Tumoren der Bindehaut (Nävus, Melanom, OSSN, Lymphom)
Tumoren der Bindehaut sind Neubildungen auf der durchsichtigen Haut über dem Augenweiß. Die meisten sind harmlose Muttermale (Nävi); seltener sind Vorstufen und bösartige Tumoren wie das Bindehautmelanom, die Plattenepithel-Neoplasie (OSSN) und das Lymphom, die früh erkannt meist gut behandelbar sind.
1 Kurzübersicht
In diesem Kapitel (4)
Was sind Tumoren der Bindehaut?
Tumoren der Bindehaut sind Gewebeneubildungen auf der dünnen, durchsichtigen Schleimhaut, die das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider überzieht. Die allermeisten sind gutartig, vor allem das Muttermal der Bindehaut (Bindehautnävus). Seltener sind Vorstufen von Krebs und bösartige Tumoren: das Bindehautmelanom, die Plattenepithel-Neoplasie der Augenoberfläche (kurz OSSN) und das Lymphom der Bindehaut.
„Tumor“ heißt in der Medizin zunächst nur „Schwellung“ oder „Neubildung“. Das Wort sagt noch nichts darüber, ob etwas harmlos oder gefährlich ist. Ein brauner Fleck im Auge ist in den meisten Fällen ein harmloses Muttermal, das man nur beobachtet.
Welche Formen gibt es?
Bindehauttumoren werden in gutartige Tumoren, Vorstufen von Krebs und bösartige Tumoren eingeteilt. Fachleute ordnen sie außerdem nach dem Gewebe, aus dem sie entstehen. Für Patientinnen und Patienten ist eine einfache Einteilung nach Farbe und Gefährlichkeit am hilfreichsten.
| Gruppe | Beispiele | Typisches Aussehen |
|---|---|---|
| Gutartig | Bindehautnävus, Papillom, Limbusdermoid, gutartige lymphatische Wucherung | brauner bis hellgelber Fleck, warzenartige rosa Erhebung, angeborener weißlicher Knoten am Hornhautrand |
| Vorstufe von Krebs | Primär erworbene Melanose (PAM) mit Zellveränderungen, intraepitheliale Neoplasie (CIN) | flache braune Flecken im Erwachsenenalter; weißlich-graue, geleeartige Verdickung am Hornhautrand |
| Bösartig | Bindehautmelanom, Plattenepithelkarzinom, Lymphom | dunkler oder rosa Knoten mit Gefäßen; weiße, erhabene Verdickung; lachsrosa Polster in der Umschlagfalte |
Wie häufig sind Bindehauttumoren?
Gutartige Bindehauttumoren sind häufig, bösartige sind selten. Das Muttermal der Bindehaut ist der häufigste Tumor der Augenoberfläche überhaupt. Das Bindehautmelanom tritt bei hellhäutigen Menschen nur bei etwa 0,2 bis 1 Person pro Million Einwohner und Jahr auf. Für die Plattenepithel-Neoplasie schwanken die Angaben je nach Region stark: In Mitteleuropa und Großbritannien ist sie selten, in Ländern nahe dem Äquator mit viel Sonne und vielen HIV-Infektionen deutlich häufiger.
In einer spanischen Klinikserie mit 462 Bindehauttumoren waren gut die Hälfte melanozytär, also aus Pigmentzellen entstanden, und davon fast neun von zehn gutartig. Ein Drittel ging von der Deckschicht (Epithel) aus. Lymphatische Tumoren, also Wucherungen der Abwehrzellen, machten nur wenige Prozent aus.
Das Wichtigste in Kürze
Die meisten Bindehauttumoren sind harmlos; entscheidend ist, ob sich ein Fleck verändert.
- Die meisten Flecken und Knötchen auf der Bindehaut sind harmlos. Ein Muttermal wird nur in weniger als einem von hundert Fällen bösartig.
- Entscheidend ist Veränderung: Ein Fleck, der im Erwachsenenalter neu auftritt, wächst, dicker oder dunkler wird, neue Blutgefäße bekommt oder auf die Hornhaut übergreift, gehört zeitnah zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
- Die Diagnose stützt sich auf die Untersuchung an der Spaltlampe, Fotos im Verlauf und bei Verdacht auf eine Gewebeprobe.
- Bösartige Bindehauttumoren gehören in ein Zentrum mit Erfahrung in Augenonkologie (Tumorbehandlung am Auge). Die erste Operation ist die wichtigste.
- Oberflächliche Formen lassen sich oft mit speziellen Chemotherapie-Augentropfen (Mitomycin C, 5-Fluorouracil, Interferon) behandeln.
- Rückfälle sind häufig. Deshalb ist eine lange, oft lebenslange Nachsorge wichtig.
2 Symptome
In diesem Kapitel (14)
- Welche Beschwerden machen Bindehauttumoren?
- Woran erkennt man einen Bindehauttumor von außen?
- Wie unterscheiden sich die Tumorarten im Aussehen?
- Wie sieht ein Muttermal der Bindehaut aus?
- Wie zeigt sich eine primär erworbene Melanose (PAM)?
- Welche Zeichen sprechen für ein Bindehautmelanom?
- Wie zeigt sich eine Plattenepithel-Neoplasie (OSSN)?
- Woran erkennt man ein Lymphom der Bindehaut?
- Wann ist eine „Bindehautentzündung“ verdächtig?
- Welche gutartigen Tumoren sehen ähnlich aus?
- Was bemerken Angehörige?
- Besonderheiten bei Kindern
- Besonderheiten bei älteren Menschen
- Was passiert, wenn ein bösartiger Tumor unbehandelt bleibt?
Welche Beschwerden machen Bindehauttumoren?
Die meisten Bindehauttumoren verursachen keine oder nur geringe Beschwerden. Meist bemerkt man nur einen Fleck oder eine Erhebung auf dem Auge, oft zufällig beim Blick in den Spiegel, oder die Augenärztin findet ihn bei einer Routineuntersuchung. Wenn Beschwerden auftreten, sind sie unspezifisch: Fremdkörpergefühl, Rötung, Brennen, Tränen oder ein trockenes Gefühl.
Schmerzen sind untypisch. Das Sehen bleibt in der Regel unverändert, solange der Tumor nicht auf die Mitte der Hornhaut vorwächst. Gerade weil die Beschwerden so gering sind, wird ein bösartiger Bindehauttumor manchmal lange übersehen oder für eine harmlose Reizung gehalten.
Woran erkennt man einen Bindehauttumor von außen?
Typisch ist eine Stelle, die sich in Farbe oder Oberfläche vom übrigen Augenweiß unterscheidet. Das kann ein brauner, schwarzer, gelblicher, rosafarbener oder weißlicher Fleck sein, ein flacher Belag oder ein Knötchen. Oft fallen auch einzelne, auffallend dicke Blutgefäße auf, die auf die Stelle zulaufen.
Wo der Tumor sitzt, entscheidet darüber, wie früh man ihn sieht. Veränderungen auf dem Augenweiß zwischen den Lidern sind gut sichtbar. Tumoren in der Umschlagfalte (Fornix, die Tasche zwischen Augapfel und Lid) oder auf der Lidinnenseite bleiben dagegen lange verborgen. Deshalb klappt die Augenärztin bei der Untersuchung die Lider um.
Wie unterscheiden sich die Tumorarten im Aussehen?
Jede Tumorart hat ein typisches Erscheinungsbild, die Unterschiede sind aber nicht verlässlich genug, um ohne Untersuchung eine Diagnose zu stellen. Die folgende Übersicht hilft, die eigene Beobachtung einzuordnen.
| Tumor | Farbe und Form | Typische Lage | Alter |
|---|---|---|---|
| Nävus (Muttermal) | braun, gelblich oder pigmentfrei-rosa; scharf begrenzt; kleine klare Bläschen (Zysten) | Augenweiß nahe dem Hornhautrand, in der Lidspalte; auch Karunkel | angeboren oder Kindheit und Jugend |
| Primär erworbene Melanose (PAM) | flach, hell- bis dunkelbraun, unscharf begrenzt, ohne Zysten | überall möglich, auch versteckt in der Umschlagfalte | meist ab 40 bis 50 Jahren |
| Bindehautmelanom | braun-schwarzer oder rosa Knoten mit zuführenden Gefäßen | meist am Hornhautrand, aber überall möglich | meist um 60 Jahre |
| Plattenepithel-Neoplasie (OSSN) | weißlich-grau, geleeartig oder weiß verhornt, mit Gefäßen | am Hornhautrand in der Lidspalte, oft nasal | meist ältere Menschen; bei HIV auch Jüngere |
| Lymphom | lachsrosa, weiches, glattes Polster | meist untere oder obere Umschlagfalte | meist ältere Erwachsene |
Wie sieht ein Muttermal der Bindehaut aus?
Ein Bindehautnävus ist meist ein kleiner, scharf begrenzter, brauner bis gelblicher Fleck auf dem Augenweiß, häufig nahe dem Hornhautrand. Er lässt sich mit der Bindehaut leicht verschieben. Typisch sind winzige, klare Bläschen (Zysten) im Fleck, die man an der Spaltlampe erkennt. Sie gelten als Zeichen für Gutartigkeit.
Nicht jeder Nävus ist braun: Nur gut die Hälfte ist vollständig pigmentiert, bis zu ein Drittel ist ganz oder teilweise pigmentfrei und wirkt dann rosa oder durchscheinend. Die Größe reicht von winzig bis über einen Zentimeter, im Mittel etwa vier Millimeter. Ein Nävus macht keine Beschwerden; manchmal ist er leicht gerötet, weil sich kleine Gefäße darin erweitern.
Normale Veränderungen eines Nävus
Ein Nävus darf sich in Kindheit und Jugend verändern. Bei Kleinkindern ist er oft blass, rosa und leicht erhaben. Im zweiten Lebensjahrzehnt nimmt die Färbung meist zu, und die Zysten werden sichtbarer. Ein zuvor kaum sichtbarer Fleck kann dadurch wirken, als sei er neu oder gewachsen. Um das 30. Lebensjahr hat ein Nävus meist seine endgültige Größe und Farbe; danach bleibt er in der großen Mehrzahl der Fälle stabil.
Auch hormonelle Umstellungen können die Farbe verändern: In der Pubertät und in der Schwangerschaft kann ein Nävus dunkler werden. Das allein ist kein Zeichen für Bösartigkeit, sollte aber bei der nächsten Kontrolle angesprochen werden.
Der entzündete Nävus bei Jugendlichen
Eine seltene Sonderform ist der sogenannte juvenile entzündete Nävus. Er kann bei Kindern und Jugendlichen rasch anschwellen, gerötet sein und dadurch bedrohlich aussehen, oft im Zusammenhang mit einer allergischen Bindehautentzündung. Er ist trotzdem gutartig. Die Unterscheidung von einem Melanom gehört aber in augenärztliche Hand.
Wie zeigt sich eine primär erworbene Melanose (PAM)?
Eine primär erworbene Melanose ist eine flache, braune, unscharf begrenzte Verfärbung der Bindehaut, die erst im Erwachsenenalter auftritt. Meist beginnt sie ab dem vierten oder fünften Lebensjahrzehnt, fast immer nur an einem Auge und überwiegend bei hellhäutigen Menschen. Anders als ein Nävus hat sie keine Zysten und ist nicht erhaben.
Die Flecken können zusammenhängend oder verstreut sein und sich langsam ausbreiten. Sie schmerzen nicht und stören meist nicht. Weil eine Melanose auch in der Umschlagfalte oder unter dem Lid liegen kann, ist ihre wahre Ausdehnung oft größer, als man im Spiegel sieht.
Unauffällige und verdächtige Melanose
Augenärztinnen unterscheiden eine eher unauffällige von einer verdächtigen Melanose. Ob Zellveränderungen (Atypien) vorliegen, lässt sich damit aber nicht sicher sagen; das klärt nur eine Gewebeprobe.
| Eher unauffällig | Verdächtig |
|---|---|
| hell und gleichmäßig gefärbt | ungleichmäßig, mit dunkleren Inseln |
| klein, ein einzelner Herd | groß (mehr als drei „Uhrzeiten“ des Hornhautrands) oder mehrere Herde |
| flach | verdickte Stellen oder Knötchen |
| auf dem Augenweiß nahe dem Hornhautrand | an Karunkel, Umschlagfalte, Lidinnenseite oder auf der Hornhaut |
| keine auffälligen Gefäße | zuführende Gefäße, Blutungen, zunehmende Färbung |
Welche Zeichen sprechen für ein Bindehautmelanom?
Ein Bindehautmelanom zeigt sich meist als neu aufgetretener oder wachsender, leicht erhabener Knoten, häufig am Hornhautrand, oft mit einem oder mehreren deutlich erweiterten Blutgefäßen, die auf ihn zulaufen. Er ist meist braun bis schwarz, kann aber auch rosa, rötlich oder fast farblos sein (amelanotisches Melanom). Gerade die farblosen Melanome werden leicht für eine Entzündung oder ein harmloses Knötchen gehalten.
Ein Melanom kann knotig wachsen oder sich flach und diffus ausbreiten, oft umgeben von einer bräunlichen Melanose. Es haftet manchmal an der darunterliegenden Lederhaut und lässt sich dann nicht mehr verschieben. Große Melanome können an der Oberfläche aufbrechen und bluten.
Warnzeichen für ein Melanom
- ein Fleck, der im Erwachsenenalter neu auftritt
- Größenzunahme oder Dickenzunahme eines bekannten Flecks
- Farbveränderung, besonders fleckige oder ungleichmäßige Färbung
- neue oder erweiterte Gefäße, die auf den Fleck zulaufen
- Knötchenbildung in einer flachen Melanose
- Haften an der Lederhaut
- Pigment an ungewöhnlicher Stelle: Lidinnenseite, Umschlagfalte, Karunkel (das rötliche Knötchen im inneren Lidwinkel) oder Plica (die kleine Bindehautfalte daneben)
- Übergreifen auf die Hornhaut, Blutung oder offene Stelle
Wie zeigt sich eine Plattenepithel-Neoplasie (OSSN)?
Die Plattenepithel-Neoplasie der Augenoberfläche zeigt sich meist als weißliche oder gräuliche, geleeartige oder belagartige Verdickung am Hornhautrand, oft mit auffälligen Blutgefäßen. Sie sitzt in etwa 95 Prozent der Fälle am Limbus, also am Übergang von Hornhaut und Bindehaut, und dort meist in der Lidspalte, häufig zur Nase hin, wo die Sonne am stärksten einwirkt.
Fachleute unterscheiden drei typische Erscheinungsformen:
- gelatinös: glasig-geleeartig, oft mit feinen, haarnadelförmigen Gefäßschlingen
- papillär: warzenartig, himbeerartig erhaben
- leukoplakisch: weiße, perlmuttartige, verhornte Beläge
Viele Betroffene haben gar keine Beschwerden. Andere spüren eine Reizung, ein Fremdkörpergefühl, Rötung oder leichtes Tränen. Häufig wird die Veränderung zunächst als Lidspaltenfleck oder Flügelfell eingeordnet, weil sie an derselben Stelle liegt.
Wenn die Hornhaut beteiligt ist
Wächst die Neoplasie auf die Hornhaut, wirkt deren Oberfläche dort grau, durchscheinend und wie bereift, mit einem fransigen Rand. Manchmal wachsen Gefäße mit ein. Das Sehen wird erst schlechter, wenn die Veränderung die Hornhautmitte erreicht; das ist selten.
Zeichen für ein eindringendes Karzinom
Ein unbeweglicher, deutlich erhabener Knoten mit einem großen zuführenden Gefäß spricht dafür, dass die Neoplasie die Grenzschicht (Basalmembran) durchbrochen hat und zu einem invasiven Plattenepithelkarzinom geworden ist. Weitere Hinweise sind ein Durchmesser um einen Zentimeter, eine Dicke über einen Millimeter, ein Geschwür oder eine Blutung. Bei dunkler Haut kann eine OSSN Pigment enthalten und dann einem Melanom ähneln.
Beidseitiger Befall
Eine OSSN tritt fast immer nur an einem Auge auf. Sind beide Augen betroffen oder ist die betroffene Person jünger als etwa 50 Jahre, denken Augenärztinnen an eine Schwäche des Immunsystems, etwa durch eine unerkannte HIV-Infektion.
Woran erkennt man ein Lymphom der Bindehaut?
Ein Lymphom der Bindehaut ist typischerweise ein weiches, glattes, lachsrosa Polster unter der Bindehaut, meist in der unteren oder oberen Umschlagfalte. Es macht oft nur wenig Beschwerden: leichte Reizung, Rötung, Tränen, ein trockenes Gefühl oder eine Schwellung der Bindehaut. Langsam wachsende Formen werden oft erst nach Monaten bemerkt.
Weil die Veränderung rosa und gerötet aussieht, wird ein Lymphom leicht mit einer chronischen Bindehautentzündung verwechselt. Verdächtig ist eine Entzündung mit kleinen Lymphknötchen (Follikeln), die ohne erkennbare Ursache über Wochen bleibt und auf Behandlung nicht anspricht. Breitet sich das Lymphom in die Augenhöhle aus, kann das Lid herabhängen oder das Auge hervortreten. Mehr dazu im Artikel Lymphom am Auge.
Wann ist eine „Bindehautentzündung“ verdächtig?
Eine Rötung nur an einem Auge, die trotz Behandlung über Wochen nicht abheilt, sollte augenärztlich genauer untersucht werden. Bei älteren Menschen gilt eine einseitige, auf Tropfen nicht ansprechende Bindehautentzündung in der Fachliteratur als verdächtig, bis eine bösartige Ursache ausgeschlossen ist. Hinter ihr können sich ein Lymphom, eine Plattenepithel-Neoplasie oder seltene Tumoren der Lidranddrüsen verbergen.
Auch eine weißliche Stelle am Hornhautrand, die auf Antibiotika- oder Kortisontropfen nicht reagiert, gehört genauer untersucht. Eine gewöhnliche Bindehautentzündung betrifft dagegen meist beide Augen, verursacht Absonderungen und klingt meist innerhalb von ein bis drei Wochen ab.
Welche gutartigen Tumoren sehen ähnlich aus?
Neben dem Nävus gibt es einige weitere gutartige Bindehauttumoren, die man von außen sehen kann. Sie entarten nicht oder nur ausnahmsweise.
- Papillom: weiche, rosa, warzen- oder himbeerartige Wucherung, oft gestielt, häufig bei jüngeren Menschen; bei Kindern meist durch Humane Papillomviren (HPV) der Typen 6 und 11.
- Limbusdermoid: angeborener, weißlich-gelber, fester Knoten am Hornhautrand, manchmal mit feinen Härchen. Er kann eine Hornhautverkrümmung verursachen.
- Dermolipom: weiches, gelbliches Fettgewebspolster, meist außen oben am Augapfel.
- Angeborene Melanozytose: schiefergraue bis blaugraue, flächige Verfärbung, die tiefer in der Lederhaut liegt und sich nicht mit der Bindehaut verschieben lässt.
- Pyogenes Granulom: rasch wachsendes, leicht blutendes, rotes Knötchen, oft nach einer Operation oder Verletzung.
Was bemerken Angehörige?
Angehörigen fällt oft ein dunkler oder rosafarbener Fleck am Auge auf, den die betroffene Person selbst nicht wahrnimmt. Das gilt besonders für Stellen am inneren oder äußeren Augenwinkel oder am unteren Augenweiß. Auch ein Auge, das seit Wochen gerötet ist, oder eine neue Schwellung unter dem Lid wird häufig zuerst von anderen bemerkt.
Hilfreich ist, die Beobachtung mit dem Handy zu fotografieren und das Datum zu notieren. So lässt sich später sagen, ob sich etwas verändert hat. Ein Foto ersetzt aber nicht die Untersuchung.
Besonderheiten bei Kindern
Bei Kindern sind Bindehauttumoren fast immer gutartig. In einer Freiburger Serie von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren war der Nävus die häufigste Diagnose; bösartige Tumoren waren eine Ausnahme. Wachstum und Farbzunahme eines Nävus in den ersten beiden Lebensjahrzehnten sind meist normal und kein Zeichen von Krebs.
Andere typische Befunde im Kindesalter sind Limbusdermoide und Papillome. Ein lachsrosa Polster ist bei Kindern sehr selten, sollte aber wie bei Erwachsenen abgeklärt werden, weil es auch bei Kindern ein Lymphom sein kann. Ein Melanom vor dem Erwachsenenalter ist sehr selten.
Besonderheiten bei älteren Menschen
Bei älteren Menschen ist ein neu auftretender Fleck oder Knoten auf der Bindehaut immer abklärungsbedürftig. Ab dem mittleren Alter entstehen kaum noch neue Muttermale. Ein neuer brauner Fleck ist dann eher eine Melanose, ein neuer weißlicher Belag eher eine Plattenepithel-Neoplasie. Rasches Wachstum und verhärtete, unregelmäßige Ränder sind in diesem Alter besonders ernst zu nehmen.
Was passiert, wenn ein bösartiger Tumor unbehandelt bleibt?
Ein unbehandelter bösartiger Bindehauttumor kann in die Tiefe wachsen. Das Bindehautmelanom kann in Augapfel, Augenhöhle, Lidhaut, Tränenwege und Nasennebenhöhlen einwachsen und über die Lymphbahnen zuerst Lymphknoten vor dem Ohr und am Hals befallen, später Lunge, Leber, Gehirn oder Knochen. Tastbare Knoten vor dem Ohr oder unter dem Kiefer sind deshalb ein spätes Warnzeichen.
Ein Plattenepithelkarzinom wächst vor allem örtlich und streut nur selten. Lange vernachlässigt kann es aber ins Auge oder in die Augenhöhle eindringen. Dann treten Schmerzen, Sehverlust, eine eingeschränkte Augenbeweglichkeit oder ein Hervortreten des Auges auf.
3 Ursachen und Risikofaktoren
In diesem Kapitel (9)
- Wie entstehen Bindehauttumoren?
- Warum entsteht ein Muttermal der Bindehaut?
- Welche Rolle spielt UV-Strahlung?
- Wer hat ein höheres Risiko für ein Bindehautmelanom?
- Wann wird eine Melanose gefährlich?
- Was verursacht die Plattenepithel-Neoplasie?
- Von der Vorstufe zum Karzinom: die Stufen der OSSN
- Wie entsteht ein Lymphom der Bindehaut?
- Sind Bindehauttumoren erblich oder ansteckend?
Wie entstehen Bindehauttumoren?
Bindehauttumoren entstehen, wenn sich Zellen der Bindehaut unkontrolliert vermehren, meist ausgelöst durch zufällige Veränderungen im Erbgut der Zelle (Mutationen). Bei vielen Tumoren tragen äußere Einflüsse dazu bei, vor allem UV-Strahlung, bei manchen auch Viren oder eine Schwäche des Immunsystems. Je nach Zellart entstehen unterschiedliche Tumoren:
- aus den Pigmentzellen (Melanozyten): Nävus, primär erworbene Melanose, Melanom
- aus der Deckschicht (Plattenepithel): Papillom, intraepitheliale Neoplasie, Plattenepithelkarzinom
- aus den Abwehrzellen (Lymphozyten): gutartige lymphatische Wucherung, Lymphom
Warum entsteht ein Muttermal der Bindehaut?
Ein Bindehautnävus ist eine gutartige Ansammlung von Pigmentzellen, die meist angeboren ist oder in Kindheit und Jugend sichtbar wird. Die Zellen tragen häufig Veränderungen in den Genen BRAF oder NRAS, ähnlich wie Muttermale der Haut. Mit Muttermalen im Augeninneren, etwa dem Aderhautnävus, ist er genetisch dagegen nicht vergleichbar. Ein Zusammenhang mit UV-Licht wird vermutet, ist aber nicht sicher belegt.
Welche Rolle spielt UV-Strahlung?
UV-Strahlung ist der wichtigste äußere Risikofaktor für die Plattenepithel-Neoplasie und für das Bindehautmelanom. Beide Tumoren sitzen bevorzugt an der Bindehaut in der Lidspalte, die der Sonne am stärksten ausgesetzt ist. Im Erbgut von Bindehautmelanomen finden sich viele Mutationen mit der typischen „Handschrift“ von UV-Schäden.
UV-Licht schädigt Schutzgene der Zelle wie p53, schwächt die örtliche Immunabwehr und kann ruhende Viren wieder aktivieren. Deshalb ist die Plattenepithel-Neoplasie in Ländern innerhalb von etwa 30 Breitengraden um den Äquator deutlich häufiger. Menschen mit der seltenen Erbkrankheit Xeroderma pigmentosum, bei der UV-Schäden nicht repariert werden, haben ein stark erhöhtes Risiko.
Wer hat ein höheres Risiko für ein Bindehautmelanom?
Das Bindehautmelanom betrifft vor allem hellhäutige Menschen mit hellen Augen im höheren Alter. Bei Menschen mit dunkler Haut ist es extrem selten; Frauen und Männer erkranken etwa gleich häufig. In Nordeuropa kommt es häufiger vor als in Südeuropa, und die Zahl der Erkrankungen scheint zu steigen.
Die meisten Melanome, je nach Studie etwa 60 bis 75 Prozent, entstehen auf dem Boden einer primär erworbenen Melanose mit Zellveränderungen. Ein kleinerer Teil entsteht aus einem Nävus, der Rest ohne erkennbare Vorstufe („de novo“). Die genauen Anteile schwanken je nach Studie: Für den Nävus werden etwa 5 bis 26 Prozent angegeben, für de novo etwa 15 bis 20 Prozent.
Fragen zur Vorgeschichte sind wichtig: Ein früheres Hautmelanom oder ein seltenes erbliches Tumorsyndrom (BAP1-Tumorprädispositionssyndrom, das unter anderem mit Aderhautmelanom, Nieren- und Rippenfelltumoren einhergeht) können das Risiko beeinflussen.
Wann wird eine Melanose gefährlich?
Ob eine primär erworbene Melanose gefährlich ist, hängt fast ganz davon ab, ob die Pigmentzellen unter dem Mikroskop verändert (atypisch) sind. Ohne Atypie gilt sie nicht als Vorstufe von Krebs; mit Atypie schon. In einer großen amerikanischen Studie mit 311 Augen entwickelte sich aus einer Melanose ohne oder mit leichter Atypie kein Melanom, bei schwerer Atypie in 13 Prozent der Fälle. Ältere Studien beschrieben bei ausgeprägter Atypie noch deutlich höhere Raten.
Neben der Atypie zählt die Ausdehnung: Je mehr „Uhrzeiten“ des Hornhautrands die Melanose einnimmt, desto höher das Risiko für Wachstum, Rückfall und Melanom.
Was verursacht die Plattenepithel-Neoplasie?
Die Plattenepithel-Neoplasie hat mehrere Ursachen, die zusammenwirken. Sie entsteht aus den Zellen der unteren Epithelschicht am Hornhautrand, wo die Stammzellen der Hornhautoberfläche liegen.
- UV-Strahlung: der wichtigste Faktor, besonders bei heller Haut und viel Aufenthalt im Freien
- HIV-Infektion: In afrikanischen Studien waren bis zu 79 Prozent der Betroffenen HIV-positiv. Auch in einer US-Studie war die Hälfte der unter 50-Jährigen mit OSSN HIV-positiv. Eine OSSN kann daher der erste Hinweis auf eine unerkannte HIV-Infektion sein.
- Humane Papillomviren (HPV): Hochrisikotypen wie HPV 16 und 18 wurden in bösartigen Veränderungen gefunden. Wie groß ihr Anteil ist, bleibt umstritten.
- geschwächtes Immunsystem: etwa nach einer Organtransplantation oder bei Autoimmunerkrankungen
- Rauchen
- seltener: Vitamin-A-Mangel, Kontakt mit Erdölprodukten, vernarbende Erkrankungen der Augenoberfläche
In Europa und Nordamerika erkranken vor allem hellhäutige Männer im Alter von 60 bis 80 Jahren. In Afrika und Teilen Asiens sind die Betroffenen deutlich jünger, häufiger Frauen, und der Verlauf ist oft aggressiver.
Von der Vorstufe zum Karzinom: die Stufen der OSSN
Die Plattenepithel-Neoplasie ist kein einzelner Tumor, sondern ein Spektrum von der leichten Zellveränderung bis zum eindringenden Krebs. Entscheidend ist, ob die Grenzschicht unter dem Epithel (Basalmembran) noch intakt ist.
| Stufe | Was ist verändert? | Bedeutung |
|---|---|---|
| CIN 1 | unteres Drittel der Deckschicht | leichte Dysplasie, Vorstufe |
| CIN 2 | bis zwei Drittel der Deckschicht | mittelgradige Dysplasie |
| CIN 3 | mehr als zwei Drittel | schwere Dysplasie |
| Carcinoma in situ | ganze Deckschicht, Basalmembran intakt | Krebs, der noch nicht eindringt |
| Invasives Plattenepithelkarzinom | Basalmembran durchbrochen | kann in die Tiefe wachsen, selten streuen |
CIN steht für „konjunktivale intraepitheliale Neoplasie“, also eine Neubildung innerhalb der Bindehaut-Deckschicht. Seltene Sonderformen wie das mukoepidermoide Karzinom verhalten sich aggressiver und lassen sich nur unter dem Mikroskop erkennen.
Wie entsteht ein Lymphom der Bindehaut?
Ein Lymphom der Bindehaut ist ein Tumor der Abwehrzellen (Lymphozyten), fast immer der B-Zellen. Am häufigsten ist mit rund 80 Prozent das extranodale Marginalzonenlymphom (auch MALT-Lymphom genannt), ein langsam wachsender Typ. Seltener sind follikuläre, Mantelzell- und diffus großzellige B-Zell-Lymphome.
Vermutet wird, dass eine dauerhafte Reizung des Immunsystems eine Rolle spielt. Diskutiert werden chronische Infektionen, etwa mit Chlamydien (Chlamydia psittaci), Helicobacter pylori oder Hepatitis C, sowie Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom. Die Datenlage dazu ist uneinheitlich. Ein Bindehautlymphom kann auf die Bindehaut beschränkt sein oder ein Zeichen eines Lymphoms im ganzen Körper.
Sind Bindehauttumoren erblich oder ansteckend?
Bindehauttumoren sind in aller Regel weder erblich noch ansteckend. Ausnahmen sind seltene erbliche Erkrankungen wie Xeroderma pigmentosum oder das BAP1-Tumorprädispositionssyndrom. Die bei Papillomen und manchen Neoplasien beteiligten Papillomviren sind zwar übertragbar, ein Bindehauttumor wird im Alltag aber nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben.
4 Diagnose
In diesem Kapitel (8)
- Wie stellt die Augenärztin die Diagnose?
- Welche Fragen werden gestellt?
- Was wird an der Spaltlampe untersucht?
- Warum sind Fotos so wichtig?
- Welche Zusatzuntersuchungen gibt es?
- Wann ist eine Gewebeprobe nötig?
- Welche Untersuchungen folgen bei einem bösartigen Tumor?
- Welche Erkrankungen werden abgegrenzt?
Wie stellt die Augenärztin die Diagnose?
Die Diagnose beginnt mit einem genauen Gespräch und der Untersuchung an der Spaltlampe, einem Mikroskop mit Lichtspalt. Bei unklaren oder verdächtigen Befunden kommen Fotos, Schnittbilder und schließlich eine Gewebeprobe hinzu. Nur die feingewebliche Untersuchung (Histologie) sichert bei Verdacht auf Krebs die Diagnose.
Welche Fragen werden gestellt?
Im Gespräch geht es vor allem darum, ob und wie sich der Fleck verändert hat. Folgende Fragen sind typisch, und es hilft, die Antworten vorher zu überlegen:
- Seit wann ist der Fleck bekannt? Gibt es alte Fotos, auf denen er zu sehen ist?
- Ist er gewachsen, dicker, dunkler oder heller geworden?
- Haben Sie Beschwerden, Rötung, Blutungen?
- Wie viel Zeit verbringen oder verbrachten Sie in der Sonne, beruflich oder in der Freizeit?
- Hatten Sie selbst oder Verwandte ein Melanom der Haut oder des Auges oder andere Krebserkrankungen?
- Gibt es eine Erkrankung oder Medikamente, die das Immunsystem schwächen?
Was wird an der Spaltlampe untersucht?
An der Spaltlampe beurteilt die Augenärztin Farbe, Größe, Dicke, Begrenzung, Gefäße, Zysten und die Verschieblichkeit des Befunds. Sie klappt das obere und untere Lid um, um Lidinnenseite und Umschlagfalten einzusehen, und untersucht Karunkel und Hornhaut. Bei Verdacht auf ein Melanom tastet sie zusätzlich die Lymphknoten vor dem Ohr und am Hals ab.
Oft werden die Pupillen erweitert, um auch das Augeninnere zu beurteilen. So lässt sich zum Beispiel ausschließen, dass ein Pigment auf der Bindehaut in Wahrheit ein durch die Lederhaut nach außen wachsendes Aderhautmelanom ist.
Warum sind Fotos so wichtig?
Fotos sind das wichtigste Werkzeug, um Veränderungen über die Zeit sicher zu erkennen. Bei der ersten Untersuchung werden Lage, Größe und Aussehen mit einer Spaltlampenkamera fotografiert und oft in einer Skizze mit Uhrzeiten-Angaben festgehalten. Bei jeder Kontrolle wird verglichen, ob sich Form, Größe oder Farbe verändert haben.
Nach Angaben der Amerikanischen Akademie für Augenheilkunde ist ein Melanom unwahrscheinlich, wenn ein Nävus über ein bis zwei Jahre unverändert bleibt. Bei einem neu entdeckten Nävus ist eine erste Kontrolle nach etwa sechs Monaten üblich, danach oft jährlich.
Welche Zusatzuntersuchungen gibt es?
Ergänzend zur Spaltlampe stehen mehrere schmerzfreie Untersuchungen zur Verfügung, die ohne Eingriff Schnittbilder oder Zusatzinformationen liefern.
- Vorderabschnitts-OCT (optische Kohärenztomografie): ein Lichtschnittbild der Bindehaut. Im Nävus zeigt es Zysten. Bei einer OSSN zeigt es eine verdickte, hell reflektierende Deckschicht mit scharfem Übergang zum gesunden Gewebe. Damit lässt sie sich gut von einem Flügelfell unterscheiden und nach Tropfentherapie auf Reste prüfen. Bei sehr dicken Tumoren reicht die Eindringtiefe nicht aus.
- Hochfrequenz-Ultraschall (Ultraschall-Biomikroskopie): zeigt, wie tief ein Tumor reicht und ob er Lederhaut, Hornhaut oder das Augeninnere erreicht.
- Anfärbungen mit Farbstoffen wie Lissamingrün oder Bengalrosa: können eine OSSN sichtbarer machen, färben aber auch andere Veränderungen an.
- Abklatschzytologie: Ein Filterplättchen nimmt oberflächliche Zellen ab. Das ist einfach, erfasst aber nur die oberste Schicht.
- Konfokale Mikroskopie: sehr hohe Vergrößerung am lebenden Auge, im Alltag nur begrenzt hilfreich.
Wann ist eine Gewebeprobe nötig?
Eine Gewebeprobe ist nötig, wenn ein Befund verdächtig ist oder sich verändert. Selbst erfahrene Augenärztinnen können die Stufen einer Plattenepithel-Neoplasie an der Spaltlampe nur in einem Teil der Fälle richtig einordnen, und eine Melanose mit Atypie sieht genauso aus wie eine ohne. Erst die Histologie zeigt, ob es sich um eine Vorstufe oder um Krebs handelt und wie tief er reicht.
Ganz entfernen oder nur eine Probe?
Kleine, umschriebene Veränderungen werden meist gleich vollständig mit Sicherheitsabstand entfernt (Exzisionsbiopsie). Bei großen, flächigen Veränderungen wird nur ein Teil entnommen (Inzisionsbiopsie). Bei einer ausgedehnten Melanose werden oft an mehreren Stellen kleine Proben genommen, um die Verteilung der Atypie zu kartieren (Map-Biopsie).
Bei einem knotigen Verdacht auf Melanom wird keine Teilprobe entnommen, sondern der Knoten möglichst in einem Stück entfernt. Ein Einschneiden in den Tumor kann Tumorzellen verschleppen und das Rückfallrisiko erhöhen.
Was passiert mit dem Gewebe?
Das Gewebe wird auf einem Papier ausgebreitet und ausgerichtet an eine erfahrene Pathologie geschickt, damit Ränder und Basalmembran beurteilt werden können. Bei Melanomen werden Färbungen wie S-100 eingesetzt und teils Genveränderungen wie BRAF oder NRAS untersucht. Bei Verdacht auf Lymphom werden zwei Proben benötigt: eine in Formalin für das Mikroskop und eine frische für die Durchflusszytometrie (Analyse der Zelloberflächen).
Welche Untersuchungen folgen bei einem bösartigen Tumor?
Ist ein Melanom oder Lymphom bestätigt, wird geprüft, ob sich der Tumor im Körper ausgebreitet hat (Staging). Wie umfangreich das ist, hängt vom Risiko ab.
- Melanom: Einteilung nach dem TNM-System (T1 nur auf der Bindehaut des Augapfels, T2 auch an Lidinnenseite, Umschlagfalte oder Karunkel, T3 über die Bindehaut hinaus). Je nach Risiko Ultraschall der Halslymphknoten, Blutwerte wie LDH und S-100, Computer- oder PET-Computertomografie, MRT des Kopfes.
- Lymphom: Untersuchung durch die Hämatologie, Blutbild, PET-CT oder CT, MRT der Augenhöhle, je nach Typ eine Knochenmarkpunktion.
- Plattenepithelkarzinom: bei großen Tumoren Bildgebung der Augenhöhle (CT oder MRT). Bei jüngeren Betroffenen oder beidseitigem Befall wird ein HIV-Test empfohlen.
Welche Erkrankungen werden abgegrenzt?
Viele harmlose Veränderungen können einem Bindehauttumor ähneln. Die Augenärztin unterscheidet sie vor allem nach Farbe, Lage und Verlauf.
| Befund | Kann verwechselt werden mit | Unterschied |
|---|---|---|
| brauner oder grauer Fleck | herkunftsbedingte Melanose, angeborene Melanozytose (Nävus Ota), Ablagerungen von Wimperntusche, Silber, Eisen oder Medikamenten | herkunftsbedingte Melanose: beidseitig, flach, stabil, bei dunkler Haut; Melanozytose: blaugrau, tief, unverschieblich, angeboren |
| weißlich-gelbe Verdickung am Hornhautrand | Lidspaltenfleck, Flügelfell | Flügelfell: dreieckig, wächst als Gewebezunge auf die Hornhaut; OCT zeigt bei OSSN eine verdickte, hell reflektierende Deckschicht |
| rotes Knötchen | pyogenes Granulom, Episkleritis, Papillom | Episkleritis: gerötet, oft leicht druckempfindlich, klingt ab; Granulom: rasch, oft nach Operation |
| lachsrosa Polster | gutartige lymphatische Wucherung, chronische follikuläre Bindehautentzündung, Sarkoidose, Amyloidose | nur durch Gewebeprobe sicher zu unterscheiden |
| roter Fleck | Blutung unter der Bindehaut | flach, scharf rot, verblasst in ein bis zwei Wochen |
Ein Flügelfell sollte vor allem in sonnenreichen Gegenden nach der Entfernung feingeweblich untersucht werden, da sich darin eine Plattenepithel-Neoplasie verbergen kann.
5 Behandlung
In diesem Kapitel (11)
- Wie werden Bindehauttumoren behandelt?
- Wo sollte man sich behandeln lassen?
- Muss ein Muttermal der Bindehaut entfernt werden?
- Wie wird eine primär erworbene Melanose behandelt?
- Wie läuft die Operation eines bösartigen Tumors ab?
- Welche Chemotherapie-Augentropfen gibt es?
- Welche Nebenwirkungen haben die Tropfen und wie wendet man sie an?
- Wie wird ein Bindehautmelanom behandelt?
- Wie wird eine Plattenepithel-Neoplasie behandelt?
- Wie wird ein Lymphom der Bindehaut behandelt?
- Welche Nebenwirkungen hat die Behandlung insgesamt?
Wie werden Bindehauttumoren behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Art, Größe, Lage und Tiefe des Tumors. Gutartige Tumoren werden meist nur beobachtet. Vorstufen und bösartige Tumoren werden operativ entfernt, oft mit Vereisung (Kryotherapie) der Ränder und Chemotherapie-Augentropfen. Tiefere Tumoren werden zusätzlich bestrahlt. Lymphome behandelt man meist mit Strahlentherapie.
| Tumor | Übliche Behandlung |
|---|---|
| Nävus | Beobachtung mit Fotos; Entfernung bei Verdacht oder auf Wunsch |
| PAM ohne Atypie, klein | Beobachtung mit Fotos |
| PAM verdächtig oder mit Atypie | Gewebeprobe, Entfernung, Kryotherapie, Mitomycin-C-Tropfen |
| Bindehautmelanom | Entfernung in No-touch-Technik mit Sicherheitsabstand plus Zusatzbehandlung (Kryo, Bestrahlung, Tropfen) |
| OSSN auf das Epithel begrenzt | Entfernung mit Kryo oder alleinige Chemotherapie-Tropfen |
| invasives Plattenepithelkarzinom | Entfernung, Kryo, Tropfen; bei tiefer Ausdehnung Bestrahlung |
| Lymphom | meist Strahlentherapie; bei Ausbreitung Rituximab und Chemotherapie |
Wo sollte man sich behandeln lassen?
Bei Verdacht auf einen bösartigen Bindehauttumor sollte die Behandlung in einem Zentrum mit Erfahrung in Augenonkologie erfolgen. Das empfehlen deutschsprachige, französische und spanische Fachquellen übereinstimmend. In Deutschland und Österreich sind das meist Universitäts-Augenkliniken oder große Augenkliniken mit ophthalmo-onkologischem Schwerpunkt, die eng mit Pathologie, Strahlentherapie, Hämatologie und Onkologie zusammenarbeiten und Fälle in einer Tumorkonferenz besprechen.
Der Grund: Die erste Operation ist die wichtigste. Eine unvollständige Entfernung, eine Teilprobe aus einem Melanomknoten oder eine Operation ohne die nötige Technik können Tumorzellen verschleppen, die Zahl der Rückfälle erhöhen und die Prognose verschlechtern. Eine einheitliche deutsche Leitlinie für bösartige Tumoren der Augenoberfläche gibt es nicht; die Zentren richten sich nach Studienlage und eigener Erfahrung.
Muss ein Muttermal der Bindehaut entfernt werden?
Ein Bindehautnävus muss in der Regel nicht entfernt werden. Üblich sind Kontrollen mit Vergleichsfotos, anfangs nach etwa sechs Monaten, später meist jährlich. Eine Entfernung wird empfohlen, wenn sich der Nävus im Erwachsenenalter objektiv verändert, wenn er an ungewöhnlicher Stelle liegt (Lidinnenseite, Umschlagfalte) oder erst spät im Leben aufgetreten ist, und manchmal bei einem Melanom in der Familie.
Viele Menschen lassen einen gut sichtbaren Nävus auch aus kosmetischen Gründen entfernen. Das geschieht meist ambulant in örtlicher Betäubung. Der Nävus wird vollständig mit einem schmalen Sicherheitsabstand herausgeschnitten und immer feingeweblich untersucht. Die Kosten einer rein kosmetischen Entfernung tragen die Krankenkassen in Deutschland und Österreich in der Regel nicht; ist die Entfernung medizinisch begründet, ist sie Kassenleistung.
Wie wird eine primär erworbene Melanose behandelt?
Kleine, flache, unauffällige Melanosen werden mit Fotos beobachtet, meist einmal im Jahr. Die kanadische Krebsgesellschaft nennt als Grenze für die aktive Überwachung etwa ein Viertel der Augenoberfläche, spanische Fachautoren einen Durchmesser von etwa fünf Millimetern. Verdächtige Melanosen werden durch eine Gewebeprobe abgeklärt.
Eine Behandlung ist angezeigt bei Atypie in der Gewebeprobe, bei größerer oder zunehmender Ausdehnung, Verdickung, Gefäßen, Übergreifen auf die Hornhaut oder einem Haut- oder Augenmelanom in der Vorgeschichte. Dann werden umschriebene Stellen entfernt und die Ränder vereist. Weil die Atypie oft verstreut über die ganze Bindehaut vorliegt, wird zusätzlich die gesamte Augenoberfläche mit Mitomycin-C-Tropfen behandelt.
Ob die Kryotherapie bei Melanose sinnvoll ist, wird unter Fachleuten unterschiedlich bewertet: Ein Teil der Zentren setzt sie routinemäßig ein, andere raten wegen Nebenwirkungen und Rückfallraten zurückhaltend dazu.
Wie läuft die Operation eines bösartigen Tumors ab?
Bösartige Bindehauttumoren werden in einer besonderen Technik entfernt, der sogenannten No-touch-Technik. Dabei wird der Tumor selbst nicht mit Instrumenten berührt, sondern im gesunden Gewebe in einem Stück herausgeschnitten, meist mit 3 bis 5 Millimetern Sicherheitsabstand. Gearbeitet wird „trocken“, ohne Spülung, damit keine Zellen verschleppt werden.
Ist die Hornhaut beteiligt, wird deren Deckschicht mit reinem Alkohol gelöst und vorsichtig zum Rand hin abgetragen, ohne die darunterliegende Bowman-Membran zu verletzen. Haftet der Tumor an der Lederhaut, wird eine dünne Lederhautlamelle mit entfernt. Für die Operation bösartiger Tumoren empfehlen französische Zentren eine Vollnarkose; für kleinere Eingriffe ist eine örtliche Betäubung hinter dem Auge möglich. Eine Betäubungsspritze direkt unter die Bindehaut wird vermieden, weil sie die Ränder verwischt.
Vereisung der Ränder
Nach dem Herausschneiden werden die Bindehautränder und der Grund mit einer Kältesonde zwei- bis dreimal vereist und wieder aufgetaut (Kryotherapie). Das soll verbliebene Tumorzellen zerstören. Die Kombination aus Entfernung und Kryotherapie senkt die Rückfallrate deutlich: Bei Plattenepithel-Neoplasien sinkt sie von 25 bis 53 Prozent nach alleiniger Entfernung auf etwa 7 bis 20 Prozent.
Verschluss großer Defekte
Kleine Wunden verheilen von selbst oder werden mit Bindehaut aus der Umgebung gedeckt. Größere Defekte werden mit einem Bindehauttransplantat, mit Amnionmembran (die innerste Eihaut einer Plazenta, aufbereitet als Gewebespende) oder mit Mundschleimhaut verschlossen.
Nach der Operation
Nach der Operation trägt man meist ein bis zwei Tage einen Verband mit antibiotischer Salbe. Danach folgen Antibiotika- und Kortisontropfen in abnehmender Dosis über einige Wochen. Fäden werden, falls nicht selbstauflösend, nach etwa einem Monat entfernt. Fremdkörpergefühl und Rötung sind in den ersten Wochen normal.
Welche Chemotherapie-Augentropfen gibt es?
Drei Wirkstoffe werden als Chemotherapie-Augentropfen eingesetzt: Mitomycin C, 5-Fluorouracil (5-FU) und Interferon alfa-2b. Sie wirken auf der gesamten Augenoberfläche, also auch an Stellen, an denen mit bloßem Auge noch kein Tumor zu sehen ist, und hinterlassen keine Narben. Sie erreichen aber nur die Deckschicht und eignen sich deshalb nicht für tief eindringende Tumoren.
Die Tropfen werden eingesetzt
- als alleinige Behandlung bei Plattenepithel-Neoplasien, die auf das Epithel begrenzt sind, besonders bei großen, flächigen oder mehreren Herden
- nach einer Operation, wenn die Ränder nicht frei waren, oder zur Vorbeugung von Rückfällen
- vor einer Operation, um einen großen Tumor zu verkleinern
- bei Melanose mit Atypie und ergänzend beim Melanom (vor allem Mitomycin C)
- bei einem Rückfall
Bei Plattenepithel-Neoplasien bilden sich mit allen drei Mitteln etwa 80 bis 100 Prozent der Befunde vollständig zurück. Eine Übersichtsarbeit fand, dass die Tropfen ähnlich wirksam sind wie die Operation. Allerdings beruhen die Zahlen überwiegend auf kleinen, rückblickenden Studien; große Vergleichsstudien fehlen.
| Wirkstoff | Typisches Schema | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Mitomycin C 0,02 bis 0,04 % | 4-mal täglich eine Woche, dann 1 bis 3 Wochen Pause; meist 3 bis 4 Zyklen | wirkt am schnellsten, kurze Behandlung, günstig | am meisten Nebenwirkungen; muss gekühlt und häufig neu hergestellt werden |
| 5-Fluorouracil 1 % | 4-mal täglich eine Woche, dann 3 Wochen Pause (oder andere Rhythmen); mehrere Zyklen | meist milde Nebenwirkungen, günstig, keine Kühlung nötig | längere Behandlung; schwächer bei dicken oder mehreren Herden |
| Interferon alfa-2b | Tropfen 1 Mio. IE/ml 4-mal täglich ohne Pause, bis 1 bis 3 Monate nach Abheilung (im Mittel etwa 4 bis 5 Monate) oder wöchentliche Spritzen unter die Bindehaut | am besten verträglich, wenig Rückfälle | teuer, gekühlt, nur begrenzt haltbar, schwer erhältlich; Spritzen können grippeähnliche Beschwerden machen |
Ein Vergleich von Interferon und Mitomycin C fand eine ähnliche Wirksamkeit (89 gegenüber 92 Prozent). Mitomycin führte schneller zur Abheilung, verursachte aber viel häufiger Nebenwirkungen. Neuere Arbeiten bestätigen, dass Mitomycin C und 5-FU die Augenoberfläche stärker reizen als Interferon.
Herstellung und Kostenübernahme
Für die Behandlung von Bindehauttumoren gibt es keine fertigen, zugelassenen Augentropfen. Die Tropfen werden in spezialisierten Apotheken oder Krankenhausapotheken eigens als Rezeptur hergestellt; die Wirkstoffe sind für diesen Einsatz am Auge nicht zugelassen. Ein Interferon-alfa-2b-Präparat ist in der EU seit Ende 2021 gar nicht mehr zugelassen. Auch deshalb ist Interferon schwer zu bekommen. Ob und wie die Krankenkasse die Kosten übernimmt, klärt in Deutschland und Österreich in der Regel die behandelnde Klinik im Einzelfall; fragen Sie danach, bevor die Behandlung beginnt.
Welche Nebenwirkungen haben die Tropfen und wie wendet man sie an?
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Rötung, Brennen, Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und eine oberflächliche Entzündung von Hornhaut und Bindehaut. Unter Mitomycin C treten diese bei einem großen Teil der Behandelten auf; fünf bis 18 Prozent brechen die Behandlung deshalb ab. Seltene, aber ernste Folgen sind eine Verengung der Tränenpünktchen mit ständigem Tränenfluss und ein Mangel an Stammzellen am Hornhautrand, der die Hornhautoberfläche dauerhaft schädigen kann.
Gegen die Reizung helfen konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel und kurzzeitig Kortisontropfen. Manche Zentren setzen vorübergehend kleine Stöpsel in die Tränenpünktchen, damit das Medikament nicht in die Tränenwege gelangt.
Hinweise für die Anwendung zu Hause
- Vor und nach dem Tropfen die Hände waschen; bei Mitomycin C und 5-FU Einmalhandschuhe tragen.
- Die Tropferspitze nicht berühren und nicht abspülen.
- Die Fläschchen im Kühlschrank lagern und nur so lange verwenden, wie die Apotheke angibt (bei Mitomycin oft nur eine Woche).
- Nach dem Tropfen das Auge ein bis zwei Minuten schließen und nicht reiben.
- Zwischen verschiedenen Augentropfen mindestens fünf Minuten Abstand halten.
- Eine dünne Schicht Vaseline auf der Haut des Unterlids schützt vor Hautreizungen durch überlaufende Tropfen.
- Leere Fläschchen nicht in den Hausmüll werfen, sondern in der Apotheke oder Klinik zurückgeben.
- Frauen im gebärfähigen Alter sollen während einer Behandlung mit Mitomycin C sicher verhüten.
Melden Sie sich umgehend in der Klinik bei starken Schmerzen, deutlich schlechterem Sehen, Doppelbildern oder Zeichen einer allergischen Reaktion.
Wie wird ein Bindehautmelanom behandelt?
Ein Bindehautmelanom wird immer operativ in No-touch-Technik entfernt und praktisch immer zusätzlich behandelt, weil die alleinige Entfernung zu vielen Rückfällen führt. Als Zusatz kommen Kryotherapie der Ränder, Mitomycin-C-Tropfen und eine Bestrahlung infrage. Für die Bestrahlung wird einige Wochen nach der Operation eine kleine, strahlende Platte (Brachytherapie, zum Beispiel mit Ruthenium oder Strontium) aufgenäht; bei Tumoren außerhalb des Augapfels kommen Protonen- oder andere äußere Bestrahlung infrage.
Es gibt zwei Schulen: Die einen entfernen den Tumor mit breitem Rand und decken den Defekt mit Amnionmembran, die anderen schneiden schmaler und bestrahlen dafür zusätzlich. Sind die Ränder nicht frei, wird nachoperiert. Ist das Melanom weit ins Gewebe der Augenhöhle vorgedrungen, kann eine Exenteration nötig werden, also die Entfernung des Augenhöhleninhalts. Mit Protonenbestrahlung lässt sie sich manchmal vermeiden.
Wächterlymphknoten und Metastasen
Bei dickeren Melanomen (über 2 Millimeter) wird in manchen Zentren eine Untersuchung des Wächterlymphknotens erwogen, also des ersten Lymphknotens im Abflussgebiet. Ihr Nutzen ist nicht sicher belegt. Bei Metastasen werden Medikamente eingesetzt, die beim Hautmelanom etabliert sind: Immuntherapien und, bei passender Genveränderung, BRAF- oder KIT-Hemmer. Bindehaut- und Hautmelanom ähneln sich genetisch stärker als das Bindehaut- und das Aderhautmelanom.
Wie wird eine Plattenepithel-Neoplasie behandelt?
Kleine, umschriebene Plattenepithel-Neoplasien werden meist operativ in No-touch-Technik mit 3 bis 4 Millimetern Sicherheitsabstand entfernt und die Ränder vereist. Der Hornhautanteil wird mit Alkohol abgelöst. Zunehmend wird, besonders bei großen oder flächigen Befunden, zuerst oder ausschließlich mit Chemotherapie-Tropfen behandelt. Waren die Schnittränder nach einer Operation befallen, folgen Tropfen; spanische Fachautoren bevorzugen dafür Interferon über etwa drei Monate.
Ist der Tumor in Lederhaut oder Augeninneres eingedrungen, kommt eine Bestrahlung mit aufgenähter Strahlenplatte oder mit Protonen hinzu. Nur bei sehr weit fortgeschrittenen Tumoren, die das Auge oder die Augenhöhle durchsetzt haben, muss das Auge (Enukleation) oder der Inhalt der Augenhöhle (Exenteration) entfernt werden. In Mitteleuropa ist das selten.
Wie wird ein Lymphom der Bindehaut behandelt?
Das häufige, langsam wachsende Marginalzonenlymphom der Bindehaut wird meist mit einer Strahlentherapie behandelt, die auf die Augenregion begrenzt ist. Sie erreicht sehr gute Ergebnisse: In Studien blieben je nach Serie etwa 85 bis 100 Prozent der Behandelten über fünf bis zehn Jahre ohne Rückfall an der bestrahlten Stelle. Ein Rückfall an anderer Stelle im Körper ist über die Jahre trotzdem möglich, deshalb sind langfristige Kontrollen wichtig. Die Behandlung erfolgt gemeinsam mit Hämatologie und Strahlentherapie.
Weitere Möglichkeiten sind der Antikörper Rituximab (als Infusion oder direkt in den Tumor), bei aggressiven Formen oder Befall des ganzen Körpers eine Chemotherapie, bei Nachweis von Chlamydien ein Antibiotikum (Doxycyclin). Kleine Befunde können manchmal vollständig entfernt werden; allein reicht das aber oft nicht. Bei manchen sehr langsam wachsenden Lymphomen ist abwartendes Beobachten möglich. Mögliche Folgen der Bestrahlung sind ein trockenes Auge und ein Grauer Star. Ausführlich dazu: Lymphom am Auge.
Welche Nebenwirkungen hat die Behandlung insgesamt?
Die meisten Eingriffe heilen gut ab. Mögliche Folgen sind Narben und Verwachsungen der Bindehaut, die die Augenbeweglichkeit einschränken und Doppelbilder verursachen können, ein trockenes Auge und ein Mangel an Stammzellen am Hornhautrand. Die Kryotherapie kann Entzündungen der Regenbogenhaut, Hornhautnarben, eine Verdünnung der Lederhaut oder einen niedrigen Augeninnendruck verursachen. Eine Bestrahlung kann die Lederhaut schädigen, einen Grauen Star fördern und selten die Netzhaut angreifen. Wegen der Nebenwirkungen der Kryotherapie gewinnen die Tropfen an Bedeutung.
6 Verlauf und Prognose
In diesem Kapitel (7)
- Wie ist die Prognose bei einem Muttermal der Bindehaut?
- Wie verläuft eine primär erworbene Melanose?
- Wie ist die Prognose beim Bindehautmelanom?
- Wie verläuft eine Plattenepithel-Neoplasie?
- Wie ist die Prognose beim Lymphom der Bindehaut?
- Wie oft sind Kontrollen nötig?
- Wie lebt man mit einem Bindehauttumor?
Wie ist die Prognose bei einem Muttermal der Bindehaut?
Die Prognose eines Bindehautnävus ist ausgezeichnet. Nach der Jugend bleibt er in rund 92 Prozent der Fälle unverändert. Das Risiko, dass ein Nävus zum Melanom wird, liegt unter einem Prozent; manche Quellen nennen deutlich niedrigere Werte. Kontrollen mit Fotos ändern dieses Risiko nicht, sorgen aber dafür, dass eine Veränderung früh auffällt und rechtzeitig behandelt werden kann.
Wie verläuft eine primär erworbene Melanose?
Eine Melanose ohne Atypie bleibt gutartig. Bei Atypie hängt der Verlauf vom Schweregrad und der Ausdehnung ab. In der großen Studie mit 311 Augen wuchs eine beobachtete Melanose innerhalb von zehn Jahren in 35 Prozent der Fälle, und in 12 Prozent entstand ein Melanom. Nach einer Gewebeprobe oder Behandlung kam die Melanose innerhalb von zehn Jahren in 58 Prozent der Fälle wieder. Deshalb ist die Nachsorge bei Melanose lebenslang.
Wie ist die Prognose beim Bindehautmelanom?
Das Bindehautmelanom ist ein ernster Tumor, aber früh erkannt und von erfahrenen Zentren behandelt ist die Prognose oft gut. Aus einer deutschen Augenklinik wurde eine Überlebensrate von etwa 85 Prozent nach fünf und 78 Prozent nach zehn Jahren berichtet, aus Spanien 89 und 69 Prozent. Insgesamt sterben in großen Serien innerhalb von zehn Jahren etwa 13 bis 38 Prozent der Betroffenen am Melanom; das Risiko für Metastasen nach zehn Jahren liegt bei etwa 25 Prozent.
Die große Spannbreite erklärt sich durch die Faktoren, die den Verlauf bestimmen:
- Lage: Melanome am Hornhautrand haben die beste Prognose. Ungünstiger sind Umschlagfalte, Lidinnenseite, Plica und vor allem die Karunkel.
- Dicke: Tumoren über 2 Millimeter Dicke streuen häufiger.
- Stadium: In einer Serie lag das Risiko, innerhalb von fünf Jahren an Metastasen zu sterben, bei T1 um 3 Prozent, bei T2 und T3 um 30 Prozent.
- Entstehung: Melanome ohne Vorstufe (de novo) verlaufen ungünstiger als solche aus Melanose oder Nävus.
- Erste Behandlung: Eine unvollständige Entfernung erhöht Rückfall- und Sterberisiko.
Rückfälle beim Melanom
Örtliche Rückfälle sind beim Bindehautmelanom häufig: Je nach Studie und Stadium treten sie in 20 bis über 50 Prozent der Fälle auf, auch noch nach vielen Jahren. Ein Rückfall zeigt sich meist als neue Pigmentierung oder als neuer Knoten. Je früher er erkannt wird, desto eher lässt er sich erneut ohne große Eingriffe behandeln.
Wie verläuft eine Plattenepithel-Neoplasie?
Die Plattenepithel-Neoplasie wächst meist langsam und streut nur sehr selten, in weniger als einem Prozent der Fälle. Bei angemessener Behandlung ist sie meist heilbar. Rückfälle sind dennoch häufig: Je nach Behandlung und Serie liegen sie zwischen etwa 5 und über 50 Prozent, besonders wenn die Schnittränder befallen waren. Die meisten Rückfälle treten in den ersten zwei Jahren auf, einzelne aber erst nach mehr als fünf Jahren. Späte Rückfälle lassen sich meist durch eine erneute Entfernung oder Tropfen behandeln.
Bei fortgeschrittenen, lange unbehandelten Tumoren kann die Entfernung des Augapfels oder des Augenhöhleninhalts nötig werden. Eine Münchner Auswertung fortgeschrittener Fälle zeigte, dass sehr späte Diagnosen und unzureichende Behandlung im Extremfall tödlich enden können. Bei Menschen mit HIV-Infektion sind Rückfälle häufiger.
Wie ist die Prognose beim Lymphom der Bindehaut?
Die Prognose ist beim häufigen Marginalzonenlymphom sehr gut: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 97 Prozent. Bei follikulären Lymphomen ist sie etwas niedriger, bei den seltenen aggressiven Formen (diffus großzelliges B-Zell- und Mantelzell-Lymphom) deutlich ungünstiger. Weil sich Lymphome auch Jahre später an anderer Stelle im Körper zeigen können, ist eine lange Nachsorge nötig.
Wie oft sind Kontrollen nötig?
Nach der Behandlung eines bösartigen Bindehauttumors sind regelmäßige, oft lebenslange Kontrollen mit Fotodokumentation nötig. Ein häufig genanntes Schema lautet:
- im ersten Jahr alle drei Monate
- im zweiten bis vierten Jahr alle sechs Monate
- danach jährlich
Nach einem Melanom richtet sich die Nachsorge nach dem Metastasenrisiko. Bei geringem Risiko genügt eine augenärztliche Kontrolle alle 6 bis 12 Monate. Bei höherem Risiko kommen alle 3 bis 6 Monate Ultraschall der Lymphknoten, Blutwerte und Schnittbilder hinzu, ähnlich wie in den europäischen Leitlinien zum Hautmelanom.
Wie lebt man mit einem Bindehauttumor?
Die meisten Menschen mit einem Bindehauttumor leben ohne Einschränkungen. Bei einem harmlosen Nävus genügt eine jährliche Kontrolle. Nach einer Behandlung kann das Auge über Wochen gereizt sein, und manche brauchen dauerhaft befeuchtende Tropfen. Die Sorge vor einem Rückfall ist verständlich. Hilfreich ist ein fester Kontrollplan und das Wissen, worauf man selbst achten kann.
7 Vorbeugung
In diesem Kapitel (4)
Kann man Bindehauttumoren vorbeugen?
Sicher vorbeugen lässt sich Bindehauttumoren nicht. Weil UV-Strahlung der wichtigste äußere Risikofaktor für Plattenepithel-Neoplasie und Bindehautmelanom ist, ist ein guter Sonnenschutz für die Augen aber sinnvoll. Die Amerikanische Akademie für Augenheilkunde empfiehlt Menschen mit einem Nävus ausdrücklich eine Sonnenbrille mit UV-Schutz.
Wie schützt man die Augen vor UV-Strahlung?
Am besten schützt eine Sonnenbrille, die UVA- und UVB-Strahlung vollständig filtert (Kennzeichnung „UV 400“ oder „100 % UV-Schutz“, in Europa mit CE-Zeichen). Seitlich gut abschließende oder gebogene Fassungen halten auch seitlich einfallendes Licht ab. Ein Hut mit Krempe oder eine Schirmmütze verringert die Strahlung zusätzlich.
- besonders wichtig bei viel Arbeit oder Sport im Freien, im Gebirge, am Wasser und im Schnee
- auch an bewölkten Tagen, weil UV-Strahlung durch Wolken dringt
- Kinder ebenfalls schützen, da die Belastung über das Leben zusammenkommt
Was können Sie sonst tun?
Neben dem UV-Schutz gibt es einige weitere sinnvolle Maßnahmen, die sich aus den bekannten Risikofaktoren ableiten:
- Nicht rauchen: Rauchen gilt als Risikofaktor für die Plattenepithel-Neoplasie.
- Bekannte Flecken kontrollieren lassen: Ein Nävus oder eine Melanose sollte regelmäßig mit Fotos kontrolliert werden. Die Behandlung einer Melanose mit Atypie kann ein Melanom verhindern.
- Bei geschwächtem Immunsystem (etwa nach einer Organtransplantation oder bei HIV) auf Veränderungen der Augenoberfläche achten und sie früh zeigen.
- HIV-Test: Bei einer Plattenepithel-Neoplasie vor dem 50. Lebensjahr wird ein HIV-Test empfohlen.
- Bei angeborener Melanozytose (Nävus Ota) jährliche Kontrollen des Augeninneren, weil das Risiko für ein Aderhautmelanom erhöht ist.
Wie beobachtet man einen Fleck selbst?
Selbstbeobachtung ergänzt die augenärztlichen Kontrollen, ersetzt sie aber nicht. Schauen Sie etwa einmal im Monat bei gutem Tageslicht in den Spiegel, ziehen Sie das Unterlid leicht herunter und blicken Sie in alle Richtungen.
- Fotografieren Sie den Fleck in gleichmäßigem Licht und aus gleichem Abstand, am besten mit einem Lineal oder einer Münze als Größenvergleich daneben.
- Notieren Sie Datum, Größe, Farbe und ob neue Gefäße zu sehen sind.
- Bringen Sie alte Fotos, auf denen das Auge zu sehen ist, zur Kontrolle mit; sie helfen zu klären, seit wann ein Fleck besteht.
8 Wann sofort zum Arzt?
In diesem Kapitel (4)
Ist ein Bindehauttumor ein Notfall?
Ein Bindehauttumor ist in aller Regel kein Notfall, bei dem man nachts in die Klinik muss. Ein verdächtiger Befund sollte aber zeitnah, also innerhalb von wenigen Wochen, augenärztlich untersucht werden, weil die Prognose bösartiger Tumoren von einer frühen und richtigen ersten Behandlung abhängt.
Wann zeitnah zur Augenärztin?
Vereinbaren Sie innerhalb von einigen Tagen bis wenigen Wochen einen Termin, wenn Sie Folgendes bemerken:
- einen neuen Fleck auf dem Auge im Erwachsenenalter, egal welcher Farbe
- Wachstum, Verdickung oder Farbveränderung eines bekannten Flecks
- neue Blutgefäße, die auf einen Fleck zulaufen
- einen Fleck, der auf die Hornhaut übergreift
- einen Knoten, eine offene Stelle oder eine Blutung am Fleck
- ein lachsrosa Polster unter der Bindehaut
- eine einseitige Rötung oder Reizung, die trotz Behandlung über zwei bis drei Wochen nicht abklingt
- nach der Behandlung eines Tumors: neue Pigmentierung, neue Knötchen oder tastbare Knoten vor dem Ohr oder am Hals
Wann zur nächsten Routinekontrolle?
Ein seit Kindheit bekannter, unveränderter Fleck kann bei der nächsten regulären augenärztlichen Untersuchung angesprochen werden. Das gilt auch für einen Nävus bei Kindern und Jugendlichen, der langsam etwas dunkler wird. Wer unsicher ist, sollte lieber einmal zu früh nachsehen lassen.
Wann sofort zum Arzt?
Sofort, noch am selben Tag, sollten Sie in eine Augenklinik oder zum augenärztlichen Notdienst bei:
- plötzlicher Sehverschlechterung, Lichtblitzen oder einem Schatten im Gesichtsfeld
- starken Augenschmerzen mit Rötung, Übelkeit oder Kopfschmerzen
- einer Verletzung oder Verätzung des Auges
- während einer Chemotherapie mit Augentropfen: starken Schmerzen, deutlich schlechterem Sehen, Doppelbildern oder einer allergischen Reaktion
Diese Warnzeichen sprechen meist nicht für einen Bindehauttumor, sondern für andere ernste Augenerkrankungen. Eine Übersicht bietet die Seite Notfall am Auge.
9 Häufige Fragen
Ich habe einen braunen Fleck im Auge. Ist das gefährlich?
Meist nicht. Ein brauner Fleck auf dem Augenweiß ist in den meisten Fällen ein harmloses Muttermal der Bindehaut (Nävus), das oft seit Kindheit besteht und nur in weniger als einem von hundert Fällen bösartig wird. Lassen Sie ihn einmal augenärztlich beurteilen und fotografieren. Zeitnah sollten Sie gehen, wenn der Fleck im Erwachsenenalter neu auftritt, wächst, dicker wird, die Farbe ändert oder neue Gefäße bekommt.
Kann ein Muttermal im Auge zu Krebs werden?
Ja, aber sehr selten. Das Risiko liegt unter einem Prozent. Häufiger entsteht ein Bindehautmelanom aus einer primär erworbenen Melanose mit Zellveränderungen, einer flachen braunen Verfärbung, die erst im Erwachsenenalter auftritt. Deshalb werden Flecken im Auge mit Fotos kontrolliert, damit Veränderungen früh auffallen.
Mein Kind hat einen Fleck im Auge, der größer wird. Muss ich mir Sorgen machen?
In der Regel nicht. Bei Kindern und Jugendlichen ist ein Nävus der häufigste Bindehauttumor, und es ist normal, dass er in den ersten beiden Lebensjahrzehnten etwas wächst, dunkler wird oder kleine Bläschen bekommt. Bösartige Bindehauttumoren sind bei Kindern sehr selten. Eine augenärztliche Kontrolle mit Fotos ist trotzdem sinnvoll.
Was ist eine primär erworbene Melanose (PAM)?
Eine primär erworbene Melanose ist eine flache, braune, unscharf begrenzte Verfärbung der Bindehaut, die meist ab dem 40. bis 50. Lebensjahr an einem Auge auftritt. Ohne Zellveränderungen ist sie harmlos, mit Zellveränderungen (Atypie) gilt sie als Vorstufe des Bindehautmelanoms. Ob eine Atypie vorliegt, zeigt nur eine Gewebeprobe.
Was ist OSSN am Auge?
OSSN steht für „Ocular Surface Squamous Neoplasia“, auf Deutsch Plattenepithel-Neoplasie der Augenoberfläche. Der Begriff umfasst Vorstufen (konjunktivale intraepitheliale Neoplasie), das Carcinoma in situ und das eindringende Plattenepithelkarzinom. Typisch ist eine weißlich-graue, geleeartige Verdickung am Hornhautrand. Hauptrisikofaktoren sind UV-Strahlung, HIV und Papillomviren. Sie streut nur sehr selten und ist meist gut behandelbar.
Kann man einen Bindehauttumor mit Augentropfen statt Operation behandeln?
Bei oberflächlichen Formen oft ja. Plattenepithel-Neoplasien, die auf die Deckschicht begrenzt sind, und Melanosen mit Atypie lassen sich mit Chemotherapie-Augentropfen (Mitomycin C, 5-Fluorouracil oder Interferon alfa-2b) behandeln. Bei Plattenepithel-Neoplasien bilden sich damit 80 bis 100 Prozent zurück. Tief eindringende Tumoren und knotige Melanome müssen dagegen operiert werden.
Verbreitet eine Gewebeprobe den Krebs?
Bei richtiger Technik nicht. Bei flächigen Veränderungen sind kleine Proben üblich und sicher. Bei einem knotigen Melanomverdacht wird dagegen keine Teilprobe entnommen, sondern der Knoten in No-touch-Technik in einem Stück entfernt, weil ein Einschneiden Tumorzellen verschleppen kann. Deshalb gehört ein solcher Befund in ein erfahrenes Zentrum.
Muss bei einem Bindehautmelanom das Auge entfernt werden?
Meist nicht. Die meisten Bindehautmelanome werden mit Erhalt des Auges entfernt und zusätzlich vereist, bestrahlt oder mit Tropfen behandelt. Nur bei weit fortgeschrittenen Tumoren, die in die Augenhöhle eingewachsen sind, kann die Entfernung des Augenhöhleninhalts nötig sein. Frühe Erkennung macht das unwahrscheinlicher.
Kommt ein Bindehauttumor nach der Behandlung wieder?
Das ist möglich und nicht selten. Beim Melanom treten örtliche Rückfälle je nach Stadium in 20 bis über 50 Prozent der Fälle auf, bei der Plattenepithel-Neoplasie je nach Behandlung bei etwa 5 bis über 50 Prozent, meist in den ersten zwei Jahren. Deshalb sind regelmäßige, oft lebenslange Kontrollen mit Fotos wichtig.
Ist ein lachsfarbener Fleck im Auge ein Lymphom?
Er kann es sein. Ein weiches, lachsrosa Polster unter der Bindehaut, meist in der Umschlagfalte, ist das typische Bild eines Bindehautlymphoms. Es kann aber auch eine gutartige lymphatische Wucherung oder eine Entzündung sein. Sicher klärt das nur eine Gewebeprobe. Das häufigste Bindehautlymphom wächst langsam und ist mit Bestrahlung meist gut behandelbar.
Hat ein Bindehauttumor mit der Sonne zu tun?
Teilweise ja. UV-Strahlung ist der wichtigste äußere Risikofaktor für die Plattenepithel-Neoplasie und das Bindehautmelanom. Beide sitzen bevorzugt dort, wo die Sonne das Auge trifft. Eine Sonnenbrille mit vollständigem UV-Schutz und ein Hut mit Krempe sind deshalb sinnvoll, besonders für hellhäutige Menschen und bei viel Aufenthalt im Freien.
Ist ein Flügelfell dasselbe wie ein Bindehauttumor?
Nein. Ein Flügelfell ist eine gutartige, dreieckige Gewebezunge, die vom Augenweiß auf die Hornhaut wächst. Es sitzt aber an derselben Stelle wie eine Plattenepithel-Neoplasie und kann ihr ähneln. Mit einem Lichtschnittbild (OCT) lassen sich beide meist unterscheiden. Ein entferntes Flügelfell wird deshalb oft feingeweblich untersucht.
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- AderhautmelanomDas Aderhautmelanom ist der häufigste bösartige Tumor, der bei Erwachsenen im Auge selbst entsteht, aber dennoch selten: In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 500 bis 1.000 Menschen, meist zwischen 55 und 75 Jahren. Es macht oft lange keine Beschwerden, wird häufig zufällig beim Augenarzt entdeckt und lässt sich heute in den meisten Fällen unter Erhalt des Auges behandeln.
- AderhautnävusEin Aderhautnävus ist ein gutartiges „Muttermal“ aus Pigmentzellen in der Aderhaut, der Gefäßschicht unter der Netzhaut. Etwa 5 von 100 hellhäutigen Erwachsenen haben einen; er macht fast nie Beschwerden und wird meist zufällig entdeckt. Nur sehr selten entwickelt sich daraus ein Melanom, deshalb wird er regelmäßig mit Fotos und weiteren Aufnahmen kontrolliert.
- Tumoren am AugenlidTumoren am Augenlid sind Geschwülste der Lidhaut, des Lidrands oder der Liddrüsen; die meisten sind gutartig, etwa Warzen, Zysten oder Muttermale. Der häufigste bösartige Lidtumor ist das Basalzellkarzinom, das vor allem ältere, hellhäutige Menschen am Unterlid trifft, kaum streut und bei rechtzeitiger Operation in aller Regel heilbar ist.
- BindehautentzündungDie Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine Entzündung der dünnen Schleimhaut, die das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider überzieht. Sie ist die häufigste entzündliche Augenerkrankung, betrifft Kinder wie Erwachsene, wird meist durch Viren, Bakterien oder Allergien ausgelöst und heilt in den meisten Fällen innerhalb von ein bis drei Wochen folgenlos ab.
Quellen
Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.
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- Das maligne Melanom der Bindehaut – Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde (Thieme), 2002 (DE)
- Klinische Ergebnisse von fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen der Bindehaut nach chirurgischer Therapie (Dissertation) – Ludwig-Maximilians-Universität München, 2014 (DE)
- Bindehauttumoren bei Kindern und Jugendlichen (Nüßle et al.) – Die Ophthalmologie (Springer), 2023 (DE)
- Mitomycin C bei konjunktivaler intraepithelialer Neoplasie (Cartsburg et al.) – Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde (Thieme), 2001 (DE)
- Melanom auf dem Boden einer primär erworbenen Melanose: Mitomycin C (Issa et al.) – Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde (Thieme), 2008 (DE)
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- Naevus conjonctival (Levy-Gabriel, Rapport SFO « Oncologie oculaire ») – Elsevier / Société Française d’Ophtalmologie (FR)
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- Neoplasia escamosa de la superficie ocular – Sociedad Española de Oftalmología, Ponencia 2023 (ES)
- Nevus conjuntival y melanosis adquirida primaria conjuntival – Sociedad Española de Oftalmología, Ponencia 2023 (ES)
- Melanoma conjuntival – Sociedad Española de Oftalmología, Ponencia 2023 (ES)
- Tratamiento quirúrgico de los tumores conjuntivales – Sociedad Española de Oftalmología, Ponencia 2023 (ES)
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- Neoplasias conjuntivales (Patienteninformation der Krankenhausapotheke) – Hospital Universitario Virgen Macarena, Sevilla (ES)
- Melanosis conjuntival – Clínica Universidad de Navarra (ES)
- A retrospective review of conjunctival melanoma (Pacheco et al.) – Archivos de la Sociedad Española de Oftalmología, 2019 (ES)
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