Glaskörperabhebung (hintere Glaskörperabhebung)
Bei der Glaskörperabhebung löst sich das Gel im Augeninneren von der Netzhaut; das ist ein normaler Alterungsvorgang, den die meisten Menschen bis zum 80. Lebensjahr durchmachen. Weil dabei in etwa einem von sieben Fällen mit Beschwerden ein Netzhautriss entsteht, gehören neue Lichtblitze oder plötzlich neue schwarze Punkte innerhalb von 24 Stunden zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
1 Kurzübersicht
Die Glaskörperabhebung ist meist ein harmloser Alterungsvorgang: Der gelartige Glaskörper im Inneren des Auges schrumpft und löst sich von der Netzhaut am Augenhintergrund. Fachleute sprechen von der hinteren Glaskörperabhebung, international als PVD (posterior vitreous detachment) abgekürzt. Sie ist keine Krankheit im engeren Sinn, sondern geschieht früher oder später in fast jedem Auge, in der Regel einmal pro Auge im Leben.
Typisch sind neue fliegende Punkte, Fäden oder ein Ring im Blickfeld (Mouches volantes) und kurze Lichtblitze am Rand des Gesichtsfelds, besonders im Dunkeln. Viele Menschen bemerken die Abhebung aber gar nicht. Die Beschwerden lassen meist innerhalb von Wochen bis etwa drei Monaten nach, die Punkte können länger bleiben, stören aber mit der Zeit weniger.
Wichtig ist die Glaskörperabhebung wegen eines Risikos: Zieht der Glaskörper an einer Stelle zu stark, kann die Netzhaut einreißen. Das passiert bei etwa 14 von 100 Menschen mit neuen Beschwerden. Aus einem Riss kann sich eine Netzhautablösung entwickeln, die das Sehen bedroht. Deshalb sollten neue Blitze oder neue Punkte rasch, möglichst innerhalb von 24 Stunden, mit erweiterter Pupille untersucht werden.
Findet sich kein Riss, ist keine Behandlung nötig. Eine Kontrolle nach einigen Wochen ist sinnvoll, weil Risse auch später noch entstehen können. Ein Riss wird mit Laser oder Kälte verschlossen, eine Ablösung muss operiert werden. Vorbeugen lässt sich der Abhebung selbst nicht, wohl aber den schweren Folgen: durch Kenntnis der Warnzeichen und schnelle Untersuchung.
2 Symptome
In diesem Kapitel (14)
- Welche Symptome hat eine Glaskörperabhebung?
- Kann eine Glaskörperabhebung ohne Beschwerden verlaufen?
- Wie sehen die Mouches volantes bei einer Glaskörperabhebung aus?
- Was ist der Ring im Blickfeld (Weiss-Ring)?
- Wie fühlen sich die Lichtblitze an?
- Wie lange dauern die Beschwerden?
- Kann die Sicht verschwommen werden?
- Was ist Rußregen und warum ist er ein Warnzeichen?
- Welche Symptome deuten auf einen Netzhautriss oder eine Ablösung hin?
- Welche Beschwerden gehören nicht zur Glaskörperabhebung?
- Sind beide Augen betroffen?
- Wie unterscheiden sich die Symptome nach Alter und Ausgangslage?
- Kommt eine Glaskörperabhebung bei Kindern vor?
- Was bemerken Angehörige?
Welche Symptome hat eine Glaskörperabhebung?
Die typischen Symptome sind neue schwebende Punkte, Fäden oder ein Ring im Blickfeld und kurze Lichtblitze am Rand des Gesichtsfelds. Beides betrifft fast immer nur ein Auge und tritt oft recht plötzlich auf. Das Auge schmerzt nicht, ist nicht gerötet und sieht von außen völlig normal aus. Die Sehschärfe bleibt bei einer unkomplizierten Abhebung in aller Regel erhalten.
| Symptom | Wie häufig? | Was steckt dahinter? |
|---|---|---|
| Neue Mouches volantes (Punkte, Fäden, Spinnweben) | sehr häufig, oft das erste Zeichen | verklumpte Kollagenfasern und abgelöste Glaskörperrinde werfen Schatten |
| Ring oder Bogen im Blickfeld (Weiss-Ring) | häufig | Gewebe, das sich am Sehnervenkopf gelöst hat |
| Lichtblitze (Photopsien) | häufig | Zug des Glaskörpers an der Netzhaut |
| Leicht verschwommenes Sehen | gelegentlich | große Trübungen vor der Sehachse oder eine kleine Blutung |
| Rußregen (viele feine schwarze Punkte) | selten, Warnzeichen | Blutung oder Pigment, oft durch einen Netzhautriss |
| Schatten oder Vorhang vom Rand her | selten, Alarmzeichen | beginnende Netzhautablösung |
Kann eine Glaskörperabhebung ohne Beschwerden verlaufen?
Ja, viele Glaskörperabhebungen bleiben unbemerkt. Eine Übersichtsarbeit schätzt, dass bis zu ein Fünftel anfangs völlig beschwerdefrei abläuft. Besonders wenn sich der Glaskörper langsam und gleichmäßig löst, entstehen kaum Trübungen und kein spürbarer Zug. Oft entdeckt die Augenärztin oder der Augenarzt die Abhebung zufällig bei einer Routineuntersuchung oder in einer OCT-Aufnahme.
In den frühen Stadien, wenn sich der Glaskörper erst um die Netzhautmitte herum löst, merken Betroffene meist nichts. Beschwerden beginnen oft erst dann, wenn sich der Glaskörper vom Sehnervenkopf trennt. Dieser letzte Schritt geschieht häufig plötzlich, daher wirken die Symptome wie über Nacht entstanden.
Wie sehen die Mouches volantes bei einer Glaskörperabhebung aus?
Die Trübungen erscheinen als graue oder dunkle Punkte, Fäden, Fusseln, Schlieren, Spinnweben oder kleine Wolken, die durchs Blickfeld schweben. Betroffene beschreiben sie auch als Mücken, Kaulquappen, Insekten, Staub, Haare oder Schlangenlinien. Sie sind meist unscharf, weil sie nicht auf der Netzhaut liegen, sondern davor im Glaskörperraum ihren Schatten werfen. Ausführlich zu den Trübungen selbst informiert der Artikel Mouches volantes.
Leichte Glaskörpertrübungen kennen viele Menschen schon seit Jahren; das ist normal. Bei der Abhebung kommen typischerweise neue, deutlich sichtbare Trübungen hinzu, manchmal als ein einzelnes großes Gebilde, manchmal als Schwarm. Ein plötzlicher Anstieg der Punkte ist oft das erste Symptom überhaupt.
Wie bewegen sich die Trübungen?
Die Trübungen folgen den Augenbewegungen mit einer kleinen Verzögerung und schwingen nach. Will man eine Trübung direkt ansehen, rutscht sie weg. Hält man das Auge ruhig, sinken sie langsam ab und kommen zur Ruhe. Bei der nächsten Blickbewegung wirbeln sie wieder auf.
Wann fallen die Trübungen besonders auf?
Am deutlichsten sind die Trübungen vor hellem, gleichmäßigem Hintergrund. Typische Situationen sind der blaue Himmel, eine weiße Wand, ein heller Bildschirm, eine Buchseite oder Schnee. In dunkler Umgebung sieht man sie dagegen kaum. Am meisten stören sie, wenn sie nahe der Blickmitte liegen; am Rand des Gesichtsfelds werden sie weniger wahrgenommen.
Was ist der Ring im Blickfeld (Weiss-Ring)?
Ein schwebender Kreis, ein Oval oder ein Bogen im Blickfeld ist ein typisches Zeichen dafür, dass sich der Glaskörper vom Sehnervenkopf gelöst hat. Am Rand des Sehnervs haftet der Glaskörper besonders fest. Löst er sich dort, bleibt ein ringförmiger Streifen aus Bindegewebe in der hinteren Glaskörpergrenze zurück, benannt nach dem Augenarzt Weiss. Ob man einen vollständigen Kreis, ein Oval oder nur einen Bogen sieht, hängt davon ab, wie vollständig sich das Gewebe gelöst hat.
Dieser Ring liegt oft recht nah an der Sehachse und ist deshalb anfangs sehr auffällig. Viele Betroffene vergleichen ihn mit einem Haar, einem Wurm oder einem Fussel, der beim Lesen über die Zeilen wandert. Für die Augenärztin oder den Augenarzt ist der Ring ein wichtiger Befund: Er zeigt, dass die Abhebung am hinteren Pol weitgehend abgeschlossen ist.
Wie fühlen sich die Lichtblitze an?
Die Lichtblitze (Photopsien) sind kurze, helle Lichterscheinungen, die meist weniger als eine Sekunde dauern. Sie erscheinen als Funke, Blitz, kurzer Lichtstreifen oder heller Bogen, typischerweise am äußeren Rand des Gesichtsfelds, also zur Schläfe hin. Manche Menschen sehen sie nur schwach, wie ein kurzes Aufflackern. Sie entstehen nicht durch Licht von außen, sondern weil der Glaskörper an der Netzhaut zieht und die Sinneszellen mechanisch reizt; die Netzhaut meldet diesen Reiz als Licht.
Wann treten die Blitze auf?
Die Blitze sind im Dunkeln und in der Dämmerung am deutlichsten, etwa abends im Schlafzimmer oder beim Aufwachen. Sie können auch bei geschlossenen Augen auftreten. Oft werden sie durch schnelle Augen- oder Kopfbewegungen ausgelöst, manchmal durch abruptes Beschleunigen oder Bremsen. Typisch ist, dass sie sich wiederholen, mitunter viele Male am Tag.
Woran unterscheiden sich die Blitze von einer Migräne?
Blitze durch Glaskörperzug sind einseitig, sehr kurz und kommen ohne Kopfschmerz. Eine Migräneaura dagegen zeigt meist flimmernde Zickzacklinien, die sich langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Sie dauert etwa 20 Minuten, ist in beiden Augen zu sehen und wird oft von Kopfschmerzen gefolgt. Ob ein Flimmern ein- oder beidseitig ist, lässt sich prüfen, indem man abwechselnd ein Auge zuhält.
Wie lange dauern die Beschwerden?
Die Lichtblitze verschwinden meist innerhalb von Tagen bis Wochen, bei den meisten Menschen spätestens nach etwa drei Monaten. Der Prozess der Ablösung selbst ist nach etwa ein bis drei Monaten abgeschlossen; dann zieht der Glaskörper nicht mehr an der Netzhaut, und die Blitze hören auf. In einzelnen Fällen halten sie mehrere Monate an. Halten Blitze länger an oder kommen sie nach einer Pause wieder, sollte das kontrolliert werden.
Die Trübungen bleiben oft länger. Sie werden mit der Zeit kleiner, sinken nach unten aus der Sehachse oder das Gehirn lernt, sie auszublenden. Nach einigen Monaten fühlen sich die meisten kaum noch gestört. Manche Trübungen bestehen aber über Jahre, und ein kleiner Teil der Betroffenen empfindet sie dauerhaft als belastend.
Kann die Sicht verschwommen werden?
Ein leichtes Verschwommensehen kommt vor, ist aber kein Standardsymptom. Ursache sind große Trübungen oder ein Weiss-Ring direkt vor der Sehachse, die beim Lesen wie ein Schleier wirken. Auch eine kleine Blutung in den Glaskörper kann das Sehen trüben. Eine deutliche oder anhaltende Verschlechterung der Sehschärfe ist dagegen untypisch für die einfache Abhebung und gehört rasch untersucht, denn sie kann auf eine Blutung, einen Riss oder eine Beteiligung der Makula hinweisen.
Was ist Rußregen und warum ist er ein Warnzeichen?
Rußregen sind plötzlich auftretende, sehr viele feine schwarze oder rötlich-dunkle Punkte, die wie ein Schauer oder ein Tintenschleier durchs Blickfeld ziehen. Sie entstehen meist durch eine kleine Blutung, wenn der Glaskörper ein Netzhautgefäß einreißt, oder durch Pigment, das bei einem Netzhautriss frei wird. Die Punkte können sich zu Strängen oder einem Nebel verdichten. Rußregen bedeutet ein deutlich höheres Risiko für einen Netzhautriss und ist ein Grund, noch am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt zu gehen.
Welche Symptome deuten auf einen Netzhautriss oder eine Ablösung hin?
Ein Riss oder eine beginnende Netzhautablösung kündigt sich durch eine Änderung des bisherigen Bildes an. Auf diese Warnzeichen sollten Sie achten:
- plötzlich viel mehr Punkte oder größere, dunklere Trübungen als bisher;
- Rußregen, also ein Schauer feiner schwarzer Punkte;
- Blitze, die häufiger, länger oder heller werden, oder Blitze, die nach Wochen neu auftreten;
- ein Schatten, Schleier, Vorhang oder eine Mauer, der vom Rand des Gesichtsfelds her ins Bild wandert und nicht verschwindet;
- ein fehlender Teil des Gesichtsfelds, etwa wenn Sie beim Gehen Hindernisse auf einer Seite übersehen;
- verzerrtes Sehen oder ein plötzlicher Abfall der Sehschärfe, wenn die Netzhautmitte betroffen ist.
Eine Netzhautablösung beginnt meist am Rand und tut nicht weh. Anfangs fällt ein grauer Schatten in einer Ecke kaum auf, besonders wenn das andere Auge gut sieht. Erst wenn die Ablösung die Stelle des schärfsten Sehens erreicht, sinkt die Sehschärfe stark. Einzelne Ablösungen machen zunächst gar keine Beschwerden, deshalb ist die Kontrolle nach der Erstuntersuchung wichtig.
Welche Beschwerden gehören nicht zur Glaskörperabhebung?
Schmerzen, Rötung, Lichtscheu, Doppelbilder und Kopfschmerzen gehören nicht zu einer Glaskörperabhebung. Treten sie auf, steckt wahrscheinlich etwas anderes dahinter, etwa eine Entzündung im Augeninneren (Uveitis), ein erhöhter Augendruck oder eine Migräne. Einzelne Ratgeber erwähnen tränende Augen, Fremdkörpergefühl, Schwindel oder Kopfschmerzen während der Abhebung; ein belegter Zusammenhang besteht dafür nicht. Solche Beschwerden sollten eigenständig abgeklärt werden.
Sind beide Augen betroffen?
Meist beginnt die Abhebung in einem Auge, das zweite folgt häufig innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren, oft schon innerhalb eines Jahres. Gleichzeitig in beiden Augen tritt sie selten auf. Wer die Beschwerden am ersten Auge erlebt hat, erkennt sie am zweiten Auge meist wieder. Trotzdem gilt am zweiten Auge dasselbe wie am ersten: Neue Symptome sollten erneut untersucht werden, denn das Rissrisiko besteht für jedes Auge eigenständig.
Wie unterscheiden sich die Symptome nach Alter und Ausgangslage?
Bei älteren Menschen ist die Abhebung der Normalfall und verläuft oft mild. Bei jüngeren Menschen unter etwa 50 Jahren tritt sie meist nur auf, wenn ein Auslöser vorliegt: starke Kurzsichtigkeit, eine Augenverletzung, eine Entzündung oder eine Operation. Gerade bei jüngeren Betroffenen haftet der Glaskörper oft noch fester an der Netzhaut, sodass der Zug stärker ist; Studien zeigen bei Menschen unter 60 und bei Männern ein höheres Risiko für Komplikationen.
Kurzsichtige nehmen Trübungen häufiger und deutlicher wahr, weil ihre Augen länger sind und der Glaskörper früher zerfällt. Menschen mit einer Kunstlinse nach einer Operation am Grauen Star sehen Trübungen oft deutlicher als vorher, weil die getrübte eigene Linse sie zuvor teilweise verdeckt hat.
Kommt eine Glaskörperabhebung bei Kindern vor?
Bei Kindern ist eine Glaskörperabhebung sehr selten. Der Glaskörper ist in jungen Jahren noch fest und haftet stark an der Netzhaut. Wenn sie doch vorkommt, stecken meist hohe Kurzsichtigkeit, eine Verletzung, eine Operation oder angeborene Veränderungen des Glaskörpers dahinter, etwa bei erblichen Bindegewebserkrankungen. Klagt ein Kind über Blitze, neue Punkte oder einen Schatten, gehört es deshalb rasch zur augenärztlichen Untersuchung.
Was bemerken Angehörige?
Von außen ist eine Glaskörperabhebung nicht zu erkennen; das Auge sieht normal aus. Angehörige bemerken höchstens, dass jemand ins Leere wischt, häufig blinzelt oder Punkten mit dem Blick nachschaut. Ältere Menschen beschreiben neue Sehstörungen manchmal nicht von sich aus oder halten sie für harmlos. Erzählt ein Angehöriger von Blitzen, Schatten oder plötzlich neuen Flecken, hilft es, ihn zur zeitnahen Untersuchung zu begleiten, zumal nach dem Erweitern der Pupille das Autofahren für einige Stunden nicht möglich ist.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (8)
- Was ist der Glaskörper?
- Warum löst sich der Glaskörper ab?
- Wie läuft die Abhebung Schritt für Schritt ab?
- Warum kann dabei die Netzhaut einreißen?
- Was ist eine anomale Glaskörperabhebung?
- Welche Risikofaktoren lassen den Glaskörper früher abheben?
- Wer hat ein höheres Risiko für einen Netzhautriss?
- Wie häufig ist die Glaskörperabhebung?
Was ist der Glaskörper?
Der Glaskörper ist ein durchsichtiges Gel, das den Raum zwischen Linse und Netzhaut ausfüllt und den größten Teil des Augeninneren einnimmt, beim Erwachsenen etwa 4 bis 5 Milliliter. Er besteht zu rund 98 bis 99 Prozent aus Wasser. Den Rest bilden ein feines Gerüst aus Kollagenfasern und Hyaluronsäure, die das Wasser bindet. Der Glaskörper hat keine Blutgefäße und hilft, dem Auge seine Form zu geben.
Außen ist der Glaskörper von einer dünnen, festeren Schicht umgeben, der Glaskörperrinde. Sie liegt der inneren Grenzschicht der Netzhaut an. Bei jungen Menschen ist diese Verbindung über Eiweiße wie Laminin und Fibronektin fest verklebt. Besonders stark haftet der Glaskörper an der Glaskörperbasis ganz vorne am Netzhautrand, am Rand des Sehnervenkopfs, an der Makula und entlang der Netzhautgefäße.
Warum löst sich der Glaskörper ab?
Der Glaskörper löst sich, weil er sich mit dem Alter verflüssigt und schrumpft, während die Verbindung zur Netzhaut schwächer wird. Zwei Vorgänge laufen dabei zusammen. Erstens verflüssigt sich das Gel; es entstehen Flüssigkeitsseen im Glaskörper, Fachleute sprechen von Synchisis. Zweitens fallen die Kollagenfasern zusammen und verklumpen, das ist die Synärese.
Der Anteil des flüssigen Glaskörpers liegt mit 50 Jahren bei etwa einem Viertel, mit 80 Jahren bei fast zwei Dritteln. Die Verflüssigung beginnt schon in der Kindheit und beschleunigt sich ab dem vierten bis fünften Lebensjahrzehnt. Gleichzeitig lockert sich die Haftung an der Netzhaut. Durch eine Lücke in der Glaskörperrinde dringt flüssiger Glaskörper hinter die Rinde, hebt sie von der Netzhaut ab, und das geschrumpfte Gel fällt nach vorne zusammen. Weil der Augapfel gleich groß bleibt, füllt Flüssigkeit den frei werdenden Raum.
Wie läuft die Abhebung Schritt für Schritt ab?
Die Abhebung beginnt meist unbemerkt in der Umgebung der Netzhautmitte und schreitet über Monate bis Jahre nach außen fort. Mit der optischen Kohärenztomografie (OCT), einer Schichtaufnahme der Netzhaut, lassen sich mehrere Stadien unterscheiden:
- Teilablösung um die Makula: Der Glaskörper löst sich ringförmig um die Stelle des schärfsten Sehens, haftet aber an ihr noch an. Häufig beginnt das oberhalb der Makula.
- Ablösung von der Makula: Der Glaskörper hat sich von der Netzhautmitte gelöst.
- Haftung nur noch am Sehnerv: Der Glaskörper ist weitgehend abgehoben, hängt aber noch am Sehnervenkopf.
- Vollständige Abhebung: Der Glaskörper hat sich auch vom Sehnerv gelöst; oft ist dann der Weiss-Ring sichtbar.
Der letzte Schritt, die Ablösung vom Sehnervenkopf, geschieht oft plötzlich und verursacht die typischen Beschwerden. Danach löst sich der Glaskörper in den folgenden ein bis drei Monaten weiter zur Seite bis an die Glaskörperbasis. Dort bleibt er lebenslang verankert; die Abhebung endet also immer an dieser Grenze.
Warum kann dabei die Netzhaut einreißen?
Die Netzhaut reißt, wenn der Glaskörper an einer Stelle stärker haftet als an der Umgebung und beim Ablösen an ihr zerrt. Läuft die Abhebung gleichmäßig ab, gleitet das Gel sanft ab und hinterlässt keinen Schaden. Sind Verflüssigung und Lockerung der Haftung nicht im Gleichgewicht, bleibt Zug auf einzelne Stellen der Netzhaut bestehen. Fachleute sprechen dann von einer anomalen oder komplizierten Glaskörperabhebung.
Risse entstehen meist im oberen Teil der Netzhautperipherie, in etwa neun von zehn Fällen oben, und häufig in sonst normal aussehender Netzhaut. Reißt dabei ein kleines Netzhautgefäß, blutet es in den Glaskörper. Durch einen Riss kann Flüssigkeit aus dem verflüssigten Glaskörper unter die Netzhaut laufen und sie von der Augenwand abheben. Dieser Vorgang ist der häufigste Weg zur rissbedingten Netzhautablösung.
Was ist eine anomale Glaskörperabhebung?
Bei der anomalen Abhebung löst sich der Glaskörper nicht sauber, sondern hinterlässt Reste oder zieht dauerhaft an der Netzhaut. Manchmal spaltet sich die Glaskörperrinde selbst, sodass eine dünne Schicht auf der Netzhaut liegen bleibt (Vitreoschisis). Diese Reste können sich zusammenziehen und eine Membran auf der Makula bilden, die epiretinale Gliose. Bleibt der Glaskörper an der Makula hängen und zieht an ihr, spricht man von vitreomakulärer Traktion; daraus kann ein Makulaforamen, ein Loch in der Netzhautmitte, entstehen.
Welche Risikofaktoren lassen den Glaskörper früher abheben?
Das Alter ist der wichtigste Faktor, doch mehrere Umstände führen zu einer früheren Abhebung:
- Kurzsichtigkeit: Längere Augen haben einen früher zerfallenden Glaskörper; je stärker die Kurzsichtigkeit, desto früher, besonders bei mehr als minus 6 Dioptrien.
- Augenoperationen: vor allem die Operation des Grauen Stars, besonders wenn dabei Glaskörper verloren ging; auch Menschen mit Kunstlinse oder ohne Linse sind betroffen.
- Verletzungen: Prellungen des Auges, etwa beim Ballsport, können eine Abhebung auslösen, sehr starke Kräfte sogar eine Ablösung an der Glaskörperbasis.
- Entzündungen im Augeninneren: wiederkehrende Uveitis oder Infektionen.
- Laserbehandlungen am Auge.
- Diabetes und andere Erkrankungen der Netzhaut, etwa die diabetische Retinopathie.
- Geschlecht: Bei Frauen ab etwa 60 Jahren schreitet die Abhebung schneller voran, vermutlich durch den Östrogenabfall nach den Wechseljahren; insgesamt ist die Häufigkeit bei Männern und Frauen ähnlich.
Stress, Flüssigkeitsmangel oder Bluthochdruck werden in Ratgebern gelegentlich genannt. Für diese Faktoren gibt es keinen belastbaren Nachweis als Ursache der Abhebung.
Wer hat ein höheres Risiko für einen Netzhautriss?
Das Risiko für einen Riss ist höher, wenn die Abhebung auf eine vorgeschädigte oder fest haftende Netzhaut trifft. Studien nennen vor allem diese Faktoren:
- Blut oder Pigment im Glaskörper bei der Untersuchung, der stärkste Hinweis;
- Gitterlinien-Degeneration (lattice degeneration), eine verdünnte Zone am Netzhautrand;
- ein früherer Riss oder eine Netzhautablösung am anderen Auge;
- eine Augenoperation, besonders in den drei Monaten vor der Abhebung, und eine Kunstlinse;
- hohe Kurzsichtigkeit;
- männliches Geschlecht und ein Alter unter 60 Jahren;
- Beschwerdebeginn erst vor weniger als 24 Stunden, verschwommenes Sehen und sehr viele (zehn oder mehr) neue Trübungen oder eine Wolke im Gesichtsfeld;
- Netzhautablösungen in der Familie.
In einer großen US-Studie mit 9.635 Augen hatten Männer häufiger Komplikationen als Frauen (30 gegenüber knapp 22 Prozent). Bei Augen mit Gitterlinien oder anderen Randveränderungen trat in 44 Prozent eine Komplikation auf.
Wie häufig ist die Glaskörperabhebung?
Die Glaskörperabhebung ist eine der häufigsten Veränderungen am Auge überhaupt. Vor dem 40. Lebensjahr ist sie selten, unter 50 Jahren betrifft sie weniger als jeden Zehnten. Zwischen 50 und 59 Jahren ist etwa ein Viertel betroffen, über 65 Jahren rund zwei Drittel. Zwischen 80 und 90 Jahren haben fast neun von zehn Menschen eine Abhebung. Die Zahlen stammen aus Untersuchungen in verschiedenen Ländern und weichen je nach Methode ab; die OCT erkennt auch unvollständige Formen, die bei der normalen Untersuchung verborgen bleiben.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt eine Glaskörperabhebung fest?
- Welche Fragen werden gestellt?
- Wie läuft die Untersuchung ab?
- Was bedeutet Tabakstaub im Glaskörper?
- Wann braucht es OCT oder Ultraschall?
- Darf ich nach der Untersuchung Auto fahren?
- Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?
- Was passiert nach der Untersuchung?
Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt eine Glaskörperabhebung fest?
Die Diagnose stützt sich auf das Gespräch und eine Untersuchung des gesamten Augenhintergrunds bei erweiterter Pupille. Ziel ist nicht nur, die Abhebung zu bestätigen, sondern vor allem einen Netzhautriss oder eine beginnende Ablösung sicher auszuschließen. Die deutsche Leitlinie von DOG und BVA (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte) betont, dass die Untersuchung der Netzhautperipherie in medikamentös erweiterter Pupille dazugehört. Die Abklärung erfolgt ambulant.
Welche Fragen werden gestellt?
Das Gespräch klärt, was genau Sie sehen und seit wann. Typische Fragen sind:
- Wann haben die Beschwerden begonnen, plötzlich oder schleichend?
- Wie sehen die Trübungen aus, wie viele sind es, sind sie mehr geworden?
- Sehen Sie Blitze, auch im Dunkeln oder bei Blickbewegungen?
- Gab es einen Schatten, einen Vorhang oder eine vorübergehende Sehverschlechterung?
- Sind Sie kurzsichtig, wie stark?
- Hatten Sie eine Augenoperation, eine Verletzung oder eine Entzündung?
- Gab es am anderen Auge oder in der Familie Netzhautrisse oder Ablösungen?
Wie läuft die Untersuchung ab?
Zunächst werden die Sehschärfe und die Pupillenreaktion geprüft. Dann sieht sich die Augenärztin oder der Augenarzt die vorderen Augenabschnitte und den vorderen Glaskörper an der Spaltlampe an, einem Mikroskop mit Lichtspalt. Danach werden die Pupillen mit Augentropfen erweitert; das dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Die Untersuchung selbst ist schmerzlos.
Bei erweiterter Pupille wird die Netzhaut rundum bis an den äußersten Rand, die Ora serrata, betrachtet. Dafür gibt es mehrere Verfahren: eine Lupe vor dem Auge an der Spaltlampe, ein Kontaktglas mit Spiegeln, das nach Betäubungstropfen kurz auf die Hornhaut gesetzt wird, oder die indirekte Ophthalmoskopie mit einer Stirnlampe. Manchmal drückt die Untersucherin oder der Untersucher dabei sanft von außen auf das Lid, um den Netzhautrand ins Blickfeld zu bringen (Skleraindentation). Das ist ungewohnt, aber kurz.
Was bedeutet Tabakstaub im Glaskörper?
Feine braune Pigmentkörnchen im vorderen Glaskörper, wegen ihres Aussehens Tabakstaub oder Shafer-Zeichen genannt, sind ein starker Hinweis auf einen Netzhautriss. Sie stammen aus der Pigmentschicht unter der Netzhaut und gelangen durch das Loch in den Glaskörper. Nach einer Schweizer Übersicht gehen sie in etwa neun von zehn Fällen mit einem Riss einher. Auch rote Blutkörperchen im Glaskörper erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Risses deutlich; in diesen Fällen wird besonders gründlich gesucht.
Wann braucht es OCT oder Ultraschall?
Zusätzliche Geräte helfen, wenn der Glaskörper sehr klar ist oder der Einblick getrübt ist. Die optische Kohärenztomografie (OCT) zeigt im Schnittbild, wo der Glaskörper noch an der Netzhaut haftet, und erkennt auch flache oder beginnende Abhebungen; sie ist dafür genauer als Spaltlampe oder Ultraschall. Sie bildet aber nur die Netzhautmitte ab und kann die Peripherie nicht beurteilen, in der Risse meist liegen. Ob die OCT in Ihrem Fall eine Kassenleistung ist, sollten Sie vorab in der Praxis klären; in Deutschland wird sie für diese Fragestellung häufig privat abgerechnet.
Der Ultraschall (B-Bild) ist sicher, schmerzlos und kommt ohne Einblick in das Auge aus. Er ist wichtig, wenn eine Blutung oder ein dichter Grauer Star den Blick auf die Netzhaut verdeckt. Er zeigt den abgehobenen Glaskörper und eine Netzhautablösung, kann einen kleinen Riss aber nicht sicher ausschließen. Bei einer dichten Blutung wird deshalb engmaschig mit Ultraschall kontrolliert.
Darf ich nach der Untersuchung Auto fahren?
Nein, nach dem Erweitern der Pupille dürfen Sie für einige Stunden nicht selbst fahren. Das Sehen ist verschwommen, vor allem in der Nähe, und Sie sind stark blendempfindlich. Je nach Tropfen und Person hält das etwa zwei bis sechs Stunden an. Planen Sie die Anreise mit Begleitung, Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln und nehmen Sie eine Sonnenbrille mit.
Welche Erkrankungen müssen abgegrenzt werden?
Blitze und neue Trübungen können auch andere Ursachen haben, die die Untersuchung ausschließt:
| Erkrankung | Was ist anders? |
|---|---|
| Netzhautablösung | Schatten oder Vorhang vom Rand, später Sehverlust; hier löst sich die Netzhaut selbst, nicht nur das Gel |
| Glaskörperblutung | Rußregen bis starke Sehminderung; auch durch Diabetes, Gefäßverschlüsse oder Verletzungen |
| Migräneaura | Zickzack-Flimmern in beiden Augen, etwa 20 Minuten, oft Kopfschmerz |
| Uveitis und Glaskörperentzündung | Trübungen oft in beiden Augen, teils Rötung, Schmerz oder Lichtscheu; Ursachen sind etwa Toxoplasmose, Viren oder Autoimmunerkrankungen |
| Vitreomakuläre Traktion, Makulaforamen, epiretinale Gliose | verzerrtes Sehen und Lesestörung im Zentrum |
| Durchblutungsstörungen im Gehirn, Kreislauf | Lichterscheinungen in beiden Augen, etwa beim Aufstehen oder bei Störungen im Hinterhauptlappen |
Sehr selten stecken Tumoren oder Lymphome im Augeninneren hinter Trübungen. Diese Ursachen fallen bei der Untersuchung in erweiterter Pupille in aller Regel auf.
Was passiert nach der Untersuchung?
Am Ende bespricht die Augenärztin oder der Augenarzt den Befund und erklärt die Warnzeichen einer Netzhautablösung. Die Leitlinie von DOG und BVA sieht vor, dass der Befund dokumentiert und über die Warnzeichen aufgeklärt wird. Ist alles unauffällig, wird meist ein Kontrolltermin vereinbart. Lassen Sie sich die Warnzeichen notfalls aufschreiben, denn mit erweiterten Pupillen und Sorge im Kopf geht manches verloren.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (8)
- Muss eine Glaskörperabhebung behandelt werden?
- Helfen Nahrungsergänzungsmittel, viel Trinken oder Homöopathie?
- Wie wird ein Netzhautriss behandelt?
- Wie wird eine Netzhautablösung behandelt?
- Kann man störende Trübungen entfernen lassen?
- Gibt es Medikamente, die den Glaskörper lösen?
- Wie oft sind Kontrollen nötig?
- Wer zahlt Untersuchung und Behandlung?
Muss eine Glaskörperabhebung behandelt werden?
Nein, eine Glaskörperabhebung ohne Riss und ohne Blutung braucht keine Behandlung. Sie ist ein natürlicher Vorgang, der sich nicht rückgängig machen lässt und von selbst zur Ruhe kommt. Es gibt keine Tropfen, Tabletten oder Übungen, die die Abhebung aufhalten oder die Trübungen auflösen. Behandelt werden nur die Komplikationen: Risse, Ablösungen und anhaltende Blutungen.
Helfen Nahrungsergänzungsmittel, viel Trinken oder Homöopathie?
Für Nahrungsergänzungsmittel, Homöopathie, Augenübungen oder vermehrtes Trinken gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis bei einer Glaskörperabhebung. Solche Mittel werden zwar beworben, lösen aber weder die Trübungen auf noch verhindern sie einen Riss. Gefährlich wird es, wenn das Vertrauen in solche Mittel die Untersuchung bei neuen Warnzeichen verzögert.
Wie wird ein Netzhautriss behandelt?
Ein frischer Netzhautriss wird meist mit dem Laser verschlossen, damit keine Netzhautablösung entsteht. Bei der Laserkoagulation (Retinopexie) setzt die Augenärztin oder der Augenarzt zwei bis drei Reihen feiner Laserherde rund um den Riss. Daraus entsteht in den folgenden Tagen bis Wochen eine feste Narbe, die die Netzhaut wie eine Schweißnaht an der Augenwand hält. Die französische Fachzeitschrift La Revue du Praticien nennt die frühe Laserbehandlung von Rissen die einzige allgemein anerkannte Vorbeugung gegen die rissbedingte Netzhautablösung.
Die Behandlung erfolgt ambulant, dauert etwa zehn Minuten und braucht nur Betäubungstropfen und ein Kontaktglas. Manche spüren dabei einen kurzen, stechenden Schmerz. Ist die Pupille eng oder der Einblick trüb, wird stattdessen mit Kälte behandelt (Kryotherapie): Eine Kältesonde wird von außen auf die Lederhaut gesetzt. Beide Verfahren gelten als sehr sicher; neue Risse an anderen Stellen können sie aber nicht verhindern.
Wie wird eine Netzhautablösung behandelt?
Eine Netzhautablösung muss operiert werden, meist innerhalb weniger Tage, bei bedrohter Netzhautmitte innerhalb von 24 Stunden. Je nach Lage gibt es zwei Wege. Bei eindellenden Verfahren näht die Chirurgin oder der Chirurg eine Plombe oder ein Band (Cerclage) außen auf den Augapfel, damit die Augenwand gegen den Riss gedrückt wird. Bei der Vitrektomie wird der Glaskörper entfernt und das Auge mit Gas oder Silikonöl gefüllt, das die Netzhaut von innen andrückt. Einzelheiten stehen im Artikel Netzhautablösung.
Nach einer Gasfüllung darf man nicht fliegen und nicht in große Höhen reisen, bis sich das Gas aufgelöst hat. Silikonöl muss später in einer zweiten Operation entfernt werden. Die meisten Augen sehen nach einer erfolgreichen Operation wieder ähnlich gut wie vorher; war die Makula schon abgelöst, erholt sich das Sehen oft nicht vollständig.
Kann man störende Trübungen entfernen lassen?
Eine Operation gegen Trübungen ist nur in seltenen Ausnahmefällen angezeigt, wenn sie das Sehen stark und dauerhaft beeinträchtigen. Dann kann der Glaskörper durch eine Vitrektomie entfernt werden. Die deutsche Leitlinie von DOG und BVA betont, dass der Wunsch nach einem solchen Eingriff von der Patientin oder dem Patienten ausgehen sollte, nachdem die Beschwerden über längere Zeit bestehen. Eine einfache Glaskörperabhebung mit frischen Trübungen ist kein Grund für eine Operation, denn die meisten Beschwerden bessern sich innerhalb einiger Monate.
Welche Risiken hat die Vitrektomie bei Trübungen?
Die Vitrektomie ist wirksam, hat aber ernste Risiken, die gegen harmlose Trübungen abgewogen werden müssen. Die Leitlinie von DOG und BVA nennt:
- Netzhautlöcher durch den Eingriff selbst in etwa 12 Prozent bei bereits abgehobenem und etwa 30 Prozent bei noch anliegendem Glaskörper;
- Netzhautablösungen, die auch noch lange nach der Operation auftreten können;
- einen beschleunigten Grauen Star bei allen Augen, die noch die eigene Linse haben;
- seltene schwere Komplikationen wie Infektionen im Auge bis zur Erblindung.
Außerdem verschwinden nicht immer alle Trübungen, und neue können entstehen. In der spanischen Fachliteratur erwägen manche Autoren den Eingriff etwas großzügiger, etwa bei Kurzsichtigen mit verminderter Kontrastwahrnehmung. Die deutsche Leitlinie und die US-amerikanischen Fachgesellschaften sind zurückhaltender.
Was ist von der Laserbehandlung der Trübungen zu halten?
Die YAG-Laser-Vitreolyse, bei der Trübungen mit einem Laser zerkleinert werden, gilt als experimentell. Sie wird nur von wenigen Spezialisten angeboten und kommt nur bei großen, gut abgegrenzten Trübungen mit ausreichendem Abstand zu Netzhaut und Linse infrage. Bei falscher Anwendung kann sie Netzhaut oder Linse schädigen; die Meinungen über ihren Nutzen gehen auseinander. Eine Empfehlung in deutschen Leitlinien gibt es nicht. Die Kosten tragen Patientinnen und Patienten in der Regel selbst.
Gibt es Medikamente, die den Glaskörper lösen?
Für die normale Glaskörperabhebung gibt es keine Medikamente. Das Enzym Ocriplasmin wurde zur Einspritzung ins Auge bei kleinen Makulalöchern und vitreomakulärer Traktion zugelassen, um eine Ablösung des Glaskörpers gezielt herbeizuführen. Gegen Trübungen ist es nicht gedacht und kann sie sogar verstärken. Bei einer bereits laufenden Abhebung spielt es keine Rolle.
Wie oft sind Kontrollen nötig?
Nach einer unauffälligen Erstuntersuchung wird meist eine Kontrolle nach einigen Wochen empfohlen, weil Risse noch später entstehen oder anfangs übersehen werden können. Die deutsche Leitlinie legt keine festen Abstände fest; sie richtet die Kontrollen nach Befund und Risikofaktoren aus. International werden folgende Zeiträume genannt:
| Situation | Übliche Kontrolle |
|---|---|
| Abhebung ohne Riss, ohne Blutung, ohne Risikofaktoren | nach etwa 2 bis 6 Wochen, oft nach 4 bis 6 Wochen; bei neuen Beschwerden sofort |
| Abhebung mit kleiner Blutung oder Pigment im Glaskörper | nach 1 bis 2 Wochen |
| Dichte Glaskörperblutung ohne Einblick | wöchentlich, mit Ultraschall, bis die Blutung abklingt |
| Unvollständige Abhebung mit anhaltendem Zug | nach 1 bis 2 Monaten, teils weitere Termine |
Die amerikanische Gesellschaft der Netzhautspezialisten (ASRS) empfiehlt einen oder mehrere Kontrolltermine innerhalb der ersten drei Monate. Eine große US-Studie aus dem Jahr 2023 spricht sich bei Risikogruppen, etwa Männern, Menschen mit Kunstlinse oder Gitterlinien, für längere Nachbeobachtung aus. Die wichtigste Kontrolle bleibt aber Ihre eigene Aufmerksamkeit: Jede Veränderung der Beschwerden ist ein Grund für einen früheren Termin.
Wer zahlt Untersuchung und Behandlung?
Die augenärztliche Untersuchung bei neuen Beschwerden sowie die Behandlung von Rissen und Ablösungen sind in Deutschland und Österreich Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse beziehungsweise der Sozialversicherung. Das gilt in Österreich laut dem öffentlichen Gesundheitsportal auch für einen nötigen Spitalsaufenthalt. Zusätzliche Untersuchungen wie die OCT ohne besonderen Anlass sowie die Laser-Vitreolyse gegen Trübungen werden oft privat abgerechnet. Fragen Sie vor solchen Leistungen nach den Kosten.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (8)
- Wie ist die Prognose bei einer Glaskörperabhebung?
- Wie hoch ist das Risiko eines Netzhautrisses?
- Wie groß ist das Risiko nach einer unauffälligen Untersuchung?
- Wann treten Risse auf?
- Was bedeutet ein Riss für die Zukunft?
- Welche anderen Folgen sind möglich?
- Werde ich durch eine Glaskörperabhebung blind?
- Was passiert am anderen Auge?
Wie ist die Prognose bei einer Glaskörperabhebung?
Die Prognose ist sehr gut: Die meisten Glaskörperabhebungen verlaufen ohne bleibende Folgen für das Sehen. Nach Angaben der amerikanischen Gesellschaft der Netzhautspezialisten bekommen etwa 85 von 100 Betroffenen nie eine Komplikation. Die Blitze verschwinden, die Trübungen werden weniger störend. Ist der Glaskörper einmal vollständig abgehoben, kann er nicht mehr an der Netzhaut ziehen; eine abgeschlossene Abhebung schützt die Netzhaut damit in gewisser Weise vor neuen Rissen.
Wie hoch ist das Risiko eines Netzhautrisses?
Bei neuen Beschwerden durch eine Glaskörperabhebung findet sich in etwa 14 von 100 Fällen ein Netzhautriss. Diese Zahl nennt die Leitlinie von DOG und BVA, eine große Übersichtsarbeit im Fachblatt JAMA und eine Studie aus Göteborg mit 365 Betroffenen (14,5 Prozent). Je nach Studie schwanken die Angaben zwischen etwa 8 und 22 Prozent. Die Spanne erklärt sich durch unterschiedliche Patientengruppen; in Spezialkliniken, in die bereits auffällige Fälle überwiesen werden, liegen die Zahlen höher.
Entscheidend ist, ob eine Blutung vorliegt. Die Spanische Gesellschaft für Ophthalmologie (SEO) nennt ein Rissrisiko von 10 bis 12 Prozent ohne Blutung, aber 50 bis 70 Prozent mit Glaskörperblutung. In der Göteborger Studie hatten 70,6 Prozent der Augen mit Riss eine Blutung, gegenüber 16,9 Prozent der Augen ohne Riss. Auch eine Sehverschlechterung und ein Beschwerdebeginn innerhalb der letzten 24 Stunden gingen häufiger mit einem Riss einher; Blitze allein dagegen nicht.
Wie groß ist das Risiko nach einer unauffälligen Untersuchung?
Ist die erste Untersuchung unauffällig, sinkt das Risiko deutlich, verschwindet aber nicht ganz. Nach der deutschen Leitlinie liegt es dann bei etwa 3 Prozent, sofern keine neuen Beschwerden auftreten. Die Zahlen aus anderen Studien sind ähnlich:
- In einer großen Auswertung von knapp 8.000 Augen fanden sich später Risse bei 2,6 Prozent und Netzhautablösungen bei 1 Prozent.
- Das Lehrbuch der SEO nennt 2 bis 5 Prozent späte Risse nach zwei bis drei Wochen, teils neu entstanden, teils anfangs übersehen.
- Ohne Riss bei der Erstuntersuchung liegt die Wahrscheinlichkeit einer Netzhautablösung in den folgenden Wochen bei etwa 2 Prozent.
Viele Menschen mit einer späteren Netzhautablösung hatten zwei bis drei Wochen vorher Beschwerden einer Glaskörperabhebung. Deshalb kommt es auf die Wochen nach Beginn der Symptome besonders an.
Wann treten Risse auf?
Die meisten Risse entstehen in den ersten Wochen nach Beginn der Abhebung. In der Göteborger Studie wurden etwa 95 Prozent der Risse im ersten Monat gefunden. Eine US-Auswertung von 2021 fand 61 Prozent im ersten Monat, knapp 29 Prozent im zweiten und dritten Monat und gut 10 Prozent im vierten bis sechsten Monat. Vereinzelt treten Risse auch Jahre später auf. Unbehandelte Risse können sich innerhalb weniger Wochen zu einer Ablösung entwickeln.
Was bedeutet ein Riss für die Zukunft?
Ein Riss erhöht das Risiko einer späteren Netzhautablösung deutlich. In der Göteborger Studie entwickelten im Mittel 4,5 Jahre nach der Abhebung 5,8 Prozent der Augen mit Riss eine Ablösung, aber nur 0,3 Prozent der Augen ohne Riss. Ein rechtzeitig gelaserter Riss ist meist gut abgesichert. Trotzdem können an anderen Stellen neue Risse entstehen, auch am anderen Auge. Wer einmal einen Riss hatte, sollte beide Augen besonders aufmerksam beobachten.
Welche anderen Folgen sind möglich?
Neben Riss und Ablösung kann die Abhebung weitere, seltenere Folgen haben:
- Glaskörperblutung: Reißt ein Netzhautgefäß ein, blutet es in den Glaskörper. Kleine Blutungen lösen sich in Wochen auf, große können eine Vitrektomie erfordern. Bei einer Blutung zu Beginn fanden sich in der US-Studie in 34,6 Prozent gleichzeitig Risse.
- Epiretinale Gliose: Reste der Glaskörperrinde bilden eine Membran auf der Makula, die das Sehen verzerren kann.
- Vitreomakuläre Traktion und Makulaforamen: Zug des Glaskörpers an der Netzhautmitte verzerrt das Bild oder reißt ein Loch in die Makula.
- Anhaltende Trübungen: Bei einem kleinen Teil bleiben störende Trübungen über Jahre und belasten die Lebensqualität.
Werde ich durch eine Glaskörperabhebung blind?
Die Glaskörperabhebung selbst führt nicht zur Erblindung. Gefahr für das Sehen besteht nur, wenn eine Netzhautablösung entsteht und nicht rechtzeitig behandelt wird. Unbehandelt breitet sich die Ablösung aus, erreicht die Netzhautmitte und kann das Auge erblinden lassen. Wird ein Riss früh gelasert oder eine Ablösung rasch operiert, bleibt das Sehen in den meisten Fällen erhalten.
Was passiert am anderen Auge?
Am zweiten Auge folgt die Abhebung häufig innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren. Der Verlauf ist dort nicht zwingend gleich: Ein unkomplizierter Verlauf am ersten Auge schließt einen Riss am zweiten nicht aus. Umgekehrt hat, wer am ersten Auge einen Riss oder eine Ablösung hatte, auch am zweiten ein erhöhtes Risiko. Bei etwa jedem Zehnten mit Netzhautablösung ist im Lauf des Lebens auch das zweite Auge betroffen.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (6)
Kann man einer Glaskörperabhebung vorbeugen?
Nein, der Glaskörperabhebung selbst kann man nicht vorbeugen. Sie ist ein natürlicher Alterungsvorgang, der in fast jedem Auge irgendwann stattfindet. Weder Ernährung noch Sport, Augentraining oder Nahrungsergänzungsmittel halten sie nachweislich auf. Vorbeugen lässt sich aber den schweren Folgen: Wer die Warnzeichen kennt und bei Veränderungen rasch handelt, schützt sein Sehen.
Wie kann ich einer Netzhautablösung vorbeugen?
Der wichtigste Schutz ist die rasche Untersuchung bei neuen Beschwerden und die Kontrolle nach einigen Wochen. Wird ein Riss früh entdeckt, lässt er sich mit dem Laser verschließen, bevor sich die Netzhaut ablöst. Menschen mit erhöhtem Risiko, etwa mit starker Kurzsichtigkeit, Gitterlinien am Netzhautrand, nach einer Augenoperation oder nach einer Ablösung am anderen Auge, profitieren von regelmäßigen augenärztlichen Kontrollen auch ohne Beschwerden. Ob verdünnte Netzhautstellen ohne Riss vorsorglich gelasert werden, entscheidet die Augenärztin oder der Augenarzt im Einzelfall; nach einer Ablösung am ersten Auge geschieht das am zweiten Auge häufiger.
Was kann ich selbst gegen die störenden Trübungen tun?
Am meisten hilft Geduld, denn das Gehirn lernt in den meisten Fällen, die Trübungen auszublenden. Einige einfache Maßnahmen erleichtern die Zeit bis dahin:
- Versuchen Sie, die Trübungen nicht gezielt zu beobachten oder zu jagen; das hält die Aufmerksamkeit darauf.
- Senken Sie Helligkeit und Kontrast des Bildschirms, ein dunkler Modus kann helfen.
- Eine Sonnenbrille bei hellem Licht, Schnee oder am Wasser macht die Schatten weniger sichtbar.
- Eine kurze Augenbewegung nach oben und unten lässt eine Trübung aus der Blickmitte wegwirbeln.
- Notieren Sie, wie die Trübungen anfangs aussahen; so erkennen Sie eine Veränderung leichter.
Darf ich Sport treiben, schwer heben oder fliegen?
Für einschränkende Verhaltensregeln bei einer unkomplizierten Glaskörperabhebung gibt es keine gesicherten Belege. Die französische Fachliteratur nennt Flugreisen, schweres Heben oder Pressen ausdrücklich als nicht bestätigte Risikofaktoren für eine Netzhautablösung. Einige Augenärztinnen und Augenärzte raten trotzdem, in den ersten Wochen mit Beschwerden auf Kontaktsport, sehr schwere Gewichte, Kopfstand und Sprünge wie Bungee zu verzichten; Spazieren, Radfahren und Schwimmen gelten als unproblematisch. Besprechen Sie das bei der Untersuchung. Anders ist es nach einer Operation mit Gasfüllung: Dann ist Fliegen verboten, bis das Gas aufgelöst ist.
Worauf sollte ich in den ersten Wochen achten?
In den ersten Wochen sollten Sie Ihre Augen bewusst beobachten und jede Veränderung ernst nehmen. Prüfen Sie ab und zu jedes Auge einzeln, indem Sie das andere zuhalten, und achten Sie auf Schatten am Rand. Kennen Sie die Telefonnummer Ihrer Augenpraxis und wissen Sie, wo am Wochenende der augenärztliche Notdienst oder die nächste Augenklinik ist. Neue Warnzeichen sind kein Grund zum Abwarten bis zum nächsten Kontrolltermin.
Wer sollte regelmäßig zur Augenuntersuchung?
Regelmäßige Augenuntersuchungen sind besonders ab etwa 65 Jahren sinnvoll und für Menschen mit Risikofaktoren. Dazu gehören starke Kurzsichtigkeit, Diabetes, frühere Netzhautrisse oder Ablösungen, eine Operation am Grauen Star und Netzhautablösungen in der Familie. Bei diesen Untersuchungen lassen sich auch Veränderungen am Netzhautrand finden, bevor Beschwerden auftreten. Sie ersetzen aber nicht die Untersuchung, wenn neue Symptome auftreten.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (4)
Eine Glaskörperabhebung selbst ist kein Notfall, die Abklärung auf einen Netzhautriss aber ist dringend. Weil sich Risse nicht an den Beschwerden allein erkennen lassen, gilt: Neue Blitze oder neue Punkte gehören rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt, auch wenn Sie vermuten, dass es nur die Abhebung ist. Allgemeine Hinweise finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.
Wann muss ich sofort zum Augenarzt?
Sofort, noch am selben Tag, auch nachts oder am Wochenende, sollten Sie bei diesen Zeichen in eine Augenklinik oder zum augenärztlichen Notdienst:
- ein Schatten, Schleier, Vorhang oder eine Mauer, die vom Rand her ins Gesichtsfeld wandert;
- ein plötzlicher Ausfall eines Teils des Gesichtsfelds;
- Rußregen, also ein Schauer feiner schwarzer Punkte, oder eine plötzliche dichte Wolke;
- eine plötzliche Verschlechterung der Sehschärfe oder verzerrtes Sehen;
- Blitze oder Trübungen nach einer Verletzung am Auge;
- Blitze oder Trübungen zusammen mit Schmerzen oder Rötung, besonders nach einer Augenoperation oder Spritze ins Auge.
Eine Verzögerung um Stunden bis wenige Tage kann bei einer beginnenden Ablösung den Unterschied für das Sehen ausmachen.
Wann innerhalb von 24 Stunden?
Innerhalb von 24 Stunden sollten Sie untersucht werden, wenn erstmals Lichtblitze auftreten oder plötzlich neue Mouches volantes, ein Ring oder Spinnweben erscheinen. Das gilt auch, wenn nach einer bekannten Abhebung die Blitze häufiger werden oder neue Trübungen hinzukommen. Britische und französische Empfehlungen nennen diese Frist; im Zweifel ist der gleiche Tag besser als der nächste. Rufen Sie in Ihrer Augenpraxis an und schildern Sie die Beschwerden genau, damit Sie einen Termin am selben oder nächsten Tag bekommen.
Wann reicht ein normaler Termin?
Ein normaler Termin innerhalb einiger Tage bis Wochen reicht, wenn die Trübungen seit Wochen oder Monaten unverändert bestehen, keine Blitze auftreten und eine Untersuchung bereits stattgefunden hat. Auch einzelne, seit Jahren bekannte Mouches volantes sind kein Grund zur Eile. Ändert sich das Bild, gilt wieder die Regel für neue Beschwerden.
Wohin am Wochenende oder in der Nacht?
In Deutschland helfen außerhalb der Sprechzeiten die Augenklinik oder der augenärztliche Bereitschaftsdienst, erreichbar über die Rufnummer 116117. In Österreich ist die Augenambulanz eines Spitals zuständig; die Gesundheitsberatung 1450 hilft bei der Suche. Bei einem plötzlichen Sehverlust ohne erreichbare Augenärztin oder erreichbaren Augenarzt ist die Notaufnahme der richtige Ort. Fahren Sie nicht selbst, denn nach der Untersuchung sind die Pupillen erweitert.
9 Häufige Fragen
Ist eine Glaskörperabhebung gefährlich?
Meist nicht: Die Glaskörperabhebung ist ein normaler Alterungsvorgang, und etwa 85 von 100 Betroffenen bekommen nie eine Komplikation. Gefährlich ist nur ein Netzhautriss, der bei etwa 14 von 100 Menschen mit neuen Beschwerden entsteht. Deshalb sollten neue Blitze oder Punkte rasch mit erweiterter Pupille untersucht werden.
Wie lange dauert eine Glaskörperabhebung?
Die eigentliche Ablösung ist meist nach ein bis drei Monaten abgeschlossen. Die Blitze verschwinden in dieser Zeit in der Regel. Die Trübungen können länger bleiben, oft Monate, manchmal Jahre, werden aber meist deutlich weniger störend.
Gehen die schwarzen Punkte wieder weg?
Die Punkte werden bei den meisten Menschen mit der Zeit weniger auffällig, verschwinden aber nicht immer ganz. Sie sinken aus der Blickmitte ab, und das Gehirn lernt, sie auszublenden. Kommen neue Punkte hinzu, sollte das untersucht werden.
Warum muss die Pupille bei der Untersuchung erweitert werden?
Nur mit erweiterter Pupille lässt sich die Netzhaut bis an den äußersten Rand ansehen, wo Risse meist entstehen. Bei enger Pupille sieht man nur den mittleren Teil des Augenhintergrunds. Danach ist das Sehen für etwa zwei bis sechs Stunden verschwommen; in dieser Zeit dürfen Sie nicht Auto fahren.
Warum brauche ich eine Kontrolle, wenn beim ersten Mal alles in Ordnung war?
Weil Risse auch noch Tage bis Wochen nach Beginn der Abhebung entstehen oder anfangs übersehen werden können. Nach einer unauffälligen Erstuntersuchung liegt das Risiko bei etwa 3 Prozent. Eine Kontrolle nach einigen Wochen und die eigene Aufmerksamkeit für Warnzeichen fangen diese Fälle ab.
Was ist der Unterschied zwischen Glaskörperabhebung und Netzhautablösung?
Bei der Glaskörperabhebung löst sich nur das Gel im Auge von der Netzhaut; das ist meist harmlos. Bei der Netzhautablösung löst sich die lichtempfindliche Netzhaut selbst von der Augenwand; das ist ein Notfall. Die Glaskörperabhebung kann über einen Riss zur Netzhautablösung führen.
Bekomme ich die Glaskörperabhebung auch am anderen Auge?
Sehr wahrscheinlich ja, oft innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren. Die Abhebung tritt in der Regel in jedem Auge einmal im Leben auf. Auch am zweiten Auge sollten neue Beschwerden erneut untersucht werden.
Kann man die Glaskörpertrübungen weglasern oder operieren?
Nur in seltenen Ausnahmefällen, wenn die Trübungen das Sehen über lange Zeit stark beeinträchtigen. Die Glaskörperentfernung (Vitrektomie) hat ernste Risiken wie Netzhautlöcher, Netzhautablösung und Grauen Star. Die Laserbehandlung der Trübungen gilt als experimentell.
Darf ich mit einer Glaskörperabhebung Sport machen?
Gesicherte Verbote gibt es nicht. Manche Augenärztinnen und Augenärzte raten in den ersten Wochen mit Beschwerden von Kontaktsport, sehr schweren Gewichten und Kopfüber-Übungen ab. Spazieren, Radfahren und Schwimmen gelten als unbedenklich.
Sind Lichtblitze im Auge ein Notfall?
Neue Lichtblitze sind kein Fall für den Rettungswagen, sollten aber innerhalb von 24 Stunden augenärztlich untersucht werden. Kommen ein Schatten, ein Vorhang, Rußregen oder eine plötzliche Sehverschlechterung hinzu, sofort in die Augenklinik. Ein Zickzack-Flimmern in beiden Augen über etwa 20 Minuten spricht eher für eine Migräneaura.
Hilft viel Trinken oder ein Nahrungsergänzungsmittel gegen Glaskörperabhebung?
Nein, dafür gibt es keinen Nachweis. Die Glaskörperabhebung ist ein Alterungsvorgang, der sich weder aufhalten noch rückgängig machen lässt. Wichtiger als jedes Mittel ist die rasche Untersuchung bei neuen Beschwerden.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 26 Quellen anzeigen
- Leitlinie Nr. 23: Glaskörpertrübungen / Mouches volantes – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) (DE)
- Glaskörpererkrankungen – Österreichisches Gesundheitsportal gesundheit.gv.at (DE)
- Lichtblitze und Mouches volantes – MSD Manual, Ausgabe für Patienten (DE)
- Netzhautablösung – MSD Manual, Ausgabe für Patienten (DE)
- Netzhautablösung – Ars Medici (Rosenfluh), 2008/20 (DE)
- What Is a Posterior Vitreous Detachment? – American Academy of Ophthalmology (AAO) (EN)
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- Spontaneous Posterior Vitreous Detachment (Übersichtsarbeit) – PubMed Central, PMC8188834 (EN)
- Posterior Vitreous Detachment – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
- Retinal tears and detachment after posterior vitreous detachment-related symptoms (Bond-Taylor et al.) – Clinical Ophthalmology 2017, PMC5609787 (EN)
- Delayed complications of posterior vitreous detachment – AAO Editor's Choice (Ophthalmology Retina 2023) (EN)
- Acute-onset floaters and flashes: is this patient at risk for retinal detachment? – JAMA (PubMed 19934426) (EN)
- Posterior vitreous detachment – Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust (EN)
- Posterior vitreous detachment – Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust (EN)
- Flashes and floaters – Moorfields Eye Hospital NHS Foundation Trust (EN)
- Posterior vitreous detachment – Bedfordshire Hospitals NHS Foundation Trust (EN)
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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss