Allgemeinerkrankungen und Auge
Rheuma am Auge (Augenbeteiligung bei rheumatischen Erkrankungen)
Rheumatische Erkrankungen betreffen bei etwa jedem vierten bis fünften Betroffenen auch die Augen: als trockenes Auge, als Entzündung der Lederhaut oder als Entzündung im Augeninneren (Uveitis). Besonders tückisch ist die Uveitis bei Kindern mit Gelenkrheuma, weil sie meist ohne Rötung und Schmerz verläuft und nur bei regelmäßigen augenärztlichen Kontrollen rechtzeitig entdeckt wird.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (5)
Was bedeutet Rheuma am Auge?
Rheuma am Auge bedeutet, dass eine entzündlich-rheumatische Erkrankung nicht nur Gelenke, Sehnen oder Gefäße, sondern auch Teile des Auges angreift. Fast jeder Abschnitt des Auges kann betroffen sein: der Tränenfilm, die Bindehaut, die Hornhaut, die Lederhaut, die mittlere Augenhaut (Uvea), die Netzhaut und der Sehnerv. Welche Stelle erkrankt, hängt stark von der Art des Rheumas ab.
Der Begriff „Rheuma“ ist im Alltag ein Sammelname. Gemeint sind hier vor allem Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe richtet. Abnutzungsbedingte Gelenkleiden wie die Arthrose gehören nicht dazu und betreffen die Augen nicht.
Welche rheumatischen Erkrankungen betreffen die Augen?
Am häufigsten betroffen sind die Augen bei der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA, Gelenkrheuma bei Kindern), bei Morbus Bechterew und verwandten Spondyloarthritiden, bei der rheumatoiden Arthritis, beim Sjögren-Syndrom, beim Lupus und bei Gefäßentzündungen (Vaskulitiden). Jede dieser Erkrankungen hat ihr eigenes typisches Augenmuster.
| Grunderkrankung | Typische Augenbeteiligung | Wie sie sich meist zeigt |
|---|---|---|
| Juvenile idiopathische Arthritis (Kinder) | Chronische vordere Uveitis | Meist völlig beschwerdefrei, Auge sieht weiß aus |
| Morbus Bechterew, HLA-B27, Psoriasis-Arthritis, Darmentzündungen | Akute vordere Uveitis (Iritis) | Plötzlich rotes, schmerzendes, lichtscheues Auge |
| Rheumatoide Arthritis | Trockenes Auge, Episkleritis, Skleritis, Hornhautgeschwür am Rand | Brennen, Sandkorngefühl; bei Skleritis tiefer bohrender Schmerz |
| Sjögren-Syndrom | Ausgeprägtes trockenes Auge | Brennen, Fremdkörpergefühl, trockener Mund |
| Lupus (SLE) | Trockenes Auge, Netzhautveränderungen, Sehnervbeteiligung | Oft beschwerdefrei, selten plötzlicher Sehverlust |
| Vaskulitiden (Riesenzellarteriitis, Granulomatose mit Polyangiitis, Morbus Behçet) | Gefäßverschlüsse, Skleritis, Uveitis mit Netzhautbeteiligung | Teils plötzlicher Sehverlust, Doppelbilder, starke Schmerzen |
Wie häufig ist eine Augenbeteiligung bei Rheuma?
Eine Augenbeteiligung ist häufig: Bei der rheumatoiden Arthritis haben je nach Studie etwa 18 bis 25 Prozent der Betroffenen Augenveränderungen, meist ein trockenes Auge. Eine Übersichtsarbeit fand Augenbeteiligungen bei rund 31 Prozent der Menschen mit Lupus und bei etwa einem Viertel der Menschen mit Granulomatose mit Polyangiitis oder Riesenzellarteriitis. Beim Morbus Bechterew bekommen 20 bis 30 Prozent im Lauf des Lebens mindestens eine akute Regenbogenhautentzündung.
Bei Kindern mit JIA entwickelt je nach Form etwa jedes zehnte bis jedes fünfte Kind eine Uveitis. Am höchsten ist das Risiko bei Mädchen, deren Oligoarthritis (Befall weniger Gelenke) im Kleinkindalter begonnen hat und die antinukleäre Antikörper (ANA) im Blut haben.
Warum ist Rheuma am Auge ernst zu nehmen?
Rheuma am Auge ist ernst zu nehmen, weil manche Formen unbemerkt bleibende Schäden anrichten. Die Uveitis gilt in Deutschland als eine der wichtigsten Ursachen für schweren Sehverlust im erwerbsfähigen Alter. Bei Kindern mit JIA erblindeten vor Einführung regelmäßiger Kontrollen bis zu 30 Prozent der Betroffenen auf mindestens einem Auge.
Die gute Nachricht: Früh erkannt, lassen sich die meisten Augenentzündungen bei Rheuma gut behandeln. Entscheidend sind regelmäßige Kontrollen, ein rascher Termin bei Warnzeichen und die enge Zusammenarbeit zwischen Augenheilkunde und Rheumatologie.
Was steht in diesem Artikel?
Dieser Artikel ist ein Überblick über alle wichtigen Formen. Einzelne Krankheitsbilder werden auf eigenen Seiten genauer erklärt, etwa die Uveitis, die Skleritis oder das Sjögren-Syndrom am Auge. Hier steht im Mittelpunkt, was Menschen mit Rheuma und Eltern rheumakranker Kinder über ihre Augen wissen sollten.
2 Symptome
In diesem Kapitel (10)
- Welche Augensymptome kommen bei Rheuma vor?
- Woran merkt man eine Uveitis bei Kindern mit Rheuma?
- Wie fühlt sich eine akute Iritis bei Morbus Bechterew oder HLA-B27 an?
- Welche Augenbeschwerden macht die rheumatoide Arthritis?
- Welche Augenbeschwerden kommen bei Lupus vor?
- Welche Augensymptome machen Vaskulitiden?
- Welche Augenzeichen gibt es bei Psoriasis-Arthritis, reaktiver Arthritis und Darmentzündungen?
- Welche Augenbeschwerden können Rheuma-Medikamente verursachen?
- Was bemerken Angehörige?
- Gibt es Besonderheiten bei älteren Menschen?
Welche Augensymptome kommen bei Rheuma vor?
Die Augensymptome bei Rheuma reichen von gar keinen Beschwerden über Brennen und Trockenheit bis zu starken Schmerzen und plötzlichem Sehverlust. Welche Beschwerden auftreten, hängt davon ab, welcher Teil des Auges entzündet ist. Gerade die gefährlichste Form bei Kindern macht oft überhaupt keine Symptome.
Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Beschwerden ein:
| Beschwerde | Häufigste Ursache bei Rheuma | Wie dringend? |
|---|---|---|
| Brennen, Sandkorngefühl, müde Augen | Trockenes Auge | Routine, zeitnah bei Verschlechterung |
| Plötzlich rotes, schmerzendes, lichtscheues Auge | Akute vordere Uveitis | Am selben oder nächsten Tag |
| Tiefer, bohrender Augenschmerz, nachts schlimmer, violette Rötung | Skleritis | Innerhalb von 24 Stunden |
| Lachsrosa Rötung, kaum Schmerz | Episkleritis | Zeitnah, innerhalb weniger Tage |
| Keine Beschwerden, Auge weiß | Chronische Uveitis bei JIA | Nur durch Kontrollen erkennbar |
| Plötzlicher Sehverlust, Doppelbilder | Gefäßverschluss, Riesenzellarteriitis, Sehnervbeteiligung | Notfall, sofort |
| Lesestörungen, Lücken nahe der Bildmitte | Netzhautschaden durch Hydroxychloroquin | Zeitnah, innerhalb von Tagen bis Wochen |
Woran merkt man eine Uveitis bei Kindern mit Rheuma?
Bei Kindern mit JIA merkt man eine Uveitis meistens gar nicht: Das Auge ist nicht rot, schmerzt nicht und ist nicht lichtempfindlich. Fachleute sprechen deshalb von einer „weißen Iritis“ oder auf Französisch von der „uvéite à œil blanc“. Die Entzündung kann Monate bis Jahre unbemerkt weiterlaufen.
Kleine Kinder beklagen sich zudem selten über schlechteres Sehen. Sieht ein Auge allmählich schlechter, gleicht das andere Auge den Verlust aus, und das Kind verhält sich unauffällig. Eltern bemerken deshalb meist Gelenkschwellungen oder Fieber, aber keine Augenprobleme.
Die Entzündung ist nur an der Spaltlampe zu erkennen, einem Untersuchungsmikroskop, mit dem die Augenärztin oder der Augenarzt Entzündungszellen im Kammerwasser sieht. Deshalb gilt: Bei Kindern mit JIA ist nicht das Warten auf Symptome, sondern die regelmäßige Kontrolle der Schutz.
Welche Zeichen können Eltern trotzdem bemerken?
Einige Zeichen sind für Eltern sichtbar, treten aber meist erst auf, wenn bereits Folgeschäden entstanden sind. Wer sie bemerkt, sollte das Kind innerhalb weniger Tage augenärztlich vorstellen, auch wenn der nächste Kontrolltermin noch nicht ansteht.
- Unrund oder verzogen wirkende Pupille: Die Regenbogenhaut verklebt an einzelnen Stellen mit der Linse (hintere Synechien). Bei erweiterter Pupille kann sie wie ein Kleeblatt aussehen.
- Ungleich große Pupillen: Eine Pupille ist kleiner oder reagiert träge auf Licht.
- Unterschiedliche Augenfarbe: Die Regenbogenhaut eines Auges wirkt matter oder anders gefärbt.
- Grauer oder weißlicher Schleier: Ein Kalkband in der Hornhaut (Bandkeratopathie) oder eine Linsentrübung (Grauer Star) kann als trübe Stelle auffallen.
- Schielen: Ein Auge weicht ab, weil es schlechter sieht.
- Verhalten: Das Kind hält Bücher sehr nah, kneift ein Auge zu, stolpert häufiger oder meidet Malen und Puzzeln.
Gibt es Kinder, bei denen die Uveitis Beschwerden macht?
Ja: Ältere Jungen mit der enthesitis-assoziierten Arthritis (eine JIA-Form mit Entzündung der Sehnenansätze, oft HLA-B27-positiv) bekommen häufig eine akute Uveitis mit roter, schmerzhafter Augenreizung. Sie ähnelt der Iritis bei Erwachsenen mit Morbus Bechterew. Allerdings verläuft nach der deutschen Leitlinie auch in dieser Gruppe etwa jede dritte Uveitis ohne Beschwerden.
Kann die Uveitis vor dem Gelenkrheuma kommen?
Ja, in einer Minderheit der Fälle beginnt die Uveitis vor der Gelenkentzündung, je nach Quelle bei etwa 3 bis 10 Prozent. Meist folgt sie der Arthritis aber nach: im Mittel nach etwa einem halben Jahr, bei über 90 Prozent innerhalb von vier Jahren nach der Gelenkdiagnose. Die Augenentzündung kann auch auftreten, wenn die Gelenke gerade ruhig sind.
Sind meist beide Augen betroffen?
Bei der JIA-Uveitis werden im Verlauf in 70 bis 80 Prozent beide Augen betroffen, auch wenn die Entzündung zunächst nur auf einer Seite auffällt. Die Stärke der Entzündung kann zwischen beiden Augen deutlich verschieden sein.
Was bedeutet die Uveitis für das Sehen kleiner Kinder?
Bei Kindern unter etwa acht Jahren entwickelt sich das Sehen noch. Trübt eine Entzündung, ein Grauer Star oder ein Makulaödem das Bild über längere Zeit, kann eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) entstehen, die später auch mit Brille nicht mehr verschwindet. Nach Studien sieht etwa ein Drittel der Kinder schon bei der Erstdiagnose der Uveitis schlechter.
Wie fühlt sich eine akute Iritis bei Morbus Bechterew oder HLA-B27 an?
Eine akute vordere Uveitis (Iritis oder Iridozyklitis, also eine Entzündung der Regenbogenhaut und des Ziliarkörpers) beginnt plötzlich, innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen, meist an einem Auge. Typisch sind ein gerötetes Auge, Schmerzen, starke Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss und verschwommenes Sehen. Viele Betroffene beschreiben den Schmerz als dumpf und tief im Auge, nicht als oberflächliches Kratzen.
- Rötung: Oft ringförmig rund um die Hornhaut betont (ziliare Injektion), weniger in den Augenwinkeln.
- Lichtscheu: Schon normales Tageslicht oder eine Lampe schmerzen; manche halten das Auge geschlossen.
- Schmerz beim Lesen und Naharbeit: Der entzündete Ziliarmuskel verkrampft, wenn das Auge scharf stellt.
- Kleine Pupille: Die Pupille des betroffenen Auges ist oft enger als auf der gesunden Seite und kann unrund werden.
- Verschwommenes Sehen: Durch Entzündungszellen und Eiweiß im Kammerwasser, wie hinter einem Schleier.
- Mouches volantes: Schwebende Punkte oder Fäden, wenn auch der Glaskörper mitreagiert.
Bei schweren Schüben kann sich Eiter am Boden der vorderen Augenkammer sammeln (Hypopyon), der als weißlicher Spiegel am unteren Hornhautrand sichtbar ist. Das ist eindrucksvoll, aber mit Behandlung meist gut beherrschbar.
Kommt die Iritis immer wieder?
Ja, die HLA-B27-Uveitis neigt stark zu Rückfällen. Zwischen den Schüben heilt das Auge meist vollständig aus. Der nächste Schub kann dasselbe oder das andere Auge treffen; ein gleichzeitiger Befall beider Augen ist selten.
Wissen Betroffene immer, dass sie Rheuma haben?
Nein, häufig ist die Augenentzündung das erste Zeichen. Nach Schätzungen weiß ein großer Teil der Menschen mit HLA-B27-positiver akuter Iritis nichts von ihrer Spondyloarthritis. Wer wiederkehrende Iritis-Schübe hat und zugleich tief sitzende Rückenschmerzen, die nachts oder morgens stärker sind und sich durch Bewegung bessern, sollte das ansprechen.
Welche Augenbeschwerden macht die rheumatoide Arthritis?
Die häufigste Augenbeschwerde bei rheumatoider Arthritis ist das trockene Auge, gefolgt von Episkleritis und Skleritis. Eine Uveitis kommt bei der rheumatoiden Arthritis der Erwachsenen dagegen kaum vor. Bis zu einem Viertel der Menschen mit rheumatoider Arthritis erfüllt die Kriterien eines begleitenden Sjögren-Syndroms.
Wie fühlt sich das trockene Auge bei Rheuma an?
Das trockene Auge bei Rheuma fühlt sich an wie Sand oder ein Fremdkörper im Auge, dazu kommen Brennen, Stechen und gerötete Lidränder. Die Beschwerden nehmen beim Lesen, am Bildschirm, in klimatisierten Räumen und im Lauf des Tages zu. Das Sehen kann zwischendurch verschwimmen und wird nach einem Lidschlag wieder klarer.
- Lichtempfindlichkeit und Juckreiz
- Schwere oder müde Lider, Druckgefühl
- Paradox: tränende Augen, weil gereizte Augen kurzzeitig wässrige Reflextränen bilden
- Verklebte Augen am Morgen
- Bei Sjögren zusätzlich trockener Mund, Schluckbeschwerden, trockene Haut
Nach den internationalen Sjögren-Kriterien spricht viel für ein krankhaft trockenes Auge, wenn die Trockenheit seit mindestens drei Monaten täglich stört oder wenn man mehr als dreimal am Tag Tränenersatz braucht. Manche Menschen mit Sjögren-Syndrom benötigen Tropfen stündlich oder noch öfter.
Wie unterscheiden sich Episkleritis und Skleritis?
Die Episkleritis ist eine meist harmlose Entzündung der dünnen Schicht über der Lederhaut, die Skleritis eine tiefe, schmerzhafte und potenziell sehbedrohende Entzündung der Lederhaut selbst. Beide zeigen sich als gerötetes Augenweiß, fühlen sich aber sehr unterschiedlich an.
| Merkmal | Episkleritis | Skleritis |
|---|---|---|
| Farbe der Rötung | Hell- bis lachsrosa, oft in einem Abschnitt | Dunkelrot bis violett-bläulich |
| Schmerz | Kein oder leichter Druckschmerz | Tief, bohrend, strahlt in Stirn, Schläfe oder Kiefer aus |
| Nachts | Kaum Unterschied | Schmerz weckt oft aus dem Schlaf |
| Augenbewegung | Unauffällig | Bewegen des Auges schmerzt |
| Berührung | Wenig empfindlich | Auge ist druckschmerzhaft |
| Sehen | Normal | Kann verschwommen sein |
| Abschwellende Tropfen beim Arzt | Rötung blasst ab | Rötung bleibt |
Bei der Skleritis kann der Schmerz so stark sein, dass er Schlaf und Appetit raubt; Schmerzmittel helfen oft nur wenig. In 40 bis 50 Prozent sind beide Augen betroffen. Sie tritt besonders bei Frauen zwischen 30 und 50 Jahren auf; bei der rheumatoiden Arthritis eher im sechsten Lebensjahrzehnt und oft nach vielen Krankheitsjahren.
Gibt es eine schmerzlose Skleritis?
Ja, eine seltene Sonderform, die Skleromalacia perforans, verläuft fast ohne Schmerzen und ohne deutliche Rötung. Dabei wird die Lederhaut dünn und bläulich-grau, weil die dunkle Aderhaut durchschimmert. Sie betrifft vor allem Frauen mit lange bestehender rheumatoider Arthritis und kann im schlimmsten Fall zum Durchbruch der Augenwand führen.
Was ist eine hintere Skleritis?
Die hintere Skleritis betrifft den rückwärtigen Teil der Lederhaut, den man von außen nicht sieht. Sie zeigt sich durch Augenschmerz, Sehverschlechterung und manchmal Schmerzen bei Augenbewegungen, während das Auge kaum gerötet ist. Sie kann Falten in der Aderhaut oder eine Flüssigkeitsansammlung unter der Netzhaut verursachen.
Was ist ein Hornhautgeschwür am Rand (PUK)?
Die periphere ulzerative Keratitis (PUK) ist eine Einschmelzung der Hornhaut am Rand, nahe dem Übergang zur Lederhaut. Sie kann erstaunlich wenig wehtun, weshalb Betroffene oft spät kommen. Mögliche Zeichen sind eine umschriebene Rötung am Hornhautrand, Fremdkörpergefühl, Lichtscheu und verschwommenes Sehen; die Augenärztin oder der Augenarzt sieht eine sichelförmige Verdünnung. Sie tritt meist bei lange bestehender, aktiver rheumatoider Arthritis oder bei Vaskulitiden auf und kann rasch perforieren.
Welche Augenbeschwerden kommen bei Lupus vor?
Bei Lupus (systemischer Lupus erythematodes, SLE) ist das trockene Auge am häufigsten; seltener, aber gefährlicher sind Entzündungen und Verschlüsse der Netzhautgefäße. Je nach Krankheitsaktivität entwickeln bis zu ein Drittel der Menschen mit Lupus Netzhautveränderungen, die oft keine Beschwerden machen.
- Sandkorngefühl und Brennen: durch trockene Augen, manchmal im Rahmen eines begleitenden Sjögren-Syndroms.
- Lupus-Retinopathie: Watteherde (kleine weißliche Flecken), Blutungen und Gefäßentzündungen der Netzhaut; oft beschwerdefrei, bei Beteiligung der Makula verschwommenes Sehen.
- Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge: kann ein Verschluss einer Netzhautarterie oder -vene sein, besonders bei Antiphospholipid-Antikörpern, die die Blutgerinnung fördern.
- Sehnervbeteiligung: Entzündung oder Durchblutungsstörung des Sehnervs mit Sehverschlechterung, Farbentsättigung oder Gesichtsfeldausfall.
- Lider: Beim diskoiden Lupus können schuppige, gerötete Hautveränderungen an den Lidern auftreten.
- Skleritis und Episkleritis: meist nicht nekrotisierend, oft zusammen mit allgemeinen Schüben.
Netzhaut- und Aderhautentzündungen treten vor allem bei aktivem Lupus auf. Sie gelten als Zeichen, dass die Grunderkrankung insgesamt stärker behandelt werden muss.
Welche Augensymptome machen Vaskulitiden?
Vaskulitiden sind Entzündungen der Blutgefäße; am Auge können sie zu Durchblutungsstörungen mit plötzlichem Sehverlust, zu Skleritis oder zu Uveitis führen. Die Beschwerden hängen davon ab, welche Gefäße betroffen sind.
Riesenzellarteriitis
Bei der Riesenzellarteriitis, die fast nur Menschen über 50 betrifft, sind kurze Momente, in denen ein Auge nichts sieht (Amaurosis fugax), ein Alarmsignal. Dazu kommen oft neue Kopfschmerzen an der Schläfe, Schmerzen beim Kauen, eine empfindliche Kopfhaut, Doppelbilder, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Ohne sofortige Behandlung droht innerhalb von Tagen eine Erblindung, die auch das zweite Auge treffen kann.
Granulomatose mit Polyangiitis
Die Granulomatose mit Polyangiitis (früher Morbus Wegener) beginnt am Auge oft mit Bindehautentzündung oder Episkleritis. Später können eine nekrotisierende Skleritis, ein Randgeschwür der Hornhaut oder eine Entzündung in der Augenhöhle mit Hervortreten des Auges folgen. Manchmal ist die Augenbeteiligung das erste Zeichen der Erkrankung, noch vor Nase, Lunge oder Niere.
Morbus Behçet
Beim Morbus Behçet kommt es zu wiederkehrenden, oft beidseitigen Entzündungen im ganzen Auge mit Gefäßverschlüssen in der Netzhaut. Typisch sind Schübe mit verschwommenem Sehen, Schleiern und Schatten; ein Hypopyon kann auch ohne deutliche Rötung auftreten. Außerhalb des Auges fallen wiederkehrende Mundaphthen, Geschwüre im Genitalbereich und Hautveränderungen auf.
Weitere seltene Formen
- Polyarteriitis nodosa: Skleritis, Hornhautentzündung, Augenmuskellähmungen mit Doppelbildern, herabhängendes Lid.
- Systemische Sklerose: verhärtete, schwer bewegliche Lider, trockenes Auge.
- Dermatomyositis: lilafarbene Schwellung der Oberlider; bei Kindern selten Netzhautgefäßentzündung.
- Rezidivierende Polychondritis: Episkleritis, Skleritis, Bindehautentzündung neben Knorpelentzündungen an Ohr und Nase.
Welche Augenzeichen gibt es bei Psoriasis-Arthritis, reaktiver Arthritis und Darmentzündungen?
Diese Erkrankungen gehören wie der Morbus Bechterew zu den Spondyloarthritiden und verursachen am Auge vor allem Uveitis und Bindehautentzündungen. Ihre Augenbeteiligung unterscheidet sich aber im Detail.
- Psoriasis-Arthritis: Uveitis bei etwa 7 bis 18 Prozent; häufiger als beim Bechterew beidseitig, schleichend, länger anhaltend und mit Beteiligung hinterer Augenabschnitte.
- Reaktive Arthritis: Bindehautentzündung bei etwa 30 Prozent, akute Iritis bei 3 bis 12 Prozent; sie folgt Tage bis Wochen nach einem Darm- oder Harnwegsinfekt.
- Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: am häufigsten Episkleritis, die oft mit Darmschüben zusammenfällt; seltener Skleritis oder Uveitis.
Welche Augenbeschwerden können Rheuma-Medikamente verursachen?
Einige Rheuma-Medikamente können selbst die Augen schädigen, am bekanntesten Hydroxychloroquin und Kortison. Die Schäden entstehen langsam und machen anfangs oft keine Beschwerden; deshalb sind Kontrollen wichtig. Mehr dazu steht auf der Seite Augenschäden durch Medikamente.
Hydroxychloroquin und Chloroquin
Ein Netzhautschaden durch Hydroxychloroquin zeigt sich anfangs meist gar nicht, später als Schwierigkeit beim Lesen. Bei Menschen europäischer Herkunft beginnt der Schaden typischerweise ringförmig knapp neben der Stelle des schärfsten Sehens: Buchstaben oder Wortteile fehlen, obwohl die Sehschärfe auf der Sehtafel noch normal ist. Bei Menschen asiatischer Herkunft liegt der Schaden oft weiter außen und bleibt noch länger unbemerkt.
Das bekannte Bild der „Schießscheibe“ (Bull’s-eye-Makulopathie) ist ein Spätzeichen. Kontrollen sollen den Schaden finden, lange bevor es so weit kommt. Ablagerungen in der Hornhaut (Cornea verticillata) können unter der Therapie ebenfalls auftreten, sind aber harmlos und kein Hinweis auf einen Netzhautschaden.
Kortison
Kortison als Tropfen oder Tabletten kann über Monate einen Grauen Star und einen erhöhten Augeninnendruck bis zum Grünen Star auslösen. Der Graue Star macht sich durch langsam zunehmendes Verschwommensehen und Blendung bemerkbar. Der erhöhte Augendruck dagegen verursacht fast nie Beschwerden und wird nur beim Messen entdeckt.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige bemerken oft Dinge, die den Betroffenen selbst entgehen. Bei Erwachsenen sind das gerötete Augen, häufiges Reiben, Meiden von Licht, häufiges Zusammenkneifen der Augen oder plötzliche Unsicherheit beim Treppensteigen. Bei Kindern sind es vor allem eine ungleich wirkende Pupille, Schielen, ein grauer Schleier im Auge und Veränderungen beim Spielen, Malen oder Lesen.
Gibt es Besonderheiten bei älteren Menschen?
Bei älteren Menschen mit Rheuma überlagern sich Rheuma-Beschwerden oft mit altersbedingten Augenerkrankungen. Ein trockenes Auge wird mit dem Alter häufiger, ein Grauer Star kann altersbedingt oder durch Kortison entstehen, und ab 50 muss bei neuen Kopfschmerzen und Sehstörungen immer an eine Riesenzellarteriitis gedacht werden. Eine nachlassende Sehkraft sollte deshalb nie vorschnell auf das Alter geschoben werden.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (8)
- Warum greift Rheuma die Augen an?
- Welche Mechanismen stecken hinter den einzelnen Formen?
- Welche Rolle spielt HLA-B27?
- Welche Kinder mit JIA haben das höchste Uveitis-Risiko?
- Was beeinflusst, ob die Augen bleibende Schäden bekommen?
- Was erhöht das Risiko für Augenschäden bei Erwachsenen mit Rheuma?
- Was erhöht das Risiko für Netzhautschäden durch Hydroxychloroquin?
- Ist Rheuma am Auge ansteckend oder vererbbar?
Warum greift Rheuma die Augen an?
Rheuma greift die Augen an, weil das fehlgesteuerte Immunsystem Gewebe des Auges ähnlich behandelt wie die Gelenkinnenhaut, die Sehnenansätze oder die Gefäßwände. Das Auge hat viele Gefäße, Bindegewebe und Strukturen, die den Gelenken ähneln. Entzündungsbotenstoffe wie der Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) spielen dabei eine zentrale Rolle; darauf beruht die Wirkung moderner TNF-Hemmer.
Die Augenbeteiligung ist also keine zweite Krankheit, sondern Teil derselben Erkrankung. Deshalb kann eine starke Augenentzündung ein Grund sein, die gesamte Rheumatherapie zu verstärken.
Welche Mechanismen stecken hinter den einzelnen Formen?
Hinter den einzelnen Formen stecken unterschiedliche Wege, auf denen die Entzündung das Auge erreicht.
- Uveitis: Entzündungszellen wandern in die gefäßreiche mittlere Augenhaut ein; die Schranke zwischen Blut und Augeninnerem wird durchlässig, Zellen und Eiweiß gelangen ins Kammerwasser.
- Trockenes Auge: Immunzellen entzünden die Tränendrüse und die Augenoberfläche; es wird zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet.
- Skleritis und Randgeschwür der Hornhaut: Immunkomplexe (Klumpen aus Antikörpern und Antigenen) lagern sich in kleinen Gefäßen ab und lösen eine Gefäßentzündung aus, die Gewebe einschmelzen kann.
- Netzhautschäden bei Lupus und Vaskulitis: Entzündete oder verstopfte Gefäße versorgen die Netzhaut oder den Sehnerv nicht mehr ausreichend.
- Hydroxychloroquin: Der Wirkstoff bindet an das Pigment der Netzhaut und wird dort über Jahre gespeichert; bei hoher Gesamtmenge werden Sinneszellen geschädigt.
Welche Rolle spielt HLA-B27?
HLA-B27 ist ein erbliches Gewebemerkmal des Immunsystems, das das Risiko für akute vordere Uveitis und Morbus Bechterew stark erhöht, aber allein keine Krankheit bedeutet. In Europa tragen etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung das Merkmal, und nur ein kleiner Teil davon erkrankt. Umgekehrt sind etwa 90 Prozent der Menschen mit Morbus Bechterew HLA-B27-positiv, und rund die Hälfte aller Menschen mit akuter vorderer Uveitis ebenfalls.
Ein positiver HLA-B27-Test allein beweist also weder einen Bechterew noch eine Uveitis. Er ist ein Puzzleteil, das zusammen mit Beschwerden, Befunden und Bildgebung bewertet wird. HLA-B27 erklärt zudem nur einen Teil der erblichen Veranlagung; weitere Gene und Umweltfaktoren wirken mit.
Welche Kinder mit JIA haben das höchste Uveitis-Risiko?
Das höchste Uveitis-Risiko haben Kinder mit Oligoarthritis, deren Rheuma vor dem siebten Geburtstag begonnen hat und die ANA-positiv sind, vor allem in den ersten vier Krankheitsjahren. Mädchen sind in dieser Gruppe deutlich häufiger betroffen als Jungen.
| JIA-Form | Uveitis-Häufigkeit (ungefähr) | Typischer Verlauf |
|---|---|---|
| Oligoarthritis, früher Beginn, ANA-positiv | 15 bis 40 % | Chronisch, beschwerdefrei |
| Psoriasis-Arthritis | 10 bis 20 % | Chronisch oder akut |
| Rheumafaktor-negative Polyarthritis | 5 bis 10 % | Chronisch, beschwerdefrei |
| Enthesitis-assoziierte Arthritis | 7 bis 15 % | Meist akut, schmerzhaft |
| Rheumafaktor-positive Polyarthritis | Sehr selten | Eher Skleritis |
| Systemische Arthritis (Morbus Still) | Sehr selten | – |
Weitere Risikofaktoren sind eine kurze Krankheitsdauer und eine anhaltend hohe Gelenkaktivität. Ob das Geschlecht unabhängig vom ANA-Befund und dem Alter eine Rolle spielt, wird in Studien unterschiedlich bewertet. Nach den ersten vier Krankheitsjahren tritt eine Uveitis nur noch selten erstmals auf.
Was beeinflusst, ob die Augen bleibende Schäden bekommen?
Ob eine JIA-Uveitis bleibende Schäden hinterlässt, hängt vor allem davon ab, wie früh sie entdeckt und wie konsequent sie behandelt wird. Die deutsche Leitlinie nennt Risikofaktoren für einen schweren Verlauf:
- schlechte Sehschärfe und starke Entzündung schon bei der Erstdiagnose
- Uveitis vor der Arthritis oder in den ersten sechs Monaten danach
- Beginn im Alter von fünf Jahren oder jünger
- Grauer Star, Makulaödem, dichte Glaskörpertrübung, zu niedriger oder zu hoher Augendruck
- Verklebungen der Pupille bei der ersten Untersuchung
- lange Krankheitsdauer und unregelmäßige Kontrollen oder Therapie
Schon eine geringe Zahl von Entzündungszellen in der Vorderkammer erhöht über Jahre das Risiko für Sehverlust. Deshalb ist das Behandlungsziel eine vollständig reizfreie Vorderkammer, nicht nur „etwas besser“.
Was erhöht das Risiko für Augenschäden bei Erwachsenen mit Rheuma?
Das Risiko steigt vor allem mit einer hohen, schlecht kontrollierten Krankheitsaktivität; dazu kommen einige weitere Faktoren.
- Hohe Krankheitsaktivität: Skleritis und Randgeschwüre der Hornhaut treten vor allem bei lange bestehender, schlecht kontrollierter rheumatoider Arthritis auf.
- Rauchen: erhöht das Risiko für Uveitis und verschlechtert den Verlauf vieler Rheumaerkrankungen.
- Augenoperationen: können bei rheumatoider Arthritis eine Hornhauteinschmelzung oder Skleritis auslösen, wenn die Entzündung vorher nicht gut kontrolliert ist.
- Antiphospholipid-Antikörper: erhöhen bei Lupus das Risiko für Gefäßverschlüsse am Auge.
- Infekte: Darm- oder Harnwegsinfekte können bei HLA-B27-Trägern eine reaktive Arthritis mit Augenentzündung anstoßen.
Was erhöht das Risiko für Netzhautschäden durch Hydroxychloroquin?
Das Risiko für Netzhautschäden durch Hydroxychloroquin steigt vor allem mit der Tagesdosis im Verhältnis zum Körpergewicht und mit der Dauer der Einnahme. Die deutsche Leitlinie nennt als Obergrenze 5 Milligramm pro Kilogramm tatsächlichem Körpergewicht und Tag (Chloroquin: 2,3 mg/kg).
- Dosis über der empfohlenen Grenze
- Einnahme über viele Jahre
- Eingeschränkte Nierenfunktion, weil der Wirkstoff langsamer ausgeschieden wird
- Gleichzeitige Einnahme von Tamoxifen (Brustkrebsmedikament)
- Vorbestehende Netzhaut- oder Makulaerkrankungen erschweren die Beurteilung
Bei empfohlener Dosis liegt das Risiko nach fünf Jahren unter 1 Prozent und nach zehn Jahren unter 2 Prozent. Nach 20 Jahren steigt es aber auf etwa 20 Prozent. Deshalb werden die Kontrollen mit zunehmender Einnahmedauer wichtiger.
Ist Rheuma am Auge ansteckend oder vererbbar?
Rheuma am Auge ist nicht ansteckend. Die Veranlagung für manche Formen wird teilweise vererbt, etwa über HLA-B27; Kinder von Betroffenen haben ein erhöhtes, aber insgesamt dennoch geringes Risiko. Eine gezielte Untersuchung gesunder Angehöriger ohne Beschwerden ist nicht üblich.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt Rheuma am Auge fest?
- Welche zusätzlichen Untersuchungen gibt es?
- Wie unterscheidet man Episkleritis und Skleritis bei der Untersuchung?
- Welche Blutuntersuchungen sind sinnvoll?
- Welche anderen Krankheiten müssen ausgeschlossen werden?
- Wann wird bei einer Iritis nach Morbus Bechterew gesucht?
- Wie oft müssen Kinder mit JIA zur Augenkontrolle?
- Welche Augenkontrollen brauchen Erwachsene mit Hydroxychloroquin?
Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt Rheuma am Auge fest?
Rheuma am Auge wird vor allem mit der Spaltlampe festgestellt, einem Mikroskop mit schmalem Lichtspalt, das die vorderen Augenabschnitte stark vergrößert zeigt. Damit sieht man Entzündungszellen und Eiweiß im Kammerwasser (Tyndall-Effekt), Ablagerungen auf der Hornhautrückfläche, Verklebungen der Pupille und Trübungen. Die Untersuchung tut nicht weh.
Zur vollständigen Untersuchung gehören außerdem:
- Gespräch: Beschwerden, Beginn, frühere Augenentzündungen, Gelenk-, Rücken-, Haut- und Darmbeschwerden, Medikamente.
- Sehschärfe mit bester Brillenkorrektur, bei Kindern altersgerecht mit Bildern oder Symbolen.
- Augeninnendruck: zu hoch durch Entzündung oder Kortison, zu niedrig bei schwerer Entzündung.
- Augenhintergrund bei weit getropfter Pupille, auch die Netzhautperipherie.
- Augenstellung bei Kindern, um Schielen und Schwachsichtigkeit zu erkennen.
Welche zusätzlichen Untersuchungen gibt es?
Je nach Befund kommen weitere Untersuchungen hinzu. Sie sind meist schmerzlos und dauern nur wenige Minuten.
| Untersuchung | Was sie zeigt |
|---|---|
| Optische Kohärenztomografie (OCT) | Schichtbild der Netzhaut; erkennt ein Makulaödem und frühe Hydroxychloroquin-Schäden |
| Fundusautofluoreszenz | Stoffwechselveränderungen der Netzhaut, wichtig bei Hydroxychloroquin |
| Fluoreszenzangiografie | Farbstoff in der Armvene macht Gefäßentzündungen und Verschlüsse sichtbar |
| Gesichtsfeld (Perimetrie) | Ausfälle im Blickfeld, etwa durch Sehnerv- oder Netzhautschäden |
| Ultraschall des Auges | Hintere Skleritis (typisches „T-Zeichen“), Glaskörpertrübung |
| Ultraschall-Biomikroskopie | Ziliarkörper und Kammerwinkel bei Kindern mit chronischer Uveitis |
| Schirmer-Test, Tränenfilm-Aufrisszeit, Farbstoffe | Menge und Stabilität des Tränenfilms, Schäden der Augenoberfläche |
| Gonioskopie | Kammerwinkel mit Kontaktglas, wichtig bei erhöhtem Augendruck |
Bei sehr kleinen oder ängstlichen Kindern ist manchmal eine Untersuchung in Sedierung oder kurzer Narkose nötig, wenn sonst keine verlässlichen Befunde möglich sind.
Wie unterscheidet man Episkleritis und Skleritis bei der Untersuchung?
Die Augenärztin oder der Augenarzt tropft ein abschwellendes Mittel (Phenylephrin) ins Auge: Bei der Episkleritis blassen die oberflächlichen Gefäße ab, bei der Skleritis bleibt die tiefe Rötung bestehen. Zusätzlich hilft die Betrachtung bei Tageslicht, weil die violette Tönung der Skleritis dann besser zu sehen ist. Eine hintere Skleritis wird mit Ultraschall, manchmal mit CT oder MRT, nachgewiesen.
Welche Blutuntersuchungen sind sinnvoll?
Blutuntersuchungen dienen dazu, die rheumatische Grunderkrankung einzuordnen und andere Ursachen auszuschließen; sie werden meist gemeinsam mit der Rheumatologie geplant und bewertet. Eine ungezielte „Suche nach allem“ ist nicht sinnvoll.
- Bei Kindern mit JIA: ANA (wichtig für das Kontrollintervall), Rheumafaktor, HLA-B27, Blutbild, Entzündungswerte.
- Bei akuter vorderer Uveitis: HLA-B27, Entzündungswerte (BSG, CRP); bei Verdacht auf Sarkoidose ACE und Lysozym.
- Bei Skleritis und Randgeschwür der Hornhaut: Rheumafaktor, CCP-Antikörper, ANCA (Hinweis auf Granulomatose mit Polyangiitis), ANA.
- Bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis: BSG und CRP sofort, die Behandlung beginnt aber schon vor dem Ergebnis.
- Zum Ausschluss von Infektionen: Syphilis-Test, Tuberkulose-Test (Quantiferon), bei Bedarf Borreliose; vor Biologika ohnehin vorgeschrieben.
Welche anderen Krankheiten müssen ausgeschlossen werden?
Vor allem Infektionen müssen ausgeschlossen werden, weil Kortison und Immunsuppressiva eine infektiöse Entzündung verschlimmern würden. Infrage kommen etwa Herpesviren, Tuberkulose, Syphilis, Borreliose und Toxoplasmose. Bei Kindern denkt man außerdem an seltene Erkrankungen, die eine Entzündung nur vortäuschen (Maskerade-Syndrome), etwa ein Retinoblastom oder Leukämien.
Andere entzündliche Ursachen sind die Sarkoidose am Auge, der Morbus Behçet, die TINU (Nierenentzündung mit Uveitis, vor allem bei Mädchen und Jugendlichen) und das Kawasaki-Syndrom. Die Zuordnung gelingt oft erst im Gespräch zwischen Augenheilkunde, Rheumatologie und Kinderheilkunde.
Wann wird bei einer Iritis nach Morbus Bechterew gesucht?
Nach einem Morbus Bechterew wird gesucht, wenn eine akute vordere Uveitis ohne andere Erklärung auftritt, besonders wenn sie wiederkehrt oder zusätzlich entzündliche Rückenschmerzen bestehen. Dann empfiehlt sich eine rheumatologische Abklärung mit HLA-B27, Entzündungswerten und meist einer MRT der Kreuz-Darmbein-Gelenke. Die Uveitis zählt zu den offiziellen Klassifikationsmerkmalen der Spondyloarthritis; ein Röntgenbild ist in frühen Stadien oft noch unauffällig.
Wie oft müssen Kinder mit JIA zur Augenkontrolle?
Kinder mit JIA sollen nach der deutschen Leitlinie innerhalb von zwei Wochen nach der Rheuma-Diagnose zum ersten Mal augenärztlich untersucht werden, auch ohne Augenbeschwerden. Danach richtet sich der Abstand der Spaltlampenkontrollen nach JIA-Form, ANA-Befund, Alter bei Rheumabeginn und Krankheitsdauer.
| Gruppe | Krankheitsdauer | Kontrolle alle |
|---|---|---|
| Oligoarthritis, RF-negative Polyarthritis, Psoriasis-Arthritis, andere JIA: ANA positiv, Beginn mit 6 Jahren oder früher | bis 4 Jahre | 3 Monate |
| dieselbe Gruppe | über 4 bis unter 7 Jahre | 6 Monate |
| dieselbe Gruppe | ab 7 Jahren | 12 Monate |
| Gleiche Formen, ANA positiv, Beginn nach dem 6. Geburtstag | bis 2 Jahre / über 2 Jahre | 6 / 12 Monate |
| Gleiche Formen, ANA negativ, Beginn mit 6 Jahren oder früher | bis 4 Jahre / über 4 Jahre | 6 / 12 Monate |
| Gleiche Formen, ANA negativ, Beginn nach dem 6. Geburtstag | jede | 12 Monate |
| Enthesitis-assoziierte Arthritis | jede | 3 Monate, bei Beschwerden sofort |
| RF-positive Polyarthritis, systemische JIA | jede | 12 Monate, bei Beschwerden sofort |
Die Tabelle gibt das Schema nach Heiligenhaus und der deutschen Leitlinie (DOG und Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie, Fassung 2021) wieder. Diese Fassung war bis Juni 2026 gültig und wird derzeit überarbeitet; eine neuere Fassung lag bei Redaktionsschluss nicht vor. Für die enthesitis-assoziierte Arthritis empfiehlt die Leitlinie Kontrollen alle drei Monate, weil die Uveitis auch bei dieser Form nicht selten ohne Beschwerden verläuft; manche Klinik-Übersichten nennen hier noch den älteren Abstand von zwölf Monaten. Manche Zentren, etwa das Klinikum Stuttgart, untersuchen Kinder der höchsten Risikogruppe im ersten Krankheitsjahr sogar alle sechs Wochen, und die Deutsche Rheuma-Liga nennt für Hochrisikokinder Abstände von vier bis sechs Wochen. Über das genaue Intervall entscheiden Augenärztin oder Augenarzt gemeinsam mit der Kinderrheumatologie; kürzere Abstände sind immer erlaubt, längere nicht.
Wie handhaben andere Länder die Kontrollen?
Die Empfehlungen ähneln sich im Kern, unterscheiden sich aber im Detail. Die amerikanische Leitlinie (American College of Rheumatology und Arthritis Foundation, 2019) empfiehlt bei hohem Risiko alle drei Monate, sonst alle sechs bis zwölf Monate; ihre Autoren betonen, dass die Studienlage dafür dünn ist. Französische Fachliteratur nennt eine Kontrolle bei Diagnose, dann alle drei Monate in den ersten fünf Krankheitsjahren und danach jährlich. In Großbritannien legt das Royal College of Ophthalmologists ähnliche Risikogruppen fest.
Eine eigene österreichische Leitlinie zu diesen Kontrollen ist nicht bekannt; in der Praxis wird meist die deutsche Leitlinie herangezogen. Die Spaltlampenkontrollen sind ärztlich begründete Untersuchungen und werden in Deutschland von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. In Österreich übernimmt die Kasse sie bei Augenärztinnen und Augenärzten mit Kassenvertrag; bei Wahlärztinnen und Wahlärzten zahlt man zunächst selbst und reicht die Rechnung zur teilweisen Erstattung ein.
Was gilt nach dem Absetzen von Medikamenten?
Nach dem Absetzen oder Verringern einer Uveitis-Therapie ist das Rückfallrisiko erhöht, deshalb werden die Abstände wieder verkürzt. Die amerikanische Leitlinie empfiehlt eine Kontrolle innerhalb eines Monats nach dem Absetzen von Kortisontropfen und innerhalb von zwei Monaten nach dem Ende einer systemischen Therapie. Auch bei einer aktiven Uveitis wird deutlich häufiger kontrolliert, bei starker Entzündung wöchentlich oder öfter, nach Abklingen mindestens alle drei Monate.
Welche Augenkontrollen brauchen Erwachsene mit Hydroxychloroquin?
Erwachsene, die Hydroxychloroquin oder Chloroquin einnehmen, sollen nach der deutschen S1-Leitlinie von 2025 in den ersten Monaten der Therapie eine Basisuntersuchung erhalten und ab dem fünften Einnahmejahr jährlich kontrolliert werden. Bei Risikofaktoren wie hoher Dosis, eingeschränkter Nierenfunktion, Tamoxifen oder auffälligen Makulabefunden beginnen die jährlichen Kontrollen sofort.
- Basisuntersuchung: Sehschärfe, Gesichtsfeld, Augenhintergrund und OCT. Eine vorbestehende Makulaerkrankung ist kein Grund, auf das Medikament zu verzichten, erschwert aber die spätere Beurteilung.
- Früherkennung: vor allem objektive Verfahren, nämlich OCT, Fundusautofluoreszenz und bei Bedarf multifokales ERG (Messung der Netzhautströme). Ein Verdacht wird mit einer zweiten Methode bestätigt, bevor zum Absetzen geraten wird.
- Nicht geeignet zur Früherkennung: Sehschärfe allein, Augenspiegelung allein, Farbsehtest und Amsler-Gitter. Ältere Ratgeber, die den Farbsehtest empfehlen, sind überholt.
- Menschen asiatischer Herkunft: Hier wird die Netzhaut auch weiter außen untersucht, weil der Schaden dort beginnt.
Die Empfehlungen anderer Länder sind ähnlich, aber nicht gleich. Die amerikanische Fachgesellschaft AAO hat ihre Empfehlung 2025 aktualisiert und setzt vor allem auf OCT und Weitwinkel-Autofluoreszenz. Das britische Royal College of Ophthalmologists verzichtet auf eine Eingangsuntersuchung und beginnt mit jährlichen Kontrollen nach fünf Jahren.
Zahlt die Krankenkasse die Hydroxychloroquin-Kontrollen?
In Deutschland sind OCT und Fundusautofluoreszenz zur Früherkennung eines Hydroxychloroquin-Schadens nach Stand der Leitlinie 2025 keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, sondern Selbstzahlerleistungen. Die übrige augenärztliche Untersuchung wird übernommen. Für Österreich haben wir keine einheitliche Regelung gefunden, ob OCT und Autofluoreszenz für diese Kontrollen von der Kasse übernommen werden; fragen Sie vorab in der Praxis oder bei Ihrer Krankenkasse nach.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (10)
- Wie wird Rheuma am Auge behandelt?
- Wie wird eine akute Iritis behandelt?
- Wie wird die Uveitis bei Kindern mit JIA behandelt?
- Wie wird das trockene Auge bei Rheuma behandelt?
- Wie werden Episkleritis und Skleritis behandelt?
- Wie wird ein Randgeschwür der Hornhaut behandelt?
- Wie werden Lupus- und Vaskulitis-Schäden am Auge behandelt?
- Was passiert mit Hydroxychloroquin bei einem Netzhautschaden?
- Wann sind Augenoperationen bei Rheuma nötig?
- Wer behandelt was?
Wie wird Rheuma am Auge behandelt?
Rheuma am Auge wird auf zwei Ebenen behandelt: direkt am Auge mit Tropfen, Salben oder Injektionen und im ganzen Körper mit Medikamenten, die die rheumatische Grunderkrankung beruhigen. Welche Ebene im Vordergrund steht, hängt von der Art und Schwere der Augenbeteiligung ab. Ein starres Schema gibt es nicht; die Therapie wird individuell mit der Rheumatologie abgestimmt.
Wie wird eine akute Iritis behandelt?
Eine akute vordere Uveitis wird mit kortisonhaltigen Augentropfen und pupillenerweiternden Tropfen behandelt. Die Kortisontropfen werden anfangs häufig gegeben, im Schub oft stündlich oder alle paar Stunden, und dann über Wochen langsam ausgeschlichen. Wichtig ist, sie nicht eigenmächtig abrupt abzusetzen, weil die Entzündung sonst zurückkehren kann.
Die pupillenerweiternden Tropfen (Mydriatika oder Zykloplegika) haben zwei Aufgaben. Sie entspannen den verkrampften Ziliarmuskel und lindern so den Schmerz. Und sie halten die Pupille weit, damit die Regenbogenhaut nicht mit der Linse verklebt. Während der Behandlung sieht man in der Nähe unscharf und ist blendempfindlicher; Autofahren ist dann oft nicht möglich.
Was tun, wenn Tropfen nicht reichen?
Reichen Tropfen nicht aus, kann Kortison neben das Auge oder unter die Bindehaut gespritzt werden, bei Beteiligung hinterer Augenabschnitte auch in das Auge oder als langsam wirkendes Implantat. Bei schweren beidseitigen Schüben werden Kortisontabletten eingesetzt. Entzündungshemmende Augentropfen ohne Kortison (NSAR) wirken bei Uveitis nur schwach.
Was hilft gegen häufige Iritis-Schübe?
Bei häufigen Schüben, etwa mehr als zwei bis drei pro Jahr, oder bei schweren Verläufen kommt eine dauerhafte Basistherapie infrage. Für Sulfasalazin zeigten kleine Studien bei Spondyloarthritis deutlich weniger Schübe, etwa von gut drei auf knapp einen pro Jahr. Für Methotrexat ist die Wirkung bei dieser Form weniger gut belegt.
TNF-Hemmer senken die Zahl der Uveitis-Schübe deutlich. Bei Morbus Bechterew mit wiederkehrender Uveitis werden die Antikörper Adalimumab oder Infliximab bevorzugt; Etanercept wirkt am Auge schwächer und schützt weniger zuverlässig vor neuen Schüben. Die Auswahl trifft die Rheumatologie, die gleichzeitig die Gelenke und die Wirbelsäule im Blick hat.
Wie wird die Uveitis bei Kindern mit JIA behandelt?
Die JIA-Uveitis wird so früh und so konsequent behandelt, bis die Vorderkammer vollständig frei von Entzündungszellen ist. Nach der deutschen Leitlinie beginnt die Behandlung schon bei einer geringen Zahl von Zellen. Ein Makulaödem, ein zu niedriger Augendruck oder neue Gefäße auf der Regenbogenhaut werden auch dann behandelt, wenn keine Zellen sichtbar sind.
Stufe 1: Tropfen
Am Anfang stehen Kortisontropfen, etwa Prednisolonacetat 1 Prozent oder Dexamethason 0,1 Prozent, und je nach Befund pupillenerweiternde Tropfen. Die Häufigkeit richtet sich nach der Entzündungsstärke und kann anfangs stündlich sein. Weil Kortisontropfen bei Kindern über längere Zeit sehr häufig Grauen Star und erhöhten Augendruck auslösen, soll ihre Dauerdosis niedrig bleiben.
Stufe 2: Methotrexat
Braucht ein Kind auf Dauer mehr als etwa ein bis zwei Kortisontropfen pro Tag oder flammt die Entzündung immer wieder auf, wird eine Basistherapie begonnen. Mittel der ersten Wahl ist Methotrexat, meist einmal pro Woche als Spritze unter die Haut, die gegenüber Tabletten bevorzugt wird. Methotrexat kann außerdem das Auftreten einer Uveitis bei JIA seltener machen.
Nach dem Absetzen von Methotrexat flammt die Uveitis bei etwa 69 Prozent wieder auf, bei knapp der Hälfte innerhalb eines Jahres. Eine Behandlung über mindestens drei Jahre und eine Reizfreiheit von mindestens zwei Jahren vor dem Absetzen senken dieses Risiko.
Stufe 3: Biologika
Reicht Methotrexat nicht aus, wird zusätzlich ein Biologikum gegeben, in erster Linie der TNF-Hemmer Adalimumab. In mehreren Studien wurden damit mindestens drei Viertel der Kinder innerhalb von vier bis zwölf Wochen reizfrei. In der britischen SYCAMORE-Studie versagte die Therapie unter Adalimumab plus Methotrexat bei 27 Prozent der Kinder, unter Placebo plus Methotrexat bei 60 Prozent; Infektionen traten unter Adalimumab häufiger auf.
Adalimumab ist in der EU für die chronische nicht infektiöse vordere Uveitis bei Kindern ab zwei Jahren zugelassen, wenn die herkömmliche Behandlung nicht ausreicht, nicht vertragen wird oder nicht infrage kommt; bei Kindern wird es zusammen mit Methotrexat gegeben. Alternativen sind Infliximab, Tocilizumab oder Abatacept; für Rituximab gibt es nur wenig Erfahrung. Etanercept soll bei Uveitis nicht eingesetzt werden. Bei schweren Verläufen kann man Methotrexat und Adalimumab auch gleich gemeinsam beginnen.
Und Kortisontabletten bei Kindern?
Kortisontabletten oder -infusionen werden bei Kindern nur kurz und in besonderen Situationen eingesetzt, etwa um frische Verklebungen der Pupille zu lösen oder bis eine Basistherapie wirkt. Als alleinige Therapie sollten sie nicht länger als etwa drei Monate gegeben werden. Bei längerer Gabe drohen Wachstumsstörungen, Gewichtszunahme, Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker und Augenschäden.
Wo werden Kinder mit schwerer Uveitis betreut?
Kinder mit chronisch aktiver oder schwerer Uveitis sollen an spezialisierten Uveitis-Zentren betreut werden, die eng mit der Kinderrheumatologie zusammenarbeiten. In Deutschland gibt es solche Zentren an mehreren Universitätskliniken und rheumatologischen Fachkliniken; in Österreich übernehmen vor allem die Universitäts-Augenkliniken diese Aufgabe.
Wie wird das trockene Auge bei Rheuma behandelt?
Das trockene Auge bei Rheuma wird zuerst mit Tränenersatzmitteln behandelt, tagsüber als Tropfen oder Gel, nachts als Salbe. Bei häufiger Anwendung sind konservierungsmittelfreie Präparate besser verträglich. Eine Übersicht über die Möglichkeiten gibt die Seite Augentropfen gegen trockene Augen.
- Entzündungshemmende Tropfen: Ciclosporin-Augentropfen, kurzfristig auch Kortisontropfen unter Kontrolle.
- Tränenpünktchen-Verschluss: kleine Stöpsel im Tränenpünktchen halten die Tränen länger im Auge; sie helfen weniger, wenn die Oberfläche stark entzündet ist.
- Lidrandpflege: Wärme und Reinigung der Lidränder, wenn zusätzlich die Talgdrüsen gestört sind.
- Tablettenbehandlung: Pilocarpin kann bei Sjögren die Tränen- und Speichelbildung anregen; Nebenwirkungen wie Schwitzen sind häufig.
- Schwere Fälle: Verbandkontaktlinsen, Amnionmembran (Eihaut als Wundauflage) oder ein teilweiser Lidverschluss.
Wie werden Episkleritis und Skleritis behandelt?
Eine Episkleritis heilt oft von selbst und wird bei Beschwerden mit kühlenden Tränenersatzmitteln, kurz mit Kortisontropfen oder mit entzündungshemmenden Tabletten (NSAR wie Ibuprofen) behandelt. Die Skleritis braucht dagegen fast immer eine Behandlung über den ganzen Körper, weil Tropfen allein nicht tief genug wirken.
- Leichte vordere Skleritis: NSAR-Tabletten.
- Mittelschwere bis schwere Skleritis: Kortisontabletten, bei Bedarf hochdosiert als Infusion.
- Kortison einsparen: Methotrexat, Mycophenolat, Azathioprin, Ciclosporin oder Biologika wie TNF-Hemmer oder Rituximab.
- Nekrotisierende Skleritis: starke Immunsuppression, etwa Cyclophosphamid oder Rituximab, oft in Klinik und gemeinsam mit der Rheumatologie.
- Drohender Durchbruch: Abdeckung der verdünnten Stelle mit Spendergewebe.
Eine Skleritis bei rheumatoider Arthritis zeigt oft an, dass die Grunderkrankung schwer und aktiv ist. Deshalb wird dann meist auch die gesamte Rheumatherapie neu bewertet und verstärkt.
Wie wird ein Randgeschwür der Hornhaut behandelt?
Eine periphere ulzerative Keratitis wird vor allem durch Immunsuppression über den ganzen Körper behandelt, weil sie Ausdruck einer Gefäßentzündung ist. Kortisontropfen werden hier zurückhaltend eingesetzt, weil sie die Hornhaut weiter aufweichen können. Unterstützend kommen Tetracyclin-Tabletten, Gewebekleber, Verbandkontaktlinsen, Amnionmembran oder im Notfall eine Hornhauttransplantation infrage.
Wie werden Lupus- und Vaskulitis-Schäden am Auge behandelt?
Entzündungen der Netzhautgefäße bei Lupus oder Vaskulitis werden mit Kortison und weiteren Immunsuppressiva behandelt, abgestimmt auf die Aktivität der Grunderkrankung. Bei Gefäßverschlüssen durch Antiphospholipid-Antikörper kommen gerinnungshemmende Medikamente hinzu. Neu gewachsene, krankhafte Netzhautgefäße werden mit Laser oder Injektionen ins Auge behandelt.
Bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis wird sofort hochdosiertes Kortison gegeben, noch bevor die Diagnose gesichert ist. Die Behandlung dauert danach meist über ein Jahr, oft mehrere Jahre, mit langsam sinkender Dosis. Das Kortison darf nie plötzlich abgesetzt werden.
Was passiert mit Hydroxychloroquin bei einem Netzhautschaden?
Bei einem gesicherten Netzhautschaden wird Hydroxychloroquin abgesetzt, weil es keine Behandlung gibt, die den Schaden rückgängig macht. Das Absetzen erfolgt in Absprache mit der Rheumatologie, die gleichzeitig ein anderes Medikament einsetzt, damit die Grunderkrankung nicht aufflammt. Bei Lupus kann eine zu niedrige Dosis zu mehr Schüben führen; deshalb soll niemand die Dosis eigenmächtig senken oder das Mittel aus Angst um die Augen absetzen.
Wann sind Augenoperationen bei Rheuma nötig?
Augenoperationen sind bei Rheuma vor allem bei Grauem Star, Grünem Star, Kalkband der Hornhaut oder drohendem Durchbruch der Augenwand nötig. Grundregel: Das Auge sollte vor einer geplanten Operation mindestens drei Monate entzündungsfrei sein, und rund um die Operation wird die Entzündungshemmung meist verstärkt. Bei Kindern mit JIA-Uveitis gehören solche Eingriffe in die Hände erfahrener Operateure.
- Grauer Star bei Kindern: Die Kunstlinse wird manchmal später eingesetzt; ein Nachstar ist häufig und muss wegen der Gefahr der Schwachsichtigkeit rasch behandelt werden.
- Kalkband der Hornhaut: wird mit einer Spüllösung (EDTA) schonend entfernt.
- Grüner Star: Drucksenkende Tropfen; reichen sie nicht, Operationen zur Ableitung von Kammerwasser.
- Laser-Sehkorrektur: Eine rheumatoide Arthritis mit trockenem Auge gilt als relative Gegenanzeige für LASIK, weil sich die Trockenheit verschlimmern kann.
Wer behandelt was?
Die Augenärztin oder der Augenarzt stellt die Augenbefunde fest, verordnet Tropfen und lokale Therapie und bestimmt die Kontrollabstände. Die Rheumatologin oder der Rheumatologe beurteilt Laborwerte und Grunderkrankung und legt die Tabletten-, Spritzen- oder Infusionstherapie fest. Bei Kindern kommen Kinder- und Jugendrheumatologie sowie Kinderärztin oder Kinderarzt dazu.
Beide Seiten brauchen die Befunde der anderen. Bringen Sie deshalb Arztbriefe, Medikamentenplan und den letzten Augenbefund zu jedem Termin mit.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (7)
- Wie verläuft Rheuma am Auge?
- Wie ist die Prognose bei Morbus Bechterew und HLA-B27-Uveitis?
- Wie ist die Prognose der JIA-Uveitis?
- Wie verlaufen Skleritis und Randgeschwür der Hornhaut?
- Wie verläuft das trockene Auge bei Rheuma?
- Wie verläuft eine Augenbeteiligung bei Lupus und Vaskulitis?
- Wie wirkt sich Rheuma am Auge auf den Alltag aus?
Wie verläuft Rheuma am Auge?
Der Verlauf von Rheuma am Auge hängt stark von der Form ab: Die akute Iritis bei HLA-B27 heilt meist folgenlos aus, kommt aber oft wieder; die chronische Uveitis bei JIA kann ohne Kontrollen über Jahre unbemerkt schwere Schäden anrichten. Trockenes Auge und Skleritis begleiten oft die Aktivität der Grunderkrankung.
Wie ist die Prognose bei Morbus Bechterew und HLA-B27-Uveitis?
Die Prognose der HLA-B27-Uveitis ist bei rascher Behandlung meist gut. Nur etwa 2,5 Prozent der behandelten Betroffenen behalten einen dauerhaften Sehverlust. Mögliche Folgen nach vielen Schüben sind Verklebungen der Pupille, Grauer Star, ein zystoides Makulaödem (bei etwa 6 Prozent) und ein Uveitis-bedingter Grüner Star.
Für die Gesamterkrankung kann eine Uveitis ein Hinweis auf einen aktiveren Verlauf des Morbus Bechterew sein. Deshalb lohnt es sich, nach einer Iritis auch die Wirbelsäule rheumatologisch einschätzen zu lassen.
Wie ist die Prognose der JIA-Uveitis?
Die Prognose der JIA-Uveitis hat sich durch Kontrollen und moderne Medikamente deutlich verbessert, ist aber weiterhin ernst. In älteren Gruppen ohne Kontrollen erblindeten bis zu 30 Prozent auf mindestens einem Auge. Auch heute haben viele Kinder bei der Erstdiagnose bereits Folgeschäden, besonders wenn die Kontrolltermine nicht eingehalten wurden.
| Komplikation | Häufigkeit in Studien (ungefähr) | Folge |
|---|---|---|
| Bandkeratopathie (Kalkband der Hornhaut) | 7 bis 50 % | Grauer Schleier vor der Pupille |
| Hintere Synechien (Verklebungen) | 27 bis 58 % | Unrunde Pupille, Druckanstieg möglich |
| Grauer Star | 22 bis 64 % | Verschwommenes Sehen, Operation |
| Erhöhter Augendruck, Grüner Star | 6 bis 31 % | Sehnervschaden, Gesichtsfeldausfall |
| Makulaödem und Makulaschäden | 4 bis 26 % | Schlechteres Lesesehen |
| Zu niedriger Augendruck (Hypotonie) | etwa 10 % | Im Extremfall Schrumpfen des Auges |
Folgeschäden beginnen fast immer mit hinteren Synechien. Gelingt es, diese zu verhindern, sinkt das Risiko für alle weiteren Komplikationen. Häufigste Gründe für dauerhaft schlechteres Sehen sind Grauer Star, Grüner Star und Schäden der Makula.
Muss die Behandlung lebenslang dauern?
Nicht unbedingt, aber oft über viele Jahre. Die JIA-Uveitis kann im Jugend- oder Erwachsenenalter zur Ruhe kommen, bei einem Teil bleibt sie bis ins Erwachsenenalter aktiv. Nach dem Absetzen von Methotrexat oder Adalimumab kommt es häufig zu Rückfällen, beim Adalimumab je nach Studie bei 50 bis 90 Prozent. Kontrollen bleiben deshalb auch nach erfolgreicher Therapie und beim Übergang in die Erwachsenenmedizin wichtig.
Wie verlaufen Skleritis und Randgeschwür der Hornhaut?
Eine Skleritis kann unter Behandlung ausheilen, neigt aber zu Rückfällen und kann bei schweren Formen zu teilweisem Sehverlust führen. Die nekrotisierende Form kann selten zum Durchbruch der Augenwand und zum Verlust des Auges führen. Skleritis und Randgeschwüre der Hornhaut bei rheumatoider Arthritis gehen mit einer erhöhten Sterblichkeit einher, weil sie oft eine Gefäßentzündung im ganzen Körper anzeigen; mit moderner Immunsuppression hat sich die Prognose aber deutlich verbessert.
Wie verläuft das trockene Auge bei Rheuma?
Das trockene Auge bei Rheuma ist meist eine Dauererkrankung, die sich mit Tränenersatz und Entzündungshemmung gut lindern, aber selten heilen lässt. Unbehandelt kann ein ausgeprägter Tränenmangel, besonders beim Sjögren-Syndrom, zu Hornhautschäden bis zu Geschwüren führen. Mit konsequenter Pflege bleibt das Sehen bei den allermeisten erhalten.
Wie verläuft eine Augenbeteiligung bei Lupus und Vaskulitis?
Bei Lupus und Vaskulitis folgt der Augenbefund meist der Aktivität der Grunderkrankung. Netzhautveränderungen können sich zurückbilden, wenn der Lupus gut eingestellt ist. Gefäßverschlüsse und Durchblutungsstörungen des Sehnervs hinterlassen dagegen oft bleibende Ausfälle; umso wichtiger ist rasches Handeln.
Wie wirkt sich Rheuma am Auge auf den Alltag aus?
Eine Augenbeteiligung schränkt die Lebensqualität oft deutlich ein, auch wenn das Sehen erhalten bleibt. Häufige Arzttermine, Tropfpläne, Lichtempfindlichkeit und die Sorge vor dem nächsten Schub belasten Betroffene und Familien. Bei Kindern können Sehstörungen die Schule erschweren; dann helfen Gespräche mit Lehrkräften und bei Bedarf Unterstützung durch Frühförderung oder Sehbehindertenpädagogik.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (8)
- Kann man Rheuma am Auge vorbeugen?
- Was können Eltern von Kindern mit JIA tun?
- Was können Erwachsene mit HLA-B27 oder Morbus Bechterew tun?
- Was hilft im Alltag bei trockenen Augen?
- Wie schützt man die Augen unter Hydroxychloroquin?
- Wie schützt man die Augen unter Kortison?
- Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit der Fachärzte?
- Wo finden Betroffene Unterstützung?
Kann man Rheuma am Auge vorbeugen?
Die Augenbeteiligung selbst lässt sich nicht sicher verhindern, ihre Folgen aber sehr wohl: durch regelmäßige Kontrollen, frühe Behandlung und eine gut eingestellte Grunderkrankung. Bei Kindern mit JIA ist das konsequente Einhalten der Kontrolltermine die wichtigste Vorbeugung überhaupt.
Was können Eltern von Kindern mit JIA tun?
Eltern können am meisten tun, indem sie jeden Kontrolltermin wahrnehmen, auch wenn das Kind beschwerdefrei ist und die Gelenke ruhig sind. In einer großen deutschen Registerauswertung hielt nur knapp zwei Drittel der Kinder die empfohlenen Abstände ein; bei regelmäßigen Kontrollen war das Sehen bei Entdeckung der Uveitis besser. Die Deutsche Rheuma-Liga rät Eltern ausdrücklich, auf den Intervallen zu bestehen, auch wenn jemand kürzere Abstände für übertrieben hält.
- Termine für das ganze Jahr im Voraus vereinbaren und in den Kalender eintragen.
- Den Augenbefund zu jedem Termin bei der Kinderrheumatologie mitbringen und umgekehrt.
- Tropfen genau nach Plan geben und nicht eigenmächtig absetzen.
- Bei Kortisontropfen den Augendruck regelmäßig messen lassen.
- Bei Umzug, Arztwechsel oder Übergang in die Erwachsenenmedizin die Kontrollen nahtlos weiterführen.
Können Eltern selbst etwas beobachten?
Bei besonders gefährdeten Kindern leiten manche Ärztinnen und Ärzte Eltern an, die Pupillen einmal pro Woche selbst zu prüfen: abends nach einem pupillenerweiternden Tropfen mit Taschenlampe und Lupe auf eine unrunde Pupille achten. Das geschieht nur nach ärztlicher Anleitung und ersetzt keine Spaltlampenkontrolle. Bei neuen Unregelmäßigkeiten soll das Kind rasch vorgestellt werden.
Französische Fachliteratur empfiehlt größeren Kindern ab etwa zehn Jahren einen einfachen Selbsttest: regelmäßig ein Auge zuhalten und prüfen, ob das andere allein genauso gut sieht. Wird ein Auge schlechter, fällt das so früher auf.
Was können Erwachsene mit HLA-B27 oder Morbus Bechterew tun?
Erwachsene mit HLA-B27 oder Morbus Bechterew sollten die typischen Iritis-Zeichen kennen und bei den ersten Anzeichen sofort einen Termin vereinbaren. Je früher behandelt wird, desto seltener entstehen Verklebungen und Folgeschäden. Beginnen Sie eine Behandlung mit Kortisontropfen nicht auf eigene Faust, sondern lassen Sie das Auge zuerst untersuchen, denn auch Infektionen wie eine Herpes-Entzündung können ähnlich aussehen.
Bei häufigen Schüben lohnt das Gespräch mit der Rheumatologie über eine Basistherapie, die auch die Augen schützt. Nicht zu rauchen senkt das Uveitis-Risiko und nützt auch Wirbelsäule und Gefäßen.
Was hilft im Alltag bei trockenen Augen?
Im Alltag helfen regelmäßige Befeuchtung und das Meiden von Reizen, die den Tränenfilm austrocknen.
- Tränenersatzmittel regelmäßig nach Plan, nicht erst bei starken Beschwerden.
- Am Bildschirm bewusst blinzeln und Pausen einlegen.
- Zugluft, Ventilatoren und Klimaanlagen meiden, im Schlafzimmer bei trockener Heizungsluft einen Luftbefeuchter nutzen.
- Brillen mit Seitenschutz im Freien und bei Wind.
- Rauch meiden.
- Ausreichend trinken; Medikamente, die die Augen austrocknen, etwa manche Mittel gegen Allergien oder Depressionen, mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
Wie schützt man die Augen unter Hydroxychloroquin?
Unter Hydroxychloroquin schützen Sie Ihre Augen am besten durch die richtige Dosis, regelmäßige Kontrollen und rasches Melden neuer Lesestörungen. Die Dosis wird nach dem tatsächlichen Körpergewicht berechnet; bei starkem Gewichtsverlust oder nachlassender Nierenfunktion muss sie überprüft werden. Informieren Sie Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt, seit wann und in welcher Dosis Sie das Medikament nehmen.
Wie schützt man die Augen unter Kortison?
Wer längere Zeit Kortison als Tropfen oder Tabletten nimmt, sollte den Augeninnendruck und die Linse regelmäßig kontrollieren lassen. Das gilt besonders für Kinder: Bei ihnen kann der Augendruck unter Kortisontropfen schon nach wenigen Tagen bis Wochen deutlich steigen, bei jüngeren Kindern und höherer Dosis oft stärker. Ein erhöhter Druck macht keine Beschwerden und wird nur beim Messen entdeckt.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit der Fachärzte?
Die Zusammenarbeit von Augenheilkunde und Rheumatologie ist ein wesentlicher Teil der Vorbeugung. Eine Augenbeteiligung kann Anlass sein, die Rheumatherapie zu verstärken, und umgekehrt kann eine neue Rheumatherapie die Augenkontrollen verändern. Erzählen Sie beiden Seiten von allen Beschwerden und Medikamenten.
Wo finden Betroffene Unterstützung?
Unterstützung bieten Patientenorganisationen wie die Deutsche Rheuma-Liga, die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew, Lupus- und Sklerodermie-Selbsthilfegruppen sowie Elterngruppen von Kindern mit Uveitis. In Österreich sind die Österreichische Rheumaliga und die Österreichische Vereinigung Morbus Bechterew Ansprechpartner. Dort gibt es Merkblätter, Erfahrungsaustausch und Hilfe bei Fragen zu Schule, Beruf und Sozialrecht.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (5)
Wann muss ich mit Rheuma sofort zum Augenarzt?
Sofort, auch nachts oder am Wochenende, sollten Sie in eine Augenklinik oder Notaufnahme, wenn Sie plötzlich auf einem oder beiden Augen deutlich schlechter oder gar nichts mehr sehen. Bei Menschen über 50 mit neuen Kopfschmerzen, Kauschmerz oder kurzzeitigem Sehverlust besteht Verdacht auf Riesenzellarteriitis, die ohne sofortiges Kortison zur Erblindung führen kann. Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
- Plötzlicher Sehverlust oder ein Schatten, der sich ausbreitet
- Kurzes Schwarzwerden vor einem Auge, auch wenn es wieder vorbei ist
- Plötzliche Doppelbilder
- Sehr starke Augenschmerzen mit Übelkeit
- Sichtbares Loch, Vorwölbung oder Austritt von Flüssigkeit an der Augenoberfläche
Bei Lupus mit Antiphospholipid-Antikörpern kann ein plötzlicher Sehverlust ein Arterienverschluss der Netzhaut sein, bei dem jede Stunde zählt.
Wann am selben oder nächsten Tag?
Am selben oder spätestens nächsten Tag sollten Sie augenärztlich untersucht werden, wenn ein Auge rot ist, schmerzt, lichtempfindlich ist oder schlechter sieht. Bei bekanntem Morbus Bechterew oder HLA-B27 ist das die typische Iritis; je früher die Tropfen beginnen, desto geringer das Risiko von Verklebungen.
- Rotes, schmerzendes, lichtscheues Auge, besonders mit kleiner Pupille
- Tiefer, bohrender Augenschmerz, der nachts weckt, mit dunkelroter oder violetter Rötung (Verdacht auf Skleritis)
- Neue Rötung oder Fremdkörpergefühl am Hornhautrand bei lange bestehender rheumatoider Arthritis
- Neue schwebende Punkte mit Verschwommensehen bei bekannter Uveitis
- Ein rotes Auge, das länger als 48 Stunden anhält
Wann innerhalb weniger Tage?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin bekommen, wenn sich etwas neu verändert, ohne dass starke Schmerzen oder ein plötzlicher Sehverlust bestehen.
- Neue Unregelmäßigkeit der Pupille, neues Schielen oder grauer Schleier im Auge bei einem Kind mit JIA
- Lachsrosa Rötung ohne starken Schmerz (möglicherweise Episkleritis)
- Neue Lesestörungen oder fehlende Buchstaben unter Hydroxychloroquin
- Deutlich zunehmendes Verschwommensehen unter Kortison
- Trockene Augen, die trotz Tränenersatz deutlich schlimmer werden
Was gehört zur Routine?
Zur Routine gehören die festen Kontrolltermine bei JIA, die Hydroxychloroquin-Kontrollen und die Augendruckmessungen unter Kortison. Diese Termine sind auch ohne Beschwerden wichtig, denn die gefährlichsten Schäden entstehen oft unbemerkt. Sagen Sie einen Termin nicht ab, nur weil es den Augen gut geht.
Wen rufe ich an?
Außerhalb der Sprechzeiten helfen in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 und die Notaufnahmen der Augenkliniken. In Österreich berät die Gesundheitsnummer 1450 rund um die Uhr. Bei plötzlicher Erblindung oder schweren Allgemeinsymptomen wählen Sie in Deutschland 112, in Österreich 144 oder europaweit 112.
9 Häufige Fragen
Kann Rheuma die Augen angreifen?
Ja. Je nach Erkrankung haben etwa 18 bis 30 Prozent der Menschen mit Rheuma Augenveränderungen. Am häufigsten sind trockene Augen, Entzündungen der Lederhaut und Entzündungen im Augeninneren (Uveitis). Welche Form auftritt, hängt von der Art des Rheumas ab.
Mein Kind hat Gelenkrheuma, die Augen sehen aber gesund aus. Muss es trotzdem zum Augenarzt?
Ja, unbedingt. Die Uveitis bei Kindern mit JIA verläuft meist ohne Rötung, Schmerz und Lichtscheu und ist nur an der Spaltlampe erkennbar. Die erste Untersuchung soll innerhalb von zwei Wochen nach der Rheuma-Diagnose erfolgen, danach in festen Abständen von meist 3 bis 12 Monaten.
Wie oft muss mein Kind mit JIA zur Augenkontrolle?
Das hängt von JIA-Form, ANA-Befund, Alter bei Rheumabeginn und Krankheitsdauer ab. Kinder mit dem höchsten Risiko werden in den ersten Jahren alle drei Monate untersucht, manche Zentren im ersten Jahr sogar alle sechs Wochen. Bei niedrigem Risiko reicht eine jährliche Kontrolle. Das genaue Intervall legen Augenarzt und Kinderrheumatologie gemeinsam fest.
Ich habe Morbus Bechterew und ein rotes, schmerzendes Auge. Ist das ein Notfall?
Es ist sehr wahrscheinlich eine akute Iritis und sollte am selben oder nächsten Tag augenärztlich behandelt werden. Kortison- und Pupillentropfen wirken meist gut. Bei häufigen Schüben kann eine Basistherapie wie Sulfasalazin oder ein TNF-Hemmer die Zahl der Schübe senken.
Bin ich HLA-B27-positiv, bekomme ich dann sicher Rheuma oder eine Iritis?
Nein. HLA-B27 tragen in Europa etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen, und nur ein kleiner Teil von ihnen erkrankt an Morbus Bechterew oder Uveitis. Das Merkmal erhöht das Risiko, ist aber allein kein Beweis für eine Krankheit.
Wie oft muss ich bei Hydroxychloroquin zur Augenkontrolle?
Nach der deutschen Leitlinie von 2025 ist eine Basisuntersuchung in den ersten Monaten der Therapie vorgesehen, danach ab dem fünften Einnahmejahr jährliche Kontrollen. Bei hoher Dosis, Nierenschwäche, Tamoxifen oder Makulaveränderungen wird von Anfang an jährlich kontrolliert. Wichtig sind vor allem OCT und Autofluoreszenz, die in Deutschland meist selbst bezahlt werden müssen.
Macht Hydroxychloroquin blind?
Bei empfohlener Dosis ist ein Netzhautschaden selten: unter 1 Prozent nach fünf und unter 2 Prozent nach zehn Jahren. Nach sehr langer Einnahme steigt das Risiko jedoch deutlich. Regelmäßige Kontrollen finden Schäden früh, bevor das Sehen stark leidet. Setzen Sie das Medikament nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie Bedenken mit Rheumatologie und Augenarzt.
Warum brennen meine Augen bei rheumatoider Arthritis?
Meist steckt ein trockenes Auge dahinter, die häufigste Augenbeteiligung bei rheumatoider Arthritis und beim Sjögren-Syndrom. Die Entzündung stört die Tränendrüse und die Augenoberfläche. Tränenersatzmittel, entzündungshemmende Tropfen und gegebenenfalls Tränenpünktchen-Stöpsel lindern die Beschwerden.
Können Kortison-Augentropfen schaden?
Bei längerer Anwendung können Kortisontropfen den Augeninnendruck erhöhen und einen Grauen Star fördern, bei Kindern besonders häufig. Deshalb werden sie so kurz und so niedrig dosiert wie möglich eingesetzt und der Augendruck regelmäßig gemessen. Braucht man sie dauerhaft, ist oft eine Basistherapie wie Methotrexat die schonendere Lösung.
Kann man bei Rheuma blind werden?
Unbehandelt können einige Formen zu schwerem Sehverlust führen, etwa die JIA-Uveitis, die nekrotisierende Skleritis, Gefäßverschlüsse bei Lupus oder die Riesenzellarteriitis. Mit rechtzeitigen Kontrollen und moderner Therapie lässt sich ein Großteil dieser Schäden verhindern.
Wie unterscheide ich ein harmloses rotes Auge von einer Skleritis?
Eine Skleritis schmerzt tief und bohrend, oft nachts, die Rötung ist dunkelrot bis violett, und Bewegungen des Auges tun weh. Eine harmlose Rötung oder Episkleritis macht kaum Schmerzen. Sicher unterscheiden kann das nur die Augenärztin oder der Augenarzt; bei starkem Schmerz sollte die Untersuchung innerhalb eines Tages erfolgen.
Darf ich mit rheumatoider Arthritis meine Augen lasern lassen?
Eine rheumatoide Arthritis mit trockenem Auge gilt als relative Gegenanzeige für LASIK, weil sich die Trockenheit nach dem Eingriff verschlimmern kann und Augenoperationen bei aktiver Erkrankung Entzündungen auslösen können. Ob eine andere Methode möglich ist, entscheidet eine gründliche Voruntersuchung bei stabiler Grunderkrankung.
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- UveitisEine Uveitis ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut, zu der Regenbogenhaut, Ziliarkörper und Aderhaut gehören. Sie trifft vor allem Erwachsene zwischen 20 und 60 Jahren, aber auch Kinder mit Kinderrheuma, und kann ohne rechtzeitige Behandlung das Sehen dauerhaft schädigen.
- SkleritisDie Skleritis ist eine seltene, aber ernste Entzündung der Lederhaut, der weißen Außenhülle des Auges. Typisch sind ein tiefer, bohrender Schmerz, der nachts aufweckt, und eine dunkelrote bis violette Rötung; bei etwa der Hälfte der Betroffenen steckt eine Allgemeinerkrankung wie rheumatoide Arthritis dahinter, deshalb gehört sie rasch in augenärztliche Hand.
- EpiskleritisDie Episkleritis ist eine meist harmlose Entzündung der dünnen Gewebeschicht zwischen Bindehaut und Lederhaut. Sie macht eine umschriebene, hell- bis lachsrote Rötung mit wenig Schmerz, betrifft vor allem Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren und klingt in der Regel innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen von selbst ab.
- Trockenes AugeBeim trockenen Auge (Sicca-Syndrom) ist der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht: Es bilden sich zu wenig Tränen, oder sie verdunsten zu schnell. Schätzungen für Deutschland gehen von etwa jedem sechsten bis siebten Menschen aus, vor allem Ältere und Frauen, und lässt sich mit Tränenersatzmitteln, Lidpflege und gezielter Behandlung meist gut in den Griff bekommen.
- Sjögren-Syndrom am AugeDas Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Abwehr Tränen- und Speicheldrüsen angreift; die Folge sind besonders hartnäckige trockene Augen und ein trockener Mund. Betroffen sind zu rund neun Zehnteln Frauen, meist zwischen 40 und 60 Jahren.
- Riesenzellarteriitis am AugeDie Riesenzellarteriitis (früher Arteriitis temporalis oder Morbus Horton) ist eine Entzündung großer Schlagadern bei Menschen über 50, die über verschlossene Augenarterien innerhalb von Tagen zur Erblindung führen kann. Neue Schläfenkopfschmerzen, Kauschmerz und Sehstörungen sind ein Notfall: Kortison wird schon beim Verdacht hochdosiert gegeben, um das Sehen und vor allem das zweite Auge zu retten.
- Morbus Behçet am AugeMorbus Behçet ist eine seltene, schubweise Entzündung der Blutgefäße im ganzen Körper mit Mundaphthen, Genitalgeschwüren und Hautveränderungen; bei etwa der Hälfte der Betroffenen entzündet sich auch das Augeninnere. Diese Behçet-Uveitis betrifft meist junge Erwachsene, oft beide Augen, und kann ohne konsequente Behandlung zur Erblindung führen.
- Augenschäden durch MedikamenteViele Medikamente, die man wegen ganz anderer Krankheiten einnimmt, können Hornhaut, Linse, Netzhaut, Sehnerv oder den Augeninnendruck beeinflussen – am bekanntesten Hydroxychloroquin (Netzhaut), Kortison (Grauer und Grüner Star), Ethambutol und Amiodaron (Sehnerv), Tamsulosin (Probleme bei der Star-Operation) und Topiramat (akuter Glaukomanfall). Die meisten Schäden sind selten und früh erkannt beherrschbar; entscheidend sind Kontrollen nach Plan, Warnzeichen zu kennen und das Medikament nie eigenmächtig abzusetzen.
Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 35 Quellen anzeigen
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- S1-Leitlinie Augenärztliche Screening-Untersuchungen bei Therapie mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin (AWMF 045-016) – DOG, BVA, Retinologische Gesellschaft (DE)
- Augenärztliche Kontrolltermine zum Ausschluss einer Uveitis – Klinikum Stuttgart, Kinder- und Jugendrheumatologie (DE)
- Rheumatische Iridozyklitis bei Kindern (Merkblatt 2.2) – Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband (DE)
- Jeder vierte Rheumatiker hat Probleme mit den Augen – Ärzte Zeitung (DE)
- Uveitis – rheuma-online (DE)
- Skleritis – MSD Manual, Ausgabe für Patienten (DE)
- Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) – MSD Manual, Ausgabe für Patienten (DE)
- Uveitis (Lexikon) – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (DE)
- Adalimumab kann Uveitis bei juveniler idiopathischer Arthritis lindern – Deutsches Ärzteblatt (DE)
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- HLA-B27 Anterior Uveitis – Ophthalmology Review (EN)
- Lupus and Eye Problems – Hospital for Special Surgery (EN)
- Uveitis – NHS (EN)
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- Uveitis – National Eye Institute (NIH) (EN)
- An Update on Hydroxychloroquine Retinopathy Screening – Retina Today (EN)
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- Formes non systémiques des arthrites juvéniles idiopathiques – La Revue du Praticien (FR)
- Antipaludéens de synthèse : quel risque pour l'œil ? – La Revue du Praticien (FR)
- Spondylarthrite ankylosante – Manuel MSD, version professionnelle (FR)
- Sclérite – Manuel MSD, grand public (FR)
- Syndrome de Sjögren – Manuel MSD, grand public (FR)
- Uveítis causada por enfermedad reumática sistémica – Manual MSD, versión profesional (ES)
- La importancia del examen oftalmológico en la artritis idiopática juvenil – Reumatología Clínica (ES)
- Recomendaciones actuales para la detección de retinopatía por hidroxicloroquina o cloroquina – SIIC Salud (ES)
- Humira: EPAR – Product Information (Fachinformation, Abschnitt 4.1 Paediatric Uveitis) – Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) (EN)
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- Special AAO Report: Recommendations on Screening for Hydroxychloroquine Retinopathy (2025 Revision) – Ophthalmology 2026, American Academy of Ophthalmology (PubMed) (EN)
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- Ocular hypertensive response to topical dexamethasone in children: a dose-dependent phenomenon – Ophthalmology 2000 (PubMed) (EN)
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