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Netzhaut

Farbsehschwäche (Rot-Grün-Schwäche, Farbenblindheit, Achromatopsie)

Eine Farbsehschwäche ist meist eine angeborene, lebenslang gleichbleibende Rot-Grün-Schwäche, die etwa 8 von 100 Männern und rund 1 von 200 Frauen betrifft; echte Farbenblindheit (Achromatopsie) ist dagegen sehr selten. Eine neu auftretende oder einseitige Veränderung des Farbsehens ist anders zu bewerten: Sie kann auf eine Erkrankung von Netzhaut, Sehnerv oder Gehirn hinweisen und gehört rasch zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 31 Minuten · 22 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (6)

Was ist eine Farbsehschwäche?

Bei einer Farbsehschwäche nimmt man bestimmte Farben anders wahr als die Mehrheit der Menschen und kann manche Farbtöne schlecht voneinander unterscheiden. Ursache sind fehlende oder veränderte Zapfen, die Sinneszellen der Netzhaut, die für das Farbsehen bei Tageslicht zuständig sind. Fachleute sprechen von einer Farbsinnstörung oder Dyschromatopsie.

Der Alltagsbegriff „Farbenblindheit“ ist meist irreführend. Die allermeisten Betroffenen sehen Farben, nur abgeschwächt oder verwechselt. Wer tatsächlich keine Farben sieht und die Welt in Grautönen erlebt, hat eine Achromatopsie, eine sehr seltene erbliche Netzhauterkrankung.

Wie entsteht Farbsehen überhaupt?

Farbsehen entsteht aus dem Zusammenspiel von drei Zapfentypen, deren Signale das Gehirn verrechnet. Ein Zapfentyp reagiert vor allem auf kurzwelliges (bläuliches) Licht, einer auf mittelwelliges (grünliches) und einer auf langwelliges (rötliches) Licht. Aus dem Verhältnis, in dem die drei Typen gereizt werden, bildet das Gehirn jeden Farbton.

Daneben gibt es in der Netzhaut die Stäbchen. Sie arbeiten in der Dämmerung und nachts und unterscheiden nur hell und dunkel. Deshalb sieht jeder Mensch nachts kaum Farben.

Welche Formen gibt es?

Man unterscheidet angeborene und erworbene Farbsehstörungen, und innerhalb der angeborenen Formen drei Schweregrade.

  • Anomale Trichromasie (Farbschwäche): Alle drei Zapfentypen sind vorhanden, einer reagiert aber verschoben. Rotschwäche heißt Protanomalie, Grünschwäche Deuteranomalie, Blauschwäche Tritanomalie.
  • Dichromasie (teilweise Farbenblindheit): Ein Zapfentyp fehlt oder arbeitet nicht. Rotblindheit heißt Protanopie, Grünblindheit Deuteranopie, Blaublindheit Tritanopie.
  • Monochromasie und Achromatopsie: Nur ein Zapfentyp oder gar keiner funktioniert. Farben werden kaum oder nicht wahrgenommen.

Die Vorsilben stehen für die betroffenen Zapfen: „Prot-“ für Rot, „Deuter-“ für Grün, „Trit-“ für Blau. Die Endung „-anomalie“ bedeutet abgeschwächt, „-anopie“ bedeutet fehlend.

Wie häufig ist eine Farbsehschwäche?

In Europa haben etwa 8 von 100 Männern und rund 4 bis 5 von 1.000 Frauen eine angeborene Rot-Grün-Schwäche. Je nach Quelle schwanken die Angaben für Männer zwischen 8 und 10 %. Eine weltweite Auswertung von 2025 mit über 1,7 Millionen Kindern und Jugendlichen kam auf niedrigere Werte (4,4 % der Jungen, 0,6 % der Mädchen), weil sie viele Länder mit seltenerem Vorkommen einschließt.

Die häufigste Einzelform ist mit Abstand die Grünschwäche (Deuteranomalie). Blau-Gelb-Störungen sind als angeborene Form sehr selten. Die Achromatopsie betrifft etwa 1 von 30.000 bis 50.000 Menschen, in Deutschland schätzungsweise rund 3.000.

Woher kommt der Name Daltonismus?

Der Begriff geht auf den englischen Naturforscher John Dalton zurück, der Ende des 18. Jahrhunderts seine eigene Farbsehschwäche beschrieb. Er verwechselte unter anderem Scharlachrot mit Grün. Eine Untersuchung seines erhaltenen Erbguts ergab 1995, dass ihm der Grünzapfen fehlte; er war also grünblind.

Ist eine Farbsehschwäche gefährlich?

Die angeborene Rot-Grün-Schwäche ist keine fortschreitende Augenkrankheit und schadet dem Auge nicht. Sehschärfe, Gesichtsfeld und die übrigen Sehfunktionen sind normal. Einschränkungen gibt es im Alltag, in manchen Berufen und bei bestimmten Führerscheinklassen.

Anders ist es bei der erworbenen Farbsehstörung. Wer früher normal Farben gesehen hat und plötzlich oder schleichend Farben anders wahrnimmt, kann eine Erkrankung von Netzhaut, Sehnerv oder Gehirn haben. Das ist ein Warnzeichen und gehört ärztlich abgeklärt.

2 Symptome

In diesem Kapitel (18)

Welche Beschwerden hat man bei einer Rot-Grün-Schwäche?

Das Hauptzeichen ist, dass sich bestimmte Rot-, Grün-, Braun- und Orangetöne schwer oder gar nicht auseinanderhalten lassen. Betroffene sehen diese Farben nicht „falsch“, sondern einander ähnlicher, oft als gedämpfte, bräunlich-gelbliche oder graue Töne. Schwarz, Weiß, Grau und kräftiges Blau machen meist keine Probleme.

Die Schwierigkeiten betreffen drei Bereiche: den Farbton selbst, die Helligkeit einer Farbe und feine Abstufungen innerhalb einer Farbe. Wer eine leichte Schwäche hat, erkennt kräftige Farben bei gutem Licht fast normal und scheitert nur an zarten Pastelltönen. Wer eine starke Form hat, kann bestimmte Paare bei keinem Licht unterscheiden.

Was sieht man bei einer Rotschwäche (Protan)?

Bei einer Rotschwäche oder Rotblindheit wirkt Rot dunkler und weniger leuchtend als für andere. Ein dunkles Rot kann fast schwarz erscheinen, Rot und Orange wirken bräunlich oder grünlich. Rote Lichter, etwa Rücklichter oder Bremslichter bei Nebel und Regen, werden unter Umständen später wahrgenommen.

Gerade dieser Helligkeitsverlust im roten Bereich ist der Grund, warum die Rotschwäche im Straßenverkehr und in manchen Berufen strenger bewertet wird als die Grünschwäche.

Was sieht man bei einer Grünschwäche (Deutan)?

Bei einer Grünschwäche werden Grüntöne schlechter von Rot-, Gelb- und Brauntönen unterschieden, die Helligkeit der Farben bleibt aber weitgehend normal. Kräftiges Grün wird oft richtig benannt, ein blasses Grün dagegen mit Grau, Beige oder Braun verwechselt. Wer grünblind ist (Deuteranopie), sieht die Welt überwiegend in Blau- und Gelbtönen.

Weil die Grünschwäche die häufigste Form ist, sind die meisten der unten beschriebenen Alltagsprobleme typisch für sie.

Was sieht man bei einer Blau-Gelb-Schwäche (Tritan)?

Bei einer Blau-Gelb-Schwäche werden Blau und Grün sowie Gelb und Violett, Rosa oder Hellgrau verwechselt. Angeboren ist diese Form sehr selten. Viel häufiger ist eine Blau-Gelb-Störung erworben, etwa durch eine Linsentrübung, eine Netzhauterkrankung oder Medikamente. Eine neu bemerkte Blau-Gelb-Schwäche sollte deshalb immer augenärztlich abgeklärt werden.

Wie fühlt sich eine Farbsehschwäche im Alltag an?

Die meisten Betroffenen erleben ihre Farbschwäche nicht als Sehproblem, sondern als wiederkehrende kleine Irritationen. Typische Situationen sind:

  • Kleidung: Braun und Grün, Dunkelblau und Violett oder Rot und Grün werden verwechselt; Socken passen nicht zusammen; andere kommentieren die Farbwahl.
  • Lebensmittel: Reifes und unreifes Obst, etwa Tomaten, Bananen oder Äpfel, sind schwer zu unterscheiden; ob Fleisch durchgebraten oder noch roh ist, lässt sich an der Farbe schlecht erkennen.
  • Kontrollleuchten: Ob ein Lämpchen an einem Ladegerät, Router oder Gerät rot, orange oder grün leuchtet, ist oft unklar.
  • Landkarten, Pläne und Diagramme: Farbige Linien eines Liniennetzplans, Höhenstufen auf Karten oder Kurven in Diagrammen verschmelzen.
  • Bildschirm und Internet: Fehlermeldungen in Formularen, die nur rot markiert sind, Links ohne Unterstreichung, Farbfelder ohne Beschriftung in Onlineshops oder grün-rote Kursanzeigen beim Onlinebanking sind schwer zu lesen.
  • Sport und Freizeit: Ein roter Ball auf grünem Rasen, Mannschaftstrikots oder Kartenspiele mit Farbcodes bereiten Mühe.
  • Natur: Rote Beeren oder Blüten im grünen Laub fallen nicht auf.
  • Gesundheit: Sonnenbrand, eine Hautrötung oder eine Blässe bei anderen werden leicht übersehen.

Warum merken viele Betroffene ihre Farbschwäche lange nicht?

Wer von Geburt an farbschwach ist, kennt kein anderes Farbsehen und hält seine Wahrnehmung für normal. Viele lernen außerdem, Farben über Helligkeit, Sättigung, Form oder Zusammenhang richtig zu erraten. So weiß man, dass Gras grün und eine Erdbeere rot ist, auch wenn beides ähnlich aussieht.

Häufig fällt die Schwäche erst auf, wenn andere die Farbbezeichnungen korrigieren, bei einem Schul- oder Betriebsarzt, bei der Musterung, bei einer Eignungsuntersuchung für den Wunschberuf oder bei einer augenärztlichen Untersuchung aus anderem Grund.

Wann sind die Beschwerden stärker?

Eine Farbsehschwäche zeigt sich bei schlechtem Licht deutlich stärker. In der Dämmerung, bei Kunstlicht, bei Nebel, Regen oder in schummrigen Räumen schwinden die Unterschiede zwischen den Farben, die bei hellem Tageslicht noch erkennbar sind. Auch sehr kleine Farbflächen, etwa dünne Linien, kleine Punkte oder winzige Leuchtdioden, sind schwerer zu beurteilen als große.

Warmes, gelbliches Kunstlicht kann eine Grünschwäche im Test verdecken. Deshalb werden Farbtests unter genormtem Licht durchgeführt.

Wie erleben Betroffene Ampeln und Verkehrszeichen?

Die meisten Menschen mit Rot-Grün-Schwäche erkennen Ampeln sicher, weil sie sich an der Position orientieren: Rot ist oben, Gelb in der Mitte, Grün unten. Schwierig wird es bei einzeln hängenden Signalen, quer angeordneten Ampeln, Blinklichtern oder bei Nacht. Bei starker Rotschwäche kann ein rotes Signal nachts unter Umständen erst aus kurzer Entfernung sicher als rot erkannt werden.

Sieht man mit einer Rot-Grün-Schwäche schlechter scharf?

Nein, bei einer reinen angeborenen Rot-Grün- oder Blau-Gelb-Schwäche ist die Sehschärfe normal. Auch Gesichtsfeld, räumliches Sehen und Nachtsehen sind nicht beeinträchtigt. Wer zusätzlich unscharf sieht, blendempfindlich ist oder Augenzittern hat, hat entweder eine schwerere Form wie die Achromatopsie oder eine andere Augenerkrankung.

Sind beide Augen betroffen?

Die angeborene Farbsehschwäche betrifft immer beide Augen gleich stark und bleibt das ganze Leben unverändert. Ist nur ein Auge betroffen oder sind beide Augen unterschiedlich stark betroffen, spricht das fast immer für eine erworbene Ursache.

Woran erkennen Eltern eine Farbsehschwäche bei ihrem Kind?

Eltern bemerken eine Farbsehschwäche oft dann, wenn das Kind die Farbnamen lernt und dabei auffällig und dauerhaft bestimmte Farben verwechselt. Weitere Hinweise sind:

  • Das Kind malt Bäume braun, den Himmel violett oder Gesichter grünlich und hält das für richtig.
  • Es tut sich schwer beim Sortieren von Bausteinen, Perlen oder Spielkarten nach Farben.
  • Es verliert die Lust am Ausmalen oder an Farbspielen.
  • Es greift immer wieder zu den falschen Buntstiften oder fragt nach, welche Farbe ein Stift hat.
  • Es kann farbige Tafelbilder oder Arbeitsblätter schlecht entziffern.
  • Es riecht manchmal am Essen, bevor es isst, weil Farbe als Hinweis auf Frische oder Reife nicht ausreicht.

Kinder sprechen selten von sich aus darüber, manche verbergen ihre Unsicherheit. Wichtig zu wissen: Ein Zwei- oder Dreijähriges, das Rot und Grün verwechselt, ist nicht automatisch farbschwach. Farben werden früher gesehen als richtig benannt; eine verlässliche Aussage ist meist erst ab etwa vier Jahren möglich.

Was bemerken Lehrkräfte und Angehörige?

Lehrkräften fällt eine Farbschwäche oft als Ersten auf, wenn ein Kind Aufgaben mit Farbcodes falsch löst, obwohl es den Inhalt verstanden hat. Typisch sind Fehler bei farbigen Rechenstäben, Landkarten im Sachunterricht, Diagrammen, Farbmarkierungen auf dem Arbeitsblatt oder bunter Kreide an der Tafel. Solche Fehler können fälschlich als Lernschwäche oder Unaufmerksamkeit gedeutet werden.

Bei Erwachsenen bemerken Partner oder Kollegen die Verwechslungen, etwa bei Kleidung, Kabeln, Grafiken oder dem Garzustand von Fleisch.

Welche Beschwerden hat man bei einer Achromatopsie?

Bei der Achromatopsie fehlen nicht nur die Farben, sondern das gesamte Tagessehen ist stark eingeschränkt, weil alle Zapfen ausfallen. Betroffene sehen allein mit den Stäbchen. Typisch sind:

  • Fehlendes oder stark vermindertes Farbsehen: Die Welt erscheint in Grau-, Schwarz- und Weißtönen. Unterschiede erkennen Betroffene nur an Helligkeit und Kontrast.
  • Starke Blendung und Lichtscheu (Photophobie): Helles Tageslicht ist unangenehm bis schmerzhaft, das Sehen wird bei Sonne schlechter. In der Dämmerung und bei gedämpftem Licht sehen Betroffene vergleichsweise besser; man spricht von Tagblindheit (Hemeralopie).
  • Deutlich verminderte Sehschärfe: Bei der vollständigen Form meist 0,1 (10 % der Norm) oder weniger, bei unvollständigen Formen etwas besser.
  • Augenzittern (Nystagmus): pendelnde, unwillkürliche Augenbewegungen, oft schon in den ersten Lebenswochen.
  • Häufig Weitsichtigkeit und manchmal ein kleiner Ausfall im Zentrum des Gesichtsfelds.

Die Achromatopsie betrifft nur die Augen. Andere Organe sind nicht beteiligt, die Lebenserwartung ist normal.

Woran fällt eine Achromatopsie beim Baby auf?

Eine Achromatopsie fällt meist schon im Säuglingsalter auf, nicht erst beim Benennen von Farben. Erstes Zeichen ist oft ein Augenzittern in den ersten Lebenswochen oder -monaten. Babys kneifen bei hellem Licht die Augen zusammen, wenden den Kopf vom Fenster ab oder weinen im Sonnenlicht.

Später zeigen Kinder Schwierigkeiten, Gesichter oder entfernte Dinge zu erkennen, und lesen sehr nah. Das Augenzittern kann mit dem Alter etwas nachlassen, Blendung und schwaches Sehen bleiben bestehen. Ein Kind mit diesen Zeichen gehört in augenärztliche Betreuung, weil auch andere Erkrankungen, etwa Albinismus, ähnliche Beschwerden machen.

Wie zeigt sich eine erworbene Farbsehstörung?

Eine erworbene Farbsehstörung zeigt sich als Veränderung gegenüber dem bisherigen Sehen: Farben wirken blasser, verwaschen, schmutzig oder anders getönt als früher. Viele Betroffene schildern die Veränderung genau, obwohl Standardtests sie schlechter erfassen als angeborene Formen. Typische Beschreibungen sind:

  • Farben verblassen: Alles wirkt wie durch einen Grauschleier oder wie auf einem ausgebleichten Foto.
  • Rot wirkt auf einem Auge blasser: Ein rotes Objekt sieht mit dem einen Auge kräftig, mit dem anderen eher rosa, orange oder bräunlich aus. Diese „Rotentsättigung“ ist ein klassisches Zeichen einer Sehnervenerkrankung, etwa einer Sehnerventzündung.
  • Blau und Gelb lassen sich schlecht trennen: häufig bei Linsentrübung oder Erkrankungen der Netzhautmitte.
  • Farbstich: Alles erscheint gelblich, rötlich oder bläulich getönt, etwa bei bestimmten Medikamenten oder Vergiftungen.
  • Unterschied zwischen den Augen: Beim abwechselnden Zuhalten sehen Farben mit jedem Auge anders aus.

Welche Begleitsymptome sprechen für eine erworbene Ursache?

Erworbene Farbsehstörungen gehen häufig mit weiteren Sehbeschwerden einher, die bei der angeborenen Form nie auftreten. Dazu gehören verminderte Sehschärfe, verzerrtes Sehen, ein grauer oder dunkler Fleck in der Mitte des Gesichtsfelds, Gesichtsfeldausfälle, Schmerzen bei Augenbewegungen, zunehmende Blendung oder eine Verschlechterung über Wochen und Monate. Treten Lähmungen, Sprachstörungen oder ein halbseitiger Gesichtsfeldausfall dazu, kann ein Schlaganfall dahinterstecken.

Was ist eine zerebrale Achromatopsie?

Bei der zerebralen Achromatopsie ist nicht das Auge, sondern das Farbzentrum im Gehirn geschädigt, etwa nach einem Schlaganfall, einer Hirnverletzung oder durch einen Tumor im Hinterkopfbereich. Die Netzhaut ist gesund, die Sehschärfe kann gut bleiben, es gibt meist weder Augenzittern noch Lichtscheu. Betroffene beschreiben plötzlich graue oder ausgewaschene Farben, manchmal nur in einer Hälfte des Gesichtsfelds.

Wie verändert sich das Farbsehen im Alter?

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Farbsehen bei vielen Menschen leicht, vor allem durch die Gelbfärbung und Trübung der Augenlinse beim Grauen Star. Blau- und Violetttöne erscheinen dann dunkler, Weiß wirkt gelblich, Farben insgesamt matter. Nach einer Staroperation berichten viele Menschen, dass Farben wieder strahlender wirken und Weiß wieder weiß aussieht. Eine ältere Person mit seit Jahren bekannter Rot-Grün-Schwäche bemerkt diese zusätzliche Veränderung oft gar nicht.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (10)

Was ist die Ursache einer angeborenen Rot-Grün-Schwäche?

Die angeborene Rot-Grün-Schwäche entsteht durch Veränderungen in den Genen für die Sehfarbstoffe (Opsine) der Rot- und Grünzapfen. Diese beiden Gene liegen dicht nebeneinander auf dem X-Chromosom. Weil sie sich sehr ähneln, werden sie bei der Bildung von Ei- und Samenzellen leicht falsch ausgetauscht. So entstehen fehlende Gene oder Mischgene, deren Farbstoff in der Empfindlichkeit verschoben ist oder gar nicht arbeitet.

Bei einer Rotschwäche ist die Empfindlichkeit des Rotzapfens Richtung Grün verschoben, bei einer Grünschwäche die des Grünzapfens Richtung Rot. Je näher sich die beiden Kurven kommen, desto schwerer lassen sich Rot und Grün unterscheiden. Fehlt ein Farbstoff ganz, entsteht eine Rot- oder Grünblindheit.

Warum sind vor allem Männer betroffen?

Männer sind häufiger betroffen, weil sie nur ein X-Chromosom besitzen. Trägt dieses eine X die Veränderung, gibt es keine gesunde Kopie, die das ausgleicht. Frauen haben zwei X-Chromosomen; eine Rot-Grün-Schwäche entsteht bei ihnen nur, wenn beide die Veränderung tragen.

Frauen mit nur einem veränderten X sehen meist normal, sind aber Überträgerinnen (Konduktorinnen). Dieser Erbgang heißt X-chromosomal-rezessiv. Deshalb ist die Rot-Grün-Schwäche bei Männern etwa 10- bis 20-mal häufiger als bei Frauen.

Wie wird die Rot-Grün-Schwäche vererbt?

Die Rot-Grün-Schwäche wird in der Regel von der Mutter auf den Sohn weitergegeben. Die wichtigsten Regeln:

ElternSöhneTöchter
Mutter Überträgerin, Vater normalje Sohn 50 % Wahrscheinlichkeit, betroffen zu seinje Tochter 50 % Wahrscheinlichkeit, Überträgerin zu sein
Vater betroffen, Mutter ohne Anlagenicht betroffen, geben nichts weiteralle Überträgerinnen, meist selbst normal sehend
Vater betroffen, Mutter Überträgerinje Sohn 50 % betroffenje Tochter 50 % betroffen, sonst Überträgerin

Ein betroffener Vater gibt die Anlage also nie an seine Söhne weiter, aber immer an seine Töchter. Häufig überspringt die Farbschwäche deshalb scheinbar eine Generation: Der Großvater mütterlicherseits ist betroffen, die Mutter nicht, der Enkel wieder. Wer in einer betroffenen Familie genauere Auskunft möchte, kann eine humangenetische Beratung in Anspruch nehmen.

Wie wird die Blau-Gelb-Schwäche vererbt?

Die seltene angeborene Blau-Gelb-Schwäche wird nicht über das X-Chromosom vererbt, sondern autosomal, meist dominant. Das Gen für den Blauzapfen liegt auf einem anderen Chromosom. Männer und Frauen sind deshalb gleich häufig betroffen, und schon ein Elternteil kann die Anlage weitergeben.

Was ist die Ursache einer Achromatopsie?

Die Achromatopsie entsteht durch Veränderungen in Genen, die für die Signalumwandlung in den Zapfen nötig sind. Bekannt sind sechs Gene: CNGB3 und CNGA3 erklären zusammen die große Mehrheit der Fälle, seltener sind GNAT2, PDE6C, PDE6H und ATF6 betroffen. In Europa ist CNGB3 am häufigsten. Die Zapfen sind zwar angelegt, können Licht aber nicht in ein Nervensignal umwandeln.

Der Erbgang ist autosomal-rezessiv: Beide Eltern tragen je eine veränderte Genkopie, ohne selbst betroffen zu sein. Für jedes Kind besteht dann ein Risiko von 25 %. Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen.

Warum ist Achromatopsie auf Pingelap so häufig?

Auf der kleinen Insel Pingelap in Mikronesien hat ein großer Teil der Bevölkerung, je nach Angabe 4 bis 10 %, eine Achromatopsie. Nach einem Taifun im späten 18. Jahrhundert überlebten nur wenige Menschen, darunter ein Träger der Genveränderung. Die Nachkommen trugen die Anlage weiter, ein sogenannter Gründereffekt.

Was ist eine Blauzapfen-Monochromasie?

Die Blauzapfen-Monochromasie ist eine seltene Sonderform, bei der nur die Blauzapfen und die Stäbchen arbeiten. Sie wird X-chromosomal vererbt und betrifft daher fast nur Jungen. Die Beschwerden ähneln der Achromatopsie mit Augenzittern, Blendung und schwacher Sehschärfe; die genaue Unterscheidung gelingt mit speziellen Tests und einer genetischen Untersuchung.

Welche Erkrankungen verursachen eine erworbene Farbsehstörung?

Eine erworbene Farbsehstörung kann durch jede Erkrankung entstehen, die Netzhaut, Sehnerv oder Sehrinde schädigt. Die wichtigsten Ursachen:

  • Augenlinse: Grauer Star dämpft vor allem Blau- und Violetttöne.
  • Netzhaut und Makula: altersabhängige Makuladegeneration, diabetische Retinopathie, Netzhautablösung, erbliche Netzhaut- und Zapfendystrophien, Morbus Stargardt.
  • Sehnerv: Sehnerventzündung, auch bei Multipler Sklerose, Durchblutungsstörungen des Sehnervs, fortgeschrittener Grüner Star, Druck auf den Sehnerv durch Tumoren und die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie.
  • Gehirn: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Verletzung, Hirntumoren (zerebrale Achromatopsie).
  • Allgemeinerkrankungen: Diabetes, Lebererkrankungen, Parkinson, Alzheimer-Krankheit, Sichelzellanämie, chronischer Alkoholmissbrauch.
  • Medikamente, Gifte und Strahlung: siehe nächster Abschnitt; außerdem Laserverletzungen der Netzhaut und Bestrahlung im Kopfbereich.

Als grobe Faustregel gilt: Netzhauterkrankungen stören eher das Blau-Gelb-Sehen, Sehnervenerkrankungen eher das Rot-Grün-Sehen. Diese Regel ist aber nur eine Tendenz und kein sicheres Unterscheidungsmerkmal.

Welche Medikamente können das Farbsehen verändern?

Mehrere Medikamente können das Farbsehen vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigen. Gut bekannt sind:

  • Hydroxychloroquin und Chloroquin (Malaria- und Rheumamittel): Sie können die Netzhaut schädigen; anfangs zeigt sich oft eine Blau-Gelb-Störung, später auch Rot-Grün. Dieser Schaden bildet sich häufig nicht mehr zurück, deshalb sind bei Langzeiteinnahme regelmäßige Augenkontrollen vorgesehen.
  • Ethambutol (Tuberkulosemittel): Es kann den Sehnerv schädigen, meist einige Monate nach Behandlungsbeginn; leichte Fälle bessern sich oft nach dem Absetzen.
  • Digitalis-Präparate (Herzmittel): Bei Überdosierung kann ein Gelbsehen oder ein Farbstich auftreten.
  • PDE-5-Hemmer (Mittel gegen Erektionsstörungen): Sie können vorübergehend einen Blaustich verursachen.
  • Amiodaron (Herzrhythmusmittel) sowie einzelne Antibiotika und Mittel gegen Epilepsie, bei manchen nur solange sie eingenommen werden.

Mehr zu solchen Nebenwirkungen steht im Beitrag Augenschäden durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie die Veränderung mit der verordnenden Ärztin oder dem Arzt an.

Gibt es Risikofaktoren?

Für die angeborene Form sind männliches Geschlecht und Farbsehschwäche in der Familie die entscheidenden Faktoren. Für erworbene Formen erhöhen Augenerkrankungen wie Glaukom und Makuladegeneration, Diabetes, Multiple Sklerose, neurologische Erkrankungen, höheres Alter sowie die Einnahme der genannten Medikamente das Risiko.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (11)

Wie wird eine Farbsehschwäche festgestellt?

Eine Farbsehschwäche wird mit speziellen Farbtests festgestellt, meist zuerst mit Farbtafeln und bei Auffälligkeit mit genaueren Verfahren wie dem Anomaloskop. Am Anfang steht das Gespräch: Seit wann bestehen die Probleme, gibt es Betroffene in der Familie, welche Medikamente werden eingenommen, sind beide Augen gleich? Diese Fragen helfen, angeborene von erworbenen Formen zu trennen.

Getestet wird jedes Auge einzeln und beide zusammen, mit der gewohnten Brille, ohne Pupillenerweiterung und unter Tageslicht oder einer genormten Lampe. Getönte Brillen oder Filterlinsen werden vorher abgesetzt.

Wie funktioniert der Ishihara-Test?

Der Ishihara-Test besteht aus Tafeln mit bunten Punkten, in denen eine Zahl oder ein Linienmuster versteckt ist, das nur bei normalem Farbsehen erkennbar ist. Die Punkte sind unterschiedlich groß und hell, sodass sich die Zahl nur durch ihren Farbton vom Hintergrund abhebt; man nennt solche Tafeln pseudoisochromatisch. Eine Person mit Rot-Grün-Schwäche liest manche Zahlen nicht, andere falsch, und auf einzelnen Tafeln sieht sie sogar eine Zahl, die Normalsichtige nicht erkennen.

Die Tafeln wurden 1917 vom japanischen Augenarzt Shinobu Ishihara entwickelt und sind weltweit der häufigste Suchtest. Im deutschsprachigen Raum werden auch die Tafeln nach Velhagen verwendet. Bei der verbreiteten Kurzfassung mit 14 Tafeln gelten 10 oder mehr richtig gelesene Tafeln als normal, 7 oder weniger als Hinweis auf eine Farbschwäche; dazwischen sind weitere Tests nötig.

Was kann der Ishihara-Test und was nicht?

Der Ishihara-Test erkennt angeborene Rot-Grün-Schwächen sehr zuverlässig, sagt aber wenig über deren Schweregrad. Blau-Gelb-Störungen erfasst er nicht, und erworbene Störungen übersieht er leicht. Er ist deshalb ein guter Suchtest, aber keine vollständige Diagnose.

Was ist ein Anomaloskop?

Das Anomaloskop ist das genaueste Gerät zur Einordnung einer Rot-Grün-Schwäche und gilt als Goldstandard. Man blickt in ein Okular und sieht einen geteilten Kreis: Eine Hälfte zeigt reines Gelb, die andere eine Mischung aus Rot und Grün. Die Aufgabe ist, Mischung und Helligkeit so einzustellen, dass beide Hälften gleich aussehen.

Menschen mit normalem Farbsehen wählen fast immer dieselbe Mischung. Rotschwache brauchen mehr Rot, Grünschwache mehr Grün, und Rot- oder Grünblinde akzeptieren jede Mischung als passend. Aus der eingestellten Mischung errechnet sich der Anomalquotient: Werte um 1 sind normal, deutlich kleinere Werte sprechen für eine Rotschwäche, deutlich größere für eine Grünschwäche. Diese Zahl ist bei Eignungsuntersuchungen für bestimmte Berufe und Führerscheinklassen entscheidend.

Was ist der Farnsworth-Test?

Beim Farnsworth-Test werden farbige Plättchen nach ihrem Farbton in eine Reihe gelegt. Beim kurzen Panel-D-15-Test sind es 15 Plättchen, beim aufwendigeren 100-Hue-Test 85. Aus den typischen Vertauschungen lässt sich ablesen, ob eine Rot-, Grün- oder Blaustörung vorliegt und wie stark sie den Alltag beeinträchtigt.

Der Panel-D-15-Test erfasst auch Blau-Gelb-Störungen und eignet sich deshalb besonders für erworbene Farbsehstörungen. Leichte Farbschwächen bestehen ihn dagegen oft; wer ihn nicht besteht, hat meist eine mittlere bis starke Störung.

Welche Testkombination ist sinnvoll?

Fachliche Übersichten und das Weiterbildungsbuch der Spanischen Gesellschaft für Ophthalmologie empfehlen ein abgestuftes Vorgehen: Farbtafeln als Suchtest, bei Auffälligkeit der Panel-D-15-Test und, wenn eine genaue Einordnung nötig ist, das Anomaloskop. Typische Muster sind:

FormFarbtafelnPanel D-15Anomaloskop
Leichte Rot- oder Grünschwächeauffälligmeist bestandenverschobene Mischung
Rot- oder Grünblindheitauffällignicht bestandenjede Mischung wird akzeptiert
Blau-Gelb-Störungoft unauffällignicht bestanden (Blauachse)für Rot-Grün unauffällig

Ab welchem Alter kann man ein Kind testen?

Verlässlich lässt sich das Farbsehen meist ab etwa vier Jahren prüfen. Für Kinder, die noch keine Zahlen kennen, gibt es Tafeln mit Kreisen, Quadraten, Tieren oder Wegen, die mit dem Finger nachgefahren werden. Ein auffälliges Ergebnis im Kindergartenalter sollte mit fünf bis sechs Jahren wiederholt werden, da sich manche Unsicherheiten verwachsen.

Spanische Fachleute empfehlen, das Farbsehen bei allen Kindern vor der Einschulung zu prüfen, weil Farben im Lese- und Rechenunterricht verwendet werden. Bei Vorsorge- oder Schuluntersuchungen wird das Farbsehen oft mitgeprüft; ein auffälliges Ergebnis sollte augenärztlich bestätigt werden.

Wie wird eine Achromatopsie gesichert?

Die Achromatopsie wird mit einer Netzhautstrommessung, einer Netzhautschichtaufnahme und einem Gentest gesichert. Die Elektroretinographie (ERG) misst die elektrische Antwort der Netzhaut auf Lichtreize: Die Zapfenantwort fehlt oder ist stark vermindert, die Stäbchenantwort ist normal. Die optische Kohärenztomographie (OCT), ein schmerzloses Schichtbild der Netzhaut, zeigt oft Veränderungen der Zapfenschicht in der Netzhautmitte und eine unvollständig ausgebildete Sehgrube.

Die genetische Untersuchung bestätigt die Diagnose, klärt das Wiederholungsrisiko in der Familie und ist Voraussetzung für die Teilnahme an Therapiestudien. Abzugrenzen sind unter anderem die Blauzapfen-Monochromasie, andere Zapfendystrophien, die Lebersche kongenitale Amaurose und Albinismus.

Was wird bei einer erworbenen Farbsehstörung untersucht?

Bei einer neu aufgetretenen Farbsehstörung sucht die Augenärztin oder der Augenarzt gezielt nach der Ursache. Dazu gehören Sehschärfe, Spaltlampenuntersuchung, Augeninnendruck, Untersuchung von Netzhaut und Sehnerv bei erweiterter Pupille, Gesichtsfeldmessung, OCT und Tests wie der Panel D-15. Ein einfacher Hinweis ist der Seitenvergleich mit einem roten Gegenstand: Erscheint Rot auf einem Auge blasser, spricht das für eine Sehnervenstörung.

Je nach Befund folgen eine neurologische Untersuchung, eine Kernspintomographie (MRT) des Kopfes oder eine Überprüfung der Medikamente gemeinsam mit Hausärztin oder Facharzt.

Taugen Online-Tests und Apps?

Online-Tests und Apps eignen sich nur als erste Orientierung, nicht für eine Diagnose. Bildschirme stellen Farben je nach Gerät, Helligkeit und Einstellung unterschiedlich dar, und die Lichtverhältnisse sind nicht genormt. Ein unauffälliges Ergebnis schließt eine Farbschwäche nicht aus, ein auffälliges sollte augenärztlich geprüft werden.

Wer trägt die Kosten?

In Österreich werden notwendige und zweckmäßige Untersuchungen mit der e-card über die Sozialversicherung abgerechnet, gegebenenfalls mit Selbstbehalt. In Deutschland ist die augenärztliche Abklärung bei Beschwerden oder dem Verdacht auf eine Erkrankung eine Kassenleistung; ob ein Farbtest ohne solchen Anlass bezahlt wird, klären Sie am besten vorab mit der Praxis. Untersuchungen nur für eine Berufseignung oder den Führerschein bezahlt man in der Regel selbst, manchmal übernimmt sie der Arbeitgeber.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (7)

Kann man eine angeborene Farbsehschwäche heilen?

Nein, eine angeborene Rot-Grün- oder Blau-Gelb-Schwäche lässt sich derzeit weder heilen noch durch Training bessern. Die Zapfen sind von Geburt an so angelegt, und kein Medikament, keine Brille und keine Augenübung kann das ändern. Die gute Nachricht: Die meisten Betroffenen kommen im Alltag gut zurecht und brauchen keine Behandlung.

Die Diagnose ist trotzdem wichtig. Sie erklärt Missverständnisse, erleichtert Anpassungen in Schule und Beruf und bewahrt vor bösen Überraschungen bei Eignungstests.

Helfen Farbfilterbrillen und Farbkontaktlinsen?

Spezielle Farbfilterbrillen und -kontaktlinsen können den Kontrast zwischen manchen Farben verändern, ein normales Farbsehen stellen sie aber nicht her. Die Filter blockieren bestimmte Wellenlängen, sodass einzelne verwechselte Farbpaare stärker voneinander abweichen. Gleichzeitig werden andere, vorher unterscheidbare Farben einander ähnlicher.

Unabhängige Studien sind ernüchternd. Eine Untersuchung der Universität Granada mit 48 farbschwachen Personen fand mit einer bekannten Filterbrille keine Verbesserung in Erkennungs- und Ordnungstests. Forschende der Universität Complutense Madrid fassen zusammen, dass solche Brillen Reize verändern, das Farbsehen aber nicht verbessern, und dass der Preis nicht im Verhältnis zur Wirkung steht. Positive Ergebnisse stammen überwiegend aus kleinen Studien, teils mit Beteiligung von Herstellern.

Was sollte man vor dem Kauf einer Filterbrille wissen?

Wer eine Filterbrille ausprobieren möchte, sollte realistische Erwartungen haben und vorher mit der Augenärztin oder dem Augenarzt sprechen. Wichtig sind:

  • Viele Menschen empfinden Farben mit dem Filter als kräftiger oder „anders“, das ist aber kein Normalfarbsehen.
  • Bei vollständiger Rot- oder Grünblindheit wirken die Filter kaum.
  • Bei Eignungsuntersuchungen für Führerschein, Beruf, Flug- oder Bootsschein sind Filterbrillen und getönte Kontaktlinsen nicht zugelassen.
  • Getönte Gläser schlucken Licht und sind für das Autofahren in der Dämmerung und bei Nacht ungeeignet.

Welche Hilfsmittel erleichtern den Alltag?

Im Alltag helfen vor allem digitale Werkzeuge. Smartphone-Apps nennen die Farbe eines angetippten Bildpunkts, etwa beim Kleiderkauf oder im Supermarkt. Computer, Tablets und Smartphones haben in den Bedienungshilfen Farbfilter und Kontrasteinstellungen, die verwechselte Farben verschieben können. Für Menschen, die gar keine Farben sehen, gibt es kleine elektronische Farberkennungsgeräte, die die Farbe ansagen.

Wie wird eine Achromatopsie behandelt?

Eine ursächliche Behandlung der Achromatopsie ist bisher nicht zugelassen; die Betreuung zielt darauf, Blendung zu mindern und das vorhandene Sehen bestmöglich zu nutzen. Dazu gehören:

  • Kantenfilter- oder Filtergläser in rötlicher oder brauner Tönung, auch als Kontaktlinsen, die kurzwelliges Licht abhalten und die Blendung deutlich lindern. Sie verbessern das Wohlbefinden, nicht aber die Sehschärfe.
  • Hut oder Kappe mit Schirm und seitlich geschlossene Brillen im Freien.
  • Korrektur der Fehlsichtigkeit: Viele Kinder sind deutlich weitsichtig und brauchen früh eine Brille.
  • Behandlung einer Schwachsichtigkeit durch Abkleben oder Augentropfen, wenn ein Auge schlechter sieht.
  • Vergrößernde Sehhilfen: Lupen, elektronische Lesegeräte, Fernrohrbrillen, vergrößerte Schrift, Tablets mit Zoom und Vorlesefunktion, Apps zur Objekterkennung.
  • Frühförderung und Unterstützung in der Schule durch Sehbehindertenpädagogik, Orthoptik und gegebenenfalls Ergotherapie.
  • Genetische Beratung der Familie.

Gibt es eine Gentherapie?

Für die Achromatopsie werden Gentherapien erforscht, sie sind aber noch nicht zugelassen. In mehreren Studien der Phasen I und II wurde Kindern und Erwachsenen eine gesunde Kopie des Gens CNGA3 oder CNGB3 mit harmlosen Viren unter die Netzhaut gebracht. Die Behandlung war überwiegend gut verträglich, dosisabhängig traten Augenentzündungen auf.

Die Wirkung war bisher begrenzt und uneinheitlich. Eine britische Studie an vier Kindern zeigte 2022 bei zweien neue Zapfensignale im Sehzentrum des Gehirns und messbar bessere Leistungen. Ein früher Behandlungsbeginn gilt als günstig. Wer daran interessiert ist, sollte sich an ein Zentrum für erbliche Netzhauterkrankungen wenden; Voraussetzung ist ein gesicherter Gentest.

Für die häufige Rot-Grün-Schwäche gibt es Erfolge bei Affen, beim Menschen wurde eine solche Therapie bisher nicht angewandt.

Wie wird eine erworbene Farbsehstörung behandelt?

Bei einer erworbenen Farbsehstörung wird die Ursache behandelt, und das Farbsehen bessert sich oft mit. Nach einer Staroperation erscheinen Farben meist wieder klar und leuchtend. Bei einer Sehnerventzündung erholt sich das Farbsehen häufig innerhalb von Wochen bis Monaten, manchmal nicht vollständig.

Ist ein Medikament die Ursache, kann die verordnende Ärztin oder der Arzt die Dosis anpassen oder auf ein anderes Mittel wechseln. Bei Netzhautschäden durch Hydroxychloroquin oder bleibenden Schäden an Netzhaut oder Sehnerv kann die Störung allerdings bestehen bleiben. Bei Durchblutungsstörungen, Diabetes oder Makulaerkrankungen hilft die konsequente Behandlung der Grunderkrankung, ein Fortschreiten zu bremsen.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (4)

Wird eine angeborene Farbsehschwäche schlimmer?

Nein, eine angeborene Rot-Grün- oder Blau-Gelb-Schwäche bleibt das ganze Leben gleich. Sie schreitet nicht fort, führt nicht zur Erblindung und schädigt das Auge nicht. Wer im Alter eine zusätzliche Verschlechterung bemerkt, hat meist eine zweite, erworbene Ursache wie einen Grauen Star.

Wie ist die Prognose bei Achromatopsie?

Die Achromatopsie gilt als weitgehend stabil: Das Sehen festigt sich in der Kindheit und bleibt danach meist auf ähnlichem Niveau. Das Augenzittern kann mit den Jahren schwächer werden, Blendung und verminderte Sehschärfe bleiben. Bildgebende Studien deuten bei manchen Betroffenen auf einen langsamen Verlust von Zapfenstrukturen hin, ohne dass sich das Sehen deutlich verschlechtert. Mit Filtergläsern, Sehhilfen und Förderung können die meisten Betroffenen eine reguläre Schul- und Berufsausbildung abschließen.

Wie verläuft eine erworbene Farbsehstörung?

Der Verlauf einer erworbenen Farbsehstörung hängt ganz von ihrer Ursache ab. Unbehandelt schreiten viele Formen fort, etwa bei Glaukom, Makuladegeneration oder Medikamentenschäden. Nach einer Linsenoperation, dem Absetzen eines auslösenden Mittels oder dem Abklingen einer Sehnerventzündung kann sie sich ganz oder teilweise zurückbilden. Auch nach einem Schlaganfall erholt sich das Farbsehen manchmal teilweise.

Welche Folgen hat eine Farbsehschwäche im Leben?

Körperliche Folgen hat die angeborene Rot-Grün-Schwäche nicht. Die Folgen liegen im Alltag, in der Schule, bei der Berufswahl und im Straßenverkehr. Wer früh Bescheid weiß, kann diese Einschränkungen meist gut ausgleichen.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (8)

Kann man einer Farbsehschwäche vorbeugen?

Der angeborenen Farbsehschwäche kann man nicht vorbeugen, weil sie in den Genen angelegt ist. Erworbenen Formen lässt sich teilweise vorbeugen: durch gute Einstellung von Diabetes und Blutdruck, regelmäßige augenärztliche Kontrollen ab dem mittleren Lebensalter und vorgeschriebene Augenkontrollen bei Medikamenten wie Hydroxychloroquin oder Ethambutol.

Welche Tipps helfen im Alltag?

Die meisten Betroffenen entwickeln eigene Strategien und brauchen nur wenige Hilfen. Bewährt haben sich:

  • Kleidung beim Kauf beschriften oder nach bewährten Kombinationen ordnen; im Zweifel jemanden fragen.
  • Buntstifte, Ordner, Kabel und Kleiderbügel mit Namen oder Symbolen beschriften.
  • Gutes, helles Tageslicht oder neutralweißes Licht beim Auswählen von Farben nutzen.
  • Farbfilter und Kontrasteinstellungen am Bildschirm aktivieren und Farb-Apps nutzen.
  • Fleisch mit einem Bratenthermometer statt nach Farbe beurteilen.
  • Familie, Kolleginnen und Kollegen informieren, damit sie Farbinformationen zusätzlich mit Worten geben.

Wie können Schule und Kindergarten helfen?

Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher sollten frühzeitig über die Farbschwäche informiert werden, damit Unterricht und Prüfungen angepasst werden können. Hilfreich ist:

  • Arbeitsblätter und Tafelbilder nicht nur über Farben gliedern, sondern zusätzlich mit Mustern, Symbolen, Zahlen oder Beschriftung.
  • Auf der Tafel kontrastreiche Kreide verwenden, besonders keine rote und grüne Kreide nebeneinander.
  • Unterstreichungen unterscheiden: durchgehend, gestrichelt, gepunktet.
  • Buntstifte und Malfarben beschriften.
  • Farbabhängige Aufgaben im Sachunterricht, in Geografie oder Chemie mit Hilfestellung oder Alternativen anbieten.

Eltern sollten dem Kind die Farbschwäche altersgerecht erklären. Es soll wissen, dass es nicht weniger begabt ist, sondern Farben einfach anders sieht.

Welche Berufe sind mit einer Farbsehschwäche eingeschränkt?

Berufe, in denen Farbsignale der Sicherheit dienen oder Farben exakt beurteilt werden müssen, können je nach Art und Schwere der Störung erschwert oder verschlossen sein. Dazu gehören:

  • Verkehr und Sicherheit: Pilotin und Pilot, Fluglotse, Lokführer, Bus- und Straßenbahnfahrer, Berufskraftfahrer, Schiffsführer und Seeleute, Polizei, teils Feuerwehr und Militär.
  • Technik: Elektrikerin und Elektriker, Elektronik, wo Kabel und Bauteile farbcodiert sind.
  • Farbe und Gestaltung: Malerin und Lackierer, Autolackierer, Druck, Grafikdesign, Mode, Raumgestaltung, Fotografie.
  • Labor und Medizin: manche Labortätigkeiten mit Farbreaktionen, einzelne medizinische Fachgebiete.

Die Regeln unterscheiden sich je nach Land, Arbeitgeber und Behörde und ändern sich. Eine leichte Grünschwäche ist für viele Berufe kein Hindernis, eine Rotblindheit dagegen häufiger ein Ausschlussgrund. Bei Eignungsuntersuchungen wird meist mit dem Anomaloskop geprüft. Am besten klärt man vor Beginn einer Ausbildung, welche Anforderungen im Wunschberuf gelten, und lässt das eigene Farbsehen genau einordnen.

Darf man mit Rot-Grün-Schwäche Auto fahren (Deutschland)?

Ja, für den Pkw- und Motorradführerschein spielt das Farbsehen in Deutschland keine Rolle. Die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV, Anlage 6) stellt für die Klassen A, A1, A2, B, BE, AM, L und T keine Anforderung an das Farbensehen.

Für Lkw und Bus (Klassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E) sowie für die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung, etwa für Taxi, verlangt die FeV normales Farbensehen, geprüft zum Beispiel mit Ishihara- oder Velhagen-Tafeln. Ist das Farbensehen nicht normal, folgt eine augenärztliche Untersuchung. Bei Rotblindheit oder Rotschwäche mit einem Anomalquotienten unter 0,5 schreibt die FeV vor, dass die betroffene Person über die mögliche Gefährdung aufgeklärt wird. Für Fahrerlaubnisse, die vor 1999 erteilt wurden, gelten Sonderregeln: Bei der Fahrgastbeförderung ist eine solche Rotschwäche dort unzulässig.

Darf man mit Rot-Grün-Schwäche Auto fahren (Österreich)?

In Österreich ist eine angeborene Rot-Grün-Schwäche für den Pkw-Führerschein in aller Regel kein Hindernis; über die gesundheitliche Eignung entscheidet im Einzelfall die Amtsärztin oder der Amtsarzt nach der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung (FSG-GV). Wer einen Lkw- oder Busführerschein oder einen Beruf mit Fahrtätigkeit anstrebt, sollte die geltenden Anforderungen vorab bei der Behörde oder beim Arbeitgeber erfragen.

Für Menschen mit Achromatopsie sind eher die geringe Sehschärfe, die Blendung und das Augenzittern entscheidend, weil für den Führerschein Mindestwerte der Sehschärfe gelten. Auch hier trifft die Beurteilung die Amtsärztin oder der Amtsarzt.

Worauf sollte man beim Autofahren achten?

Wer eine ausgeprägte Rotschwäche hat, sollte bei Nacht, Nebel und Regen mehr Abstand halten, weil rote Brems- und Rücklichter später auffallen können. Ampeln erkennt man sicher an der Position, Fußgängerampeln zusätzlich an der Figur. Getönte Filterbrillen gehören nicht hinters Steuer, besonders nicht in der Dämmerung. Für Berufe mit Fahrtätigkeit und für Flug- und Bootsscheine gelten eigene, oft strengere Regeln.

Was ist bei Kinderwunsch zu bedenken?

Bei einer Rot-Grün-Schwäche in der Familie ist eine Beratung meist nicht nötig, weil die Störung keine gesundheitlichen Folgen hat. Bei Achromatopsie oder anderen erblichen Netzhauterkrankungen ist eine humangenetische Beratung sinnvoll. Sie klärt das Risiko für weitere Kinder und die Möglichkeiten einer genetischen Untersuchung.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Ist eine Farbsehschwäche ein Notfall?

Eine angeborene, seit jeher bekannte Farbsehschwäche ist nie ein Notfall. Eine neu auftretende Veränderung des Farbsehens kann dagegen ein Warnzeichen für eine ernste Erkrankung sein und gehört rasch abgeklärt.

Wann sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme?

Sofort, also am selben Tag, sollten Sie eine Augenklinik oder Notaufnahme aufsuchen bei:

  • plötzlichem Farbverlust oder Grausehen, besonders wenn nur ein Auge oder eine Gesichtsfeldhälfte betroffen ist,
  • Farbveränderung zusammen mit plötzlichem Sehverlust, einem dunklen Fleck oder Schatten im Gesichtsfeld,
  • Farbveränderung mit Schmerzen bei Augenbewegungen,
  • plötzlichem Gelb- oder Farbsehen zusammen mit Übelkeit, Herzrhythmusstörungen oder Verwirrtheit, etwa unter Herzmedikamenten.

Kommen Lähmungen, Taubheitsgefühle, Sprach- oder Sprechstörungen, ein hängender Mundwinkel oder starker Schwindel dazu, wählen Sie sofort den Notruf 112 (in Österreich 144): Das kann ein Schlaganfall sein. Weitere Warnzeichen finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann innerhalb weniger Tage?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie augenärztlich untersucht werden bei:

  • einer schleichenden Verschlechterung des Farbsehens oder blasser werdenden Farben,
  • einem Unterschied im Farbsehen zwischen den Augen,
  • neuen Farbveränderungen unter Medikamenten wie Hydroxychloroquin, Chloroquin oder Ethambutol (informieren Sie auch die verordnende Ärztin oder den Arzt, setzen Sie das Mittel aber nicht eigenmächtig ab),
  • einem Baby oder Kleinkind mit Augenzittern, starker Lichtscheu oder auffällig schlechtem Sehen.

Wann reicht ein normaler Termin?

Ein regulärer Termin in den nächsten Wochen genügt, wenn Sie bei sich oder Ihrem Kind eine angeborene Farbschwäche vermuten, etwa weil bestimmte Farben schon immer verwechselt wurden oder es Betroffene in der Familie gibt. Auch vor der Berufswahl oder einer Eignungsuntersuchung ist ein geplanter Termin sinnvoll, um das Farbsehen genau einordnen zu lassen.

9 Häufige Fragen

Bin ich farbenblind, wenn ich Rot und Grün verwechsle?

Meist nicht. Wer Rot und Grün verwechselt, hat in aller Regel eine Rot-Grün-Schwäche: Die Farben werden gesehen, aber schlechter unterschieden. Echte Farbenblindheit mit einer Welt in Grautönen (Achromatopsie) ist sehr selten und geht mit starker Blendung und schlechter Sehschärfe einher.

Warum haben fast nur Männer eine Rot-Grün-Schwäche?

Die Gene für die Rot- und Grünzapfen liegen auf dem X-Chromosom. Männer haben nur eines, Frauen zwei. Bei Frauen gleicht ein gesundes X die Veränderung meist aus, deshalb sind etwa 8 % der Männer, aber nur rund 0,5 % der Frauen betroffen.

Von wem habe ich die Rot-Grün-Schwäche geerbt?

Ein Mann hat die Anlage fast immer von seiner Mutter geerbt, die selbst meist normal sieht und Überträgerin ist. Oft war der Großvater mütterlicherseits betroffen. Vom Vater kann ein Sohn die Rot-Grün-Schwäche nicht erben, weil er von ihm das Y-Chromosom bekommt.

Werden meine Kinder farbschwach, wenn ich als Mann eine Rot-Grün-Schwäche habe?

Ihre Söhne erben die Anlage von Ihnen nicht. Ihre Töchter werden alle Überträgerinnen, sehen aber meist selbst normal. Erst deren Söhne haben dann jeweils ein Risiko von 50 %. Betroffen ist eine Tochter nur, wenn auch die Mutter die Anlage trägt.

Ab wann kann man testen, ob ein Kind eine Farbsehschwäche hat?

Verlässlich meist ab etwa vier Jahren, mit Tafeln, auf denen Formen oder Tiere statt Zahlen zu sehen sind. Wenn ein Zweijähriges Farben verwechselt, ist das noch normal. Ein auffälliger Test im Kindergartenalter wird am besten mit fünf bis sechs Jahren wiederholt, vor der Einschulung.

Kann man eine Rot-Grün-Schwäche heilen oder trainieren?

Nein. Die angeborene Rot-Grün-Schwäche ist derzeit nicht heilbar, und auch Augentraining ändert nichts daran. Viele Betroffene lernen aber, Farben über Helligkeit und Zusammenhang richtig einzuordnen. Gentherapien werden nur für die seltene Achromatopsie in Studien erprobt.

Helfen Brillen gegen Farbenblindheit wirklich?

Sie verändern den Kontrast zwischen manchen Farben, ein normales Farbsehen erzeugen sie nicht. Unabhängige Studien fanden keine Verbesserung in Farbtests, manche Farben werden mit dem Filter sogar schwerer unterscheidbar. Bei Eignungstests für Führerschein und Beruf sind solche Brillen nicht erlaubt. Sprechen Sie vor einem Kauf mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.

Darf ich mit Rot-Grün-Schwäche einen Führerschein machen?

Ja. In Deutschland und Österreich ist der Pkw- und Motorradführerschein mit einer Rot-Grün-Schwäche möglich. In Deutschland verlangt die Fahrerlaubnis-Verordnung für Lkw, Bus und Taxi normales Farbensehen; ist es gestört, folgt eine augenärztliche Untersuchung, bei starker Rotschwäche eine Aufklärung über die Gefährdung. In Österreich entscheidet im Zweifel die Amtsärztin oder der Amtsarzt; für den Pkw ist eine Rot-Grün-Schwäche in aller Regel kein Hindernis.

Welche Berufe kann ich mit Farbsehschwäche nicht ergreifen?

Eingeschränkt sind vor allem Berufe, in denen Farbsignale der Sicherheit dienen oder Farben genau beurteilt werden müssen: Pilot, Lokführer, Bus- und Berufskraftfahrer, Seefahrt, Polizei, Elektrik, Malerei und Lackierung, Mode und Druck. Wie streng geprüft wird, hängt von Land, Arbeitgeber und Schwere der Störung ab. Klären Sie das vor Beginn der Ausbildung.

Ich sehe plötzlich Farben anders. Was bedeutet das?

Eine neue Veränderung des Farbsehens ist keine angeborene Farbschwäche, sondern ein Warnzeichen. Dahinter können eine Sehnerventzündung, eine Netzhauterkrankung, ein Grauer Star, ein Medikament oder auch ein Schlaganfall stecken. Lassen Sie das zeitnah augenärztlich abklären, bei plötzlichem Beginn oder zusätzlichen Ausfällen noch am selben Tag.

Wird eine Farbsehschwäche mit dem Alter schlimmer?

Die angeborene Form bleibt lebenslang gleich. Im Alter können aber zusätzliche Erkrankungen wie Grauer Star oder Makuladegeneration das Farbsehen verschlechtern. Wer eine neue Veränderung bemerkt, sollte deshalb nicht annehmen, dass es nur die alte Farbschwäche ist.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 22 Quellen anzeigen
  1. Farbsehstörungen – Österreichisches Gesundheitsportal gesundheit.gv.at (DE)
  2. Farbenblindheit – Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (DE)
  3. Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 6: Anforderungen an das Sehvermögen – Bundesamt für Justiz (DE)
  4. Achromatopsie (ACHM) – DocCheck Flexikon (DE)
  5. Rot-Grün-Farbschwäche – DocCheck Flexikon (DE)
  6. Colour vision deficiency (colour blindness) – NHS (EN)
  7. Color Blindness (Color Vision Deficiency) – National Eye Institute (NEI) (EN)
  8. What Is Color Blindness? – American Academy of Ophthalmology (AAO) (EN)
  9. Global Prevalence of Congenital Color Vision Deficiency among Children and Adolescents – Ophthalmology (2025), PubMed (EN)
  10. Achromatopsia – EyeWiki, American Academy of Ophthalmology (EN)
  11. Acquired Dyschromatopsia and Its Link to Drug Toxicity – Cureus, PubMed Central (EN)
  12. Do EnChroma glasses improve color vision for colorblind subjects? – Universidad de Granada, Optics Express 2018 (EN)
  13. Daltonisme : définition, symptômes, traitements – Elsan (FR)
  14. Diagnostic du daltonisme – Encyclopædia Universalis (FR)
  15. Dyschromatopsies et daltonisme – Santé sur le Net (FR)
  16. Daltonisme : une thérapie génique pour raviver les couleurs ? – Pourquoi Docteur (FR)
  17. Daltonismo – MedlinePlus en español (NLM/NIH) (ES)
  18. Daltonismo – National Eye Institute, versión en español (ES)
  19. Test psicofísicos: visión de colores y sensibilidad al contraste – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
  20. Acromatopsia – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  21. Daltonismo – Clínica Universidad de Navarra (ES)
  22. Las gafas de corrección del daltonismo: sin evidencia científica de que produzcan mejor visión del color – Universidad Complutense de Madrid (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss