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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Allgemeinerkrankungen und Auge

Augenschäden durch Medikamente (okuläre Nebenwirkungen von Arzneimitteln)

Viele Medikamente, die man wegen ganz anderer Krankheiten einnimmt, können Hornhaut, Linse, Netzhaut, Sehnerv oder den Augeninnendruck beeinflussen – am bekanntesten Hydroxychloroquin (Netzhaut), Kortison (Grauer und Grüner Star), Ethambutol und Amiodaron (Sehnerv), Tamsulosin (Probleme bei der Star-Operation) und Topiramat (akuter Glaukomanfall). Die meisten Schäden sind selten und früh erkannt beherrschbar; entscheidend sind Kontrollen nach Plan, Warnzeichen zu kennen und das Medikament nie eigenmächtig abzusetzen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 44 Minuten · 33 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (5)

Was sind Augenschäden durch Medikamente?

Augenschäden durch Medikamente sind unerwünschte Wirkungen von Arzneimitteln am Auge, die man wegen einer ganz anderen Krankheit nimmt – etwa wegen Rheuma, Herzrhythmusstörungen, Tuberkulose, Migräne, Prostatabeschwerden oder Akne. Betroffen sein können Hornhaut, Linse, Netzhaut, Sehnerv, Pupille, Tränenfilm und der Augeninnendruck. Fachleute sprechen von okulären Nebenwirkungen oder okulärer Toxizität.

Für fast jedes Medikament ist irgendeine Augenwirkung beschrieben. Die meisten davon sind Einzelfälle. Wirklich wichtig sind wenige Wirkstoffe, weil sie häufig verordnet werden oder weil der Schaden das Sehen bedrohen kann.

Welche Medikamente sind für die Augen am wichtigsten?

Am wichtigsten sind Hydroxychloroquin und Chloroquin, Kortison, Topiramat, Amiodaron, Ethambutol, Tamsulosin, Isotretinoin, Sildenafil und bestimmte Krebsmedikamente. Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, die in Leitlinien und Übersichtsarbeiten am häufigsten genannt werden.

WirkstoffWofür eingesetztMögliche Wirkung am AugeBemerkt man es?
Hydroxychloroquin, ChloroquinRheumatoide Arthritis, LupusBleibender Netzhautschaden um die MakulaAnfangs nein – nur durch Kontrollen
Kortison (Glukokortikoide)Entzündungen, Allergien, Asthma, RheumaGrauer Star, erhöhter Augeninnendruck, Grüner Star, seltener Flüssigkeit unter der NetzhautDruck: nein; Star: langsam zunehmend
TopiramatEpilepsie, MigränePlötzliche Kurzsichtigkeit, akuter GlaukomanfallJa, plötzlich und meist beidseitig
AmiodaronHerzrhythmusstörungenHornhautablagerungen (meist harmlos), selten SehnervschadenAblagerungen meist nicht; Sehnerv teils
EthambutolTuberkuloseSehnervschaden mit Verlust von Sehschärfe und FarbsehenJa, schleichend über Wochen
Tamsulosin und andere AlphablockerGutartige ProstatavergrößerungSchlaffe Iris bei der Star-Operation (Floppy-Iris-Syndrom)Nein – erst bei der Operation
IsotretinoinSchwere AkneTrockene Augen, Lidrandentzündung, schlechteres NachtsehenJa
Sildenafil, TadalafilErektionsstörungenVorübergehender Blaustich; sehr selten Durchblutungsstörung des SehnervsJa
Bestimmte KrebsmedikamenteKrebsJe nach Wirkstoff Netzhaut, Hornhaut, Augenoberfläche, EntzündungTeils

Merkt man einen Medikamentenschaden am Auge selbst?

Oft nicht, zumindest nicht früh. Gerade die gefährlichsten Schäden – an der Netzhaut unter Hydroxychloroquin und am Sehnerv durch einen von Kortison erhöhten Augendruck – verlaufen lange ohne Beschwerden. Deshalb gibt es für einige Medikamente feste Kontrollpläne beim Augenarzt.

Andere Nebenwirkungen kündigen sich deutlich an: der akute Glaukomanfall mit starken Schmerzen, die plötzliche Kurzsichtigkeit unter Topiramat oder das zunehmend verschwommene Sehen unter Ethambutol.

Was ist die wichtigste Regel?

Setzen Sie ein Medikament nie auf eigene Faust ab, auch wenn Sie Angst um Ihre Augen haben. Die Grunderkrankung kann sich dadurch gefährlich verschlechtern: Ein Lupus kann aufflammen, eine Tuberkulose resistent werden, eine Herzrhythmusstörung zurückkehren. Melden Sie neue Sehstörungen stattdessen rasch der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt und lassen Sie die Augen untersuchen. Ob, wann und wie umgestellt wird, entscheiden beide Fachrichtungen gemeinsam mit Ihnen.

Sind die Schäden dauerhaft?

Das hängt vom Medikament ab. Vieles bildet sich nach dem Absetzen zurück: Hornhautablagerungen, trockene Augen, die Kurzsichtigkeit unter Topiramat, meist auch ein kortisonbedingter Druckanstieg. Schäden an Netzhaut und Sehnerv können dagegen bleiben. Ein Grauer Star durch Kortison bildet sich bei Erwachsenen nicht zurück, lässt sich aber gut operieren.

2 Symptome

In diesem Kapitel (17)

Warum machen viele Medikamentenschäden anfangs keine Beschwerden?

Weil sie oft an Stellen beginnen, die man im Alltag kaum nutzt, oder weil das Gehirn kleine Ausfälle ausgleicht. Ein Netzhautschaden unter Hydroxychloroquin beginnt neben der Stelle des schärfsten Sehens, die Sehschärfe bleibt lange normal. Ein erhöhter Augeninnendruck schmerzt nicht, und Gesichtsfeldausfälle am Rand fallen erst spät auf, weil das andere Auge sie überdeckt.

Wer ein Risikomedikament nimmt, sollte sich daher nicht auf das eigene Gefühl verlassen. Die vereinbarten Kontrollen sind der eigentliche Schutz. Zusätzlich lohnt es sich, die typischen Warnzeichen zu kennen.

Welche Beschwerden passen zu welchem Teil des Auges?

Die Art der Beschwerden verrät oft, welcher Teil des Auges betroffen ist – unabhängig davon, welches Medikament dahintersteckt.

Betroffener TeilTypische BeschwerdenBeispiele für Auslöser
Tränenfilm, AugenoberflächeBrennen, Fremdkörpergefühl, Rötung, schwankendes Sehen, Kontaktlinsen werden nicht mehr vertragenIsotretinoin, Betablocker, Antihistaminika, Antidepressiva, manche Krebsmedikamente
HornhautLichtempfindlichkeit, Farbringe (Halos) um Lichter, Sandkorngefühl, leicht verschwommenes SehenAmiodaron, Hydroxychloroquin, Phenothiazine
LinseLangsam zunehmend trübes, „gedämpftes“ Sehen, Blendung beim Autofahren, blassere FarbenKortison, seltener Allopurinol oder Phenothiazine
Kammerwinkel (akuter Verschluss)Starke Augen- und Kopfschmerzen, rotes Auge, Nebelsehen, Farbringe, Übelkeit, ErbrechenTopiramat, Anticholinergika, manche Antidepressiva, Sulfonamide
Augeninnendruck (chronisch)Keine – erst spät GesichtsfeldausfälleKortison in jeder Form
Makula, NetzhautLeseprobleme, fehlende Buchstaben, verzerrte Linien, grauer Fleck in der Mitte, schlechteres NachtsehenHydroxychloroquin, Tamoxifen, Kortison, MEK-Hemmer, Fingolimod, Pioglitazon
SehnervVerschwommenes Sehen, Farben wirken „entsättigt“, besonders Rot, Ausfall in der Mitte des BlickfeldsEthambutol, Amiodaron, Linezolid, Isoniazid
Uvea, Lederhaut (Entzündung)Schmerz, Rötung, Lichtscheu, Schleier, „fliegende Mücken“Bisphosphonate, Rifabutin, Checkpoint-Hemmer
Augenbewegung, PupilleDoppelbilder, Augenzittern, Probleme beim Scharfstellen in der NäheGabapentin, Carbamazepin, Benzodiazepine, Anticholinergika

Wie zeigt sich ein Netzhautschaden durch Hydroxychloroquin oder Chloroquin?

Am Anfang meist überhaupt nicht. Die deutsche Leitlinie betont, dass die Sehschärfe zur Früherkennung ungeeignet ist, weil die Netzhautmitte (Fovea) erst spät betroffen ist. Messbare Schäden können also schon bestehen, während man noch völlig normal sieht.

Wenn Beschwerden auftreten, sind es typischerweise:

  • Leseprobleme ohne schlechtere Sehschärfe: Buchstaben oder Wortteile verschwinden kurz, das Lesen wird mühsamer, obwohl man auf der Sehtafel noch gut abschneidet.
  • Kleine Ausfälle neben der Mitte (parazentrale Skotome), oft ringförmig um den Fixierpunkt.
  • Veränderte Farbwahrnehmung, mehr Blendung, gelegentlich Lichtblitze oder verzerrtes Sehen.
  • Im Spätstadium deutlich schlechtere Sehschärfe und Gesichtsfeldverlust bis zur gesetzlichen Blindheit.

Der Schaden ist praktisch immer beidseitig. Bei Menschen europäischer Herkunft beginnt er meist rund um die Makula. Bei Menschen asiatischer und teils afrikanischer Herkunft liegt er häufiger weiter außen, nahe den großen Gefäßbögen, und bleibt dort noch länger unbemerkt. Das ringförmige „Schießscheiben-Muster“ (Bull’s-Eye-Makulopathie), das man früher als typisch beschrieb, ist ein spätes Zeichen.

Hornhautablagerungen und Scharfstellprobleme

Unabhängig von der Netzhaut können sich feine, wirbelförmige Ablagerungen in der Hornhaut bilden (Cornea verticillata). Sie machen selten mehr als leichte Lichthöfe um Lampen und gehen nach dem Absetzen zurück. Laut französischer Fachinformation kommt außerdem dosisabhängig verschwommenes Sehen durch eine gestörte Naheinstellung vor. Beides sagt nichts über einen Netzhautschaden aus.

Woran merkt man einen Grauen Star durch Kortison?

An einem langsam zunehmend trüben, verschleierten Sehen, oft mit starker Blendung. Kortison erzeugt eine besondere Form, die Trübung an der Rückfläche der Linse (hintere subkapsuläre Katarakt). Sie liegt genau im Strahlengang und stört deshalb früher als der gewöhnliche Altersstar.

  • Gegenlicht, Scheinwerfer und tief stehende Sonne blenden stark, Nachtfahrten werden unangenehm.
  • Lesen fällt schwerer, besonders bei hellem Licht, weil sich die Pupille dann verengt.
  • Farben und Kontraste wirken blasser, Stufen und Bordsteinkanten sind schlechter zu erkennen.
  • Die Beschwerden kommen über Monate, nicht über Nacht.

Mehr zu Beschwerden und Operation lesen Sie im Beitrag Grauer Star.

Macht ein erhöhter Augendruck durch Kortison Beschwerden?

Nein, in aller Regel nicht. Der kortisonbedingte Druckanstieg verläuft wie ein gewöhnliches Offenwinkelglaukom: schmerzlos, ohne Rötung, ohne Sehverschlechterung. Erst wenn der Sehnerv bereits Schaden genommen hat, fallen Lücken im Gesichtsfeld auf, zunächst punktförmig oder bogenförmig am Rand.

Bei sehr hohen Werten, wie sie vor allem nach Kortisonspritzen ins oder ans Auge vorkommen, können dumpfer Augenschmerz, Kopfschmerz und verschwommenes Sehen hinzukommen. Das ist der seltenere Fall. Der Druck wird deshalb gemessen, nicht erfühlt. Hintergrund zur Erkrankung finden Sie unter Grüner Star.

Was ist die Flüssigkeit unter der Netzhaut, die Kortison auslösen kann?

Kortison in jeder Form kann eine zentrale seröse Chorioretinopathie auslösen oder verschlimmern: Flüssigkeit sammelt sich unter der Makula und hebt sie leicht an. Typisch ist ein einseitiges, plötzlich verschwommenes oder verzerrtes Sehen in der Mitte, ein grauer oder bräunlicher Fleck, Gegenstände wirken kleiner, Farben blasser. Das passiert auch bei Kortisoncremes, Sprays und Spritzen. Nähere Informationen bietet der Beitrag Zentrale seröse Chorioretinopathie.

Wie kündigt sich die plötzliche Kurzsichtigkeit unter Topiramat an?

Mit einem plötzlich verschwommenen Sehen in die Ferne auf beiden Augen, meist innerhalb der ersten Wochen nach Beginn der Einnahme oder nach einer Dosiserhöhung. Topiramat wird gegen Epilepsie und zur Migränevorbeugung eingesetzt. In Fallberichten begannen die Beschwerden nach etwa sieben bis neun Tagen; sehr selten auch erst nach Monaten.

Häufig kommt es gleichzeitig zu einem Winkelverschluss mit stark erhöhtem Augendruck. Dann treten zusätzlich auf:

  • Augenschmerzen und Kopfschmerzen, oft beidseitig
  • gerötete Augen
  • Nebelsehen, Farbringe um Lichter
  • Übelkeit, manchmal Erbrechen

Die Beidseitigkeit ist ein wichtiger Hinweis. Ein gewöhnlicher Glaukomanfall betrifft meist nur ein Auge. Auch Kinder können betroffen sein; beschrieben ist der Fall eines Siebenjährigen. Kinder sagen oft nur, dass sie „schlecht sehen“ oder Kopfweh haben – die zeitliche Nähe zum neuen Medikament ist dann der entscheidende Hinweis.

Welche Beschwerden hat ein Glaukomanfall durch pupillenerweiternde Medikamente?

Dieselben wie jeder akute Glaukomanfall: plötzliche, starke Schmerzen in Auge und Kopf, ein hartes, rotes Auge, deutliches Nebelsehen, Farbringe um Lichtquellen, Übelkeit und Erbrechen. Der Augendruck kann dabei auf 50 bis 70 mmHg steigen, normal sind etwa 10 bis 21 mmHg.

Ausgelöst wird er von Wirkstoffen, die die Pupille erweitern: anticholinerg wirkende Mittel (etwa gegen Blasenschwäche, Übelkeit oder Reisekrankheit), ältere Antihistaminika, trizyklische Antidepressiva, manche Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Antipsychotika, einige Asthma- und Parkinsonmittel. Gefährdet sind nur Menschen mit anatomisch engem Kammerwinkel, oft Weitsichtige. Der Anfall tritt meist einseitig auf, häufig abends oder im Dunkeln. Alles Weitere steht unter Akuter Glaukomanfall.

Viele Beipackzettel warnen pauschal vor einer Einnahme „bei Glaukom“. Gemeint ist der enge Kammerwinkel. Wer ein gewöhnliches Offenwinkelglaukom hat, kann solche Mittel nach spanischen Übersichten in der Regel nehmen, sollte die Augenärztin oder den Augenarzt aber informieren.

Was bemerkt man von Amiodaron am Auge?

Meist nichts. Bei 70 bis 100 Prozent der Menschen, die Amiodaron länger einnehmen, bilden sich graubraune, wirbelförmige Ablagerungen in der Hornhaut. Sie sind an der Spaltlampe auffällig, stören das Sehen aber kaum. Bei starker Ausprägung kommen Blendung, Lichtempfindlichkeit oder farbige Ringe um Lichter vor.

Selten, bei etwa 0,4 bis 2 Prozent, entsteht ein Sehnervschaden (Amiodaron-Optikusneuropathie). Er äußert sich als nachlassende Sehschärfe auf einem oder beiden Augen, schleichend oder plötzlich, mit gestörtem Farbsehen und Gesichtsfeldausfällen. Fast ein Drittel der Betroffenen hat dabei zunächst keine Beschwerden. Im Mittel beginnt er einige Monate nach Therapiebeginn, in den meisten Fällen innerhalb des ersten Jahres. Weil Amiodaron-Patienten oft Gefäßrisiken haben, ist die Abgrenzung zu einer gewöhnlichen Durchblutungsstörung des Sehnervs schwierig.

Wie fühlt sich ein Sehnervschaden durch Ethambutol an?

Wie ein langsam zunehmender Schleier auf beiden Augen, verbunden mit verblassenden Farben. Ethambutol ist ein Tuberkulosemittel. Der Schaden betrifft die Fasern des Sehnervs, die das zentrale Sehen tragen.

  • Verschwommenes, „wolkiges“ Sehen, die Brille scheint nicht mehr zu passen
  • Lesen wird schwierig, Gesichter werden schlechter erkannt
  • Farben sind schwerer zu unterscheiden, meist Rot und Grün, manchmal Blau und Gelb
  • Ausfall in der Mitte des Blickfelds (Zentralskotom)
  • Kein Schmerz, keine Rötung

Die Beschwerden beginnen typischerweise nach drei bis fünf Monaten Behandlung, möglich ist ein Beginn zwischen etwa einem und zwölf Monaten. Selten verschlechtert sich das Sehen auch innerhalb von Stunden bis Tagen. Zu Beginn kann der Augenhintergrund völlig normal aussehen. Ein normales Farbsehen schließt einen Schaden nicht aus.

Hat man durch Tamsulosin Beschwerden am Auge?

Nein. Tamsulosin und andere Alphablocker gegen Prostatabeschwerden verursachen im Alltag keine spürbaren Augenprobleme. Das Problem zeigt sich erst bei einer Operation des Grauen Stars: Die Iris ist schlaff, flattert im Spülstrom, neigt dazu, aus dem Schnitt zu fallen, und die Pupille zieht sich während des Eingriffs zusammen, obwohl sie vorher medikamentös erweitert wurde. Fachleute nennen das intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS).

Weiß das Operationsteam Bescheid, lässt sich die Operation meist problemlos anpassen. Wird das Syndrom überrascht, steigt das Risiko für Komplikationen. Nach einer solchen Operation können vorübergehend verschwommenes Sehen und Lichtempfindlichkeit auftreten; in einem Schweizer Fallbericht dauerte das etwa einen Monat.

Welche Augenbeschwerden macht Isotretinoin?

Vor allem trockene, gereizte Augen. Isotretinoin gegen schwere Akne hemmt die Talgdrüsen – auch die Meibom-Drüsen am Lidrand, die die Fettschicht des Tränenfilms bilden. In einer großen israelischen Auswertung hatten 13,8 Prozent der Behandelten im ersten Jahr Augenprobleme, deutlich mehr als Menschen mit Akne ohne Isotretinoin.

  • Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung, schwankendes Sehen – Tropfen gegen Trockenheit brauchten etwa 4 Prozent
  • Bindehautentzündung (etwa 4 Prozent), Lidrandentzündung, Gerstenkorn und Hagelkorn
  • Kontaktlinsen werden oft nicht mehr vertragen
  • Schlechteres Sehen in der Dämmerung und nachts, teils plötzlich – Vorsicht beim Autofahren
  • Selten Hornhauttrübungen oder Hornhautentzündung, Lichtempfindlichkeit, veränderte Farbwahrnehmung

Die meisten Beschwerden verschwinden nach dem Ende der Behandlung. Laut französischer Fachinformation kann das verminderte Nachtsehen in seltenen Fällen bleiben.

Warum sieht man nach Sildenafil manchmal alles bläulich?

Weil Sildenafil und verwandte Wirkstoffe nicht nur das Zielenzym PDE5 hemmen, sondern in geringerem Maß auch PDE6 in den Lichtsinneszellen der Netzhaut. Typisch ist ein vorübergehender Blaustich etwa ein bis zwei Stunden nach der Einnahme, dazu Lichtempfindlichkeit oder leicht verschwommenes Sehen, vor allem bei höheren Dosen. Das verschwindet von selbst.

Sehr selten wurde ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme beschrieben – eine Durchblutungsstörung des Sehnervs (nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, NAION). Bei einer solchen Durchblutungsstörung fehlt oft die untere oder obere Hälfte des Blickfelds; viele bemerken das beim Aufwachen. Ob das Medikament die Ursache ist, ist nicht bewiesen; die Betroffenen hatten meist eigene Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck oder einen kleinen, engen Sehnervenkopf. Seltener werden auch eine zentrale seröse Chorioretinopathie oder ein Arterienverschluss berichtet.

Welche Augenbeschwerden machen Krebsmedikamente?

Das hängt stark vom Wirkstoff ab, denn moderne Krebsmedikamente greifen an sehr unterschiedlichen Stellen an. Häufig sind trockene Augen, Tränenträufeln, Lidrand- und Bindehautentzündungen. Einige Gruppen haben typische Muster:

  • MEK-Hemmer (zum Beispiel bei Melanom): kleine Flüssigkeitsblasen unter der Netzhaut, meist in den ersten Tagen bis Wochen, beidseitig, oft ohne Beschwerden oder mit leichtem Verschwommensehen. Sie bilden sich meist von selbst zurück. Selten kommt es zu einem Venenverschluss.
  • Checkpoint-Hemmer (Immuntherapie): trockene Augen und Entzündungen im Augeninneren (Uveitis) mit Rötung, Schmerz und Lichtscheu; schwere Entzündungen sind selten.
  • EGFR-Hemmer: vor allem Probleme der Augenoberfläche, Hornhaut und Wimpern.
  • Tamoxifen (Brustkrebs): feine, glitzernde Kristalle in der Netzhaut, selten ein Makulaödem, Hornhautablagerungen oder ein Grauer Star. Bei heutigen Dosen sind schwere Formen selten.

Neue Sehstörungen unter einer Krebstherapie sollten Sie immer dem Behandlungsteam melden; laut französischen Empfehlungen sollen Betroffene dann umgehend augenärztlich gesehen werden.

Welche weiteren Medikamente können Sehstörungen machen?

Eine ganze Reihe, meist selten. Die folgende Auswahl stammt aus spanischen, französischen und englischen Übersichten.

  • Vigabatrin (Epilepsie): schleichende, ringförmige Einengung des Gesichtsfelds, die oft erst bemerkt wird, wenn sie fortgeschritten ist; häufig bleibend.
  • Digoxin (Herz): Gelbsehen, flimmernde Flecken, verschwommenes Sehen – oft ein Zeichen zu hoher Blutspiegel; nach Anpassung rückläufig.
  • Fingolimod (Multiple Sklerose) und Pioglitazon (Diabetes): Wassereinlagerung in der Makula mit verschwommenem, verzerrtem Sehen; siehe Makulaödem.
  • Pentosanpolysulfat (Blasenentzündung): Pigmentveränderungen der Makula nach langer Einnahme, mit Leseproblemen und schlechterer Dunkelanpassung.
  • Bisphosphonate (Osteoporose): Bindehautentzündung, Episkleritis, Skleritis oder Uveitis mit Rötung und Schmerz, oft einige Wochen nach Beginn.
  • Tetrazykline (zum Beispiel Doxycyclin gegen Akne): erhöhter Hirndruck mit morgendlichen Kopfschmerzen, Übelkeit, kurzen Schwarzwerden-Episoden und Doppelbildern; unbehandelt droht bleibender Sehverlust.
  • Gabapentin, Carbamazepin, Benzodiazepine: Augenzittern, Doppelbilder, Probleme beim Scharfstellen.
  • Linezolid, Isoniazid, Metronidazol: seltene Sehnervschäden, ähnlich wie bei Ethambutol.
  • Blutverdünner: Einblutungen unter die Bindehaut (harmlos aussehender roter Fleck, heilt in etwa drei Wochen) oder selten in die Netzhaut und den Glaskörper.
  • Phenothiazine (ältere Antipsychotika) in hoher Dosis: Pigmentierung von Lid, Bindehaut und Hornhaut, selten Netzhautschäden.

Trockene Augen als häufigste Nebenwirkung

Viele gängige Medikamente verringern die Tränenmenge: Betablocker, entwässernde Mittel (Thiazide), ältere Antihistaminika, trizyklische Antidepressiva, Antipsychotika, Parkinson- und Blasenmittel, hormonelle Verhütung und manche Asthmamittel. Auch Augentropfen selbst – Glaukomtropfen, abschwellende Tropfen, Konservierungsmittel – können die Oberfläche reizen. Mehr dazu unter Trockenes Auge.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige fallen oft Veränderungen im Verhalten auf, bevor die betroffene Person selbst klagt. Das gilt besonders bei älteren Menschen, bei Menschen mit Demenz und bei kleinen Kindern.

  • Die Person liest weniger, hält Zeitung oder Handy anders, macht Licht an, wo es früher nicht nötig war.
  • Sie verwechselt Farben, erkennt Gesichter auf Distanz schlechter, stolpert an Stufen.
  • Sie vermeidet Autofahren in der Dämmerung oder klagt über Blendung.
  • Kinder unter Ethambutol oder Topiramat sitzen näher am Fernseher, reiben sich die Augen, sind ungeschickter oder haben neu Kopfschmerzen.
  • Ein plötzlich rotes, schmerzhaftes Auge mit Erbrechen – häufig als Magen-Darm-Infekt oder Migräne verkannt.

Gibt es Besonderheiten bei Kindern und älteren Menschen?

Ja. Kleine Kinder können Sehstörungen kaum beschreiben. Unter Ethambutol empfehlen Fachleute deshalb, dass Eltern gezielt auf Veränderungen bei alltäglichen Sehaufgaben achten. Kinder unter sechs Jahren reagieren zudem häufiger mit einem Druckanstieg auf Kortison; in einer Studie an Kindern mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung reagierte fast jedes dritte Kind unter Prednison mit erhöhtem Augendruck.

Ältere Menschen nehmen oft viele Medikamente gleichzeitig und haben häufiger eine eingeschränkte Nierenfunktion, die Wirkstoffe wie Hydroxychloroquin und Ethambutol anreichert. Neue Sehstörungen werden bei ihnen leicht dem Alter oder einem beginnenden Grauen Star zugeschrieben. Gerade bei ihnen lohnt die Frage: Hat sich an den Medikamenten etwas geändert?

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (9)

Warum ist das Auge für Medikamente so empfindlich?

Weil es stark durchblutet ist, sehr stoffwechselaktive Zellen enthält und manche Wirkstoffe sich in seinem Gewebe anreichern. Die Lichtsinneszellen und das darunterliegende Pigmentepithel der Netzhaut haben einen besonders hohen Umsatz. Wirkstoffe wie Hydroxychloroquin binden an das Pigment und bleiben dort lange. Der Sehnerv besteht aus langen Nervenfasern, die empfindlich auf Störungen der Energieversorgung reagieren.

Hinzu kommt, dass Pupille, Linse und Kammerwasserabfluss von Botenstoffen gesteuert werden, die auch im übrigen Körper wirken. Ein Medikament, das an der Blase oder Prostata ansetzt, trifft dieselben Rezeptoren in der Iris.

Welche Faktoren erhöhen das Risiko allgemein?

Die wichtigsten sind hohe Dosis, lange Einnahmedauer und eine eingeschränkte Nierenfunktion. Daneben spielen mehrere Medikamente gleichzeitig, höheres Alter, vorbestehende Augenerkrankungen und bei einigen Wirkstoffen eine erbliche Veranlagung eine Rolle.

  • Dosis und Dauer: Bei Hydroxychloroquin, Ethambutol, Tamoxifen und Kortison steigt das Risiko mit der täglichen und der insgesamt eingenommenen Menge.
  • Nieren: Viele Wirkstoffe werden über die Nieren ausgeschieden. Bei Nierenschwäche bleiben mehr im Körper.
  • Anatomie des Auges: Ein enger Kammerwinkel macht anfällig für Glaukomanfälle; ein kleiner, enger Sehnervenkopf für Durchblutungsstörungen.
  • Vorerkrankungen: Ein Glaukom in der Familie, starke Kurzsichtigkeit oder Typ-1-Diabetes erhöhen die Empfindlichkeit für Kortison; eine diabetische Netzhauterkrankung die für Pioglitazon.

Was erhöht das Risiko bei Hydroxychloroquin?

Vor allem eine Dosis über 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag und eine Einnahme über mehr als fünf Jahre. Die deutsche S1-Leitlinie von DOG, BVA und Retinologischer Gesellschaft (2025) nennt als Höchstdosis 5,0 mg/kg Körpergewicht für Hydroxychloroquin und 2,3 mg/kg für Chloroquin. Die Leitlinie schreibt nur „Körpergewicht“ und stützt sich dabei auf die amerikanische Empfehlung. Diese und die britische Empfehlung rechnen ausdrücklich mit dem tatsächlichen Körpergewicht, nicht mit dem Idealgewicht.

  • Dosis über der empfohlenen Grenze – über 5 mg/kg steigt das Risiko nach 20 Jahren auf über 50 Prozent
  • Einnahmedauer über fünf Jahre
  • Nierenerkrankung mit verminderter Filterleistung – eine halbierte Nierenfunktion verdoppelt etwa das Risiko
  • Gleichzeitige Einnahme von Tamoxifen
  • Vorbestehende Makulaerkrankung (erschwert vor allem die Beurteilung)
  • Möglicherweise genetische Faktoren, etwa Varianten des ABCA4-Gens; noch nicht gesichert

Chloroquin hat ein ungünstigeres Nebenwirkungsprofil, auch weil die Tabletten mit 250 mg größer sind und eine Überdosierung bei leichteren Menschen schneller passiert. Die deutsche Leitlinie weist darauf hin, dass sich die Dosis über die Woche anpassen lässt, etwa durch unterschiedliche Tablettenzahl an verschiedenen Tagen. Wichtig ist aber auch: Eine zu niedrige Dosis kann beim Lupus zu mehr Schüben führen. Die Dosis legt die rheumatologische Fachärztin oder der Facharzt fest.

Unterschied in Frankreich

Die französische Fachinformation nennt als Schwelle 6,5 mg/kg pro Tag, bezogen auf das Idealgewicht, und führt ein Alter über 65 Jahren als Risikofaktor. Die neueren deutschen, britischen und amerikanischen Empfehlungen nennen dagegen 5 mg/kg; für die meisten Menschen ist das die strengere Grenze.

Wie schadet Kortison dem Auge?

Kortison erhöht den Widerstand im Abflusssystem des Kammerwassers, dem Trabekelwerk, und trübt die Linse von hinten. Im Trabekelwerk wird weniger Zwischenzellsubstanz abgebaut, das Sieb „verstopft“, der Druck steigt. An der Linse verändert Kortison vermutlich die Aktivität der Linsenzellen.

Wie stark jemand reagiert, ist sehr unterschiedlich. Ein Teil der Bevölkerung reagiert auf Kortison am Auge mit deutlichem Druckanstieg („Steroid-Responder“); die Schätzungen schwanken stark. Höher ist das Risiko bei:

  • bestehendem Offenwinkelglaukom oder Glaukom bei Eltern oder Geschwistern
  • früherer Druckreaktion auf Kortison
  • Typ-1-Diabetes, starker Kurzsichtigkeit, Bindegewebserkrankungen
  • Kindern unter sechs Jahren und älteren Menschen
  • nach einer Hornhauttransplantation

Spielt die Darreichungsform eine Rolle?

Ja, eine große. Am riskantesten für den Augendruck sind Kortison-Augentropfen und Spritzen in oder neben das Auge. Danach folgen Tabletten und Infusionen, vor allem in höherer Dosis über Monate. Für den Grauen Star sind Dosis und Dauer der Tabletteneinnahme besonders wichtig. Inhaliertes Kortison und Cremes im Gesicht oder am Lid können ebenfalls wirken. Kortison-Nasensprays gelten nach einer Auswertung von Studien mit über 2.000 Menschen als wenig riskant; ganz ausgeschlossen ist eine Wirkung aber nicht.

Der Druck steigt bei Augentropfen meist nach drei bis sechs Wochen, bei Spritzen um das Auge nach Wochen bis Monaten, bei Spritzen in das Auge bei etwa der Hälfte schon nach zwei bis vier Wochen.

Warum wird die Iris unter Tamsulosin schlaff?

Tamsulosin blockiert Alpha-1A-Rezeptoren, die nicht nur in der Prostata sitzen, sondern auch im Muskel, der die Pupille weit stellt (Musculus dilatator pupillae). Bei längerer Einnahme bildet sich dieser Muskel zurück. Die Iris verliert Spannung, die Pupille lässt sich bei der Operation nicht ausreichend weit stellen.

Tamsulosin wirkt besonders gezielt auf diesen Rezeptortyp; die deutsche Arzneimittelkommission (AkdÄ) beschreibt ein bis zu 40-fach höheres Risiko als unter Alfuzosin. Auch Doxazosin und andere Alphablocker können ein Floppy-Iris-Syndrom auslösen, aber seltener. Weitere diskutierte Risikofaktoren sind höheres Alter, Bluthochdruck, Finasterid, bestimmte Blutdruckmittel (Sartane), Benzodiazepine und manche Antipsychotika. Auch Frauen, die Tamsulosin zum Beispiel wegen eines Nierensteins bekamen, können betroffen sein. Als Risikofaktor gilt eine Einnahme über mindestens drei Monate; der Effekt wurde noch Jahre nach dem Absetzen beschrieben.

Wie lösen Medikamente einen Glaukomanfall aus?

Auf zwei verschiedenen Wegen. Das ist wichtig, weil sich die Behandlung unterscheidet.

  • Pupillenblock durch Pupillenerweiterung: Anticholinergika, manche Antidepressiva und ähnliche Wirkstoffe erweitern die Pupille. Bei einem ohnehin engen Kammerwinkel legt sich die Irisbasis vor den Abfluss, das Kammerwasser staut sich. Gefährdet sind fast nur Menschen mit dieser Anlage, oft weitsichtige und ältere. Nach einer Operation des Grauen Stars ist das Risiko sehr gering, weil die Kunstlinse viel Platz schafft.
  • Aderhauterguss durch Topiramat und Sulfonamide: Hier sammelt sich Flüssigkeit im Ziliarkörper und in der Aderhaut. Linse und Iris werden nach vorn gedrückt, der Kammerwinkel wird von hinten zugeschoben, die Linse wölbt sich – das erklärt die plötzliche Kurzsichtigkeit. Weil kein Pupillenblock vorliegt, hilft ein Laserloch in der Iris hier nicht, und pupillenverengende Tropfen können sogar schaden.

Was steckt hinter dem Sehnervschaden durch Ethambutol?

Der genaue Mechanismus ist nicht geklärt. Diskutiert wird, dass Ethambutol Zink und Kupfer bindet und so die Energieversorgung der Nervenzellen stört; in Tierversuchen sind vor allem die Ganglienzellen der Netzhaut betroffen. Klar ist die Dosisabhängigkeit:

TagesdosisHäufigkeit eines Sehnervschadens
15 mg/kgunter 1 bis etwa 2 Prozent
25 mg/kgetwa 5 bis 6 Prozent
über 35 mg/kgetwa 18 Prozent oder mehr

Die Angaben schwanken je nach Studie. Eine Übersichtsarbeit über viele Tuberkulose-Studien fand bei etwa 2 von 100 Behandelten Sehstörungen; die meisten bildeten sich zurück, bleibende Schäden betrafen etwa 2 bis 4 von 1.000.

Zusätzliche Risikofaktoren sind eine Nierenschwäche (häufigster Grund für eine relative Überdosierung), höheres Alter, geringes Körpergewicht, Diabetes, Mangelernährung, Rauchen und Alkohol sowie die gleichzeitige Einnahme von Isoniazid oder Linezolid, die selbst den Sehnerv schädigen können.

Warum lagert sich Amiodaron in der Hornhaut ab?

Amiodaron bildet mit Fettbestandteilen der Zellen Komplexe, die sich in den oberflächlichen Hornhautzellen ansammeln und durch den Lidschlag zum typischen Wirbelmuster verteilt werden. Höhere Tagesdosen führen häufiger und schneller dazu. Wie Amiodaron in seltenen Fällen den Sehnerv schädigt, ist nicht genau bekannt. Männer und Menschen mit Bluthochdruck scheinen häufiger betroffen; ein Teil der Fälle könnte eine gewöhnliche Durchblutungsstörung sein, die nur zufällig mit der Einnahme zusammenfällt.

Wie wirken Isotretinoin und Sildenafil auf das Auge?

Isotretinoin legt die Meibom-Drüsen am Lidrand lahm, deren Fett die Verdunstung des Tränenfilms bremst. Der Tränenfilm reißt schneller auf, die Augen trocknen aus. Kontaktlinsen und trockene Raumluft verstärken das. Das schlechtere Nachtsehen hängt vermutlich mit dem Vitamin-A-Stoffwechsel der Netzhaut zusammen, denn Isotretinoin ist ein Abkömmling von Vitamin A.

Sildenafil hemmt das Enzym PDE5 etwa zehnmal stärker als das Netzhautenzym PDE6. Bei höheren Blutspiegeln reicht die Hemmung von PDE6 aber für den vorübergehenden Blaustich. Ob die sehr seltenen Sehnervinfarkte durch das Medikament verursacht werden, ist nicht bewiesen; Betroffene hatten meist einen ohnehin gefährdeten Sehnervenkopf.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (10)

Warum ist die Medikamentenliste so wichtig?

Weil man einem Auge oft nicht ansieht, ob ein Medikament die Ursache ist. Eine Optikusneuropathie durch Ethambutol, ein kortisonbedingtes Glaukom oder ein Topiramat-Winkelblock sehen aus wie andere Erkrankungen; den Unterschied macht die Vorgeschichte. Patientinnen und Patienten erwähnen Tabletten, Sprays, Cremes oder Spritzen in die Gelenke oft nicht, weil sie sie nicht mit den Augen verbinden.

Bringen Sie deshalb zu jedem Augenarzttermin eine aktuelle Liste aller Medikamente mit, auch Augentropfen, Nasensprays, Inhalatoren, Cremes und früher eingenommene Mittel wie Alphablocker. Ein Medikationsplan der Hausarztpraxis oder ein Foto der Packungen genügt.

Wie läuft die Kontrolle unter Hydroxychloroquin nach der deutschen Leitlinie ab?

Mit einer Basisuntersuchung in den ersten Monaten der Therapie und jährlichen Kontrollen ab dem fünften Therapiejahr. Das empfiehlt die S1-Leitlinie „Augenärztliche Screening-Untersuchungen bei Therapie mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin“ von DOG, BVA und Retinologischer Gesellschaft (Juli 2025).

  • Basisuntersuchung: bestkorrigierte Sehschärfe, Gesichtsfeld, Augenspiegelung und OCT. Ziel ist, Vorschäden zu erkennen und zu dokumentieren. Eine bereits bestehende Makulaerkrankung ist kein Grund, auf das Medikament zu verzichten.
  • Folgeuntersuchungen: ab dem fünften Jahr jährlich.
  • Bei Risikofaktoren (höhere Dosis, Nierenerkrankung, Tamoxifen) oder deutlichen Makulaveränderungen: jährlich schon innerhalb der ersten fünf Jahre.

Welche Untersuchungen sind entscheidend?

Die Leitlinie setzt vorrangig auf objektive Verfahren, die nicht von der Mitarbeit abhängen:

  • Hochauflösende OCT (optische Kohärenztomografie): Schichtbilder der Netzhaut mit Licht, berührungsfrei. Ein frühes Zeichen ist das Dünnerwerden der Lichtsinneszell-Schicht neben der Makula. Wegen ihrer Verbreitung wird die OCT als erste Methode empfohlen.
  • Fundusautofluoreszenz (FAF): eine Aufnahme, die das Eigenleuchten des Pigmentepithels zeigt. Früh ist es verstärkt, bei Zellverlust vermindert.
  • Multifokales ERG (mfERG): misst die elektrische Antwort vieler kleiner Netzhautbereiche; zeigt verminderte Signale in Ringen um die Mitte. Aufwendig und nicht überall verfügbar.
  • Gesichtsfeld: grundsätzlich geeignet, aber fehleranfällig und von der Konzentration abhängig.

Zeigt eine Methode einen Verdacht, soll er mit einer zweiten objektiven Methode bestätigt werden, bevor ein Absetzen empfohlen wird. Bei Menschen asiatischer oder afrikanischer Herkunft sollen OCT, FAF und Gesichtsfeld auch Bereiche außerhalb der großen Gefäßbögen erfassen.

Was ist zur Früherkennung ungeeignet?

Augenspiegelung allein, Fundusfotos, Sehschärfe, Farbsehtest, Amsler-Gitter, Ganzfeld-ERG, EOG und Fluoreszeinangiografie. Sie zeigen Schäden erst spät. Wer nur „in den Augenhintergrund geschaut“ bekommt, ist nach heutigem Stand nicht ausreichend kontrolliert.

Wie unterscheiden sich die Empfehlungen zwischen den Ländern?

In den Grundzügen kaum, in Details deutlich. Alle sehen das größte Risiko nach fünf Jahren und bei Zusatzrisiken früher. Unterschiedlich ist vor allem, ob eine Basisuntersuchung nötig ist.

Land, HerausgeberBasisuntersuchungRegelmäßige KontrollenHauptmethoden
Deutschland: DOG, BVA, RG (2025)In den ersten MonatenAb Jahr 5 jährlich, bei Risiko von Beginn anOCT, dazu FAF oder mfERG
USA: AAO (2016)Im ersten JahrAb Jahr 5 jährlich, bei Risiko von Beginn anOCT und Gesichtsfeld, ergänzend FAF und mfERG
Großbritannien: RCOphth (2020)Nicht mehr empfohlenNach 5 Jahren jährlich, bei Risiko nach 1 JahrOCT und Weitwinkel-FAF
Frankreich: FachinformationVor Beginn oder in den ersten WochenJährlich, bei Risiko häufigerFragebogen, Gesichtsfeld, OCT, bei Bedarf FAF und mfERG

In Österreich gibt es keine eigene Leitlinie; Augenärztinnen und Augenärzte orientieren sich in der Regel an den deutschen und internationalen Empfehlungen. Spanische Fachleute verweisen meist auf die britische Leitlinie. Für Sie heißt das: Halten Sie sich an den Plan, den Ihre Augenarztpraxis mit Ihnen vereinbart.

Wer zahlt die OCT bei Hydroxychloroquin?

In Deutschland sind OCT und FAF zur Früherkennung der Hydroxychloroquin-Netzhautschäden derzeit keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Das hält die Leitlinie ausdrücklich fest. Die Untersuchung wird daher meist als Selbstzahlerleistung (IGeL) angeboten. Fragen Sie vorher nach den Kosten; private Versicherungen erstatten sie in der Regel. In Österreich hängt die Abrechnung vom Kassenvertrag der Praxis ab; fragen Sie bei Ihrer Praxis oder Krankenkasse nach.

Wie oft sollte der Augendruck unter Kortison gemessen werden?

Das hängt davon ab, wie das Kortison gegeben wird. Eine verbreitete Empfehlung stammt aus einer britischen Übersichtsarbeit von 2006, die auch in spanischen Leitfäden übernommen wurde. Sie ist keine Leitlinie; die genauen Abstände legt Ihre Augenarztpraxis fest:

DarreichungEmpfohlene Druckmessungen
Kortison-AugentropfenVor Beginn, nach 2 Wochen, dann alle 4 Wochen für 2 bis 3 Monate, danach alle 6 Monate
Spritze ins AugeÜber mehrere Monate regelmäßig
Tabletten ab etwa 10 mg Prednisolon täglich über längere ZeitVor Beginn, nach 1 und 3 Monaten, dann alle 6 Monate

Französische Empfehlungen raten bei Dauerkortison zu mindestens einer augenärztlichen Kontrolle pro Jahr, bei Risikogruppen früher. Bei der Kontrolle werden Augendruck, Linse und Sehnerv beurteilt. Weil der Druck im Tagesverlauf schwankt, sind manchmal mehrere Messungen nötig. Ein Druck über 30 mmHg gilt als Grund für eine dringende Vorstellung.

Ein kortisonbedingtes Glaukom lässt sich im Befund nicht von einem gewöhnlichen Offenwinkelglaukom unterscheiden. Hinweise gibt nur die Vorgeschichte – und ob der Druck nach dem Absetzen fällt.

Was wird unter Ethambutol untersucht?

Sehschärfe, Farbsehen, Kontrastsehen und Gesichtsfeld, am besten schon vor Therapiebeginn. Ein indisches Expertengremium empfiehlt eine Basisuntersuchung und danach Kontrollen etwa alle zwei Monate; spanische Empfehlungen nennen alle drei Monate bei niedriger Dosis und monatlich bei über 15 mg/kg. Französische Autoren empfehlen eine Kontrolle nach einem Monat, dann alle zwei Monate. Für Deutschland und Österreich gibt es keine einheitlich festgelegten Intervalle; der Plan wird mit dem Tuberkulose-Team abgestimmt.

Ergänzend können eine OCT der Nervenfaserschicht und visuell evozierte Potenziale (VEP, eine Messung der Hirnströme beim Betrachten eines Musters) helfen. Keine einzelne Untersuchung beweist den Schaden. Wichtig ist, dass bei jedem Termin nach Veränderungen gefragt wird. Zwischen den Terminen kann man sich mit einem Amsler-Gitter oder einer Seh-App selbst prüfen; jede Veränderung sollte sofort gemeldet werden.

Wie wird ein Medikamentenschaden am Sehnerv von anderen Ursachen unterschieden?

Über den Verlauf, die Beidseitigkeit und den Befund am Sehnervenkopf. Eine Amiodaron-Optikusneuropathie beginnt eher schleichend, betrifft oft beide Augen und die Schwellung des Sehnervenkopfes hält Monate an. Eine gewöhnliche Durchblutungsstörung beginnt plötzlich, betrifft meist ein Auge und die Schwellung geht in zwei bis sechs Wochen zurück. Bei Ethambutol muss außerdem ausgeschlossen werden, dass die Tuberkulose selbst Sehnerv oder Gehirn befallen hat; manchmal ist dafür eine MRT nötig.

Welche Untersuchungen sind bei anderen Medikamenten üblich?

Für einige Wirkstoffe gibt es eigene Empfehlungen, meist aus Fachinformationen und Übersichten:

  • Amiodaron: Basisuntersuchung, im ersten Jahr regelmäßige Kontrollen, dann jährlich; ein festes, geprüftes Schema gibt es nicht.
  • Vigabatrin: Gesichtsfeld vor Beginn, über fünf Jahre alle sechs Monate, danach jährlich.
  • Fingolimod: Augenuntersuchung vor Beginn und nach drei bis vier Monaten, danach bei Beschwerden.
  • Tamoxifen: Basisuntersuchung, Kontrollen bei Beschwerden oder Risikofaktoren.
  • MEK-Hemmer: Basisuntersuchung, damit vorbestehende Befunde später nicht verwechselt werden; danach bei neuen Beschwerden.
  • Pentosanpolysulfat: jährliche Netzhautkontrolle nach längerer Einnahme.

Was wird vor einer Star-Operation unter Tamsulosin geprüft?

Vor allem die Medikamentenliste, auch für zurückliegende Jahre. Im Vorgespräch fragt das Operationsteam nach Alphablockern. Bei der Untersuchung achtet es darauf, wie weit sich die Pupille mit Tropfen öffnen lässt. Eine schlecht erweiterbare Pupille ist ein Warnzeichen, aber nicht jedes Floppy-Iris-Syndrom kündigt sich so an.

Wie erkennt man einen engen Kammerwinkel?

Die Augenärztin oder der Augenarzt untersucht den Kammerwinkel mit einem Kontaktglas (Gonioskopie) oder einer Bildgebung der Vorderkammer. Hausärzte können mit einem einfachen Taschenlampentest einen ersten Hinweis bekommen: Fällt das seitliche Licht gleichmäßig über die ganze Iris, ist die Vorderkammer wahrscheinlich tief genug. Bei Zweifeln wird vor der Verordnung eines pupillenerweiternden Mittels augenärztlich nachgesehen.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (13)

Was ist der Grundsatz der Behandlung?

Das Medikament wird nur nach Abwägung durch die verordnende Ärztin oder den verordnenden Arzt gemeinsam mit der Augenärztin oder dem Augenarzt geändert – nie eigenmächtig. Die möglichen Schritte sind: Kontrolle ohne Änderung, Dosis senken, auf ein anderes Mittel umstellen, das Medikament beenden oder den Augenschaden gezielt behandeln. Welcher Weg richtig ist, hängt davon ab, wie wichtig das Medikament für die Grunderkrankung ist und ob der Augenschaden fortschreitet.

Bei manchen Wirkstoffen gibt es kaum Alternativen, etwa in der Tuberkulose- oder Krebsbehandlung. Dann wird bewusst abgewogen, was schwerer wiegt. Bei Tamoxifen etwa gibt es keinen Konsens, ab wann man das Medikament wegen des Sehens absetzen soll, weil es um das Überleben geht.

Was passiert, wenn ein Netzhautschaden durch Hydroxychloroquin gefunden wird?

Dann wird gemeinsam mit der Rheumatologie geplant auf eine andere Therapie umgestellt. Eine Behandlung, die den Schaden repariert, gibt es nicht. Das Ziel der Kontrollen ist, den Schaden zu finden, solange das Pigmentepithel noch nicht zugrunde gegangen ist. In diesem Stadium ist ein weiteres Fortschreiten nach zeitnahem Absetzen unwahrscheinlich.

  • Die deutsche Leitlinie rät, nicht abrupt abzusetzen, sondern geplant umzustellen.
  • Hydroxychloroquin hat eine sehr lange Halbwertszeit von meist 40 bis 50 Tagen und wirkt noch Wochen nach. Ein sofortiges Absetzen bringt dem Auge daher wenig, kann aber einen Schub der Grunderkrankung auslösen.
  • Ist das Pigmentepithel schon geschädigt, schreitet die Netzhautschädigung trotz Absetzen oft weiter fort, laut Leitlinie über mindestens 20 Jahre. Dann sind auch nach dem Absetzen weitere Kontrollen nötig.
  • Lutein, Zeaxanthin oder Sonnenschutz werden manchmal empfohlen; ein Nutzen ist nicht belegt.

Wer neu Sehstörungen bemerkt, sollte sich zeitnah melden. Britische und französische Empfehlungen sehen vor, dass die Ärztin oder der Arzt das Medikament dann bis zur augenärztlichen Untersuchung pausieren kann. Das ist eine ärztliche Entscheidung.

Wie wird ein Grauer Star durch Kortison behandelt?

Mit einer Operation, genau wie beim Altersstar: Die trübe Linse wird entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Der Eingriff dauert etwa 20 bis 30 Minuten und erfolgt meist ambulant. Augentropfen oder Tabletten gegen den Grauen Star gibt es nicht. Weil die Kortison-Katarakt früh stört, wird oft früher operiert als beim Altersstar.

Wenn das Kortison weiter nötig ist, wird geprüft, ob die Dosis gesenkt oder ein kortisonsparendes Mittel ergänzt werden kann. Bei Kindern können sich kortisonbedingte Linsentrübungen nach dem Absetzen teilweise zurückbilden.

Wie wird ein erhöhter Augendruck durch Kortison behandelt?

Zuerst wird geprüft, ob sich Kortison absetzen, reduzieren oder ersetzen lässt. Meist normalisiert sich der Druck dann innerhalb von Tagen bis etwa vier Wochen. Bei Augentropfen gibt es Präparate, die den Druck weniger stark erhöhen, oder entzündungshemmende Tropfen ohne Kortison. Bei Kortison als Tablette kann ein anderes immunsupprimierendes Medikament helfen, die Dosis zu senken.

Lässt sich das Kortison nicht reduzieren oder bleibt der Druck hoch, wird er wie beim Offenwinkelglaukom gesenkt:

  • drucksenkende Augentropfen, kurzfristig auch Tabletten
  • Lasertherapie des Abflusssystems (selektive Lasertrabekuloplastik)
  • Operation mit einem neuen Abflussweg, wenn Tropfen nicht reichen
  • Entfernung eines Kortisondepots, wenn ein Implantat oder eine Spritze die Ursache ist

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen bleibt der Druck auch nach dem Absetzen erhöht, vor allem nach langer Kortisongabe; eine britische Übersichtsarbeit nennt etwa 3 Prozent. Andere Fachleute vermuten nach sehr langer Kortisongabe höhere Anteile; verlässliche Zahlen dazu gibt es nicht. Diese Menschen brauchen eine dauerhafte Glaukombehandlung.

Was geschieht bei einem Glaukomanfall durch Topiramat?

Topiramat wird so schnell wie medizinisch möglich beendet und der Augendruck mit Medikamenten gesenkt. Dafür werden drucksenkende Tropfen, Tabletten oder Infusionen eingesetzt, dazu Tropfen, die den Ziliarmuskel entspannen. Manchmal hilft Kortison gegen den Erguss. Ein Laserloch in der Iris und pupillenverengende Tropfen helfen hier nicht, weil kein Pupillenblock vorliegt.

Der Winkelverschluss löst sich unter Behandlung meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Die Kurzsichtigkeit verschwindet in der Regel ein bis zwei Wochen nach dem Absetzen. Die Epilepsie- oder Migränebehandlung wird auf ein anderes Mittel umgestellt; das plant die Neurologie.

Was geschieht bei einem Glaukomanfall durch andere Medikamente?

Er wird wie jeder akute Glaukomanfall behandelt: Druck mit Tropfen, Tabletten und Infusionen senken, dann ein kleines Loch in die Iris lasern (YAG-Iridotomie) oder operieren, damit das Kammerwasser wieder abfließt. Das auslösende Mittel wird, wenn möglich, ersetzt. Weil das Partnerauge meist ebenso eng gebaut ist, wird es vorbeugend mitbehandelt. Wer einen engen Kammerwinkel hat und ein solches Medikament dringend braucht, kann es nach einer vorbeugenden Iridotomie oder einer Star-Operation oft gefahrlos nehmen.

Wie wird eine Star-Operation unter Tamsulosin geplant?

Das Wichtigste ist, dass das Operationsteam von der Einnahme weiß – auch wenn sie Jahre zurückliegt. Dann kann es vorbeugend vorgehen: stärkere pupillenerweiternde Tropfen vor dem Eingriff, ein pupillenerweiterndes Mittel direkt in die Vorderkammer, besonders zähe Gele, die die Iris stützen, oder kleine Irishaken und Pupillenringe. Wird der Operateur überrascht, können Iris und Linsenkapsel verletzt werden; selten kommt es zu Linsenresten im Glaskörper, Netzhautablösung oder Infektion.

Soll Tamsulosin vor der Operation abgesetzt werden?

Hier unterscheiden sich die Empfehlungen. Die deutsche Arzneimittelkommission (AkdÄ) rät, Tamsulosin so früh wie möglich vor der Operation abzusetzen, betont aber, dass auch langes Absetzen nicht sicher schützt. Swissmedic und die französische Arzneimittelbehörde halten den Nutzen einer Pause von einigen Wochen für nicht belegt; spanische Übersichten halten ein Absetzen für nicht nötig. Einig sind sich alle: Ob pausiert wird, entscheidet die Urologie oder Hausarztpraxis mit Ihnen; informiert werden muss das Operationsteam in jedem Fall.

Was gilt, wenn noch kein Alphablocker eingenommen wird?

Die AkdÄ empfiehlt:

  • Vor dem Beginn eines Alphablockers bei Hinweisen auf einen Grauen Star die Augenärztin oder den Augenarzt einbeziehen.
  • Ist eine Star-Operation absehbar, möglichst vorher operieren und erst danach mit dem Alphablocker beginnen.
  • Ist ein Alphablocker vorher unverzichtbar, eher Alfuzosin wählen.
  • Nach der Operation kann jeder Alphablocker genommen werden.

Was tun bei einem Sehnervschaden durch Ethambutol?

Ethambutol wird bei den ersten Anzeichen in Absprache mit dem Tuberkulose-Team abgesetzt und die Therapie umgestellt. Das ist die wirksamste Maßnahme. Eine Behandlung, die den Nerv nachweislich repariert, gibt es nicht; Vitamine der B-Gruppe werden auf Erfahrungsbasis versucht. Bessert sich das Sehen nach vier bis sechs Wochen nicht, wird geprüft, ob auch Isoniazid oder Linezolid beteiligt sind. Die Tuberkulosebehandlung darf aber nicht einfach unterbrochen werden, weil sonst Resistenzen drohen.

Was tun bei Augenveränderungen durch Amiodaron?

Die Hornhautablagerungen brauchen meist keine Behandlung und sind kein Grund, Amiodaron abzusetzen. Bei Blendung helfen Tränenersatzmittel, selten eine weiche Verbandslinse. Nur bei starken Beschwerden wird über eine Dosisreduktion gesprochen.

Besteht der Verdacht auf einen Sehnervschaden, entscheidet die Kardiologie, ob Amiodaron sicher beendet oder ersetzt werden kann – etwa durch ein anderes Mittel oder eine Katheterbehandlung des Herzens. Eine eigene Behandlung des Sehnervschadens gibt es nicht.

Was hilft bei trockenen Augen durch Isotretinoin und andere Medikamente?

Tränenersatzmittel, am besten ohne Konservierungsmittel, und eine gute Lidrandpflege mit Wärme und sanfter Reinigung. Abends kann eine befeuchtende Augensalbe helfen. Kontaktlinsen lassen sich während der Behandlung oft nicht tragen; eine Brille sollte bereitliegen. Eine Dosisänderung des Isotretinoins entscheidet die Hautärztin oder der Hautarzt. Übersichten und Produkthinweise finden Sie unter Tränenersatzmittel.

Was tun bei Sehstörungen nach Sildenafil?

Ein vorübergehender Blaustich braucht keine Behandlung. Bei einem plötzlichen Sehverlust auf einem oder beiden Augen sollte man das Mittel nicht weiter einnehmen und sofort ärztliche Hilfe suchen – das ist eine der wenigen Situationen, in denen auch die Fachinformation das sofortige Beenden vorsieht. Nach einer solchen Durchblutungsstörung des Sehnervs wird von PDE5-Hemmern in der Regel abgeraten.

Wie werden Augennebenwirkungen von Krebsmedikamenten behandelt?

Oft ohne die Krebstherapie zu unterbrechen. Flüssigkeit unter der Netzhaut durch MEK-Hemmer bildet sich meist von selbst zurück; ein erhöhter Augendruck wird mit Tropfen behandelt. Entzündungen durch Immuntherapien werden mit Kortison-Tropfen oder -Tabletten behandelt. Trockene Augen und Lidprobleme werden gepflegt. Ob die Krebstherapie angepasst wird, entscheidet das onkologische Team zusammen mit der Augenheilkunde.

Wer zahlt die Behandlung in Deutschland und Österreich?

Die notwendige Behandlung von Folgeschäden – Star-Operation, Glaukomtherapie, Behandlung eines Glaukomanfalls – übernimmt in Deutschland die gesetzliche Krankenversicherung. In Österreich trägt die Sozialversicherung mit der e-card notwendige Diagnose- und Therapiemaßnahmen; für Medikamente fällt die Rezeptgebühr an, bei manchen Leistungen ein Selbstbehalt. Für die OCT-Früherkennung unter Hydroxychloroquin gilt in Deutschland: keine Kassenleistung.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (8)

Welche Augenschäden durch Medikamente bilden sich zurück?

Viele der häufigen. Ob ein Schaden bleibt, hängt vor allem davon ab, ob Nervenzellen der Netzhaut oder des Sehnervs zugrunde gegangen sind. Die folgende Übersicht fasst die Angaben der genutzten Quellen zusammen.

VeränderungVerlauf nach Absetzen oder Behandlung
Trockene Augen (Isotretinoin, viele andere)Meist vollständig rückläufig
Hornhautablagerungen (Amiodaron, Hydroxychloroquin)Rückläufig, bei Amiodaron etwa innerhalb von 6 bis 12 Monaten
Blaustich (Sildenafil), Gelbsehen (Digoxin)Rückläufig
Kurzsichtigkeit und Winkelverschluss (Topiramat)Meist rückläufig in Tagen bis 2 Wochen
Erhöhter Augendruck (Kortison)Meist normal in Tagen bis Wochen; bei einem Teil bleibend
Grauer Star (Kortison)Bleibt bei Erwachsenen, gut operierbar
Sehnervschaden (Ethambutol)Oft teilweise Besserung, nicht immer
Sehnervschaden (Amiodaron)Etwa 58 Prozent besser, 21 Prozent gleich, 21 Prozent schlechter
Netzhautschaden (Hydroxychloroquin)Nicht umkehrbar; früh erkannt meist Stillstand
Gesichtsfeldeinengung (Vigabatrin)Meist bleibend

Wie verläuft ein Netzhautschaden durch Hydroxychloroquin?

Er schreitet langsam voran, solange das Medikament genommen wird, und kann danach zum Stillstand kommen – wenn er früh erkannt wurde. Die Häufigkeit steigt mit der Einnahmedauer: Nach der Langfassung der deutschen Leitlinie liegt sie bei empfohlener Dosis unter 1 Prozent nach 5 Jahren, bei etwa 2 bis 2,5 Prozent nach 10 Jahren, bei 8,6 Prozent nach 15 Jahren und bei etwa 20 Prozent nach 20 Jahren.

Ist das Pigmentepithel noch intakt, bleibt die Netzhaut nach dem Absetzen meist stabil oder verschlechtert sich nur noch leicht. Ist es bereits geschädigt, schreitet die Degeneration über Jahre weiter fort. Spätfolgen können ein deutlicher Verlust von Sehschärfe und Gesichtsfeld bis zur gesetzlichen Blindheit, Wassereinlagerungen in der Makula und Membranen auf der Netzhaut sein. Genau deshalb ist die Früherkennung so wichtig.

Wie geht es nach einem kortisonbedingten Glaukom weiter?

Meist gut, wenn es früh erkannt wird. Der Druck fällt nach dem Absetzen oder Reduzieren in der Regel innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen. Nach sehr langer Kortisongabe, etwa über anderthalb Jahre, kann er lange erhöht bleiben. Schon entstandene Sehnervschäden und Gesichtsfeldausfälle bilden sich nicht zurück. Darum ist das Glaukom die schwerwiegendere Folge als der Graue Star, der sich operieren lässt.

Wie gut erholt sich das Sehen nach Ethambutol?

Das ist unterschiedlich, und die Quellen widersprechen sich. Manche Übersichten beschreiben bei rechtzeitigem Absetzen bei den meisten Betroffenen eine Erholung, teils vollständig über ein bis sechs Monate. Eine koreanische Kohorte fand dagegen nur bei einer Minderheit eine Besserung und keine, wenn der Sehnerv schon blass war. Spanische Daten nennen eine teilweise Erholung bei 30 bis 60 Prozent.

Das Sehen kann sich nach dem Absetzen noch einige Wochen verschlechtern, bevor es sich bessert. Günstig sind jüngeres Alter und frühe Erkennung; ungünstig sind späte Entdeckung und ein bereits blasser Sehnerv. In Fallberichten dauerte die Erholung bis zu zehn Monate.

Wie ist die Prognose nach einem Topiramat-Glaukomanfall?

Meist sehr gut, wenn das Medikament rasch beendet und der Druck gesenkt wird. Die Sehschärfe normalisiert sich in den meisten Fällen vollständig. Selten bleibt ein dauerhafter Winkelverschluss, der operiert werden muss, oder ein Sehnervschaden durch den hohen Druck.

Wie geht es nach einem Sehnervschaden durch Amiodaron weiter?

Nach dem Absetzen besserte sich die Sehschärfe in einer Auswertung bei etwa 58 Prozent, blieb bei 21 Prozent gleich und verschlechterte sich bei 21 Prozent. Etwa jeder fünfte Betroffene sah auf mindestens einem Auge nur noch 10 Prozent oder weniger; in den USA gilt das bereits als gesetzliche Blindheit. Die Schwellung des Sehnervenkopfes kann noch viele Monate nach dem Absetzen bestehen.

Welche Folgen kann ein Floppy-Iris-Syndrom haben?

Wenn es erkannt und vorbereitet ist, meist keine. Unerkannt kann es zu Rissen der Linsenkapsel, Verlust von Glaskörper, Irisverletzungen, einer entrundeten Pupille und selten zu Netzhautablösung oder Infektion führen. Das Sehergebnis kann dann schlechter sein und weitere Eingriffe können nötig werden. Eine australische Übersicht von 2010 nennt aus älteren Studien Komplikationsraten von bis zu 12 Prozent bei unerkanntem Syndrom, gegenüber unter 1 Prozent bei vorbereitetem Operateur. Neuere Auswertungen finden insgesamt deutlich seltenere Komplikationen.

Kann eine schwere Hautreaktion auf Medikamente das Auge dauerhaft schädigen?

Ja. Das Stevens-Johnson-Syndrom, eine seltene, schwere Reaktion auf Medikamente wie bestimmte Schmerzmittel, Antibiotika oder Antiepileptika, kann die Bindehaut stark entzünden. Später drohen Vernarbungen, fehlstehende Wimpern und ein sehr trockenes Auge. Bei Fieber, Hautblasen und gleichzeitig roten, verklebten Augen ist eine sofortige ärztliche Abklärung nötig, auch durch die Augenheilkunde.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (8)

Wie kann man sich vor Augenschäden durch Medikamente schützen?

Mit vier einfachen Regeln: Kontrolltermine einhalten, alle Medikamente angeben, Warnzeichen ernst nehmen und nichts eigenmächtig ändern. Die meisten schweren Schäden entstehen, weil Kontrollen ausbleiben oder Symptome nicht mit dem Medikament in Verbindung gebracht werden.

  • Kontrollen: Fragen Sie bei jedem neuen Langzeitmedikament, ob Augenkontrollen nötig sind, und tragen Sie die Termine in den Kalender ein.
  • Medikamentenliste: Nehmen Sie zu jedem Arzttermin einen aktuellen Medikationsplan mit, einschließlich Augentropfen, Sprays, Cremes und früherer Mittel.
  • Warnzeichen: Melden Sie neue Sehstörungen, verändertes Farbsehen, Leseprobleme, verzerrte Linien oder Augenschmerzen rasch der verordnenden Praxis.
  • Nicht selbst absetzen: Ändern Sie Dosis oder Einnahme nur nach Rücksprache.

Was sollten Menschen unter Hydroxychloroquin beachten?

Lassen Sie die Dosis regelmäßig mit Ihrem aktuellen Körpergewicht abgleichen, besonders nach einer Gewichtsabnahme. Sagen Sie der Rheumatologie und der Augenarztpraxis, wenn sich Ihre Nierenwerte verschlechtern oder Sie Tamoxifen bekommen. Halten Sie die Basisuntersuchung und ab dem fünften Jahr die jährlichen Kontrollen ein, bei Risikofaktoren von Anfang an. Fragen Sie nach, ob bei Ihnen eine OCT gemacht wird – eine reine Augenspiegelung reicht nach heutigem Stand nicht.

Was sollten Menschen unter Kortison beachten?

Wer Kortison über Monate einnimmt oder Kortison-Augentropfen benutzt, sollte den Augendruck regelmäßig messen lassen. Kortison-Augentropfen gehören nur unter augenärztlicher Begleitung in eine längere Anwendung. Wer ein Glaukom hat oder in der Familie Glaukom vorkommt, sollte das der verordnenden Praxis sagen; dann wird möglichst niedrig dosiert, kurz behandelt oder eine Alternative gesucht. Bei Kortisoncremes im Gesicht nach dem Auftragen die Hände waschen und die Lidregion meiden, sofern nicht ausdrücklich verordnet. Unabhängig davon empfiehlt das österreichische Gesundheitsportal Glaukomkontrollen ab 40 Jahren.

Was tun vor einer Star-Operation, wenn man Prostatamittel nimmt?

Sagen Sie im Vorgespräch ausdrücklich, dass Sie Tamsulosin oder einen anderen Alphablocker nehmen oder genommen haben – auch wenn es Jahre her ist. Steht eine Star-Operation absehbar an und soll ein Alphablocker neu begonnen werden, sprechen Sie mit der Urologie darüber, ob die Operation zuerst erfolgen kann. Setzen Sie das Medikament nicht selbst ab. Dasselbe gilt für Blutverdünner vor jeder Augenoperation.

Was sollten Menschen unter Ethambutol beachten?

Prüfen Sie Ihr Sehen regelmäßig selbst, zum Beispiel indem Sie mit jedem Auge einzeln einen Zeitungstext lesen und auf eine rote Fläche schauen: Wirkt das Rot auf einem Auge blasser, ist das ein Warnzeichen. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, wie oft Sie das tun sollen und ob zusätzlich ein Amsler-Gitter (ein Kästchenmuster für den Sehtest) sinnvoll ist. Unabhängig davon sollte das Sehen während der Behandlung regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Melden Sie jede Verschlechterung von Sehschärfe, Lesen oder Farbsehen sofort dem Tuberkulose-Team. Eltern kleiner Kinder sollten auf veränderte Sehgewohnheiten achten. Bei Nierenschwäche muss die Dosis angepasst werden.

Was hilft unter Isotretinoin?

Lassen Sie sich vor Beginn über mögliche Augenprobleme aufklären. Halten Sie Tränenersatzmittel und eine Brille bereit, wenn Sie Kontaktlinsen tragen. Fahren Sie in der Dämmerung und nachts besonders vorsichtig oder meiden Sie Nachtfahrten, wenn Sie merken, dass Sie schlechter sehen. Isotretinoin gehört nur in ärztliche Hände; vor der Einnahme aus anderen, etwa kosmetischen Gründen hat die französische Arzneimittelbehörde 2026 ausdrücklich gewarnt.

Wer einen engen Kammerwinkel hat – was ist zu beachten?

Fragen Sie bei jedem neuen Medikament nach, ob es die Pupille erweitert, und zeigen Sie Ihren Befund vor. Nach einer vorbeugenden Laserbehandlung der Iris oder einer Star-Operation ist das Risiko meist gebannt. Wer bisher nichts von einem engen Winkel weiß, aber weitsichtig ist und schon einmal abends Augenschmerzen mit Farbringen hatte, sollte das augenärztlich klären lassen.

Wie meldet man eine vermutete Nebenwirkung?

Am einfachsten über die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt; Patientinnen und Patienten können Verdachtsfälle aber auch selbst melden. In Deutschland nimmt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Meldungen entgegen, in Österreich das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), in der Schweiz Swissmedic. Solche Meldungen sind wichtig, weil viele Augennebenwirkungen erst nach der Zulassung erkannt werden.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Wann muss ich sofort in die Augenklinik oder Notaufnahme?

Bei Zeichen eines akuten Glaukomanfalls oder einem plötzlichen Sehverlust – auch nachts und am Wochenende. In Deutschland erreichen Sie den Rettungsdienst unter 112, in Österreich unter 144. Eine Übersicht aller Warnzeichen finden Sie unter Notfall am Auge.

  • Starke Augen- und Kopfschmerzen mit rotem Auge, Nebelsehen, Farbringen um Lichter, Übelkeit oder Erbrechen – besonders kurz nach Beginn von Topiramat oder eines pupillenerweiternden Mittels
  • Plötzlich verschwommenes Sehen in die Ferne auf beiden Augen nach Beginn von Topiramat, mit oder ohne Schmerzen
  • Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen, auch schmerzlos – zum Beispiel nach Einnahme von Sildenafil oder Tadalafil
  • Fieber, Hautblasen und gleichzeitig stark gerötete, verklebte Augen nach einem neuen Medikament
  • Morgendliche Kopfschmerzen mit Übelkeit, kurzem Schwarzwerden vor den Augen oder Doppelbildern unter Tetrazyklinen

Wann sollte ich innerhalb weniger Tage zum Augenarzt?

Bei jeder neuen Sehstörung unter einem bekannten Risikomedikament. Rufen Sie zuerst die verordnende Praxis an und lassen Sie sich zeitnah einen Augenarzttermin geben; sagen Sie dabei, welches Medikament Sie nehmen.

  • Leseprobleme, fehlende Buchstaben oder kleine Lücken im Sehen unter Hydroxychloroquin oder Chloroquin
  • Verschwommenes Sehen oder blassere Farben unter Ethambutol – möglichst am selben oder nächsten Tag
  • Nachlassende Sehschärfe unter Amiodaron
  • Verzerrtes Sehen oder ein Fleck in der Mitte unter Kortison, Fingolimod, Pioglitazon oder einer Krebstherapie
  • Ein schmerzhaft rotes Auge mit Lichtscheu unter Bisphosphonaten oder Immuntherapie
  • Ein gemessener Augendruck über 30 mmHg unter Kortison

Wann reicht ein regulärer Termin?

Bei leichten, gleichbleibenden Beschwerden ohne Sehverschlechterung, etwa trockenen Augen unter Isotretinoin, einem vorübergehenden Blaustich nach Sildenafil, harmlosen Hornhautablagerungen unter Amiodaron oder einer Blutung unter der Bindehaut unter Blutverdünnern ohne Schmerzen. Ebenso für die geplanten Kontrollen unter Hydroxychloroquin, Kortison oder Ethambutol.

Was gilt immer?

Setzen Sie das Medikament nicht selbst ab, sondern holen Sie ärztlichen Rat ein. Einzige Ausnahme: Bei einem plötzlichen Sehverlust nach Sildenafil oder Tadalafil keine weitere Tablette nehmen und sofort Hilfe suchen. Bringen Sie in die Notaufnahme Ihre Medikamentenliste oder die Packungen mit.

9 Häufige Fragen

Ich nehme Hydroxychloroquin – wie oft muss ich zum Augenarzt?

Nach der deutschen Leitlinie von 2025: eine Basisuntersuchung in den ersten Monaten der Therapie, danach ab dem fünften Therapiejahr einmal jährlich. Bei Risikofaktoren wie einer Dosis über 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht, einer Nierenerkrankung oder gleichzeitiger Tamoxifen-Einnahme sind jährliche Kontrollen schon von Beginn an sinnvoll. Wichtig ist eine OCT, nicht nur eine Augenspiegelung.

Kann ich Hydroxychloroquin selbst absetzen, wenn ich Angst um meine Augen habe?

Nein. Ein eigenmächtiges Absetzen kann einen Schub von Lupus oder Rheuma auslösen und nützt dem Auge kurzfristig wenig, weil der Wirkstoff noch Wochen im Körper bleibt. Bei normaler Dosis ist ein Netzhautschaden in den ersten fünf Jahren sehr selten. Sprechen Sie Ihre Sorge in der Rheumatologie und in der Augenarztpraxis an; bei neuen Sehstörungen melden Sie sich zeitnah.

Zahlt die Krankenkasse die OCT bei Hydroxychloroquin?

In Deutschland derzeit nicht: OCT und Fundusautofluoreszenz zur Früherkennung sind laut Leitlinie keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen und werden meist als Selbstzahlerleistung angeboten. Private Versicherungen erstatten sie in der Regel. In Österreich hängt das vom Kassenvertrag der Praxis ab; fragen Sie vorher nach.

Macht Kortison Grauen oder Grünen Star?

Es kann beides begünstigen. Längere und höher dosierte Einnahme fördert eine Linsentrübung an der Rückseite der Linse (Grauer Star). Kortison in jeder Form, am stärksten als Augentropfen oder Spritze am Auge, kann den Augendruck erhöhen und so einen Grünen Star verursachen. Regelmäßige Druckmessungen schützen davor, dass ein Druckanstieg unbemerkt bleibt.

Schadet Kortison-Nasenspray oder Asthmaspray den Augen?

Das Risiko ist gering. Eine Auswertung von Studien mit über 2.000 Menschen fand für Kortison-Nasensprays kein deutlich erhöhtes Risiko für Grauen Star oder erhöhten Augendruck. Inhaliertes Kortison in hoher Dosis über lange Zeit kann die Augen eher beeinflussen. Wer ein Glaukom hat oder in der Familie Glaukom vorkommt, sollte trotzdem den Augendruck kontrollieren lassen.

Ich nehme Tamsulosin und brauche eine Grauer-Star-Operation – was muss ich tun?

Sagen Sie dem Operationsteam im Vorgespräch ausdrücklich, dass Sie Tamsulosin nehmen oder genommen haben, auch wenn es Jahre zurückliegt. Dann wird die Operation so vorbereitet, dass die schlaffe Iris keine Probleme macht. Ob eine Pause sinnvoll ist, wird unterschiedlich bewertet; setzen Sie das Medikament nicht selbst ab, sondern besprechen Sie das mit der Urologie oder Hausarztpraxis.

Kann Topiramat einen Glaukomanfall auslösen?

Ja, selten. Meist in den ersten Wochen nach Beginn oder nach einer Dosiserhöhung kann sich Flüssigkeit im Auge sammeln, die den Kammerwinkel verschließt. Typisch sind plötzliches Verschwommensehen auf beiden Augen, Augen- und Kopfschmerzen und rote Augen. Das ist ein Notfall: sofort in die Augenklinik. Nach dem Ende der Einnahme und Drucksenkung bildet es sich meist vollständig zurück.

Kann Viagra blind machen?

Sehr selten wurde nach Einnahme von Sildenafil oder verwandten Wirkstoffen ein plötzlicher Sehverlust durch eine Durchblutungsstörung des Sehnervs beschrieben. Ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht bewiesen; meist hatten die Betroffenen eigene Risikofaktoren. Häufiger und harmlos ist ein vorübergehender Blaustich. Bei plötzlichem Sehverlust keine weitere Tablette nehmen und sofort ärztliche Hilfe suchen.

Ich nehme Amiodaron und habe Ablagerungen in der Hornhaut – ist das gefährlich?

Meist nicht. Die wirbelförmigen Ablagerungen kommen bei fast allen Menschen vor, die Amiodaron länger nehmen, stören das Sehen kaum und sind kein Grund zum Absetzen. Anders ist es bei nachlassender Sehschärfe: Dann muss der Sehnerv untersucht werden. Ob Amiodaron ersetzt werden kann, entscheidet die Kardiologie.

Worauf muss ich unter Ethambutol achten?

Auf verschwommenes Sehen, Leseprobleme und blassere Farben, besonders Rot und Grün. Melden Sie solche Veränderungen sofort dem Tuberkulose-Team und lassen Sie die Augen untersuchen. Neben der Basisuntersuchung sind Kontrollen etwa alle ein bis drei Monate üblich, je nach Dosis und Nierenfunktion. Die Tuberkulosetherapie wird bei Bedarf umgestellt, aber nie einfach unterbrochen.

Darf ich mit Isotretinoin Kontaktlinsen tragen?

Oft werden Kontaktlinsen während der Behandlung schlecht vertragen, weil die Augen austrocknen. Halten Sie eine Brille bereit und verwenden Sie konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel. Bei schlechterem Nachtsehen vorsichtig Auto fahren. Die Beschwerden gehen nach dem Ende der Behandlung meist zurück.

Darf ich Antidepressiva oder Allergietabletten nehmen, wenn ich ein Glaukom habe?

Bei einem gewöhnlichen Offenwinkelglaukom in der Regel ja; informieren Sie Ihre Augenarztpraxis. Gefährlich können pupillenerweiternde Mittel nur bei einem engen Kammerwinkel sein. Ist der Winkel eng, wird er vorher oft mit einem Laser vorbeugend behandelt, danach sind solche Medikamente meist möglich.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 33 Quellen anzeigen
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