Glaskörperzug an der Makula (Vitreomakuläre Traktion)
Bei der vitreomakulären Traktion bleibt der alternde Glaskörper an der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens, haften und zieht an ihr; das führt zu Verzerrtsehen, Unschärfe und Leseproblemen, meist bei Menschen um 70. Viele Fälle werden zunächst mit OCT-Kontrollen beobachtet, weil sich der Zug bei etwa jedem dritten bis vierten Betroffenen von selbst löst; stört er deutlich oder droht ein Makulaloch, kann eine Operation (Vitrektomie) den Zug beseitigen.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (6)
Was ist ein Glaskörperzug an der Makula?
Bei einem Glaskörperzug an der Makula haftet der Glaskörper an der Stelle des schärfsten Sehens fest und zieht an ihr, während er sich ringsum schon von der Netzhaut gelöst hat. Der Glaskörper ist das klare Gel, das das Innere des Auges ausfüllt. Die Makula (gelber Fleck) ist die kleine Zone in der Netzhautmitte, mit der Sie lesen, Gesichter erkennen und Farben fein unterscheiden. Der Fachbegriff lautet vitreomakuläre Traktion, abgekürzt VMT.
Der Zug verformt die Makula. Ihre normale kleine Grube (Fovea) wird angehoben, in der Netzhaut können sich kleine Flüssigkeitsräume (Zysten) bilden. Die Folge sind vor allem verzerrtes Sehen, ein unscharfes Zentrum und Mühe beim Lesen.
Wie entsteht der Zug?
Der Zug entsteht, weil sich der alternde Glaskörper nicht vollständig von der Netzhaut löst. Mit den Jahren verflüssigt sich das Gel und schrumpft. Normalerweise trennt es sich dabei sauber von der Netzhaut ab; das heißt hintere Glaskörperabhebung und ist an sich keine Krankheit.
Bleibt der Glaskörper aber gerade an der Makula besonders fest kleben, zieht der schrumpfende Rest dort an der Netzhaut. Jede Augenbewegung verstärkt diesen Zug kurz.
Wie unterscheiden sich Haftung, Zug und Makulaloch?
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden drei Stufen, die sie in der OCT (einer Schichtaufnahme der Netzhaut) erkennen:
| Befund | Was im Auge passiert | Beschwerden |
|---|---|---|
| Vitreomakuläre Adhäsion (VMA) | Glaskörper haftet noch an der Makula, verformt sie aber nicht | meist keine; gilt als normale Zwischenstufe der Glaskörperabhebung |
| Vitreomakuläre Traktion (VMT) | Haftung plus sichtbare Verformung: Fovea angehoben, Zysten, manchmal Flüssigkeit unter der Netzhaut | oft Verzerrtsehen, Unschärfe; manchmal keine |
| Makulaforamen | durchgehendes Loch in der Netzhautmitte | zentraler Fleck, deutliche Sehminderung |
Zusätzlich unterscheidet man die Breite der Haftung: fokal (höchstens 1.500 Mikrometer, also 1,5 Millimeter) oder breit (darüber). Und man unterscheidet, ob der Zug allein besteht oder zusammen mit einer anderen Makulaerkrankung.
Wen betrifft ein Glaskörperzug?
Betroffen sind vor allem ältere Erwachsene, im Mittel um 70 Jahre, Frauen etwas häufiger als Männer. Als alleinige Erkrankung ist die VMT selten: Man schätzt etwa 22 Betroffene auf 100.000 Menschen. Viel häufiger tritt sie zusammen mit anderen Netzhauterkrankungen auf, etwa mit einer epiretinalen Gliose, einer diabetischen Netzhauterkrankung oder einer Makuladegeneration.
Ist ein Glaskörperzug gefährlich?
Ein Glaskörperzug bedroht das zentrale Sehen, aber nicht das ganze Augenlicht. Das seitliche Sehen bleibt erhalten, eine vollständige Erblindung entsteht dadurch nicht. Hält der Zug lange an, kann er die Makula jedoch dauerhaft schädigen oder ein Loch reißen. Deshalb gehört er in augenärztliche Kontrolle.
Wie wird er behandelt?
Leichte Fälle werden zunächst beobachtet, weil sich der Glaskörper bei einem Teil der Betroffenen von selbst löst. Stört das Verzerrtsehen deutlich, verschlechtert sich das Sehen oder droht ein Loch, wird der Glaskörper operativ entfernt (Vitrektomie). Eine Spritze mit dem Enzym Ocriplasmin, die es einige Jahre gab, ist in der EU seit 2023 nicht mehr zugelassen.
2 Symptome
In diesem Kapitel (19)
- Welche Beschwerden sind typisch?
- Wie fühlt sich das Verzerrtsehen an?
- Warum wird Verzerrtsehen oft übersehen?
- Verzerrtsehen trotz guter Sehschärfe – wie passt das zusammen?
- Wie verändert sich die Sehschärfe?
- Warum ist Lesen so mühsam?
- Was bedeutet Kleinersehen?
- Gibt es einen Fleck in der Bildmitte?
- Stört der Zug das Sehen mit beiden Augen?
- Kann man Doppelbilder bekommen?
- Treten Lichtblitze und schwarze Punkte auf?
- Beginnen die Beschwerden plötzlich oder schleichend?
- Kann ein Glaskörperzug ohne Beschwerden bestehen?
- Ist meist nur ein Auge betroffen?
- Welche Warnzeichen sprechen für ein entstehendes Makulaloch?
- Was bemerken Angehörige?
- Worauf sollten ältere Menschen achten?
- Kommt ein Glaskörperzug bei Kindern vor?
- Wie können Sie Ihre Beschwerden selbst prüfen?
Welche Beschwerden sind typisch?
Das Leitsymptom ist Verzerrtsehen: Gerade Linien wirken krumm, wellig oder geknickt. Dazu kommen meist ein unscharfes Bild in der Mitte, Probleme beim Lesen und manchmal ein grauer Schleier im Zentrum. Die Beschwerden betreffen fast immer nur die Bildmitte, das Sehen am Rand bleibt normal.
| Beschwerde | Wie oft | Wie sie sich anfühlt |
|---|---|---|
| Verzerrtsehen (Metamorphopsie) | sehr häufig, bei etwa 7 von 10 Betroffenen | Linien, Kanten und Schrift wirken wellig |
| Unscharfes Zentrum, nachlassende Sehschärfe | häufig | wie durch ein leicht beschlagenes Glas, vor allem beim Lesen |
| Leseprobleme, Mühe bei Naharbeit | häufig | Zeilen verrutschen, Buchstaben verschwimmen |
| Kleinersehen (Mikropsie) | gelegentlich | Gegenstände wirken mit dem kranken Auge kleiner |
| Grauer Fleck in der Mitte (Skotom) | gelegentlich, häufiger bei beginnendem Loch | ein matter Fleck dort, wo man hinschaut |
| Störung beim beidäugigen Sehen | gelegentlich | Bild „passt nicht zusammen“, Unruhe beim Sehen |
| Lichtblitze, Schwebeteilchen | gelegentlich | eher Zeichen der Glaskörperabhebung selbst |
| Doppelbilder | selten | durch Verlagerung der Makula |
| Plötzlicher Sehverlust | selten | bei starker Anhebung der Netzhautmitte oder Lochbildung |
Wie fühlt sich das Verzerrtsehen an?
Verzerrtsehen heißt, dass Formen ihre Geometrie verlieren, obwohl das Bild noch recht scharf sein kann. Typische Beispiele aus dem Alltag:
- Türrahmen, Fensterkreuze oder Fliesenfugen erscheinen gebogen.
- Die Zeilen in Büchern oder Zeitungen wirken wellig, einzelne Buchstaben verzogen.
- Gesichter wirken leicht verschoben, ein Auge sitzt scheinbar höher.
- Ein Lineal oder eine Tischkante scheint in der Mitte eingedellt oder ausgebeult.
- Auf karierten Flächen, etwa einem Rechenheft, sind die Kästchen in der Mitte verzogen.
Die Verzerrung entsteht, weil der Zug die Sinneszellen in der Makula aus ihrer normalen Anordnung bringt. Das Gehirn setzt das Bild dann aus verschobenen Bildpunkten zusammen.
Warum wird Verzerrtsehen oft übersehen?
Verzerrtsehen fällt Betroffenen oft lange nicht auf und wird in der Sprechstunde nicht immer erfragt. In einer britischen Studie mit 185 Menschen mit VMT gaben im Fragebogen rund 70 Prozent Verzerrtsehen an; im Arztgespräch war es nur bei etwa 53 Prozent festgehalten worden. Sprechen Sie es deshalb von sich aus an, wenn Ihnen Linien krumm vorkommen.
Der Grund: Solange das andere Auge gut sieht, gleicht das Gehirn vieles aus. Erst wenn man ein Auge zuhält, wird die Verzerrung deutlich.
Verzerrtsehen trotz guter Sehschärfe – wie passt das zusammen?
Die gemessene Sehschärfe kann trotz deutlicher Beschwerden fast normal sein. Die Sehtafel prüft nur, ob man kleine Zeichen erkennt, nicht ob Linien gerade erscheinen. Bei der VMT sind oft die inneren Netzhautschichten verformt, die äußeren Sinneszellen aber noch intakt.
Französische Fachautoren beschreiben deshalb eine oft unscharfe Beschwerde, deren Stärke nicht zur gemessenen Sehschärfe passt. Umgekehrt kann auch ein Befund, der in der OCT eindrucksvoll aussieht, fast keine Beschwerden machen.
Wie verändert sich die Sehschärfe?
Die Sehschärfe sinkt meist langsam über Wochen bis Monate, vor allem in der Nähe. Viele bemerken zuerst, dass das Lesen anstrengender wird und mehr Licht nötig ist. Eine neue Lesebrille hilft dabei kaum, weil das Problem nicht in der Optik, sondern in der Netzhaut liegt.
Im Vergleich zu einer reinen epiretinalen Gliose sinkt die Sehschärfe bei VMT oft etwas stärker. Viele Betroffene behalten aber über lange Zeit eine brauchbare Sehschärfe am kranken Auge.
Warum ist Lesen so mühsam?
Lesen braucht genau die Netzhautmitte, die vom Zug betroffen ist. Zeilen verrutschen, Buchstaben verschwimmen oder fehlen scheinbar, und der Blick muss immer wieder neu ansetzen. Viele lesen langsamer, ermüden schneller und meiden kleine Schrift, Beipackzettel oder Handarbeiten.
In der britischen Studie war die Lebensqualität bei Verzerrtsehen vor allem bei Nahtätigkeiten deutlich geringer. Die Stärke der Verzerrung beeinflusste den Alltag dabei mehr als die Sehschärfe des besseren Auges.
Was bedeutet Kleinersehen?
Kleinersehen (Mikropsie) heißt, dass Gegenstände mit dem betroffenen Auge kleiner wirken als mit dem gesunden. Das liegt daran, dass der Zug die Sinneszellen auseinanderzieht; auf derselben Fläche liegen dann weniger Zellen. Beim Wechsel zwischen den Augen fällt der Größenunterschied am ehesten auf.
Gibt es einen Fleck in der Bildmitte?
Ein grauer, unscharfer Fleck in der Mitte (relatives Skotom) kann auftreten, ist aber eher ein Zeichen für fortgeschrittenen Zug. Er wirkt wie ein matter Schleier genau dort, wo man hinschaut, nicht wie ein schwarzes Loch. Wird der Fleck dunkler und schärfer begrenzt, kann sich ein Makulaforamen bilden; das sollte zeitnah kontrolliert werden.
Stört der Zug das Sehen mit beiden Augen?
Ja, die Verzerrung kann das Zusammenspiel beider Augen stören, auch wenn nur ein Auge betroffen ist. Das kranke Auge liefert ein verzogenes oder kleineres Bild, das nicht genau auf das Bild des gesunden Auges passt. Manche beschreiben ein unruhiges, anstrengendes Sehen oder Schwierigkeiten beim Einschätzen von Abständen.
Die deutsche Fachstellungnahme von DOG, Retinologischer Gesellschaft und Berufsverband nennt gerade diese Störung des beidäugigen Sehens als wichtigen Grund für eine Behandlung.
Kann man Doppelbilder bekommen?
Doppelbilder sind selten, kommen aber vor. Verlagert der Zug die Makula ein Stück aus ihrer normalen Position, zeigen beide Augen nicht mehr exakt auf denselben Punkt. Neue Doppelbilder sollten trotzdem immer untersucht werden, weil sie häufiger andere Ursachen haben, etwa eine Augenmuskellähmung.
Treten Lichtblitze und schwarze Punkte auf?
Lichtblitze und neue Schwebeteilchen können vorkommen, sind aber kein typisches Zeichen des Zugs an der Makula selbst. Sie gehören eher zur Glaskörperabhebung, die dem Zug zugrunde liegt. Lichtblitze entstehen, wenn der Glaskörper mechanisch an der Netzhaut zieht. Die Schwebeteilchen kennen viele als Mouches volantes.
Wichtig: Treten Blitze oder viele neue Punkte plötzlich auf, muss rasch ein Netzhautriss ausgeschlossen werden. Das ist dringlicher als der Zug an der Makula.
Beginnen die Beschwerden plötzlich oder schleichend?
Meist beginnen sie schleichend über Wochen oder Monate. Viele können später nicht sagen, seit wann sie verzerrt sehen. Manche bemerken es zufällig, etwa wenn sie beim Reiben ein Auge abdecken.
Ein plötzlicher Beginn ist möglich, wenn der Zug die Netzhautmitte rasch anhebt oder ein Loch entsteht. Eine plötzliche deutliche Verschlechterung ist daher ein Grund für eine baldige Kontrolle.
Kann ein Glaskörperzug ohne Beschwerden bestehen?
Ja, das ist häufig. Die reine Haftung ohne Verformung (VMA) macht typischerweise keine Beschwerden. Auch eine leichte Traktion wird oft nur zufällig bei einer OCT-Untersuchung entdeckt, etwa vor einer Operation des Grauen Stars oder bei der Kontrolle einer anderen Erkrankung.
Fachgesellschaften trennen deshalb klar: Eine Traktion ohne Beschwerden braucht in der Regel keine Behandlung, nur Kontrolle. Behandlungsbedürftig wird sie erst, wenn OCT-Befund und Beschwerden zusammenpassen und stören.
Ist meist nur ein Auge betroffen?
Meist hat nur ein Auge Beschwerden, das andere ist aber oft nicht völlig unauffällig. In einer Auswertung fanden sich bei etwa 70 Prozent der Partneraugen Veränderungen an der Grenze zwischen Glaskörper und Netzhaut. Am häufigsten war ein Häutchen auf der Netzhaut, seltener eine Haftung oder ebenfalls ein Zug. Das zweite Auge kann daher auch Jahre später Beschwerden entwickeln.
Welche Warnzeichen sprechen für ein entstehendes Makulaloch?
Hinweise auf ein beginnendes Loch sind eine rasch zunehmende Verzerrung, ein neuer oder dunkler werdender Fleck in der Bildmitte und ein deutlicher Abfall der Sehschärfe. Typisch ist auch, dass beim Lesen plötzlich Buchstaben mitten im Wort fehlen. Diese Zeichen verlangen eine Kontrolle innerhalb weniger Tage, weil frische Löcher die besten Heilungschancen haben.
Was bemerken Angehörige?
Angehörige bemerken vor allem Veränderungen im Alltag, weniger die Beschwerde selbst. Häufige Beobachtungen:
- Die betroffene Person liest langsamer, hält Texte näher oder braucht mehr Licht.
- Sie meidet Zeitung, Kreuzworträtsel, Handarbeiten oder kleine Schrift auf dem Handy.
- Sie kneift ein Auge zu oder neigt den Kopf, um besser zu sehen.
- Sie verschüttet beim Einschenken öfter etwas oder greift knapp daneben.
- Sie beschwert sich, dass „die Brille nicht mehr passt“.
Wenn Ihnen das bei einem älteren Familienmitglied auffällt, lohnt sich ein Augenarzttermin mit OCT.
Worauf sollten ältere Menschen achten?
Bei älteren Menschen werden die Beschwerden oft dem Grauen Star oder dem Alter zugeschrieben. Unscharfes Sehen kann viele Ursachen haben; krumme Linien sind dagegen fast immer ein Zeichen einer Makulaerkrankung. Neben dem Glaskörperzug kommen dafür vor allem die altersabhängige Makuladegeneration, ein Häutchen auf der Makula oder ein Makulaödem infrage. Nur eine Untersuchung mit OCT kann diese sicher unterscheiden.
Viele ältere Menschen haben an beiden Augen Veränderungen, etwa zusätzlich eine Makuladegeneration oder eine diabetische Netzhauterkrankung. Dann ist besonders schwer zu sagen, welche Beschwerde von welcher Ursache kommt.
Kommt ein Glaskörperzug bei Kindern vor?
Bei Kindern ist eine VMT eine große Ausnahme. Ihr Glaskörper ist noch fest und haftet überall gleichmäßig an der Netzhaut, eine Abhebung gibt es in diesem Alter normalerweise nicht. Verzerrtsehen oder Sehverlust bei Kindern hat fast immer andere Ursachen und gehört rasch zur kinderaugenärztlichen Untersuchung.
Wie können Sie Ihre Beschwerden selbst prüfen?
Am besten prüfen Sie jedes Auge einzeln, indem Sie das andere abdecken. Dafür eignet sich ein Amsler-Gitter, ein kariertes Raster mit einem Punkt in der Mitte. Ebenso gut gehen ein Fensterkreuz, ein Türrahmen oder Fliesenfugen.
- Tragen Sie Ihre Lesebrille, falls Sie eine haben.
- Decken Sie ein Auge mit der Hand ab, ohne Druck.
- Schauen Sie mit dem offenen Auge auf die Mitte des Gitters oder einen festen Punkt auf der Linie.
- Achten Sie darauf, ob Linien wellig, verbogen oder lückenhaft wirken oder ob ein Fleck auftaucht.
- Wiederholen Sie das mit dem anderen Auge und vergleichen Sie.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in Deutschland hat ausdrücklich gefordert, dass Betroffene über diese seitengetrennte Selbstbeobachtung informiert werden. Eine Verschlechterung zwischen den Kontrollen ist ein Grund, früher anzurufen.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (10)
- Was ist die Hauptursache?
- Wie läuft die normale Glaskörperabhebung ab?
- Warum bleibt der Glaskörper an der Makula hängen?
- Welche Kräfte wirken auf die Makula?
- Warum ist eine kleine Haftstelle oft gefährlicher?
- Welche Rolle spielt ein Häutchen auf der Netzhaut?
- Wer hat ein höheres Risiko?
- Ist ein Glaskörperzug erblich?
- Welche Erkrankungen kann der Zug auslösen?
- Ist das dasselbe wie eine Makuladegeneration?
Was ist die Hauptursache?
Die Hauptursache ist das natürliche Altern des Glaskörpers. Der Glaskörper besteht zu etwa 98 Prozent aus Wasser, dazu aus feinen Kollagenfasern und Hyaluronsäure. In jungen Jahren ist er ein festes Gel, dessen äußere Rinde überall an der Netzhaut haftet.
Mit dem Alter verflüssigt sich das Gel in Taschen (Fachwort Synchisis), und die Fasern klumpen zusammen (Synärese). Der Glaskörper schrumpft und beginnt, sich von der Netzhaut abzuheben.
Wie läuft die normale Glaskörperabhebung ab?
Die Abhebung beginnt meist rund um die Makula und schreitet über Jahre fort. Typische Reihenfolge: zuerst der Ring um die Netzhautmitte, dann die großen Gefäßbögen, dann die Fovea, die mittlere Peripherie und zuletzt der Sehnervenkopf. Eine teilweise Abhebung um die Makula fand sich in einer OCT-Studie an gesunden Erwachsenen schon bei etwa der Hälfte der 30- bis 39-Jährigen; eine vollständige Abhebung wird bei etwa der Hälfte der über 70-Jährigen beschrieben. Andere Untersuchungen kommen zu etwas anderen Anteilen.
Bei einer normalen Abhebung lockert sich die Haftung zeitgleich mit dem Schrumpfen. Der Glaskörper gleitet dann ohne Schaden von der Netzhaut ab.
Warum bleibt der Glaskörper an der Makula hängen?
Er bleibt hängen, wenn sich der Glaskörper schneller zusammenzieht, als sich seine Haftung an der Makula lockert. Fachleute nennen das eine anomale Glaskörperabhebung. Die Makula ist eine der Stellen, an denen der Glaskörper ohnehin am festesten sitzt.
Dort ist die innere Grenzmembran, die dünne Deckschicht der Netzhaut, besonders dünn. Eiweiße wie Laminin und Fibronektin verbinden die Glaskörperrinde eng mit ihr. Weitere feste Haftstellen sind der Sehnervenkopf und die großen Netzhautgefäße.
Welche Kräfte wirken auf die Makula?
Es wirken zwei Arten von Zug: ein ständiger und ein bewegungsabhängiger. Der ständige (statische) Zug kommt vom Schrumpfen des Glaskörpers. Der bewegungsabhängige (dynamische) Zug entsteht bei jeder Augenbewegung, wenn der träge Glaskörper nachschwingt und an seiner Haftstelle zerrt; er gilt als besonders wichtig.
Die Richtung spielt ebenfalls eine Rolle. Zieht der Glaskörper senkrecht nach vorn, hebt er die Fovea an. Zieht ein Häutchen flach entlang der Oberfläche, legt es die Netzhaut in Falten.
Warum ist eine kleine Haftstelle oft gefährlicher?
Eine kleine (fokale) Haftstelle verformt die Fovea stärker, weil sich die gesamte Zugkraft auf eine winzige Fläche konzentriert. In der OCT sieht der Glaskörper dann wie ein V oder eine Möwenschwinge aus, die an der Netzhautmitte zieht. Aus solchen fokalen Zügen entstehen eher Zysten und Makulalöcher.
Eine breite Haftung verteilt den Zug. Sie geht häufiger mit einem Häutchen auf der Netzhaut, einer flächigen Verdickung und langsamen Schäden einher.
Welche Rolle spielt ein Häutchen auf der Netzhaut?
Ein Häutchen auf der Netzhaut, die epiretinale Gliose, kommt oft zusammen mit dem Glaskörperzug vor und verstärkt ihn. Es verklebt Glaskörper und Netzhaut noch fester miteinander. Umgekehrt kann ein lang bestehender Zug die Bildung eines solchen Häutchens fördern. Beide Erkrankungen sind verwandt, aber nicht dasselbe; die OCT kann sie unterscheiden.
Wer hat ein höheres Risiko?
Das Risiko steigt vor allem mit dem Alter. Weitere Risikofaktoren nennen die Fachquellen übereinstimmend:
- Höheres Alter: Verflüssigung und Abhebung des Glaskörpers nehmen zu.
- Weibliches Geschlecht: Nach den Wechseljahren verflüssigt sich der Glaskörper vermutlich früher, weil das Östrogen sinkt.
- Kurzsichtigkeit, vor allem hohe Kurzsichtigkeit: Der Glaskörper hebt sich früher und oft unregelmäßig ab (siehe krankhafte Kurzsichtigkeit).
- Begleitende Netzhauterkrankungen: feuchte Makuladegeneration, diabetische Retinopathie, diabetisches Makulaödem, Venenverschlüsse der Netzhaut.
- Häutchen auf der Makula (epiretinale Gliose).
- Frühere Augenoperationen oder Verletzungen, etwa eine Operation des Grauen Stars, ein Auge ohne Linse oder eine frühere Entzündung im Auge (Uveitis).
Rauchen, Ernährung oder Bildschirmarbeit spielen nach den vorliegenden Quellen keine nachgewiesene Rolle.
Ist ein Glaskörperzug erblich?
Nein, die VMT gilt nicht als Erbkrankheit. Sie ist eine Folge des Alterns des Glaskörpers, das jeden Menschen betrifft. Warum es bei manchen zu einer zu festen Haftung kommt und bei anderen nicht, ist nicht genau bekannt.
Welche Erkrankungen kann der Zug auslösen?
Ein anhaltender Zug kann mehrere andere Makulaerkrankungen auslösen oder verschlimmern. Die deutsche Fachstellungnahme nennt als Krankheitsbilder, bei denen der Zug das Sehen beeinträchtigt:
- das Makulaforamen, ein Loch in der Netzhautmitte,
- die epiretinale Gliose,
- ein durch Zug ausgelöstes Makulaödem, etwa bei Diabetes, Gefäßverschlüssen oder Entzündung,
- den Zug bei hoher Kurzsichtigkeit, der zu einer Spaltung der Netzhautschichten (Schisis) führen kann.
Ist das dasselbe wie eine Makuladegeneration?
Nein. Die altersabhängige Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Sinneszellen und ihrer Unterlage, der Glaskörperzug eine mechanische Störung von vorn. Beide können aber gleichzeitig vorkommen, und der Zug kann eine feuchte Makuladegeneration ungünstig beeinflussen. Für die Behandlung ist die Unterscheidung wichtig, weil Spritzen gegen eine Makuladegeneration nicht gegen den Zug helfen.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (7)
Wie wird ein Glaskörperzug festgestellt?
Entscheidend ist die optische Kohärenztomografie (OCT), eine Schichtaufnahme der Netzhaut mit Licht. Sie zeigt den Glaskörper, der an der Makula haftet, und wie stark er die Netzhaut verformt. Die deutschen Fachgesellschaften verlangen vor jeder Behandlungsentscheidung einen hochauflösenden OCT-Befund (Spectral-Domain-OCT).
Mit dem bloßen Blick auf den Augenhintergrund ist ein Glaskörperzug oft schwer zu erkennen. Der Glaskörper ist durchsichtig, die Verformung sehr fein.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Die Untersuchung besteht aus mehreren Schritten, die meist an einem Termin stattfinden:
- Gespräch: Seit wann bestehen Beschwerden, wie stark stören sie, ist ein oder sind beide Augen betroffen?
- Sehschärfe beider Augen mit bester Brillenkorrektur.
- Amsler-Test: Sie schauen mit jedem Auge einzeln auf ein Gitter und beschreiben Verzerrungen.
- Spaltlampe: Untersuchung des vorderen Augenabschnitts, etwa auf einen Grauen Star.
- Augenhintergrund bei weiter Pupille: Nach Tropfen wird die ganze Netzhaut bis zum Rand angesehen, um Netzhautrisse oder Vorstufen einer Ablösung auszuschließen.
- OCT der Makula.
Nach den Tropfen zur Pupillenerweiterung sehen Sie einige Stunden unscharf und sind blendempfindlich. Fahren Sie nicht selbst mit dem Auto zum Termin.
Was zeigt die OCT?
Die OCT zeigt einen Querschnitt durch die Netzhaut, ähnlich einem feinen Ultraschallbild. Typische Befunde bei VMT sind:
- eine teilweise abgehobene, verdickte Glaskörpergrenze, die nur noch an der Netzhautmitte festhängt,
- eine angehobene oder abgeflachte Fovea, die ihre normale Grube verloren hat,
- Hohlräume (Zysten) in der Netzhaut,
- manchmal etwas Flüssigkeit unter der Netzhautmitte,
- ein begleitendes Häutchen auf der Netzhaut,
- bei fortgeschrittenem Zug ein teilweises oder durchgehendes Loch.
Die OCT misst außerdem die Breite der Haftung und die Dicke der Makula. Beides beeinflusst, wie wahrscheinlich eine Selbstheilung ist und wie gut eine Operation helfen kann.
Tut die OCT weh?
Nein. Die Aufnahme dauert wenige Minuten, Sie schauen dabei auf ein Lichtzeichen, das Gerät berührt das Auge nicht. Es gibt keine Strahlenbelastung. Ob die Krankenkasse eine OCT-Kontrolle bezahlt, ist nicht in jedem Fall gleich geregelt; fragen Sie vorab in Ihrer Praxis nach.
Welche weiteren Untersuchungen gibt es?
Weitere Untersuchungen sind nur in besonderen Fällen nötig:
- Fluoreszenzangiografie: Ein Farbstoff wird in die Armvene gespritzt, um undichte Gefäße zu zeigen. Sie wird nur eingesetzt, wenn zusätzlich eine andere Erkrankung vermutet wird, etwa eine diabetische Netzhauterkrankung oder ein Makulaödem nach Operation.
- Ultraschall (B-Bild): Er zeigt die Glaskörperabhebung, wenn die Sicht ins Auge getrübt ist, etwa durch einen dichten Grauen Star oder eine Blutung.
Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?
Mehrere Makulaerkrankungen verursachen ebenfalls Verzerrtsehen. Die OCT trennt sie meist sicher:
| Erkrankung | Unterschied zur VMT |
|---|---|
| Epiretinale Gliose | Häutchen auf der Netzhaut, Fältelung; Glaskörper oft schon abgelöst |
| Makulaforamen | durchgehendes Loch; kann aus einer VMT entstehen |
| Makulaödem nach Grauer-Star-Operation | Schwellung durch Flüssigkeit, kein Glaskörperzug |
| Diabetisches Makulaödem, Venenverschluss | undichte Gefäße, in der Angiografie sichtbar |
| Feuchte Makuladegeneration | neue Gefäße unter der Netzhaut, Blutung oder Flüssigkeit |
| Zentrale seröse Chorioretinopathie | Flüssigkeitsblase unter der Netzhaut, meist jüngere Menschen |
Wie oft wird kontrolliert?
Beim Abwarten wird meist nach etwa drei Monaten eine erste OCT-Kontrolle empfohlen. Danach richten sich die Abstände nach Befund und Beschwerden; bei stabilen Verhältnissen werden sie länger. Feste Intervalle schreibt keine Leitlinie vor. Verschlechtern sich die Beschwerden zwischen zwei Terminen, sollten Sie nicht bis zum nächsten Termin warten.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (18)
- Welche Behandlungen gibt es?
- Wann reicht Abwarten?
- Warum lohnt sich das Abwarten?
- Wann wird operiert?
- Wer entscheidet über den Zeitpunkt?
- Wie läuft eine Vitrektomie ab?
- Örtliche Betäubung oder Vollnarkose?
- Muss nach der Operation Gas ins Auge?
- Muss man nach der Operation mit dem Gesicht nach unten liegen?
- Was muss man mit Gas im Auge beachten?
- Wie erfolgreich ist die Operation?
- Wovon hängt das Ergebnis ab?
- Welche Risiken hat die Operation?
- Wird der Graue Star gleich mitoperiert?
- Was war die Ocriplasmin-Spritze?
- Was ist eine Gasinjektion (pneumatische Vitreolyse)?
- Helfen Spritzen gegen Makuladegeneration?
- Wer bezahlt die Behandlung?
Welche Behandlungen gibt es?
Es gibt zwei etablierte Wege: beobachtendes Abwarten und die Glaskörperoperation (Vitrektomie). Von zwei weiteren Verfahren gibt es die Enzymspritze nicht mehr; die Gasinjektion kommt nach der aktuellen deutschen Leitlinie nur in begründeten Einzelfällen infrage. Augentropfen, Tabletten, Brillen oder Laser lösen den Zug nicht.
| Verfahren | Für wen | Stand in Europa |
|---|---|---|
| Beobachten mit OCT | keine oder leichte Beschwerden, stabile Sehschärfe | Standard als erster Schritt |
| Vitrektomie | deutliche Beschwerden, Verschlechterung, Loch, Häutchen | etablierte Therapie der Wahl |
| Ocriplasmin-Spritze | früher: kleine Haftung ohne Häutchen | EU-Zulassung 2023 zurückgezogen |
| Gasinjektion (pneumatische Vitreolyse) | in Studien: Zug ohne Loch | kein Standard; nach der deutschen Leitlinie nur in begründeten Einzelfällen bei Zug ohne Loch |
Wann reicht Abwarten?
Abwarten reicht, wenn der Zug keine oder nur leichte Beschwerden macht und die Sehschärfe stabil ist. Das ist bei vielen Betroffenen der Fall. Der G-BA in Deutschland hat für leichte Beschwerden das „beobachtende Abwarten“ als Standardvorgehen festgelegt.
Auch die aktuelle deutsche Leitlinie der Fachgesellschaften (S1-Leitlinie von 2022) setzt bei einem Zug ohne Loch zunächst auf Abwarten und Beobachten. Die ältere deutsche Fachstellungnahme von 2013 empfiehlt bei Zug ohne Loch, den natürlichen Verlauf zunächst zum Beispiel drei Monate abzuwarten. Eine Behandlung kommt erst infrage, wenn das Verzerrtsehen beim Sehen mit beiden Augen dauerhaft stört und sich der Glaskörper in dieser Zeit nicht löst.
Warum lohnt sich das Abwarten?
Weil sich der Glaskörper bei einem Teil der Betroffenen von selbst löst und die Beschwerden dann zurückgehen. In größeren Beobachtungsstudien geschah das bei etwa einem Viertel bis einem Drittel innerhalb von ein bis zwei Jahren. Wer abwartet, erspart sich womöglich eine Operation mit ihren Risiken.
Die Kehrseite: Bei der Mehrheit bleibt der Zug bestehen, und bei einem kleineren Teil verschlechtert er sich. Französische Fachstellen schätzen die Selbstheilung deshalb eher als selten ein. Abwarten heißt also nicht „nichts tun“, sondern regelmäßig kontrollieren und rechtzeitig umsteuern.
Wann wird operiert?
Operiert wird, wenn der Zug deutlich stört oder fortschreitet. Typische Gründe sind:
- Verzerrtsehen, das Lesen, Arbeit oder das beidäugige Sehen dauerhaft beeinträchtigt,
- eine nachlassende Sehschärfe,
- ein Fortschreiten in der OCT, etwa zunehmende Zysten oder Anhebung der Fovea,
- ein entstehendes oder bereits vorhandenes Makulaloch,
- ein zusätzliches Häutchen auf der Netzhaut oder eine breite Haftung, die sich selten von selbst löst.
Einen festen Grenzwert gibt es nicht. In Frankreich nennt die Gesundheitsbehörde HAS als Orientierung eine Sehschärfe unter etwa 0,4 bis 0,5 (40 bis 50 Prozent). Eine Übersichtsarbeit schlägt vor, eine Behandlung bei Beschwerden schon ab einer Sehschärfe von 0,8 oder schlechter, bei deutlichem Verzerrtsehen oder bei fortschreitendem Sehverlust zu erwägen.
Wer entscheidet über den Zeitpunkt?
Sie entscheiden gemeinsam mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt. Die deutsche Stellungnahme nennt dafür als wichtige Punkte: Ihr Alter und Ihre Vorerkrankungen, die Sehschärfe des anderen Auges, wie sehr das Verzerrtsehen beim beidäugigen Sehen stört und wie stark Sie im Alltag leiden. Wer etwa beruflich viel liest oder dessen anderes Auge schlecht sieht, entscheidet sich oft früher für eine Operation.
Ein Grund, nicht zu lange zu warten: Je länger der Zug besteht und je dicker die Makula wird, desto weniger erholt sich das Sehen nach der Operation.
Wie läuft eine Vitrektomie ab?
Bei der Vitrektomie entfernt die Chirurgin oder der Chirurg den Glaskörper, damit nichts mehr an der Makula ziehen kann. Die Operation ist seit über 30 Jahren etabliert und wird heute mit sehr feinen Instrumenten durchgeführt.
- Über drei winzige Zugänge im weißen Teil des Auges (Pars plana) werden eine Spülung, eine Lichtquelle und ein Schneidegerät eingeführt.
- Der Glaskörper wird abgesaugt; Flüssigkeit hält dabei Druck und Form des Auges.
- Die Glaskörperrinde wird vorsichtig von der Makula gelöst. Um die Netzhautmitte herum wird sie dabei zuerst eingeschnitten, damit kein Loch gerissen wird.
- Farbstoffe machen durchsichtige Strukturen sichtbar. Ein Häutchen auf der Netzhaut oder die innere Grenzmembran wird bei Bedarf mit einer Mikropinzette abgezogen (Peeling).
- Die Netzhautperipherie wird auf Risse untersucht und diese bei Bedarf mit Laser oder Kälte behandelt.
- Am Ende wird das Auge mit Flüssigkeit, Luft oder Gas gefüllt. Die Zugänge verschließen sich meist ohne Naht.
Örtliche Betäubung oder Vollnarkose?
Beides ist möglich. Häufig genügt eine örtliche Betäubung mit einer Spritze neben das Auge, sodass Sie während der Operation nichts spüren. Eine Vollnarkose wird zum Beispiel bei großer Unruhe, Angst oder bestimmten Begleiterkrankungen gewählt.
Ob ambulant oder stationär operiert wird, hängt vom Land und von der Klinik ab. In Frankreich ist die ambulante Operation oder eine Nacht im Krankenhaus üblich. In Deutschland und Österreich wird teils ambulant, teils mit einigen Tagen Klinikaufenthalt operiert.
Muss nach der Operation Gas ins Auge?
Nicht immer. Bei einem reinen Zug ohne Loch genügt oft Flüssigkeit oder Luft. Liegt bereits ein Makulaloch vor, wird meist Gas eingefüllt, das die Lochränder aneinanderdrückt.
Gas löst sich je nach Art in etwa zwei Wochen bis zwei Monaten von selbst auf. Solange Gas im Auge ist, sehen Sie mit diesem Auge stark verschwommen, wie durch Wasser.
Muss man nach der Operation mit dem Gesicht nach unten liegen?
Eine strenge Lagerung mit dem Gesicht nach unten ist vor allem nach einer Operation wegen eines Makulalochs nötig, meist für einige Tage. Nach einer Operation wegen eines reinen Glaskörperzugs ist eine Lagerung seltener oder kürzer. Halten Sie sich genau an die Anweisung Ihrer Klinik, denn sie hängt von Befund und Füllung ab.
Was muss man mit Gas im Auge beachten?
Mit Gas im Auge gelten wichtige Regeln, weil sich Gas bei sinkendem Luftdruck ausdehnt und den Augendruck gefährlich steigen lassen kann:
- Keine Flugreisen, bis das Gas vollständig verschwunden ist.
- Keine Fahrten ins Hochgebirge oder über hohe Pässe.
- Bei einer Narkose aus anderem Grund unbedingt das Narkoseteam informieren; bestimmte Narkosegase sind dann verboten.
- Kein Autofahren, bis Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt es wieder erlaubt.
Viele Kliniken geben ein Armband oder einen Ausweis mit, der auf die Gasfüllung hinweist.
Wie erfolgreich ist die Operation?
Die Operation löst den Zug fast immer, das Sehen bessert sich aber nicht bei allen gleich stark. Je nach Studie gewinnt etwa die Hälfte bis drei Viertel der Operierten deutlich an Sehschärfe, oft zwei Zeilen oder mehr. Das Verzerrtsehen geht meist zurück, verschwindet aber nicht immer ganz.
Die Erholung braucht Geduld. Die Netzhautschichten bauen sich über Monate wieder auf; die endgültige Sehschärfe ist oft erst nach sechs bis zwölf Monaten erreicht. Wurde wegen eines Makulalochs operiert, schließt sich das Loch in etwa 85 bis über 90 Prozent der Fälle.
Wovon hängt das Ergebnis ab?
Das Ergebnis hängt vor allem davon ab, wie lange und wie stark der Zug schon besteht:
| Eher günstig | Eher ungünstig |
|---|---|
| kleine, V-förmige (fokale) Haftung | breite Haftung |
| Beschwerden kürzer als etwa sechs Monate | lange Dauer der Beschwerden |
| noch recht gute Sehschärfe vor der Operation | stark verminderte Sehschärfe |
| dünnere Makula in der OCT | dicke, stark geschwollene Makula, Spaltung der Schichten |
Welche Risiken hat die Operation?
Die häufigste Folge ist ein Grauer Star. Ernste Komplikationen sind selten, aber möglich:
- Grauer Star: Nach einer Vitrektomie trübt sich die eigene Linse bei 75 bis 95 Prozent der Menschen innerhalb von drei Jahren, oft schon nach 6 bis 12 Monaten. Er wird mit einer normalen Katarakt-Operation behandelt.
- Netzhautablösung: bei etwa 2 von 100 Operierten, in einzelnen Serien bis 5 Prozent; sie muss erneut operiert werden. Kleine Netzhauteinrisse während der Operation sind häufiger, werden aber meist gleich mit Laser oder Kälte behandelt.
- Erhöhter Augeninnendruck, vor allem in den ersten Tagen mit Gas.
- Blutung ins Auge.
- Infektion im Auge (Endophthalmitis): sehr selten, etwa 1 von 1.000 oder seltener, aber gefährlich.
- Neues Häutchen, Makulaloch oder Schwellung der Makula nach der Operation.
- Gesichtsfeldausfälle oder ein zu niedriger Augendruck: selten.
Im äußersten Fall kann eine Komplikation das Sehvermögen des Auges kosten. Dieses Risiko ist sehr klein, wird aber in der Aufklärung genannt.
Wird der Graue Star gleich mitoperiert?
Oft ja, wenn schon eine Linsentrübung besteht oder Sie über 50 Jahre alt sind. Weil sich nach der Vitrektomie sehr häufig ein Grauer Star entwickelt, wird bei älteren Menschen häufig beides in einer Sitzung gemacht. So bleibt Ihnen eine zweite Operation erspart. Haben Sie bereits eine Kunstlinse, entfällt dieser Punkt.
Was war die Ocriplasmin-Spritze?
Ocriplasmin (Handelsname Jetrea) war ein Enzym, das in den Glaskörper gespritzt wurde und die Eiweißbrücken zwischen Glaskörper und Makula auflösen sollte. Es war in der EU ab 2013 für Erwachsene mit VMT zugelassen, auch bei kleinem Makulaloch bis 400 Mikrometer. Am 30. August 2023 wurde die EU-Zulassung auf Wunsch des Herstellers aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen. In Deutschland, Österreich und den anderen EU-Ländern steht es daher nicht mehr zur Verfügung.
Die Erfahrungen damit sind trotzdem lehrreich. In den Zulassungsstudien mit 652 Menschen löste sich der Zug nach 28 Tagen bei 26,5 Prozent mit Ocriplasmin, aber auch bei 10,1 Prozent mit einer Scheinspritze. Ohne Häutchen auf der Netzhaut und mit eigener Linse wirkte es besser, mit Häutchen kaum. Etwa jede fünfte behandelte Person brauchte innerhalb von sechs Monaten trotzdem eine Operation. Nebenwirkungen waren vor allem Schwebeteilchen, Lichtblitze, vorübergehende Sehverschlechterung und Farbsehstörungen.
Der G-BA bescheinigte 2019 bei leichten Beschwerden nur einen geringen Zusatznutzen gegenüber dem Abwarten. Die französische HAS sah ebenfalls nur eine geringe Verbesserung. Eine Übersicht der Cochrane-Gruppe kam zu einem ähnlichen Schluss: Das Mittel löste den Zug häufiger als Placebo, die Daten zur Langzeitsicherheit blieben aber spärlich.
Was ist eine Gasinjektion (pneumatische Vitreolyse)?
Bei der pneumatischen Vitreolyse wird eine kleine Gasblase in den Glaskörper gespritzt, die den Glaskörper von der Makula abdrücken soll. Der Eingriff findet ohne Operationssaal statt; danach soll man ein bis zwei Tage oft nach unten schauen. Das Verfahren wurde vor allem in den USA untersucht und von einzelnen Kliniken angewendet; ein Standardverfahren ist es nicht.
In der wichtigsten Vergleichsstudie des US-Netzwerks DRCR löste sich der Zug nach 24 Wochen bei 78 Prozent der Augen mit Gas und bei 9 Prozent mit Scheinbehandlung. Bei 12 Prozent der mit Gas behandelten Augen kam es aber zu einem Netzhautriss oder einer Netzhautablösung, weshalb die Studien vorzeitig beendet wurden. In französischen Empfehlungen ist die Gasinjektion nicht als Behandlung vorgesehen. Die aktuelle deutsche Leitlinie und eine Umfrage unter deutschen Netzhautspezialisten sehen sie wegen des Risikos für Netzhautrisse und Netzhautablösungen nur für begründete Einzelfälle bei einem Zug ohne Loch vor. Lassen Sie sich ausführlich über dieses Risiko aufklären, falls sie Ihnen angeboten wird.
Helfen Spritzen gegen Makuladegeneration?
Nein, Spritzen gegen Gefäßwachstum (wie sie bei feuchter Makuladegeneration oder diabetischem Makulaödem gegeben werden) lösen keinen Glaskörperzug. Hat jemand beide Erkrankungen, werden sie getrennt behandelt. Manchmal wird dann der Zug operativ beseitigt, damit die Spritzen besser wirken.
Wer bezahlt die Behandlung?
Die augenärztliche Untersuchung und die Vitrektomie sind in Deutschland Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und in Österreich der Sozialversicherung. Die OCT bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses nur bei bestimmten Erkrankungen, vor allem bei feuchter Makuladegeneration und diabetischem Makulaödem. Bei einem Glaskörperzug kann sie daher eine Selbstzahlerleistung sein. Auch in Österreich ist die Kostenübernahme für eine OCT nicht einheitlich geregelt. Für besondere Linsen bei einer kombinierten Star-Operation können ebenfalls Zuzahlungen anfallen. Klären Sie das vorab mit Ihrer Praxis und Ihrer Krankenkasse.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (8)
- Wie verläuft ein Glaskörperzug ohne Behandlung?
- Wie lange dauert es, bis sich der Zug löst?
- Wie oft entsteht ein Makulaloch?
- Welche weiteren Folgen kann der Zug haben?
- Kann man durch einen Glaskörperzug erblinden?
- Wie geht es nach der Operation weiter?
- Kann der Zug wiederkommen?
- Was ist mit dem anderen Auge?
Wie verläuft ein Glaskörperzug ohne Behandlung?
Der Verlauf ist sehr unterschiedlich: Bei manchen löst sich der Zug von selbst, bei den meisten bleibt er lange unverändert, bei einem kleineren Teil verschlechtert er sich. Die Fachliteratur nennt für die Selbstlösung eine große Spanne von 11 bis 53 Prozent. Die deutsche Stellungnahme bezeichnete die Datenlage als spärlich und widersprüchlich.
| Studie | Beobachtung | von selbst gelöst | unverändert | verschlechtert |
|---|---|---|---|---|
| Moorfields-Klinik London, 150 Augen mit Beschwerden | etwa 20 Monate | 24 Prozent | etwa 63 Prozent (ohne Lösung) | 12,7 Prozent Makulaloch |
| Auswertung mit 106 Augen (OCT) | etwa 18 Monate | 32 Prozent | 52 Prozent | 16 Prozent |
Die reine Haftung ohne Verformung (VMA) geht dagegen meist ohne Folgen in eine vollständige Glaskörperabhebung über.
Wie lange dauert es, bis sich der Zug löst?
Wenn sich der Zug löst, dann meist innerhalb von ein bis zwei Jahren. In der Londoner Studie dauerte es im Mittel 16 Monate. Danach bessern sich Verzerrtsehen und Sehschärfe oft deutlich, manchmal bis zum Normalbefund.
Bessere Chancen auf eine Selbstlösung haben jüngere Betroffene, Menschen mit noch guter Sehschärfe und einer dünneren Makula. Mit einem Häutchen auf der Netzhaut ist eine Selbstlösung selten.
Wie oft entsteht ein Makulaloch?
Ein Makulaloch entsteht bei etwa 5 bis 17 von 100 Menschen mit VMT innerhalb von ein bis zwei Jahren. In der Londoner Studie waren es 12,7 Prozent nach im Mittel 17 Monaten. Besonders gefährdet sind Augen mit kleiner, fokaler Haftung und Hohlräumen in der Netzhautmitte.
Ältere Daten zeigen, dass sich ein drohendes Loch im Frühstadium in etwa der Hälfte der Fälle zurückbildet, in etwa 40 Prozent zu einem durchgehenden Loch wird und in etwa 10 Prozent zu einem teilweisen Loch. Diese Zahlen sind Näherungswerte aus der Zeit vor der modernen OCT.
Welche weiteren Folgen kann der Zug haben?
Ein lang bestehender Zug kann die Makula dauerhaft schädigen. Mögliche Folgen sind:
- eine Schwellung mit Hohlräumen (zystoides Makulaödem),
- eine Spaltung der Netzhautschichten (Schisis),
- eine Anhebung der Netzhautmitte mit Flüssigkeit darunter,
- ein Häutchen auf der Netzhaut, das auch nach Lösung des Zugs bleibt,
- ein teilweises (lamelläres) oder durchgehendes Makulaloch.
Die französische HAS beschreibt die Prognose eines unbehandelten, anhaltenden Zugs als ungünstig. Eine ältere Langzeitstudie fand bei zwei Dritteln nach fünf Jahren einen Verlust von mindestens zwei Zeilen Sehschärfe.
Kann man durch einen Glaskörperzug erblinden?
Nein, eine vollständige Erblindung entsteht dadurch nicht. Betroffen ist nur das zentrale Sehen, das Sehen am Rand bleibt erhalten. Sie können sich also weiter im Raum orientieren, auch wenn Lesen und Feinarbeit schwerer werden.
Wie geht es nach der Operation weiter?
Nach einer Vitrektomie bessert sich das Sehen langsam über Wochen bis Monate. Die meisten Operierten gewinnen Sehschärfe; das Verzerrtsehen wird meist deutlich geringer. Ein Rest an Verzerrung kann bleiben, besonders wenn der Zug lange bestand. Nach der Operation können sich auch das beidäugige Sehen und der Lesekomfort wieder normalisieren.
Fast alle Operierten mit eigener Linse entwickeln in den folgenden Jahren einen Grauen Star, der gut behandelbar ist.
Kann der Zug wiederkommen?
Nach einer Vitrektomie kann der Glaskörper nicht erneut ziehen, weil er entfernt wurde. Möglich ist aber ein neues Häutchen auf der Netzhaut, vor allem wenn die innere Grenzmembran nicht abgezogen wurde. Ohne Operation kann sich ein scheinbar gelöster Zug in seltenen Fällen neu bilden, wenn sich die Glaskörperrinde nur gespalten hat.
Was ist mit dem anderen Auge?
Das andere Auge kann ebenfalls einen Zug oder ein Häutchen entwickeln, oft Jahre später. Bei etwa 70 Prozent der Partneraugen finden sich bereits Veränderungen an der Grenze zwischen Glaskörper und Netzhaut, bei rund 10 Prozent ebenfalls ein Zug. Prüfen Sie deshalb auch das gesunde Auge regelmäßig einzeln.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (6)
Kann man einem Glaskörperzug vorbeugen?
Nein, eine wirksame Vorbeugung ist nicht bekannt. Das Altern des Glaskörpers ist ein natürlicher Vorgang, den weder Ernährung noch Augentraining, Nahrungsergänzung oder Tropfen aufhalten. Sinnvoll ist, den Zug früh zu erkennen, damit die Behandlung zum richtigen Zeitpunkt beginnt.
Wie kann ich mich selbst kontrollieren?
Prüfen Sie regelmäßig jedes Auge einzeln auf Verzerrungen, zum Beispiel einmal pro Woche. Nutzen Sie ein Amsler-Gitter oder eine feste gerade Linie in Ihrer Wohnung, etwa einen Türrahmen. Prüfen Sie immer unter gleichen Bedingungen, mit Lesebrille und gutem Licht. Notieren Sie, was Sie sehen; so fällt Ihnen eine Veränderung leichter auf.
Wer sollte besonders aufmerksam sein?
Besonders aufmerksam sollten Menschen mit Kurzsichtigkeit, Diabetes, einer Makuladegeneration, einem früheren Venenverschluss oder einer bekannten Glaskörperhaftung sein. Gleiches gilt, wenn das andere Auge bereits einen Zug, ein Häutchen oder ein Makulaloch hatte. Halten Sie Ihre Kontrolltermine ein, auch wenn Sie keine Beschwerden haben.
Was hilft im Alltag mit Verzerrtsehen?
Einige einfache Maßnahmen erleichtern den Alltag, solange beobachtet wird:
- helles, blendfreies Licht beim Lesen, etwa eine Leselampe von der Seite,
- größere Schrift am Handy, Tablet oder E-Book-Reader,
- eine Lupe oder Leselupe für Beipackzettel und Kleingedrucktes,
- kontrastreiche Markierungen an Stufen und Treppenkanten.
Ob Sie Auto fahren dürfen, hängt von der Sehschärfe beider Augen und vom Gesichtsfeld ab. Fragen Sie im Zweifel Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt, ob die gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind.
Was ist nach einer Operation wichtig?
Nach einer Operation sind vor allem die Regeln zu Gas, Lagerung und Augentropfen wichtig:
- Tropfen genau nach Plan anwenden, Hände vorher waschen.
- Nicht am Auge reiben, eine Schutzkappe in der Nacht nach Anweisung tragen.
- Mit Gas im Auge nicht fliegen, nicht ins Gebirge fahren und kein Auto fahren.
- Schwimmbad und Sauna erst nach Freigabe.
- Kontrolltermine einhalten, auch wenn es gut geht.
Gibt es Selbsthilfe und Beratung?
Bei bleibender Sehminderung helfen Beratungsstellen für Sehbehinderte, in Deutschland etwa über die Selbsthilfeverbände für blinde und sehbehinderte Menschen, in Österreich über die entsprechenden Landesorganisationen. Dort gibt es Informationen zu vergrößernden Sehhilfen, Lesegeräten und Alltagstricks. Vergrößernde Sehhilfen können auf Verordnung von der Krankenkasse übernommen werden.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (5)
Ist ein Glaskörperzug ein Notfall?
Nein, ein Glaskörperzug an der Makula ist in der Regel kein Notfall. Die deutsche Fachstellungnahme betont ausdrücklich, dass er keine Notfallbehandlung erfordert. Neue Beschwerden sollten aber zeitnah untersucht werden, weil ein Makulaloch drohen kann und frische Löcher bessere Heilungschancen haben.
Wann sofort, also am selben Tag?
Sofort zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in eine Augenklinik sollten Sie bei:
- plötzlich vielen neuen schwarzen Punkten oder „Rußregen“,
- neuen Lichtblitzen, vor allem zusammen mit neuen Punkten,
- einem Schatten, Vorhang oder einer Wand, die sich vom Rand ins Gesichtsfeld schiebt,
- plötzlichem starkem Sehverlust,
- nach einer Operation: zunehmenden Schmerzen, stärkerer Rötung, Schwellung oder einem Sehen, das schlechter ist als am Tag nach dem Eingriff,
- nach einer Gasfüllung: starken Kopf- oder Augenschmerzen mit Übelkeit.
Diese Zeichen können auf einen Netzhautriss, eine Netzhautablösung, eine Blutung im Glaskörper, eine Infektion oder einen gefährlichen Druckanstieg hinweisen. Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge. In Österreich erreichen Sie die Gesundheitsberatung unter 1450, den Rettungsdienst unter 144; in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und den Notruf unter 112.
Wann innerhalb weniger Tage?
Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin bekommen, wenn:
- das Verzerrtsehen deutlich zunimmt,
- ein neuer oder dunkler werdender Fleck in der Bildmitte erscheint,
- beim Lesen plötzlich Buchstaben fehlen,
- die Sehschärfe spürbar nachlässt, obwohl Sie in Beobachtung sind.
Das kann auf ein beginnendes Makulaloch hindeuten. Sagen Sie bei der Terminvergabe, dass bei Ihnen ein Glaskörperzug bekannt ist.
Wann innerhalb von ein bis zwei Wochen?
Innerhalb von ein bis zwei Wochen sollten Sie untersucht werden, wenn Sie erstmals bemerken, dass Linien krumm wirken oder das Zentrum unscharf ist. Das gilt auch, wenn die Beschwerden mild sind. Nur mit einer OCT lässt sich klären, ob ein Glaskörperzug, ein Häutchen, eine Makuladegeneration oder etwas anderes dahintersteckt.
Wann reicht die Routinekontrolle?
Wenn ein Glaskörperzug bekannt ist und sich Ihre Beschwerden nicht verändern, reicht die vereinbarte Kontrolle. Das gilt auch für eine Haftung ohne Beschwerden, die zufällig gefunden wurde. Prüfen Sie zwischen den Terminen jedes Auge einzeln, um Veränderungen rechtzeitig zu bemerken.
9 Häufige Fragen
Was ist vitreomakuläre Traktion einfach erklärt?
Der Glaskörper, das Gel im Auge, löst sich im Alter von der Netzhaut, bleibt aber an der Makula hängen und zieht dort. Dadurch wird die Stelle des schärfsten Sehens verformt. Die Folge sind vor allem Verzerrtsehen und ein unscharfes Zentrum.
Kann sich ein Glaskörperzug von selbst lösen?
Ja, bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Betroffenen löst er sich innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst. Bei den meisten bleibt er aber bestehen. Deshalb wird bei leichten Beschwerden zunächst mit OCT-Kontrollen abgewartet, etwa drei Monate bis zur ersten Kontrolle.
Muss ein Glaskörperzug operiert werden?
Nicht immer. Bei fehlenden oder leichten Beschwerden genügt Beobachten. Operiert wird, wenn das Verzerrtsehen deutlich stört, die Sehschärfe nachlässt, der Befund in der OCT fortschreitet oder ein Makulaloch entsteht.
Wird aus einem Glaskörperzug ein Makulaloch?
Bei etwa 5 bis 17 von 100 Betroffenen entsteht innerhalb von ein bis zwei Jahren ein Makulaforamen. Warnzeichen sind ein neuer, dunkler werdender Fleck in der Bildmitte und fehlende Buchstaben beim Lesen. Dann sollten Sie innerhalb weniger Tage kontrollieren lassen.
Gibt es die Ocriplasmin-Spritze noch?
Nein, nicht in der EU. Die Zulassung von Ocriplasmin (Jetrea) wurde am 30. August 2023 auf Wunsch des Herstellers aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen. In Deutschland und Österreich ist das Mittel daher nicht mehr erhältlich.
Ist eine Gasspritze statt Operation möglich?
Nur in Ausnahmefällen. Die Gasinjektion (pneumatische Vitreolyse) löste in einer US-Studie den Zug bei vielen Augen, führte aber bei 12 Prozent zu einem Netzhautriss oder einer Netzhautablösung. Die Studien wurden deshalb vorzeitig beendet. Die aktuelle deutsche Leitlinie sieht das Verfahren nur für begründete Einzelfälle bei einem Zug ohne Loch vor; die Standardbehandlung ist die Vitrektomie.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Vitrektomie?
Das Sehen bessert sich langsam über Wochen bis Monate; die endgültige Sehschärfe ist oft erst nach sechs bis zwölf Monaten erreicht. Ist Gas im Auge, sehen Sie in den ersten Wochen sehr verschwommen, bis es sich aufgelöst hat.
Werde ich nach der Operation wieder gerade Linien sehen?
Bei den meisten wird das Verzerrtsehen deutlich geringer. Ein Rest kann bleiben, besonders wenn der Zug schon lange bestand. Eine frühe Operation bei starken Beschwerden verbessert die Chancen.
Bekomme ich nach der Operation einen Grauen Star?
Sehr wahrscheinlich, wenn Sie noch Ihre eigene Linse haben: 75 bis 95 Prozent entwickeln ihn innerhalb von drei Jahren. Deshalb wird bei älteren Menschen oft gleich in derselben Sitzung die Linse ersetzt.
Darf ich nach der Operation fliegen?
Nicht, solange Gas im Auge ist. Das Gas dehnt sich in der Höhe aus und kann den Augendruck gefährlich steigen lassen. Je nach Gasart dauert das etwa zwei Wochen bis zwei Monate; Ihre Klinik sagt Ihnen, ab wann Sie wieder fliegen dürfen.
Kann ich durch einen Glaskörperzug blind werden?
Nein. Betroffen ist nur das zentrale Sehen, das Sehen am Rand bleibt erhalten. Ein lang bestehender Zug kann das Lesesehen aber dauerhaft verschlechtern, deshalb sind Kontrollen wichtig.
Kann das andere Auge auch betroffen sein?
Ja, das ist möglich. Bei etwa 70 Prozent der Partneraugen finden sich Veränderungen an der Grenze zwischen Glaskörper und Netzhaut, bei rund 10 Prozent ebenfalls ein Zug. Prüfen Sie deshalb beide Augen regelmäßig einzeln.
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Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
Alle 25 Quellen anzeigen
- Stellungnahme der DOG, der Retinologischen Gesellschaft und des BVA zur therapeutischen intravitrealen Anwendung von Ocriplasmin (JETREA), Stand Mai 2013 – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Retinologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (DE)
- S1-Leitlinie Makulaforamen und vitreomakuläre Traktion, Version 22. September 2022 (AWMF 045-026) – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Retinologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (DE)
- Update zur Behandlungsstrategie bei vitreomakulärer Traktion und Makulaforamen: eine Umfrage unter Retinologen in Deutschland (Vogt et al., Ophthalmologie 2024) – Springer Medizin, Die Ophthalmologie (DE)
- Optische Kohärenztomographie bei Netzhauterkrankungen wird Kassenleistung (Pressemitteilung vom 20. Dezember 2018) – Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (DE)
- Ocriplasmin: Beschluss über die Nutzenbewertung nach § 35a SGB V vom 4. April 2019 – Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (DE)
- Glaskörperabhebung und degenerative Glaskörpererkrankungen – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at) (DE)
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- Pneumatic Vitreolysis for Vitreomacular Traction – EyeNet Magazine, American Academy of Ophthalmology (EN)
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- Jetrea (ocriplasmin): European public assessment report, withdrawal of the marketing authorisation – European Medicines Agency (EMA) (EN)
- Syndrome de traction vitréomaculaire (Rapport SFO 2018, chapitre 19) – Société Française d'Ophtalmologie (SFO) (FR)
- Décollement postérieur du vitré (Rapport SFO 2018) – Société Française d'Ophtalmologie (SFO) (FR)
- JETREA (ocriplasmine): Avis de la Commission de la Transparence du 6 décembre 2017 – Haute Autorité de santé (HAS) (FR)
- Fiche d'information n° 12a : Vitrectomie – SFO / SNOF, Collège des Ophtalmologistes Universitaires de France (FR)
- Fiche d'information n° 13 : Vitrectomie pour trou maculaire – SFO / SNOF, Collège des Ophtalmologistes Universitaires de France (FR)
- Síndrome de tracción vitreomacular (Serie sobre la salud de la retina) – The Foundation of the American Society of Retina Specialists (ASRS) (ES)
- Tracción vitreomacular: nuevos tratamientos no quirúrgicos (Revista Mexicana de Oftalmología 2018) – Revista Mexicana de Oftalmología / Medigraphic (ES)
- Síndrome de tracción vitreomacular (Bottós, Elizalde, Arevalo) – IntraMed (ES)
- Síndrome de tracción vitreomacular, parte II – IntraMed (ES)
- Ocriplasmina para la adhesión vitreomacular sintomática – Cochrane (ES)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss