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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Sehnerv und Sehbahn

Drusenpapille (Drusen des Sehnervenkopfes)

Bei einer Drusenpapille finden sich kleine, meist verkalkte Ablagerungen im Sehnervenkopf, die etwa 0,3 bis 2,4 Prozent aller Menschen haben, meist an beiden Augen. Sie verursachen selten Beschwerden, können aber eine gefährliche Stauungspapille vortäuschen und über Jahre langsam das Gesichtsfeld einschränken.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 32 Minuten · 23 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (6)

Was ist eine Drusenpapille?

Eine Drusenpapille ist ein Sehnervenkopf, in dem sich kleine, zellfreie Ablagerungen gebildet haben, die mit der Zeit verkalken. Diese Körnchen heißen Drusen. Sie liegen in der Papille, also an der Stelle im hinteren Auge, an der die Nervenfasern der Netzhaut das Auge verlassen und gemeinsam den Sehnerv bilden. Die Augenärztin oder der Augenarzt sieht die Papille bei der Spiegelung des Augenhintergrunds als kleine, helle Scheibe.

Die Drusen bestehen aus Kalzium, Eiweiß- und Zuckerverbindungen (Mukoproteine und Mukopolysaccharide), Aminosäuren, Nukleinsäuren und teilweise Eisen. Sie liegen vor der Lamina cribrosa, einer siebartigen Platte, durch die der Sehnerv die Lederhaut durchtritt. Mit den Jahren werden sie größer, zahlreicher und härter.

Sind Papillendrusen dasselbe wie Drusen bei Makuladegeneration?

Nein, Drusen der Papille haben mit den Drusen bei der altersabhängigen Makuladegeneration nichts zu tun. Beide heißen nur deshalb gleich, weil es sich jeweils um kleine Ablagerungen handelt. Makuladrusen liegen unter der Netzhautmitte und entstehen im Alter. Papillendrusen liegen im Sehnervenkopf; die Anlage dafür besteht vermutlich schon von Geburt an.

Wie häufig ist eine Drusenpapille?

Eine Drusenpapille findet man je nach Studie bei etwa 3,4 bis 24 von 1.000 Menschen, also bei rund 0,3 bis 2,4 Prozent. Viele Fachtexte nennen als Faustregel etwa 1 bis 2 Prozent. Bei feingeweblichen Untersuchungen nach dem Tod findet man Drusen etwa sechsmal häufiger als bei der Augenspiegelung, weil tief liegende Drusen oft unentdeckt bleiben. Bei Kindern liegt die Häufigkeit bei geschätzt 0,4 Prozent.

Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Menschen mit heller Hautfarbe haben häufiger Drusen als andere Bevölkerungsgruppen. In etwa drei von vier Fällen sind beide Augen betroffen, oft aber unterschiedlich stark.

Welche Formen gibt es?

Man unterscheidet oberflächliche, sichtbare Drusen von tiefen, verborgenen Drusen. Oberflächliche Drusen erscheinen bei der Augenspiegelung als gelblich-weiße, glänzende Knötchen am Papillenrand. Verborgene Drusen liegen tiefer im Gewebe und sind von außen nicht zu sehen. Sie lassen die Papille nur erhaben und unscharf begrenzt wirken.

Bei Kindern sind die Drusen fast immer verborgen und oft noch nicht verkalkt. Im Lauf der Jugend verkalken sie und wandern in Richtung Oberfläche. Auch bei Erwachsenen bleibt ein Teil der Drusen verborgen; Schätzungen gehen von etwa sechs von zehn aus.

Warum ist die Drusenpapille wichtig, wenn sie meist keine Beschwerden macht?

Die Drusenpapille ist wichtig, weil sie eine Stauungspapille vortäuschen kann. Bei einer Stauungspapille ist der Sehnervenkopf durch erhöhten Hirndruck geschwollen, etwa bei einem Hirntumor oder einer Hirnvenenthrombose. Eine Drusenpapille sieht ähnlich erhaben und unscharf aus, ist aber harmlos im Sinne von: Es steckt keine Erkrankung des Gehirns dahinter. Fachleute sprechen deshalb von einer Pseudostauungspapille oder Pseudopapillenödem.

Der zweite Grund: Drusen können über Jahre Nervenfasern schädigen. Dadurch entstehen bei vielen Betroffenen kleine Ausfälle im Gesichtsfeld, die man selbst kaum bemerkt. Selten kommt es zu Komplikationen wie Durchblutungsstörungen des Sehnervs oder Blutungen.

Was bedeutet die Diagnose für Sie im Alltag?

Für die meisten Menschen bedeutet die Diagnose: Sie sehen normal, brauchen keine Behandlung und gehen regelmäßig zur Kontrolle. Die zentrale Sehschärfe bleibt in aller Regel erhalten. Wichtig ist, dass Sie die Diagnose allen Ärztinnen und Ärzten nennen, die Ihre Augen untersuchen. So vermeiden Sie, dass bei jeder neuen Untersuchung erneut aufwendig nach einem Hirndruck gesucht wird.

2 Symptome

In diesem Kapitel (12)

Welche Beschwerden macht eine Drusenpapille?

Die meisten Menschen mit einer Drusenpapille haben überhaupt keine Beschwerden. Die Drusen werden zufällig entdeckt, etwa bei einer Brillenbestimmung, beim Optiker, bei einer Vorsorgeuntersuchung oder weil ein Kind wegen Kopfschmerzen untersucht wird. In einer polnischen Fallserie war der Befund bei allen Betroffenen ein Zufallsbefund, und niemand hatte eine verminderte Sehschärfe.

Wenn Beschwerden auftreten, betreffen sie fast immer das Gesichtsfeld, also den Bereich, den Sie sehen, ohne die Augen zu bewegen. Seltener sind kurze Sehverdunkelungen. Die Sehschärfe beim Lesen und das Farbensehen bleiben in der Regel unverändert.

BeschwerdeWie häufig?Wie fühlt es sich an?
Keine BeschwerdenBei den meisten BetroffenenNichts; Befund fällt nur bei der Augenuntersuchung auf
GesichtsfeldausfälleBei Kindern seltener, bei Erwachsenen häufig messbarMeist gar nicht bemerkt; manchmal Schatten am Rand, Anstoßen an Gegenständen
Kurze SehverdunkelungenBei etwa 9 von 100 BetroffenenSehen wird für Sekunden grau, verschwommen oder flimmert
Verminderte SehschärfeSeltenUnscharfes Sehen in der Mitte; dann nach anderen Ursachen suchen
Plötzlicher SehverlustSelten, KomplikationÜber Stunden bis Tage entstehender Schatten oder Ausfall, meist schmerzlos

Gesichtsfeldausfälle: das häufigste Symptom

Gesichtsfeldausfälle sind die häufigste Folge einer Drusenpapille. Sie entstehen, weil die Drusen auf Nervenfasern drücken und diese über Jahre langsam zugrunde gehen. Wie viele Betroffene Ausfälle haben, schwankt in Studien sehr stark: Die Angaben reichen von etwa 11 bis 87 Prozent. Das liegt an unterschiedlichen Messmethoden, unterschiedlichem Alter der Untersuchten und daran, ob die Drusen sichtbar oder verborgen waren.

Bei Kindern sind Ausfälle seltener, bei Erwachsenen häufiger. Eine amerikanische Übersicht nennt bis etwa die Hälfte der Kinder und fast neun von zehn Erwachsenen. Bei sichtbaren, oberflächlichen Drusen sind Ausfälle deutlich häufiger als bei verborgenen. In einer Übersicht zu Kindern hatten mehr als 70 Prozent der Augen mit sichtbaren Drusen Ausfälle, bei verborgenen Drusen weniger als 40 Prozent.

Warum merkt man die Ausfälle oft nicht?

Man merkt die Ausfälle oft nicht, weil sie sehr langsam entstehen und meist am Rand des Gesichtsfelds liegen. Das Gehirn füllt kleine Lücken mit der Umgebung auf. Hinzu kommt: Das andere Auge sieht die fehlende Stelle meist noch, weil die Ausfälle an beiden Augen selten genau gleich liegen. Deshalb fallen die Defekte oft erst bei einer Gesichtsfeldmessung auf.

Wo liegen die Ausfälle typischerweise?

Typisch sind Ausfälle unten und auf der Nasenseite des Gesichtsfelds. Die Augenärztin oder der Augenarzt findet bei der Messung häufig folgende Muster:

  • Vergrößerter blinder Fleck: Jeder Mensch hat einen kleinen blinden Fleck dort, wo der Sehnerv das Auge verlässt. Bei Drusen ist er oft größer.
  • Nasale Stufe: Eine Kante im Gesichtsfeld auf der Nasenseite; bei Kindern der häufigste Befund.
  • Bogenförmige Ausfälle: Sichelartige Lücken, die vom blinden Fleck ausgehen. Fachleute nennen sie Bjerrum-artige Defekte.
  • Konzentrische Einengung: Das Gesichtsfeld wird von außen her kleiner.

Die Ausfälle passen oft nicht genau zu der Stelle, an der man die Drusen sieht. Das liegt daran, dass auch verborgene Drusen Fasern schädigen.

Wie fühlen sich Gesichtsfeldausfälle im Alltag an?

Wenn Betroffene die Ausfälle bemerken, beschreiben sie sie als schattenartige oder leere Bereiche am Rand. Manche stoßen häufiger an Türrahmen oder übersehen Stufen. Andere bemerken beim Autofahren, dass sie seitlich auftauchende Fahrzeuge spät wahrnehmen. Das ist bei Drusen aber die Ausnahme, nicht die Regel.

Ähneln die Ausfälle einem Grünen Star?

Ja, die Ausfälle ähneln stark denen beim Grünen Star (Glaukom). Beide Erkrankungen schädigen die Nervenfasern am Sehnervenkopf in ähnlicher Anordnung. Bei älteren Menschen ist es deshalb manchmal schwierig, die beiden auseinanderzuhalten, zumal beide gleichzeitig vorkommen können. Darum misst die Augenärztin oder der Augenarzt bei Drusen auch den Augeninnendruck.

Kurze Sehverdunkelungen

Etwa jede oder jeder elfte Betroffene erlebt kurze Sehverdunkelungen, die nur Sekunden dauern. Das Sehen wird plötzlich grau, verschwommen oder dunkel und kehrt dann vollständig zurück. Manche beschreiben auch ein kurzes Flimmern. Fachleute nennen das flüchtige Sehverdunkelungen (transient visual obscurations).

Vermutlich entstehen sie, weil die Drusen im engen Sehnervenkopf kurzzeitig die Durchblutung beeinträchtigen. Wichtig: Solche Verdunkelungen sind bei einer echten Stauungspapille durch Hirndruck deutlich häufiger. Treten sie neu oder gehäuft auf, besonders beim Aufstehen oder Bücken, muss ein Hirndruck ausgeschlossen werden.

Verminderte Sehschärfe

Eine verminderte zentrale Sehschärfe ist bei Drusen selten. Die Fasern für das zentrale Sehen werden meist lange verschont. Ist die Sehschärfe deutlich herabgesetzt, sucht die Augenärztin oder der Augenarzt gezielt nach einer zweiten Ursache, etwa einer Komplikation oder einer anderen Augenerkrankung. Eine spanische Fachquelle betont: Wenn das zentrale Gesichtsfeld betroffen ist, sollen andere Ursachen ausgeschlossen werden.

Plötzliche Sehstörungen durch Komplikationen

Plötzliche Sehstörungen sind bei Drusen selten und deuten auf eine Komplikation hin. Am häufigsten ist eine Durchblutungsstörung des Sehnervenkopfes, die sogenannte nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION). Sie macht sich durch einen plötzlichen, schmerzlosen Schatten bemerkbar, oft in der oberen oder unteren Hälfte des Gesichtsfelds. Viele Betroffene bemerken ihn morgens nach dem Aufwachen.

Andere seltene Ursachen plötzlicher Sehstörungen sind Gefäßverschlüsse der Netzhaut und neue, krankhafte Blutgefäße unter der Netzhaut nahe der Papille. Solche Gefäße können bluten. Dann sieht man plötzlich verschwommen oder verzerrt in der Mitte, sieht Flecken oder dunkle Schlieren. In manchen Fallberichten gingen solchen Ereignissen wiederholte kurze Sehverdunkelungen voraus.

Lichtblitze und Kopfschmerzen: Gehören sie dazu?

Lichtblitze und Kopfschmerzen gehören nicht zum typischen Bild der Drusenpapille. Einzelne Fallberichte erwähnen Lichtblitze, ein Zusammenhang ist aber nicht gesichert. Kopfschmerzen sind häufig der Grund, warum ein Kind augenärztlich untersucht wird und die Drusen dabei entdeckt werden. Die Drusen sind dann aber meist ein Nebenbefund und nicht die Ursache der Kopfschmerzen.

Schmerzen am Auge selbst gehören ebenfalls nicht zur Drusenpapille. Treten Augenschmerzen bei Augenbewegungen zusammen mit Sehverschlechterung auf, spricht das eher für eine Sehnerventzündung.

Welche Zeichen sieht die Augenärztin oder der Augenarzt?

Bei der Augenspiegelung sieht die Augenärztin oder der Augenarzt eine Reihe typischer Zeichen. Diese Zeichen selbst spüren Sie nicht, sie erklären aber, warum der Befund auffällt:

  • Kleine, erhabene Papille mit unscharfem, höckerigem Rand
  • Keine zentrale Vertiefung (Exkavation) der Papille
  • Glänzende, gelblich-weiße Knötchen, oft am nasalen Rand
  • Ungewöhnlich verzweigte Gefäße, etwa eine frühe Aufzweigung in drei Äste, geschlängelte Gefäße oder Umgehungsgefäße
  • Keine Rötung und keine Blutungen auf der Papille, anders als bei einer echten Schwellung
  • Gefäße am Papillenrand gut sichtbar
  • Bei einseitig stärkerer Schädigung eine etwas trägere Pupillenreaktion des stärker betroffenen Auges (relativer afferenter Pupillendefekt)

Sind meist beide Augen betroffen?

Ja, in etwa drei von vier Fällen sind beide Augen betroffen. Allerdings sind die Drusen und auch die Ausfälle an beiden Augen meist unterschiedlich ausgeprägt. Es ist deshalb möglich, dass ein Auge einen deutlichen Ausfall hat, während das andere fast unauffällig ist.

Besonderheiten bei Kindern

Kinder mit Drusen haben fast nie Beschwerden. Die Drusen liegen bei ihnen tief und sind noch nicht verkalkt. Auffällig wird nur die erhabene, unscharf begrenzte Papille. Das führt häufig zu großer Sorge, weil es wie eine Stauungspapille durch Hirndruck aussieht. Drusen sind bei Kindern die häufigste Ursache einer solchen Pseudostauungspapille.

Typisch ist folgender Ablauf: Ein Kind hat Kopfschmerzen, die Kinderärztin oder der Kinderarzt überweist es zur augenärztlichen Untersuchung, und dort fällt die auffällige Papille auf. Gesichtsfeldausfälle sind bei Kindern seltener als bei Erwachsenen. Eine Verschlechterung der Sehschärfe beginnt, wenn überhaupt, laut einer spanischen Quelle erst um das 14. Lebensjahr. Selten können auch bei Kindern neue Blutgefäße unter der Netzhaut entstehen.

Besonderheiten bei Erwachsenen und Älteren

Bei Erwachsenen sind die Drusen meist sichtbar und verkalkt, und Gesichtsfeldausfälle sind häufiger. Eine Tübinger Auswertung von 255 Betroffenen zeigte: Stark ausgeprägte Ausfälle sind selten, aber mit höherem Alter werden die Ausfälle größer. Die Autoren vermuten eine stetige, leichte Verschlechterung über das Leben.

Im höheren Alter wird die Abgrenzung zum Grünen Star schwieriger. Außerdem tritt die Durchblutungsstörung des Sehnervenkopfes bei Menschen mit Drusen häufiger und früher auf, teils schon vor dem 50. Lebensjahr.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige bemerken bei einer Drusenpapille in aller Regel nichts. Die Veränderungen entstehen schleichend und betreffen das Gesichtsfeld, nicht das Aussehen der Augen. Bei fortgeschrittenen Ausfällen kann Angehörigen auffallen, dass jemand häufiger an Gegenstände stößt oder seitlich Kommendes spät sieht. Das ist bei Drusen aber selten.

Welche Beschwerden passen nicht zu Drusen?

Bestimmte Beschwerden passen nicht zu Drusen und sprechen für eine echte Stauungspapille durch Hirndruck. Diese Zeichen müssen rasch abgeklärt werden, auch wenn bereits Drusen bekannt sind, denn beides kann gleichzeitig vorkommen:

  • Kopfschmerzen, die morgens oder beim Liegen stärker sind
  • Übelkeit und Erbrechen, besonders morgens
  • Ein pulssynchrones Ohrgeräusch, also ein Rauschen im Takt des Herzschlags
  • Doppelbilder, vor allem nebeneinander stehende Bilder beim Blick in die Ferne
  • Häufige kurze Sehverdunkelungen beim Aufstehen oder Bücken
  • Nackensteifigkeit, Fieber, Verwirrtheit

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (8)

Wie entstehen Drusen im Sehnervenkopf?

Wie Drusen genau entstehen, ist nicht geklärt. Die am meisten anerkannte Erklärung ist eine Störung des Stofftransports in den Nervenfasern. In jeder Nervenfaser wandern ständig Stoffe vom Zellkörper in der Netzhaut Richtung Gehirn; man nennt das axoplasmatischen Fluss. Wird dieser Fluss gestört, sammelt sich Material an, die Fasern geben es ab, und es verkalkt.

Fachleute diskutieren drei sich ergänzende Theorien:

  • Engpass-Theorie: Ein enger Kanal in der Lederhaut drückt die Nervenfasern zusammen und bremst den Stofftransport. Abbauprodukte lagern sich ab und verkalken.
  • Abbau-Theorie: Drusen sind Reste absterbender Nervenfasern beziehungsweise Ganglienzellen, die anschließend verkalken.
  • Durchblutungs-Theorie: Eine angeborene Fehlbildung der Papille mit eingeschränkter Durchblutung verlangsamt den Transport und fördert die Ablagerung.

Welche Rolle spielt eine kleine Papille?

Eine kleine, enge Papille ist der wichtigste bekannte Risikofaktor. Menschen mit Drusen haben oft einen besonders kleinen Sehnervenkopf ohne zentrale Vertiefung. In einer Auswertung fehlte die Vertiefung bei knapp der Hälfte der Betroffenen. Fachleute sprechen von einer vererbten Fehlbildung (Dysplasie) des Sehnervenkopfes: Viele Nervenfasern müssen sich durch einen engen Kanal zwängen.

Kleine, dicht gefüllte Papillen findet man häufiger bei Weitsichtigkeit. Eine Weitsichtigkeit allein verursacht aber keine Drusen.

Ist eine Drusenpapille erblich?

Ja, Drusen treten häufig familiär auf. Vermutet wird eine dominante Vererbung mit unvollständiger Ausprägung (Penetranz). Das bedeutet: Ein Elternteil mit Drusen kann die Anlage an ein Kind weitergeben, das Kind muss aber nicht zwingend sichtbare Drusen entwickeln. Bewiesen ist dieser Erbgang nicht, und ein einzelnes verantwortliches Gen ist bisher nicht bekannt.

Hat eine Schwester oder ein Bruder Drusen, ist das eigene Risiko nach einer amerikanischen Übersicht etwa zehnfach erhöht. Drusen können aber auch ohne jede Familiengeschichte auftreten. Weil die Anlage oft weitergegeben wird, kann es sinnvoll sein, Eltern, Geschwister und Kinder untersuchen zu lassen.

Sind die Drusen angeboren?

Die Anlage ist sehr wahrscheinlich angeboren, die Drusen selbst entwickeln sich aber erst im Lauf der Zeit. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind sie selten nachweisbar, vor dem vierten Lebensjahr kaum. Sie bilden sich früh im Leben unmittelbar vor der Lamina cribrosa, wachsen, verkalken und werden im Mittel um das zwölfte Lebensjahr sichtbar. Im Erwachsenenalter nehmen Zahl und Größe weiter langsam zu.

Mit welchen anderen Erkrankungen treten Drusen gehäuft auf?

Meist treten Drusen ohne jede andere Erkrankung auf. Gehäuft findet man sie bei einigen seltenen Erkrankungen:

  • Retinitis pigmentosa: erbliche Netzhauterkrankung; Drusen bis zu 15-mal häufiger als in der übrigen Bevölkerung
  • Angioide Streifen: Risse in einer Schicht unter der Netzhaut, oft bei Pseudoxanthoma elasticum, einer erblichen Bindegewebserkrankung
  • Alagille-Syndrom: seltene erbliche Erkrankung mit Leber- und Herzbeteiligung; Drusen sehr häufig
  • Usher-Syndrom, Noonan-Syndrom, Joubert-Syndrom: seltene erbliche Syndrome

Bei einem isolierten Augenbefund ohne andere Auffälligkeiten sind keine Untersuchungen des ganzen Körpers nötig.

Können Drusen nach einer Stauungspapille entstehen?

Ja, Drusen können nach einer abgeklungenen echten Stauungspapille neu entstehen. Eine Auswertung fand bei Menschen nach einer Stauungspapille Drusen bei etwa 19 Prozent, also deutlich häufiger als in der Gesamtbevölkerung. Vermutlich hat die längere Schwellung den Stofftransport in den Fasern gestört. Das zeigt auch: Drusen und Stauungspapille schließen sich nicht aus.

Was führt zur Schädigung der Nervenfasern?

Die Nervenfasern werden vermutlich durch Druck und Platzmangel geschädigt. Wachsende, verkalkende Drusen drücken auf die Fasern, verziehen die kleinen Gefäße und erhöhen den Gewebedruck im ohnehin engen Sehnervenkopf. Mit der Zeit gehen einzelne Fasern zugrunde. Das erklärt, warum die Ausfälle mit dem Alter langsam zunehmen und bei großen, oberflächlichen Drusen häufiger sind.

Kann man durch Lebensstil Drusen auslösen?

Nein, nach heutigem Wissen lösen weder Ernährung noch Bildschirmarbeit, Sport oder andere Lebensgewohnheiten Drusen aus. Die Drusen gehen auf die Anlage des Sehnervenkopfes zurück. Für die seltene Durchblutungsstörung des Sehnervs spielen allerdings allgemeine Faktoren wie niedriger nächtlicher Blutdruck oder Schlafapnoe eine Rolle (siehe Vorbeugung).

4 Diagnose

In diesem Kapitel (13)

Wie wird eine Drusenpapille festgestellt?

Eine Drusenpapille wird durch die Spiegelung des Augenhintergrunds und zusätzliche Bildgebung festgestellt. Sichtbare Drusen erkennt die Augenärztin oder der Augenarzt oft schon bei der Spiegelung. Verborgene Drusen lassen sich nur mit Ultraschall, optischer Kohärenztomografie (OCT) oder Autofluoreszenz nachweisen. Weil keine Methode alle Drusen sicher findet, empfehlen Fachleute eine Kombination mehrerer Verfahren (multimodale Bildgebung).

Was passiert bei der ersten Untersuchung?

Bei der ersten Untersuchung fragt die Augenärztin oder der Augenarzt nach Beschwerden und prüft dann beide Augen gründlich. Dazu gehören:

  • Fragen nach Kopfschmerzen, Übelkeit, Ohrgeräuschen, Doppelbildern und kurzen Sehverdunkelungen
  • Fragen nach Drusen oder Augenerkrankungen in der Familie
  • Sehschärfe, Farbensehen und Pupillenreaktion
  • Messung des Augeninnendrucks
  • Spiegelung des Augenhintergrunds, meist mit pupillenerweiternden Tropfen
  • Gesichtsfeldmessung (Perimetrie)

Nach den pupillenerweiternden Tropfen dürfen Sie für einige Stunden nicht selbst Auto fahren.

Wie sieht eine Drusenpapille bei der Augenspiegelung aus?

Sichtbare Drusen erscheinen als helle, glänzende, gelbliche Knötchen, die das Licht brechen. Sie liegen oft am Rand der Papille. Ein bekannter Trick: Leuchtet man mit einem schmalen Lichtstrahl knapp neben die Drusen, leuchten sie aus der Tiefe auf. Verborgene Drusen erkennt man dagegen nur indirekt an einer kleinen, erhabenen Papille mit unscharfem Rand.

Die Augenspiegelung allein ist unzuverlässig. In einer amerikanischen Studie zu Überweisungen wegen Verdacht auf Hirndruck beurteilten verschiedene Untersucher die Papille bei knapp 40 Prozent falsch. Deshalb folgt bei Unsicherheit immer eine Bildgebung.

Ultraschall: lange der Standard

Der Ultraschall (B-Bild) zeigt verkalkte Drusen zuverlässig als helle, stark reflektierende Herde mit einem Schallschatten dahinter. Die Untersuchung ist schmerzfrei, dauert wenige Minuten und kommt ohne Strahlung aus. Die Sonde wird auf das geschlossene Lid gesetzt. Typisch ist, dass die Drusen auch dann hell bleiben, wenn das Gerät die Verstärkung zurückdreht, während eine echte Schwellung verblasst.

Die Schwäche: Noch nicht verkalkte, tiefe Drusen, wie sie bei Kindern häufig sind, findet der Ultraschall nicht immer. Ein unauffälliger Ultraschall schließt Drusen also nicht aus. Für Kinder empfehlen spanische Kinderärzte trotzdem, ohne Notfallzeichen zuerst mit dem Ultraschall zu beginnen, weil er schnell und schonend ist.

OCT: genaue Schnittbilder

Die optische Kohärenztomografie (OCT) erstellt mit Licht hochaufgelöste Schnittbilder der Papille und der umgebenden Netzhaut. Sie ist berührungsfrei und dauert nur Sekunden pro Auge. Ein besonderer Tiefenmodus (Enhanced Depth Imaging, EDI-OCT) zeigt auch tief liegende Drusen. Eine internationale Fachgruppe (Optic Disc Drusen Studies Consortium) hat 2018 Kriterien festgelegt: Drusen erscheinen als Kerne mit dunklem Inneren und hellem Rand.

Die OCT misst außerdem die Dicke der Nervenfaserschicht um die Papille. Bei Drusen wird diese Schicht mit der Zeit dünner, oft bevor Ausfälle im Gesichtsfeld messbar sind. Bei einer echten Stauungspapille ist sie dagegen verdickt, und es zeigen sich oft feine Falten der Netzhaut oder Aderhaut, die bei Drusen fehlen.

Ist die OCT dem Ultraschall überlegen?

Das ist umstritten, die Studien widersprechen sich. Eine Studie fand verborgene Drusen mit EDI-OCT bei allen, mit normalem OCT bei 82 Prozent und mit Ultraschall nur bei 41 Prozent der Untersuchten. Eine italienische Studie kam zum umgekehrten Ergebnis: Dort fand der Ultraschall mehr Drusen, die OCT nur etwa die Hälfte. Deutsche Fachautoren aus Freiburg und Münster weisen außerdem darauf hin, dass die OCT unter verblindeten Bedingungen eine Stauungspapille nicht immer sicher von Drusen unterscheiden konnte.

Die Folgerung der Fachleute: Am sichersten ist die Kombination aus Ultraschall, OCT und Autofluoreszenz.

Was sind PHOMS?

PHOMS sind ovale, helle Strukturen am Rand der Papille, die man in der OCT sieht (peripapilläre hyperreflektive ovoide Strukturen). Sie wurden früher oft für Drusen gehalten. Heute weiß man, dass sie auch bei echter Schwellung, Sehnerventzündung und anderen Erkrankungen vorkommen. Ein PHOMS-Befund allein beweist also keine Drusenpapille.

Autofluoreszenz: Drusen leuchten selbst

Bei der Autofluoreszenz-Aufnahme leuchten oberflächliche, verkalkte Drusen von selbst hell auf, ohne dass ein Farbstoff gespritzt werden muss. Die Aufnahme entsteht mit einer speziellen Netzhautkamera und dauert nur wenige Sekunden. Spanische Fachautoren empfehlen sie bei jedem Verdacht, weil sie schnell und sicher ist. Für oberflächliche Drusen erreicht sie eine Trefferquote von etwa 93 Prozent.

Bei tiefen Drusen versagt sie oft: Hier liegt die Trefferquote nur bei 12 bis 18 Prozent. Bei Kindern sind die Drusen häufig von Gewebe überdeckt und deshalb in der Autofluoreszenz nicht zu sehen.

Fluoreszein-Angiografie: wann sie nötig ist

Bei der Fluoreszein-Angiografie wird ein gelber Farbstoff in eine Armvene gespritzt, und eine Kamera fotografiert, wie er durch die Gefäße des Auges fließt. Drusen färben sich knotig an, ohne dass Farbstoff austritt. Bei einer echten Schwellung tritt der Farbstoff dagegen früh oder spät aus den Gefäßen aus. Die Untersuchung zeigt eine Schwellung sehr zuverlässig, kann tiefe Drusen aber nicht sicher nachweisen.

Bei Kindern gibt es eine Variante, bei der der Farbstoff getrunken wird. In einer Auswertung von 46 Kindern lag sie bei Pseudoschwellungen immer richtig. Eine echte Stauungspapille erkannte sie aber nur in 40 Prozent. Nebenwirkungen der Angiografie sind meist harmlos, etwa eine kurzzeitige Gelbfärbung von Haut und Urin.

Wozu CT und MRT?

Die Computertomografie (CT) zeigt verkalkte Drusen gut, unverkalkte aber nicht. Wegen der Strahlenbelastung wird sie nicht eigens zum Nachweis von Drusen eingesetzt, besonders nicht bei Kindern. Meist entdeckt man Drusen auf einer CT zufällig, die aus anderen Gründen gemacht wurde, etwa in der Notaufnahme.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns dient nicht dem Nachweis von Drusen, sondern dem Ausschluss eines Hirndrucks. Sie ist nötig, wenn die augenärztliche Untersuchung eine echte Stauungspapille nicht sicher ausschließen kann.

Wie unterscheidet man Drusen von einer Stauungspapille?

Die Unterscheidung gelingt durch eine Kombination aus Befunden bei der Spiegelung, Beschwerden und Bildgebung. Die folgende Tabelle zeigt typische Unterschiede. Kein einzelnes Zeichen ist für sich allein beweisend.

MerkmalDrusenpapilleEchte Stauungspapille
Farbe der PapilleGelblich-grau, nicht gerötetGerötet, gestaut
Gefäße am RandGut sichtbarTeilweise verdeckt
Blutungen, weiße HerdeMeist keineHäufig flammenförmige Blutungen
Netzhautfalten um die PapilleFehlenHäufig
VenenNicht gestaut, Venenpuls oft sichtbarGestaut
UltraschallHeller Herd mit SchallschattenVerbreiterte Sehnervenscheide
AngiografieAnfärbung ohne AustrittFarbstoffaustritt
BeschwerdenMeist keineKopfschmerz, Übelkeit, Ohrgeräusch, Doppelbilder

Zwei einfache Fragen helfen bei der ersten Einschätzung: Hören Sie ein Rauschen im Takt des Herzschlags? Wird Ihnen für Sekunden schwarz vor Augen? Ein Ja auf eine dieser Fragen spricht eher für Hirndruck und muss abgeklärt werden, auch wenn kurze Verdunkelungen gelegentlich bei Drusen vorkommen.

Was passiert, wenn die Unterscheidung nicht gelingt?

Lässt sich eine echte Stauungspapille augenärztlich nicht sicher ausschließen, folgt eine Bildgebung des Gehirns. Meist ist das eine MRT, oft mit Darstellung der Hirnvenen. Ist die MRT unauffällig und besteht weiter Verdacht, wird mit einer Lumbalpunktion der Druck des Nervenwassers gemessen. Die Lumbalpunktion erfolgt immer erst nach der Bildgebung.

Gibt es keine Warnzeichen, kann auch eine Verlaufskontrolle nach einigen Wochen helfen. Eine echte Schwellung verändert sich, Drusen bleiben gleich. Ein Beispiel aus einer amerikanischen Universitätsklinik: bei geringem Verdacht OCT-Kontrollen nach 6 und 12 Wochen. Ziel ist, Kindern unnötige Narkosen und Punktionen zu ersparen, ohne eine gefährliche Ursache zu übersehen.

Welche anderen Erkrankungen sehen ähnlich aus?

Neben der Stauungspapille kommen weitere Erkrankungen in Frage, die den Sehnervenkopf erhaben oder unscharf erscheinen lassen:

  • Sehnerventzündung mit Schwellung der Papille (Papillitis)
  • Durchblutungsstörung des Sehnervs in der akuten Phase
  • Schräg eingepflanzte Papille (Tilted Disc) und sehr kleine Papille
  • Dicht gefüllte Papille bei Weitsichtigkeit
  • Markhaltige Nervenfasern, die weiß und fedrig aussehen
  • Lebersche hereditäre Optikusneuropathie in der frühen Phase
  • Papillenschwellung bei Diabetes, bei sehr niedrigem Augendruck, bei Uveitis oder bei einem Zentralvenenverschluss
  • Einwachsen von Zellen in den Sehnerv, etwa bei Leukämie

Warum werden auch die Eltern untersucht?

Bei Kindern mit unklarer, erhabener Papille kann ein Blick auf die Papillen der Eltern helfen. Findet man dort sichtbare Drusen, ist eine Drusenpapille beim Kind wahrscheinlicher. Die Untersuchung der Eltern ist schnell und schmerzfrei. Sie ersetzt bei Warnzeichen aber nicht die Abklärung eines Hirndrucks.

Welche Untersuchungen gehören zur Verlaufskontrolle?

Zur Verlaufskontrolle gehören Gesichtsfeldmessung, Messung des Augeninnendrucks und OCT der Nervenfaserschicht. Dazu kommen Sehschärfe und Spiegelung des Augenhintergrunds. Manche Kliniken nutzen zusätzlich die visuell evozierten Potenziale (VEP), bei denen die Leitung der Sehbahn über Elektroden am Hinterkopf gemessen wird.

In Deutschland und Österreich übernehmen die Krankenkassen die augenärztliche Untersuchung bei einer bekannten Erkrankung. Ob einzelne Zusatzuntersuchungen wie OCT oder Autofluoreszenz bezahlt werden, hängt vom Anlass und von der Kasse ab. Fragen Sie im Zweifel vor der Untersuchung nach.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (9)

Kann man eine Drusenpapille behandeln?

Nein, eine ursächliche Behandlung der Drusen gibt es nicht. Man kann sie weder auflösen noch entfernen, und es gibt kein Medikament, das ihr Wachstum bremst. Die meisten Betroffenen brauchen auch keine Behandlung, weil sie gut sehen. Im Mittelpunkt stehen regelmäßige Kontrollen und die rasche Behandlung seltener Komplikationen.

Warum werden die Drusen nicht operiert?

Drusen werden nicht operiert, weil die Eingriffe mehr schaden als nutzen. Versuche, Drusen chirurgisch zu entfernen, führten zu ungünstigen Folgen. Auch eine radiäre optische Neurotomie, bei der der Sehnervenkopf eingeschnitten wird, um Platz zu schaffen, wird wegen der Risiken und fehlenden Nutzens nicht empfohlen. Eine deutsche Quelle erwähnt sie nur als Einzelfallentscheidung bei rascher Verschlechterung.

Helfen drucksenkende Augentropfen?

Ob drucksenkende Augentropfen bei Drusen helfen, ist nicht belegt. Die Überlegung dahinter: Senkt man den Augeninnendruck, entlastet man die ohnehin bedrängten Nervenfasern. Bei normalem Augeninnendruck werden die Tropfen von deutschen Fachautoren mangels Belegen nicht routinemäßig empfohlen, zumal die meisten Betroffenen jung sind und die Tropfen lebenslang nehmen müssten.

Erwogen werden sie in besonderen Situationen:

  • Das Gesichtsfeld verschlechtert sich nachweisbar, und die OCT zeigt eine zunehmende Ausdünnung der Nervenfaserschicht.
  • Der Augeninnendruck ist erhöht, oder es besteht zusätzlich ein Grüner Star.

Eine kleine Pilotstudie deutete auf ein langsameres Fortschreiten hin, das reicht aber nicht als Beleg. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.

Was ist, wenn zusätzlich ein Grüner Star besteht?

Besteht zusätzlich ein Grüner Star, wird dieser behandelt wie bei anderen Menschen auch, meist mit drucksenkenden Augentropfen. Schwierig ist das Erkennen: Weil die Drusen das Aussehen der Papille verändern, lässt sich ein Glaukom an der Papille allein nicht ablesen. Deshalb ist die regelmäßige Messung des Augeninnendrucks bei Drusen so wichtig. Ein erhöhter Druck ist ein Grund, genauer hinzusehen.

Gibt es durchblutungsfördernde Mittel?

Durchblutungsfördernde Mittel wie Pentoxifyllin wurden vorgeschlagen, ihr Nutzen ist aber nicht durch Studien belegt. Auch für sogenannte nervenschützende (neuroprotektive) Mittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Vitamine gibt es keinen Nachweis einer Wirkung bei Drusen. Sie werden deshalb nicht empfohlen.

Wie werden Komplikationen behandelt?

Komplikationen werden je nach Art gezielt behandelt. Die wichtigsten:

  • Neue Blutgefäße unter der Netzhaut (choroidale Neovaskularisation): Sie können bluten und das zentrale Sehen bedrohen. Behandelt wird heute meist mit Medikamenten, die in das Auge gespritzt werden und das Gefäßwachstum hemmen (Anti-VEGF). Früher kam auch der Laser zum Einsatz. Ein spanischer Fallbericht beschreibt einen 14-Jährigen, der nach drei Spritzen wieder volle Sehschärfe erreichte; das ist ein Einzelfall und keine Garantie.
  • Durchblutungsstörung des Sehnervs (NAION): Eine wirksame Behandlung gibt es nicht. Wichtig ist, Risikofaktoren zu erkennen und zu behandeln, um das andere Auge zu schützen.
  • Gefäßverschlüsse der Netzhaut: Behandlung wie bei einem Venenverschluss oder Arterienverschluss der Netzhaut.
  • Blutungen auf der Papille: Sie bilden sich meist von selbst zurück und brauchen keine Behandlung, wohl aber eine Kontrolle.

Bei neuen Gefäßen ist schnelles Handeln entscheidend. Eine frühe Behandlung kann schwere Blutungsfolgen oft verhindern.

Wie oft sind Kontrollen nötig?

Für die Kontrollintervalle gibt es keine verbindliche Leitlinie, in Deutschland und Österreich ebenso wenig wie international. Viele Kliniken empfehlen Kontrollen etwa alle 6 bis 12 Monate. Bei Kindern, bei neuen Befunden oder bei Verschlechterung wird häufiger kontrolliert. Ist der Befund über Jahre stabil, kann der Abstand größer werden.

Früher kontrolliert wird bei:

  • neuen Gesichtsfeldausfällen oder Verschlechterung in der Messung
  • Abnahme der Sehschärfe
  • zunehmender Ausdünnung der Nervenfaserschicht in der OCT
  • erhöhtem Augeninnendruck
  • wachsenden Drusen

Was ist mit Hilfsmitteln bei starken Ausfällen?

Starke Ausfälle sind selten, aber wenn sie auftreten, gibt es Unterstützung. Eine Low-Vision-Beratung zeigt Strategien, um Gesichtsfeldlücken durch gezielte Blickbewegungen auszugleichen. Hilfsmittel wie gute Beleuchtung oder Kontrastverstärkung erleichtern den Alltag. Sehbehindertenverbände in Deutschland und Österreich beraten zu Hilfen und Ansprüchen.

Wovor sollten Sie sich hüten?

Hüten Sie sich vor unnötigen Eingriffen und Behandlungen. Wird eine Drusenpapille fälschlich als Stauungspapille oder Sehnerventzündung gedeutet, folgen manchmal belastende Untersuchungen oder sogar Behandlungen mit Kortison, die nichts nützen. Umgekehrt darf ein bekannter Drusenbefund nicht dazu führen, dass eine echte neue Schwellung übersehen wird. Eine gute Dokumentation des Befunds schützt vor beidem.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (10)

Wie verläuft eine Drusenpapille?

Eine Drusenpapille verläuft meist über Jahrzehnte stabil oder verschlechtert sich nur sehr langsam. Die Drusen werden mit dem Alter größer, zahlreicher und verkalkter. Gleichzeitig gehen bei vielen Betroffenen langsam Nervenfasern verloren. Die Gesichtsfeldausfälle nehmen deshalb mit den Jahren leicht zu, stabilisieren sich aber im Erwachsenenalter oft.

Werde ich durch Drusen blind?

Nein, eine Erblindung durch Drusen ist sehr selten. Die zentrale Sehschärfe bleibt bei den meisten Betroffenen lebenslang normal. Höhergradige Sehbehinderungen kommen nur in Einzelfällen vor. Eine mexikanische Fallserie beschreibt allerdings einen Betroffenen mit so starken Gesichtsfeldausfällen, dass er als gesetzlich blind galt. Das zeigt: Drusen sind meist, aber nicht immer harmlos.

Wie viele Menschen verlieren Gesichtsfeld?

Viele Erwachsene mit Drusen haben messbare Gesichtsfeldausfälle, meist aber geringe. Ein Patientenmerkblatt der nordamerikanischen Neuroophthalmologen nennt, dass im Lauf der Zeit etwa 70 Prozent einen Verlust des äußeren Gesichtsfelds entwickeln, von kaum messbar bis deutlich. Die Tübinger Auswertung von 255 Betroffenen fand stark ausgeprägte Ausfälle nur selten. Wie stark Ihr eigenes Gesichtsfeld betroffen ist, zeigt nur die Messung.

Wovon hängt die Prognose ab?

Die Prognose hängt vor allem von Größe, Lage und Zahl der Drusen ab. Große, oberflächliche Drusen führen häufiger zu Ausfällen als kleine, verborgene. Auch das Alter spielt eine Rolle: Ältere Menschen haben im Durchschnitt größere Ausfälle. Zusätzliche Erkrankungen wie ein Grüner Star können den Verlauf verschlechtern.

Welche Komplikationen können auftreten?

Komplikationen sind selten, sollten aber bekannt sein, damit Sie Warnzeichen erkennen. Die folgende Übersicht nennt die wichtigsten:

KomplikationWas passiert?Warnzeichen
Blutungen am PapillenrandKleine Blutungen auf oder neben der PapilleOft keine; manchmal Schatten oder Schlieren
Durchblutungsstörung des Sehnervs (NAION)Plötzlicher Ausfall von Nervenfasern durch MinderdurchblutungPlötzlicher, schmerzloser Schatten, oft beim Aufwachen
Neue Gefäße unter der NetzhautKrankhafte Gefäße wachsen nahe der Papille und können blutenVerzerrtes oder verschwommenes zentrales Sehen
Gefäßverschlüsse der NetzhautEine Netzhautvene oder -arterie verschließt sichPlötzlicher Sehverlust oder Schatten
SehnervschwundFortgeschrittener Faserverlust, Papille wird blassLangsam zunehmende Gesichtsfeldeinschränkung

Eine ältere deutsche Auswertung fand Blutungen am Papillenrand bei etwa 14 Prozent und Umgehungsgefäße (Shuntgefäße) bei etwa 7 Prozent der Betroffenen. Andere Studien nennen niedrigere Zahlen. Umgehungsgefäße sind selbst keine Gefahr, zeigen aber, dass die Durchblutung der Papille verändert ist.

Warum ist das Risiko für eine Durchblutungsstörung des Sehnervs erhöht?

Das Risiko ist erhöht, weil die Drusen den ohnehin engen Sehnervenkopf weiter verengen und die Gefäße verziehen. Schon eine kurze Minderdurchblutung, etwa bei niedrigem Blutdruck in der Nacht, kann dann Fasern schädigen. Menschen mit Drusen erleiden eine Durchblutungsstörung des Sehnervs oft deutlich jünger als andere. In einer Gruppe junger Menschen mit NAION hatte etwa jeder Zweite Drusen.

Die gute Nachricht: Der Verlauf nach einer solchen Durchblutungsstörung ist bei Drusen nach einer spanischen Quelle oft günstiger als ohne Drusen. Manchmal gehen der Durchblutungsstörung kurze Sehverdunkelungen voraus.

Kann sich der Sehnerv dauerhaft verändern?

Ja, bei fortschreitendem Faserverlust kann eine Sehnervatrophie entstehen, ein Schwund des Sehnervs. Die Papille wird dann blasser. Die Drusen werden dabei oft sichtbarer, weil das überdeckende Gewebe dünner wird. Dieser Verlauf ist langsam und betrifft vor allem Menschen mit großen Drusen.

Verändert sich das Bild in der OCT mit der Zeit?

Ja, die Nervenfaserschicht um die Papille verändert sich typischerweise. Anfangs kann sie verdickt sein, später wird sie dünner, wenn Fasern zugrunde gehen. Diese Ausdünnung zeigt sich oft früher als ein Ausfall im Gesichtsfeld. Deshalb ist die OCT ein wichtiges Werkzeug, um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.

Kann ich mit Drusen Auto fahren?

Die meisten Menschen mit Drusen können ohne Einschränkung Auto fahren, weil Sehschärfe und das für den Verkehr wichtige Gesichtsfeld erhalten sind. Für den Führerschein gelten in Deutschland und Österreich Mindestanforderungen an Sehschärfe und Gesichtsfeld. Liegen deutliche Ausfälle an beiden Augen vor, sollte die Fahreignung augenärztlich geprüft werden. Sprechen Sie das bei Ihrer Kontrolle an.

Beeinflusst eine Drusenpapille die Lebenserwartung?

Nein, eine Drusenpapille hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Sie betrifft nur den Sehnervenkopf. Selbst wenn sie mit einer seltenen Allgemeinerkrankung zusammen auftritt, bestimmt diese den Verlauf, nicht die Drusen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (7)

Kann man einer Drusenpapille vorbeugen?

Nein, einer Drusenpapille kann man nicht vorbeugen. Die Anlage ist angeboren und oft vererbt. Sie können aber dazu beitragen, dass Verschlechterungen und Komplikationen früh erkannt werden und unnötige Untersuchungen ausbleiben.

Regelmäßig zur Kontrolle gehen

Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind der wichtigste Beitrag, den Sie leisten können. Typisch sind Abstände von 6 bis 12 Monaten, je nach Befund. Bei jeder Kontrolle werden Gesichtsfeld und Augeninnendruck geprüft, meist auch die OCT. So erkennt man eine Verschlechterung oder einen zusätzlichen Grünen Star rechtzeitig.

Die Diagnose weitersagen

Nennen Sie die Diagnose Drusenpapille allen Ärztinnen und Ärzten, die Ihre Augen untersuchen, auch Optikerinnen und Optikern. Eine Drusenpapille sieht für Unkundige aus wie eine Schwellung durch Hirndruck. Ohne den Hinweis kann eine neue Untersuchung erneut MRT, Lumbalpunktion oder Notfallüberweisung auslösen. Das gilt auch für Ärztinnen und Ärzte Ihrer Kinder, falls dort Drusen festgestellt wurden.

Praktisch hilfreich:

  • Bewahren Sie Befundberichte, Ultraschall-, OCT- und Autofluoreszenz-Bilder auf, am besten auch als Kopie oder Datei.
  • Lassen Sie die Diagnose in Ihre Unterlagen bei der Hausärztin oder dem Hausarzt aufnehmen.
  • Erwähnen Sie die Drusen vor Krankenhausaufenthalten und in der Notaufnahme.

Familie untersuchen lassen

Weil Drusen oft vererbt werden, ist eine Untersuchung von Eltern, Geschwistern und Kindern sinnvoll. Bei Kindern ist das besonders wichtig, wenn ihnen eine unscharfe Papille auffällt oder sie Kopfschmerzen haben. Ist der familiäre Befund bekannt, lässt sich eine auffällige Papille beim Kind schneller richtig einordnen. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nicht lange.

Gefäßrisiken im Blick behalten

Weil Drusen das Risiko für eine Durchblutungsstörung des Sehnervs erhöhen, lohnt es sich, allgemeine Gefäßrisiken zu kennen. Dazu zählen Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, eine nächtliche Atemstörung (Schlafapnoe) und sehr niedriger Blutdruck in der Nacht, etwa durch zu stark wirkende abendliche Blutdrucktabletten. Auch bestimmte Potenzmittel (PDE-5-Hemmer) stehen in Verdacht, das Risiko zu erhöhen. Ob die Behandlung dieser Faktoren gerade bei Drusen eine Durchblutungsstörung verhindert, ist nicht belegt; für die allgemeine Gesundheit ist sie aber ohnehin sinnvoll.

Besprechen Sie Ihre Drusen deshalb auch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Ändern Sie aber keine Blutdruckmedikamente ohne ärztliche Rücksprache.

Auf Warnzeichen achten

Lernen Sie die Warnzeichen kennen, die eine sofortige Untersuchung erfordern. Das sind vor allem plötzlicher Sehverlust, ein neuer Schatten im Gesichtsfeld und plötzlich verzerrtes Sehen. Ein einfacher Selbsttest: Decken Sie ab und zu abwechselnd ein Auge ab und prüfen Sie, ob Sie mit jedem Auge allein gleich gut sehen. So fallen einseitige Veränderungen auf, die das andere Auge sonst überdeckt.

Gibt es Einschränkungen bei Sport oder Beruf?

Nein, Drusen erfordern keine Einschränkungen bei Sport, Bildschirmarbeit oder Beruf. Sie können lesen, Sport treiben und fliegen wie andere Menschen. Nur bei deutlichen Gesichtsfeldausfällen können Tätigkeiten betroffen sein, für die ein volles Gesichtsfeld vorgeschrieben ist, etwa als Berufskraftfahrerin oder Berufskraftfahrer. Lassen Sie das dann augenärztlich prüfen.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (5)

Ist eine Drusenpapille ein Notfall?

Nein, die Drusen selbst sind kein Notfall. Ein Notfall kann aber vorliegen, wenn plötzlich Sehstörungen auftreten oder wenn eine geschwollen wirkende Papille neu entdeckt wird und Warnzeichen für Hirndruck bestehen. Die folgenden Stufen helfen bei der Einordnung. Ausführliche Hinweise finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann sofort in die Notaufnahme oder zur Augenärztin oder zum Augenarzt?

Sofort, also am selben Tag, sollten Sie sich untersuchen lassen bei:

  • plötzlichem Sehverlust an einem oder beiden Augen
  • einem plötzlich aufgetretenen Schatten oder Ausfall im Gesichtsfeld, auch wenn er schmerzlos ist
  • plötzlich verzerrtem oder verschwommenem Sehen in der Mitte
  • einer erhabenen Papille zusammen mit Kopfschmerzen, Erbrechen, Doppelbildern oder einem pulssynchronen Ohrgeräusch
  • Kopfschmerzen mit Fieber, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit
  • plötzlichem Sehverlust nach dem 50. Lebensjahr mit Kauschmerzen, Schläfenkopfschmerz oder Muskelschmerzen; das kann auf eine Riesenzellarteriitis hindeuten

Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an eine Augenklinik oder eine Notaufnahme. In Deutschland und Österreich erreichen Sie den Notruf unter 112, in Österreich auch die Rettung unter 144.

Wann innerhalb weniger Tage?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin vereinbaren bei:

  • einer neu entdeckten, auffälligen Papille ohne Warnzeichen, etwa nach einer Untersuchung beim Optiker
  • wiederholten kurzen Sehverdunkelungen, die neu aufgetreten sind oder häufiger werden
  • dem Gefühl, dass sich das Gesichtsfeld verändert hat
  • einem Kind, bei dem eine unscharfe Papille aufgefallen ist und das keine Warnzeichen hat

Wann reicht die nächste Routinekontrolle?

Die nächste Routinekontrolle reicht, wenn die Drusenpapille bekannt und gut dokumentiert ist, Sie keine neuen Beschwerden haben und die letzten Befunde stabil waren. Halten Sie die vereinbarten Abstände ein. Bringen Sie frühere Befunde mit, wenn Sie die Praxis wechseln.

Warum darf ein bekannter Drusenbefund nicht beruhigen?

Ein bekannter Drusenbefund schützt nicht vor anderen Erkrankungen. Drusen und eine echte Stauungspapille können gleichzeitig bestehen. Wenn neue Beschwerden wie Kopfschmerzen, Erbrechen oder Doppelbilder auftreten, muss deshalb erneut nach einem Hirndruck gesucht werden. Sagen Sie in diesem Fall ausdrücklich, dass die Beschwerden neu sind.

9 Häufige Fragen

Ist eine Drusenpapille gefährlich?

Meist nicht. Die meisten Menschen mit Drusen sehen normal und haben keine Beschwerden. Viele entwickeln über Jahre kleine Ausfälle im Gesichtsfeld, die sie kaum bemerken. Selten kommt es zu Komplikationen wie einer Durchblutungsstörung des Sehnervs oder Blutungen. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.

Kann man durch Drusen am Sehnerv blind werden?

Eine Erblindung durch Drusen ist sehr selten. Die zentrale Sehschärfe bleibt bei den meisten Betroffenen lebenslang erhalten. Höhergradige Sehbehinderungen kommen nur in Einzelfällen vor, meist bei sehr großen Drusen oder nach Komplikationen.

Habe ich einen Hirntumor, wenn mein Sehnerv geschwollen aussieht?

Nicht unbedingt. Drusen können eine Schwellung durch Hirndruck vortäuschen, ohne dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt. Mit Ultraschall, OCT und Autofluoreszenz lässt sich das meist klären. Bleiben Zweifel oder bestehen Warnzeichen wie Kopfschmerzen mit Erbrechen, folgt eine MRT des Gehirns. Mehr dazu lesen Sie bei der Stauungspapille.

Kann man Drusen am Sehnerv entfernen?

Nein. Drusen lassen sich weder operativ entfernen noch mit Medikamenten auflösen. Operationen wurden versucht, haben aber geschadet. Die Behandlung besteht aus Kontrollen und der gezielten Behandlung seltener Komplikationen.

Ist eine Drusenpapille vererbbar?

Ja, häufig. Vermutet wird eine dominante Vererbung mit unvollständiger Ausprägung. Kinder und Geschwister von Betroffenen haben ein deutlich erhöhtes Risiko. Es ist deshalb sinnvoll, Familienangehörige ersten Grades untersuchen zu lassen.

Warum sieht man die Drusen bei meinem Kind nicht?

Bei Kindern liegen die Drusen meist tief im Sehnervenkopf und sind noch nicht verkalkt. Deshalb sieht man sie bei der Augenspiegelung nicht, und auch Ultraschall und Autofluoreszenz finden sie nicht immer. Sichtbar werden sie im Mittel um das 12. Lebensjahr. Die OCT im Tiefenmodus und Verlaufskontrollen helfen bei der Einordnung.

Wie oft muss ich mit Drusen zur Kontrolle?

Eine feste Regel gibt es nicht. Üblich sind Kontrollen etwa alle 6 bis 12 Monate, bei Kindern und bei Veränderungen häufiger. Bei jeder Kontrolle werden Gesichtsfeld und Augeninnendruck geprüft, meist auch die Nervenfaserschicht mit der OCT.

Brauche ich Augentropfen bei Drusenpapille?

In der Regel nicht. Drucksenkende Augentropfen werden nur erwogen, wenn sich das Gesichtsfeld nachweisbar verschlechtert, der Augeninnendruck erhöht ist oder zusätzlich ein Grüner Star besteht. Ein Nutzen bei normalem Augendruck ist nicht belegt.

Machen Drusen am Sehnerv Kopfschmerzen?

Nein, Kopfschmerzen gehören nicht zum Bild der Drusenpapille. Oft werden die Drusen aber entdeckt, weil jemand wegen Kopfschmerzen untersucht wird. Starke, morgendliche oder neue Kopfschmerzen mit Übelkeit, Doppelbildern oder Ohrgeräusch müssen auf Hirndruck abgeklärt werden, auch wenn Drusen bekannt sind.

Was ist der Unterschied zwischen Drusenpapille und Grünem Star?

Beide Erkrankungen schädigen Nervenfasern am Sehnervenkopf und erzeugen ähnliche Gesichtsfeldausfälle. Beim Grünen Star spielt meist der Augeninnendruck eine Rolle, bei Drusen die Enge im Sehnervenkopf. Beide können gleichzeitig bestehen. Weil Drusen das Aussehen der Papille verändern, ist die Messung des Augendrucks besonders wichtig.

Darf ich mit einer Drusenpapille Auto fahren?

Meist ja, weil Sehschärfe und Gesichtsfeld in der Regel ausreichen. Bei deutlichen Gesichtsfeldausfällen an beiden Augen sollte die Augenärztin oder der Augenarzt prüfen, ob die Anforderungen für den Führerschein in Deutschland oder Österreich noch erfüllt sind.

Sind Papillendrusen dasselbe wie Drusen bei Makuladegeneration?

Nein. Beide heißen Drusen, sind aber verschiedene Erkrankungen an verschiedenen Stellen des Auges. Papillendrusen liegen im Sehnervenkopf, ihre Anlage besteht vermutlich von Geburt an. Makuladrusen liegen unter der Netzhautmitte und entstehen im Alter.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 23 Quellen anzeigen
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