Verletzung Rötung, Schmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Sehverschlechterung am gesunden Auge bemerkt, sollte umgehend in die Augenklinik.
Wann kann man wieder arbeiten und Auto fahren?
Nach einem einfachen Fremdkörper meist nach ein bis zwei Tagen, sobald die Schmerzen nachgelassen haben und die Sicht klar ist. Solange die Pupille durch Tropfen erweitert ist oder Salbe die Sicht trübt, sollten Sie nicht Auto fahren und keine Maschinen bedienen. Nach einer Operation wegen eines eingedrungenen Fremdkörpers kann die Arbeitsunfähigkeit Wochen bis Monate dauern.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (8)
Schützt eine Schutzbrille wirklich?
Ja. Nach Angaben der AAO ließen sich etwa 90 % der Augenverletzungen durch eine geeignete Schutzbrille verhindern. Trotzdem trägt laut derselben US-Erhebung nur gut ein Drittel der Befragten bei Reparaturen im Haus immer eine Schutzbrille, und von den Verletzten, die überhaupt eine Brille trugen, hatten nur etwa 5 % eine Schutz- oder Sportbrille auf.
Welche Brille ist die richtige?
Für Schleif-, Meißel- und Überkopfarbeiten braucht es eine seitlich vollständig abschließende Brille (Korbbrille), keine normale Brille. Das gilt auch beim Heimwerken. Eine Korrekturbrille schützt nicht ausreichend: Ihre Gläser können splittern, und Teilchen fliegen seitlich vorbei.
- Schleifen, Trennen, Bohren in Metall und Stein, Meißeln, Hämmern: Korbbrille oder Gesichtsschutzschild
- Rasenmähen, Freischneider, Heckenschneiden, Holzhacken: Schutzbrille oder Visier
- Schweißen: Schweißschirm mit passendem Filter, zusätzlich gegen Funken und UV-Licht (Verblitzung)
- Arbeiten mit Kalk, Zement, Reinigern: dicht schließende Brille gegen Spritzer
- Radfahren und Motorradfahren: Sonnen- oder Sportbrille, Visier
Achten Sie beim Kauf auf eine Kennzeichnung für Augenschutz nach der europäischen Norm (EN 166). Für Brillenträger gibt es Überbrillen und Schutzbrillen mit Korrekturgläsern.
Was gilt am Arbeitsplatz?
In Deutschland und Österreich muss der Arbeitgeber für Arbeiten mit Augengefahr geeigneten Augenschutz stellen, und Beschäftigte müssen ihn tragen. Typische Beispiele sind Schleifen, Fräsen, Schweißen und der Umgang mit ätzenden Flüssigkeiten. Augenspülflaschen oder eine Augendusche sollten in Werkstätten griffbereit sein.
Zu Hause und im Garten
Weil fast die Hälfte der Augenverletzungen zu Hause passiert, lohnt sich die Schutzbrille vor allem beim Heimwerken. Der Griff zur Brille gehört vor das Einschalten von Winkelschleifer, Bohrmaschine oder Rasenmäher. Auch bei Gartenarbeit mit Zweigen, Dornen und spitzen Blättern schützt eine Brille.
- Beim Arbeiten über Kopf (Bohren an der Decke, Abschlagen von Putz) immer eine dichte Brille tragen.
- Unbeteiligte, vor allem Kinder, aus dem Arbeitsbereich fernhalten.
- Fingernägel von Kleinkindern kurz halten.
- Vorsicht mit Make-up-Pinseln, Haarbürsten und Lockenstab vor dem Auge.
Kontaktlinsen richtig handhaben
Kontaktlinsen nur nach Anweisung tragen, gründlich reinigen, nicht darin schlafen und nicht länger als vorgesehen nutzen. Gut sitzende Linsen und saubere Hände senken das Risiko für Kratzer und Infektionen. Bei Rötung oder Schmerzen die Linse herausnehmen und nicht wieder einsetzen, bis die Ursache geklärt ist.
Einen kleinen Fremdkörper selbst richtig entfernen
Ein kleines Teilchen wie Staub, eine Wimper oder eine Mücke dürfen Sie selbst ausspülen. Die Clínica Universidad de Navarra, MedlinePlus und der NHS beschreiben ähnliche Schritte:
- Hände mit Wasser und Seife waschen. Kontaktlinsen vorsichtig herausnehmen.
- Ins Helle setzen, Kopf leicht nach hinten. Mehrmals kräftig blinzeln; Tränen spülen viele Teilchen von selbst heraus.
- Mit klarem Leitungswasser, Wasser aus der Flasche oder Kochsalzlösung spülen. Kopf zur betroffenen Seite neigen und das Wasser vom inneren zum äußeren Augenwinkel laufen lassen. Das Auge dabei offen halten, sanft, ohne harten Strahl.
- Unterlid kontrollieren: nach oben schauen und das Unterlid sanft herunterziehen. Ein sichtbares Teilchen mit der Spitze eines sauberen, angefeuchteten Taschentuchs oder Wattestäbchens aufnehmen.
- Unter dem Oberlid: Laut MedlinePlus gelingt das Umklappen leichter, wenn die Person nach unten schaut und ein Wattestäbchen außen auf das Oberlid gelegt wird. Wer darin nicht geübt ist, überlässt das besser der Augenärztin.
- Gelingt es nicht oder bleibt das Gefühl: zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
Ein Teilchen, das auf der farbigen Regenbogenhaut oder der Pupille, also auf der Hornhaut, sitzt, sollten Sie nicht selbst entfernen. Gleiches gilt für alle Splitter nach Schleifen, Hämmern oder Metallarbeiten: Diese gehören immer in augenärztliche Hände.
Was Sie auf keinen Fall tun sollten
Das Wichtigste: nicht reiben, auch wenn der Reflex stark ist. Weitere Fehler, vor denen alle Quellen warnen:
- Mit Nadeln, Pinzetten, Fingernägeln, Streichhölzern oder Magneten am Auge hantieren
- Einen festsitzenden Fremdkörper aus der Hornhaut kratzen
- Einen im Auge steckenden Gegenstand herausziehen
- Auf das Auge drücken oder einen festen Druckverband anlegen
- Alte Augentropfen, besonders mit Kortison oder Betäubungsmittel, verwenden
- Kontaktlinsen wieder einsetzen, solange das Auge gereizt ist
- Mit einem verletzten Auge selbst Auto fahren
Was tun, wenn Chemikalien mit im Spiel sind?
Sofort und ausgiebig spülen, mindestens 15 bis 20 Minuten, und dann in die Augenklinik. Kalk, Zement, Mörtel, Reiniger und Backofensprays können zusätzlich zum Fremdkörper eine Verätzung verursachen. Nehmen Sie, wenn möglich, die Verpackung mit. Mehr dazu im Artikel Verätzung des Auges.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (5)
Wann muss ich sofort in die Augenklinik?
Sofort, wenn ein Teilchen in das Auge eingedrungen sein könnte oder das Auge sichtbar verletzt ist. Das gilt bei:
- einem Unfall mit hoher Geschwindigkeit: Schleifen, Hämmern von Metall auf Metall, Meißeln, Bohren, Sägen, Explosion, Schrot, zersplitterte Scheibe
- einem Gegenstand, der im Auge steckt
- deutlichem Sehverlust, auch wenn die Schmerzen gering sind
- sichtbarer Wunde, verzogener oder unregelmäßiger Pupille, Blut im Auge
- auslaufender Flüssigkeit, Blut oder Eiter aus dem Auge
- starken Schmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, oder wenn sich das Auge nicht öffnen oder bewegen lässt
- Spritzern von Chemikalien (vorher 15 bis 20 Minuten spülen)
Notruf in Deutschland und Österreich: 112 (in Österreich auch 144 für die Rettung).
Was tun auf dem Weg in die Klinik?
Bei Verdacht auf eine offene Verletzung gilt: nichts herausziehen, nicht spülen, nicht drücken. Decken Sie das Auge locker mit einer starren Abdeckung ab, etwa dem Boden eines Papp- oder Plastikbechers, der nur am Knochen um das Auge aufliegt und mit Klebeband befestigt wird. Kein Pflaster und kein Druckverband direkt auf das Auge.
- Nichts mehr essen und trinken, weil eine Operation in Narkose nötig sein kann.
- Nicht selbst Auto fahren; bringen lassen oder den Rettungsdienst rufen.
- Möglichst wenig bewegen, nicht pressen, nicht schnäuzen.
- Auch das gesunde Auge geschlossen halten, weil sich beide Augen gemeinsam bewegen.
- Impfpass mitnehmen, um den Tetanusschutz prüfen zu lassen.
Wann am selben Tag zur Augenärztin?
Am selben Tag, wenn das Fremdkörpergefühl nach gründlichem Spülen bleibt, wenn Metall im Auge war oder ein brauner Punkt zu sehen ist. Bei Metall gilt laut der belgischen Patienteninformation: keine Zeit verlieren, weil sich Rost bilden kann. Ebenso am selben Tag bei Kontaktlinsenträgern mit rotem, schmerzendem Auge und bei Kindern, die ein Auge nicht öffnen wollen. Außerhalb der Sprechzeiten ist die augenärztliche Notfallambulanz einer Klinik zuständig.
Wann innerhalb von ein bis zwei Tagen?
Innerhalb von ein bis zwei Tagen, wenn die Beschwerden nach dem Spülen zwar nachlassen, aber nicht ganz verschwinden. Der britische NHS rät zu ärztlichem Rat, wenn eine leichte Augenverletzung nach 24 Stunden nicht besser ist. Laut der belgischen Patienteninformation sollten die Beschwerden nach spätestens zwei Tagen ganz verschwunden sein; sonst sollte eine Augenärztin nachsehen. Auch die vereinbarte Kontrolle nach der Entfernung gehört in diesen Zeitraum.
Warnzeichen nach der Behandlung
Rasch zurück zur Augenärztin, wenn nach der Entfernung die Rötung oder die Schmerzen zunehmen statt abnehmen, wenn Eiter auftritt, ein weißer Fleck auf der Hornhaut sichtbar wird oder die Sicht schlechter wird. Das kann auf eine Infektion hindeuten. Nach einer schweren Augenverletzung gilt das auch für Reizung, Schmerzen oder Lichtempfindlichkeit am anderen Auge. Eine Übersicht über alle Warnzeichen am Auge finden Sie unter Notfall am Auge.
9 Häufige Fragen
Was tun, wenn mir etwas ins Auge geflogen ist?
Nicht reiben, sondern mehrmals blinzeln und das Auge mit viel klarem Wasser spülen, vom inneren zum äußeren Augenwinkel. Ein sichtbares Teilchen auf dem Unterlid können Sie mit einem sauberen, feuchten Taschentuch aufnehmen. Bleibt das Fremdkörpergefühl, war Metall im Spiel oder sehen Sie schlechter, gehen Sie am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
Darf ich einen Metallsplitter selbst aus dem Auge entfernen?
Nein. Metallsplitter vom Schleifen oder Hämmern stecken meist fest in der Hornhaut und können sogar ins Auge eingedrungen sein. Selbstversuche mit Nadeln, Pinzetten oder Magneten verletzen die Hornhaut zusätzlich. Gehen Sie noch am selben Tag zur Augenärztin, nach Hämmern von Metall auf Metall oder bei Sehverlust sofort in die Augenklinik.
Was ist ein Rostring im Auge?
Ein Rostring ist ein bräunlicher Hof um einen Eisen- oder Stahlsplitter in der Hornhaut. Er kann sich innerhalb weniger Stunden bilden, weil das Metall auf der feuchten Hornhaut rostet. Die Augenärztin trägt ihn unter Betäubungstropfen mit einer feinen Nadel oder einem kleinen Bohrer ab, manchmal in zwei Sitzungen. Danach bleibt oft ein kleiner, meist nicht störender Punkt zurück.
Wie bekomme ich etwas unter dem Oberlid heraus?
Zuerst kräftig blinzeln und mit viel Wasser spülen; oft löst sich das Teilchen dabei. Geübte Helfer können das Oberlid umklappen, während Sie nach unten schauen und ein Wattestäbchen außen auf dem Lid liegt. Klappt das nicht, stülpt die Augenärztin das Oberlid schmerzfrei um und entfernt das Teilchen.
Warum fühlt es sich an, als wäre noch etwas im Auge, obwohl nichts mehr da ist?
Weil das Teilchen eine kleine Wunde auf der Hornhaut hinterlassen hat, die sich beim Blinzeln wie ein Fremdkörper anfühlt. Dieses Gefühl ist ein bis zwei Tage lang normal und lässt dann nach. Hält es länger an oder wird es stärker, sollte eine Augenärztin nachsehen, ob doch noch ein Rest oder eine Entzündung vorliegt.
Tut die Entfernung eines Fremdkörpers beim Augenarzt weh?
Nein, die Hornhaut wird vorher mit Tropfen betäubt, und auch das Umstülpen des Lids ist nicht schmerzhaft. Sie spüren meist nur einen leichten Druck. Wenn die Betäubung nachlässt, kann die kleine Wunde für ein bis zwei Tage schmerzen; übliche Schmerztabletten helfen dann.
Wie lange dauert es, bis das Auge nach einem Fremdkörper verheilt ist?
Meist ein bis drei Tage. Kleine Kratzer heilen oft über Nacht, größere Abschürfungen in zwei bis drei Tagen, sehr große in etwa einer Woche. Nach einem Rostring oder einer Infektion kann es länger dauern.
Wann darf ich nach einem Fremdkörper wieder Kontaktlinsen tragen?
Erst wenn die Hornhaut vollständig verheilt ist und die Augenärztin zustimmt. Die Angaben reichen von mindestens fünf Tagen nach der Abheilung (MSD-Manual) bis zu zwei bis vier Wochen (Moorfields Eye Hospital). Eine Linse auf einer frischen Wunde erhöht das Risiko für eine schwere Hornhautinfektion.
Brauche ich nach einem Fremdkörper im Auge einen Augenverband?
In der Regel nicht. Aktuelle Quellen raten bei leichten Hornhautverletzungen vom Verband ab, weil er die Heilung nicht beschleunigt und Infektionen begünstigen kann. Ältere Lehrbücher empfahlen ihn noch; im Einzelfall entscheidet die Augenärztin. Bei Verdacht auf eine offene Verletzung ist nur eine starre Abdeckung ohne Druck erlaubt.
Kann man durch einen Fremdkörper im Auge erblinden?
Bei einem oberflächlichen Fremdkörper ist das sehr unwahrscheinlich; er heilt fast immer folgenlos. Gefährlich sind eingedrungene Splitter, die zu einer Infektion im Augeninneren, einer Netzhautablösung oder Spätschäden durch Metall führen können. Deshalb gehören Unfälle mit Schleifen, Hämmern oder Explosionen sofort in die Augenklinik.
Muss ich nach einem Fremdkörper im Auge gegen Tetanus geimpft werden?
Bei einer offenen Augenverletzung wird der Tetanusschutz geprüft und bei Bedarf aufgefrischt. Für rein oberflächliche Fremdkörper machen die ausgewerteten Quellen keine eigene Angabe. Nehmen Sie den Impfpass mit und fragen Sie Ihre Ärztin, ob eine Auffrischung fällig ist.
Welche Schutzbrille schützt beim Schleifen vor Splittern?
Eine seitlich vollständig geschlossene Korbbrille oder ein Gesichtsschutzschild mit Kennzeichnung nach EN 166. Eine normale Korrekturbrille reicht nicht, weil Splitter seitlich vorbeifliegen und Gläser brechen können. Laut AAO ließen sich etwa 90 % der Augenverletzungen durch geeigneten Augenschutz verhindern.
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- HornhautverletzungEine Hornhautverletzung (Erosio corneae) ist ein Kratzer oder eine Schürfung der obersten Zellschicht der Hornhaut, etwa durch einen Fingernagel, einen Ast oder eine Kontaktlinse. Sie tut sehr weh, heilt mit richtiger Behandlung aber meist innerhalb weniger Tage folgenlos ab.
- Verätzung des AugesEine Verätzung des Auges entsteht, wenn eine Lauge oder Säure ins Auge gelangt, etwa Reiniger, Kalk, Zement oder Batteriesäure. Sie ist immer ein Notfall: Sofort mindestens 15 Minuten mit Wasser spülen, die Lider dabei weit aufhalten, den Notruf wählen und in die Augenklinik.
- Prellung des AugesEine Prellung des Auges (Contusio bulbi) entsteht durch stumpfe Gewalt, etwa durch einen Ball, eine Faust oder einen Sektkorken, meist ohne dass der Augapfel aufreißt. Hinter einem harmlos wirkenden blauen Auge können Blut im Auge, Netzhautschäden oder ein Bruch der Augenhöhle stecken; deshalb gehört jede Prellung mit Sehstörung, Doppelbildern oder starken Schmerzen sofort in augenärztliche Hände.
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- BindehautentzündungDie Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine Entzündung der dünnen Schleimhaut, die das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider überzieht. Sie ist die häufigste entzündliche Augenerkrankung, betrifft Kinder wie Erwachsene, wird meist durch Viren, Bakterien oder Allergien ausgelöst und heilt in den meisten Fällen innerhalb von ein bis drei Wochen folgenlos ab.
Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 21 Quellen anzeigen
- Kleine Fremdkörper im Auge – gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) (DE)
- Globusverletzung – MSD Manual, Profi-Ausgabe (deutsch) (DE)
- Eye injuries – NHS (EN)
- What Is Corneal Abrasion and Erosion? – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Corneal abrasion – Moorfields Eye Hospital NHS Foundation Trust (EN)
- Eye injuries (Tips & Prevention) – American Academy of Ophthalmology (EN)
- Abrasions et corps étrangers cornéens – Manuel MSD, édition professionnelle (FR)
- Abrasions de la cornée et corps étrangers dans la cornée – Manuel MSD, version grand public (FR)
- Lésion du globe oculaire – Manuel MSD, édition professionnelle (FR)
- Chapitre 10 : Œil rouge (Urgences 2014) – Société Française de Médecine d'Urgence (SFMU) (FR)
- Item 330 : Traumatismes oculaires – Collège des Ophtalmologistes Universitaires de France (COUF), 2013 (FR)
- Corps étranger dans l'œil – InfoSanté (Belgique), nach EBPnet (FR)
- Plaie perforante et corps étranger intraoculaire – Hôpital ophtalmique Jules-Gonin, Lausanne (FR)
- Corps étranger intraoculaire et endophtalmie : facteurs de risque et prise en charge – The Pan African Medical Journal, 2019;33:258 (FR)
- Abrasiones corneales y cuerpos extraños en la córnea – Manual MSD, versión para público general (ES)
- Abrasiones corneales y cuerpos extraños corneales – Manual MSD, versión profesional (ES)
- Cuerpos extraños (Consejos de salud) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Cuerpo extraño corneal (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Cuerpos extraños intraoculares – Manual Merck, versión para público general (ES)
- Cómo quitar un cuerpo extraño del ojo – Manual Merck, versión profesional (ES)
- Ojo: cuerpo extraño – MedlinePlus en español (National Library of Medicine) (ES)
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