Herpes am Auge (Herpes-simplex-Keratitis und Gürtelrose am Auge)
Herpes am Auge ist eine Infektion des Auges mit dem Herpes-simplex-Virus oder, als Gürtelrose am Auge, mit dem Windpocken-Virus; typisch sind ein einseitig rotes, schmerzendes, lichtempfindliches Auge und oft Bläschen an Lid oder Stirn. Sie gehört noch am selben Tag in augenärztliche Behandlung, weil Rückfälle und falsche Tropfen die Hornhaut dauerhaft vernarben können.
1 Kurzübersicht
Herpes am Auge ist eine Infektion des Auges mit Viren aus der Herpes-Familie. Gemeint sind zwei verschiedene Krankheiten: die Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV, meist Typ 1, derselbe Erreger wie beim Lippenherpes) und die Gürtelrose im Augenbereich (Fachbegriff Herpes zoster ophthalmicus), ausgelöst durch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus, VZV).
Beide Viren bleiben nach der ersten Ansteckung lebenslang im Körper. Sie ruhen in Nervenknoten des Gesichtsnervs (Trigeminus) und können jederzeit wieder aktiv werden. Herpes simplex befällt am häufigsten die Hornhaut, das klare „Fenster“ vorn am Auge; dann spricht man von Herpes-simplex-Keratitis. Daneben können Lid, Bindehaut, Regenbogenhaut, Lederhaut und selten die Netzhaut betroffen sein.
Herpes am Auge ist keine Seltenheit. Weltweit erkranken jedes Jahr schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen an einer Herpes-Keratitis, rund 40.000 davon mit schwerer Sehbehinderung. Die Herpes-simplex-Keratitis gilt deshalb als eine der wichtigsten Ursachen für Erblindung durch Hornhautschäden.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- Typisch sind ein einseitig rotes, schmerzendes, lichtempfindliches Auge, oft mit Tränen und Fremdkörpergefühl.
- Herpes simplex kommt häufig wieder: etwa die Hälfte der Betroffenen hat innerhalb von fünf Jahren einen weiteren Schub.
- Kortison-Augentropfen ohne Diagnose können einen oberflächlichen Herpes dramatisch verschlimmern.
- Bei Gürtelrose an Stirn, Lid oder Nase gehört das Auge immer augenärztlich untersucht, auch wenn es sich gesund anfühlt.
- Gegen Gürtelrose gibt es eine wirksame Impfung, gegen Herpes simplex nicht.
Die beiden Krankheiten im Vergleich:
| Herpes simplex am Auge | Gürtelrose am Auge | |
|---|---|---|
| Erreger | Herpes-simplex-Virus, meist Typ 1 | Varizella-Zoster-Virus (Windpocken-Virus) |
| Typisches Alter | jedes Alter, Erstinfektion meist in der Kindheit | vor allem ab 50 bis 60 Jahren |
| Hautzeichen | manchmal einzelne Bläschen am Lid | schmerzhafter Bläschenausschlag an Stirn, Oberlid, Nase |
| Rückfälle | häufig | Gürtelrose selten erneut, Augenentzündung kann aber lange anhalten oder wiederkehren |
| Wichtigste Behandlung | antivirale Salbe, Gel oder Tabletten | antivirale Tabletten, möglichst in den ersten 72 Stunden |
| Vorbeugung | Dauer-Tabletten bei häufigen Rückfällen | Impfung gegen Gürtelrose |
2 Symptome
In diesem Kapitel (16)
- Welche Beschwerden sind typisch für Herpes am Auge?
- Wie zeigt sich die erste Ansteckung mit Herpes simplex?
- Wie sieht Herpes an Lid und Bindehaut aus?
- Wie fühlt sich eine Herpes-Hornhautentzündung an?
- Warum tut ein Herpes-Rückfall manchmal kaum weh?
- Welche seltenen Formen betreffen das Innere des Auges?
- Wie kündigt sich eine Gürtelrose im Augenbereich an?
- Wie sieht der Ausschlag bei Gürtelrose am Auge aus?
- Was bedeutet das Hutchinson-Zeichen?
- Welche Augenbeschwerden macht eine Gürtelrose?
- Welche Beschwerden bleiben nach einer Gürtelrose am Auge?
- Was ist bei Kindern, Neurodermitis und Abwehrschwäche anders?
- Woran erkennt man Herpes bei Neugeborenen?
- Was ist bei älteren Menschen zu beachten?
- Was können Angehörige bemerken?
- Wie unterscheiden sich die Beschwerden von anderen roten Augen?
Welche Beschwerden sind typisch für Herpes am Auge?
Typisch ist ein rotes, schmerzendes Auge mit Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss und dem Gefühl, ein Sandkorn oder Fremdkörper im Auge zu haben. Meist ist nur ein Auge betroffen; eine Herpes-Keratitis ist in rund 95 Prozent der Fälle einseitig. Die Beschwerden können sich über Tage bis Wochen steigern.
Je nachdem, welcher Teil des Auges entzündet ist, kommen weitere Zeichen hinzu:
- kleine, gruppierte Bläschen am Lid oder Lidrand, die aufplatzen und verkrusten,
- geschwollene Lider und ein unwillkürliches Zukneifen des Auges (Lidkrampf, Blepharospasmus),
- Brennen, Kribbeln oder ein Trockenheitsgefühl,
- verschwommenes oder trübes Sehen, wenn die Hornhaut anschwillt oder sich trübt,
- Kopfschmerzen auf der betroffenen Seite,
- ein geschwollener, druckempfindlicher Lymphknoten vor dem Ohr.
Der Schmerz einer Hornhautentzündung ist meist deutlich und genau im Auge zu spüren. Bei einer einfachen Bindehautentzündung ist das Auge eher diffus gereizt, ohne echten Schmerz.
Wie zeigt sich die erste Ansteckung mit Herpes simplex?
Die erste Ansteckung des Auges (Primärinfektion) verläuft meist unauffällig und wird häufig gar nicht als Herpes erkannt. Sie geschieht überwiegend in der Kindheit. Oft sieht sie aus wie eine gewöhnliche Bindehautentzündung: rotes, tränendes Auge, manchmal einige Bläschen am Lid.
Bei der Erstinfektion sind häufiger Lid und Bindehaut betroffen als die Hornhaut. Die Lidbläschen heilen in der Regel innerhalb etwa einer Woche ohne Narbe ab. Viele Menschen erfahren deshalb erst beim ersten Rückfall Jahre später, dass sie Herpes am Auge haben.
Wie sieht Herpes an Lid und Bindehaut aus?
Am Lid zeigt sich Herpes als Gruppe kleiner, mit klarer Flüssigkeit gefüllter Bläschen auf geröteter Haut, ähnlich wie Lippenherpes. Die Bläschen platzen nach einigen Tagen, nässen und verkrusten gelblich. Das Lid kann geschwollen sein und spannen.
Eine Herpes-Bindehautentzündung macht ein rotes, tränendes Auge, oft mit Schwellung des Lymphknotens vor dem Ohr. In etwa zehn Prozent der Fälle sind beide Augen betroffen. Nach französischen Fachangaben kann Herpes hinter bis zu etwa einem Fünftel der akuten Bindehautentzündungen stecken, wird aber oft übersehen.
Menschen mit Neurodermitis (atopischer Dermatitis) können eine großflächige Ausbreitung der Bläschen auf der vorgeschädigten Haut bekommen. Diese Form heißt Ekzema herpeticatum (Kaposi-Juliusberg-Syndrom) und braucht rasch ärztliche Behandlung.
Wie fühlt sich eine Herpes-Hornhautentzündung an?
Wie sich eine Herpes-Hornhautentzündung anfühlt, hängt davon ab, welche Schicht der Hornhaut betroffen ist. Die Hornhaut besteht vereinfacht aus drei Lagen: der dünnen Deckschicht (Epithel), dem dicken, klaren Mittelteil (Stroma) und der innersten Zellschicht (Endothel), die die Hornhaut entwässert und klar hält.
Oberflächliche (epitheliale) Keratitis
Die oberflächliche Form ist die häufigste und meist die schmerzhafteste. Hier vermehrt sich das Virus aktiv in der Deckschicht. Typisch sind starker Schmerz, Fremdkörpergefühl, Lichtscheu, Tränen und eine Rötung rund um die Hornhaut.
In der Untersuchung zeigt sich ein verzweigtes, baumastförmiges Geschwür (Keratitis dendritica) mit kleinen Knöpfchen an den Enden. Breitet es sich flächig aus, entsteht ein landkartenförmiges Geschwür (Keratitis geographica). Das passiert vor allem bei Abwehrschwäche, Neurodermitis oder nach Kortison-Tropfen.
Tiefe (stromale) Keratitis
Bei der stromalen Form sitzt die Entzündung im dicken Mittelteil der Hornhaut. Sie entsteht überwiegend durch eine Abwehrreaktion des Körpers gegen Virusbestandteile, seltener durch direkten Virusbefall. Betroffene bemerken vor allem trübes, verschleiertes Sehen, Blendung und ein gerötetes Auge; der Schmerz ist oft geringer als bei der oberflächlichen Form.
In der Hornhaut sieht die Augenärztin oder der Augenarzt weißliche Trübungen, manchmal einwachsende Blutgefäße. Eine besondere Gefahr ist die seltene nekrotisierende Form: Hier schmilzt Hornhautgewebe ein, die Hornhaut kann dünn werden und im schlimmsten Fall durchbrechen. Sie verursacht starke Schmerzen und deutlichen Sehverlust.
Innere (endotheliale) Keratitis
Bei der endothelialen Form ist die innerste Zellschicht entzündet, die Hornhaut quillt auf und wird milchig. Am häufigsten zeigt sich das als scheibenförmige Schwellung in der Mitte der Hornhaut (disziforme Keratitis). Betroffene sehen wie durch Milchglas, oft mit Lichtscheu und mäßigen Schmerzen.
Meist ist dabei auch die Regenbogenhaut mitentzündet (vordere Uveitis). Die gute Nachricht: Die Sehverschlechterung bildet sich bei rechtzeitiger Behandlung meist zurück. Wiederholte Schübe können aber Endothelzellen dauerhaft zerstören, und diese wachsen nicht nach.
Warum tut ein Herpes-Rückfall manchmal kaum weh?
Nach mehreren Schüben werden die Nerven der Hornhaut geschädigt, die Hornhaut wird gefühllos. Betroffene spüren dann Reizungen, Verletzungen und neue Entzündungen viel weniger, obwohl der Schaden ernst sein kann.
Diese Folge heißt neurotrophe Keratopathie, ältere Bezeichnung „metaherpetisches“ oder „trophisches“ Geschwür. Die Hornhaut heilt schlecht, weil die Nerven auch für die Ernährung und Erneuerung der Oberfläche wichtig sind. Typische Zeichen sind ein Auge, das sich trocken anfühlt, ohne richtig zu schmerzen, ein langsam verschwommeneres Sehen und eine Rötung, die nicht abklingt. Aktive Viren sind dabei meist nicht mehr im Spiel.
Wer weiß, dass er schon Herpes am Auge hatte, sollte sich deshalb nicht auf den Schmerz als Warnsignal verlassen. Jede neue Rötung oder Sehverschlechterung gehört untersucht.
Welche seltenen Formen betreffen das Innere des Auges?
Herpes kann auch tiefer liegende Teile des Auges entzünden, was andere Beschwerden auslöst als die Hornhautentzündung. Die wichtigsten Formen:
- Regenbogenhautentzündung (Uveitis anterior): dumpfer Augenschmerz, Lichtscheu, verschwommenes Sehen; in rund 90 Prozent der Herpes-Fälle einseitig.
- Trabekulitis: Entzündung des Abflusssystems im Kammerwinkel mit plötzlich stark erhöhtem Augeninnendruck. Das kann Kopf- und Augenschmerz, Übelkeit und Farbringe um Lichtquellen verursachen.
- Skleritis: Entzündung der Lederhaut mit tiefroter Verfärbung und bohrenden Schmerzen, selten.
- Akute Retinanekrose: rasch fortschreitende Netzhautentzündung durch Herpes- oder Zoster-Viren mit Schleiersehen, „Mücken“ vor dem Auge und deutlichem Sehverlust. Sie ist selten, aber ein Notfall.
Wie kündigt sich eine Gürtelrose im Augenbereich an?
Eine Gürtelrose im Augenbereich beginnt meist mit Brennen, Kribbeln oder starken Schmerzen auf einer Seite der Stirn, bevor irgendetwas zu sehen ist. Diese Vorphase (Prodrom) dauert meist zwei bis drei Tage, manchmal bis zu einer Woche.
Dazu kommen häufig allgemeine Krankheitszeichen: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, leichtes Fieber oder Muskelschmerzen. Die Haut kann überempfindlich oder taub sein, schon das Kämmen oder eine Mütze schmerzen. Weil noch kein Ausschlag sichtbar ist, werden die Beschwerden in dieser Phase oft für Migräne, Nebenhöhlen- oder Zahnprobleme gehalten.
Wie sieht der Ausschlag bei Gürtelrose am Auge aus?
Der Ausschlag zeigt sich als streng einseitige Gruppe roter Flecken und Bläschen an Stirn, Oberlid, Kopfhaut und manchmal Nase. Er überschreitet die Mittellinie des Gesichts nicht, weil er dem Versorgungsgebiet des ersten Trigeminusasts (Augenast, V1) folgt.
Aus den Flecken werden innerhalb weniger Tage Knötchen, Bläschen und Pusteln, die aufplatzen und gelblich-braun verkrusten. Neue Bläschen können noch drei bis fünf Tage nachkommen. Bis alles abgeheilt ist, vergehen meist zwei bis drei Wochen. Der Inhalt der Bläschen ist ansteckend.
Auf dunkler Haut ist der Ausschlag schwerer zu erkennen und wirkt eher dunkel als rot. Sehr selten treten die Schmerzen und eine Augenentzündung ganz ohne Ausschlag auf.
Was bedeutet das Hutchinson-Zeichen?
Das Hutchinson-Zeichen sind Gürtelrose-Bläschen an der Nasenspitze, am Nasenflügel oder am Nasenrücken. Sie zeigen, dass der Nervenast befallen ist, der auch das Augeninnere versorgt (Nervus nasociliaris).
Mit diesem Zeichen ist das Risiko einer Augenbeteiligung etwa dreimal so hoch wie ohne. Es sagt auch eine spätere Schädigung der Hornhautnerven voraus. Umgekehrt gilt aber: Fehlen Bläschen an der Nase, ist das Auge nicht sicher geschützt. Auch ohne Hutchinson-Zeichen kann sich das Auge entzünden.
Welche Augenbeschwerden macht eine Gürtelrose?
Ist das Auge beteiligt, kommt es zu starken Augenschmerzen, Rötung, Lichtscheu, Tränenfluss und deutlich geschwollenen Lidern, oft verbunden mit schlechterem Sehen. Das Oberlid kann so stark anschwellen, dass sich das Auge kaum öffnen lässt. Bei etwa der Hälfte der Menschen mit Gürtelrose im Stirnbereich ist das Auge mitbetroffen.
Die Augenbeschwerden beginnen oft zusammen mit dem Ausschlag, manchmal aber erst ein bis zwei Wochen später. Möglich sind:
- Bindehautentzündung mit Rötung und Schwellung, die häufigste Form,
- Hornhautentzündung, anfangs mit feinen Pünktchen, dann mit flachen, verzweigten „Pseudodendriten“,
- tiefe, münzförmige Hornhauttrübungen mit verschwommenem Sehen,
- Entzündung der Regenbogenhaut, oft mit erhöhtem Augeninnendruck,
- Entzündung der Lederhaut oder Episklera (oberflächliche Schicht darüber),
- selten Doppelbilder, ein hängendes Lid oder eine Sehnerven- oder Netzhautentzündung.
Welche Beschwerden bleiben nach einer Gürtelrose am Auge?
Nach dem Abheilen des Ausschlags können Beschwerden über Monate oder Jahre bestehen bleiben. Am häufigsten ist ein anhaltender, brennender oder stechender Nervenschmerz im früheren Ausschlagsgebiet, die postherpetische Neuralgie (Post-Zoster-Neuralgie). Man spricht davon, wenn der Schmerz länger als drei Monate nach dem Abheilen der Krusten anhält.
Weitere mögliche Folgen sind Narben und helle Flecken auf der Haut, Wimpernverlust, Fehlstellungen des Lids (nach innen oder außen gedreht, hängendes Lid), eine gefühllose Hornhaut mit schlecht heilenden Defekten und eine immer wiederkehrende Entzündung im Augeninneren. Auch Monate nach der Erkrankung können Schwellungen und Trübungen der Hornhaut neu auftreten.
Was ist bei Kindern, Neurodermitis und Abwehrschwäche anders?
Bei Kindern, Menschen mit Neurodermitis und Menschen mit geschwächter Abwehr verläuft Herpes am Auge oft heftiger und breitet sich schneller aus. Rückfälle sind häufiger, öfter sind beide Augen betroffen, und Komplikationen wie die gefühllose Hornhaut treten häufiger auf.
Kleine Kinder können ihre Beschwerden nicht gut beschreiben. Sie reiben das Auge, kneifen es zu, meiden helles Licht oder sind quengelig. Bei Kindern kann eine Herpes-Hornhautentzündung zudem das Sehenlernen stören und zu einer Schwachsichtigkeit führen, wenn eine Trübung lange besteht.
Abwehrschwäche heißt etwa: HIV, Chemotherapie, Organtransplantation oder Medikamente, die das Immunsystem dämpfen. Bei diesen Menschen verläuft auch die Gürtelrose am Auge eher langwierig und kommt häufiger zurück.
Woran erkennt man Herpes bei Neugeborenen?
Bei Neugeborenen zeigt sich Herpes meist in den ersten ein bis drei Lebenswochen, oft zuerst als Bläschen auf der Haut, im Mund oder um die Augen. Am Auge kann es wie eine Bindehautentzündung aussehen: rot, tränend oder verklebt, manchmal mit getrübter Hornhaut.
Warnzeichen für eine Ausbreitung im Körper sind Trinkschwäche, ungewöhnliche Schläfrigkeit, Atemprobleme und Krampfanfälle. Eine Herpes-Infektion des Neugeborenen ist immer ein Notfall für die Kinderklinik, auch wenn die Mutter nie Herpes-Beschwerden hatte. Eine Bindehautentzündung beim Neugeborenen, die sich unter Antibiotika-Tropfen nicht bessert, sollte an Herpes denken lassen.
Was ist bei älteren Menschen zu beachten?
Bei älteren Menschen ist vor allem die Gürtelrose häufig, und sie verläuft mit zunehmendem Alter schwerer. Auch der nachfolgende Nervenschmerz wird mit dem Alter häufiger und hartnäckiger.
Ältere Menschen schieben einseitige Kopf- oder Stirnschmerzen leicht auf andere Ursachen. Wer über 50 ist und ohne erkennbaren Grund brennende Schmerzen auf einer Stirnseite hat, sollte in den folgenden Tagen auf Hautveränderungen achten und bei den ersten Bläschen sofort ärztlichen Rat holen.
Was können Angehörige bemerken?
Angehörige bemerken oft zuerst ein einseitig rotes, tränendes Auge, das die betroffene Person zukneift oder vor Licht schützt. Weitere Hinweise:
- Bläschen oder Krusten am Lid, an der Stirn oder an der Nasenspitze,
- ein geschwollenes, hängendes Oberlid auf einer Seite,
- häufiges Reiben am Auge, bei Kindern Weinen und Abwenden vom Licht,
- Klagen über verschwommenes Sehen oder Schmerzen auf einer Kopfseite,
- eine weißliche oder milchige Stelle auf der Hornhaut.
Wie unterscheiden sich die Beschwerden von anderen roten Augen?
Ein Herpes am Auge lässt sich ohne Spaltlampe nicht sicher von anderen Ursachen unterscheiden. Einige Merkmale geben aber Hinweise:
| Merkmal | Herpes-simplex-Keratitis | Gürtelrose am Auge | Gewöhnliche Bindehautentzündung |
|---|---|---|---|
| Seite | meist ein Auge | immer eine Gesichtsseite | oft beide Augen |
| Schmerz | deutlich, im Auge | stark, auch Stirn und Kopfhaut | eher Brennen, Jucken |
| Lichtscheu | ausgeprägt | ausgeprägt | gering |
| Sehen | oft verschwommen | oft verschwommen | meist normal |
| Haut | evtl. Bläschen am Lid | Bläschenausschlag an Stirn, Lid, Nase | keine Bläschen |
| Vorgeschichte | frühere Schübe, Lippenherpes | Windpocken früher, Alter | Erkältung, Kontakt zu Erkrankten |
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (8)
- Wie gelangt das Herpes-simplex-Virus ins Auge?
- Warum kommt Herpes am Auge immer wieder?
- Was löst einen Herpes-Rückfall aus?
- Warum schadet die eigene Abwehr der Hornhaut?
- Wie entsteht eine Gürtelrose am Auge?
- Wer hat ein erhöhtes Risiko für Gürtelrose am Auge?
- Wie steckt sich ein Neugeborenes an?
- Kann ein Mund-Nasen-Schutz Herpes am Auge auslösen?
Wie gelangt das Herpes-simplex-Virus ins Auge?
Das Herpes-simplex-Virus wird durch direkten Kontakt mit Bläschen, Speichel oder anderen Sekreten übertragen, meist schon in der Kindheit. Die Ansteckung erfolgt oft über die Hände, etwa wenn man erst einen Lippenherpes und danach das Auge berührt. Auch Gegenstände wie Handtücher können das Virus übertragen.
Das Virus ist sehr verbreitet. In Frankreich tragen rund 90 Prozent der über 60-Jährigen HSV-1 in sich; die Erstinfektion verläuft in über 90 Prozent der Fälle ohne Beschwerden. Nur ein kleiner Teil der Infizierten bekommt jemals Herpes am Auge; das Lebenszeitrisiko wird auf etwa ein Prozent geschätzt.
Warum kommt Herpes am Auge immer wieder?
Herpes kommt wieder, weil das Virus nach der Erstinfektion nicht aus dem Körper verschwindet. Es wandert entlang der Nervenfasern in einen Nervenknoten des Gesichtsnervs (Ganglion trigeminale) und ruht dort lebenslang.
Wird es reaktiviert, wandert es den Nerv entlang zurück an die Oberfläche: an die Lippe, die Haut oder ins Auge. Meist reaktiviert es sich an der Lippe; nur ein sehr kleiner Teil der Rückfälle betrifft den Augenast des Nervs. Hatte jemand aber bereits Herpes am Auge, ist das Risiko für weitere Augenschübe deutlich erhöht.
Was löst einen Herpes-Rückfall aus?
Ein Rückfall wird meist durch etwas ausgelöst, das die Nerven reizt oder die Abwehr vorübergehend schwächt. Genannt werden in den Quellen:
- intensives Licht und UV-Strahlung, etwa starke Sonne, Laser-Operationen am Auge oder die UV-Behandlung beim Hornhaut-Crosslinking,
- Fieber, Erkältungen und andere Infekte,
- Menstruation,
- starker körperlicher Stress, etwa durch Verbrennungen, Knochenbrüche oder Operationen,
- psychischer Stress und Erschöpfung,
- Verletzungen oder Operationen am Auge,
- geschwächte Abwehr durch Krankheit oder Medikamente,
- Kortison, ob als Augentropfen, Spritze am Auge oder Tablette.
Oft lässt sich aber kein Auslöser finden. Rückfälle sind deshalb keine Folge von Fehlern der Betroffenen.
Warum schadet die eigene Abwehr der Hornhaut?
Bei den tiefen Formen der Herpes-Keratitis richtet nicht nur das Virus, sondern vor allem die Entzündungsreaktion des Körpers den Schaden an. Die Abwehr reagiert auf Virusbestandteile im Hornhautgewebe, auch wenn sich das Virus kaum noch vermehrt.
Das erklärt, warum die Behandlung je nach Form so unterschiedlich ist. Bei der oberflächlichen Form muss das Virus gestoppt werden, Kortison würde schaden. Bei den tiefen Formen muss zusätzlich die Entzündung gebremst werden, dort ist Kortison unter antiviralem Schutz sinnvoll.
Wie entsteht eine Gürtelrose am Auge?
Eine Gürtelrose am Auge entsteht, wenn das Windpocken-Virus, das seit der Kindheit in einem Nervenknoten ruht, wieder aktiv wird. Es wandert dann entlang des ersten Trigeminusasts zu Stirn, Lid, Nase und Auge. Die Entzündung des Nervs verursacht die typischen starken Schmerzen.
Fast alle Erwachsenen tragen das Virus in sich; in Frankreich sind über 95 Prozent der Erwachsenen mit VZV infiziert. Etwa jeder dritte Mensch bekommt im Laufe des Lebens eine Gürtelrose, irgendwo am Körper. Das Gesicht und der Augenbereich sind dabei häufig betroffen.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für Gürtelrose am Auge?
Das wichtigste Risiko ist das Alter: Die Abwehr gegen das Windpocken-Virus lässt mit den Jahren nach, besonders ab 50 bis 60 Jahren. Bei über 80-Jährigen erkranken in Frankreich fast zehn von 1.000 Menschen pro Jahr an Gürtelrose.
Weitere Risikofaktoren sind:
- geschwächte Abwehr, etwa durch HIV, Krebs und Chemotherapie, Transplantation,
- Medikamente, die das Immunsystem dämpfen, darunter Kortison in höherer Dosis und bestimmte Rheuma-Mittel,
- chronische Krankheiten wie Diabetes, chronische Lungen- oder Nierenerkrankungen und Autoimmunerkrankungen,
- starker psychischer Stress und kürzliche körperliche Verletzungen.
Wie steckt sich ein Neugeborenes an?
Neugeborene stecken sich meist bei der Geburt an, wenn das Herpes-Virus im Geburtskanal der Mutter vorhanden ist. Oft hat die Mutter dabei keine sichtbaren Beschwerden und weiß nichts von der Infektion. Häufig ist hier Herpes simplex Typ 2 beteiligt, der vor allem Genitalherpes verursacht.
Seltener erfolgt die Ansteckung nach der Geburt durch engen Kontakt mit einem Menschen, der gerade Lippenherpes hat, etwa durch Küsse. Herpes beim Neugeborenen ist selten: Für die USA schätzen Studien etwa eines von 3.000 bis eines von 10.000 Neugeborenen.
Kann ein Mund-Nasen-Schutz Herpes am Auge auslösen?
Nein, ein Zusammenhang zwischen Maskentragen und Herpes am Auge ist nicht belegt. Diese Vermutung kursierte während der Corona-Pandemie, ließ sich aber von Fachleuten nicht bestätigen.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (7)
- Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose?
- Was zeigt der gelbe Farbstoff bei der Untersuchung?
- Warum wird die Empfindlichkeit der Hornhaut geprüft?
- Welche weiteren Untersuchungen sind nötig?
- Wann ist ein Abstrich oder Labortest sinnvoll?
- Wie wird eine Gürtelrose am Auge erkannt?
- Welche Krankheiten sehen ähnlich aus?
Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose?
Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt meist allein durch Befragung und Untersuchung an der Spaltlampe, einem Mikroskop mit hellem Lichtspalt. Die deutsche Leitlinie nennt eine sorgfältige Vorgeschichte und Untersuchung als Grundlage jeder Behandlungsentscheidung.
Gefragt wird unter anderem nach früheren Schüben am Auge, Lippen- oder Genitalherpes, Windpocken und Gürtelrose, Neurodermitis, Abwehrschwäche, Kontaktlinsen und bisher verwendeten Augentropfen, besonders kortisonhaltigen.
Was zeigt der gelbe Farbstoff bei der Untersuchung?
Ein Tropfen des Farbstoffs Fluoreszein färbt Stellen grün an, an denen die Deckschicht der Hornhaut fehlt. Bei Herpes simplex zeigt sich so das typische verzweigte, baumastförmige Muster mit kleinen Endknöpfchen. Dieses Bild reicht oft schon für die Diagnose.
Bei der Gürtelrose sehen die Veränderungen ähnlich, aber nicht gleich aus: Die sogenannten Pseudodendriten sind flacher, weniger verzweigt und haben keine Endknöpfchen. Die Untersuchung ist schmerzfrei; vorher werden manchmal betäubende Tropfen gegeben.
Warum wird die Empfindlichkeit der Hornhaut geprüft?
Eine verminderte Hornhautempfindlichkeit ist ein wichtiger Hinweis auf Herpes und auf ein erhöhtes Risiko für Heilungsstörungen. Dazu berührt die Ärztin oder der Arzt die Hornhaut sanft mit einem fein ausgezogenen Wattetupfer oder einem speziellen Messgerät.
Geprüft wird im Seitenvergleich, zuerst am gesunden Auge, und vor dem Tropfen betäubender Mittel. Das Ergebnis hilft auch dabei einzuschätzen, wie gut die Hornhaut später heilen wird.
Welche weiteren Untersuchungen sind nötig?
Je nach Befund werden Augeninnendruck und Augenhintergrund untersucht. Bei Entzündungen im Augeninneren kann der Druck stark ansteigen; außerdem muss eine Netzhautentzündung wie die akute Retinanekrose ausgeschlossen werden.
Für die Untersuchung des Augenhintergrunds wird die Pupille mit Tropfen erweitert. Danach ist das Sehen einige Stunden verschwommen und blendempfindlich; Autofahren ist in dieser Zeit nicht möglich. Bei Gürtelrose am Auge prüft die Ärztin oder der Arzt zusätzlich Lider, Augenbewegungen, Pupillenreaktion und Sehschärfe.
Wann ist ein Abstrich oder Labortest sinnvoll?
Ein Labortest ist sinnvoll, wenn das Bild nicht eindeutig ist oder die Behandlung nicht wirkt. Dazu wird nach betäubenden Tropfen mit einem Tupfer Material von Hornhaut oder Bindehaut genommen; das ist schmerzfrei. Im Labor wird das Erbgut des Virus mit einer PCR nachgewiesen oder das Virus angezüchtet.
Bei Entzündungen im Augeninneren kann eine winzige Probe Kammerwasser aus der Vorderkammer entnommen werden. Wichtig: Ein negativer Abstrich schließt Herpes nicht aus. Bei Neugeborenen wird das Virus immer im Labor gesucht, an mehreren Körperstellen und auch im Blut und Nervenwasser.
Ein Bluttest auf Herpes-Antikörper hilft dagegen kaum weiter. Die meisten Erwachsenen haben solche Antikörper, auch ohne jemals Herpes am Auge gehabt zu haben.
Wie wird eine Gürtelrose am Auge erkannt?
Eine Gürtelrose am Auge wird fast immer am typischen einseitigen Ausschlag an Stirn, Lid und Nase erkannt. Laboruntersuchungen sind nur bei untypischem Bild nötig. Die eigentliche Frage ist, ob und wie stark das Auge beteiligt ist.
Deshalb sollen Menschen mit Bläschen in diesem Gebiet augenärztlich untersucht werden, auch wenn das Auge unauffällig wirkt. Eine Selbsteinschätzung anhand der Beschwerden ist nicht zuverlässig. Narben einer früheren Gürtelrose im Gesicht können später helfen, eine Augenentzündung richtig einzuordnen.
Welche Krankheiten sehen ähnlich aus?
Mehrere andere Augenkrankheiten können einem Herpes am Auge ähneln und müssen abgegrenzt werden. Dazu gehören:
- Bindehautentzündungen durch Adenoviren oder Bakterien,
- andere Formen der Hornhautentzündung, besonders durch Bakterien oder durch Akanthamöben bei Kontaktlinsenträgern,
- Schäden durch Augentropfen selbst, etwa durch Konservierungsmittel oder zu lange Anwendung antiviraler Tropfen,
- Heilungslinien nach einer Hornhautverletzung und wiederkehrende Hornhauterosionen,
- Überbeanspruchung durch Kontaktlinsen,
- andere Ursachen einer Regenbogenhautentzündung wie Toxoplasmose, Sarkoidose oder Rheuma.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (14)
- Was ist das Ziel der Behandlung?
- Wie wird Herpes an Lid, Bindehaut und Hornhautoberfläche behandelt?
- Warum sind Kortison-Augentropfen bei Herpes gefährlich?
- Wie werden tiefe Formen der Herpes-Keratitis behandelt?
- Wann werden antivirale Tabletten eingesetzt?
- Wozu dienen pupillenerweiternde Tropfen?
- Was tun, wenn die Behandlung nicht wirkt?
- Wann helfen Dauer-Tabletten gegen Rückfälle?
- Wie wird eine gefühllose Hornhaut behandelt?
- Was hilft bei Hornhautnarben?
- Wie wird eine Gürtelrose am Auge behandelt?
- Hilft eine Dauerbehandlung auch nach Gürtelrose am Auge?
- Wie werden Neugeborene mit Herpes behandelt?
- Was ist bei der Anwendung der Augenmedikamente zu beachten?
Was ist das Ziel der Behandlung?
Ziel der Behandlung ist es, die Virusvermehrung rasch zu stoppen, die Entzündung zu bremsen und Narben zu verhindern. Heilen im Sinne von „Virus weg“ lässt sich Herpes nicht. Langfristig geht es darum, Rückfälle seltener zu machen und das Sehen zu erhalten.
Wie behandelt wird, hängt entscheidend davon ab, welche Schicht des Auges betroffen ist. In Deutschland orientiert sich die Behandlung der Herpes-simplex-Keratitis an der Leitlinie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und des Berufsverbands der Augenärzte (BVA) von 2025. Die genaue Dosierung legt immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest.
Wie wird Herpes an Lid, Bindehaut und Hornhautoberfläche behandelt?
Sind nur Lid, Bindehaut oder die Deckschicht der Hornhaut betroffen, reicht meist eine antivirale Salbe oder ein antivirales Gel. Die deutsche Leitlinie nennt dafür Aciclovir-Augensalbe oder Ganciclovir-Augengel, jeweils fünfmal täglich. Bei Lidbläschen wird Aciclovir auch auf die Lidhaut aufgetragen.
Die Mittel unterscheiden sich von Land zu Land. In Großbritannien gilt Ganciclovir-Gel als Standard. In den USA ist Aciclovir-Augensalbe nicht zugelassen; dort werden Ganciclovir-Gel oder Trifluridin-Tropfen verwendet, die wegen ihrer Giftigkeit für die Hornhaut nur begrenzt lange gegeben werden dürfen.
Statt Salbe oder Gel können auch Tabletten mit Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir eingesetzt werden. Heilt ein baumastförmiges Geschwür schlecht, kann die Augenärztin oder der Augenarzt die lockeren, infizierten Zellen vorsichtig abtragen (Abrasio, Débridement). Eine oberflächliche Herpes-Keratitis heilt unter Behandlung meist innerhalb von zwei bis drei Wochen ab.
Warum sind Kortison-Augentropfen bei Herpes gefährlich?
Bei einem oberflächlichen Herpes der Hornhaut fördern Kortison-Tropfen die Virusvermehrung und können aus einem kleinen baumförmigen Geschwür ein großes landkartenförmiges machen. Die deutsche Leitlinie ist hier eindeutig: Ist die Deckschicht der Hornhaut betroffen, sollen keine Kortison-Präparate verwendet werden. Französische Fachquellen bezeichnen die Folgen als verheerend.
Das Problem: Ein rotes Auge sieht für Laien oft „nur entzündet“ aus. Wer dann übrig gebliebene Kortison- oder Kombinationstropfen aus der Hausapotheke nimmt, kann einen Herpes massiv verschlimmern. Kortison zählt außerdem selbst zu den Auslösern von Herpes-Rückfällen. Auch Tropfen, die Kortison mit einem Antibiotikum kombinieren, gehören dazu.
Deshalb gilt:
- Kortisonhaltige Augentropfen nie ohne augenärztliche Diagnose verwenden, auch nicht Reste von früher oder von Angehörigen.
- Bei bekannter Herpes-Vorgeschichte jede Ärztin und jeden Arzt darauf hinweisen, bevor Kortison am Auge verordnet wird.
- Bei den tiefen Herpes-Formen ist Kortison dagegen ein wichtiges Medikament, aber nur unter antiviralem Schutz und mit engmaschigen Kontrollen.
Wie werden tiefe Formen der Herpes-Keratitis behandelt?
Bei der tiefen (stromalen) und der inneren (endothelialen) Form wird ein antivirales Mittel mit Kortison-Tropfen kombiniert. Das antivirale Mittel verhindert, dass das Virus sich unter dem Kortison vermehrt; das Kortison bremst die schädliche Entzündung. Bei Beteiligung der innersten Schicht reicht laut Leitlinie eine örtliche Behandlung allein nicht aus, antivirale Tabletten gehören dazu.
Dass Kortison hier hilft, hat die große amerikanische Herpetic Eye Disease Study (HEDS) gezeigt: Kortison-Tropfen senkten bei stromaler Keratitis das Risiko eines anhaltenden oder fortschreitenden Verlaufs deutlich, um rund zwei Drittel, und verkürzten die Erkrankung. Kortison wird dabei langsam über Wochen bis Monate ausgeschlichen, nie abrupt abgesetzt.
Bei Kortison-Behandlung wird der Augeninnendruck regelmäßig gemessen, weil Kortison ihn erhöhen kann. Bei der seltenen nekrotisierenden Form kommen zusätzlich Antibiotika-Tropfen hinzu, um eine bakterielle Zweitinfektion zu verhindern. Bei Entzündung des Kammerwinkels oder der Lederhaut wird hochdosiert mit Tabletten behandelt und ein erhöhter Augeninnendruck gesenkt.
Wann werden antivirale Tabletten eingesetzt?
Antivirale Tabletten werden eingesetzt, wenn die tiefen Schichten oder das Augeninnere betroffen sind, bei Risikogruppen und zur Rückfallvorbeugung. Die Wirkstoffe heißen Aciclovir, Valaciclovir und Famciclovir.
Bei Kindern, Menschen mit Abwehrschwäche und Menschen mit Neurodermitis empfiehlt die Leitlinie, früher mit Tabletten zu beginnen, schon beim Verdacht auf eine Erstinfektion. Kinder werden gemeinsam mit der Kinderheilkunde behandelt. Bei schwerer Abwehrschwäche kann Aciclovir über die Vene nötig sein.
Die Tabletten werden in der Regel gut vertragen. Möglich sind Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen und Schwindel. Weil die Mittel über die Niere ausgeschieden werden, ist bei Nierenerkrankungen eine angepasste Dosis nötig; bei längerer oder hoher Dosierung werden die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert, und man sollte ausreichend trinken.
Wozu dienen pupillenerweiternde Tropfen?
Pupillenerweiternde Tropfen wie Atropin, Scopolamin oder Cyclopentolat lindern Schmerz und Lichtscheu, wenn das Augeninnere mitentzündet ist. Sie stellen den verkrampften Muskel in der Regenbogenhaut ruhig und verhindern, dass die entzündete Regenbogenhaut mit der Linse verklebt.
Die Pupille bleibt danach je nach Mittel Stunden bis Tage weit. Das Sehen in der Nähe ist unscharf, und das Auge ist blendempfindlich.
Was tun, wenn die Behandlung nicht wirkt?
Bessert sich ein Herpes nach etwa einer Woche nicht, prüft die Augenärztin oder der Augenarzt mehrere mögliche Gründe. Dazu gehören:
- Die Mittel wurden nicht wie verordnet angewendet, etwa zu selten getropft.
- Das Virus ist gegen Aciclovir unempfindlich geworden (Resistenz); das wird häufiger beobachtet. Dann kann auf ein anderes Mittel gewechselt werden.
- Die Tropfen selbst reizen die Hornhaut (Tropfenschaden).
- Die Hornhaut heilt wegen fehlender Nervenversorgung schlecht, nicht wegen des Virus.
- Es liegt eine andere Erkrankung vor, zum Beispiel eine Akanthamöben-Keratitis.
Wann helfen Dauer-Tabletten gegen Rückfälle?
Bei häufigen Rückfällen kann eine niedrig dosierte Dauerbehandlung mit Tabletten die Zahl der Schübe ungefähr halbieren. Die deutsche Leitlinie empfiehlt sie ab mindestens zwei Rückfällen pro Jahr, über mindestens ein Jahr und mit regelmäßiger Kontrolle der Nierenwerte. Auch nach einem schweren, sehbedrohenden Schub oder nach einer Hornhauttransplantation kommt sie in Frage.
Belegt ist die Wirkung durch die HEDS-Studie mit 703 Teilnehmenden: Unter täglichem Aciclovir hatten innerhalb eines Jahres 19 Prozent einen Augenherpes-Rückfall, unter Scheinmedikament 32 Prozent. Bei der tiefen Form sank das Risiko von 28 auf 14 Prozent. Nach dem Absetzen kam es zu keiner überschießenden Rückfallwelle.
Wichtig zu wissen: Die Dauerbehandlung heilt die Infektion nicht, sie senkt nur das Rückfallrisiko, solange sie läuft. In Frankreich gelten etwas andere Schwellen, etwa bei der oberflächlichen Form mehr als drei Rückfälle pro Jahr, mit Überprüfung alle sechs bis zwölf Monate. Ob und wie lange eine Dauerbehandlung sinnvoll ist, wird individuell besprochen.
Wie wird eine gefühllose Hornhaut behandelt?
Bei der gefühllosen Hornhaut (neurotrophe Keratopathie) hilft keine antivirale Behandlung, weil kein aktives Virus mehr beteiligt ist. Stattdessen braucht die Oberfläche intensive Pflege und Schutz.
Die Leitlinie nennt eine Stufenfolge:
- häufige Benetzung mit konservierungsmittelfreien Tränenersatzmitteln,
- bei Defekten der Oberfläche eine weiche Verbandskontaktlinse mit konservierungsmittelfreien Antibiotika-Tropfen,
- Augentropfen aus dem eigenen Blutserum (Eigenserum),
- Tropfen mit einem Nervenwachstumsfaktor (rhNGF); in Deutschland laut Leitlinie nur über eine Auslandsapotheke erhältlich,
- Abdecken mit Bindehaut oder Amnionmembran (Eihaut aus der Plazenta, die die Heilung fördert),
- teilweiser Verschluss der Lidspalte durch eine Naht oder ein vorübergehend gelähmtes Oberlid,
- bei drohendem Durchbruch eine Hornhauttransplantation.
Was hilft bei Hornhautnarben?
Bleiben nach Herpes Narben, die das Sehen stören, gibt es mehrere Möglichkeiten. Leichte Unregelmäßigkeiten lassen sich oft mit formstabilen Kontaktlinsen ausgleichen. Oberflächliche Narben können mit einem Excimer-Laser abgetragen werden (phototherapeutische Keratektomie).
Bei tiefen Narben hilft nur eine Hornhauttransplantation, bei der ganz oder in Schichten Spenderhornhaut eingesetzt wird. Herpes ist ein häufiger Grund dafür; an einer großen Pariser Augenklinik war er zwischen 1980 und 1999 bei etwa jeder zehnten Hornhauttransplantation der Anlass. Operiert wird möglichst erst, wenn das Auge seit längerer Zeit ruhig ist.
Nach einer Transplantation kann Herpes im Transplantat zurückkehren, und das Risiko einer Abstoßung ist höher als bei anderen Gründen für die Operation. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, mit vorbeugenden antiviralen Tabletten einige Tage vor der Operation zu beginnen und sie mindestens ein Jahr fortzuführen.
Wie wird eine Gürtelrose am Auge behandelt?
Eine Gürtelrose im Augenbereich wird mit antiviralen Tabletten behandelt, und zwar so früh wie möglich, am besten innerhalb von 72 Stunden nach Beginn des Ausschlags. Die frühe Behandlung verkürzt den Ausschlag und senkt das Risiko für Augenkomplikationen. Behandelt wird ohne Abwarten eines Labortests, meist sieben bis zehn Tage lang.
Auch nach mehr als 72 Stunden lohnt sich die Behandlung noch, wenn neue Bläschen auftreten oder das Auge beteiligt ist. Bei schwerer Abwehrschwäche oder sehr schwerem Verlauf wird Aciclovir über die Vene gegeben. Antivirale Augentropfen allein reichen bei Gürtelrose nicht; ihr zusätzlicher Nutzen ist nicht belegt.
Ist das Auge entzündet, kommen weitere Mittel hinzu:
- Kortison-Tropfen bei Hornhaut- oder Regenbogenhautentzündung, verordnet und kontrolliert von der Augenärztin oder dem Augenarzt, nie ohne antivirale Behandlung,
- pupillenerweiternde Tropfen gegen Schmerzen und zum Schutz vor Verklebungen,
- drucksenkende Tropfen oder Tabletten bei erhöhtem Augeninnendruck,
- Kortison als Tablette bei Entzündungen von Lederhaut, Netzhaut oder Sehnerv,
- Schmerzmittel und austrocknende Pflege der Hautbläschen; Hausmittel allein reichen nicht.
Gegen den anhaltenden Nervenschmerz nach Gürtelrose werden Mittel wie Gabapentin, Pregabalin, bestimmte Antidepressiva oder Pflaster mit Capsaicin oder Lidocain eingesetzt. Ob hochdosiertes Kortison als Tablette bei über 60-Jährigen dem Nervenschmerz vorbeugt, ist umstritten.
Hilft eine Dauerbehandlung auch nach Gürtelrose am Auge?
Bei immer wiederkehrender Augenentzündung nach Gürtelrose kann eine längere, niedrig dosierte antivirale Behandlung erwogen werden. Die amerikanische Zoster Eye Disease Study (ZEDS) hat das mit Valaciclovir gegen Scheinmedikament untersucht. Nach zwölf Monaten zeigte sich im Hauptergebnis kein deutlicher Unterschied, nach 18 Monaten dagegen ein Vorteil für die Behandlung.
Ob eine solche Dauerbehandlung im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet die Augenärztin oder der Augenarzt. Operationen kommen bei Gürtelrose-Folgen ebenfalls in Frage: Hornhauttransplantation, Glaukom- oder Kataraktoperation und die Korrektur von Lidfehlstellungen, jeweils erst, wenn das Auge ruhig ist.
Wie werden Neugeborene mit Herpes behandelt?
Neugeborene mit Herpes-Verdacht bekommen sofort Aciclovir über die Vene, ohne das Laborergebnis abzuwarten. Ist die Infektion auf Haut, Augen und Mund beschränkt, dauert die Infusionsbehandlung meist zwei Wochen, bei Ausbreitung im Körper oder im Gehirn drei Wochen. Danach folgen oft sechs Monate Behandlung mit Aciclovir zum Einnehmen.
Ist das Auge betroffen, kommen antivirale Augentropfen oder Ganciclovir-Gel hinzu. Jedes betroffene Kind wird augenärztlich untersucht und bekommt eine Bildgebung des Gehirns. Die Behandlung findet in der Kinderklinik statt.
Was ist bei der Anwendung der Augenmedikamente zu beachten?
Damit die Behandlung wirkt, sollten die Mittel genau nach Plan angewendet und nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Hilfreiche Regeln:
- Vorher Hände waschen, die Spitze der Flasche oder Tube nicht mit Auge oder Wimpern berühren.
- Kopf zurückneigen, Unterlid leicht herunterziehen, Tropfen in die entstehende Tasche geben, Auge sanft schließen und den inneren Lidwinkel kurz andrücken.
- Zwischen verschiedenen Augenmitteln mindestens fünf, besser 15 Minuten warten; Salbe oder Gel immer zuletzt.
- Kontaktlinsen während der Behandlung nicht tragen, erst wieder, wenn alle Beschwerden abgeklungen sind und die Augenärztin oder der Augenarzt zustimmt.
- Antivirale Salbe kann leicht brennen und kurz verschwommen sehen lassen; Tabletten nach dem Essen mit reichlich Flüssigkeit einnehmen.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (8)
- Ist Herpes am Auge heilbar?
- Wie oft kommt Herpes am Auge zurück?
- Wie lange dauert ein Herpes-Schub am Auge?
- Kann man durch Herpes am Auge erblinden?
- Welche Komplikationen kann Herpes simplex verursachen?
- Wie verläuft eine Gürtelrose am Auge?
- Wie oft sind Kontrollen nötig?
- Wie ist die Prognose bei Neugeborenen?
Ist Herpes am Auge heilbar?
Ein einzelner Schub ist gut behandelbar, die Infektion selbst ist aber nicht heilbar. Das Virus bleibt lebenslang im Nervenknoten und kann jederzeit wieder aktiv werden. Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose der meisten Schübe gut.
Entscheidend für das Sehen auf lange Sicht sind die Zahl und die Schwere der Rückfälle. Jeder Schub kann weitere Narben hinterlassen und die Hornhautnerven weiter schädigen.
Wie oft kommt Herpes am Auge zurück?
Etwa die Hälfte der Betroffenen hat innerhalb von fünf Jahren einen weiteren Schub, nach 20 Jahren sind es nach Schätzungen über 60 Prozent. Französische Fachquellen nennen 25 bis 45 Prozent Rückfälle innerhalb von zwei Jahren nach der ersten Keratitis.
Wie oft jemand Rückfälle bekommt, ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen haben nur einen einzigen Schub im Leben, andere mehrere pro Jahr. Bei Kindern, Menschen mit Neurodermitis und bei Abwehrschwäche sind Rückfälle häufiger.
Wie lange dauert ein Herpes-Schub am Auge?
Eine oberflächliche Herpes-Keratitis heilt unter Behandlung meist in zwei bis drei Wochen ab. Die antivirale Salbe wird nach Abklingen der Beschwerden meist noch einige Tage weiter angewendet.
Tiefe Formen brauchen deutlich länger. Weil das Kortison langsam ausgeschlichen werden muss, kann die Behandlung Wochen bis Monate dauern. Eine Restnarbe kann als „Geisterbild“ des früheren Geschwürs sichtbar bleiben.
Kann man durch Herpes am Auge erblinden?
Ja, eine Erblindung des betroffenen Auges ist möglich, aber selten, wenn rechtzeitig behandelt wird. Meist ist der Sehverlust eine Folge wiederholter Schübe mit Narben in der Hornhautmitte. Nach französischen Daten hat nach 20 Jahren etwa jeder neunte Betroffene auf dem kranken Auge eine Sehschärfe unter zehn Prozent.
Wie gut sich das Sehen erholt, hängt von der Form ab. Bei der inneren (disziformen) Form bildet sich die Sehverschlechterung meist zurück. Bei der tiefen, vernarbenden Form ist der Verlust oft bleibend.
Welche Komplikationen kann Herpes simplex verursachen?
Die wichtigsten Komplikationen betreffen die Hornhaut, den Augeninnendruck und die Linse. Möglich sind:
- Hornhautnarben und Trübungen, die das Sehen verschleiern,
- einwachsende Blutgefäße in die Hornhaut,
- Gefühllosigkeit der Hornhaut mit schlecht heilenden Geschwüren und Trockenheit,
- Verdünnung und im schlimmsten Fall Durchbruch der Hornhaut,
- bakterielle oder Pilz-Zweitinfektionen eines Geschwürs,
- bleibender Verlust von Endothelzellen mit dauerhaft geschwollener Hornhaut,
- erhöhter Augeninnendruck bis zum Grünen Star, durch die Entzündung oder durch Kortison,
- ein früher entstehender Grauer Star nach wiederkehrenden Entzündungen im Auge,
- bei akuter Retinanekrose eine Netzhautablösung.
Wie verläuft eine Gürtelrose am Auge?
Der Hautausschlag heilt meist in zwei bis drei Wochen ab, doch die Augenbeteiligung kann deutlich länger dauern. Der Verlauf ist sehr unterschiedlich: Viele Menschen erholen sich vollständig, andere brauchen Monate bis Jahre lang Tropfen, Kontrollen oder Operationen.
Häufige Spätfolgen sind Grüner Star, Grauer Star, eine immer wiederkehrende Regenbogenhautentzündung, Hornhautnarben, einwachsende Gefäße und eine gefühllose Hornhaut. Seltener sind Augenmuskellähmungen, Lidfehlstellungen, eine Netzhautnekrose oder eine Entzündung der Hirngefäße. Bei etwa sechs Prozent der Menschen mit Gürtelrose kommt die Krankheit später noch einmal.
Der anhaltende Nervenschmerz ist mit dem Alter häufig: Er betrifft nach amerikanischen Angaben gut ein Drittel der über 60-Jährigen und fast die Hälfte der über 70-Jährigen mit Gürtelrose am Auge. Er kann Monate bis Jahre anhalten.
Wie oft sind Kontrollen nötig?
In der akuten Phase sind Kontrollen alle paar Tage üblich, bei Gürtelrose am Auge etwa alle ein bis sieben Tage. Danach wird je nach Befund alle paar Monate bis einmal im Jahr untersucht, vor allem auf Augeninnendruck, Linsentrübung und Hornhautnarben.
Wer eine Dauerbehandlung mit Tabletten bekommt, lässt zusätzlich regelmäßig die Nierenwerte in der hausärztlichen Praxis prüfen. Jeder neue Schub sollte zeitnah augenärztlich angesehen werden.
Wie ist die Prognose bei Neugeborenen?
Die Prognose hängt stark davon ab, wie früh behandelt wird und wie weit sich das Virus ausgebreitet hat. Unbehandelt sterben etwa 85 Prozent der Neugeborenen mit ausgebreiteter Infektion und etwa die Hälfte derer mit Gehirnbeteiligung.
Mit Aciclovir sind die Aussichten deutlich besser. Auf Haut, Augen und Mund beschränkte Infektionen verlaufen bei rascher Behandlung meist gut, gehen unbehandelt aber oft in eine ausgebreitete Form über. Nach Gehirnbeteiligung bleiben trotz Behandlung bei vielen Kindern Folgeschäden.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (8)
- Kann man Herpes am Auge vorbeugen?
- Wie schützt man das Auge bei Lippenherpes?
- Wie lassen sich Rückfälle seltener machen?
- Was können Kontaktlinsenträger tun?
- Wer sollte sich gegen Gürtelrose impfen lassen?
- Wie gut schützt die Impfung gegen Gürtelrose?
- Wie schützt man andere bei einer Gürtelrose?
- Was können Schwangere tun, um ihr Kind zu schützen?
Kann man Herpes am Auge vorbeugen?
Ganz verhindern lässt sich Herpes am Auge nicht, aber man kann Ansteckung und Rückfälle seltener machen. Eine Impfung gegen Herpes simplex gibt es nicht. Gegen Gürtelrose gibt es dagegen eine wirksame Impfung.
Wie schützt man das Auge bei Lippenherpes?
Bei Lippenherpes hilft vor allem Händehygiene. Berühren Sie die Bläschen möglichst nicht und waschen Sie danach gründlich die Hände, bevor Sie an die Augen fassen.
- Eigene Handtücher und Waschlappen verwenden.
- Kontaktlinsen nie mit Speichel befeuchten.
- Menschen mit aktivem Lippenherpes sollten Neugeborene nicht küssen.
- Bei Herpes-Bläschen am Lid keine Kosmetik am Auge verwenden und Schminkutensilien nicht teilen.
Wie lassen sich Rückfälle seltener machen?
Rückfälle lassen sich am wirksamsten mit einer antiviralen Dauerbehandlung verringern, wenn sie häufig auftreten. Darüber hinaus kann man bekannte Auslöser meiden, auch wenn das nicht in Studien als eigene Maßnahme belegt ist.
- Bei starker Sonne, im Gebirge und im Schnee eine Sonnenbrille mit UV-Schutz tragen.
- Vor Augenlaser-Operationen, Crosslinking oder anderen Eingriffen am Auge auf die Herpes-Vorgeschichte hinweisen; dann kann vorbeugend antiviral behandelt werden.
- Kortison in jeder Form nur nach ärztlicher Rücksprache und mit Hinweis auf den früheren Herpes verwenden.
- Bei einer Dauerbehandlung die Tabletten regelmäßig einnehmen und die Kontrollen wahrnehmen.
Was können Kontaktlinsenträger tun?
Kontaktlinsenträger sollten bei jedem roten oder schmerzenden Auge die Linsen sofort herausnehmen und erst nach augenärztlicher Freigabe wieder tragen. Kontaktlinsen werden in einigen Quellen als möglicher Auslöser genannt. Sorgfältige Linsenhygiene schützt zudem vor anderen Hornhautinfektionen.
Nach einer Herpes-Keratitis ist die Hornhaut oft weniger empfindlich. Probleme mit Linsen werden dann später bemerkt; regelmäßige Kontrollen sind besonders wichtig.
Wer sollte sich gegen Gürtelrose impfen lassen?
Die Impfung gegen Gürtelrose wird in Deutschland und Österreich allen Menschen ab 60 Jahren empfohlen, bei erhöhtem Risiko schon früher. Verwendet wird ein Totimpfstoff (rekombinanter Impfstoff), der zweimal im Abstand von zwei bis sechs Monaten in den Oberarmmuskel gespritzt wird. Eine Auffrischung wird derzeit nicht empfohlen.
Die Empfehlungen unterscheiden sich zwischen den Ländern:
| Land | Allgemein empfohlen | Bei erhöhtem Risiko | Kosten |
|---|---|---|---|
| Deutschland (STIKO) | ab 60 Jahren | ab 18 Jahren bei deutlich erhöhtem Risiko, etwa durch Abwehrschwäche, immunsupprimierende Medikamente oder schwere chronische Erkrankungen (seit November 2025, vorher ab 50 Jahren) | Kassenleistung für die empfohlenen Gruppen |
| Österreich | ab 60 Jahren (zugelassen ab 50) | ab 18 Jahren | seit November 2025 kostenfrei im Öffentlichen Impfprogramm für diese Gruppen |
| Frankreich (HAS) | ab 65 Jahren | ab 18 Jahren bei Abwehrschwäche | teilweise erstattet |
| Spanien | mit 65 Jahren, Jahrgänge werden schrittweise ergänzt | ab 18 Jahren bei bestimmten Erkrankungen | im Impfkalender |
Maßgeblich ist jeweils die aktuelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Deutschland bzw. des österreichischen Impfplans; Hausärztin oder Hausarzt beraten dazu.
Wie gut schützt die Impfung gegen Gürtelrose?
Die Impfung schützt sehr gut: In den Zulassungsstudien senkte sie das Risiko einer Gürtelrose um etwa 97 Prozent bei 50- bis 69-Jährigen und um etwa 90 Prozent ab 70 Jahren. Im Alltag liegt der Schutz etwas niedriger, aber weiterhin deutlich. Auch der anhaltende Nervenschmerz nach Gürtelrose wird seltener.
Häufige Impfreaktionen sind Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Fieber; sie klingen meist nach ein bis zwei Tagen ab. Die Impfung ist auch nach einer durchgemachten Gürtelrose sinnvoll, weil eine frühere Erkrankung nicht sicher vor einer weiteren schützt. Wann nach einer Gürtelrose am Auge geimpft wird, klärt man individuell mit der Ärztin oder dem Arzt.
Wie schützt man andere bei einer Gürtelrose?
Eine Gürtelrose ist ansteckend, solange die Bläschen nässen. Wer noch nie Windpocken hatte und nicht geimpft ist, kann sich anstecken und bekommt dann Windpocken, keine Gürtelrose.
- Den Ausschlag abdecken, soweit das im Gesicht möglich ist, und Bläschen nicht berühren.
- Handtücher und Waschlappen nicht teilen und heiß waschen.
- Kontakt zu Schwangeren ohne Windpocken-Schutz, Neugeborenen und Menschen mit geschwächter Abwehr meiden, bis alles verkrustet ist.
Was können Schwangere tun, um ihr Kind zu schützen?
Schwangere mit bekanntem Genitalherpes sollten das frühzeitig mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt besprechen. Häufig wird ab der 36. Schwangerschaftswoche vorbeugend antiviral behandelt. Sind bei Geburtsbeginn aktive Herpes-Bläschen im Genitalbereich vorhanden, wird meist ein Kaiserschnitt empfohlen.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (4)
Wann muss ich sofort in die Augenklinik oder Kinderklinik?
Sofort, ohne Wartezeit, sollten Sie Hilfe holen bei:
- Neugeborenen mit Bläschen, rotem oder verklebtem Auge, Trinkschwäche, Schläfrigkeit, Atemproblemen oder Krampfanfällen: Kinderklinik beziehungsweise Notruf 112 (in Österreich 144),
- plötzlicher deutlicher Sehverschlechterung, neuen Schatten, Schleiern oder vielen „Mücken“ vor einem Auge,
- starken Augenschmerzen mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Farbringen um Lichter (möglicher Druckanstieg),
- einer weißen Stelle auf der Hornhaut, die rasch größer wird, oder Flüssigkeitsaustritt nach starkem Schmerz.
Allgemeine Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
Wann noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt?
Noch am selben Tag sollten Sie augenärztlich untersucht werden bei:
- einem roten, schmerzenden, lichtempfindlichen Auge, besonders wenn Sie schon einmal Herpes am Auge hatten,
- Bläschen an Stirn, Oberlid oder Nasenspitze mit Verdacht auf Gürtelrose, auch wenn das Auge selbst noch unauffällig ist,
- Bläschen am Lid zusammen mit einem roten oder schmerzenden Auge,
- verschwommenem Sehen oder einem Fremdkörpergefühl, das nicht von selbst verschwindet,
- einem roten Auge bei Kindern, Menschen mit Neurodermitis oder Abwehrschwäche.
Bei Gürtelrose im Gesicht zählt jeder Tag: Antivirale Tabletten wirken am besten, wenn sie innerhalb von 72 Stunden nach Beginn des Ausschlags begonnen werden. Ist die augenärztliche Praxis nicht erreichbar, ist die Hausarztpraxis oder der ärztliche Bereitschaftsdienst (Deutschland 116 117, Österreich Gesundheitsnummer 1450) die richtige Anlaufstelle, um mit den Tabletten zu beginnen.
Wann reicht ein Termin in den nächsten Tagen?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn eine bekannte Herpes-Keratitis unter Behandlung nicht besser wird, wenn Tropfen nicht vertragen werden oder wenn ein Auge nach überstandenem Herpes dauerhaft trocken, gerötet oder weniger empfindlich wirkt. Auch Fragen zur Dauerbehandlung, zu Nebenwirkungen oder zur Impfung gegen Gürtelrose gehören in einen regulären Termin.
Was sollte ich auf keinen Fall tun?
Verwenden Sie bei einem roten Auge keine kortisonhaltigen Augentropfen ohne Diagnose, auch keine Reste aus früheren Behandlungen. Setzen Sie verordnete Kortison-Tropfen nicht eigenmächtig ab, sondern nur nach Plan. Tragen Sie bei Beschwerden keine Kontaktlinsen.
9 Häufige Fragen
Ist Herpes am Auge ansteckend?
Ja. Bläschen, Tränenflüssigkeit und Speichel können Herpes-simplex-Viren enthalten, die durch direkten Kontakt und über die Hände weitergegeben werden. Ansteckend ist die Zeit vom Beginn der Beschwerden bis zur Abheilung. Eine nässende Gürtelrose kann bei Menschen ohne Windpocken-Schutz Windpocken auslösen, aber keine Gürtelrose.
Ist Herpes am Auge dasselbe wie Lippenherpes?
Meist ja: Herpes simplex am Auge wird in der Regel durch dasselbe Virus verursacht wie Lippenherpes, HSV Typ 1. Die Gürtelrose am Auge ist dagegen eine andere Krankheit; sie entsteht durch das Windpocken-Virus. Wer Lippenherpes hat, bekommt deshalb nicht automatisch Herpes am Auge, sollte aber auf Handhygiene achten.
Geht Herpes am Auge wieder weg?
Ein einzelner Schub heilt unter Behandlung meist innerhalb von zwei bis drei Wochen ab, tiefe Formen brauchen länger. Das Virus selbst bleibt aber lebenslang im Körper. Etwa die Hälfte der Betroffenen bekommt innerhalb von fünf Jahren einen weiteren Schub.
Darf ich bei Herpes am Auge Kortison-Tropfen nehmen?
Nur, wenn die Augenärztin oder der Augenarzt sie nach der Untersuchung verordnet. Bei einem oberflächlichen Herpes der Hornhaut können Kortison-Tropfen den Befund stark verschlimmern. Bei tiefen Formen sind sie dagegen nötig, aber nur zusammen mit einem antiviralen Mittel und unter Kontrolle.
Kann man durch Herpes am Auge blind werden?
Ja, das ist möglich, aber bei rechtzeitiger Behandlung selten. Gefährlich sind vor allem wiederholte Schübe, die Narben in der Hornhautmitte hinterlassen. Frühe Behandlung, das Vermeiden von Kortison ohne Diagnose und bei häufigen Rückfällen eine Dauerbehandlung senken das Risiko deutlich.
Was hilft gegen häufige Rückfälle von Augenherpes?
Eine niedrig dosierte Dauerbehandlung mit antiviralen Tabletten über mindestens ein Jahr. Sie halbiert ungefähr die Zahl der Rückfälle. Die deutsche Leitlinie empfiehlt sie ab zwei Rückfällen pro Jahr, mit regelmäßiger Kontrolle der Nierenwerte.
Muss ich bei Gürtelrose im Gesicht zum Augenarzt?
Ja, wenn die Bläschen an Stirn, Oberlid oder Nase sitzen, auch ohne Augenbeschwerden. Bei etwa der Hälfte dieser Menschen wird das Auge mitbeteiligt, manchmal erst ein bis zwei Wochen später. Bläschen an der Nasenspitze (Hutchinson-Zeichen) erhöhen das Risiko etwa um das Dreifache.
Wie schnell muss Gürtelrose am Auge behandelt werden?
So schnell wie möglich, am besten innerhalb von 72 Stunden nach Beginn des Ausschlags. Dann verringern antivirale Tabletten das Risiko von Augenkomplikationen am deutlichsten. Auch später ist die Behandlung noch sinnvoll, wenn neue Bläschen auftreten oder das Auge entzündet ist.
Soll ich mich nach einer Gürtelrose trotzdem impfen lassen?
Ja, die Impfung wird auch nach durchgemachter Gürtelrose empfohlen, weil die Krankheit wiederkommen kann. In Deutschland und Österreich gilt die Empfehlung allgemein ab 60 Jahren, bei Risikofaktoren früher. Den richtigen Zeitpunkt nach einer Gürtelrose am Auge besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich mit Herpes am Auge Kontaktlinsen tragen?
Nein, während der Behandlung und solange Beschwerden bestehen, sollten Kontaktlinsen nicht getragen werden. Wann Sie wieder Linsen tragen dürfen, entscheidet die Augenärztin oder der Augenarzt. Kontaktlinsen nie mit Speichel befeuchten.
Ist ein negativer Abstrich der Beweis, dass es kein Herpes ist?
Nein. Ein negativer Abstrich schließt Herpes am Auge nicht aus, weil nicht immer genug Virusmaterial erfasst wird. Die Diagnose stützt sich vor allem auf das typische Bild an der Spaltlampe und die Vorgeschichte.
Warum spüre ich bei einem Rückfall kaum Schmerzen?
Wiederholte Herpes-Schübe können die Nerven der Hornhaut schädigen, sodass sie weniger empfindlich oder gefühllos wird. Dann fehlt der Schmerz als Warnsignal, obwohl die Hornhaut schlecht heilt. Achten Sie deshalb auf Rötung und Sehverschlechterung und lassen Sie diese rasch untersuchen.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 38 Quellen anzeigen
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- Herpes zoster ophthalmicus (Ausgabe für Patienten) – MSD Manual (DE)
- Zoster ophthalmicus (Ausgabe für Mediziner) – MSD Manual (DE)
- Herpes-simplex-Virus-Infektion (HSV) bei Neugeborenen – MSD Manual (DE)
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- Kératite herpétique – Manuels MSD (FR)
- Herpès oculaire – La Revue du Praticien (FR)
- Infection néonatale par le virus herpes simplex (HSV) – Manuels MSD (FR)
- La HAS actualise la stratégie de vaccination contre le zona – Haute Autorité de santé (HAS) (FR)
- Vaccination contre le zona : Shingrix remboursable dans le droit commun – Vidal (FR)
- Queratitis herpética (versión para público general) – Manual MSD (ES)
- Queratitis por herpes simple (versión para profesionales) – Manual MSD (ES)
- Herpes zóster (versión para profesionales) – Manual MSD (ES)
- Queratitis herpética (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Herpes oftálmico (Diccionario médico) – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- Vacunas y Programa de Vacunación: Herpes zóster – Ministerio de Sanidad de España (ES)
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