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Bindehaut

Bindehautfalten (Konjunktivochalasis)

Bei Bindehautfalten (Konjunktivochalasis) ist die Bindehaut über dem Augapfel schlaff geworden und legt sich in Falten auf den Rand des Unterlids. Sie sind vor allem bei älteren Menschen häufig, bleiben oft ohne Beschwerden, können aber Tränenträufeln, Fremdkörpergefühl, Trockenheit und wiederkehrende Einblutungen verursachen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 34 Minuten · 26 Quellen in 5 Sprachen

1 Kurzübersicht

Bindehautfalten, fachlich Konjunktivochalasis, sind lockere, überschüssige Falten der Bindehaut. Die Bindehaut ist die dünne, durchsichtige Schleimhaut, die das Weiße des Auges überzieht. Bei Bindehautfalten löst sie sich teilweise von der darunterliegenden Lederhaut und legt sich wie eine zu weite Hülle in Wellen, meist unten zwischen Augapfel und Unterlid.

Die Falten sind nicht geschwollen, sondern einfach schlaff. Sie sitzen am häufigsten unten zur Schläfe hin, seltener unten zur Nase hin. In ausgeprägten Fällen ist die Bindehaut rund um die Hornhaut locker. Meist sind beide Augen betroffen, oft unterschiedlich stark.

Bindehautfalten sind eine typische Alterserscheinung. Die meisten Menschen mit Falten merken davon nichts und brauchen keine Behandlung. Bei einem Teil stören die Falten aber den Tränenfilm und den Tränenabfluss. Dann entstehen Beschwerden, die leicht mit einem trockenen Auge oder einer Allergie verwechselt werden.

Typisch ist ein scheinbarer Widerspruch: Das Auge tränt und fühlt sich gleichzeitig trocken an. Dazu kommen Fremdkörpergefühl, umschriebene Schmerzen, verschwommenes Sehen beim Lesen und wiederkehrende kleine Blutungen unter der Bindehaut. Behandelt wird stufenweise: zuerst mit Tränenersatzmitteln, Lidrandpflege und entzündungshemmenden Tropfen, bei hartnäckigen Beschwerden mit einer kleinen ambulanten Operation.

Ein Hinweis zur Quellenlage: Für Deutschland und Österreich gibt es keine eigene Leitlinie zu Bindehautfalten und keine Patienteninformation der Fachgesellschaften. Die Leitlinie „Trockenes Auge“ von Berufsverband der Augenärzte (BVA) und Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft (DOG) erwähnt lidkantenparallele Bindehautfalten nur als Untersuchungsbefund. Das Wissen in diesem Artikel stammt deshalb überwiegend aus der internationalen Fachliteratur, aus einem Lehrbuchkapitel der Spanischen Gesellschaft für Augenheilkunde und aus meist kleinen Studien aus Asien, Europa und den USA.

2 Symptome

In diesem Kapitel (16)

Haben alle Menschen mit Bindehautfalten Beschwerden?

Nein, die große Mehrheit hat keine Beschwerden. Bindehautfalten werden oft zufällig bei einer augenärztlichen Untersuchung entdeckt und gelten dann als normale Alterserscheinung. Behandelt werden sie nur, wenn sie stören.

Auffällig ist, dass Befund und Beschwerden oft nicht zusammenpassen. Manche Menschen haben deutliche Falten und spüren nichts, andere haben kleine Falten und erhebliche Beschwerden. Warum das so ist, ist nicht geklärt. In einer griechischen Studie mit 60 Augen von 30 älteren Menschen hatten zwei Drittel der Augen Beschwerden; je größer die Falten, desto häufiger.

Welche Beschwerden sind typisch?

Die häufigsten Beschwerden sind Tränenträufeln, Reizung, Fremdkörpergefühl, Brennen und ein Trockenheitsgefühl. Sie beginnen meist schleichend über Monate. Viele Betroffene haben schon mehrere Tropfen gegen trockene Augen oder Allergie ausprobiert, ohne dass es wirklich besser wurde.

Die folgende Liste ordnet die Beschwerden grob nach ihrer Häufigkeit in den Fachquellen:

  • Tränenträufeln (Epiphora): Tränen laufen über den Lidrand auf die Wange.
  • Reizung und Fremdkörpergefühl: wie Sand oder ein Wimpernhaar im Auge.
  • Brennen, Stechen, Kribbeln, manchmal Juckreiz.
  • Trockenheitsgefühl, obwohl das Auge sichtbar feucht ist.
  • Umschriebener Schmerz an einer bestimmten Stelle des Unterlids.
  • Verschwommenes oder schwankendes Sehen, vor allem beim Blick nach unten.
  • Rötung des Auges, oft im unteren Bereich.
  • Kleine Blutungen unter der Bindehaut, die immer wieder an derselben Stelle auftreten.
  • Müde Augen und Lichtempfindlichkeit.

Wie häufig sind die einzelnen Beschwerden?

Genaue Zahlen gibt es nur aus kleinen Studien, die Ergebnisse schwanken. Sie zeigen aber, dass Reizung, Schmerz und Tränenträufeln im Vordergrund stehen. Verschwommenes Sehen ist deutlich seltener.

BeschwerdeStudie mit 60 Augen (Griechenland)Studie mit 161 Augen
Augen mit irgendeiner Beschwerdeetwa 67 %keine Angabe
Reizungkeine Angabeetwa 52 %
Schmerzetwa 42 %keine Angabe
Tränenträufelnetwa 42 %etwa 31 %
Verschwommenes Sehenkeine Angabeetwa 9 %
Tränenpünktchen von einer Falte verlegt (Befund)etwa 37 %keine Angabe

Falten auf der Nasenseite des Unterlids verursachen nach mehreren Quellen mehr Beschwerden als Falten zur Schläfe hin. In der griechischen Studie hatten fast vier von fünf Augen mit größeren Falten auf der Nasenseite Beschwerden, mehr als die Hälfte davon Tränenträufeln.

Warum tränt das Auge, obwohl es sich trocken anfühlt?

Die Falten stören den Tränensee am Unterlid und verlegen die Abflussöffnung der Tränen. Normalerweise sammelt sich die Tränenflüssigkeit als schmaler Streifen am Rand des Unterlids, dem Tränenmeniskus. Bei jedem Lidschlag verteilt das Oberlid daraus frische Tränen über das Auge, der Rest fließt über das untere Tränenpünktchen nahe der Nase ab.

Liegen Falten in diesem Streifen, wird der Tränensee unterbrochen. Die Tränen erreichen das Tränenpünktchen schlechter oder eine Falte legt sich direkt darüber. Sie stauen sich und laufen über den Lidrand. Fachleute sprechen von einem funktionellen Tränenträufeln: Die Tränenwege selbst sind offen, der Abfluss ist trotzdem gestört.

Gleichzeitig reicht die gestaute Flüssigkeit nicht mehr, um den Tränenfilm auf der Hornhaut bei jedem Lidschlag zu erneuern. Der Film reißt schneller auf, die Augenoberfläche trocknet stellenweise aus. Daher das Trockenheitsgefühl im tränenden Auge. Hinzu kommt, dass Tränen, die zu lange auf dem Auge stehen, mehr Entzündungsstoffe enthalten und die Oberfläche zusätzlich reizen.

Wann tränt das Auge besonders stark?

Das Tränen verstärkt sich typischerweise bei Kälte und Wind. Es kann dauernd bestehen oder in Schüben kommen. Manche Betroffene bemerken es vor allem draußen, beim Spazierengehen im Winter oder beim Radfahren.

Auch der Blick in Richtung Nase kann das Tränen verstärken, weil sich die Falten dabei über das Tränenpünktchen schieben. Viele tupfen ständig mit dem Taschentuch und reiben dabei unbewusst am Auge, was die Reizung weiter verstärkt.

Wie fühlen sich Schmerzen bei Bindehautfalten an?

Der Schmerz ist meist auf eine bestimmte Stelle begrenzt, auf die Betroffene mit dem Finger zeigen können. Das unterscheidet Bindehautfalten von einem reinen trockenen Auge, bei dem die Reizung eher das ganze Auge betrifft.

Manche beschreiben einen plötzlichen, scharfen, stechenden Schmerz beim Blick nach unten oder beim Blinzeln. Er entsteht, wenn die Falte zwischen Lidrand und Augapfel eingeklemmt wird. Der Schmerz kann schon bei kleinen Falten und früh im Verlauf erstaunlich stark sein.

Warum werden die Beschwerden beim Lesen oder Treppensteigen schlimmer?

Beim Blick nach unten schieben sich die Falten stärker über den Lidrand und werden vom Lid zusammengedrückt. Das verstärkt Reiben, Schmerz und Tränen. Zugleich vergrößert sich der Tränenmeniskus unten, was die Sicht trübt.

Typische Situationen sind Lesen, Handarbeiten, Arbeiten am Tisch und Treppensteigen. Werden die Beschwerden gerade beim Blick nach unten schlimmer, ist das ein wichtiger Hinweis auf Bindehautfalten. Beim reinen trockenen Auge dagegen nehmen die Beschwerden eher im Tagesverlauf und beim Blick geradeaus oder nach oben zu, etwa bei Bildschirmarbeit, weil dann die Lidspalte weiter offen ist.

Wie verändert sich das Sehen?

Das Sehen wird zeitweise verschwommen oder schwankt, meist beim Blick nach unten. Ursache ist ein unregelmäßiger, zu hoher Tränenstreifen am Unterlid und ein instabiler Tränenfilm auf der Hornhaut. Nach einem Lidschlag kann es kurz klarer werden.

Eine bleibende Sehverschlechterung entsteht durch Bindehautfalten in aller Regel nicht. In einer Studie verbesserten sich nach der Entfernung der Falten Tränenfilm und Kontrastsehen messbar. Wer dauerhaft oder plötzlich schlechter sieht, sollte an eine andere Ursache denken lassen, etwa einen Grauen Star oder eine Netzhauterkrankung.

Warum macht häufiges Blinzeln es manchmal schlimmer?

Beim Blinzeln reibt das Oberlid über die Falten, ohne frischen Tränenfilm verteilen zu können. Beim trockenen Auge hilft bewusstes Blinzeln oft; bei Bindehautfalten kann es die Reizung verstärken. Häufiges Blinzeln schiebt die Falten zudem in die Mitte des Unterlids, wo sie besonders stören.

Auch Druck auf das Auge, etwa beim Reiben oder beim Aufstützen des Kopfes auf die Hand, kann die Beschwerden auslösen. Die Falten werden dann gegen den Lidrand gedrückt.

Sind die Beschwerden morgens anders als abends?

Liegt zusätzlich ein Tränenmangel vor, sind die Beschwerden oft morgens nach dem Aufwachen am stärksten. Im Schlaf fließen die Tränen ohnehin langsamer ab, die Falten verzögern den Abfluss weiter, und entzündliche Stoffe sammeln sich an. Morgens fühlen sich die Augen dann trocken, verklebt oder brennend an.

Bei reinen Bindehautfalten ohne Tränenmangel stehen dagegen Tränen und Beschwerden bei bestimmten Tätigkeiten im Vordergrund. Die Tageszeit kann der Augenärztin oder dem Augenarzt also helfen, das Mischbild zu erkennen.

Was hat es mit den kleinen Blutungen im Auge auf sich?

Bindehautfalten sind eine häufige Ursache für Blutungen unter der Bindehaut, die ohne Verletzung entstehen. Die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde nennt sie sogar „vielleicht die häufigste Ursache“ solcher spontanen Einblutungen. Sie sehen erschreckend aus: ein scharf begrenzter, leuchtend roter Fleck im Weißen des Auges.

Die schlaffe Bindehaut haftet schlecht auf der Lederhaut und wird bei jedem Lidschlag gerieben. Dabei reißen feine Blutgefäße leicht ein. Typisch ist, dass die Blutung immer wieder an derselben Stelle auftritt, dort, wo die meisten Falten liegen. Die Blutungen sind in aller Regel harmlos, tun kaum weh und verschwinden innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen.

Wiederkehrende Blutungen sollten trotzdem einmal augenärztlich angesehen werden. Je nach Situation wird auch an Blutdruck und blutverdünnende Medikamente gedacht.

Wie sieht das Auge von außen aus?

Oft sieht man mit bloßem Auge wenig. Bei genauem Hinsehen wirkt das Weiße des Auges im unteren Bereich manchmal glasig oder wie Gelee, mit kleinen Wellen oder einem Wulst, der über den Rand des Unterlids hängt. Ein Augenchirurg verglich das Bild mit Bauchhaut, die über einen Gürtel hängt.

Weitere sichtbare Zeichen sind eine Rötung im unteren Augenbereich, ein Tränenstreifen auf der Wange und ein feuchter, manchmal gereizter Lidrand. Bei gestörtem Tränenabfluss kann sich etwas Schleim im inneren Lidwinkel sammeln.

Welche seltenen und schweren Beschwerden gibt es?

Selten werden die Falten so groß, dass sie über den unteren Rand der Hornhaut reichen oder den Lidschluss behindern. Dann trocknet die Hornhaut stellenweise aus. Es können kleine Dellen am Hornhautrand oder eine Schädigung der Hornhautoberfläche entstehen.

In Einzelfällen wird beschrieben, dass eine solche Austrocknung der Hornhaut unbehandelt das Sehen dauerhaft verschlechtern kann. Das ist sehr selten. Eine portugiesische Übersichtsarbeit hält fest, dass solche schweren Folgen dank früherer Diagnose und wirksamer Operationen heute kaum noch vorkommen.

Gelegentlich betreffen die Falten die obere Bindehaut unter dem Oberlid. Sie verursachen dann ähnliche Beschwerden oben und werden leicht mit einer anderen Entzündung der oberen Augenoberfläche verwechselt.

Welche Beschwerden haben Kontaktlinsenträger?

Bei Kontaktlinsen schwankt das Sehen stärker, und die Linse sitzt unruhiger. Die Falten legen sich über den Linsenrand und stören den Tränenfilm unter der Linse. Manche Betroffene können die Linse abends nur schwer herausnehmen.

Kontaktlinsen, vor allem harte, gelten zugleich als Risikofaktor für Bindehautfalten. Wer mit Linsen zunehmend Beschwerden bekommt, sollte das bei der Augenärztin oder beim Augenarzt oder bei der Kontaktlinsenanpassung ansprechen.

Was bemerken Angehörige?

Angehörigen fallen meist tränende, gerötete Augen auf, häufiges Wischen mit dem Taschentuch und Augenreiben. Manchmal ist es ein plötzlich roter Fleck im Auge, der die Familie beunruhigt. Diese Beobachtungen ergeben sich aus den sichtbaren Zeichen; eigene Studien dazu gibt es nicht.

Gerade bei älteren Menschen, die über ein „ständig nasses Auge“ klagen, lohnt sich eine augenärztliche Untersuchung. Tränende Augen werden oft als unvermeidliche Alterserscheinung hingenommen, obwohl sich die Beschwerden meist lindern lassen.

Gibt es Besonderheiten bei älteren Menschen und bei Kindern?

Bindehautfalten betreffen ganz überwiegend ältere Menschen; in Studien lag das Durchschnittsalter meist zwischen 68 und 77 Jahren. Bei ihnen kommen häufig weitere Probleme hinzu: ein erschlafftes Unterlid, eine Lidrandentzündung, ein trockenes Auge oder eine Verengung der Tränenwege. Die Beschwerden überlagern sich dann, und es braucht Geduld, die einzelnen Anteile zu erkennen.

Bei Kindern sind Bindehautfalten mit Beschwerden eine große Ausnahme. Daten dazu gibt es in den Fachquellen nicht. Beschrieben ist ein Einzelfall schwerer Bindehautfalten bei einer angeborenen Bindegewebsschwäche, dem Ehlers-Danlos-Syndrom. Tränende Augen bei Kindern haben fast immer andere Ursachen und gehören in die Kinder- oder Augenarztpraxis.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (9)

Warum entstehen Bindehautfalten?

Die genaue Ursache ist nicht geklärt; vermutlich wirken Alterung, Reibung und Entzündung zusammen. Mit den Jahren verliert das Bindegewebe unter der Bindehaut an Elastizität und Festigkeit. Die Verbindung zwischen Bindehaut und Lederhaut lockert sich, die Bindehaut wird schlaff und bildet Falten, ähnlich wie die Haut im Alter.

Die Fachgesellschaften beschreiben dabei einen Teufelskreis. Die unebene, lockere Bindehaut reibt bei jedem Lidschlag am Lid. Diese Reibung löst eine leichte Entzündung aus. Die Entzündung baut weiteres Bindegewebe ab, die Falten nehmen zu, und die Reibung wird stärker.

Welche Rolle spielt Entzündung?

Entzündungsstoffe aktivieren Enzyme, die elastische Fasern und Kollagen abbauen. Diese Enzyme heißen Matrix-Metalloproteinasen (MMP). In Gewebeproben von Bindehautfalten fand man vermehrt MMP-1 und MMP-3, während ihre natürlichen Gegenspieler nicht anstiegen. In der Tränenflüssigkeit ist MMP-9 bei Bindehautfalten besonders hoch.

Angeregt werden diese Enzyme durch Botenstoffe der Entzündung wie Interleukin-1 und Tumornekrosefaktor. Solche Stoffe sammeln sich an, wenn die Tränen schlecht abfließen. So verstärken sich gestörter Tränenabfluss und Gewebeabbau gegenseitig.

Was zeigt die Untersuchung des Gewebes?

Die Befunde sind uneinheitlich. Beschrieben wurden zerfallene elastische Fasern, eine chronische Entzündung, Kollagenverlust und erweiterte Lymphgefäße. In einer Studie an Menschen mit tränenden Augen war das Gewebe dagegen bei gut drei Vierteln der Proben unauffällig.

Eine Theorie besagt, dass der Druck des Unterlids den Lymphabfluss der Bindehaut behindert. Ein anderer Erklärungsansatz sieht die Ursache in einer Auflösung der Bindegewebsschicht unter der Bindehaut (Tenon-Kapsel). Die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde empfiehlt nicht, entferntes Gewebe routinemäßig feingeweblich untersuchen zu lassen, weil es für die Behandlung keine Folgen hat.

Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter. Weitere Faktoren sind mit Bindehautfalten verbunden, ohne dass immer klar ist, ob sie Ursache oder Begleiterscheinung sind:

  • Alter: Häufigkeit und Ausmaß nehmen mit jedem Lebensjahrzehnt zu, besonders ab dem siebten.
  • Trockenes Auge, vor allem mit Tränenmangel.
  • Lidrandentzündung und Störungen der Meibom-Drüsen (Talgdrüsen im Lidrand, die die Fettschicht des Tränenfilms bilden).
  • Kontaktlinsen, besonders harte Linsen und langes Tragen.
  • Häufiges Augenreiben, etwa bei Allergien.
  • Allergische Bindehautentzündung und andere chronische Reizungen der Augenoberfläche.
  • Lidveränderungen: erschlafftes Unterlid, einwärtsgedrehtes Lid, Schlupflider, schwere Oberlider.
  • Weitsichtigkeit und eine eher kurze Augapfellänge.
  • Lidspaltenfleck (Pinguecula) und Flügelfell, die ebenfalls mit Veränderungen der elastischen Fasern einhergehen.
  • Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen wie Morbus Basedow oder Hashimoto; der Zusammenhang ist ungeklärt.
  • Frühere Augenoperationen und frühere Bindehautschwellungen.
  • Rosazea der Haut und am Auge: Sie führt oft zu einer Lidrandentzündung und kann so mitspielen; ein direkter Zusammenhang mit Bindehautfalten ist nicht untersucht.
  • UV-Licht: wird als Mitursache vermutet, belegt ist das nicht.
  • Bindegewebserkrankungen wie das Ehlers-Danlos-Syndrom oder Cutis laxa (sehr selten).

Sind Frauen häufiger betroffen?

Das ist nicht eindeutig. In einer großen japanischen Klinikstudie mit gut 1.400 Patientinnen und Patienten waren die Falten bei Frauen im Mittel etwas stärker ausgeprägt als bei Männern, und in einer Operationsstudie waren drei Viertel der Behandelten Frauen. Andere Übersichtsarbeiten sehen keinen klaren Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Wie hängen Bindehautfalten und trockenes Auge zusammen?

Beide treten oft gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig. Die Falten stören die Verteilung des Tränenfilms und verzögern den Abfluss. Der Tränenfilm reißt schneller auf, die Tränen werden konzentrierter, die Augenoberfläche entzündet sich. Das trockene Auge wiederum fördert Reibung und Entzündung und damit die Faltenbildung.

Ob Bindehautfalten ein trockenes Auge auslösen oder nur verschlimmern, ist nicht geklärt. Für die Behandlung ist das wichtig: Ein Mischbild aus Falten und Tränenmangel ist schwerer zu behandeln, und beide Anteile brauchen ihre eigene Therapie. Die deutsche Leitlinie zum trockenen Auge nennt die Störung der Meibom-Drüsen als häufigsten Risikofaktor für trockene Augen; sie spielt auch bei Bindehautfalten oft mit.

Können Augenoperationen Bindehautfalten verschlimmern?

Ja, das ist beschrieben, unter anderem nach einer Operation des Grauen Stars. Bindehautfalten gelten als Zeichen einer empfindlichen Augenoberfläche, die nach Eingriffen eher Beschwerden macht. Die Bindehaut dieser Menschen blutet bei Operationen zudem leichter.

Wer weiß, dass er Bindehautfalten hat, sollte das vor einer geplanten Augenoperation ansprechen. Dann kann die Augenoberfläche vorher gezielt behandelt werden.

Wie häufig sind Bindehautfalten?

Bei älteren Menschen sind Bindehautfalten sehr häufig, die Zahlen schwanken aber stark je nach Studie und Definition. In einer Bevölkerungsstudie aus Shanghai mit gut 2.100 Menschen ab 60 Jahren hatten 44 % Bindehautfalten, rund 18 % in einem Ausmaß, das Beschwerden machen kann. Eine japanische Klinikstudie fand mit jedem Lebensjahrzehnt mehr Betroffene, bei den Ältesten nahezu alle.

Eine Studie aus dem Iran bei 45- bis 69-Jährigen kam dagegen nur auf etwa 6 %. Einige Untersuchungen deuten auf eine höhere Häufigkeit in ostasiatischen Bevölkerungen hin. Für Deutschland, Österreich und Europa insgesamt gibt es keine verlässlichen Zahlen. Die asiatischen Werte lassen sich nicht einfach übertragen.

Sind Bindehautfalten ansteckend oder erblich?

Bindehautfalten sind nicht ansteckend. Sie entstehen durch Veränderungen des eigenen Gewebes, nicht durch Erreger. Eine Vererbung im engeren Sinn ist nicht bekannt. Eine erbliche Veranlagung wird in Übersichtsarbeiten als möglicher Mitfaktor genannt, ist aber kaum erforscht.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (9)

Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt Bindehautfalten fest?

Die Diagnose wird an der Spaltlampe gestellt, einem Mikroskop mit schmalem Lichtspalt. Man sieht die Falten auf der unteren Bindehaut des Augapfels, vor allem dort, wo sie auf den Rand des Unterlids reichen. Manchmal bilden sie regelrechte Säckchen. Beim Lidschlag sieht man die lockere Bindehaut über die Lederhaut gleiten.

Die Untersuchung ist schmerzlos und dauert nur wenige Minuten. Wichtig sind vorher die genaue Schilderung der Beschwerden und die Frage, in welchen Situationen sie auftreten. Der Hinweis, dass es beim Lesen oder beim Blick nach unten schlimmer wird, lenkt den Verdacht auf Bindehautfalten.

Welche einfachen Tests helfen bei der Untersuchung?

Die Falten werden bei bestimmten Bewegungen deutlicher. Schiebt die Untersucherin das Unterlid mit dem Finger leicht nach oben, wölben sich die Falten stärker vor. Beim Blick nach unten nehmen sie zu, beim Blick nach oben verschwinden sie oft.

Manche Ärzte drücken das Unterlid unterhalb der Wimpern genau an der schmerzhaften Stelle leicht an und lassen die Patientin umherblicken. Löst das den bekannten Schmerz aus, spricht das für Bindehautfalten. Diese Probe beruht auf der Erfahrung einzelner Chirurgen und ist kein standardisierter Test.

Wozu dienen Farbstoff-Tropfen?

Farbstoffe machen kleine Falten und ihre Bewegung sichtbar. Fluorescein, ein gelber Farbstoff, leuchtet im blauen Licht grün und zeigt den Tränenmeniskus und die Stellen, an denen er durch Falten unterbrochen ist. Lissamingrün oder Bengalrosa färben gereizte Bindehaut an und markieren oft genau die Falte, die Beschwerden macht.

Mit Fluorescein misst man auch die Tränenfilm-Aufrisszeit: die Sekunden zwischen Lidschlag und dem ersten Aufreißen des Tränenfilms. Sie ist bei Bindehautfalten oft verkürzt, und zwar umso stärker, je ausgeprägter die Falten sind. In der griechischen Studie lag sie bei beschwerdefreien Augen bei etwa 8 Sekunden, bei Augen mit vollen Beschwerden bei knapp 3 Sekunden.

Wie wird der Tränenabfluss geprüft?

Bei tränenden Augen wird geprüft, wie schnell eingetropfter Farbstoff vom Auge verschwindet. Bei Bindehautfalten bleibt der gefärbte Tränensee lange stehen und ist durch die Falten unterbrochen. In einer kleinen Studie war der Tränenabfluss bei allen Betroffenen verzögert.

Wichtig ist, eine echte Verengung oder einen Verschluss der Tränenwege auszuschließen. Dazu werden die Tränenwege meist mit Kochsalzlösung über eine feine Kanüle gespült. Fließt die Flüssigkeit frei in den Rachen ab, sind die Tränenwege offen und das Tränen ist eher funktionell. Das untere Tränenpünktchen ist bei Bindehautfalten häufig geschwollen oder von einer Falte verdeckt.

Welche Untersuchungen auf trockenes Auge kommen dazu?

Weil Bindehautfalten und trockenes Auge oft zusammen auftreten, werden meist auch die Tests auf trockenes Auge gemacht. Die deutsche Leitlinie zum trockenen Auge nennt die Spaltlampenuntersuchung von Lidkante, Meibom-Drüsen, Tränenmeniskus, Hornhaut und Bindehaut ausdrücklich auch zur Suche nach lidkantenparallelen Bindehautfalten.

  • Schirmer-Test: Ein Filterpapierstreifen im Unterlid misst die Tränenmenge. Bei Bindehautfalten ist er nur begrenzt aussagekräftig, weil der verzögerte Abfluss das Ergebnis verfälschen kann.
  • Fragebögen zu den Beschwerden, etwa der international genutzte OSDI-Fragebogen.
  • Tränen-Osmolarität: der Salzgehalt der Tränen; ein niedriger Wert bei starken Beschwerden spricht eher gegen ein reines trockenes Auge.
  • Entzündungstest auf MMP-9 in der Tränenflüssigkeit, nicht überall verfügbar.
  • Untersuchung der Lidränder und Meibom-Drüsen, da eine Lidrandentzündung häufig mitspielt.
  • Anfärbung der Hornhaut, um Schäden an der Oberfläche zu erkennen.

Was bedeuten die Schweregrade?

Es gibt mehrere Einteilungen, aber kein einheitliches System. Die bekannteste stammt von Meller und Tseng und richtet sich nach Zahl und Höhe der Falten im Vergleich zum Tränenmeniskus. Sie berücksichtigt zusätzlich, ob das Tränenpünktchen verlegt ist und wie sich die Falten beim Blick nach unten und bei Fingerdruck verändern.

GradBefund (vereinfacht)
1keine bleibende Falte
2eine einzelne kleine Falte
3mehr als zwei Falten, nicht höher als der Tränenmeniskus
4mehrere Falten, höher als der Tränenmeniskus

Andere Einteilungen zählen von 0 bis 3. Außerdem wird die Lage beschrieben: zur Schläfe hin, in der Mitte oder zur Nase hin. Die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde weist darauf hin, dass diese Skalen wegen ihrer vielen Merkmale im Praxisalltag wenig Bedeutung haben. Entscheidend für die Behandlung sind die Beschwerden, nicht der Grad allein.

Was sind lidkantenparallele Bindehautfalten (LIPCOF)?

LIPCOF sind feine Falten der Bindehaut, die parallel zum Rand des Unterlids verlaufen. Die Abkürzung steht für „lid-parallel conjunctival folds“, im Deutschen lidkantenparallele konjunktivale Falten. Sie gelten als Zeichen hoher Reibung zwischen Lid und Augapfel und werden in Deutschland vor allem als Hinweis auf ein trockenes Auge bewertet.

In der internationalen Literatur werden LIPCOF teils als Vorstufe oder leichte Form der Konjunktivochalasis angesehen. Die Grenze zwischen normalen kleinen Falten und krankhaften Bindehautfalten ist fließend. Wenn in einem deutschen Befundbericht „LIPCOF“ steht, ist das also eng verwandt mit dem Thema dieses Artikels.

Braucht es aufwendige Bildgebung?

Meist nicht. Mit der optischen Kohärenztomografie des vorderen Augenabschnitts (OCT, ein berührungsloses Schichtbild mit Licht) lassen sich Falten und Tränenmeniskus vermessen. Die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde hält die Messung aber für wenig reproduzierbar und klinisch kaum entscheidend. Sie wird vor allem in Studien genutzt.

Welche Erkrankungen sehen ähnlich aus?

Bindehautfalten werden häufig übersehen oder mit anderen Erkrankungen verwechselt. Ein Verdacht liegt nahe, wenn die Behandlung eines trockenen Auges oder einer Allergie über Monate kaum hilft. Die wichtigsten Abgrenzungen:

ErkrankungWas spricht eher dafür?
Trockenes AugeReizung im ganzen Auge, zunehmend im Tagesverlauf und bei Bildschirmarbeit; keine Verschlechterung beim Blick nach unten
Allergische BindehautentzündungJuckreiz im Vordergrund, oft saisonal, beide Augen, gutes Ansprechen auf Allergietropfen
Bindehautschwellung (Chemosis)Bindehaut prall geschwollen statt schlaff; bessert sich mit antiallergischen oder entzündungshemmenden Mitteln
Lidrandentzündunggerötete, verkrustete Lidränder, Schuppen an den Wimpern, verstopfte Drüsen; kommt oft zusätzlich vor
TränenwegsverschlussTränenwege bei der Spülung nicht durchgängig, oft Schleim oder Eiter aus dem Tränenpünktchen
Auswärtsgedrehtes Lid oder schlaffes UnterlidLidrand steht vom Auge ab, Tränenpünktchen taucht nicht mehr in den Tränensee
Einwärtsgedrehtes Lid und fehlstehende WimpernWimpern scheuern sichtbar auf dem Auge
Bindehautentzündung durch Viren oder Bakterienplötzlicher Beginn, deutliche Rötung, Ausfluss, oft zuerst ein Auge, dann das andere
Lidspaltenfleck und Flügelfellgelblicher Fleck oder dreieckiges Gewebe seitlich der Hornhaut; können zusammen mit Bindehautfalten auftreten

Falten an der oberen Bindehaut können eine Entzündung am oberen Hornhautrand vortäuschen, die superiore limbale Keratokonjunktivitis. Häufig liegen mehrere dieser Erkrankungen gleichzeitig vor. Dann wird jede einzeln behandelt.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (16)

Müssen Bindehautfalten behandelt werden?

Nur wenn sie Beschwerden machen. Bindehautfalten sind gutartig; viele Menschen haben sie, ohne es zu merken. Weil die Erkrankung harmlos ist, wägen Augenärztinnen und Augenärzte Nutzen und Risiken jeder Behandlung sorgfältig ab.

Behandelt wird stufenweise. Zuerst kommen Tränenersatzmittel und die Behandlung von Begleiterkrankungen, dann entzündungshemmende Tropfen. Eine Operation folgt nur, wenn diese Schritte über längere Zeit nicht ausreichen. Eine einheitliche Leitlinie für Deutschland oder Österreich gibt es nicht; das Vorgehen folgt der internationalen Fachliteratur.

Helfen Tränenersatzmittel?

Ja, bei leichten Formen reichen Tränenersatzmittel oft aus, besonders wenn das Trockenheitsgefühl überwiegt. Bevorzugt werden Präparate ohne Konservierungsmittel, weil sie häufig und über lange Zeit getropft werden. Zur Auswahl stehen Tropfen, Gele und Salben mit Wirkstoffen wie Hyaluronsäure, Carbomeren, Zellulosederivaten oder Glycerin.

Bei tränenden Augen klingt das zunächst widersinnig. Die künstlichen Tränen spülen aber die gestauten, entzündungsreichen Tränen aus, stabilisieren den Tränenfilm und lassen das Lid leichter über die Falten gleiten. Kühl angewendet, etwa aus dem Kühlschrank, wirken sie zusätzlich etwas lindernd. In einer Untersuchung senkten Tropfen mit Glycerin und Hyaluronsäure, drei Monate lang viermal täglich angewendet, den Schweregrad.

Zähflüssige Gele bleiben länger auf dem Auge und wirken wie ein zusätzlicher Tränensee. Bei starken Beschwerden kann nachts eine Augensalbe sinnvoll sein. Einen Überblick über die Möglichkeiten gibt die Seite Augentropfen gegen trockene Augen.

Warum ist Lidrandpflege wichtig?

Eine Lidrandentzündung oder verstopfte Meibom-Drüsen verstärken die Beschwerden fast immer. Sie sollten vor jeder Operation behandelt werden, sonst bleibt der Erfolg begrenzt. Viele Beschwerden bessern sich allein dadurch so weit, dass keine Operation nötig ist.

  • Wärme: warme Kompressen oder eine Wärmebrille auf die geschlossenen Lider, mehrere Minuten.
  • Lidmassage: das erwärmte Drüsensekret sanft zum Lidrand hin ausstreichen.
  • Lidhygiene: Lidränder täglich mit geeigneten Tüchern oder Lösungen reinigen.
  • Antibiotika bei ausgeprägter Störung der Meibom-Drüsen, als Tropfen, Salbe oder in niedriger Dosis als Tabletten, etwa Doxycyclin oder Azithromycin; nur auf ärztliche Verordnung.

Mehr dazu steht im Artikel zur Lidrandentzündung. Bei begleitender Rosazea am Auge wird diese mitbehandelt.

Wann helfen Kortison-Tropfen?

Kortison-Tropfen dämpfen die Entzündung, die den Gewebeabbau antreibt, und bessern bei vielen Betroffenen Beschwerden und Tränenabfluss. Die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde hält ihre Wirksamkeit für belegt. Sie empfiehlt konservierungsmittelfreies Methylprednisolon 1 % dreimal täglich, bei gleichzeitigem Tränenmangel in niedrigerer Konzentration. In einer Studie mit drei Wochen Behandlung besserten sich die Beschwerden bei etwa 83 % der Betroffenen, der Befund bei etwa 80 %.

In amerikanischen Fallberichten wird auch Loteprednol eingesetzt, ein Kortison mit geringerer Wirkung auf den Augeninnendruck. Kortison-Tropfen gehören nur in ärztliche Hand: Sie können über längere Zeit den Augeninnendruck erhöhen und einen Grauen Star begünstigen. Dauer und Dosierung legt die Augenärztin oder der Augenarzt fest, der Augeninnendruck wird dabei kontrolliert.

Welche anderen Tropfen kommen infrage?

Bei anhaltender Entzündung der Augenoberfläche kann Ciclosporin eingesetzt werden, ein Mittel, das überschießende Abwehrreaktionen dämpft. Die deutsche Leitlinie zum trockenen Auge sieht diese entzündungshemmenden Mittel für das trockene Auge vor. Für Bindehautfalten selbst gibt es dazu nur wenige Daten.

  • Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR-Tropfen) lindern anscheinend nur die Beschwerden, nicht den Befund.
  • Antiallergische Tropfen helfen, wenn eine Allergie mitspielt, nicht aber gegen die Falten selbst.
  • Eigenserum-Augentropfen, aus dem eigenen Blut hergestellt, werden in schweren Fällen mit trockenem Auge eingesetzt.
  • Gefäßverengende Tropfen („Weißmacher“) sind ungeeignet. Die Stiftung Auge der DOG warnt, dass sie auf Dauer ein trockenes Auge erzeugen.

Sind Tränenpünktchen-Stöpsel sinnvoll?

Bei Bindehautfalten meist nicht. Kleine Stöpsel, die das Tränenpünktchen verschließen, werden beim trockenen Auge eingesetzt, damit die Tränen länger auf dem Auge bleiben. Bei Bindehautfalten ist der Abfluss aber ohnehin schon verzögert. Stöpsel würden den Stau der entzündungsreichen Tränen verstärken. Einige Fachleute raten deshalb ausdrücklich zur Vorsicht.

Was tun bei Kontaktlinsen?

Kontaktlinsen sollten bei Beschwerden überprüft und gegebenenfalls umgestellt werden. Ein anderes Material, eine andere Form oder kürzere Tragezeiten können helfen. Ob eine Pause die Falten selbst zurückbildet, ist nicht belegt.

Wie lange sollte man es mit Tropfen versuchen?

In der Regel mehrere Monate. Ein erfahrener amerikanischer Chirurg operiert erst nach drei bis vier Kontrollterminen und etwa vier bis sechs Monaten erfolgloser Behandlung. In dieser Zeit zeigt sich, welcher Anteil der Beschwerden auf trockenes Auge, Lidrand oder Allergie zurückgeht und wie viel tatsächlich von den Falten kommt.

In seltenen schweren Fällen, in denen sich das Lid nachts nicht vollständig schließt, kommen vorübergehend ein Uhrglasverband oder eine weiche Verbandskontaktlinse zum Einsatz.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Operation ist sinnvoll, wenn deutliche Beschwerden trotz konsequenter Behandlung bestehen bleiben. Ziel ist, die Bindehaut zu glätten, den Tränensee am Unterlid wiederherzustellen und die Reibung zu beseitigen. Der Erfolg hängt auch davon ab, wie gut die übrigen Erkrankungen der Augenoberfläche behandelt sind.

Die Eingriffe finden fast immer ambulant und in örtlicher Betäubung statt. Betäubt wird mit Tropfen, manchmal zusätzlich mit einer kleinen Spritze unter die Bindehaut. Man geht am selben Tag nach Hause. Randomisierte Vergleichsstudien zwischen den Verfahren gibt es nicht; die Erfolgsraten scheinen ähnlich.

Wie funktioniert die Verödung (Kauterisation)?

Bei der Kauterisation wird die überschüssige Bindehaut mit Hitze an vielen kleinen Punkten verödet. Das Gewebe zieht sich zusammen und verklebt mit der Unterlage. Die Bindehaut liegt danach wieder glatt an. Es wird kein Gewebe entfernt.

Die Spanische Gesellschaft für Augenheilkunde beschreibt etwa 10 bis 20 oberflächliche Punkte, 3 bis 5 Millimeter unterhalb des Hornhautrands. Das Verfahren eignet sich vor allem für leichte bis mittlere Befunde. Beide Augen können in einer Sitzung behandelt werden, der Eingriff dauert nur wenige Minuten.

  • Ergebnisse: Besserung bei über 80 % der Behandelten, in einzelnen Serien bis 100 %. In einer Studie aus Hongkong mit 36 Augen waren nach einem Monat gut 80 % der Augen faltenfrei, ohne Komplikationen. Eine kurze kanadische Arbeit aus Québec hat zudem untersucht, wie Behandelte ihre Beschwerden und ihre Zufriedenheit nach der Verödung selbst einschätzen.
  • Varianten: Thermokauter, bipolare Elektrokoagulation, Hochfrequenz- oder Radiowellengeräte und Argon-Laser. Mit einem Radiowellengerät waren in einer Studie mit 230 Augen nach zwei Monaten über 97 % faltenfrei oder nahezu faltenfrei.
  • Nachteile: Häufig wird zu zurückhaltend verödet; dann braucht es eine zweite Behandlung. Feine Narben beschreibt ein erfahrener Chirurg bei etwa jedem siebten Auge, meist ohne Folgen.

Wie wird die überschüssige Bindehaut entfernt (Resektion)?

Bei der Resektion schneidet die Chirurgin einen schmalen, sichelförmigen Streifen der überschüssigen Bindehaut heraus. Die Wundränder werden mit feinen Nähten oder mit einem Gewebekleber aus Fibrin verschlossen. Ein Abstand zum Hornhautrand wird eingehalten, um die Stammzellen der Hornhaut zu schonen.

Gewebekleber setzt sich zunehmend durch: Die Operation dauert kürzer, es gibt weniger Beschwerden, weniger Entzündung und keine Probleme mit Fäden. In einer koreanischen Studie dauerte der Eingriff mit Kleber etwa 12 statt 25 Minuten, und nach einer Woche hatten deutlich weniger Patienten Beschwerden. Bei einer Variante wird Kleber unter die Bindehaut gespritzt, die Falte zusammengedrückt und abgetragen.

  • Ergebnisse: Besserung bei rund 85 bis 93 % der Behandelten. In einer Studie mit 39 Augen verlängerte sich die Tränenfilm-Aufrisszeit nach drei Monaten von unter 2 auf über 5 Sekunden, Beschwerden und Kontrastsehen besserten sich deutlich.
  • Risiken: Wird zu viel entfernt, verkürzt sich der Bindehautsack. Das kann den Blick nach oben einschränken oder ein narbiges Einwärtsdrehen des Lids auslösen. Wird zu wenig entfernt, bleibt der Effekt aus. Ohne Naht und ohne Abdeckung kehrten die Falten in einer Studie bei etwa einem Viertel zurück.

Was ist eine Amnionmembran und wann wird sie verwendet?

Die Amnionmembran ist die innerste Eihaut aus der Plazenta, die gespendet, aufbereitet und als dünnes Transplantat verwendet wird. Sie deckt nach der Entfernung der Bindehautfalten die freiliegende Lederhaut ab. Sie fördert die Heilung, dämpft Entzündung und Narbenbildung und hilft, den Bindehautsack in seiner natürlichen Tiefe wiederherzustellen.

Befestigt wird sie mit Nähten, Gewebekleber oder beidem; mit Kleber gibt es weniger Beschwerden. In einer viel zitierten Studie aus dem Jahr 2000 mit 47 Augen hatten nach knapp sieben Monaten 46 Augen eine glatte, ruhige Bindehaut. Das zeitweise Tränenträufeln verschwand bei 24 von 30 Augen. Als Komplikationen traten örtliche Entzündung, Narben und ein Nahtknötchen auf.

Manche Chirurgen bevorzugen dieses Verfahren bei ausgeprägten Falten, weil die Resektion allein den Bindehautsack verkürzen kann. Eine Einblutung unter dem Transplantat ist in den ersten Wochen normal und kann sechs bis acht Wochen sichtbar bleiben.

Welche weiteren Verfahren gibt es?

Einige Verfahren werden seltener eingesetzt, mit begrenzter Erfahrung:

  • Fixierung der Bindehaut mit Nähten an der Lederhaut, ohne Gewebe zu entfernen.
  • Schnitt am Hornhautrand mit Entlastungsschnitten, Vorziehen und Kürzen der Bindehaut.
  • Ligatur: Abbinden der Falte.
  • Laser-Konjunktivoplastik mit Argon- oder Infrarotlaser, ohne Blutung und ohne Nähte.
  • Zusätzliche Lidoperationen, etwa eine Straffung des Unterlids oder eine Erweiterung des Tränenpünktchens, wenn das Ergebnis der Bindehautoperation begrenzt bleibt.

Liegen Bindehautfalten und ein Flügelfell gleichzeitig vor, werden beide meist in einem Eingriff behandelt. Bei Menschen mit Grünem Star, bei denen eine Glaukomoperation nötig ist oder werden könnte, vermeiden Chirurgen eine Entfernung der Bindehaut rund um die Hornhaut, weil die Bindehaut für diese Operationen gebraucht wird.

Wie läuft die Zeit nach der Operation ab?

In den ersten Tagen sind Fremdkörpergefühl, Reiben, leichter Schmerz, Rötung und Schwellung häufig. Danach werden für etwa ein bis zwei Wochen Tropfen gegeben, meist ein Antibiotikum und Kortison, manchmal zusätzlich ein nichtsteroidaler Entzündungshemmer. Nicht auflösbare Fäden werden nach einigen Tagen gezogen.

Nach Angaben aus einem spanischen Aufklärungsbogen sind Beschwerden in den Folgetagen sehr häufig und kein Grund zur Sorge. Ein Kontrolltermin nach wenigen Tagen ist üblich. Bei zunehmenden Schmerzen, Eiter oder schlechterem Sehen sollten Sie die operierende Praxis oder Klinik sofort kontaktieren.

Welche Risiken hat die Operation?

Ernste Komplikationen sind selten; in mehreren kleinen Studien traten keine auf. Ein offizieller Aufklärungsbogen des andalusischen Gesundheitsdienstes nennt folgende Risiken:

  • Häufig: Blutung unter der Bindehaut, Reißen einer Naht, auffällige Narben mit Reizung oder Tränen, Wiederkehr der Falten, Verletzung benachbarten Gewebes, Infektion.
  • Durch die örtliche Betäubung, selten: Unverträglichkeit des Betäubungsmittels, Kreislaufreaktionen wie Schwindel oder Blutdruckabfall, Blutung in der Augenhöhle, ausnahmsweise eine Verletzung des Augapfels.
  • Nach zu viel Gewebeentfernung: verkürzter Bindehautsack, eingeschränkte Augenbeweglichkeit, narbiges Einwärtsdrehen des Unterlids.

Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und eine geschwächte Abwehr können das Risiko erhöhen. Teilen Sie diese Erkrankungen und die Einnahme blutverdünnender Medikamente vor dem Eingriff mit.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Dazu gibt es für Deutschland und Österreich keine veröffentlichten Regelungen speziell zu Bindehautfalten. Die augenärztliche Untersuchung und verordnete Medikamente werden im Rahmen der üblichen Regeln abgerechnet. Klären Sie vor einer geplanten Operation mit der Praxis oder Klinik und Ihrer Krankenkasse, welche Kosten übernommen werden.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (5)

Werden Bindehautfalten schlimmer?

Bindehautfalten nehmen mit dem Alter eher zu, verlaufen aber meist langsam und gutartig. Viele Betroffene haben über Jahre keine oder nur leichte Beschwerden. Von allein bilden sich die Falten nicht zurück.

Die Beschwerden selbst schwanken. Sie hängen stark davon ab, wie gut Tränenfilm, Lidrand und Allergie behandelt sind. Wer diese Begleiterkrankungen im Griff hat, kommt oft ohne Operation gut zurecht.

Können Bindehautfalten dem Auge schaden?

Ernste Schäden sind selten. Bindehautfalten gefährden das Sehen bei den allermeisten Menschen nicht. Mögliche Folgen sind vor allem lästig:

  • anhaltendes Tränenträufeln und gereizte Haut am Unterlid
  • Verstärkung eines trockenen Auges und einer Entzündung der Augenoberfläche
  • wiederkehrende Blutungen unter der Bindehaut
  • ein Teufelskreis aus Reibung, Entzündung und Störung der Meibom-Drüsen
  • selten Austrocknung der Hornhaut mit kleinen Dellen am Hornhautrand, wenn sehr große Falten den Lidschluss behindern

Wie gut sind die Aussichten nach einer Behandlung?

Die Prognose ist bei richtiger Diagnose und Behandlung gut. Nach einer Operation berichten in Studien je nach Verfahren etwa 80 bis über 90 % der Behandelten über eine Besserung. Häufig gehen Tränenträufeln, Fremdkörpergefühl und Schmerzen deutlich zurück, und der Tränenfilm wird stabiler.

Die meisten Studien sind allerdings klein und haben nur Wochen bis Monate nachbeobachtet. Langzeitdaten über viele Jahre fehlen. Begleiterkrankungen wie ein trockenes Auge bleiben nach der Operation bestehen und brauchen weiterhin Pflege.

Können die Falten nach einer Operation wiederkommen?

Ja, ein Wiederauftreten ist möglich. Nach der Verödung ist die Rückfallrate niedrig; häufiger ist, dass zu zurückhaltend behandelt wurde und eine zweite Sitzung nötig wird. Nach einer Entfernung ohne Naht und ohne Abdeckung kehrten die Falten in einer Studie bei etwa einem Viertel zurück. Eine erneute Behandlung ist dann meist möglich.

Was bedeuten Bindehautfalten für eine spätere Grauer-Star-Operation?

Bindehautfalten gelten als Zeichen einer empfindlichen Augenoberfläche. Nach einer Operation des Grauen Stars können die Beschwerden zunehmen. Es lohnt sich, Tränenfilm und Lidrand vor dem Eingriff gezielt zu behandeln und die Falten bei der Voruntersuchung anzusprechen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (4)

Kann man Bindehautfalten vorbeugen?

Eine nachweislich wirksame Vorbeugung gibt es nicht. Die Falten entstehen vor allem durch Alterung des Gewebes. Sinnvoll ist es aber, die Faktoren zu verringern, die Reibung und Entzündung an der Augenoberfläche verstärken.

Was können Sie selbst tun?

Vieles, was dem trockenen Auge hilft, entlastet auch die Bindehaut. Diese Maßnahmen sind einfach und haben kaum Nachteile:

  • Augenreiben vermeiden: Reiben gilt als möglicher Mitauslöser und verschlimmert die Reizung. Tränen lieber sanft mit einem sauberen Taschentuch abtupfen statt zu wischen.
  • Lidränder pflegen: Wärme, Massage und tägliche Reinigung, wenn die Lidränder gereizt oder die Drüsen verstopft sind.
  • Tränenersatzmittel ohne Konservierungsmittel regelmäßig verwenden, wenn die Augen trocken oder gereizt sind.
  • Augen schützen vor Wind, Kälte, Rauch, trockener Heizungsluft und Klimaanlagen, etwa mit einer gut sitzenden Brille.
  • Bei Bildschirmarbeit Pausen machen und bewusst vollständig blinzeln, solange das nicht schmerzt.
  • Nicht rauchen: Rauchen fördert das trockene Auge.
  • Kontaktlinsen nicht länger als empfohlen tragen und regelmäßig kontrollieren lassen.
  • Sonnenbrille mit UV-Schutz: UV-Licht wird als Mitursache vermutet; ein Schutz schadet nicht.

Was sollten Sie lieber lassen?

Gefäßverengende Augentropfen gegen rote Augen sind ungeeignet. Sie lassen das Auge kurzzeitig weißer aussehen, fördern aber auf Dauer Trockenheit und Reizung. Auch Kortison-Tropfen sollten nie ohne ärztliche Verordnung und Kontrolle verwendet werden.

Die Stiftung Auge der DOG weist darauf hin, dass Selbstbehandlung ohne augenärztliche Diagnose ernste Erkrankungen übersehen lassen kann. Wer über Wochen mit Tropfen gegen trockene Augen nicht weiterkommt, sollte sich untersuchen lassen.

Wie oft sollten ältere Menschen zur Kontrolle?

Feste Kontrollintervalle speziell für Bindehautfalten gibt es nicht. Ältere Menschen sollten ihre Augen ohnehin regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen, auch wegen Grünem Star, Grauem Star und Makuladegeneration. Bei dieser Gelegenheit fallen Bindehautfalten oft nebenbei auf.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (3)

Bindehautfalten sind kein Notfall. Sie gefährden das Sehen in aller Regel nicht. Trotzdem können ähnliche Beschwerden auf ernstere Erkrankungen hinweisen. Es lohnt sich, die Warnzeichen zu kennen.

Wann sofort zum Augenarzt oder in die Notaufnahme?

Gehen Sie sofort, spätestens noch am selben Tag, zur Augenärztin oder zum Augenarzt oder in eine Augenklinik, wenn eines dieser Zeichen auftritt:

  • plötzliche Sehverschlechterung oder plötzlicher Sehverlust
  • starke Augenschmerzen, eventuell mit Kopfschmerz, Übelkeit oder Erbrechen
  • starke Lichtscheu mit Rötung, besonders bei Kontaktlinsenträgern
  • eitriger Ausfluss oder ein weißer Fleck auf der Hornhaut
  • Rötung oder Blutung nach einer Verletzung, einem Schlag oder einem Fremdkörper
  • Kontakt mit Chemikalien, etwa Reinigungsmitteln oder Kalk: sofort mehrere Minuten mit viel Wasser spülen und dann ohne Umweg in die Augenklinik oder Notaufnahme
  • nach einer Operation: zunehmende Schmerzen, Eiter, starke Schwellung oder schlechteres Sehen

Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann in den nächsten Tagen?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie sich untersuchen lassen, wenn Blutungen unter der Bindehaut immer wieder auftreten, wenn Sie blutverdünnende Medikamente nehmen oder wenn zusätzlich Kopfschmerzen oder Nasenbluten auftreten. Das gilt auch, wenn ein tränendes Auge plötzlich schleimig oder eitrig wird oder wenn sich im inneren Lidwinkel eine schmerzhafte Schwellung bildet. Das kann auf eine Entzündung des Tränensacks hinweisen. Kommen Fieber oder eine sich ausbreitende Rötung und Schwellung um das Auge hinzu, gehen Sie noch am selben Tag zur Ärztin oder zum Arzt.

Wann routinemäßig?

Einen regulären Termin in den nächsten Wochen sollten Sie vereinbaren, wenn Ihre Augen seit längerer Zeit tränen, brennen oder sich trocken anfühlen und Tropfen kaum helfen. Ebenso, wenn die Beschwerden beim Lesen oder Blick nach unten zunehmen, wenn Sie eine glasige Falte am Unterlid sehen oder wenn Kontaktlinsen zunehmend stören. Eine einzelne kleine Blutung ohne weitere Beschwerden heilt meist von allein; tritt sie wiederholt auf, sprechen Sie sie beim nächsten Termin an.

9 Häufige Fragen

Was sind Bindehautfalten am Auge?

Bindehautfalten sind schlaffe, überschüssige Falten der Bindehaut, meist unten zwischen Augapfel und Unterlid. Der Fachbegriff lautet Konjunktivochalasis. Sie entstehen vor allem im Alter, weil das Bindegewebe an Elastizität verliert. Viele Menschen haben sie, ohne es zu merken.

Warum tränt mein Auge ständig, obwohl es sich trocken anfühlt?

Die Falten unterbrechen den Tränensee am Unterlid und verlegen oft das Tränenpünktchen, durch das die Tränen abfließen. Die Tränen stauen sich und laufen über. Gleichzeitig wird der Tränenfilm auf der Hornhaut nicht mehr richtig erneuert und reißt schnell auf. Deshalb fühlt sich das Auge trocken an, obwohl es tränt.

Sind Bindehautfalten gefährlich?

Nein, in aller Regel nicht. Bindehautfalten sind gutartig und gefährden das Sehen bei fast allen Betroffenen nicht. Sie können aber lästige Beschwerden machen. Nur sehr selten behindern große Falten den Lidschluss so, dass die Hornhaut austrocknet.

Gehen Bindehautfalten von allein weg?

Nein. Die Falten bilden sich nicht von selbst zurück und nehmen mit dem Alter eher zu. Die Beschwerden lassen sich aber oft mit Tränenersatzmitteln, Lidrandpflege und entzündungshemmenden Tropfen gut lindern. Nur eine Operation glättet die Bindehaut dauerhaft.

Warum helfen meine Tropfen gegen trockene Augen nicht?

Bei Bindehautfalten liegt ein Teil des Problems in der Mechanik: Die Falten stören Tränenfilm und Abfluss, egal wie viel man tropft. Bindehautfalten werden deshalb oft erst erkannt, wenn die Behandlung eines trockenen Auges oder einer Allergie über Monate kaum wirkt. Eine Untersuchung an der Spaltlampe bringt Klarheit.

Wie unterscheide ich Bindehautfalten vom trockenen Auge?

Selbst gar nicht sicher, denn beides tritt oft gemeinsam auf. Hinweise auf Bindehautfalten sind ein Schmerz an einer bestimmten Stelle, auf die man zeigen kann, und Beschwerden, die beim Lesen oder Blick nach unten schlimmer werden. Beim reinen trockenen Auge ist die Reizung eher gleichmäßig und nimmt im Laufe des Tages zu.

Warum habe ich immer wieder einen roten Fleck im Auge?

Bindehautfalten gehören zu den häufigsten Ursachen von Blutungen unter der Bindehaut, die ohne Verletzung entstehen. Die lockere Bindehaut wird bei jedem Lidschlag gerieben, feine Gefäße reißen leicht ein. Typisch ist die Blutung an immer derselben Stelle. Sie ist meist harmlos, sollte bei Wiederholung aber augenärztlich angesehen werden.

Wann müssen Bindehautfalten operiert werden?

Nur wenn deutliche Beschwerden trotz konsequenter Behandlung über mehrere Monate bestehen bleiben. Vorher sollten trockenes Auge, Lidrandentzündung und Allergie behandelt sein. Falten ohne Beschwerden werden nicht operiert.

Wie läuft eine Operation bei Bindehautfalten ab?

Der Eingriff ist ambulant und erfolgt in örtlicher Betäubung mit Tropfen, eventuell mit einer kleinen Spritze. Die Falten werden entweder mit Hitze verödet, sodass sich die Bindehaut zusammenzieht, oder als schmaler Streifen herausgeschnitten. Die Wunde wird mit Nähten oder Gewebekleber verschlossen, manchmal mit einer Amnionmembran abgedeckt. Danach folgen etwa ein bis zwei Wochen Augentropfen.

Wie erfolgreich ist die Operation?

In Studien berichten je nach Verfahren etwa 80 bis über 90 % der Behandelten über eine Besserung, vor allem beim Tränenträufeln und Fremdkörpergefühl. Die Studien sind allerdings meist klein und kurz. Die Falten können wiederkommen, und begleitende Erkrankungen wie ein trockenes Auge brauchen weiterhin Pflege.

Kann ich mit Bindehautfalten Kontaktlinsen tragen?

Oft ja, aber Kontaktlinsen können die Beschwerden verstärken und gelten selbst als Risikofaktor. Wenn die Linsen zunehmend stören, unscharf sitzen oder sich abends schwer herausnehmen lassen, sollte die Anpassung überprüft werden. Ein anderes Material, eine andere Form oder kürzere Tragezeiten können helfen.

Ist eine Konjunktivochalasis ansteckend oder erblich?

Sie ist nicht ansteckend, weil keine Erreger beteiligt sind. Eine Vererbung im engeren Sinn ist nicht bekannt. Angeborene Bindegewebsschwächen können in seltenen Fällen eine Rolle spielen.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 5 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, ko, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 26 Quellen anzeigen
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  5. Conjunctivochalasis – StatPearls, NCBI Bookshelf (EN)
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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss