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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Lider und Tränenwege

Tränenwegsverschluss (Dakryostenose)

Ein Tränenwegsverschluss ist eine Verengung der Abflusswege, über die die Tränen vom Auge in die Nase fließen; das Auge tränt dann ständig und verklebt oft. Er betrifft vor allem Säuglinge, bei denen er meist von selbst ausheilt, und Erwachsene ab dem mittleren Alter, bei denen oft eine Operation hilft.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 35 Minuten · 15 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (6)

Was ist ein Tränenwegsverschluss?

Ein Tränenwegsverschluss ist eine Verengung oder Blockade der Abflusswege, über die die Tränenflüssigkeit vom Auge in die Nase gelangt. Fachleute sprechen von Tränenwegsstenose oder Dakryostenose (griechisch dakryon = Träne, stenosis = Enge). Weil die Tränen nicht mehr abfließen, laufen sie über den Lidrand und die Wange. Hinzu kommen oft Schleim, verklebte Wimpern und wiederkehrende Entzündungen.

Wie fließen Tränen normalerweise ab?

Die Tränen fließen über zwei winzige Öffnungen am inneren Lidrand, die Tränenpünktchen, in die Nase ab. Gebildet wird die Tränenflüssigkeit in der Tränendrüse oberhalb des äußeren Augenwinkels. Mit jedem Lidschlag wird sie über das Auge zum inneren Augenwinkel verteilt.

Von dort führt der Weg weiter:

  1. Tränenpünktchen im Ober- und Unterlid
  2. obere und untere Tränenkanälchen (Canaliculi), die sich meist zu einem gemeinsamen Kanälchen vereinigen
  3. Tränensack in einer kleinen Knochengrube neben der Nasenwurzel
  4. Tränen-Nasen-Gang (Ductus nasolacrimalis), der im Knochen nach unten zieht
  5. Mündung in die Nase unterhalb der unteren Nasenmuschel, an der sogenannten Hasner-Klappe

Deshalb läuft beim Weinen auch die Nase. An jeder Stelle dieses Weges kann eine Engstelle entstehen.

Welche Formen gibt es?

Man unterscheidet vor allem den angeborenen Verschluss bei Säuglingen und den erworbenen Verschluss bei Erwachsenen. Die beiden Formen haben unterschiedliche Ursachen, Verläufe und Behandlungen.

MerkmalAngeboren (Säugling)Erworben (Erwachsene)
Typische Ursachedünne Membran an der Hasner-Klappe hat sich nicht geöffnetaltersbedingte Vernarbung des Tränen-Nasen-Gangs, seltener Verletzung, Entzündung, Tumor
Beginnmeist in den ersten Lebenswochenmeist schleichend, oft ab 40 bis 60 Jahren
Verlauföffnet sich in etwa 9 von 10 Fällen im ersten Lebensjahr von selbstbildet sich selten von selbst zurück
BehandlungAbwarten, Massage, bei Bedarf Sondierungbei Beschwerden meist Operation (Dakryozystorhinostomie)

Außerdem unterscheiden Fachleute nach dem Ort der Engstelle: vor dem Tränensack (präsakkal, also Tränenpünktchen und Kanälchen), im Tränensack selbst oder danach im Tränen-Nasen-Gang (postsakkal). Und nach dem Grad: vollständig (absolut) oder nur teilweise (relativ).

Was ist eine Tränensackentzündung?

Eine Tränensackentzündung (Dakryozystitis) ist eine bakterielle Infektion des Tränensacks, die fast immer auf einem Abflusshindernis beruht. Stehende Tränenflüssigkeit ist ein guter Nährboden für Keime. Die akute Form zeigt sich als schmerzhafte, rote Schwellung am inneren Augenwinkel neben der Nase. Sie ist dringend behandlungsbedürftig, beim Neugeborenen ein Notfall.

Wie häufig ist ein Tränenwegsverschluss?

Etwa 6 von 100 Neugeborenen haben einen angeborenen Tränenwegsverschluss mit Beschwerden. Die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen etwa 5 und 20 Prozent. Der Grund: Manche Studien zählen jedes Kind mit noch nicht geöffnetem Tränengang, andere nur Kinder mit Beschwerden. Laut einer deutschen Universitätsaugenklinik ist der Tränenweg bei über der Hälfte aller Neugeborenen anatomisch noch nicht ganz offen, aber nur ein Teil davon bekommt Symptome.

Bei Erwachsenen ist der erworbene Verschluss ein häufiger Grund für ein tränendes Auge, genaue Zahlen fehlen. Frauen mittleren und höheren Alters sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Die Tränensackentzündung hat zwei Altersgipfel: Neugeborene und Erwachsene über 40 Jahre.

Ist ein Tränenwegsverschluss gefährlich?

Meist ist ein Tränenwegsverschluss lästig, aber nicht gefährlich. Beim Säugling heilt er in den allermeisten Fällen von selbst aus. Ernst wird es, wenn sich der Tränensack entzündet und die Infektion auf die Augenhöhle übergreift. Selten steckt hinter einem neu aufgetretenen Verschluss beim Erwachsenen ein Tumor, deshalb gehört er augenärztlich abgeklärt.

2 Symptome

In diesem Kapitel (21)

Was ist das Leitsymptom?

Das wichtigste Zeichen ist ein Auge, das ständig tränt, ohne dass man weint oder das Auge gereizt ist. Fachleute nennen das Epiphora oder Tränenträufeln. Die Tränen sammeln sich am Unterlid, bilden einen erhöhten Tränensee und laufen über die Wange. Häufig ist nur ein Auge betroffen, ein beidseitiger Verschluss kommt aber vor.

Woran erkennen Eltern einen Tränenwegsverschluss beim Baby?

Typisch ist ein Baby, dessen eines Auge dauerhaft „schwimmt“ und morgens verklebt ist, obwohl das Auge selbst nicht rot ist. Die Beschwerden fallen meist schon in den ersten zwei bis drei Lebenswochen auf, in der Regel innerhalb des ersten Lebensmonats.

Eltern bemerken häufig:

  • einen glänzenden, erhöhten Tränensee am Unterlid, auch wenn das Kind ruhig ist
  • Tränen, die über die Wange laufen
  • verklebte Wimpern, besonders nach dem Schlafen
  • gelbliche, weißliche oder grünliche Krusten und Schleimfäden im inneren Augenwinkel
  • leicht gerötete oder geschwollene Lider durch das ständige Wischen
  • gerötete, raue oder aufgesprungene Haut unter dem Auge und an der Wange

Das Augenweiß bleibt dabei meist weiß. Das unterscheidet den Tränenwegsverschluss von einer echten Bindehautentzündung, bei der die Bindehaut deutlich gerötet ist.

Warum ist das Sekret beim Baby oft gelblich?

Das Sekret entsteht, weil sich in der stehenden Tränenflüssigkeit Schleim und Bakterien sammeln, nicht weil das Auge selbst entzündet ist. Das Sekret wird deshalb oft als Bindehautentzündung gedeutet, geht aber auf die Abflussstörung zurück. Wichtiger Hinweis: Wenn sich die Verklebung unter antibiotischen Tropfen nur kurz bessert und dann wiederkommt, spricht das für einen Tränenwegsverschluss.

Was passiert, wenn man auf den Tränensack drückt?

Bei leichtem Druck auf den inneren Augenwinkel kann Schleim oder Eiter aus den Tränenpünktchen zurückfließen. Diesen Rückfluss (Reflux) nutzen auch Augenärztinnen und Augenärzte bei der Untersuchung. Er zeigt, dass der Tränensack gefüllt ist und nach unten nicht abfließen kann. Eltern sollten das nicht gezielt als Test machen, es passiert aber oft bei der Massage.

Wann werden die Beschwerden beim Kind schlimmer?

Die Beschwerden schwanken typischerweise von Tag zu Tag. Bei Schnupfen, Erkältung und verstopfter Nase schwillt die Nasenschleimhaut an und verengt die Mündung zusätzlich. Auch Kälte und Wind regen die Tränenproduktion an, sodass das Auge draußen stärker läuft. An manchen Tagen wirkt das Auge fast normal, was nicht bedeutet, dass der Verschluss schon offen ist.

Gibt es Unterschiede je nach Ort des Verschlusses?

Ja, ein Verschluss weiter vorn an den Tränenpünktchen oder Kanälchen führt zu Tränen, aber meist ohne Schleim. Der Grund: Die Tränen erreichen den Tränensack gar nicht erst, sodass sich dort nichts staut. Beim typischen Verschluss unten an der Hasner-Klappe kommen dagegen Tränen und Sekret zusammen vor.

Was ist eine Dakryozele beim Neugeborenen?

Eine Dakryozele ist eine bläulich schimmernde, prall gespannte Schwellung unterhalb des inneren Augenwinkels, die schon bei der Geburt oder in den ersten Tagen sichtbar ist. Dabei ist der Tränensack sowohl oben als auch unten verschlossen und mit Flüssigkeit gefüllt. Ältere Bezeichnungen sind Amniotozele oder Mukozele.

Oft wölbt sich zusätzlich eine Zyste in die Nase vor, die bei beidseitigem Befund die Nasenatmung des Säuglings behindern kann. Eine Dakryozele ist dringlicher als ein einfacher Verschluss, weil sie sich rasch entzünden kann.

Welche Zeichen sprechen beim Baby für eine Tränensackentzündung?

Eine akute Tränensackentzündung zeigt sich als rote, warme, harte und druckschmerzhafte Schwellung zwischen innerem Augenwinkel und Nase. Das Kind wirkt oft unruhig, weint beim Berühren der Stelle, trinkt schlecht oder hat Fieber. Die Rötung kann auf die Lider und die Wange übergreifen. Beim Neugeborenen ist das ein Notfall, der noch am selben Tag ärztlich behandelt werden muss.

Welche Zeichen passen beim Baby nicht zu einem einfachen Tränenwegsverschluss?

Lichtscheu, ein trüb-gräulich wirkendes Auge oder ein auffällig großes Auge passen nicht zu einem Tränenwegsverschluss und müssen rasch augenärztlich untersucht werden. Diese Zeichen können auf einen angeborenen Grünen Star hindeuten, bei dem ebenfalls Tränenträufeln auftritt. Ein Kind mit angeborenem Glaukom kneift die Augen zusammen, dreht sich vom Licht weg und hat oft eine vergrößerte, matte Hornhaut. Auch ein deutlich gerötetes Augenweiß, Lidfehlstellungen oder nach innen gerichtete Wimpern sprechen für eine andere Ursache.

Kann ein Tränenwegsverschluss das Sehen des Kindes beeinträchtigen?

Ein lange bestehender, einseitiger Verschluss ist in Studien mit einem erhöhten Risiko für Schwachsichtigkeit verbunden. Der Tränensee und das Sekret machen das Bild auf diesem Auge unscharf. Zudem wurden bei betroffenen Kindern häufiger unterschiedliche Brechkräfte beider Augen (Anisometropie) gefunden. Deshalb gehört ein Kind mit anhaltendem, einseitigem Tränen zur augenärztlichen Kontrolle, auch im Hinblick auf eine Schwachsichtigkeit.

Wie zeigt sich ein Tränenwegsverschluss bei Erwachsenen?

Erwachsene bemerken meist ein Auge, das ohne erkennbaren Grund immer wieder überläuft, sodass sie ständig ein Taschentuch brauchen. Die Beschwerden beginnen oft schleichend über Monate. Anfangs tränt das Auge nur draußen, später auch in Innenräumen. Viele Betroffene sind Frauen ab dem mittleren Lebensalter.

Typische Beschwerden sind:

  • Tränen, die über den Lidrand auf die Wange laufen, oft nur auf einer Seite
  • stärkeres Tränen bei Wind, Kälte, Sonne und nach einer Erkältung oder Nebenhöhlenentzündung
  • schleimiges Sekret im inneren Augenwinkel, verkrustete Wimpern am Morgen
  • wunde, gerötete Haut am Unterlid und an der Wange durch das ständige Abwischen
  • eine weiche oder feste Schwellung in der Tränensackgrube neben der Nase
  • wiederkehrende Bindehautentzündungen auf derselben Seite

Warum sieht man mit einem Tränenwegsverschluss manchmal verschwommen?

Der erhöhte Tränensee wirkt wie eine unruhige Wasserschicht vor der Hornhaut und macht das Bild kurzzeitig unscharf. Typisch ist, dass sich die Sicht nach einem Lidschlag oder Abwischen wieder klärt. Das Sehen selbst ist nicht geschädigt. Bleibt die Sicht auch nach dem Blinzeln verschwommen, steckt wahrscheinlich eine andere Ursache dahinter.

Wie fühlt sich das im Alltag an?

Viele Erwachsene empfinden das ständige Tränen als störend und unangenehm. Beim Lesen, Autofahren oder Radfahren muss man die Augen immer wieder wischen. Make-up verläuft, die Brille wird nass. Manche werden gefragt, ob sie geweint haben, was im Beruf und im sozialen Umfeld belastend sein kann.

Wie äußert sich eine chronische Tränensackentzündung?

Bei der chronischen Form ist der Tränensack dauerhaft mit Schleim und Keimen gefüllt, oft ohne Schmerzen. Häufig bemerken Betroffene nur Tränenträufeln und eine weiche, schmerzlose Schwellung am inneren Augenwinkel. Drückt man darauf, entleert sich schleimig-eitriges Sekret aus den Tränenpünktchen. Oft besteht gleichzeitig eine hartnäckige, einseitige Bindehautentzündung.

Wie zeigt sich eine akute Tränensackentzündung bei Erwachsenen?

Die akute Tränensackentzündung beginnt innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen mit einer schmerzhaften, roten, prallen Schwellung unter dem inneren Augenwinkel. Die Haut ist warm und berührungsempfindlich. Die Rötung kann sich auf das Unterlid, die Wange und den Nasenrücken ausbreiten. Oft tritt beim leichten Druck Eiter aus den Tränenpünktchen aus.

Weitere mögliche Zeichen:

  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
  • gerötete Bindehaut und verstärktes Tränen
  • Schwellung der Lider, sodass das Auge kaum geöffnet werden kann
  • Bildung eines Abszesses, also einer abgekapselten Eiteransammlung, die sich weich anfühlt
  • Durchbruch des Eiters durch die Haut mit einer bleibenden kleinen Öffnung (Fistel)

Welche Zeichen deuten auf eine Ausbreitung in die Augenhöhle hin?

Schmerzen bei Augenbewegungen, ein hervortretendes Auge, Doppelbilder oder eine eingeschränkte Beweglichkeit des Auges sind Alarmzeichen. Sie sprechen dafür, dass die Infektion in die Augenhöhle übergegriffen hat. Dann droht eine Entzündung der Augenhöhle, die stationär behandelt werden muss. Auch Sehverschlechterung, eine Schwellung oberhalb des inneren Lidwinkels und starkes Krankheitsgefühl gehören dazu.

Welche Zeichen können auf einen Tumor hinweisen?

Blutige Tränen, eine derbe, nicht verschiebliche Verhärtung am Tränensack und eine Schwellung oberhalb des inneren Lidbands passen nicht zu einem gewöhnlichen Verschluss. Auch Beschwerden, die auf Behandlung nicht ansprechen oder nach einer Operation rasch wiederkehren, sollten an einen Tumor des Tränensacks oder der Nase denken lassen. Solche Tumoren sind selten. Blutige Tränen haben einen eigenen Fachbegriff: Hämolakrie.

Welche Symptome treten bei Ursachen in der Nase auf?

Liegt die Ursache in der Nase, kommen oft eine dauerhaft verstopfte Nase, Nasenbluten oder wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen hinzu. Viele Betroffene hatten früher Operationen an Nase oder Nebenhöhlen oder einen Nasenbruch. Solche Angaben sind für die Augenärztin oder den Augenarzt wichtig.

Wie unterscheidet sich das Tränen beim trockenen Auge?

Beim trockenen Auge tränt das Auge in Schüben, weil die gereizte Oberfläche Reflextränen auslöst; beim Tränenwegsverschluss läuft es dagegen gleichmäßig über, weil der Abfluss fehlt. Das klingt widersprüchlich, ist aber häufig: Ein trockenes Auge fühlt sich zuerst sandig, brennend oder müde an. Dann schießen plötzlich Tränen ein, die aber den Tränenfilm nicht stabilisieren. Beim reinen Verschluss fehlen Brennen und Fremdkörpergefühl meist, dafür kommen Schleim und wiederkehrende Entzündungen vor.

Hinweiseher Tränenwegsverschlusseher trockenes Auge mit Reflextränen
Tränenständig, gleichmäßig, oft einseitigin Schüben, oft beidseitig
Gefühl im Augewenig Beschwerden außer NässeBrennen, Sandkorngefühl, Müdigkeit
Schleim, Verklebunghäufig, besonders morgenseher wenig
AuslöserKälte, Wind, SchnupfenBildschirmarbeit, Heizungsluft, Lesen
Schwellung neben der Nasemöglichnein

Beide Probleme können gleichzeitig bestehen, gerade bei älteren Menschen. Nur die Untersuchung klärt, was überwiegt.

Welche anderen Ursachen machen ein tränendes Auge?

Ein tränendes Auge hat viele Ursachen, der Tränenwegsverschluss ist nur eine davon. Häufig sind Lidfehlstellungen wie ein auswärtsgedrehtes Lid, bei dem das untere Tränenpünktchen nicht mehr in den Tränensee eintaucht. Ebenso eine Lidrandentzündung, Allergien, Fremdkörper, eine Bindehautentzündung oder eine Gesichtsnervenlähmung, bei der die Pumpfunktion des Lidschlags fehlt. Die Untersuchung unterscheidet diese Ursachen.

Welche Besonderheiten gibt es bei älteren Menschen?

Bei älteren Menschen kommen oft mehrere Ursachen zusammen: erschlaffte Lider, verengte Tränenpünktchen, ein trockenes Auge und ein verengter Tränengang. Zudem breitet sich eine Tränensackentzündung bei Menschen mit Diabetes oder geschwächtem Immunsystem leichter aus. Angehörige bemerken manchmal zuerst die gerötete, wunde Haut unter dem Auge oder dass die Person ständig wischt.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (8)

Warum haben Säuglinge so oft einen Tränenwegsverschluss?

Bei Säuglingen ist der Tränen-Nasen-Gang an seinem unteren Ende oft noch durch eine dünne Schleimhautmembran verschlossen. Während der Entwicklung im Mutterleib wächst der Tränenweg als Gewebestrang von oben nach unten und wird erst nach und nach hohl. Die letzte Öffnung zur Nase, an der Hasner-Klappe, entsteht häufig erst kurz vor oder nach der Geburt. Bleibt diese Membran bestehen, staut sich die Tränenflüssigkeit.

Gibt es andere angeborene Ursachen?

Seltener liegen andere angeborene Fehlbildungen vor. Dazu gehören:

  • fehlende oder verschlossene Tränenpünktchen oder Tränenkanälchen
  • ein durchgehend enger Tränen-Nasen-Gang
  • ein zu enger knöcherner Kanal, häufiger bei Fehlbildungen des Mittelgesichts
  • eine eng anliegende untere Nasenmuschel, die die Mündung zudrückt
  • eine angeborene Fistel, also eine kleine Öffnung in der Haut unter dem inneren Augenwinkel

Diese Formen öffnen sich seltener von selbst und brauchen eher einen Eingriff.

Welche Kinder haben ein höheres Risiko?

Ein erhöhtes Risiko haben Frühgeborene und Kinder mit Fehlbildungen im Gesichtsbereich. Dazu zählen Kinder mit Down-Syndrom, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, vorzeitigem Verschluss von Schädelnähten (Kraniosynostose), Goldenhar-Syndrom und einseitiger Unterentwicklung des Gesichts. Eine einfache Vererbung gibt es nicht. Eine deutsche Universitätsklinik berichtet allerdings bei etwa einem Fünftel bis knapp einem Drittel der Kinder von weiteren Fällen in der Familie.

Was führt bei Erwachsenen zu einem Verschluss?

Die häufigste Ursache bei Erwachsenen ist eine altersbedingte Verengung ohne erkennbaren Auslöser, die sogenannte primäre erworbene Tränenwegsstenose. Dabei vernarbt die Schleimhaut im Tränen-Nasen-Gang langsam, das Gewebe verliert seine Oberfläche und der Gang wird immer enger. Warum das passiert, ist nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem wiederholte leichte Entzündungen der Schleimhaut.

Warum trifft es Frauen häufiger?

Frauen haben im Durchschnitt einen engeren knöchernen Tränenkanal als Männer. Schon eine geringe Schwellung oder Vernarbung reicht dann für einen Verschluss. Als weiterer Faktor werden hormonelle Veränderungen nach den Wechseljahren diskutiert, belegt ist das nicht sicher.

Welche anderen Ursachen gibt es bei Erwachsenen?

Neben der altersbedingten Form gibt es sekundäre Verschlüsse, die eine erkennbare Ursache haben:

GruppeBeispiele
Nase und Nebenhöhlenchronischer Schnupfen, Nebenhöhlenentzündungen mit Narben, Nasenpolypen, verkrümmte Nasenscheidewand, vergrößerte Nasenmuscheln
Verletzungen und OperationenNasenbruch, Brüche des Mittelgesichts, Operationen an Nase, Nebenhöhlen oder Kiefer, zu grobes Sondieren
Infektionenbakterielle Infektionen, Strahlenpilze (Actinomyces), Herpesviren, selten Pilze
entzündliche AllgemeinerkrankungenSarkoidose, Granulomatose mit Polyangiitis, Lupus, vernarbendes Schleimhautpemphigoid, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Medikamentemanche Glaukomtropfen (z. B. Timolol, Dorzolamid, Pilocarpin), lange angewendete antivirale Augentropfen, Chemotherapie mit 5-Fluorouracil oder Docetaxel, Radiojodtherapie
AblagerungenTränensteine (Dakryolithen) aus Schleim, Zellresten und Kalk
TumorenTumoren des Tränensacks, der Nase oder der Nebenhöhlen (selten)

Wie entsteht aus dem Verschluss eine Entzündung?

Wenn die Tränenflüssigkeit im Tränensack stillsteht, vermehren sich dort Bakterien. Bei Kindern finden sich häufig Staphylokokken, Streptokokken und Haemophilus, bei Erwachsenen Staphylokokken, Pneumokokken und seltener Pseudomonas. Zunehmend werden auch Keime nachgewiesen, die gegen gängige Antibiotika unempfindlich sind. Diabetes, ein geschwächtes Immunsystem und Erkrankungen von Nase und Nebenhöhlen begünstigen schwere Verläufe.

Kann die Lidfunktion auch eine Rolle spielen?

Ja, nicht jedes Tränenträufeln beruht auf einem mechanischen Verschluss. Bei einer funktionellen Abflussstörung ist der Tränenweg zwar offen, aber die Pumpe arbeitet schlecht. Die Tränen werden durch den Lidschlag in den Tränensack gedrückt. Ein schlaffes Unterlid, ein nach außen gekipptes Lid oder eine Lähmung des Gesichtsnervs schwächen diese Pumpe.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (11)

Wie stellt die Augenärztin oder der Augenarzt die Diagnose?

Die Diagnose beruht vor allem auf dem Gespräch und der Untersuchung am Spaltlampenmikroskop. Beim Säugling reicht das oft schon aus. Bei Erwachsenen folgt meist eine Spülung der Tränenwege. Weitere Untersuchungen sind nur bei besonderen Fragen nötig.

Welche Fragen werden gestellt?

Gefragt wird, seit wann das Auge tränt, ob ein oder beide Augen betroffen sind und ob Schleim oder Eiter auftreten. Wichtig sind auch frühere Verletzungen oder Operationen an Nase und Gesicht, Nebenhöhlenerkrankungen, blutige Tränen sowie verwendete Augentropfen und Medikamente. Bei Kindern geht es zusätzlich um Schwangerschaft, Geburt und Lichtscheu.

Was wird bei der Untersuchung angeschaut?

Untersucht werden die Lidstellung, die Tränenpünktchen, der Tränensee, die Augenoberfläche und die Region über dem Tränensack. Die Ärztin oder der Arzt achtet darauf, ob ein Tränenpünktchen verengt ist oder nicht mehr in den Tränensee eintaucht. Ein leichter Druck auf den Tränensack zeigt, ob Sekret zurückfließt. Bei Kindern werden außerdem die Hornhaut, die Augengröße und die Sehentwicklung beurteilt.

Wie funktioniert der Farbstofftest?

Beim Fluorescein-Verschwindetest wird ein Tropfen gelb-grüner Farbstoff in beide Augen gegeben und nach etwa fünf Minuten geprüft, wie viel davon noch im Tränenfilm steht. Bleibt auf einer Seite deutlich mehr Farbe zurück, fließt diese Seite schlechter ab.

Der Test tut nicht weh und eignet sich gut für Kinder. Er zeigt aber nicht, an welcher Stelle die Engstelle liegt. Oft findet sich der Farbstoff danach auch im Nasensekret, wenn der Abfluss frei ist.

Was passiert bei der Spülung der Tränenwege?

Bei der Spülung wird nach Betäubungstropfen eine feine, stumpfe Kanüle in das untere Tränenpünktchen eingeführt und Kochsalzlösung eingespritzt. Ist der Weg frei, spürt oder schmeckt man die Flüssigkeit im Rachen.

Fließt sie dagegen aus dem oberen Tränenpünktchen zurück, liegt der Verschluss meist im Tränen-Nasen-Gang. Kommt sie aus demselben Pünktchen zurück, ist schon das Kanälchen verschlossen. Die Spülung gilt bei Erwachsenen als Standarduntersuchung.

Ist die Spülung unangenehm?

Die Spülung ist kurz und meist nur leicht unangenehm. Man spürt einen Druck im inneren Augenwinkel und Flüssigkeit in Nase und Rachen. Schmerzhaft ist sie in der Regel nicht. Bei einer akuten Tränensackentzündung wird nicht gespült, weil das die Infektion verschleppen und das Gewebe verletzen kann.

Was zeigt eine Sondierung bei der Untersuchung?

Eine Sondierung mit einem feinen, stumpfen Metallstab kann zeigen, wo genau die Engstelle liegt. Spürt die Ärztin oder der Arzt einen harten Anschlag am Knochen, ist der Weg bis zum Tränensack frei. Ein weicher Widerstand weist auf einen Verschluss im Kanälchen hin. Bei Säuglingen ist die Sondierung zugleich Untersuchung und Behandlung.

Wann sind Bildgebung und Endoskopie nötig?

Röntgen- und Schichtbilder sind nur bei besonderen Fragen nötig. Gründe dafür sind:

  • Verdacht auf einen Tumor, zum Beispiel bei blutigen Tränen oder einer derben Schwellung
  • frühere Gesichtsverletzungen oder Operationen
  • Verdacht auf Tränensteine oder Aussackungen des Tränensacks
  • Ausbreitung der Entzündung in die Augenhöhle oder die Nebenhöhlen
  • vor einer erneuten Operation nach Misserfolg

Eingesetzt werden die Computertomografie (CT), die Magnetresonanztomografie (MRT) und die Dakryozystografie, bei der Kontrastmittel in die Tränenwege gespritzt wird. Eine Tränenwegsszintigrafie mit schwach radioaktiver Flüssigkeit kann zeigen, ob ein nur teilweise verengter Weg ausreichend ableitet. Eine Nasenspiegelung (Endoskopie der Nase) klärt, ob Polypen, eine verkrümmte Scheidewand oder Narben den Ausgang verlegen. Spezialisierte Zentren können auch mit einer haarfeinen Kamera direkt in die Tränenwege schauen (Dakryoendoskopie).

Werden Abstriche oder Blutuntersuchungen gemacht?

Bei einer schweren Tränensackentzündung kann ein Abstrich des Eiters helfen, das passende Antibiotikum zu wählen. Blutuntersuchungen sind nötig, wenn eine entzündliche Allgemeinerkrankung vermutet wird. Dann wird nach bestimmten Antikörpern gesucht. Bei fraglichem Tumor wird bei der Operation eine Gewebeprobe entnommen.

Mit welchen Krankheiten kann man den Tränenwegsverschluss verwechseln?

Bei Säuglingen ist die wichtigste Verwechslung die Bindehautentzündung, bei Erwachsenen das trockene Auge mit Reflextränen. Weitere Möglichkeiten:

  • Säuglinge: Bindehautentzündung, angeborener Grüner Star, nach innen wachsende Wimpern, eine nach innen gerichtete Lidfalte, verschlossene Tränenpünktchen
  • Erwachsene: trockenes Auge, Lidfehlstellungen, Entzündung der Tränenkanälchen (Kanalikulitis, bei der die Spülung frei ist), Siebbeinzellen-Entzündung, entzündete Talgzyste, allergischer Schnupfen
  • Schwellung neben der Nase: Tränensacktumor, Nasentumor, Entzündung des Lides vor der Augenhöhle

Wie wird ein trockenes Auge abgegrenzt?

Ist die Spülung frei und der Tränenfilm instabil, spricht das für ein trockenes Auge mit Reflextränen statt für einen Verschluss. Dazu prüft die Ärztin oder der Arzt die Aufreißzeit des Tränenfilms nach Farbstoffgabe und sucht nach kleinen Oberflächenschäden der Hornhaut. Auch die Lidranddrüsen werden beurteilt. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn eine Operation am Tränenweg hilft beim trockenen Auge nicht.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (23)

Welche Behandlung kommt für wen in Frage?

Beim Säugling wird meist zuerst abgewartet und massiert, bei Erwachsenen hilft bei dauerhaften Beschwerden meist nur eine Operation. Dazwischen gibt es abgestufte Möglichkeiten. Eine deutsche Universitätsklinik beschreibt für Kinder ein Stufenkonzept:

  1. Tränensackmassage, besonders erfolgversprechend in den ersten vier Lebensmonaten
  2. Sondierung und Spülung mit Druck unter örtlicher Betäubung, je nach Entwicklung des Kindes bis etwa zum 12. Lebensmonat
  3. Sondierung und Spülung in Vollnarkose, bei Bedarf mit Einlage eines Silikonschlauchs und Kamerakontrolle
  4. Operation mit neuer Verbindung zur Nase (Dakryozystorhinostomie), als letzte Maßnahme

Wie funktioniert die Tränensackmassage beim Baby?

Bei der Massage drückt man mit der Fingerkuppe fest auf den inneren Augenwinkel und streicht dann nach unten Richtung Nasenflügel. Der Druck soll die gestaute Flüssigkeit nach unten pressen und die Membran an der Hasner-Klappe öffnen. Die Methode heißt nach ihrem Erstbeschreiber auch Crigler-Massage. Lassen Sie sich die Technik in der Praxis zeigen, bevor Sie beginnen.

Bewährt hat sich folgender Ablauf:

  1. Hände gründlich waschen, Fingernägel kurz halten.
  2. Krusten vorher mit einem sauberen, mit abgekochtem Wasser angefeuchteten Tuch vom inneren zum äußeren Augenwinkel abwischen.
  3. Zeige- oder kleinen Finger seitlich auf die Nasenwurzel direkt am inneren Augenwinkel legen.
  4. Kurz und fest drücken und dabei nach unten Richtung Nasenflügel streichen.
  5. Etwa zehnmal wiederholen, zwei- bis dreimal täglich, zum Beispiel beim Wickeln.

Ein festerer Druck, bei dem das gemeinsame Kanälchen kurz verschlossen wird, war in einem Bericht wirksamer als sanftes Streicheln. Kommt dabei Sekret aus dem Tränenpünktchen, wischen Sie es weg.

Wie gut hilft die Massage?

Die Massage ist einfach und ungefährlich, ihr Nutzen ist aber wissenschaftlich nicht sicher belegt. Viele Verschlüsse öffnen sich ohnehin von selbst, sodass schwer zu unterscheiden ist, was die Massage beiträgt. Am ehesten hilft sie in den ersten Lebensmonaten. Sie schadet nicht, wenn sie richtig gemacht wird, und gibt Eltern etwas Sinnvolles zu tun.

Helfen antibiotische Augentropfen?

Antibiotische Tropfen behandeln nur eine zusätzliche Infektion, sie öffnen den Tränengang nicht. Sie sind sinnvoll bei deutlich eitrigem Sekret oder starken Verkrustungen. Eine Dauertherapie wird nicht empfohlen, weil sich sonst unempfindliche Keime bilden können. Für die tägliche Pflege reichen ein sauberes, feuchtes Tuch und die Massage.

Was ist eine Sondierung beim Kind?

Bei der Sondierung schiebt die Augenärztin oder der Augenarzt einen sehr feinen, stumpfen Metallstab durch das Tränenpünktchen und den Tränengang bis in die Nase. Dabei wird die verschließende Membran durchstoßen, oft spürbar als kleiner Ruck. Anschließend wird meist mit Kochsalzlösung gespült, um die Durchgängigkeit zu prüfen. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten.

Wann sollte sondiert werden?

Die meisten Fachleute empfehlen eine Sondierung, wenn der Verschluss um den ersten Geburtstag herum noch besteht oder schon vorher starke Beschwerden macht. Bei den Zeitangaben gibt es Unterschiede:

  • Das deutsche Gesundheitsportal nennt eine Untersuchung mit Sonde oder Spülung, wenn die Verengung nach dem 6. Lebensmonat noch besteht.
  • Eine deutsche Universitäts-Augenklinik sondiert in örtlicher Betäubung je nach Entwicklung des Kindes bis zum 12. Lebensmonat.
  • Die amerikanische Fachgesellschaft für Kinderaugenheilkunde rät, eine Sondierung zu erwägen, wenn sich die Beschwerden bis zum 12. Lebensmonat nicht bessern.

Bei leichten Beschwerden spricht viel für Abwarten bis etwa zum ersten Geburtstag, weil sich die meisten Verschlüsse bis dahin von selbst öffnen. Bei häufigen Entzündungen, viel Eiter oder einer Dakryozele wird früher eingegriffen. Bei einer akuten Tränensackentzündung wird erst sondiert, wenn die Infektion mit Antibiotika abgeklungen ist, weil das entzündete Gewebe sonst leicht verletzt wird.

Braucht mein Kind für die Sondierung eine Narkose?

Im ersten Lebensjahr kann oft in der Praxis mit betäubenden Augentropfen sondiert werden, ältere Kinder erhalten meist eine kurze Vollnarkose. Ein Säugling wird dafür sicher gehalten und eingewickelt. Ab etwa dem ersten Geburtstag sind Kinder zu kräftig und beweglich, dann ist eine Narkose sicherer und schonender.

Eine US-amerikanische Patienteninformation beschreibt die Sondierung sogar als fast immer in Vollnarkose. Das Vorgehen unterscheidet sich also zwischen Kliniken und Ländern.

Wie erfolgreich ist die Sondierung?

Eine erste Sondierung ist bei Säuglingen und Kleinkindern in etwa 70 bis über 90 Prozent der Fälle erfolgreich. In einer großen amerikanischen Studie mit Kindern zwischen 6 Monaten und 5 Jahren lag der Erfolg bei 78 Prozent und blieb über drei Jahre stabil. Ab einem Alter von etwa zwei bis drei Jahren wird über etwas geringere Erfolgsraten berichtet. Bei beidseitigem Verschluss, bei Engstellen weiter oben und bei einer zweiten Sondierung sind die Chancen geringer, bei einem zweiten Versuch nur etwa 40 bis 60 Prozent.

Welche Risiken hat die Sondierung?

Die Sondierung ist ein risikoarmer Eingriff. Möglich sind leichtes Nasenbluten oder blutig gefärbte Tränen am selben Tag, ein erneuter Verschluss und selten ein „falscher Weg“, wenn die Sonde neben dem eigentlichen Gang ins Gewebe gleitet. Bei Sondierungen in der Praxis bei sehr kleinen Kindern besteht ein geringes Risiko, dass Spülflüssigkeit oder Blut eingeatmet wird.

Was ist eine Silikonschlauch-Einlage?

Bei der Intubation wird ein sehr dünner, weicher Silikonschlauch in die Tränenwege gelegt, der den Gang für einige Wochen bis Monate offen hält. Das geschieht meist, wenn eine erste Sondierung nicht geholfen hat oder der Gang sehr eng ist. Der Schlauch ist am inneren Augenwinkel als feine Schlinge sichtbar.

Als Erstbehandlung liegt der Erfolg bei 79 bis 96 Prozent, nach einer gescheiterten Sondierung je nach Studie zwischen 66 und 100 Prozent. Wird der Schlauch zu früh, also vor etwa zwei Monaten, entfernt, sind die Ergebnisse schlechter.

Was ist eine Ballondilatation?

Bei der Ballondilatation wird ein kleiner Ballon im Tränengang aufgeblasen, um ihn zu weiten. Erfolgsraten zwischen 53 und 95 Prozent werden berichtet. Als erste Behandlung bietet sie gegenüber der einfachen Sondierung keinen Vorteil und ist teurer. Sie wird deshalb vor allem bei hartnäckigen Fällen eingesetzt.

Wann braucht ein Kind eine größere Operation?

Eine Dakryozystorhinostomie ist bei Kindern nur nötig, wenn Sondierung und Schlauch-Einlage nicht geholfen haben oder der knöcherne Kanal verschlossen ist. Sie wird später im Abschnitt zur Behandlung Erwachsener genauer beschrieben. Bei Kindern liegt der Erfolg der Operation von außen bei etwa 96 Prozent, der Operation durch die Nase bei 82 bis 94 Prozent.

Wie wird eine Dakryozele behandelt?

Eine Dakryozele wird engmaschig kontrolliert und oft früher behandelt als ein einfacher Verschluss. Manchmal lässt sie sich durch Massage entleeren. Gelingt das nicht oder entzündet sie sich, wird früh sondiert, meist zusammen mit einer Öffnung der Zyste in der Nase. Bei beidseitiger Dakryozele mit Atemproblemen ist eine baldige Operation nötig.

Wie wird eine Tränensackentzündung behandelt?

Eine akute Tränensackentzündung wird mit Antibiotika behandelt, bei leichten Formen als Tabletten oder Saft, bei schweren Formen über die Vene. Neugeborene werden meist im Krankenhaus behandelt. Warme Kompressen lindern die Beschwerden. Hat sich ein Abszess gebildet, wird er über einen kleinen Schnitt eröffnet und entlastet.

Wichtig zu wissen: Wenn die Entzündung abgeklungen ist, bleibt der Verschluss in der Regel bestehen. Deshalb folgt bei Kindern nach der Infektion die Sondierung und bei Erwachsenen meist die Operation, damit die Entzündung nicht wiederkommt.

Welche Möglichkeiten gibt es bei Erwachsenen ohne Operation?

Ohne Operation kommen bei Erwachsenen vor allem die Behandlung der Ursache, Spülungen und das Weiten enger Stellen in Frage. Was passt, hängt von Ursache und Ort der Engstelle ab. Mögliche Schritte:

  • Behandlung der Ursache, etwa einer Nasen- oder Nebenhöhlenerkrankung oder einer Lidfehlstellung
  • Prüfung, ob Augentropfen den Verschluss begünstigen, und gegebenenfalls Umstellung in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt
  • Spülungen der Tränenwege, die eine leichte Engstelle vorübergehend bessern können
  • Weitung verengter Tränenpünktchen, gegebenenfalls mit einem kleinen Schnitt (Punktumplastik)
  • Ballondilatation oder Silikonschlauch-Einlage bei Engstellen im Kanälchen

Nach einer Gesichtsverletzung öffnet sich der Gang manchmal innerhalb von Monaten wieder von selbst. Eine Operation wird dann oft aufgeschoben. Bei einem vollständigen Verschluss im Tränen-Nasen-Gang helfen Spülungen und Schläuche dagegen meist nicht dauerhaft.

Was ist eine Dakryozystorhinostomie?

Die Dakryozystorhinostomie, kurz DCR, schafft eine neue, direkte Verbindung zwischen Tränensack und Nasenhöhle unter Umgehung des verschlossenen Gangs. Dazu wird ein kleines Fenster in den dünnen Knochen zwischen Tränensack und Nase gefräst. Der Tränensack wird geöffnet und mit der Nasenschleimhaut vernäht. Sie ist die häufigste und wirksamste Operation bei Erwachsenen mit Tränenwegsverschluss.

Wann ist eine DCR sinnvoll?

Eine DCR ist sinnvoll, wenn ein Verschluss im Tränen-Nasen-Gang dauerhaft Beschwerden macht oder bereits zu einer Tränensackentzündung geführt hat. Weitere Gründe sind eine wiederkehrende chronische Entzündung, Tränensteine und ein funktionell schlechter Abfluss. Bei Kindern ist sie nach erfolglosen anderen Eingriffen angezeigt. Nach einer akuten Entzündung wird meist operiert, sobald die Infektion abgeklungen ist.

Wie unterscheiden sich DCR von außen und durch die Nase?

Die DCR kann von außen über einen kleinen Hautschnitt oder von innen durch die Nase mit einem Endoskop erfolgen; beide Verfahren sind heute Standard. Welche Methode passt, hängt von der Anatomie, der Ursache und der Erfahrung des Operationsteams ab. In Deutschland übernehmen bei der Operation durch die Nase oft auch Hals-Nasen-Ohren-Ärztinnen und -Ärzte, teils gemeinsam mit der Augenklinik.

MerkmalDCR von außen (extern, transkutan)DCR durch die Nase (endonasal, endoskopisch)
Zugangkleiner Hautschnitt seitlich an der Nasenwurzeldurch das Nasenloch mit Kamera, kein Hautschnitt
Narbekleine Narbe, meist nach Monaten unauffälligkeine äußere Narbe
Erfolgetwa 90 bis 95 Prozentin Studien teils vergleichbar mit der Operation von außen
Vorteilegute Sicht auf den Tränensack, Gewebeprobe und Entfernung von Steinen gut möglichkeine Narbe, Lidpumpe bleibt unberührt, meist schnellere Erholung
Weniger geeignet beiWunsch, eine sichtbare Narbe zu vermeidenTumorverdacht, Tränensteinen, Aussackungen des Tränensacks, Enge am gemeinsamen Kanälchen, schweren Mittelgesichtsverletzungen

Daneben gibt es Verfahren durch die Tränenkanälchen mit Laser oder Mikrobohrer. Sie sind weniger belastend, haben laut französischer Fachliteratur aber deutlich geringere Erfolgsraten als die beiden klassischen Wege.

Wie läuft die Operation ab?

Die DCR erfolgt meist in Vollnarkose, seltener in örtlicher Betäubung mit Dämmerschlaf. Nach dem Anlegen des Knochenfensters wird meist ein dünner Silikonschlauch durch beide Tränenpünktchen bis in die Nase gelegt. Er stützt die neue Öffnung während der Heilung. Je nach Klinik und Verfahren erfolgt der Eingriff ambulant oder mit einer Übernachtung.

Was ist nach einer DCR zu beachten?

In den ersten ein bis zwei Wochen sollten Sie sich schonen und die Nase nicht schnäuzen. Übliche Empfehlungen sind:

  • etwa eine Woche Ruhe, nicht schwer heben, keine schwere körperliche Anstrengung für zwei bis drei Wochen
  • Kühlen in den ersten 48 Stunden, Oberkörper beim Liegen erhöht
  • in den ersten 12 bis 24 Stunden keine heißen Speisen und Getränke
  • Nasenspray und Augentropfen nach Plan
  • leicht blutiges Nasensekret in den ersten Tagen ist normal
  • bei der Operation von außen werden die Hautfäden nach etwa einer Woche entfernt

Der Silikonschlauch wird je nach Klinik nach etwa 4 Wochen bis 6 Monaten in der Sprechstunde gezogen. Das dauert nur Sekunden und ist kaum unangenehm.

Welche Risiken hat eine DCR?

Ernste Komplikationen sind selten. Mögliche Risiken sind:

  • Nachblutung aus der Nase
  • Wundinfektion
  • frühzeitiger Verlust oder Verrutschen des Schlauchs
  • Vernarbung und Wiederverschluss der neuen Öffnung, mit erneutem Tränen
  • Verwachsungen in der Nase oder Nebenhöhlenentzündung
  • Verletzung der Tränenkanälchen
  • sehr selten Verletzung der Augenhöhle oder ein Austritt von Hirnwasser an der Schädelbasis

Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten bleibt trotz offener Verbindung ein leichtes Tränen, etwa weil die Lidpumpe schwach ist. Eine zweite Operation ist manchmal nötig.

Was tun, wenn die Tränenkanälchen selbst verschlossen sind?

Sind die Tränenkanälchen zerstört oder vernarbt, kann ein dauerhaftes Glasröhrchen eingesetzt werden, das die Tränen vom inneren Augenwinkel direkt in die Nase leitet. Dieser Eingriff heißt Konjunktivo-Dakryozystorhinostomie, das Röhrchen nach seinem Erfinder oft Jones-Röhrchen. Es bleibt lebenslang und muss regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden. Spezialisierte Zentren bieten außerdem rekonstruktive Eingriffe an den Kanälchen an.

Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?

Diagnose und medizinisch notwendige Behandlung eines Tränenwegsverschlusses gehören zur ärztlichen Versorgung und werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, in Deutschland wie in Österreich. Klären Sie Einzelheiten, etwa zu Zuzahlungen bei einem Krankenhausaufenthalt oder zur Wahl der Klinik, vorab mit Ihrer Krankenkasse oder der behandelnden Einrichtung.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (6)

Geht ein Tränenwegsverschluss beim Baby von selbst weg?

Ja, in den allermeisten Fällen: Etwa 9 von 10 angeborenen Verschlüssen öffnen sich innerhalb des ersten Lebensjahres von selbst. Viele lösen sich schon in den ersten Wochen oder Monaten. Auch zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag öffnen sich laut Studien noch rund 44 bis 76 Prozent der verbliebenen Verschlüsse. Eine spontane Öffnung ist auch danach noch möglich, wird aber seltener.

Wie ist die Prognose nach einer Behandlung beim Kind?

Die Prognose ist sehr gut: Mit Sondierung, gegebenenfalls Schlauch-Einlage und in seltenen Fällen Operation werden fast alle Kinder beschwerdefrei. Das Rückfallrisiko ist höher, wenn erst nach dem dritten Lebensjahr behandelt wird oder ein dauerhafter Schnupfen besteht. Bleibende Schäden am Auge sind selten, wenn eine einseitige Schwachsichtigkeit rechtzeitig erkannt wird.

Wie verläuft der Verschluss bei Erwachsenen?

Bei Erwachsenen bildet sich ein altersbedingter Verschluss nur selten von selbst zurück. Oft beginnt er als teilweise Verengung und wird über Monate bis Jahre vollständig. Viele Betroffene leben lange mit leichtem Tränen. Die Prognose hängt von der Ursache und davon ab, wie lange der Verschluss schon besteht.

Wie gut ist das Ergebnis nach einer DCR?

Nach einer DCR ist bei etwa 9 von 10 Erwachsenen der Tränenabfluss wiederhergestellt. Die Entzündungen hören in aller Regel auf. Rückfälle durch erneute Vernarbung kommen vor, meist in den ersten Monaten. Dann ist eine erneute Operation möglich.

Welche Komplikationen können entstehen?

Die wichtigste Komplikation ist die Tränensackentzündung, die wiederkehren und sich ausbreiten kann. Mögliche Folgen sind:

  • Abszess im Tränensack
  • Fistel, also ein bleibender Gang vom Tränensack zur Haut
  • Entzündung des Lides vor der Augenhöhle oder Entzündung der Augenhöhle selbst
  • sehr selten Hirnhautentzündung, eine Thrombose in einem großen Blutleiter hinter dem Auge (Sinus-cavernosus-Thrombose) oder eine Blutvergiftung
  • Verlust von Sehkraft bei schweren Verläufen

Besonders gefährdet sind Neugeborene, sehr alte Menschen, Menschen mit Diabetes und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Bei rechtzeitiger Behandlung sind solche Verläufe selten.

Ist ein Tränenwegsverschluss vor einer Augenoperation ein Problem?

Ja, eine chronische Tränensackentzündung erhöht das Infektionsrisiko bei Operationen am Auge. Keime aus dem gestauten Tränensack können bei einem Eingriff wie der Operation am Grauen Star ins Auge gelangen. Dort können sie eine schwere Infektion im Augeninneren auslösen. Deshalb sollte ein bekannter Tränenwegsverschluss mit Sekret vor einer geplanten Augenoperation angesprochen und gegebenenfalls zuerst behandelt werden.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (7)

Kann man einem Tränenwegsverschluss vorbeugen?

Einem angeborenen oder altersbedingten Tränenwegsverschluss kann man nicht sicher vorbeugen. Man kann aber Faktoren beeinflussen, die einen Verschluss begünstigen oder ihn verschlimmern. Vor allem lassen sich Entzündungen und Komplikationen oft verhindern oder früh erkennen.

Was können Erwachsene selbst tun?

Erwachsene können einige Risiken senken:

  • Entzündungen von Nase, Nebenhöhlen und Bindehaut rechtzeitig behandeln lassen
  • bei Sport und handwerklichen Arbeiten mit Verletzungsgefahr eine Schutzbrille tragen
  • bei langjährigen Augentropfen und neu auftretendem Tränen die Augenärztin oder den Augenarzt darauf ansprechen
  • vor einer Chemotherapie mit bekannten Risiken für die Tränenwege nach augenärztlicher Kontrolle fragen
  • Lidränder bei einer Lidrandentzündung regelmäßig pflegen

Wie pflege ich das tränende Auge meines Babys?

Reinigen Sie das Auge ein- bis mehrmals täglich mit einem sauberen, mit abgekochtem und abgekühltem Wasser angefeuchteten Tuch oder Wattepad. Wischen Sie vom inneren zum äußeren Augenwinkel und nehmen Sie für jedes Auge ein neues Tuch. Die Haut an der Wange können Sie mit einer milden, fettenden Pflege vor dem Aufweichen schützen. Muttermilch, Kamillentee oder Hausmittel gehören nicht ins Auge.

Ist ein tränendes Baby-Auge ansteckend?

Ein Tränenwegsverschluss selbst ist nicht ansteckend. Bei eitrigem Sekret können aber Keime übertragen werden.

Waschen Sie sich vor und nach dem Reinigen und Massieren die Hände. Geschwister sollten nicht dasselbe Handtuch benutzen. Das Kind darf in der Regel normal in die Betreuung, sofern keine echte ansteckende Bindehautentzündung vorliegt.

Was hilft im Alltag gegen das Tränen?

Im Alltag helfen kleine Maßnahmen, die Beschwerden zu lindern, auch wenn sie den Verschluss nicht beheben. Dazu gehören:

  • Tränen von unten nach oben und zum inneren Augenwinkel hin abtupfen statt nach unten wischen, das zieht das Unterlid weniger nach außen
  • saubere Einmal-Taschentücher statt Stofftaschentücher
  • Brille oder Sonnenbrille mit seitlichem Schutz bei Wind und Kälte
  • wunde Haut mit einer milden Schutzcreme pflegen
  • warme Kompressen und sanfte Massage über dem Tränensack bei leichter chronischer Entzündung, nach Rücksprache mit der Augenärztin oder dem Augenarzt

Helfen künstliche Tränen beim Tränenwegsverschluss?

Bei einem reinen Tränenwegsverschluss helfen künstliche Tränen nicht, weil schon zu viel Flüssigkeit im Auge steht. Sinnvoll sind sie aber, wenn zusätzlich ein trockenes Auge Reflextränen auslöst. Dann kann ein Tränenersatzmittel paradoxerweise das Tränen verringern. Lassen Sie vorher klären, was bei Ihnen überwiegt.

Was sollte man nach einer Operation beachten?

Nach einer DCR sind Schonung und der Verzicht auf Schnäuzen in den ersten ein bis zwei Wochen die wichtigsten Regeln. Halten Sie die Kontrolltermine ein, damit der Schlauch rechtzeitig entfernt und die neue Öffnung geprüft werden kann. Melden Sie sich früher, wenn das Tränen wiederkommt, eine Schwellung entsteht oder der Schlauch verrutscht.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Wann muss ich sofort zum Arzt?

Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei einer schmerzhaften, roten Schwellung am inneren Augenwinkel zusammen mit Fieber oder Ausbreitung auf Lid und Wange. Besonders dringlich ist das bei Neugeborenen und Säuglingen: Eine akute Tränensackentzündung ist bei ihnen ein Notfall. Gehen Sie noch am selben Tag in eine Augenklinik oder Kinderklinik. Weitere Hinweise finden Sie unter Notfall am Auge.

Sofort, auch nachts und am Wochenende, bei:

  • Schwellung und Rötung am inneren Augenwinkel bei einem Neugeborenen oder Säugling
  • Fieber, deutlichem Krankheitsgefühl, Trinkschwäche beim Säugling
  • Schwellung, die auf das Oberlid, die ganze Augenumgebung oder die Wange übergreift
  • Schmerzen bei Augenbewegungen oder hinter dem Auge
  • hervortretendem Auge, Doppelbildern oder eingeschränkter Beweglichkeit des Auges
  • plötzlicher Sehverschlechterung
  • Verschlechterung trotz Antibiotika-Einnahme
  • beidseitiger Schwellung am inneren Augenwinkel bei einem Neugeborenen mit Atemproblemen

In Deutschland erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, den Rettungsdienst unter 112. In Österreich hilft die Gesundheitsberatung unter 1450, der Rettungsdienst ist unter 144 erreichbar.

Wann sollte ich innerhalb weniger Tage zum Augenarzt?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn ein Auge neu und anhaltend eitrig verklebt ist oder sich eine schmerzlose Schwellung neben der Nase bildet. Ebenso bei wiederkehrenden Bindehautentzündungen auf derselben Seite oder blutigen Tränen. Rasch abklären lassen sollten Sie ein Baby mit Lichtscheu, trüb wirkender Hornhaut oder auffällig großen Augen, weil das auf einen angeborenen Grünen Star hinweisen kann. Eine bläuliche Schwellung am inneren Augenwinkel bei einem Neugeborenen (Dakryozele) sollte rasch, innerhalb weniger Tage, untersucht werden, bei Rötung, Fieber oder Atemproblemen sofort.

Wann reicht ein regulärer Termin?

Ein regulärer Termin reicht, wenn das Auge seit Wochen tränt, ohne dass Schmerzen, Fieber oder Schwellung hinzukommen. Bei Säuglingen ist eine Kontrolle sinnvoll, wenn das Tränen über einige Monate anhält, damit Massage, Abwarten oder Sondierung geplant werden können. Bei Erwachsenen sollte ein neu aufgetretenes, dauerhaftes Tränen immer einmal augenärztlich untersucht werden. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann bei den Vorsorgeuntersuchungen eine erste Einschätzung geben.

Welche Warnzeichen deuten auf eine andere Krankheit hin?

Starke Augenschmerzen, ein gerötetes Augenweiß und eine plötzliche Sehverschlechterung passen nicht zu einem Tränenwegsverschluss. Sie können auf eine Entzündung der Hornhaut, einen akuten Glaukomanfall oder eine Entzündung im Augeninneren hinweisen. Dann gilt: sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt oder in die Augenklinik. Ein Fremdkörper oder eine Verätzung erfordern ebenfalls sofortige Hilfe.

9 Häufige Fragen

Mein Baby hat ein tränendes, verklebtes Auge – ist das schlimm?

Meist nicht. Ein tränendes, verklebtes Auge bei einem sonst gesunden Baby mit weißem Augenweiß ist typisch für einen angeborenen Tränenwegsverschluss. Etwa 9 von 10 dieser Verschlüsse öffnen sich im ersten Lebensjahr von selbst. Lassen Sie das Auge trotzdem einmal kinder- oder augenärztlich anschauen, besonders bei Lichtscheu, trüber Hornhaut, Rötung oder Schwellung.

Wie massiere ich den Tränenkanal bei meinem Baby richtig?

Legen Sie mit sauberen Händen eine Fingerkuppe auf den inneren Augenwinkel, drücken Sie kurz fest und streichen Sie nach unten Richtung Nasenflügel. Wiederholen Sie das etwa zehnmal, zwei- bis dreimal täglich. Lassen Sie sich die Technik einmal in der Praxis zeigen. Der Nutzen ist nicht sicher belegt, die Massage schadet aber nicht.

Braucht mein Baby antibiotische Augentropfen?

Nur bei deutlich eitrigem Sekret oder starken Verkrustungen. Antibiotika behandeln die Infektion, öffnen aber den verschlossenen Tränengang nicht. Für die tägliche Pflege genügt ein Tuch mit abgekochtem Wasser. Eine Dauerbehandlung mit Antibiotika wird nicht empfohlen.

Ab wann muss der Tränenkanal beim Kind geöffnet werden?

Meist wird sondiert, wenn der Verschluss um den ersten Geburtstag herum noch besteht. Bei starken Beschwerden, häufigen Entzündungen oder einer Dakryozele kann es früher sein. In deutschen Kliniken wird im ersten Lebensjahr oft in örtlicher Betäubung sondiert, danach meist in kurzer Vollnarkose. Die Erfolgsrate liegt bei etwa 70 bis über 90 Prozent.

Tut die Sondierung meinem Kind weh?

Bei Säuglingen wird mit betäubenden Augentropfen sondiert. Das Festhalten ist für viele Kinder unangenehmer als der Eingriff selbst, der nur wenige Minuten dauert. Ältere Kinder bekommen meist eine kurze Vollnarkose und spüren nichts. Danach können für kurze Zeit blutig gefärbte Tränen oder leichtes Nasenbluten auftreten.

Warum tränt mein Auge ständig, obwohl ich nicht weine?

Häufige Gründe sind ein verengter Tränenabfluss, ein trockenes Auge mit Reflextränen oder ein erschlafftes Unterlid. Bei Erwachsenen ist der Tränenwegsverschluss oft altersbedingt und betrifft häufiger Frauen. Eine Spülung der Tränenwege zeigt, ob der Weg frei ist. Erst dann lässt sich die passende Behandlung wählen.

Wie erkenne ich, ob es ein trockenes Auge oder ein verstopfter Tränenkanal ist?

Brennen, Sandkorngefühl und Tränen in Schüben sprechen eher für ein trockenes Auge, gleichmäßiges Überlaufen mit Schleim und Verklebung eher für einen Verschluss. Sicher unterscheiden kann man es nur bei der Augenuntersuchung mit Farbstofftest und Spülung. Beides kann auch gleichzeitig vorliegen. Mehr dazu finden Sie unter Trockenes Auge.

Ist eine Tränensackentzündung gefährlich?

Eine akute Tränensackentzündung muss rasch mit Antibiotika behandelt werden, weil sie sich auf die Augenhöhle ausbreiten kann. Bei Neugeborenen ist sie ein Notfall. Bei rechtzeitiger Behandlung heilt sie meist gut ab. Weil der Verschluss danach meist bestehen bleibt, folgt oft eine Operation, damit die Entzündung nicht wiederkommt.

Bleibt nach einer Tränenweg-Operation eine Narbe?

Bei der Operation durch die Nase (endonasale DCR) entsteht keine äußere Narbe. Bei der Operation von außen bleibt eine kleine Narbe seitlich an der Nasenwurzel, die nach einigen Monaten meist kaum noch auffällt. Die Operation von außen ist in etwa 90 bis 95 Prozent erfolgreich, die Operation durch die Nase in Studien teils vergleichbar. Welche Methode passt, hängt von Anatomie und Ursache ab.

Wie lange dauert die Heilung nach einer DCR?

Die meisten Menschen sind nach ein bis zwei Wochen wieder alltagsfähig. Schwellung, Druckgefühl und leicht blutiges Nasensekret klingen in dieser Zeit ab. Zwei bis drei Wochen sollten Sie schwere Anstrengung meiden und die Nase anfangs nicht schnäuzen. Der Silikonschlauch wird nach einigen Wochen bis Monaten in der Sprechstunde entfernt.

Kann ein verstopfter Tränenkanal von selbst wieder aufgehen, wenn man erwachsen ist?

Selten. Ein altersbedingter Verschluss bildet sich meist nicht zurück. Nach einer Gesichtsverletzung oder einer akuten Entzündung von Nase oder Nebenhöhlen kann sich der Gang aber manchmal innerhalb von Monaten wieder öffnen. Spülungen helfen bei leichten Verengungen vorübergehend, bei einem vollständigen Verschluss ist meist eine Operation nötig.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 15 Quellen anzeigen
  1. Erkrankungen der Tränenwege – gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG) (DE)
  2. Tränenwegsstenosen bei Kindern – Universitätsklinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsmedizin Halle (DE)
  3. Tränenwegsstenose bei Erwachsenen – Universitätsklinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsmedizin Halle (DE)
  4. Congenital Nasolacrimal Duct Obstruction – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  5. Dacryocystitis – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  6. Dacryocystorhinostomy – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  7. What Is a Blocked Tear Duct? – American Academy of Ophthalmology (EN)
  8. Watering eyes – NHS (EN)
  9. Nasolacrimal Duct Obstruction – American Association for Pediatric Ophthalmology and Strabismus (AAPOS) (EN)
  10. Dacryocystite – Manuel Merck, version pour le grand public (FR)
  11. Sténose acquise du canal lacrymonasal – EMC Ophtalmologie, EM-consulte (FR)
  12. Dacryosténose (canal lacrymal bouché) – Elsan (FR)
  13. Une fistule étonnante – La Revue du Praticien (FR)
  14. Obstrucción del conducto lagrimal – MedlinePlus en español (NIH/NLM) (ES)
  15. ¿Qué es la obstrucción del conducto lagrimal? – American Academy of Ophthalmology, Salud Ocular (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss